Zusätzlich zum normalen Besichtigungsprogramm werden auf einer Nilkreuzfahrt fakultative "Ausflugspakete" von der Reisegesellschaft angeboten. Dazu gehörten in Assuan die Besichtigung der Felsentempel von Abu Simbel und eine zusätzliche Stadtrundfahrt am späten Nachmittag mit dem Reisebus. Auf "Abu Simbel" am nächsten Morgen, hatte wir nach reiflicher Überlegung verzichtet, da der Ausflug mit dem Flugzeug stattfand und deshalb "Wecken" um 3.00 Uhr angesagt war. Das war uns zu früh und außerdem insgesamt auch zu teuer. Am diesem Morgen konnten wir etwas länger schlafen, da der Vormittag zur freien Verfügung stand. Wir beschlossen, einen Bummel über die Corniche von Assuan (Uferpromenade) und einen Rundgang durch die Innenstadt, abseits des Touristenzentrums zu unternehmen, insbesondere eine Besichtigung des berühmten Hotels "Old Cataract".
Von der Uferpromenade (Corniche) aus,
sahen wir uns die längst der
Anlegemeile ankernden Hotelschiffe an. Es gab hier viele unterschiedliche Arten von
Nilkreuzfahrtschiffen, angefangen von kleinen älteren Schiffen bis hin zu
wahren Luxushotelschiffen mit riesigen Fenstern und fein herausgeputztem
Personal. Von hier aus konnte man außerdem Ausflüge mit den Fähren oder kleinen, privat zu buchenden Feluken und Motorbooten, zur Insel Elephantine und auf die Westseite des Nils unternehmen.
Am Südende der Corniche, ungefähr 20 Minuten zu Fuß vom Zentrum Assuans entfernt, liegt das Hotel "Old Cataract", in welchem die Schriftstellerin Agatha Christie an ihrem Roman "Tod auf dem Nil" schrieb. Dort darf man eigentlich nur als zahlender Hotelgast hinein - aber eben nur eigentlich! Ein kleines Bakschisch und ein paar nette Worte öffnen in Ägypten so manche Tür, die sonst verschlossen ist. Dieses 1889 auf einer Anhöhe über dem Fluss von den Engländern im "Kolonialstil" erbaute rostrote Hotel mit weißen Simsen wirkt sehr "viktorianisch" und gehört zu den besten Hotels Ägyptens. Es hat sehr viel Ambiente aus den "alten Zeiten" bewahrt und ist wohl das Hotel mit der wahrscheinlich schönsten Aussicht. Vorne links befinden sich die Felsen der Stromschnellen im Nil - daher der Name Cataract. Vom Fenster aus hat der Gast einen phantastischen Blick auf die Insel Elephantine und das Agha-Khan Mausoleum. Das Old Cataract-Hotel ist trotz astronomischer Zimmerpreise von 150 bis 900 US-Dollar aufwärts ein Nostalgietipp mit einem herrlichen Speisesaal, Schwimmingpool, Tennisplätzen, einem schönen Park, der direkt an den Nil grenzt und einer Kuppel im mameluckischen Stil. In diesem Hotel schrieb Agatha Christie ihren berühmten Roman "Tod auf dem Nil". Ihr Zimmer ist originalgetreu so geblieben wie damals. Das Hotel ist eines der Wahrzeichen Assuans, welches in der Vergangenheit berühmte Gäste, wie die britische Königsfamilie und den ägyptischen Monarchen Faruk I., sowie Rommel und Winston Churchill beherbergte. Viele arabische Gäste suchen Assuan als Winterkurort auf und wohnen im Old Cataract.
Die gesamte Hotelanlage besteht aus dem Traditionsbau, dem "Old Cataract" und einem Neubau, der" New Cataract" heißt, mit insgesamt 275 Zimmern. Die Nilterrasse, die sich neben der Rezeption, dem Restaurant und der Bar im Altbau befindet, ist bei Sonnenuntergang ein unvergessliches Ereignis, wo man den Tag ausklingen lassen kann, mit einem Blick auf die weißen Segel, der auf dem Nil vorbeifahrenden Felukken. Gegen die Entrichtung einer weiteren "kleinen Spende", (Bakschisch) war auch eine kurze Besichtigung der Eingangshalle und der Terrasse möglich. Mit dem Kauf eines sogenannten "Verzehrbons" konnte man sich das Recht erwerben, den Sonnenuntergang auf der berühmten Terrasse zu genießen, einschließlich des Nachmittagstees und Gebäck.
Abseits der üblichen Touristenmeile nutzten wir dann die freie Zeit für einen Ausflug in die Innenstadt Assuans. Auf dem Markt sahen wir überall "fliegende" Händler mit ihren Marktkarren, die frisches Obst und Gemüse verkauften. Riese Berge von Orangen, Knoblauch und frischen Kräutern wurden zum Verkauf dargeboten, die teilweise von den nubischen Verkäufern noch mit Eselskarren transportier wurden. Erstaunt waren wir über den, zu Europa, doch sehr unterschiedlichen Umgang mit der Hygiene von Fleisch und verderblichen Lebensmitteln. Vor den Fleischereien und Wurstständen hingen Rinderhälften und frisch geräucherte Wurst draußen vor den Geschäften in der prallen Sonne, Fliegen und Insekten "labten" sich nach Herzenslust. Andere Länder, andere Sitten!
Sehenswert ist auch das 1997 eröffnete, am südlichen Stadtrand liegende Nubische Museum. Hier findet der Besucher auf drei Stockwerke verteilt, über 3000 Ausstellungsstücke, welche die Epochen der nubischen Kultur von der Vorgeschichte bis zur Neuzeit zeigen. Felszeichnungen von Nilpferden, Löwen und Strauß, ein großes Standbild von Ramses II., Pharaonenköpfe in schwarzen und rotem Granit sowie viele Grabmalereien und verschiedenen Reliefs sind hier ausgestellt. Dazu gibt es eine Abteilung im Freien, die sich mit dem nubischen Alltagsleben beschäftigt. Gezeigt werden ein Steingrab und typische Lehmhäuser der einheimischen Bevölkerung zur Zeit der Pharaonen, sowie alltägliche Lebenssituationen aus den heute verschwundenen Dörfern. Leider war es uns aus Zeitmangel nicht möglich, dieses interessante Museum zu besichtigen. Aber von Mitreisenden, die schon dort gewesen waren, wurde ein Besuch sehr empfohlen. Nach der Rückkehr mit dem Taxi zum Schiff ging es gleich nach dem Mittagessen zu einem weiteren Ausflug mit kleinen Motorbooten zur botanischen Insel, der früheren "Kitchener Insel". Dieser sehr schöne Ausflug führte uns vorbei an kleinen Sandbänken und Granitinseln, die aus den Nilfluten ragen und die zusammen den 1. Katarakt von Assuan bilden, den nördlichsten von insgesamt 6 Stromschnellen im Nil. Auf einem Steilhang der westlichen Wüste sahen wir die das Mausoleum des Ismaeliten-Führers Agha Khan, der hier sein Grabmal errichtet hatte.
Die Kitchener-Insel wurde nach dem britischen Generalkommissar Earl Horatio Herbert Kitchener, der seine ägyptische Karriere 1911-14 mit diesem Titel krönte, benannt. Er war bereits zum Zeitpunkt des Mahdi-Aufstandes 1881-89 nach Assuan gereist und erhielt später diese, nach ihm benannte Insel, als Lohn für seine Taten im Sudan. Unter ihm entstand damals der Grundstock für den heutigen "Botanischen Garten". Die Insel mit ihren seltenen Pflanzen, die teilweise aus Afrika und Asien importiert wurden, ist heute ein angenehm kühler Garten, der zum Verweilen einlädt. Neben verschiedenen Arten von Palmen, Oleander, Bougainvillea und Malven wachsen hier auch riesige Mahagonibäume, Brot- und Muskat- sowie Trompetenbäume. Außerdem hat man von hier aus einen einzigartigen Blick auf die Hügel am Westufer des Nils, mit ihren Beamten- und Fürstengräbern.
Am frühen Abend erwartete uns dann noch die Teilnahme an dem von uns zusätzlich gebuchten, fakultativen Ausflug mit dem Bus zu einem "nubischen Sonnenuntergang", und einer weiteren Stadtrundfahrt. Wir besichtigten die auf einem Hügel gelegene, aus Sandstein gebaute Hauptmoschee von Assuan. Am späten Abend wird diese Moschee von Scheinwerfern angestrahlt. Wie in den meisten Moscheen üblich, wurden wir vorher daraufhingewiesen, angemessene Kleidung zu tragen, d. h. lange Hosen oder Röcke und schulterbedeckende Oberbekleidung. Vor der Moschee wurden die Schuhe ausgezogen und bei einem "Wächter" deponiert.
Der Sonnenuntergang bei den Kataraktfelsen in Assuan ist ein besonderes Erlebnis. Er taucht die sehr karg und steinern wirkende Landschaft in ein schönes Licht. Ein mitreisender Fotograf hatte seine Videokamera auf ein Stativ aufgebaut und filmte den Sonnenuntergang. Oberhalb dieser südöstlich von der Stadt gelegenen Anhöhe, zeigte der Reiseführer uns die hier neu entstehende nubische Siedlung, die später einmal zu einem ganzen Stadtviertel ausgebaut werden soll, mit einem Krankenhaus, Schulen und Geschäften. Noch sah das allerdings sehr
nach einer "nubischen Steinwüste" aus. Eine karge, steinerne
Landschaft ohne jegliches Grün mit unfertigen, aber schon bewohnten Häusern,
die ziemlich nahe am Abhang standen. Man wird sehen, wie es hier in 10 Jahren aussieht und kann dann urteilen!
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