< Edfu - Tempel des Horus

  kl. Schmuckstücke als Reiseandenken

             eine "wilde" Fahrt mit dem "Fiaker" zum Tempel

Weiter ging die Schiffsreise den Nil hinauf. Während wir es uns auf dem Sonnendeck gemütlich machten und die angenehmen Temperaturen von 24-26 Grad genossen, versuchte unser liebenswürdiger Reiseführer - den man oben auf dem Foto sieht - uns für Schmuckstücke aus dem Angebot des Juwelierladens an Bord zu begeistern und erklärte uns, wie unsere Namen in Hieroglyphen geschrieben werden (damals wussten wir noch nicht, dass sich das „Touristenhieroglyphen-Alphabet“ von dem altägyptischen Einkonsonanten-Alphabet unterscheidet!).

Nicht lange nach der Ankunft in Edfu, verließen die in Gruppen eingeteilten Reisenden das Schiff, um auf den "Fiaker" umzusteigen - einer Pferdedroschke, die im Straßenbild Oberägyptens häufig zu finden ist. "Gemütlich" - was auch immer die Droschkenfahrer darunter verstanden - transportierte man uns zum Horustempel, der als der besterhaltene in ganz Ägypten gilt .

   der Pylon des Edfu-Tempels

gerne ließ sich unser Reiseführer mit einer hübschen Dame  fotografieren

Edfu, die Hauptstadt des 2. oberägyptischen Gaus - von den Griechen Apollinopolis Magna genannt - liegt etwa 100 km südlich von Luxor am linken Nilufer. Einst standen hier anstelle des heutigen Baues mehrere ältere Vorgänger, deren Areal sich vermutlich ost- und südwärts unter der heutigen Stadt fortsetzte, aber über welches, mangels Grabung, wenig bekannt ist. (Quelle Baines u. Málek: Weltatlas der Alten Kulturen, Ägypten/Christian Verlag 1980)  Im Alten Reich entstand die innere und äußere Umfassungsmauer auf der Westseite. In der ersten Zwischenzeit wurde wahrscheinlich eine weitere Mauer außerhalb der Äußeren errichtet.

"Der Verlauf der äußeren Ziegelumfassungsmauer ist nur in der Südwestecke geklärt. Überliefert sind der heilige See, Priester- und Verwaltungsgebäude, der Hain des heiligen Falken, Vorratsspeicher, Stallungen, Küchen usw." 
(Zitat: Dieter Arnold - Lexikon der pharaonischen Baukunst/Albatros Verlag 2000,Seite 72)

Verschiedene Stelen und Statuen wurden hier gefunden, die aus der II. Zwischenzeit und dem Neuen Reich stammen. Die Fundamente eines Pylons aus der Zeit Ramses III., östlich neben dem Hof des heutigen Heiligtums, markieren den nilwärts gerichteten Zugang einer Landestelle, den "Gottesweg der Hathor."

Edfu-Tempel:

Die "Götterwohnung des Horusfalken" war bis zu ihrer Freilegung im Jahre 1860 zum Teil unter Schutt und Sand verborgen. So geschützt, überlebte dieser Tempel die Jahrhunderte in einem guten Erhaltungszustand.
Gebaut wurde an dieser Tempelanlage ca. 180 Jahre lang während der Ptolemäerzeit. An der Umfassungsmauer wird in horizontalen Schriftbändern über viele Details von der Entstehung der Anlage berichtet. Begonnen wurde mit dem Bau am 23. August 237 v.Chr. unter Ptolemaios III. (Euergetes I.). Unter Ptolemaios IV. (Philopator) wurde 212 v.Chr. der innere Teil vollendet und von Ptolemaios VIII. (Euergetes II.) und Kleopatra II. mit dem Bildschmuck ausgestattet. Am 10. September 142 v.Chr. wurde der Tempel in ihrer Anwesenheit geweiht. Zwischen 140 und 124 v.Chr. wurde der Pronaos hinzugefügt, zwischen 116 und 71 v.Chr. Hof und Pylon. Die Dekorierung war erst 57 v.Chr. abgeschlossen.

der Hof mit dem Pronaos

Eine schwarze Granitstatue des Horus im Hof

Der  Tempel von Edfu war dem falkengestaltigen Gott Horus geweiht. Verehrt wurden in dieser Anlage, neben anderen Gottheiten, auch seine Gemahlin, die Hathor von Dendera und Harsomtus, der gemeinsame Sohn von Hathor und Horus.

Der Pylon hat eine Höhe von 35 Meter und ist 79 Meter breit. (Quelle: Helck/Otto, Kleines Lexikon der Ägyptologie)Vor ihm standen einst zwei Obelisken und seine Fassade war mit vier Flaggenmasten versehen. Traditionelles Motiv auf der Fassade ist auch hier das Bild des Königs, wie er seine Feinde erschlägt. 

Bevor wir in das Innere des Tempels gelangten, führte unser Weg an zwei streng blickenden Falken aus Granit vorbei, die vor dem Eingang zum inneren Hof Wache hielten. Der Falke galt als der Beschützer des Pharaos, der ihn auf Erden verkörperte. Aber wie die meisten "ägyptischen Wächter", waren auch diese "steinernen Horuswächter" bereit, sich gegen ein Bakschisch fotografieren zu lassen, dann erteilten sie uns die "Genehmigung", in das Heiligtum einzutreten.

wie man hier sieht, lassen sich auch "steinerne Horus-Wächter" mit einem Bakschisch "besänftigen" flankiert von zwei steinernen Horusfalken ist hier der Haupteingang zu sehen, der zum großen Hof führt..

Durch das große Tor, welches einst mit 14 Meter hohen und 30 cm dicken Türflügeln aus Zedernholz versehen war, gelangt man in den großen, dreiseitig mit Säulenreihen umstandenen Hof. Die Kompositkapitelle haben unterschiedliche Formen. Zwei gleiche stehen nie nebeneinander, sich aber stets gegenüber. An der Rückseite des Hofes befindet sich der Pronaos. Seine Fassade mit sechs Säulen ist 34 m breit und 12,5 m hoch. Im Innern tragen zwei Reihen von je 6 Säulen die Decke.

Hiernach folgt ein weiterer 12-Säulensaal. Er liegt im Halbdunkel, weil durch kleine Lichtschächte in der Decke nur wenig Licht einfällt. Von hier aus führen verschiedene Türen zu den Magazinen und einem “Laboratorium“, an dessen Wänden Rezepte für heilige Öle und Salben angeschrieben sind. Die sogenannte "Schatzkammer" befindet sich auf der rechten Seite.

Unterschiedlich ist die Beleuchtung im Innern des Tempels. Während einige Räume völlig im Dunkeln liegen, sind andere, durch Licht-Öffnungen in der Decke, im Halbdunkel. Während der Boden allmählich ansteigt, die Decken niedriger werden und die Türöffnungen enger, gelangt man in den Opfertischsaal und von dort aus in den Saal der "Götterneunheit", bis man schließlich das Innerste des Tempels betritt, das " Allerheiligste" In einem 4 m hohen Schrein (Naos) aus schwarzem Granit, befand sich wohl ein weiterer, hölzerner Schrein mit einem Kultbild des Gottes. Dieser von Nektanebos II. im Allerheiligsten aufgestellte Naos gilt als der älteste Bestandteil des Tempels.
Vor dem Naos standen auf Sockeln die heiligen Barken des Horus und der Hathor, in der die Götter ihr Domizil verlassen konnten; heute befindet sich dort der Nachbau einer Götterbarke.

heiliger Schrein, in dem wahrscheinlich das Kultbild des Gottes stand im Allerheiligsten

Nachbau einer Götterbarke in einem Nebenraum

Gut erhaltene Reliefs an der westlichen Wand im inneren Umgang des Tempels (Zugang vom Hof aus), zeigen den Triumph des "Guten über das Böse", den Kampf gegen Seth, dem Mörder von Osiris, - dem Vater von Horus - und dem Gegner des Sonnengottes.

Eine Aufführung dieses "Spektakels des Götterkampfes" inszenierten einst die Priester. In vielen Bildern schildern Reliefs dieses Fest. Den spannenden Höhepunkt des Festes bildete die Aufführung des Endkampfes. Dieser fand auf einem heiligen See statt, der heute vom Dorf überbaut ist. Der Feind, in Gestalt eines Nilpferdes, wird niedergestreckt und damit war das Götterbild Ägyptens wieder im Lot, bis der ewige Kampf zwischen "Gut und Böse" im nächsten Jahr aufs Neue begann.

Sehenswert ist auch das kleine "Mammisi":

"Wie bei allen Spätzeittempeln üblich , findet sich auch hier ein in seiner Achse rechtwinkelig zur Tempelachse ausgerichteter Bau im Vorfeld des Haupttempels, das sog. Mammisi ("Geburtshaus"). Dieses Gebäude zu Ehren des Götterkindes Harsomtus, bei dem die Reliefs an der dem Tempel abgewandten äußeren Längswand noch farbig gut erhalten sind, entstanden unter Ptolemaios Euergetes II und Soter II. Die Innenwände zeigen den üblichen Reliefzyklus, der die Geburt des Götterkindes schildert."

(Zitat: Knauers Kulturführer Ägyptens, Seite 136,  1987)

 

Die Krönung des Ptolemaios

Auf diesem Relief aus dem Tempel von Edfu wird ein sehr wichtiges Ritual dokumentiert, welches seit den ältesten Dynastien zelebriert wird.

Die rote Krone Unterägyptens und die weiße Krone Oberägyptens werden hier symbolisiert durch die beiden Göttinnen, die den König krönen. Der Pharao trägt auf dem Kopf die Doppelkrone, die beide Teile Ägyptens vereinigt.

 

 

 

 

 

  weiter geht die Fahrt nach Assuan

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