Pyramidenseite

Chefren-Pyramide

"Schön aber ist es,
wenn die Hände der Menschen
Pyramiden bauen."
(
Mahnworte des Ipuwer, Papyrus Leiden 344  - 19.Dynastie)

Erbauer: Chufu 
 (ca. ca. 2620 - 2580 v.Chr. n. Schneider)

Der gängigen Lehrmeinung nach, wurde die große Pyramide von Giseh vom König Chufu(i)-Chnum - was übersetzt: "er beschützt mich, (nämlich Chnum)",  zu Beginn der 4. Dynastie erbaut. Bekannter ist dieser Pharao unter seinem griechischen Namen Cheops, den der Historiker Herodot uns überliefert hat. 

Von dem Erbauer der größten Pyramide ist allein eine kleine Königsplastik erhalten, die ihn sitzend auf seinem Thron darstellt, auf dessen rechter Seite der Horusname des Königs eingraviert ist, während der Inhalt der linken Seite ganz zerstört wurde. Die 7,5 cm hohe Plastik aus Elfenbein wurde in Abydos, im Tempel des Gottes Chontamenti gefunden. Das Gesicht gehört einem selbstbewussten, älteren Mann. Der König trägt die rote, unterägyptische Krone und den kurzen plissierten Königsschurz (schendit). In der rechten Hand hält er die Geißel, während die linke Hand ausgestreckt auf dem Oberschenkel ruht.
Die Statue befindet sich heute im Ägyptischen Nationalmuseum in Kairo.


Geburtsname  :   xwj.f - wj   "er beschützt mich"     nach Schneider
Thronname      : --------- ---------  
Horusname      : MDd(w)                                               "Der (die Feinde) zerdrückt"
nach Schneider
Nebtiname       : MDd - r - nbtj "Der (die Feinde) zerdrückt entsprechend den beiden Herrinnen " nach Schneider 

 

Goldhorusname :  Bjkwj - nbw     
"Gold (Goldener) der zwei Falken"  nach Schneider
weitere Namen : Manetho :   Suphis
Herodot   :  Cheops
Diodor     :  Chembes/Chemmis 
   
Regierungszeit:

Altes  Reich

ca. 2620 -2580 v. Chr.

nach Turiner Papyrus:  23  J. 
Manetho                     :  63 J.

   


möglich sind auch 46 effektive Regierungsjahre   (lt. Schneider: Lexikon d. Ph.) 

Von der Person des Grabinhabers ist historisch wenig überliefert. Cheops war ein Sohn von 
Pharao
Snofru und der Königin Hetepheres und damit der 2. König der 4. Dynastie. Von seiner Familie ist seine Mutter Hetepheres am besten bekannt durch den Fund ihres Grabmobiliars in einem Schachtgrab in Giseh.

Bett mit Kopfstütze 
- Grabschatz der Königin - Hetepheres, 
- heute im Museum von Kairo - 

mit feinen Schnitzerein verzierte Holzstuhl
- heute im Museum von Kairo -


Als seine Gemahlinnen sind 

Henutsen,              (nach Siliotti) - Tochter von Snofru und Halbschwester des Chufu

Meritetes,             (nach Schneider u. Lehner)

Hetephernebti (?)  (nach Wolfgang Helck)

           und weitere namentlich nicht bekannte Königinnen erwähnt-

.

Als seine Kinder werden von den Ägyptologen ermittelt:

KaAwaab     (Kawab  nach Schneider)  = Kronprinz, der gegen Ende der Regierungszeit von Chufu stirbt.

Djedefre        (nach Schneider)                 = der spätere Thronfolger

Chaafchufui    (nach Schneider)                 = nach Stadelmann der spätere König Chefren

Chefren          (nach Schneider)                 = der sonst als weiterer Sohn anzusehen ist.

Chafmin          (nach Schneider)

BaAfrea         (nach Schneider)

Djedefhor       (nach Schneider)                  = vergöttlicht, gilt später als Autor einer Weisheitslehre

Djedefmin und DuAenhor  (nach Schneider)

Hetepheres II. (nach Schneider)               = Frau des Kawab - nach dessen Tod Frau des Djedefre

Chaamerernebti I. (nach Schneider)          = Frau des Chephren)

Meresaanch II. (nach Schneider)               = Frau des BaAfrea

 

 

Chufu scheint nicht der ursprüngliche Kronprinz gewesen zu sein, denn er wurde erst Thronfolger nach dem Tode eines in Meidum (Mastaba 17) bestatteten Kronprinzen. Aus seiner Regierungszeit sind auf dem Palermostein nur vier zerstörte Jahreseinträge erhalten. Hierin sind die Herstellung einer 7 m hohen Kolossalstatue aus Gold sowie die Gründung eines Gutes (?) mitgeteilt.

Auch im Wadi Maghara im Sinai ist Chufu bezeugt, durch eine Stele in den Dioritsteinbrüchen bei Abu Simbel und durch Gefäßfragmente aus Byblos. Nur das winzige Elfenbeinfigürchen aus Abydos kann ihm als Rundplastik mit Sicherheit zugewiesen werden.. Vermutlich stellt ihn aber auch ein Statuenfragment (Kopf in Brooklyn) dar.

Chufu verlegt mit Regierungsantritt Palast und Nekropole von Dashur nach Norden. In einem Zeitraum von ungefähr 20 - 25 Jahren (gesamte Bauzeit Pyramidenkomplex mit Tal- u. Opfertempel ca. 33-35 Jahren [nach Ägyptische Pyramiden Bd. 2 /Hobby-Ägyptologen e. V. ] )errichtete Cheops hier sein Grabmahl in Giseh und gab ihm den Namen Achet-Chufu, "den [westlichen} Horizont des Cheops", womit er seine Grabanlage mit der im Westen untergehenden Sonne verband.

Während im Papyrus Westcar König Chufu durchaus positiv charakterisiert wird, stellt die antike Überlieferung nach Herodot ihn als gottlosen Tyrann und Sklaventreiber dar, der Sklavenheere für sich und seinen Grabbau schuften lässt.

(Quelle: Schneider - Lexikon der Pharaonen)

 

-  Achet Chufu  -
"Horizont des Chufu"

 

 

Cheops-Pyramide:

 

Als stumme Zeugen einer vergangenen Kultur erweckten diese Grabanlagen seit ihrer Entstehung nicht nur das Erstaunen der Besucher, sondern zogen auch das Interesse anderer Personen an, deren Absichten nicht nur Bewunderung und Erstaunen war. Die ersten, die sich für die Meisterwerke des Altertums interessierten, waren "Grabräuber". Schriftliche Zeugnisse und die zielgerichteten Grabräuberstollen in einigen Königsgräbern lassen keinen Zweifel daran, dass die Pyramiden schon von Zeitgenossen geplündert wurden.

 

Die Cheopspyramide ist ein gutes Beispiel: Grabräuber trieben unter Umgehung der Korridorblockierung einen graden Stollen durch das steinerne Mauerwerk der Pyramide bis sie den ansteigenden Korridor erreichten, der zur Sargkammer führte. Die Grabräuber mussten genaue Kenntnisse besessen haben über den inneren Aufbau der Pyramide.

 

Der Abbasiden-Kalif Mamun (9. Jh. n. Chr.), ein Sohn von Harun el-Raschid, entdeckte diese Grabräuberstollen und ließ sie erweitern, um das Innere der Pyramide zu erkunden. Er fand nur ein paar Knochen, bei denen es sich sicherlich nicht um die Überreste von Pharao Chufu handelte. Kalif Mamun nahm wegen der erheblichen finanziellen Aufwendungen Abstand  von den "Nachforschungen" in den anderen Pyramiden. Bis zum heutigen Tag dient dieser "Grabräubergang"  als Eingang in das Innere der Pyramide.

 

 

heutiger Touristeneingang  
- früherer Grabräubereingang -
(Bild: Andre Kottlewski)

ursprüngliche Eingang der Pyramide mit doppeltem Gewölbe -  auf einer Höhe von ca. 15 m. -
unten der Eingang des Kalifen El-Mamun im 9. Jh.

 

Legenden und phantastische Erzählungen verdrängten mit voranscheitender Zeit die Kenntnisse über die Pyramiden. Der Bericht des Reisenden Herodots (um 485-425 v. Chr.) über den Erbauer der großen Pyramide verrät bereits mangelndes Wissen. Immerhin wusste Herodot noch die Namen der Grabbesitzer korrekt anzugeben. Allerdings wurden sie von ihm aufgrund der gigantischen Grabmäler als verhasste Despoten hingestellt.

Mit dem Verlust der Kenntnisse der Hieroglyphenschrift hatte man den letzten Schlüssel zum Verständnis der altägyptischen Kultur endgültig verloren. Legenden und sagenhafte Erzählungen entstanden um die Pyramiden. Im Mittelalter kursierten Berichte über sagenhafte Schätze in der Cheops-Pyramide, aufgrund dessen der bereits erwähnte Kalif Mamun bei seinem Besuch in Ägypten 831 n. Chr. durch die Grabräuberschächte ins Innere der Pyramide vordringen ließ.

Erst ab dem 17. Jahrhundert setzten sich einige Forscher fundiert mit den alten Bauwerken auseinander. Der engl. Astronom John Greaves stellte fest, dass die Pyramiden einzig und allein zum Zwecke der Bestattung der ägyptischen Könige erbaut worden war.

Als "Nebeneffekt" des "Ägyptischen Abenteuers" Napoleon Bonapartes in den Jahren 1798 - 1801 mit dem Versuch Ägypten in Besitz zu nehmen, stellte sich die französische Ägyptenexpedition wissenschaftlich als ein gigantischer Erfolg heraus und gilt als der Beginn der ernsthaften Erforschung der ägyptischen Kultur. Ein Tross von ca. 150 der besten Wissenschaftler Frankreiches folgte der französischen Armee, die das Land erforschen und dokumentieren sollten. Auch die Pyramiden fanden in diesen wissenschaftlichen Berichten (Description de l'Egypte) gebührenden Raum.

Die Pyramide in Zahlen:

(Zahlen nach Mark Lehner: Geheimnis der Pyramide u. Lexikon der Pharaonen/Schneider)

Name in der Antike: "Horizont des Cheops" - Achet Chufu
ursprüngliche Höhe 146,60 Meter
heutige Höhe: 138,75 Meter
Grundfläche 230,38 Meter im Quadrat
Neigungswinkel: 51°50'40''
Volumen der
Steinblöcke:
ca. 2.300.000  (nach Mark Lehner)
Orientierung die 4 Seiten sind mit minimalen Abweichungen nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet.
Große Galerie: 46,7 m lang, 8,7m hoch , 2,09 m breit
"Königinnenkammer": 5,8 m x 5,3 m x 6 m Höhe
Königskammer: 10,5m x 5,2 m x 5,84 m Höhe
unterirdische Kammer: 14m x 7,2 m x 5,3 m Höhe (Planmaße)
Lage: 30 m unter der Plateau-Oberfläche
Königinnenpyramiden: 3   ( GIa = Hetepheres, GIb = Meritetes, GIc = Henutsen)
Bootsgruben:



Maße d. Sonnenschiffes:

2 an der Ostseite (beraubt), 2 an der Südseite (unversehrt)
1 weitere westl. davon (1987 fotografiert aber noch nicht geöffnet)
1 Sonnenschiff befindet sich in Bootsmuseum direkt über der Bootsgrube

43,3 m lang und 5,6 m breit mit 1224 Einzelteilen - Alter: 4500 J.

Steinbrüche

(Quelle: Ägyptische Pyramiden Bd.2 /Hobby-Ägyptologen e.V. 52159 Roetgen-Rott 1997)

König Cheops wählte gleich nach Regierungsantritt das Hochplateau von Giseh für den Errichtungsort seines Grabmahls. Der Baugrund war ideal und bestand aus Muschelkalkgestein und genügend Steinmaterial für das geplante Bauwerk. Diese günstigen Voraussetzungen für die Wahl des Standortes in unmittelbarer Nähe der Baustelle mit gut abbaubaren Kalkgestein war der erste Schritt für die gigantischen Leistungen der damaligen Bauhandwerker. Für die benötigte Menge an Gesteinsblöcken ließ Cheops 3 Steinbrüche errichten:

der erste Steinbruch lag um die Pyramide bzw. war der Standort selber. Wahrscheinlich wurde 
unter der Pyramide ein Felskern belassen, der vermutlich abgestuft wurde.  (ca. 120.000m²)

Der zweite Steinbruch besteht mit Ausnahme der Nordseite aus annähernd der Fläche, auf der 
die späteren Mastabas und Königinnen-Pyramiden errichtet worden sind. Einen Teil des früheren Geländeverlaufes kann man zwischen der Cheops- und Chefren-Pyramide noch erkennen.

Die Steinbrucharbeiten wurden in südlicher Richtung fortgesetzt. An der Ostseite des
Steinbruchs III.  wurde das Gelände von den Baumeistern tiefer abgesenkt als im westlichen Teil,
 um die natürliche Transportrampe, die zum Pyramidenplateau führt, zu erhalten. 

Ein weiterer Steinbruch, aus dem die Blöcke aus schneeweißem Tura-Kalkgestein für die Pyramidenverkleidung sowie für die Gang- und Kammersysteme genommen wurden, lag auf der anderen Nilseite, nahe der heutigen Stadt Tura. Hier wurde lt. R. Lepsius ein Graffiti gefunden, das uns zeigt, wie Männer mit Rindern vor einem Schlitten gespannt, einen größeren Block aus dem Steinbruch ziehen.

Der Pyramidenkomplex

Die Cheops-Pyramide besaß alle Standardelemente des Pyramidenkomplexes wie den Totentempel, den Aufweg, den Taltempel und die Königinnen-Pyramiden. Daneben baute Cheops Mastabafriedhöfe - im Osten für die höchsten Ratgeber, im Westen für seine nächsten Verwandten, alle als systematische, einheitliche Anlage. Erst kürzlich wurde seine Nebenpyramide, die vielleicht für seinen Ka bestimmt war, entdeckt. Eine 8 m hohe Mauer aus Tura-Kalkstein umgab die Pyramide, die einen 10,2 m weiten, kalksteingepflasterten Hof rund um das Monument einschloss. Über den rechteckigen Hof, der von einem mit Reliefdarstellungen verzierten und mit viereckigen Granitsäulen gestützten Portikus umgeben war, gelangte man in das Sanktuar (nach Stadelmann)

  1. Königinnen-Pyramide GI-c u. Schiffsgrube
  2. Königinnen-Pyramide GI-b u. Schiffsgrube
  3. Königinnenpyramide  GI-a
  4. Cheops-Pyramide
  5. Totentempel
  6. Aufweg und weitere Schiffsgrube
  7. östliche Schiffsgrube a.
  8. östliche Schiffsgrube b.
  9. zwei südliche Schiffsgruben
  10. Nebenpyramide

Nur noch wenige Fundamente sind von dem Totentempel übriggeblieben. Man nimmt an, dass der Grundriss wohl rechteckig gewesen sein muss und eine Breite von 52,50 m hatte. Die Wände bestanden aus feinen, reliefverzierten Kalkstein. Wir wissen nicht, ob hier schon die später zur Regel gewordenen fünf Statuennischen und die Scheintür vorhanden gewesen sind. 

Ein 810 m langer Aufweg verband den Totentempel mit dem Taltempel im Fruchtland.  Herodot berichtete, dass dieser gedeckt war und  die Wände des Aufweges mit kunstvollen Reliefs bedeckt gewesen seien. Der Fund einiger gemeißelter Fragmente scheinen dies zu beweisen. Bei Ausgrabungen wurden 1990 die Fundamente und das Basaltpflaster des Taltempels 125 Meter von dem Punkt entfernt entdeckt, an dem sich der Aufweg nach Nordosten neigt.

Östlich der Cheops-Pyramide liegen drei Königinnen-Pyramiden. (GI-a, GI-b und GI-c). Diese lagen in einer Reihe auf der Ostseite der großen Pyramide und in jeder führte eine abfallende Passage zu einer Kammer und zweigte dann rechtwinklig nach Westen  zu Grabkammer ab. An dieser Stelle sind die Passagen erweitert, vermutlich, um mit dem Sarkophag zu gelangen. Im Jahre 1925 ließ das Bostoner Museum unter Leitung des Ägyptologen Prof. George Reisner die Königinnenpyramiden untersuchen. Diese Untersuchung führte zum erstenmal zur Entdeckung eines unberührten Grabes eines Angehörigen der Pyramidenbauer. In der nördlich gelegenen Pyramide der Königin Hetepheres, Mutter des Cheops und Gattin des Snofru fand Reisner einen prachtvollen Grabschmuck, der heute im Museum von Kairo ausgestellt ist. Die Zuordnung des Grabes ist durch die Auffindung des Namens auf den goldenen Holzbeschlägen der Möbel als gesichert anzusehen. Der Name des Cheops befand sich auf einer kastenförmigen Sänfte, die als Geschenk an seine Mutter gedeutet werden kann.

GI-b könnte evtl. lt. einer in der Kapelle der ersten Mastaba nach Osten (vermutlich Prinz Kawab, eines "ältesten" Sohnes) entdeckten Inschrift zufolge einer Königin mit dem Namen Meritetes zugeordnet werden, die während der Regierungszeit von Snofru, Cheops und Chephren lebte.

GI-c gehörte vermutlich einer Königin mit Namen Henutsen. Allerdings ist dieser Name erst viel später aufgetaucht, als die Kapelle an der Ostseite dieses Monuments zu einem Tempel der Isis in ihrer Funktion als "Herrin der Pyramiden" umgebaut wurde.

Zur Ausstattung des Pyramidenkomplexes gehörten auch fünf Schiffsbestattungen, die entlang der Süd- und Ostseite der Pyramide lagen. Die rituellen Boote wurden dem toten König mitgegeben, damit er auf seiner Reise auf dem Fluss der Unterwelt den Sonnengott begleiten konnte.  Die Bootsgruben an der Ostseite waren leer, während das östliche Boot an der Südseite, das in einer mit riesigen Kalksteinplatten überdachten Grube lag und völlig demontiert war, 1954 unter Aufsicht des Chefrestaurators des Begräbnismobiliars der Hetepheres, Ahmed Youssef, Stück um Stück geborgen. In jahrelanger Puzzelarbeit setzten die Restauratoren es wieder zusammen. Heute steht das Sonnenschiff des Cheops in einem eigens dafür gebauten Museum an der Südseite der Cheops-Pyramide. Das Schiff ist 43,4 Meter lang und 5,6 Meter breit. Einzig allein zusammengehalten wurde es durch Seile und Holzdübel.

die Sonnenbarke des Cheops im eigenen Museum

Cheopspyramide in Gisa
- unterhalb der rechten Seite das Bootsmuseum -
(Foto: Nefershapiland)

Etwas weiter rechts befindet sich die intakte Grube eines weiteren Schiffes. Die Ägyptische Altertumsverwaltung beschloss die zweite Grube nicht zu öffnen. 1987 wurde der Inhalt dieser Schiffsgrube mit einer speziellen Fotosonde fotografiert. Die Aufnahmen ließen erkennen, dass sich im Inneren der Grube ein ähnliches Schiff befand, wie in der ersten Grube. Über die genaue Bedeutung dieser Schiffe gibt es verschiedene Hypothesen. Sie mögen symbolische Hilfsmittel für die Reise des Königs zum Himmel gewesen sein - könnten aber auch in eine andere Kategorie gehören. 

 Zitat:    (Mark Lehner: Geheimnis der Pyramiden, Orbis Verlag )      

" Dinge, die mit der Bestattung des Königs zu tun hatten, galten als spannungsgeladen". Um sie zu  neutralisieren, wurden sie demontiert und - nahe, aber außerhalb des Begräbnisbezirks -  vergraben.  Wahrscheinlich also hatten diese vollständigen, aber demontierten Boote der letzten irdischen Reise  Cheops' zu seiner Pyramide gedient."


Die Pyramide von Außen

Die schneeweiße und glattpolierte Verkleidung der Pyramide, das heute nicht mehr vorhanden ist,  besaß eine große Leuchtkraft, die den griechischen Reisenden Herodot (448 v. Chr.) inspirierte in einem Reisebericht  zu schreiben:

" Sie leuchten wie eine Fackel in der Nacht"

Oben auf der Spitze der Cheops-Pyramide hat sich durch das Fehlen der 9 m hohen Pyramidenspitze eine Plattform von 10 m im Quadrat gebildet. Der Abschlussstein (Pyramidion) der Pyramide wurde ein Jahr nach der Entdeckung der Kultpyramide in unmittelbarer Nähe entdeckt. Es handelte sich hierbei um einen großen Kalksteinblock mit drei abgeschrägten Seiten , bei dem es sich um die Basis des Pyramidion handelte, das sich ursprünglich auf der Cheops-Pyramide befand. Dieser wurde durch das Hinzufügen anderer Blöcke restauriert und vervollständigt. 

Der ursprüngliche Eingang liegt in 15m Höhe und zwar, wie es bei den meisten Pyramiden üblich war, auf der Nordseite. Der heutige Touristeneingang, der ehemalige Grabräubereingang des Kalifen El-Mamun , liegt unterhalb des ursprünglichen Einganges und trifft an der anderen Seite der Granitspeere auf diesen, wo er sich mit ihm verlängert.

Nach Fertigstellung der Pyramide umgab man diese mit einer Umfassungsmauer aus weißem Tura-Kalkstein. Sie war schätzungsweise 9 m hoch und hatte eine Fundamentsbreite von 3,5 m . Ein Teil der Mauer kann heute noch  an der Ostseite der Pyramide besichtigt werden. Der Innenbereich zwischen Pyramide und Umfassungsmauer wurde mit Tura-Kalksteinplatten in unregelmäßiger Anordnung gepflastert.

Das Innere der Cheops-Pyramide

Vom Originaleingang steil nach unten führend, geht die abfallende Passage steil nach unten und endet in der unterirdischen Kammer und stellt damit den klassischen Pyramidenunterbau dar, wie er auch in Meidum zu sehen ist. Erstmals wurde diese Kammer in den massiven Felskern gehauen (wenngleich auch niemals fertiggestellt). Ein kleiner grobbehauener Gang, der von einer Ecke nach Süden führt, stellt auch heute noch ein Rätsel dar . Wohin führt dieser Gang, durch den sich an seinem Ende nur ein Mann mühsam vorarbeiten konnte? Diese Kammer liegt 30 Meter tief im Fels und ist wohl wegen technischer Probleme unvollendet geblieben. Die Theorie, dass diese Felsenkammer als Grabkammer vorgesehen war, kann nicht stimmen, denn die absteigende Passage ist für den Durchgang eines Sarkophages in der Größe, wie er in der Königskammer gefunden war, einfach zu eng. Aus ritueller Sicht gesehen könnte diese Kammer vielleicht den Wohnsitz von Sokar, dem Herrn der Unterwelt, symbolisieren.

  1. Absteigende Passage - L. 58,5 m
  2. Aufsteigende Passage
  3. Unterirdische Kammer 14x7,2x5,3m
  4. Große Galerie 46,7x2,1,H.8,7m
  5. Königskammer 10,5x5,2,H.5,8 m
    mit Entlastungskammern darüber
  6. Königinnen-Kammer 5,8x5,3,H.6m
  7. Luftschacht von der Königskamme
  8. Luftschacht auf den Polarstern orientiert
  9. Luftschacht zeigt auf den Orion
  10. Luftschacht von der Königinnenkammer

Ein vom Eingangskorridor nach oben abzweigender Gang führt in Richtung des Zentrums der Pyramide. Nach 37,7  Metern führt der Gang zur Großen Galerie. Von hier zweigen 2 Öffnungen ab, die eine stellte eine weitere horizontale Galerie dar, die zur sogenannten "Königinnenkammer" führt, während die andere einen 60 Meter langen gewundener Stollen darstellt, der zum absteigenden Gang führt. Evtl. diente dieser Gang dazu, dass die Arbeiter nach dem Versperren der Grabkammer mit den Verschlussblöcken wieder nach draußen gelangen konnten. 

die große Galerie

Cheops-Pyramide
(Bild: Nefershapiland)

Die große Galerie ist eine eindrucksvolle Leistung der Pyramiden-Erbauer. Die aufsteigende, 46,71 m lange und 2,09 m breite "Große Halle" hat eine Höhe von 8,74 m und ihr 7-lagiges Kraggewölbe, eine Bauform, die hier das letzte Mal eingesetzt wurde, gilt als Höhepunkt der Krag-Architektur des Alten Reiches. Allerdings reicht die Verkragung nicht bis ganz nach oben. Die verbleibende Lücke wird von Deckplatten überspannt.Die genaue Bedeutung dieser Bauform ist noch nicht eindeutig geklärt. Der Bau der Großen Galerie erfolgte mit weißem Tura-Kalkgesteinsblöcken. 


Die Steinblöcke in den vorspringenden Seitenwänden wurden so genau übereinandergefügt, dass jede Steinlage etwa sechs Zentimeter über die jeweils darunterliegende herausragt. Ein Vorraum schließt die Große Galerie ab, der ursprünglich mit drei Rutschsperrblöcken aus Granit versehen war. Entlang der Seitenwände wurden in regelmäßigem Abstand zusammenpassende Löcher gefunden. Es wird davon ausgegangen, dass in diesen Löchern große Holzbalken steckten, welche die Blöcke zum Verriegeln der
Aufsteigenden Passage  zurückhielten. Das Porticulli ( von oben in Grabkorridore herabgelassene Steinplatten zur Blockierung des Zugangs) - tauchte zum erstenmal in Mastabas der 1. Dynastie (Saqqara ) und im Alten Reich ab der Knickpyramide in allen Königsgräbern auf und wurde  im AR durch Holzbalken gebildet, an denen drei dicht hintereinander, an Rollen herabgelassene Platten befestigt waren. Im Mittleren Reich wurde diese Art der Zugangssicherung durch schwerer zu öffnende Schiebesteine ersetzt. Aber fast alle Porticullis wurden von Grabräubern umgangen, hochgehebelt oder duchmeißelt. 

Der Vorraum führt in die sogenannte Königinnenkammer. Die von arabischen Gelehrten fälschlicherweise so benannte "Kammer der Königin"  liegt 21,71 m über dem Felsniveau. Diese Kammer besteht aus Tura-Kalkgestein, besitz ein Satteldach und ihre Grundfläche wurde mit 5,8 x 5,3 m gemessen. Das Satteldach erreicht eine Höhe von 6 m. 

Hier sollte gewiss keine Königin bestattet werden, da Königinnen in einer Pharaonenpyramide keine Grabräume erhielten. Diese exakt auf der Ost-West-Zentralachse liegende Kammer war fast vollendet; nur die Wände und der Boden waren noch nicht ausgeschmückt. Höchstwahrscheinlich war sie ein versiegelter Raum für eine spezielle KA-Statue des Königs (spirituelle Kraft) - die seinen KA darstellte.  Darauf deutet die 4,7 m hohe verkragte Nische an der Ostwand der Kammer hin. Hier könnte eine solche Statue gestanden haben. Die Königin-Kammer war total abgesperrt - ein Merkmal für das serdab (der Raum für die KA-Statue - den spirituellen Doppelgänger des Königs) - was die Theorie der KA-Kammer noch bestärkt. ( Theorie nach Mark Lehner)

Luftschächte oder auch "Seelenschächte" genannt, mit einem quadratischen Durchmesser von 20 cm  führen in die Nord- und Südwand, ca. 60 m schräg nach oben und sind mit einem Verschluss-Stein verschlossen. Diese Schächte, die fälschlicherweise als Belüftungsschächte erklärt wurden, sollten dem königlichen BA Aus- und Eingang gewähren. Diese rituelle Bedeutung wurde erst in jüngster Zeit durch Forschungen, die vom Deutschen Archäologischen Institut durchgeführt wurden, erkannt.

Hinter der Vorkammer schließlich  liegt die Königskammer mit dem königlichen Sarkophag. Der kleine Vorraum mit den drei granitenen Blockierungssteinen  bildet den letzten Verschluss vor der Grabkammer des Königs. Sie ist eine der imposantesten Kammern in der ägyptischen Pyramidengeschichte. Die 5,84 x 10,5 m weite Kammer hat eine Höhe von 5,84 m und liegt 43,03 m über dem Niveau. Die aus Rosengranit aus den Steinbrüchen in Assuan errichtete Kammer besticht durch ihre Einfachheit und durch ihr Echo, wo jeder Schritt und jedes geflüsterte Wort widerhallt. Die Grabkammer alleine erscheint wie ein großer Sarkophag.

Neun große, je über 5,5 m lange und 25 bis 40 Tonnen schwere Granitbalken reichen quer über die Decke. Niemals zuvor war eine solche Weite durch Stein überspannt worden. Die Baumeister unter Leitung des Wesirs Hem Iunu legten zur Entlastung der Dachbalken fünf niedrige, übereinanderliegende Entlastungskammern oberhalb der Grabkammer an - vier mit Flachdecke aus Granitbalken, die oberste mit Kalksteinsatteldach. Die Steine der obersten Kammer wurden in der Art eines freitragenden Giebeldaches angeordnet, damit das Gewicht des Mauerberges darüber gleichmäßig verteilt wurde. Glattpoliert und ohne jegliche Schrift sind die Wände, Decken und Fußbodenplatten. In den Entlastungskammern sind von Vyse und Perring 1837 auf mehreren Blöcken an den Wänden Inschriften mit der Kartusche von Chufu - dem ägyptischen Namen von Cheops - und das Jahr seines Regierungsantritts gefunden worden. Hierbei handelt es sich um die einzigen bekannten Inschriften in der ganzen Pyramide. 
(Quelle: "Denkmäler aus Ägypten und Äthiopien" von Richard Lepsius)

Der monolithische Sarkophag des Pharaos bestand aus einem einzigen Rosengranitblock und steht nur noch ohne Deckel an der westlichen Wand der Grabkammer. Er ist 2,24 m lang und 0,96 m breit. Man geht wegen seiner Größe davon aus, dass er während der Bauphase in die Kammer gebracht wurde. Grabbeigaben oder sogar eine Mumie des Königs hat man nicht gefunden. 

Von der Nord- und Südseite der Sarkophagkammer treten zwei enge und gerade Stollen mit einem Durchmesser von 20 x 20 cm in einer Höhe von 71 und 53 Metern an den äußeren Seitenwänden der Pyramide heraus, ebenso wie die in der "Königinnenkammer" wahrscheinlich als "Seelenschächte" gedacht.

Vor einigen Jahren wurden diese Schächte durch Rainer Stadelmann, einem Mitarbeiter des DAI Kairo untersucht. Ein kleiner Roboter mit Kamera fuhr den Südschacht hinauf und stieß am Ende des 60 m langen und 20 cm breiten Schachtes auf ein Hindernis, welches er aber nicht überwinden konnte. Am 17. Sept. 2002 steuerten Archäologen einen weiterentwickelten Roboter durch den gesamten Schacht und bohrten ein kleines, kreisrundes Loch in die Kalksteintür. Was sie sahen, war ein kleiner, sauberer Hohlraum miteiner vertikalen, glatten Steinfläche am Ende. Wenige Tage später entdeckten die Wissenschaftler im Nordschacht eine weitere, bisher unbekannte Tür. 

In der Cheops-Pyramide befinden sich mehrere Schächte, die nach Angaben von Archäologen der entweichenden Seele des verstorbenen Königs dienten

Wie der Chefarchäologe Dr. Zahi Hawass mitteilte, befindet sich die mit 2 Kupfergriffen versehene Tür im Nordschacht der sogenannten "Königinnen-Kammer". Laut Hawass beträgt der Abstand zwischen der Kammer und der neu entdeckten Tür exakt 64 Meter, genau wie im Südschacht. Allerdings sind beide Schächte nicht völlig symmetrisch, denn der Südschacht steigt steil auf, während der Nordschacht einige Ecken und Biegungen hat.

Die insgesamt vier engen Schächte in der Cheops-Pyramide in Gizeh bei Kairo stellen die Archäologen seit jeher vor ein Rätsel. Möglicherweise haben die Schächte nach Ansicht von Hawass symbolische Bedeutung, da Cheops sich schon zu Lebzeiten zum Sonnengott proklamiert habe. Seine Vorgänger hingegen glaubten, sie würden erst nach ihrem Tod zu Sonnengöttern zu werden.

(Zitat: Rhein-Zeitung online 23.09.2002)

 


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