Assuan


Philae


Assuan Stadt und Botanische Insel

Unmittelbar am Westufer des Nils nördlich von Elephantine und  gegenüber der Stadt am Rande des Wüstenplateaus, liegt in dem arabischen Qubbet el-Hawa, ("Hügel der Winde") einem Felsriff, welches sozusagen den Abschluss des Plateaus bildet, die Nekropole der Gauoberen von Elephantine, der südlichen Grenzprovinz des alten Ägypten. Hier wurden Bestattungen vom Alten Reich bis zur Spätzeit in den Terrassen des Felsriffs von Qubbet el-Hawa vorgenommen. Teilweise unscheinbare Grabeingänge führen zu Anlagen unterschiedlicher Größe, die auch recht beträchtliche Ausmaße erreichen können und über zuweilen recht komplizierte Grundrisse verfügen. 

Linkes Nilufer bei Assuan - Qubett el-Hawa
- Blick auf die Felsengräber -
Westliches Nilufer bei Assuan - Qubett el-Hawa
   - Südostseite mit den Felsengräbern darüber das Kuppelgrab von Scheich Sidi Ali ibn-Hawa

Datei: 0012 0015 Qubbet el-Hawa, linkes Nilufer, Aswan 2010.jpg 
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Bild: Peter Alscher

Die Gräber des Qubbet el Hawa liegen in mindestens drei übereinander befindlichen Ebenen, flussseitig etwa auf halber Höhe des Bergrückens. Es ist nicht bekannt, wo sich die Untergrenze des Gräberfeldes befindet, da sie durch Aushub und Flugsand völlig bedeckt ist.

Weithin sichtbar trägt der Gipfel das weiße Kuppelgrab des Scheich Ali ibn-Hawa, das Wahrzeichen des Qubbet el-Hawa. Nördlich davon, am Fuß des Berges liegen die beiden Kuppelgräber der Scheiche Negme und Ibrahim. Am Fluss sieht man das nubische Dorf "Garb Aswan", welches sich weit nach Norden hinzieht. 

Links neben dem Grab 34 l befinden sich die Ruinen einer koptischen Kirche (St. Georg), die auch noch Reste von Malerei zeigt.

Koptische Klosterruine St. Georg unterhalb des Qubbet el-Hawa
(Bilder: Peter Alscher)

Auffallend sind hier am Hang des Felsriffs die beiden steilen Rampen und Treppen, die hinauf zu den ältesten Gräbern von Elephantine führen. Sie bestehen aus zwei parallelen Stufenreihen, beiderseits einer schrägen Rampe. Sie dienten dazu, die Särge mit einer großen Zeremonie zu den Felsengräbern hinaufzuziehen.

Treppenaufgang vom Nil her zu den Gräbern von Mechu und Sabni.
Die Sarkophage wurden mitsamt der Grabausstattung über Rampen 
vom Fluss aus den Hügel hinauf gezogen.

Datei:       Aswan tombs of nobles and their upstairs, Egypt
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Bild: Peter Alscher

 

Aufstieg zu den Gräbern der Noblen
(Grab Sarenput II.)
- Bild: mit frdl. Genehmigung Peter Alscher -
Aufweg zu den Gräbern der Noblen
(Doppelgrab Sabni und Machu)
- Bild: mit frdl. Genehmigung Peter Alscher

Der anstrengende Aufstieg bis zur Qubbet el-Hawa wird belohnt mit weiten Blick über die Wüste, den Nil und die Kataraktlandschaft. Weithin sichtbar sind die alten Felsentreppen, die zu den Gräbern hinaufführen. Sie bestehen aus zwei parallelen Stufenreihen beiderseits einer schrägen Rampe, auf der die Särge hinaufgeschleift wurden. Für den anstrengenden Aufstieg (oder Eselsritt) wird man auch durch den Blick belohnt, der der aber noch großartiger ist, wenn man auch die Mühe nicht scheut, bis zur Qubbet el-Hawa zu steigen; von dort überblickt man die Wüste, den Nil und die Kataraktlandschaft. Bisher sind hier ca. 80 Gräber gefunden worden.

 

Allgemeine Geschichte Qubbet el-Hawa
und seiner Ausgrabungen:

Im Qubbet el-Hawa fanden Bestattungen von Epoche des Alten Reiches bis in die griechisch-römischen Zeit statt. Der größte Teil der Felsengräber wurden in der Zeit vom 6. bis 12. Dynastie angelegt. Die Insel Elephantine wurde in dieser Zeit "Abu" genannt und war ein Außenposten der Ägypter im Lande der Nubier. Abu war damals ein großer und wichtiger Handelsposten, außerdem befand sich hier der Verwaltungssitz an der Grenze zu Schwarzafrika. Der Statthalter (Gouverneur) war gleichzeitig auch der Oberbefehlshaber über die dort stationierten Streitkräfte.

Es ist nicht mehr genau zu ermitteln, wann die Erforschung der Nekropole genau begann. Die Teilnehmer der "Großen französischen Expedition" haben sich schon damit befasst, ersichtlich daraus, dass sie in den Karten der "Description de L'Egypte" aufgenommen wurde. In den Kartenwerken wurde die Nekropole als "catacombes" bezeichnet.

Johann Ludwig Burckhardt erwähnte die Felsengräber erstmals im Jahre 1819 in seinem Werk "Travels in Nubia". Der britische Konsularbeamte in Assuan, Mustafa Shakir stellte 1885 fest, dass unter den Reisenden und damaligen Touristen ein schwunghafter Handel mit altägyptischen Artefakten stattfand. Bei seinen Ermittlungen ergab sich, dass diese zumeist vom Qubbet el-Hawa stammten sollten und er versuchte daraufhin, diesen schwunghaften Altertümerhandel zu unterbinden. Mit einer kleinen Anzahl von Arbeitern begann er in der Nekropole von Qubbet el-Hawa mit Ausgrabungen für das Museum in Bulaq. Dabei fand er u. a. eine größere Anzahl von zerstörten Sarkophagen. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich der kommandieren Offizier in Assuan, General Francis W. Greenfell, der nicht nur Offizier der britischen Armee war, sondern auch studierter Archäologe der Ägyptologie, in der Nekropole auf und begutachtete die Arbeiten und die Funde. Auf Bitten des Museums von Bulaq übernahm er in den Jahren 1885 - 1886 die Ausgrabungen, welche dann wohl die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen von Qubbet el-Hawa waren. Der später in den Adelsstand erhobene Sir Francis Greenfell begann die Gräber in der Nekropole zu systematisieren und führte ein Nummernsystem ein, welches noch heute Gültigkeit besitzt. Die Zählung der Gräber begann beim Grab QH 25, dem Grab des Sabni im Süden und setzt sich nordwärts fort. Man fügte dann später die unnummerierten und die neu gefundenen Gräber, die sich zwischen den von Greenfell nummerierten befanden, mit Hilfe kleiner lateinischer Buchstaben nacheinander ein. Daraus ergab sich eine Nummerierung der Gräber zwischen den bekannten QH 34 und 35 mit den nun neu eingefügten Nummern 34a und 34p.

Der Italiener Ernesto Schiaparelli führte diese Ausgrabungen im Jahr 1892 fort. Er entdeckte u. a. das Grab Nr. 34n des Herchuef, während Jacques de Morgan in der Zeit um 1894 noch weitere Gräber der zweiten Ebene freilegte. Auch Jacques de Morgan begann damit, die von ihm erforschten Gräber mit einer eigenen Nummerierung zu versehen. Dabei unterschied er durch einen vorgesetzten Buchstaben von Süd nach Nord verlaufend, (A = obere Ebene und B = untere Ebene) in welcher Ebene sich das betreffende Grab befand. Später entschloss man sich allerdings, die Zählweise nach Sir Greenfell beizubehalten. Heute sind die aktuellen und offiziellen Grabnummern mit wetterfester, gelber Farbe über dem Grabeingang markiert.

Ab 1904 bis 1904 grub "Lady William Cecil" einige Gräber in der darüber liegenden Reihe aus. Sie hatte die Grabungslizenz durch ihre Bekanntschaft mit Howard Carter, der damals Oberinspektor der ägyptischen Antikenverwaltung für Oberägypten und Nubien war, erhalten. Auch sie begann während ihrer Grabungszeit mit einer eigenen Nummerierung, die in der Reihenfolge der Grabungsstätten folgte. (Cecil 1 bis Cecil 30) Viele der von ihr entdeckten Gräber sind heute allerdings nicht mehr auffindbar und völlig verweht.

Zeitweilig war auch Howard Carter bei den Ausgrabungen vor Ort und leitete einige Auswicklungen der Mumien um nach Grabbeigaben zu suchen. Auch Gaston Maspero, der damals Chef der Antikenverwaltung und damit Carters Vorgesetzter war, leitete einen Teil der Arbeiten, (wie zum Beispiel die Öffnung von CT 11, einem Grab auf der Spitze des Plateaus, südlich des Wadis, der zum zerstörten koptischen Kloster Amba Samaan führt.) Er hoffte, in CT 11 eine ungestörte Bestattung  aus der griechisch-römischen Periode vorzufinden, welches allerdings durch das eingebrochene Wassergroße Schaden aufwies.

Der Ägyptologe Labib Habachi begann nach dem 2. Weltkrieg im Jahre 1946 mit seinen Ausgrabungen, die bis 1951 dauerten und die Entdeckung von QH 45d und QH 35e sowie QM 110 zur Folge hatten.

Die neueren Ausgrabungen des Bonner Ägyptischen Seminars unter der Leitung von Elmar Edel begannen dann 1959 bis ins Jahr 1984 hinein. Während dieser Grabungsmissionen wurden auch fast alle von de Morgan beschriebenen Gräber wieder freigelegt, was bei der gründlichen Säuberung der Grabschächte zur Bergung von fast 2000 beschrifteten Gefäßen führte.

Auch Michael R. Jenkins und Mohi el-Din sowie E.A.T. Wallis Budge waren an den Ausgrabungen beteiligt. Das Deutsche Ägyptologische Institut führt die aktuelle Grabung unter Karl Seyfried durch. 

Über die wirkliche Anzahl der hier angelegten Grabanlagen im Zeitraum vom Alten Reich bis in die griechisch-römische Periode gibt es bis heute nicht einmal genauere Vorstellungen. Im Bereich des Qubbet el-Hawa gibt es über 100 bis heute bekannte Gräber mit weit über 1000 Bestattungen. In vorsichtigen Schätzungen geht man davon aus, dass bisher wahrscheinlich nur 15 bis höchstens 50 Prozent aller Gräber aufgefunden wurden.

Südostseite des Qubbet el-Hawa 
mit den Felsengräbern und einer römischen Festung

Westliches Nilufer bei Assuan, Ägypten
Felsengräber unterhalb des Grabmals von Sidi Ali Bin el-Hawa

Bild: Peter Alscher Datei:    Assuan 19.jpg
Autor:    Olaf Tausch -
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Blick auf den "Hügel der Winde" (Qubbet el-Hawa)
Ansicht von der Botanischen Insel (2001)

Der Nil bei Qubbet el Hawa
- Blick von der Insel Elephantine aus -

(Bild: Nefershapiland)

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Architektur der Gräber von Qubbet el Hawa:

Die Felsengräber sind in den gewachsenen Stein geschlagen und alle Felsgräber besitzen eine geglättete Grabeingangsfront mit einem vorgelagerten Hof. Bei den größeren Räumen wurden Pfeiler als Stützen stehengelassen. In dem größten Grab (QH 25) wird das Grabgewölbe von 18 Pfeilern in drei Reihen gestützt. Zwar war im Grab Nr. 26 auch eine Pfeilerreihe vorgesehen, die sogar in drei Reihen zu je 7 Pfeilern angelegt werden sollte, doch blieb dieses unvollendet und nur 2 Reihen wurden ausgeführt. Ein Vorhof wurde meistens vor der Kultkammer aus dem Felsüberhand geschlagen, wobei der Eingang bei allen Gräbern der Qubbet el-Hawa ungefähr in der Mitte der Hauptkammer liegt, was allerdings von einer geraden oder ungeraden Zahl der Pfeiler abhing. In der Hauptkammer befinden sich Säulen oder Pfeiler, welche die Decke tragen. Zur Ausstattung des Kultraums gehört mindestens eine Scheintür, die auf einen Schacht bezogen war.

Risse und andere Unebenheiten wurden mit Mörtel aus einem Kalk-Sand-Gemisch verputzt. An den Wänden mancher Gräber sind heute noch Reste von Stuckverzierungen erkennbar.

Ein als Statuenraum genutzter sogenannter Serdab (Keller) befindet sich unter einigen der Hauptkammern. Andere Statuen wurden in den Nischen der Seitenwände oder in Bodenschlitzen gefunden. Der eigentliche Grabraum liegt meist am Ende eines Stollens oder eines Schachtes, hinter einem teilweise oder sogar komplett zugemauertem Durchgang, einer sogenannten "Scheintür". In einigen der Gräber befinden sich kleine Nebenräume oder sie besitzen direkt in der Hauptkammer weitere "Scheintüren", hinter denen Familienangehörige bestattet wurden. In einigen Gräbern ist die Scheintüre zur Hauptkammer tiefer in den Schacht hinein angebracht, so dass davor eine kleine Nische entstand. Diese "Hauptkultnische" liegt dem Eingang meist direkt gegenüber. In den Kulträumen der größeren Gräber wurden Opferaltäre oder Opfertische gefunden.

Die imposante Anlage der Gräber der Noblen imponiert durch ihre sich in drei Reihen am Berghang entlang streckenden Grabreihen. Bekrönt wird die Anlage durch das Grab des Ortsheiligen, dem Kuppelgrab des Scheich Ali Ibn al-Hawa, dem Namensgeber des "Hügel der Winde". Die Grabanlagen aus der 6. Dynastie des Alten Reiches sind meist quergelegene Säulenhallen, von denen die Grabschächte für die Grabherren ausgehen, während sich die Gräber aus der 12. Dynastie des Mittleren Reiches am "Gedanken des Weges" orientieren. Das bedeutet, dass auf der dreischiffigen, westwärts führenden Eingangshalle ein Korridor folgt, der zu einer Kultnische führt. Erst später fallen Eingangshalle und Kultnische wieder zusammen. Die Grabschächte, die aus dem Innenhof oder aus den Vorräumen hinabführen, reichen bis zu 40 Meter in den Felsen hinein. Diese sind aber sehr niedrig, so dass eine Person mühevoll durchkriechen muss. Die als Malerei ausgeführte Grabdekoration ist einfach. Sie besteht aus einer Scheintür, der Grabherr am Opfertisch und beim Fischen, beim Jagen und dazu Abbildungen mit Erntebildern und Handwerksszenen. 

Vor den Eingängen zu den Gräbern befinden sich manchmal auf dem Vorhof kleine Obelisken. Die Gräber sind durchnummeriert mit einer wetterfesten, gelblichen Farbe.

Vorhof vor den oberen Gräbern 
(Bild:
Elvira Kronlob)

Rampe und Vorhof vor den Gräbern 
(Gräber QH 35g,h,i)
(Bild:
Peter Alscher)

 

Die Gräber der Noblen:

Das ägyptische Privatgrab, welches eine ganz eigene Form und Geschichte hatte, besteht aus zwei wichtigen Elementen; einer Kapelle für den Grabkult, mit einem Tisch für die dargebrachten Lebensmittel und Becken für die Trankspenden für den Toten und im Hintergrund dieser Kapelle einer Nische, in der ein plastisches Bild des Verstorbenen die Stelle bezeichnet, gegen welche hin sich dieser Kult zu richten hatte, oder auch wo sich die Mumie befand. Ferner enthielt die Anlage - durch einen Schacht oder einen geneigten Korridor zugänglich - die Krypta, welche die Leiche enthielt, zusammen mit den von dem Toten zu Lebzeiten gebrauchten Gegenständen oder auch ihren Nachahmungen.

Während des Alten Reiches befindet sich das Grab im südlichen Ägypten - Assuan eingeschlossen - gewöhnlich in einer Höhle, die in den Abhang eines den Nil überragenden Berges gehauen wurde. Die Kapelle hat einen querliegenden Grundriss oder, besser gesagt, sie besteht aus einem Saal mit dem Eingang an einer der Längsseiten. Zahlreiche Reihen von Säulen oder Pilastern tragen die Decke. Im Fußboden öffnet sich der Schacht, der zur Krypta hinabführt, manchmal sind diese Schächte zahlreich, da sie auch für Familienmitglieder bestimmt sind.

Im Mittleren Reich überwiegt in ganz Ägypten der Gebrauch des Felsengrabes vor, jedoch hat die Kapelle einen längsgerichteten Grundriss bzw. besteht sie aus einem Korridor, der in einen rechteckigen Saal führt, dessen Längsseiten zu der Achse des Korridors parallel liegen. Der Saal wird durch zwei Pfeilerreihen in drei Schiffe geteilt. Manchmal besteht solch ein Grab auch aus einem Korridor und einer Kammer, welche als Vorhof dient, an deren hinteren Ende sich ein zweiter  Korridor öffnet, der in eine zweite ähnliche Kammer mit der Kultnische führt. Der Tisch und die Becken in der Kapelle werden nun meist durch einen einzigen Steintisch ersetzt, der eine Vertiefung und ein Ablaufrohr besitzt.

Gewöhnlich ist die Kapelle an ihrem Eingang mit Darstellungen der Begrabenen geschmückt, sie haben die Funktion von Erinnerungsmalen. Im Inneren der Gräber hingegen erscheinen Darstellungen des Grabkultes sowie, seit der 5. Dynastie, von dem täglichen Leben des Grabinhabers und den Tätigkeiten, welche sich auf seinen Besitzungen abspielen.

Einige der wichtigsten Gräber werden hier nachstehend den Grabnummern entsprechend aufgeführt.

Grab : QH 25 und QH 26
           
- Mechu und Sabni -

 

       Qubbet el-Hawa Grab 25 und 26
                   
Mechu und Sabni

Das Doppelgrab QH 25 und 26 ist eines der größten und bekanntesten der Nekropole von Qubbet el Hawa. Beide Gräber sind miteinander verbunden - werden aber getrennt aufgeführt, weil es durch Sir Francis Greenfell getrennte Nummern erhielt. Das Doppel-Grab befindet sich in der oberen Ebene am südlichen Ende der Nekropole und gehört Vater und Sohn. Die Grabinhaber, die zur Zeit des Pharaos Pepi II. (2245 - 2180 v. Chr.) lebten, hießen Mechu (Grab Nr. 25) und Sabni  (Grab Nr. 26). 

(Grabplan: Nefershapiland nach Instituo Geografico 1965)

 

                                                Obere Terrasse vor den Gräbern Mechu und Sabni
                                                        (Bild: mit frdl. Genehmigung Peter Alscher)

 

Mechu: - QH 25

Grab Nr. 25, das südlichste dieser Gräber, gehört dem Gaufürsten Mechu (6. Dynastie) und ist in Anlage und Ausschmückung recht roh. Vor dem Eingang befinden sich zwei schriftenlose Obelisken. Die Familien von Mechu und Sabni müssen sehr wohlhabend gewesen sein, denn zu diesen beiden Gräbern gehörten die beiden Treppenaufgänge vom Nil her.

In dem Grab von Mechu dominiert ein großer Raum mit sechs Säulen in je drei Reihen. Zwischen den Pfeilern befindet sich in der Mitte ein Granitblock für Opfergaben, auf dem sich eingeritzte Symbole für das Brot und die Ablaufrinnen für die Trankopfer befanden. Das Grab hat einen einfachen Eingang, auf dessen Außenwände sich keinerlei biographische Inschriften befinden. Die Fassade war einst, wie die noch erhaltenen Spuren zeigen, mit Stuck verkleidet. An der Rückwand des ca. 150 m² großen Grabes befindet sich die Hauptscheintür, die hinter einer Kultnische liegt. Weitere vier Scheintüren für die Familienmitglieder wie seine Ehefrau Ibi befinden sich jeweils über Gruben und Schächte, zwei im Westen, eine im Süden und eine neben der Hauptscheintür an der Rückseite.

          Zwischen den zwei mittleren Säulen der Mittelreihe befindet sich ein dreifüßiger Opfertisch.

(Bild: Peter Alscher)

(Bild: Elvira Kronlob)

 

    In der Rückwand der Halle befindet sich eine Hauptscheintür, die hinter einer Kultnische liegt.    

 

Der Grabinhaber ist hier als Erbfürst dargestellt, gestützt auf einen Stock, nebenstehend sind seine Titel aufgeführt. Dieses Bild gehört zur Darstellung der Innenwand rechts vom Eingang.

(Bild: Elvira Kronlob)

(Bild: Elvira Kronlob)

 

Umzeichnetes Relief vom Grab des Gaufürsten Mechu in Qubbet el-Hawa

 

                                                              Kultszenen im Grab des Mechu
Ausschnitt der Innenwand rechts vom Eingang. Die Gruppe ist Teil einer Ackerbauszene, welche die Fortsetzung der Szene auf dem rechten Foto darstellt. Der Pflug besteht aus Pflugbaum, Pflugschar, Sech und Sterz. Er ist in seinem Aufbau recht vollkommen, besteht jedoch vollständig aus Holz. Die Pflugschar ist ein einfacher zugespitzter Pflock, welcher übrigens für die weiche Nilerde durchaus genügt.

                                                                  (Bilder: Elvira Kronlob 2009)

                Grabdarstellung im Grab des Mechu
Darstellung im Türgewänge zwischen dem Vorraum und dem linken Nebengelasse. Zwei Priester und einige Frauen der Familie bringen dem Toten eine Gans - welche an Ort und Stelle getötet wird, indem man ihr den Hals umdreht und einen Rinderschenkel und runde Brote auf Tabletts.             (Foto:  Carlo Bevilacqua, Madrid 1965)          

             Kultszenen auf den Innenwänden im Grab 
Zu sehen sind Darstellungen vom täglichen Leben des Grabinhabers und den Tätigkeiten, welche sich auf seinen Besitzungen abspielen. Oben auf dem Bild ist ein Grabpriester dargestellt, der den Altar mit Wasser besprengt, während sein Sohn ihn reinigt.
                         (Bild Elvira Kronlob)

Bei den Ausgrabungen stieß man auf mehrere Bestattungen, davon 2 im Vorhof, die ungestört waren, vermutlich aus dem Alten Reich. Dazu kamen noch mindestens 10 Bestattungen im Bereich des Aufweges, welche aber nicht unbedingt etwas mit der Grabanlage im Zusammenhang stehen müssen - sondern evtl. Sekundärbestattungen waren.

Der Grabherr trägt hier den Namen: mxws  Xnj.f. Mechu war Gaufürst der 6. Dynastie und trug den Titel "Vorsteher der Fremdländer", "Erbprinz" und "Einziger Freund" und führte Expeditionen für seinen König in die Gebiete von Nubien durch. Er kam bei seiner letzten Expedition nach "Wawat" südlich des II. Katarakts ums Leben. 

Sein Sohn Sabni (Grab Nr. 26) wurde von zwei Überlebenden der Expedition, denen es gelang nach Elephantine zurückzukehren, vom Tode seines Vaters benachrichtigt. An der Eingangsfront von Grab Nr. 26 (Sabni) befinden sich drei Inschriften. Rechts vom Grabeingang befindet sich die größte 19zeilige Inschrift. In dieser berichtet Sabni  über die Bergung des Leichnams seines Vaters Mechu. In der biographischen Inschrift teilt Sabni, "der Fürst und Siegler des Unterägyptischen Königs, Vorsteher von Oberägypten " uns mit, dass sein Vater, der "Einzigartige Freund" und "Vorlesepriester" Mechu in Wawat geblieben sei. Er verfasste Briefe an den König, um ihn wissen zu lassen, dass er ausgezogen wäre, um seinen Vater heimzubringen., der "[.... in (dem Orte) Wtt im (Lande) WAwAt"] gestorben sei.

Sogleich zog er mit einer Truppe und 100 Eseln, beladen mit Öl, Honig, Kleidern, Fayencegegenständen, Libyeröl und verschiedenen anderen Gütern nach Süden in die Fremdländer der Nubier, um diese zu versorgen, denn diese hatten das "Zeug" von seinem Melder erbeten, um den Leichnam seines Vaters zu bergen. Sabni spricht nicht von einer Strafexpedition, was darauf schließen lässt, dass Mechu eines natürlichen Todes gestorben ist. Nachdem Sabni die Leiche gefunden hatte, lud er sie auf einen Esel und kehrte nach Elephantine zurück, wo er ihn in einem Grab, direkt neben dem eigenen, in allen Ehren beisetzte.  

Auf dem Rückweg schickte er einen Boten mit einer Nachricht zum König, um ihn das Gesehene zu melden, und ihn von den Handelsprodukten zu berichten die sein Vater erworben hatte. Als Sabni in Elephantine anlangte, fand er den Boten zurück mit einem gnädigen Brief des Königs. "...Ich will für Dich alles Vorzügliche tun, weil Du Deinen Vater zurückgebracht hast, ..." Außerdem hatte der König eine ganze Abteilung von königlichen Balsamierern, Totenpriester, Klagemänner und Diener geschickt mit einer reichen Ausstattung an feinem Leinen, Gewürzen, Ölen und köstlichen Wohlgerüchen, um die Leiche des Fürsten Mechu einzubalsamieren und zu bestatten. 

Sabni begab sich an den Königshof um den König seinen Respekt zu bezeugen und ihm die Nubischen Erzeugnisse zu bringen, die sein Vater erworben hatte. Der König erwies ihm alle Zeichen seiner Gnade prächtige Geschenke und 
„das Gold der Belohnung“ wurden ihm verliehen und später wurde ihm durch eine offizielle Mitteilung des Wesirs der Besitz von Ländereien im Umfang von „30 Aururen“ (etwa 8 Hektar), die im Süden und Norden des Landes verteilt waren, übertragen.
Sabni ließ den ganzen autobiographischen Bericht an die Wände neben dem Eingang zu den Gräbern dokumentieren.

 

Sabni: - QH 26

Das Grab QH 26 des Gaufürsten Sabni ist ca. 120m² groß. Die Decke ruht auf 14 viereckigen Pfeilern in zwei Reihen. Es ist aber zu vermuten, dass das Grab unvollendet geblieben ist. Die Eingangstür ist durch einen Querbalken geteilt. An der Tür sind zwei kleine Obelisken und ein Opfertisch. Der Grabeingang ist mit dem Grabherrn, seinen Söhnen und Priestern dekoriert. Beide Gräber nutzen einen gemeinsamen Vorhof, zu dem aber zwei Rampen emporführen.

Eine hieroglyphische Inschrift in seinem Grab erzählt die Geschichte, wie er eine beschwerliche Reise nach Nubien antrat, um den Leichnam seines Vaters in die Heimat zurück zu holen.

                    Grabeingang QH 26 - Gaufürst Sabni
              Vor dem Eingang stehen zwei kleine Obelisken

 

 

 

                          Sabni beim Vogelfang
Der Grabherr steht in einem leichten Boot und wird symbolisch doppelt dargestellt, rechts und links eines Papyrus, welcher aus dem Wasser emporsteigt. Auf der linken Darstellung verfolgt er mit einem Wurfholz Vögel, auf der gegenüberliegenden Seite harpuniert er Fische. Offenbar handelt es sich um eine sportliche Jagd, da der Fang von Fischen und Vögeln zum Verbrauchszweck mit Netzen durchgeführt wird.

(Bild: mit frdl. Genehmigung Peter Alscher)

       (Bild Elvira Kronlob)

Sabnis Grab ist neben dem seines Vaters eine der größten Grabanlagen im Qubbet el-Hawa. Sabni war wie sein Vater Gaufürst, er trug die Titel Fürst, Träger des königlichen Siegels, Gouverneur des Landes des Südens, alleiniger Begleiter und ritueller Priester“. Seine Frau trug den Namen Stjk3. Im Grab des Sabni sieht man an der Rückwand ein schönes Einzelbild, in dem eine Fischfang- und Vogelszene wie sie im alten Reich typisch war, wiedergegeben wird. Der Grabherr steht beiderseits eines Papyrusdickichts jeweils in einem einfachen Nachen. Auf der rechten Seite schleudert er ein Wurfholz gegen die Sumpfvögel, während er links zwei Fische sperrt.

 

Kultszene auf den Innenwänden
rechts vom Eingang


Auf der Rückwand des Grabes ist Sabni mit seinen Töchtern beim Vogel- und Fischfang abgebildet. Es ist eine der schönsten Darstellungen in den Gräbern des Qubbet el-Hawa.

Über dem Netz mit Fischen flattern Vögel aus dem Papyrusdickicht auf. 

Die Darstellungen von aus dem Papyrusdickicht aufflatternden Vögeln und der harpunierten Fische sind Teil einer Jagdszene, die in der oberen Umzeichnung wiedergegeben ist. Die Leinenstreifen und das von Sabni getragene Gehenk sind typisch nubische Kleidungsstücke. 

Der Grabherr Sabni bei der Vogeljagd die harpunierten Fische im Netz

Zwischen den Beinen Sabnis 
kniet eine d. Töchte

(Foto: Carlo Bevilacqua, Madrid 1965)

(Foto:Carlo Bevilacqua,Madrid 1965)

(Bildausschnitt: Elvira Kronlob)

 

Scheintür im Grab Sabni I.

(Bild: Peter Alscher)

Darstellung des Sabni 
auf einer quadratischen Säule in seinem Grab
(Bild: Elvira Kronlob)

Die Ähnlichkeit dieses Berichtes mit dem seines Gegenstückes auf der nördlichen Seite des Grabes QH 26 ist verwirrend.  Hier berichtet der Sohn von Sabni, der wie sein Großvater ebenfalls Mechu  (Mechu II.) hieß, über den Tod seines Vaters Sabni und die Herrichtung des Begräbnisses, so wie Sabni seinerseits über den Tod seines Vaters Mechu berichtete.

 QH 29: 
- Sobekhotep -

Das Grab Qubbet el-Hawa 29 ist ein Grab des Alten Reiches. Sebekhotep bekleidete lt. den Inschriften in seinem Grab die Position eines "königlichen Schatzmeisters" mit den Titeln "Einzigartiger Freund" und "Vorlesepriester"  in der Zeit des König Pepi II. (6. Dynastie). Das 1-Pfeiler-Grab des Sebekhotep ist ca. 16 m² groß. Die Decke wird von einem Pfeiler in der Mitte der Hauptkammer getragen, dieser verdeckt die Sicht auf die dem Eingang gegenüberliegende Scheintür. Von der Hauptkammer gehen zwei Grabschächte ab, einer links neben dem Pfeiler und der zweite rechts hinter dem Pfeiler. Die Eingangstür misst in der Breite ungefähr 1 Meter und 1 Meter in der Höhe. Der Türsturz ist sehr deutlich aus dem Gestein herausgearbeitet. Gegenüber der Eingangstür befindet sich ein fast quadratischer Pfeiler mit einer Kantenlänge von 0,50 m x 0,50 m, der die Sicht auf die im hinteren Teil der Grabkammer auf der Westwand eingearbeitete Scheintür verdeckt, während die beiden Grabschächte I. und II. deutlich sichtbar sind. Sie befinden sich vorne links neben dem Pfeiler und der andere rechts hinter dem Pfeiler. Die Kultkammer ist ca. 3,50 m breit und 4.50 m tief.

Das Grab besitzt einen kleinen Vorhof mit einer Breite von etwa 4 Metern und einer Tiefe von ca. 2 Metern. Neben der Mumie des Grabherrn wurden noch weitere 11 Bestattungsstellen gefunden (Dokumentation: 1959-68 Edel - davor Greenfell und de Morgan).

Lt. Prof Dr Friedrich W.  Rösing (Qubbet el Hawa und Elephantine. Zur Bevölkerungsgeschichte von Ägypten, Stuttgart - New York, Gustav Fischer Verlag, 1990. ISBN 3-437-50325-1) ist das Skelett des Grabherrn identifiziert. Die Ausgräber fanden in der Schachtfüllung II. stark gestörte Bestattungen aus dem Alten Reich und der Spätzeit. Die Skelette des Alten Reiches sind insgesamt gut erhalten, während die Sargkammern von Schacht II. antik beraubt wurden. Insgesamt wurden Skelette und Teile von Skeletten gefunden, welche sich  66 verschiedenen Individuen zuordnen lassen. 62 davon sind in die Zeit des Alten Reiches und 4 zu einer Nachbelegung der Spätzeit datierbar.

Eingangsportal Qubbet el-Hawa 29


(Bild: Jörg Müller)

          Scheintür auf der Westwand (siehe Pfeil)
                - gegenüber dem Eingangsbereich -

                           (Bild: mit frdl. Genehmigung Jörg Müller)

Insgesamt wurden bei der sorgfältigen Untersuchung des Grabes 10 Sargkammer gefunden, deren Grabschächte man 1968 gründlich säuberte, nachdem Edel schon bei einer früheren Grabung um 1959/60 die Kultkammer freilegte. Auf einem Pfeiler in der Kultkammer sollen sich lt. Edel Titel und Namen von den Familienmitgliedern des Grabherrn befinden. De Morgan hatte aber diese bei seiner Publikation über die Assuangräber die Inschriften im Grab des Sebekhotep nicht kopiert, weil diese zu sehr zerstört waren. Des weiteren wurden 55 Tontöpfe gefunden, aus deren Inschriften die Identität des Grabinhabers hervorgeht. 

             Grab des Fürsten Sobekhotep (6. Dynastie)
      -  Kultszene auf dem 1. Pfeiler rechts vom Eingang  -

Der Oberpriester schlachtet eine Gans. Die Frau des Grabherrn (eine Hathorpriesterin) und drei seiner Söhne und eine Tochter bringen einen  Rinderschenkel, ein Biergefäß mit einem hohen Lehmverschluss, zwei konische Brote auf einem Tablett und Geflügel. Die hier dargestellten Personen tragen die im Alten Reich typischen Kleider; die Männer ein um die Hüften gewundenes Tuch, die Frauen eine Tunika, die von Schulterträgern gehalten wird


                       
 (Foto:  Carlo Bevilacqua, Madrid 1965)   

          Grab des Sobekhotep (6. Dynastie
    - Kultszene auf dem 1. Pfeiler links vom Eingang 

Der Oberpriester verbrennt Weihrauch. Die hinter ihm stehende Priesterin bringt zusammen mit ihren Töchtern ein Brot und Geflügel. 


 

 

        (Foto:  Carlo Bevilacqua, Madrid 1965)

Elmar Edel beschäftigte sich bei seinen Grabungen vor allem mit den Töpfen der Grabbeigaben, aus deren Inschriften und aus den Inschriften der anderen Beigaben er einen vier Generationen umfassenden Stammbaum des Grabeigentümers Sobek-Hotep mit einer Stamm-Mutter Ipj rekonstruiert. 

Die Topfbeigaben stellten wohl den "Reichtum" der Gräber am Qubbet el-Hawa dar. Die Töpfe waren beschriftet mit alt-hieratischen Texten und mit Nahrungsmitteln gefüllt und dann dem Verstorbenen mit in die Bestattungsanlage gegeben. Manchmal waren die Töpfe mit einer Inhaltsangabe und oft auch mit dem Namen und dem Titel des Stifters versehen. Während der Grabung von 1968 fand man 45 Töpfe in einer Sargkammer, in zwei weiteren Kammern nochmals 10 Töpfe mit Beschriftungen. Durch die Aufschriften auf diesen Töpfen (Namen und Titeln der Stifter) wurde teilweise die Lesung der fragmentarischen Beschriftung des Pfeilers in der Kultkammer ergänzt und es war eine Zuweisung von  Qubett el-Hawa 29 für den "königlichen Schatzmeister Sobekhotep" und weiteren Mitgliedern seiner Familie möglich. Teilweise war dieser und weitere Angehörige seiner Familie schon aus Stiftungen in anderen Gräbern in Qubbet el-Hawa bekannt. Nun wurde auch eine zeitliche Einordnung dieses Grabes ermöglicht. Aufgrund seiner Grabinschrift können wir nun den "königlichen Schatzmeister, Vorlesepriester und einzigen Freund" Sobekhotep in die Zeit des Fürsten Sabni (QH 26) einordnen.

QH 29 b
- Djaty (?) D3tjj -

Nördlich von QH 29 (Sobekhotep) befindet sich ein kleines Grab aus dem Alten Reich, welches Edel in seinem Bereicht über die Arbeiten von 1959 und 1960 (ASAE 57 - Seite 38) einem gewissen "D3tjj" aus dem Alten Reich bis Mittleren Reich zuordnet. ".....So habe ich die zwei kleinen mit den Eingängen gerade noch sichtbaren Gräber zwischen Grab 29 und 30 freigelegt, die jeweils nur aus einer kleinen Kammer bestanden. Die eine Kammer, 29b, hat jedoch eine kleine Inschrift, die als Besitzer einen gewissen D3tjj ausweist."

                       Qubett el-Hawa 29b (D3tjj)

Die ohne Pfeiler aus dem Fels geschlagene Kultkammer hat eine Größe von ca. 5 m² - verfügt aber über 2 Schächte, wobei die Bestattungskammer des II. Schachtes ausgeraubt ist, das Skelett aus dem Alten Reich aber gut erhalten erscheint. Die übrigen Bestattungen des Alten Reiches sind dagegen stark gestört. Insgesamt konnten die Wissenschaftler die Knochen für 28 Bestattungen zugeordnet werden - wahrscheinlich wurde auch das Skelett des D3tjj identifiziert. Lt. Edel trug dieser die Titel "Vorsteher der Barke" und "Vorsteher der fremdsprachigen Söldner".

(Bild: mit frdl. Genehmigung Jörg Müller Okt. 2011)

 

QH 30
- Heqaib II. (
hqa-jb) -

Das Grab Qubbet el-Hawa Nr. 30 gehört dem Priestervorsteher Heqaib (II.), Sohn der Sat-Hathor und des Chunes, der etwa vom Ende der Regierungszeit Sesostris III. oder am Beginn der Regierung Amenemhet III. (Mittlere Reich) seine Amtszeit hatte.

Heqaib II. gehört das letzte "große" Felsengrab  (ca. 80 m² ) auf dem Qubbet el-Hawa. Es liegt südlich vom Grab Sarenputs II. (Nr. 31), zeigt architektonisch ein verändertes Konzept und ist unfertig geblieben. Von allen späteren "Bürgermeistern und Priestervorstehern" und anderen Angehörigen der Oberschicht Elephantines sind bisher keine Gräber auf der Qubbet el-Hawa gefunden worden. 

 Vorhofbereich mit Eingang QH 30 - Heqa-ib II.
Oktober 2011 - der Vorhof ist total versandet

                                                                      (Bilder:  mit frdl. Dank Jörg Müller)

Das Grab besitzt eine Felsenhalle, die man durch eine 2,50 m hohe und 1,10 m breite Türöffnung betritt. Die Halle erstreckt sich 9,50 m in die Tiefe. Zwei Reihen mit je drei Pfeilern teilen den Raum längsseitig in drei Schiffe. In der Rückwand des Mittelschiffes befindet sich eine Nische, die einst eine Statue des Heqa-ib enthielt. Sie war wohl nicht verschließbar, denn die Archäologen fanden keine Einarbeitungen für die Drehzapfen der Türflügel. Außerdem fehlt der Türanschlag. Die Nische ist 1,50 m hoch, 1,07 m breit und hat eine Tiefe von 0,96 m.

                                                                          Grabungsmagazin im Innen des Grabes
Das Grab des Heqa-ib II. ist für Besichtigungen nicht zugänglich und wird heute als Grabungsmagazin benutzt. Erforscht und publiziert wurde Qubbet el Hawa 30 schon durch die Ausgrabungen unter H. W. Müller
                                                              (Bilder: Jörg Müller - Oktober 2011)

Die Statuennische zeigt auf der Sandsteinplatte in ihrer Rückwand Malerei: ein großes dreistieliges Papyrusbüschel mit Dolden; die beiden seitlichen Pflanzen neigen sich nach unten über zwei große Salbgefäße. Unter den beiden hängenden Dolden ist je ein Alabaster-Salbentopf dargestellt. Den beiden Dolden sind hieratische Schriftzeichen zugeordnet. Darüber ist Heqaib links und rechts dargestellt, wie er aus dem Westen kommend in das Grab hineingeht (Müller 1940 93ff., Abb. 46 Tf. XXXIX). Heqaib trägt langes bis auf die Schulter reichendes Haar,  einen breiten Perlenkragen und den über die Knie im spitzen Winkel vorspringenden Schurz. Der dargestellte Grabinhaber  hält in der einen Hand einen auf den Boden gesetzten Stab und in der anderen das Zepter. Der Name des Grabeigentümers hat sich in der unteren Hälfte einer senkrechten Inschriftenzeile  vor der rechten Figur erhalten. 

"Vorsteher der Gottespriester (?) Heka-ib, geboren von der Sat-Hathor, der Seligen."

Heqa-ib II. von Elephantine trägt nicht mehr den Titel eines "Großen Oberhaupts" der Provinz und stammt auch nicht aus der Familie der bisherigen Provinzherrscher, sondern aus einer "neuen" Familie. Sein Vater trägt keinerlei Titel und wird nur einmal auf der Statue seines Sohnes (No. 17) erwähnt. (Quelle: Detlef Franke/Das Heiligtum des Heqaib auf Elephantine; Heidelberger Orientverlag 1994)

Ende der 60ziger Jahre begannen die Mitarbeiter der Bonner Uni die Kultkammer zu reinigen. Der Boden war durch Sandeinwehungen ca. 30-50 cm hoch mit Flugsand bedeckt. Während dieser Arbeiten barg man im Mittelgang sowie im Nordschiff der Kultkammer noch einige Fundstücke, welche mit den Nummern 30/1 bis 30/117 registriert wurden. Unter diesen Fundstücken befanden sich neben 10 spätzeitlichen Bestattungen auch Fragmente beschrifteter Holztafeln, dazu Teilstücke von typischen Grabbeigaben aus dem Mittleren Reich, wie Gefäße, Gefäßteile sowie zahlreiche andere Grabbeigaben bzw. Fragmente von diesen. Bei der anschließenden Reinigung des Südschiffes (besonders die Südwestecke) im Jahre 1973 fand man weitere Fundstücke. Sie wurden dokumentiert (Fund-Nr. 30/118 bis 30/157). In der Südwestecke wurde ein Schacht festgestellt - hier und auch an anderer Stelle der Kultgänge könnten sich weitere Zugänge zu einigen noch nicht erschlossenen Bestattungsanlagen wahrscheinlich, da vermutlich die Bestattungsanlage des Heqa-ib II. bis zum heutigen Tag noch nicht vollständig gereinigt wurde. 

Einige Fundstücke aus QH 30 befinden sich heute in der Sammlung des Bonner Ägyptologischen Seminars. Diese gelangten im Rahmen der damals üblichen Fundteilung durch das SCA in den Besitz der Ausgräber. Die andere Hälfte des Grabfundes muss sich heute noch im Museum von Kairo befinden. (Quelle: EDEL - Nachlassausgabe, § 6-7)

 QH 30b
- Anch-nef-itef -

Das Grab Qubbet el-Hawa 30b wird lt. Edel aufgrund der 15 gefundenen Töpfe einem Anch-nef-itef zugeordnet. Dieser trägt den Titel "Kapitän" (jmj-jrtj und jmj-rS). Dieser Titel findet sich u. a. auch häufiger bei den Teilnehmern der Steinbruchexpeditionen. Elmar Edel grub diese Grabanlage in den Jahren 1959 bis 1967 aus. 

                                       Eingang und Vorhof Qubbet el-Hawa 30b - Anch-nef-itef
Der Eingang von Qubbet el-Hawa 30b hat eine Breite von ca. 0,80 m, die Höhe beträgt ungefähr 1,70 m. Die Unterkannte der Eingangstür ist nicht genau zu erkennen (aufgrund der vorgelagerten Sandverwehungen)

                                                                                 (Bilder: Jörg Müller)

Das ca. 10 m² große Grab des Anch-nef-itef verfügt über einen Grabschacht mit einer dazugehörigen Sargkammer und befindet sich etwas nördlich von Qubbet el-Hawa 29. Es liegt etwas  höher als der Eingang von QH 31, von dessen Vorhof es etwa 12 Meter südlich gelegen ist. Das Grab wies keinerlei Beschriftungen auf und konnte zunächst keinem Besitzer zugeordnet werden. Elmar Edel datiert das Grab an das Ende der  I. Zwischenzeit (nach F. W. Rösing: Alte Reich).

Das Grab verfügt über einen Grabschacht mit einer dazugehörigen Sargkammer. Edel hatte die Kultkammer bereits 1959 ausgegraben, während die Sargkammer erst im Frühjahr 1968 durch Edel bei der Suche nach beschrifteten Opfertopfen freigelegt wurde. Die Decke des Grabes wird von nur einem Pfeiler gehalten. Von der Hauptkammer gibt es ein kleines "Fenster" in eine Nebenkammer. Diese hat wahrscheinlich als eine Art Magazinraum gedient. 

Bei der Freilegung der Sarkophagkammer fand man einige bereits zu Staub zerfallene Sargreste sowie 15 beschriftete Töpfe und eine halbkugelige Schale, die innen und außen beschriftet war. Aus diesen Funden konnte man den Grabinhaber Anch-nef-itef identifizieren, ebenso seinen Sohn Sobekhotep. Die Schale enthielt eine Liste von Grabbeigaben des Sohnes an seinen Vater, welche diesem mit ins Grab gegeben wurde. Der Anfang des Innentextes lautete: "Aufstellung der versiegelten (Dinge), die dem Besitzer dieses Grabes von Sobekhotep gegeben wurden, als er seine Vater in ihm (=dem Grab) begrub". U. a. fand auf den Listen neben den Nahrungsmitteln auch die Erwähnung eines Beils (mjnbjt). Natürlich war dieses Beil längst gestohlen, da es eine wertvolle Kupferklinge besaß.

Bei der Untersuchung der Grabkammer wurden lt. Prof. Rösing  31 verschiedene Bestattungen gefunden, die den Anthropologen nach wahrscheinlich in das Alte Reich gehören. Davon fanden sich in der

  1. Schachtfüllung:  8 Männer, 
                               9 Frauen
                               3 Nichterwachsene

  2. Sargkammer:    7 Männer, 2 Frauen und 3 Nichterwachsene

 

 QH 31
- Sarenput II. - 

Das Grab des Fürsten Sarenput II. (Qubbet el-Hawa 31) aus der frühen 12. Dynastie zählt zu den schönsten und besterhaltenen Gräbern in Qubbet el-Hawa. Sarenput II. wird in der Sekundärliteratur meist als "Gouverneur" von Elephantine bezeichnet. Hinter dieser allgemeinen Titulatur steckt jedoch eine Vielzahl von anderen altägyptischen militärischen, religiösen und mondänen Titeln der teilweise sehr hohen Ämterhierarchie, die nicht vergleichbar sind mit dem Amt eines heutigen Gouverneurs, sondern viele verschiedene Bereiche beinhalten. Sarenput II. hatte lt. Grabinschrift folgende Titel inne:

Gaufürst

Siegelbewahrer des Königs Unterägyptens

oberster Vorsteher der Handwerker (#rp Hm[w]wt wr) - (Urk. VII. 9, 1; vgl. Fischer, Varia, 66;

Truppenführer bei Expeditionen (jmj-ra mAa

Liebling des Königs beim Organisieren der Patrouillen der Türöffnung der südlichen Wüstenländer";
 
[mH-jb nj Nswt m Tzj pXrwt ra aA xAswt rsk)w=t] Urk. VII. 8, 18, 16, vgl. E. Edel ZÄS 87 (1962)

Bekannter des Königs (Urk. VII. 9,1)

Vorsteher der Priester des Chnum und der Satet.

Sarenput amtierte unter Sesostris II. (ca. 1882-1872 v. Chr) evtl. auch noch unter Sesostris III. (ca. 1872-1852 v. Chr.). All seine Titel und Namen sind auf der Rückwand am hintersten Ende des Grabes festgehalten. Sarenput II. trug einen zweiten Namen, der Nub-kau-Re-nacht (Nub-kau-Re ist stark)) lautet. Für diesen Namen benutzte er den Namen des regierenden Herrschers (Nub-kau-Re = "Golden an Ka-Kräften, ein Re" nach Schneider) den Thronnamen von Amenemhet II. - eventuell wurde er unter diesem Herrscher geboren. Die beiden Namen bezeichnen die gleiche Person, nämlich Sarenput II., was aus dem in allen Darstellungen gleich lautenden Amen seines Sohnes Anchu hervorgeht. Eine nachträgliche Abänderung der Inschriften in den Malereien ist nicht zu erkennen. Die Anlage seines Grabes erfolgte aber wahrscheinlich unter der Regierung von Sesostris II. Sarenput II. war der letzte königliche Beamte, der den Titel eines Provinzherrschers (Hrj-tp aA) im 1. oberägyptischen Gau trägt (allerdings nur auf seinen Statuen).

Sarenput II. war der Sohn seines Amtsvorgängers Chema und konnte sich bereits auf das von den Vorfahren übernommene Amt berufen. Sein Großvater war ebenfalls Fürst von Elephantine und hieß auch Sarenput (I.). Dessen Grab ist das älteste aus dem Mittleren Reich mit der Nummer 36. Das Amt des "Fürsten von Elephantine" wurde innerhalb der Familie von Generation zu Generation vererbt. Aus diesem Grund konnte sich Sarenput II. bereits auf das von den Vorfahren übernommene Amt berufen:

"Ich bin in dieses Land gekommen, nachdem meine Väter alt geworden waren, die in der Nekropole sind".

Die Verwandtschaft mit Sarenput I. wurde uns durch den Namen der Mutter Satet-hotep und deren Mutter Sat-ten überliefert, welche beide als Tochter und Gemahlin von Sarenput I. an der Fassade von dessen Grab QH 36 erscheinen. Beide führen den Titel einer Priesterin der Hathor. Das Grab von Sarenput II. Sohn Anchu, der im Grab seines Vaters als Knabe mit dem Titel "Graf" dargestellt wird, ist bis heute nicht gefunden worden.

Grabbeschreibung:

Die Grabanlage Sarenputs II. besteht aus einem direkt in den Felsen geschlagenen äußeren Vorhof, der buchstäblich aus dem Felsen ausgehöhlt worden ist. Deutlich erkennbar sind die verschiedenen Schichten des Buntsandsteins, die zeigen wie einheitlich der Felsen hier ist, der in mehreren rötlich-gelben Schichten übereinanderliegt - völlig anders als bei den Felsgräbern von Theben-West. Im Vorhof der Grabanlage gab es keine Säulen, wie z. B. im Grabkomplex von Sarenput I.   Ein hoher, enger Eingang gewährt den Eintritt in das Innere des Grabes. Betont wird schon vom Eingang her in einer weitgehend symmetrische Nordwest-Südost-Ausrichtung des Grabes die sichtbare Darstellung des Grabeigentümers in einer Nische am hinteren Ende des Grabes.

     Eingang zum Grab des Sarenput II. (QH 31)

 

 

 

                         (Bild: Elvira Kronlob)

             Plan von Qubbet el-Hawa - Sarenput II.

Vom 1. Pfeilersaal mit den sechs mächtigen Sandsteinpfeilern führen 9 Stufen in einen langen Korridor, der an den Seitenwänden von je 3 Nischen unterbrochen wird. Der Gang endet in der viel kleineren 2. Pfeilerhalle und schließlich in einer kleinen Kultnische.
                      (Plan Nefershapiland)

Über einen kurzen Gang hinter dem Eingang erreicht man eine von sechs Pfeilern gestützte Halle. Diese Pfeiler sind ebenso wie die Wände der großen Säulenhalle nicht dekoriert, trotzdem beeindruckt die Strenge des ungeschmückten Raumes mit den sches mächtigen gebänderten Sandsteinpfeilern.

        Qubbet el Hawa Nr. 31 Sarenput II.       

Blick vom 1. Pfeilersaal  in das Innere des Grabes
zur Kultnische 
                       (Bild: Elvira Kronlob)

                Eingang zum Korridor

Über eine Flucht von 9 Treppen gelangt man in einen langen schmalen weißgetünchten Korridor. 

             (Bild: Peter Alscher)

                
Über eine Flucht von 9 Treppen gelangt man in einen langen schmalen Korridor-

                 Opfertisch

Zwischen der zweiten und dritten Pfeilerreihe der 1. Halle steht ein Opfertisch in situ. Dieser trägt die Namen und Titel des Grabeigentümers. Die Familie, Priester des Totenopferkultes oder sogar einfache Besucher konnten hier ihre Opfergaben für den Toten niederlegen. Auch eine Libation aus Wasser war hier möglich.

(Bild: Dieses Bild wurde von seinem Autor Daniel Csorfoly, Budapest 2007 als public domain erklärt)

Über eine Flucht von 9 Treppenstufen gelangt man in einen Korridor, der mit einer dünnen weißen Tünchschicht grundiert und geebnet ist. An beiden Seiten wird der gewölbte Korridor von je 3 lebensgroßen mumienförmigen Figuren flankiert. Die Figuren stellen den Grabeigentümer entweder schmucklos und unbeschriftet mit schwarzer Hautfarbe (Farbe des schwarzen Nilschlammes) oder in Ornat mit der rötlichen Hautfarbe lebendiger Personen, auf der Brust einen breiten Usech-Kragen und mit einer gefärbten Perücke auf dem Kopf. Die Textkolumne mit Hieroglyphen auf gelbem Grund hinterlässt der Nachwelt den Namen, die Titel und die Funktionen des Verstorbenen.

Mumienförmige Figur Sarenput II. 
- schmucklos und unbeschriftet in der Farbe des schwarzen Nilschlammes -

 

 




(Bild: Elvira Kronlob)

Mumienförmige Figur Sarenput II.
- im
Ornat mit der rötlichen Hautfarbe lebendiger Personen. In der Textkolumne auf der Brust stehen Name und Titel, -
"Der Gaufürst, der Siegelbewahrer  von Unterägypten, der einzige Freund, Vorsteher der Priester des Chnum, Sarenput, wahr an Stimme (=gerechtfertigt)"

(Bild: Elvira Kronlob)

 

Die Wände zwischen den Nischen tragen gemalte Alltags-Darstellungen des Verstorbenen gezeichnet auf blau-grauem Grund.
(Bild links:
Elvira Kronlob)

                        Inschrift über dem Fürsten
                       (Bildausschnitt:
Peter Alscher)

Über und vor der Figur des Fürsten und über der Figur seines Sohnes befinden sich Inschriften. Die Inschrift über der Figur des Fürsten und die Hieroglyphen der senkrechten Zeile über Anchu sind unvollendet; sie sind farbig ausgeführt und heben sich von hellblauem Grund ab, haben aber keine Konturen und keine Innenzeichnung erhalten. Die senkrechte Zeile vor der Figur des Fürsten hat blau gemalte Hieroglyphen auf weißem Grund und blaue Zeilenlinien.
Die vier waagerechten Zeilen lauten:  (Bild siehe rechts oben)
  1. Prinzregent und Reichsgraf, Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten
    (und) einziger Freund, Priestervorsteher des Chnum, Herr des Qebehu
    (Gebiet des 1. Kataraktes - Ort der Nilquellen)
  2. Sarenput, er sagt: Ich bin zu diesem Land gekommen im Gefolge der Ältesten der Väter.
  3. Ich habe Recht(es) getan für meinen Gott. Ich bin gelangt (doch) zu seinem kA
    (Ich bin gelangt zu seinem kA = ich bin gestorben)
  4. Entsprechend tat ich nicht Böses/Ungerechtes. Nicht verunglimpfte ich den Anderen, wenn er auch schlecht redete

- Copyright der Zeilen 1-4: Übersetzung: gemeinsam erarbeitet im Forum  -

(Übersetzung der beiden unteren Texte aus: Müller/Felsengräber der Fürsten von Elephantine 1940)

Die Fortsetzung des Textes in der senkrechten Zeile vor der Figur des Fürsten:
"wenn er (scil. "der Feind") Böses gegen mich sagte. Der Graf Sarenput, der Gerechtfertigte, der Herr der Würde, geboren von Satethotep, der Gerechtfertigten, der Herrin der Würde."

Die senkrechte Zeile über die Figur des Prinzen Anchus lautet:
"Sein geliebter Sohn, den er liebt, den er täglich lobt, Graf Anchu, der Gerechtfertigte"-

(Die Texte dieses Grabes sind von Kurt Sethe in die Urkunden VII. 7ff. aufgenommen worden.)

Der lange schmale Korridor mit einer leicht gewölbter Decke mündet in einer zweiten Pfeilerhalle, welche viel kleiner ist als die erste. Dieser Kultraum ist ungefähr quadratisch; seine Abmessungen betragen 4,15 Meter in der Tiefe und ca. 4 Meter in der Breite. Der Fußboden sinkt nach Westen hin ab und mit ihm auch die Decke. Zwei Paare schlanker Pfeiler stützen die Decke unmittelbar ohne ein Gebälk und gliedern den Kultraum in ein breites Mittelschiff und zwei sehr schmale Seitenschiffe: die Höhe des Raumes beträgt im Mittelschiff wie in den Seitenschiffen 2,80 Meter.

Die vier quadratförmigen in Werksteinblöcken in die Kultkammer eingebrachten Pfeiler sind weiß getüncht. Auf den dem Mittelgang zugewandten Flächen ist über dem weißen Sockel ein Bild des Grabeigentümers Sarenput II. angebracht, der stehend dem Grabeingang zugewandt ist.  Die Darstellungen zeigen viermal die gleiche Figur in der gleichen Haltung und Tracht: mit langem Haar, Perlenkragen dessen Streifen durch je eine Reihe schwarzer und weißer Scheibenperlen getrennt sind mit blauen Armbändern, im gestreiften einfachen Schurz und mit weißen Sandalen. In den Händen hält der Fürst den Stab und das Szepter. Über dem Bild des Verstorbenen befindet sich eine senkrechte Kolumne aus schwarzen Hieroglyphen auf gelbem Grund. Die Inschriften lauten auf allen vier Pfeilern bis auf den Priestertitel gleich. Die Hieroglyphen sind schwarz und stehen auf gelbem Grund.

"Der Erbfürst und Graf, Siegler des Königs von Unterägypten, Einziger Freund"
Pfeiler 1 Vorsteher der Priester des Chnum
Pfeiler 2 Vorsteher der Priester der Satis
Pfeiler 3 Vorsteher der Priester der Satis
Pfeiler 4 Vorsteher der Priester des Chnum
"Sarenput, der Gerechtfertigte, der Herr der Würde."

(Inschriften nach Detlef Franke: Das Heiligtum des Heqaib auf Elephantine/Heidelberger Orientverlag 1994)

          Pfeilerdekoration der 4-Säulenhalle
              - mit Abbild des Verstorbenen -
 mit Inschriften über Ämter und Priesterfunktionen.

links:   "Der Gaufürst, der Siegelbewahrer von Unterägypten, der einzige Freund, Vorsteher der Priester der Satet, Sarenput."
rechts: "Der Gaufürst, der Siegelbewahrer von Unterägypten, der einzige Freund, Vorsteher der Priester des Chnum, Sarenput."

Quelle: Sethes Urkunden VII, 7-9; - dt. Übersetzung: Müller/Felsengräber der Fürsten von Elephantine 1940)

(Bild: Ben Titze - als public domain)

Pfeilerdekoration in der 4-Säulenhalle Sarenput II.











(Bilder: Elvira Kronlob)

 

Den zentralen Mittelpunkt des gesamten Grabes bildet eine kleine Nische am hintersten Ende des Grabes. Die Farbenprächtigkeit der Darstellungen erscheinen als wären sie erst gestern auf die Wände des Grabes gemalt worden. Ebenso erstaunt die künstlerische Ausführung der Bilder und der einzelnen Hieroglyphen in dem ansonsten recht einfachen Grab. In der Kultnische war eine granitene Statue des Fürsten aufgestellt. Die erhaltene untere Hälfte dieser Statue befindet sich im Britischen Museum.

In der zentralen Szene auf der Rückwand der Kultnische ist Sarenput II. sitzend auf einem niedrigen Stuhl vor einem reich gedeckten Opfertisch dargestellt. Vor dem Opertisch und viel kleiner als sonst üblich, ist sein Sohn Anchu dargestellt. Dieser überreicht seinem verstorbenen Vater eine sich öffnende Lotosblume als Zeichen der Wiedergeburt. Anchu hat kurzgeschorenes Haar, einen gelben Halsreif und eine einfache Kette mit großen blauen Perlen. Er trägt den doppelten Schurz.

                 Zentrale Rückwand der Kultnische                            Linke Wand der Kultnische
Auf der Rückwand der nischenartigen Kapelle ist der Verstorbenen auf einem Stuhl  mit niedrigen Lehnen sitzend dargestellt und streckt seine Hände nach dem reich gedeckten Opfertisch aus. Gekleidet ist Sarenput II. in einem einfachen Lendenschurz und um seinen Hals trägt er er den breiten sogenannten Usechkragen. In den Inschriften über der Szene ließ Sarenput II. seinen Zweitnamen "Neb-kau-re-nacht" unüblicherweise in der Kartuschenform der Könige schreiben, was evtl. seinen Einfluss und seine Macht in diesem Gau demonstrieren sollte. Die Inschrift in dieser Kultszene ist wegen des ungewöhnlichen Zeilenumbruchs nicht ganz einfach zu lesen:

Fürst Sarenput II. schreitet in dieser Szene an der linken Wand in das Grab hinein. In seiner Hand hält er das Sechemszepter, das Symbol der Macht und seines hohen Amtes. In der anderen Hand scheint er einen Speer zu halten. Gefolgt wird er von seinem Sohn Anchu, der seinen Arm als Zeichen der Ehrerbietung vor seiner Brust verschränkt hält.
Getrennt durch eine Kolumne mit Hieroglyphen auf gelbem Grund steht ihm seine Frau gegenüber. In jeder Hand hält sie eine Blüte des Blauen Lotos. Die Inschrift ist zum Teil zerstört, so dass der Name nicht mehr erhalten ist. Lesbar sind ihre Titel: "Priesterin der Hathor und des Chnum" Interessant sind in dieser Darstellung die Reste des Quadratnetzes, welche dem Zeichner bei der richtigen Ausrichtung seiner Personen der Tradition nach halfen.
Rechts:  "Der geehrte bei Satet, der Herrin von Elephantine und der Nechbet, Nub-kau-re-nacht."

Links: " Der geehrte bei Chnum, dem Herrn des Kataraktes auf Elephantine, der Graf Nub-kau-re-nacht."

Über der Figur des Knaben stehen vier kurze senkrechte Zeilen:
"Sein leiblicher Sohn, den er täglich lobte und liebte, Anchu."

"Ein Opfer, das (der König) gibt für Anubis, den Herrn der Nekropole, und für Geb, das Opfer, das er gibt für Osiris, den Herrn des Westens für den Ka des Erbprinzen, des Siegelbewahrers von Unterägypten, des Prinzen, der das Herz des Königs füllt, der Befehlshaber der Grenzpatrouille des Eingangs der südlichen Fremdländer, der Gaufürst, der Vorsteher der Priester der Satet, der Herrin von Elephantine, der Vorsteher des Expeditionskorps, Sarenput, wahr an Stimme. Sein Sohn, sein geliebter, der Prinz Anchu, wahr an Stimme."

  (Bild: Elvira Kronlob)

(Bild: Elvira Kronlob)

                       (Quelle zu den Hieroglypheninschriften: Sethe, Urkunden des Mittleren Reiches VII, 7-9
                                                Übersetzung: Felsengräber der Fürsten von Elephantine/Hans-Wolfgang Müller 1940)   
         
                                     Literatur: www.osirisnet.net/tombes/assouan/sarenpout_2/e_sarenpout_2.htm  - 
                                                    Thierry Benderitter, übersetzt ins Deutsche von Brigitte Goede.
                                      und "Felsengräber der Fürsten von Elephantine (Hans-Wolfgang Müller 1940")

Der niedrige Tisch, auf dem die Speisen aufgehäuft sind,  hat einen in der Mitte eingezogenen, säulenförmigen Fuß, der die runde Tischplatte trägt. Der Fuß und die Tischplatte sind blau. Auf der Tischplatte, deren Durchmesser gering ist,  steht ein großer runder Korbteller, der all die Speisen enthält, die über ihm in der Fläche zu einem farbenprächtigen Stilleben ausgearbeitet sind.

             Rechte Wand der Kultnische
Die rechte Seitenwand der Kultnische schließt mit der Speiseszene unmittelbar an das Bild der Rückwand an. Die Mutter des Fürsten Satet-hotep sitzt vor dem reich gedeckten Tisch  und streckt die rechte Hand nach den Speisen aus, in der Linken hält sie drei Lotosblumen. Sie trägt langes Haar, einen breiten Kragen, der aus bunten Perlenreihen besteht, dazu blaue Armbänder in durchbrochener Arbeit. Sie sitzt auf einem schwarzgelb gemaserten,  löwenfüßigen Stuhl. Auf der Tischplatte vor ihr steht eine Reihe grüner "Schilfblätter" mit schwarzen Spitzen, über denen die zahlreichen Speisen aufgestellt sind.          

 

  (Bild: Elvira Kronlob)

Ohne einen inneren Zusammenhang mit der sitzenden Satet-hotep ist rechts der Gaufürst in weißem Schurz mit Stab und Zepter, stehend aus der Kultnische heraus dargestellt.  Der Fürst trägt einen Perlenkragen mit blauen Streifen: blau sind auch die Armbänder an den beiden Handgelenken. Die Inschrift, die in sieben senkrechten Zeilen über den Fürsten angeordnet ist, lautet:
"Gnädig sei der König und gebe, gnädig sei Anubis und gebe, der Herr von Ta-djeser in der westlichen Wüste, 
ein Totenopfer von tausend an Brot, Fleisch und Geflügel, ein Opfer an Salbe und Leinen und Alabastergefäßen
und an allen guten und reinen Dingen für den Ka des Erbfürsten und Grafen, den Oberbefehlshaber der Steinmetze von Necheb
(Elkab), des wirklichen Bekannten des Königs, den er liebt, des Grafen Sarenput, des Herrn der Würde."
Die dreizeilige Inschrift über Satet-hotep lautet:
"Seine Mutter, die er liebt, Priesterin der Hathor, Satet-hotep die Gerechtfertigte, Herrin der Würde, 
geboren von Sat-ten."

(Übersetzung der Inschriften (Urk. Sethe, Urkunden des Mittleren Reiches VII, 7-9) aus  Felsengräber der Fürsten von Elephantine/Hans-Wolfgang Müller 1940) 

Nebenkammern und Schächte:

In der Südwand der  Empfangshalle sind zwei kleine gangartige Kammern eingetieft. Die annähernd quadratische Öffnung der östlichen Kammer, die etwa 1,20m2 misst, liegt 50 cm über den Boden und erstreckt sich etwa 2,50 m tief in die Felswand. Die Öffnung der westlichen, die etwa 1.00 m2 misst, liegt dicht über der Bodenfläche und erstreckt sich ungefähr 
3 m in die Tiefe. In der Nordwestecke der 1. Pfeilerhalle befindet sich im Boden eine rechteckige Öffnung, die jetzt zugeschüttet ist.

In der Südwand der Kultkammer, nahe der Südostecke führt eine Öffnung von 1.05 m Höhe und 0,90 m Breite in eine niedrige Kammer, die sich etwa 2,80 m in die Tiefe und etwa 2,50 m in die Breite erstreckt. Die Bedeutung der Kammer ist nicht sicher festzustellen, da außer einigen Tonscherben nichts daraus erhalten geblieben ist. Die von der 1. Pfeilerhalle ausgehenden Kammern könnten ihrer Größe nach zu Aufnahme von Särgen der Angehörigen des Fürsten gedient haben. Die Nebenkammer des Kultraumes könnte als Vorratskammer für Opfergaben gewesen sein.

Der Zugang zur Sargkammer liegt in der Nordwand der Kultkammer. nahe der Nordostecke. Ein Gang, dessen Höhe ungefähr 1,80 m und dessen Breite 1,20 m beträgt führt genau in nördlicher Richtung schräg nach unten. Nach wenigen Schritten öffnet sich in seinem Boden ein etwa 5 m tiefer Fallschacht. Budge ist als erster nach der Auffindung des Grabes 1887 in den Schacht gestiegen und hat von hier aus die mutmaßliche Grabkammer des Fürsten gefunden.

In seiner Grabbeschreibung von 1940 schreibt Hans-Wolfgang Müller in seinem Buch: Felsengräber der Fürsten von Elephantine: "Der Verfasser hat auf sein Vorhaben, die Schächte und Gänge aufzumessen verzichten müssen, weil die ihm zur Verfügung stehenden Leitern nicht ausreichten, um die tiefe Schachtsohle zu erreichen."

Es existiert aber die Beschreibung von Budge nach P.S.B.A Vol. X (1888) 29.f.

 QH 32 /Aku

Ein wenig älter ist das Grab des Aku (Nr. 32). Die Eingänge zu den Gräbern QH 31 u. 32 liegen am Ostabhang des Gräberberges in enger Nachbarschaft an einer Wandfläche. Die Eingänge, die zu den Felsenräumen führen, sind von ungleicher Größe; ihre Schwellen liegen in verschiedener Höhe. Beide Gräber stammen aus der 12. Dynastie, sind jedoch nicht gleichzeitig angelegt worden. Das nördliche mit der Nummer 32 ist der Lage nach das ältere, denn der Hof des Nachbargrabes Nr. 31 schneidet von Süden her in seinen Hof ein. Der Hof und die Fassade der beiden Anlagen sind unvollendet geblieben.

Der Eingang zu Grab Nr. 32 (Aku) liegt ebenso wie der von QH 31 am Osthang des Gräberberges.
Ein schmaler stegartiger Zugang führt zu zu dem Grabportal.
(Bilder: Jörg Müller)

Von einem schmalen stegartigen Zugang, dem Überrest des einstigen Hofes, betritt man das Innere der Anlage. welches aus zwei Felsenräumen besteht, einer länglichen Säulenhalle mit zwei Reihen von je drei Pfeilern und einem kleinen Kultraum, in dessen Rückwand sich die Kultnische öffnet. Ein schmaler Gang verbindet die Räume.

Der Eingang mündet in eine große Empfangshalle, die sich 9,50 m in die Tiefe und 7,70 in die Breite erstreckt. Die Öffnung des Eingangs wird von zwei flachen Pilastern eingefasst. Zwei Reihen von je drei Pfeilern und längs gerichtete Architrave gliedern den Raum in drei Längsschiffe, die von ungleicher Breite sind. Durch die Überhöhung des Mittelschiffes und durch die ununterbrochene Flucht der Decke und durch die sie begleitenden längst gerichteten Architrave ist die wichtigste Aufgabe des Raumes, als Weg zum "Allerheiligsten" zu dienen. Durch einen 5,30 m langen Korridor in der Mittelachse der Anlage gelangt man in die Kultkammer. Die Öffnung des Ganges ist im Kultraum von zwei Pilastern seitlich eingefasst. Der Kultraum misst 5,20 m x 3,90 m. Ein Pfeilerpaar, auf dem in der Richtungsachse der Anlage verlaufende Architrave ruhen, trägt die Decke und gliedert auch diesen Raum in drei Schiffe. Das Mittelschiff ist überhöht und seine Höhe beträgt 2,50 m, während die Höhe der Seitenschiffe 2,20 m beträgt.

An der Westwand öffnet sich die Kultnische und nimmt mit der äußeren Umrahmung durch die Pfosten und ihrer Krönung durch die Hohlkehle fast die ganze Breite und Höhe des Mittelschiffes ein. Das Innere der Nische besteht aus der Vornische und der etwas weniger hohen und breiten Statuennische, die durch zwei Türflügel verschlossen werden konnte. Die Inschriften und Darstellungen auf der Frontseite und auf dem Gewände der Nische sind in einer späteren Zeit, als man die unfertig gebliebene Anlage aus dem Mittleren Reich wieder benutzte, angebracht worden. Alle Wände und Pfeiler der Grabanlage sind aus dem gewachsenen Felsen herausgehauen. Die Wand- und Pfeilerflächen und die Decke des Mittelschiffes der 1. Pfeilerhalle (Empfangshalle), die Wände des Ganges und die Frontseite und das Gewände der Nische sind weiß getüncht. Die Tünche bildet den Malgrund für die Darstellungen und Inschriften der Kultnische.

Die Sargkammer liegt unter der Kultnische in etwa 7 Meter Tiefe unter dem Fußboden des Kultraumes. Der Zugang zur Kammer führt durch eine niedrige Öffnung in der Nordwand des Kultraumes. Der Fürst, der sich das Grab im Mittleren Reich anlegen ließ, sollte wohl in der Kammer selbst beigesetzt werden. Ob die beiden schmalen, niedrigen Wandnischen in der Ost- und Südwand der Grabkammer in späterer Zeit, als das Grab wiederbenutzt wurde, oder gleichzeitig mit der Gesamtanlage in den Felsen getrieben worden sind, ist heute nicht mehr zu klären.

Darstellungen in der Kultnische:

Die Rückwand der Nische, die bereits beim Eintritt in die Empfangshalle den Blick der Besucher auf sich zieht, zeigt eine Darstellung des Grabbesitzers mit seiner Frau Rinan und seinem Sohn Chnum-Hotep. Das Ehepaar sitzt gemeinsam auf einer Bank an einem hölzernen Tisch. Vor dem mit  Speisen beladenen Tisch steht der Sohn, der die Opferformeln rezitiert. Die Beischriften geben in schwarzgemalten Schriftzeichen Aufschluss über die Namen der Personen:

  1. über dem Mann steht der Name "Aku",

  2. über der Frau steht "Seine Frau, die Hausherrin Renan",

  3. über dem Sohn steht "Sein ältester Sohn Chnum-Hotep".

Den oberen Abschluss des Bildes wird von einer Reihe hängender Weintrauben gebildet. Aku trägt sein Haar in einer kurzen Lockenfrisur, einen Perlenkragen und den langen weißen, oberhalb der Knöcheln endenden Schurz., dessen obere Kante über dem Gürtel ausgefranst ist. Er hält in der einen Hand eine Lotusblume und mit der anderen Hand hält er ein zusammengerolltes weißes Leinentüchlein. Renan trägt ihr Haar in kleinen Löckchen bis über die Schultern herab. Von ihrem Perlenkragen ist nur die abschließende Reihe schwarzer Tropfenperlen erhalten. Sie trägt ein langes Gewand, das von den Trägern über den Schultern gehalten wird. Der Sohn Chnum-Hotep hat halblanges Haar und ist mit dem einfachen bis über den Knien reichendem Schurz bekleidet. In der herabhängenden Hand hält er das Tüchlein und mit der anderen Hand vollzieht er den Rezitationsgestus.

Die Malereien auf den Seitenwänden der Nische sind weitaus weniger gut ausgeführt als das Bild auf der Rückwand. Die Figuren sind in einem schmalen Streifen über einer Standlinie auf den Seitenwänden der Vornische und der Statuennische angeordnet. Auf dem Streifen auf der südlichen Seitenwand ist ein Zug von Grabbesuchern, der vor der sitzenden Gruppe des Verstorbenen und seiner Gemahlin haltmacht, dargestellt. Den Abschluss des südlichen Streifens bildet die Gruppe von Mann und Frau, die gemeinsam den Besuchern entgegengewandt mit dem Blick aus der Nische herauf auf einer Bank sitzen. Die Haltung der Gruppe ist ähnlich der Darstellung auf der Rückwand. Die Namensbeischrift des Mannes ist verloren, während über seiner Gattin die Beischrift steht: "Seine Frau Sennefer". Auch die anderen Grabbesucher sind inschriftlicht genannt. Die Figurenreihe auf der gegenüberliegenden (nördlichen) Wandseite der Nische schließt vor der Rückwand wiederum mit einer Gruppe von Mann und Frau ab, die gemeinsam auf einer Bank sitzen. Vor dem Mann steht die Namensbeischrift: "Hor-mes" vor und hinter der Frau "Seine Frau, die Hausherrin Tarui". In der Haltung und in der Tracht  gleichen die Figuren der Gruppe bis auf die Haartracht des Mannes, der einen kahlgeschorenen Kopf hat, der gleichen Darstellung auf der Nischenrückwand. Bei den Farben der Darstellungen auf den Seitenwänden ist die Hautfarbe der Männer dunkelbraun; der kahl geschorene Kopf des Mannes gelb mit schwarzen Pünktchen

Die Deckenfläche der Vornische und der Statuennische sind nicht bemalt.

Besonders auffällig sind bei dem Grab QH 32 - besonders in der Nische - die völlig ungleiche Ausführung des Bildes der Rückwand und der Figuren auf den Seitenwänden. Abweichend von den anderen Gräbern (30, 31 und 36) fällt die große Anzahl der Figuren auf. Jede Wand hat eine eigene Hauptgruppe und Nebenfiguren; drei verschiedene Familien ohne erkennbare verwandtschaftliche Beziehungen sind auf den drei Wänden der Nische abgebildet. Keine der dargestellten Personen trägt einen Titel und es fehlen alle Angaben über ihre Herkunft.

(Quelle: LÄ 5. Sp 55ff und "Die Felsengräber der Fürsten von Elephantine"/Hans-Wolfgang Müller, Glückstadt 1940

QH 33
-  Besitzer: unbekannt -

Das Grab Qubbet el-Hawa 33 stammt aus dem Mittleren Reich (ca. 1850 v. Chr.) und ist lt. bisherigen Angaben durch Elmar Edel am Eingang und im Innenraum zum größten Teil versandet. Der Eingang war bislang mit Gestein blockiert. Die andalusische Universität von Jaen unter Dr. Alejandro Jimenez Serrano führen seit 2008 Arbeiten an den beiden Gräbern QH 33 und QH 34 durch. Es soll vorrangig der Eingangsbereich freigelegt werden, gleichzeitig aber auch Reinigungsarbeiten und weitere Untersuchungen. Unter Elmar Edel kam es  sich außer der Kartierung des Grabes und einer kurzen Inspektion, um sich einen Überblick zu verschaffen, zu keinen weiteren Reinigung, da Edel vorrangiges Interesse bei den Opfertöpfen lag. Die Kartierung des Grabes erfolgte dann unter F. Kamp im Jahre 1960.

Zu den Ergebnissen der bisherigen Grabung durch Dr. Alejandro Jimenez Serrano  siehe      www.manetho.de/

Grabeingang und Fundament des freigelegten Vorhofbereiches
(Bilder: mit frdl. Genehmigung Jörg Müller)

 

QH 34 e
-  Chui
(Hwj) -

Das Grab Qubbet el-Hawa 34 e stammt aus dem Alten Reich und gehört zu den größeren Gräbern. Grabeigentümer ist der Fürst und Gottessiegler Huy, dessen Skelett vermutlich identifiziert ist. Das Grab wurde im Neuen Reich nachbelegt.

Die Kultkammer ist ca. 58m² groß und verfügt über 4 Pfeiler sowie 3 Grabschächte.

Nach de Morgan ist QH 34e ein Grab mit nur einem Raum mit je einem Pfeiler etwa in der Mitte rechts und links des Eingangsweges. Im Grab hatte er neben Dekorationen und Hieroglypheninschriften auch koptische Inschriften vorhanden. Die Wanddekorationen zeigen u. a. den auf einen Stuhl sitzenden Grabherrn sowie Szenen von der Herstellung (Rinderschlachtung) und den Darreichung von Opfergaben.

 

Die Schächte der Bestattungsanlage sind schon in der Antike stark geplündert, dagegen sind die Bestattungen des Alten Reiches und des Neuen Reiches in IIISK (Nummerierung nach Prof. Rösing) wenig gestört. Alle übrigen Bestattungen sind stark gestört.

Bei den Ausgrabungen von QH 34e durch den Ägyptologen Elmar Edel konzentrierte sich dieser auf die Grabbeigaben, vornehmlich auf die Töpfe mit althieratisch beschrifteten Texten, welche mit Nahrungsmittel gefüllt dem Verstorbenen mit ins Grab gegeben wurde. Auf vielen dieser Töpfe wurde Name und Titel des Stifters, manchmal auch Angaben über die Eltern des Stifters vermerkt. Im Grab des Chui befanden sich mehrere solcher Opfertöpfe, die mit den Personennamen beschriftet waren.

Prof. Edel reinigte1963 für die Uni Bonn das auch in der koptischen Periode weiter genutzte Grab und räumte dabei die großen Schuttmengen in der Türlaibung und auch vor der Tür. Die Kopten hatten auf dem altägyptischen Schutt vor der Tür eine Kammer aus Bruchstücken errichtet. Der Boden diese Kammer liegt 0,25 m über dem Niveau der früheren altägyptischen Kultkammer, welche eine Abmessung von 3 m x 2,60 m hatte. Der Eingang dieser koptischen Kammer lag in der Nordwand und bildete damit eine Art Vorkammer zur alten Kultkammer aus pharaonischer Zeit. Edel fand im Schutt der koptischen Kammer Überreste von zwei Feuerstellen sowie Reste von Holzkohle und eine geflochtene Matte mit dem Fell eines Tieres. Unter dem Anbau im pharaonischen Schutt fanden die Ausgräber eine große Anzahl Wasserschalen, Muscheln und Augenschminke und Adonisgärtchen.

Bei der Öffnung der Schächte wurde festgestellt, dass sie geplündert waren. Im Schacht I. fand man einen beschrifteten Topf der eine Aufschrift enthielt mit dem Namen " Nefer-Anukis" (Gut ist Anukis). Der Grabeigentümer Chui, der vor allem durch seine Punt- und Byblosreisen bekannt ist, war vermutlich im Schacht III. beigesetzt. Diese Bestattung ist durch die Nachbelegung aus dem Neuen Reich sehr stark gestört. Prof. Edel fand im Korridor zur Sargkammer zahlreiche Holzfiguren, Speichermodelle, Werkstätten und ähnliche Beigaben, die nach Edels Einschätzungen vermutlich zur primären Grabausstattung gehörten.

Das Ausgräberteam fand bei der sorgfältigen Untersuchung von QH 34e zahlreiche Skelettteile. Im Rahmen einer groß angelegten anthropologischen Untersuchungsserie von 1963 bis 1984 wurden diese eingehend untersucht, um Rückschlüsse auf die Bevölkerungsgeschichte ziehen zu können. Problematisch dabei war allerdings, dass alle Grabkomplexe im Qubbet el Hawa von Grabräubern und auch früheren Archäologen durchwühlt waren und viele Knochen zerschlagen wurden. Auch die Verschleppung der Knochenfunde war für die Zuordnung und Restauration ein Problem. Von den insgesamt etwa 1180 geborgenen Individuen (allerdings wurden Individuennummern von 1 bis 1487 vergeben) wurden 730 in 91 Komplexen rekonstruiert und analysiert (siehe Friedrich W. Rösing, Qubbet el Hawa und Elephantine. Zur Bevölkerungsgeschichte Ägyptens)

Fassade und Eingang QH 34 e

(Bild: Jörg Müller)

Die Wanddekorationen zeigen Szenen von der Herstellung (Rinderschlachtung) und den Darreichung 
von Opfergaben.                     
                          (Bild: Jörg Müller)

 

QH 34h 
-  Chunes  - 

 

                   Grab des Chunes (QH 34h)
oberes Bild: Eingangsbereich Chunes-Grab
links:            Pfeiler im Eingangsbereich
(Bilder mit frdl. Genehmigung: Jörg Müller)

Das Grab Qubbet el-Hawa 34h stammt aus dem Alten Reich (VI. Dynastie) und ist architektonisch aufwendig gestaltet. Es verfügt über verschiedene Stollen und Kammer und ist ca. 85 m2 groß. Das Grab hängt links mit zwei kleineren 
(34f und 34 g) zusammen. Die Decke wird von acht Pfeilern getragen. Die Grabanlage besteht aus der Acht-Pfeiler-Kapelle, einem Gang, einer Totenkammer und mehreren Nebenräumen. Einige Wände der Kapelle, die durch den von den Kopten aufgetragenen Mörtel geschützt wurden (das Grab wurde als Kloster verwendet) zeigen noch Fragmente von Alltagsszenen und Opferriten. Die Kultkammer wurde von den Erbauern mit schönen Handwerkerszenen dekoriert. Es sind hier Bäcker, Töpfer, Metallarbeiter am Schmelzofen, Bierbrauer sowie Lederarbeiter dargestellt.

In der Sargkammer von Qubbet el-Hawa 34h fanden sich einige nicht sehr stark gestörte Bestattungen, die in das Alte Reich datiert wurden. Hier wurden auch die Skelette des Grabinhabers und seiner Ehefrau gefunden. Sekundärbestattungen fanden scheinbar in diesem Grab nicht statt. Es ist anzunehmen, dass dieses Grab schon nach dem Alten Reich nicht mehr frei zugänglich war.

QH 34i
Besitzer: unbekannt

Nach dem Général Catalogue des monuments et inscriptions de l'Egypte antique, Wien 1894, 142 von de Morgan trägt dieses Grab die Nummer 11. Es ist ein mittelgroßes Grab aus der Zeit des Alten Reiches. Die 20 m² großen Kultkammer ohne Stützen besitzt 2 Schächte. In den Sargkammern von Schacht I. fand de Morgan stark gestörte Bestattungen.

Fassade und Vorhof von QH 34i
(Bild: Jörg Müller)

Grabschacht in der Kultkammer 
(Bild: Jörg Müller)

 

 QH 34n  (hrw-hwj.f)
     -  Har-chuf  - 

Das Grab des Har-chuf (Harchuf) stammt aus dem Alten Reich, Regierungszeit von Merenre und Pepi II. in der VI. Dynastie. Nach Elmar Edel wird es allgemein mit der laufenden Nr. 34n bezeichnet. Es ist wahrscheinlich eines der ältesten Gräber des Qubbet el-Hawa, welches vor allem wegen seiner autobiographischen Inschriften außen beiderseits des Grabeingangs bedeutsam ist. 

                               Aufgang zu QH 34 n
                                (Bild: Jörg Müller)

Grabfassade QH 34n - Har-chuf 
(Bild: Peter Alscher)

Der Grabinhaber trug die Titel:

  1. Vorsteher aller westlichen und östlichen Fremdländer mit dem Zusatz "der die Produkte aller Fremdländer seinem Herrn bringt."

  2. Vorsteher von Oberägypten

  3. Träger des königlichen Siegels,

  4. Vorlesepriester

  5. Heervorsteher

  6. einziger Freund

a, b)  Pfeiler (zwei Szenen lt. PM V. S. 237
c, d)  Pfeiler (Opfertexte)  lt. PM V. S. 237
e, f)   Pfeiler (Opfertexte)  lt. PM V. S. 237

1-2  Türsturz und Türpfosten
3-4  Brief von Pepi II. an Har-chuf
5,6   Scheintüren

 

(Plan nach PM V. - bearbeit v. Nefershapiland)

Qubbet el-Hawa 34n ist ein mittelgroßes Grab, dessen Hauptkammer eine Größe von ca. 25m² hat, das von Jacques de Morgan in seinem Plan Général in: Catalogue des monuments et inscriptions de l'Egypte antique, Wien 1894 mit der Nummer 15 nummeriert wurde. Das Team unter de Morgan legte im Grab stark gestörte Bestattungen aus dem Alten Reich frei.

Die Decke des Kultraumes wurden von vier Pfeilern gestützt und besitzt einen Schacht und einen Schrägstollen. Das Grab selbst ist nicht koloriert, wirkt jedoch wegen der bereits erwähnten Felsstruktur sehr elegant. 

An der Rückwand des Kultraumes befinden sich zwei Scheintüren sowie zwei Durchgänge, die zu den  Grabkammern führen.
(Bild: Peter Alscher)
Grabschacht


(Bild: Jörg Müller)

 

Die Decke des Kultraumes wurde von vier Pfeilern gestützt.


(Bild;: Jörg Müller)

             Eine der beiden Scheintüren (6)
Am Boden vor der Scheintür wurde aus dem gewachsenen Felsen eine Opferplatte herausgearbeitet.
                      (Bild: Jörg Müller)

Auf dem Türsturz und an den beiden Türpfosten [1-2]  befinden Inschriften mit Opferformeln. Links und rechts der Grabfassade befinden sich Darstellungen des Grabherrn, der sich auf einen Stab stützt. Vor ihm steht sein Sohn mit einem Räuchergefäß. Über und neben diesen Darstellungen befindet sich eine große biographische Inschrift des Grabherrn, die über seine Reisen berichtet.

Grab des Fürsten Harchuf QH 34n 
Kultszene auf der Fassade links vom Eingang

                Grab des Fürsten Harchuf OH 34n
Das Foto zeigt Harchuf in einer reliefierten Darstellung an der Außenwand des Grabes.

Der Verstorbene wird durch den Sohn, der Weihrauch verbrennt verehrt. Der Sohn trägt den kurzen plissierten Schurz, während der Fürst Harchuf den sog. "Vorbauschurz" trägt. Außerdem tragen beide einen breiten Halskragen und eine Löckchenperücke. Harchuf stützt sich auf einen Stab, den einen Fuß lässig angewinkelt. Fürst Harchuf auf der rechten Seite des Eingangsportals vor einer langen autobiografischen Inschrift.



  (Bild: Jörg Müller - in s/w umgewandelt von Nefersh.) 

 

            Linke Portalnische
Höhe der Darstellung: ca. 1,70 Meter
                          Rechte Portalnische
Höhe der Darstellung ca. 1,50 Meter

Har-chuf ist einer der Gaufürsten von Elephantine, die für den Südhandel zuständig waren. In seinem Grab berichtet er ausführlich, von seinen vier Reisen (davon 3 unter Merenre und eine unter dem noch kindlichen Pepi II.) in den Süden, nach Nubien. Noch unter König Merenre erhielt Har-chuf den Befehl - wohl von der königlichen Residenz in Memphis aus - in den Süden in das ferne Land "Iam" (Jam) zu reisen. Jede dieser Reisen dauerte 7 - 8 Monate.

Die Lokalisierung des Landes "Iam" (Jam) ist bis heute nicht genau geklärt. Besondere Bedeutung wird hierbei auf die in der Inschrift genannte Route und der Reisedauer von 7-8 Monaten zugemessen. Im Gespräch sind hierbei das heutige Mahass, die Gegend des 2. Katarakts oder noch weiter nördlich. Bedeutung hat auch die Tatsache, dass Iam Söldner für das ägyptische Heer stellte - was für die Oase Dunkul, die Gegend um Kerma (antike Stadt in Nubien), Darfür ( Region im Westen des Sudans) sowie das Wadai (eine Region im Tschad)

Was die anderen Gebiete angeht, so dehnte sich Wawat vom 1. Katarakt ein ziemliches Stück nach Süden aus, Irtje wurde endgültig in der Gegend von Tomàs, auf halbem Wege nach Wadi Halfa, festgelegt.

Inschrift rechts am Eingang:
Auf seiner 1. Reise wurde Har-chuf von seinem Vater Iri begleitet und sie führte ihn durch die Gebiete von Wawat, Irtjet und Datju (wohl ein Gebiet im südlichen Unternubien).
Da von seinem Vater aber kein Grab in der Nähe von Elephantine vorhanden ist, ist anzunehmen, dass er in der Residenz gelebt hatte und dort begraben worden ist.
"Die Majestät des Me-ren-re, meines Herrn, sandte mich nach Iam zusammen mit meinem Vater, dem einzigen Freund und Vorlesepriester Jrj, um den Weg nach diesem Lande zu erkunden. Ich vollbrachte es innerhalb von sieben Monaten und brachte schöne, seltene Gaben aus ihm. Ich wurde deshalb überaus gelobt.

König Merenre sandte Har-chuf auf eine zweite Expedition nach Nubien. Auf dieser Reise wählte Har-chuf den "Elephantineweg". Die Reiseroute über den sogenannten "Elephantenweg" (d. h. über Elephantine) parallel zur nächsten Reise, in der der "Oasenweg" der Weg über die Oasen ist - scheint einer der Gründe zu sein, weswegen man annimmt, dass Har-chuf eben nicht von seiner Heimatstadt Elephantine aus gestartet ist. Diese Expedition dauerte 8 Monate und Har-chuf konnte danach seinem König berichten, das die Irtet und die Setu von nur einem Herrscher regiert wurden. An der Südgrenze zu Ägypten bildete sich also ein mächtiger Konkurrent für die Verteilung der wichtigen Ressourcen.

Zweite Expedition nach Iam

"Seine Majestät sandte mich zum zweiten Mal, indem ich allein war. Ich zog aus auf dem Elephantineweg und stieg herab über Meher, Tereses und Irtjet, die in Irtjet gelegen sind, innerhalb von acht Monaten. Ich stieg herab und brachte Gaben aus diesem Land in sehr großer Menge, derengleichen nie zuvor in dieses Land gebracht worden war. Ich stieg herab in die Gegend des Hauses des Herrschers von Satju und Irtjet, nachdem ich diese Fremdländer erkundete hatte. Ich fand nichts, dass irgendein Freund und Vorsteher der Fremdsprachigen vollbracht hat, der früher nach Iam ausgezogen war."

Diese dritte Reise wird in der autobiographischen Inschrift Har-chufs besonders ausführlich beschrieben und man erfährt Details zur politischen Situation im Süden und der Stellung der Ägypter dazu. Auffallend ist, dass Har-chuf für diese Reise einen anderen Reiseweg gewählt hat als bei den beiden anderen Reisen - nämlich den Oasenweg. Da Unternubien zu dieser Zeit ein Unruheherd war und der Fürst von Irtjet und Satju zu dieser Zeit auch das Gebiet von Wawat unter seiner Kontrolle gebracht hatte, nahm Har-chuf den Weg von Abydos aus in die Libysche Wüste, evtl. um nicht mit im nubischen Niltal ansässigen Stämmen in Konflikt zu geraten. Har-chuf erwähnte auf seinen Inschriften, dass er besonders wachsam war und deshalb der Herrscher von Irtjet und Satju von einem Überfall absah.

Meren-re sandte Har-chuf noch ein drittes Mal nach Iam. Auf dieser Reise folgte Har-chuf den alten Karawanenstraßen nach Osten in das Land Iam. Dort angekommen erfuhr er, dass der König von Iam zu einem Feldzug gegen die lybischen Stämme aufgebrochen war. Har-chuf eilte dem Herrscher von Iam mit dem ihm zur Verfügung stehenden Herr - das zum Schutz der Expedition mitreiste - zur Hilfe und unterstützte ihn im Kampf gegen die Libyer. Danach konnte Har-chuf seine 300 Esel mit den Waren von Iam beladen: Pantherfelle, Elfenbein, edle Hölzer und ´Weihrauch, die zu allen Zeiten in Ägypten begehrte Importgüter waren.

Har-chuf kam mit seiner Karawane nun unbeschadet am 1. Katarakt an und schiffte sich zur Residenz des Königs ein, um ihm die Waren des Südens zu bringen.
Doch der König Meren-re war zu diesem Zeitpunkt schon verstorben.

"Seine Majestät sandte mich nun zum dritten Mal nach Iam. Ich zog aus aus, abzweigend vom Thinitischen Gau auf dem "Oasenweg". Ich fand den Herrscher von Iam, indem er in das Tjemeh-Land gezogen war, um den Tjemeh bis in die westliche Ecke des Himmels zu schlagen. Ich zog hinter ihm her ins Tjemeh-Land. Ich stellte ihn zufrieden, so dass er alle Götter für den König pries. [Ich schickte einen Boten fort (?)...] Iam..., zusammen mit einem Mann aus Iam zum Gefolge des Horus, um die Majestät des Meren-re, meines Herrn, zu unterrichten, [dass ich gegangen war nach dem Tjemeh-Land] und zufriedengestellt habe den Herrscher von Iam. [Ich kehrte zurück indas südliche Ende von Irtje und das nördliche Ende von Satu, und ich fand den Herrscher von Irtje, Satu und Wawat [diese drei Länder] vereinigt alle zu einem und kehrte zurück mit 300 Eseln, die beladen waren mit Weihrauch, Ebenholz, Hekenu-Öl, Pantherfellen, Elfenbein, tnjs-Stöcken und allen guten Dingen. Als der Herrscher von Irtje, Satu und Wawat sah, wie stark und zahlreich die Truppe von Iam war, die mit mir zur Residenz zurückkehrte samt den Soldaten, die mit mir ausgeschickt worden waren, entließ mich dieser Herrscher und gab mir Ochsen und Ziegen und führte mich über die Höhen von Irtje wegen der Umsicht, die ich bewiesen hatte über die jedes Freundes und Aufsehers der Dolmetscher hinaus, der zuvor nach Iam geschickt worden war. Da nun dieser bescheidene Diener stromab fuhr zur Residenz, ließ man zu mir kommen den einzigen Freund des Königs und Vorsteher der beiden Bäder, Chuni, indem er mich einholte mit Schiffen, beladen mit Dattelwein, Kuchen, Brot und Bier. 

Der Fürst, Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten, einziger Freund, Lesepriester, Siegelbewahrer des Gottes, Vertrauter der (königlichen) Befehle, Har-chuf."

(Übersetzung teilweise nach Gardiner /Geschichte des Alten Ägypten 1962 und Urk.I. 124-127 Sethe/Übersetzung nach Edel, Inschriften AR.)

Meren-re regierte etwa 6-7 Jahre, allerhöchstens 15 Jahre - ihm folgte sein Halbbruder Pepi II. auf den Thron Ägyptens, der damals noch ein Kind gewesen sein musste. 

Pfeilerdekoration
Der Grabherr ist bekleidet mit einem Vorbauschurz und einem breiten Halskragen. In seiner linken Hand hält er ein Sechemszepter, in der rechen Hand einen langen Stab.
(Bild:
Elvira Kronlob)

Pfeilerdekoration
eine der zahlreichen hieroglyphischen Inschriften

 

(Bild: Elvira Kronlob)

 

Hieroglyphische Inschriften an den Pfeilern, 
die zweimal den Geburtsnamen Pepi II. in einer Kartusche beinhaltet
.
(beide Bilder:
Elvira Kronlob)

 

Ein bemerkenswertes Ereignis von einer seiner Reisen aus den ersten Regierungsjahren von König Pepi II., das als Dokument (Urkunde I., 128-31) erhalten geblieben ist, ließ Harchuf voller Stolz an eine Wand  in seinem Felsengrab einmeißeln. Es handelt sich dabei um einen persönlichen Brief des zu dieser Zeit etwas 8jährigen Königs Pepi II. (Nefer-ka-Ra) an den Beamten Harchuf,  aus dem zweiten Regierungsjahr von Pepi II. (3. Monat der Achet-Zeit, Tag 13) stammte.

Der König bedankt sich in dieser Inschrift dafür, dass Har-chuf ihm einen "Zwerg der Gottestänzer aus dem Lande der Horizontbewohner" (vermutlich einem kleingewachsenen Nubier oder einen Mann vom Volke der Akka aus dem Sudan, (ein Pygmäe kann ausgeschlossen werden, da die Expedition nie so weit ins Innere Afrikas gekommen war, um solche Stämme zu erreichen) mitgebracht hatte.

                              Pepi II. als Kind 
                  (Museum Kairo JdE 50616)

 

  "Du hast gesagt, in dieser deinem Brief, dass du einen Zwerg  der Gottestänze aus dem Land der Horizontbewohner mitgebracht hast, einen gleichen Zwerg, wie ihn der Siegelbewahrer Bawerded aus Punt mitgebracht hat zu Zeit des Königs Asosi. [.....] Du hast zu Meiner Majestät gesagt, dass niemals einer wie er von irgendeinem anderen mitgebracht worden ist, der vor dem das Land Jam besucht hat. Wahrlich ich weiß, dass du tust, was dein Herr liebt und lobt! Wahrlich, du verbringst Tag und Nacht indem du dich für mich sorgst. [....]

....Meine Majestät wird deine zahlreichen, trefflichen Wünsche erfüllen, so dass es noch dem Sohn Deines Sohnes zum Wohle gereicht, und dass alle Leute, wenn sie davon hören, was Meine Majestät für dich getan hat, sagen werden:

"Gibt es etwas, was dem vergleichbar ist, was für den einzigen Begleiter Harchuf getan wurde, als er von Jam zurückkehrte, wegen seiner Wachsamkeit, welche er bewies, indem er tat, was sein Herr liebte, lobte und befahl"

Komme sofort stromab zur Residenz!
Eile dich und bringe diesen Zwerg mit Dir! ....Wenn er hinabgeht
mit dir in dieses Schiff, stelle zuverlässige Leute bereit, die um ihn sind auf dem Deck, pass auf, dass er nicht ins Wasser fällt. Lass auch zuverlässige Leute um ihn herum in seiner Kabine die Nacht verbringen und schaue zehnmal nach in der Nacht.  Meine Majestät wünscht diesen Zwerg zu sehen, mehr als alle Erzeugnisse des Minenlandes (Sinai) und von Punt. Wenn du in die
Residenz anlegst, und dieser Zwerg befindet sich bei dir - lebend,  wohlergehend und gesund - so werde ich noch mehr für dich tun, als  was damals für den Siegelbewahrer Bawerded zu Zeit des Asosi getan worden ist."

(Übersetzung nach Sir Alan Gardiner/Geschichte des Alten Ägypens 1962)

Hiermit endet der Brief des Königs an Harchuf, aber wir dürfen wohl annehmen, dass der Pygmäe die Residenz unbeschadet erreicht hat und Pepi II. sich an seiner Anwesenheit erfreut hat. Wahrscheinlich geht diesem Brief ein Schreiben des Har-chuf an Pepi II. zuvor., das aber nicht erhalten blieb.

QH 35 und 35d
- Heqa-ib Pepi-Nacht -

Auf Qubbet el Hawa existieren drei Gräber, deren Eigentümer den Namen Heqa-ib tragen. Der Grabeigentümer der Grabanlage 35d lebte zur Zeit Pepi II. Nach Elmar Edel ist der Grabeigentümer identisch mit dem Erbauer der Anlage Qubbet el-Hawa 35, welches er zuerst errichten ließ. Wahrscheinlich war ihm die erste Anlage 35 zu klein und er ließ sie durch eine größere ersetzten. (siehe Edel, LÄ Sp. 66)

OH 35 - Ältere Grab Heqa-ib -

Bis auf die Tatsache, dass er zu Ende des Alten Reiches in der VI. Dynastie Gouverneur auf Elephantine war, wissen wir nicht viel von diesem Würdenträger bis auf die Inschriften links und rechts vom Eingang seines zweiten Grabens QH 35, die von den Taten des Grabherrn auf Feldzügen unter Pepi II. gegen die Nubier und die östlichen Wüstenbewohner berichten.

Fassade von Qubbet el-Hawa 35
(Bild: Jörg Müller)

Treppenaufgang zu Qubbet el-Hawa 35
(Bild:
Jörg Müller)

Heka-ib Pepi-Nacht trug die Titel

  1. Vorsteher der Dolmetscher

  2. Schreiber.......an der Pyramide des Neferkarè

  3. Vorsteher der Fremdländer.

In der biografischen Inschrift links und rechts vom Eingang des Grabes wird berichtet, dass Pepi-nacht schon bei bei seiner ersten Expedition Kämpfe gegen die Bewohner Nordnubiens führte. Von seiner zweiten Expedition brachte er Geiseln (Häuptlinge und Kinder von Häuptlingen) und Viehherden mit. Die Gebiete, gegen die Pepi-nacht vorging, waren 

  1. Wawat (wawat )  und 

  2. Irtet (jrtt)

die im Gegensatz zu den Berichten des Harchuf und des Sabni jetzt zwei Oberhäuptern (hq-wj ) unterstanden. Pepi-nacht betont die Tötung bzw. Gefangennahme der Kinder des Oberhauptes (hq) sowie die von jmjw–r  snw  jkrw.
Bei einer weiteren Mission, die ihn wohl in das gleiche Gebiet führte, das mit shtp umschrieben wird, nahm Pepi-nacht  beide Oberhäupter (hq- wj) von ( jr tt ) und  (wawat ) gefangen und führt sie in einem Triumphzug zur Residenz zurück, zusammen mit den Häuptlingskindern wohl als Geiseln und reiche Beute an jw - und  wndw-Rindern. 
(
Bericht des Pepi-Nacht: SetheUrk. I.  133,9 ff.  +  134,3 ff.  Grab Nr. 35)

  ……………………  Es schickte mich die Majestät meines Herrn, um das Land Wawat und Jrtjet zu zerhacken; .... (ich) handelte, so dass (mein) Herr (mich) lobte; (ich) tötete eine große Anzahl, den Herrscher (hq ) der „ Kinder “ (msw = Völkerschaft ) und tapfere Anführer, (ich) führte dort eine große Anzahl zur Residenz als (Kriegs) Gefangene  ................................

Die Majestät (meines) Herrn sandte mich (wieder) aus, um jene Fremdländer zu befrieden; (ich) handelte, so dass (mein) Herr (mich) überaus lobte; (ich) führte die beiden Herrscher jener Fremdländer zur Residenz mit Lebensmitteln (und) ihren lebenden jw  - und wndw  Rindern;

Sie wurden ausgewählt  (?)  für die Residenz zusammen mit dem Herrscher der „ Kinder “ (msw =Völkerschaft) und den (beiden) Anführern, die mit dabei waren" 

(SetheUrk. I.  133,9 ff.  +  134,3 ff.  Grab Nr. 35)

 

OH 35d: 
Heqa-ib Pepi-Nacht

Bei Qubbet el Hawa 35d gibt es noch eine Besonderheit. Dort wurde beim Bau ein Grabstollen angeschnitten, der viel älter ist als das Grab und vermutlich auf das älteste Grab des Qubbet el Hawa hinweist. Das Grab wird dadurch interessant, dass man einen Gedächtnistempel des Verstorbenen auf der Insel Elephantine kennt.

        Das Äußere des Grabes des Heqa-ib Pepi-Nacht

Das von De MORGAN mit A9 bezeichnete Grab  (Catalogue, S. 174) wurde 1947 von Labib Habachi entdeckt und man fand im Hof ca. 60 Stelen, die Heqa-ib gewidmet waren.

Der Grabeingang wird von zwei konischen Säulen flankiert, durch die man in das Grab hineingelangt.

Datei: IMG 6393 Heqa-ib Pepi-Nacht   
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Die Anlage QH 35d besteht aus einem großen Hof mit einem sehr hohen Vestibül, aus dem man durch ein von zwei konischen Pfeilern flankiertes Tor in die Gruft gelangt. Sie ist klein und hat zwei aus dem Felsen herausgearbeitete Pfeiler, die durch eine aufgemauerte, weiß gekalkte Wand miteinander verbunden sind. Unterhalb des Grabes fand 1947 Labib Habachi eine Kulthalle, die mit gut erhaltenen Wandmalereien geschmückt war. 

 

Datei:   IMG 6394 - Originalbild  -
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Der große Hof des Bestattungsplatzes weist zahlreiche spätere Grabgruben und -höhlen auf, geschaffen von Würdenträgern, die nahe am Grab des Ortsheiligen Heqa-ib beigesetzt sein wollten. Die rechte Seite des Vorhofs nimmt der Zugang ins benachbarte Grab von Sabni II. (Nr. 35e - einem Sohn des Heqa-ib) ein 

QH 35 e    ( SAbnj II. )
- Sabni II. -

 

Das Grab 35 e (Pfeil) gehört dem "Vorsteher von Oberägypten" Sabni II., (SAbnj Nj-nbw-nbt (j)) einem Sohn des Heqa-ib Pepi-nacht. Pepi-nacht und sein Sohn Sabni II. lebten in der zweiten Hälfte der Regierungszeit Pepi II. Die Namen der drei Pyramiden der Könige Pepi I., Meren-re (Mrj.n-Ra) und Pepi II. sind ebenfalls in seinem Grab erwähnt.

 

(Bild: Jörg Müller)

Möglicherweise war Sabni II. noch am Leben, als Pepi II. starb. An Titeln trugen beide, Vater und Sohn, den eines "Vorstehers der Dolmetscher" und den eines  j-rA xAswt. Daneben ist für den Sohn Sabni II. der Titel eines "Vorstehers von Oberägypten" und der eines Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten" belegt. Daher ist dieser Sabni II. nach Harchuf und Sabni I., dem Sohn des Mechu, der dritte Beamte aus Elephantine, der diesen Titel getragen hat.

Sabni wird in den schönen Wandmalereien unter anderem mit Herrscherstab und Szepter und dem typischen Kinnbart der Beamten dargestellt. In einer der Inschriften auf den Wänden der Sargkammer wird beschrieben, wie Sabni II. zwei Obelisken erstellen und an ihren Bestimmungsort transportieren ließ.

Das Grab ist ca. 60 m² groß, die Decke wird von vier Pfeilern gehalten

    Inschrift am Grab des Sabni II. (QH 35e)

Sabni rühmt sich hier, dass er nach Süden, in das nördliche Nubien gefahren sei, um zwei große Schiffe für den Transport von Obelisken nach Heliopolis bauen zu lassen. Er berichtet weiter ,dass er seinen Auftrag erfolgreich ausgeführt und seine Arbeiter sämtlich sicher und ohne Verluste - nicht einmal eine einzige Sandale sei abhanden gekommen - zurückgebracht habe. 

Von den Obelisken, die Sabni hier erwähnt, ist freilich bis heute noch keine Spur gefunden worden, aber es ist unwahrscheinlich, dass er sich seines Erfolges bis in kleinste Einzelheiten so sehr gerühmt hätte, wenn die Obelisken nicht auch wirklich sicher an ihrem Bestimmungsort angekommen wären.
(Umzeichnung: L. v. Matt, Buochs)

 

QH 35 l
- Sn-msjj / Sen-mesi

Das Grab Qubbet el-Hawa Nr. 35 l (de Morgan Nr. 23) ist ein Grab aus dem Neuen Reich (18. Dynastie) und gehört lt. Elmar Edel einem hohen Beamten mit Namen Sen-mesi.

       Qubbet el-Hawa 35 l - Grab des Sen-mesi mit Vorhof
                                (Bild: Elvira Kronlob)
                      Qubbet el-Hawa 35 . - Eingangsfront
                              (Bild:
Elvira Kronlob)

 

  Kultkammer mit dekorierten Pfeilern und Kultnische
                                (Bild: Peter Alscher)
Hintere Wand der Kultkammer mit Dekoration u. Nische
                        (Bild: Peter Alscher)

 

            Grabfassade QH 35 l - Senmesi
   - Dekorierter Pfeiler in der Grabfassade -
Der Grabherr sitzt auf einem Schemel und hält ein Anchzeichen in der linken Hand.
                 (Bild: Peter Alscher)

Pfeiler mit Hieroglyphen



(Bild: Jörg Müller)

 

QH 35m
- Ipu-mesi -

Das Grab Qubbet el-Hawa 35m gehört einem Schreiber und Vorsteher der Arbeiten im Hause der Satet mit Namen Ipu-mesi. Das Grab wurde von zuerst von de Morgan und später noch einmal von Elmar Edel ausgegraben. De Morgan behandelt es in seinen Beschreibungen nicht, weil man damals davon ausging, das es sich um ein unbeschriftetes Grab handle. Erst bei der sehr gründlichen Säuberung durch Elmar Edel im Jahre 1959-1960, welcher das Grab bis auf den Boden säubern ließ, wurden Inschriften an den Pfeilern gefunden und man ordnete es daher dem "Schreiber und Vorsteher der Arbeiten im Hause der Satet, Ipu-mesi zu. 

        Grab des Ipu-mesi (QH 35m)
Das Grab des Ipu-mesi ist ein mittelgroßes Grab aus dem Neuen Reich (18. Dynastie). Vom Typ her ist es ein quergelegtes Einkammergrab mit einer Kultkammer von ca. 25m² mit drei Pfeilern. In der Nordostecke befindet sich ein Schacht mit einer Öffnung von 1m Breite und 2,30 m in der Länge. Die derzeitige Tiefe beträgt 5,60 m. 

Die Verfüllung in der Tiefe wurde bislang noch nicht beseitigt, daher ist es möglich, dass der Schacht noch tiefer reicht und womöglich noch eine oder mehrere Bestattungen befinden.
            (Bild:
Elvira Kronlob)

Dekoriert sind im Grab nur die Pfeiler II. und III., an denen Reliefs und Inschriften erkennbar sind. Auch der Vorhof ist bis heute noch nicht völlig freigelegt worden. Es ist durchaus möglich, dass bei einer weiteren intensiven Freilegung und Räumung des Grabes noch weitere Bestattungen gefunden werden. 

In der Nordostecke befindet sich ein Schacht mit einer Öffnung von 1m Breite und 2,30 m in der Länge. Die derzeitige Tiefe des Grabes beträgt 5,60 m. 

In der Kultkammer fanden sich stark gestörte Bestattungen aus der Zeit des Neuen Reiches.

                   (Bild: mit frd. Genehmigung Jörg Müller)

                  Dekoration auf Pfeiler III. auf der Südseite
Der Grabherr und seine Frau sitzen auf einer
löwenbeinigen Bank. Der Grabherr riecht an einer Lotusblume, die Ehefrau umfasst ihren Mann mit beiden Händen an den Schultern. Vor dem Verstorbenen steht ein Opfertisch mit Fleischstücken. Zwischen den Beinen des Grabherrn hockt eine Tochter, die den Fuß ihres Vaters umfasst.
              ( Bild: mit frdl. Genehmigung Jörg Müller )

 

QH 36
- Sarenput I. - 

 

Das älteste Grab aus der Zeit des Mittleren Reichs ist die Grabanlage mit der Nummer 36. Es stammt aus der 12. Dynastie  und wurde unter Sesostris I. errichtet. Das Grab beschließt die Hauptterrasse des Qubbet el-Hawa im Norden; die späteren Gräber des Mittleren Reiches liegen zwischen denen des Alten Reichs, einzelne kleinere Gräber dieser Epoche befinden sich oberhalb der Hauptterrasse. Eine Rampe führte von dem breiten sandigen Uferstreifen des Nils zur Grabanlage hinauf, die in etwa 60 Meter Höhe über dem Fluss liegt. 

                    (Bild Jörg Müller)

Sarenput stammte wohl aus einer Familie von Elephantine, wie sich den Namen seiner Vorfahren entnehmen lässt. Jedoch tragen weder sein Großvater "Neb-Chenti" noch sein Vater "Hapi" einen Titel. Sie hatten wohl keine höhere Stellung in Elephantine inne. Der Name von Sarenputs Großvater väterlicherseits ist zweimal überliefert: Auf der Rückwand von Sarenputs Schrein (Nr. 1 - siehe Habachi, Heqaib, 26, fig. 1i, pl. 10b) und auf seiner Stele im Heqaib-Heiligtum. (Nr. 9 (x+2)). Der Name der Urgroßmutter väterlicherseits ist heute weitgehend zerstört, sicher ist nur dass er mit @tp....begann. (Habachi liest @tp-nbww. Der Name des Urgroßvaters (väterlicherseits) von Sarenput war Hapi, er trug also den gleichen Namen wie der Vater von Sarenput, während der Name von Sarenputs Großmutter väterlicherseits lt. Habachi Gaut-Anuket lautete. Sarenputs Mutter trug ebenso wie seine Ehefrau und einer seiner Töchter den Namen "Sat-Tjeni". (= Tochter des Tjeni, siehe Ranke, PN, I, 294,22) Sarenputs Frau trägt den Titel einer Hathorpriesterin.

Wenn schon Sarenputs Vater vom König zum Statthalter in Elephantine eingesetzt worden wäre, wäre Sarenput Erbe dieser Ämter geworden und hätte dieses sicherlich gebührend in seinem Grab gewürdigt. Sarenput wurde daher von Sesostris I. in seine Ämter eingesetzt, wie er es in seinen autobiographischen Inschriften auch mehrfach betont. Sesostris I. übertrug Sarenput eine Machtbefugnis, wie es sie in Elephantine früher in Händen eines einzelnen Mannes noch nie gegeben hatte.
Er selber beschreibt diesen Gunstbeweis seines Königs wie folgt in seinen autobiografischen Inschriften:

"Ich habe mein Grab erbaut durch die Gunst des Königs,....
.ich setzte Handwerker ein zur Arbeit an meinem Grabe, 
so dass mich Seine Majestät deswegen lobte 
sehr stark, sehr oft und an der Seite des Ratskollegiums der Residenzstadt "Herrin des Landes", 
indem es (das Grab) ausgerüstet ist mit Grabausrüstungsgegenständen des Königshauses, 
ausgestattet ist mit allem Nötigem, 
gefüllt ist mit Schmuckgegenständen, ausgerüstet ist mit Nahrungsmitteln 
und eingerichtet ist mit allem, was für es bestimmt ist."
(Autobiografie, Z. 7ff. = Urk. Vii, 2, 9ff.) 

Zweifellos bekam Sarenput den König bei dessen Fahrten in den Süden des Landes öfters zu sehen und dies waren wohl auch die Anlässe, bei denen er vom König für seine Amtstätigkeiten und Loyalität belohnt worden ist. Sarenput beschreibt den Charakter dieser Geschenke in der "Kleinen autobiographischen Inschrift" auf einem Pfeiler im Vorhof seines Grabes: bei jedem königlichen Besuch in Elephantine erhielt er Speisen vom Tisch des Königs. Als weitete Vergünstigung bekommt Sarenput noch 300 Menschen aus Unterägypten vom König übereignet - wohl als Arbeitskräfte (Stele Nr. 10, Z. (x + 15/16). Dieses ist sicher eine ganz besondere Gunst, aber auch sonst werden verdiente Beamte vom König mit Besitz belohnt.

Weltliche und priesterliche Titel Sarenput I. im Grab
(Quelle: D. Franke/Das Heiligtum des Heqaib auf Elephantine HOV-Verl.)

Verwaltungstitel:
Bürgermeister,
Großes Oberhaupt im "Nubierland",
Geheimnisträger des Königs bei den Truppen,
Großer Vorsteher der Schiffe /des Schatzhauses) im Königshaus,
Vorsteher aller Fremdländer,
Vorsteher der Fremdsprachigen (ägyptisierte Nubier, Söldner)
Vorsteher der Türöffnung (Festung) Elephantine
Religiöse Titel:
Priestervorsteher der Satet, Herrin von Elephantine,
Priestervorsteher des Chnums, Herr des Kataraktes,
Sprecher von Hierakonpolis im Haus der Satet,
Oberster (?) Elkab-Mann im u. ag. Kronenheiligtum
Oberhaupt (?) der KA-Priester (?) (für Heqaib ?)
Oberster Vorlesepriester
Geheimniskenner der Gottesworte

Sarenput erscheint in seinen Inschriften als selbstbewusster, vielseitig talentierter und absolut königstreuer Beamter und Angehöriger der obersten Oberschicht im Ägypten der 12. Dynastie. Über sein "Privatleben" erfahren wir allerdings so gut wie nichts und deshalb wird die Frage nach dem "Mann Sarenput" Sache der Phantasie bleiben.

Das Grab Nr. 36:

Die Grabbeschreibung wurde hauptsächlich mit Hilfe der beiden Werke erstellt:

  1. Hans Wolfgang Müller: Die Felsengräber der Fürsten von Elephantine aus der Zeit des Mittleren Reiches,
    Glückstadt 1940 und

  2. Das Heiligtum des Heqaib auf Elephantine von Detlef Franke / Heidelberger Orientverlag 1994

         Qubbet el-Hawa 36 - Sarenput I. 
        - Plan der oberirdischen Grabanlage -

Der größte Teil der Freitreppe ist heute unter dem Flugsand und den Sandmassen, die bei der Freilegung des Hofes und der Felsenräume des Grabes den Abhang hinuntergeschüttet wurden, begraben. Die Treppenanlage endet in einem Podest vor einem Tor aus feinem weißen Kalkstein. In der Mitte der Frontmauer des Hofes öffnet sich ein Tor. Dieses Hoftor ist aus Blöcken feinen, weißen Kalkstein errichtet.

Die Fassade ist aus dem anstehenden roten Sandstein gehauen, davor lag eine schmale Halle, (nicht mehr erhalten) deren Dach von sechs nur noch teilweise erhaltenen Pfeilern getragen wurde. Am nördlichen und südlichen Ende des Pfeilervorbaus ist je eine Nische eingearbeitet, die wahrscheinlich je eine Statue des Fürsten barg.
In der Mitte der Fassade liegt der Eingang zu den Grabräumen mit der großen Empfangshalle und dem Kultraum mit der Nische in der Rückwand. Beide Räume sind durch einen Korridor verbunden. Malereien verzieren die Wand- u. Pfeilerflächen der Empfangshalle und die Seitenwände des Korridors. In der Kultkammer sind keine Spuren von den einst wohl vorhandenen Malereien erhalten.
(Zeichnung nach einer Vorlage v. H. Steckewen, Febr. 1935
- bearbeitet von Nefershapiland)

Die Schächte und Gänge, die von der Kultkammer zur Sargkammer hinabführen, sind zugeschüttet. (Die Eintiefungen im Boden, die ihre Lage kennzeichnen, sind im unteren Plan nicht eingezeichnet) Pläne und Schnitte von den Schächten wurden von de Morgan im "Catalogue des Monumentes" veröffentlicht, wonach im Kultraum zwei Treppenschächte liegen. Der eine Treppenschacht führt von der Westwand, in der Südwestecke der Kultkammer, in westlicher Richtung zu einem kurzen Gang, der in eine kleine Kammer mündete. In der Mitte des Fußbodens dieser Kammer öffnet sich ein Fallschacht, der sich in der Tiefe nach Süden und Norden verbreitert und dann in zwei Fallschächte verzweigt. Aus dem Plan von de. Morgan geht hervor, dass dieser Schacht mit Sand gefüllt war und in der Vergangenheit nie zur Gänze freigelegt worden ist. 

Der zweite Treppenschacht führt vor der Nordwand, in der Nordostecke des Kultraumes, in eine Kammer hinunter, in der kein Schacht angegeben ist.

Hof und Pfeilervorbau:

Der Hof, zu dem die große Freitreppe hinaufführte, ist in den Felsenhang hineingeschnitten. In Richtung Hang wurden Rückwand und Seitenwände des Hofes aus dem anstehenden Felsen gearbeitet. Nach dem Hange zu wurde der Hof durch eine hohe Mauer aus Werksteinblöcken abgeschlossen. Die Mauerflächen sind auf der Außen- und der dem Hof zugekehrten Innenseite geböscht.

                  Hoftor und Eingang zu dem Felsheiligtum
Der Hofdurchgang wird von zwei gegengleichen Szenen des Grabherrn flankiert.




                                      (Bild Elvira Kronlob)

        Tordurchgang und Innenseite des Vorhofes
Auf den beiden Innenwänden des Tordurchganges befindet sich je eine Darstellung des stehenden Fürsten, dessen Blick zum Torausgang gerichtet ist.
Von der rechten Figur ist die untere Hälfte und von der linken sind nur noch die Beine erhalten. Der Inschriftenrest lautet: "....sein Begräbnis im Westen".
                    
   (Bild: Jörg Müller)

Auf der Außenfrontseite des Hoftores aus weißem Kalkstein befinden sich zwei gegengleiche Darstellungen des Grabherrn, welche den Tordurchgang flankieren. Sie zeigen Fürst Sarenput auf einem löwenbeinigen Stuhl, der mit der einen Hand den auf dem Boden aufgesetzten Stab hält und in der andern das Szepter. Der Fürst trägt einen breiten Perlenkragen, der aus Streifen nebeneinander angeordneter Röhrenperlen verbunden ist. Von den Inschriften, die auf der Außenseite des Hoftores, auf den Pfosten und vermutlich auch auf dem Sturzbalken des Tores angebracht waren, sind auf den Pfosten nur die Enden von je vier senkrechten Zeilen dicht über den Figuren des Fürsten erhalten. Diese Inschriften begannen wahrscheinlich mit der Opferformel "Gnädig sei der König und gebe....", an die auf dem rechten Pfosten die Anrufung des Gottes Anubis-Imiut angeschlossen war; auf dem linken Pfosten entsprach dem Anubis vermutlich der Gott Osiris.

                         Hoftor und Eingang zu dem Felsheiligtum
Der Hofdurchgang wird von zwei gegengleichen Szenen des Grabherrn flankiert.
                                                (Bild Elvira Kronlob)
            Der Grabherr Sarenput I.
      sitzt auf einem löwenbeinigen Stuhl 

(Bild: H. Neumann - der besseren Darstellung wegen ins s/w. konvertiert)

 

      Nördliche Durchgangsseite des Hofes

            Blick von außen, rechte Torseite
                  (Foto: Elvira Kronlob)
               Hoftor Sarenput I.

Blick von innen, linke Torseite.
           (Foto Elvira Kronlob)
                     Hoftor Sarenput I.

           Blick von innen, rechte Torseite.
                     (Foto: Elvira Kronlob)

Von der rechten Figur im Tordurchgang ist die untere Hälfte (unterhalb der Gürtung)  und neben der Stabendung ein kurzes Stück einer senkrechten Inschriftenzeile, von der linken Figur sind nur die Beine und der löwenfüßige Stuhl erhalten. 

Der Inschriftenrest lautet: "......sein Begräbnis im Westen." Auf der Rückseite des Tores nimmt je eine senkrechte Zeile die Breite der beiden Pfosten ein.

1.   Rechter Pfosten: "........[bei Ptah] südlich seiner Mauer und bei Sokaris, dem Herrn von Schetit."

2.   Linker Pfosten:    "........der Geehrte, Graf Sarenput, der Selige."

Auf den beiden Wänden des Tordurchgangs befindet sich hinter den Türanschlägen je eine Darstellung des stehenden Fürsten, dessen Blick zum Tor hinaus gerichtet ist. Der Fürst ist mit einem kurzen gefältelten Schurz bekleidet, der im spitzen Winkel über das vordere Knie hinausragt. Die eine Hand fasst den langen Stab, der fast eine Schrittlänge weit vor dem Fürsten den Boden berührt; in der herabhängenden Hand liegt das Szepter.

           Vorhof und Fassade von QH 36 - Sarenput I.
Die Fassade ist aus dem anstehenden roten Sandstein gehauen, davor lag eine schmale Halle, (nicht mehr erhalten) deren Dach von sechs nur noch teilweise erhaltenen Pfeilern getragen wurde


                          (Bild: Peter Alscher)
 Pfeiler vor der Fassade  - Blick vom Grabeingang
An den sechs Pfeilern vor der Fassade sind im versenktem Relief Inschriften und Darstellungen des Grabherrn angebracht.
Die Pfeiler tragen auf den vier Seiten je ein Bild des stehenden Gaufürsten, der den breiten Perlenkragen und den im spitzen Winkel vorspringenden kurzen Schurz trägt.
                            (Bild:
Jörg Müller)

Über jeder Figur des stehenden Grabherrn steht eine kurze Inschrift. Die Richtung der Figuren, ihre Haltung und Einzelheiten der Tracht sind verschieden. Die Richtung der Figuren, ihre Haltung und Einzelheiten der Tracht sind verschieden. Der Fürst ist auf allen Front- und Rückseiten und auf den Seitenflächen der Pfeiler 1, 2, 5 und 6 mit langem Haar dargestellt. 

Pfeilerfragment vor der Fassade
mit Darstellung des Grabherrn

       Pfeilerfragment vor der Fassade
    Darstellung des stehenden Grabherrn

Pfeilerfragment vor der nördl. Fassade
mit Darstellung des Grabherrn

(Bilder 1 u. 3 Elvira Kronlob/Bild Mitte Jörg Müller)

 

Auf den sechs Pfeilern lag ein Architrav, der von der Südwand bis zur Nordwand des Hofes reichte. Die beiden Endstücke des Architravs waren in die Wände eingelassen und wurden von je einem wenig über die Wandflucht vorspringenden Pilaster gestützt. Unterhalb des 5. und 6. Pfeilers liegen zwei Blöcke, die zu dem Architrav des Pfeilervorbaus gehören. Die beiden Blöcke tragen auf der Vorderseite eine Inschriftenzeile mit den Titeln und Beiworten des Grabherrn.
             (Bildausschnitt:
Jörg Müller)

 

Seitliche Nischen:

In die nördliche und südliche Felsenwand des Pfeilervorbaus ist je eine Nische eingebaut, deren Bodenfläche ca. 48 cm über dem Fußboden liegt. Die beiden Seitenwände und die Nischenrückwand tragen Reliefdarstellungen und die Decke der südlichen Nische ist mit einem Flechtmuster in roter Zeichnung auf gelbem Grunde bemalt.

                                                  Darstellungen in den seitlichen Nischen im Pfeilervorbau
Der Grabherr hält auf der linken und rechten Seitenwand einen Stab in der Hand, während eine vor ihm stehende Frau ihn an einer Lotusblume riechen lässt. Die Hauptszene an der hinteren Wand zeigt den Grabherrn, der an einem Speisetische sitzt.

(Bilder Elvira Kronlob)

Die Darstellungen in beiden Nischen (südliche und nördliche) sind fast identisch. Auf ihrer Rückwand befindet sich ein Bild des Fürsten am Speisetisch. Infolge der Verwitterung sind die Umrisse der Reliefs  aber in Laufe der Jahrtausende unscharf geworden, aber trotzdem noch erkennbar. Der Gaufürst sitzt auf einem löwenfüßigen Stuhl; er trägt die Haare kurz und auf der Brust einen breiten Perlenkragen. Auf den beiden Seitenwänden der Nische ist der Grabherr mit Stab und Szepter stehend dargestellt. Eine vor ihm stehende Frau hält ihm eine Lotusblume an die Nase. In der nördlichen Nische war die Lotusblume nur aufgemalt und deshalb heute verschwunden. Auch der dekorative Schmuck an der Decke war nur aufgemalt und ist heute nur in der südlichen Nische mit den Resten eines Flechtmusters erhalten. Es ist mit roten Linien auf gelbem Grund gezeichnet.

Fassade:

 

Ungefähr in der Mitte der geböschten Felsenfassade liegt der Eingang zu den Innenräumen. Auf der hohen Sturzplatte und den beiden Pfosten des Eingangs, deren Fläche aus der Fassadenwand ein wenig hervortritt, ist ein langer biographischer Text angebracht. 

Eine Darstellung des Fürsten schließt nach unten hin eine senkrechte Inschriftenzeile auf den beiden Pfosten ab. 

 

(Bild: Jörg Müller)

Die beiden gegengleichen Figuren, welche die Fassade flankieren, stimmen mit denen auf der Frontseite des Hoftors überein: Die Figuren auf der Frontseite des Hofes zeigen den Fürsten auf einem löwenbeinigem Stuhle sitzend, in den Händen Stab und Zepter haltend, hier, hier an der Fassade, sind sie etwas kleiner, und in dem anstehenden Sandstein nicht so fein mit allen Einzelheiten plastisch ausgeführt wie in dem feinkörnigen Kalkstein des Hoftors. Vor jeder Figur befinden sich zwei senkrechte Inschriftenzeilen 

Die Inschrift vor der rechten Figur  auf der Fassade lautet:
"Der Erbfürst und Graf, Siegler des Königs von Unterägypten, einziger Freund, Vorsteher der Priester der Satis, der Herrin von Elephantine, geliebt von Chnum, dem Herrn von Bigge, der geehrte Graf Sarenput. Angenehm dem König, geliebt von seiner Beamtenschaft; dessen Belobungen die Menschen kennen.. . mit fester Sohle', der geehrte Graf Sarenput."
Die Beischrift zu der linken Figur
"Der Erbfürst und Graf, Siegler des Königs von Unterägypten, einziger Freund, Vorsteher der Priester der Satis, Herrin von Elephantine, oberster Gebieter des Nubierlandes, Vorsteher aller Fremdländer, Graf Sarenput. Ebenbild des Ptah, Lot an der Wage des Thot, der aus dem Leibe herausgekommen ist als ein bereits Wissender, verständigen Herzens; der den Gott an jeden guten Ort leitet, Graf Sarenput."

(Quelle: Müller/Felsengräber von Elephantine 1940 - nach Sethe Urkunden 1-5)

In der Mitte der Fassade, auf den beiden Vorderseiten des Sturzbalkens und der Pfosten des Eingangs zu den Felsenräumen ist eine lange biographische Inschrift aufgezeichnet.

Die Inschrift, die auf dem Sturzbalken beginnt, lautet: 

(1) "Der Erbfürst und Graf, Siegler des Königs von Unterägypten, Einziger Freund, Vorsteher der Priester der Satis, Herrin von Elephantine, geehrt bei Anubis, Sarenput, geboren von Sat-teni,
(2.) (er) sagt:
Oh ihr Lebenden auf Erden, die ihr an diesem Grabe vorübergehen werdet, stromab- und stromauffahrend, wenn ihr eure Götter liebt, so sollt ihr Gott preisen zu einem Totenopfer für den Ka des (
3)
geehrten Grafen Sarenput. 
(Er) sagt:
Ich bin einer, der das Herz des Königs im Tempel erfüllt, Mund von Nechen im Tempel der Satis, Nechbi im Reichsheiligtum von Buto, Oberster der Totenpriester (?), Siegler des Königs von Unterägypten, Einziger Freund, Geheimrat
(4) des Königs im Heere. Einer der hört was nur einer hört, zu dem das ganze Land (jedermann) kommt................ an den Orten des Niederwerfens der Feinde des Königs, Einer, der eintritt (?) in das Herz ("Vertrauter") des Königs.............. 
(5) Der die Siegel führt in allen Angelegenheiten von Kusch (?) bei der königlichen Haremsfrau, dem berichtet werden die Abgaben von Medja als Tribute der Fürsten der Fremdländer. Der die Nacht im Innern desTempels verbringt am Tage des großen Festes. Der die Gaben annimmt, bestehend aus Kostbarkeiten, die der König im Palast zu geben pflegt. Der Oberste des Jubelns in der Götterbarke angesichts des Gottes wegen aller Wundertaten der Nubier auf dem Wasserstrudel (des Kataraktes). Ein Vertrauter (der Leute) auf dem Damme, Größter Vorsteher der Schiffe im Königshaus; der die beiden Schatzhäuser in Ordnung hält, Gebieter über die Ortschaften im Bogenland (Nubien), unter dessen Aufsicht ist der, der segelt und der, der landet. Der Graf und Vorsteher der Priester Sarenput sagt: Ich habe mein Grab erbaut durch die Gnade des Königs. Seine Majestät zeichnete mich aus im Lande, indem ich erhoben worden bin vor den Gaufürsten. Ich ... die Gesetze der alten Zeit. Ich wurde zum Himmel erhoben in einem Augenblick. Ich beauftragte Steinmetzen mit der Arbeit an meinem Grabe, und Seine Majestät lobte mich deshalb sehr und unzählige Male in Anwesenheit der Beamtenschaft und der Königin. Er rüstete (es) aus mit Grabbeigaben des Königshauses. Er stattete (es) mit allem Bedarf aus. Er füllte (es) mit Schmuck. Er stattete (es) mit Opfergaben aus und versah (es) mit allem, was für es bestimmt war, ohne mich Mangel leiden zu lassen bei (meinem) Bedarf (an Dingen) aus dem Schatzhaus .... Seine Majestät veranlasste, dass ich mich erging wie jeder seiner Residenzbeamten. Ich war einer, der vortrefflich war an der Seite seines Herrn, einer, den seine Vorzüglichkeit vortrefflich gemacht hat. Er sagt: Ich war einer, der genau ist vor dem König, frei von Lüge. Ich war bescheiden, wenn er mich aussandte. Ich war der Zweite von zweien, der Dritte von dreien in diesem Lande. Gegeben wurde mir sehr viel Lobpreis, ein Gelobter bis zum Austrocknen der Kehle. Ich jauchzte, als man mich den Himmel erreichen ließ, mein Kopf erreichte den Himmel, ich kratzte die Leiber der Sterne. Ich verbreitete ( ?) jauchzen, als ( ?) ich erglänzte als Stern. Ich tanzte in den Sternen. Meine Stadt war im Fest, meine Mannschaften jauchzten, man hörte das Tanzen.............Greise und Kinder waren im Jubel. Die Götter von Elephantine ließen mir dauern Seine Majestät als König, sie gebaren mir Seine Majestät wieder von neuem, damit er wiederhole für mich Millionen von Jubiläumsfesten. Sie gaben ihm Ewigkeit als König, damit er sich niederlasse auf den Thronen des Horus wieder von neuem (?), wie ich es wollte. Ich war sein Lieblingsdiener, der tut, was sein Herr liebt, der Graf und Vorsteher der Priester Sarenput, der sagt: Ich bin aus meiner Stadt gekommen, ich bin aus meinem Gau hinabgestiegen, ich habe getan, was meine Leute loben und was alle Götter lieben." (Ende der Inschrift an der Fassade; der Paralleltext im Innern des Grabes fährt hierauf allein fort:) "ich war ein Vater dem Kinde; meine Beliebtheit war in............. weil mich der König lobte mit der Gunst des .......... die Angelegenheiten eines Mannes gegen ihn. Ich machte.........dem Traurigen, nicht wies ich den Bittsteller ab, der mich anging, der geehrte Sarenput. .........der Ewigkeit...........Ich gab Brot dem Hungrigen, Kleider dem Nachten...............Nicht verdrängte ich den Armen von seiner Habe.......[den] die Menschen [lieben], den die Großen [loben] wegen seines Charakters, der Graf und Vorsteher der Priester Sarenput."

(Text 1 - 5 Übersetzung Sethe) Rest: Sir A. Gardiner

An den Außenflächen der Grabfassade sind über einem 0,95 m hohen Wandsockel Bilddarstellungen im versenkten Relief eingeschnitten. Die Hauptdarstellungen sind auf den beiden großen Wandabschnitten der Felsenfassade, zu beiden Seiten des Eingangs angebracht. 

              Nördliche Fassade der Grabanlage
Gegengleiche Figur des Grabherrn zur nördlichen Fassadenwand. Wie auf der nördlichen Seite folgen dem Fürsten ein Diener (hier Sandalenträger) mit den Hunden. (siehe Beschreibung weiter unten)

            Nördliche Fassade der Grabanlage
Zwei gegengleiche Figuren des Grabherrn 
flankieren den Eingang; vor jeder Figur befinden sich zwei Inschriftenzeilen.

 

(Bild: Elvira Kronlob)

Bildautor: schmuela (Karen Green)
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Auf der unteren Hälfte der nördlichen Wandhälfte ist zu sehen, wie ein Windhund und ein mit Pfeil und Bogen und einem Stock ausgerüsteter Polizist (ghafir), der über dem Hund angebracht ist, dem Fürsten folgen. Er trägt über dem rechten Unterarm einen schmalen Tuchstreifen.

 



Bildausschnitt
Bildautor: schmuela (Karen Green)
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Originalbild ist - hier - zu finden.

Hierauf folgen die drei Söhne des Fürsten in Ergebenheitshaltung. Zunächst sein ältester Sohn, der auch größer als die beiden anderen dargestellt ist. Auch durch die sorgfältigere Kleidung, die in dem doppelten Schurz besteht, ist er als erwachsen gekennzeichnet, während die beiden jüngeren nur den langen Schurz tragen. Das Haar der Söhne ist kurz geschoren; hinter dem Ohr des ältesten ist eine einzelne Locke plastisch angegeben, die beiden jüngeren tragen die schopfartige Jugendlocke, die vom Scheitel herabhängt. 

        Nördliche Wandhälfte - die Söhne Sarenput I.              Nördliche Wand - eine Gruppe von "Sängerinnen"
     
Beischrift zum ältesten Sohn:
""Sein ältester Sohn, den er liebt, Herr aller seiner Besitztümer, sein vortrefflicher Erbe, der sein Haus gegründet hat, Graf Heka-ib, geboren von Sat-ten"

Die beiden anderen Söhne sind durch die Beischrift als

"Sein geliebter Sohn Heka-ib der Mittlere" und als "Sein geliebter Sohn Heka-ib der Kleine"

bezeichnet.

                          (Bild: Elvira Kronlob)

Unterhalb der Darstellung des Fürsten sind hier an der nördlichen Wand der Fassade drei Frauen dargestellt, die sich hinter den Abbildungen der Söhne befindet. Zwei Frauen mit kurzen Haar sitzen einer weiteren Frau mit langem Haar gegenüber. Alle drei Frauen haben die eine Hand neben das Ohrläppchen an die Wange gelegt, die andere Hand ist erhoben. Die Kleidung der Frauen mit kurzen Haar scheint aus einem hemdartigen Gewand zu bestehen, dessen Halsausschnitt deutlich erkennbar ist. Das Gewand der dritten Frau mit dem langen Haar ist das typische enge Frauenkleid, das mit Trägern über den Schultern gehalten wird.

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Autor:   Karen Green 
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Diese Szenen, die in großen Figuren zu beiden Seiten des Eingangs angebracht sind, haben eine besondere repräsentative Bedeutung: die Ehrenwache betont den Stand des Fürsten. Die Begleitung durch drei wohlerzogene Söhne, unter denen sich der Erbe befindet, zeigt, dass der Bestand der Macht auch für die Zukunft seiner Familie gesichert bleibt.

Fassade nördliche Hälfte: Besuch der Frauen

Sarenput sitzt auf einem löwenfüßigen Stuhl
und vor ihm stehen 4 Frauen

In der oberen Hälfte der nördlichen Fassadenwand ist der Besuch der Frauen bei dem Fürsten dargestellt. Der Empfang ist sehr feierlich: der Fürst sitzt auf einem löwenfüßigen Stuhl, Stab und Szepter hält er in den Händen. Vor ihm stehen vier Frauen, die der Beischrift nach seine nächsten Angehörigen sind. Die erste Dame, die vor ihm steht, ist:
  1. Seine geliebte Lieblingsfrau, die Herrin des Hauses Sat-ten,
  2. die zweite ist: seine geliebte Mutter Sat-ten,
  3. die folgende: seine geliebte Tochter Satet-hotep,
  4. und die vierte: seine geliebte Tochter Sat-ten.

Vier Papyrusbündelsäulen deuten an, dass der Empfang in einer Halle stattfindet.

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Autor: Karen Green
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                       (Bild: Elvira Kronlob)

Auf der südlichen Hälfte der Grabfassade ist in der unteren Reihe eine Darstellung des Fürsten Sarenput I. zu sehen, wie er auf einem leichten Papyrusnachen steht und Fische mit einem Speer erlegt. Der Fürst trägt kurzes Haar, um welches ein Stirnreif gelegt ist. Der Reif hat einen Zierat, der aus einer doppelten Papyrusdolde besteht. Es ist ein sich nach unten verbreiterndes Band, welches in den Nacken hinabfällt. Auf dem Bug des Papyrusnachens sitzt eine Ganz , ähnlich wie bei den bekannten Darstellungen beim Vogelfang mit dem Wurfholz. Die "Lockganz" (vergl. Kuentz, "L`oie du Nil Archives du Museum d`Histoire Naturelle de Lyon T. XIV 1926) ersetzt hier wahrscheinlich die Darstellung des Vogelfangs, denn die Darstellung, die in einer Inschrift über zwei waagerechte Zeilen beigeschrieben ist, nennt ausdrücklich auch den Vogelfang als Tätigkeit des Fürsten in dieser Darstellung:

"Fische stechen und Vögel erlegen seitens des Erbfürsten und Grafen, Sieglers des Königs von Unterägypten, einzigen Freundes Vorstehers der Gottespriester. Sarenput, geboren von Sat-teni, der Herrin der Ehrwürdigkeit."

Vor der Darstellung des fischespeerenden Fürsten ist die kleine Figur eines Dieners zu erkennen, welcher ihm die eine Hand entgegenstreckt, die andere ruht in einer Ergebenheitsbezeugung auf der Schulter. Hinter dem Fürsten steht ebenfalls ein Diener, welcher beide Hände ausgestreckt zum Boden senkt. Diese Darstellung ist stark zerstört und kaum noch erkennbar.
In dem aufsteigenden Wasserstreifen sind zwei von dem Speer durchbohrte Fische dargestellt, wobei der eine Fisch mit einem herausgefallenen Flickstück der Wand verlorenging und mit ihm mehr als die Hälfte einer dritten Dienerfigur, die rechts neben den Fischen stand; der andere teilweise erhaltene Fisch ist heute so stark verwittert, dass seine Formen an Ort und Stelle schon 1940 lt. Hans-Wolfgang Müller (Felsengräber.....) nicht mehr zu erkennen sind.

                                Südliche Grabfassade
Der Fürst steht auf einem leichten Papyrusboot und hält einen Speer in den Händen mit dem er Fische erlegt.

                                (Bild: Elvira Kronlob)

Zwischen den Füßen des Fürsten hockt eine Frau auf dem Papyrusboot - wahrscheinlich seine Gattin - und hält sich an seinen Beinen fest. Vor dem Fürsten steht eine kleine Figur eines Dieners.
                          (Bildausschnitt: Elvira Kronlob)

 

Darstellung von zwei Hunden auf der südlichen Fassadenwand 

Königlicher Sandalenträger

Auf der südlichen Wandhälfte der Fassade fehlt die Darstellung der Söhne. Dem Fürsten folgt der Sandalenträger mit zwei Hunden. In der vorgestreckten Hand hält er ein Paar Sandalen, mit der andern schultert er einen Stock; über der rechten Schulter liegt ein schmaler Tuchstreifen. Hinter dem Sandalenträger folgt ein hochbeiniger, schlank gebauter Windhund mit Schlappohren; hinter diesem eine kurzbeinige Dachshündin mit aufgestellten Ohren und geringeltem Schwanz; beide tragen ein Halsband. Auf der verloren gegangenen Platte, die über dem Windhund als Flickstück in die Fassadenwand eingelassen war, könnte ein dritter Hund dargestellt gewesen sein.
(Bild: Elvira Kronlob - bearbeitet und ins s/w konvertiert von Nefershapiland) Rechtes Bild:
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Bildautor: schmuela (Karen Green)
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In dem oberen Register der Wanddekoration südlich des Eingangs wird die Darstellung der Besichtigung der Rinder durch den Fürsten Sarenput dargestellt. Eine Lücke zieht sich durch diese Darstellung, da die Flickstücke, die zur Ausbesserung der brüchigen Stellen in die Fassadenwand eingesetzt wurden, herausgefallen sind. Zwei Relieffragmente, die hier eingepasst waren, werden in der "Empfangshalle" aufbewahrt. 

                        Inspizieren der Rinderherde


Der Fürst steht auf einem Stab leicht nach vorn gelehnt. Er ist auf einem kurzen und dem darübergelegten langen Schurz bekleidet und trägt einen Stirnreif in dem kurzen Haar. Die Hirten führen ihm die Rinder vor. In der Inschrift, die in zwei senkrechten Zeilen der Szene beigefügt ist, wird der Zweck der Inspektion genannt:

 "Das Besichtigen der kA-Stiere, der iwA-Ochsen und  der wnDw-Rinder, 
das er macht um zu leiten das Fest aller Götter von Elephantine, 
seitens des Erbfürsten und Grafen, Vorsteher der Priester des Chnum, Sarenput des Seligen."

Vor der Figur des Fürsten sind drei Rinder mit ihrem Hirten übereinander angeordnet:

  1. unten:
    ein Hirte, der seinem Rind den Wassertrog vorsetzt. 

  2. darüber:
    zwei Hirten mit je einem Rind, die sich in Verneigung dem Fürsten nähern.

Neben dieser friedlichen Szene stehen zwei Gruppen kampfbereiter und kämpfender Stiere. In der oberen Gruppe wird ein Stier gezeigt, der einen anderen verfolgt; das Horn des Verfolgers hat die Keule des verfolgten Stieres gespießt, während zwei Hirten sich bemühen, die kämpfenden Tiere mit Stöcke zu trennen.

Die inneren Räume von Qubbet el-Hawa 36 waren mit Malereien dekoriert, welche vermutlich die Wand- und Pfeilerflächen sämtlicher Räume und auch die Wände der Kultnische bedeckten. Diese sind nur zum Teil in der Empfangshalle und einige Reste am Anfang des langgestreckten zur Kultkammer führenden Ganges erhalten. Der untere Teil der Wandfläche in der Empfangshalle und des anschließenden Ganges ist in 50-60 cm Höhe über den Boden schwarz bemalt, während die Pfeiler in der Empfangshalle einen etwa 90 cm hohen gelben Sockel besitzen. Von der einstigen Bemalung der Decke ist nichts erhalten geblieben.

Empfangshalle:

 

- Empfangshalle Ostwand -
Hieroglyphentext im Grab des Sarenput I.

Zwanzig senkrechte Inschriftenzeilen befinden sich auf der nördlichen Hälfte der Ostwand in der Empfangshalle, die den gleichen biografischen Text mit einigen Varianten beinhalten, welcher sich auf dem Grabeingangssturz und den beiden Pfosten des Grabeingangs an der Fassade befinden. Die Hieroglyphen sind sehr sorgfältig und mit allen Details gezeichnet und bemalt. Kräftige schwarze Linien trennen die einzelnen Reihen. Auf der Nordwand fährt der biografische Text mit drei senkrechten Zeilen fort, die ihn beschließen.

                                  (Bild:
Peter Alscher, Amberg)

Fast die gesamte Wandhöhe wurde von einer Darstellung des stehenden Fürsten bedeckt; die obere Hälfte ist zerstört, die erhaltenen Stuckreste sind geschwärzt. Die Leute seines Gefolges waren in drei übereinanderliegenden Streifen neben der Figur des Fürsten angeordnet. Die Machtzeichen des Fürsten waren Stab und Szepter. Er trägt den blauen Festschurz, weiße Sandalen und Armbänder an den Handgelenken. (die Armbänder sind nur durch geringe Farbspuren nachweisbar) Seine Begleiter folgen ihm in Ergebenheitshaltung. Die untere Reihe des Gefolges wird durch eine Dachshündin abgeschlossen, wie sie auch auf den Reliefs an der südlichen Fassadenaußenwand zu sehen ist. Über der Hündin sind in der oberen Reihe die Überreste eines schwarzgemalten Windhundes zu erkennen. Die weiteren Malereien an dieser Wand sind nur sehr schlecht erhalten: evtl. eine Statue des Fürsten und die Statue einer Frau, welche beide auf einem grün gemalten Papyrusnachen stehen, dessen Bug ein heiliges Auge auf weißem Feld als Schutzzeichen schmückt. Eine heute nicht mehr erhaltene Inschrift war der Szene beigeschrieben.

Ein Ruderschiff schleppt den Papyrusnachen. Das Ruderschiff befindet sich in voller Fahrt; die Ruderer werfen sich in die Riemen. Der Mastbaum ist umgelegt, die beschlagene Mastspitze ist hinter dem mit ausgestrecktem Arm auf dem Vordersteven stehenden Schiffer sichtbar. Ein kleines Ruderboot kommt dem Schleppschiff entgegen; kaum erkennbar, da dessen Farben und Umrisse sehr verwischt sind, so dass die Insassen nicht sicher bestimmt werden können. Evt. eine hockende Figur am Heck und ein Ruderer (?). Reste einer Inschrift, die sich über dem Boot befinden sind so stark verwischt, dass die Lesung nur sehr zweifelhaft sein kann.  Evtl. "Im" oder "aus dem Kebechu" (Kataraktgebiert). Diese Darstellung ist sehr ungewöhnlich und in den anderen Gräbers dieser Zeit nicht belegt. Der Inschriftenrest über dem kleinen Boot muss wohl so verstanden werden, dass sich die ganze Szene auf den Kataraktgewässern abspielt, deshalb ist eine Erklärung dieses Bildes "als eine Besichtigungs- oder Lustfahrt des Fürsten mit seiner Gemahlin sehr fraglich, denn das mit den Ruderern bemannte Schleppschiff würde wohl eher zu einem Lastentransport passen. Die beiden stehenden Figuren auf dem Papyrusnachen ließen sich als Statuen erklären, die von einer der südlichen Granitinseln, wo sie hergestellt wurden, zum Grabe geleitet werden. Eine andere Erklärung würde sich aus der Verbindung dieser Szene mit den auf der Westwand im gleichen Streifen anschließenden Schiffsdarstellungen ergeben.

Auf der nördlichen Hälfte der Westwand folgen auf diese Bootsszenen in den gleichen Streifen zwei Schiffe mit einer Kajüte auf dem Mittelschiff. Die Steuerruder der beiden Schiffe sind gekreuzt; die Schiffe fahren in verschiedener Richtung, das rechte bewegt sich mit Ruderkraft stromab, das linke hat Segel gesetzt und fährt stromauf. Das Segelschiff links hat anscheinend das Ende der Fahrt erreicht; die Matrosen streichen die Segel, der Wasserstreifen hört vor der die Bildfläche begrenzenden Farbenkette unvermittelt auf. Die auf dem Bordrand sitzenden Schiffer halten Taue in den Händen; der vor ihnen stehende Schiffer hat zwei Tauenden gefasst. "Stromab- und Stromauffahren" bezeichnen die Reise an ein bestimmtes Ziel, nach der Wallfahrtsstätte Abydos, und die Rückkehr von dort. Die Fahrt gehört zu den Riten der Bestattung. In den entsprechenden Szenen im Grabe des Antefoker (Theben) und in andern Gräbern wird diese Erklärung durch Beischriften gestützt. Im Grabe Sarenputs sind die inschriftlichen Zusätze verloren gegangen; es kann jedoch kaum zweifelhaft sein, dass das Ruderschiff und das Segelschiff hier den gleichen Sinn haben wie die entsprechenden Darstellungen in den erwähnten Gräbern.

Von den Malereien, die über dem unteren Streifen mit den Schiffsszenen angebracht waren, ist nur auf der Nordwand, über der Lücke zwischen Papyrusnachen und Schleppschiff, ein kleiner Ausschnitt von der "Jagdszene" erhalten. Am oberen Rand des Struckrestes ist ein Stück eines auf dem Rücken liegenden Wildstiers erkennbar: erhalten ist der Kopf mit Hörnern, die fast einen Kreis umschließen, und ein Teil des Nackens. Die schwarze Bemalung ist, obwohl sie die natürliche Färbung des Wildstiers wiedergibt, in der ägyptischen Kunst ungewöhnlich. Ungewöhnlich wie die Farbgebung ist auch die Lage des Wildstiers auf dem Rücken. Auf ägyptischen Jagdbildern werden zwar häufig Gazellen und Antilopen dargestellt, die auf dem Rücken liegend von Hunden gewürgt werden, jedoch niemals wird der Wildstier, das größte und stärkste ägyptische Wild, in solcher Fassung wiedergegeben. Man wird daher dieses Fragment nach einer Darstellung in Beni Hasan als erlegten Wildstier, der ausgeweidet wird, ergänzen müssen. 

Empfangshalle Ostwand
- Fischerei und Besuch der Frauen -

Empfangshalle Ostwand
- Fischerei -

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Weitere Darstellungen in der Empfangshalle zeigen die "Fischerei", zwei Gruppen von je drei Fischern bringen das Netz ein, ein Fischer legt auf jeder Seite das Zugtau des Netzes sorgfältig in Spiralwindungen zusammen, ein anderer in der Mitte der Szene hat eine Trage geschultert, an deren Enden je ein großer Fisch (Lates niloticus) hängt. Der Wasserstreifen, der auf den übrigen Wänden von kräftigen schwarzen Zickzacklinien, die auf blauem Grunde stehen, gebildet wird, ist hier durch dünne schwarze Wellenlinien auf gleichem Grunde bezeichnet, in denen die Umrisse der Fische ausgespart sind.

Wandmalereien zeigen auch hier den "Besuch der Frauen des Grabes" - ähnlich dem von der nördlichen Außenfassade. Ihr Vorhandensein im oberen Streifen ist durch die Füße, die über der Basislinie erhalten sind, bezeugt. Im unteren Streifen sind drei Frauen fast vollständig erhalten, zwischen der zweiten und dritten ein kleines Mädchen. Drei weitere Frauen lassen sich aus den vorhandenen Resten erschließen. Den einzelnen Frauenfiguren ist der Name beigeschrieben (von rechts)

  1. Seine geliebte Schwester Anuket,
  2. Seine geliebte Schwester Sat-ten,

  3. seine geliebte Schwester Heteput,

  4. seine geliebte Schwester.......

Der darüberliegende Streifen muss eine ähnliche Gruppe von Frauenfiguren enthalten haben. Die Darstellungen rechts vom Säulenschacht sind sehr schwer beschädigt.

Auch andere Darstellungen, wie die rechts vom Säulenschaft sind schwer beschädigt. In den Flächen unterhalb des 
"Besuchs der Frauen im Grab" ist die Wäscherei am Flusse dargestellt: Am Ufer sind die gewaschenen Laken zum Trocknen ausgelegt; die Ränder sind mit kleinen Steinen beschwert, damit die Laken nicht vom Winde weggeweht werden. Weitere Dekorationen sind

die Darstellung einer Rinderherde, die durch den Fluss getrieben wird. Die Herde ist bis auf zwei Rinderköpfe, die durch eine Lücke von 47 cm getrennt sind, zerstört. In dieser Lücke sind etwa fünf Rinderköpfe zu ergänzen. Ein Boot mit zwei Ruderern 
und einem Kalb führt die Herde an. In der Lücke war vermutlich das im Wasserstreifen lauernde Krokodil dargestellt, das zu
dem Motiv der im Flusse watenden Herde gehört.
eine weitere Bootsszene mit einem kleinen Schiff, das von zwei Männern gerudert wird. Über dem Boot befinden sich unlesbare Reste einer Inschrift.
Unmittelbar an das Ruderschiff schließt die Darstellung des Fürsten an, der im Papyrusdickicht vom langgestreckten grün gemalten Nachen aus mit dem Wurfholz Vögel jagt. Das Bild nahm fast die ganze Höhe der Wandfläche über dem Sockel ein.
Des weiteren finden sich an der südlichen Hälfte der Westwand Szenen des Fürsten beim Fischestechen an. Nur der Papyrusnachen mit den weitausschreitenden Füßen Sarenputs, zwischen denen eine Frau hockt, ist erhalten. Die Spirale vor dem vorgesetzten Fuße des Fürsten stellt das Seil dar, an dem die Harpune befestigt ist.
Auch die Besichtigung der Rinderherden durch den Fürsten ist ebenso wie auf der Außenfassade Thema der Bemalung  in einem oberen Streifen der Südwand der Empfangshalle. Von der Figur des Fürsten, die nach links blickte, sind nur die Beine, die Zipfel des langen Schurzes und das untere Ende des Stabes erhalten. Hinter ihm steht eine männliche Figur, vermutlich sein ältester Sohn; hinter diesem eine weibliche Figur, deren grobes Profil sich deutlich von den ebenmäßigen Zügen der Frauen von der Ostwand unterscheidet. Über der Frau ist ein Inschriftrest erhalten: "Seine Mutter Sets... (?)"; der Name der Frau kehrt im 
Grabe nirgends wieder.
Die sehr fragmentarischen Überreste der Herden lassen nur noch zwei Stiere erkennen, die sich angriffsbereit gegenüberstehen. Der linke Stier ist weiß, der rechte rot gemalt. Ein Hirte bemüht sich, den roten vom Kampf zurückzuhalten. 
Die Darstellung muss der Fassung desselben Themas in den Reliefbildern auf der Fassade geglichen haben. 

Auf den Pfeilern in der Empfangshalle werden repräsentative Darstellungen des Fürsten entweder alleine oder im Beisein mit einem Gott gezeigt. Der Fürst ist auf der Vorderseite des ersten rechten Pfeilers mit dem kurzen weißen und dem langen Schurz aus feinem Gewebe bekleidet. Er hält Stab und Szepter in den Händen.

Die schildernden Szenen auf den anderen Seiten der Pfeiler zeigen Weberei, Brauerei, Bäckerei und andere und sind kleinfigurig in mehreren Streifen übereinander auf den schmalen Flächen angebracht. Die dekorative Ausschmückung der Pfeiler erfolgt durch den Sockelstreifen, die Einfassung des Bildfeldes durch Farbenketten oder durch schwarze Linien.

Darstellungen im Korridor:

Die Empfangshalle wird über einen ca. 10 Meter langen gewölbten Gang mit der 5,50 Meter langen Kultkammer verbunden, an dessen Rückwand sich die Statuennische befindet. Auch die Wände des schmalen Ganges zwischen Empfangshalle und Kultkammer trugen Malereien über den schwarzem Sockel mit dem vierfarbigen weiß-gelb-rot-schwarzen Abschlussband, von denen aber nur ganz geringe Reste erhalten sind. Am östlichen Ende der Nordwand war der Fürst auf löwenbeinigem Stuhle sitzend, nach Westen, nach der Kultnische hin blickend dargestellt. Erhalten ist nur der Stuhl, die Beine des Fürsten und Teile des Schurzes. Eine Farbenkette setzte das Bildfeld gegen das östliche Ende der Wand ab. Auf der Südwand des Ganges, dem Bilde des Fürsten gegenüber, sind Beine von Männern erhalten die nach Westen, nach der Kultnische hin schreiten und vermutlich Opfergaben in den Händen trugen.

Kultkammer:

Es fehlen auf den Wänden der Kultkammer jegliche Stuckreste und es ist heute nicht mehr zu ermitteln, ob auf den dunklen, von keinem Lichtstrahl getroffenen Wänden jemals Dekorationen zur Ausführung gekommen sind.  Nur für die Gewände der Kultnische dürfen sicherlich Malereien angenommen werden. Aber auch hier sind nicht die geringsten Reste erhalten geblieben. Auf den schmalen Flächen, die als Sturzbalken und Pfosten die Öffnung der Nische einfassen, ist ein umlaufendes Schriftband eingetieft, dessen Inschrift die Opferformel wiedergibt. Die Inschrift beginnt in der Mitte des Sturzes und verläuft von hier nach links und nach rechts und sie endet auf den beiden Pfosten. Ihr Text lautet:

nach links:
"Gnädig sei der König, und gebe, und Osiris, der Herr von Busiris,
der große Gott, der Herrscher der Westlichen, der Herr von Abydos, an allen seinen Orten gebe er Totenopfer für den Ka des ehrwürdigen Fürsten Sarenput".

nach rechts:
"Gnädig sei der König und gebe und Anubis, der Herr der Gotteshalle, der Herr von Sepa, der auf seinem Berge ist, der Herr des Ta-djeser, an allen seinen Orten gebe er Totenopfer für den Ka des ehrwürdigen Sarenput".

 

Blick auf die Kultkammer

(Bild Peter Alscher)

Das Innere der Kultkammer
- evtl. mit Fragmente einer Statue? -
(Bild: Peter Alscher)

 

Gräber der II. und III. Ebene
(mittlere Terrasse und untere T
errasse)

 

Qubbet el-Hawa Nr. 88:
- Henebaba - 

 

          Grab Nr. 88 Henebaba
Das Grab Nr. 88 wurde im Jahre 1972 von Elmar Edel entdeckt und befindet sich auf der 2. Terrasse des Gräberberges von Qubbet el-Hawa. Es liegt etwa 17 Meter nördlich des oberen Teils des Sabni-Aufweges und ist bislang das südlichste Grab im Südhang. Der Eingang zu QH 89 befindet sich etwa 5 m nördlich davon. Das Grab hatte früher einen kleinen Vorhof besessen, der heute teilweise von Sandverwehungen bedeckt ist und man konnte es über zwei Stufen erreichen. Der Eingang des Grabes ist heute mit Bruchsteinen verfüllt.

(Bild: mit frdl. Genehmigung
Jörg Müller)

Das Grab Nr. 88 wurde im Jahre 1972 von Elmar Edel entdeckt und befindet sich auf der 2. Terrasse des Gräberberges von Qubbet el-Hawa. Es liegt etwa 17 Meter nördlich des oberen Teils des Sabni-Aufweges und ist bislang das südlichste Grab im Südhang. Der Eingang zu QH 89 befindet sich etwa 5 m nördlich davon. Das Grab hatte früher einen kleinen Vorhof besessen, der heute teilweise von Sandverwehungen bedeckt ist und man konnte es über zwei Stufen erreichen. Der Eingang des Grabes ist heute mit Bruchsteinen verfüllt.

Das Grab hat eine fast quadratische Form und besitzt vier Pfeiler, vier Schächte und vier Stollen. QH 88 gehört mit seiner etwas 25 m² großen undekorierten und unebenen Kultkammer zu den mittelgroßen Anlagen des Qubett el-Hawa. Die fast quadratische Kultkammer besitzt eine zusätzliche Vertiefung in der Westwand (Kultnische), was eine Datierung ins Alte Reich oder in die erste Zwischenzeit möglich macht, welche unterstützt wird durch die Funde von zahlreichen althieratisch beschrifteten Kultgefäßen. Neben den Kultgefäßen wurden noch andere Kleinobjekte wie Schmuck, Perlen und Vasen gefunden. Im ganzen Grab gab es aber keinerlei Inschriften.

Durch die systematische Untersuchung der Keramikfunde und Gefäßaufschriften war es möglich den ursprünglichen Besitzer dieser Grabanlage QH 88 wieder zu benennen. Diese Anlage wurde schon im Altertum derart geplündert und usurpiert, dass lediglich ein einziges zeitgenössisches Gefäß gefunden wurde. 

Qubbet el-Hawa 88 wird dem "Siegler des Unterägyptischen Königs und Einzigem Freund Henebaba" aus der 6. Dynastie, wohl unter König Pepi II. zugeordnet. Die Bestattungen der Sargkammern des Alten Reiches sind mäßig gestört, während die anderen  Bestattungen des Alten Reiches und der II. Zwischenzeit (Einordnung nach C 14-Analyse) stark gestört sind (Angaben nach Rösing, S. 19) Insgesamt wurden in den Grabschächten dieses Grabes 434 hieratisch beschriftete Gefäße gefunden, die mit Personennamen und mit den Bezeichnungen von Früchten beschriftet waren (Quelle: Edel / die Felsengräber der Qubbet el Hawa bei Assuan, II. Abteilung - die althieratischen Topfaufschriften). Das Bonner Ägyptologische Seminar besitzt in seiner Sammlung 308 dieser Stücke. Weiterhin wurde in der Sargkammer des Schachtes IV. ein gut erhaltenes sog. Kamares-Gefäß gefunden (kretisch-minoischer Keramikstil von dünnwändiger Tongefäße aus der mittleren minoischen Periode)

Der Besitzer der Grabanlage wurde wahrscheinlich im Hauptschacht IV. beigesetzt, welcher durch seine exponierten Lage als der Hauptschacht anzusehen ist. Leider sind die ursprünglichen Bestattungen der Sargkammer durch sekundäre Nutzungen beseitigt worden, so dass lediglich ein einziges beschriftetes Gefäß, auf dem der Frauenname Nfr-anq.t zu lesen ist, uns ein Zeugnis von der ursprünglichen Belegung gibt.

Durch die anthropologische Bearbeitung der menschlichen Überreste wurde ermittelt, dass 108 Personen im Grab QH 88 bestattet wurden (43 Männer, 31 Frauen und 34 Kinder). Die pathologische Untersuchung ergab, dass 8 Männer, 4 Frauen und 7 Kinder, d. h. insgesamt 19 Personen im Alten Reich bestattet wurden, wovon wohl 2 Männer und 2 Frauen zur ursprünglichen Bestattung gehört haben zu scheinen. Ein 45 bis 49 Jahre alter Mann lag allein in der ungestörten Sargkammer des Schachtes I. Ein 43 bis 52jähriger anderer Mann war zusammen mit einer 54-63jährigen Frau in der ebenfalls ungestörten älteren Sargkammer ß des III. Schachtes beigesetzt. Eine ältere Frau (65-69) fand man in der Sargkammer des Schachtes II. bestattet. Diese Personen wurden von F. W. RÖSING als Verwandte bezeichnet. 15 weitere, nicht miteinander verwandte Personen wurden in der Sargkammer a des Schachtes III. und ebenfalls sekundär in der Sargkammer des Schachtes IV. beigesetzt. (siehe zu allen pathologischen Aussagen: F. W. RÖSING: "Qubett el Hawa und Elephantine - Zur Bevölkerungsgeschichte von Ägypten, Fischer Verlag Stuttgart-New York 1990)

(Die  Beschreibung von QH 88 stützt sich auf HÖVELER-MÜLLER: Funde aus Grab 88 der Qubbet el-Hawa bei Assuan / Die Bonner Bestände / Harrassowitz Wiesbaden 2006,)

Qubbet el-Hawa Nr. 89
- Sobek-hotep -

Qubbet el-Hawa Nr. 89 ist ein mittelgroßes Grab aus dem Alten Reich und befindet sich auf der "unteren 2. Ebene". Der Grabherr Sobek-hotep trug den Titel: "Inspektor des Palastes des großen Königs in Memphis". Sobek-hotep war ein hoher Beamter des Alten Reiches und lebte wahrscheinlich während der Regierungszeit von Pepi II. Vermutlich stammte Sobek-hotep aus Memphis und wurde dann vom König nach Elephantine versetzt. Da sich keine Hinweise auf ältere Angehörige des Grabbesitzers fanden, war er wohl aufgrund der Hinweise in anderen Gräbern der Gründer einer einflussreichen Familiendynastie in Elephantine.

Qubbet el-Hawa Nr. 89 - der Grabeingang mit dem zum Teil noch verschütteten Vorhof.

Rechts neben dem Grabeingang befindet sich eine Bruchsteinmauer, die wohl ihren Ursprung in späterer Zeit haben dürfte.
Maße des Grabeingangs:
Höhe: 1,70 Meter; Breite: 0,90 Meter
Grabfassade:
Höhe: 2,50 Meter; Breite: ca. 5 Meter

Gegenüber des Grabeingangs wurde eine Scheintür eingearbeitet.

(Bild: Jörg Müller)

Die Bestattungsanlage des Sobekhotep befindet sich auf der unteren Ebene des Qubbet el-Hawa und verfügt über eine ca. 15 m² große Kultkammer mit drei Pfeilern und drei Schächten. Zwar war ein vierter Pfeiler vorgesehen, konnte aber nicht fertiggestellt werden, da sich an dieser Stelle ein Grabschacht befindet. Es ist aber auch möglich, das der vierte Pfeiler schon geplant war, aber wegen der schlechten Qualität des Gesteins nicht ausgearbeitet werden konnte und dafür später nachträglich an dessen Stelle ein zusätzlicher Schacht angelegt wurde.

Es wurden insgesamt 98 Fragmente von verschiedenen Individuen vermerkt, darunter das des Grabbesitzers Sobekhotep und 13 Bestattungen aus dem Alten Reich. In einigen vermutet man weitere Angehörige des Grabeigentümers. Prof. Rösing fand in der Familie Sobekhotep bei weiteren Untersuchungen sehr häufig das "Tuberculum praecondylare". 
Zitat Prof. Rösing: 

"Nach dem Merkmalskombinat muss eine große Mehrheit der Skelette im Grab 89 als genetisch verwandt angesehen werden, dies schließt die bisher als sekundär aufgefaßten Schachtfüllungsbestattungen ein. Bei dem Verfolgen des Merkmalskombinats in der übrigen Bevölkerung finden sich einige mögliche Verwandte; ohne weitere Prüfmöglichkeiten bleibt dies jedoch Hypothese.”
 (Rösing, S. 220)

Lt. Prof. Rösing handelt es sich bei dem Inividum 89/190/IISK (Nummerierung nach Rösing) um den Grabbesitzer, der in einer Einzelbestattung der Sargkammer in Schacht II. des Grabes an exponierter Stelle gefunden wurde. Er war zum Zeitpunkt seines Todes um die 42-51 Jahre alt und litt an "Parietaldepression" (Rösing vermutet darin eine genetisch determinierte, altersunabhängige Erscheinung, die auch bei anderen vermuteten Mitgliedern der Familie auftrat.

 

Qubbet el-Hawa Nr. 98
- Ji-sema-Seti-ka (Jj-sm3 Stj-k3) -

Die Grabanlage Qubbet el-Hawa 98 wurde1887 von Col. H. Smith und Budge ausgegraben. Colonel Holled Smith setzte die Arbeiten am Qubbet el-Hawa von Greenfell nach dessen Abkommandierung fort. Das Drei-Pfeiler-Grab mit mehreren Grabschächten besaß lt. Budge (PSBA 10 - 1988) Darstellungen und Inschriften, welche den Verstorbenen im Leopardenfell zeigen. Es werden aber leider bei Budge (PSBA 10 / 1888, S.38) keine Namen oder Hieroglyphen des Grabinhabers zitiert. Da Morgan dieses Grab in seiner Dokumentation nicht erwähnt, war es höchstwahrscheinlich zu dieser Zeit schon nicht mehr sichtbar gewesen. Dieses Grab wurde evtl. durch Arbeiten an dem darüberliegenden Grab OH 31 verschüttet und erst durch Elmar Edel 1960 erneut freigelegt.

                             Bestattungsanlage des Ji-sema-Seti-ka (?) in Qubbet el-Hawa Nr. 98
                                                                  (  Bilder: Jörg
Müller )

In seinen Grabungsberichten merkt Elmar Edel an, dass sich in QH 98 einige sehr schöne farbige Reliefs befinden und dass aufgrund der Synchronismen mit den auf den Töpfen benannten Spendern, der Grabinhaber im Alten Reich (6. Dynastie) datiert werden kann und ein Zeitgenosse von Mechu und Sabni anzusehen ist. 

In einem der Schächte (Schacht III.) fand Edel zwei gut erhaltene Töpfe, welche die Aufschrift: Jj-n-hnt Jpj z3 smr Sbkw-htpj trugen. H. Smith fand in einem anderen Schacht zwei Schiffsmodelle, von denen sich eines zusammen mit einem Speichermodell aus dem gleichen Schacht im Brit. Museum London befindet. (Inv.-Nr. 21804 - Getreidespeicher und 21805)

Darstellungen des Verstorbenen im Leopardenfell auf einem der Grabpfeiler.

 

 

(Bild: Jörg Müller)

 

Qubbet el-Hawa Nr. 109 
- Abbi Tedju (
3bbj Tzw)

Die Grabanlage Qubbet el-Hawa 109 (mittlere Ebene)  gehört lt. Dokumentation/Ausgrabung u. a. Edel/Rösing 1962 in die Zeit des Alten Reiches. Der Grabinhaber Abbi Tedju (?) ( 3bbj Tzw ) trug lt. Edel den Titel "Siegler des unterägyptischen Königs. Die Bestattungsanlage verfügt über eine ca. 28 m² große Kultkammer (nach Rösing) mit vier vollendeten und mit zwei unvollendet gebliebenen Pfeilern. Des weiteren besitzt die Anlage zwei Schächte und zwei Stollen. Die Bestattungen in der Sargkammer aus dem Alten Reich sind relativ wenig gestört, während die übrigen Bestattungen stark gestört sind. Lt. Edel/Rösing ist das Skelett des Abbi Tedju identifiziert.

Lt. eigenen Notizen von J. Müller ( www.manetho.de ) bei einem Besuch im März 2007 befindet sich das  mittelgroße Grab aus dem Alten Reich ca. 10-15 Meter südlich des zweiten Eingangs zu Qubbet el-Hawa 110. Der Eingang von QH 109 befindet sich durch einen kleinen Felsabsatz etwa 1 Meter höher als der von QH 110. Dieser Absatz scheint der Rest eines ausgeschlagenen Vorhofes zu sein, der bis zu dem Nebeneingang reicht. 
Zitat Jörg Müller:
In QH 109 sind vier Pfeiler vollständig ausgearbeitet, an der Südwand befinden sich zwei weitere, nicht vollständig freigeschlagene und von der Wand getrennte Pfeiler. 
Gegenüber des Eingangs in etwa 2 Meter Entfernung ist ein Schacht von 1,20 Meter Breite und 3,00 Meter Länge, in dem an seinem unteren westlichen Ende eine Schachtmündung zu sehen ist. Hinter dem zweiten südlichen Pfeiler ist ein weiterer Stolleneingang zu sehen, der in seinem Beginn in westliche Richtung führt. Zwischen Pfeiler 1 und Pfeiler 2 der südlichen Reihe ist eine Nische in den Fels gearbeitet, am Eingang eine weitere halbhohe Nische. Zwischen Pfeilerreihe 2 und 3 befindet sich ein zweiter Grabschacht; Breite 1,20 Meter, Länge 2,50 Meter, allerdings erheblich tiefer. Auch hier geht am Schachtboden ein Stollen in westlicher Richtung ab.

In der äußersten nordwestlichen Ecke des Grabraumes sind zwei weitere Stollenmündungen in der Wand unmittelbar über dem Boden sichtbar, von denen einer westlich orientiert ist, der andere vermutlich in Richtung Nord. Der Eingang zu diesem Stollen ist durch Steine blockiert worden, dadurch ist die Ausrichtung bzw. der Verlauf nicht abschätzbar.

Im Grab befinden sich an den Pfeilern noch geringe Verputzreste, die darauf hindeuten, dass hier eine Beschriftung oder Dekoration gewesen sein könnte, beispielsweise auf Pfeiler 2 der nördlichen Reihe.

Das Grab selbst hat eine Abmessung von 7,50 Meter Breite und 5,50 Meter Tiefe (= 41,25 Quadratmeter)

Der Eingang von QH 109 liegt etwas höher als QH 110
(Bild:
Jörg Müller)

 Auf den Pfeilern befinden sich noch geringe Verputzreste
                             (Bild:
Jörg Müller)

Elmar Edel konzentrierte sich bei seinen Forschungen auf die Grabbeigaben, speziell die Töpfe. Dabei zählt die Bestattungsanlage Nr. 109 zu den ergiebigsten Gräbern am Qubbet el-Hawa. Es fanden sich insgesamt 253 beschriftete Töpfe. Dabei ist zu bemerken, dass sich diese nur in einem einzigen Schacht des Grabes befanden (siehe Vorbericht, 52). Auf 56 Töpfen fanden sich lt. Edel Namen von insgesamt 14 verschiedenen Stiftern, womit sich lt. Edel ein Bestattungsrahmen während der Regierungszeit des Pepi II. (AR - 6. Dynastie) kurz vor oder nach dem Tod des Mhw (Mechu) datieren lässt.

Von den insgesamt 18 im Grab gefundenen Skeletten wurden 14 ins Alte Reich datiert, 2 ins Neue Reich und 2 in die Spätzeit. Nach der Beschreibung bei F. W. Rösing (Qubbet el Hawa und Elephantine - Zur Bevölkerungsgeschichte von Ägypten) gibt es außer dem Grabbesitzer und dessen zwei Familienangehörigen zwei weitere Sargkammerbestattungen. Des weiteren wurden einige ärmliche Begräbnisse in der Kultkammer und in der Schachtfüllung/Stollen/Korridor (nach Rösing) elf restliche Funde gemacht. Bei einigen der Individuen fand Prof. Rösing bei weiteren anthropologischen Untersuchungen (Röntgenbilder) Schädelverletzungen bei der Impression Parietale links (siehe Rösing S. 75, Abb. 45)

Qubbet el-Hawa Nr. 110
- Setka (Stj-k3 Jj-sm3j)

Das Grab Qubbet el-Hawa 110 aus dem Alten Reich / I. Zwischenzeit gehört einem Mann namens Set-Ka, der lt. Grabinschriften folgende Titel trug:

Prinz und Gouverneur

Aufseher der Fremdländer (imy-r h 3swt)

und Aufseher der Phyles in Oberägypten ( imy-r s3w shmaw)

Aufseher der Priester der Pyramide Pepi II. (sh d h m-ntr [mr] Nfr-k3-ra mna nh)

Das 70 m² große Grab aus dem Alten Reich befindet sich rechts über dem des Chunes (QH 34H) in der mittleren Ebene des Qubbet el-Hawa. Die Decke wird von zwei Pfeilerreihen zu je acht Pfeilern getragen. An der Außenwand befindet sich ein Fenster, das in späterer Zeit in die Wand geschlagen wurde, als das Grab von den Kopten als Kloster verwendet wurde. An der dem Eingang gegenüberliegenden Seite befinden sich zwei Kultnischen mit den dazugehörigen Scheintüren. Es wird vermutet, dass es sich bei der Bestattungsanlage QH 110 um ein Doppelgrab handeln könnte, in welchem außer dem Fürsten Setka auch sein Sohn, der Bürgermeister/Gaufürst (h 3tja) Meri  (Mrjj) bestattet wurde. Dieses ist allerdings nur eine Vermutung und lässt sich heute nicht mehr beweisen. 

        Eingangsfront der Grabanlage Qubbet el-Hawa 110
                             (Bild: Jörg Müller)
   Eine der beiden Scheintüren innerhalb der Kultnischen
                             (Bild: Jörg Müller)

Ein Opfertisch, der sich vorher vor der rechten Kultnische befand, lehnt jetzt an der Wand der Hauptkammer. Lt. Habachi entstand das Grab in den Anfangsjahren der I. Zwischenzeit. Inschriften und Wandmalereien sind zum Teil zerstört, andere in einem sehr schlechten Zustand.

Seit 1993 arbeitet Michael R. Jenkins von der University of Tasmanien am Grab des Setka und hat seine Ergebnisse in "The Bulletin of the Australian Centre for Egyptology Vol. 11 (2000) pp. 67f. publiziert.

Qubbet el-Hawa Nr. 206/206a
- 4 Grabherren:
K3j-m-snw, Jqrj, Snnw, Mrj4 -

Die Bestattungsanlage Qubbet el-Hawa 206 ist ein Grab aus dem Alten Reich und besitzt 1 Pfeiler und 5 Schächte.  Bei den Ausgrabungen im Jahre 1969 entdeckte man auch menschliche Überreste von 75 Individuen, die von Prof. Rösing untersucht wurden. (Quelle: siehe Prof. F.W.Rösing, Qubbet el Hawa und Elephantine - Zur Bevölkerungsgeschichte von Ägypten), welche zunächst alle Qubbet el Hawa 206 zugeordnet wurden. Später definierte man die Begräbnisstätte A als eigene Grabanlage und man ordnete dann die dort geborgenen 10 Bestattungen dem neuen Grab mit der Nummer 206 a zu. 

     Qubbet el-Hawa Nr. 206 - Eingang - 4 Grabherren
                                  ( Bild: Jörg Müller )
          Kultkammer QH 206 mit Schacht - unten links
                                  ( Bild: Jörg Müller)

 

Grabmalereien in Qubbet el-Hawa 206
(Bild: Jörg Müller)

Bei einigen Individuen sind folgende Auffälligkeiten vermerkt worden:

Individum 206/8/ KK: männlich - Alter etwa 32 - 41_
Zahnentwicklungsstörung, Durchbruchstörung Eckzahn, 23 geht durch Gaumen, 63 (Milchzahn) vorhanden.

Individum 206/2/ KK: Eine Frau mit grazilem Gesicht und mäßig hohem Hirnschädel, etwa 41 bis 50 Jahre alt.

Individum 206/22/ KK: Mann - große Impressionsfraktur Hinterhaupt,

Individum 206/41/ KK-2: Eine ausgeprägt Negride von etwa 52-61 Jahre.

Individum 206/57/IISF-5 Mann: Morbus Bechterew. Die ganze Wirbelsäule vom zweiten Halswirbel an bildet einen 
rigiden Stab, damit fusioniert sind die Rippen und das Becken, außerdem sind Schlüsselbein und Schulterblatt 
und die beiden Hauptteile des Brustbein eine feste Verbindung eingegangen. Die übrigen Gelenke sind offenbar noch frei.

Individum 206/64/ISK-1: Mann, von der Pathologie dem Grabinhaber Sobek-Hotep aus QH 207 sehr ähnlich, nach Physiognomie jedoch sehr unähnlich.

Individum 206/126/KA-1: ein robuster Europider von etwa 26 bis 35 Jahren, verheilte Nasenfraktur links.

(Quelle: www.manetho.de/ - F.W.Rösing, Qubbet el Hawa und Elephantine - Zur Bevölkerungsgeschichte von Ägypten)

Bestattungsanlage 206a - Grabinhaber: unbekannt (evtl. T[f]j (?) AR )

Die bei ihrer Auffindung im Jahr 1969 noch zur Bestattungsanlage 206 (206alpha) gerechnete kleine pfeilerlose Einkammeranlage besitzt eine kleine gestreckte "Kultkammer" mit einem kleinen querliegenden "Anhang", welcher evtl. als Sargkammer gedacht war. Später änderte Edel diese mit kleinen griechischen Buchstaben bezeichnete Anlagen (Edel zählte die einfachen Schächte in den Höfen mit kleinen griechischen Buchstaben)  QH 206/alpha und QH 207/alpha in OH 206a und QH 207a und wertete sie damit zu eigenständigen Grabanlagen auf.

In der Bestattungsanlage QH 206 wurden menschliche Überreste von 75 Individuen geborgen (Quelle: Prof. Rösing) und von Prof. Rösing eingehend untersucht. Zunächst ordnete man diese Objekte alle dem Grab QH 206 zu, nach der Definition der Begräbnisstätte a als eigene Grabanlage ordnete man die dort geborgenen 10 Bestattungen dem neu benannten Grab 206a zu.

Literatur:
RÖSING, F.W., Qubbet el Hawa und Elephantine. Zur Bevölkerungsgeschichte von Ägypten, Stuttgart - New York, 
Gustav Fischer Verlag, 1990. ISBN 3-437-50325-1
EDEL, Elmar, Bericht über die Arbeiten in den Gräbern der Qubet el Hawa bei Assuan 1959 und 1960, in ASAE 57 / 1962, S 33 ff.
EDEL, Elmar, Ausgrabungen auf der Qubet el Hawa bei Assuan 1968, ZDMG Suppl. 1 1969, S. 21-23
EDEL, Elmar, Vorbericht über die Arbeiten in den Gräbern der Qubbet el Hawa bei Assuan, ZÄS 100 (1973), 2-6
EDEL, Elmar, Die Felsengräbernekropole der Qubbet el_Hawa bei Assuan, 1. Abt., 3 Bd. + Tafeln, Aus dem Nachlass verfasst und herausgegeben von K.-J. SEYFRIED und G.VIELERm Schöningh Verlag 2008, ISBN 978-3-506-76343-3

Höveler-Müller: Funde aus Grab 88 der Qubbet el-Hawa bei Assuan / Die Bonner Bestände / Harrassowitz Wiesbaden 2006,

MÜLLER, Hans Wolfgang, Die Felsengräber der Fürsten von Elephantine aus der Zeit des Mittleren Reiches, ÄF 9, Glückstadt 1940

LOHWASSER, Angelika, Die Expeditionen des Herchuf, Kemet Jg.14 Heft 3 (Juli 2005), S. 29-31
GARDINER, Geschichte des Alten Ägypten, 1962, S. 107f.

Unser ausdrücklicher Dank geht an Herrn Jörg Müller ( www.manetho.de/ ) für mannigfache Hilfe und die Bereitstellung vieler Fotos für die Bebilderung dieser Seite.



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