Esna

Assuan

Edfu

Für einige unserer Mitreisenden war die Nacht nur kurz, da sie frühmorgens gegen drei Uhr zum fakultativen Ausflug per Flugzeug oder Bus nach Abu Simbel aufstehen mussten. Wir hatten darauf verzichtet, weil er uns zu teuer und zu früh war. Dafür genossen wir den Vormittag auf dem Sonnendeck, "tankten" Sonne pur, tätigten kleinere Einkäufe, wie z.B. Postkarten oder sahen uns den schönen Schmuck und die Kartuschen-Anhänger an, die im Juwelier-Lädchen an Bord angeboten wurden.

Mußestunden auf dem Sonnendeck
(Bild: Nefershapiland)

die Rezeption und der Postkarten- und Andenkenshop
                    auf der MS Nile Smart.

Nach dem Mittagessen und der Rückkehr der Abu Simbel-Ausflügler, verließ die "MS Nile Smart" die Anlegestelle in Assuan und die Fahrt ging weiter nach Kom Ombro. 

Im pharaonischen Ägypten waren die Krokodile allgegenwärtig und ihre Gefährlichkeit für Mensch und Tier hat schon früh dazu geführt, dass die mächtigen Panzerechsen zur Gottheit erklärt wurden. Zu Ehren des Gottes Sobek errichtete man landesweit Tempelanlagen, um ihn im Kult zu besänftigen. Im oberägyptischen Raum zählt Kom Ombo zu den wichtigsten Kultplätzen. Eine Tiernekropole lag etwas entfernt vom Heiligtum, aus der zahlreiche gut erhaltene Krokodilsmumien stammen.

Im 19. Jahrhundert, noch vor der Zeit, als Dampfschiffe den Nil befuhren, versammelten sich Hunderte von Krokodilen auf einer Sandbank bei Kom Ombo. Hier war ein von ihnen bevorzugter Platz zur Paarung oder auch nur zu einem Sonnenbad. In der unvollendeten Hathor-Kapelle aus der Zeit des Hadrian (2. Jh. n. Chr.) im Süden des Heiligtums kann man einige der Krokodilsmumien besichtigen.

mumifizierte Krokodile in einer Vitrine
(Bild:
Nefershapiland)

Ein Krokodil im Relief auf einer der Tempelwände
des Kom Ombo-Tempels
(Foto: Elvira Kronlob)

 

Doppeltempel von Kom Ombro:

Kom Ombo liegt ca. 40 km nördlich von Assuan und ca. 164 km südlich von Luxor. Der am Ostufer des Nils auf einem Landvorsprung an einer Nilbiegung liegende Ort hat ungefähr 70.000 Einwohner und die Umgebung ist von der Landwirtschaft geprägt, die aber auch durch den Zuckerrohranbau zum Aufbau großer Zuckerfabriken beitrug. Aufgrund verbesserter Anbaumethoden war dieses Gebiet schon in der Ptolemäerzeit von großer Bedeutung, und aus dieser Epoche datieren denn auch fast alle baulichen Reste.

Acht Kilometer südlich befindet sich das Dorf Darau, wo der größte Kamelmarkt Ägyptens stattfindet. Der Ort Kom Ombo erweckt trotz seiner relativ hohen Einwohnerzahl mit seinen unbefestigten Straßen aber eher den Eindruck eines großen Dorfes als einer Stadt. 

Der Ort Ombos war seit Ptolemaios VI. Gauhauptstadt des Ombites, des ersten oberägyptischen Gaues. 

Zwischen 1963 und 1965 wurden in der Umgebung von Kom Ombo ca. 60.000 Nubier, die ihre Heimat am Nil südlich von Assuan aufgrund der steigenden Wasser des Nassersees, hervorgerufen durch den Bau des Assuan-Hochdamms,  verloren hatten, umgesiedelt. Die Regierung hat sich dabei sehr bemüht, z.B. Namen und Strukturen der alten Dörfer auf die neuen zu übertragen.  

Seine größte Bekanntheit zieht der Ort Kom Ombo, was arabisch "kleiner Berg" bedeutet, aus den Ruinen des altägyptischen Doppeltempels von Sobek und Haroèris, an der Ostseite des Nils. Die baulichen Überreste dieses Heiligtums, die auf dem Gipfel eines Hügels liegen und schon von weitem zu sehen sind, datieren in die ptolemäische Epoche, zu kleinen Teilen auch aus der Epoche der römischen Herrschaft über Ägypten. Er zählt zu den schönsten der großen sechs noch stehenden ptolemäerzeitlich-römischen Tempeln. Die anderen sind der Tempel von Kalabscha, Philae, Edfu, Esna und Dendera.

Der Tempel entspricht den bekannten ptolemäischen Anlagen, ist aber nicht einem, sondern zwei Hauptgöttern geweiht und wurde von vornherein als Doppeltempel einheitlich geplant. Seine rechte Hälfte gehört dem Krokodilsgott Sobek, die linke Hälfte wird von dem falkenköpfigen Haroéris, "Horus der Ältere" oder "Horus der Mächtige", dem Licht- und Himmelsgott, aber auch Kriegsgott, bewohnt. 

Tempel von Kom Ombo vom Schiff gesehen

(Bild aus der freien Enzyklopädie Wikepedia
unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation
siehe Impressum
Bildurheber:: Olaf Tausch März 2009
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Die Anlegestelle der auf dem Nil verkehrenden Kreuzfahrschiffe liegt direkt neben dem Doppeltempel, etwa 70 Meter westlich der Tempelanlage.


( Bild: Nefershapiland 2001)

 

Doppeltempel von Kom Ombo

                          Tempel bei Nacht
Dieses Bild wurde von seinem Urheber Daniel Fafard 
gemeinfrei gestellt.
Datei:   GD-EG-KomOmbo006.JPG
Autor:   Gérard Ducher (usermaat)
Lizenz:   CC BY-SA 2.5

Der Doppeltempel war dem Krokodilsgott Sobek und dem falkenköpfigen Gott Haroeris geweiht. Die direkte Nähe zum Fluss hat leider auch dazu geführt, dass Teile von Nebenbauten wie das Geburtshaus (Mammisi) und das große Eingangstor Ptolemaios XII ein Opfer der Fluten geworden sind. Als er seine kultische Funktion verlor, wurde er nach und nach vom Sande zugeweht. An der Farbe des Steins kann man erkennen, wie weit der Sand ins Innere des Tempels vorgedrungen war. Auch die Kopten trugen zur Zerstörung einiger Reliefs bei; später wurde er als Steinbruch genutzt.

Der Kom Ombo Tempel

auf einer Zeichnung von David Roberts Egypt & Nubia, issued between 1845 and 1849.

(Bild gilt als gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.)

Kom Ombo-Tempel
Blick über den römischen Hof auf den Pronaos mit seinen 12 Meter hohen Säulen, welche eindrucksvolle Kompositkapitelle tragen.



(Bild: Elvira Kronlob 2009)

Der Tempel, der größtenteils verschüttet war, wurde 1893 durch den Antikendienste von seinen Sandmassen befreit. Bei einem Hochwasser riss der Nil einen Teil des Daches mit sich. 

 

 

Der Tempel wurde wohl in seiner heutigen Gestalt unter Ptolemäus VI. Philometor  (2. Jh. v. Chr.) begonnen, sein Reliefschmuck entstand weitgehend erst in der römischen Kaiserzeit.



Es gab aber schon Vorgängerbauten aus früheren Dynastien, über die es nur geringe Hinweise gibt. Evtl. waren dieses wesentlich kleinere Vorgängerbauten aus der 12., 18. und 19. Dynastie. In der Regierungszeit Ptolemaios VI. (180-145 v. Chr.) wurde der gesamte Naos errichtet und im Inneren mit Ausnahme der inneren Säulenhalle ausgeschmückt. Diese zweite Säulenhalle trägt innen wie außen Reliefs und Inschriften seines Bruders Ptolemaios VIII. Euergetes II. (145-116 v. Chr.) und reicht in seiner Fertigstellung wieder bis über die Geburtsstunde der letzten Lagidin, Kleopatra VIIDanach wurde die erste, große Säulenhalle (Pronaos) erbaut und unter Ptolemaios XII. (80-51 v. Chr.) dekoriert.

Nach Fertigstellung der Vorhalle errichtete man um den Tempel mit seiner Umfassungsmauer auf einer Breite von 51 und einer Länge von 96 Metern.  An den Innenwänden des Mauerabschnittes, der den großen Eingangshof umgibt, arbeitete man bis ins 2. und 3. Jahrhundert nach Chr., sie sind aber nie gänzlich fertiggestellt. Sie  wurden unter Augustus dekoriert; die Hofsäulen tragen Reliefs und Inschriften des Tiberius; auf einer einzigen erscheint zusätzlich die Titulatur des Caligula. Die Tore, die vom Hof in den äußeren Umgang führen, sind im Namen des Claudius beschriftet. Anschließend hat man unter Nero die nördliche Außenwand des Naos mit Reliefs ausgestattet: An der Nordwand der Halle der Erscheinung verlässt der römische Kaiser in pharaonischer  Tradition (mit der unterägyptischen Krone und den ägyptischen Königsinsignien) den Königspalast. Vor ihm sehen wir die Standarten mit den Tiermumien des uralten Horusgeleites. Die Ausstattung der entsprechenden Wand an der Südseite des Naos erfolgte während der Regierung des Vespasian.

In der bald folgenden Regierungszeit des Domitian wurde auch die vorderste Front des Tempels (Pronaos) als auch die Rückseite der äußeren Umfassungsmauer dekoriert.

An der Wand des sogenannten "Kaiserganges" wurden später 11 Reliefplatten angebracht. Soweit in den sieben nördlichen Darstellungen die Kartuschen erhalten sind, sind hier die Namen  "Autokrator Kaisaros",  und "Aurelius Antonius" in einer Kartusche zu lesen. Dieser Kaiser ist Marc Aurel, der sich in beiden Fällen in der Gesellschaft einer Göttin befindet.
 

Das Doppelheiligtum ist den Göttern Sobek und Horus als Haroeris gewidmet.
Das Pronaos mit 3 x 5 Säulen, die je 12 Meter hoch sind, erhebt sich hinter dem Hof
- Bild: Elvira Kronlob -

Der Pylon ist bis auf geringe Reste verschwunden. Von den 16 Säulen der Kolonnaden, welche den gepflasterten Hof auf drei Seiten umgaben, stehen nur noch die Stümpfe aufrecht. Die Vorhalle zeigt an ihren insgesamt 10 Säulen reiche Pflanzenbündel- und Palmwedel-Kapitelle. Die Decke des Säulensaales, die niedriger ist als die der Vorhalle war, wurde von zehn Papyrussäulen mit offenem Doldenkapitell getragen.

Blick vom Norden auf die kleine Säulenhalle und die links anschließenden drei Vorräume
der Tempelbau wird nach hinten zu niedriger.
(Bilder: Elvira Kronlob)

Der Grundriss des Tempels entspricht im wesentlichen dem des Horus-Tempels von Edfu. Seine Ausmessung ist in der Längenausdehnung geringer, nur 83,5 m gegenüber 130 m des Horustempel von Edfu. Der Pylon ist aus dem Grundriss kaum mehr ablesbar, der Hof noch nicht einmal halb so tief wie dort. Dass andererseits die Tempelbreite etwas größer war (61,8m gegenüber 58,3 m) resultiert aus dem Umstand, dass der Tempel von Kom Ombo den getrennten Kulten der beiden Götter Sobek und Haroéris zu dienen hatte.

Der Tempel besitzt wegen seiner Zweiteilung zwei parallele Sanktuare. Beide Tempelteile, als Ganzes gesehen, haben je eigene Eingänge, Prozessionswege und Kapellen. Der Zwillingstempel besteht in der üblichen Weise aus Pylon, Säulenhof, Vorhalle, Säulensaal und drei - anstatt wie gewöhnlich zwei - Vorsälen, vor der Doppelkapelle, einem inneren und äußeren Tempelumgang, hinteren Gemächern und, außerhalb der Umfassungsmauer, einen Brunnen und dem Mammisi.  Neben den beiden Göttern bewohnen auch deren Familienmitglieder die heilige Stätte: die Gattin des Haoèris, Tasenet-neferet 
("die schöne Schwester") und sein Sohn Panebtaui ("der Herr der beiden Länder"). Mit Sobek teilen seine Mitgöttin Hathor und sein Kind, dem Mondgott Chons die rechte Hälfte des Tempels.

Plan des Kom Ombo-Tempels
(Plan:
Weltatlas der Alten Kulturen / Baines u. Malek,
 Christian Verl. 1980)

Die Vorhalle (Pronaos) mit 10 Komposit- und Palmsäulen ist mit Reliefs geschmückt, versenkten an den Säulenschäften, flachen an den Wänden (Kultszenen). Besonders beachtenswert sind die Szenen aus dem Reinigungs- und Krönungsritual auf den Säulenschranken, die in ihrer voluminösen Ausführung typisch für den spätptolemäischen Reliefstil sind. Wenn man im Pronaos zur Decke schaut, wird die Dekoration der beiden Mittelgänge mit fliegenden Geiern sichtbar; die Architrave unter den Deckplatten sind mit astronomischen Bildern bedeckt (Sternengötter in ihren Barken am Himmel), Man erkennt noch ältere Vorzeichnungen sowie die als Hilfslinien fungierenden Quadratnetze.

Zwei Türen führen in den Säulensaal, dessen Decke von 10 Papyrussäulen mit offenem Kapitell getragen wird. Zwischen den Türen auf der Saalseite ist das heilige Krokodil vom Ombos wiedergegeben. Auf den Wandreliefs ist der Gott Haroèris zu sehen, wie er dem König Euergetes II., hinter dem seine zwei Schwestern und Gemahlinnen stehen, beide mit dem Namen Kleopatra, ein Sichelschwert überreicht, sowie das Zeichen ewigen Lebens.

Durch jeweils zwei weitere Türen gelangt man in die drei Vorsäle, die ebenso mit sehenswerten Reliefs bebildert sind. Zwischen den beiden Türen an der Rückwand des dritten Saales ist eine Darstellung besonders erwähnenswert: 
Philometor steht mit Kleopatra vor dem Mondgott Chons, der dem König durch Einschreiben seines Namens in einen Palmenzweig lange Regierungsdauer verheißt, dahinter Haroéris und Sobek. Die Nebenräume sind stark zerstört.

Direkt vor dem Tempel befand sich links bis ins 19. Jahrhundert ein großes Mammisi, (wie üblich rechtwinklig zum Tempel gelegen) erbaut von Ptolemäus VIII. Euergetes II., von dem aber nur noch wenige Mauern erhalten geblieben sind. 
Erwähnenswert ist hier das erhaltene Relief mit dem König an der inneren Südwand des Geburtshauses, welches ihn bei einer Bootsfahrt im Papyrussumpf zeigt und die rituelle Handlung des "Papyrusausreißens"
(Papyrusrascheln) darstellt.

Das Relief befindet sich im letzten erhaltenen Raum des Mammisi von Kom Ombo. Es zeigt den König und den heliopolitanischen Gott Heka, die von einem Boot aus vor Amun-Re den Papyrus ausrupfen. Am Heck des Bootes steht der Gott der Deltasümpfe Chedjedj. Ohne Zweifel zog Amun-Re an besonderen Festen feierlich in das Mammisi ein, und wahrscheinlich während eines solchen Festes vollzog der König vor ihm den hier geschilderten rituellen Akt.  Das Rauschen der Papyrusstauden ließ die Vögel aus den Sümpfen aufflattern und diente der Vorbereitung der Vogeljagd mit dem Wurfholz. Links auf einer Treppe steht der ithyphallische Gott Min-Amun-Re.

Der Rest der Anlage wurde zusammen mit der westlichen Umfassungsmauer und dem großen Eingangstor Ptolemaios XII. Auletes, dem "Flötenspieler", in der Ziegelumwandlung  im letzten Jahrhundert ein Opfer der Nilfluten.

Reste des großen Mammisi
- erbaut unter Ptolemäus VIII. Euergetes II.-
- Bild:
Elvira Kronlob -

Reliefdarstellung auf dem Mammisi
der König fährt mit zwei Göttern auf einem Nachen
durch den Papyrussumpf - Zeit: Ptolemaios VIII. 
(Bild:
Elvira Kronlob)

 

Mammisi - rituelles Papyrusrascheln  Kom Ombo

Die Darstellung auf dem Mammisi zeigt neben dem Vorderteil des Nachens einen dekorativen Papyrusbusch, aus dem Vögel verschiedener Arten auffliegen, die wahrscheinlich vom König gestört wurden, der mit jeder Hand einen Papyrusstengel ergriffen hat. Hinter ihm fasst ein kleiner gezeichneter Mann in der gleichen Haltung zwei Dolden von einem Ausläufer des Gebüsches. Als kleinste Figur der Szene präsentiert ein Nilgott, auf einem Sockel im Heck stehend, seine Opfertafel in der üblichen Szene. Die Kulthandlung spielt sich vor dem links auf einer Treppe erschienenen Min ab. (siehe Bild unten rechts)
(
Text nach Johanna Dittmar, Leinfelden, GM 2009)

 

Fragmente des Mammisi
- auf dem linken Fragment sind die Darstellungen der Götter wahrscheinlich in der 
christlichen/islamischen Zeit unkenntlich gemacht.
(Bilder: Elvira Kronlob)

Ein Nilometer befindet sich ca. 25 Meter  nordwestlich der Tempelmitte. Es ist ein begehbarer runder Brunnenschacht aus großen Mauersteinen. Hier konnte man an Hand der Markierungen die Pegelhöhe des Nils ablesen. Die Ergebnisse hatten im Alten Ägypten direkten Einfluss auf die Festsetzung der Steuerhöhe, welche von der Bevölkerung entrichtet werden mussten. Je mehr Wasser durch einen höheren Flutpegel des Flusses zur Verfügung stand, um so besser fielen die Ernteerträge aus. Aus diesem Grund konnten auch höhere Abgaben erhoben werden.

Der Tempel war sehr gut proportioniert und zeichnete sich bautechnisch und bildhauerisch durch eine hervorragend ausgeführte Arbeit aus. Die wenigen erhaltenen Reliefs zeigen, das sie sich durch eine ausnehmend schöne Linienführung und äußerst gute Modellierung der Figuren auszeichneten. Die Dekorationselemente wie die Kapitelle, Hohlkehlen und Schlangenfriese über den Pronaosschranken zählen zu den bedeutendsten erhaltenen Werken ptolemäischer Bildhauerkunst.

Kapitelle im Pronaos des Kom Ombo Tempels

(Bild: Elvira Kronlob)
Die Reliefs und Dekorationselemente wie Kapitelle, Friese und Hohlkehlen zählen zu den bedeutendsten Werken ptolemäischer Baukunst. 
(Bild: Elvira Kronlob)

Während die Namen des Augustus und Tiberius auf dem stark zerstörten Pylon bzw. auf den Säulenstümpfen des Hofes auftauchen, hat der Ostflügel des äußeren Umgangs als letzte angebrachte Reliefs eine Darstellung des 
Kaisers
Macrinus mit seinem 10jährigen Sohn Diadumenianus (beide 217/218 n. Chr.) als späteste Darstellung bewahrt.

Auf beiden Säulen im römischen Hof ist der König opfernd vor den Göttern dargestellt.
(beide Bilder: Elvira Kronlob)

Auf dem verbliebenden südöstlichen Turm des großen Pylons ist der römische Kaiser Domitian dargestellt. Er huldigt zusammen mit anderen Göttern der Triade Sobek, Hathor und Chons. Begleitet wird diese Darstellung von einem 52 Zeilen umfassenden Text in Hieroglyphenschrift. 

Säule im Vorhof des Tempels mit dem Serech und der Kartusche des römischen Kaisers Tiberius.
Teilweise sind die originalen Farben noch sehr schön zu erkennen.

(Bild Elvira Kronlob 2009)

Hinter den zwei zentralen Eingängen in der Umfassungsmauer, einem Doppelportal zum Tempelbereich, befand sich ein Hof mit 16 ihn flankierenden Säulen, von denen allerdings heute nur noch deren untere Teile mit ihrer Basis erhalten sind. Diese Säulen sind reich mit Reliefs und Hieroglyphen verziert. Spuren der Original-Bemalung sind erhalten geblieben. Auf diesen Säulen wurde Kaiser Tiberius dargestellt, was aus den nebenstehenden, in den Stein geschlagenen Beischriften hervorgeht. Er bringt den Göttern Gaben dar. In der Mitte des Hofes sind noch Reste des Altars vorhanden, auf den die heilige Barke während der Prozession abgestellt wurde.

Kom Ombo - römischer Hof 
- hinten rechts das Tor Ptolemäus Auletes -

(Bild Elvira Kronlob)

römischer Hof mit Säulen
In der Mitte befinden sich noch Reste des Altars, auf dem die heilige Barke abgestellt war
(Bild: Elvira Kronlob)

 

Kom Ombo - römischer Hof von Westen
die Säulen tragen Reliefs und Inschriften des Tiberius, auf einer von ihnen befindet sich
zusätzlich der Name des Caligula
(Bilder:
Elvira Kronlob)

Eine der noch stehenden Säulen vor dem Pronaos



(Bild:
Elvira Kronlob)

Einige Darstellungen in der Tempeldekoration gehen auf die Tradition des Alten Reiches zurück. Dazu gehören auch die Szenen aus dem sogenannten Tempelgründungsritual. Vollständige Bilderfolgen in den Heiligtümern von Edfu und Dendera informieren über die einzelnen Handlungen, die vom König zusammen mit den jeweiligen Hauptgöttern des Ortes vollzogen wurden. Hierzu gehörten auch die Erstellung des Baugrundes, Bestimmung des Grundrisses, der Antransport von Steinblöcken, das Formen von Nilschlammziegeln, die kultische Reinigung des Bauwerks und seine abschließende Übergabe an die Götter. In einer erhaltenen Szene aus der Zeit Ptolemaios VI. ist der König zusammen mit der Göttin Seschat in Aktion beim sogenannten "Strickespannen" zu sehen. 

Die Göttin Seschat 
beim Vorgang der Grundrissmarkierung
im Kom Ombo-Tempel 
(Bild: Elvira Kronlob)

Die Kartusche Ptolemaios XV. Caisaros
dem Sohn Kleopatra VII. 

(Bild: Elvira Kronlob)

Die Göttin trägt ein Pantherfell als Kleid sowie eine fein gelockte Perücke mit Stirnband, aus dem sich ihr Symbol in Form einer Stabrosette mit umgekehrtem Kuhgehörn erhebt. Mit der rechten Hand hält die Göttin einen langen Fluchtstab, den sie mit einem großen Schlegel in den Boden treibt. Der ihr gegenüber stehende König (hier zerstört) sah identisch aus. Um beide Fluchtstäbe schlingt sich die Mess-Schnur, wobei eine kurze Beischrift die Zeremonie verdeutlicht: "Strickespannen im Tempel zusammen mit Seiner Majestät selbst". Hinter der Göttin Seschat steht wie unbeteiligt der Herr dieser Tempelhälfte, der Falkengott Haroéris, 

Kaisergang - äußerer Umgang - Ostwand
- Bild 1 der 11tlg. Relieffolge -
Autokrator Kaisaros, dafür kommt evtl. Antonius Pius infrage (?), der vor Haroéris opfert, dahinter folgt der Gott Schu
(Bild: Elvira Kronlob)

Kaisergang - äußerer Umgang - Ostwand
- Bild 2 der 11tlg. Relieffolge -
die Bildfolge 1 setzt sich hier fort mit Haroéris, gefolgt vom Luftgott Schu und seiner Schwester Tefnut.

                  (Bild Elvira Kronlob)

Auf dem dritten Bild der Relieffolge im großen Tempel auf der Rückseite des Kaisersaals auf der Ostseite sind die beiden römischen Kaiser Marc Aurel und Licius Verus zu sehen, wie sie vor dem falkenköpfigen Gott Haroèris mit der Doppelkrone und seiner Gemahlin Tasenetneferet mit dem Kuhgehörn und der Sonnenscheibe auf dem Kopf opfern. Bei Marc Aurel ist zu lesen: "Der König von Ober- und Unterägypten.....(Autokrator Kaisaros), Sohn des Re....(Antonius ntj  xw  (= Augustus), der ewig lebe; bei Lucius Verus steht: "Der König von Ober- und Unterägypten.....(Autokrator  Kaisaros), Sohn des Re...(Verus Sebastos ntj xw).

Kaisergang - äußerer Umgang - Ostwand

Marcus Aurelius mit einem Speiseopfer u. Lucius Verus mit einem Weinopfer vor Haroeris und
Tasenetneferet. 
Das Relief gehört zu den jüngsten der überlieferten großen Darstellungen kultischer Handlungen.
Enttäuschend ist die grobe Behandlung der Details bei den Figuren, die fast wie eine Karikatur wirkt.  Die Göttin Tasenetneferet hat eher Hängebacken als Wangen. Bei Marcus Aurelius verläuft die Wange direkt vom Nasenwinkel zum Kinn. Ebenso schlecht sind die übrigen Details wiedergegeben. Deutlich erkennbar ist die mechanische Anwendung bestimmter Grundregel. 

Auf einem weiterem Bild der Rückseite des Kaiserganges, rechte Ostseite, ist Kaiser Commodus , dessen Individualname in seiner Kartusche  infolge seiner Damnatio Memoriae getilgt ist dargestellt, wie er das sog. Schebet-Symbol 
(Affe vor Gefäß über Korb) den Göttinnen Tasenetneferet und Tefnut darbringt.

Kaisergang - äußerer Umgang - Ostwand
- linkes Bild 3 der 11tlg. Relieffolge -
Die beiden Kaiser Marc Aurel und LiciusVerus
opfern vor Hareris (hier nicht im Bild)

(Bild: Elvira Kronlob)

Kaisergang - Rückseite - 
-  2. Relief von rechts, Ostwand -

Die Götter Tefnut und Tasenetneferet

(Bild: Elvira Kronlob)

 

Das "Ärzterelief"

Auf der Ostwand im rückwärtigen Abschnitt des äußeren Tempelumgangs hat sich eine berühmte Darstellung erhalten , die ohne Parallelen ist:
Es zeigt das sogenannte Ärzterelief von Kom Ombo. In diesem Relief ist der römische Kaiser Trajan (98-117 n. Chr.) kniend beim Opfer vor dem Tempelherrn Haroéris als Heilgott, dem er ärztliche Instrumente darbringt.  

Diese sind u. a. Messer, Zangen, Schröpfköpfe, Säckchen mit Arzneien und eine kleine "Apothekerwaage". Sie alle werden in einer eingefügten Liste genau aufgezählt.

(Bild:
Elvira Kronlob Nov. 2009)

Auf dem oberen Bild sieht man am linken Rand die Göttin Isis, hockend auf dem Geburtsstuhl. Dieses Relief befindet sich an der Rückseite des Tempels. Es befasst sich mit der Mumifizierung und der Medizin im pharaonischen Ägypten. In der Mitte des Reliefs sind die Instrumente und Werkzeuge aufgeführt, die man für die Mumifizierung benötigte. Rechts davon sind alte Rezepte und Zauberformeln, die im alten Ägypten häufig verwendet wurden, eingemeißelt.

(Foto Ärzterelief: Elvira Kronlob)

Reiseführer Joseph erklärt der Reisegruppe das "Ärzterelief".
    (Foto:
Nefershapiland)

 

Pforte des Ptolemäus XIII.
(Bild Elvira Kronlob)

Pforte des Ptolemäus XIII.
- der König den Göttern Opfer -
(Bild: Elvira Kronlob)

Das beliebte Motiv: Erschlagen der Feinde
- der begleitende Löwe frisst die Hand der Feinde -
(Bild: Elvira Kronlob)

Der heilige Geier ist hier mit prächtigen Farben auf einen Teil der Decke zu sehen.
(Foto: Nefershapiland)

 

Die Sockelzone des inneren Umgangs zeigt eine Fremdvölkerliste.,
Bei sämtlichen Darstellungen sind die Köpfe ausgeschlagen.
(Bilder: Elvira Kronlob)

 


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