|
|
|
![]() |
König Cheops war der erste Herrscher, der Nebenpyramiden als Grabmäler errichten ließ. Östlich seiner Pyramide und südlich seines Pyramidentempels liegen drei Nebenpyramiden, welche von G. A. Reisner mit den Nummern G I a-c benannt wurden. Augrund der Architektur und der wenigen erhaltenen Inschriften sind diese Anlagen nicht zu den Kultpyramiden zu zählen. Diese Nebenpyramiden waren die Grabstätten hochrangiger, weiblicher Persönlichkeiten der Königsfamilie, auch wenn die namentliche Identifizierung der Grabinhaber in allen drei Fällen noch gewisse Probleme bereitet.
Königinnenpyramiden im Osten der Cheopspyramide
Die Zuordnung ist rein hypothetisch und wird in Fachkreisen
kontrovers diskutiert.
(Plan nach Reisner: bearbeitet von Nefershapiland
Entdeckungsgeschichte: Der britische Offizier Sir Richard William Howard Vyse war der erste, welcher sich eingehend mit diesen Nebenpyramiden der Cheops-Anlage befasste und der auch brauchbare Messergebnisse und Pläne lieferte. Bei der Freilegung der Bauwerke musste er aber erkennen, dass diese Gräber bereits vollständig geplündert waren. Reste von Bestattungen und einige Gegenstände im Inneren der Pyramiden machen es sicher, dass diese wahrscheinlich schon in der Spätzeit als Bestattungsplatz wiederverwendet wurden. Richard Lepsius erwähnte die Nebenpyramiden nur beiläufig, während Petrie ihnen mehr Aufmerksamkeit schenkte und auch neue Vermessungen an den Anlagen vornahm, welche z. T. noch heute ihre Gültigkeit haben. Reisner begann im Jahre 1924 in der östlich der Nebenpyramide gelegenen Nekropole G 7000 zu graben und legte bei dieser Gelegenheit auch die Nebenpyramiden mit den noch vorhandenen Resten ihrer Kultkapellen frei.
Maragioglio und Rinaldi veröffentlichten 1965 die Ergebnisse ihrer Untersuchungen an den Nebenpyramíden Da ihrer Veröffentlichung keine Grabung vorausging sind viele ihrer Beobachtungen und Schlussfolgerungen die Ergebnisse aus den Angaben älterer Werke oder fußen auf den Beobachtungen an der damals sichtbaren Architektur. Dennoch bilden ihre Publikationen die Grundlage jeder weiteren Beschäftigung mit diesen Nebenpyramiden.
Als letzter hat der ägyptische Ägyptologe Dr. Zahi Hawass die drei Nebenpyramiden abermals von den Schuttmassen und dem angewehten Sand befreien lassen und die Basen der Pyramiden freigelegt. Durch diese Arbeit bekommen wir einen genaueren Einblick in die Konstruktion der Fundamente und das Verlegen der Verkleidungsblöcke.
Die Nebenpyramiden G1 a- c und die Nekropole G 7000
Mittig an der Südseite der Pyramide G1-a liegt eine lange Bootsgrube, die offensichtlich zu dieser Königinnenpyramide gehört. Dahinter befindet sich der Ostfriedhof (Nekropole G 7000) der Cheopspyramide.
(Bild: Audran Labrousse)Königinnenpyramiden G1 a-c
Die Ruinen der Königinnenpyramiden östlich der Cheops-Pyramide. Davor die Überreste des Basaltpflasters des Totentempels der Königsgrabstätte.
(Bild: Peter Alscher)Offensichtlich wurde die Praxis, bestimmte Königinnen in kleinen Pyramiden in direkter Nähe der Königsgräber zu bestatten nicht konsequent durchgeführt, aber man behielt diese Sitte bis zum Ende des Mittleren Reiches bei. Keine der fünf bislang bekannten Königinnen des Chephren wurde z. B. in einer kleinen Pyramide bestattet. Drei der Chephren-Königinnen wurden in Mastabas und Felsengräbern auf dem großen Zentralfriedhof östlich der Chephren-Pyramide beigesetzt.
Die drei Nebenpyramiden des Cheops sind wie alle Königinnenpyramiden des Alten Reiches nicht im Königsbezirk eingeschlossen. Sie liegen ca. 56 Meter östlich der Königspyramide und knapp südlich des oberen Endes des königlichen Aufwegs. Es besteht keine direkte Verbindung zum Aufweg des Cheops oder zum königlichen Pyramidentempel, was bedeutet, dass die Nebenpyramiden selbstständige Anlagen sind, aber durch keine eigene Umfassungsmauer abgegrenzt. Offensichtlich hatte man die Pyramiden der Königinnen als primären Bestandteil des Familienfriedhofes geplant, welcher wahrscheinlich unter der zusätzlichen Prämisse konstruierst wurde, auch vom Niltal her weithin sichtbar zu sein und so konnten diese nur an der Ostseite der Großen Pyramide gebaut werden.
Das Gelände fällt von Nord nach Süden und von West nach Ost unregelmäßig ab (siehe Reisner, Giza I. 15f; Maragioglio/Rinaldi: L'Architettura IV. 76, 78, 84 und 90 zu den unterschiedlichen Bodenverhältnissen). Alle drei Königinnenpyramiden sind auf dem natürlichen Fels errichtet, wobei eines genauere Erfassung, wie weit der Fels nivelliert und abgearbeitet wurde, nicht möglich ist. An der Nord-West-Ecke der Pyramide G I-a steht der Fels z. B. noch etwa 1,60 Meter hoch an. Im Gegensatz zur großen Cheopspyramide deuten die Messergebnisse darauf hin, dass die Einbindung natürlicher Felserhöhungen in die Königinnenpyramiden zu größeren Schwankungen beim Einmessen der Basislängen und der rechten Winkel führte. Die Nebenpyramide G I-c wurde aufgrund des stark nach Süden abfallenden Geländes an der Süd- und südlichen Ostseite mit einem notwendigen Fundament ausgestattet, so dass das nördliche Höhenniveau der Pyramide erreicht werden konnte. Bei der Pyramide G 1-c, deren Basis etwas kleiner ist, stelle Petrie (Pyramide [1883] 123f) einen etwas steileren Neigungswinkel von 52°11' Grad fest. Es ist anzunehmen, dass aufgrund der Reduzierung der Kantenlänge die Baumeister den Höhenverlust durch einen steileren Neigungswinkel auszugleichen versuchten.
| Erhaltungszustand: |
Alle drei Nebenpyramiden weisen jeweils einen unterschiedlichen Grad der Zerstörung auf, der von Süden nach Norden zunimmt. Die südliche Anlage bietet dabei den besten Erhaltungszustand auf. Bis auf wenige Lagen an der Basis haben sie ihre Verkleidung aus Tura-Kalkstein ebenso wie teilweise große Bereiche ihres Kernmauerwerkes verloren. Bei den Pyramiden G I-b und G I-c sind heute im Inneren "Stufen" erkennbar (wobei der Ausdruck "Stufen" etwas irreführend ist. Es soll hierbei nur die heute sichtbare, äußere Form des Pyramidenkerns beschrieben werden). Bei G I-a ist festzustellen, dass sie ihre pyramidale Form fast vollständig eingebüßt hat und "Stufen" nur aufgrund der anderen angenommenen werden kann, da nur noch die untere Hälfte ihres Kernmauerwerks vorhanden ist. Ungeklärt ist die Frage nach dem inneren Aufbau der Pyramidenkerne, denn trotz ihrer teilweisen Zerstörung, die einen Blick in das Innere der Bauten gewährt, ist es nicht möglich zu entscheiden, ob der Steinkern der Pyramiden in Schalen- oder in lagenförmiger Stufenbauweise erbaut wurde. (siehe Janosi: Die Pyramidenanlagen der Königinnen, S. 79f.) Gewisse Merkmale deuten heute auf die zweite Möglichkeit hin.
| Datierung: |
Es ist nicht sicher zu bestimmen, in welchem Regierungsjahr die drei Königinnenpyramiden errichtet wurden. Es ist aber wohl davon auszugehen, dass die Errichtung von G I-a nach der Planung des königlichen Pyramidentempels und Aufweges erfolgte (siehe dazu Reisner: Giza I, 70ff. Anders Lehner:; Hetepheres 72f. der eine Erweiterung des Tempels nach Baubeginn von G 1-a annimmt). Für diesen Datierungsansatz diente Reisner ein Graffito am Eingang in den königlichen Pyramidentempel, welches von Alan Rowe als Jahr 13 (ß) gelesen wurde. Reisners Ansicht wurde spätestens in diesem Jahr mit dem Bau der Tempelanlage begonnen und im Jahr 15 wurde dann seiner Meinung nach mit der Errichtung der Pyramide G I-a und kurze Zeit darauf mit dem Bau der Pyramide G I-b angefangen. Reisner ging davon aus, dass der Kernbau einer Nebenpyramide in ein oder zwei Jahren fertiggestellt werden konnte was ihn davon überzeugte, dass die Nebenpyramiden im letzten Viertel der Regierungszeit von Cheops errichtet wurden. W. St. Smith korrigierte allerdings später die Lesung dieses Graffitos in ein Jahr 15 was uns deutlich macht, dass solange keine Baugraffiti mit Datumsanzeigen auf Blöcken der drei Nebenpyramiden G Ia-c vorliegen, welche eine präzisere Datierung gestatten, ist nur eine grobe Datierung möglich. Auch die Frage, ob alle drei Nebenpyramiden gleichzeitig oder zumindest in kurzem zeitlichen Abstand erbaut wurden, ist schwer festzustellen.
| Kultanlagen der Nebenpyramiden: |
Unter Cheops wurde für die in dessen Pyramidenkomplex bestatteten Königinnen erstmalig eine Verbindung zwischen königlicher Grabarchitektur und privatem Totenkult geschaffen. Man errichtete direkt an der Ostseite ihrer Pyramiden Kapellen, in denen wie bei den Mastabas die Scheintüren in den Totenopferräumen die zentralen Kult- und Opferstellen darstellten. Im Gegensatz zu den Kultanlagen der königlichen Tempeln ist jedoch keine so festgefügte Ordnung der entsprechenden Räume zu erkennen. Jede Kultanlage einer Königin bildet ein einmaliges System von Räumen. Einer der wichtigsten Räume der Räume beim Totenkult war der, in dem das Totenopfer dargebracht wurde. Dieser Raum ist auch bei den Anlagen der Königinnen leicht zu bestimmen, der er ebenso wie die königlichen Totenopferräume charakteristische Merkmale besitzt.
| Besitzer der Nebenpyramiden: |
Die Zuordnung der drei Nebenpyramiden ist unklar und ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Bislang existiert kein einziger zeitgenössischer Beleg, welcher eine klare Zuordnung der Nebenpyramiden an einen Besitzer erlaubt.
| G I-a |
Die ursprünglich allgemein vorgenommene Zuweisung der Nebenpyramide G I-a an eine Königin mit dem Namen Meritites (Mrj.t-jtj) ist rein hypothetisch. Eine wichtige Rolle bei dieser rekonstruktiven Zuweisung spielt eine heute verschwundene "Stele", die von Auguste Mariette in der Nähe der Cheopspyramide gefunden wurde. (siehe PM III. ², 187) Mariette verglich die Tracht der auf der Stele dargestellten Meritites mit der Mutter des Chaef-Chufu in G 7130-7140, was Smith zur Vermutung führte, die Stele sei in der Nähe dieses Grabes gefunden worden und könnte vielleicht sogar ursprünglich von der Mastaba des Kawab stammen. Aufgrund der Inschrift auf dieser Stele nahm man an, diese Frau sei aus dem Harem des Snofru in den des Cheops übernommen worden und habe noch unter Chephren gelebt. Smith folgerte dann daraus, dass die Meritites der "Mariette-Stele" und eine Frau gleichen Namens in der Mastaba des Kawab, ein und dieselbe Frau sei.
Aufgrund der unklaren Beweislage und der nicht vorhandenen inschriftlichen Belege aus der zerstörten und heute völlig verschwundenen Kultkapelle von G I-a bleibt aber eine Identifizierung der Eigentümerin der Pyramide G I-a mit der Mutter des Kawab, welche mit einiger Bestimmtheit den Namen "Meritites" trug, als die Hauptgemahlin des Cheops und Besitzerin der Pyramide G I-a völlig offen.
Diese ursprüngliche
Zuweisung ist mittlerweile allerdings in Forschungskreisen aufgrund der
Fundsituation und Interpretation der Schachtanlage G 7000x umstritten und wird
heute mehrheitlich der Königsmutter Hetepheres I. zugeordnet, wobei aber auch diese
Zuordnung rein hypothetisch ist, denn die Kultkapelle dieser Pyramide ist
völlig zerstört und auch das Kammersystem gibt offenbar keinen Hinweis auf
die einstige Besitzerin. (siehe
(Hetepheres I.)
![]() |
Nebenpyramide
G 1-a |
An der Nordwestecke der Königinnenpyramide G I-a befindet sich auf der obersten Lage der erhaltenen ersten Stufe eine dünne Stützwand aus kleinen Kalksteinblöcken (siehe dazu: Maragioglio/Rinaldi, L'Architettura IV, 78, 176 Obs. 59, Tav. 12 Fig. 10), die sich deutlich von de anderen, wesentlich größeren Blöcken der ersten Stufe unterscheiden. Diese, aus kleinformatigen Blöcken, welche eine Art Mauer bilden, bestehende Stelle ist auch heute noch gut sichtbar.
| Kultanlagen von G 1-a |
Die an der Ostseite befindliche Kultanlage von G I-a ist bis auf das Felsfundament im Gestein des Bodens abgetragen worden und somit nur schwierig zu rekonstruieren. Da aber die beiden anderen Kultkapellen von G 1b und G 1c noch genügend architektonische Anhaltspunkte liefen, die eine relativ gesicherte Rekonstruktion gestatten, nimmt man an, dass die Kapelle von G 1-a ebenso wie die wohl zeitgleich entstandene Kultkapelle von G I-b ein gleiches oder zumindest ähnliches Aussehen hatten. Die Kultkapelle von G 1-a bestand ähnlich wie die in Kalkstein errichteten Kapellen von G 1b und -c aus einem Nord-Süd orientierten Raum. Die Kapellen waren wohl nicht im Verband mit dem Pyramidenmassiv erbaut, sondern lehnten sich an dieses lediglich an. Die einstige Höhe der Kultgebäude sind nicht mehr zu rekonstruieren, ebenso welche Form das Dach besaß.
Die Größe des Fundaments der Kultkapelle von G 1-a beträgt 16,65 x 5,7 m (= 32 x 11 Ellen) und macht eine Kapelle mit den Ausmaßen von 28 x 12 Ellen (ebenso wie bei der wohl zeitgleich entstandenen G 1-b) möglich. Das gleiche gilt für die Größe des Kapelleninnenraumes und wird wohl ebenfalls wie bei G 1-b 20 x 4 Ellen betragen haben. Auch die Frage, ob dieser Bereich des Bauwerkes über Relieffragmente verfügt hatte, ist nicht mehr zu beantworten. Es waren keine Räume oder Nischen zum Aufstellen von Statuen vorhanden; die Statuen standen im Kultraum selbst, wie dieses auch in den Mastabas dieser Zeit üblich war.
|
|
Nebenpyramide G 1-a mit Bootsgrube
Während der Arbeiten von Reisner im Ostfriedhof wurde an der Königinnenpyramide G 1-a eine Bootsgrube freigelegt. Sie liegt an der Nordsüdachse südlich der Pyramide, doch nicht genau parallel zu deren Südkante. Die Maße der Bootsgrube betragen 22,7 x 4,35 x 4,7 m. (siehe Magragioglio/Rinaldi L'Architettura IV. 82 ff. Tav. 11 Fig. 2, Tav 12 Fig. 9) In der Bootsgrube wurden allerdings keine Überreste einer Bootsbestattung gefunden. (Bild: Audran Labrousse ) |
Der Eingang in die Grabkammer der Königinnenpyramide G 1-a lag ursprünglich in einer Höhe von 1 m. Ein etwa 19,50 Meter langer absteigender Korridor führt von dort aus etwa 10 Meter unter das Basisniveau der Nebenpyramide und erreicht eine Rangierkammer. Hier wurden Baumaterial sowie wohl auch die Grabausstattung über den nach Westen führenden absteigenden Korridor in die Grabkammer transportiert.
![]() |
Grabkammer der Königinnenpyramide G 1-a
Die Grabkammer wurde aus dem Felsen gehauen und war mit Tura-Kalkstein verkleidet. Es befand sich in dieser jedoch kein Sarkophag.
(Bild: Jon Bodsworth, public domain) |
| G 1-b |
![]() |
Nebenpyramide
G 1-b |
Ein von Nord nach Süd steil hinabführender Korridor mündet (ebenso wie in G I-a) nach einer horizontalen Durchgangspassage in einer Vorkammer. Von der Vorkammer erreicht man über einen weiteren steilen und kurzen Korridor nach Westen die Sargkammer. In den Anlagen G 1-a und G 1-b ist in der Vorkammer noch zusätzlich eine steile Rampe vorhanden. Bei allen drei Nebenpyramiden liegt der Eingangskorridor im Norden der Pyramiden und besitzt eine steile Neigung. Bei den beiden Anlagen G 1-a und G 1-b hat der horizontale Gang zwischen Eingangskorridor und Vorkammer eine Länge von 3,2 m (6 Ellen) bzw. 3,45 m (6,5 Ellen). In G 1-b ist die Vorkammer bereits merklich vergrößert, was wohl auf die notwendigen Arbeitsbedingungen zurückzuführen ist. (siehe Vandier, Manuel II, 77), Die Erweiterung der Felskammer nach Norden hat einen annähernd quadratischen Raum (10 x10 Ellen) zu Folge hat, während die eigentliche, ebenfalls nach Osten orientierte Sargkammer die Grundmaße von 7,5 x 6 Ellen besitzt.
Die sogenannte "Rangierkammer" fungierte
wie die Große Galerie in der Cheops-Pyramide als eine Art Gangerweiterung und
ermöglichte es, den Sarkophag und die Verkleidungssteine in die Grabkammer zu
transportieren.
Auffallend sind die steilen Rampen mit 20°30' bzw. 24° Neigung in den
Vorkammern von G I-a und -b. Diese werden bis an den Durchgang in der Westwand
der Vorkammer herangeführt und enden vor diesem horizontal.
|
|
Blick in die Grabkammer von G 1-b
Der Fußboden und die Wände der Grabkammer waren ursprünglich vollständig mit Kalksteinblöcken ausgekleidet.
(Bild: Jon Bodsworth - public domain) |
Wir wissen nicht, ob die Sargkammer der Nebenpyramiden tatsächlich gedeckt gewesen waren, falls ja müssen diese Deckenblöcke von beachtlicher Größe gewesen sein. Um die Sargkammer abzudecken, mussten die Deckenblöcke mindestens eine Länge von 6 Ellen gehabt haben. Blöcke dieser Länge wären aber zu groß, um sie durch die Vorkammer transportieren zu können. Maragioglio und Rinaldi nahmen zwar an, dass die Sargkammer gedeckt war, bemerken aber ausdrücklich, dass keine Reste einer Kalksteindecke in der Sargkammer zu finden waren.
Bei allen drei Nebenpyramiden waren alle Kammern mit Kalkstein verkleidet, die jedoch so zerstört ist, dass auf den ursprünglichen Zustand der Kammern nur geschlossen werden kann.
| Kultanlagen von G 1-b: |
Ebenso wie die Kultanlage von G 1-a steht die Anlage von G 1-b ebenfalls auf einem eingeebneten Felsfundament. Der westliche Teil der einstigen Kultanlage, welcher unmittelbar an das Pyramidenmassiv anstieß, enthielt einige Blöcke des aufgehenden Mauerwerks. Maragioglio und Rinaldi (L'Architettura IV, 82 Tav. 11, Fig. 2) rekonstruierten die Maße dieser Kapelle mit 143,75 x 6,2 m, die Größe des Kultraumes mit 10,5e x 2,1 m. In der nördliche Hälfte der Westwand ist eine Nische erhalten. Reisner rekonstruierte eine symmetrische Kultkapelle, die im Süden eine zweite Nische besaß. Aufgrund vier erhaltener Kalksteinblöcke vor dem (rekonstruierten) Eingang der Kapelle vermutete Reisner, dass diese Kapelle zusätzlich ein Ostwest gerichtetes Vestibül besaß, dessen Existenz aber nicht abgesichert ist.
Wie bei der Königinnenpyramide G 1-a wurde Anfang der 1950er Jahre an der Süd-West-Ecke der Pyramide G 1-b eine weitere Bootsgrube entdeckt und freigelegt. Sie ist 16 Meter lang und bis zu 2 m breit. In ihrem Inneren wurden noch Reste von Ziegelmauerwerk gefunden, die vermutlich von einer späteren Bestattung stammen. Ungeklärt ist, ob die Bootsgrube während oder erst nach der Errichtung der Königinnenpyramide G I-C errichtet wurde, da die Ausschachtungen etwa 6 m weit über die Westkanten von G 1-b und G 1-c hinausragt. Es stellt sich dabei auch die Frage, falls die Bootsgrube womöglich einst zu der südlichsten Königspyramide G 1-c gehört hat und aufgrund des stark abfallenden Geländes südlich der Pyramide aus diesem Grund daher an deren Nord-West-Ecke errichtet wurde, warum dann die mittlere Pyramide keine eigene Bootsgrube besaß. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass man postum die Stellung der Grabinhaberin der Pyramide G 1-b aufwerten wollte, was die Errichtung einer eigenen Bootsgrube notwendig macht.
| G 1-c |
Zwar ist uns für die Pyramide G 1-c ein Name überliefert, dieser ist aber nicht zeitgenössisch, sondern stammt aus der 26. Dynastie. Eine Inschrift auf einer Stele, die 1858 von Mariette in den Ruinen eines auf der Ostseite von G 1-c befindlichen Heiligtums gefunden wurde, erwähnt den Namen einer Prinzessin Henutsen ( Hnwt-Sn) in direktem Zusammenhang mit Cheops. Der Name "Henutsen" enthält die Hieroglyphe "Henwt", die "Herrin" bedeutet. Er stellt eine Verbindung zum Kult der Isis als Herrin der Pyramiden her.
|
„ Es lebe Horus Medju Hor, König von Ober – und Unterägypten, Cheops, dem Leben gegeben ist. Neben dem Haus des Sphinx nordwestlich des Hauses des Osiris, des Herrn von Rasetjau, errichtete er das Haus der Isis. Neben dem Tempel dieser Göttin baute er seine Pyramide. Neben diesem Tempel baute er eine Pyramide für des Königs Tochter Henutsen................................................... ..........................................................." |
Diese Stele wurde 1858 von Mariette gefunden und befindet sich heute im Museum Kairo (JdE 2091 . PM III²). Im Alten Reich ist der Name Henutsen öfters belegt - aber anhand der zeitgenössischen Dokumente lässt sich weder die Existenz einer Königstochter noch die einer Ehefrau des Cheops mit diesem Namen nachweisen. Das Fehlen eines Königinnentitels auf der "Inventory-Stele", lässt nicht unbedingt den Schluss zu, dass in G I-c nur eine Prinzessin bestattet war.
|
|
|
|
Nebenpyramide G I-c, Blick von Nordwesten - |
Die Reste der Kultkapelle von G 1-c |
| Bild: Giza
piramidi di Henutsen e Cheope. Autor: Francesco Gasparetti aus Flickr-Album Lizenz: Creative commons, Namensnennung 2,0 US |
(Bild: Jon Bodsworth) |
Aufgrund der Lage der
Mastaba G 7130/40 des Chaef-Chufu, ist von den Wissenschaftlern der Vorschlag
gemacht worden, in Henutsen die Mutter von Chaef-Chufu zu sehen und
andererseits mit diesem den späteren König Chephren (siehe Stadelmann) zu
identifizieren, (Chephren = Chaefre) der dann später bei Regierungsantritt
seinen Geburtsnamen änderte.
In der Mastaba des Chaef-Chufu ist der Grabbesitzer mit seiner Mutter, die
hier den Titel einer Königin trägt, abgebildet. (siehe Simpson, Kawag,
11, pl. XVIa, Fig. 26) Stadelmann nimmt an, dass die im Grab
dargestellte Mutter des Chaf-Chufu, deren Name nicht erhalten ist,
mit der vermuteten Eigentümerin der dritten Nebenpyramide namens "Henutsen"
identisch ist.
|
|
|
| Nebenpyramide G 1-c |
Blick auf die Nebenpyramide G I-c von Nordwesten |
| Datei: Queen
Pyramid of Henutsen (G1c).jpg Autor: Lyn Gateley from Silicon,Valley CA, USA aus Wikip. Lizenz: Creativ Commons-Lizenz, Namensnennung 2.0 US. CC BY-NC-SA 2.0 |
(Bild: Peter Alscher) |
Im Gegensatz zu den beiden anderen Königinnenpyramiden des Cheops musste die südlichste Nebenpyramide auf großen Fundamentsblöcken errichtet werden, da das Gelände in diesem Teil der Nekropole stark nach Süden abfällt. Auch diese Pyramide G 1-c weist eine leichte Abweichung von der Pyramidenachse auf. (siehe Maragioglio/Rinaldi) Aufgrund der Instandsetzungsarbeiten und Erweiterungen, die später durchgeführt wurden, ist der allgemeine Erhaltungszustand relativ gut. Die Außenmaße der Kapelle betragen 11 x 4,2m, die Maße des Innenraumes sind 7,9 x 2,1 m. Die Kapelle von G I-c war etwas kleiner als die von G 1-b.
![]() |
![]() |
Königinnenpyramide GI-c |
verbliebene Verkleidungssteine Pyramide G I-c |
| File:
Flickr - Gaspa
- Giza, piramidi minori.jpg Autor: Francesco Gasparetti from Senigallia, Italy Lizenz: creativ commons, Namensnennung 2.0 |
An der Nord-Ost-Ecke der Pyramide G I-c haben sich
zwei bis drei Lagen des Verkleidungsmaterials aus Kalkstein erhalten. (Bild: Peter Alscher, Amberg) |
Die schon vor der 18. Dynastie weitgehend zerstörte alte Bausubstanz wurde in späterer Zeit erneuert und erweitert. Man vermutet, dass bereits Ende der 18. Dynastie mit der Restaurierung der Anlage begonnen wurde. Die Kultkapelle wurde in der 21. Dynastie erweitert und in der 26. Dynastie wurden weitere Kultbauten errichtet, denen auch ein Teil des Massivs der östlich gelegenen Mastaba G 7140 zum Opfer fiel. (siehe Reisner: Giza I, 247f) Die Tempelanlage trug nach den erhaltenen Inschriften und den Text der sog. "Inventory Stele" die Bezeichnung "Tempel der Isis, Herrin der Pyramide". (siehe Hassan, The Great Sphinx 111ff.) Dem Baubefund nach zu urteilen, scheint die Ostfassade der Kapelle neu errichtet worden zu sein, aber es ist heute nicht mehr festzustellen, ob der Eingang dabei verlegt wurde oder bereits im ursprünglichen Bauplan in der nördlichen Hälfte der Ostseite lag. Die ursprüngliche Form der Kapelle von G 1-c ist trotz der gut erhaltenen Architektur nicht sicher zu bestimmen. Reisner schloss nicht aus, dass die ursprüngliche Kapelle ebenso gestaltet war, wie bei den Kapellen von G I-a und -b. Anhand der Architektur lässt sich nur feststellen, dass die Kapelle eine Nische im Süden besaß. Es ist heute nicht mehr feststellbar, ob auch eine zweite Nische vorhanden war. Der Kapelleneingang liegt nicht in der Mitte der Ostseite, sondern ist aus der Kapellenachse 2 Ellen nach Norden verschoben.
Wahrscheinlich in die jüngere Zeit zu datieren ist auch die Außendekoration der Kapellenostseite, welche Teile der Palastfassade zeigt. Dieses dürfte keine originale Reliefarbeit der 4. Dynastie sein.
Allgemein wird angenommen, dass G 1-c wahrscheinlich einer jüngeren Bauperiode als die beiden anderen Nebenpyramiden G 1-a und -b im Bezirk G 7000 zuzuordnen ist. Dabei erhebt sich die Frage, ob die abweichende Kapellenform von G 1-c mit der Erweiterung der großen Doppelmastabas in G 7000 in Verbindung stehen könnte. Es ist nicht auszuschließen, dass die Kultanlage der Pyramide G 1-c als Vorbild für die Kapellen der Doppel-Mastabas diente. In ihrer erweiterten Form besaßen alle 12 Mastabas des Cheops-Ostfriedhofes (über die ursprüngliche Form der Kultkapellen dieser Mastabas ist nichts bekannt) ins Massiv gesetzte Kultkapellen mit einer Nische und einen aus der Achse versetzten Eingang, während die Mastabas des Westfriedhofes keine Nischen besaßen.
Die Fußböden und Wände der Grabkammer war ursprünglich mit Kalksteinen ausgekleidet gewesen. Wegen der erheblichen Probleme beim Transport der über 3 m langen Deckenbalken durch das enge Korridorsystem der Nebenpyramide wurde wohl auf das Anbringen einer Deckenverkleidung verzichtet. Heutzutage sind große Bereiche der Kammerverkleidungen abgerissen und abtransportiert worden. Von den Sarkophagen und den Bestattungen wurden in der Kammer - ebenso wie in den beiden anderen Königinnenpyramiden - keinerlei Spuren mehr gefunden. Es ist aber wohl davon auszugehen, dass aufgrund der allgemeinen Befunde in den Königinnenpyramiden der 4. Dynastie vermutet werden kann, dass zur Grundausstattung der Grabherrinnen der Nebenpyramiden G 1a-c des Cheops undekorierte und unbeschriftete rötliche Granitsarkophage sowie entsprechende Kanopenkästen gehört haben.
![]() |
![]() |
|
Absteigender Gang |
Blick in die Grabkammer der Pyramide G I-c |
| Kultpyramide: |
D. P. Silverman und das Team des SCA unter Leitung von Zahi Hawass begannen 1991 mit Aufräumungsarbeiten östlich der großen Pyramide. Das Gebiet war bereits von Georg Reisner und von der Antikenverwaltung unter Leitung Selim Hassan erkundet worden. Hassan hatte viele Kubikmeter Sand entfernt und den Pyramidentempel des Cheops freigelegt. Nach den Vorstellungen der SCA sollte dieser Bereich für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und aus diesem Grund baute man dabei auch eine befestigte Straße, die in Nord-Süd-Richtung an der Ostseite der Pyramide verlief. Während der Bauarbeiten bei der Verlegung der Straße für den Auto- und Busverkehr machten die Ausgräber eine überraschende Entdeckung. Unerwartet fand man 1992 dabei die Reste einer vierten Nebenpyramide (obwohl ihre Umrisse sich bereits auf alten Photographien abzeichnete). Die Nebenpyramide liegt etwa 25,5 m (48,5 Ellen) südöstlich der Süd-Ost-Ecke der Hauptpyramide.
![]() |
Im
Vordergrund: Reste der Kultpyramide
Die heute fast vollkommen
abgetragene Pyramide hatte eine Seitenlänge von 21,75m = 41,5 Ellen,
bei einem Winkel von 51°
45` / 51° 84` ereichte sie eine Höhe von 13,80m / 13,84m, das
entspricht ca. 26 Ellen 3 Handbreit. Ihr Bauvolumen beträgt 2.182,4m3.
Bei dieser Pyramide handelt es sich um die zum
Pyramidenbezirk des Königs gehörende Kultpyramide. (heutige Benennung G
Id.) Das Auffinden der
Kultpyramide beendete die Spekulationen über ihre Identifikation mit
den sog. Versuchsgängen – siehe M. Lehner im seinem Werk „The
Pyramid Tomb of Hete-pheres and the Satellite Pyramid of Khufu“. |
Der noch erhaltene Oberbau, der
auf drei Seiten aus zwei Lagen von Blöcken bestand, war nur noch ein
U-förmiger Block aus rohem Mauerwerk, denn fast das komplette Kernmauerwerk
war abgetragen. Der Oberbau war aufgefüllt mit lokalem Kalkstein und Geröll
als Füllmaterial. Die Ost- und Südseite wiesen die meisten erhaltenen
Fundamentplatten und Verkleidungssteine aus feinem Tura-Kalkstein auf. Auf
der Innenseite mehrerer Blöcke des Kernmauerwerkes der Südseite steht in
roter Ockeraufschrift "imy
rsy gs"
aufgeschrieben, was etwa soviel
wie „für die Südseite“
oder „der auf der Süd[Rück]seite ist“ bedeutet,
es handelt sich also um eine Anweisung für die Bauarbeiter, wohin die Blöcke
gehörten.
|
|
Die
in den Felsboden eingetiefte und nach oben offene unterirdische Anlage
(Substruktur der Pyramide) weist die charakteristische T–Struktur
auf, in welcher Gang und Innenkammer aufeinandertreffen, die nun für
alle künftigen Kultpyramiden verbindlich bleibt. Somit ist nun auch
unbestreitbar für den Pyramidenbezirk des Cheops
eine Kultpyramide nachgewiesen. Da
das Steinmaterial der Nebenpyramide bereits offenbar schon in pharaonischen
Zeiten abgetragen wurde, liegen Zugang und Kammer heute offen. (Bild-Ausschnitt: Jon Bodsworth - public domain) |
Der Eingang ins Innere der Kultpyramide lag wie üblich an ihrer Nordseite, in ca. 1,05 m Höhe über der Pyramidenbasis. Der Eingangskorridor misst 1,05 m in der Breite. Bei einem Gefälle zwischen 25° und 28° mündete er nach ca. 8 m in einer Tiefe von 2,30 m in der Mitte der Nordseite 0,55 m oberhalb des Kammerbodens in die Grabkammer. Die Kammer mit ostwestlichen Ausrichtung, misst 7,92 m in der Länge und 3,35/3,40 m in der Breite. Ihre erhaltene Höhe beträgt heute 2,85 + x m. Die Form der Kammerbedeckung (Giebeldach, Kraggewölbe oder einfach Querbalken ?) bleibt ungeklärt.
Im Kammerboden war direkt vor dem Eingangskorridor eine seichte Vertiefung von einem Meter Breite im Boden eingearbeitet. Sie diente vermutlich in irgendeiner Weise als Blockierung des ersten Verschlusssteines des Zugangskorridors. Die roh belassenen Kammerwände wiesen Reste von rosa oder roten Mörtel auf und eigentümlicherweise sind die Längsseiten leicht nach innen geneigt (um 10°), so dass der Raumquerschnitt trapezförmig erscheint. Daraus kann man eventuell schließen, dass die Kammer wohl einst mit Kalkstein ausgekleidet war. Am westlichen Ende der Kammer sind vier kleine Löcher, jeweils ein Paar in der Nord– bzw. in der Südwand zu sehen. Sie sind nach oben gerundet und etwa zehn Zentimeter tief. Der Abstand zwischen den zwei Löchern je Paar beträgt 1,45 m. In diese Löcher scheint man hölzerne Querbalken eingesetzt zu haben, vielleicht zum herablassen eines Gegenstandes.
Ob die Kultpyramide einst von einer eigenen Umfassungsmauer umgeben war, wurde während der Grabungsarbeiten nicht festgestellt; aufgrund des Platzmangels ist aber die Existenz einer eigenen Einfassung eher auszuschließen. Ebenso fehlen Spuren, die auf eine Kultstelle an der Pyramide hindeuten.
|
|
Pyramidion der Kultkapelle
Die größte Überraschung während der Grabungen stellte der Fund des stark beschädigten Pyramidions der Kultpyramide aus Kalkstein dar. An der Unterseite weist es eine konvexe Form auf. Die vier durch Diagonalen voneinander getrennten Dreiecksflächen des Unterseite steigen zum Mittelpunkt der Fläche um 7,3° an. Die einst (heute verlorene) unter dem Abschluss-Stein befindliche Fläche wird dergestalt gearbeitet gewesen sein, dass die Unterseite des Schlusssteins, passgenau in diese passte.
(Bild: Jon Bodsworth - Thanks für public domain) |
Laut den Messungen von Josef Dorner weist das Pyramidion eine gemittelte Neigung von 51° 45` auf. Dieser Wert kommt der Neigung der Königspyramide (51° 50`) erstaunlich nahe. Bei dem neuentdeckten Pyramidion handelt es sich - nach dem der Roten Pyramide des Snofru in Dahschur - um das zweitälteste je in Ägypten gefundene Pyramidion. Das Pyramidion ist zwar stark beschädigt, konnte aber zumindest teilweise rekonstruiert werden.
Die Bootsgrube die sich zwischen der Königinnenpyramide G I-c und G I-b liegt, gehörte wohl sicher zur Kultpyramide und nicht zu einer der Königinnenpyramide.