David Roberts: Tal der Könige (Image of t a 19th. Century)

Nachdem wir bei den doch recht aufdringlichen Händlern am Totentempel der Hatschepsut einige Kopien kleinerer Statuen als Andenken erworben hatten, ging es zurück zum Bus, der uns zum großen Parkplatz brachte, wo es im Inspektorat an der Talstation, dem sogenannten "Taftish", die Tickets für das Tal der Könige gab. Hier konnte man auch die Fototickets lösen, die dazu berechtigten, in den Gräbern zu fotografieren, natürlich ohne Blitzlicht

         die Händler vor dem Tempel der Hatschepsut

    mit dem "TAFTAF"  fuhren wir hinauf ins Tal der Könige

An der Talstation erwartete uns das TAFTAF -ein bahnähnliches Gefährt, das die Touristen hinauf zum Tal der Könige fährt. Dankbar nutzten wir diese Möglichkeit, denn, obwohl wir Ende Januar schrieben, brannte die Sonne unbarmherzig vom Himmel und keine Wolke zeigte sich. Noch unangenehmer war es allerdings in den Gräbern: Hier war die Luft so stickig, dass nachher einige froh waren, das Grab lebendig wieder verlassen zu haben.

Kein anderer Friedhof liegt vielleicht so ungewöhnlich, wie die Totenstadt der alten Pharaonen in Theben-West. Hier, am Westufer des Nils, ließen bereits im Alten Reich einige Beamte ihre Gräber in den Fels schlagen. Aber erst die Pharaonen der 18. Dynastie kehrten ab etwa 1540 zurück in den schmalen Felskorridor des Wadi Biban el-Moluk, in das weltberühmte "Tal der Könige".

Die alten Ägypter nannten diesen Ort Ta sekhet aat,  "großes Feld". Ein  langer Zugang führt heute über eine breite asphaltierte Strasse, die den gleichen Weg nimmt, auf der einst die königlichen Sarkophage zur letzten Ruhestätte der Pharaonen getragen wurden. Das sogenannte Tal der Könige besteht aus zwei Teile: im westlichen Teil, das auch "das Tal der Affen" genannt wird,  liegen vier Gräber. Die beiden königlichen gehören den Pharaonen Amenophis III. (WV Nr. 22) und das andere Pharao Eje (WV Nr. 23), dem Nachfolger Tutanchamuns.
An der Verlängerung der Zugangsstrasse liegt der Hauptteil des Tales und wird als das eigentliche "Tal der Könige" bezeichnet. Insgesamt umfasst die ganze Anlage 64 Ruhestätten.

Das Tal wird von einem 489 Meter hohen, pyramidenförmigen Berg, dem el-Qurn (das Horn) überragt. Die Gräber liegen am Fuße des Berges. Vielleicht begünstigte das Vorhandensein dieser "natürlichen" Pyramide die Entscheidung der Pharaonen, ihre letzte Ruhestätte nicht mehr in einem riesig aufgetürmten "Steinhaufen" (Pyramiden) zu bauen, wie über ein Jahrtausend lang geschehen, sondern sie tief in das Felsgestein von Theben-West zu treiben.
Die Göttin Mertseger, "diejenige, die die Stille liebt", wurde als Inkarnation des Berges el-Qurn verstanden. Häufig wird sie in der Gestalt einer Frau mit dem Kopf einer Kobra dargestellt. Sie trägt die Krone der Hathor. Der Berg war dieser Schlangengöttin geweiht.

Tal der Könige - Blick auf einige Gräber

Das Tal wird von einem 489 Meter hohen, pyramidenförmigen Berg, dem el-Qurn (das Horn) überragt

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Bewacht von der "natürlichen" Pyramide und abgeschirmt von den engen Felsen des thebanischen Westgebirges, glaubte man, dass die Gräber besser gegen Grabräuber geschützt seien, was sich allerdings später als Irrtum herausstellte, denn auch Totengott Osiris konnte sie nicht vor Plünderern und Grabräubern schützen!

Theben-West war aber nicht nur eine Totenstadt, denn zu  der Zeit, als die Grabbauten angelegt wurden, lebten hier Arbeiter, Künstler und Priester mit ihren Familien. Von nahegelegenen Dörfern, wie Qurna und Deir el-Medineh, kamen sie in die Nekropole, um die Gräber tief in den Fels zu schlagen und mit wunderbaren Kunstwerken auszuschmücken. Sie bauten aber auch Gräber für die Königinnen und Beamten, und nicht zuletzt auch für sich selbst prachtvolle "Häuser für die Ewigkeit" Sie waren aber Geheimnisträger, denn den "Dienern an der Stätte der Wahrheit" war ja die Lage der Pharaonengräber und ihrer Schätze bekannt, deshalb standen ihre Siedlungen unter Bewachung und wurden dem Wesir, dem zweitmächtigsten Manne im Lande unterstellt

die natürliche Pyramide, der Berg el-Qurn im Hintergrund

die Häuser des Dorfes von Qurna - oben die Beamtengräber

Ein Hauch von Ewigkeit umgibt die Stätte mit ihren 64 Gräbern. Wenn man im Tal der Könige steht und auf das gigantische, thebanische Felsmassiv blickt - den "el Qurn" als aufsteigende Felsnadel im Blick - fühlt man sich ein wenig wie in der Vorkammer zur "Ewigkeit".

Hier im Tal, in dem fast alle Pharaonen der 18. bis 20. Dynastie bestattet wurden, waren nur zehn Gräber zur Besichtigung geöffnet. Pharao Thutmosis I., der Vater Hatschepsuts, ließ als erster ein Grab bauen (Grab Nr. 38). Das Grab der Hatschepsut (KV 20), als eines der ältesten datiert, war geplant für die Pharaonin selbst und für ihren Vater. Es ist aber nicht auszuschließen, dass dieses Grab ursprünglich nur für Thutmosis I. gebaut und später von seiner Tochter Hatschepsut erweitert wurde.
Alle weiteren Herrscher, bis zu Ramses XI., der als letzter Pharao im Tal begraben wurde, nutzten das entlegene Tal als Begräbnisstätte. Eine Ausnahme bildeten nur Echnaton und sein direkter Nachfolger.

Am Ende der 20. Dynastie (um 1070 v. Chr.) wurde es immer schwieriger, das Tal vor Grabräubern zu schützen. Die Pharaonen beschlossen daher, den Ort nicht mehr als Begräbnisstätte zu nutzen. Ein Teil der königlichen Mumien wurde sicherheitshalber von den Priestern in verschiedene Gräber verbracht. Möglicherweise wurden hierbei auch die kostbaren Grabbeigaben sichergestellt und die Gräber als Schatzkammern ausgebeutet, zumal zu dieser Zeit die nubischen Goldminen bereits versiegt waren. (Quelle: Tal der Könige, Erik Hornung/Weltbild-Verlag 1995)

Erst in der 22. Dynastie (etwa 935 v. Chr.), als die Mumien in das berühmte "Versteck" von Deir el-Bahari umgebettet wurden, um sie vor Entweihung und Zerstörung zu schützen, fanden sie für lange Zeit (2800 Jahre) ihre Ruhe, bis dass dieses Versteck 1871 von modernen Grabräubern entdeckt wurde. 1881 wurden alle Mumien, Särge und sonstigen Reste nach Kairo verbracht. Viele der königlichen und privaten Gräber sind leider geschändet und beraubt worden, wie es aus mehreren Papyri über die Raubzüge in den Gräbern hervorgeht. (Papyrus Mayer B, Papyrus Salt 124 u. Papyrus Abbott)

Über viele Jahrhunderte waren nun die Gräber im Tal der Könige in Vergessenheit geraten und es herrschte Stille hier. Aber noch in ptolemäischer und römischer Zeit kamen schon viele Touristen auf dem "Weg des Re", wie man den Zugang zum Tal der Könige nannte, hier her und hinterließen in den leicht zugänglichen Gräbern Aberhunderte von Graffiti als Beleg ihrer Anwesenheit. Schon damals berichteten Menschen unterschiedlichster Kulturen, dass sie ergriffen waren vor Bewunderung.

Im Jahre 1922 wurde von dem Engländer Howard Carter das wohl berühmteste Grab im Tal der Könige entdeckt: das Grab Tutanchamuns (KV 62). Das Grab wirkt sehr bescheiden, verglichen mit den anderen Königsgräbern. Die Anlage ist unfertig geblieben und nur die Wände der Grabkammer wurden bemalt. 

Dieses war die einzige königliche Ruhestätte, die fast unberührt geblieben war, weil sein Eingang einst verschüttet wurde. Untersuchungen ergaben aber, dass auch hier zweimal Grabräuber eingedrungen waren, allerdings ohne große Beute zu machen. 

Howard Carter

Vorkammer des Grabes

Als wir in glühender Mittagshitze im Tal ankamen, strömten uns Trauben von Menschen entgegen, die aus Gräbern herauskamen oder hineinwollten.

das Tal der Könige

 Bergmassiv im Tal der Könige mit schmaler Straße

Pro Eintrittskarte konnte man drei Gräber besichtigen. Die Auswahl hatte unser Reiseführer für uns vorgenommen. Wer fotografieren wollte, brauchte für jedes Grab ein Fototicket
Unser Reiseführer erklärte uns, dass nur 10 Gräber pro Saison geöffnet würden. Das Grab des Kindpharaos Tutanchamuns war auch darunter, aber weil dafür ein Zusatzticket benötigt wurde, und weil sein überwiegender Inhalt im Museum von Kairo ist, haben wir es nicht besucht.

Ständige Besucherströme haben leider dazu geführt, dass einige der schönsten Gräber bereits so stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, dass man sie zeitweilig schließen musste. Die Wandmalereien in den Gräbern, sind während der Jahrtausende relativ gut erhalten geblieben, werden aber durch die Touristenanstürme der letzten Jahrzehnte mehr und mehr bedroht. Indem man die Besucherströme in andere Gräber lenkte, hat man nun diese der allmählichen Zerstörung preisgegeben. 

Seit einiger Zeit werden Schutzmaßnahmen zum Erhalt dieser Sehenswürdigkeiten aus dem Neuen Reich (ca. 1550-1070 v. Chr.) ergriffen. Seit November 2002 gelten für Touristen einschneidende Einschränkungen für die Besichtigung der Gräber im Tal der Könige. So ist es jetzt für die Reiseführer strikt untersagt, innerhalb der Grabanlagen, Erklärungen und Erläuterungen zu diesen abzugeben, um die Verweil-Dauer in den Gräbern zu verringern und damit die Wandmalereien vor Feuchtigkeit zu schützen. Schweiß und Atem zerstören langfristig die natürlichen Farben.  Alle Informationen hinsichtlich der Gräber müssen nun außerhalb vor- oder nachher gegeben werden. Außerdem besteht für alle Gräber im Tal der Könige und auch inzwischen im Tal der Königinnen ein totales Fotografierverbot. Allerdings ist es wohl möglich,  in gewissen Gräber zu bestimmten Zeiten durch ein sogenanntes Bakschisch weiterhin Fotos zu machen, natürlich ohne Blitz!

Zitat Dr. Zachi Hawass, Chef der SCA:"In 100 Jahren werden unsere antiken Monumente kollabiert sein. Nicht durch ein Erdbeben, sondern durch den Tourismus." 

 

Pharao Tutanchamun in seinem Sarkophag im Tal der Könige
(Da es keine Bilder aus seinem Grab gibt, ersatzweise hier eines von einer Postkarte)


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