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Cheops-Pyramide


Sphinx- und Sphinxtempel

Das auffälligste Merkmal der Chephrenpyramide ist neben ihrer Größe, die Tatsache, dass sich an ihrer Spitze noch einen beachtlichen Teil ihrer ursprünglichen Außenverkleidung erhalten hat. Diese Tatsache beweist eindeutig, dass die Verkleidungen der Pyramiden von untern nach oben abgerissen wurden. Auch an ihrer Basis hat sich ein Teil der Verkleidung erhalten, die hier jedoch nicht aus feinem weißen Turakalkstein besteht, sondern aus Granit. Sicher fand Granit nur für die untersten Lagen der Pyramide Verwendung. Die heute nicht mehr erhalten Spitze (Pyramidion) bestand wohl ebenfalls aus Hartstein.

Da die Chephrenpyramide auf einem etwas höherem Gelände erbaut wurde, entsteht die Illusion, sie sei höher als die des Cheops, obwohl sie mit ihren ursprünglichen Höhe von 143,50m in Wirklichkeit um 3m niedriger war als diese. Die Chephrenpyramide hat eine etwas steilere Böschung der Wände und einen besser erhaltenen Gipfel, was den Eindruck ihrer Größe verstärkt.  Deshalb erhielt die Chephrenpyramide zu Recht den Namen "Wj-xaj-f-Raw - "Groß ist Chafre" (Chephren) - 

File:     Egypt.Giza.Sphinx.02.jpg

Autor: Presumably Hamish2k, the first uploader
Lizenz: GFDL-self

Chephrenpyramide in Giseh

Blick von Osten mit der Nordwestecke des Taltempels und dem Aufweg. Der Sphinxtempel, der vor den Vordertatzen des Sphinx liegt, ist in Art eines Sonnenheiligtums errichtet. Der Sphinx als Teil der Taltempelanlage des Chephren liegt als Wächter an der östlichen Basis der Nekropole von Giseh.

 

Entdeckungsgeschichte:

Die Geschichte der Erforschung der Chephren-Pyramide ist ähnlich wie bei dem Cheops-Monument. In antiker Zeit hielt man diese Pyramide allgemein für einen unzugänglichen massiven Steinklotz ohne Innenräume. Der Umstand, dass es an der Nordwand keinen entsprechenden Eingangsschacht gab, täuschte darüber hinweg, dass auf derselben Seite zwei waren: einen an der Unterkante, der im Steinboden eingelassen war und der andere befand sich in der äußeren Verschalung, rund 13 Meter über der Grundfläche und ein wenig weiter westlich in der Mitte.

Wahrscheinlich war es bereits in der 1. Zwischenzeit Leuten gelungen in die Pyramide einzudringen und sie auszurauben. Nach der 6. Dynastie brach der Opfer– und Verehrungskult der Könige des Alten Reiches zusammen, auch der von König Chephren. Es begann eine systematische Plünderung der Pyramidenbezirke der früheren Könige, anscheinend mit Zustimmung oder zumindest Duldung der staatlichen Stellen, falls diese nicht selbst dahintersteckten. Die königlichen Statuen wurden von ihren Standorten entfernt und größtenteils zerschlagen, um so billig an das begehrte und kostbare Steinmaterial wie Granit, Basalt, Gneis, und Alabaster zu gelangen.

Passende Fragmente wurden dann hauptsächlich zu Steingefäßen verarbeitet für private Grabausstattungen. Spuren dieser Steinbearbeitung konnten bei den Grabungen überall in den Totenstädten festgestellt werden, in Form von unzähligen Statuenfragmenten der unterschiedlichsten Größe. 

Nach Ansicht mancher Gelehrten, gestützt auf die Felsinschrift des Maj, „Vorstehers der Tempelarbeiten“  nördlich und westlich der Pyramide, begann die Zerstörung der Pyramide schon während der 19. Dynastie. Sie gehen davon aus, dass Maj auf direkte Weisung Ramses II.  mit dem Abriss der Verkleidung der Chephrenpyramide begann. Die gewonnenen Steine wurden dann für den Bau eines Tempels in Heliopolis genutzt. Es gibt aber Gelehrte, die in den Inschriften des Maj  Hinweise auf Ausbesserungsarbeiten des Prinz Chaemwase sehen, welche dieser im Auftrag seines Vaters Ramses II. in den Pyramidenbezirken des Giseh-Plateau durchgeführt hatte.

Der arabische Historiker Ibu Ab das–Salam vermerkt, dass die Pyramide im Jahre 774 nach der "Hidschra" (Auswanderung Mohammeds von Mekka nach Medina und seine Ankunft in Qubá  [1372 n. Chr.] ), während der Herrschaft des Großen Emirs Jalbugh el–Chassaki geöffnet wurde. Zu dieser Zeit könnte aus die Ausschachtung des Tunnels vorgenommen worden sein, der die Granitsperre des Zugangsweges umgeht. Anderen Angaben zufolge wurde ein Teil der Pyramidenverkleidung in den Jahren 1356 bis 1362 abgerissen und zum Bau der Hassan–Moschee verwendet. Möglicherweise wurde der Eingang in die Pyramide und auch der wieder geschlossene ältere Tunnel der Diebe erst dadurch entdeckt.   

                       Erforschung des Pyramidenkomplexes in der Neuzeit:
1817 Caviglia versucht vergeblich in die Pyramide einzudringen.
1818 Der sogenannte obere Eingang der Pyramide wurde am 2. März von Belzoni entdeckt und er untersuchte auch den unterirdischen Pyramidenteil und entdeckte dabei einen prächtigen Sarkophag, der im Altertum allerdings zerstört worden war. 
1837 Howard Vyse und Perring führte am 9. März genauere Untersuchungen durch und entdeckte dabei den unteren Eingang.
1853 Mariette begann mit Grabungen am Taltempel, welche bis 1859 anhielten. Dabei gelang es ihm die berühmte Dioritstatue (Falkenstatue Kairo JE 100621) des thronenden Chephren zu entdecken und zu bergen.
um 1900 Der Italiener Alexandre Barsanti arbeitete an der Erforschung der Pyramide
1909/10 Eine systematische archäologische Untersuchung erfolgte erst durch die deutsche Ernst–von–Siegling–Expedition in den Jahren 1909/10 unter der Leitung von Georg Steindorf und Uvo Hölscher.
1929-35 Selim Hassan arbeitete in den 30ziger Jahren im Pyramidenbezirk
1960 A. Hafez Al del - Àl arbeitete an den Nebenpyramiden
1967 Der Physiker L. Alvarez von der Universität Berkely untersuchte mit einem  neuentwickelten Gerät mittels kosmischer Strahlung die Pyramide auf weitere Hohlräume und zeichnete monatelang Messdaten auf. Obwohl einer der Mitarbeiter Unregelmäßigkeiten durch Stromausfälle oder -Schwankungen wohl übertrieben als "wissenschaftlich unerklärbar" darstellte und damit zeitweise Schlagzeilen machte, wurden keinerlei Anzeichen von Hohlräumen in der Chephren-Pyramide entdeckt. 
1995-96 Das ägyptische SCA und Mark Lehner (Amerikanisches Giza Plateau Mapping Projekt) arbeitete am Totentempel des Chephren

Standort:

Chephren ließ seine Pyramide auf einer Anhöhe südwestlich der Pyramide des Cheops errichten. Die Pyramide ruht auf einer Terrasse, die etwa 10m in die Felsoberfläche eingehauen, in der Südostecke jedoch mit gewaltigem Mauerwerk hochgebaut wurde. Dadurch wurde die natürlich Neigung des Mokattamgebirges von 3 – 6° ausgeglichen.  

Unter vielen anderen war die Pyramide als Hafen gedacht, von dem aus man die Reise in die Unterwelt antrat. Die breite Terrasse östlich der Pyramide besteht aus massiven bis mehreren hundert Tonnen schweren Kalksteinblöcken. Aus ihr ragen im Nordosten– und Südwesten riesige "Piers", die wie Hellinge oder gigantische Docks aussehen, und zwischen den beiden "Piers" und dem Totentempel finden sich fünf in den Naturfelsen gehauene, enge schiffsförmiger Gruben.

Pyramidenbezirk:

Ebenso wie der Pyramidenbezirk seiner Vorgänger seit König Snofru besitzt auch die Chephren-Pyramide die Dreiteilung von Taltempel, Aufweg und Totentempel. Die Pyramide selber wurde im Norden, Osten und Westen von einem etwa 10,36 x 10,10m (ca. 20 Ellen) breiten, geöffneten Hof umgeben (der sogenannte Pyramidenumgang) der nur durch eine Pforte vom Totentempel aus zu betreten war. Im Süden war der Hof etwas breiter. An der Nordseite der Pyramide über dem unteren Eingang zur Pyramide wurden keine Reste einer Nordkapelle festgestellt, wohl auch deshalb nicht, weil gar nicht danach gesucht wurde Die Höhe der Umfassungsmauer maß ca. 8-9 Meter in der Höhe. Der gesamte Pyramidenbezirk wurde im Norden, Westen und Süden durch eine zweite megalithische Mauer aus groben Kalksteinblöcken in einem größeren Abstand umschlossen. 

Die einzelnen Mauerabschnitte sind in sehr unterschiedlich gearbeitet.  Aufgrund dieses Befunds ist es schwierig, ihre ursprüngliche Höhe zu errechnen. Trotz ihres fast planlos anmutenden Verlaufs wird sie für die äußere Umfassungsmauer des Chephren–Komplex gehalten. 

Im Norden und Süden befanden sich parallel zum Totentempel je zwei Bootsgruben, eine fünfte liegt parallel vor der Pyramidenumfassungsmauer nahe deren südöstlichen Ecke. Sie wurden in der ersten Hälfte der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts von Hassan entdeckt. Alle Gruben waren bei ihrer Entdeckung leer und sind zum größten Teil noch mit den Original-Kalksteinblöcken abgedeckt.

Die Steinbrüche aus denen die Steine für das Kernmauerwerk der Pyramide lagen wohl im Südosten der selbigen; die Reste eines Tagesteinbruchs, nahe der Nordwestecke der Pyramide, stammt vermutlich aus der 19. Dynastie, als Prinz Chaemwaset (Sohn Ramses II.) Steine zur Restauration der Pyramiden und der Tempelanlagen benötigt hat – so Wolfgang Helck.  

Noch innerhalb der äußeren Umfassungsmauer liegen westlich der Pyramide bis zu dem hier 6 Meter tiefen Felseinschnitt Gräber für die Familienangehörigen und Beamten des Chephren. Diese Grabstätten blieben durchwegs unvollendet; ein Grab war für den Prinzen Nebemachet bestimmt, wie die Texte in seiner Felskammer berichten. Unweit dieses Grabes steht auf einer senkrecht anstehenden Felswand eine Hieroglyphen-Inschrift aus der 19. Dynastie:

"Der Baumeister im Haus des Re, Maj"
Der Name desselben Mannes begegnet uns auch an der nördlichen Felswand. Dort steht geschrieben:
Der Baumeister im Tempel „Es glänzt Ramses im Großen Fürstenhause“, Maj, der selige, Sohn des Baumeisters Bekenamun von Theben, der Selige“.

Dieser Baumeister ließ im Auftrag Ramses II. die kostbaren Steinquader des Totentempels König Chephren  für einen Tempelbau in Heliopolis (Haus des Re) fortschaffen.

Weitere Teile der Verkleidung entfernte man in den Jahren zwischen 1356 und 1362 für den Bau der Hassan-Moschee in Kairo.

Pyramidenbezirk:

Name der Pyramidenanlage Wr - #ajfRaw = „Groß (oder: die Größte) ist die Pyramide des Chephren“
Basislänge der Pyramide 215 Meter  (410 Königsellen)  ***
Neigungswinkel  53°10'
ursprüngliche Höhe 143,50 Meter (275 Königsellen)
heutige Höhe 136,40 Meter
Volumen 2.211.096 m²
Innere Kammern  2
Passagen  2 absteigende
Kultpyramide ja (G 2a)
Königinnenpyramide keine
Aufweg ja - 495 Meter lang

*** siehe dazu Wikipedia Alte Maße und Gewichte

Nordseite der Chephrenpyramide

Chephrenpyramide von Süden aus gesehen.

Bild: mit frdl. Genehmigung von Elvira Kronlob Dieses Bild wurde v. Daniel Fafard für "public domain" erklärt

 

Pyramide des Chephren
- "Chephren ist groß" -

Der Kern der Pyramide besteht wie bei der Pyramide des Cheops aus Kalksteinblöcken, die aus den örtlichen Steinbrüchen stammen. Die waagerecht verlegten Steinlagen sind grob behauen, die Fugen sind sehr breit und zwischen den Blöcken fehlt oftmals der Mörtel. Der Pyramidenkern ist oftmals handwerklich deutlich schlechter ausgeführt als bei der Cheops-Pyramide. 

Das Mauerwerk des Pyramidenkerns ist gröber als bei der Cheops-Pyramide und enthält oftmals keinen  Mörtel. 

Ebenso wie bei der Cheops-Pyramide wurde auch bei der Pyramide des Chephren die natürliche Bodenstruktur als arbeitssparende Maßnahme in das Pyramidenmassiv integriert. Am deutlichsten ist dies an der Nordwestecke der Pyramide zu erkennen, hier ist der anstehende Fels bis einschließlich der 5. Steinlage (Höhe 5,25m) sichtbar.

 

(Bild: Peter Alscher, Amberg

Im Gegensatz zur Cheopspyramide wurde die Pyramidenbasis erstmals mit Blöcken aus schönem Rotgranit (Rosengranit) verkleidet, alle weiteren Lagen darüber bestanden aus feinem Tura-Kalkstein. An der Spitze der Chephren-Pyramide haben sich lediglich Reste der ursprünglichen Verkleidung erhalten. Daran lässt sich gut feststellen, wie die Verkleidungsblöcke verlegt und mit dem Pyramidenkern verbunden waren. Das Pyramidion und zum Teil auch der Gipfel der Pyramide existieren heute nicht mehr.

                Spitze der Chephrenpyramide (Nordostseite)
Reste der ursprünglichen Verkleidung aus feinem Tura-Kalkstein sind noch vorhanden.

Blick auf die verbliebenen Verkleidungssteine an der Spitze. Deutlich zu sehen sind die dahinter liegenden "Backing Stones".
Die Verkleidungsblöcke an der Spitze sind mit rund 50cm Dicke viel kleiner als die an der Basis.

Datei:    Giseh 19.jpg
Autor:    Olaf Tausch
Lizenz:   Creative Commons Attribution 3.0 Unported
Bild: Peter Alscher, Amberg

Wegen der in letzter Zeit deutlichen erkennbaren Erosionsspuren an der verblieben Verkleidung an der Spitze der Chephrenpyramide wurde diese gründlich von italienischen Fachleuten untersuchten. Dabei wurde festgestellt, dass die Eckkanten nicht ganz geradlinig verlaufen, was eine schwache Verzerrung ergibt. Eine Erklärung dafür könnten seismische Aktivitäten sein, die im heutigen wie im Alten Ägypten keine Seltenheit waren. Die verbliebenen Verkleidungsblöcke an der Spitze der Pyramide schließen auch oft nicht bündig aneinander. Die Außenseiten der erhaltenen Verkleidungsblöcke sind oft um wenige Millimeter versetzt, statt genau zu fluchten. Auch dafür gibt es mehrere Erklärungen: eventuell wurde ihr Neigungswinkel bereits vor dem Setzen, wegen des auf auf dieser Höhe geringen Arbeitsraumes, zugeschnitten, oder die Blöcke könnten sich durch den Abbau der unteren Lagen gesetzt haben. Lt. Miroslav Verner könnten auch Erdbeben dafür verantwortlich sein.

Die beiden untersten Lagen der Verkleidung bestanden aus rotem bis schwarzem Assuangranit, wovon sich an vielen Stellen noch einiges erhalten hat. Der Rest der Verkleidung bestand aus feinem weißem Turakalkstein. Im oberen Drittel hat sich diese Verkleidung erhalten, nur der oberste Abschlussstein (Pyramidion), der wohl aus kostbarem Hartstein bestand und eventuell mit Gold überzogen war, fehlt heute, während die vier obersten Kalksteine noch erhalten sind und die Verankerung des Pyramidions aufzeigen.       

Aufdeckung des Oberen Eingangs durch Belzoni:

 

Belzoni wandte sein Interesse nach seinen Unternehmungen im Oberägypten und Nubien auch den Pyramiden von Giza zu. Sein Augenmerk richtete sich vor allem auf die zweitgrößte Pyramide deren Eingang bislang trotz intensiver Such noch nicht gefunden werden konnte. Er wollte das schaffen, an dem andere gescheitert waren. 

Belzoni begann gleichzeitig an der Ostseite und Nordseite der Chephrenpyramide zu graben. Im Osten stieß er auf die Reste des Totentempels, die er als solche auch erkannte.  An der Nordseite begann er die sich hier angesammelte große Menge an Gesteinstrümmer, Geröll und Sand zu beseitigen. Dabei stieß er auf einen alten Grabräuberstollen der jedoch anscheinend in einer Sackgasse endete.

Am 2. März endlich stieß Belzoni auf den originalen oberen Eingang der Pyramide. Er war zwar im Prinzip offen aber bis obenhin mit großen herabgestürzten Steinen der Pyramidenverkleidung und Geröll versperrt. Nach Freiräumung des schräg nach untern führenden Ganges stand Belzoni vor der noch intakten Fallsteinvorrichtung am Übergang vom absteigenden zum horizontalen Gang. Belzoni ließ mit einem Hebel den Fallstein etwas anheben um hindurchkriechen zu können. Im dahinter weiterführenden etwas höheren Korridor stieß er kurz nach der Fallsteinvorrichtung auf den vom unteren zweiten Korridorsystem heraufführenden Gang. Am Ende des oberen Ganges gelangte er zur Grabkammer. Hier fand er den an der Westwand der Kammer in den Boden eingelassenen Granitsarkophag mit zerbrochenem Deckel  halb offen stehend.

Der Sarkophag war bis auf Schutt und einige verworfene Rinderknochen, die nur von einen Opfer vor dem Sarkophag stammen können, leer.  

An den Wänden der Kammer fand er einige unleserliche Graffiti mit Holzkohle geschrieben, aber an der Westwand auch eine arabische Inschrift die er kopieren und übersetzen ließ.

In fehlerhaftem Arabisch behauptete der Steinmetz Muhammad Ahmad, im Beisein des a Utman und des Sultans (malik) a Ali Muhammad sie (die Pyramide, Plural) geöffnet zu haben.

„Mohammed Ahmed, Steinmetzmeister, hat sie geöffnet; und Meister Othman war dabei; und der König Alij Mohammed zuerst (von Anfang an), bis sie geschlossen wurde. “

eine andere Übersetzung:

„ Der Meister Mohammed Ahmed (Steinmetz) hat sie geöffnet; und der Meister Othman war bei der Öffnung anwesend sowie der König Ali Mohammed vom Anfang bis zur Schließung.“     

Graffiti an der Westwand der Grabkammer

Bereits 1837 war das Graffiti verschwunden, da es nur mit Holzkohle an die Wand  geschrieben war.


Substruktur der Pyramide:

 

       Pyramidengrundriss

A:   Oberer Eingang
B:     Unterer Eingang
C:     Obere absteigende Passage
D:     untere absteigende Passage
E:      untere Galerie
Ea:    Verbindungskorridor
F:      Zugangskorridor zur Grabkammer
G:      Grabkammer
H:      Grabräuberstollen

Grundriss: MONNIER Franck/Bakha/GDK
                   bearbeitet von Nefershapiland

       
(Der Nutzungsrechtsinhaber Franck Monnier hat dieses Werk als public domain gestellt.)              

An der Nordseite der Pyramide erkennt man außer den Stollen der Grabräuber, die zwei Eingänge zu Pyramide. Der erste liegt auf Bodenniveau und führt in den unteren Gang, der zweite bildet den Zugang zum oberen Gang, in den der von Belzoni geöffnete Durchgang mündete.

Da das Kammersystem der Pyramide einige Merkwürdigkeiten aufweist, gibt es ganz unterschiedliche Spekulationen über den Grund dafür. Erstens zeigt es gegenüber von Snofru und Cheops eine auffällige Vereinfachung, so dass unter den Gelehrten lange Zeit Zweifel darüber vorherrschten, ob dieses Kammersystem das Einzige innerhalb des Pyramidenkörpers sei. Nach neueren naturwissenschaftlichen Untersuchungen (Durchleuchtung mittels kosmischer Strahlung), kann dies nicht mehr in Frage gestellt werden. Offen bleiben muss vorerst, ob in dem doppelten Eingangs– und Korridorsystem zwei Bauphasen zu erkennen sind, bei denen auf eine erste, wesentlich kleinere Planung (die bald aufgegeben wurde), auf eine um 30m Seitenlänge vergrößerte Pyramidenplanung geschlossen werden kann.

                    Unteres und oberer Kammersystem im Schnitt und Draufsicht

Zeichnung: franck monnier d'après John Shae perring 
(operations carried on at pyramids of gizeh) et maragioglio et rinaldi)
 - The copyright holder of this work, release this work into the public domain. -

 

Unteres Korridorsystem:

Die Chephren-Pyramide enthält zwei absteigende Passagen. Die eine beginnt im Mauerwerkskörper etwa 11,54 m über der Grundfläche, die andere geht auf Bodenhöhe von der Mitte der nördlichen Frontseite aus. Der untere Eingang in die Pyramide wurde von J. S. Perring 1838 aufgesprengt und mit einer Neigung von 21° 40` in den gewachsenen Felsboden geschlagen. Der in den Felsen geschlagene untere Eingang misst 1,05 m in der Breite (= 2 Ellen) und 1,19 m (= 2 Ellen, 2 Handbreit) in der Höhe, was ein übliches Maß in der 4. Dynastie war. Der absteigende Gang geht nach 34,15 m zu einer horizontalen Galerie mit einer Höhe von 1,81/184 m (=3,5 Ellen) und einer Länge von 15,75 m über. Am Übergang vom absteigenden Korridor zur horizontalen Galerie befindet sich eine granitene Fallsteinvorrichtung, die bereits von Belzoni zertrümmert vorgefunden wurde. Hinter der Fallsteinvorrichtung tut sich eine in den Felsen gehauene Nebenkammer mit Giebeldach auf, deren Zweck unklar ist. Mark Lehner äußert die Vermutung, dass es sich evtl. um eine "serdab-Kammer", vergleichbar mit der fälschlich als "Königinnenkammer" bekannten in der Cheops-Pyramide, handeln könnte oder aber auch nur als bloßes Opfergabenmagazin gedient haben könnte. 

Am Ende der Horizontalgalerie führt eine 1,05 m hohe (2 Ellen) und 1,11m breite Passage mit einem Neigungswinkel von  24° 30` nach oben und kreuzt sich mit einem oberen Gangsystem. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass diese Verbindung erst aus dem Fels gemeißelt wurde, als sich das obere Korridorsystem schon im Bau befand oder sogar bereits fertiggestellt war. Bei dieser nachträglichen Verbindung der beiden Korridorsysteme ist offensichtliche ein Messfehler unterlaufen: Man hat von oben nach unten gleichzeitig gearbeitet und sich dabei verpasst. Der von oben begonnene Gang verfehlte den von unten kommenden um ein Geringes, da er zu weit nördlich begonnen wurde. Diesen Fehler bemerkte man erst nachdem der von oben kommende Gang fünf Meter weit vorangetrieben worden war, das fehlerhafte Stück wurde ausgemauert und an der richtigen Position weitergearbeitet. Nach seiner Vollendung (und wohl nach  Erfüllung seines Zwecks) wurde der Verbindungsgang komplett wieder mit Kalksteinblöcken aufgefüllt wurde. Solange dies nicht gesehen war, muss eine Art Brücke über die Lücke im Boden des oberen Korridors geführt haben.

Wozu diese nachträgliche Verbindung der beiden Korridorsysteme gedient haben könnte, ist umstritten. Einige Gelehrte vertreten die Ansicht, dass über diese Verbindung ein bereits in der unteren Kammer befindlicher königlicher Sarkophag in die neue Grabkammer transportiert wurde. Über das obere Gangsystem wäre es unmöglich gewesen, den Sarkophag in die Sarkophagkammer zu transportieren, da er im Übergang von absteigenden zum horizontalen Korridor steckengeblieben wäre. 

(Zeichnung: Datei: Chephren-Axon embranchement.jpg, 
Autor: HoremWeb;Grat
Lizenz: derived from a work declared to be in the public domain - aus der ungar. Wikipedia

Genau in der Mitte der unteren Galerie befindet sich an ihrer linken Seite eine 11 Fuß lange sowie 6 Fuß tiefe und 1,78m hohe rechteckige Nische in der Wand. Eventuell sollte sie dazu dienen, einen Sarkophag in den gegenüberliegenden Korridor hineindrehen zu können. Gegenüber der Nische beginnt ein Korridor von 6,70/6,30 m Länge mit einem Gefälle von 20° 30` und einem Querschnitt von 1,05 x 1,11 m/1.07 x 1,12 m. Er führt in eine ganz aus dem Fels geschlagene Kammer mit Giebeldach, die 3,12 m (= 6 Ellen) in der Breite und 10,41 m (= 19 ½ Ellen) ost–westlicher Länge misst (nach Belzoni 32 Fuß Länge, 9 Fuß u. 9 Inches bei einer Höhe von 8 Fuß 6 Inches), bei einer Höhe von 2,61 m (= 5 Ellen). Der Boden, die Wände und die Decke der Felskammer waren verputzt, auch an den Wänden dieser Kammer befanden sich Graffiti.

Oberes Korridorsystem:

Der obere Pyramideneingang wurde 1818 von G. Belzoni entdeckt und freigeräumt. Er fand ihn zwar von Sand und Steinen verschüttet, aber bei fehlender Pyramidenverkleidung im Prinzip offen. Der obere Eingang liegt ca. 11,54 = 22 Ellen (nach E. Graefe in Sak.11 in ca. 12,9m) über der Pyramidenbasis an der Nordseite der Pyramide. Von hier aus führt ein 32 m langer Korridor mit einem Winkel von 25° 55`/ 26° 30`abwärts und tritt dann in den gewachsenen Fels ein. Die Abmessungen des absteigenden Korridors betragen wie die des unteren 1,05 m in der Breite (= 2 Ellen) und 1,19 m in der Höhe. Ab hier verläuft der Korridor, der nun im gewachsenen Fels eingeschlagen ist, horizontal, bis er in der Grabkammer mündet. Decken Wände und Boden des gesamten schrägen Ganges und ein kurzer Teils des waagerechten Ganges waren mit Rosengranit verkleidet. Beim Übergang vom absteigenden Korridor zum waagerechten befand sich eine Fallsteinsperre aus Granit von der noch die senkrechten Schlitze in den Seiten des Korridors zu sehen sind. Die zerstörten Reste des Fallgatters befinden sich noch an Ort und Stelle.  

Der horizontal verlaufende Korridor misst 1,78 m (= 3½ Ellen) in der Höhe, er überquert nach 8,61 m den ursprünglich vermauerten Abstieg zur unteren Galerie und mündet nach ca. 56 m in der Sarkophagkammer

Unteres und oberes Korridorsystem der Chephren-Pyramide

Plan: Copyright Nefershapiland nach Maragioglio und Rinaldi (L'Architettura delle Piamidi Menfite, Bd. IV. Turin/Rapallo 1965)

 

Der Grabräubertunnel:

Außer den beiden ursprünglichen Eingängen existiert noch ein "Grabräubertunnel", der in der Mitte der Nordseite 
ca. 8 – 8,50 m über der Pyramidenbasis beginnt und nach einem aufgegebenen ersten vergeblichen Versuch schließlich kurz hinter der Fallsteinvorrichtung des horizontalen Ganges im oberen Gangsystem mündet.
Damit hatten die Plünderer die granitene Verkleidung des absteigenden Ganges und den Blockierstein erfolgreich umgangen. In der von den Plünderern geschlagenen Bresche erkennt man, dass das Kernmauerwerk der Chephrenpyramide (zumindest an dieser Stelle) sehr lose und ohne bindenden Mörtel verlegt war.

Die Grabkammer:

Da an der Nordwestecke der Felsgrund fast 10 Meter hoch stehen blieb und sich die Oberkante der Grabkammerwände auf Höhe der Terrasse befindet, muss diese in einer Grube gebaut worden sein, die jener in der Djedefre-Pyramide in Abu Roasch ähnelt, aber nicht so tief ist. 

       Grabkammer der Chephrenpyramide
Nachdem Belzoni am 2. März 1818 in die Grabkammer gelangte, fand er den im Boden eingelassenen Sarkophag, der aber keinerlei Hieroglyphen oder Inschriften aufwies. Im Inneren des Sarkophages stieß Belzoni zwischen Erd- u. Steinbrocken auf einige Knochen, die sich als Stierknochen herausstellten. Rainer Stadelmann meinte, es handle sich um Opfergaben, die Eindringlinge irgendwann später, als die Mumie des Königs längst geraubt war, in den Sarkophag geworfen hätten.

Die nach oben offene Kammer mit ost-westlicher Ausrichtung misst 14,14 x 5 m und hat eine Höhe von 6,83 m. Nach oben wurde die Sarkophagkammer durch ein Giebeldach, bestehend aus mächtigen schräg liegenden Kalksteinbalken geschlossen, welche die Last der darüber liegenden Pyramidenmasse auf den Felskern ableiteteten. Die Dachbalken weisen den gleichen Winkel wie die Außenflächen der Pyramide auf. Die Wände der Kammer bestehen aus gewachsenem Fels.

(Bild: Thanks to Jon Bodsworth for public domain)

Im westlicheren Teil der Kammer war der Boden mit Kalkstein und Granit gepflastert, der östliche Teil war roh belassen worden. Dieser Umstand deutet auf eine Zweiteilung der Kammer hin, eventuell nur durch eine Holzwand deren Pfostenspuren noch erkennbar sind. Bedauerlicherweise haben Perring und Vyse 1837/38 den Fußbodenbelag der Kammer bei der Suche nach weiteren Kammern, ähnlich denen der Mykerinos-Pyramide aufgerissen und die Kammer dabei schwer verwüstet. 

Wie bei Cheops sollte die Sarkophagkammer sogenannte Luftschächte erhalten. Im östlichen Teil der Kammer sind zu beiden Seiten sehr hoch oben die rechteckigen Anfänge dieser Schächte zu erkennen: 24 x 30 cm. Sie weisen jedoch nur eine Tiefe von 30 cm auf und wurden dann aufgegeben. Etwa 1,50 m tiefer an den Wänden aufgezeichnete rote Rechtecke lassen vermuten, dass diese "Luftschächte" ursprünglich in einem ersten Entwurf in der gleichen Höhe wie in der Cheopspyramide  entstehen sollten.

Der schlichte Sarkophag aus schwarzem Hartgranit, der 1818 von Belzoni in der rechtwinklig zur Achse des Gangsystems liegenden Sargkammer nahe der Westwand vorgefunden wurde, war in das dicke Granitpflaster der Kammer eingesenkt worden und muss bereits vor dem Schließen des Kammerdaches von oben her in diese eingebracht worden sein. Die andere Möglichkeit, die ebenfalls von den Wissenschaftlern ins Auge gefasst wurde, ist die, dass ein bereits in der unteren Kammer befindlicher Sarkophag über den nachträglich angelegten aufsteigenden Korridor aus der unteren „Sarkophagkammer“ in die neue obere Kammer gebracht wurde. 

Nach Messungen von Jürgen Becker (Vorsitzender der Sudanarchäologischen Gesellschaft zu Berlin e.V., spezialisiert auf montanarchäol. Forschungen in Ägypten und Sudan) steht außer Frage, dass der Granitsarkophag unmöglich in der unteren Felskammer gestanden haben kann. Der Sarkophag misst 2,64 x 1,07 x 0,97m – ohne Deckel. Ein wichtiges Detail in dem Zwischengang vom unteren Korridor zur Felskammer ist anscheinend bislang übersehen worden. Nach (hypothetischen Messungen durch J. Becker) wäre der Transport des Sarkophags nur bis knapp etwas über einen Meter vor die Felskammer möglich gewesen, ein weiterer Transport dann unmöglich. 

 Sarkophag aus schwarzem Hartgranit

Der Sarkophag misst 2,62 m in der Länge und 1,06/1,07 m in der Breite und 1,18 m in der Höhe (ohne Deckel 0,97 m). Der Sarkophagdeckel konnte in eine schwalbenschwanzförmige Nut der Sargwanne eingeschoben werden, und mittels  Metallstiften fest ihr verankert werden.

Bei seiner gewaltsamen Öffnung zerbrach der Deckel in zwei Teile. Heute ist der Deckel wieder zusammengefügt und liegt auf schrägen Stützen auf dem Sarkophag auf.
Von den sterblichen Überresten des Chephren oder seiner Grabausstattung sind keinerlei Spuren gefunden worden.

(Bild: Thanks to Jon Bodsworth for public domain)

Der Sarkophag kann danach unmöglich in der unteren Felskammer gestanden haben, aber rein hypothetisch bereits im Korridor. Die Rangiernische in der linken Seite der Galerie gegenüber dem Zugang zur Felskammer beweist, dass in die Felskammer ein größerer Gegenstand eingebracht werden sollte. Ob es sich dabei um den dann in der Grabkammer vorgefundenen Sarkophag gehandelt hat, kann weder mit ja noch mit nein beantwortet werden. Falls er sich bereits im unteren Korridor befunden hätte, wäre dies eine plausible Erklärung für die nachträglich geschaffene Verbindung zwischen unterem und oberen Korridorsystem. Die Breite der Gänge und Durchgänge hätten einen Transport in die eigentliche Grabkammer durchaus erlaubt.

Von Giovanni Belzoni nach seiner Entdeckung der Grabkammer in der Chephren-Pyramide hinterlassene Inschrift.

 

 

(Bild: Thanks to Jon Bodsworth for public domain)

 

Totentempel:

Der heute weitgehend zerstörte Totentempel des Chephren lag vor der Ostseite der Pyramide, aber noch außerhalb der Pyramidenumfassungsmauer und des Pyramidenumgangs. Er markiert einen echten architektonischen Fortschritt im Vergleich zu denen seiner Vorgänger. Er ist größer als die früheren und enthält erstmals alle fünf Elemente, die später zur Norm werden sollten.

Eingangshalle
Breiter Säulenhof
Fünf Nischen für Königsstatuen
Fünf Magazinkammern
Allerheiligstes - Stelenpaar oder Scheintür oder beides

             Eingangsbereich des Totentempels

            Blick auf den hinteren Bereich des Totentempels
Im hinteren Teil befinden sich fünf Magazinräume.
Bild:      Khafre mortuary entrance.jpg
Autor:  
HoremWeb
Lizenz: 
GNU Free Documentation License Version 1,2
Bild:       Khafre's statue chambers.jpg
Autor:: HoremWeb

Lizenz:    GNU Free Documentation License Version 1,2

Die Kernmauern des Tempels bestehen aus lokalem Kalkstein die im inneren größtenteils mit rotem Granit verkleidet waren. Außen bestand die Verkleidung bis auf eine Sockelzone aus Granit, aus feinem weißem Turakalkstein. Die östliche Fassade des Totentempels bot sich den Beschauer als eine glatte ungegliederte Fläche dar, die nur durch den schräg auftreffenden Aufweg unterbrochen wurde. Das Kernmauerwerk des vorderen Tempelteils besteht teilweise aus gigantischen Blöcken aus den örtlichen Steinbrüchen, deren Gewicht zwischen 200 und  400 Tonnen und mehr geschätzt wird. Ein Block allein misst 13,40 m in der Länge und dürfte einen Rauminhalt von 72 m3 haben; sein Gewicht wird auf 180 Tonnen geschätzt. Ein anderer würfelförmiger Block mit den ungefähren Maßen 6,20 x 6,80 x 4 m mit einem Rauminhalt von ca. 170 m3 wiegt um die 425 Tonnen. Damit übertrifft er das Gewicht des heute noch stehenden Obelisken der Hatschepsut mit seinen 323 Tonnen um 100 Tonnen.

Der vom Taltempel heraufführende Aufweg mündet nicht direkt in die Eingangshalle des Totentempels, sondern über einem schmalen Gang nahe der südlichen Ecke des Totentempels, der in einen kurzen Querkorridor mündet. Von hieraus gelangt man nach Süden in zwei granitverkleidete langgestreckte Kammern (Magazine). Nach  der Theorie des Ägyptologen Herbert Ricke(1901-1976) waren diese beiden Kammern für die Kronen von Sais gedacht.

Nach Norden gelang man vom Querkorridor in das Vestibül, dessen Decke durch zwei Granitpfeiler getragen wird. Von Vestibül aus gelangte man über eine zentrale Pforte in eine quergelagerte T–förmige Pfeilerhalle mit 14 Granitpfeilern (sie trugen das Dach der Halle), die sich in drei Reihen von je acht, vier und zwei Pfeilerstellungen nach Westen hin verjüngt.
Von der südlichen und nördlichen Ecke der Westseite der Pfeilerhalle aus, zweigt je ein schmaler Korridor (Kammer) nach Westen tief in das dicke Mauermassiv hinein ab.

         Seitenkammer oder Statuenkammer
Weiter nach Norden gelangt man in einen weiteren Trakt, bestehend aus vier Kammern, deren Boden und Wände aus Alabaster bestehen. Ricke hält diese Kammern für Schreine, die für die Eingeweide des Königs gedacht waren. Von der nördlichsten Kammer aus geht nach Westen ein schmaler blinder Gang ab.  

Der Ägyptologe Uvo Hölscher vermutete in ihnen Statuen-Serdabs, in denen sich Königsstatuen aus kostbarem Hartgestein befunden hätten. Für deren Abtransport hätte man später von außen her Breschen durch das massive Mauerwerk geschlagen. Dies ist jedoch wenig wahrscheinlich, da solche Statuen-Serdabs in königlichen Totentempeln nicht bezeugt sind, denn sie wiedersprechen dem Prinzip des Kultes an Königsstatuen, die frei zugänglich stehen mussten. Sollte es zutreffen, dass es sich bei diesen Kammern um Serdabs handelt, so wären sie von einer Art, wie sie in königlichen Totentempel ansonsten unbekannt sind.

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Herbert Ricke hingegen sah in ihnen Räume für die Tages– und Nachtbarke des Sonnengottes, denen die Schiffsgruben auf der Süd– und Nordseite des Totentempels entsprächen. Diese Deutung gewinnt heute nach der Entdeckung eines vermauerten Barkenraumes im Ziegel-Totentempel König Neferefre's in Abusir an Glaubwürdigkeit und Aktualität. Dem wiederspräche einzig der Befund der Breschen von außen, die nicht zwingend nachträglich entstanden sein müssen, sondern sehr wohl zum originalen Bauplan gehören können. Aus der T- förmigen Pfeilerhalle führt in deren Mitte ein Durchgang nach Westen in eine gleichsam in das dicke Mauerwerk eingebettete Längshalle, das altägyptische "Per- weru" = „Haus der Großen“ , den Empfangsraum des Totenpalastes, dessen Decke durch zwei Reihen von je 5 Granitpfeilern getragen wird. Offensichtlich waren das Per–weru, ebenso wie die Längsachse des Totentempels, ganz mit poliertem Granit verkleidet und undekoriert. Der Fußboden des Per–weru war, ebenso wie die Vorhalle und der anschließend folgende offene Hof mit Alabasterplatten gepflastert. In der Symbolik des Steinmaterials steht Alabaster für Opfer: So bezeichnet hier der Alabasterfußboden den Opferweg zum offenen Verehrungshof. 

Dieser rechteckige Verehrungshof folgt im Westen auf das Per–weru und zieht sich über die ganze Breite des Tempels hin. Der Hof  besitzt einen Pfeilerumgang und die Wände des gedeckten Umgangs besaßen einen Sockel aus Granit, darüber waren sie mit Turakalkstein verkleidet, welche Reliefdarstellungen trugen. Der mit Alabasterplatten gepflasterte offene Hof gab einen wirkungsvollen Kontrast zu den breiten Rosengranitpfeilen ab, die das gewölbte Dach des Umgangs stützten. In der Mitte des Hofes stand wohl ein Altar, auf dem die Opfer für den Statuenkult dargebracht wurden. Reste einer Abflussrinne, die aus der Mitte des Hofes nach außen führt, bekräftigt diese Annahme. Es wird vermutet, dass einst 3,60 m hohe, weiß bemalte Königsstatuen (stehende Osirisstatuen) vor den Granitpfeilern des Hofes (je zwei an den Schmalseiten und je vier an den Breitseiten) standen. Die Annahme, dass es sich bei den Statuen um Standbilder des Königs als Osiris handle, stammt von Uvo Hölscher. Herbert Ricke hingegen rekonstruiert sie als Sitzstatue des Königs, der das Nemeskopftuch trug.

Um die Durchgänge zwischen den Stützpfeilern zog sich ein einfaches Hieroglyphenband mit Namen und Titulatur des Königs, über jeder der Statue war ein Geierpaar mit ausgebreiteten Schwingen eingemeißelt. Die Innenwände des Umgangs waren wohl oberhalb einer granitenen Sockelzone mit Kalkstein verkleidet und trugen Reliefdarstellungen. Hölscher konnte davon bei seinen Arbeiten im Tempel noch ein Fragment mit einem gebundenen asiatischen Gefangenen auffinden. 

Getrennt durch einen Querkorridor folgt hinter dem offenen Hof der eigentliche Totentempel. Von der Westwand des Querkorridors aus gelangt man durch fünf Pforten zu fünf tiefe Nischen, die eventuell einst Statuen des Königs enthielten. Die mittlere Nische ist breiter als die seitlichen, dies und die Länge der Nischen lässt aber eher an Barkenräume als an Statuennischen denken. Es besteht ja die Möglichkeit, dass diese Götter– oder Königsbarken, Schreine mit transportablen Statuen trugen.

Von der südwestlichen Ecke des Quergangs aus gelangt man über einen Gang, der zweimal um 90° abknickt, zuerst zu fünf Magazine, die zu den fünf westlich davon liegenden Kapellen zugehören dürften und wohl den hier erforderlichen Opferbedarf enthielten und dann ins Allerheiligste des Tempels. Hinter den Magazinen liegt als westlichster Teil im Tempel ein Querkorridor (Raum), in dessen Mitte eine breitere Nische eventuell den Ort einer Scheintür markiert, die wäre dann der eigentliche Totenopferraum. Dies wird jedoch wegen der geringen Breite des Korridors von verschiedenen Gelehrten in Zweifel gezogen.

Eine Treppenrampe führte in der Nordostecke zum Dach des Tempels, während von der Nordwestecke des Säulenhofes ein Gang zum gepflasterten Pyramidenhof abging. Außerhalb des Tempels befanden sich fünf Schiffsgruben, zwei im Norden und drei im Süden, eine sechste mag evt. geplant gewesen sein. Sie sind in Bootsform in den Fels geschlagen; bei zweien sind die Abdeckplatten noch vorhanden.

Aufweg:

Auf einem südöstlich verlaufenden Höhenrücken, der die Grenze des Cheopssteinbruches bildet, wurde der Aufweg zur Chephrenpyramide gebaut, dadurch konnte man sich aufwendige Dammkonstruktionen wie bei der Cheopspyramide ersparten. Der Aufweg hat eine Länge von 494,60 m / 495 m und eine Breite von 4,57 m / 4,50 m.

Er überwindet einen Höhenunterschied von mehr als 45 m. Vom Oberbau ist heute nichts mehr erhalten, außer ein paar vereinzelter Blöcke aus Turakalkstein von den Wänden und der Pflasterung. Ursprünglich wiesen die Wände des Aufwegs an den Außenseiten eine Böschung auf, während sie innen lotrecht waren. Die Decke wurde aus flach aufliegenden Steinplatten gebildet, die in der Mitte des Weges einen Schlitz freiließen, der Licht spendete. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass sie wohl einst Reliefdarstellungen trugen bzw. Reliefs tragen sollten. Allerdings konnte an den noch teilweise erhaltenen Seitenwänden am östlichen Ende des Aufwegs keine Dekoration festgestellt werden. Da jedoch nach Herodots Bericht schon der Aufweg des Cheops Darstellungen aufwies, wird dies auch bei Chephren  der Fall gewesen sein. Am unteren Ende des Aufwegs wurde ein Abwasserkanal im Boden verlegt, der das durch den Lichtschlitz eindringende Regenwasser ableitete, damit es nicht in den Taltempel gelangen konnte.

Durch einen Wasserspeier an der Außenseite des Aufwegs wurde das Regenwasser nach außen abgeleitet. Etwa in der Mitte des Aufwegs weist dieser eine Untertunnelung auf, dies gestattete es Priestern und Bediensteten der Nekropole ohne großen Umweg zwischen der nördlichen und südlichen Hälfte des Gizaplateaus zu wechseln.

Taltempel:

Der Taltempel des Chephren ist nicht nur ein Meisterwerk altägyptischer Monumentalarchitektur, sondern ferner der besterhaltene seiner Art im Alten Reich. Das Areal vor dem Taltempel wurde vom Sand befreit und 1869 bildete der Taltempel zusammen mit anderen Monumenten der Pyramidennekropole von Giza die Kulisse zur feierlichen Eröffnung des Suezkanals, der eine handverlesene Gesellschaft im Gefolge der Kaiserin Eugénie beiwohnten. 

Der Taltempel, von dem damals nur ein paar Steintrümmer aus dem Sand ragten, wurde 1852 von Auguste Mariette entdeckt. Er begann mit seinen Grabungen im Jahre 1853 und vollendete sie 1859. Dieser Tempel, der sich direkt an der Grenze zum Wüstengebiet im Westen befindet, ist das Empfangsgebäude, welches, schon im Reiche der Toten gelegen, die Schwelle zum Übergang in die heilige Sphäre kennzeichnet. 

Bei Bohrungen in bis zu 16 m Tiefe wurde eine Art Kai vor dem Sphinx-Tempel zutage gefördert, welcher durch einen Stichkanal vom Nil her erreichbar war. Dieser Kanal setzte sich wahrscheinlich in südlicher Richtung an der Frontseite des Taltempels fort und führte unter den Rampen, die zu zum Taltempel hinaufführen, hindurch.

Das SCA unter Leitung von Zahi Hawass legte 1995 den Bereich erneut frei und entdeckte dabei, dass die Rampen von Lehmziegelwänden, die einen in nord-südlicher Richtung verlaufenden engen Korridor oder Kanal bildeten, umschlossene Tunnel überkreuzen. Vor dem Sphinx-Tempel mündet dieser Kanal in einen nach Nordosten und vermutlich zu dem unter der modernen Touristen-Plaza begrabenen Kai führenden Abzugsgraben. 

Die Ostfassade des Taltempels weist erstmals eine einfache Hohlkehle als oberen Abschluss auf, sie wird einzig durch die beiden an der Seite befindlichen Eingänge von ca. 6 m Höhe und 2,80 m Breite unterbrochen. Sie waren einst von mächtigen hölzernen einflüglichen Türflügel (wohl aus Zedernholz), die an Kupferangeln aufgehängt waren, verschlossen. Die Löcher für die großen, doppelten Türriegel sind in den Granitgewände erhalten geblieben.

   Taltempel mit Kaiterrasse u. Rampe

Im Vordergrund die Terrasse mit der rechten Zugangsrampe.

Direkt vor der Ostseite des Taltempel dehnt sich eine 8 m breite, mit Kalkstein gepflasterte, aus dem gewachsenen Fels geschlagene Terrasse aus, zu der zwei Rampen mir sanften Gefälle aufsteigen

(Bild: aus „Die ägyptischen Pyramiden“ von K. Schüssler
)

Der Taltempel ist wohl sehr bald von der zugehörigen Pyramidenstadt überbaut worden; die Reste von Ziegelmauern von Häusern östlich und südlich des Taltempels gehören zwar späteren Epochen an, haben jedoch sicher Ältere überlagert.
Die Pyramidenstadt des Chephren und die des Cheops bildeten offenbar eine einzige Stadt, die als „nördliche Siedlung“ und „südliche Ufermarke“ unterschieden wurden und durch Gouverneure mit dem altertümlichen Titel
"aDmr" verwaltet wurden.
Ein Teilstück der mächtigen megalithischen Stadtmauer mit Tor ist im Süden noch heute erhalten. 

Vor der Mitte der Fassade des Talbaus fanden sich im Kalksteinpflaster Versatzspuren einer "Leichtkonstruktion", vielleicht eines einfachen Holz – Matten – Baus. Manche Forscher sind der Ansicht, dass hier das sog. "Ibu", 
das Reinigungszelt, welches bei der Bestattung eine wichtige Rolle spielte, gestanden hat.      

Durch zwei symmetrisch angeordnete 8 Meter hohe Torräume, die von vier kolossalen Sphingen bewacht wurden, gelangte man über kurze Gänge in eine Vorhalle, deren Wände ehemals aus hochpoliertem Rosengranit bestanden. Gegenüber den Eingängen war jeweils hoch in der Wand eine Nische eingelassen, in der eventuell eine Doppelstatue des Königs mit einer Göttin stand. Beide Tore waren einst von einer Hieroglyphenzeile mit Titeln und Namen des Königs eingerahmt, die bei den Grabungen im Jahre 1910 noch fragmentarisch erhalten waren. Am südlichen Tor war noch zu lesen: ".............von Hathor geliebt (ewig lebend)" am nördlichen Tor stand: "........von Bastet geliebt, ewig lebend." Dabei handelt es sich um die einzigen Inschriften im gesamten Bauwerk, in dem auch keine Reliefdarstellungen existierten. Zwischen den beiden Eingängen lag das Vestebül oder die Vorkammer.

Eingangsbereich und Vorhalle (Vestibül) des Taltempel
(Zeichnung: Nefershapiland)

Der Tempel hatte einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 44,81 m und einer Höhe von 13,11 m. Die Mauern haben eine enorme Dicke und bestehen aus gewaltigen Kalksteinblöcken aus den örtlichen Steinbrüchen. Teilweise wurde der anstehende Fels mit in den Bau integriert, besonders im Nordosten, wo der Aufweg im Tempel auf einer stehengebliebenen Felsrampe ansteigt. Innen wie außen waren die Mauern mit poliertem Rosengranit aus Assuan  verkleidet. Das Kernmauerwerk des Tempels besteht aus gigantischen Kalksteinblöcken aus örtlichen Steinbrüchen. Die Sockelzone weist noch eine Lage der ursprünglichen Verkleidung aus Rosengranit auf. Die Außenseiten des Baus weisen eine Böschung auf. 

Links der Taltempel des Chephren 
- rechts im Bild der südliche Teil des Sphinxtempels - 
Die Mauern des Totentempels bestehen aus gewaltigen Kalksteinblöcken aus den örtlichen Steinbrüchen.

Taltempel des Chephren
Der Zugang erfolgte vom Kai her über zwei Pforten, die früher mit riesigen Türen aus Zedernholz verschlossen waren.

Dieses Bild wurde von seinem Autor Sebi als public domain erklärt                     Bild: Peter Alscher, Amberg

Der ganze Tempel bestand aus riesigen Kalksteinblöcken, die zu einem massiven Quader aufgemauert worden sind. Die Pfeiler und Wände der T-förmigen Halle, wurden aus poliertem Assuan-Granit gearbeitet und der Fußboden dieser Halle war mit unregelmäßigen Alabasterplatten gepflastert. Durch die ausgesuchten edlen Materialien mit ihrer Farbigkeit, dem Rot des Granits, dem Weiß des Bodens und dem Schwarz der Statuen, muss der Raum einst einen sehr feierlichen Eindruck gemacht haben. Es ist aus den inschriftlosen Bauformen alleine nicht mehr zu erschließen, welche Riten dort stattfanden, doch ist aus dem Ort, den der Taltempel im Ganzen der  Pyramidenanlage einnimmt, zu erwarten, dass hier die Ankunft im Totenreich, das "Landen", wie es in der Wissenschaft heißt, gefeiert wurde.

Das Dach dieser grandiosen Pfeilerhalle in Form eines umgedrehten T wurde im Quersaal von sechs monolithischen Granitpfeilern, die spiegelnd poliert waren, getragen. Zehn Pfeiler der gleichen Art trugen das Dach im dreischiffigen Längsraum. Die Pfeiler weisen eine Höhe von 4,15 m auf. Die Beleuchtung der Halle erfolgte teilweise durch schmale Schlitze, die in der Unterseite der flachen Granitdecke gehauen wurden und den ganzen Raum in ein diffuses Licht tauchten. 

      Taltempel des Chephren

 

Von der rechten und linken Ecke der Westwand der Querhalle zweigt je ein Korridor ab; im Süden (links) führt er zu einem Magazintrakt, der aus drei doppelstöckige Magazinen besteht.

 Die oberen Magazine haben Alabasterfußboden und –Verkleidungen, die unteren solche aus Granit. 

 

(Zeichnung: Nefershapiland)

 

Der Korridor an der Nordseite (rechts) steigt bereits in Taltempel beständig an. An der Nordseite liegt ein völlig dunkler, kleiner Raum über dessen Bedeutung noch Unklarheit unter den Wissenschaftlern herrscht. Die Auffassung, dass es sich hierbei um eine "Wächterstube" handelt, ist u. E. aber nicht glaubhaft, da er einen Alabasterfußboden aufweist. Eher besteht die Möglichkeit, dass es dieser Raum zur als Magazin zur Aufbewahrung von Kultgeräten gedient hatte. Gegenüber dieser Kammer führt eine Rampe mit Doppelknick auf das Tempeldach. Das Dach breitet sich auf insgesamt sechs verschiedenen Niveaus über den einzelnen Teilen des Tempels aus und war mit einem Abfluss-System versehen, welches das Regenwasser in Wasserspeier lenkte. 

                  Taltempel des Chephren
Blick nach Osten auf den bereits im Taltempel ansteigenden Gang, der dann in den Aufweg zum Totentempel übergeht.
                         Taltempel des Chephren
Blick aus dem Taltempel nach Westen in den  aufsteigenden Gang, der zum Aufweg führt.
(Dieses Bild wurde von seinem Autor Sebi als public domain erklärt.) (Bild: Thanks to Jon Bodsworth for public domain)

 

Statuengruppen in den Eingangsräumen:

In den beiden Eingangsräumen befanden sich zwei Statuengruppen des Königs mit jeweils den Göttinnen Bastet und Hathor. Diese wurden von Mariette im sogenannten "Brunnen" im Taltempel gefunden. Die stark zerstörte Gruppe des thronenden Chephren mit der Göttin Bastet aus grauem Anarthonitgneis mit hellgrauen, auch gelblichen Flecken und Adern ist ohne Sockel 53 cm hoch und 62 cm breit. Sie befindet sich heute im Museum Kairo (CG 11/ JdE 27385 und CG 1245).

Trotz des fragmentarischen Erhaltungszustandes lässt sich das Aussehen der Gruppe mit ziemlicher Sicherheit rekonstruieren. Links saß Bastet, rechts neben ihr der König. Der König trug den dreigeteilten Kurzschurz und sein rechter Arm mit zur Faust geballter Hand lag auf dem Oberschenkel auf. Wahrscheinlich wurde der König von Bastet umarmt.

  Blick in den nördl. Torraum des Taltempels
In der Nische des Nordraumes befand sich damit die Statuengruppe König – Bastet, in der südliche die König – Hathor. Da die Nischen keine Türflügel aufweisen, fiel bei geöffneten Eingangstoren der Blick und das Licht der aufgehenden Sonne auf die Statuengruppen.

Die Einordnung der Gruppe in das Kultprogramm des Taltempels wird durch den Umstand ermöglicht, dass um die beiden Eingangstore in den Tempel Inschriften erhalten blieben.

Am Nordtor: [Titel des Chephren] mrj Bast.t  anx  D.t

Am Südtor:   [Titel des Chephren] mrj  !w.t - !r.w 
                 
[]anx   D.t
]

Dies weist die Eingangstore und den dahinter liegenden Torraum der Bastet bzw. Hathor zu.

Bild aus HÄB 42)


Als Aufstellungsort der Statuengruppe mit Bastet bietet sich damit die in der Rückwand der Torräume (Westseite), befindliche hochrechteckige Nische an, die mit ihren Ausmaßen (Höhe 2,10m; Breite1,60m; Tiefe 1,50m) genügend Platz bieten würden.

Statuen im Hauptraum oder Pfeilerhalle:

Im Fußboden sind noch die 23 Vertiefungen zu sehen, in denen einst 23 Königsstatuen aus schwarzem Diorit aufgestellt waren. Der Mittelteil des "T-Schenkels" ist breiter und es ist lt. Mark Lehner möglich, dass hier einst 2 Statuen aufgestellt waren, was dann 24 ergäbe. Vielleicht fanden hier zu jeder Tag- und Nachtstunde vor einer Chephren-Statue Räucher- und Trankopfer statt, oder aber die Statuen stellten die vergöttlichten Teile des königlichen Leichnams dar, wie H. Ricke und S. Schott meinten. (Quelle: Mark Lehner: Geheimnis der Pyramiden, S. 126)

                        Taltempel des Chephren
Blick in den nördlichen Teil des Hauptraumes.Deutlich zu erkennen sind die Gruben, in denen die Königsstatuen einst standen.
                           Taltempel des Chephren
     - nördliche Teil des Hauptraum - Blick auf das Mittelteil

 

Bild:      Giza-072 valley temple of Khafre
Autor:   Kairoinfo4U
Lizenz:  CC BY-NC-SA 2.0

Bild: Peter Alscher, Amberg

 

Taltempel des Chephren
- südliche Teil des Pfeilersaales -

                   Taltempel des Chephren
Der megalithische Innenraum des Taltempels. In den Vertiefungen im Boden standen einst Statuen des Chephren und der Götter.
Dieses Bild wurde von seinem Autor Sebi als public domain erklärt. Datei: Khafre valley sockets.jpg
Autor: HoremWeb
Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Im Jahre 1860 fand Auguste Mariette neun dieser Statuen (CG 9 - CG 17) sowie Fragmente einer zehnten Statue (CG 378) in einer Grube (dem sog. "Brunnenschacht") innerhalb des Taltempels. Heute befinden sich diese Statuen und Fragmente im Ägyptischen Nationalmuseum in Kairo - als herausragendes Beispiel sei hier die berühmte Diorit-Statue Chephrens (CG 14) mit dem Horusfalken, dessen Schwingen schützend das Haupt des Königs umschließen, genannt. Bei der Grabung 1909/10 durch die Sieglin–Expedition unter Georg Steindorff und Uvo Hölscher (dt. Ägyptologe 1878- 1963) wurden zahlreiche weitere Statuenfragmente entdeckt.

(zu den Statuen - siehe: Biografie Chephren / Statuen und Bildnisse)

Rekonstruierter Zustand des Hauptraumes im Taltempels zur Zeit König Chephrens 
(Zeichnung:
Walter Wolf/Die Welt der Ägypter)

     Sog. Falkenstatue König Chephren
heute im Museum Kairo CG 14
(Bilds: L. Borchardt 1911) public domain

 

Kultpyramide G II-a

 

           Reste der Kultpyramide Chephrens.

An der Südseite, außerhalb der Pyramidenumfassungsmauer, stand eine kleine Nebenpyramide,  welche von den Ägyptologen als G II-a bezeichnet wird. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren ihre Reste zu sehen, heute ist sie bis auf geringe Reste, wie ein paar Blöcke und die Fundamentspuren im Fels vollkommen verschwunden.

Bild:     Khafre satellite base.jpg
Autor:  HoremWeb
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Früher ging man davon aus, dass es sich bei dieser Pyramide um die Grabstätte einer Gemahlin des Chephren handelt, da in ihr ein Krugverschluss mit Siegel des Königs und einem ansonsten unbekannten Prinzen entdeckt wurde. Diese Theorie wurde von Maragnioglio und Rinaldi als auch von Zahi Hawass vertreten. (siehe Reisner, Mycerinus, 242 - dieser Theorie folgten U. Hölscher und Maragioglio/Rinaldi) Doch existieren in Wirklichkeit keinerlei Beweise, dass diese Pyramide in irgendeinem Zusammenhang mit einer Königin des Chephren steht. Dieses geht auch aus der unterirdischen Form der Anlage mit dem charakteristischen achsenorientierten "T-förmigen" Grundriss hervor, der für Kultpyramiden typisch ist. (vergleiche dazu die Kultpyramide des Cheops und G III-a) Auch das Fehlen einer entsprechenden Totenopferanlage - vermutlich waren nur zwei Stelen und ein Altar an der Ostseite aufgestellt - ist bezeichnend.

Die Kultpyramide besaß eine eigene Umfassungsmauer, die auf allen Seiten einen Abstand von ca. 2,30 m zur Pyramide hatte. Es ist heute kaum noch Material vom Oberbau dieses Bauwerks übrig. Der Aufbau bestand aus Kalksteinblöcken, die aus den nahen Steinbrüchen stammten und mit einer feinen Tura-Kalksteinverkleidung versehen waren. Die Basislänge betrug 21 m (40 Königsellen) und sie erreichte einst eine Höhe von ca. 28,5 Ellen = 15 m/14,20 m. Die Pyramide G II-a war 55 Königsellen = 28,65 von der Basis der Hauptpyramide entfernt und der Winkel betrug 53°/53° 08 gleich der Hauptpyramide. 

Die Substruktur der Kultpyramide war einfach aufgebaut. Der Eingang zu der unterirdischen Kammer lag genau in der Mitte der Nordseite, einst in 1,70m Höhe über der Basis. Der abfallende Gang mit einem quadratischen Querschnitt von 1,05 m und einem Winkel von ca. 20° mündete in einer ostwestlich orientierten, unterirdischen zentralen Kammer 
von 7,86 m 
(15 Königsellen) Länge und 2,63 m (5 Königsellen) Breite und endet nach 11,50 m.
Der Raum hatte eine Höhe von 2,10 m 
(4 Königsellen) und eine flache Decke. Die Wände sind roh behauen, teilweise mit Putz überzogen und völlig schmucklos. 
In der Kammer fanden sich Fragmente von Holzgegenständen, Rinderknochen, zwei längliche Karneolperlen sowie Bruchstücke von Krugverschlüssen aus Lehm, aber keine Fragmente eines Sarkophages. Somit fehlen Indizien, dass diese Kammer einer Bestattung gedient haben könnte. Die Holzfragmente konnten von Ahmed Youssef zu einem Altar rekonstruiert werden.
Einer der Siegelabdrücke stammt von einem bisher unbekannten Prinzen des Chephren, der die Titel „der älteste leibliche Königssohn, von ihm geliebt, der einzige Freund“ trug. 

Der Schacht westlich der Kultpyramide:

1960 entdeckte die ägyptische Antikenverwaltung bei Reinigungsarbeiten ca. 5 m/4,55 m westlich der Nebenpyramide G II-a eine Schachtöffnung, die exakt in der Ost – West – Zentralachse der Kultpyramide liegt. Auf der Geländeoberfläche deutet nichts auf die Existenz eines weitern Graboberbaus oder auf sonst eine Einrichtung hin. 

Von der Schachtöffnung führt ein schräger Korridor von 7,10m Länge mit quadratischem Querschnitt von 0,80 cm nach Osten in die Tiefe. Bei der Freilegung des Korridors stellte man fest, dass dieser noch mit drei Kalksteinblöcken original verschlossen war, die eine Länge von 1,80 m, 1,35 m und 1,20 m hatten. Am Ende des Korridors entdeckte man in dessen Südwand eine 1,19 x 0,62 m x 62 cm tiefe Felsnische, in der ein mit Schnüren verschlossener Holzkasten lag. In dieser Kiste fand man das sog. enigmatic wodden objekt, es handelt sich um ein zerlegtes (zerhacktes) Holzgerüst aus Zedernholz. Von seiner Größe und Form her diente es wohl, auf einem Schlitten befestigt, für den Transport einer Statue (Grabstatue), die eventuell in der Kultpyramide bestattet worden war. 

Dieser Befund (vorausgesetzt seine Deutung ist richtig) zeigt uns, wie heilig und machtbeladen alles war, was mit dem Tod und der Bestattung des König in Berührung gekommen war, so dass selbst das Transportgestell einer Königsstatue rituell begraben und durch schwere Steine versiegelt werden musste. Im zusammengesetztem Zustand stellt das Objekt ein schreinförmiges Holzgerüst mit hohlkehlartigem Dachabschluss dar. An mehreren Stellen der Holzverstrebungen waren Bearbeitungs-  und Gebrauchsspuren sowie eingelassene Kupferösen zu erkennen, die auf eine Befestigungsvorrichtung hindeutet. Ahmed Youssef hat die Teile wieder zusammengesetzt; dabei ergab sich, dass es sich um eine sog. "sah netjer" (Gotteskabine) handelt, von denen man weiß, dass damit Statuen des Verstorbenen zum Grab transportiert wurden. Wahrscheinlich war dies wohl auch in diesem Falle so, da das Gestell mit der Statue in Berührung gekommen war, musste sie kultisch zerstört und beigesetzt werden. Aufgrund der Position des bestatten Holzgerüsts gibt es wohl kaum Zweifel, dass es in Verbindung mit der Kultpyramide zu erklären ist. Wie oben schon erwähnt, wurde damit eine Königsstatue zur Kultpyramide transportiert, die dort aufgestellt oder gar beigesetzt wurde. Da das Holzgerüst durch den Kontakt mit der magisch belebten Königsstatue mit königlichen Mächten „geladen“ war, musste es wohl ähnlich wie die königlichen Boote rituell beigesetzt werden. Offen bleibt allerdings, warum nicht auch der Schlitten zerlegt und rituell bestattet wurde. Die Ägypter scheinen alles was mit dem Toten in Kontakt gekommen war, sorgsam zerlegt und getrennt  beigesetzt  zu haben – siehe die Schiffe des Cheops.

Rekonstruktion  des Statuentragschreines, dessen Stücke unter der Nebenpyramide des Chephren gefunden wurden - hier auf einem Transportschlitten. Eine ähnliche Abbildung wurde auf einem Relief im Grab der Meresanch III. gefunden.

(
Zeichnung: nach Lacovara und Mark Lehner - bearbeitet von  Nefershapiland)

 (Co-Autor: J. H. Pirzer)


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