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Die große "Sphinx" von Giseh ist mehr als nur ein Symbol des alten und modernen Ägyptens. Über Jahrhunderte hinweg reizte sie das Vorstellungsvermögen von Dichtern, Wissenschaftlern, Abenteurern und Reisenden. Obwohl sie Hunderte Male vermessen, beschrieben und mit Hilfe modernster technischer Hilfsmittel erforscht und auf wissenschaftlichen Spezialkonferenzen diskutiert wurde, bleibt eine grundsätzliche Frage unbeantwortet: Wer erbaute sie wann und warum?
Die Große Sphinx (die Ägypter nennen sie "Abu el-hol = Vater des Schreckens") stellt eine Kolossalstatue eines liegenden Löwen mit einem Herrscherkopf dar. Sie ist über 70 Meter lang, 20 Meter hoch und galt lange Zeit als die größte Statue der Welt.
Das Monument wurde aus dem Vorsprung eines Kalkstein-Felsuntergrunds gemeißelt und erhielt durch die Erosion sein heutiges Aussehen.Bild: Elvira Kronlob Die meisten Ägyptologen sind der Auffassung, dass Chephren den Sphinx als Teil seiner Pyramidenanlage erschaffen ließ, in neuerer Zeit gibt es allerdings auch Ägyptologen, die davon ausgehen, dass Cheops der Bauherr der Sphinx war (siehe dazu Rainer Stadelmann). Er steht zwar nördlich der Rampe des Chephren, doch reicht dies allein nicht aus, um ihn dem Bereich der Cheops-Pyramide zuzuordnen, mit der er weder topographisch noch architektonisch etwas gemeinsam hat. Allerdings reicht es auch nicht, im Sphinx das Abbild des Chephren zu sehen, sondern man muss, soweit möglich, seine Daseinsberechtigung und Bedeutung ermitteln. Nach allgemein akzeptierter Meinung, die sich bei Selim Hassan und späteren Autoren findet, war der Sphinx der Wächter der Grabanlage und generell der Nekropole. Aber auch diese Zuordnung bleibt vage und beruht auf fragwürdigen Verknüpfungen, Sphingen als Repräsentanten des Königs dienen nämlich nicht als Beschützer. (Quelle: Christinae Zivie-Coche in "Sphinx" - das Rätsel des Kolosses von Gisa, 2004)
Der Name der Sphinx ist erst aus der 18. Dynastie bekannt. Er lautet "Harmachis", d. i. "Horus im Horizonte", und sie wird auch als Chepri-Rè-Atum, welches "die als jugendlicher Chepri-Käfer aufgehende, als König Rè den Tag beherrschende, als uralter Atum untergehende Sonne" gesehen.
Der "Sphinx" ragt seit mehr als vier Jahrtausende aus dem Sand der ägyptischen Wüste, wobei er die meiste Zeit bis auf den Kopf von Sand bedeckt war, was aber zu seiner Erhaltung beitrug. Sie ist die erste wirklich kolossale Königsskulptur im Alten Reich. Ihm folgten andere überlebensgroße Statuen, von denen aber keine die Größe der Sphinx nahe kommt. Von den Proportion her erscheint der Kopf im Verhältnis zum Löwenkörper etwas zu klein, was von den Forschern dahingehend erklärt wird, dass er in der Vergangenheit mehrmals "umgearbeitet" wurde. Der Menschkopf der Sphinx ist im Maßstab von 30 : 1 und der Löwenkörper in dem kleineren Maußstab von 22 : 1 nachgebildet.
Fragmente des Königsbartes der Sphinx
heute in London EA 58
(Bild: Thanks to Jon Bodsworth pub. domain)
Die Sphinx trug einst einen Königsbart, dessen Fragmente die Napoleon-Expedition entdeckt hatte, nach der Niederlage bei Abukir aber der siegreichen englischen Armee übergeben werden musste.
(Bild: Peter Alscher)Der Sphinx ist das einzigste Beispiel für eine Kolossalskulptur, die als Vollplastik direkt aus dem natürlich gewachsenen Felsen gemeißelt wurde. Die genau ostwestlich orientierte Sphinx trug das "Nemeskopftuch" mit einer "Uräusschlange" an der Stirn, deren Kopf abgebrochen ist. Einen Teil des Kobrakopfes fand Caviglia bei seinen Grabungen, doch konnte man bis heute nicht ermitteln, ob dieser von Anfang and Teil der Plastik war oder bei späteren Reparaturen angefügt wurde. Am Kinn trug die Sphinx den Königsbart, von dem sich heute Fragmente in den Museen London und in Kairo befinden.
Die auf den Schultern ruhenden Tuchspitzen des Nemeskopftuches sind schon lange nicht mehr vorhanden, so dass der stark verwitterte Hals ungeschützt ist. Emile Baraize ließ den Hals der Kolossalskulptur im Rahmen der umfassenden Reinigungs- und Ausbesserungsarbeiten unter Federführung der Altertümerverwaltung im Auftrag der Universität Kairo an mehreren Stellen ausbessern und die fehlenden Stellen teilweise ergänzen. Der Scheitel ist sehr flach und mit einer Öffnung versehen.
Der Löwenkörper besteht aus Rumpf, Vorder- und Hinterbeinen sowie einem Schwanz, der sich um den Oberschenkel des rechten Hinterbeins windet. Die Vorderläufe sind ausgestreckt und liegen parallel zueinander in der Körperachse. Die Hinterläufe sind an den Flanken angewinkelt. Die Rückenoberseite ist sehr flach und weist Risse sowie eine Vertiefung auf, die von Mariette einst genauer untersucht wurde, da er meinte es handle sich hier um ein Schachtgrab. Aber es handelt sich lediglich um einen natürlichen Hohlraum im Gestein. Der Körper war ursprünglich mit rötlicher Ockerfarbe bemalt. Reste davon sind auch auf der Kopfbedeckung deutlich sichtbar.
Das Material des Sphinx, der anstehende Kalksteinfels der Mokattam-Formation, entstand vor 50 Millionen Jahren aus Sedimenten, welche sich am Grund eines Meeres ablagerten, das im Mittleren Eozän Nordostafrika überspülte. An der Nord-Nordwestseite des Plateaus bildete sich im Laufe der Jahre ein Damm heraus, welcher von Nummuliten besiedelt wurde. An der südlichen Böschung des Dammes breitete sich eine Sandbank und ein Korallenriff aus. Über dem heutigen Süd-Südostteil des Plateaus entstand nach dem Rückzug des Meeres in Richtung Norden eine flache Lagune. Der Karbonatschlamm, der sich in der Lagune ablagerte, versteinerte zu jenen Schichten, aus denen die Bauleute des Altertums fünfzig Millionen Jahre später, 4500 Jahre vor unserer Zeit, ihre Kalksteinblöcke brachen.
Der Sphinx wurde aus den untersten Schichten der Mokattam-Formation herausgemeißelt. Die Bauleute trennten mit einem tiefen U-förmigen Graben ein gewaltiges Rechteck aus anstehendem Felsen ab, aus dem die Sphinx-Skulptur gearbeitet werden sollte. Der Graben ist nach Osten hin offen, wo die Arbeiter bereits eine breite Terrasse aus dem harten spröden Riffkalkstein gehauen hatten. Am Südende dieser Terrasse errichteten die Bauleute Chephrens Taltempel aus gewaltigen schweren Kalksteinblöcken. Am Nordende, direkt unterhalb der ausgestreckten Pranken des Sphinx, bauten sie ebenfalls aus riesigen ganz in der Nähe gebrochenen Kalksteinblöcken den Sphinxtempel.
Die große Sphinx - unausgegraben
- im Hintergrund die Cheops-Pyramide -Die große Sphinx von Giseh - heute - (Bild: Francis Frith 1858 - dieses Bild ist gemeinfrei, da die Schutzfrist abgelaufen ist) Bild: Jon Bodsworth - public domain Abgesehen von den modernen Restaurierungen lassen sich anhand bestimmter Faktoren drei unterschiedliche Reparaturphasen nachweisen, denn der Zuschnitt der Quader, die Qualität des Steins, der verwendete Mörtel und die Werkzeugspuren sind je nach Epoche unterschiedlich. In den beiden ersten Phasen verwendete man die gleiche Art Tura-Kalkstein, doch bestehen hinsichtlich der übrigen Kriterien deutliche Abweichungen. In der letzten Phase wurde ein brüchiger Stein verwendet.
Während der ersten Restaurierungsphase, die wahrscheinlich unter Thutmosis IV. stattfand, setzte man vermutlich den gesamten Körper instand. Dieser ließ dabei zugleich seine berühmte "Traumstele" zwischen den Läufen des Sphinx aufstellen. Alle Arbeiten fanden mit den vor Ort vorhandenen Baumaterialien statt. Die Stele von Thutmosis IV. ist eigentlich die Rückseite eines Türsturzes, der zweifelsfrei aus dem Totentempel des Chephren stammt. Die Handwerker Thutmosis IV. verkleideten den Körper der Sphinx mit großen Kalksteinplatten. Zu dieser Zeit war der aus der mittleren Felsschicht geformte Kernkörper der großen Sphinx bereits stark zu einem Profil aus weit nach innen zurücktretenden Lagen und abgerundeten Vorsprüngen erodiert. Darauf weisen die Auffüllungen aus der
1. Phase der Restaurierungen hin. Von der Skulptur drohten große Brocken gewachsenen Felsens abzufallen. Riesige Felssteine hatten sich im Altertum am oberen Teil des Rumpfes und an der linken Hinterseite gelöst, die von Reparaturarbeiten an ihren Platz gehalten wurden.Die zweite Phase umfasste wie die erste die Instandsetzung der Verblendung, die ihrerseits im Laufe der Jahrhunderte verwittert war. Einiges spricht dafür, diese Arbeiten in der 26. Dynastie erfolgte. Historisch fällt diese Sanierung in eine Phase intensiver Aktivität auf dem Giseh-Plateau.
Nochmals saniert wurde der Sphinx in römischer Besatzungszeit unter den Kaisern Marcus Aurelius (161-180) und Septimius Severus (193-211), die vor der Stele zwischen den Vordertatzen einen Treppenaufgang errichteten, das Pflaster wiederherstellten und weitere Umfassungsmauern um den Sphinx bauten.
Nach diesen antiken Restaurierungsarbeiten folgte eine lange Unterbrechung. Die letzte große Reinigung des Sphinx-Areals nahm in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts der französische Archäologe Emile Baraize (1874-1952) vor, der den Sphinx bis zu dem Steinsockel freilegte und verwitterte Stellen mit Kalkstein und Mörtel "reparierte".
Vor ihm widmete besonders Caviglia in den Jahren 1816-1818 der Sphinx seine Aufmerksamkeit und fand dabei u. a. Fragmente des Bartes, welche sich heute im Britischen Museum in London befinden. Bei der Suche nach "geheimen Kammern" bohrte Perring in der Umgebung der Sphinx Öffnungen, durch die jetzt Schadstoffe in den Untergrund gelangen und das Monument beschädigen. Auch Mariette, Maspero und andere haben das Monument untersucht. Der ägyptische Archäologe Selim Hassan (1886-1961) grub ein Jahrzehnt nach Emile Baraize eine Lehmmauer aus, welche den Sphinx umgibt und fand dabei einen Ziegel mit der Aufschrift "Thutmosis IV." Das Ergebnis seiner archäologischen Untersuchungen aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts fasste Selim Hassan in einem der Standartwerke über den Sphinx, "the Great Sphinx and Its Secret", zusammen.Die letzte, große Restaurierung, unter Leitung von Zahi Hawass wurde 1998 mit der feierlichen Einweihung der „rundum erneuerten" Sphinx am 25. Mai 1998 abgeschlossen.
Sphinx von hinten
Sphinx - seitliche Ansicht
Bild: GD-EG-Caire-Gizeh021.JPG
Autor: Gérard Ducher
Lizenz: Cretive Commons Attribution-Share Alike 2,5 GenericBild: Elvira Kronlob Der amerikanische Ägyptologe Mark Lehner arbeitete unter Federführung des American Research Center in Kairo anlässlich der jährlichen Grabungskampagnen an einer vollständigen computergestützten Aufnahme des Geländes. Mittels Bildmessungsverfahrens erstellte er erstmals einen Grundriss des Sphinx und des dazugehörigen Temenos und stellte dabei fest, dass vor der Brust der Sphinx unter dem Bart eine aufrecht stehende Statue des Königs stand. Die Reste der Statue sind schon früher einigen Forschern (darunter Uvo Hölscher) aufgefallen, doch hielten sie diese für eine spätere Ergänzung aus dem Neuen Reich. Von den kleinen Stelen aus der Zeit des Neuen Reiches, die Selim Hassan in der Nähe des Sphinx fand, zeigen mehrere eine Königsstatue an der Brust des Sphinx. Die Statue auf einer dieser Stelen ist mit dem Namen Amenophis III. bezeichnet. Als Sockel muss ein großer Mauerstein hinter der Traumstele gedient haben. Die von Henry Salt in Zeichnungen festgehaltenen Ausgrabungen Caviglias zeigen einen Steinhaufen vor dem Sphinx, der vielleicht die Königsstatue von hinten gestützt hatte.
In der Mitte der Brust der Sphinx existiert eine breite Lücke, zu der die Überreste einer kleinen, zwischen die Pranken der Sphinx gezwängten Freiluftkapelle passen. Thutmosis IV. ließ in der 18. Dynastie das Kernstück der Kapelle, eine 3,60 Meter hohe und 15 Tonnen schweren Granitstele errichten. Im Text der Stele berichtet König Thutmosis IV. folgendes:
Thutmosis war noch ein junger Prinz, anscheinend aber nicht der Kronprinz, als er eines Tages in der Nähe von Giseh auf Jagd ging. Er schlief gegen Mittag im Schatten der Großen Sphinx ein und im Traum erschien ihm der Sonnengott "Harmachis" in Verkörperung der Großen Sphinx. Er verhieß ihm die Königswürde als Gegenleistung dafür. dass er dem schon verfallenen göttlichen Körper der Skulptur vom Sand befreite.
Thutmosis räumte den Sand tatsächlich beiseite und wurde im Jahre 1401 v. Chr. König über Ägypten.
Der ehemalige Türsturz aus dem Alten Reich wurde zu einer Stele umgearbeitet und zwischen den Pranken der Kolossalfigur der Sphinx aufgestellt. Ebenso wie auf der Stele Amenophis II., die im Nordosten der Sphinx von Selim Hassan 1936 in einer Kapelle aus ungebrannten Ziegeln freigelegt wurde, findet sich im oberen Teil die Darstellung von zwei Rücken an Rücken ausgestrechten Sphingen auf einem hohen Sockel, vor denen Thutmosis Weihrauch, Trankopfer und Wasserkanne darbietet. Erosionsbedingt weisen die untersten Zeilen des zwanzigteiligen Textes viele Lücken auf und gaben deshalb Anlass zu bestenfalls gewagten Interpretationen.
Das Dokument ist datiert auf das Jahr 1 und stammt aus der Jugend des Königs. Siehe dazu:![]()
Der Text beginnt mit der traditionellen Anrufung der Götter Re, Harachte, Chepre und Atum - hier zeigt sich der klare Einfluss von Heliopolis. Danach folgen einige Sätze zu den weidmännischen und sportlichen Großtaten des Königs, wozu als Schauplatz das Plateau von Giseh diente, dann folgt die "Traumsequenz" im Schatten der großen Sphinx.
Die Sphinx von Giseh
aus westlicher Richtung betrachtet.Sog. "Traumstele" Thutmosis IV. von Giseh
1816 fand Caviglia auf dem Granitaltar eine Kalksteintafel. Die Granitstele von Thutmosis IV. ist der Überrest einer Königskapelle, die sich an der Basis der Sphinxbrust befand. Thutmosis ließ in den oberen Teil der "Traumstele" eine aus seinem ersten Regierungsjahr stammende doppelte Szene eingravieren, die ihn bei der Darbringung des Trankopfers und von Opfergaben für die Sphinx darstellen.
Datei: Great Sphinx with Stelae.jpg
Autor: Chanel Wheeler
Lizenz: Creativ Commons - Namensnennung, Weiter-
gabe unter gleichen Bed. 2.0 US-amerik.Vor der Sphinx lag eine breite Aussichtsplattform mit Treppenaufgang, die erste und unterste von mehreren Plattformen, welche alle mit Schreinen und Podien versehen und nacheinander übereinander gebaut waren. Die letzten der Plattformen stammten aus der Römerzeit. Ein königliches Landhaus entstand an der Vorderseite von Chephrens Taltempel. Tutanchamun ließ hinter dem Taltempel eine Art "Rasthaus" errichten, welches dann von Ramses II. später in Besitz genommen wurde, indem er den Namen Tut-anch-Amuns und seiner Königin Anchesen-Amun über dem Eingang mit seinem eigenen Namen überschreiben ließ. Thutmosis IV. baute außer einer Umfassungsmauer rund um den Sphinxgraben eine mit Bollwerken versehene Mauer, eine Umwallung, die ein noch größeres Gebäude rund um den Sphinx umschloss.
Die Pharaonen des Neuen Reiches haben für die Restaurierung der Sphinx Steine aus Chephrens Pyramidenanlage verwendet. Die Fundamente eines auf der Vorderseite von Chephrens Taltempel errichteten königlichen Landhauses aus der Zeit der 18. Dynastie standen auf der untersten Lage dereinstigen Granitverkleidung. Es ist des weiteren auch gut möglich, dass Thutmosis IV. für die Restaurierung der Sphinx Blöcke vom Aufweg des Chephren verwenden ließ.
| Sphinxtempel: |
Der sog. "Sphinxtempel" oder "Harmachistempel des Chephren" (da der Sphinx in der 18. Dynastie eine Erscheinungsform des "Horus im Horizont" darstellte, wurde der Sphinxtempel von Herbert Ricke auch als "Harmachistempel" bezeichnet) liegt eingekeilt zwischen der Felsenwand im Norden, dem Taltempel im Süden und der Sphinx im Westen. Er wurde geplant und gebaut, nachdem Taltempel und Sphinx bereits fertiggestellt waren. Er ist nach dem Taltempel hin ausgerichtet und seine Front und Rückwand liegen in einer Flucht mit Front und Rückseite des Taltempels, während seine südliche Außenwand parallel zu der im stumpfen Winkel nach Norden von der Front abgehenden Nordwand des Taltempels verläuft. Der 5,50 Meter breite und 44,70 Meter tiefe Stein-Tempel überlagert einen beträchtlichen Teil einer früher vor der Sphinx angelegten Plattform und ihrer 2 Meter tiefer gelegenen Fortsetzung nach Osten.
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Der Sphinx von Giseh - im Vordergrund der sog. "Sphinxtempel" |
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| Bild: Giseh
23.jpg Autor: Olaf Tausch Lizenz: CreativeCommons Attribution-Share Alike 3.0 Unported |
Bild: Thanks to Jon Bodsworth for public domain |
Zur Bedeutung des Sphinx-Tempels gibt es abweichende Meinungen, so drückt sich Herbert Ricke in seinem Buch "Der Harmachistempel des Chefren in Giseh" sehr vorsichtig aus und meint, dass der Tempel "irgendwie auf die Sphinx bezogen ist". Für ihn war der Tempel nicht ein Tempel der Sphinx, sondern des Sonnengottes. Siegfried Schott hingegen setzt in seinem Beitrag "Ägyptische Quellen zum Plan des Sphinxtempels ", welcher mit Rickes Buch in einem Band vereint ist, sehr eindeutig die Bezeichnung "Sphinxtempel" an und spricht vom "Tempel der Sphinx" und "diesem eigens der Sphinx bestimmten Tempel (S. 52 u. 77)", begründet aber diese Zuordnung nicht ausdrücklich.
In dem stark beschädigten Tempel sind keinerlei Überreste von Inschriften erhalten geblieben, daher kann man über die Symbolik der Architektur bei einem Tempel, zu dem es keine Texte gibt, nur spekulieren.
Als Mariette Mitte des 19. Jahrhunderts den Taltempel des Chephren entdeckte, bezeichnete er ihn wegen der Nähe zur Sphinx-Statue als "Sphinxtempel" Er legte ihn frei und fand die Statuen des Königs. Baraize und später Selim Hassan legten nur wenig nördlich vom Taltempel Teile eines weiteren Tempels frei, der bis dahin unentdeckt geblieben war, weil er unter Abraum verborgen lag, welcher sich bis über Dachhöhe anhäufte und als Sockel für darüber liegende Bauten diente. Aber erst 1965-1967 konnte der Tempel vollständig ausgegraben und untersucht werden.
Herbert Ricke, der die Ausgrabungsarbeiten leitete, konnte trotz des sehr schlechten Erhaltungszustandes des Tempels nachweisen, dass der Sphinxtempel nicht fertiggestellt und die vorgesehene Außenverkleidung aus Granit nie angebracht wurde. Da mag erklären, warum sich in den Gräbern des Alten Reiches in Giseh keine Sphinx-Tempelpriester und -priesterinnen finden - vielleicht hat der Tempeldienst nie begonnen. Das Innere des Tempels wurde dagegen mit Granit ausgekleidet und der Fußboden mit Alabaster plattiert. Man betrat das in Ost-West-Richtung stehende Gebäude durch zwei Türen, die über zwei mit Nischen versehene Korridore zu einem nicht überdachten Hof führten. Rings um den Hof verlief eine zweite Kolonnade aus 24 monolithischen Granitpfeilern, die in zwei Bauphasen errichtet wurde, wobei jede Seite sechs Pfeiler umfasste. Darüber hinaus flankierten im Osten und Westen jeweils zwei weitere Pfeiler eine Nische. Im Nordteil des Hofes soll ein Opferaltar gestanden haben, der mit einer Ablaufrinne für Flüssigkeit versehen war.
Dabei sind zwei Bauphasen feststellbar; nachträglich wurde der Tempelhof verändert, nachdem das Mauerwerk im Tempelinneren bereits mit Granit verkleidet war. Der Hof wurde nach Norden und Süden durch Pfeilerhallen erweitert, was in dem vorgerückten Baustadium des Tempels eine kostspielige Angelegenheit war. Nach dem Umbau besaß der Tempel 24 quadratische Pfeiler (vorher 12), die wohl die 24 Stunden des Sonnenumlaufs bezeichneten.
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Überreste des Sphinxtempel |
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Bild: Sphynx Temple.jpg Autor: HoremWeb |
Der Plan des Kalksteintempels der Sphinx ist ungewöhnlich. Er besaß im Zentrum einen offenen zentralen Hof, an dessen Seiten vor breiten Pfeilern rundum 10 Kolossalstatuen des Chephren standen. Dieser Zentralhof ist mit seinen Kolossalstatuen des Königs, die vor riesigen Säulen stehen, deren Kern vor Ort gebrochene Kalksteinblöcke bilden, fast eine Kopie des Chephren-Totentempels. Hier sind es statt 12 aber nur 10 Statuen, vielleicht aus Platzmangel?
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Sphinxtempel Der offene Hof diente wahrscheinlich zur Einbeziehung des Sonnenlichtes in den Königskult. Vermutlich war die Architektur nach der Sonnenbahn ausgerichtet, da sich im Osten und Westen des Hofes nach innen abgestufte Hallen aus monolithen Granitpfeilern befinden.
(Zeichnung: Thanks to HoremWeb (Wikipedia)
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Die Statuen standen in vor den Säulen in den Fußboden gehauenen Vertiefungen, so dass ihre Basis auf gleicher Höhe wie die Alabasterfliesen lag, mit denen der Felsuntergrund gepflastert war. Passend zu den Standbildern war jede Hofsäule mit Rosengranit verkleidet.
Auf der Ost- und Westseite verbreiterte sich die Pfeilerreihe zu einem Portikus vor einer tiefen Nische. Der Bau war, ähnlich wie der benachbarte Taltempel, von Osten her über zwei Eingänge zugänglich. Der Mauerkern wurde teilweise aus den Kalkfelsen gemeißelt und mit Granitblöcken verkleidet, die heute größtenteils verschwunden sind. Der Boden bestand aus polierten Alabasterplatten. Der Sphinxtempel besitzt zwei Sanktuare, eines am östlichen und eines am westlichen Ende. Beide liegen jeweils im rückwärtigen Teil einer großen Nische, wie man sie zum ersten Mal im Totentempel des Chephren findet. Es ist lt. dem amerikanischen Ägyptologen Mark Lehner möglich, dass sich diese vielleicht auf die auf- und untergehende Sonne bezogen. Als die Granitverkleidung der Innenwände noch intakt war, bildete das Ostheiligtum ein klar definiertes heiliges Kämmerchen. Ricke interpretierte die zwei Säulen vor jedem Heiligtum als "Arme und Beine der Göttin Nut".
Mark Lehner kommt nach seinen langjährigen Forschungen zu den Schlussfolgerungen, dass, nachdem die Bauleute aus der Zeit der 4. Dynastie den Taltempel der Chephren-Pyramide errichtet und abgeändert hatten, diese den Sphinx und den Tempel vor der Skulptur als Fortsetzung ein und desselben Steinbruch- und Bauprojekts schufen. Sie vollendeten aber trotz der gewaltigen Größe der Skulptur und des großartigen neuen Sphinxbildes den Tempel nicht, und so nahm man in der Zeit der 4. Dynastie den Kultbetrieb im sog. "Sphinxtempel" nie auf!