Tempeltor für das Abaton (Osirisgrab)
auf der Insel Bigga - nach einem Gemälde von David
Roberts
Gleich nach dem Frühstück
stand die Besichtigung des Philae-Tempels auf dem Programm. Wir wurden mit den
Bussen zur Anlegestelle unterhalb des alten
Staudammes gefahren. Von hier aus fahren die Motorboote und die
Feluken
zur Insel Philae.
Anlegestelle in Assuan unterhalb des alten
Staudammes.
mit einem kleinen Motorboot fuhren wir
zur zum Isis-Tempel auf der Insel Philae
Die Überfahrt
mit den kleinen Booten war eine willkommene Abwechslung und hier ließen sich
auch die Temperaturen gut ertragen. Die Fahrt mit den kleinen Schiffen und
die Ankunft auf der Insel war wunderschön, vorbei an den aus dem Wasser
ragenden, schimmernden Felsen näherten wir uns der Anlegestelle der Insel.
der Isis-Tempel auf der Insel Philae, im Vordergrund
unten, die kleine Anlegestelle.
(Bildquelle: käuflich erworbene Postkarte)
Von den ehemaligen Inseln ragen nur noch
"steinerne Bergspitzen "aus den Fluten empor.
Isis-Kult
Isis (griech.) - auch Aset - galt
als ägyptische Mutter- und Frauengöttin. Sie gehörte zur
Götterneunheit und war eine Tochter des Geb und der Nut. Oft wird sie
zusammen mit ihrem Brudergemahl Osiris dargestellt, dem sie treu ergeben
war. In anderen Darstellungen wird Isis gezeigt als Inbegriff der
Mütterlichkeit.
Aus ptolemäischer Zeit sind
zahlreiche Figuren erhalten, die sie zusammen mit ihrem Sohn Horus zeigen,
den sie auf ihrem Schoß hält. Der Horusknabe wird oft mit der
Doppelkrone von Unter- und Oberägypten dargestellt - das bedeutet, er ist
dem Pharao gleichgesetzt. Somit galt Isis als göttliche Mutter und
Beschützerin des Pharaos. Ihre Identifizierung mit dem ägyptischen
Thron, wird in der Religion hergeleitet aus einem Mythos des "goldenen"
Zeitalters, wo sie zusammen mit ihrem Gemahl Osiris, die ersten Könige Ägyptens
gewesen sein sollen.
Im Osiris-Mythos, wo ihr Gemahl
von seinem Bruder Seth ermordet wird, empfängt sie als
"Göttermutter"den göttlichen Knaben Horus, indem sie sich in
der Gestalt eines Vogels (Sperbers) auf den Leichnam ihres Gatten setzt,
und später ihren Sohn in den Nilsümpfen des Deltas zur Welt bringt. Sie
versteckt Horus solange vor Seth, bis er alt genug ist, sein Erbe als
rechtmäßiger Thronfolger anzutreten.
Zusammen mit ihrer Schwester Nephthys bewacht sie den Körper ihres toten
Gatten und erweckt ihn mittels zahlreicher Zauberformel zu neuem Leben.
Daher gilt Isis auch als Göttin mit magischen Kräften und wurde sowohl
im Diesseits wie auch im Jenseits angerufen. Als Schutzgöttin der Toten
wird sie an den Sargwänden mit ausgebreiteten Flügeln dargestellt.
Ihre magischen Kräfte wirkten vor allem bei Schlangen- und
Skorpionbissen. Sie begleitete den Sonnengott auf seiner
nächtlichen Reise durch die Tücken und Gefahren der Unterwelt und
beschützte ihn mit ihrer Magie.
Sowohl im römischer- als auch in
griechischer Zeit wurde sie im Isis- und Osiris-Kult verehrt und mit den
römischen und griechischen Göttinnen gleichgesetzt.
(Quelle: Ägyptologie-Forum/Lexikon u. a.)
Die Bronzestatue der
Isis mit dem Horusknaben stammt aus der Ptolemäerzeit, in der sie oft in
einer Verschmelzung mit der Göttin Hathor mit der Sonnenscheibe und einem
Kuhgehörn auf dem Kopf dargestellt wird..
der Isis-Tempel auf der Insel Philae vom
Nil aus gesehen (Bildquelle: käuflich erworbene Postkarte)
der Kiosk des Trajan
Der Isis-Tempel auf der
Insel Philae bildete durch seine einzigartige Lage im 19. Jahrhundert eine
große Touristenattraktion. Die Heiligtümer und Tore spannten einen Bogen von
den letzten Pharaonen über die Ptolemäer bis zu den Kaisern der Römerzeit.
Die Göttin Isis war sicherlich eine der beliebtesten Göttinnen des alten
Ägyptens.
Die ältesten,
heute noch aufrecht stehenden Bauten des Isistempels, werden in die Zeit
Nektanebos I. ( 389-363 v. Chr. nach Schneider) datiert. Dieser Pharao
entwickelte ein Gesamtkonzept mit Aufgangstreppe, die sich an der Südspitze der
Insel befand und mit einer Barkenstation hoch über dem Nil. Vorgesehen waren im
Plan von Nektanebos I. auch eine Prozessionsallee sowie ein großer Tempel mit
Eingangspylon, welche aber außer einem Tor im 1. Pylon nicht mehr
ausgeführt wurden.
Ältere
Fundamente, in denen sich Blöcke aus der Zeit Taharqas (25. Dynastie) befanden,
bezeugen aber die Geschichte der Insel zumindest bis in diese Zeit
zurück.
Die Pharaonen
Ptolemäus II. und III. führten später das Bauprogramm fort und ließen vor
allem den Isis-Tempel mit den beiden 20 und 13 Meter hohen Pylonen errichten.
Einmalig ist hier die mehrfach geknickte Tempelachse, ebenfalls sind es die
Blüten- und Pflanzenkapitelle der Säulen. Diese Abweichung vom
üblichen ptolemäischen Tempelbau fällt besonders bei dem Hof auf,
der auf dem 1.
Pylon folgt. Die trapezförmige Grundfläche des Hofes wurde nötig, bei
der Anpassung des Wiederaufbaues an die Gestalt der Insel Agilkia. Wenn
man durch den 2. Pylon schreitet, wird der Knick in der Achse besonders deutlich.
Eines der
schönsten heute noch vollständig erhaltene Mammisi,
(Geburtshaus) befindet sich hinter dem 1. Pylon an der Westseite des sich hier
befindlichen Hofes. Reliefs, die aus spätptolemäischer und frührömischer
Zeit stammen, erzählen hier von der Kindheit des Horusknaben. Entstanden
ist dieses Gebäude in der Zeit des Ptolemäus VIII. Euergetes II. Es hat ein
dreiräumiges Sanktuar (Allerheiligste)
mit Pronaos (Vorhalle) und Säulenumgang, der wie ein Baldachin das Dach über
dem Allerheiligsten trägt.
Steinblock mit dem Relief des
Gottes Bes
Eingangspylon des Isis-Heiligtums
Ein sehenswertes Gebäude ist zweifellos der Tempel
der Göttin Hathor, welcher sich östlich des Haupttempels befindet. Als
"zornige Göttin" des Mythos verehrt und als "Auge des Re"
nach Süden geflohen, weil sie Zerstörungen und Verwüstungen bis weit nach
Nubien hinein angerichtet hatte, konnte sie erst mit einer List, durch den, in
einen Affen verwandelten Gott Thot, nach Hause zurückgeholt werden.
Auf den Säulen im Vorhof sind Darstellungen von
Musikanten und dem Gott Bes, einem Schutzgott der Gebärenden und Wöchnerinnen
zu sehen, die der heimkehrenden Göttin einen fröhlichen Empfang
bereiten. Singend und tanzend, sowie Laute spielende Affen und ein Tamburin
spielender Gott Bes, sind hier zu sehen, die mit ihren Darbietungen die Göttin
wieder besänftigen sollen.
Östlich der Ostkolonnade lag
ein Tempel, der dem Imhotep geweiht war, dem genialen Baumeister der
Stufenpyramide von Sakkara unter dem Pharao Djoser. Imhotep genoss später
göttliche Verehrung. Ihn erwähnt auch die Inschrift einer Felsstele aus
ptolemäischer Zeit auf der Insel Sehel weiter nördlich.
Im Säulensaal, der nur zur Hälfte überdacht
ist, ist anhand der in die Säulenschäfte gemeißelten koptischen Kreuze und
bei den Zerstörungen der Reliefs die Umwandlung in eine koptische Kirche zu
erkennen, und wie bei vielen "heidnischen" Kultstätten ging man daran,
die "sündigen" Teile der Götter- und Pharaonenbilder zu entfernen.
Unter dem römischen Kaiser Augustus wurden die
beiden langen, die Prozessionsstraße flankierenden Kolonnadenreihen errichtet,
dazu später noch der berühmte Trajanskiosk, dessen Ost-West-Achse zum
Haupttempel gerichtet war. Dieses Bauwerk ist der größte erhaltene,
freistehende Kiosk Ägyptens mit einer Grundfläche von 15,4 x 20,7 m und einer
Höhe von 15,45 m. (Quelle: Arnold - Lexikon der ägypt.
Baukunst/Albatros-Verlag, Düsseldorf 2000, S. 265) Der Kiosk mit 4 x 5
Kompositsäulen, die allerdings unfertig geblieben waren, diente als
Barkenstation für Isis und die anderen Götter von Philae. Auch die unter
Kaiser Trajan begonnene Dekoration blieb unvollendet - deshalb wird dieser Kiosk
auch häufig Trajan-Kiosk genannt, obwohl er unter Augustus entstanden ist.
Ein Tempel ebenfalls aus der Epoche des Kaisers Augustus und ein römisches Stadttor mit einem Treppenaufgang
vom Nil her, welches dem Kaiser Hadrian zugeschrieben wird, entstand im
Nordosten. Von der Westwand des Säulensaales führt ein Durchgang zu dem
Torbau, welches auf die ursprünglich benachbarte Insel Bigge ausgerichtet war.
Auf dieser Nachbarinsel lag das Grab von Osiris - dem Gatten der Göttin
Isis.
Blick vom Abaton auf der benachbarten Insel
Bigga zum Tempel der Isis auf Philae (David Roberts - Lithografien)
Das "Abaton", griechisch das "Unbetretbare" oder der
ägyptische Name "die reine Stätte", war die Bezeichnung für eines
der vielen Osirisgräber, die in der griechisch-römischen Epoche für die
Kultstätten, in denen Teile des Osiriskörpers bestattet gewesen sein sollen.
Besondere Verehrung erfuhren die Osirisreliquien in den Städten Busiris,
Memphis, Abydos und auch in Esna. Das Hauptheiligtum befindet sich aber auf
Bigga.
Durch einen kleinen Tempel gelangte man zum
"Abaton", der später allerdings teilweise in eine Kirche
umgewandelt wurde. Im "Abaton" auf der Insel Bigga sollte sich das
linke Bein des ermordeten Osiris befinden, welches hier als Reliquie verehrt
wurde. (Quelle: Lexikon Ägyptologie Forum)
Erwähnenswert ist auch ein
kleines Bild in einer Ecke des Tores. Tief unter den Granitblöcken findet man
den Nilgott HAPI, der in seiner Höhle kauert und in seinen Händen zwei Vasen
hält, aus denen sich der Fluss speist.
Allerdings muss man hier bedenken, das es sich
nicht mehr um die ursprüngliche Insel Philae handelt, sondern das
Isis-Heiligtum steht seit 1980 auf der Insel Agilika.
Die "echte" Insel Philae
ist mit dem Bau des Hochdammes endgültig in den Fluten des Nasser-Sees
versunken. Schon vorher ließ der neue Staudamm während 9 Monate im Jahr nur
die Dächer des Tempels aus den Fluten ragen. Das Heiligtum der Isis ist eine
der wenigen geretteten nubischen Kultstätten, die während des Baues des
Assuan-Hochdammes in den Jahren von 1960 - 1971 an einen höhergelegenen Ort
gerettet werden konnten
Der Tempel von Philae - in Einzelteile zerlegt und
auf der Nachbarinsel Agilkia wiedererrichtet.
Philae war wohl außerdem der letzte Tempel, in dem der altägyptische Kult noch
ausgeübt wurde, als das Land bereits christianisiert war. Die Anhänger
der Göttin hielten bis ins 6. Jh. n. Christus an ihrem Kult fest - die letzte
Hieroglypheninschrift stammt aus dem Jahre 394 n. Chr., die letzte
demotische Inschrift datiert von 452 n. Christus. Schon seit Mitte des 4.
Jahrhunderts existierten zwei christliche Kirchen, die zwischen dem Isis-Tempel
und den beiden Bauten am Nordende der Insel, dem Tempel des Augustus und einem
Tor des "Diokletian (284-305) entstanden, die eine Zeitlang neben dem
"heidnischen" Kult existierten.
Kaiser Justininan
(535-537) befahl die Schließung des Tempels und ließ die
Säulenhalle des Isisheiligtums in eine Kirche verwandeln.
Der Auf-
und Abbau des Tempel von Philae wurde durch die ägyptische Regierung mit Hilfe
der UNESCO 1972 - 1980 vorgenommen. Neben der Halle Nektanebos I. erhielten der
Isis-Tempel, der Hathor-Tempel , das Nilometer und der Kiosk des Trajan oder
Augustus eine neue Heimat auf der Nachbarinsel Agilkia.