Erbauer: Mykerinos (um 2530-2510 v. Chr. ) n. Th. Schneider)

Der Erbauer der dritten Pyramide von Giseh, war ein Sohn des Chephren. Der ägyptische Name des Cheops-Enkels war MenkaAure (Menkaure), während der heute gebräuchliche Name Mykerinos von Herodot verwendet wurde. Er war Nachfolger einer der kurz regierenden Söhne des Djedefrea, mit Namen BaAka (Baka). Menkaure ist der Sohn des Chephren und der Chaamerernebti (I.)

Geburtsname:
(nach Schneider)
Mn - kAw - Ra (Men-kau-Re)
                               "Mit bleibenden Ka-Kräften 
                                ein RE"
Horusname:
(nach Schneider)
KA - Xt                ("Stier der Götterschaft")
Nebtiname:
(nach Schneider)
KA - Nbtj           ("Stier der beiden Herrinnen")
Goldname:
(nach Schneider)
NTr-nbw nTrj   ("Göttlicher Goldfalke")
weitere Namen: Mykerinos (Herodot), Mencheres (bei Manetho),
Epoche - Dynastie:

Altes Reich -         nach Th. Schneider)
4. Dynastie           (um 2530-2510 v. Chr.)

                               nach J. v. Beckerath)
                              ( 2514-2486 v. Chr.)
                                            
nach Turiner Papyrus       18 Reg.-Jahre
nach Manetho                    63 Reg.-Jahre
                      
6. König der 4. Dynastie

Diese Triade von Mykerinos, der hier zwischen Hathor und einer Gaugottheit, steht, ist aus Schiefer und wurde im Taltempel gefunden.
( Ägypt. Museum Kairo.)
Vater:
Mutter:
Gemahlinnen:

Chephren    (nach Schneider)

Chaamerernebti I. (nach Schneider)
Cha
amerernebti II.
mind. 2 weitere nichtbekannte Gemahlinnen

Geschwister des Mykerinos:

Anchemra                                     (nach Schneider)
Chamerernebti II.                        (nach Schneider)
Dura                                              (nach Schneider)
Hemetra I.                                    (nach Schneider)
Nebemachet                                 (nach Schneider)
Niusera                                         (nach Schneider)
Rechet-Ra                                    (nach Schneider)
Schepsesetkau                             (nach Schneider)
Sechemkara                                 (nach Schneider)

Kinder:

Schepseskaf                                         (nach Schneider)

Während ihm Manetho die zu hohe Regierungszeit von 63 Jahren zuweist, nennt der Turiner Papyrus nur 18 Jahre. Jürgen von Beckerath resultiert daraus eine wahrscheinliche Regierungsdauer von ca. 28 Jahren.

Mykerinos kehrt mit seinem Pyramidenbau nach dem kurzen Zwischenspiel des Baka/Bicheris wieder nach Giseh zurück. Aus seiner Regierungszeit sind keine Ereignisse bekannt. Von ihm an erkennt man eine Veränderung des theologischen Weltbildes. Nunmehr ist der König Sohn des Sonnengottes. Dieses erkennt man an der stark reduzierten Größe der Pyramide und der gleichzeitigen Vergrößerung des Verehrungstempels.

Um die 3. Pyramide ranken sich zahlreiche Legenden, wie u. a. Herodot zufolge, gehörte die Pyramide der Prinzessin Rhodopis. Aus Geldmangel für den Bau seiner eigenen Pyramide habe Cheops angeblich seine Tochter zur Prostitution gezwungen. Die Prinzessin forderte daraufhin von jedem ihrer Liebhaber einen zusätzlichen Stein. Mit der Zeit haben sich so viele davon angesammelt, dass sie sich eine eigene große Pyramide davon errichten hat können. Manetho zufolge gehörte die Pyramide der schönen Nitokris, der blonden Königin mit dem rosigen Teint.

Die beiden bekanntesten Statuen-Gruppen von ihm sind eine Dreiergruppe aus Schiefer (Grauwacke), die Mykerinos (Menkaure) mit der Weißen Krone zeigt, während rechts neben ihm die Göttin Hathor mit der Sonnenscheibe und Kuhhörnern als Kopfschmuck dargestellt ist. Die Links neben ihm stehende weibliche Person stellt  eine Personifikation des Schakalgaues (17. oberägyptische Gau) dar.  (Kairo - Ägyptisches Museum.) Eine Inschrift vor ihren Füssen erwähnt, dass dieser Gau dem König die besten Dinge unter allen Opfergaben Oberägyptens dargebracht habe.

Eine weitere Doppelstatue, ebenfalls aus Schiefer, zeigt Mykerinos und seine Gemahlin Chamerernebti II. Bemerkenswert ist die Geste, mit der ihr rechter Arm ihn umfängt und ihre Linke auf seinen linken Arm ruht.

Doppelstatue und Triade des Königs - Fundort Giseh, Taltempel des Mykerinos, Grabung Harvard/Bosten 1908, Altes Reich, 4. Dynastie


 - Göttlich ist die Pyramide 
des Menkaure -

Mykerinos/Menkaure Pyramide:

Der Sohn des Chephren wählte seinen Pyramidenbezirk in Giseh, etwa 450m südwestlich der Chephren-Pyramide aus.  Die Pyramide des Menkaure, von den Griechen Mykerinos genannt, ist die kleinste in der Pyramidengruppe von Giseh. Möglicherweise war in Giseh einfach kein Platz mehr für eine weitere Riesenpyramide. Aber auch andere Fakten spielten sicherlich eine Rolle, wie die Spekulation, dass der König als Sohn des Sonnengottes sein Hauptaugenmerk auf die Tempel und ihre Ausstattung haben musste, und die Pyramide als sein persönlicher "Grabstein" eher zweitrangig war. 

Während der 4. Dynastie verlagerte sich die Repräsentation des Königtums von der beeindruckenden Masse der Pyramiden auf die angegliederten, betretbaren Räume der Tempelanlagen mit ihren vielen Statuen, den Reliefs und dem täglich durchzuführenden Kult. So war zwar das göttliche Königtum als Amt geblieben, doch war der König selber nicht mehr von unsterblicher, gottähnlicher Stellung. Durch den aufwendigeren Kult sollte diesem Wertverlust entgegengewirkt werden.

Da Menkaure (Mykerinos) nach mindestens 26-28 Jahren Regierungszeit starb, blieb der Pyramidenkomplex unvollendet. Der beim Tod des Menkaure noch nicht fertiggestellte Opfertempel an der Ostseite der Pyramide, wurde später von seinem Sohn Schepseskaf vollendest. Allerdings wurde die Ergänzung des Opfertempels nicht wie üblich in Naturstein errichtet, sondern in großer Eile mit Lehmziegel vollendet.

Schon der Historiker Diodor überlieferte uns die Inschrift mit dem Namen des Mykerinos. Die arabischen Historiker des Mittelalters waren Augenzeugen der voranschreitenden Zerstörung der Pyramide. Die Verkleidung war bereits am Ende der dreißiger Jahre des 17. Jahrhunderts zu einem großen Teil abgerissen worden. Im 19. Jahrhundert ließ der Statthalter Muhammad Ali (1805-1848 n. Chr.) Rosengranitblöcke aus der Verkleidung für den Bau des alexandrinischen Arsenals verwenden.

1837 untersuchten Richard William Vyse und John Shea Perring den Bau, wobei sie zunächst einem Tunnel folgten, den einst Caviglia in einer tiefen Bresche in der Nordwand gegraben hatte. Später entdeckte man auch den eigentlichen Eingang. 

Geringe Aufmerksamkeit widmete die Lepsius-Expedition der Pyramide des Menkaure und auch Petrie beschäftigte sich nur kurz Anfang der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts mit ihr.

Bei der Auslosung für die  Grabungslizenzen für das Giseh-Plateau im Jahre 1899 im Mena-House-Hotel, ging die Konzession für die Mykerinos-Pyramide an George Reisner mit seinem Team der Harvard University und des Bostoner Museums of Art. Reisner, der wusste, dass die Pyramide zwar die Kleinste von den Dreien war, ihre Tempel aber die reichsten Funde versprach, konnte die Geschichte der Pyramide weitgehend rekonstruieren, da er seiner Zeit bezüglich der Grabungs-  und in der Aufzeichnungstechnik weit voraus war. Er beschäftigte sich  in einer gründlichen archäologischen Untersuchung des gesamten Komplexes in den Jahren 1906 - 1924 mit der Pyramide und der Grabkammer, die Königinnenpyramiden, den Totentempel sowie den Aufweg und den Taltempel.

Die Pyramide in Zahlen

Name in der Antike:  "Göttlich ist die Pyramide des Menkaure."
Höhe:   65 - 66 Meter
Seitenlänge:  02,20 x 104,60 Meter
Neigungswinkel:  51°20'
Innere Kammern:  3
Aufweg:  608 Meter
Passagen:  2  ( aufgegebene obere Passage u. absteigende Passage)
Nebenpyramiden:  3  ( G 3a - c )
Eingänge:  1  (ca. 4 m über dem Fuß an der Nordseite der Pyramide)

Der Pyramiden-Komplex

Der Pyramidenkomplex des Mykerinos war grandios und monumental geplant und begonnen.  Da der König aber vor Vollendung des Baus starb, wurde der gesamte Tempelkomplex daraufhin unter Abänderungen und Vereinfachungen soweit in Ziegelbauweise fertiggestellt, damit der Kultbetrieb aufgenommen werden konnte.

Mykerinos Anlage war von einigen Umfassungsmauern umgeben, die unterschiedlichen Bauphasen angehörten. Eine innere Umfassungsmauer umschloss einen etwas 10 Meter breiten Hof um die Pyramide. Ursprünglich wohl aus weißem Kalkstein geplant, wurde sie zum Schluss aus weniger wertvollem Kalkstein eilig beendet, verputzt und geweißt. Der umgebende Pyramidenhof ist nur an der Ostseite ausgegraben. 

In jüngster Zeit ist an der Nordseite, unterhalb des Einganges ein Bauwerk mit drei Kapellen nach Norden und einem Hof freigelegt worden, welches aber wohl eher ein saitischer Grabbau als die Nordkapelle sein wird. Direkt unter dem Pyramideneingang fand sich eine Restaurierungsinschrift aus späterer Zeit.
(Quelle: Rainer Stadelmann/die ägyptischen Pyramiden, 3. aktual. Auflage 1997)

Der Pyramidenkomplex schloss einen Opfertempel an der Ostseite mit ein, der durch einen 608 Meter langen Aufweg mit dem im Fruchtland liegenden Taltempel verbunden war. An der Südseite des Mykerinos-Grabmals wurden drei stark zerstörte kleinere Pyramiden gefunden, die von den Archäologen als G3a-c bezeichnet werden und den königlichen Gemahlinnen zugeschrieben. 

Anders als bei den Pyramiden des Cheops und des Chephren hat man in der Umgebung der Mykerinos-Pyramide trotz intensiver Nachforschungen  des ägyptischen Archäologen Abdel Aziz Saleh keine Schiffsgruben gefunden.

Totentempel

Der fast quadratische Totentempel (Opfertempel) grenzt, ähnlich wie im Komplex des Cheops, nicht direkt an die Pyramidenostwand. Offensichtlich blieb das ursprüngliche Bauvorhaben des Tempels zu weiten Teilen unvollendet, da der König vorzeitig verstarb. Reisner versuchte dennoch, die Gestalt des Opfertempels so weit wie möglich  in sehr groben Zügen zu rekonstruieren. Der Plan des Tempels ähnelt weitgehend dem Vorbild des Cheopstempels und umfasste eine Vorhalle (Vestibül), einen weiten, rechteckigen offenen Hof, umstanden von einer Pfeilerkolonnade und  einem gestaffelten Portikus im Westen.  Er führte in einen länglichen Totenopfersaal mit einer Scheintür, die an der westlichen Schmalseite gebaut wurde. An dieser Stelle und in dem Portikus haben wohl die Alabaster-Statuen des Mykerinos gestanden.

  1.  Aufweg
  2.  Vestibül
  3.  Rechteckiger Hof
  4.  Portikus mit doppelter Säulenreihe
  5.  Totenopfersaal
  6.  angegliederte Räume
  7.  Pyramide

Beim Bau des Tempels wurden neben Kalksteinblöcken auch ungebrannte Ziegel verwendet. Der Steinbau mit  vor Ort gebrochenen Kalksteinquadern - der größte davon wurde in der Nordwestecke des Tempels entdeckt und ist mit über 200 Tonnen der schwerste überhaupt, den man in Giseh bisher fand - wurde abrupt abgebrochen und der ganze Tempel ist von Menkaures Nachfolger Schepseskaf dann mit Lehmziegeln fertiggestellt worden.

Ursprünglich sollte der Tempel wohl mit Granit verkleidet werden. Noch deutlich zu erkennen, ist der Arbeitsfortschritt im Nordkorridor.

Nördlich und östlich des Totenopfersaales sollten Magazine gebaut werden. Aber nur die der Nordseite wurden vollendet. Das Kernmauerwerk des Tempels war aus mächtigen Quadern des lokalen Kalksteins angelegt, die später durch Granit und Tura-Kalkstein verkleidet werden wollten. Durch den Tod des Königs ist diese aufwendige Bauweise nicht mehr zur Ausführung gekommen. Schepseskaf, der Sohn und Nachfolger ließ die Kolonnade des Hofes durch eine Nischendekoration ersetzen, die Kalkstein- und Granitverkleidung des Kernmauerwerkes durch Ziegelmauerwerk. Dies lässt sich aus der Inschrift auf den Fragmenten einer Stele schließen, die Reisner im Taltempel gefunden hat. Einige weitere Arbeiten werden in eine noch spätere Zeit datiert, darunter Stelen des Menrenres I. und Pepi II., die im Totentempel entdeckt wurden.

Thomas Schneider meint,  dass die Längserstreckung des Hauptkultraumes die Aufstellung einer Barke (König im Sonnenschiff (?)) vermuten lässt. Später hat man dann in Anpassung der veränderten Kultanforderungen innerhalb des Pyramidenhofes an die Pyramide eine Totenopferkapelle mit kreuzförmiger Kultstelle angebaut.

Im Totentempel fanden sich auch Fragmente verschiedener königlicher Statuen, darunter Kopf, Brust, Lenden, Knie- und Schienbeine einer überlebensgroßen Menkaure-Statue aus Alabaster, die das Kernstück des ganzen gewesen sein muss. Sie hat wohl ursprünglich an der Hinterfront einer hohen, engen Ost-West-Halle am Ende der Mittelachse des Tempels gestanden. Der König blickte von hier aus durch den offenen Hof, die Eingangshalle und den Aufweg entlang ins Land der Lebenden.

Hinter der Statue befand sich auf der anderen Rückseite des Totentempels am Fuß der Pyramiden wohl eine Scheintür. (Zitat: Mark Lehner)

Aufweg und Taltempel

Ursprünglich sollte der 608 m lange Aufweg wohl ummauert und überdacht werden. Bei Fertigstellung unter Menkaure hätte er sich bis hinunter zum Taltempel erstreckt. Der Aufweg des Mykerinos (Menkaure) ging nicht vom Westteil des Taltempels aus, sondern verlief entlang der ganzen Süd- und teilweise auch der Westseite und war zugänglich von den Magazinen im südlichen Tempelteil. Die Decke wurde gestützt durch etwas über zwei Meter starke Seitenwände aus Lehmziegel. Den Fußboden bildeten Kalksteinblöcke und festgestampfter Lehm unter Beimischung von Kalksteinsplittern.

Vom Totentempel aus führt der Aufweg zu dem heute noch unter dem Sand begrabenen Taltempel, wo George A. Reisner im Jahre 1908 bei den von ihm geleiteten Ausgrabungsarbeiten für die Harvard Universität und das Bostoner Museum vier wundervolle Dreigruppen-Statuen. Sie stellen den König dar mit der Göttin Hathor und jeweils einer anderen Gaugottheit an seiner Seite. Bei der ersten Grabung wurde eines der herrlichsten Beispiele altägyptischer Kunst zutage gefördert: das Doppelbildnis, auf dem Menkaure umarmt von seiner Hauptgemahlin Chamerernebti II. ausschreitet.

Zunächst ließ Menkaure die Fundamente aus lokal gebrochenen, großen Kalksteinquadern legen, danach wurde der Tempel von Schepseskaf mit Lehmziegel vollendet. Nach schweren Beschädigungen durch eine Überschwemmung, wurde er in der 6. Dynastie (wahrscheinlich unter Pepi II.) völlig neu gebaut. 

Hinter dem Eingang in den Taltempel befand sich eine quadratische Vorkammer mit vier Säulen. Erhalten geblieben sind davon lediglich die in den Lehmboden gestampften Alabastersockel. An beiden Seiten der Vorkammer befanden sich jeweils vier Magazinräume oder Kapellen, in denen nach einer neueren Deutung die berühmten Triaden des Mykerinos mit Hathor und er Gaupersonifikation gestanden hatten. Im Westen folgt der offene Hof, der den ganzen mittleren Teil des Taltempels ausfüllte und der wiederum eine umlaufende Nischendekoration aufwies. Ein kalksteingepflasterter Weg, der an einer niedrigen Treppe endete, verlief von der Säulenvorkammer ausgehend durch die Mitte des Hofes. Die Treppe führte durch einen Portikus (Säulen- oder Pfeilerstellung an der Fassade vor dem Tempelhaus oder seitliche Kolonnaden großer Hofanlagen) aus zwei Holzsäulenreihen in eine Opferhalle. In dem Portikus standen beidseitig des Einganges jeweils ein Paar der Alabasterstatuen des Mykerinos. In der Opferhalle hat vielleicht einmal ein Alabasteraltar gestanden. Nördlich der Opferhalle lagen elf, südlich von ihr fünf Magazine. 

In diesen Magazinen wurden die berühmten Menkaure-Triaden gefunden. Außerdem fand Reisner neben Bruchstücken von steinernen Gefäßen auch vier unvollendete Statuetten des Menkaure und Fragmente weiterer Statuen von ihm. Zu den berühmten Funden zählten wie schon oben erwähnt:

3 Statuen aus grauschwarzen Schiefer, die die ausschreitende Gestalt des Königs
darstellten, der zu seiner Rechten von der Göttin Hathor und zu seiner Linken
von einem göttlichen Wesen mit dem Emblem von Theben, Abydos bzw. des 
Schakal-Gaues auf dem Kopf begleitet wurde. (Ägyptisches Museum Kairo JE 40678,
JE 40679 und JE 46499.)

Eine weitere Triade und eine Diade, die Menkaure und wahrscheinlich seine Gattin
Chamerernebti II. zeigen, sind in den Sammlungen des Museum of Fine Arts in Bosten
(Nr. 09.200 und Nr. 11.738) aufbewahrt.

Reisner fand weitere Fragmente von solchen Statuen im Taltempel. Man kann aber aus archäologischer Sicht nicht genau bestimmen, wo sich diese Kultstatuen im Tempel befanden und welche Rolle sie spielten.

Südöstlich vom Totentempel wurden die Überreste mächtiger Mauern aus Lehm und Steinsplittern sowie Wohngebäude, verschiedene Typen von Öfen, große Wasserbehälter, Gebrauchskeramik und Reste verschiedener Rohstoffe. Man nimmt daher an, dass es sich hierbei um die Pyramidenstadt mit Werkstätten, Magazinen und Unterkünfte von Steinmetzen, Bildhauern und weiteren Handwerkern handelte, die Gegenstände für den Bau des Pyramidenkomplexes des Mykerinos herstellten.

Königinnenpyramiden

Südlich der Mykerinos-Pyramide fand man 3 sogenannte Nebenpyramiden, von denen die erste (G3a) eine echte Pyramide ist und wahrscheinlich als eine Kultpyramide geplant war. Sie ist aus Granit und mit Kalkstein verkleidet und hat eine Seitenlänge von ca. 44 m und erreicht bei einem Neigungswinkel von 52°15' eine Höhe von ungefähr 28,50 m. (Quelle: Stadelmann) Obwohl sie den T-förmigen Unterbau einer ka-Pyramide besitzt und nahe der Zentralachse der Hauptpyramide liegt, enthielt sie einen Sarkophag aus Granit, was vermuten lässt, dass sie als Königinnenpyramide umfunktioniert wurde. Im Sarkophag wurden Keramik und Holzreste gefunden Reisner vermutete, Mykerinos Gemahlin und Schwester Chamerernebti II. sei die Inhaberin gewesen. Andere Ägyptologen widersprechen allerdings dieser These und vermuten das Grab dieser Königin auf dem Zentralfeld der Nekropole von Giseh im sogenannten "Galarzagrab", benannt nach einem Grafen, der die Erforschungen finanziell förderte.  Hier wurde im übrigen eine Statue der Königin Chamerernebti II. gefunden ( Ägyptisches Museum Kairo, JE 48856). Sie ist der bisher einzigste Fund einer Königinnen-Kolossalstatue aus dem Alten Reich. Die Frage nach der Inhaberin von G3a bleibt also weiterhin offen. An der Ostseite befand sich ein kleiner Totentempel mit einem Umfang von 25 x 20 Metern, der in Ziegelbauweise errichtet wurde. 

Die Nebenpyramiden GIII-b und GIII-c sind als Stufenpyramiden erbaut und besaßen ebenfalls an der Ostseite einen einfachen Ziegeltempel. Die Pyramiden hatten jeweils eine im Fels liegende Grabkammer und eine Vorkammer.

An der Westwand von GIII-b stand ein Sarkophag aus Rosengranit, in dem die Knochenreste einer jungen Frau gefunden wurden. Steinmarken auf Deckbalken mit dem Namen Mykerinos beweisen, dass die Pyramiden während seiner Zeit errichtet worden sind. Im Gegensatz zu GIII-a ist der kleine Ziegeltempel nordsüdlich ausgerichtet.

Die Grabkammer von GIII-c war ähnlich  wie bei der mittleren der drei Nebenpyramiden unter den nordwestlichen Pyramidenteil verschoben und ist nicht fertiggestellt worden. Es sind keine Spuren eines Begräbnisses darin gefunden worden.

Über die Inhaberin von GIII-b und GIII-c ist nichts bekannt, während man über die Identität der Besitzerin von GIII-a geteilter Meinung ist. Unstrittig ist nur, dass sie Menkaures Gemahlinnen gehörten.

Die Pyramide von Außen

Bresche auf der Nordseite der Pyramide aus mameluckischer Zeit

Die Seitenlänge der Mykerinos-Pyramide beträgt 102,20 m x 104,60 m (=196 x 200 Ellen). Bei einem Winkel von 51° 20' 25° erreicht sie eine Höhe von 65-66 m. ( Quelle: Stadelmann u. Lehner ) Die kleinste der drei Königspyramiden in Giseh ist wie die ihrer Vorgänger Chephren und Djedefre im oberen Teil mit Tura-Kalksteinblöcken und an der Basis mit 16 Lagen Rosengraniteinfassung verkleidet. Abgesehen von wenigen Stellen am Eingang und hinter dem inneren Totentempel blieb die Oberfläche der granitenen Verkleidungsblöcke ungeglättet, während die oberen Verkleidungslagen aus geglätteten, feinem Tura-Kalkstein bestanden. Seit der Pyramide des Djedefre in Abu Roach ist die Granitverkleidung der unteren Lagen Standard, was sogar bei der nur begonnenen Pyramide des Baka in Zawiet el-Aryan zu beobachten ist. (Baka: wahrscheinlich der älteste Sohn des Djedefres, der vielleicht  nur kurze Zeit zwischen Chephren und Mykerinos regiert  hat )

Die Inschrift an der Nordwand der Granitverkleidung stammt erst aus der Spätzeit und ist vielleicht die oben von Diodor erwähnte.

Der Eingang liegt in einer Höhe von ca. 4 Meter über dem Fuß auf der Achse der Nordwand. Oberhalb des Zugangsschachtes liegt ein weiterer Eingangsschacht aus einer früheren Bauplanung, die jedoch später verworfen wurde. Um die Jahrhundertwende des 18. Jh. ließen die Mamlucken eine tiefe Bresche in die Nordseite schlagen, um ins Innere der Pyramide zu gelangen.  Dort unter diesem Stollen befindet sich auch der heutige Eingang.  Richard William Vyse nutzte diese Bresche und ließ einen tiefen Gang bis zum natürlichen Fels im Zentrum der Pyramide treiben. Dabei lassen sich deutlich zwei Stufen erkennen, die erste in Höhe der Granitverkleidung außen und eine weitere in Höhe der 25. Lage, die darauf schließen lassen, dass der Kern in Stufenbauweise errichtet worden ist.

Unabhängig von der reduzierten Größe wurde in dem Komplex des Mykerinos eine Menge Granit verbaut, der teurer zu brechen und transportieren war, als der weichere Kalkstein.

Die Pyramide von Innen

a.     Eingang
b.     Absteigende Passage (31,7x1,05 m, Höhe 1,02 m.
c.     Paneel-Kammer (3,63m x 3,16m)
d.     Obere Passage (aufgegeben)
e.     Grabkammer des ersten Bauplanes
        (14,2 x 3,84 m , Höhe 4,87 m)
f.      Kammer mit 6 Nische
        (2,57 m x0,70-0,90m, Höhe 1,40 m)
g.     große Grabkammer  
        (6,59m x2,62 m, Höhe 3,43 m)   
   
 (Maße nach M. Lehner: Geh. der Pyramiden)

Der Zugangsschacht (a) führt auf der Nordseite durch eine 31,70 m lange Passage (b) mit einer Neigung von 26° 2' unter 3 Fallsteinen, die ihn ursprünglich auch versiegelten, hindurch 50 Meter schräg nach unten durch das Pyramidenmassiv in die im Felsgrund liegende Gangkammer (c)(Paneel-Kammer). In diesem Raum war in einer Reihe von 26 Paneelen jeweils ein sehr hohes und stilisiertes Scheintürmotiv geschnitten. Diese waren die ersten rein dekorativen Elemente in einer Pyramide seit König Djoser. Die Dekoration ist am Eingang, wahrscheinlich durch Vyse, arg in Mitleidenschaft gezogen worden, als er den Granitsarg des Mykerinos. Der Türsturz über dem Eingang zur horizontalen Passage ist wie ein langgezogener Zylinder gebaut und soll wahrscheinlich den aufgerollten Schilfmattenvorhang symbolisieren. An seinem Ende folgt ein ebenerdiger Gang mit einer Granitblockierung aus drei Fallsteinen, der in eine ost-west-orientierte rechteckige Vorkammer (e) ohne jegliches Dekor endet. Deren östliches Ende liegt direkt unter der Vertikalachse der Pyramide. Lt. dem amerik. Ägyptologen Mark Lehner wurde diese Ost-West-Kammer wahrscheinlich angelegt, damit man die Granitauskleidung der eigentlichen Grabkammer manövrieren und die großen Granit-Deckenbalken einsetzten konnte. Diese wurden so bearbeitet, dass sie wie ein Tonnengewölbe wirkten.

Diese Vorkammer, wurde ganz aus dem Felsen herausgehauen und ist nicht verkleidet. Die Maße der Kammer betrugen 4,20 m ostwestlicher Länge x 3,84 m Breite und 4,87 m Höhe bei einer flachen, sauber gearbeiteten Decke. Später fügte man diesem Raum ein Kalksteinpflaster zu. Im Westteil besitzt die Ost-West-Kammer  eine Bodenvertiefung, in der wahrscheinlich ein Sarkophag stand. Vyse fand in dem Schutt der Kammer Fragmente eines menschenähnlich gestalteten Holzsarges mit dem Namen des Mykerinos sowie menschliche Knochen, die wahrscheinlich von einer ramessidischen oder saitischen Restaurierung des Begräbnisses stammten. Nach einer neueren Radiokarbon-Untersuchung sind die damit gefundenen Mumienteile aber aus einer frühchristlichen Bestattung.

Wenn man von dem Dreikammer-System ausgeht, entspricht lt. Stadelmann diese Kammer der mittleren Vorkammer, welches sich daraus resultiert, dass der absteigende Korridor am Anfang mit Granitblöcken ausgekleidet war, die Kammer (e)aber nicht, ebenso nicht die Nische. Dieses deutet daraufhin, dass diese Kammer nicht Grabkammer gewesen sein kann.

Unmittelbar über der Mündung des horizontalen Ganges zweigt von der Kammerwand eine weitere Passage ab. Das ist der sogenannte obere Korridor, der über den unteren Korridor verläuft und ebenfalls nordsüdlich ausgerichtet ist. Er beginnt in Höhe der Basis, steigt zunächst ab, geht dann in einen horizontalen Gang über und trifft dann schließlich in der Nordwand der oberen Vorkammer aus. Petrie gelangte aufgrund seiner Untersuchungen zu der Ansicht, die Pyramide sei ursprünglich um die Hälfte kleiner gewesen als heute. Stadelmann bezweifelt diese Theorie und meint, dass die obere Passage als Luftschacht für die Bauleute gedient haben könnte.

Ein im Boden beginnender 3 Ellen hoher und knapp 2 Ellen breiter, schräger Gang mit einer Neigung von 26 ° führt von der Vorkammer nach unten zur eigentlichen Grabkammer. Dieser Gang ist vollständig mit Granitblöcken ausgekleidet und trifft nach 9,90 m (=18,5 E) auf eine weitere Granitblockierung.  Rechts von dem kurzen Gang, nahe vor dem Eingang in die Grabkammer, befindet sich eine kleine Treppe, die zu einer weiteren kleinen 2,47 m x 0,70-0,90 m großen und 1,4 m hohen, grobbehauenen Kammer mit vier tiefen Nischen in der Ost- und zwei in der Nordwand führt. Über ihre Bedeutung streiten sich die Fachleute noch. Nach Ricke dienten sie zur Beisetzung von vier Kanopen mit den Eingeweiden des Herrschers (Ostseite) und der Kronen von Ober- und Unterägypten (Nordseite).

Ein weiteres, kurzes, horizontales Gangstück - 4 m lang, 1,05 m breit und 2,02 m hoch, führt in die echte Sargkammer (g). Sie liegt 15,55 m unter der Pyramidenbasis und ist vollständig mit Rosengranit verkleidet. Sie  misst mit der Granitverkleidung innen 2,62 m (=5 E) x 6,59-62 m (=12,4 E). Ihre Höhe beträgt 3,43 m (=6,5 E) .(Maße nach Stadelmann) Es war das erstemal, dass in der ägyptischen Baugeschichte die Deckenbalken ähnlich einem Tonnengewölbe abgerundet wurden.

In der Grabkammer fanden Vyse und Perring den nischendekorierten und mit Hohlkehlenabschluss geschmückten Basalt- Sarkophag. Er war leer und der Deckel fehlte. Im Sarkophag fand man einen Holzsarg, der für Menkaure beschriftet war, so als sei er in ihm zur Ruhe gebettet worden. Der Stil jedoch datiert frühestens aus der Saiten-Zeit. 

Vyse ließ den Basalt-Sarkophag aus der Pyramide herausbringen, um ihn nach England zu bringen. Leider ging dieser Sarkophag verloren. Das Schiff "Beatrice", welches ihn 1838 von Ägypten nach Großbritannien bringen sollte, erlitt zwischen Malta und Spanien Schiffbruch und sank.

die große Grabkammer, in dem Vyse und Perring den  Sarkophag des Mykerinos fanden.

der Sarkophag des Mykerinos, der mit dem Schiff "Beatrice" 1838 auf der Überfahrt von Ägypten nach England zwischen Malta und Spanien im Meer versank. (Bild nach Perring)

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