Biografie Cheops

Hetepheres I.

Nebenpyramiden Cheops

Nekropole Cheops

Die Große Pyramide von Giseh ist wohl der imposanteste Bau des gesamten Pyramidenkomplexes von Giza. Der Name des Cheops/Chufu ist für alle Zeiten mit dem gewaltigsten antiken Bauwerk aller Zeiten, welches eines der "Sieben Weltwunder der Antike" ist, verknüpft. Cheops oder "Chnum-Chuf(u))" wie sein eigentlicher Geburtsname lautete, nannte seine Pyramide "Achet-Chufu", was soviel wie "Horizont des Chufu" bedeutet. Schon im Altertum war die Große Pyramide umrankt von Geheimnissen und Legenden und hat bei ihren Besuchern Erstaunen aber auch Zweifel hervorgerufen, ob sie überhaupt ein Werk von Menschenhand ist. 

Von den anderen, zum Pyramidenkomplex gehörenden Gebäuden, wie dem Totentempel, dem Aufweg , welcher den Taltempel mit dem Totentempel verband sowie einer kleinen Satellitenpyramide und den drei Königinnenpyramiden ist nur wenig oder gar nichts erhalten geblieben. Aber im Jahre 1954 gelang es den ägyptischen Archäologen Kamal M. Zaki Iskander mit seinem Team an der Südseite der Großen Pyramide zwei Gruben mit intakten Schiffsbegräbnissen zu entdecken, von denen man im gleichen Jahr die östliche öffnete und eine fast 43 m große Barke, welches in 1224 Einzelteile zerlegt war und größtenteils aus libanesischem Zedernholz gefertigt wurden, zu rekonstruieren. Heute befindet sich die antike Barke in einem speziell für sie errichteten Museum an der Südseite der Pyramide.

Die Cheops-Pyramide ist die älteste und höchste der drei Pyramiden von Giza und bildet zusammen mit ihren beiden "Schwestern", der Chephren und der Mykerinos-Pyramide das einzig noch existierende der "7 Weltwunder der Antike". Man schätzt den Zeitpunkt ihrer Erbauung auf das Jahr 2580 v. Chr.

                    Cheops-Pyramide im Jahre 1858
                        Die Cheopspyramide heute 
      von der Südostseite des Giseh-Plateau aus gesehen. 
Bild: National Galleries of Scotland-Commons 
         from Edinburgh Scotland, UK
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Bild:      Giseh 14.jpg
Autor:   Olaf Tausch
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König Khufu, der allgemein als einer der Söhne des Snofrus angesehen wird, bestieg etwa gegen 2580 v. Chr. den Thron Ägyptens. Der neue König verlegte Residenz und Königsnekropole von Dahschur aus rund 40km nach Norden, wo er mit einem nahe an den Nil heranragenden Felsplateau in den Mokattam-Hügeln in Giza einen idealen Baugrund für seinen Pyramidenbezirk erwählte. Die Suche nach einem geeigneten Untergrund wurden von den Bauproblemen bei der Pyramide seines Vaters, der sog. "Knickpyramide" beeinflusst, was auch z. T. an der Bodenbeschaffenheit des Untergrunds lag.

Der neue Standort bot einen stabilen Untergrund für die Pyramide in der Größe wie sie Chufu plante, als auch reiche Vorkommen qualitativ hochwertigen Kalksteins, die leicht in großen Blöcken abzubauen waren. Das hügelige Plateau, das für den Pyramidenbau vorgesehen war, wurde terrassenförmig abgearbeitet. Lediglich in der Mitte ließ man einen stufigen Felskern stehen. Der Grund dafür war, dass man dadurch eine recht bedeutende Masse an Kernmauerwerk einsparen konnte.  Das Baumaterial für den Pyramidenkern stammte aus den südöstlich der Pyramide gelegenen Steinbrüchen. Man transportierte die Blöcke über eine Rampe auf die Baustelle. Lauer stellte die Theorie auf, dass die Cheops-Pyramide wahrscheinlich mit Hilfe eines ganzen Systems von Rampen errichtet wurde. 

Während der Regierungszeit von König Cheops war das Felsplateau in den Mokattam-Hügel in Giza kein jungfraulicher Boden mehr. Mastaba- und Nischengräber der 1 bis 3. Dynastie säumten südlich des Pyramidenplateaus den Felsrücken, unter ihnen Prinzen- und Fürstengräber der 1. Dynastie auf den umliegenden Hügeln, welche bei der Anlage der Pyramiden der 4. Dynastie rücksichtslos beseitigt wurden. Der Schacht unter der Königspyramide könnte einst zu einem dieser Gräber gehört haben, falls es sich nicht um eine natürliche Karstgrotte handelt. Das gleiche könnte auf das provisorische Grab der Königsmutter Hetepheres I. (G 7000x)  zutreffen. 

Der Pyramidenbezirk wie die dazugehörige Residenz und Pyramidenstadt erhielten den Namen "Achet-Chufu" = "Horizont des Chufu". 

Steinbrüche:

Die felsige Hochebene von Giseh besaß etwa 300 m südlich des geplanten Baugrundes für die Große Pyramide ein Gebiet, das mit seinem gut abbaubaren Kalkstein als Hauptsteinbruch genutzt werden konnte.  Für die nötige Menge an Gesteinsblöcken ließ Cheops insgesamt drei Steinbrüche errichten: (Quelle: nach Ägyptische Pyramiden Bd.2 /Hobby-Ägyptologen e.V. 52159 Roetgen-Rott 19)

Hauptsächlich betrieb man den Abbau des Steinmaterials für das Kernmauerwerk der Pyramide in offenen Steinbrüchen, welche sich  in unmittelbarer Nähe zur Pyramide befanden. Dieses wurde von den Wissenschaftlern durch geologische Untersuchungen nachgewiesen.

Der Standort für den ersten Steinbruch befand sich bei der Cheops-Pyramide selbst. Die Wissenschaftler nehmen an,
dass ein Felskern unter der Pyramidenmitte belassen wurde, den man später abgestufte (siehe dazu 
Untersuchungen von Rosemarie und Dietrich Klemm)

Der zweite Steinbruch besteht mit Ausnahme der Nordseite aus etwa dem Areal, das später für Errichtung der
Beamten-Mastabas und der Satellitenpyramiden genutzt wurde. Lt. den Wissenschaftlern stand fast das halbe 
Volumen der gesamten Pyramide (1,2 Mill. m³ aus den beiden ersten Steinbrüchen.

Die folgenden Steinbrucharbeiten erfolgten südlich der Cheopspyramide. Man senkte dazu das Gelände an der 
Ostseite des Steinbruchs III. etwas tiefer ab als im westlichen Teil. Das diente wahrscheinlich zur Erhaltung der
von den Baumeistern geschaffenen "natürlichen" Transportrampe, welche zur Baustelle des Pyramidenbezirks führte.

Über dem zur Großbaustelle gehörenden Nilhafen wurde das benötigte Steinmaterial (Rosengranit aus Assuan und der feine weiße Kalkstein aus Tura für die Pyramidenverkleidung und für die Kammer- und Gangsysteme) angeliefert. Die Granitsteine aus Assuan wurden auf großen Booten zur Baustelle gebracht. Der Nil bei Giza lag zur Pyramidenzeit der 4. Dynastie  vermutlich 2 - 3 km weiter westlich als in heutiger Zeit und war wohl über einen Hafen und einen oder mehreren Kanälen mit der Baustelle verbunden.

Man benutzte dazu evtl. den in der Nähe von Giza befindlichen Bahr Yussuf-Kanal (oder Josef-Kanal) oder evtl. auch einen Stichkanal. Die großen Boote aus Assuan wurden auf den Kanälen wahrscheinlich "getreidelt" (ziehen von Schiffen auf Wasserwegen durch Menschen oder Zugtiere)

Arbeitersiedlung:

Der griechische Historiker Herodot erzählte uns in viel späterer Zeit seltsame Geschichten über den Bau der Pyramiden. Ägyptische Priester hätten ihm berichtet, das Hunderttausende von Sklaven und für die Zeit der Nilschwemme dienstverpflichtete, ungelernte Arbeitskräfte, die mit hölzernen Hebeln und Maschinen die Bausteine nach oben beförderten, die Pyramiden gebaut hätten. Herodots Erzählungen verdanken wir eine ganze Reihe von Unwahrheiten und Klischees, die auch heute noch  fest in den Köpfen der Menschen verankert sind. Das Bild von Tausenden von Sklaven, die mit der Peitsche von ihren brutalen Aufsehern zum Bau der dem ewigen Ruhm des Königs dienenden Pyramide gezwungen wurden (Herodot, II. 124-127) gehört zu diesen Vorstellungen. Auch Diodor, der einige Jahrhunderte später Ägypten bereiste, liefert eine weniger extreme Beschreibung, aber auch er übernimmt einige der Behauptungen Herodots: Um die Cheops-Pyramide zu bauen, so erzählt er, "wurden 350.000 Menschen benötigt und die Pyramide wurde in 20 Jahren fertig gestellt". 

Noch heute werden diese fantasievollen Geschichten des Herodots erzählt, doch kann ihm dieses schwerlich von seinen ägyptischen Quellen zugeflossen sein, denn diese, d. h. die Priesterschaft von Memphis war vielleicht nicht überaus gut informiert, kannte und pflegte jedoch zu dieser Zeit immer noch die Überlieferung des Alten Reiches, der alten Könige und ihrer Denkmäler.

Nach den Steinbruchmarkierungen zu urteilen, die bei Ausgrabungsarbeiten an Snofrus Nordpyramide in Dahschur gefunden und registriert wurden, arbeitete ein hoch spezialisierter Trupp Arbeitsleute das ganze Jahr über an dem Bauvorhaben und nicht nur während einer Saison. Es waren vermutlich ungefähr 20.000 bis 25.000 Arbeiter - Steinbrucharbeiter und Steinmetze, Träger, Maurer und Putzer. Dazu kamen Essenslieferanten, Ingenieure und Baumeister. Man schätzt, dass die damalige Einwohnerzahl des Landes bei knapp 2 Millionen lag, das bedeutet: die Zahl der an dem Pyramidenbauprogramm beschäftigen Leute betrug knapp 1 Prozent der Gesamtbevölkerung. 

                            Die sogenannte Krähenmauer
Durch dieses Tor in der "Krähenmauer" wurde eine Verbindung zwischen der Arbeitersiedlung und der Baustelle am Pyramidenkomplex geschaffen.

                            (Bild: Jon Bodsworth - public domain)
                         Blick auf die Arbeitersiedlung
Das SCA unter Zahi Hawass hat mehrere Gräber entdeckt, die in die Bauperiode der Großen Pyramide datiert wird. 

 
 
            (Bild: Jon Bodsworth - public domain)

Südlich der sog. "Krähenmauer" (eine ca. 10 m breiten und hohen Mauer aus Stein), welche ca. eine Länge von 200 m besaß und sich am Eingang des ostwestlichen Zentralwadis in der Nähe des Nils befand, lag eine große Arbeitersiedlung. 

Durch diese aus Kalkstein errichtete Mauer wurde die Arbeitersiedlung von der Königlichen Nekropole getrennt. Die Mauer besaß eine Höhe von ca. 10 m und eine Länge von etwa 200 m. In ihrer Mitte wies sie einen Tordurchgang auf, der es den Arbeitern ermöglichte, von ihren Quartieren zu den Arbeitsplätzen an der Pyramidenbaustelle zu gelangen (siehe hierzu: Mark Lehner "The Giza Plateau Mapping-Projekt; und zu den Grabungen auf dem Friedhofsgelände westlich der Siedlung z. B. bei Zahi Hawass: "The Workmen`s Community of Giza, in: M. Bietak (Hrsg.) "Haus und Palast im Alten Ägypten, in UÖAI 14 (1996) 62 ff.) Entdeckt wurde diese Arbeitersiedlung durch Mark Lehner, der seit 1988 an deren Erforschung arbeitet.

Trotzdem keine Zeugnisse aus der Zeit Cheops ans Licht kamen (die bisherigen Funde stammen aus der Zeit Chephrens und Mykerinos), kann man dennoch davon ausgehen, dass diese Siedlung bereits unter Cheops für dessen Pyramidenbau angelegt wurde und unter seinen Nachfolgern blieb diese Arbeitersiedlung weiterhin in Funktion Das bisher untersuchte Gelände mit Resten der Arbeitersiedlung umfasst ca. 40.000 m². Umgeben wurde die Siedlung von einer ca. 4 m breiten Bruchsteinmauer im Westen und Südwesten. Bei den Grabungsarbeiten innerhalb der Siedlung fanden sich größere Mengen an Keramik. Am häufigsten fanden sich Bruchstücke von Backformen von Brot. Die Menge an Brotformen lässt hier auf die Existenz von Großbäckerein schließen. Des weiteren fanden sich Belege für kupfer- und fischverarbeitende Betriebe, sowie für Bierbrauereien. Diese ganze Infrastruktur diente einzig der Versorgung der Menschen der Arbeitersiedlung.

Entdeckungsgeschichte:

Über einen langen Zeitraum hinweg, vom späten Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert, waren die großen Werke des pharaonischen Ägyptens von allen vergessen - nur die Pyramiden von Giseh waren die einzigen Bauwerke, die von den Europäern beachtet und besichtigt wurden. Als die Römer nach Ägypten kamen, fanden sie die Pyramiden bei Giza noch unversehrt vor. Diese Bauten inspirierten den Prätor Gaius C. Epulo Cestius im 1. Jh. v. Chr. derart, dass er sich in Rom ein 37 m hohes pyramidales Grabmal errichten ließ. 

Die Namen der Pyramidenbauer sind in der islamischen Zeit fast völlig in Vergessenheit geraten. Man war sich nur darüber einig, dass die Pyramiden von Giza nur in der entfernten Zeit vor der großen Flut (Sintflut) entstanden sein konnten, man war sich aber uneinig darüber, welchem Zweck sie wohl dienten. Die arabischen Geographen und Schriftsteller des Mittelalters befassten sich ebenfalls mit den Pyramiden. Sie deuteten in ihren oft wundersamen Geschichten die Existenz von verborgenen Schätzen und Statuen aus purem Gold an, die im Inneren der Pyramiden verborgen sein sollen. Der arabische Reisende Abu el-Hassan El-Masudi berichtete im 10. Jahrhundert, dass im Jahre 820, als der abbasidische Kalif Al-Ma'mun nach Ägypten kam und auch die Pyramiden besichtigte, er den Wunsch geäußert habe, eine von ihnen abzutragen, um festzustellen, was sie enthielten. Als er feststellte, dass dieses nicht in seiner Macht lag, ließ er einen großen Stollen in die Cheops-Pyramide treiben und stellte damit die noch heute vorhandene Öffnung her. Was Al-Ma'mun nun wirklich im Inneren der Pyramide vorfand, ist von den arabischen Schriftstellern unterschiedlich beschrieben worden. Die Meinungen darüber, ob er nun wirklich einen großen Schatz oder sogar die Mumie des König Cheops gefunden hat, gehen weit auseinander. 

Neben den arabischen Schriftstellern wurden die Pyramiden und auch die Inschriften von christlichen Reisenden erwähnt, so z. B von B., William of Baldensele, der im Jahre 1336 neben Inschriften in anderen Sprachen sechs lateinische Verse las. Diese mittelalterliche Pilger, welche sich zu den Bauwerken vorwagten, schienen über ihre Bedeutung noch weniger als die arabischen Reisenden gewusst zu haben. Die meisten von ihnen schlossen sich der Überlieferung an, dass diese grandiosen Bauten von Joseph, dem Sohne Jakobs errichtet wurden, der hier das Korn der fetten für die mageren Jahre gespeichert hatte, wie er es dem Pharao in der Deutung seines Traums geweissagt hatte. Die mittelalterlichen Reisenden nannten diese Bauten daher "die Kornspeicher Josephs". Eine sehr frühe Darstellung der Pyramiden befindet sich in der Markuskirche von Venedig, die damals auf biblischen Überlieferungen basierend, sie als antike Getreidespeicher der Pharaonen darstellten.

Entgegen der christlichen Kornspeicher-Deutung erkannte aber schon Al-Masudi, dass es sich bei den Pyramiden um Gräber handelte, allerdings war die Kenntnis über die Erbauer der Pyramiden völlig in Vergessenheit geraten, denn er schreibt:
".....Die eine von den beiden Pyramiden ist das Grab des Agathodaimon, die andere das Grab des Hermes. Zwischen beiden liegen etwa 1000 Jahre, Agathodaimon ist der Ältere...."

Langsam rückten aber im 15. Jahrhundert die Besucher der Pyramiden von der allgemeinen Auffassung ab, die Bauwerke seinen die Kornspeicher Josephs und man ging dazu über, sie überwiegend für die Grabstätten längst verstorbener Könige zu halten.

Die ersten wissenschaftlichen Studien der Cheops-Pyramide veröffentlichte 1591 der aus Venetien stammende Konsul Giorgio Emu, der zusammen mit dem Arzt und Naturforscher Prospero Alpinus nach deren Rückkehr aus Ägypten das Werk: "Rerum Aegyptiarum Libri Quatuor" veröffentlichte, in der er seine durchgeführten Messungen über Höhe und Umfang der Pyramide beschrieb. Alpini erwähnt auch einen Sarg aus schwarzem Marmor ohne Deckel, der sich im Inneren befinde, und eine Grube am Eingang zur großen Galerie. Alpinus berichtete außerdem, dass der Eingang der Pyramide 1584 von Ibrahim Pascha erweitert worden sei, um nun bei seiner Schatzsuche einen leichteren Zugang zum Innern zu haben. Bei dem erweiterten Eingang kann es sich nur um den originalen Eingang in die Pyramide gehandelt haben, da das Wissen um den von Al-Ma'mun erweiterten Stollen im Laufe der Jahre vergessen wurde und der Eingang selbst inzwischen verschüttet war. Der Naturforscher Alpinus lässt uns weiter wissen, dass der große Sarkophag in der Grabkammer ohne Deckel sei, was bedeutet, dass dieser ab diesem Zeitpunkt definitiv verschwunden war. Weiter berichtet Alpinus, dass die Pyramiden des Chephren und Mykerinos noch ihren glatten Deckmantel haben, zumal es dort keine Stufen zum Besteigen der Bauwerke gäbe.

Die ersten wissenschaftlichen Veröffentlichungen fanden Mitte des 17. Jahrhunderts statt. Der englische Professor für Geometrie und Astronomie in Oxford John Greaves (1602-1652) nahm präzise Messungen der Monumente vor und verfasste zum ersten Mal eine objektive Studie über die Pyramiden, in welcher er versuchte, die geschichtlichen Tatsachen mit der Legende zu verbinden. Die "Pyramidographie" wurde 1646 in London veröffentlicht und 1663 und 1696 in französischer Übersetzung in Paris verlegt. In seinem Werk ordnete er die drei Pyramiden von Giza, die er richtigerweise für Gräber hielt, den Königen Cheops, Chephren und Mykerinos zu. Er beschrieb die Innenräume der großen Pyramide und er kletterte in den vom Anfang der Großen Galerie aus hinabführenden Stollen, der nach seinen Angaben voller Schutt war und an den Seitenwänden Einkerbungen hatte. Er stellte auch als erster fest, dass sich am Fuß der Ostwand der Cheops-Pyramide die Reste eines Basaltpflasters befand, von dem er schrieb, dass es sich hier um die Reste des einstigen Totentempels des Königs handelte. Durch die späteren Forschungen wissen wir, dass Greaves mit dieser Feststellung Recht hatte. Keiner der Pyramidenbesucher des 17. und 18. Jahrhunderts hat über die Cheops-Pyramide so viele Daten und Berechnungen zusammengetragen, wie John Greaves. 

Weitere wichtige Reisende, die sich nach der Veröffentlichung von John Greaves Werk, mit den Pyramiden beschäftigten, sind Jean de Thèvenot, der während einer Reise durch die Levante 1655 nach Ägypten kam berichtete, das die dritte Pyramide mit dem gleichen Stein verkleidet war, aus dem auch die Grabkammer der Großen Pyramide besteht (Granit). Edward Melton schreibt in seiner Schilderung über eine 1661 unternommene Reise und nennt die Maße der Großen Pyramide , übernimmt aber auch die Ansichten von Herodot und Diodor über die Bauzeit und die dabei beschäftigten Arbeiter. Er berichtet auch, dass der auf einigen Pyramiden Hieroglyphen gesehen habe, die seiner Meinung nach Auskunft über die Besitzer der Bauwerke geben. Wenige Jahre nach der Veröffentlichung von John Greaves erschien die große Abhandlung des Jesuitenprofessors Athanasius Kircher über die ägyptischen Obelisken, die ein Rückschritt in den mystischen Aberglauben war. 

Vom Ende des 17. Jahrhunderts mögen von den wichtigsten Pyramidenforschern nur de Chazelles, Benoit de Maillet und Paul Lucas genannt werden. Jean-Mathieu Chazelles war assoziiertes Mitglied der Französischen Akademie der Wissenschaften und führte für die Akademie Messungen an den Pyramiden durch. Er gab deren Himmelsrichtungen ziemlich präzise an, aber seine Arbeiten wurden in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Der Franzose Benoit de Maillet (1656-1738) war in den Jahren 1692-1708 als Konsul in Cairo akkreditiert und beschäftigte sich sehr intensiv mit den Bauwerken von Giza. Er bestieg die Große Pyramide mehrmals und suchte   deren Inneres 40 mal auf. In seinem Werk "Descriptions de l'Egypte" beschrieb er ziemlich exakt die Pyramiden und fertigte von der Cheops-Pyramide sogar einen Schnitt an. Er hielt den Stollen, der vom Anfang der Großen Galerie aus senkrecht in die Tiefe führte für den Fluchtweg der Bauarbeiter, welche bei Fertigstellung der Pyramide das Gangsystem mit Fallblöcken verschließen sollten. Diese Auffassung hat bis zum heutigen Tag Bestand. Die beiden Luftschächte in der Grabkammer hatte er allerdings eine weniger glaubwürdige Erklärung. Er vertrat die Auffassung, dass diese für die zusammen mit dem toten König lebendig eingeschlossenen Menschen angelegt worden seien. Einer der Schächte diente zum Transport der Nahrung für diese Menschen, der andere für die Beseitigung des Mülls.

Paul Lucas, der im Verlauf seiner Orientreisen zwischen 1699 und 1703 und in den Jahren 1714 bis 1717 nach Ägypten kam, schrieb u. a. dass die Verkleidung der Pyramiden aus Zement und nicht aus Stein besteh und die Sphinx auf einer der kleinen Pyramiden angebracht sei, welche in der Nähe der Großen stehen.

Erwähnt werden muss unter den Reisenden des 18. Jahrhunderts auch der dänische Marineoffizier Frederik L. Norden, der ausführliche Notizen und mehr oder weniger präzise Ansichten und Pläne veröffentlichte. Norden, der auch ein begabter Zeichner war, besuchte 1737 im Auftrag seines Königs Christian VI. Ägypten und fertigte mit großem künstlerischen Geschick Zeichnungen des Pyramidenplateaus an, auf denen man im Vordergrund die Sphinx erblickte. Er veröffentlichte nach seiner Rückkehr sein Werk "Reise in Ägypten und Nubien" in dänischer Sprache. Sein Werk wurde später auch ins Französische und Englische übersetzt. Er war auch überzeugt davon, dass die Pyramiden als königliche Gräber dienten. In seinen Plänen der Pyramiden sind die Tempel des Chephren und des Mykerinos sowie die Aufwege zur Cheops-Pyramide angegeben, während er den Chephren-Aufweg nicht ausmachen konnte. Evtl. war dieser zu der Zeit vollständig vom Sand verschüttet.

Der Engländer Richard Pococke (1704-1765) war ein gebildeter und nicht unvermögender Mann, der sich 1737 im Alter von 33 Jahren auf eine große Orientfahrt begab. Im gleichen Jahr hielt er sich fünf Monate lang in Ägypten auf. Er stützt sich in seinen Beschreibungen der Pyramiden ganz wesentlich auf die antiken Historiker. Auch er weist richtigerweise die drei großen Pyramiden den Königen Cheops, Chephren und Mykerinos zu. Er gibt in seinen Beschreibungen ebenso wie Norden die Fragmente des Chephren-Totentempels und des Mykerinos an, wie auch den von Herodot schon beschriebenen Aufweg zur großen Pyramide und weist daraufhin, dass noch zahlreiche Blöcke aus "äthiopischem Stein" (d. h. Granit), welche zum unteren Teil der Mykerinos-Pyramide gehörten, um die Pyramide herum verstreut lägen. Seine Leistung für die Ägyptologie lag insbesondere in der Herausgabe der "Description of the East", in welcher er detailliert und sachlich seine Erkenntnisse über die Pyramiden beschreibt.

Der britische Diplomat und Reisende Nathaniel Davison besuchte 1765 die Cheopspyramide und entdeckte die ersten "Entlastungskammern" über der Königskammer. Am 8. Juli 1765 stieg er zusammen mit dem französischen Handelsmann Konsul Cosigny in eine vorher entdeckte Öffnung in der Stirnwand am Ende der großen Galerie. Niemand weiß, wer diese Öffnung in die Granitplatten hineingeschlagen hatte und wann das erfolgte. Von hier aus gelangten die beiden Forscher in eine niedrige hohle Kammer, die direkt über dem Dach der Königskammer liegt. Dieser Hohlraum trägt seitdem den Namen Davison-Kammer. Diese Kammer war die erste von insgesamt fünf Entlastungskammern über der Sargkammer des Cheops.

Systematisch erforscht wurden die Baudenkmäler des Alten Ägyptens und auch die Cheops-Pyramide jedoch zuerst von den Wissenschaftlern im Gefolge der Ägyptischen Expedition von Napoleon Bonaparte im Jahre 1798, zu denen auch der berühmte Dominique Vivant Denon gehörte. Bei den Forschungen wurde den Pyramiden besondere Bedeutung beigemessen und sie wurden von jeder Seite aus genauesten vermessen, um so die Höhe und den Neigungswinkel berechnen zu können.

1817 kam der aus Padua stammende Ingenieur (Gewichtheber und Akrobat) Giovanni Battista Belzoni nach Ägypten, in der Hoffnung, dort als Wasserbauingenieur unter Mohammed Ali  Karriere zu machen. Inzwischen in den Dienst des englischen Konsuls Salt getreten, begutachtete Belzonis nicht nur die Arbeit von Caviglias, er beobachtete auch genau die Außenseiten der Cheopspyramide, vor allem die Nordseite und verglich diese Beobachtungen mit solchen, die er auf der Nordseite der Chephren-Pyramide feststellte und beantragte dann nach seiner Rückkehr von einer erfolgreichen Reise nach Oberägypten die Grabungserlaubnis für die Chephrenpyramide, wo er dann unter den Schuttmassen zuerst den Grabräubereingang und dann die beiden originalen Eingänge finden konnte.

Auch die in den Jahren 1835 bis 1837 unter dem englischen Oberst Richard William Howard Vyse zusammen mit Caviglia und danach mit dem Ingenieur John Shea Perring durchgeführten Forschungen und Messungen der Pyramiden stellten einen entscheidenden Beitrag für die weitete Erforschung der Pyramiden von Giseh dar. Neben der Entdeckung des äußeren Zugangs zum unteren Gang der Chephren-Pyramide erforschten sie unter Gewaltanwendung - anfangs mittels Meißel und Brecheisen, dann sogar mit Kanonenpulver - die restlichen Entlastungskammern in der Cheops-Pyramide, wobei sie in der obersten dieser Kammern eine Königskartusche entdeckten. Diese Kartusche ermöglichte zum ersten Mal eine direkte Zuweisung der Pyramide zu einem König, welche vorher nur auf die Überlieferungen von Herodot beruhten. Vyse und Perring erforschten auch die Nebenpyramiden des Cheops und des Mykerinos. 

Der deutsche Ägyptologe Richard Lepsius widmete sich der Erforschung der Pyramiden und erarbeitete eine Theorie über den Bau der Monumente. Er unternahm in Giseh erstmals eine Wiedergabe der Wandmalereien aus zahlreichen privaten Mastabas in den zwei großen Friedhöfen, die östlich und westlich der Cheops-Pyramide lagen. Lepsius befasste sich während seiner Ägyptenexpedition in den Jahren 1843/44 vor allem mit der Struktur der Großen Pyramide und äußerte die Ansicht, der Kern bestehe aus geböschten Schalen steinernen Mauerwerks. 

Zum Geburtstag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. erwiesen die Archäologen ihrem Landesherrn und Mäzen alle Ehre und feierten dieses Ereignis mit einer Besteigung der Großen Pyramide, an deren Gipfel sie eine Fahne entrollten.

 

(Bild: Richard Lepsius u. a.)
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Die Große Galerie der Cheops-Pyramide war Gegenstand eingehender Forschungen durch den englischen Ägyptologen William Matthew Flinders Petrie, der 1880 nach Ägypten kam und später eine unglaubliche Zahl von wissenschaftlichen Studien über die Nekropole von Giseh veröffentlichte. Seinem Arbeitsstil gemäß suchte Petrie erst am frühen Abend die Pyramide auf. 

In den Kammern und Korridoren war es so heiß, dass er dort nur dürftig bekleidet arbeitete, wo es für einen zufälligen nächtlichen Besucher wohl ein ziemlich schockierendes Erlebnis gewesen wäre, den bärtigen, halbnackten Wissenschaftler zu sehen, der im Licht der Petroleumlampe über bautechnischen und archäologischen Details und Tagebucheinträge grübelte.

(Bild: der Archäologe Flinders Petrie um das Jahr 1886 - dieses Bild ist gemeinfrei )

Auch Ludwig Borchardt beschäftigte sich mit dem berühmten Bauwerk und konzentrierte sich darauf, die ursprüngliche Methode zur Vermessung und Orientierung der Grundfläche zu erklären und die Bauphasen zu rekonstruieren.

Im Jahre 1954 gelang es den ägyptischen Archäologen Kamal Mallach, Zaki Iskander und anderen, an der Südseite der Großen Pyramide zwei Gruben mit intakten Schiffsbegräbnissen zu entdecken. Die östliche wurde geöffnet und das Boot in seiner ursprünglichen Gestalt rekonstruiert. Die andere, westliche Grube bleib bisher ungeöffnet, wurde aber inzwischen mittels einer Sonde mit Mikrofilm von der National Geographic untersucht. Die französischen Architekten Jean-Patrice Dormion und Gilles Goidin gaben in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre der Erforschung der Großen Pyramide durch ihre genaue geophysikalische Vermessung der inneren Kernstruktur neue Impulse, welche später durch die Messungen der Japaner von der Waseda Universität Tokio bestätigt wurde.

Im Sommer 1986 entdeckten die französischen Architekten Jean-Patrice Goidin und Giles Dormion in der Cheops-Pyramide damals noch unbekannte Hohlräume. Mittels elektronischer Mikrosonden drangen sie durch zwei Meter starkes Gestein und entdeckten zunächst anstelle der von ihnen erwarteten "Schatzkammern"  bis zu 0,25 m breite Fugen, die mit Flugsand gefüllt warten, wofür Rainer Stadelmann eine einfache architektonische Erklärung fand. Ergänzende Untersuchungen ägyptischer Geologen und Mineralogen bewiesen eindeutig, dass der feine Sand aus der benachbarten Gegend von Abu Roach im Norden des Plateaus durch die vorherrschenden Nordwinde während der Bauzeit eingeweht worden ist. Japanische Archäologen der Waseda Universität meinten allerdings, der Sand sei zur Sicherung gegen Erdbeben eingebracht worden.  

Einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Großen Pyramide stellen auch die archäologischen Untersuchungen des ägyptischen Archäologen Dr. Zahi Hawass dar, die sich auf das Areal des angenommenen Taltempels, des Aufweges und des Totentempels beziehen. 1992 arbeitete Dr. Hawass an der Erforschung der Königinnenpyramiden und im Jahre 1993 ist der Standort einer vierten, kleinen Kultpyramide (G1-d) am Südostende der Cheopspyramide von Dr. Hawass und seinem Team ermittelt worden.

Schächte in der Königinnenkammer:

Die Mündungen in den Schächten der Königinnenkammer waren ursprünglich zugemauert und damit getarnt. Erst Waynman Dixon machte sie im Jahre 1872 ausfindig und es gelang ihm sie zu öffnen. 

Im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Kairo das damals unter der Leitung von Rainer Stadelmann stand (im Rahmen der II. Kampagne des DAI-Projektes zur Vermessung der Schächte) untersuchte und reinigte der Münchner Ingenieur Rudolf Gantenbrink 1993 mittels eines von ihm entwickelten Miniatur-Raupenfahrzeugs, welches er 
"Upuaut 2" nannte (altägyptisch "Öffner der Wege") beide Schächte der Königinnenkammer der Cheops-Pyramide. Im Gegensatz zu den Schächten in der sog. "Königskammer" haben diese Schächte keine Öffnungen an den Außenwänden der Pyramide.

Der kleine kabelgesteuerte Roboter entdeckte bei den Untersuchungen von 1993 im nördlichen Schacht nach einer zurückgelegten Strecke von ca. 18,50 Metern in der Biegung des Nord-Schachtes eine über zwei Meter lange, fest verkantete Eisenstange; für den Roboter "Upuaut 2" ein unüberwindbares Hindernis. 

Es besteht die Möglichkeit, dass diese Eisenstange 1872 von dem englischen Forscher und Entdecker der beiden Schächte in der Königinnenkammer, Waynman Dixon, dort bei seinem Versuch einer Längenbestimmung des Kanals, hineingeführt wurden und es ihm später nicht mehr gelang, diese zu entfernen. Dixon und sein Partner James Grant fanden im Nordschacht einen kleinen bronzenen Haken sowie eine Granitkugel und ein Fragment aus zedernartigem Holz. Diese Gegenstände brachte man nach Großbritannien und gab sie nach der Registrierung durch den "Astronomer Royal for Scotland" an Dixon zurück. Danach verschwanden sie. Erst im Jahre 1993 tauchten die Kugel und der Haken nach intensiver Suche im Britischen Museum wieder auf. Dort sind sie noch heute zu besichtigen. Das Holzfragment wurde erst 2001 im Marischal Museum in Aberdeen wieder entdeckt.

Aufgrund eines 45-Grad-Knicks kam der Roboter bei seiner Erkundungsfahrt nicht mehr weiter. Bei dieser Mission fanden Gantenbrink und sein Team ein langes Holzteil und einen Metallstab, des weiteren ein Stück Holz mit  zwei Bohrungen (evtl. ein Griff) im schrägen Abschnitt des nördlichen Königinnenkammerschachtes, welche im Bericht von Dixon nicht aufgeführt sind. Evtl. stammen auch sie von aus den Erkundungsversuchen der Dixon-Untersuchung. 

Erst die 2. Erkundungsmission im Jahre 2002 mit einem neu konzipierten Roboter führte zur weiteren Erforschung des Nordschachtes. Dazu später mehr.

Bei der Untersuchung des südlichen Schachts im Jahre 1993 drang der Roboter "Upuaut-2" fast bis auf eine Länge von fast 65 Metern ein, bis er vor einem "Blockierstein" aus der Erbauungszeit der Pyramide mit zwei Kupferbeschlägen, die in die Steinplatte eingegipst waren, stehenblieb. Wie die Videoaufnahmen von "Upuaut " aus dem Jahre 1993 zeigten, war vom linken Kupferbeschlag irgendwann ein Teil abgebrochen und lag nun ca. zwei Meter vor dem Blockierstein. Der rechte Kupferbeschlag war noch intakt. Auffällig war die grüne Patina, die auf Kupfer hindeutete (vergl. MDAIK Bd. 50). 

Es bedurfte nun weiterer Forschungen um den Zweck der Schächte in der sogenannten Königinnenkammer in Erfahrung zu bringen. Diese Untersuchungen wurden am 17. September 2002 mit einem vom National Geographic gesponserten neuen Roboter, den man "Pyramid Rover" nannte, unter der Leitung von Zahi Hawass durch das "Supreme Council of Antiquities" (SCA) fortgeführt.

Diese neue Untersuchung durch den "Pyramid Rover" konnte durch die zeitgleiche  Fernsehübertragung weltweit mitverfolgt werden. 

Das neu konzipierte Miniatur-Fahrzeug durchbohrte die Blockierplatte und man inspizierte den Raum hinter dem Blockierstein mittels einer eingebauten Kamera. Man hatte einen Tag vor der Fernsehübertragung bei einer Ultraschalluntersuchung festgestellt, dass der Blockierstein im südlichen Schacht etwa eine Dicke von sechs Zentimeter besaß und sich wohl dahinter etwas befand. Man bohrte daraufhin ein Loch in den Blockierstein durch das man während der Fernsehübertragung dann mittels der Kamera einen Blick in den dahinter liegenden Raum werfen wollte. Hinter dem ersten Blockierstein befand sich ein 21 cm langer leerer Hohlraum, der von  einem weiteren roh behauenen, rissigen Blockierstein begrenzt wurde. Bei den Untersuchungen wurde aber keine weitere Kammer, wie einige der Forscher vermuteten, hinter dem 2. Blockierstein gefunden.

Den nördlichen Schacht untersuchte man einige Tage später - diesmal nicht mit einer weltweiten Fernsehübertragung - Dixon war 1872 ebenso wie auch der Roboter "Upuaut 2" im Jahre 1993 wegen des Knicks im Verlauf des Schachts in der Königinnenkammer nur wenige Meter weit gekommen. Lt. den von Zahi Hawass vom SCA am 23. Sept. 2002 verkündeten Untersuchungsergebnissen befindet sich lt. Videoaufzeichnung im Nordschacht nach einer Strecke von 63,40 m ebenfalls eine "Blockierplatte", die auch mit zwei Kupferbeschlägen versehen war, welche lt. Hawass aber wohl intakt erscheinen. Wahrscheinlich befindet sich lt. Zahi Hawass dahinter ebenfalls wie im Südschacht eine zweite Sperre, wohl auch im Abstand von 21 cm. 

Die bisher letzte Untersuchung der Schächte fand im Mai des Jahres 2009 statt. Ein internationales Untersuchungsteam unter der Leitung des englischen Ingenieurs Dr. Robert Richardson stellte mittels des neuen Roboters "Djedi", auf dem ein nun schwenkbarer Kameraausleger montiert war, im südlichen Schacht fest, dass man nach dem Durchbohren der Steinplatte auf den Videoaufnahmen "rötliche Hieroglyphen" auf dem Boden des Schachts entdeckt habe. Die Forscher versprechen sich von diesen Inschriften Aufschlüsse über den Zweck der Schächte in der Königinnenkammer.

Das SCA unter Zahi Hawass und Dr. Robert Richardson planten eine weitere Untersuchung der Schächte im Jahre 2011 - was aber wohl durch die sog. "ägyptische Revolution" verhindert wurde.

Den Forschern bietet sich durch die bisher erhaltenen Forschungsergebnisse ein relativ klares Bild vom Verlauf und vom Aufbau der Schächte. Allerdings konnte bis heute die eigentliche Funktion noch immer nicht wirklich geklärt werden. Der ehemalige Leiter des SCA, Zahi Hawass, ist der Meinung, dass diese Schächte nur dem Aufstieg der Seele des Königs zum Nord- und Südhimmel dienten und dass es hinter den Blockiersteinen bestimmt keine verborgene Kammer gab, wie manchmal von einigen Experten vermutet.

Andere interpretieren die Schächte in der Königinnenkammer als "Luftschächte" für die Arbeiter in den Kammersystemen der Pyramide. Britische Forscher (R. W. H. Vyse, J. S. Perring) entdeckten nach der Säuberung der Schächte, dass es zu einer wesentlich besseren Frischluftzufuhr in der Grabkammer kam. Auch der Ägyptologe Miroslav Verner (Die Pyramiden, 1998) kann sich vorstellen, dass - Zitat: "Von den Theorien, die dazu bisher vorgeschlagen wurden, scheint die wahrscheinlichste diejenige zu sein, die ihnen eine Belüftungsfunktion zuschreibt".

Der deutsche Ägyptologe Rainer Stadelmann schließt aufgrund der robotergestützten Untersuchungen der Schächte in der Königinnenkammer und der Funde im Britischen Museum aus, dass die Schächte evtl.  zur Belüftung der Pyramide dienten. Nach seiner Ansicht dienten sie als "Modellkorridore für die Himmelfahrt der Seele des Königs", wie diese in den Jenseitsvorstellung in den erstmals ungefähr 260 Jahre später überlieferten Pyramidentexten geprägt werden. Die Modellkorridore weisen demnach dem toten König den Weg zum Nordhimmel, zu den "Nicht Erlöschenden" (den Zirklumpolarsternen), sowie zum Südhimmel in das "Land des Lichts". (siehe dazu Stadelmann, Gantenbrink: "Die sogenannten Luftkanäle der Cheopspyramide MDAIK 50, 1994, S. 291)

Achet-Chufu:
"Horizont des Chufu" 

 

Die Pyramide in Zahlen
(Zahlen nach Mark Lehner: Geheimnis der Pyramide u. Lexikon der Pharaonen/Schneider)

Name in der Antike: "Horizont des Cheops" - Achet Chufu
ursprüngliche Höhe 146,60 Meter
heutige Höhe: 138,75 Meter
Grundfläche 230,38 Meter im Quadrat
Neigungswinkel: 51°50'40''
Volumen der
Steinblöcke:
ca. 2.300.000  (nach Mark Lehner)
Orientierung die 4 Seiten sind mit minimalen Abweichungen nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet.
Große Galerie: 46,7 m lang, 8,7m hoch , 2,09 m breit
"Königinnenkammer": 5,8 m x 5,3 m x 6 m Höhe
Königskammer: 10,5m x 5,2 m x 5,84 m Höhe
unterirdische Kammer: 14m x 7,2 m x 5,3 m Höhe (Planmaße)
Lage: 30 m unter der Plateau-Oberfläche
Königinnenpyramiden: 3   ( GI-a = Hetepheres, GI-b = Meritetes, GI-c = Henutsen)
- Zuordnung nicht gesichert -
Bootsgruben:



Maße d. Sonnenschiffes:

2 an der Ostseite (beraubt), 2 an der Südseite (unversehrt)
1 weitere westl. davon (1987 fotografiert aber noch nicht geöffnet)
1 Sonnenschiff befindet sich in Bootsmuseum direkt über der Bootsgrube

43,3 m lang und 5,6 m breit mit 1224 Einzelteilen - Alter: 4500 J.

 

Der Pyramidenkomplex:

Die königlichen Pyramiden bestanden aus einer Gruppe von Bauwerken, von denen die Pyramide selber das bedeutendste Element war, deshalb wird von einem Pyramidenkomplex gesprochen. Man muss die gigantischen Steinbauten aus dem historischen Kontext heraus betrachten. Im religiösen Sinn basiert die Grundidee der letzten Ruhestätte für den König auf die Vorstellung vom Urhügel, der bei der Weltschöpfung aus der Urflut aufgetaucht war und auf dem das Leben erschaffen wurde. Das bedeutet also auf dem Symbol der Auferstehung und des ewigen Lebens. Durch die Idee des Urhügels basierst die äußere Gestalt des Königsgrabes. Diese durchlief zu Beginn der ägyptischen Geschichte eine komplizierte Entwicklung, welche in der 3. Dynastie letztendlich in der Pyramidenform gipfelte. Die Gesamtstruktur der Totenkultanlage unterlag im Verlauf der 4. und 5. Dynastie zwar hinsichtlich der Lage und der Ausrichtung der Kultbauten einige Veränderung, aber meist sind die wichtigsten Merkmale unverändert geblieben.

Die Pyramide sollte die Totenresidenz des Königs werden - unzerstörbar und ewig. Die anderen Bauten im Pyramidenkomplex dienten dem Totenkult, welcher ebenfalls ewig währen sollte. Der dauerhafte Kult um den toten König sowie sein Pyramidenbau avancierten daher zur wichtigsten Aufgabe des altägyptischen Staates.

Die Cheops-Pyramide besaß alle Standardelemente des Pyramidenkomplexes wie 

den Totentempel,

den Aufweg,

den Taltempel

die Königinnen-Pyramiden

die Kultpyramide

und die Pyramide 

Ab Mitte der 4. Dynastie könnten auch die Bootsbestattungen als ein weiteres Element zum Inventar einer Pyramidenanlage gehört haben. 

Trial-Passage:

Die Trial-Passage wird von den Wissenschaftlern größtenteils als Modell angesehen, welches die Baumeister der großen Pyramide als Kammermodell anlegten. Das Gangsystem der Trial-Passage wurde von Vyse und Perring entdeckt und von Perring untersucht und vermessen. Auch Maragioglio & Rinaldi schlossen sich der Argumentation von Perring an, der in der Trial-Passage ein 1 : 1 Modell des Gangsystems der Cheops-Pyramide sah.

Etwa 87,50 m von der Ostseite der großen Pyramide entfernt wurden an der Nordseite des Aufwegs schmale Korridore in den Felsen des Giza-Plateaus geschlagen, dabei wurde der Fels bei diesem "Versuchsmodell" sorgfältig nivelliert.

Die Korridore der sog. "Trial-Passage" sind in Schnitt und Ausrichtung fast identisch mit den Korridoren  in der Cheops-Pyramide, nur in einem verkleinerten Maßstab von etwa 1 : 5. Außerdem wurden die Aussparungen für die Bohlenabdeckung angebracht, was zur Annahme führt, dass die Funktionsfähigkeit der Verriegelungsblöcke am Modell ausprobiert wurde. Am unteren Ende des Südganges ist eine kleine Felsnase belassen, die verhindern sollte, dass die Verriegelungsblöcke in den abführenden Gang hineinrutschten, so dass es den Priestern möglich blieb, nach der Bestattung und Verriegelung die Pyramide verlassen zu können. Diese Auffangnase wurde im Original-Bauwerk nicht übernommen. Statt dessen fertigte man den Gang 2 cm enger, so dass sich die Verriegelungsblöcke an dieser Stelle einklemmten. Dies ist heute noch an zwei Originalblöcken zu sehen.

Die Architekten der Trial-Passage imitierten den absteigenden Korridor, den aufsteigenden Korridor und den unteren Teil der Großen Galerie. Auch der horizontale Gang zur Königinnenkammer wurde andeutungsweise in den Fels geschlagen.

Das Gangsystem der Trial-Passage wurde von Vyse und Perring entdeckt und von Perring untersucht und vermessen. Bei der Freilegung des Ostplateaus an der Cheops-Pyramide im Jahre 1990 von Schutt und Sand wurde auch das Modell der Trial-Passage erneut freigelegt

             Trial-Passage 
  - an der Ostseite der Cheops-Pyramide -
Die meisten Ägyptologen sind der Meinung, dass es sich bei der Trial-Passage um ein 
1 : 1 Modell des Gangsystems der Cheops-Pyramide handelt. Das Gangsystem der Trial-Passage wurde von Vyse und Perring entdeckt und von Perring untersucht und vermessen.

(Zeichnung: Nefershapiland)

 

     Nordeingang zur sog. "Trial-Passage

 

 

 

(Bild: Thanks to Jon Bodsworth für public domain)

 

 

Die Pyramide des Cheops:

 

                                   Cheops-Pyramide
                         (Bild: Peter Alscher, Amberg)
                  Cheops-Pyramide mit Touristenbusse
                                 (Bild: Elvira Kronlob)

Die Cheops-Pyramide unterscheidet sich in einigen Dingen von den beiden anderen Pyramiden des Giza-Plateaus. Ebenso wie auch bei anderen Pyramiden des Alten Reiches besitzt die Cheops-Pyramide drei Hauptkammern, doch sind diese übereinander angeordnet und besitzen alle einen eigenen Zugang:

  1. die Felsenkammer, welche im unteren Teil der Pyramide liegt und offensichtlich unvollendet blieb,

  2. die mittlere Kammer, die sog. "Königinnenkammer", von der frühere Forscher annahmen, dass sie als
    die Grabkammer der Königsgemahlin vorgesehen war,

  3. im oberen Bereich der Pyramide befindet sich die eigentliche Grabkammer, die "Königskammer", die mit drei Steinabsperrungen verschlossen war und die den Sarkophag des toten Königs enthielt.

       Pyramidenquerschnitt

1.  Originaler Eingang
2.  Grabräubereingang
3.   Abzweigung des aufsteigenden Korridors
4.   Absteigender Korridor
5.   Felsenkammer
6.   aufsteigender Korridor
7.   Königinnenkammer mit "Luftschächten"
8.   Zugangskorridor zur Königinnenkammer
9.   Große Galerie
10. Königl. Grabkammer mit Luftschächten
11. Verbindungskorridor zwischen Großer
      Galerie und Königskammer
12. sog. "Grabräuberschacht"

(Querschnitt: nach Franck Monnier, der seine Zeichnung public domain gestellt hat. -  bearbeitet von Nefershapiland)

Für den Bau der Pyramide wurde der Felsen bis auf einen Restvorsprung in der Mitte, der die Konstruktion des Pyramidenkerns vereinfachte und festigte, zu einer fast waagerechten Fläche planiert. Als Baumaterial benutzten die Architekten große Kalksteinblöcke, welche aus den südöstlich der Pyramide gelegenen Steinbrüchen stammen. Die Kalksteinblöcke wurde über eine Rampe auf die Baustelle transportiert. Nach einer Theorie von Lauer wurde die Pyramide wahrscheinlich mit Hilfe eines ganzen Systems von Rampen erbaut. 

Die Außenwände der Cheops-Pyramide wurden von mächtigen Blöcken gebildet, welche in waagerechten Reihen angeordnet waren. Da die obersten Schichten der Pyramide im Mittelalter herausgebrochen wurden, sind es heute nur noch 203 Reihen (siehe M. Verner: die Pyramiden/Rowohlt-Verlag 1998). Die Höhe der einzelnen Blöcke schwangt zwischen einen und anderthalb Metern. Lt. Stadelmann hat die Pyramide heute noch eine Höhe von 138,75 m, einst erreichte sie aber mit ihren ca. 210 Lagen (John Greaves hat 1549 noch 207 Lagen und Petrie 1882 noch 203 Lagen gezählt) und der heute nicht mehr vorhandenen Pyramidenspitze eine Höhe von 280 Ellen (146,59 m). Auf den obersten Steinen de Pyramide befinden sich viele Namen-Graffitis von Besuchern des 19. Jahrhunderts, merkwürdigerweise aber keine Namen von Besuchern des 18. Jahrhunderts und selbst solche der Napoleonischen Expedition fehlen hier. Lt. Stadelmann (die großen Pyramiden) könnte diese Tatsache evtl. ein Beleg dafür sein, dass noch im 18. Jahrhundert und zu Beginn des 19. Jahrhunderts Besucher mutwillig große Blöcke von der obersten Lage der Kalksteine herabstürzen ließen - nur um des Effekts willen. Es ist nicht bekannt, wann die sicherlich ehemals vorhandene Pyramidenspitze, das sog. "Pyramidion" zerstört oder herabgestürzt worden war. Auch über die Beschaffenheit des Abschlusssteines, also des Materials, aus dem sie bestand, existieren keine Überlieferungen. Lt. Diodor von Sizilien, befand sich die Verkleidung der Cheops-Pyramide zu seiner Zeit noch in einem hervorragenden Zustand, wohingegen er über die Spitze der Pyramide berichtete, dass der oberste Teil von einer quadratischen Plattform von 6 Ellen Breite (ca. 3 m) gebildet worden sei. Das würde bedeuten, dass das Pyramidion der Cheops-Pyramide schon im 1. Jahrhundert v. Chr. nicht mehr vorhanden gewesen war.

Die Verkleidung der Pyramidenaußenfront bestand aus großen Blöcken aus feinem weißem Kalkstein, der aus den Steinbrüchen von Tura und Maasara jenseits des Nils geholt wurde. Von dieser Verkleidung sind nur noch wenige untere Lagen erhalten, aber immerhin soviel, dass man mit größter Genauigkeit den Neigungswinkel von 51°50'40" bestimmen kann (siehe Stadelmann: Die großen Pyramiden von Giza). Die Vollkommenheit der Konstruktion (die Nivellierungen der Ecken betragen bei den Höhenunterschieden nicht mehr als 2,1 cm) und der Proportionen findet sich auch in der Ausrichtung des Baues wieder. Sie ist akkurat nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. 

Ursprüngliche Verkleidungssteine an der Basis der Pyramiden-Nordseite

Bild: John and Edgar Morton 
This image (or other media file) is in the public domain -  because its copyright has expired.
Bild: mit frdl. Dank an Peter Alscher / Amberg

 

Ursprünglicher Eingang:

Der ursprüngliche Eingang war nur knapp ein Meter hoch und lag in der Nordwand der Pyramide in der 19. Blockschicht des Kerns. Er befand sich nicht genau auf der Pyramidenachse, sondern war um mehr als sieben Meter nach Osten verschoben. Der römische Historiker Strabon aus Amasya, der Ägypten um das Jahr 25 v. Chr. bereiste - zu dieser Zeit war Ägypten eine Provinz des römischen Reiches - berichtet in seinem Werk "Geographie", von einem beweglichen Stein, der als Eingang zum absteigenden Gang der großen Pyramide diente. Weiter berichtet er, "dass es ein Stein wäre, den man herausnehmen kann - wenn man ihn anhebt, sieht man dahinter einen steil abfallenden Gang".

Nach Rainer Stadelmann (Die großen Pyramiden von Giza/ADEVA-Verlag Graz 1990) kann ein solcher "klappbarer Steinverschluss keineswegs original gewesen sein, da der Pyramideneingang sicher blockiert und durch einen Verkleidungsstein unsichtbar gemacht worden ist". Bis zum Mittelalter kann lt. Stadelmann keine solche "Klapptür" oder ein herausnehmbarer Eingangsstein vorhanden gewesen sein, da der Eingang der Cheops-Pyramide bis zum Mittelalter, genauer gesagt, bis zur Zeit Saladins, noch original verschlossen war. Erst in arabischer Zeit nach Saladin wurde bei dem Abbruch der äußeren Verkleidungssteine, welche für den Bau der Zitadelle und der Mauern von Kairo verarbeitete hat der originalen Eingang entdeckt und die vorhandene Blockierung entfernt.

Von den arabischen Schriftstellern erfahren wir, dass die Verkleidung der Pyramide noch so gut erhalten war, dass Kalif Abdullah al-Ma'mun, ein Sohn des Kalifen Harun al-Raschid, der mit einem Tross von Steinmetzen, Ingenieuren und Architekten 820 n. Chr. nach Giza kam, um den Eingang in die Große Pyramide zu suchen, die Suche schließlich ratlos aufgab, weil er seine Leute den Eingang nicht finden konnten. Er entschloss sich nun zu einer direkteren Methode und befahl seinen Leuten, an der Oberfläche der Steine ein riesige Feuer zu entfachen, die glühend heiß wurden. Danach gossen sie kalten Essig über die Steine bis sie aufplatzten und mit einem Rammbock entfernt werden konnten. Durch diese brutale Methode arbeiteten sich die Männer von al-Ma'mun etwa 30 Meter tief ins Innere der Pyramide vor.

Heute betritt man die Pyramide durch den Eingang, welchen der Überlieferung nach Kalif a-Ma`mun zufolge im 9. Jahrhundert in das Mauerwerk schlagen ließ. 

Der ursprüngliche Eingang der Pyramide an der Nordseite
Es liegen drei Lagen großer Steinbrocken über dem Eingangskorridor und darüber zwei Lagen Steinquader, welche jeweils 2 m hoch sind.
(
Quelle: Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. S. 111)

        Der sog. "Al-Ma'mun-Grabräubertunnel" 
Er dient bis heute heute noch immer als Eingang in das Innere der Pyramide.

File:      Pyramid of Chufu - Entrance.jpg
Autor::  Olaf Tausch
Lizenz:  Creative Commons Attribution 3,0 
              Unportes license

Bild: Thanks to Jon Bodsworth for public domain

 

 

Absteigender Korridor:

 

                         Absteigende Passage
Blick zurück in Richtung des ursprünglichen Eingangs.

Der absteigende, schräge Eingangskorridor mit einer Breite von 1,09 m und einer Höhe von 1,20 m führt zunächst mit einer Neigung von 26°24'23" mit einer Länge von 34 Metern durch das Kernmauerwerk und trifft schließlich nach 28,21 m auf den aufsteigenden Gang.

 

Bild: mit frd. Genehmigung  als public domain 
         Jon Bodsworth

Nach dem Erreichen des Felsuntergrunds führt er ca. 70 m durch den gewachsenen Fels bis er sich mehr als 40 m unter der Basis der Pyramide in einen 8,91 m langen waagerechten Gang wandelt, der direkt in eine Felsenkammer mündet, deren Bedeutung für die Wissenschaftler noch immer rätselhaft ist. Stadelmann vermutet, dass bei dem Querschnitt des Ganges, dieser so gewählt war, dass der schwere, vergoldete Holzsarg mit der Königsmumie ohne Probleme durch den Gang gezogen werden konnte. (Quelle: Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. S. 113 und Haase: Eine Stätte für die Ewigkeit. S. 30)

Unterirdische Felsenkammer:

 

          unterirdische Felsenkammer

Im gewachsenen Fels unter der Cheops-Pyramide liegt die 115 m² große unfertige Felsenkammer.

 

(Zeichnung: Nefershapiland nach Plate VI from Charles Piazzi Smyth: Our Inheritance in the Great Pyramid. 3rd, much enlarged edition. London 1877.)

Die unterirdische Felsenkammer ist in einem unfertigen Zustand geblieben und liegt 30 Meter unter der Plateau-Oberfläche.
Der "absteigende Korridor" erweitert sich kurz vor der Öffnung in die Felsenkammer zu einer kleinen Nische. Es ist aber unwahrscheinlich, dass dies eine angefangene Ausarbeitung für eine "Fallsteinkammer" gewesen war, denn die westliche Wandfläche der Nische ist sauber geglättet und wird danach kaum für eine Erweiterung vorgesehen sein. Lt. Stadelmann ist auch die Annahme einer Türnische unwahrscheinlich, da Türen im Alten Ägypten zumeist rechts anschlagen und auch keinerlei Anzeichen für einen Türanschlag auf der Gegenseite vorhanden ist. Außerdem sind Türkonstruktionen dieser Art im Alten Ägypten nicht belegt.

Rainer Stadelmann hält es auch für unwahrscheinlich, "dass der gesamte absteigende Korridor einst mit Steinen blockiert gewesen war, wenngleich im Gang mehrere, sogar bearbeitete Granitfragmente aufgefunden wurden". 
Er meint, dass diese evtl. aus dem oberen Drittel stammen, denn es ist wohl sicher anzunehmen, dass der Gangteil bis zu der blockierten Wegekreuzung ebenfalls blockiert war. Dieses würde auch erklären, warum man bei der Beraubung der Pyramide einen Tunnel durch und um dieses obere Gangteil bis zur blockierten Wegekreuzung angelegt und nicht die Blockierung entfernt hat.
(Stadelmann, "die ägyptischen Pyramiden´/Ph. v. Zabern-Verlag 3. Aufl. 1997, S. 113)

Man erreicht die unterirdische Felskammer über den "absteigenden Korridor". Sie misst 16 Ellen (8,36 m) in der nord-südlichen Breite und 26 Ellen 6 handbreit (19,8 m) in ost-westlicher Richtung. Ihre Decke ist horizontal und sorgfältig geglättet und 5,04 m hoch. Die Ecken der Kammer sind scharf und eindeutig markiert, was bedeutet, dass die Ausmaße der unterirdischen Kammer klar bestimmt waren. Der nach Westen hin ansteigende Untergrund ist aber sehr uneben und nach Westen hin ansteigend belassen worden. 

Unterirdische Felsengrotte der Cheopspyramide
Bilder: John und Edgar Morton (the great pyramid passages and chambers, 1910)
Diese Bild- oder Mediendatei ist
gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Von der Südwand der Felsenkammer führt ein unvollendeter blinder Korridor in einer Länge von 16,41 m noch Süden. Es scheint so, als ob hier die Arbeiten abgebrochen worden sind. Einige Forscher sind der Meinung, darin die ursprüngliche unvollendet gebliebene "Reserve-Grabkammer" des Königs zu sehen, für den Fall, dass der König noch vor Vollendung der wirklichen Grabkammer im oberen Teil der Pyramide, gestorben wäre (siehe M. Verner: "Die Pyramiden" 1998). Rainer Stadelmann hält den begonnenen Korridor nach Süden für den Teil eines geplanten Südgrabes, der aber aufgrund von unvorhergesehener Schwierigkeiten beim Ausschachten nicht fertig geworden ist (Stadelmann: "Die großen Pyramiden von Giza", ADEVA-Verlag Graz 1990)

Ein fast quadratischer Schacht führt im östlichen Teil der Kammer zuerst 2 m, dann durch die Ausgrabung von Perring (er suchte vergeblich nach einer weiteren Kammer) noch weitere 9 m bis auf 11 m in die Tiefe (siehe Zeichnung oben). Zumeist wird der obere 2m tiefe Ansatz für "alt" angesehen. Rainer Stadelmann ist aber der Auffassung, dass auch dieser Schachtansatz aufgrund der Orientierung eine vergebliche Bohrung spätzeitlicher Schatzsucher ist.

Die Funktion der sog. "Felsenkammer" ist umstritten. Gegen die Theorie der "Reservegrabkammer" sprechen das Nichtvorhanden von Sicherheitsvorrichtungen und es hätte auch kein Sarkophag durch den engen Korridor eingebracht werden können. Rainer Stadelmann will nicht ausschließen, dass "in und mit der Felsenkammer Ideen und Vorstellungen eines chthonischen Kultes zu verbinden wären, der sich an erdgebundene Gottheiten wie Ptah und Sokar anlehnt. Die ursprüngliche Kultstätte des Sokar ist nach einer alten Tradition in Giza an einem Ort namens "Rosetau" zu suchen. Stadelmann (die großen Pyramiden von Giza) regt an, dass in der unvollendet geblieben Kammer evtl.  eine Darstellung der Höhle des Sokar zu vermuten ist. 

 

sog. Luftschacht oder Brunnenschacht:

Zwischen dem absteigenden Korridor und der sog. "Großen Galerie" öffnet sich fast 98 m vom Eingang an der rechten Wand des absteigenden Korridors ein roh behauener Verbindungsschacht (auch Luft- oder Brunnenschacht genannt). Er geht anfangs 27 m durch den gewachsenen Fels und setzt sich dann aus mehreren verschieden langen und unterschiedlich aufgebauten Abschnitten zusammen. Er verläuft fast parallel zum "Absteigenden Korridor" und ist sehr eng (0,66 m x 0,68 m). Das letzte Stück des Schachtes wurde auf eine Länge von 2,50 m mit mittelgroßen Hausteinen verkleidet. Rainer Stadelmann führt an, dass diese Vermauerung des letzten Teilstückes sowie die Tatsache, dass das Teilstück durch die Grotte eine kaminartige Vermauerung erhalten hat, zeigt, dass der Schacht von oben nach unten geschlagen wurde.

Dieser sog. "Grabräubergang", welcher auch verschiedentlich "Brunnenschacht", aber auch "Service-Schacht genannt wird, führte in der Vergangenheit zu heftigen Diskussionen. Es wurde von manchen behauptet, dieser Verbindungsgang wäre von Grabräubern von unten herab gemeißelt worden, was wohl ebenso falsch ist, wie die Annahme, dass dieser  Gang als Fluchtausgang für die Arbeiter diente (dann hätte man den Schacht wesentlich kürzer und weniger aufwendig unterhalb der Abzweigung des ansteigenden Korridors in den absteigenden führen können - siehe dazu Stadelmann "Die großen Pyramiden von Giza, S. 124). Stadelmann geht davon aus, dass der Serviceschacht nachträglich in die Planung der Pyramidenstruktur aufgenommen wurde und der verbesserten Luftzufuhr für die Arbeiter i beim Ausmeißeln der unterirdischen Felsenkammer diente.

aufsteigender Korridor:

Etwa auf der Höhe der Pyramidengrundfläche  (etwa 27 m unterhalb des originalen Eingangs) zweigt von dem absteigenden Korridor ein aufsteigender Gang ab, welcher eine Verbindung zwischen dem in den Fels gemeißelten unteren und dem im Kernmauerwerk konstruierten oberen Kammersystem herstellt. 

Dieser aufsteigende Korridor, der sich am unteren Ende auf 0,97 m verengt, war ursprünglich mit Blöcken aus Rosengranit versiegelt und ist heute nicht mehr vollständig zugänglich, da er teilweise durch die Granitblockierung versperrt ist.

Heute betritt man die Pyramide durch den sog. "Al-Ma'mun-Tunnel" den ehemaligen "Grabräubereingang.


(Plan: Copyright Nefershapiland)

Der aufsteigende Korridor scheint etwa zeitgleich mit dem absteigenden erbaut worden zu sein. Er misst 1,20 m in der Höhe und 1,05 m in der Breite und verjüngt sich nur am unteren Ende flaschenhalsartig auf auf ca. 0,97 m, damit die Granitblockierung einen festen Halt hat. Dieser Gang ist nur über das Ende des sog. "Al-Ma'mun-Stollens" zu betreten, da bis auf den heutigen Tag die drei Granitsteinblöcke in ihrer ursprünglichen Position festsitzen. Nach 37,76 m Länge (72 Ellen) mündet der aufsteigende Gang in die Große Galerie, gleichzeitig beginnt hier auch ein weiterer horizontaler Gang, der zur sog. "Königinnenkammer" abzweigt.

                          Blockiersteine
Zwei der drei Granitsteine, die heute noch das letzte Stück des ansteigenden Korridors versperren.

Allgemein geht man heute davon aus, dass die Grabräuber unter Al-Ma'mun einen Tunnel um diese Blockiersteine herum gegraben hatten (siehe Skizze oben), um in den oberen Teil der Pyramide zu gelangen.

 

(Bild: This file was transferred from Egypt Archive website under the license Copyrighted free use - Thanks to Jon Bodsworth.)

Erwähnt werden müssen hier noch die sog. vier "Gürtelsteine", im Kernmauerwerk verbaute Kalksteinblöcke, die im unteren Teil des aufsteigenden Ganges fast senkrecht und im oberen Teil dagegen fast durchweg parallel zu Neigung des Ganges angebracht waren. Ludwig Borchardt, der sich bei seiner sehr sorgfältigen Untersuchung des aufsteigenden Ganges mit diesen "Gürtelsteinen beschäftigte, war der Meinung, "dass die Stelle, an der sich der Winkel der Steinplatten änderte, die Höhe markiert, bis zu der das Bauwerk gediehen war, als man sich zum Bau einer neuen Grabkammer entschloss ".(Diese Meinung von Borchardt sollte seine Idee stützen, dass die untere Felsenkammer als 1. Grabkammer für den König geplant und der aufsteigende Korridor erst nach der der Aufgabe dieser unteren Kammer gebaut wurde). Die von Borchardt und Leonard Cottrel, dem Autor eines weiteren Buches über die Pyramiden vertretene These wurde von Maragioglio und Rinaldi angezweifelt und widerlegt. Sie konnten nachweisen, dass die "Gürtelsteine der statischen Sicherung des absteigenden Korridors dienen sollten. Nach Meinung der beiden italienischen Gelehrten war es Zweck dieser Bauweise, eine Art Bollwerk an der Verbindungsstelle zwischen dem aufsteigenden Gang und dem absteigenden Gang zu schaffen, um den Druck des oberen Ganzes auf den darunter liegenden abzufangen. Lt. der beiden Italiener sollen mehrere sog. Gürtelsteine in Abständen von je 5,25 m der ganzen Länge des aufsteigenden Ganges entlang angebracht worden sein. Im absteigenden Gang wären solche besonderen Steine nicht erforderlich gewesen, da dieser überall festen Halt im gewachsenen Fels des Giza-Massivs habe (siehe dazu "Cheops"/Peter Tompkins, S. 258 Scherz-Verlag 1975).

                    Kreuzung von Al-Ma'mun Durchbruch
                            - mit dem aufsteigenden Gang -
Der Gang ist nur über das Ende des  Al-Ma`mun-Tunnels zu betreten. Der Korridor hat eine Höhe von 1,20 m und eine Breite von 1,05 m.

Aufsteigende Passage

 

Bild: Diese Bilder wurden von ihrem Autor Jon Bodsworth in "Copyrighted free use" (public domain) gestellt.
 - Thanks to Jon Bodsworth.

 

Große Galerie:

Die "Große Galerie" schließ nahtlos an den aufsteigenden Korridor an; hat zwar den gleichen Steigungswinkel, ist aber doppelt so breit wie der aufsteigenden Gang und um vieles höher. Sie stellt bautechnisch eine bemerkenswerte Leistung der Architekten der Pyramide dar. Die Länge der Großen Galerie beträgt 46,71 m (89 Ellen) und ihre Höhe 8,46 m bzw. 8,74 m (16 Ellen bzw. 16,5 Ellen). Die unterschiedliche Höhe basiert auf die geniale Absicherung der Deckenkonstruktion.

Bis zu einer Höhe von 1,80 m steigen die Wände aus poliertem Kalkstein senkrecht empor, von da an wird die Decke von einem Kraggewölbe aus sieben Steinlagen um jeweils eine Handbreit (ca. 7,5-8,0 cm) nach innen. Die Decke hat daher nur noch eine Breite von 1,04 m. Die geniale Konstruktion hat eine stabilisierende Wirkung auf die Decke der Großen Galerie, "denn die Deckenbalken sind nicht in einer Gerade aufgelegt, sondern sind so versetzt, dass sie jeweils in die Seitenwände einhaken, um den Schub aufzufangen, der durch die Schräge entsteht" (Zitat Stadelmann: siehe dazu "Die großen Pyramiden von Giza/AVEDA-Verlag Graz 1990).

Erforschung der Großen Galerie
in napoleonischer Zeit

 Erforschung der Großen Galerie 
durch John und Edgar Morton 1910

(Abbildung aus der Desription de l'Egypte - erschienen 1809)
- dieses Bild ist gemeinfrei in der Europäischen Union, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzl. Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers - für andere Länder können abweichende Copyright-Bestimmungen gelten -
Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Dies gilt für die Europäische Union, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.

Die meisterliche Konstruktion der Decke in Form eines Kraggewölbes ist durch die Breite des Ganges bedingt, welcher aus einem mittleren Gang von 1,05 m Breite und erhöhten seitlichen "Banketten" von 0,52 m (1 Elle) Höhe und Breite besteht. Unmittelbar darüber befinden sich jeweils 25 rechteckige Nischen, welche in einem Abstand von 1,40 - 150 m zueinander angebracht sind. Über ihre Bedeutung wird seit längerem kontrovers diskutiert. Borchardt war der Meinung, dass "darin eine Konstruktion aus Holzbalken und Brettern befestigt war." 

Nischen in der Großen Galerie

Einige der Nischen wurden noch zur Zeit der Erbauung der Pyramide wieder mit Steinblöcken ausgefüllt und mit Gips verstrichen. 

Lt. Borchardt sollte die Große Galerie wohl als Verschieberampe für die granitenen Fallblöcke dienen; Balken, die in die rechteckigen Einschnitte eingelassen waren, dienten dazu, das vorzeitige Herabgleiten der Blöcke zu verhindern. 



(Bild: John Bodsworth - public domain)

 

                                           Blick in die Große Galerie der Cheops-Pyramide

Seit der Öffnung der Großen Galerie und der "Königskammer" durch den Kalifen Ma'mun im Mittelalter waren diese anfänglich für die arabischen Besucher, dann aber seit dem 16. Jahrhundert auch für die europäischen Reisenden, eine vielbesuchte Attraktion. Man begann nun langsam damit, sich auch wissenschaftlich mit den Pyramiden von Giza zu beschäftigen.
                                 (Bilder: public domain - Jon Bodsworth)

 

Königinnenkammer:

Von dem unteren Rand der "Großen Galerie" ausgehend, gelangt man zu einer 38,15 m langen Horizontalpassage, welcher als Zugang zur "Königinnenkammer" dient. Dieser Gang von fast quadratischem Querschnitt (1,05 m Breite x 1,17 m Höhe) war auf den ersten 5,07 m zur großen Galerie hin nach oben hin geöffnet und führt ohne Blockierung nach 48,15 m (73 Ellen) zur sog. "Königinnenkammer". In dem offenen Teil des Gangstücks befinden sich auf der linken und rechten Seite nischenartige Öffnungen.

Rainer Stadelmann meint, dass "diese ersten 5,07 des Ganges früher wohl zeitweise mit einer Brücke überdeckt waren, die den Zugang versperrte. Etwa 5 m vor dem Gangende befindet sich eine Stufe und der Boden senkt sich um etwa 60 cm auf das Fußbodenniveau der Königinnenkammer ab. Dieses tiefere Niveau setzt sich auch in der Königinnenkammer fort.  Einige Forscher sind der Auffassung, dass hier das Fußbodenpflaster aus Rosengranit begann und dann bis in die Königinnenkammer reichte. Später wurde es dann von Steindieben herausgerissen". (siehe Verner  /die Pyramiden, S. 229). Andere Wissenschaftler sind der Auffassung, dass es nach ihrer Auffassung zu einer Änderung des Bauplans zugunsten einer noch prächtigeren Grabkammer gekommen ist.

             Korridor am Anfang zur Großen Galerie
Blick auf den überdachten Teil des Ganges zur Königinnenkammer.

Am Ende des ansteigenden Korridors zweigt der horizontale Gang nach Süden ab zur sog. "Königinnen-Kammer". Die ersten 5,07 m sind offen - hier befinden sich links und rechts nischenartige Öffnungen in den Wänden.

Blick zurück aus der Großen Galerie auf den horizontalen Gang zur Königinnenkammer.

 

 


Bild: Jon Bodsworth - public domain Bild: Jon Bodsworth - public domain

Der horizontale Gang endet nach 38,15 m in der nord-östlichen Ecke der Königinnenkammer. Dieser von arabischen Forschern fälschlicherweise als "Kammer der Königin" benannte Raum liegt exakt in der ostwestliche Pyramidenachse  und war fast vollendet. Die Kammer ist mit feinem Kalkstein ausgekleidet und besitzt ein ebenfalls aus Kalksteinblöcken gearbeitetes flaches, leicht unregelmäßiges Giebeldach von 6,26 m (12 Ellen) Höhe. Die Kammer selber ist 5,23 m x 5,76 m groß (Maße nach: Die ägyptischen Pyramiden/Rainer Stadelmann). 

                    Nische in der Königinnenkammer

In der östlichen Wand befindet sich eine 1,57 m x 1,04 m große Nische, welche ein Kraggewölbe von 9 Ellen Höhe besitzt. Flinders Petrie vermutete, dass sich in dieser Nische einst eine Statue aus Diorit befand (sog. "Ka-Statue des Königs), da er zahlreiche Diorit-Fragmente außen an der Nordseite der Pyramide gefunden hatte. Auch Rainer Stadelmann teilt diese Auffassung und führt an, dass "es sehr wohl möglich ist, dass Schatzsucher die Statue vor der Pyramide zerschlagen haben auf der Suche nach verborgenen Schätzen, wie man nach dem Bericht des "al-Qaisi" ja auch den Holzsarg des Cheops aus der Kammer entfernt und draußen im Licht geöffnet hat". (siehe Stadelmann: Die Großen Pyramiden von Giza, S. 130)

Diese Nische wurde im hinteren Teil auf der Höhe der 2. Steinlage erweitert (evtl. von den Schatzsuchern, wie von Rainer Stadelmann angenommen), so dass nun von dort aus ein fast 15 m langer Gang in das Pyramidemassiv nach Osten führt. 


(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

An der nördlichen und südlichen Wand der Königinnenkammer befinden sich rechteckige Öffnungen, welche die Mündungen von Belüftungsschächten sind, die nach anfänglich horizontal verlaufen, dann aber nach etwa 4 Ellen im Winkel von 38° 28' ansteigen (Maße nach Stadelmann: die ägyptischen Pyramiden), um an den Süd- bzw. Nordflanken der Pyramide zu enden. Der britische (schottische) Eisenbahningenieur entdeckte im September 1872 die beiden rechteckigen Öffnungen in der südlichen und nördlichen Wand der Königinnen-Kammer und öffnete sie gewaltsam. 

Diese "Reliquien" waren lange Zeit verschwunden, denn sie wurden in England von John Dixon (dem älteren Bruder von Waynman Dixon) übernommen und per Post an den königlichen Astronom von Schottland, Piazzi Smyth, geschickt, der sie in seinen Tagebuchaufzeichnungen übernahem und sie dann an John Dixon zurückschickte. Danach blieben sie lange Zeit auf mysteriöse Zeit verschwunden. Erst in den 90ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden sie im Britischen Museum aufgespürt, allerdings blieb das kleine, zedernholzartige Stück Holz verschwunden. Erst im Jahre 2001 wurde das Holzfragment im Marischal Museum in Aberdeen wieder entdeckt.

Wahrscheinlich ist die Bestimmung der "Kanäle" eine kultische (vergleichbar mit einer Scheintür) und diente der Himmelfahrt der königlichen Seele. Rainer Stadelmann schreibt zu der Bedeutung dieser sog. "Luftschächte:

"Die wahrscheinlichste Deutung dieser Gegenstände ist die, dass sie Modellbeigaben waren, wie sie ähnlich bei Gründungsbeigaben vorkommen. Sie dienten damit dem König im Jenseits als Werkzeuge, die kleine Kugel als Steinhammer, das Kupferwerkzeug als Meißel, das Holz als Elle oder Keilholz zur magischen Öffnung des Schachtes".

(Zitat aus: Die sogenannten Luftkanäle der Cheopspyramide. In: MDAIK 50, 1994, S. 288 - Stadelmann, Gantenbrink )

(Zur Erforschung der sog. "Luftkanäle" siehe weiter oben: Schächte in der Königinnenkammer)

Bei der Untersuchung des nördlichen Schachts der Königinnenkammer durch das Roboterfahrzeug "Upuaut" im Jahre 1992 stieß dieser nach etwa 19 m auf eine Eisenstange, welche den nördlichen Schacht blockierte. Diese Stange stammte wahrscheinlich noch von den Untersuchungen von W. Dixon.

Funde aus dem nördl. Schacht der Königinnenkammer
Wayman Dixon, ein schottischer Eisenbahningenieur, fand 1872 in dem nördlichen "Luftschacht" drei Gegenstände, die heute als "Dixon's Reliquien" bekannt sind. 

  1. eine im Durchmesser fast 7 cm große fast glatte
    Stein-Kugel

  2. einen 5 cm breiten Doppelhaken aus Bronze

  3. außerdem ein kleines, zedernholzartiges Stück Holz
    (Evtl. befindet sich dieses Holz-Fragment heute in den Magazinbeständen des Marischal-Museum der Uni Aberdeen - Quelle: Eine Stätte für die Ewigkeit/ Michael Haase 2004 Ph. v. Zabern-Verl, S. 50)

Die Dioritkugel und der Doppelhaken sind seit 1994 im Britischen Museum London ausgestellt.

(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

 

Verbindungskorridor zur Sarkophagkammer
- und Blockiervorrichtung -

Am oberen Ende der Großen Galerie führt die "Große Stufe"  (ca. 0,90 cm) zu dem horizontalen Zugang, welcher nach ca. 8.40 m in die Königskammer (Sargkammer) führt. Stadelmann erklärt die "Hohe Stufe" damit, 

"dass die Blockierungssteine in dem weiteren vertieften Gangteil die ganze Galerie ausgefüllt haben, was durch die Nischen und Vertiefungen in und über den Wandsockeln auch nahegelegt wird. Über den Steinen wird man  sich eine Holzbühne vorstellen müssen, die mit der "Stufe" am Südende eben abschloss. 

(
Zitat: Die großen Pyramiden von Giza/Stadelmann, ADEVA-Verlag, S. 135) 

Diese Zugangskammer ist zunächst 1,04 m breit und 1,12 m hoch. Danach erhöht sich die Decke nach 1,30 m auf 3,78 m und wird erst nach weiteren 3 m wieder in den Anfangsmaßen fortgesetzt. Inmitten des horizontalen Ganges sind in der Ost- und Westwand des überhöhten Teils des Vorraums je drei senkrechte Rillen eingelassen, in denen die drei Granitblöcke des Fallgatters mittels Seile herabgelassen werden sollten. Diese Fallgatter sollten nach den Vorstellungen der Architekten der Pyramide den Raum, in dem der Körper des toten Königs zur letzten Ruhe gebettet werden sollte, endgültig abschließen und schützen. Die Fallgitter sollten so herabfallen, dass sie die senkrechten Rillen entlangglitten, die in die Wände des Vorraums eingelassen sind. Auf der Südwand waren weitere halbkreisförmige Rillen dazu bestimmt, das Klemmen der Seile zwischen den Wänden zu vermeiden.

Von der Nordostecke aus betritt man dann über ein weiteres 2,56 m (5 Ellen) kurzes Gangstück die Königskammer.

Eine Barriere aus granitenen Fallsteinen blockierte den Zugang zur Königskammer. Über eine Seilvorrichtung, die vermutlich über diese senkrechten, etwa 55 cm breiten Rillen geführt wurde, konnten die Blöcke evtl. in der Bauphase hochgezogen werden, damit man den Durchgang bis zum endgültigen Verschluss der Kammer betreten konnte - ein äußerst komplizierter Mechanismus.
  (Bild: Thanks to Jon Bodsworth for public domain)
Blick aus der Fallsteinkammer in die Große Galerie







          (Bild: Jon Bodsworth - public domain

 

                                                Obere Ende der "Großen Galerie"
Linkes Bild: Blick in Richtung auf den Zugangskorridor zur königlichen Grabkammer mit Fallsteinvorrichtung. Auf dem Steinblock über dem Korridor befindet sich eine "Besucherinschrift".

Auf dem rechten Bild ist der kurze Korridor  zwischen Großer Galerie und Grabkammer zu sehen - Durchbruch zur unteren Entlastungskammer (Davisonstollen).

(Bilder: Jon Bodsworth - public domain)

 

Königskammer:

Der Zugang in die sog. "Königskammer" befindet sich in der Nordost-Ecke der Kammer und besteht aus einer 1,08 x 1,05 m großen Öffnung. Diese Grabkammer, die sich an der Ost-West-Achse orientiert, stellt ein Meisterwerk der altägyptischen Baukunst dar und beeindruckt durch ihre majestätische Größe. Sie besteht vollständig aus polierten Rosengranitblöcken und ist 10,49 m lang (von Ost nach West) und 5,24 m breit; ihre Höhe beträgt 5,83 m (Maße nach Stadelmann "die großen Pyramiden von Giza")

Die Wände aus Rosengranitblöcken bestehen aus fünf Reihen übereinanderliegender Granitblöcke und sind glatt poliert. Auch der Fußboden ist mit roten Assuan-Granitplatten ausgelegt. An der Nordwand befindet sich eine grabenförmige Aushöhlung in dem Fußboden, die Vyse bei seiner Suche nach weiteren, versteckten Räumen vorgenommen hatte.

                  Grabkammer der Cheops-Pyramide
Die Königskammer ist vollständig aus glatt polierten Granitblöcken aufgebaut. Nahe der Westwand steht die aus einem einzigen Granitblock gefertigte Sarkophagwanne.

(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

Der Korridor, welcher die Grabkammer mit der Großen Galerie verbindet (vom Inneren der Grabkammer aus gesehen)



(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

Der aus Rosengranit gearbeitete große Sarkophag steht nahe der Westwand und ist nordsüdlich ausgerichtet. Der Sargdeckel, welcher im Mittelalter zerschlagen wurde und heute nicht mehr vorhanden ist, wurde in eine keilförmige Nute eingeschoben, ein Verschluss-System wie man es von den alten Griffelkästen der Schulkinder her aus früheren Zeiten her kennt. Zusätzlich besaß er eine Verriegelungsvorrichtung mit zylinderförmigen Zapfen, welche dafür sorgten, dass der Sarkophag nach dem Verschließen nicht mehr geöffnet werden konnte (es sei denn, man öffnete diesen mit brutaler Gewalt). Der Sarkophag ist aus einem einzigen Block Rosengranit gearbeitet worden und hat eine Länge von 2,27 m und eine Breite von 0,98 m (äußere Maße) - die inneren Maße betragen 1,98 m x 0,68 m. Diese Maße schließen aus, dass der Sarkophag durch den aufwärts führenden Korridor gebracht wurde und sind deshalb ein Beweis dafür, dass man ihn vor dem Bau der Wände an seinen Standort in der Grabkammer brachte, ein Verfahren, das übrigens im Alten Ägypten normal war.

Von der Mumie und vom Begräbnis ist nichts mehr erhalten geblieben. Wenn man den Legenden von Diodor Glauben schenkt, ist Cheops letztendlich gar nicht in seiner Pyramide bestattet worden. Diodor berichtet nämlich: 

"Die Könige hatten sich die Pyramiden zu Grabmälern erbaut, und doch sollte keiner von beiden (Cheops und Chephren) darin begraben werden. Dem Volke waren nämlich wegen der höchst beschwerlichen Arbeit und wegen vieler Grausamkeiten und Bedrückungen diese Könige so verhasst, dass es drohte, mit Hohn die Leichen aus den Gräbern herauszureißen und zu zerfleischen. Daher gaben beide vor ihrem Tod ihren Angehörigen den Befehl, sie an einem unbekannten Ort in der Stille zu begraben"
(Quelle Diodor 1.1 sect. II. Art. XV bis XVII.)

Nach den Erzählungen der arabischen Historikern aus dem Mittelalter (el-Qaisi zitiert vom arabischen Universal-Historiker el Makrizi) befand sich sehr wohl ein Leichnam in dem Steinsarkophag, denn Al-Qaisi schrieb im 12. Jahrhundert:

"......ein mumienförmiger Sarg aus grünem Stein (wohl eine Art Malachit") in dem sich der Leichnam eines Mannes befand, der einem goldenen, mit allerlei Edelsteinen geschmückten Panzer trug. Auf seiner Brust lag eine Schwertklinge ohne Griff ".
 
(siehe Stadelmann: Die großen Pyramiden von Giza, S. 12) 

Mariette und auch sein Nachfolger Maspero haben diese Entdeckung, die dem Kalifen al-Ma'mun zugeschrieben wurde, nie in Zweifel gezogen und waren fest davon überzeugt, dass dieser Sarg mit Inhalt wirklich existierte, denn Maspero schrieb dazu:

"Unschwer erkennt man in dieser Beschreibung den wannenartigen Sarg, der heute noch an seinem Platz steht, eine Steinhülle in Menschenform und die Mumie des Cheops mit Schmuck und Waffen bedeckt, wie der Leichnam der Königin 
Ahhotep I."

(
Quelle: Jean Ph. Lauer/das Geheimnis der Pyramiden, S. 28)

 

         Steinsarkophag Cheops
Der Arzt und Naturforscher Prosper Alpini reiste 1591 nach Ägypten und untersuchte auch die Grabkammer. Er erwähnte einen Sarg aus schwarzem Marmor ohne Deckel, der sich in der oberen Kammer befinde. Demzufolge spätestens zu dieser Zeit der Deckel des Sarkophags nicht mehr vorhanden.

Rainer Stadelmann vermutet, dass man in ramessidischer Zeit das Begräbnis erneuerte (evtl. im Auftrag des Ramses-Sohnes Chaemwaset) und dieses unangetastet blieb, bis es durch el-Ma'mun im Mittelalter wieder geöffnet wurde und bei dem man die Südostecke des Sarkophages beschädigte und den Sarkophagdeckel zerschlug.
(Bild: John Bodsworth - public domain)

In der östlichen Hälfte der Königskammer befinden sich ebenso wie in der Königinnenkammer zwei sog. "Luft-Schächte, die aber offensichtlich nicht der als Belüftungsanlage für diesen Raum dienten, denn sie waren mit größter Wahrscheinlichkeit außen durch die Verkleidungsblöcke verschlossen und innen durch Granitpfropfen, von denen man aber nichts mehr gefunden hat. Sie scheinen ebenfalls eine Symbolfunktion besessen zu haben und dienten wahrscheinlich dem Aufstieg der königlichen Seele zu den Zirkumpolarsternen des Nordhimmels.

Der südliche Kanal  besitzt einen gradlinigen Winkel von da. 45° und mündet in der 102. Steinlage der Südwand der Cheops-Pyramide. Georges Goyan hat vor einigen Jahren eine Orange in die äußere Öffnung des südlichen Schachtes geworfen und diese ist tatsächlich in der Königskammer angekommen, womit seine Theorie, dass zwischen Schachtausgang und -Eingang keine weitere Kammer mehr vorhanden ist, untermauert wurde. Nach den Vorstellungen der alten Ägypter konnte der Tote (oder seine Seele) festes Material wie Ziegel oder Stein durchschreiten, vorrausgesetzt, dass er rituell gereinigt und der Durchgang vorgegeben und gleichfalls rituell geöffnet war - was gleichzusetzen ist mit der Funktion der Scheintür in den unterirdischen Gräbern - daher spielte es keine Rolle, ob die Modellkorridore verschlossen waren oder nicht. Der südliche Kanal verbreitert sich ca. 6 m vor dem Schachtaustritt und besitzt dort eine nischenartige Erweiterung - wohl zur Aufnahme eines Blockiersteins, wie aus dem Befund eines Verschlusssteines im südlichen Schacht der Königinnenkammer erschlossen wurde. (siehe Stadelmann: die ägyptischen Pyramiden, S. 280)

Der Ausgang des nördlichen Kanals war in seiner gesamten Länge mit Steinschotter und Sand verstopft. Im oberen Teil befandet sich auch "moderner Müll" wie Plastik und Papier. Schatzsucher hatten vermutlich diesen Ausgang entdeckt und ihn für den Zugang in eine versteckte Kammer gehalten. Sie erweiterten den original nur 0,22 m x  0,22 m breiten Schacht auf einer Länge von 11,30 m auf 0,91 m x  0,84 m, so dass eine schmale Person sich mühevoll hineinquetschen konnte. Der Schacht weist im unteren Bereich mehre Richtungsänderungen auf, was dadurch zu erklären ist, dass er bei seiner Konstruktion die Große Galerie umgehen musste (Quelle: Stadelmann "die ägyptischen Pyramiden, S. 280"). Der nördliche Kanal tritt an der nördlichen Flanke der Pyramidenaußenseite in Höhe der 101. Steinlage ins Freie.

Eingang des nördlichen Schachtes der Königskammer

Ebenso wie in der Königinnenkammer münden auch in der Königskammer in der Osthälfte der Kammer zwei sog. "Luftschächte", die aber sicher nicht für die Luftzufuhr vorgesehen waren. Sie reichen von der Königskammer aus bis ins Freie, obwohl diese (vielleicht ursprünglich auch in der Kammer selbst verschlossen waren) reinen Kultschächte höchstwahrscheinlich einst vom Außenmantel der Pyramide überdeckt waren. 

(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

Oberhalb der flachen Decke der Königskammer befinden sich fünf übereinanderliegende kleine, abgeschlossene Entlastungs-Kammern, welche dazu bestimmt waren, die Grabkammer von dem enormen Gewicht des über ihr liegenden Mauerwerks zu entlasten. Neun gewaltige Granitbalken (jeder von ihnen wiegt zwischen 25 t und 40 t), die fast fugenlos verlegt sind, überspannen die Decke der Königskammer. Die neun Granitbalken besitzen zusammen eine Masse von über 400 Tonnen Gewicht (Quelle: Verner "Die Pyramiden" S. 232). Die Königskammer hat seit mehr als 4500 Jahren allen "Härtetests" widerstanden, (nur die Deckenplatten an der Südwand sind von einigen kleinen Rissen durchzogen, was auf eine geringe Senkung der Grabkammer zurückzuführen ist) hängt nicht nur mit dem verwendeten Steinmaterial, sondern ist das Ergebnis dieser höchst ungewöhnlichen architektonischen Konstruktion.

Über den neun Granitblöcken, welche die Decke der Kammer bilden, befinden sich fünf übereinanderliegende Kammer, die sehr niedrig sind und von riesigen, nur auf der Unterseite geglätteten Blöcken aus Rosengranit überdeckt werden. Die Oberseite der Blöcke blieb unbearbeitet und sogar noch die Namen der Arbeiterphyle trägt, welche für den Abtransport und die Verlegung zuständig war. Dieses ist bislang der einzigste Ort in der Pyramide, an dem der Name des Cheops gefunden wurde. Die Fugen der Granitblöcke, waren gut verarbeitet, ebenso wie die Unterseite der Blöcke. Die Köpfe der Granitbalken, deren mittlere Höhe zwischen 0,80 m und 1,80 m schwankt, ruhen quer auf anderen, in der Längsrichtung verlegten Kalksteinbalken. In der obersten, fünften Kammer fand man eine andere Gestaltung. Die Deckenbalken bestehen hier aus Kalkstein und sind sparrenförmig (dachförmig) aufgesetzt. 

Die unterste der Kammern wurde 1765 von dem englischen Diplomaten Nathaniel Davison entdeckt und trägt seitdem seinen Namen. Er besuchte 1765 die Cheops-Pyramide, stieg ins Innere der Cheops-Pyramide auf und entdeckte oben in der Stirnwand am Ende der Großen Galerie eine Öffnung. Es ist nicht bekannt, wer diese Öffnung in die Granitplatten hineingeschlagen hat und wann das war. Davison kletterte am 8. Juli 1765 im Beisein des französischen Handelsherrn, Konsul Cosigny, in diese Lucke und gelangte von hier aus in eine niedrige hohle Kammer, die direkt über dem Dach der Königskammer liegt. Wie sich erst später herausstellte, war diese Kammer die erste von insgesamt fünf Entlastungskammern über der Königskammer. 

Der englische Bau-Ingenieur John Shae Perring, der im Dienste des ägyptischen Khediven Mohammed Ali gestanden hatte und im Team von Colonel Richard W. Howard Vyse zu Beginn des Jahres 1837 an der Erforschung der Cheops-Pyramide mitwirkte, war davon überzeugt, dass oberhalb der Königskammer nicht nur der von Davison entdeckte Raum lag, sondern dass sich dort noch weitere Kammer befanden. Perring hatte in der Davison-Kammer einen Spalt in der Decke entdeckt, in den man ein Schilfrohr einen Meter tief hineinstecken konnte. Er befahl seinen Arbeitern mit Meißeln einen Stollen durch die Granitplatten zu treiben. Als sich aber der Granit als zu hart erwies und außerdem die Arbeiter die Hitze in dem engen Raum nicht vertrugen, blieb nichts anderes für ihn übrig, als sich den Weg versuchsweise mit Schießpulver nach oben zu bahnen. Als sich der Staub nach der Sprengung legte, stellen Vyse und Perring fest, dass sich tatsächlich oberhalb der Davison-Kammer eine zweite Kammer befand, zu der sie sich nun einen Zugang verschafft hatten. Diese Kammer wurde nach dem ehemaligen Feldherrn Wellington benannt. Ungefähr 90 cm über dem Boden dieser Kammer befand sich wiederum eine flache Decke aus acht Granitblöcke. Vyse war nun der festen Überzeugung, dass sich auch oberhalb dieser Decke noch weitere Kammern befanden und setzte die Sprengarbeiten fort. Da die Arbeiten oberhalb der Königskammer immer schwieriger und gefährlicher wurden, dauerte es dreieinhalb Monate, um eine Höhe von mehr als 12 Metern zu erreichen.

Nach und nach wurden zusätzlich zu den bis dahin entdeckten beiden Kammern noch weitere drei Entlastungskammern freigelegt von denen die oberste mit riesigen Kalksteinblöcken giebelförmig abgedeckt war. Diese drei Kammern erhielten von Oberst Vyse die Namen 

  1. Wellington-Kammer (nach dem Herzog von Wellington)

  2. Admiral Nelson-Kammer,

  3. Lady Arbuthnot-Kammer" (die Frau eines englischen Generals, der zufällig die Cheops-Pyramide besuchte, als man die Kammer entdeckte)

  4.  und die oberste Kammer bekam den Namen "Oberst Campbell-Kammer" - nach dem britischen General-Konsul 
     in Kairo.

Besonderes Interesse erregten einige "medaillonartige" Zeichnungen in roter Farbe, sogenannte "Kartuschen", welche sich an den Innenwänden der oberen Kammer befanden. Auf einigen Blöcken stand der Name des Chufus (griechisch Cheops) in einer Kartusche. Diese Inschriften wurden von den Arbeitermannschaften bei der Errichtung der Pyramide angebracht, um die Blöcke für die vorgeschriebene Position zu kennzeichnen. Drei Arbeitermannschaften, welche für den Transport der Steinblöcke verantwortlich waren, tauchen besonders häufig auf. 

Es ist aufgrund der Position dieser Graffiti anzunehmen, dass diese Arbeitermannschaften für bestimmte Bereiche der Kammern zuständig waren. Lt. Michael Haase (in "Eine Stätte für die Ewigkeit", S. 42 Philipp v. Zabern-Verlag 2004), fanden sich Nennungen der Mannschaften "Die Höflinge des Chufus" und "Horus Medjedu ist rein" nur in der südlichen Hälfte der Kammern; hingegen taucht die Nennung der Mannschaft "Die Weiße Krone des Chnum-Chufu ist mächtig"  nur in der nördlichen Hälfte auf (z. B. in der Lady Arbuthnot-Kammer).

                     Königskammer 


(Zeichnung: Nefershapiland nach Howard-Vyse )

 

Umfassungsmauer und Hof:

Die Cheops-Pyramide wurde nach ihrer Fertigstellung auf allen vier Seiten von einer Temenos-Mauer (Umfassungsmauer) aus hellem Kalkstein umgeben, die wohl in einem Abstand von ca. 10 m um die Pyramide herumführte. Die genaue Höhe der Umfassungsmauer kann heute nicht mehr bestimmt werden (Mark Lehner gibt in "Geheimnisse der Pyramiden" eine Höhe von 8 m an - während Georges Goyon in "die Cheops-Pyramide" von einer Höhe von 9 m bei einer Fundamentbreite von 3,50 m ausgeht). Die Fundamentspuren deuten lt. Goyon darauf hin, dass im Temenos der innere Teil der Einfriedung eine Breite von 20 Ellen aufwies. Die Seiten der Mauer waren leicht geneigt und die Mauerkrone besaß eine abgerundete Abdeckung, wie einige der gefundenen isolierten Elemente zeigen. Im Innenbereich zwischen Mauer und Pyramide befand sich ein schmaler Hof, der mit unregelmäßig geformten, weißen Kalksteinblöcken gepflastert war. Einige dieser Pflasterstein befinden sich heute noch in situ. Auch an eine Ableitung des Regenwassers hatten die Baumeister gedacht, denn für eine Kanalisation sorgten Durchlässe unter der Umfassungsmauer an der Nordwest- und der Südwestseite.

Die Umfassungsmauer besaß wahrscheinlich kein Tor nach  außen, jedenfalls wurde im Fundament keine Öffnung gefunden, die als Durchgang gedient hätte. Es ist möglich, dass der Zugang zum Hof nur durch den Totentempel aus erfolgte.

Die Umfassungsmauern der Cheops-Pyramide
(Zeichnung: Nefershapiland  nach G. Goyon )

Eine zweite Umfassungsmauer aus Bruchsteinen und sonstigem Füllmaterial umgab die erste Mauer in einer Entfernung von 18,75 m im Süden und bis zu 23,60 m im Westen und Norden. Auf der östlichen Seite der Pyramidenbasis fand man allerdings keine Spur davon. Diese Mauer, deren Breite von 2,50 m im Süden bis zu 3,50 m im Westen variiert, bestand aus schweren Bruchsteinen und kleinem Füllmaterial und war mit strohdurchsetzten Lehm überzogen und mit Kalkbrühe getüncht. (Quelle: Goyon in "die Cheops-Pyramide")

Es ist möglich, dass diese zweite Mauer nicht während der Regierungszeit Cheops entstand, sondern erst in der Regierungszeit seines Nachfolgers Djedefres oder später, denn sie verläuft über die südlichen Bootsgruben, was ein Beleg dafür ist, dass sie frühestens unter Djedefre errichtet worden sein kann. (siehe dazu www.benben.de: Die Große Pyramide des Königs Cheops in Giza. Umfassungsmauer und Hof.

Lt. Maragioglio und Rinaldi (siehe L´Architettura Delle Piramidi Menfite. P. IV. S. 66.) befinden sich auf der Südseite der Pyramide, zwischen der inneren und äußeren Umfassungsmauer, die Fundamente einer weiteren Mauer, welche eine Breite von nur ca. 0,75 m besaß.

Totentempel:

Vom Totentempel des Cheops sind nur einige wenige Reliefsplitter und Pflasterreste erhalten geblieben. Ursprünglich stand er etwas versetzt am Fuße der Ostwand der Pyramide. Die Totentempel der 4. Dynastie waren architektonisch nicht mit der Pyramide verbunden, d. h. es gibt keine direkte Verbindung zwischen dem Grabmal und der Kultanlage. Zwischen dem Fuß der Pyramide und dem Totentempel liegen etwa 10 m. 

Basaltpflaster als Überrest des Totentempels Cheops
                        - Ansicht von Südost - 
Von dem weitläufigen Totentempel des Cheops sind nur noch Reste des Basaltpflasters in der Mitte der Ostseite an der Pyramide erhalten. Das gesamte Bauwerk wurde fast vollständig ein Opfer von Steinraub.
Nach den Versatzspuren im Basaltpflaster wird von den Forschern ein Bau mit den Maßen von 100 Ellen Breite (52,50 m)  und 77 Ellen (40,27 m) Tiefe
(nach Stadelmann: die ägyptischen Pyramiden)
rekonstruiert. Der Totentempel wurde im wesentlichen durch einen weiten, offenen Pfeilerhof mit 26 Pfeilern aus Granit im Ostteil bestimmt, in dessen Mitte sich wahrscheinlich ein Altar befand. Die Forscher fanden  im Fußboden des Hofes die Überreste eines Kanalisationssystems, durch welches das Regenwasser abgeleitet wurde.
(Bild: Peter Alscher, Amberg)

In westlicher Richtung gelangte man durch drei sich verjüngende Pfeilerreihen hindurch zum Eingang der Hauptkultstätte. Lt. J. Ph. Lauer befanden sich im Sanktuar des Heiligtums wahrscheinlich Scheintüren, (Ricke spricht dagegen von fünf Nischen) und evtl. auch Kapellen oder Nischen, in denen Statuen des Königs aufgestellt waren. Ricke schlägt weiter vor, dass sich evtl. hinter dem Sanktuar in dem Umgang ein offenes Stelenheiligtum befunden haben könnte. Stadelmann spricht sich gegen ein offenes Stelenheiligtum aus und begründet dieses "aus dem Befund an der Roten Pyramide in Dahschur, der Grabpyramide des Snofru und den anderen Pyramiden des Snofru in Seila, Meidum und Dahschur, wo der überzeugende Beweis erbracht wurde, dass zumindest ab des 3. Dynastie vor Grabpyramiden keine Stelen stehen, sondern Scheintüren in einem Totenopferraum, welche dem König den Weg aus der Pyramide zum Opferkult öffnen, während Stelen stets dort stehen, wo kein Begräbnis gewesen ist (Quelle: die großen Pyramiden von Giza, S. 164).

Eine breite Basaltschwelle markiert heute noch den Eingang in den Pfeilerhof vor dem Aufweg im Osten. Ein kleines Tor, von dem nur noch die aus Rosengranit bestehende Türschwelle erhalten ist, führt aus der Nordwestecke in den Pyramidenumgang. Im Schutt des einstigen Pfeilerumganges wurden Fragmente einer Statue des Königs mit dem Falkengott Horus im Nacken, ähnlich der Sitzstatue des Chephren mit dem Falkengott auf den Schultern, gefunden. (Quelle: die großen Pyramiden von Giza, S. 164).

Des weiteren fand man im Schutt des Tempels einige Bruchstücke von den Ornamenten, welche die Szenen des sed-Festes, des Festes des Weißen Nilpferdes und andere Motive wiedergeben. Diese Funde belegen, dass die Wände der Pfeilerkolonnade reliefiert waren. Andere Bruchstücke von den Ornamenten sind beim Bau der Treppenmauer  des mittelalterlichen Tores Bab el-futub in Kairo wiederentdeckt worden.

Weitere große Relieffragmente und Blöcke, welche wohl aus dem Pfeilerumgang des Totentempels wie vom Aufweg stammen können, wurden unter Amenemhet I., in dessen Pyramide in El-Lischt verbaut (siehe dazu Gödicke "Re-used Blocks from the Pyramid of Amenemhet I. at Lisht, New York 1971)

   Totentempel der Cheops-Anlage
Auf der Südseite des Totentempels könnte lt. Stadelmann (Die ägyptischen Pyramiden, S. 122) eine Treppe zum Tempeldach hinaufgeführt haben.
An der Nordseite befand sich lt, der noch heute vorhandenen Schwelle aus Rosengranit der einzige Aus- und Eingang in den ca. 10 m breiten Pyramidenumgang. Der Bestattungszug mit dem Sarg und dem toten König muss deshalb über den Aufgang und durch den Hof in den Tempel gekommen sein, um zum Pyramideneingang zu gelangen.

(Zeichnung: Nefershapiland nach J. Ph. Lauer)

 

Taltempel und Aufweg:

Über den Aufweg berichtet uns Herodot 2000 Jahre nach dem Bau der großen Pyramide. Er beschrieb ihn als  langen, gedeckten Aufweg, der mit kunstvollen Reliefs geschmückt war. Weiter berichtet er, dass man allein 10 Jahre an dem Aufweg gebaut habe, der insgesamt ungefähr 650 m lang war und rund 209 m Steigung vom Taltempel bis zum Pyramidenplateau überwinden musste. Der Aufweg ist bislang nur teilweise erforscht worden. Lt. Zahi Hawass machte er bei einer Gesamtlänge von ursprünglich 825 Metern (die ursprüngliche Länge ist umstritten, da die archäologischen Befunde sehr spärlich sind) nach etwa 125 m einen Schwenk nach Südwesten. 

Auch über den Taltempel sind die Forschungsergebnisse sehr dürftig. Die Überreste dieses Tempels liegen am Wüstenrand nordöstlich der Cheops-Pyramide, direkt unterhalb des modernen Dorfes Nazlet es-Simman. Zahi Hawass entdeckte entdeckte lt. Miroslav Verner ("die Pyramiden" 1998) Anfang 1990 die Reste einer Basaltfläche und an ihrem Ende acht Meter starke Mauern aus Lehmziegeln. Anhand dieser Funde wird vermutet, dass in der Umgebung des Taltempels ursprünglich eine Pyramidenstadt existiert hatte. Ansonsten haben wir keinerlei Anhaltspunkte über den Aufbau und Konstruktion des Taltempels.

Nebenpyramiden u. Kultpyramide:

Neben- und Kultpyramide

Schiffsgruben und Sonnenbarke:

 

"Ich schloss die Augen und roch Weihrauch, einen sehr heiligen, geweihten Geruch. Ich roch die Zeit... ich roch die Jahrhunderte ... ich roch die Geschichte. Und da war ich sicher, dass ein Boot in der Grube lag."
( Kamal el Mallak - damals ein junger Archäologe im Ägyptischer Antikendienst)

Zur Ausstattung des Pyramidenbezirkes gehörten sieben Bootsgruben, welche im Umfeld der Cheops-Pyramide entdeckt wurden. Fünf davon gehörten zur Großen Pyramide und befinden sich an der Ost- und Südseite der Pyramide und zwei  gehören zu den Königinnenpyramiden. Die beiden an der Ostseite gelegenen Gruben wurden leer vorgefunden, während die beiden Bootsgruben südlich der Großen Pyramide noch intakt und verschlossen vorgefunden wurden und man das Boot in Grube Nr. 2 in einer aufwendigen Aktion herausholte und in einem neuen Bootsmuseum direkt über der Fundstelle für die Öffentlichkeit zugänglich machte.

          Cheopspyramide mit Bootsgruben
Bootsgrube 1 (an der Südseite d. Pyramide)
mit einem 2. Boot des Cheops, das seit 2011 von
einem japanischen Team untersucht wird.

Bootsgrube 2 (an der Südseite d. Pyramide)
Dieses Boot wurde geborgen und meisterhaft restauriert. Es befindet sich seit 1982 in einem eigens dafür gebauten Museum über der Fundstelle.

Bootsgrube 3 (an der Ostseite der Pyramide)
Leere Bootsgrube in rudimentärer Form eines Bootes - sie wurde so gefunden, wie sie heute noch zu sehen ist.

Bootsgrube 4 (an der Ostseite der Pyramide)
Auch diese Bootsgrube ist seit unbekannter Zeit geöffnet und es fanden sich keine Spuren darin von einem Boot.

Bootsgrube 5 (parallel zum Aufweg der Pyramide)
Bootsgrube ( 21,70m x 4,25 m) mit deutlicher Bootsform, die man von Westen her über eine Treppe erreicht. Es wurde kein Boot gefunden.

Wahrscheinlich waren die Wände der beiden Bootsgruben (Nr. 3 und 4 in der obigen Zeichnung) an der östlichen Pyramidenseite mit Kalksteintafeln verkleidet, was die Breite der Gruben reduzierte und damit die Bedachung vereinfachte. Die beiden Bootsgruben an der östlichen Pyramidenseite sind etwas größer (ca. 100 Ellen lang) als die an der südlichen Seite. Lt. Porter u. Moss III² 14,15 u. 16 wurden in den leeren Bootsgruben Statuenbruchstücke aus dem Totentempel gefunden. Nach Rainer Stadelmann (Die großen Pyramiden von Giza/ADEVA-Verl., S. 209, Anmerk. 51) dürfte die Ausraubung der Gräber und die Zerstörung des Totentempels etwa gleichzeitig  d. h. beim Abbau der Verkleidung der Pyramide nach 1200 n. Chr. geschehen sein.

Eine der beiden Bootsgruben (Nr. 3) an der östlichen Seite der Cheopspyramide - links und rechts des Totentempels.

Diese Bootsgrube ist seit unbekannter Zeit geöffnet und es wurden keine Spuren eines Bootes gefunden.

Bootsgrube parallel vor Pyramide des Cheops
  Bild:
Peter Alscher, Amberg

Die parallel zum Aufweg gelegene Bootsgrube (Nr. 5) lag fast an der Schwelle zum königlichen Totentempel. Diese Bootsgrube unterscheidet sich von den anderen, denn man gelangt über eine Treppe zu der bootsförmigen Aushöhlung im Felsgestein des Giza-Plateaus. Die achtzehnstufige Treppe ist 21,70 m lang und 4,25 m breit und führt in die 20,88 m lange und 7,60 m tiefe Bootsgrube (Quelle: Eine Stätte für die Ewigkeit/ Michael Haase, Ph. v. Zabern-Verlag 2004 ISBN 3-8053-3105-3)

Unter den Gelehrten wurde nun eine Diskussion über die Bedeutung der Bootsbegräbnisse im Allgemeinen entfacht. Jaroslav Cerny zufolge waren die vier an der Ost- und Südwand der Großen Pyramide bestatteten Boote dazu bestimmt, dass der König nach allen vier Himmelsrichtungen ins Jenseits fahren konnte. Die fünfte Grube beim Aufweg sollte das Boot enthalten, auf dem die Königsmumie zur Grabstätte transportiert worden war. Diese Meinung von Cerny wurde aber von Emery und Selim Hassan bestritten. Diese hielten die Boote für Sonnenbarken, die dazu dienten, den König im Gefolge des Sonnengottes Re über den Himmelsozean zu fahren. Der ägyptische Archäologe Abu Bakr ist der Auffassung, dass alle Boote bei der Großen Pyramide ursprünglich dazu dienten, den König bei verschiedenen Wallfahrten und anderen feierlichen Anlässen an die heiligen Orte Ägyptens zu bringen. Dem widerspricht Zahi Hawass, denn lt. den Forschungen seines Teams (SCA) haben sich die Boote nie im Wasser befunden und direkt bei den Pyramiden angefertigt worden sind, was die Spuren von Spänen um die Grube herum beweisen würden. Hawass ist ebenfalls der Auffassung, dass die Bedeutung der Boote mit dem Sonnenlicht zusammenhingen.
(Quelle: Verner / Die Pyramiden, S. 238)

                                                               (Zeichnung: M. Pirzer / Nefershapiland)

 

Die Bootsgruben südlich der Pyramide:

Die beiden Bootsgruben an der Südseite der Pyramide (Grube 1 und 2) wurden 1954 entdeckt und waren mit großen Kalksteinblöcken überdacht.

Der ägyptische Antikendienst begann 1951 im Rahmen eines geplanten Straßenbaus mit der Beseitigung des 20 m hohen Schutts auf der Südseite der Cheops-Pyramide. Die Leitung hatte ein junger Archäologie-Architekt namens Kamal el-Mallakh, der später für die halboffizielle Kairoer Tageszeitung arbeitete. Man trug den Steinschotter bis auf den Grundfelsen ab und stieß dabei auf die Reste der einstigen südlichen zweiten Temenosmauer, die einst den Pyramidenkomplex umgeben hatte. Schon Hermann Junker hatte vor dem 1. Weltkrieg eine Südmauer in seinem Ausgrabungsberichten erwähnt. Malakh war davon überzeugt, dass sich unter dieser Südmauer eine oder mehrere Schiffsgruben verbargen, weil der Südabschnitt der Mauer erheblich dichter an der Pyramide stand, als der Nord- und Westabschnitt, eine typische Vorgehensweise, um etwas zu verbergen. Die Arbeiter unter Kamal el-Mallakh fanden unter der Südmauer eine Schicht mit gepresster Erde, eine Mischung aus Schotter und normalem Lehm. Nachdem auch diese dicke Lehmverputzschicht abgetragen war, legte man nach und nach riesige Kalksteinblöcke frei. Diese 0,90 m breiten und 4,50 m langen Kalksteinblöcke wiegen bis zu 15 Tonnen und waren in zwei Gruppen zu je vierzig Stück unterteilt und verschlossen zwei lange Gruben.

              Abdeckblöcke der östlichen Grube

An den Blöcken und in der Bootsgrube befinden sich mehrere Graffiti, die von großer historischer Bedeutung sind. Zum Teil sind die Steinbruchmarken auf den Kalksteinblöcken in schwarzer Farbe ausgeführt. Hieraus ist ersichtlich, dass Djedefre, der Nachfolger, nach dem auch die Arbeiterkolonnen benannt wurde, die Bestattung vorgenommen hatte und die Boote in die Gruben eingebracht hat.

Das Team von Mallakh fand auf einem der herausstehenden Kalksteinblöcke die Kartusche des Djedefre, dem Nachfolger und vermutlichen Sohn des Cheops. Djedefres Name erscheint insgesamt 18 x in Kartuschen

Bild: Peter Alscher, Amberg

 

   Abdecksteine der 1954 geöffneten Grube

(Bild: Thanks to Jon Bodsworth für public domain)

Mit Hilfe eines Rasierspiegels lenkte der Ausgrabungsleiter Kamal el-Mallakh, den Sonnenstrahl in die dunkle Bootsgrube und das Licht fiel direkt auf die Spitze des über 6,5 Meter langen aus einem einzigen Stück libanesischen Zedernholzes gearbeiteten Steuerruders. Es lag noch genauso da, wie die Arbeiter es damals vor über 4600 Jahren in die Bootsgrube gelegt hatten. Mit Hilfe des Fotografen des Magazins "Life" führte man eine Kamera durch das Loch im 22zigsten Block in die Grube ein und sah dann später die Umrisse eines antiken Schliffsbugs, welcher in Hochrelief gearbeitet war, um einem Papyrusstengelbündel zu gleichen. Das hier liegende Schiff war also ein papyrusförmiges Boot, welches man aus vielen Grabdarstellungen und als Holz-Modellboot aus prä-dynastischer Zeit her kannte.

Nachdem nun feststand, dass die Bootsgrube (2) ein Schiff aus antiker Zeit enthielt und wahrscheinlich auch in der danebenliegende Grube (1) sich ein Schwesterschiff befand wurde ein Komitee gebildet, welches die Bergung und die anschließende Restaurierung der Schiffe überwachen sollten. Dieses Komitee bestand ausschließlich aus ägyptischen Fachleuten und stand unter der Leitung von Dr. Zaki Iskander (Leiter der chemischen Laboratorien des Antikendienstes) und Hag Ahmed Youssef Moustafa (Chef der Restaurierungsabteilung des Antikendienstes) und man entschied, die Grube unverzüglich zu öffnen, das Schiff zu bergen und zu restaurieren.

Über die gesamte Grube wurde  eine Halle errichtet, in der sich die großen Kräne befanden, welche zur Abnahme der Kalksteinblöcke erforderlich waren. Der größte der Riesenblöcke hatte ein Gewicht von knapp 16 Tonnen Gewicht. Trotz der großen Kräne dauerte es zwei Monate bis man die großen Steine abgehoben hatte. Jeder der Kalksteine wurde sofort auf Anweisung von Dr. Iskander durch einen Holzblock ersetzt, um die Atmosphäre in der Bootsgrube zu erhalten. Es war erstaunlich, dass die Arbeiter im dritten Jahrtausend vor Christus, welche weder das Rad noch den Flaschenzug kannten, imstande waren, diese 16 Tonnen schweren Blöcke zu behauen, zu transportieren und sie schließlich präzise über den zerbrechlichen Inhalt der Bootsgrube zu legen. Auf vielen der Abdecksteine befanden sich Hieroglyphen in rotem und gelben Ocker, Baugrafitti, welche von den antiken Steinmetzen hinterlassen wurden, darunter auch achtzehn Kartuschen mit dem Namen des Königs Djedefre. Daraus kann man schließen, dass einige Teile der Abdeckung der Bootsgrube erst nach dem Tod des Cheops fertiggestellt wurde.

Der letzte Stein wurde am 28. Jan. 1955 aus der Grube gehoben und unter den Resten einer "Schutzschicht" aus kissenartigen Gegenständen (höchstwahrscheinlich aus harzgetränkten Stoffschichten aus Leinen, die aber wegen dem starken Zerfall nicht mehr genau zu identifizieren war) fanden sich Tauwerke und Matten aus den heute noch verwendeten Schilf- und Binsenarten, welche man seit Anbeginn im Alten Ägypten benutzte.

Nach dem Bau einer schützenden Halle, der Abnahme der Steinblöcke und der Konservierung und Präparierung der Matten und Taue begann man im Dezember 1955  mit der Entnahme der Holzteile des Bootes aus der Grube. Viele Teile des Bootes, wie Kabinentüren und Wände, Lukendeckel und Decksteile wurden in ihre Bestandteile zerlegt, so dass sich die Summe aller Teile auf 1224 Einzelteile beliefen. Hauptsächlich bestanden die Teile aus Zedernholz (wohl aus dem Libanon), es wurden aber auch kleinere Details des Schiffes aus Akazie und anderen in Ägypten heimischen Holzarten gearbeitet. Das Schiff war mit Ausnahme einiger Nägel und Beschläge aus Kupfer nur aus Holz gearbeitet.

Unter den gefundenen Stücken befanden sich eine 15 cm lange Feuersteinklinge (wohl das Messer eines Arbeiters), ein unbearbeitetes Stück schwarzem Basalt (evtl. ein Hammer ?) und eine Scherbe eines einfachen Tongefäßes. 

Nun waren die Restauratoren und ihre Assistenten gefordert, dieses Puzzle aus 1224 Teile wieder zusammenzufügen. Man legte im Restaurationsschuppen die Teile des Königsschiffes so genau wie möglich in der gleichen Anordnung aus, wie sie die antiken Arbeiter unter Cheops bei der "Bestattung" des Schiffes befolgt hatten. Viele der Holzteile des Schiffes waren mit hieratischen Zeichen versehen, welche die Zugehörigkeit zu einem Schiffsteil, kennzeichneten. Vor der erneuten Rekonstruktion musste aber die Restauration der Holzteile abgeschlossen werden, wobei auch der Kern aus altem Holz an einigen Teilen mit neuem Holz umgeben wurde. Einige der Rumpfplanken waren stark beschädigt und man war gezwungen, einen verstärkenden Balken in das alte Holz einzuarbeiten um diesen zu verstärken.

Modell der Barke des Cheops

Im ersten Jahr der Restaurierung bauten der Chef-Restaurator Ahmed Youssef Moustafa vom Antikendienst und seine Assistenten Modelle im Maßstab von 1:10 und fertigten Zeichnungen aller gefundenen Einzelteile an, um Kenntnisse über die Form und die Krümmung des Bootes zu erhalten. Letztendlich legte er sich auf eine gestreckte Ellipse fest, die in der Mitte des Schiffes viel breiter war als an den beiden Enden.

(Bild: Peter Alscher, Amberg)

Auf dem Vorderdeck der Barke befinden sich fünf Ruderpaare mit unterschiedlicher Länge von 6,5 m bis 8,5 m. Hinter dem Achterdeck besitzt das Schiff ein weiteres Paar Steuerruder mit einer Länge von 6,5 m. Evtl. diese Ruder allerdings wirklich als Antrieb der Barke dienten, ist nicht gesichert.  Bis zur endgültigen Restaurierung wurde das Schiff fünfmal zusammengesetzt und wieder auseinander genommen, bis es seinen heutigen Platz im neuen Museum einnehmen konnte. 

                      Die Ruderanlage des Schiffes
       - je 5 Ruderpaare befinden sich auf dem Vordeck -
                         Bild: Peter Alscher, Amberg
                Das papyrusförmige Heck des Schiffes
                   mit den beiden Steuerrudern. 
                        Bild: Peter Alscher, Amberg

Das Königsschiff besaß keinen Kiel, so dass der papyrusförmige Bug genauso wie das Heck auf die Rumpfplatten  aufgesetzt waren. Der Rumpf selber weist eine glatte, stromlinienförmige Oberfläche auf.             

 

Die Cheops-Pyramide und das Museum,
 welches direkt über der Fundstelle gebaut wurde,
 wo die Barke heute gezeigt wird.

Datei: Cheops-Pyramide Schiffsmuseum.JPG
Autor: Hajotthu - Mai 2008
Lizenz: Creativ Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unp.
Datei: Cairo-Pharaons funeral ships museum
Autor: Kormoran - Juli 2005
Lizenz: Creativ Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unp.

Die vollständig restaurierte "Sonnenbarke" des Cheops hat eine Länge von 43,4 m und ist 5,9 m breit und einen Tiefgang von 1,5 m. Die Kabine auf dem Hauptdeck befindet sich direkt hinter mittschiffs und erstreckt sich zwischen den Seitenträgern über die gesamte Schiffsbreite. Vom Vordeck aus führt eine doppelte Tür, welche durch einen Gleitbolzen verschließbar war, in eine kleine Vorkammer. Diese wird durch eine weitere Tür, die ähnlich gearbeitet war, mit dem Hauptraum der Kabine verbunden. Eine weitere Tür führt von der Hauptkabine auf das Achterdeck hinaus. In den Kabinen gab es keine Fenster, so dass es im Inneren des Schiffes im Sommer sehr heiß gewesen sein dürfte (Quelle: Nancy Jenkins / das Schiff in der Wüste / Umschau-Verlag 1980).

                 Blick auf das Heck des Bootes
Die Kabine auf dem Hauptdeck erstreckt sich über die gesamte Schiffsbreite. Die Türen konnten durch ein sog. Gleitschloss von innen verschlossen werden.


(Bild:  John Bodsworth)
        Blick auf das Heck entlang der Steuerbordseite
Das Dach der Kabine erstreckt sich mehrere Meter über die Kabine hinaus auf das Vordeck. Evtl. sollte es den Ruderern als Sonnenschutz dienen.

Zu beiden Seiten des Vorderdecks befinden sich je 5 Ruder, die eine Länge von 6,5 bis 8,5 Metern besitzen.
(Bild: Peter Alscher, Amberg)

Die Arbeit an der Restaurierung der "Sonnenbarke" erforderte mehr als zehn Jahre bis es dann seit 1982 in einem eigens errichteten Museum über der Fundstelle ausgestellt wurde. 

Bootsmuseum des Cheops auf Giseh 

Auf dem Vorderdeck befindet sich ein von zehn schlanken Säulen getragener kleiner Baldachin. Die Kapitelle der Säulen sind ähnlich denen der Hauptdeckkabine als Papyrusknospe geschnitzt. Über die Funktion des Baldachin sind sich die Experten nicht einig - ob es nun ein Sonnenschutz für den Kapitän des Schiffes oder für eine Götterstatue oder einem anderen Zweck dienen sollte.
Datei:        The Khufu Boat
Autor:        kairoinfo4U  aus Flickr- Album v. Yahoo
Lizenz:       Creative Commons (CC BY-NC-SA2.0)
Datei:    The Khufu Boat
Autor:     kairoinfo4U  aus Flickr- Album v. Yahoo
Lizenz:   Creative Commons (CC BY-NC-SA2.0)

                                                                                                *

Etwas weiter westlich befindet sich eine zweite Bootsgrube (1), die ebenfalls ein Königsschiff enthält. Seit drei Jahren wird dieses riesige Schiff aus Zedernholz, das unter einer aus 41 Blöcken bestehende Steindecke an der südlichen Seite der Cheops-Pyramide bestattet liegt, von der ägyptischen Altertumsverwaltung und den japanischen Archäologen der Waseda Universität gehoben.

Die Bergung und Restauration des zweiten Cheops-Schiffes wird von den Japanern mit 10 Millionen Dollar gefördert und es soll nach der Restaurierung und dem Zusammenbau in dem Museum an der Südseite der Pyramide ausgestellt werden. Das bis dahin hier aufbewahrte Königsschiff soll nach Fertigstellung des noch im Bau befindlichen "Großen Ägyptischen Museums" in dieses übersiedeln. Aufnahmen mit einer Miniatur-Kamera, die 1985 von einem Team der National Geographic Magazine gemacht wurden, zeigen ebenfalls ein in seine Einzelteile zerlegtes Boot, wobei es sich vermutlich um ein Segelschiff handelt.

Im Jahre 2008 führten die Archäologen der Waseda Universität unter Leitung von Sakuji Yoshimura eine winzige Kamera durch ein Loch in die Kalksteindecke der Bootsgrube ein, um den Zustand der Zedern-Balken für eine evtl. Hebung und Restauration des Schiffes zu prüfen festzustellen. 

Inzwischen wurde die 1. Phase der Restauration des Schiffes, die vor nicht ganz zwei Jahren begonnen wurde,  mit Hilfe der Japaner abgeschlossen. Sie umfasste die Entfernung der teilweise 16 t schweren Abdecksteine der Schiffsgrube und ihre Ersetzung durch Holzbohlen. Am 20. Febr. 2012 entnahmen die Wissenschaftler der Waseda Universität Holzproben von dem Schiff, das noch in der Bootsgrube liegt. Nach der Analyse dieser Proben hofft man Aufschlüsse über die Ursache und den Ausmaß des Zerfalls des zweiten Bootes zu erhalten.


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