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Pyramidenbezirk:
Name der Pyramidenanlage "Sternenzelt des Redjedef" - " sHdw-Ra-Dd.f" Basislänge 106,2 m ( 202 ägypt. Ellen) lt. IFAO * Böschungswinkel 51° 57`(Quelle: IFAO) angenommene Höhe ca. 66 ( 67 m ?)( 128,5 Ellen) bei obigen Winkel heutige Höhe 10 Meter ( 15 Lagen Kalksteinblöcke) Verkleidung Granit ( lt. IFAO) und Tura-Kalkstein (?) Nebenanlagen Totentempel, Nebenpyramide, Bootsgrube,
UmfassungsmauerAufweg ca.: 1500 / 1700 m (?)
*Institut Francaise d'Archeologie Orientale
König Djedefre ließ seinen Pyramidenbezirk 8 km nördlich von Giza entfernt auf einem 150m hohen Felsplateau, das heute den Namen Abu Roach trägt, erbauen. Vielleicht stand dort schon ein Ziegelpyramide der 3. Dynastie. (Lt. Rainer Stadelmann)
Warum der neue König ausgerechnet Abu Roach als Standort für sein Grabmal erwählte, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Vielleicht spielte die überragende Höhenlage des Platzes eine Rolle dabei. Der altägyptische Name seiner Pyramide lautete: " Sternenzeit des Radjedef".
Der oft angenommene Bruch zwischen dem neuen König und seinem Vorgänger wegen der Aufgabe von Giza als Begräbnisplatz, hat sich als reine Spekulation herausgestellt. Weder die Verlegung der Residenz und des Pyramidenbezirkes, die, wie es scheint, auf wirtschaftliche und umweltbedingte Gründe zurückzuführen ist, noch die erstmalige Bezeugung eines
"Sohn des Re"- Namens können als ausreichende Argumentation für die immer wiederholten Mutmaßungen über Gegensätze und Rivalitäten unter den Nachkommen von Cheops gelten. Offenbar war wie schon vordem Snofru und Cheops jeder König bestrebt, einen neuen Ort zur Errichtung seiner Grabanlage zu finden.Als John Shae Perring - er berichtete erstmals über diese Pyramide - im Jahre 1837 das Königsgrabmal aufsuchte, stand noch sehr viel mehr von dem Bauwerk als heute, denn bis in unsere Tage diente es als billiger Steinbruch.
Die Zerstörung begann schon in der römischen Zeit im 2. Jahrhundert v. Chr. und wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein fortgesetzt. Noch 1880, so berichtet Petrie, wurden täglich 300 Kamelladungen Steinmaterial von hier abtransportiert. Deshalb legen der absteigende Korridor und der Schacht, in der die Grabräume aufgebaut wurden, heute unter freien Himmel. Auch der Umstand, dass in der unmittelbaren Nähe von Abu Roach sich mehrere koptische Kloster befanden, trug sicher dazu bei, dass dieser Pyramidenbezirk mehr gelitten hat, als die von Giza.
Perring grub im Pyramidenbezirk und veröffentlichte seine Grabungsergebnisse 1839. Richard Lepsius stattete dann im Jahr 1842 Abu Roach einen Kurzbesuch ab. Auf den damals entstandenen Aquarellen ist noch die unterste Stufe der Pyramide zu erkennen. Seit 1900 - 1902 arbeitete dann O Chassinat vom Institut Francaise d'Archeologie Orientale (IFAO) im Pyramidenbezirk. Die französische Grabung förderte einen Porträtkopf des Djedefre aus dunklem Rosenquarzhit zutage, ferner eine Statuette seines Sohnes Setka in Gestalt eines Schreibers, sowie die untere Hälfte einer Doppelstatuette des Königs mit seiner Gemahlin.
Heute befinden sich all diese Bildwerke im Louvre Paris. Da durch die Zerstörung des Oberbaues der Pyramide gewaltige Monolithen nach unten in die Grabkammer gestürzt waren, sahen sich die damaligen Ausgräber außerstande, zur Grabkammer vorzudringen. Von 1912 - 1913 führte dann Pierre Lacau die Arbeiten vor Ort weiter.Jedoch waren all diese Untersuchungen im Pyramidenbezirk von nur oberflächlicher Natur. 1993 begann die IFAO zusammen mit der Universität Genf unter der Leitung von Professor Michel Valloggia mit einer gründlichen Untersuchung des gesamten Grabkomplexes des Djedefres.
Durch die teilweise Freilegung des Totentempels und der Pyramidenbasis sowie der vollständigen Räumung des mit Geröll aufgefüllten Grabschachtes konnten wichtige neue Erkenntnisse gewonnen werden. Insbesondere ließ sich die Basislänge der Pyramide auf 105,2m bestimmen, ein Wert von gut 202 ägyptischen Ellen, das entspricht einem Bauvolumen von rund 25200m³ abzüglich des Felskerns auf dem die Pyramide aufgesetzt wurde.
( Nach Mark Lehner beträgt das Bauvolumen 131.043 m³, bei einem Neigungswinkel von 52°)Dieses sind gerade mal knappe 10 % des Bauvolumen der Pyramide seines Vaters in Giza, doch überragte sie diese aufgrund ihrer exponierten Lage auf dem Hochplateau um gut 10m. Die Größenverhältnisse der Pyramide entsprechen in etwa der der Mykerinos-Pyramide. Heute ist außer dem knapp 10m hohen Stumpf des Pyramidenkernes, bestehend aus ca. 15 Lagen von Kalksteinblöcken nichts mehr zu sehen.
Rings um das Gelände liegen große Mengen Granit von der einstigen Verkleidung des Bauwerkes. An einer Stelle fanden sich noch Reste der granitenen Verkleidung bis zur Höhe des natürlichen Felskerns in situ, wie es darüber aussah, muss offen bleiben, doch ist es wahrscheinlich, dass der Rest der Pyramide mit Tura-Kalkstein verkleidet war. Das Material für den Pyramidenkern bestehend aus grauweißem Kalkstein stammt wahrscheinlich aus einem Steinbruch, der nordöstlich liegt, beim heutigen El-Madawarah, südlich des Dorfes Abu Roach.
Des weiteren kam das Grabungsteam nach eingehender stratigraphischen Analysen des Geländes zu dem Resultat, dass das Grabmal (zumindest die Pyramide) beim Tode des Königs fertiggestellt war (nach ihrer Ansicht war sie einst komplett mit Granit verkleidet - für diese Annahme einer vollständigen Granitverkleidung spricht indirekt der Umstand, dass bislang an der Pyramide keinerlei Reste von Tura-Kalkstein gefunden wurde).
Entgegen der oft geäußerten Rivalität zwischen Radjedef und seinem Bruder und Nachfolger Chephren, ließ dieser den König ordnungsgemäß bestatten und das Grabmal soweit vollenden (wenn auch in Ziegelbauweise), dass ein funktionsfähiger Totenkult vollzogen werden konnte.
Petrie fand im Pyramidenbezirk das Fragment einer Sitzstatue aus Diorit (Thronfragment) mit dem verstümmelten Königsnamen (Men - ... - Ra)|, was zweifellos Menkaure zu ergänzen ist. R. Stadelmann vermutet, dieser König haben an der "unfertigen" Grabanlage Restaurierungsarbeiten durchführen lassen.
Es ist auffallend, dass der Pyramidenbezirk König Djedefres in Planung und Gestaltung Eigenheiten aufweist, die mit den vorhergehenden und nachfolgenden königlichen Grabbauten nicht vereinbar sind. Der Pyramidenbezirk wies anscheinend wieder die Form eines leichten Rechtecks auf, welches nach Nord-Süd orientiert war.
| Aufweg u. Taltempel |
Wie Rainer Stadelmann anführt, kann dieses aber auch rein topographische Gründe gehabt haben. Die Pyramide steht auf einer Felsklippe, die nach Osten steil abfällt. Der Aufweg musste nun über einen flachen Abhang im Norden über 1700m / 1500 m (?) Länge heraufgeführt werden und endete daher an der Nordseite des Grabbezirkes. Die Erbauer benutzen diesen Bergrücken als eine gigantische Baurampe und errichteten später dann hier den Aufweg, der nun der längste Aufweg überhaupt in einem Pyramidenbezirk war.
Emile Gaston Chassinat ( 1868 - 1948 ) konnte bei seinen Untersuchungen im Tal am Ende des sorgfältig gearbeiteten Aufwegs noch geringe Reste eines Taltempels feststellen.
Nach der Verlegung eines ägyptischen Militärlagers in neuerer Zeit konnte der Taltempel ausgegraben werden. Es war ein aus Lehmziegel errichteter Bau von bedeutender Größe. Wie auch der Opfertempel scheint er ebenso wohl erst nach dem Tod Djedefres entstanden sein. Er wurde in einem kleinen Wadi errichtet, das wahrscheinlich durch einen Kanal mit dem Nil verbunden war.
| Umfassungsmauer: |
Der Pyramidenbezirk wurde von zwei Umfassungsmauern eingeschlossen. Von
der Äußeren, die gerundete Ecken besaß - wie später auch wieder bei der
Chentkaus-Anlage - sind nur noch an der Nordkante Spuren erkennbar. Sie hatte
eine Abmessung von 217 x 267m und umschloss ein rechtwinkeliges Areal von
46.000 Quadratmetern, in dem sich neben dem Grabmal, dem Totentempel und einer
Nebenpyramide vermutlich auch die Wohnquartiere der Priester befanden.
Bei den neueren Untersuchungen wurden auch Werkstätten freigelegt, die sich
im direkten Umfeld des Totentempels befinden und womöglich mit den Abrissarbeiten
bei der neuzeitlichen Demontage des Grabmals in Zusammenhang standen.
Die Entfernung der äußeren Umfassungsmauer zur Pyramide betrug an der
Nordseite um die 100m und ist damit an dieser Seite doppelt so groß wie an
der Ost, West und Südseite. Diese Tatsache war sicherlich nicht ohne
Bedeutung und bedarf noch der Klärung.
Die innere Umfassungsmauer weist einen etwas unregelmäßigen Verlauf auf. Sie
umschloss die Pyramide, einen Teil des Totentempels und die Nebenpyramide in
einer Extra-Ausbuchtung ein und maß ca. 135 auf 135 Meter. Die Forscher
fanden bei der Untersuchung der inneren Umfassungsmauer eingelassene
Regenrinnen in ihr.
Westlich des Pyramidenkomplexes liegen am Fuß des Wüstenplateaus die Reste einer gewaltigen Ziegelmastaba, die bisher noch nicht systematisch untersucht wurde. 1843 wurde dieser Bau von Lepsius entdeckt (Lepsius I.) und dabei ein unbeschrifteter Sarg gefunden. Meistens wird diese Mastaba in die 3. Dynastie datiert. Sie könnte aber auch einem hohen Beamten oder einem Mitglied des Königshauses von Djedefre gehört haben.
| Substruktur der Pyramide: |
Djedefre griff bei der Planung seines Grabmals auf Vorbilder der frühen 3. Dynastie zurück, indem er die Grabräume in einen tiefen offenen. gigantischen Schacht mit einem rechteckigen Grundriss von ca. 23m ( Ost-West) x 10 m ( = 44 Ellen x 19 Ellen) und ca. 21 m Tiefe aufbaute, zu dem ein ebenfalls offen konstruierter absteigender Grabkorridor von 49 m ( 48m?) Länge und einer Breite von 5,7 m mit einem Neigungswinkel von 22° 35' in der Mitte der Pyramidennordseite hinaufführt. Der absteigende Korridor war einst mit riesigen, 2 m dicken Blöcken aus Kalkstein und Granit verkleidet.
Einen weiteren Vorteil hatte dieses System: der ausgehauene Kalkstein aus dem Schacht und dem Graben konnte direkt als Kernmauerwerk der Pyramide verwendet werden. Dennoch haben die Arbeiten in dem festen Kalkstein mehr Zeit in Anspruch genommen als früher die Schachtarbeiten in dem Mergelgestein von Saqqara und Dashur.In die große T-förmige Ausschachtung konnte man problemlos aus großen Granit- und Kalksteinblöcken den Zugangskorridor mit Blockierungsvorrichtung und die Grabräume aufbauen, dann wurde das Ganze wieder mit Steinblöcken aufgefüllt. Das verlangsamte zwar anfangs den Baufortschritt, gewährleiste dafür aber einen problemlosen Aufbau des Kammersystems.
Fast die gesamte Pyramide wurde während der langen Zeit des Steinraubes abgetragen, ebenso fast das gesamte Steinmaterial der Substruktur der Pyramide ausgeräumt. In heutiger Zeit liegt die riesige T-förmige Ausschachtung unter freiem Himmel. Bis zur Ausgrabung durch das IFAO war diese Ausschachtung meterhoch mit Felsbrocken, Sand und Schutt bedeckt. Viele Ägyptologen hegten insgeheim die Hoffnung, dass sich möglicherweise noch Reste des Königssarkophages (Petrie hatte bei einem Besuch in Abu Roasch ein gerundetes Granitfragment gesehen, das er für einen Teil des königlichen Sarkophages hielt) oder Spuren der Grabinnenräume darunter verbergen können. Die Enttäuschung war groß, als sich diese Hoffnung leider nicht bestätigte. Von dem Sarkophag fanden sich keinerlei Spuren.
Die Struktur der Pyramide lässt sich nur noch erraten, denn die Grabräume waren vollständig abgebaut. Sicher war das Kammersystem sehr einfach konzipiert und bestand wahrscheinlich nur aus einer Vorkammer und der Sarkophagkammer.
Nach Petrie wurde die Innenverkleidung während der Amtszeit von Mohammed Ali entfernt. Ein Gründungsdepot wurde im absteigenden Korridor gefunden. Hierin befand sich eine Kupferaxt, zwei Graffitis, in welches das "Jahr 1,3 Monat des peret" erwähnt wurde. Hieraus kann man schließen, dass die Arbeiten an der Pyramide unmittelbar nach der Thronbesteigung des Königs begannen. Auf einem Steinblock am unteren Ende in situ kam ein weiteres Baugraffito in roter Farbe zutage, das die Kartusche mit dem Namen des Grabherrn aufweist und somit die Zuordnung dieses Pyramidenkomplexes zu Djedefre bestätigt.
Die Untersuchungen der vorgefundenen Steinblöcke und Felsaussparungen durch das IFAO am Grunde des Grabschachtes der Pyramide könnte darauf hindeuten, dass der Boden der Grube vermutlich mit fünf Kalksteinlagen ausgelegt war. Dieses könnte ein weiterer Indiz dafür sein, dass der königliche Sarkophag vielleicht aus Granit - so wie in der Chephren-Pyramide und in der Pyramide von Zaweyt el-Aryan, - teilweise oder vollständig im Bodenpflaster eingelassen war. Die IFAO hat aus der Struktur und Lage der ursprünglichen Grabkammer sowie dem Gefälle des Eingangskorridors rekonstruiert, dass der Eingang der Djedefre-Pyramide in einer Höhe von ca. 8 Meter über dem Bodenniveau lag.
Die Frage des Aufbaues der Grabkammer bleibt ungeklärt. Petrie glaubte, dass die Innenmaße wohl 17m x 5m betrugen. Perring war der Meinung, dass über der Grabkammer einige Entlastungskammern nach dem Vorbild der Cheops-Pyramide eingebaut waren. Die Ausgrabung durch die IFAO konnte zu diesen Punkten keine Aufklärung liefern. Mann kann nur vermuten, dass der Kammerbereich in zwei Räume aufgeteilt war, die gemäß der Ausrichtung der Ausschachtung von Ost nach West orientiert lagen. Der absteigende Gang endete vermutlich in einer Art Vorkammer, an die sich westlich die Sarkophagkammer anschloss. Die Deckenkonstruktion der Grabkammer ist ebenso spekulativ. Wie Perring annahm, könnte es sich dabei um ein mehrlagiges Giebeldach aus riesigen Granit- oder Kalksteinblöcke oder um ein System von Entlastungskammern handeln.
In der Grabkammer hat eine reguläre Bestattung stattgefunden, wie ein entdeckter Grabräubertunnel, der die Granitsperre des Eingangskorridors umging, beweist. Er endete wahrscheinlich im Kalksteinboden der Vorkammer. Wie es scheint, hatten die Grabräumer genaue Kenntnis über den Aufbau des Kammersystems besessen. Die Beraubung der königlichen Bestattung erfolgte wahrscheinlich in der 1. Zwischenzeit.
zum Totentempel und der Nebenpyramide
( Quelle: nach Untersuchungsbericht IFAO)
( Co -Autor: J. H. Pirzer )
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