Im Talkessel von Deir el-Bahari (das ist arabisch und bedeutet: „das Nördliche Kloster“) lagen zur Pharaonenzeit drei königliche Totentempel. Die "alten Ägypter" nannten diesen Ort "Djeseru", heiliger Ort. Er war die Schwelle zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Dort, wo die Göttin Hathor die Verstorbenen in Richtung Sonnenuntergang geleitete, errichtete die Königin Hatschepsut  ca. um 1470 v. Ch. ihren Totentempel. 

 

Der Totentempel des Hatschepsut

(Bildquelle: Elvira Kronlob)

Grundriss Totentempel Hatschepsut

(nach Hölscher)

An dessen Seite sind zwei weitere Tempel gelegen: der Tempel des Nebhepestre Mentuhotep aus der XI. Dynastie, der als erster im heiligen Tal einen Totentempel errichten ließ, und der kleine Tempel Thutmosis III., der von Steinräubern bis auf seine Fundamente zerstört und erst 1962 von polnischen Archäologen wiederentdeckt wurde. Er befindet sich zwischen den Tempeln Hatschepsuts und Mentuhoteps.

Drei Totentempel im Deir el-Bahari
- Hatschepsut,  Thutmosis III. und Mentuhotep II -
(Bildquelle: Hanne)

Der Totentempel des Mentuhotep II.


(Bildquelle: Elvira Kronlob)

 
Wer war Hatschepsut?

 

Hatschepsut war eine der bemerkenswertesten Frauen des Alten Ägyptens. Sie wurde als Tochter des regierenden Königs Thutmosis I. ( Bild rechts) und seiner "Großen Königlichen Gemahlin Ahmose" (Bildquelle: Carter) in die frühen 18. Dynastie geboren.

Als Königsgemahlin und Königsschwester war für sie in ägyptischer Tradition der Lebensweg vorgezeichnet. Zu dieser Zeit gab es noch keinerlei Hinweise auf den kometengleichen Aufstieg zur Herrscherin eines der mächtigsten Länder der damaligen Zeit. 

Ihre Kindheit dürfte sie mit ihren Geschwistern und Halbgeschwistern im königlichen Harim
 verbracht haben. Als ihre Brüder oder zumindest Halbbrüder sind Amen-mose und Wadj-mose bekannt. Neben der "Großen Königlichen Gemahlin " Ahmose hatte der König Thutmosis I. noch eine weitere Gemahlin, die "Königsmutter" Mutnofret I. Aus dieser Verbindung stammte  ein weiterer Halbbruder der Hatschepsut - ein Prinz mit Namen Thutmosis.  Als ältere Schwester ist eine Prinzessin Neferu-biti belegt, die gelegentlich auch unter dem Namen Achbet-neferu erwähnt wird. 

Die Amme Sat-Ra begleitete die Prinzessin Hatschepsut während ihrer Kindheit. Über Sat-Ra selber ist nur wenig bekannt. Ihre Position am Königshof muss jedoch während der Entwicklung der Prinzessin eine hohe Bedeutung gehabt haben, denn Sat-Ra erhielt als erste Privatperson ein einfaches Grab im Tal der Könige ( KV 60 )

Die beiden älteren Prinzen Amen-mose und Wadj-mose verstarben noch vor ihrem Vater, so dass der jüngere Prinz Thutmosis auf den Thron der beiden Länder gelangte. Auch die Schwester- oder Halbschwester Hatschepsuts, die Prinzessin Neferu-biti, verstarb früh und somit war Hatschepsut das einzige überlebende Kind von Thutmosis I. und seiner Gemahlin Ahmose.
Der Tradition folgend heiratete Hatschepsut ihren Halbbruder Thutmosis, der nach dem Tode seines Vaters den Thron bestieg und war somit "Große Königsgemahlin".

Mit ihrem Halbbruder, dem König Thutmosis II., der als " Aa-cheper-en-Ra " den Thron bestieg, hatte Hatschepsut eine gemeinsame Tochter, die "Große Königstochter" Neferu-Ra. Sie ist auf zahlreichen Statuen und Reliefs zumeist mit ihrem Erzieher Senenmut dargestellt.  Hatschepsut überträgt ihrer Tochter das Amt der "Gottesgemahlin des Amun", welches sie selbst als erste " Gottesgemahlin " aus dem Thutmosiden-Geschlecht innehatte.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Hatschepsut während der Regierung ihres Gemahls Thutmosis II. eine andere Position anstrebte, als die der "Großen Königsgemahlin". 

Die Regierungszeit für Thutmosis II. ist unter den Fachleuten umstritten. Sie schwankt zwischen 12 - 14 Jahren und nur 3 Jahren. Irgendwann während dieser Jahre verstarb König Thutmosis II.

Der einzigste männliche Nachkomme, den der König Thutmosis II. hatte, stammte aus einer Verbindung mit einer Nebenfrau namens Isis. Erst postum wurde sie in späteren Jahren von ihrem Sohn  Thutmosis mit dem Titel " Große Königliche Gemahlin"  geehrt. Thutmosis III. wurde einer Inschrift nach, die aus dem Jahre 42 seiner Herrschaft stammte, im Alter von 6 Jahren durch einen Orakelspruch des Gottes Amun zum Pharao bestimmt. Vermutlich sollte dieses seine Herrschaft legitimieren, da aus der Ehe seines Vaters mit der "Großen Königlichen Gemahlin " Hatschepsut kein männlicher Thronerbe hervorgegangen war. Thutmosis III. selber war mütterlicherseits nicht-königlicher Abstammung.

Das Alter der königlichen Witwe Hatschepsut muss zu diesem Zeitpunkt zwischen 15 ( nach Grimm und Schoske) bis 30 Jahre (nach v. Beckerath) gelegen haben.

Da der neue König Thutmosis III. noch zu jung für die Regierungsgeschäfte war, übernahm seine Stiefmutter und Tante Hatschepsut, die Regentschaft für ihn. Zu einem unbestimmten Zeitpunkt der zwischen dem 2. und 7. Regierungsjahr Thutmosis III. lag, entschloss sich Hatschepsut zu einem ungewöhnlichen Schritt. Aus uns unbekannten Gründen änderte sie ihren Status von der einer Regentin zum vollwertigen Herrscher Ägyptens. Somit gab es faktisch ab diesem Zeitpunkt zwei "Horuskönige", die über das Land herrschten, wobei aber Hatschepsut nicht unbedingt einen Hehl aus ihrer Weiblichkeit machte.

Thutmosis III. 
- Museum Kairo - 

Thutmosis III. mit der atef-Krone
- im Thutmosis-Tempel Deir el-Bahari -
- heute im Luxor-Museum -

Aufgrund ihres Alters gegenüber ihrem Mitherrscher war sie die dominierende Kraft in der Verwaltung des Landes. Später zählt sie die vorangegangen Jahre ihres Stiefsohnes zu ihren eigenen hinzu.

Kurz nach ihrer Machtergreifung begann sie mit der Planung und dem Bau eines der phantastischen Tempelbauten in der ägyptischen Geschichte. Zwar wurde wahrscheinlich schon ein Tempelprojekt ähnlicher Art von Thutmosis II. an diesem Ort begonnen, welches von Hatschepsut nach dem Tode ihres Gatten "übernommen" wurde, aber diese "Erweiterung" stellte alles Vorhandene in den Schatten.

Der Tempel selbst war mit einer Reihe von kolossaler Statuen geschmückt. Sie zeigten Hatschepsut als "lebenden Osiris" mit weißem, bandagiertem Körper und blankem Gesicht. Auf dem Kopf trägt sie entweder die weiße Krone von Oberägypten oder die Doppelkrone der beiden Länder.

Als sie noch große königliche Gemahlin Thutmosis II. war, begann sie mit dem Bau einer Grabstätte im versteckten Wadi Sikkat Taka el-Zeida ( Bezeichnung: WA D) in Theben-West. Dieses unvollendete Grab wurde wahrscheinlich aufgegeben, als Hatschepsut Königin wurde, noch bevor die Arbeiten am Grabschacht abgeschlossen waren. Howard Carter entdeckte diese Grabstätte 1916.

Es wurde ein neues Grab für die Königin im Tal der Könige angelegt. Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass sie stattdessen das Grab ihres Vaters Thutmosis I. (KV20) erweitern ließ, bis es zum längsten und tiefsten Grab des Tales wurde, um es für ein Doppelbegräbnis herzurichten. Eine andere Meinung ist, dass Hatschepsut mit einer eigenen Grabanlage begann und ihren Vater aus KV 34 umbetten ließ. Dieses Grab wurde schon im Altertum von Grabräubern ausgeraubt. Neben zwei  Quarzitsarkophagen, die von William C. Hayes, "C" und "D" genannt wurden, war eine Kanopentruhe aus Alabaster gefunden worden, in der sich lt. Beschriftung die inneren Organe der Königin befinden sollten.

1903 wurde dieses Königsgrab dann von Howard Carter und Theodore Davis freigelegt.

Auf einer Stele aus Armant wird das Sterbejahr von Hatschepsut überliefert. Die Königin starb am 10. Tag des sechsten Monats des 22. Jahr ihrer Regierungszeit. Ihr Nachfolger, der sie hochwahrscheinlich standesgemäß bestatten ließ, war ihr Neffe und Stiefsohn Thutmosis III., der danach 33 Jahre an der Spitze des ägyptischen Reiches stand.

Lange Zeit war die Mumie der Königin verschollen oder noch nicht identifiziert. Verschiedene weibliche Mumien wurden in Erwägung gezogen. In dem Grab KV 60  ( Grab der königlichen Amme 
Hatschepsuts) fand man zwei weibliche Mumien. Die eine, in einem Sarkophag liegende Mumie brachte man ins 1908 Museum von Kairo. Der Sarg war mit dem Namen der Amme von Hatschepsut - 
"Sat-Ra" - beschriftet. Die andere, eine fettleibige Frauenmumie, blieb teilweise ausgewickelt auf dem Boden des Grabes liegen, mitsamt den rotblonden Haaren, die neben ihr lagen. Die Mumie selber war kahlköpfig.

Erst anhand der neuesten CT-Untersuchung und mit dem Vergleich eines Backenzahns, der aus einem Kasten aus Holz und Elfenbein in der königlichen Cachette DB 320 stammte und mit der Kartusche der Königin Hatschepsut beschriftet war ( heute Kairo JdE 26250),  entdeckte man die Übereinstimmung mit dem fehlenden Backenzahl der fettleibigen Dame aus dem Sat-Ra-Grab. Im rechten Oberkiefer der Mumie aus KV 60 stecke noch der Rest einer Wurzel, der zu dem Backenzahn aus der Holzkiste passte.

Nach den neuesten Erkenntnissen der CT-Bilder soll Hatschepsut im Alter on 46 bis 50 Jahren gestorben sein und an Arthritis und einem Bandscheibenvorfall gelitten haben.

 

Djeser-Djeseru
- "
Das Haus der Millionen Jahre "

 

Djeser Djeseru
- das Haus der Millionenjahre - 
Totentempel der Hatschepsut

Kopf der Königin Hatschepsut 
- aus bemaltem Kalkstein - 
er gehört zu den Osirispfeilern der oberen Portikus des Totentempels.

 

" Die Königin Maat-Ka-Ra....sie hat es gemacht als Denkmal für ihren Vater Amun, dem Herrn der Throne der Beiden Länder; indem sie ihm errichten ließ den Großen Tempel von Millionen Jahren, das Haus Amun ist der Allerheiligste, aus schönem weißen Kalkstein, an seiner herrlichen Stätte der Vorzeit, damit sie seinetwegen mit Leben beschenkt sei, ewiglich. "
( Urk. IV 294 )

 

Der Tempel der Hatschepsut
 - mittlere Terrasse mit Rampe -
(Bildquelle:
Elvira Kronlob)

Das Heiligtum mit der unteren Terrasse
links der Mentuhotep-Tempel
(Bildquelle:
Nefershapiland)

Die Königin Hatschepsut ließ einen Gedächtnistempel für sich selbst und ihren verstorbenen Vater Thutmosis I. am Westufer von Theben anlegen. Er war dem Reichsgott Amun und der Göttin Hathor sowie dem Totengott Anubis geweiht. Sie nannte ihn " Großer Tempel von Millionen Jahren, der Tempel [ namens] 'Amun ist der Allerheiligste." Die geläufige Kurzform davon lautet: "Djeser djeseru".

Bei der Planung und Ausführung einer ägyptischen Tempelanlage waren bestimmte Gesetzmäßigkeiten bezüglich Orientierung und Funktionen einzuhalten, wie die Ausrichtung der Haupttore des Tempels auf das Nilufer, damit das "Allerheiligste" durch eine gerade Prozessionsallee mit der Anlegestelle am Nil, dem Lebensspender, verbunden war. Damit die Sonnenstrahlen am frühen Morgen bis ins Sanktuar vordringen konnten, musste die Achse des Tempels nach Osten hin ausgerichtet sein. Als dritter Punkt war die Ausrichtung der Tempelanlage nach einem bedeutenden kultischen oder "familiären" Tempel wichtig. Das Millionenjahrhaus der Hatschepsut erfüllte alle drei Vorgaben - auch die Dritte, denn wenn man die Achse über den Nil weiterführt, verbindet sich diese mit der Hauptachse des großen Tempels des Amun in Karnak.

Als offiziell gesichertes Datum für den Baubeginn des Tempels - nachdem unter der Herrschaft der Königin ein evtl. bereits vorhandener Bau erweitert und modifiziert wurde - wird allgemein das 7. Regierungsjahr der Hatschepsut genannt. Am Ende ihrer Regierungszeit im 22. Jahr, also nach gut 15 Jahren, war das Heiligtum nahezu fertiggestellt.

Bei der Errichtung des Terrassentempels, der vollständig aus Kalkstein errichtet wurde, hat man höchstwahrscheinlich mit der oberen Terrasse begonnen, welche sich direkt an die steile Felswand anlehnt. In gewissen Elementen ähnelt dieser dem benachbartem Grabmal des Mentuhotep II. Neb-hepet-Ra, trennt aber den Tempel vom Königsgrab. 

Mentuhotep II. - 11. Dynastie

der ältere Tempel des Mentuhotep
links vom Hatschepsut-Tempel

Allgemein wird der hohe Beamte Sen-en-mut als Architekt und Erbauer des Heiligtums angesehen. Auf jeden Fall war er wohl der Bauleiter, der für die Planung und Organisation verantwortlich war. Er bezeichnet sich in einer Inschrift als " Aufseher der Arbeiten in Djeser-Djeseru." Ob er selbst die notwendigen Fähigkeiten eines Architekten besaß, wissen wir nicht, aber seine übergeordnete Stellung erlaubte es ihm natürlich ohne Zweifel, die geeigneten Architekten auszuwählen. Wie wäre es ihm ansonsten möglich, dass an über 60 Stellen, selbst im Sanktuar, seine Gestalt und sein Name an den Tempelwänden eingraviert sind. Ohne Zustimmung der Königin wäre es  nicht möglich, die Darstellungen des Sen-en-mut "versteckt" hinter Türen anzubringen.

Portrait Sen-en-mut mit Namen u. Titel
- Darstellung in seinem Grab -

Sen-en-mut mit Neferu-Ra.

Einer der Baumeister des Heiligtums scheint ein Beamter mit Namen Djehuti gewesen zu sein. Auf der sogenannten " Northampton-Stele", die in seinem Grab TT 11 gefunden wurde, schreibt er in einer Inschrift: " Ich war der oberste Befehlshaber, der Anordnungen gab. Ich leitete die Handwerker bei der Arbeit in Djeser-Djeseru....". Zumindest musste Djehuti eng mit dem obersten Aufseher Sen-en-mut zusammengearbeit haben. Als weitere hohe Beamte, die bei der Errichtung des Heiligtums mitgewirkt haben, sind der Hohepriester des Amun  Hapu-seneb, der Schatzmeister Nehesi und der Scheunenverwalter Min-mose auf Ostraka erwähnt, die man im Mauerwerk des Taltempels und im Aufweg verbaut gefunden hat.

Beschreibung des Bauwerkes:

Im Rahmen dieser Seite ist es unmöglich, alle architektonischen Anlagen des Heiligtums zu beschreiben, deshalb sollen im folgenden nur die wichtigsten Hallen und Terrassen beschrieben werden


Die Tempelöffnung liegt im Osten. Bei guter, klarer Sicht reicht der Blick von der 3. oberen Terrasse aus bis zum 1. Pylon des großen Karnak-Tempels auf den Obelisken der Hatschepsut. Der Tempel ist durch eine Prozessionsstrasse mit dem sogenannten Taltempel verbunden. Vom Taltempel . dessen  Kaianlagen zu Hatschepsuts Zeit durch einen Kanal mit dem Nil verbunden waren, ist in heutiger Zeit nichts mehr erhalten., deshalb haben wir über die Architektur dieser Anlage keine gesicherten Informationen. Nur noch die ungefähre Lage ist bekannt. 

Die breite Prozessionsstrasse, war bis hinauf zum Haupttempel links und rechts von einer monumentalen Sphingen-Allee mit etwa 50 Sphingenpaaren und mindestens eine Barkenkapelle gesäumt. Diese Allee mündete nach etwa 1 km in einen großzügig angelegten Vorplatz, der von einer ausgedehnten Gartenanlage umgeben war. Hier befanden sich zwei T-förmige Wasserbecken, in denen Papyrus- und Lotuspflanzen wuchsen. Noch heute sind gleich neben dem Eingang zum Vorhof links und rechts Reste der Holzstümpfe von zwei Persea-Bäume zu erkennen, die hier wuchsen.

Die unteren Hallen und die Rampe:

Der auf mehrere Ebenen angelegte Tempel besaß drei große, durch Kolonnaden getrennte Höfe, die über Rampen miteinander verbunden und durch Kalksteinwände abgegrenzt waren.

Die Balustraden der unteren Rampe waren im versenkten Relief beidseitig mit jeweils einem Löwen, der heute aber nur noch auf der Innenseite der linken, südlichen Balustrade erhalten ist,  geschmückt. Die steinernere Brüstung, die den Aufgang  zur nächsten Terrasse säumt, wird mit dem Bild einer riesigen Schlange geschmückt, auf deren Kopf je ein Horusfalke thront. Diese Figuren sollten wohl darüber wachen, dass nichts "Unreines und Unheilvolles" in die inneren Räume des Heiligtums eindringen konnte.

Balustrade mit einem Löwen im versenkten Relief, der sich drohend aufbäumet.

Aufgang zur nächsten Terrasse,
- auf einem Schlangenkörper
 thront ein Horusfalke -

Die untere Rampen, welche zur mittleren Terrasse führt,  teilen die Pfeilerhallen in je eine nördliche und eine südliche Hälfte, auf deren Wände sich mehrere genau festgelegte Bildflächen ergaben, die je einem bestimmten Thema gewidmet sind.

In der südlichen nach vorne offenen Pfeilerhalle ( 1. Portikus), deren Decke von zweimal elf Pfeilern getragen wird, ist auf der Rückwand neben religiösen Szenen vor allem der Transport von zwei Obelisken von Assuan nach Theben, die für den Karnaktempel bestimmt waren, dargestellt. Zwei riesige Schiffe, die mit den beiden Obelisken beladen sind, werden von 27 Zugschiffen mit insgesamt 864 Ruderern nach Karnak gezogen. Diese Darstellung gaben der südlichen Pfeilerhalle den Namen "Obeliskenhalle".

Die Reliefs in der nördlichen  "Jagdhalle", sind stark zerstört. Es ist aber noch eine Jagdszene zu erkennen, die eine Gruppe von Sumpfvögel darstellt, welche sich an einem Teich niedergelassen haben und mit Hilfe eines großen, von mehreren Männern gehaltenen Netzes, gefangen werden.

2. Portikus:

Die breite Rampe führt zwischen den beiden unteren Hallen hinauf auf den mittleren Hof mit dem
2. Portikus, der geprägt wird von der
"Punthalle" auf dem linken südlichen Flügen und der "Geburtshalle" auf dem rechten nördlichen Flügel. 

Die mittlere Terrasse rechte Seite
mit der 2. u. 3. Pfeilerhalle, rechts die Anubiskapelle
(Bildquelle: Elvira Kronlob)

Frontalansicht der 2. u. 3. Pfeilerhalle_
rechter Flügel
(Bildquelle: Elvira Kronlob)

 

Hathorkapelle

Auf diesem mittleren Hof ( 1. Terrasse), südlich der Punthalle, befindet sich außerdem  ein kleines Heiligtum, welches der Göttin Hathor geweiht war. Im alten Ägypten war diese Kapelle über eine heute verschwundene Rampe vom unteren Vorhof aus zu erreichen. 

Die Göttin Hathor in Kuhgestalt an der Nordwand, 
sie leckt die Hand der Königin-
(Bildquelle: Elvira Kronlob)

Zwei Säulenhallen, die jetzt stark beschädigt sind, bilden den Eingangsbereich der "Hathorkapelle". Einige Kapitelle der runden Säulen und Pfeiler sind erhalten geblieben und tragen den menschlichen Kopf der Göttin mit Kuhohren. Der eigentliche Kultraum für die Göttin wurde in den Fels getrieben 

Eingangstür des Felsenschreins in die Kapelle der Hathor

Die Hathorkuh mit großen Hörnern, in deren Mitte die Sonnenscheibe ruht.
( Bildquelle:
Elvira Kronlob)

Weitgehend verloren sind die Reliefs an den Wänden, aber eine Szenenfolge an der hinteren Nordwand ist von Interesse. Hier wird eine feierliche Schiffs-Prozession für die Göttin dargestellt, die noch zum Teil in ihrer ursprünglichen Farbe erhalten ist. Zu sehen sind mehrere Boote mit Schreinen, Soldaten mit Standarten und sogar ein Mann mit einem Panther und ein Tänzer. Die Prozession führt zum Kultbild,  welches dann von der Königin durch ein Opfer "wiederbelebt" wird. Hathor nimmt in dem Kultbild Platz und führt die heiligen Handlungen "des Säugen und Schützens" aus

Sogenannte "Hathorkapitelle" zieren die Pfeiler und Säulen des Heiligtums der Göttin Hathor. Von zwei oder vier Seiten zeigen sie das menschliche Gesicht einer Frau mit Kuhohren - als Anspielung auf die Kuhgestalt, in der die Göttin Hathor oft auftrat.
(Bildquelle:
Elvira Kronlob)

 

Die Hathor-Kuh leckt die Hand der Königin
(Bildquelle: Elvira Kronlob)

 

Flachrelief in der Hathorkapelle,
Parade der Soldaten zu Ehren
der Göttin Hathor 
 - Nordwand Hathorkapelle -
(Bildquelle: Elvira Kronlob)

Auch beim Festzug der Hathor sind Soldaten abgebildet. Einige von ihnen tragen Palmenzweige, andere Waffen.
(Bildquelle: Elvira Kronlob)

 

Anubiskapelle

Die untere Kapelle für den Gott Anubis liegt an der Nordseite der 2. Pfeilerhalle und fügt sich mit ihren in den Berg eingetieften Räumen - Hypostyl und Allerheiligstes - organisch in den Gesamtkomplex des Tempels ein. Von der Geburtshalle aus führen zwei Stufen hinunter in die untere Anubiskapelle. Ihr ist eine Säulenhalle mit 12 Säulen vorgelagert, an deren Decke sich astronomische Abbildungen befinden. Zwei Räume mit Gewölbedecken schließen sich an. Diese Eingangshalle für den schakalköpfigen Totengott Anubis liegt im äußersten Nordwesten der Terrasse und bildet dadurch zugleich eine architektonische Erweiterung der Geburtshalle.

  A. Säulenhalle
  B. Nischen
  C- Erster Raum
  D. Zweiter Raum
  C. Nische

     a. Anubis mit der Königin
     b. Hatschepsut (Bildnis wurde
         zerstört) mit Osiris, Re-Harachte
         u. Nechbet
     c. Hatschepsut überreicht Opfergab.
         an Amun-Re (Bildnis der Königin
         wurde ebenfalls zerstört)
    d.  Königin (Bildnis zerstört)
         überreicht
         Opfergaben an Anubis
    e.  Thutmosis IIIl. gibt Opfergaben
          an Sokar.

Die Abbildungen an den Wänden und in den beiden kleinen Nischen sind noch recht gut erhalten, meist sind sogar noch die ursprünglichen Farben erkennbar. Das Thema der " Unteren Anubiskapelle" ist ausschließlich religiösen Inhalts. Die Königin oder ihr Stiefsohn Thutmosis III. erscheinen zusammen mit den verschiedenen Göttern wie Anubis, Nechbet, Harachte. Die eigentlichen Kapellenräume betritt man durch eine Tür an der Westwand der Vorhalle. Hatschepsut erscheint hier zumeist in kultischer Verehrung vor Anubis - aber auch die anderen Totengötter wie Osiris, Sokar, Ptah und eine Westgöttin sind dargestellt.

Hatschepsut in männlicher Gestalt
 ( evt. Thutmosis III.), 
der Re-Harachte ein Weinopfer darbringt
(Bild: Andre Kottlewski)

Flachrelief über Eingang 
zur unteren "Anubiskapelle"
(Bildquelle: Elvira Kronlob)

 

Hatschepsut (zerstört) zwischen den Göttern Re-Harachte und Nechbet
( Bildquelle: Elvira Kronlob)

Anubis sitzt auf seinem Thron vor den Opfergaben
Darstellung aus dem Portikus Anubiskapelle
(Bildquelle:
Elvira Kronlob)

 

offene Pfeilerhalle der unteren Anubiskapelle
(Bildquelle: Elvira Kronlob)

Blick von der Anubiskapelle
auf die Geburtshalle und auf die Rampe
(Bild: Elvira Kronlob)

Punthalle:

Im Allgemeinen wird die südliche Halle der Mittleren Terrasse als "Punthalle" bezeichnet. Hier werden die verschiedenen Momente einer Expedition im 8. Regierungsjahr der Königin in das märchenhafte "Weihrauchland Punt ( pwnt )"  illustriert. Diese mehrfarbigen Flachreliefs schildern mit ausführlichem Begleittext in allen Einzelheiten eine Reise entlang der Länder des Roten Meeres.

Zeichnung der Wanddarstellung der Puntexpedition
- in der oberen Mitte die fettleibige Fürstin Iti - 

Diese Expedition in das "geheimnisvolle" Land Punt war allerdings nicht die erste in der ägyptischen Geschichte. Auch im Alten und Mittleren Reich führte man unter Mentuhotep II. und Sesostris I. offensichtlich schon Expeditionen nach Punt durch. Schon auf dem Annalenstein werden für die 5. Dynastie Puntfahrten erwähnt. Wo genau das Land Punt lag, ist bis heute nicht bekannt, es dürfte aber an der Ostküste Afrikas zu lokalisieren sein.

Diese Zeichnung kopiert ein Flachrelief aus der Punthalle. Es zeigt das Beladen eines ägyptischen Schiffes mit Waren aus dem Land Punt
(Bildquelle:
Araldo de Luca/Archivio White Star)


Wie lange die Expedition gedauert hat, geht aus den Inschriften nicht hervor - vermutlich aber über zwei Jahre. 

Auf verschiedenen Szenen wird die Ankunft der Schiffe und die Begrüßung der Expedition in Punt gezeigt. Im Gepäck befanden sich neben den verschiedenen Handelsgütern auch eine Statuengruppe aus Granit, die den Gott Amun und die Königin darstellt. 

Der ägyptische Gesandte und Expeditionsleiter Nehesy vor den aufgehäuften Geschenken für den Fürsten von Punt. Ein Trupp Soldaten dürfte zu dem Erfolg der Expedition durch ihre Präsenz beigetragen haben.
( Bildquelle: Elvira Kronlob)

Auf den verschiedenen Reliefs werden sehr realistisch die Landschaft, die Flora und die Fauna der Küste von Punt durch Dattelpalmen, Sykomoren, Rinder, Esel und Vögel wiedergegeben. Auf den Bildern sieht man die Einwohner des Landes, die in runden Pfahlhütten wohnen, deren Eingang nur über eine Leiter zu erreichen ist.

- Einwohner von Punt -
Der Fürst Parhu und seine Gattin Iti
bei der Willkommensszene

Männer aus Punt bringen Ware für die ägyptische Handelsexpedition 
- Szene aus der Punthalle im Totentempel -

Die bekannteste Darstellung scheint die Willkommenszene zu sein, die zeigt, wie der Fürst Parhu und seine fettleibige Gemahlin, die Fürstin Iti sowie seine beiden Söhne und eine Tochter die Ägypter willkommen heißen. Begleitet wird das Herrscherpaar von dem Gefolge des Fürsten, das die Geschenke für die Vertreter des ägyptischen Königs herbeiträgt. In dieser Szene hat man sich sogar die Mühe gemacht, den Esel, der die Gattin des Fürsten trägt, einzufügen. Zweifellos ist damit das Reittier "Atis", der Fürstin von Punt gemeint.

 Das Reittier "Atis", das Reittier der Königin von Punt.
(Bildquelle:
Offizieller Katalog Kairo 1986, v. Zabern-Verl.)

Der ägyptische Gesandte lässt ein Zelt aufschlagen, in dem er die Fürsten von Punt zu einem Gastmahl einlädt. In einem gegenseitigen Tauschhandel erhalten die Ägypter 

Ebenholz
Pantherfelle
Elfenbein
Ringe aus Gold
exotische Tiere
und Weihrauchharz.

Die Bewohner des Landes Punt wohnten in Pfahlbauten,
 die über Leitern zu erreichen waren.

Bei dieser Expedition des Gesandten Nehesy (Neshi) nach Punt handelte es sich um eine Handelsexpedition, die den Tausch von ägyptischen Waren in Form von Schmuckstücken und Perlen sowie ziemlich kümmerlichen Waffen wie Dolche und Äxte gegen einheimische Produkte wie oben beschrieben einzutauschen. 

Dieses Relief zeigt die Verladung von Weihrauch und anderer exotischer Ware, die per Schiff von Punt gekommen waren.

Szene mit Seeleuten, die ihre Schiffe mit den Waren aus Punt zum königlichen Hof nach Theben rudern.

Da die fünf Schiffe auch von Soldaten begleitet wurden, dürften sie diesem Handel durch ihre Präsenz nachhaltig zum Erfolg verholfen haben. Im Text heißt es dazu:

" Die Schiffe wurden mit großen Mengen der Wunder des Landes Punt beladen, mit all den kostbaren Hölzern des Landes Gottes, Haufen von Myrrhegummi und lebenden Myrrebäumen, mit Ebenholz, mit dem grünen Gold von Amu, mit Duftholz, genannt tyshepses und khesyt...., mit Pavianen, Affen und Hunden, mit Pantherpelzen aus dem Süden mit Eingeborenen und ihren Söhnen."
( Textzitat: Tal der Könige - Alberto Siliotti, Karl-Müller-Verlag)

 

Flachrelief in der Punthalle. Träger transportieren einen im Kübel eingepflanzten Myrrhebaum, der auf das Schiff verladen werden soll.
(Bildquelle:
Ägypten -Kultur und Landsch./K.Müller-Verlag)

Die Reliefs der Punthalle schildern die Expedition ins geheimnisvolle Land Punt. Auf den Reliefs sieht man Pfahlbauten und exotische Pflanzen.
( Bildquelle:
Theben / Donadoni / Hirmer Verlag)

Nach einem offensichtlich mehre Wochen andauernden Aufenthalt an Land, währenddessen sie auch Ausflüge mit den Einheimnischen tiefer ins Land hinein unternahmen, wurden die Schiffe beladen und segelten in die Heimat zurück, wo sie jubelnd  in Theben empfangen werden. Eine kleine Gesandtschaft aus Punt war mitgefahren, um die ägyptische Königin persönlich zu huldigen.

Nach der erfolgreichen Rückkehr der Punt-Expedition werden die wertvollsten aus Punt mitgebrachten Waren in Beisein des Sen-en-mut und des Expeditionsleiters Nehesy dem göttlichen "Vater Amun" geweiht. Das letzte Bild aus dem Bildprogramm der Punthalle ist die Verkündung der erfolgreichen Heimkehr der Expedition durch die Königin, die auf ihrem Thron sitzt - während ihr "Ka" hinter ihr steht.
Anstelle der Königin erscheint hier mit der Chepresch-Krone Thutmosis III. - wahrscheinlich nach der Usurpation!

Geburtshalle:

Die "Geburtshalle" befindet sich nördlich der Rampe und wird ebenso wie die Hathor-Kapelle von zweimal elf Pfeilern getragen. Diese Halle beschäftigt sich mit einem sehr brisantem Thema, nämlich der "göttlichen Geburt" der Hatschepsut als Ergebnis der "heiligen Hochzeit" ihrer Mutter Ahmose und des Gottes Amun, der sich ihr in der Gestalt ihres Ehemannes Thutmosis I. nähert. Ein kurzer Text, untermalt von einer Bilderfolge erzählt die Geschichte der königlichen Geburt Hatschepsuts.

Geburtsmythos in der Geburtshalle
( nach Emma Brunner-Traut, Altägyptische Märchen, 1991, S. 119 -
die Königinnen des Alten Ägyptens, Joyce Tyldeslesy u. a.)
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Wir erfahren, dass der Gott Amun vor dem Götterrat ( 12 Götter) verkündet, dass er einen neuen König zeugen will. Er beauftragt den ibisköpfigen Gott Thot damit, unter den Menschenfrauen eine geeignete Mutter für den durch ihn zu zeugenden neuen König zu suchen.

Thot findet eine geeignete Kandidatin, die Königsgemahlin Ahmose und geleitet Amun zu der von ihm ausgewählten neuen Königsmutter, die im Fürstenhaus in Karnak lebt.

Man sieht hier in dem Bilderzyklus die Königin, wie sie allein in ihren Räumen erscheint und Amun in der Gestalt ihres Gatten  Thutmosis, verkleidet, sie besucht. Der Gott Thot verlässt das Paar, damit sich Amun - nun in der Gestalt von Thutmosis, dem Ehemann der Königsmutter, ungestört seiner Aufgabe widmen kann.

Auf einem "Löwenbett" (hier wohl als Symbol der Wiedergeburt zu deuten) "wohnt" Amun der Königin Ahmose bei. Zwei weitere weibliche Göttinnen sitzen auf dem Bett und "tragen" das Paar. Amun sitzt über der linken Gottheit - ihm gegenüber sitzt die Königin. 
Amun erzählt der Königin, dass sie auserwählt wurde, seine Tochter, die zukünftige Königin Ägyptens, zu empfangen. Er gibt ihr das Lebenssymbol Anch und sein "göttlicher" Geruch erfüllt den ganzen Palast.

Der widderköpfige Schöpfergott Chnum formt derweil im Himmel im Auftrag von Amun das göttliche Kind und dessen Seele ( "Ka ") auf einer Töpferscheibe. Die Göttin Heket spendet dem Kind Leben mit ihrem Ankh-Zeichen.

Neun Monate später verkündet Thot der schwangeren Ahmose die Zufriedenheit der Götter. Er geleitet sie im Beisein der froschköpfigen Hebamme Heket ins Wochenbett.  Die Königin bringt auf dem Löwenbett im Beisein von Amun und der Göttin Mesechnet, sowie weiteren Göttern und der Amme das göttliche Kind zur Welt.

Die königliche Gemahlin und Königsmutter Ahmose sprach zu der Majestät des herrlichen Gottes Amun, des Herrn der Throne, der beiden Länder:
"Mein Herr, wie groß ist dein Ruhm! Wie herrlich ist es, dein Angesicht zu schauen. Du hast Meine Majestät mit deinem Glanz umfangen. Dein Duft ist in allen meinen Gliedern." 
So sprach sie, nachdem die Majestät dieses Gottes alles, was er wollte, mit ihr getan hatte.

Der Gott Amun nimmt seine Tochter von der Säug-Amme Hathor entgegen, küsst sie und spricht, da er sie "liebgewonnen" hat:

"
Hatschepsut ist also der Name dieser deiner Tochter, die ich in deinen Leib belegt habe, entsprechend dem Ausspruch deines Mundes. Sie wird das herrliche Königtum im ganzen Land ausüben. Mein Ruhm wird ihr gehören. Sie wird die beiden Länder (Ägypten) beherrschen....Ich werde sie alle Tage mit meinem Schutz umgeben gemeinsam mit dem Gotte des jeweiligen Tages."
(
Emma Brunner-Traut, Altägyptische Märchen, 1991, S. 119)

Auch die göttliche Amme Hathor wiederholt den Segen des Vaters. Die Königsmutter und Amun sitzen auf dem Bett und betreuen das Kind.

Zwei nicht genau zu identifizierende Gottheiten bringen da Kind vor dem Götterrat. An den Tempelwänden wird der neue König/Königin nackt dargestellt und erscheint hier unbestreitbar männlich. Auch die ebenfalls nackte "Ka-Seele" ist eindeutig männlich. Doch die Namen des neuen Königs sind weiblich - und weder Ahmose noch Amun haben Zweifel am Geschlecht ihres Kindes.

Als Königin wollte Hatschepsut immer als Frau abgebildet werden. Sie erscheint schlank, blass und passiv. Doch nun als Pharao musste sie ihrer neuen Position gemäß ein Bild finden, dass sie von der einer königlichen Gemahlin abgrenzt. Zuerst wurde sie entweder ganz als Frau oder als weibliche Person in männlichen Königsgewändern dargestellt, wird bald aber zu einem völlig maskulinen Pharao in Männerkleidung - mit männlichen Insignien und Ritualen. Die Erscheinung eines Königs ist offensichtlich wichtiger als das feminine oder maskuline Geschlecht.

Wir finden die Darstellung des sogenannten "Geburtsmythos" ausschließlich auf Tempelwänden, u. a. aus Göttertempeln in Luxor und Karnak, welches klar macht, dass der Mythos sich auf die Geburt der Königin in der Götterwelt beziehe und der Geburtsmythos nicht für den lebenden, sondern für den verstorbenen König im Jenseits konzipiert wurde. Die Darstellung im Bilderzyklus stellt also die Wiedergeburt der verstorbenen Königin in der Götterwelt dar.

Die göttliche Zeugung wird in einem Bilderzyklus im Nordflügel der mittleren Terrasse ihres Totentempels in Deir el-Bahari dargestellt. In fünfzehn Einzelbildern erzählt dieser Zyklus die göttliche Zeugung und die anschließende Geburt der Hatschepsut.

Pfeiler in der Geburtshalle der Hatschepsut
( Bildquelle: Elvira Kronlob)

 

Obere Terrasse und 3. Portikus:

Von der Mitte der 2. Terrasse aus führt eine weitere Rampe hinauf zum oberen Bereich der Tempelanlage. Die Brüstung der Rampe ziert eine riesige Wadjit-Schlange, die das Heiligtum vor den bösen Mächten schützen sollte. 

Blick auf die obere Terrasse, die als Vorderansicht  mit einem Portikus und rückwärtig durch die Felswand der Berge begrenzt wird. In der Mitte befindet sich der der Eingang zum Heiligtum des Amun, das sich zum Berg hin öffent.

Der Portikus der dritten oberen Terrasse ist heute zum größten Teil zerstört. Vor einigen Jahren konnte die oberste Terrasse nach einer 25jährigen Restaurierungsarbeit durch ein polnisches Team für die Touristen geöffnet werden. Architektonisch gesehen bildet sie den bemerkenswertesten Aspekt des Tempels von Königin Hatschepsut. Man erkennt bei den glatten und gut gearbeiteten Säulen und Mauern einen scharfen Kontrast zu den zerklüfteten Klippen, die sich über dem oberen Teil des Heiligtums erheben.

Die Eingangsfront der oberen Terrasse wird beidseitig von zwei Hallen gebildet, deren Decke von je elf Pfeiler und elf sechzehnkantigen Säulen getragen wird. Ursprünglich wurde diese Pfeiler-Vorderfront von ca. 5,50m hohen, ziemlich grell bemalten ( damit sie von weitem gut erkennbar waren) Osirisstatuen der Königin gebildet, die Thutmosis III. abreißen und in einfache Pfeiler umwandeln ließ. Die langen Bärte waren blau, Kehlen und Gesichter rot, während die Augen schwarz und weiß und die Augenbrauen blau waren. Heute sind diese osiriden Statuen der Königin an den Pfeilern des Portikus und an die östlichen Enden der Seitenwände wieder teilweise rekonstruiert. Die osiriden Statuen sehen ähnlich denen vor dem 1.Portikus aus, unterscheiden sich aber dadurch, dass sie heilige Symbole der Macht in den vor der Brust gekreuzten Händen halten und alle Statuen die Doppelkrone tragen. Viele Statuen sind nach dem Tode der Hatschepsut zerstört worden und nur noch die Köpfe wurden wiedergefunden.

Osiris-Pfeiler der Hatschepsut, Pfeilerfront der obersten Terrasse
( Bild:
Elvira Kronlob)

 

Nur noch der Kopf der einstigen Osiris-Statue der Königin ist hier erhalten geblieben
(Bildquelle: Elvira Kronlob)

runde Säulenreihe mit "Hinterlassenschaft" der modernen Zivilisation (Flasche auf dem Boden)
- nördliche Kolonnade, 
obere Terrasse / Nordwand -
(Bildquelle: Elvira Kronlob)

Auf der Westwand der überdachten Halle war einst eine lange Inschrift, auf der die Ereignisse vor der Thronbesteigung der Königin festgehalten wurde. Nach dem Tode der Hatschepsut ließ Thutmosis die gesamte Wand neu gestalten und ersetzte teilweise den Text durch figürliche Darstellungen. Nun beginnt die Dekoration der Westwand mit der Thronbesteigung von Thutmosis I. Die Figuren der Hatschepsut ersetzte er durch die seines Vaters Thutmosis II.

Den Mittelpunkt der oberen Terrasse bildet ein großer rechteckiger Festhof, den man durch ein Granittor mit Namen " auf dass Amun heilig gehalten werde" betritt. Ursprünglich war der Festhof von einer zweireihigen überdachten Säulenkolonnade umgeben, von der heute leider nur noch wenige Reste der einst prächtigen Kolonnade erhalten sind. Früher wurde die Achse des Hofes von knienden Statuen der Hatschepsut gesäumt.

Als die ersten Europäer um 1740 nach Deir el-Bahari kamen, stand vom Hatschepsut-Tempel wohl nur noch das Granittor, welches auf dem Säulenhof der obersten Terrasse führte. 

Deutlich ist darauf zu erkennen, wo der Name der Königin ausgemeißelt und durch den ihres Nachfolgers ersetzt worden ist.
- Granitportal der Ostwand vor der zentralen Kapelle des Amun -

Der Hof spielte eine zentrale Rolle während der Zeremonie des "Schönen Festes vom Wüstental ( Das schöne Talfest - altägyptisch: Hb nfr n jnt ) . Er diente als Festbühne für die rituellen Handlungen im Zusammenhang für das Hauptereignis im liturgischen Kalender von Theben. Dieses in den Wandszenen der oberen Terrasse beschriebene " Schöne Talfest" war die älteste aller religiösen Feste. Es fand während des 2. Monats der " shemu-Zeit" statt. Im Wesentlichen war dieses Fest eine " Feier der Verstorbenen", wo die Familienangehörigen der Toten die Gräber ihrer bestatteten Verwandten aufsuchten, einige Zeit dort blieben mit ihnen "speisten und Freunde empfingen", die ihre Aufwartung machten. Der Gott Amun nahm bei dieser Gelegenheit in Begleitung hoher thebanischer Würdenträger an einer großen Prozession am Westufer teil, mit der Absicht, die Götter des Westens und die verstorbenen Könige zu besuchen.

Die Wände zeigen festliche Szenen dieser Feierlichkeiten. Auf der östlichen und nördlichen Wandfläche ist dargestellt, wie die Barke mit dem Kultbild des Gottes Amun die Tempelanlage von Karnak verlässt und den Nil überquert. Als Fähre dient ihm hierbei das prunkvolle Schiff " Userhat" - Wsr-HAt,  welches von zwei kleineren königlichen Ruderbooten gezogen wird. Begleitet wird diese Prozession von den Booten der Gottheiten Mut und Chons. Diese drei Gottheiten bilden die thebanische Triade. Auf der anderen Seite angekommen, ging die Fahrt über einem künstlich angelegten Kanal weiter, dem sie dem Tempel der "Millionen Jahre der Königin" entgegen.

Die Prozession wurde dann über Land getragen und machte Rast in einem kleinen Stationsheiligtum, das sich zwischen Taltempel und "Djser Djeseru" befand, heute aber nicht mehr vorhanden ist. Endpunkt der Reise war die "zentrale Kapelle des Amun-Re auf der 3. Terrasse". Der Schrein blieb dort inmitten eines Blumenmeeres stehen, bis er am Ende der Feierlichkeiten nach Karnak zurückgebracht wurde

An der Südseite der Ostwand des Festhofes ist ein weiteres thebanisches Götterfest, das sogenannte Opetfest - das "schöne Fest vom Ipet".  In einer kurzen Version ist es an den Wänden dargestellt Die Kultstatuen der thebanischen Triade verlassen den heiligen Bezirk in Karnak und werden in einer feierlichen Prozession auf dem Landweg in den südlich gelegenen Luxortempel gebracht. Mit der Götterbarke " User-hat" kehren die Götter nach Karnak zurück.

Im Norden und Süden des Hofes liegen zwei Bereiche, die dem Sonnenkult des bez. dem Königskult geweiht waren. Der nördliche Sonnenhof war dem Sonnenkult des Re-Harachte geweiht. Er schließt ein Vestibül mit Säulen ein. Von hier aus gelangt man in einen  offenen Hof, in dessen Mitte ein Altar steht, der für Opfergaben an den Gott bestimmt war. Vom Hof aus kommt man in eine weitere Kapelle, die ebenfalls dem Totengott Anubis geweiht war. Anubis hatte in Deir el-Bahari eine besondere Bedeutung, während die anderen Totengötter wie Osiris und Sokaris erst später in der Geschichte größere Bedeutung erlangten.

Der südliche Teil der oberen Terrasse war dem Königskult geweiht. Von hier aus hatte man Zugang zu zwei, der Hatschepsut bzw. Thutmosis I. geweihten Kapellen. Die recht gut erhaltene Totenkapelle für Hatschepsut besaß ursprünglich ein gewölbtes Dach. An den Wänden dieser rechteckigen Halle sind Schlacht- u. Opferszenen, Prozessionen von Opferträgern sowie zahlreiche Protokolle von Opferlisten und rituelle Texte zu erkennen. Der gleich daneben liegende Raum, der dem Totenkult Thutmosis I. - dem Vater Hatschepsut - diente, war wesentlich kleiner. In ihm befand sich eine Opferstele des Königs
 ( heute Louvre, C.48) .  Diese Kapellen für den Totenkult der Königin und ihres Vaters kann man nur durch das Tor der oberen Terrasse erreichen, die zum Vestibül führt. Die Eingänge dazu befinden sich an der Westwand.

Hinter diesem Granittor 
liegt der 1. Raum des zentralen Heiligtums des Amun. Hier "ruht" die Götterbarke auf einem Podest - bis zum Ende des "Schönen Festes vom Wüstental".
(Bildquelle: Elvira Kronlob)

Kultnischen an der westlichen Rückwand des Hofes des oberen Hofes 

( Bildquelle: Elvira Kronlob)

Die Westwand der oberen Terrasse bildet eine monumentale Fron, die von einem großen mächtigen Tordurchgang aus Granit geteilt wird. Dieses Granitportal ist der Eingang zu dem in den Berghang gehauene Hauptheiligtum des Amun, das auch während des "Schönen Talfestes" die heilige Barke aufnehmen sollte. Zugleich diente es auch als Kultstätte für Thutmosis I. bzw. Thutmosis II. An der Fassade der westlichen Rückwand des Hofes befinden sich mehrere Nischen - acht große und zehn kleine - in denen einst Statuen der Königin in der Pose von Osiris und Statuen von Thutmosis III. standen. Die Nischen sind durch Rundstäbe voneinander getrennt.

Das " Allerheiligste" besteht aus drei aufeinanderfolgenden Räumen und Nischen, die mit Szenen der Königin und Amun geschmückt waren, die heute zum Teil stark zerstört sind. Hier  verbrachte die Götterbarke mit der Statue des Gottes Amun die Nacht, wenn sie bei den feierlichen Prozessionen die Nekropolen von Theben besuchte.

An den Wänden wird Hatschepsut und ihre Tochter Neferu-Ra sowie Thutmosis III. bei der Kultvollziehung vor der heiligen Barke dargestellt.  An den vier Ecken des Raumes flankieren Osiris-Statuen der Königin den Barkenraum. Die kleinere Kammer, die sich anschließt, hat eine gewölbte Decke. Hier und auch in den beiden Seitenkammern werden stark zerstörte Darstellungen der Königin beim Götterkult gezeigt.

Djeser - Djeseru in späterer Zeit:

Während der Regierungszeit und auch danach unter König Echnaton während der Amarna-Periode, den Ramessiden sowie in Ptolemäer-Zeit wurden die meisten Denkmäler und Bauwerke der Hatschepsut teilweise zerstört oder usurpiert. Die getilgten Königskartuschen der Hatschepsut wurden von ihrem Nachfolger und Stiefsohn getilgt oder in die von Thutmosis I., II. und III. umgearbeitet.

Amenophis IV. ( Echnaton) ließ zahlreiche Götterbilder des Tempels zerstören. Hauptsächlich die Darstellungen von Amun, dem Hauptgott von Theben, wurden zerstört. Weitere Zerstörungen, vor allem die der Osiriskolosse, welche die obere Terrasse schmückten, folgten während der 19. Dynastie.

In der ptolemäischern Epoche wurde die ursprüngliche Kapelle des Amun in ein Sanatorium umgewandelt und der Schrein dem zum Gott erklärten "Amenophis, Sohn des Hapu" geweiht. Dieser war als Architekt für die Bauten von Amemophis III. verantwortlich. Nach seiner Vergöttlichung galt er als Heiler und zog Pilger an, die um Heilung für ihre Leiden baten.

Im 7. Jahrhundert erweiterten die Kopten den Hatschepsut-Tempel zu einem koptischen Kloster.
Sie zerschlugen die Gesichter der restlichen Osiriskolosse, weil sie meinten, es seien die Darstellungen von heidnischen Gottheiten.


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