Biografie Cheops

Hetepheres I.

Nebenpyramiden Cheops

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Die Große Pyramide von Giseh ist zweifellos der bedeutendste Bau des gesamten Pyramidenkomplex des Cheops, dennoch bleibt er nur ein Teil der weitläufigen Grabstätte, zu der auch eine kleine Satellitenpyramide und drei Königinnenpyramiden gehören. Von den anderen Gebäuden ist nur wenig oder gar nichts erhalten: der Totentempel, der neben der Pyramide stand, der Taltempel in der Ebene und der lange Aufweg, der beide miteinander verband. 

Die Cheops-Pyramide ist die älteste und größte der drei Pyramiden von Giseh und aus diesem Grund wird sie auch als "Große Pyramide" bezeichnet. Sie ist die höchste Pyramide der Welt und bildet zusammen mit ihren "Schwestern", der Chephren-Pyramide und der Mykerinos-Pyramide das älteste und auch zugleich letzte noch existierende der 7 Weltwunder der Antike. Ihre Fertigstellung wird auf 2580 v. Chr. in die Zeit des Alten Reiches datiert.

                    Cheops-Pyramide im Jahre 1858
                        Die Cheopspyramide heute 
      von der Südostseite des Giseh-Plateau aus gesehen. 
Bild: National Galleries of Scotland-Commons 
         from Edinburgh Scotland, UK
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Bild:      Giseh 14.jpg
Autor:   Olaf Tausch
Lizenz:   Creativ Commons-Lizens Namensnennung 3,0

König Khufu, der allgemein als einer der Söhne des Snofrus angesehen wird, bestieg etwa gegen 2580 v. Chr. den Thron Ägyptens. Vermutlich gab Khufu oder Cheops nach griechischer Leseart schon in seinen ersten Regierungsjahren den Befehl, einen geeigneten Platz für die Errichtung seines Grabmals zu suchen. Die Suche nach einem geeigneten Untergrund wurden von den gewonnenen Erfahrungen während der Bauprojekte des Snofrus bei Dashur beeinflusst, da die Bauprobleme bei der "Knickpyramide" auch an der Bodenbeschaffenheit lagen. Die Suche konzentrierte sich auf ein sich markant von der Umgebung abhebendes und relativ leicht zugängliches Felsplateau am westlichen Rand des Niltals, welches einerseits die notwendige geologische Konsistenz besaß, um einen stabilen Untergrund für die monumental geplante Grabpyramide zu gewährleisten, und andererseits den Aufbau einer effektiven Infrastruktur zwischen der Baustelle, den nahen Steinbrüchen und dem Talbezirk mit seiner Hafenanlage zu gewährleisten. 

Die Wahl fiel schließlich auf ein etwa 22 km nördlich der Roten Pyramide, die Cheops Vorgänger Snofru erbauen ließ, gelegenes Felsmassiv, dessen steile nordwestliche und nordöstliche Ränder teilweise eine Höhe von 24-40 m aufweisen. Das Felsplateau, die sogenannte "Mokattam-Formation", zeichnete sich durch einen stabilen Untergrund aus, der aus Muschelkalkgestein bestand und wird im Süden durch ein Wadi begrenzt, das sich südlich des Grabkomplexes des Mykerinos von Osten nach Westen erstreckt. 

Als Cheops das Giseh-Plateau als Standort seines Pyramidenbezirkes erwählte, war dieses kein jungfräulicher Boden mehr. Es befanden sich dort bereits Gräber von offensichtlich einflussreichen Beamten aus den ersten drei Dynastien. Im südlichen Bereich der Hochebenem, etwa 1 km südlich der Pyramide, sind ihre Überreste noch heute zu sehen. Wahrscheinlich befanden sich auch im Bereich des Pyramidenkomplexes alte Grabanlagen, welche den geplanten Bauvorhaben im Wege standen und ohne Rücksicht beseitigt wurden. Es besteht die Möglichkeit, dass auch die Schachtanlage G 7000x, die sich auf der Ostseite der Cheopspyramide befand als älterer Zeit stammte.

Steinbrüche:

Die felsige Hochebene von Giseh besaß etwa 300 m südlich des geplanten Baugrundes für die Große Pyramide ein Gebiet, das als Hauptsteinbruch genutzt werden konnte. Diese günstigen Voraussetzungen für die Wahl des Standortes in unmittelbarer Nähe der Baustelle mit gut abbaubaren Kalkgestein war der erste Schritt für die gigantischen Leistungen der damaligen Bauhandwerker. Für die benötigte Menge an Gesteinsblöcken ließ Cheops 3 Steinbrüche errichten:
 (Quelle:
Ägyptische Pyramiden Bd.2 /Hobby-Ägyptologen e.V. 52159 Roetgen-Rott 19)

der erste Steinbruch lag um die Pyramide bzw. war der Standort selber. Wahrscheinlich wurde 
unter der Pyramide ein Felskern belassen, der vermutlich abgestuft wurde.  (ca. 120.000m²)

Der zweite Steinbruch besteht mit Ausnahme der Nordseite aus annähernd der Fläche, auf der 
die späteren Mastabas und Königinnen-Pyramiden errichtet worden sind. 
Einen Teil des früheren Geländeverlaufes kann man zwischen der Cheops- und Chefren-Pyramide noch erkennen.

Die Steinbrucharbeiten wurden in südlicher Richtung fortgesetzt. An der Ostseite des
Steinbruchs III.  wurde das Gelände von den Baumeistern tiefer abgesenkt als im westlichen Teil,
 um die natürliche Transportrampe, die zum Pyramidenplateau führt, zu erhalten. 

Über das zum neuen Baukomplex gehörende Hafenareal wurden die für das Bauprojekt benötigten kostbaren Steinsorten aus den entfernten Steinbrüchen bei Tura, der Oase Fayum und bei Assuan angeliefert und umverteilt. Vermutlich geschah die Anbindung des Hafens an den Nil, der zur Zeit der 4. Dynastie etwa 2-3 km weiter westlich als heute lag, über einen oder mehrere Kanäle, die breit und tief genug waren, um die Schiffe auch noch bei Niedrigwasser des Nils treideln zu können.

Arbeitersiedlung:

Der griechische Historiker Herodot erzählte uns in viel späterer Zeit seltsame Geschichten über den Bau der Pyramiden. Ägyptische Priester hätten ihm berichtet, das Hunderttausende von Sklaven und für die Zeit der Nilschwemme dienstverpflichtete, ungelernte Arbeitskräfte, die mit hölzernen Hebeln und Maschinen die Bausteine nach oben beförderten, die Pyramiden gebaut hätten. Herodots Erzählungen verdanken wir eine ganze Reihe von Unwahrheiten und Klischees, die auch heute noch  fest in den Köpfen der Menschen verankert sind. Das Bild von Tausenden von Sklaven, die mit der Peitsche von ihren brutalen Aufsehern zum Bau der dem ewigen Ruhm des Königs dienenden Pyramide gezwungen wurden (Herodot, II. 124-127) gehört zu diesen Vorstellungen. Auch Diodor, der einige Jahrhunderte später Ägypten bereiste, liefert eine weniger extreme Beschreibung, aber auch er übernimmt einige der Behauptungen Herodots: Um die Cheops-Pyramide zu bauen, so erzählt er, "wurden 350.000 Menschen benötigt und die Pyramide wurde in 20 Jahren fertig gestellt". 

Noch heute werden diese fantasievollen Geschichten des Herodots erzählt, doch kann ihm dieses schwerlich von seinen ägyptischen Quellen zugeflossen sein, denn diese, d. h. die Priesterschaft von Memphis war vielleicht nicht überaus gut informiert, kannte und pflegte jedoch zu dieser Zeit immer noch die Überlieferung des Alten Reiches, der alten Könige und ihrer Denkmäler.

Nach den Steinbruchmarkierungen zu urteilen, die bei Ausgrabungsarbeiten an Snofrus Nordpyramide in Dahschur gefunden und registriert wurden, arbeitete ein hoch spezialisierter Trupp Arbeitsleute das ganze Jahr über an dem Bauvorhaben und nicht nur während einer Saison. Es waren vermutlich ungefähr 20.000 bis 25.000 Arbeiter - Steinbrucharbeiter und Steinmetze, Träger, Maurer und Putzer. Dazu kamen Essenslieferanten, Ingenieure und Baumeister. Man schätzt, dass die damalige Einwohnerzahl des Landes bei knapp 2 Millionen lag, das bedeutet: die Zahl der an dem Pyramidenbauprogramm beschäftigen Leute betrug knapp 1 Prozent der Gesamtbevölkerung. 

                            Die sogenannte Krähenmauer
Durch dieses Tor in der "Krähenmauer" wurde eine Verbindung zwischen der Arbeitersiedlung und der königlichen Nekropole geschaffen.

                            (Bild: Jon Bodsworth - public domain)
                         Blick auf die Arbeitersiedlung
Das SCA unter Zahi Hawass hat mehrere Gräber entdeckt, die in die Bauperiode der Großen Pyramide datiert wird. 

 
 
            (Bild: Jon Bodsworth - public domain)

Eine große Arbeitersiedlung lag südlich der sogenannten "Krähenmauer" - einer etwa 200m langen und 10m breiten wie hohen Steinmauer, die sich ostwestorientiert am Eingang des Zentralwadis in Richtung Niltal erstreckt. Diese Mauer sonderte das Quartier der Arbeitsleute von den Königsgräbern ab. Sie ist aus Kalkstein erbaut, etwa zehn Meter hoch und zweihundert Meter lang. Ein Torweg in der Mitte führt vom Arbeiterquartier zum heiligen Pyramidenstandort.
 (siehe hierzu:
Mark Lehner "The Giza Plateau Mapping-Projekt; und zu den Grabungen auf dem Friedhofsgelände westlich der Siedlung z. B. bei Zahi Hawass: "The Workmen`s Community of Giza, in: M. Bietak (Hrsg.) "Haus und Palast im Alten Ägypten, in UÖAI 14 (1996) 62 ff.) Diese Siedlung und die dazugehörigen Friedhöfe werden seit 1988 freigelegt und untersucht. Die bisherigen Befunde liefern zwar bislang nur Belege für eine Datierung in die Regierungszeiten von Chephren und Mykerinos, doch man geht davon aus, dass die Siedlung bereits unter der Regierungszeit von Cheops im Zuge der Errichtung  seines Grabmals angelegt und von den späteren königlichen Bauherren auf dem Giseh-Plateau weiterbenutzt wurden. 

Die in der Gesamtausdehnung des Grabungsgeländes von ca. 40.000m² bislang freigelegten Strukturen, deren Kernbereich im Westen und Südwesten von einer 4 m breiten Umfassungsmauer aus Bruchstein begrenzt wird, bildeten im Zentrum galerieartige aus Lehmziegeln errichtete Räume, die verschiedentlich durch Straßenzüge voneinander getrennt werden. Diese verlaufen von Osten nach Westen und teilen die Siedlung in einzelne Sektoren auf. Bei den Ausgrabungen in den Galerien kamen große Mengen von Keramik, vor allem aber Fragmente von Brotbackformen, zutage. Neben Bäckereien konnten in diesem Gebiet wie auch in einigen Gebäudestrukturen unmittelbar östlich der Galerien eindeutige Belege für die Kupfer- und Fischverarteilung sowie für die Herstellung von Bier gefunden werden, was uns beweist, dass dieser Bereich der Siedlung eine Produktionsstätte war, die vermutlich primär der Versorgung der Bauarbeiter sowie den Bedürfnissen des angeschlossenen Palastes und Administrationsbereiches diente.

Entdeckungsgeschichte:

Über einen langen Zeitraum hinweg, vom späten Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert, waren die großen Werke des pharaonischen Ägyptens von allen vergessen - nur die Pyramiden von Giseh waren die einzigen Bauwerke, die von den Europäern beachtet und besichtigt wurden. Auch arabische Geographen und Schriftsteller des Mittelalters befassten sich mit den Pyramiden. Sie deuteten in ihren oft wundersamen Geschichten die Existenz von verborgenen Schätzen und Statuen aus purem Gold an, die im Inneren der Pyramiden verborgen sein sollen. Der arabische Reisende El-Masudi schrieb hingegen, dass der abbasidische Kalif El-Mumun um 820 v. Chr. einen großen Stollen in die Cheops-Pyramide haben graben lassen, in deren Inneren er einen kleinen Schatz gefunden habe, dessen Wert jedoch genau der Summe entsprochen habe, die er hatte investieren müssen, um ihn zu bergen, und einen kleinen Behälter aus Smaragd, den er in seine Schatzkammer bringen ließ und der einer der außergewöhnlichsten Wunderwerke ist, die in Ägypten hergestellt wurden. 

Ein aus Venetien stammender Adliger, der 1458 während seiner Pilgerfahrten ins Heilige Land nach Ägypten kam, gibt uns eine der ersten Beschreibungen der Pyramiden von Giseh. Er beschreibt sie als "die Getreidespeicher des Pharaos die in viereckiger Form aus bloßem Stein gebaut sind, so wie das Grab des Romulus, aber viel höher als ein normaler Turm." Auch andere Reisende des Mittelalters teilten die Ansicht, dass Josef, Sohn von Jakob, die Pyramiden als Getreidespeicher für seinen Pharao erbauen ließ. In der Markuskirche in Venedig befindet sich eine sehr frühe Darstellung der Pyramiden, die damals auf biblischen Überlieferungen basierend, sie als antike Getreidespeicher der Pharaonen darstellten.

Die ersten wissenschaftlichen Studien der Cheops-Pyramide veröffentlichte 1591 der aus Venetien stammende Konsul Giorgio Emu, der zusammen mit dem Arzt und Naturforscher Prospero Alpinus nach deren Rückkehr aus Ägypten das Werk: "Rerum Aegyptiarum Libri Quatuor" veröffentlichte, in der er seine durchgeführten Messungen über Höhe und Umfang der Pyramide beschrieb. Alpinus berichtete außerdem, dass der Eingang der Pyramide 1584 von Ibrahim Pascha erweitert worden sei, dem ein afrikanischer Zauberer weisgemacht hatte, er werde im Inneren der Pyramide reiche Schätze finden. Dabei kann es sich nur um den echten, alten Eingang in die Pyramide gehandelt haben, da der von Ma´mun erweitere Stollen inzwischen verschüttet, und mit ihm auch das Wissen um den Misserfolg Ma`muns bei der Öffnung der Pyramide aus dem Bewusstsein der Zeitgenossen Ibrahim Paschas verschwunden war.

Auch der englische Astronom und Professor für Geometrie in Oxford John Greaves besuchte 1638 die Pyramiden von Giseh und nahm präzise Messungen der Monumente vor, die er in seinem Werk "Pyramidographia" veröffentlichte. Aus seinen Abbildungen ist eindeutig zu entnehmen, dass der Grabräubereingang zu dieser Zeit verschüttet war und man die Pyramide wieder durch den wahren Eingang betrat. Er kroch den absteigenden Korridor auf dem Bauch liegend herunter und vertrieb die Fledermäuse durch Schüsse aus seiner Pistole. Keiner der Reisenden des 17. und 18. Jahrhunderts hat über die Große Pyramide so viele Daten und genaue Beobachtungen zusammengetragen wie der Mathematiker und Astronom Greaves. Seine "Pyramidographia"  blieb bis zu Napoleonischen Expedition 1798- 1801 ein Standardwerk. 

Die große Abhandlung des gelehrten Jesuitenprofessors Athanasius Kircher über die ägyptischen Obelisken, Hieroglyphen und Pyramiden, die wenige Jahre nach der Veröffentlichung von John Greaves erschien, ist ein Schritt zurück in den mystischen Aberglauben. Bessere Ergebnisse brachten dann die Forschungen von Benoit Maillet, dem französischen Generalkonsul der Jahre 1692-1708 in Ägypten, dessen Pläne und Schnitte der Cheopspyramide zwar in manchem ungenauer sind als die des Geometers Greaves, da er den Böschungswinkel zu steil annahm und die Felskammer für ihn noch unerreichbar war, doch hat er die Verbindung von absteigendem Korridor und Brunnenschacht geahnt und es gelang ihm ein Verständnis für das Gangsystem und die Große Galerie zu gewinnen, deren Lage und Höhe er richtig erklärte.

Erwähnt werden muss unter den Reisenden des 18. Jahrhunderts auch der dänische Marineoffizier Frederik L. Norden, der ausführliche Notizen und mehr oder weniger präzise Ansichten und Pläne veröffentlichte. Norden besuchte 1737 im Auftrag seines Königs Christian VI. Ägypten und fertigte mit großem künstlerischen Geschick Zeichnungen des Pyramidenplateaus an, auf denen man im Vordergrund die Sphinx erblickte. 22 Jahre später entdeckte der englische Diplomat und Reisende Davidson die erste der Entlastungskammern über dem Königsgrab, aber dass darüber noch vier Kammern lagen, blieb fast ein Jahrhundert lang verborgen.

Systematisch erforscht wurden die Baudenkmäler des Alten Ägyptens und auch die Cheops-Pyramide jedoch zuerst von den Wissenschaftlern im Gefolge der Ägyptischen Expedition von Napoleon Bonaparte im Jahre 1798, zu denen auch der berühmte Dominique Vivant Denon gehörte. Bei den Forschungen wurde den Pyramiden besondere Bedeutung beigemessen und sie wurden von jeder Seite aus genauesten vermessen, um so die Höhe und den Neigungswinkel berechnen zu können.

1817 kam der aus Padua stammende Ingenieur (Gewichtheber und Akrobat) Giovanni Battista Belzoni nach Ägypten, in der Hoffnung, dort als Wasserbauingenieur unter Mohammed Ali  Karriere zu machen. Inzwischen in den Dienst des englischen Konsuls Salt getreten, begutachtete Belzonis nicht nur die Arbeit von Caviglias, er beobachtete auch genau die Außenseiten der Cheopspyramide, vor allem die Nordseite und verglich diese Beobachtungen mit solchen, die er auf der Nordseite der Chephren-Pyramide feststellte und beantragte dann nach seiner Rückkehr von einer erfolgreichen Reise nach Oberägypten die Grabungserlaubnis für die Chephrenpyramide, wo er dann unter den Schuttmassen zuerst den Grabräubereingang und dann die beiden originalen Eingänge finden konnte.

Auch die in den Jahren 1835 bis 1837 unter dem englischen Oberst Richard William Howard Vyse zusammen mit Caviglia und danach mit dem Ingenieur John Shea Perring durchgeführten Forschungen und Messungen der Pyramiden stellten einen entscheidenden Beitrag für die weitete Erforschung der Pyramiden von Giseh dar. Neben der Entdeckung des äußeren Zugangs zum unteren Gang der Chephren-Pyramide erforschten sie unter Gewaltanwendung - anfangs mittels Meißel und Brecheisen, dann sogar mit Kanonenpulver - die restlichen Entlastungskammern in der Cheops-Pyramide, wobei sie in der obersten dieser Kammern eine Königskartusche entdeckten. Diese Kartusche ermöglichte zum ersten Mal eine direkte Zuweisung der Pyramide zu einem König, welche vorher nur auf die Überlieferungen von Herodot beruhten. Vyse und Perring erforschten auch die Nebenpyramiden des Cheops und des Mykerinos. 

Der deutsche Ägyptologe Richard Lepsius widmete sich der Erforschung der Pyramiden und erarbeitete eine Theorie über den Bau der Monumente. Er unternahm in Giseh erstmals eine Wiedergabe der Wandmalereien aus zahlreichen privaten Mastabas in den zwei großen Friedhöfen, die östlich und westlich der Cheops-Pyramide lagen. Lepsius befasste sich während seiner Ägyptenexpedition in den Jahren 1843/44 vor allem mit der Struktur der Großen Pyramide und äußerte die Ansicht, der Kern bestehe aus geböschten Schalen steinernen Mauerwerks. Zum Geburtstag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. erwiesen die Archäologen ihrem Landesherrn und Mäzen alle Ehre und feierten dieses Ereignis mit einer Besteigung der Großen Pyramide, an deren Gipfel sie eine Fahne entrollten.

Die Große Galerie der Cheops-Pyramide war Gegenstand eingehender Forschungen durch den englischen Ägyptologen William Matthew Flinders Petrie, der 1880 nach Ägypten kam und später eine unglaubliche Zahl von wissenschaftlichen Studien über die Nekropole von Giseh veröffentlichte. Seinem Arbeitsstil gemäß suchte Petrie erst am frühen Abend die Pyramide auf. In den Kammern und Korridoren war es so heiß, dass er dort nur dürftig bekleidet arbeitete, wo es für einen zufälligen nächtlichen Besucher wohl ein ziemlich schockierendes Erlebnis gewesen wäre, den bärtigen, halbnackten Wissenschaftler zu sehen, der im Licht der Petroleumlampe über bautechnischen und archäologischen Details und Tagebucheinträge grübelte.

Auch Ludwig Borchardt beschäftigte sich mit dem berühmten Bauwerk und konzentrierte sich darauf, die ursprüngliche Methode zur Vermessung und Orientierung der Grundfläche zu erklären und die Bauphasen zu rekonstruieren.

Im Jahre 1954 gelang es den ägyptischen Archäologen Kamal Mallach, Zaki Iskander und anderen, an der Südseite der Großen Pyramide zwei Gruben mit intakten Schiffsbegräbnissen zu entdecken. Die östliche wurde geöffnet und das Boot in seiner ursprünglichen Gestalt rekonstruiert. Die andere, westliche Grube bleib bisher ungeöffnet, wurde aber inzwischen mittels einer Sonde mit Mikrofilm von der National Geographic untersucht. Die französischen Architekten Jean-Patrice Dormion und Gilles Goidin gaben in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre der Erforschung der Großen Pyramide durch ihre genaue geophysikalische Vermessung der inneren Kernstruktur neue Impulse, welche später durch die Messungen der Japaner von der Waseda Universität Tokio bestätigt wurde.

Im Sommer 1986 entdeckten die französischen Architekten Jean-Patrice Goidin und Giles Dormion in der Cheops-Pyramide damals noch unbekannte Hohlräume. Mittels elektronischer Mikrosonden drangen sie durch zwei Meter starkes Gestein und entdeckten zunächst anstelle der von ihnen erwarteten "Schatzkammern"  bis zu 0,25 m breite Fugen, die mit Flugsand gefüllt warten, wofür Rainer Stadelmann eine einfache architektonische Erklärung fand. Ergänzende Untersuchungen ägyptischer Geologen und Mineralogen bewiesen eindeutig, dass der feine Sand aus der benachbarten Gegend von Abu Roach im Norden des Plateaus durch die vorherrschenden Nordwinde während der Bauzeit eingeweht worden ist. Japanische Archäologen der Waseda Universität meinten allerdings, der Sand sei zur Sicherung gegen Erdbeben eingebracht worden.  

Einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Großen Pyramide stellen auch die archäologischen Untersuchungen des ägyptischen Archäologen Dr. Zahi Hawass dar, die sich auf das Areal des angenommenen Taltempels, des Aufweges und des Totentempels beziehen. 1992 arbeitete Dr. Hawass an der Erforschung der Königinnenpyramiden und im Jahre 1993 ist der Standort einer vierten, kleinen Kultpyramide (G1-d) am Südostende der Cheopspyramide von Dr. Hawass und seinem Team ermittelt worden.

Schächte in der Königinnenkammer:

 

Im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Kairo, das damals unter der Leitung von Rainer Stadelmann stand, untersuchte und reinigte der Münchner Ingenieur Rudolf Gantenbrink 1993 mittels eines von ihm entwickelten Miniatur-Raupenfahrzeugs, welches er 
"Upuaut 1" nannte (altägyptisch "Öffner der Wege") das obere Schachtpaar der "Königskammer".  Ziel dieser Aktion war es, eine Luftzirkulation von seinerzeit 95% auf die Außenwerte abzusenken.

Nach Vollendung der Arbeit begann Gantenbrink mit seinem  weiterentwickelten Miniatur-Raupenfahrzeug "Upuaut 2" und einem fahrbaren Winkelmesser auch mit der Erforschung der beiden Schächte der Königinnenkammer. In Anwesenheit des damaligen Mitarbeiters des Deutschen Archäologischen Instituts, Ulrich Kapp, gelang es den südlichen Schacht dieser Kammer auf seiner vollständig befahrbaren Länge von 57,55 m zu untersuchen, während man im nördlichen Schacht nach einer Wegstrecke von etwa 18,50 Meter auf ein für den "Upuaut 2" unüberwindliches Hindernis stieß.  Als Bestandteil eines zusammenschraubbaren Eisengestänges hatte sich diese meterlange Eisenstange während einer früheren "Erkundungsmission" unter Leitung von Morton Edgar im Jahre 1928 verkeilt. Offenbar diente diese Eisenstange dem Zweck der Längenbestimmung und wurde deshalb in den Kanal eingeführt, konnte aber nicht mehr vollständig aus ihm entfernt werden. Unterhalb der Stelle, wo der nördliche Schacht um etwa 45 Grad nach Westen abknickt um dem Strukturbereich der Großen Galerie auszuweichen wurden an der Biegung zwei weitere Gegenstände gefunden: eine über einen Meter lange und im Querschnitt etwa 1,2 x 1,2 cm dicke, wahrscheinlich aus Holz bestehende Leiste sowie ein optisch nicht genau zu identifizierendes, wohl aus Metall bestehendes Objekt. Es ist möglich, dass diese Objekte ursprünglich Teile eines altägyptischen Messgerätes waren, mit dem man z. B. Sonnenstände ermitteln konnte oder zum Vermessen größerer Strecken diente.

Im Gegensatz zu den später errichteten Kanälen der Königskammer beginnen diese Schächte aber nicht direkt in der Königinnenkammer, sondern erst etwa acht Zentimeter innerhalb der Kammerwände, das bedeutet, dass ihre Eingänge nach Fertigstellung der Pyramide von der Kammer aus nicht zu erkennen waren, nur die Konstruktionspläne des Königsgrabes verrieten Position und Verlauf der beiden Schächte im Kernmauerwerk. 

Am Ende des südlichen Schachtes entdeckte man eine akkurat bearbeitete, vielleicht aus Turakalkstein bestehende Steinplatte, welche den Schacht blockierte. Auf den Videoaufnahmen von "Upuaut 2" war rechts unten an der Steinplatte eine Beschädigung zu erkennen, evtl. hervorgerufen durch eine Verkantung beim "Einsetzen" des Steinblockes. Auffällig war die grüne Patina, die auf Kupfer hindeutete (vergl. MDAIK Bd. 50). 
Die Kamera des "Upuaut-2" entdeckte auf der glatt polierten Oberfläche zwei zapfenartige Gebilde, die in einem Abstand von etwa 8  Zentimetern parallel zu den Seitenwänden senkrecht angebracht wurden. Als man 1993 den Blockierstein im südlichen Schacht der mittleren Kammer entdeckte, war der rechte (westliche) "Draht" mit einer Länge von ca. 6 cm und einer Breite von bis zu 1 cm noch intakt, der linke hingegen bereits beschädigt (etwa in der Mitte abgebrochen) und nur noch ca. 2,6 cm lang. Das abgebrochene Teilstück lag damals etwa 2 m vor der Blockierung an der rechten Schachtwand. 

Augenscheinlich kommen unterschiedlich dicke, vermutlich aus Kupfer bestehende "Drähte" aus den im Durchmesser ca. 0,8 cm großen Bohrlöchern und wurden an der Oberfläche des Steins umgebogen. Während der rechte, nur etwa 0,4 cm dicke Draht flach auf der Oberfläche aufzuliegen scheint, hebt sich das untere Ende des linken, etwas dickeren Drahtes allem Anschein nach ein wenig vom Stein ab.

Im Auftrag der ägyptischen Antikenverwaltung (SCA) unter Leitung von Zahi Hawass wurde vom National Geographic Television 2002 ein weiterer Roboter konstruiert, den man "Pyramid Rover" nannte. Während einer "Originalübertragung" durch das Fernsehen durchbohrte man mit dem Roboter-Fahrzeug die Steinplatte im südlichen Schacht und untersuchte den Raum, der dahinter lag mit einer Kamerasonde. Der Vorgang konnte durch Fernsehübertragung am 16./17. September 2002 zeitgleich in der ganzen Welt mitverfolgt werden. Nachdem man durch eine Messapparatur auf der Basis von Bodenerkundungsradar eine Dicke des Blockierstein in der Größenordnung von etwa 8 cm ermittelt hatte, bohrte man ein ca. 2 cm großes Loch in den Stein, durch das man eine Miniaturkamera hindurchgeführt werden konnte. Hinter der Schachtblockierung entdeckte man lt. der Pressemeldung einen 45 cm tiefen, allen Anschein nach leeren Hohlraum, welcher offensichtlich die Verlängerung des Schachtes darstellt. 

Wie bereits vor dem Verschlussstein scheint sich auch am Boden des kleinen Hohlraumes eine Sägespur zu befinden. Die südliche Begrenzung des Hohlraumes bildet ein anscheinend unpolierter und strukturell nicht mit dem Blockierstein selbst zu vergleichender einzelner Steinblock, der einige kleine Risse aufweist. Der theoretische Austrittspunkt des Südschachtes an der Außenseite der Pyramide wurde 1993 mehrfach erfolglos untersucht hatte (ungefähr auf Höhe der 90. Steinlage, knapp 70 m über dem Basisniveau) ist wohl davon auszugehen, dass man hier das wahrscheinliche Ende des südlichen Schachtes erreicht hat. Dahinter trifft man dann wohl auf das massive Kernmauerwerk der Pyramide.

Bei der zweiten Untersuchung mittels des "Pyramid Rover" im Jahre 2002 wurde infolge der durchgeführten Untersuchungen das 1993 noch intakte "zapfenartige Gebilde" mittlerweile aber ebenfalls beschädigt und fast mittig in zwei Teile zerbrochen. Es ist über den Verbleib der beiden abgebrochenen Fragmente bislang nichts bekannt geworden. Trotz der inzwischen verstrichenen Zeit von fast neun Jahren bei der Untersuchung des südlichen Blockiersteins und des rückwärtigen Bereichs mit der Miniaturkamera konnten noch keine weiteren Erkenntnisse über den wahren Charakter des Steins gewonnen werden.

Einige Zeit nach der Untersuchung des südlichen Schachtes wurde der Roboter in den Nordschacht der Königinnenkammer geschickt. Gantenbrink und Dixon waren wegen eines Knicks im Verlauf des Schachtes nur etwa acht Meter weit gekommen. Nach weiteren Untersuchungen stellte man fest, das die Erbauer beim Bau des Schachtes die Gerade verlassen hatten, um eine Kreuzung mit der Großen Galerie zu vermeiden. Dieses bedeutete, dass die Schächte nach der Großen Galerie angelegt wurden. Der "Pyramid Rover" folgte dem Knick, bewegte sich weiter durch den Schacht und hielt erst vor einer zweiten Sperre an. Diese Tür liegt 63,4 Meter weit im Schacht, genauso weit wie die Steintür im Südschacht, der sie auch stark ähnelte. Dahinter befindet sich wahrscheinlich - wie im Südschacht und ebenfalls im Abstand von 21 Zentimetern, eine zweite Sperre.

Auch an dem Verschlussstein am Ende des nördlichen Schachtes der Königinnenkammer befinden sich zwei stiftartige Objekte auf dessen Oberfläche. Dort sind die Bohrlöcher durch das Fehlen einer Füllmasse besser zu erkennen. Vielleicht bilden die stiftartigen Objekte die Endstücke eines zusammenhängenden "drahtähnlichen" Gebildes, das die Funktion eines Handgriffes hatte, mit dem der jeweilige Steinblock transportiert und im Schacht justiert werden konnte.

Durch die bislang durchgeführten Forschungsmissionen hat man heute ein relativ detailliertes Bild vom Verlauf und vom Aufbau der Schächte, wenngleich ihre ursprüngliche Funktion noch immer nicht eindeutig geklärt werden kann. In der Ägyptologie ist heutzutage die Vermutung weit verbreitet, dass die Kanäle in den damaligen Jenseitsvorstellungen eine religiös motivierte Aufgabe innehatten. Durch diese Schächte sollte es die Seele des Königs auch von den extrem hohen Positionen der Kammern im Pyramidenmassiv ermöglicht werden, ohne Umweg durch das abwärts orientierte Kammersystem direkt zum Firmament und damit zur himmlischen Götter- und Jenseitswelt aufzusteigen. (siehe dazu Rainer Stadelmann "Modellkorridore, S. 290ff" )

Aber auch diese Theorie ist nicht ohne Widerspruch und wirft mehr Fragen auf als sie imstande ist zu erklären. Andere Theorien versuchen die Schächte der Königinnenkammer mit dem "Ka" des Königs in Verbindung zu bringen. Als Alternative zu einer religiösen Deutung der Kanäle wird heute auch über die Möglichkeit diskutiert, dass die Schächte eine praktische Aufgabe während der Bauzeit innehatte. Eine Reihe plausibler Detailbetrachtungen deutet derzeit vieles darauf hin, dass sie als Belüftungskanäle für die im Kammersystem tätigen Arbeiter errichten bzw. im speziellen Fall der Königinnenkammer geplant und bis zu einem gewissen Zeitpunkt ausgeführt, aber letztlich nicht gebraucht und aufgegeben wurden. 

Achet-Chufu:
"Horizont des Chufu" 

 

Die Pyramide in Zahlen
(Zahlen nach Mark Lehner: Geheimnis der Pyramide u. Lexikon der Pharaonen/Schneider)

Name in der Antike: "Horizont des Cheops" - Achet Chufu
ursprüngliche Höhe 146,60 Meter
heutige Höhe: 138,75 Meter
Grundfläche 230,38 Meter im Quadrat
Neigungswinkel: 51°50'40''
Volumen der
Steinblöcke:
ca. 2.300.000  (nach Mark Lehner)
Orientierung die 4 Seiten sind mit minimalen Abweichungen nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet.
Große Galerie: 46,7 m lang, 8,7m hoch , 2,09 m breit
"Königinnenkammer": 5,8 m x 5,3 m x 6 m Höhe
Königskammer: 10,5m x 5,2 m x 5,84 m Höhe
unterirdische Kammer: 14m x 7,2 m x 5,3 m Höhe (Planmaße)
Lage: 30 m unter der Plateau-Oberfläche
Königinnenpyramiden: 3   ( GI-a = Hetepheres, GI-b = Meritetes, GI-c = Henutsen)
- Zuordnung nicht gesichert -
Bootsgruben:



Maße d. Sonnenschiffes:

2 an der Ostseite (beraubt), 2 an der Südseite (unversehrt)
1 weitere westl. davon (1987 fotografiert aber noch nicht geöffnet)
1 Sonnenschiff befindet sich in Bootsmuseum direkt über der Bootsgrube

43,3 m lang und 5,6 m breit mit 1224 Einzelteilen - Alter: 4500 J.

 

Der Pyramidenkomplex:

Die Cheops-Pyramide besaß alle Standardelemente des Pyramidenkomplexes wie 

den Totentempel,

den Aufweg,

den Taltempel

die Königinnen-Pyramiden

die Kultpyramide

und die Pyramide 

Ab Mitte der 4. Dynastie könnten auch die Bootsbestattungen als ein weiteres Element zum Inventar einer Pyramidenanlage gehört haben. 

Die königlichen Pyramiden waren nicht nur für die Ewigkeit entwickelte Grabmäler der Superlative, die religiös-kultischen Symbolcharakter besaßen, sondern bestanden aus einer ganzen Gruppe von Bauwerken und die Pyramide war nur ein Element, wenn auch das bedeutendste. Es ist also angebracht, von einem Pyramidenkomplex zu sprechen. Im Verlauf der 4. und 5. Dynastie unterlag die Gesamtstruktur der Anlage zwar hinsichtlich der Lage und der Ausrichtung der Kultbauten gewissen Variationen, aber die grundsätzlichen Merkmale sind  meist unverändert geblieben. 

Daneben baute Cheops Mastabafriedhöfe - auf dem Ostfriedhof fanden die näheren Verwandten des Königs ihre letzte Ruhestätte, während auf dem weiter entfernten Westfriedhof die hohen Beamten der königlichen Baubehörde und einflussreiche Würdenträger des Hofes bestattet wurden. Insgesamt befinden sich auf den beiden Friedhöfen des Cheops-Komplexes 77 Grabanlagen, die während der Regierungszeit Cheops erbaut worden sind, alle als systematische, einheitliche Anlage. Es ist nicht bekannt, wann mit dem Bau der Kernmassive der Mastabas angefangen worden ist, nur an einigen Verkleidungsstellen der Mastabas sind Graffiti mit Baudaten erhalten, die zumindest die Fertigstellung dieser Grabanlagen zeitlich begrenzen lässt. Es ist davon auszugehen, dass die Errichtung der Rohbauten auf dem Westfriedhof ungefähr im 1. Regierungsjahr Cheops stattfand - oder zumindest in dieser Zeit mit ihr begonnen worden ist. Nur an ganz wenigen Beispielen lässt sich Vollendung der Mastaba sichtbar machen. Als Beispiel ist hier die Mastaba G 4000 des Hem-Iunu zu nennen, die bis ins 20. Regierungsjahr Cheops reicht. Anhand des Baubefundes lässt sich  nachweisen, dass beim Tod des Königs nur gut die Hälfte der Grabanlagen auf dem Westfriedhof belegt worden war, was vermuten lässt, dass vorrangig neben der Vollendung des Pyramidenkomplexes vor allem die Arbeiten an den Gräbern der königlichen Familienmitgliedern und an denen der Bauleiter im Vordergrund standen.

    Blick über Ostfriedhof - Nekropole G 7000

Cheops ließ östlich seines Grabmals 12 Grabanlagen für nahe Familienangehörige und deren unmittelbare Nachkommen errichten. Die königliche Familiennekropole, welche im Norden durch den Aufweg begrenzt wird, wurde in 6 nordsüdausgerichtete Gräberreihen angelegt und hat die Bezeichnung G 7000 erhalten. Sie umfasst eine Fläche von ca. 210 x 160 Metern.
Ebenfalls auf der Ostseite der Großen Pyramide befinden sich zwei große Bootsgruben und drei Königinnenpyramiden, deren Zuordnung nicht gesichert ist.

 

Trial-Passage:

An der Ostseite der Cheops-Pyramide liegt das in den Fels geschlagene Gang- und Kammermodell der Großen Pyramide, die sogenannte Trial-Passage. Als 1990 das Ostplateau an der Cheops-Pyramide von Schutt und Sand befreit wurde, legte man auch das Modell frei, welches eine Besichtigung wieder lohneswert macht. Bis auf wenige Abweichungen wurde diese Modellkonzeption in der Großen Pyramide übernommen. Es wurden die Abmaße der Lagerhalle für die Verriegelungsblöcke sowie die der Gänge mit ihren Winkeln übernommen. Außerdem wurden die Aussparungen für die Bohlenabdeckung angebracht, was zur Annahme führt, dass die Funktionsfähigkeit der Verriegelungsblöcke am Modell ausprobiert wurde. 

             Trial-Passage 
    an der Ostseite der Cheops-Pyramide
Die meisten Ägyptologen sind der Meinung, dass es sich bei der Trial-Passage um ein 1 : 1 Modell des Gangsystems der Cheops-Pyramide handelt. Es ist genau Nord-Süd orientiert und liegt 87,50 m östlich der Großen Pyramide. Das Gangsystem der Trial-Passage wurde von Vyse und Perring entdeckt und von Perring untersucht und vermessen.

(Zeichnung: Nefershapiland)

Das Gelände um die Trial-Passage wurde sorgfältig nivelliert. Auch Rainer Stadelmann ist der Meinung, dass es sich hier um ein Modell des Gangsystems der Cheops-Pyramide handelt; ebenso Perring, der hierin auch ein 1 : 1 Modell sah, welches nur in den  Längen der Gänge verkürzt wurde. Maragioglio & Rinaldi  folgten nach ihrer Vermessung der Argumentation von Perring, da sie feststellten, dass das Gangsystem der Trial-Passage ähnlich aufgebaut ist, wie der absteigende Gang, die Abzweigung zum aufsteigenden Gang und ein Teilbereich der großen Galerie in der Cheops-Pyramide. Ebenso identisch sind der Neigungswinkel der Gänge und auch der Querschnitt mit denen der Großen Pyramide. Einzig die Längen sind verkürzt.

Am unteren Ende des Südganges ist eine kleine Felsnase belassen, die verhindern sollte, dass die Verriegelungsblöcke in den abführenden Gang hineinrutschten, so dass es den Priestern möglich blieb, nach der Bestattung und Verriegelung die Pyramide verlassen zu können. Diese Auffangnase wurde im Original-Bauwerk nicht übernommen. Statt dessen fertigte man den Gang 2 cm enger, so dass sich die Verriegelungsblöcke an dieser Stelle einklemmten. Dies ist heute noch an zwei Originalblöcken zu sehen. (Quelle: Zitat - Ägyptische Pyramiden Bd. 2, S. 101 Hobby-Ägyptologen e. V.  1997 (Von den Lehmziegel-Mastaba zu den Pyramiden der 1 Dynastie bis 13. Dynastie)

     Nordeingang zur sog. "Trial-Passage

 

 

 

(Bild: Thanks to Jon Bodsworth für public domain)

 

 

Die Pyramide des Cheops:

 

                                   Cheops-Pyramide
(
Bild: Peter Alscher, Amberg)
                  Cheops-Pyramide mit Touristenbusse
(Bild: Elvira Kronlob)

In ihrem innen Aufbau unterscheidet sich die Große Pyramide deutlich von den anderen Pyramiden Ägyptens, ebenso von den beiden anderen Pyramiden auf dem Giseh-Plateau. Sie besitzt nicht nur eine, sondern als einzige der ägyptischen Pyramiden insgesamt drei "Grabkammern" und darüber hinaus die sogenannte "Große Galerie". Ihre Einzigartigkeit wird durch die größere Zahl von Kammern und Gängen, welche dazu noch eine überaus präzise Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen besitzt und sich auf eine hervorragende und präzise Verarbeitung begründet. 

Die Cheops-Pyramide besitzt insgesamt drei Kammern:

  1. die sogenannte „Felsenkammer“ unterhalb der Pyramide im natürlichen Felsengestein 
    (einige Experten sind der Ansicht, dass die Erbauer dieser unfertigen Kammer das Reich Sokars (der Unterwelt) darstellen wollten.

  2. die sogenannte "Königinnenkammer" - deren Name auf die falsche Annahme der frühen Forscher beruht, welche hier das Grab der Königsgemahlin sehen wollten.

  3. die sogenannte "Königskammer" - die eigentliche Grabkammer - die oberste Kammer in der Mitte des Bauwerks, in der heute noch die Überreste eines steinernen Sarkophages zu finden ist.

       Pyramidenquerschnitt

1.  Originaler Eingang
2.  Grabräubereingang
3.   Abzweigung des aufsteigenden Korridors
4.   Absteigender Korridor
5.   Felsenkammer
6.   aufsteigender Korridor
7.   Königinnenkammer mit "Luftschächten"
8.   Zugangskorridor zur Königinnenkammer
9.   Große Galerie
10. Königl. Grabkammer mit Luftschächten
11. Verbindungskorridor zwischen Großer
      Galerie und Königskammer
12. sog. "Grabräuberschacht"

(Querschnitt: nach Franck Monnier, der seine Zeichnung public domain gestellt hat. -  bearbeitet von Nefershapiland)

Von der äußeren Verkleidung der Pyramide mit feinen Kalkplatten sind nur noch wenige Teile erhalten. von denen der arabische Gelehrte Abd el-Latif im Mittelalter noch schrieb, dass die äußeren Steine so gut verfugt seien, dass man in die Zwischenräume keine Nadel und kein Haar hätte stecken können. Die Cheops-Pyramide war ursprünglich mit poliertem Tura-Kalkstein verkleidet. Viele dieser Verkleidungs-Steine wurden im Mittelalter herausgebrochen und fanden später bei der Errichtung der mittelalterlichen Bauten in Kairo Verwendung. Die Seitenflächen und die Blockhöhe an den ca. 220 Steinlagen wurden genau angepasst, wobei die Vorderseite grob bearbeitet wurde und nach der Fertigstellung von oben nach unten geglättet wurde. Für die Ecksteine wurde eine Vertiefung in den Fels gehauen, um ein Verschieben bzw. ein Verrutschen der Blöcke zu verhindern. Die schneeweiße und glattpolierte Verkleidung besaß eine solche Leuchtkraft, dass der griechische Reisende Herodot noch 2000 Jahre nach der Errichtung der Pyramiden in seiner Reisebeschreibung im Jahre 4448 v. Chr. schrieb: "Sie leuchten wie eine Fackel in der Nacht."

Ursprüngliche Verkleidungssteine an der Basis der Pyramiden-Nordseite

Bild: John and Edgar Morton 
This image (or other media file) is in the public domain -  because its copyright has expired.
Bild: mit frdl. Dank an Peter Alscher / Amberg

Das Massiv der Pyramide ruht auf einem natürlichen Felskern unbekannter Höhe. Dadurch konnte beim Errichten des Baukörpers eine bedeutende Masse von 7-8 Prozent des Gesamtvolumens an Mauerwerk eingespart werden. Neuere Messungen ergaben, dass der felsige Untergrund, auf dem die Pyramide steht, zuvor so gut als ebene Fläche präpariert wurde, dass der maximale Niveauunterschied auf über 230 Meter Länge kaum einmal zwei Zentimeter beträgt.

Die Große Pyramide besteht aus über zwei Millionen Kalksteinblöcken, Basalt und Granit mit einer Masse von zwei bis vier Tonnen pro Block. Es ist jedoch nicht möglich, eine genaue Bestimmung der ursprünglichen Pyramidenmaße zu bestimmen, da Kanten und Flächen heute weitgehend abgetragen und zerstört sind, was eine genaue Messung des Neigungswinkels erschwert. Dazu kommt, das die Pyramide in seiner Symmetrie nicht perfekt ist, was dazu führt, dass Ungenauigkeiten bei den Vermessungen entstehen. 

Durch die Abtragung der Pyramidenspitze von ca. 9m hat sich eine Plattform von ca. 10 Meter im Quadrat gebildet. Das Pyramidion, der Abschluss-Stein der Pyramide, wurde nicht gefunden, so dass die Materialfrage bis heute ungeklärt ist.

Die Cheopspyramide war mit knapp 146,60 m fast 4000 Jahre lang das höchste Bauwerk der damaligen Zeit. Der Baumeister dieses grandiosen Bauwerkes war wahrscheinlich Hemiunu, der vermutlich ein Neffe des Cheops war und das Amt eines Wesirs innehatte. Außerdem trug er den Titel eines "Vorstehers aller Bauarbeiten des Königs." In Anbetracht der einfachen Werkzeuge, welche man damals benutzte, erscheint uns die technische Vollkommenheit der Cheops-Pyramide, wie z. B. die akkurate Ausrichtung nach Norden, die Nivellierung der Ecken, deren Höhenunterschied nicht mehr als 2,1 cm beträgt, die winzige Differenz der Seitenlänge von nur 4,4 cm und eine Abweichung der Winkel von nicht mehr als 2'48° unglaublich. Die letzte Snofru-Pyramide weist einen flachen Winkel von 45° auf, während sich die Baumeister der Cheops-Pyramide an einen Neigungswinkel von 51°50'40° wagten. Ursprünglich erreichte das Bauwerk mit einer Seitenlänge von 440 Ellen (230,37 Meter) eine Höhe von 280 Ellen (140,59 Meter), was knapp die ideale Höhe von 300 Ellen war. Heute erreicht die Cheops-Pyramide noch eine Höhe von 138,75 Metern.

Der noch original blockierte Eingang der Pyramide
an der Nordseite der Cheopspyramide.

Der sog. "Al-mamoun-Grabräubertunnel" dient bis heute heute noch immer als Eingang in das Innere der Pyramide.

File:      Pyramid of Chufu - Entrance.jpg
Autor::  Olaf Tausch
Lizenz:  Creative Commons Attribution 3,0 
              Unportes license

Bild: Thanks to Jon Bodsworth for public domain

 

Der originale Eingang in die Pyramide liegt in 17 Meter Höhe, in der 19. Steinlage der Nordflanke. Er misst in der Höhe nur einen Meter und befand sich nicht genau auf der Pyramidenachse, sondern war um mehr als sieben Meter nach Osten verschoben. Diese Versetzung des Eingangskorridors ist bei vielen Pyramiden anzutreffen, wie z. B. bei der "Knickpyramide"; die Ursache dafür ist allerdings unbekannt. Strabon, der Ägypten im Jahre 25 vor Christus besuchte, berichtete uns von einem angeblich vorhandenen beweglichen Verschlussstein. In heutiger Zeit betritt man die Pyramide durch den Eingang, den der Überlieferung zufolge der Kalif al-Ma'mun im 9. Jahrhundert in das Mauerwerk schlagen ließ. Die arabischen Historiker berichteten, dass sich der Sohn Harun al-Raschids mit Feuer und Essig behalf und dann am Ende des Tunnels eine große Schale mit Goldstücken fand. deren Summe gerade die Kosten des Unternehmens gedeckt hätten. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er lediglich eine Verbindung zu dem  Gang herstellte, den Räuber bereits im Altertum geschaffen hatten. 

                             Absteigende Passage
Blick zurück in Richtung des ursprünglichen Eingangs

Aufsteigende Passage

Bilder:   mit frd. Genehmigung  als public domain Jon Bodsworth

 

Unterirdische Felsenkammer:

 

          unterirdische Felsenkammer

Im gewachsenen Fels unter der Cheops-Pyramide liegt die 115 m² große unfertige Felsenkammer.

 

(Zeichnung: Nefershapiland nach Plate VI from Charles Piazzi Smyth: Our Inheritance in the Great Pyramid. 3rd, much enlarged edition. London 1877.)

Die unterirdische Felsenkammer liegt 30 Meter unter der Plateau-Oberfläche. Man erreicht sie über den "absteigenden Korridor", der 28 m weit mit 26° 34° 23° Gefälle durchs Mauerwerk der Pyramide und danach weitere 30,3 Meter weit durch den gewachsenen Fels führt, ohne im Winkel oder der Orientierung je stärker als einen Zentimeter abzuweichen.

Der schräge Eingangskorridor führt mit einer Länge von 105,34 m (201 Ellen) tief in den natürlichen Felsboden unter das Pyramidenmassiv. Über ein kurzes horizontales Gangstück von 8,91 m gelangt man in die unvollendete Felskammer, über deren Bedeutung noch heute gerätselt wird. Manche Forscher sehen in dieser Kammer die ursprünglich geplante Bestattungskammer des Königs, die wohl wegen technischer Schwierigkeiten, vor allem wegen des Ausbleibens von ausreichender Sauerstoffzufuhr für die Arbeiter, aufgegeben werden musste. Schon allein die Tatsache, dass kein normaler Steinsarkophag durch den engen horizontalen Abschnitt des Korridors in die unterirdische Felsenkammer gebracht werden konnte, widerlegt diese Annahme. Diese Theorie wird aber auch von Rainer Stadelmann abgelehnt, der hingegen in der unterirdischen Kammer die symbolische Höhle des Totengottes Sokar sehen möchte. Nach dieser Auslegung sollte der tote König im Grab symbolisch mit Sokar verschmelzen. Auch für die Annahme der frühen Forscher, dass es sich bei dieser "Grotte" um die Überbleibsel einer alten Grabkammer handelt, (siehe dazu Maragioglio/Rinaldi a. O. 140ff und Stadelmann a. O. (Anm. 37 ) 107) konnten keine signifikanten Hinweise gefunden werden. Weder die Abmessungen des freigelegten Hohlraumes und des gemauerten Schachtes noch die allgemeine strukturelle Beschaffenheit der "Grotte" geben Anlass zu der Vermutung, dass sich dort einst die Grabkammer einer älteren Mastaba befunden haben könnte.

Unterirdische Felsengrotte der Cheopspyramide
Bilder: John und Edgar Morton (the great pyramid passages and chambers, 1910)
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Entdeckungsgeschichte:
- unterirdische Felsengrotte -

Für die Ausgrabung der Cheops-Pyramide wurden 140 türkische Arbeiter eingesetzt, zu deren Schutz vor Überfällen der Araber eine 100 Mann starke Wachmannschaft ständig auf Posten stand. Mit der Grabung unter dem Architekten Le Pére und Oberst Coutelle verfolgte man die Freilegung der Pyramidenbasis und die Ausräumung der inneren Gänge und Kammern. Als Coutelle bereits einen Großteil des vom Eingang der Großen Galerie aus hinabführenden Stollens, auch Brunnenschacht genannt, freigeräumt hatte, wurde die Schutztruppe vorzeitig aufgelöst. Coutelle kam bis zu der sogenannten Grotte, einer Aushöhlung im anstehenden Fels, von der einige Wissenschaftler behaupteten, es handle sich hier um ein altes Mastaba-Grab, evtl. aus der 3. Dynastie, über welches die Cheops-Pyramide gesetzt wurde. Die unterirdische Kammer konnte Coutelle nicht mehr erreichen, denn nachdem er sich noch knapp 17 m vorgearbeitet hatte, musste er die Arbeiten einstellen. Auch der direkte Zugangsschacht zu der unterirdischen Kammer blieb weiterhin verschüttet, und so wusste niemand um diese Zeit überhaupt von der Existenz einer derartigen Felsenkammer.

Der Genueser Schiffskapitän Giovanni Battista Caviglia kam 1816 nach Ägypten und erhielt eine Genehmigung, die Reinigungsarbeiten in der Großen Pyramide fortzusetzen, wo die französischen Architekten und Techniker hatten aufhören müssen und begann im Januar 1817 damit, die sogenannten Grabräuber- oder Brunnenschächte freizulegen. Er ließ Schwefel abbrennen, um die Luft in dem engen, tiefen Schacht zu klären, was jedoch nichts erbrachte und dazu führte, dass die von ihm beschäftigten Arbeiter aus Luftmangel die Weiterarbeit verweigerten. Daraufhin verlegte Caviglia seine Aktivitäten auf die Freilegung des absteigenden Korridors, der unterhalb der Abzweigung des ansteigenden Korridors auch noch voll verschüttet war. Danach ließ er seine Arbeiter die meterhohen Schuttmassen aus der 2. Kammer, der sogenannten Königskammer, räumen, in der vergeblichen Hoffnung, dort einen Sarkophag zu finden. Dann stieg er in den "Brunnenschacht" hinein und setzte die Ausräumungsarbeiten von Coutelle fort. Zunächst kam er zügig voran, doch unversehens streikten die Arbeiter, weil sie angeblich keine Luft mehr bekamen und Caviglia musste ungewollt die Arbeiten aufgeben, gab aber die Suche nach der vermuteten unteren Kammer nicht auf. An der Drei-Wege-Kreuzung, wo der Eingangsstollen des El-Mamun auf den ansteigenden und absteigenden Gang stößt, nahm er die Freilegung der verschütteten Passage wieder auf und drang dann 65 Meter weiter in die Tiefe vor. Dort entdeckte er in der rechten Schachtwand eine größere Öffnung, aus der der deutlich Schwefelgeruch strömte. Nach dem Fortschaffen weiteren Schuttes begann eine spürbare Luftzirkulation, die den Gestank vertrieb und die endgültige Freilegung des hier einmündenden Brunnenschachtes ermöglichte. 

Der britische Generalkonsul Henry Salt unterstützten inzwischen Caviglia bei seiner weiteren Freilegung des unteren Schachtsystems und sie erreichten im März 1817 die unterirdische Felskammer, von der bisher nichts bekannt war. Sie erkannten im schwachen Licht ihrer Fackeln an der Kammerdecke mit Ruß aufgetragene lateinische und griechische Buchstaben. Im Boden der Kammer bemerkte Caviglia ein 1,52 Meter tiefes Loch. Salt regte an, diese Vertiefung zu vergrößern, denn er glaubte fest an die Existenz des unterirdischen Wassers, von dem Herodot berichtet hatte. Als man schließlich die Grube bis auf 3,50 unter dem Bodenniveau herausgeschlagen hatte, stellte man die Arbeit ein, denn von einer erhofften weiteren Kammer - ganz zu schweigen von dem "Herodotschen Wasserkanal " - war nichts zu sehen.

Als Colonel Vyse und J. S. Perring die Kammer 1838 erstmals vermaßen, berichteten sie, sie sei 3,50 Meter hoch, 14 Meter breit und 8,30 Meter lang - groß genug, auch für die meisten modernen Zwecke. Die Maße sind allerdings etwas irreführend, da die Kammer offenbar unvollendet blieb. Eine quadratische Vertiefung im Boden scheint darauf hinzudeuten, dass sie eigentlich noch tiefer ausgehoben werden sollte, und die groben Wände des Raumes vermitteln eher den Eindruck einer verlassenen Baustelle als eines fertiggestellten Raumes.

Die Baumeister der Großen Pyramide hatten offenkundig enorme Probleme mit der Ausarbeitung der Felsenkammer, denn der westlicher Bereich wurde nicht zu einem rechteckigen Raum aus dem Felsen gemeißelt. Mann erkennt dort ähnlich wie in den Steinbrüchen die Arbeitsrinnen, von denen die Arbeiter versuchten, das im Raum anstehende Felsgestein abzuschlagen. Ein  maßgeblicher Faktor für die Probleme und der späteren Einstellung der Arbeiten in den unteren Räumen, war wohl die unzureichende Sauerstoffzufuhr für die Arbeiter. Auch ein installierter Luftschacht brachte wohl nicht den gewünschten Erfolg.

Eine wahrscheinlich teilweise auf spätzeitliche Grabräuber, aber auch auf Ausgrabungen aus dem 19. Jahrhundert  zurückzuführenden 11 m tiefe rechteckige Ausschachtung befindet sich im östlichen Teil der Felsenkammer. Ein grob behauener, fast quadratsicher Stollen führt von der Süd-Ost-Ecke der Grotte nach Süden. Dieser verläuft auf den ersten 11 Metern fast gradlinig, um dann auf einer Länge von 1,80 m leicht nach Westen abzuknicken und dann wieder gradlinig in Richtung Süden zu führen. Er endet nach einer Gesamtlänge von 16,41 Meter blind im Felsgestein. Seine Funktion ist bis heute ungeklärt. Vielleicht sollte hier während der Bauzeit der Cheops-Pyramide ein weiterer Raum gebaut werden?

Auf der Höhe der Pyramidengrundfläche zweigt von dem absteigenden Korridor ein aufsteigender Gang ab, der ursprünglich mit Blöcken aus Rosengranit versiegelt war, welche Kalif al-Ma'mun durch seinen Tunnel umging. Dieser aufsteigende Korridor führt in Richtung Zentrum des Pyramidenmassivs und stößt nach 37,7 m auf den Anfang der Großen Galerie.

Etwa 98 m unterhalb des Eingangs trifft man an der rechten Wand des absteigenden Korridors auf den Zugang zu einem Schacht, der wahrscheinlich als Belüftungsschacht für die unter Tage arbeitenden Arbeiter diente.

(Plan: Copyright Nefershapiland)

 

aufsteigender Korridor:

Der aufsteigende Korridor beginnt im oberen Abschluss des absteigenden Ganges. Er geht in die sogenannte "Große Galerie" über, eine mit einem Kraggewölbe ausgestatteten Korridorerweiterung. Der aufsteigende Korridor ist heute nicht vollständig zugänglich, da in seinem unteren Ende, wo sich seine Breite bis auf 0.97 m verengt, noch immer drei, bis zu 1,70 m lange Granitblöcke befinden, die von der ursprünglichen Blockierung des Ganges übriggeblieben sind. Dieser etwa 47,80 m lange Korridor stellt eine Verbindung zwischen dem unteren, zumeist in den Felsen gemeißelten und dem oberen, im Kernmauerwerk konstruierten Kammersystem her. Diese Blockierung des aufsteigenden Korridors markiert auch das Ende eines Grabräubertunnels, über den das Kammersystem der Cheops-Pyramide heutzutage zugänglich ist. Wahrscheinlich stammt er aus der 1. Zwischenzeit gegen 2100 v. Chr. und wurde in arabischer Zeit gegen 820 n. Chr. wiederentdeckt und zu den heute sichtbaren Ausmaßen erweitert.

Königinnenkammer:

Unterhalb der großen Galerie zweigt ein fast 33,60 m langer, waagerechter Gang. dessen Boden um mehrere Zentimeter absinkt, in die erste, im Kernmauerwerk errichtete Kammer. Dieses ist die sogenannte "Königinnenkammer", wobei der Name aber irreführend ist. In der "Königinnenkammer" sollte gewiss keine Königin bestattet werden, denn eine Königspyramide enthielt keine Grabräume für Königinnen. Die 20 Meter über dem Erdniveau liegenden Kammer besteht aus Tura-Kalkstein und besitzt ein Satteldach. Links und rechts des offenen Gangabschnittes sind Nischen in den Wänden zu erkennen, die offensichtlich einst als Haltevorrichtungen für eine rampenartige Holzkonstruktion dienten, über welche die Blockierungssteine aus dem Mittelgang der Galerie in den aufsteigenden Korridor gezogen wurden. Auch diese Kammer blieb unvollendet.

Der Boden der Kammer ist roh behauen. Zwei Schächte - je einer in der Nord- und der Südwand - verlaufen zunächst horizontal nach oben. Nach kurzem Verlauf enden sie jedoch. 

Man erreicht die "Königinnenkammer" zunächst über den absteigenden Gang der 1. Baustufe, doch 18,24 m unterhalb der Einstiegsöffnung zweigt ein nach oben führender Gang ab. Er hat einen Neigungswinkel von 26°2'30''; seine Länge beträgt 39,22 m. Da, wo der aufsteigende Gang vom absteigenden abzweigt, hat man nach der Fertigstellung der Pyramide die Schachtöffnung mit einer wuchtigen Kalksteinplatte verschlossen, nachdem zuvor schon das Innere des aufsteigenden Ganges mit drei Fallblöcken aus Rosengranit versperrt worden war. (Diese Kalksteinplatte fiel übrigens unter fürchterlichem Krachen zu Boden, als man unter El-Mamun den Stollen in das Innere der Pyramide vortrieb.) Der aufsteigende Gang mit 1,30 m Höhe und 1,05 m Breite geht am Ende in die Waagerechte über und mündet nach weiteren 38 Metern in die Königinnenkammer.

Ein 33,60 m langer Korridor führt zur Königinnenkammer.
Links und rechts des offenen Gangabschnittes erkennt man Nischen in den Wänden, welche evtl. einst als Haltevorrichtung für eine rampenartige Holzkonstruktion dienten.

Blick zurück auf das Ende der Großen Galerie mit der Eingangspassage zur Königinnenkammer


Bild: Jon Bodsworth - public domain Bild: Jon Bodsworth - public domain

Die Königinnenkammer liegt genau in der Ost-West-Zentralachse des Grabmals und weist einen rechtwinklige, leicht ostwestorientierten Grundriss mit einer Grundfläche von 5,65 x 5,15 Meter auf. Die spitze Dachdecke mit einer Höhe in der Kammermitte von ca. 6.22 Meter, ist aus sparrenartig abgestützten Balken gebildet, ruhte auf festen Stelen. Es wird vermutet, dass hier in der Kammer ein Granitpflaster vorgesehen oder sogar verlegt worden war und von den Schatzsuchern herausgerissen wurde, die auch für die beiden tiefen Löcher in dem Gang verantwortlich sind. In der Ostwand gab es eine um 1.04 m in der Wand vertiefte, an der Basis 1,57 m breite und bis auf Höhe des Deckenansatzes gehende Nische, deren Seitenwände wie ein Kraggewölbe aufgebaut sind.

                    Nische in der Königinnenkammer
Auf der Ostseite der Königinnenkammer befindet sich eine 4,69 m hohe und um über 1 m vertiefte Nische. Ihre Seitenwände sind wie ein Kraggewölbe aufgebaut. Die Funktion dieser Nische ist bislang ungeklärt. Einige Experten möchten sie mit dem Standort einer nicht mehr vorhandenen Königsstatue in Zusammenhang bringen. Auf Höhe der zweiten Blocklage befindet sich die Öffnung eines kleinen Schachtes, der sich 15,30 m weit nach Osten ins Kernmauerwerks fortsetzt. Die ersten 7 Meter könnten evtl. schon während des Baus der Cheops-Pyramide entstanden sein und demnach eine ganz bestimmte Funktion erfüllt haben.
Erst im hinteren Teil des Tunnels erscheint die Bearbeitung des roh behauenen Teilabschnitts auf die Aktivitäten von Grabräubern hinzudeuten, welche hier wohl Hohlräume mit Schätzen vermuteten.

(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

Ausgerüstet mit 4 Kragstufen verjüngt sie sich nach oben bis auf eine Breite von 51 cm. Einige Ägyptologen vermuteten in der Nische den Standort einer Königsstatue, von denen aber keinerlei Spuren in der Kammer gefunden werden konnten.

An der nördlichen und südlichen Wand der Königinnenkammer existieren etwa 1,50 m über dem heutigen Kammerboden zwei im Querschnitt knapp 21 x 21 cm große rechteckige Öffnungen. Es sind die Mündungen von Belüftungsschächten, die nach Norden und Süden orientiert durch das Kernmauerwerk der Pyramide verlaufen. Die Schächte führten hierbei ursprünglich nicht direkt bis in die Kammer, sondern begannen erst etwa 8 cm tiefer innerhalb der jeweiligen Steinblöcke, aus denen die Kammerwände aufgebaut wurden. Damit waren diese Schächte von der Kammer aus nicht direkt erkennbar. 
Erst 1872 wurden die Schachtmündungen in der "Königinnenkammer durch Waynman Dixon entdeckt. Wie viele Reisende seiner Zeit war auch er auf der Suche nach Schätzen. Mittels einer brennenden Kerze, deren Flamme sich durch einen Luftzug in der Nähe einer Steinblockritze krümmte, vermutete er dahinter Hohlräume. Um besser an die vermuteten "Hohlräume" heranzukommen, wurden die Ritzen zu den heutigen Schachtmündungen gewaltsam aufgebrochen und Dixon "erforschte" anschließend mit aneinander schraubbaren Eisenstangen ca. 8 Meter weit die Tiefe der neuentdeckten Kanäle.

Funde aus dem nördlichen Schacht der Königinnenkammer

Bei der Entdeckung und gewaltsamen Öffnung des nördlichen Schachtes wurden 1872 drei Gegenstände ans Tageslicht gebracht:

  1. eine im Durchmesser 6,9 cm große und 540g schwere Steinkugel aus Dolorit,

  2. ein 4,4 cm langer und 5,1 cm breiter, schwalbenschwanzförmiger Gegenstand aus Kupfer,

  3. sowie eine 12,7 cm lange, im Querschnitt zwischen 1 und 1,2 cm dicke zedernartige Holzleiste.

Seit 1994 ausgestellt im Britischen Museum London

(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

Bei den Gegenständen kann es sich nicht um Grabbeigaben handeln, da sie bereits während der Bauzeit in den Schacht gelangt sein müssen. Diese Gegenstände gerieten nach den ersten Untersuchungen lange Zeit in Vergessenheit, seit 1994 werden zwei dieser Gegenstände - die Steinkugel und der kupferne Gegenstand - im Britischen Museum in London ausgestellt. Von der Holzleiste fehlte aber bis ins Jahr 1001 jede Spur. Evtl. befindet sich das Holzfragment aber in den Magazinbeständen des Marischal Museums der Universität von Aberdeen.

Große Galerie:

Die Große Galerie stellt bautechnisch die bemerkenswerteste Leistung der Architektur der Pyramidenzeit dar. Die Galerie bildet die Fortsetzung des aufsteigenden Korridors in vergrößerten Maßen und hat den gleichen Steigungswinkel,  wobei sie nicht nur als Verbindungsweg zur königlichen Sarkophagkammer ist, sondern auch der Blockierung der unteren Abschnitte des Korridors diente. Der Sinn der großen Halle bestand darin, zum ersten Mal in der Baugeschichte die Verriegelungsblöcke für den oberen Gang in die Pyramide zu verlagern. Ein Einschnitt an den beiden Seitenwänden diente wahrscheinlich als Balkenauflage für den Transport der Verriegelungsblöcke. Holzbalken, die in die Wände eingelassen wurden, hielten bis zur Beisetzung des Königs die Granitblöcke fest, die danach den oberen Zugang versperren sollten. Im unteren Bereich wird der Zugang 3 cm schmäler, um die heruntergeschobenen Blöcke in den Gang einzukeilen. Heute sind noch zwei Original-Verschlusssteine an dieser Stelle festgeklemmt.

Die Große Galerie ist im Gegensatz zum aufsteigenden Korridor doppelt so bereit und um ein Vielfaches höher. Das Kraggewölbe ist so aufgebaut, dass sich ab der Höhe von 1,80 m die sieben darüberliegenden Steinlagen an den Wänden um etwa 8 cm nach innen verschieben. Die 46,12 m lange Decke des Gewölbes, deren einzelne Steinbalken keine ebene Fläche bilden, sondern stufenförmig versetzt wurden, erreicht am Ende wieder die Breite des aufsteigenden Korridors. Die Höhe der Großen Galerie variiert zwischen 8,48 m und 8,74 m. Die markante Deckenkonstruktion erfüllt eine stabilisierende Funktion, die den Druck der darüberliegenden Steinmassen seitlich von der Korridorkonstruktion weg ins Kernmauerwerk ablenken soll. Baulich und funktionell ist die Große Galerie ein Teilstück des Korridors, der zu der Königskammer führt und ihre größere Breite und die beeindruckende Höhe rührt allein daher, dass sie sowohl für die Lagerung der Blockierungssteine vorgesehen war, dass aber dadurch der Zugang zu der Grabkammer nicht behindert sein durfte.

Des weiteren gibt diese ungewöhnliche Deckenkonstruktion  der Großen Galerie sicherlich eine gewisse Weite, die durch einen ihrer Funktion entsprechenden Platzbedarf notwendig wurde. Kraggewölbe finden sich außer in der Cheopspyramide noch in den Grab- und Vorkammern der drei Snofru-Pyramiden und in einigen Privatgräbern der 4. Dynastie in den Nekropolen von Meidum und Dashur.

                                           Blick in die Große Galerie der Cheops-Pyramide
Seit ihrer Wiederentdeckung durch arabische und europäische Reisende ist die Große Galerie die Hauptattraktion der Cheopspyramide und hat mindestens ebensoviel zu ihren Ruhm als Weltwunder beigetragen wie die Größe der Pyramide selbst.

(Bilder: public domain - Jon Bodsworth)

Am oberen Ende der "Großen Galerie" führt auf der Südseite die "Große Stufe" (ca. 0,85 - 90 cm hoch) zu dem horizontalen Durchgang, der nach 47,84 Meter in die "Königskammer" (Sargkammer) einmündet. Die Stufe lässt sich aalein dadurch erklären, dass die Blockierungssteine indem weiteren vertieften Gangteil die ganze Galerie ausgefüllt haben, was durch die Nischen und Vertiefungen in und über den Wandsockeln auch nahegelegt wird. Evtl. befand sich über den Steinen eine Holzbühne, die mit der Stufe am Südende eben abschloss. 

Nischen in der Großen Galerie

Auf beiden Seiten der Galerie verlaufen niedrige Rampen. Auf der Oberfläche jeder einzelnen von ihnen wechseln sich insgesamt siebenundzwanzig größere und kleinere eckige Öffnungen in regelmäßigen Intervallen ab, denen rechtwinklige Nischen in den Seitenwänden entsprechen. Ihre Bedeutung ist bereits seit längerem Gegenstand von Diskussionen. Aber keine der bisher vorgeschlagenen Erklärungen ist bislang ganz zufriedenstellend. Die meiste Zustimmung findet Borchards These, dass darin eine Konstruktion aus Holzbalken und Brettern befestigt waren. Man weiß aber nicht, welche Funktion diese hatten - evtl. zum Transport von Baumaterial oder zur Halterung der Verschlussblöcke?



(Bild: John Bodsworth - public domain)

 

               Obere Ende der "Großen Galerie"
Blick in Richtung des Zugangskorridor zur Grabkammer der Pyramide. Man erkennt im Schacht die Blockierungssteine, in der einst drei Granitblöcke eingefügt waren, die zur eigentlichen Versiegelung der Grabkammer dienten.

(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

           Am oberen Ende der "Großen Galerie"
Eine kleine Lücke führt zu der erste von fünf  sog. "Entlastungskammern". In einer dieser Kammern wurde die einzige Erwähnung  des Cheops-Namens gefunden.


(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

 

Königskammer:

Die Grabkammer stellt die innerste Schutzhülle für die sterblichen Überreste des Cheops dar, allgemein wird diese Kammer heute auch als "Königskammer" bezeichnet. Sie wurde vollständig aus Granitsteinblöcken aufgebaut. Der Zugang zu dieser Kammer liegt an ihrer Nordost-Ecke. Die Ost-West orientierte Kammer besitzt eine Grundfläche von 10,48 x 5,24 Meter und ist 5,84 Meter hoch. Sie ist die einzigste königliche Grabkammer der 4. bis 6. Dynastie mit eine flache Decke, welche  aus über 5,50 Meter langen Granitbalken besteht, die man über die Längswände verlegt hat. 

Vom oberen Ende der Großen Galerie aus gelangt man über einen insgesamt 6,85 m langen Korridor zur eigentlichen Grabkammer der Cheops-Pyramide. In dem Korridor wurde ein bis zum Beginn der 4. Dynastie einmalig kompaktes Blockiersystem - eine dreifache Fallsteinvorrichtung - installiert, dessen Aufbauten 2,96m lang, 3,77 m hoch sind und sich in zwei Abschnitte teilen:

  1. dem eigentlichen Verschluss-System mit den Fallsteinen und

  2. dem über- und vorgelagerten Rangierbereich.

An der Ost- und Westwand sind heute noch senkrechte Fallsteinvorrichtungen zu sehen, die aus drei senkrechten; 15 cm weit auseinander liegenden Führungsrinnen (55 x 8 x 264 cm) bestehen. Erkennbar sind heute noch am oberen Ende der Führungsrinnen an der Westwand halbkreisförmige "Aufhängungen". In diesen wurden einst wahrscheinlich runde Holzbalken mit einem Durchmesser von ungefähr 40 cm gelagert, über die man die granitenen Blockiersteine mittels Seile vertikal heruntergelassen hatte. 

     Trennwand zwischen Fallsteinvorrichtung und Manövriernische

Der Rangierbereich der Blockiervorrichtung teilt sich in zwei Abschnitte auf. 

  1. Der Rangierbereich oberhalb der "Aufhängungen"
    ist 91 cm hoch und verbreitert sich um 30 cm nach Osten und Westen. 

  2. Eine Art steinerne "Trennwand" (39x103x135cm) befindet sich nördlich des eigentlichen Blockierbereichs, welche einen schmalen Abschnitt (54x103x377cm) separiert, der zwei Personen Platz zum handeln bot.

 

 

(Bild: Thanks to Jon Bodsworth for public domain)

Schon im 1765 entdeckte der britische Diplomat Nathaniel Davison am oberen Ende der Ostwand der Großen Galerie den kleinen Verbindungstunnel in die unterste "Entlastungskammer", die heute seinen Namen trägt. Dieser Zugang stammt vermutlich noch aus pharaonischen Zeiten, evtl. sogar aus der Bauzeit der Pyramide selbst, während die vier anderen Hohlräume erst 1837 durch Howard Vyse und John S. Perring entdeckt wurden, die an der Nordseite mit Hammer und Meißel sowie unter Einsatz von Schießpulver einen Schacht bis in die oberste Kammer brachen. Die neuen Kammern wurden später nach Admiral Nelson, dem Herzog von Wellington, Lady Ann Arbuthnort und die größte schließlich nach dem schottischen Diplomaten und Amateurarchäologen Patrick Campbell benannt.

1. Davison's Kammer  8. Juli     1765
2. Wellington's Kammer 30. März 1837
3. Nelson's Kammer 25. April  1837
4. Lady Ann Arbuthnort   9. Mai   1837
5. Campbell's Kammer 27. Mai   1837

Eine Vielzahl von Bauarbeiterinschriften und Markierungszeichen haben sich an den Wänden der vier oberen Entlastungskammern erhalten. Dieses sind alles authentische Zeugnisse, die uns einen gewissen Eindruck von den Anforderungen bei den Bautätigkeiten in diesem Bereich der Cheops-Pyramide vermitteln. In roter Farbe wurden inschriftliche Zeugnisse aus der Bauzeit der Großen Pyramide festgehalten. Vor allem die vielen Nennungen der Arbeitermannschaften, welche für den Transport der Steinblöcke verantwortlich waren und die Positionen, an denen dieses Graffiti gefunden wurden, deuten darauf hin, dass die Arbeitstrupps ihre Aktivitäten auf bestimmte Bereiche der Entlastungskammern ausgerichtet hatten. Die Namen der Arbeitermannschaften beim Pyramidenbau lautetet:

"Reinigung des Horus Medjedu"

"Die Weiße Krone des Chnum – Chufu ist mächtig".

"Die Höflinge des Cheops/Chufu!"

Bauarbeitergraffitis auf den Blöcken der Entlastungskammern nennen die Namen von weiteren Arbeitsmannschaft:

"Chnum Chufu"

"Wie mächtig ist die große Weiße “

„ Krone des Chnum–Chufu“

Die meisten Bauarbeitergraffiti haben sich in der "Lady Arbuthnort-Kammer" erhalten, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass ihre Seitenwände vollständig aus Kalksteinblöcken aufgebaut wurden. Zum Beispiel befinden sich an der Westseite der Kammer die auf dem Kopf stehenden Bezeichnungen zweier Bautrupps 

  1. "aprw HDt Hnmw-Xwfw sHm(t)" = Arbeitermannschaft: Die weiße Krone des Chnum-Chufu ist mächtig" und

  2. " aprw Hr mDdw wab" = Arbeitermannschaft: Horus "Medjedu" ist rein.

Zur Absicherung gegen den enormen Druck war die Kammer komplett aus Rosengranit erbaut worden. Neun riesige Granittafeln, die zusammen eine Masse von über 400 Tonnen besitzen, bilden die flache Decke. Die Tatsache, dass die Deckenplatten nur einige kleine Risse durchziehen und die Kammer seit mehr als viereinhalb Jahrtausenden allen Härtetests widersteht, hängt aber nicht nur mit dem verwendeten Baumaterial, sondern vor allem auch mit der durchdachten Konstruktion ihrer fünf Entlastungskammern über der Decke zusammen. 

                     Königskammer 
Über der flachen Decke, welche aus neun Granittafeln mit einem Gesamtgewicht von etwa 400 Tonnen besteht, befinden sich fünf getrennte Hohlräume, von denen vier eine flache Decke haben, während der fünfte ein Satteldach hat. Diese "Entlastungskammern" dienten dazu, das Gewicht des auf der Decke der Sarkophagkammer ruhenden Mauerwerks zu verringern. 

Dem englischen Reisenden Davison verdanken wir die Entdeckung der ersten "Entlastungskammer" über der Königskammer in der Großen Pyramide. Da er am Südende im Oberteil der Großen Galerie eine Öffnung entdeckt hatte, kam er am 8. Juli 1765 noch einmal nach Giseh, um diese Öffnung zu erkunden. Sie führte in die Kammer, oder besser in den Hohlraum, der seit diesem Tage seinen Namen trägt.

(Zeichnung: Nefershapiland nach Howard-Vyse )

 

Erforschung der Entlastungskammern mit "Sprengstoff" um 1836/37

Nach Giovanni Battista Caviglia stieß ein neuer Mann zur Gruppe der Pyramidenforscher, der Engländer Richard Howard-Vyse, ein Gardeoffizier, der sich anfangs sehr gut mit Caviglia verstand, aber zwischen denen dann ein heftiger Streit entbrannte und welcher dazu führte, dass sich die beiden im Zorn trennten. Dieser Streit war das Ende von Caviglias Forschertätigkeit in Ägypten und er zog sich nach Paris zurück. Howard-Vyse, ein Enkel des Earl of Stafford, den seine Zeitgenossen als kompromisslos und unkompliziert in seinem ganzen Wesen bezeichneten, übernahm nun selbst die technische Leitung bei der Grabung in der Pyramide. Vyse wurde von seinen Assistenten Hill unterstützt, der ihn schon bald mit dem Ingenieur Perring zusammenbrachte.

In der Davison-Kammer entdeckten die Arbeiter von Richard Howard-Vyse, einen Spalt in der Decke, in den man ein Schilfrohr einen Meter tief hineinstecken konnte. Da der englische Oberst Howard-Vyse daraus schloss, dass sich über der Decke eine zweite Kammer befinde, befahl er seinen Arbeitern, mit Meißeln einen Stollen durch die Granitplatten zu treiben. Aber der Granit erwies sich als zu hart. Aber wieder war die Hitze in dem engen Raum der niedrigen Kammer für die Araber nicht zu ertragen und man versuchte mit Schießpulver einen Weg nach oben zu bahnen. 

Um die Ladungen sachgerecht anbringen zu lassen, stellte er einen Mann namens Daued an, der fast nur von Haschisch und Alkohol lebte. Daued zündete seine Pulverladungen mit gutem Erfolg, ein Unternehmen, das besonders gefährlich war, weil die abgesprengten Granitbrocken wie Schrapnellkugeln durch die Gegend flogen. Als sich der Staub legte, stellte Howard-Vyse fest, dass sie sich tatsächlich einen Zugang zu einer zweiten Kammer verschafft hatten, die er etwas chauvinistisch nach seinem ehemaligen Feldherrn Wellington benannte. Der Fußboden dieser neu entdeckten Kammer bestand aus neun gewaltigen Granitblöcken, von denen jeder über 50 Tonnen weg. Ungefähr neunzig Zentimeter darüber befand sich wiederum eine flache Decke aus acht Granitblöcken.

 In der Überzeugung, dass die Steinblöcke der Decke ihrerseits den Fußboden einer dritten Kammer bildeten, ließ Howard-Vyse die Sprengarbeiten fortsetzen. Nach und nach wurden dann zusätzlich zu den beiden bereits gefundenen Kammern drei weitere freigelegt, wovon die oberste mit riesigen Kalksteinblöcken giebelförmig abgedeckt war.

Der Eingang in die Grabkammer liegt an der Nord-Ost-Ecke der Kammer. Die Seitenwände wurden aus Kalkstein und Granit errichtet. An den Wänden der Kammer haben sich neben modernen Besuchergraffiti viele originale Bauvermerke erhalten, wie das "siebzehnte Jahr der (Vieh)zählung, das späteste belegte Datum von Cheops Herrschaft.

                  Grabkammer der Cheops-Pyramide
Die Königskammer ist vollständig aus glatt polierten Granitblöcken aufgebaut. Nahe der Westwand steht die aus einem einzigen Granitblock gefertigte Sarkophagwanne.
(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

Der Korridor, welcher die Grabkammer mit der Großen Galerie verbindet.



(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

In der aus Granitblöcken gebauten Königskammer fand man  im westlichen Bereich eine Granitwanne, in der einst wahrscheinlich die sterblichen Überreste des Cheops lagen. Die Sargwanne besteht aus einem einzigen Block Granit. Die Außenkonturen wurden gesägt, der Innenraum entstand durch mühevolles Ausbohren mittels eines Hohlbohrers aus Kupfer unter Verwendung von Quarzsand. Später wurden dann alle Flächen des Sarkophages poliert. An der Außenseite kann man noch stellenweise die Spuren der Kupfersäge erkennen, welches ein Hinweis darauf sein könnte, dass die Arbeit am Sarkophag noch nicht ganz abgeschlossen war, als er für Bestattung des Königs benutzt wurde. Auch im Innenraum sind noch ganz deutlich die Spuren des kupfernen Röhrenbohrers zu erkennen mit dem der Innenraum ausgehöhlt wurde. Die Außendurchmesser des verwendeten Bohrers betrug ca. 11 cm. Der Sargdeckel ist seit dem Mittelalter zerschlagen und abhanden gekommen, von dem Begräbnis ist nichts mehr erhalten geblieben. 

Einzig die Beschreibung des arabischen Historikers al-Qaisi lässt uns ahnen, dass die Leiche des Cheops in ramessidischen Zeit wohl durch den Sohn Ramses II. ,Chaemwaset, neu gewickelt und in einen für diese Zeit typischen mumienförmigen, bemahlten Holzsarg wieder in seinem Granitsarg verschlossen wurde. 

         Steinsarkophag Cheops
Maße:    98,7 x 105,1 x 227,6cm

Im Jahre 1512 betrat Zaccaria Pagani, ein Mitglied einer diplomatischen Gesandtschaft aus Venedig die Grabkammer der Cheopspyramide und hielt später für die Nachwelt fest: "Man erblicke dort einen Sarkophag (......), der bedeckt ist, aber leer." Der Sarkophagdeckel befand sich demnach noch in der Grabkammer und lag offenkundig auf der Sargwanne. Der Arzt und Naturforscher Prosper Alpini berichtet im Jahr 1591, dass der Deckel nicht mehr vorhanden war. Demnach muss er im Laufe des 16. Jahrhunderts von irgend jemand aus der Pyramide entfernt worden sein.

(Bild: John Bodsworth - public domain)

Es war Petrie, der bemerkte, dass der Sarkophag ein klein wenig breiter als die Kammertür ist und daher schon an Ort und Stelle gebracht worden sein muss, während die Pyramide noch um ihn herumgebaut wurde. 

An der Nord- und Südseite der Grabkammer liegen sich ähnlich wie in der Königinnenkammer zwei sehr enge, gerade Stollen mit einem Durchmesser von 20 x 20 cm, ca. 0,96 m über dem Bodenniveau und etwa 2,48 m von der Ostwand der Kammer entfernt, die Eingänge zweier kleiner Schächte gegenüber. Immer wieder ist die Ausrichtung der Schächte mit astronomischen Objekten am Himmel in Verbindung gebracht worden. Zielbereiche am Firmament waren hierbei ausgewählte "Unvergängliche Sterne" - die sogenannten Zirkumpolarsterne - am Nord- sowie Orion am Südhimmel. Aber ein Zusammenhang zwischen den Kanälen und spezifischer Positionen markanter Sterne am Himmel lassen sich letztlich klar ausschließen. Selbst Vertreter der religiösen Deutung der Schachtsysteme wie Rainer Stadelmann äußerten sich ablehnend gegenüber einer gezielten Ausrichtung der Schächte auf bestimmte Sternpositionen. Stadelmann geht davon aus, dass die Funktion der beiden Kanäle eine rein kultische ist, welche es der Seele des toten Königs ermöglichte, nach der alten Vorstellung zum Nordhimmel und zu den Zirkumpolarsternen aufzusteigen. Dabei war es unerheblich, dass die Kanäle verschlossen waren, denn auch die echten Grabkorridore waren ja blockiert und durch die Verkleidung der Pyramide geschlossen. Nach der altägyptischen Vorstellung kann der Tote jedoch festes Material, Ziegel oder Stein durchschreiten, vorausgesetzt, dass er rituell verklärt und der Durchgang vorgegeben und gleichfalls rituell geöffnet war. Dieses ist die ideelle Funktion der steinernen Scheintüren, aus denen der Tote heraustreten kann, um die Opfer zu empfangen. 

Der Zugang des nördlichen Schachtes besitzt einen Querschnitt von 21 x 14 cm, während die Breite des stark zerstörten südlichen Schachtes bei 18 cm liegt, seine Höhe beträgt 14 cm.

Nach wie vor ist die Aufgabenstellung der Schachtsysteme der Cheops-Pyramide in der Fachwelt umstritten. Die Fraktion derjenigen Wissenschaftler, welche vermuten, dass die Schächte einst eine religiöse Bedeutung besaßen , ist  noch relativ groß. Andere halten es für möglich, dass die Funktion der oberen Schächte als Belüftungssystem (für die früher während der Bauzeit im Kammersystem tätigen Arbeiter) durchaus schlüssig und nachvollziehbar ist. Britische Forscher haben 1837 nach einer provisorisch durchgeführten Säuberung der oberen Schächte miterleben können, wie es zu einer merklichen Frischluftzufuhr in der Grabkammer kam.

In moderner Zeit wurden die alten Luftschächte interessanterweise auch zum Einbau eines modernen Ventilationssystems verwendet. Der strukturelle Aufbau und der Verlauf der Schächte unterstützen dabei die Installation des neuen Belüftungssystems. 

Blick aus der Fallsteinkammer in die Große Galerie



(Bild: Jon Bodsworth - public domain

  Eingang des nördlichen Schachtes der Königskammer
Erkennbar ist hier der Aufbau der granitenen Schachtabschnitte, welche aus drei Steinblöcke zusammengesetzt sind.
(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

 

Umfassungsmauer:

Die Cheops-Pyramide wurde nach ihrer Fertigstellung von einer steinernen Umfassungsmauer umgeben, an deren Ostseite der Pyramidentempel stand. Ein etwa 20 Ellen breiter, kalksteingepflasterter Umgang umgab die Pyramide. Im Norden und Osten trug seine Breite 10,20 Meter, im Süden und Westen nur 9,75 Meter. Der einzige Weg in diesen Hof führte über einen Zuweg im Totentempel.

Die Umfassungsmauern der Cheops-Pyramide
(Zeichnung: Nefershapiland  nach G. Goyon )

Bei früheren Grabungen (1951) waren bereits Teile der nördlichen und westlichen Umfassungsmauer ans Licht gekommen, des weiteren wurde auch festgestellt, dass die Mauer an der Ostseite komplett zerstört ist. Der Umgang war von einer heute nahezu vollständig verschwundenen einst über 8 Meter hohen Mauer aus Turakalkstein eingeschlossen. Die Umfassungsmauer mit den geböschten Wänden aus Tura-Kalkstein besaß oben einen sattenförmigen Abschluss und hatte schätzungsweise eine Höhe von 8-9 Metern und eine Fundamentsbreite von 3,50 Metern (Schätzungen nach Goyon). Zwar war Regen in Ägypten eine eher seltene Erscheinung, aber bei einem Areal der Pyramide von mehr als 5 Hektar war die Ableitung des Regenwassers sicher ein Problem. Deshalb befinden sich an der Nordwest- und Südwestecke Durchlässe unter der Mauer, durch die das Regenwasser abfließen konnte.

Eine weitere Umfassungsmauer aus kleineren Steinblöcken unterschiedlichen Materials (wie Kalkstein, Granit und Basalt - es handelt sich wohl um den anfallenden Abfall beim Bau der Großen Pyramide) umgab die Pyramide im Norden und Westen in einem Abstand von 23,60 Meter und im Süden von 18,75 Metern. Auf der östlichen Seite konnten keine Spuren dieser Mauer mehr festgestellt werden und somit kann keine Aussage über den Abstand zur Pyramide gemacht werden. Diese aus Bruchstein bestehende Umfassungsmauer maß ca. 2 Meter in der Höhe und war mit einer 6 cm dicken mit Stroh durchsetzten Nilschlammschicht verkleidet und weiß getüncht. Die Dicke der Mauer schwankt zwischen 2,50 Meter und 3,50 Meter. Teile der Mauer standen bei ihrer Auffindung noch bis zu einer Höhe von 1,60 an. 

Totentempel:

Der Totentempel der Cheops-Pyramidenanlage liegt genau in der Ost-West-Achse der Großen Pyramide. Dieses rechteckige Kalksteingebäude hatte eine Länge von etwa 52 Metern. Das rechteckige Bauwerk hatte eine Länge 100 Ellen (52,30 m) und eine Breite von 77 Ellen (40,27 m) und war von einer Umfassungsmauer eingeschlossen.

   Totentempel der Cheops-Anlage

Nur noch wenige Fundamente sind von dem Totentempel Cheops übriggeblieben. Man nimmt an, dass der Grundriss wohl rechteckig gewesen sein muss und eine Breite von 52,50 m hatte. Die Wände bestanden aus feinen, reliefverzierten Kalkstein. Wir wissen nicht, ob hier schon die später zur Regel gewordenen fünf Statuennischen und die Scheintür vorhanden gewesen sind. 

 

(Zeichnung: Nefershapiland nach J. Ph. Lauer)

Durch ein zweiflügeliges hohes Tor in der Mitte der Ostseite des Totentempels (das sich durch eine breite Basaltschwelle abzeichnet) gelangt man von Aufweg kommend in seinen offenen Innenhof. Der Hof  besaß ein Pflaster aus schwarzen Basalt. An drei Seiten (Osten–Norden und im Süden) wies der Hof eine einfache Pfeilerstellung (quadratische Pfeiler, nur die an den Ecken sind rechteckig) auf, die das Dach des Umgangs trugen. Im hinteren, kreuzförmigen Teil befanden sich drei Reihen in nach hinten abnehmender Anzahl. Insgesamt weist der Hof 50 Pfeiler auf, bestehend aus Rosengranit.

Spuren von Statuensockeln wurden im Pflaster des Hofes nicht gefunden. Der Hof maß (ohne den hinteren Abschnitt) 40 x 20m. Was jenseits der  kreuzförmigen Nische lag, ist umstritten, da hier selbst die Versatzspuren verloren sind, denn hier wurde in saitischer Zeit ein Schachtgrab angelegt.

Jean Philippe Lauer, der 1946 einen Plan des Totentempels zeichnete, glaubt in dem seitlichen Mauerwerk Ritzspuren eines quergelagerten Raumes von 24 Ellen Breite (12.48m) und 6 Ellen Tiefe (3,12m Tiefe) feststellen zu können, an dessen Westseite sich in der Mitte eventuell eine Scheintür befand. Im Fußboden des Pfeilerhofes wurden die Überreste eines Kanalisationssystems entdeckt, welches das Regenwasser ableitete und in der Mitte des Hofes stand vermutlich ein Opferaltar. In westlicher Richtung gelangte man durch drei sich verjüngende Pfeilerreihen hindurch zum Portikus der Hauptkultstätte. Jean Ph. Lauer war der Meinung, dass sich darin Scheintüren befanden, nach Ricke hingegen waren dort fünf Nischen und Herrscherstatuen platziert. Von der linken Seite des Totentempels aus gelangt man über einen schmalen Raum und eine Treppe auf das Dach des Tempels. 

Basaltpflaster als Überrest des Totentempels Cheops
                        - Ansicht von Südost - 

Vom Totentempel des Cheops sind nur etwas Schwarzbasaltpflaster eines offenen Hofes (siehe Bild), die Fundamente von Granitsäulen der umgebenden Kolonnade und des Westteils und die Fundierung der Außenmauer im Felsgrund erhalten geblieben. 

 

 

(Bild: Peter Alscher, Amberg)

 

Dekorationsprogramm des Totentempels:

Von der Dekoration des Totentempels hat sich nur wenig erhalten, es fanden sich Bruchstücke von "Sedfest–Szenen", dem "Fest des Weißen Nilpferdes" und andere Motive. Einige dieser Bruchstücke entdeckte man beim Bau der Treppenmauer des mittelalterlichen Tores Bab el-Futuh in Kairo, wo sie wiederverwendet wurden. Für einen Bestandteil der Originalausschmückung von Cheops Totentempel in Giseh hielt man auch einige Blöcke, die als Baumaterial im Pyramidenkomplex Amenemhet I. in el-Lischt weiterverwendet wurden. Dieter Arnold, der für das Metropolitan Museum New York hier früher Ausgrabungen machte, lehnte diese Theorie aber ab und war eher der Meinung, sie stammten aus einem anderen Tempel des Cheops, der in der Nähe von el-Lischt gestanden und schon zu Beginn des Mittleren Reiches in Trümmern gelegen habe.

Taltempel und Aufweg:

Der im Erdreich versunkene Taltempel liegt unter den Häusern des  heutigen Dorf Nazlet elo-Samman ("Dorf der Pyramiden") und  ist bislang nur teilweise erforscht. Die Gesamtlänge des Aufweges beträgt ca. 800 Meter (lt. Hawass 825 m). Vom Aufweg ist nichts erhalten geblieben außer einem Dammstück in einer Senke. Von der Mitte des Totentempel her kommend verlief der Aufweg in nordöstlicher Richtung hinunter zum Taltempel, wobei er einen Höhenunterschied von 
ca. 40 m überwinden musste. 210 m östlich der Cheopspyramide (etwa in Höhe der Mastaba G 7410/20) weist der Aufweg eine 10,5 m lange Unterführung auf, die es ermöglichten, ohne den Aufweg durchqueren zu müssen, die Gebiete im Norden und Osten zu betreten.

Die Wände von Cheops Aufweg müssen mit kunstvollen Reliefs bedeckt gewesen sein, wie uns Herodot und der Fund einiger gemeißelter Fragmente sagen. Herodot beschrieb den Aufweg als tausend Meter langen, reliefverzierten Gang, was aber unter den Ägyptologen stark umstritten ist. Für den Korridor vom Plateaurand zum Taltempel erreichten die gefundenen Fragmente erstaunliche 40 oder mehr Meter Höhe. Östlich des Abhangs waren sie noch zu Beginn des vorletzten Jahrhunderts vorhanden. Im März 1990 stieß man im Zuge von Kanalarbeiten bei der Verlegung von Rohren unmittelbar westlich der modernen Mansuriyah Street in einer Vorstadt von Kairo zufällig auf Reste eines Basaltpflasters, welches Teile des Taltempels und des Aufweges gewesen sein könnten. Die Arbeiten wurden vorübergehend gestoppt und es wurden punktuelle Grabungen durchgeführt, mit deren Hilfe der ursprüngliche Verlauf des Aufweges bestimmt werden. 

D. P. Silverman und M. L. Jones leitete die Rettungsgrabungen vor Ort. Ein schwarzgrünes Basaltpflaster, das sich in Nord-Süd-Richtung in einer Länge von etwa 56 Meter erstreckte, fand sich 4,50 Meter unter dem heutigen Bodenniveau. Silvermann mutmaßte, dass es sich wohl um den Fußboden von Cheops Taltempel handelt, dessen Ausmaße allerdings nicht eindeutig ermittelt werden konnte, das gleiche trifft auf seine bauliche Struktur zu. Ersichtlich ist nur, dass er zum Teil aus mächtigen Kalksteinblöcken errichtet worden war. Weitere Grabungen scheiterten am Wiederstand der einheimischen Bevölkerung. Wahrscheinlich war der Taltempel ähnlich wie der Totentempel gebaut und hatte einen großen von Pfeilern umstandenen offenen Hof.

Entlang der Kante des Basaltpflasters verläuft eine massive Lehmziegelmauer die bis zu 8 m stark gewesen sein dürfte, dies legt die Vermutung nahe, dass hier einst die Pyramidenstadt lag. Im Gebiet des Verlauf des unteren Aufwegs konnten eine Reihe von Steinblöcken mit Relief– und Inschriftenfragmenten aufgefunden werden. Beispielsweise war der König mit der Krone Unterägyptens abgebildet oder beim Hebsed im typischen Gewand thronend dargestellt.  In den Inschriften findet sich auch der der Pyramidenanlage König Cheops.

Nebenpyramiden u. Kultpyramide:

Neben- und Kultpyramide

Schiffsgruben und Sonnenbarke:

Zur Ausstattung des Pyramidenkomplexes gehörten auch fünf Schiffsbestattungen, die an der Ost- und Südseite der Cheops-Pyramide in den Fels gemeißelt wurden. Die rituelle Versenkung von Barken in unmittelbarer Umgebung der Pyramide gehörte vermutlich zu einer der letzten Handlungen während des Begräbnisses des Cheops. Diese Tradition der Schiffsbestattungen lässt sich bis in die 1. Dynastie auf den Friedhöfen von Abydos und Sakkara sowohl bei königlicher als auch bei privater Grabarchitektur zurückverfolgen. In der 2. bis zum Beginn der 4. Dynastie ist die Fundlage dagegen ziemlich spärlich. Weder beim Grabkomplex des Djoser noch bei den Pyramidenanlagen des Snofru wurden Bootsbestattungen gefunden. Erst König Cheops belebte diese alte Tradition wieder neu.

Bei den Schiffsgruben unterscheidet man zwischen zwei Typen: Gruben, die in Form eines Bootes ausgehoben sind, und lange, rechteckige Gruben, welche die zerlegten Teile echter Boote enthielten. Erstere finden sich außerhalb der Umfassungsmauer rund um den gesamten Pyramidenkomplex. Eine dieser Gruben verläuft parallel zum Aufweg in der Nähe  des Totentempels. Zwei weitere liegen nördlich und südlich des Tempels, eine vierte Grube befindet sich zwischen zwei der Königinnenpyramiden und eine fünfte neben der Satellitenpyramide (Kultpyramide). 

Erst im Mai 1954 stießen Mitarbeiter des ägyptischen Antikendienstes unter der Leitung des ägyptischen Archäologen Kamal el-Mallakh unter dem Sand im südlichen Umfeld der großen Pyramide auf eine niedrige Mauer, die an der ganzen Seite entlang lief. Unter der Mauer entdeckte man zwei Reihen großer, quer zur Pyramidenkante angeordnete Steinquader, die zwei große, versiegelte Felskammern abdeckten. Die Trennungslinie zwischen den beiden Gruben fiel genau auf der Achse der Pyramidensüdseite zusammen, und die eine erstreckte sich westlich, die andere östlich dieser Achse. 

              Abdeckblöcke der östlichen Grube

Auf einem der Blocks der östlichen Grube, der leicht über die anderen hinausragte, fand Mallakh einen Teil der Kartusche des Djedefre, des dritten Königs der Vierten Dynastie und Sohns und Erben des Cheops.  Auf vielen der Steine sind noch Zeichen der antiken Steinmetzen sichtbar, hingeschmierte Hieroglyphen in rotem und gelbem Ocker und mit Lampenruß. 

Darunter waren Namen von Arbeitermannschaften, die für den Transport der Steinblöcke verantwortlich waren, insgesamt 18 Namenszüge von Cheops Thronfolger Djedefre. und ein Datum des "11. Mals der Zählung". Die meisten anderen Graffiti wurden anscheinend von den Arbeitern erst bei der Verschließung der Grube angebracht.

Bild: Peter Alscher, Amberg

Der ägyptische Antikendienst meinte zwar, dass der Fund unbedeutend sei und nur ein Teil des Pyramidenfundaments oder vielleicht auch nur die Grundlage des Hofpflasters, aber Mallakh war sich inzwischen sicher, dass die Blöcke zwei Bootsgruben bedeckten. Doch niemand konnte damals wissen, ob die Gruben leer waren oder tatsächlich Schiffe enthielten und wenn dieses der Fall sein sollte, in welchem Zustand sich die Boote nach 4600 Jahren sein würden. Nur eine Öffnung der Gruben konnte darüber Gewissheit bringen.

   Abdecksteine der 1954 geöffneten Grube

Eine Reihe von Abdecksteinen der 1954 geöffneten Schiffsgrube steht heute östlich vor dem Bootsmuseum. Es wurden auf den Steinen zahlreiche Graffiti der damaligen Bauarbeiter entdeckt, darunter Namen von Transportmannschaften und mehrfach der Name von Djedefre, dem Thronfolgers von Cheops. Dieser war für die Bestattung seines Vaters verantwortlich gewesen.

 

(Bild: Thanks to Jon Bodsworth für public domain)

Als man 1954 die östliche Bootsgrube öffnete, stellte man fest, dass die 41 Abdecksteine unterschiedliche Abmessungen aufwiesen. Sie wurden quer zur Grube auf aus dem Fels ausgearbeitete Vorsprünge an der Nord- und Südwand der Ausschachtung gelegt.  Die Grube war 31,15 Meter lang, 2,60 Meter breit und 5,35 Meter tief. Die aus dem Felsgestein gemeißelten Auflagekanten für die Abdecksteine aus Kalkstein liegen 3,45 Meter über dem Boden der Grube und weisen eine Breite von bis zu 8,90 m auf. Die 41 Blöcke, welche die Bootsgrube bedeckten, waren aus Kalkstein, wogen jeweils zwischen 15 und 20 Tonnen und waren sorgfältig zugehauen. Man hatte sie einander angepasst, die Risse mit Gips gedichtet und so das Grab für 4.600 Jahre vollständig luft- und wasserdicht gemacht.

Am Mittag des 26. Mai 1954 wurde das letzte Bruchstück des großen Abdecksteins entfernt und Mallakh nahm seinen Rasierspiegel und lenkte einen Sonnenstrahl in die Finsternis der Bootsgrube. Das Licht fiel genau auf die Spitze eines Ruderblatts - eines von einem Paar Steuerrudern, die über 6,50 Meter lang und aus einem einzigen Stück libanesischen Zedernholzes gearbeitet waren - und dalagen, wie es 4600 Jahre zuvor die Arbeiter der Giseh-Metropole hingelegt hatten.

Die Entdeckung des Schiffes war ein Ereignis von nationalen Bedeutung und einige Tage später kam David Duncan, ein Fotograf des Magazins Life auf die Idee, durch das Loch im zweiundzwanzigsten Block eine Kamera in die Grube einzuführen. Auf dem Foto war die Gestalt eines antiken Schiffes zu sehen, das in Hochrelief geschnitzt war, damit er einem Bündel Papyrusstengeln glich, welches mit fünf Seilwindungen um den Bugspriet zusammengebunden ist. Das Foto des Magazin Life erschien in Zeitschriften in ganz Europa und wochenlang wurden Meldungen über die Barke des Cheops auf der Titelseite der New York Times gebracht. Nun endlich hatte der Antikendienst erkannt, dass die Grube einen einzigartigen Schatz aus dem Altertum enthielt und sich evtl. auch in der zweiten Grube ein Schwesterschiff befindet. Es wurde rasch ein Ausschuss zur Überwachung der Ausgrabung und Restaurierung beider Schiffe gebildet, der alle Fachleute des Antikendienstes vereinigt (Damals nahm man noch an, dass nach Bergung des 1. Schiffes auch das 2. ausgegraben werden konnte - tatsächlich befindet sich aber das zweite Schiff bis auf den heutigen Tag noch immer in der Schiffsgrube.)
Dem Komitee gehörten
Dr. Zaki Iskander (Leiter der chemischen Laboratorien des Antikendienstes) und Hag Ahmed Youssef Moustafa (Chef der Restaurierungsabteilung des Antikendienstes). Beide Männer spielten eine wichtige Rolle bei der Konservierung und Restaurierung des Schiffes.
Das Komitee des Antikendienstes hatte die Sofortentscheidung getroffen, die Grube zu öffnen, das Schiff auszugraben und dann zu rekonstruieren. 

Vor der Entnahme der Holzteile aus der Grube wurden unter der Leitung des ägyptischen Chefchemikers Dr. Zaki Iskander die Präparierung und Entnahme der schützenden Matten und des Tauwerkes, die auf der obersten Schicht der Holzteile lagen, vorgenommen. Teile davon waren so weitgehend konserviert, dass sie sich zur Ausstellung in einem Museum eigneten. Neben der schützenden Halle über der Grube befand sich jetzt auch eine zur Restaurierung geeignete Halle.

Die Barke, welche sich im Inneren der Grube befand, war in 1224 Einzelteile zerlegt, welche größtenteils aus libanesischem Zedernholz gefertigt wurden; es waren allerdings auch kleinere Details aus Akazie und anderen in Ägypten heimischen Holzarten gefertigt. Laut Analyse des Britischen Museums stammte das Zedernholz aus jenem Teil Syriens, den wir heute als Libanon kennen, wo einst auf den zerklüfteten Bergrücken diese mächtigen, immergrünen Bäume wuchsen.

Die Grube enthielt 13 Schichten, in der sich die Bestandteile der zerlegten Barke befanden - darunter eine Kabine, fünf Ruderpaare und eine Landungsbrücke. Die Bergung des Bootes dauerte zwei Jahre. Die anschließende Restaurierung der Einzelteile sowie der endgültige Zusammenbau der Barke erforderte über zehn Jahre intensiver Arbeit.  Interessanterweise waren die Bootsteile nur von "Seilen und Reihen verzapfter Querstreben" zusammengehalten, wurden also ohne Verwendung von Nägeln miteinander verbunden. Nur für die Befestigung des Schlosses der Kabinentür verwendete man einige weinige Metallteile.

Die Barke des Cheops war ein königliches Ruderboot mit einem erhöhten Bug und Heck und scheint vom Bootstyp einem Papyrusschiff nachempfunden zu sein. Seine Gesamtlänge beträgt 42,32 m, seine maximale Breite 5,66 m und die Wasserverdrängung der Barke wird auf 50 t, ihr theoretisches Ladegewicht auf 150 t geschätzt. 

Modell der Barke des Cheops

Ehe man mit der Restaurierung und Rekonstruktion der königlichen Barke anfangen konnte, war es notwenig mehrere Modelle in einem Maßstab 1 : 10 zu erstellen, wie dieses von Ahmed Youssef Moustafa gebaute Modell der Sonnenbarke, welches sich heute in dem Museum befindet.

 

(Bild: Peter Alscher, Amberg)

Die Kabine auf dem Hauptdeck, die unmittelbar hinter mittschiffs liegt und sich zwischen den Seitenträgern über die gesamte Schiffsbreite erstreckt, besteht aus zwölf Holzpanelen, fünf zu beiden Seiten und je eines am Vorder- und Hinterende. Eine Doppeltür mit von innen verschließbarem Gleitbolzen führt vom Vordeck in eine kleine Vorkammer, und eine weitere Tür ähnlicher Bauart verbindet diese Vorkammer mit dem Kabinenhauptraum. Von der Kabine aufs Achterdeck hinaus führt ebenfalls eine Tür. Die Tür zum Vordeck und die Tür zur Hauptkabine sind seitlich so gegeneinander versetzt, dass die Ruderer, die auf dem Vordeck standen nicht in den Kabinenhauptraum blicken konnten. An heißen Sommertagen auf dem Nil muss das Kabineninnere dunkel und stickig gewesen sein, denn Fenster gab es nicht auf dem Schiff

 Blick auf die Kabine und das Mittelteil der Cheops-Barke

Die Kabine auf dem Hauptdeck, die unmittelbar hinter mittschiffs liegt und sich zwischen den Seitenträgern über die gesamte Schiffsbreite erstreckt, besteht aus zwölf Holzpaneelen, fünf zu beiden Seiten und je eines am Vorder- und Hinterende. Eine Doppeltür mit von innen verschließbarem Gleitbolzen führt vom Vordeck in eine kleine Vorkammer. 


(Bild:  John Bodsworth)

Blick auf das Heck entlang der Steuerbordseite

Auf dem Vordeck befinden sich fünf Ruderpaare, die in der Länge zwischen 6,5 und 8,5 Metern variieren
und hinter dem Achterdeck ist ein weiteres Paar Steuerruder angebracht. Weiterhin befindet sich auf dem Vordeck ein kleiner Baldachin, der von zehn schlanken Säulen getragen wird; die Kapitelle der Säulen sind ebenso wie die der Säulen der Hauptdeck-Kabine in der elegant-zurückhaltenden Form der Papyrusknospe geschnitzt.

(Bild: Peter Alscher, Amberg)

 

                             Die Ruderanlage des Schiffes
       - je 5 Ruderpaare befinden sich auf dem Vordeck -
                         Bild: Peter Alscher, Amberg
       Der papyrusförmige Heckabschnitt des Schiffes
 mit den beiden Steuerrudern. 
                        Bild: Peter Alscher, Amberg

Abnutzungsspuren deuten darauf hin, dass die königliche Barke zur Zeit des Cheops als königliches Ruderschiff in Benutzung gewesen war. Evtl. wurden auf ihm Teile der Grabausstattung transportiert.

Das Königsschiff des Cheops ist das älteste, das größte und das besterhaltene antike Schiff, das je gefunden worden ist, ein außergewöhnliches Zeugnis des technischen Vermögens der alten Ägypter und ein wertvoller Schlüssel zu den Ursprüngen der Seefahrtsgeschichte. 

Die Cheops-Pyramide und das Museum, welches direkt über der Fundstelle gebaut wurde,
 wo die Barke heute gezeigt wird.

Datei: Cheops-Pyramide Schiffsmuseum.JPG
Autor: Hajotthu - Mai 2008
Lizenz: Creativ Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unp.
Datei: Cairo-Pharaons funeral ships museum
Autor: Kormoran - Juli 2005
Lizenz: Creativ Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unp.

Seit  1982 wird die königliche Barke in einem eigens dafür gebauten Museum über der Fundstelle ausgestellt. Allerdings warnen Experten davor, das dieser einzigartige Fund, den Ahmed Youssef Moustafa so einfühlsam und sorgsam rekonstruiert und restauriert hat, in dem Museum, das extra für die Barke des Cheops gebaut wurde, stark gefährdet ist.  Konservierungsexperten für altes Holz stimmen darin überein, dass es für das restaurierte Boote am besten wäre, wenn man die Bedingungen so weit wie möglich nachbildete, die in der geschlossenen Grube geherrscht hatten - Bedingungen, die das Schiff über viereinhalb Jahrtausende lang intakt gehalten haben. Die Temperatur in der Grube lag einigermaßen konstant bei 22 Grad Celsius. Die Temperaturen in dem Museum betragen häufig mehr als das Doppelte. 

Bootsmuseum des Cheops auf Giseh 

 
Datei:        The Khufu Boat
Autor:        kairoinfo4U  aus Flickr- Album v. Yahoo
Lizenz:       Creative Commons (CC BY-NC-SA2.0)
Datei:    The Khufu Boat
Autor:     kairoinfo4U  aus Flickr- Album v. Yahoo
Lizenz:   Creative Commons (CC BY-NC-SA2.0)

 

weitere Bootsgruben:

Etwas weiter rechts befindet sich die intakte Grube eines weiteren Schiffes. Die Ägyptische Altertumsverwaltung beschloss die zweite Grube nicht zu öffnen. 1987 wurde der Inhalt dieser Schiffsgrube mit einer speziellen Fotosonde fotografiert. Die Aufnahmen ließen erkennen, dass sich im Inneren der Grube ein in alle Einzelteile zerlegtes Boot befindet, bei dem es sich wahrscheinlich nicht um ein Ruderboot, sondern evtl. um ein Segelschiff handelt. Evt. hatte es als "Schleppschiff" für die östlich liegende Barke gedient. Es ist zu hoffen, dass in absehbarer Zeit auch das zweite Cheops-Boot geborgen und restauriert wird, damit es durch moderne Umwelteinflüsse keine irreparablen Schäden erhält.

Die zwei an der Ostseite der Cheopspyramide liegenden bootsförmigen Gruben sind im Gegensatz zu den mit zerlegten Schiffen gefüllten Gruben an der Südseite der Pyramide seit unbekannter Zeit offen. Sie befinden sich in einem Abstand von etwa 23,60 m (nördliche Grube) bzw. ca. 24,60 m (südliche Grube) fast parallel zur Ostkante der Pyramide und in etwa gleicher Entfernung nördlich und südlich des Totentempels.

Die fünfte unter Cheops erbaute Bootsgrube liegt nördlich parallel zum Aufweg, etwa 45 m von der Großen Pyramide entfernt. Dieses ist in den königlichen Grabkomplexen nichts einmaliges, wie die beiden Bootsgruben südlich des Aufweges der Unas-Pyramide in Sakkara belegen. Diese Bootsgrube nördlich des Aufweges unterscheidet sich durch ihren Aufbau und ihre Lage von den anderen Schiffsgruben im Cheops-Bezirk. Über eine Treppe gelangt man zu den bootsförmigen Vertiefungen im Felsuntergrund. Es wird nicht ausgeschlossen, dass hier einst eine "Kultbarke" oder ein Boot deportiert wurde, auf dem man die Königsmumie zur Nekropole transportierte. Auch diese Grube wurde mit Kalksteinblöcken abgedeckt und ihr Zugang vermauert.

    kleinere Bootsgrube zwischen G1-a und G1-b
                         Bild: Peter Alscher
      Bootsgrube parallel vor Pyramide des Cheops
                    Bild: Peter Alscher

 


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