Hamburger Hafen
und Kirchen

Buxtehude

Stade

Amberg

Hamburg - "das Tor zur Welt" - die Schöne im hohen Norden. Ganz unhanseatisch klingen diese Schlagzeilen, denn die hanseatische Lebensart zeichnet sich durch "feine Zurückhaltung" aus. Doch ganz unterdrücken können auch die Hamburger ihren Stolz auf die schöne Stadt an der Elbe nicht! Und das zu Recht, denn Hamburg bietet seinen Besuchern Stadtleben pur, Kultur und Vergnügen satt, dazu Naturerlebnisse durch vielfältige Grün- und Wasseranlagen. 

Hamburg ist nicht nur das Tor zur Welt, sondern sie war schon immer ein Magnet für die vielen Einwanderungen, denn das Wort "Weltoffenheit" hat hier noch Tradition. Bereits im 16. Jahrhundert flohen protestantische Holländer vor den Religionskriegen nach Hamburg, welches ihnen Glaubensfreiheit zusicherte. Es folgten portugiesische Juden und französische Adlige.

Das Stadtbild zeigt vor allem Internationalität, wie man an dem im italienischen Flair gestalteten Rathausmarkt unschwer erkennen kann. Nicht nur allein wegen der vielen Fleete und Brücken, sondern auch an den von Alexis de Chateauneuf gestalteten Alterarkaden entlang der Kleinen Alster. Diese sind dem Bauplan des Markusplatzes in Venedig nachgestaltet.

Geschichte Hamburg

  831    n. Chr.  Der Mönch Ansgar wird von Kaiser Ludwig dem Frommen als Bischof über das neugegründete Bistum Hamburg eingesetzt. Der Hauptsitz der kirchlichen Herren ist die Hammaburg, die sich südlich der heutigen Hauptkirche St. Petri befand. Die Burg hatte schon den Sachsen und dem Frankenkaiser Karl als Stützpunkt gedient. Der Bischof Ansgar hatte die Aufgabe, die Gebiete nördlich der Elbe zu missionieren.
1186 / 87 Der weltliche Herrscher über Hamburg, Adolf III. von Schauenburg lässt Kaufleute unterhalb seiner Neuen Burg eine Kaufmannsstadt anlegen.
1189 Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) erteilt der Stadt Privilegien wie Zollfreiheit für Handel und Schifffahrt. Es stellt sich zwar später heraus, dass diese auf den 7. Mai datierte Urkunde eine Fälschung war, trotzdem wird heute an diesem Datum der Hamburger Hafengeburtstag gefeiert.
1230 Das Flüsschen Alster wird durch eine Wassermühle, mit der Korn aus dem Umland gemahlen wird, gestaut. Die Alterniederung wird überschwemmt und dadurch entstehen Binnen- und Außenalster.
1241 Durch ein Bündnis mit der mächtigen Ostseehafenstadt Lübeck beginnt die Geschichte der Hanse. Hamburg ist Nordseehafen für Lübeck und wichtigster Umschlagplatz für die westlichen Länder und das Binnenland.
1401 Der Seeräuber Klaus Störtebeker wird in Hamburg  hingerichtet.
1510 Hamburg wird vom Reichstag als reichsfreie Stadt bestätigt. Sie ist ab jetzt nur noch dem Kaiser unterstellt.
1626 Das mächtige Festungswerk mit seinen 9 Meter hohen Mauern, ausgebaut mit 21 Bastionen, ist fertig und schützt in den kommenden Jahrhunderten, auch während des 30jährigen Krieges, die Stadt.
1664: Die Stadt Altona, die bis 1867 von den Dänen beherrscht wird, wird von diesen zur Stadt ernannt, um ein Konkurrenzstadt zu Hamburg aufzubauen.
1712 Bis Februar 1714 sterben rund 10.000 Einwohner der Stadt an dem schwarzen Tod, der Pest. Es ist das letzte Mal, dass Hamburg von ihr heimgesucht wird.
1768 Durch den sogenannten Gottorper Vergleich wird Hamburg endgültig von den Dänen als von Holstein unabhängige "Kaiserlich Freye Reichsstadt" anerkannt.
1806 Die Truppen Napoleon Bonapartes besetzen das neutrale Hamburg. Es beginnt die Zeit der französischen Besatzung, welche die Hafenstadt an den Rand des Ruins bringen sollte. Erst am 30. Mai 1814 ziehen die französischen Truppen wieder ab.
1815 Nach dem Zerfall des alten deutschen Reiches ist Hamburg ein souveräner Staat innerhalb des Deutschen Bundes und nennt sich ab 1819 "Freie u. Hansestadt Hamburg."
1842 In der Deichtorstraße bricht am 5. Mai der Große Brand aus. Das Feuer wütet bis zum 8. Mai und zerstört weite Teile der Innenstadt.
1867 Hamburg tritt in den Norddeutschen Bund ein und verzichtet dabei zwar weitgehend auf seine Autonomie als Staat, erhält dafür aber ein Freihafengebiet garantiert und somit  Rückhalt für seinen Welthandel.
1919 Das erste demokratisch gewählte Parlament wird eröffnet. Aufgrund des Versailler Vertrages muss Hamburg den größten Teil seiner Handelsflotte abliefern.
1937 Am 1. April ergeht ein Groß-Hamburg Erlass. Altona, Wandsbek, Harburg und Wilhelmsburg kommen zur Hansestadt, dafür geht der alte Hamburger Besitz Cuxhaven an die Provinz Hannover.
1943 Das Arbeiterviertel des Hamburger Ostens wird durch einen Feuersturm zerstört. 35000 Menschen fallen der "Aktion Gomorah" zum Opfer. 
1945 Hamburg kapituliert am 3. Mai und wird von den Briten besetzt.
1949 Hamburg wird selbstständiges deutsches Bundesland.
1962 Durch eine Sturmflut am 16/17. Februar werden 1/6 des Hamburger Staatsgebietes überschwemmt.  315 Menschen sterben, 20.000 werden evakuiert.
1981

Angehörige der alternativen Szene besetzten Häuser in der Hafenstraße

2001 Die CDU stellt erstmals seit 1946 in Koalition mit der Partei Rechtstaatlicher Offensive (PRO) und der FDP den 
1. Bürgermeister (Ole von Beust)
2002

Hamburg unterliegt Leipzig bei der Entscheidung, welche Stadt sich als Austragungsort der Olympischen Spiele 2012 für Deutschland bewirbt.

2004 Nach den Neuwahlen am 29. Febr. 2004, die nach dem Auseinanderbrechen der PRO im Dez. 2003 und der Aufkündigung der Koalition durch den 1. Bürgermeister nötig waren, regierte die CDU mit absoluter Mehrheit die Stadt. 
2008 Da die Wahlen zur Bürgerschaft am 24. Febr. 2008 zu keinem klaren Ergebnis für eine Mehrheit innerhalb des klassischen Lagers führten, hat sich eine schwarz-grüne Koalition (CDU-GAL) gebildet, die damit die erste schwarz-grüne Landesregierung in Deutschland stellt.
1. Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg bleibt Ole von Beust, den 2. Bürgermeister stellt mit Christa Goetsch, die GAL-Partei.
2011 Seit März 2011 ist Olaf Scholz (SPD) Bürgermeister der Freien u. Hansestadt Hamburg. In der Hamburgischen Bürgerschaft verfügt die Regierungspartei über 62 der insgesamt 121 Sitze.

 

die "Hammaburg"

Als die eigentliche Keimzelle der heutigen Stadt Hamburg gilt der Hamburger Domplatz. Lange Zeit war die Forschung sich nicht einig, ob der Domplatz (am Speersort) auch als ursprünglicher Standort der für die Namensgebung stehenden "Hammaburg" stand. Bei Ausgrabungen auf dem jetzigen Domplatz wurden in den Jahren um 1980 zwei konzentrische Gräben entdeckt, die man als eine Wehranlage ansah, wobei man allerdings keinerlei Spuren einer Innenanlage und einer zusätzlichen Sicherung durch Wall oder Palisade fand. Die C 14-Daten und die gefundenen Keramikfragmente sprachen für eine Entstehungszeit im 7. Jahrhundert und eine Einplanierung im 8. Jahrhundert. Lt. der Forscher ist diese Datierung aber zu alt für die historisch belegte Hammaburg des 9. Jh. 

Anhand von neueren Grabungsergebnissen aus den Jahren 2005-2006 kam man aber nun zu der Erkenntnis, dass der innere Graben älter ist als der äußere und man es hier mit zwei aufeinanderfolgenden Bauwerken zu tun hatte. Der ältere Befestigungswall wurde im 8 Jh. errichtet und um 800 eingeebnet.

                                          Keramik-Funde um 800 n. Chr.
Fundort;
1) Hamburg-Altstadt, Domplatz   (kleiner Topf und Scherben)
                2) Ketzendorf, Kreis Stade/Niedersachsen  (Großer Topf)
Foto: Archäologisches Museum Hamburg, Helms-Museum  / Margret Pirzer

Zahlreiche Keramikscherben, die für die Zeit um 800 typisch sind,  stammen aus dem Graben der Hammaburg I., was eine Datierung für die Auffüllung des Grabens um 800 möglich macht. 

Wahrscheinlich umschloss diese, als Hammaburg I. bezeichnete Anlage, einstmals das Anwesen eines Adligen der sächsischen Führungselite, welches von weiteren Wirtschafts- und Wohngebäuden umgeben war. Diese Anlage lag sehr günstig auf einem Geestsporn im Mündungsdreieck zwischen Alster und Elbe.

Anhand der neuesten Erkenntnisse der Archäologen des Hamburger Helms-Museums aus dem Jahre 2007 wissen wir, dass die frühere Hammaburg höchstwahrscheinlich  nicht auf dem Domplatz stand. Zwar fanden sich Reste einer Befestigungsanlage auf dem Domplatz mit verschiedenen Ausbausphasen, die aber lt. der C-14-Datierung in das ausgehende 9. und 10 Jahrhundert gehören. Neue Erkenntnisse über die gefundenen Reste der ausgegrabenen Befestigungsanlage fanden sich erst 7 Jahre später. Diese Wehranlage stammt nicht - wie angenommen, aus dem 6. und 7. Jahrhundert, sondern aus dem 8. Jahrhundert - und doch könnte es sich dabei lt. Museumsdirektor Rainer Maria Weiss um die "Hammaburg" handeln (Quelle: Zitat Bild-Zeitung Hamburg v. 30. 10. 2014). Die historischen Funde werden in der Ausstellung "Mythos Hammaburg" im Archäologischen Museum Hamburg-Harburg gezeigt, die vom 31. 10. 14 bis 26. 4. 2015 läuft.

Zitat Rainer-Maria Weiss in Bild-Zeitung Hamburg v. 30.10.14: "Hamburg wurde nicht gegründet, weder von Karl dem Großen, noch von Ludwig dem Frommen, sondern Hamburg entstand in wunderbarer geografischer Lage an der Mündung zwischen Alster und Elbe."

Zu der Zeit als Ansgar von Bremen unter Ludwig dem Frommen im Auftrage der fränkischen Kirche in den Norden geschickt wurde und während dieser Zeit - wie allgemein bislang dargestellt - die Siedlung "Hamburg" gründete, gab es dort bereits eine kleine Ansiedlung, welche daher von Beginn an, ein Handelsplatz war und keine kirchliche Gründung.

Schon 810/11 n. Chr. ließ Karl der Große zwischen den Flüssen Bille und Alster eine kleine Taufkirche errichten und unterstellte sie dem Priester Heridag (Quelle: dt. Wikipedia), dessen Hauptaufgabe es war, die Christianisierung des noch heidnischen Nordens (Schleswig-Holstein, Dänemark und Skandinavien) voranzutreiben. Zur Sicherung der Taufkirche und der kleinen Ansiedlung und ihrer Bewohner erbaute man eine kleine kreisrunde Wallanlage, die nach Osten hin durch einen 300 m langen Wall verschlossen wurde. Somit war die frühe Ansiedlung nach Norden und im Westen durch die Alster, im Süden durch die Elbe und im Osten durch den sog. "Heidenwall" geschützt. Mit einem Abstand von 5,50 m lag ein mit Wasser gefüllter Graben vor dem Wall, auf dem wiederum sich eine Palisade aus 50 cm dicken Holzpfosten befand. So umschloss der Wall die Hammaburg nicht völlig, sondern schützte sie nur nach Osten hin. Dieser sog. "Heidenwall" bestand bis ca. 1200, danach wurde er im 13. Jh. aufgrund des Stadtmauerbaus und der sich ausdehnenden Stadt Hamburg abgetragen. Dass es auf diesem Wall Palisaden gab, konnte anhand der gefundenen Pfosten mit bis zu 50 cm Durchmesser nachgewiesen werden (Quelle: http://burgenarchiv.de/burgen/hamburg-hh) .

Hinter dem 300 m langen "Heidenwall" lag auf einer Insel die so genannte spätere "Hammaburg", die 40 bis 50 Menschen Zuflucht bot und eine Größe von ca. 130 m x 130 m mit einem ovalem Ringwall besaß. Vermutlich bestand sie aus Plankenwerk, welches man mit Erdreich angefüllt hatte. Die sie umgebenden Wälle waren ca. 5 bis 6 m hoch und 15 m breit. Während die Hammaburg zerstört wurde, blieb die Wallanlage erhalten. Erst im 12. Jahrhundert blühte die Siedlung rund um die Hammaburg wieder auf, als sich der Handel von der Ost- zur Nordsee verlagerte.

Namentlich dokumentiert wurde der Name "Hammaburg" aber erst 832, wobei die Herkunft des Namens nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte. Einer Version nach soll der Name darauf zurückzuführen sein, dass diese frühe Wehrburg auf den Ruinen des sächsischen Dorfes Hamm erbaut worden sei - den neueren Forschungsergebnissen nach soll sich der Name aber aus dem altdeutschen "Hamme" ableiten ("Hamme" steht für einen geschützten, von einem unwegsamen Gelände - wie einem Moor - umgebenen Geesthang). Im Falle der ersten Hamburger Siedlung sei dieser Geesthang durch natürliche Gegebenheiten so gut geschützt gewesen, dass die Bewohner ihn als "Hammaburg" bezeichnet, wobei eine tatsächliche Burg somit zunächst gar nicht existiert hätte.

Die Hammaburg und Bischof Ansgar:

Zum Zeitpunkt der Ankunft Ansgars in der Hammaburg (834 n. Chr.), war diese eine fränkische Grenzfestung, welche in den Jahren 817-822 n. Chr. gegen das damals mächtige Dänemark als Befestigung ausgebaut worden war. Ein sächsischer Graf, der evtl. aus dem alten Adelsgeschlecht der Billunger stammte, wirkte in der Hammaburg als sächsischer Stadthalter - stand aber unter fränkischer Oberhoheit. Dank der "Vita Anskarij" - einem Bericht über das Wirken Ansgars, der aus der Feder eines seines Schüler Rimbert von Bremen stammte, wurde uns der Name des sächsischen Stadthalters, Graf Bernhard, der in der Hammaburg zur Zeit des Wikingerüberfalls die Befehlsgewalt innehatte, überliefert. 

Heute wissen wir nun, dass der Ort "Hammaburg" schon vor der Ankunft von Ansgar ein wichtiger Handels- und Grenzort war. Als Missionsstandort stieg er zum zentralen Ort in der ganzen Region von Nord-Elbien auf, der nun eine befestigte Burg, eine Kirche, eine dazugehörige Siedlung mit einem Handelsplatz und sogar einem kleinen Hafen mit einem Gelände für die Schiffe und einem Ufermarkt besaß. 

Zwar wurden bei den ersten Ausgrabungen auf dem Domplatz im Jahr 1945 vier besonders große Kantholzpfosten entdeckt, die man gleich als Reste der Ur-Kirche unter Bischof Ansgar interpretierte, da sie genau in der Flucht des späteren gotischen Dombaues lagen, doch ergaben die neueren Forschungen, dass sie die Holzfragmente jüngeren Datums sind und zu einer Holzkirche gehörten, die Erzbischof Unwan in den Jahren um 1020 n. Chr. errichten ließ, womit dieser Dombau, der erst nach der Zerstörung der Hammaburg III. auf dem Burgareal entstand, der älteste auf dem Domplatz nachgewiesene Kirchenbau ist. Spuren der unter Bischof Ansgar erbauten Kirche wurden bis heute nicht gefunden - es besteht aber die Vermutung, dass ihre Reste auf dem Areal unter der Hauptkirche St. Petrie liegen und damit unmittelbar nördlich der Hammaburg.

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Der Benediktiner-Mönch Ansgar (801 - 865) - auch Anskar oder Anschar - der sich zu dieser Zeit auf Einladung des schwedischen Königs Björn pa Haga seit 829 in Birka, einem bedeutenden Handelsplatz der Wikingerzeit befand, wo die erste Kirche in Skandinavien entstanden war, wurde 831 von Kaiser Ludwig dem Frommen, dem Sohn und Nachfolger Karls des Großen, zurückgerufen und mit der Gründung und Leitung des neuen Erzbistum Hamburg beauftragt, nachdem er von Drogo von Metz zum Bischof geweiht wurde. Ein Jahr später erhielt Ansgar von Papst Gregor IV. den Titel Erzbischof und damit wurde die Errichtung Hamburgs als Erzbistum von päpstlicher Seite bestätigt. Mit Hilfe von Ludwig des Frommen gründete Erzbischof Ansgar in der Hammaburg eine Schule und ein Kloster und ließ eine dreischiffige, hölzerne Marienburg errichten und nutzte nunmehr die Ansiedlung um die sog. "Hammaburg" als Ausgangspunkt für seine Bekehrungsaktivitäten der germanischen Stämme im Norden, mit dem Auftrag die gesamte Region zwischen Elbe und Alster zu kontrollieren.

Die Wikinger erreichten 845 - über die Elbmündung kommend - stromaufwärts die Ansiedlung "Hammaburg", die sich inzwischen zu einer kleinen Stadt entwickelt hatte, um zu plündern und brandschatzen. Auch das Bistum Schweden wurde vernichtet. Bischof Ansgar und einige der Bewohner der "Hammaburg" konnte nur mit knapper Not entkommen. Nach der Verwüstung zogen die Wikinger wieder ab, aber die Ansiedlung "Hammaburg" konnte sich nach diesem Ereignis lange Zeit nicht erholen und führte nur ein Schattendasein. 

Das Erzbistum Hamburg wurde 848 n. Chr. mit dem Bistum Bremen zum "Bistum Bremen" mit Sitz in Bremen, vereinigt, wobei in Hamburg ein nur mit wenigen Rechten ausgestattetes Domkapitel als lokale Vertretung des Bischofs weiterbestand. Nach einigen Vorgängerbauten wurde diese "Dom-Kirche" im 13. Jahrhundert zu einer mächtigen Kirche im gotischen Stil ausgebaut. Der "Hamburger Dom" war namensgebend für das gleichnamige Volksfest, da dieses zur Zeit seiner Entstehung neben dem Dom begangen wurde.

Ansgar wurde von Ludwig dem Frommen zum Bischof von Bremen ernannt, wo er Spitäler errichtete, Gefangene freikaufte und sich für die Abschaffung des Sklavenhandels einsetzte. 

Bischof Ansgar

Allgemein bekannt wurde die Hammaburg durch den Bischof Ansgar von Bremen (801-865 n. Chr., auch Anskar oder Anschar, Geburtsdatum ist allerdings umstritten), der ursprünglich ein Mönch des Benediktiner-Ordens war, später dann Erzbischof von Hamburg und Bremen und Missionsbischof für Skandinavien. 

(Bild: Archäologisches Museum Hamburg, Helms-Museum  / Margret Pirzer)

Als Quelle für den Angriff der normannischen Wikinger auf die Hammaburg an der Elbe dient uns der Bericht aus der Feder des Erzbischofs "Rimbert von Bremen", der ein Schüler von Ansgar war, in dem er uns das Leben und Wirken seines Amtsvorgängers, dem später heilig gesprochenen Missionars und Bischofs Ansgar von Bremen berichtet. Die "Vita Anskarii" ist die einzige Quellenangabe über die alte Hammaburg, welche aber aus wissenschaftlicher Sicht durchaus glaubwürdig ist, da der Erzbischof Rimbert von Bremen kurz nach Ansgar lebte. 

Obwohl Rimbert in seiner Chronik in einer dramatischen Schilderung die unzureichende Verteidigung und die große Übermacht der angreifenden Wikinger schilderte, was lt. der Chronik eine dreitägige Brandschatzung und Zerstörung der Hammaburg zur Folge hatte, fanden sich bei den Ausgrabungen auf dem gesamten Siedlungs-Areal der einstigen Hammaburg nur wenige Brandspuren wie Lehmbrandrest, Holzkohleschüttungen und Steine, die feuergeschwärzt waren und von den Feuerstellen der Siedlungsbewohner stammen dürften. Diese archäologischen Spuren dürfte aber nicht als Nachweis für eine dreitägige Brandschatzung ausreichen. Dennoch müssen die Zerstörungen gravierend gewesen sein, denn die Befestigungsanlagen und der große Graben der Hammaburg wurden danach zugeschüttet und einplaniert.

  

Schwerter des frühen Mittelalters

1) oberes Schwert:  725-800 v. Chr.)
   - Fundort: Lühesand, Krs. Stade, Niedersachsen -
2) unteres Schwert: 9. Jh.
    -Fundort:  Hamburg-Bergedorf -
6-7) Axtköpfe,      9.-11. Jahrhundert / Fundort: Haithabu/Schleswig-Holstein
8-9) Schildbuckel, 9-11. Jahrhundert / Fundort: Haithabu/Schleswig-Holstein

Mit Schwertern wie diesen beiden wurde der Kampf um die Hammaburg im Jahre 845 ausgetragen. Das Schwert (1) aus der Elbe besitzt eine aufwendig damazierte Klinge - Parierstange und Knauf  des Schwertgriffes tragen Ziernähte und sind mit einem Kreuzmuster versehen. Das  Schwert mit der Nr. 2 stammt aus einem Kriegergrab und besitzt eine kräftig polierte Knaufkrone. 

1. Stiftung historische Museen Hamburg - Museum f. Hamburgische Geschichte

(Bild: Archäologisches Museum Hamburg, Helms-Museum  / Margret Pirzer
Text: Informationstafel am Objekt)

Obwohl die Ansiedlung Hammaburg nach dem Wikinger-Überfall 845 über längere Zeit darniederlag, wurde auf dem einstigen Burgareal und im weiteren Umfeld dennoch weiterhin gesiedelt und gebaut. Eine neue, noch mächtigere Befestigungsanlage, die aus einem Wall und einem Graben bestand, wurde nun errichtet - die Hammaburg III. Weiterhin wurde eine künstliche Aufschüttung des Flussufers unterhalb der Hammaburg in Angriff genommen. Diese künstliche Anhöhe wurde mit einem gestaffelt angelegten Flechtwerkbau und kaiartigen Holzeinbauten befestigt. Parallel dazu wurden einige kleinere Blockhäuser gebaut.

Zu dieser Zeit dehnte sich erstmals die Besiedlung au das gegenüberliegende Ufer, der sogenannten "Reichenstraßeninsel" aus, wo später ein Ufermarkt neben dicht beieinander erbauten Flechtwandhäusern entstand. Das  hatte zur Folge, dass zu beiden Seiten des Ufers die ersten Anfänge einer Hafenanlage entstanden.  

Im Nordseeraum entstanden im frühen Mittelalter wichtige Handelsplätze, die auch überregionale Bedeutung hatten und meist im Einflussbereich der großen Flüsse und Handelsstraßen lagen. Die Verwaltung dieser Handelsplätze befand sich zumeist innerhalb einer befestigten Burg- oder Wehranlage. Ab dem 9. Jahrhundert war auch die Hammaburg solch ein Handelsplatz, wo Handwerk - wie Metallverarbeitung, Knochenschnitzerei und Tuchherstellung - und Handel blühte. Zeugnisse hierfür waren die Funde von Gustiegel, Geweih- und Knochenabfälle und Webgewichte. Aber auch Waren aus anderen Regionen gelangten hierher: aus dem Rheinland wurde Drehscheibenkeramik importiert - auch slawische Keramik aus dem Osten wurde nun in der Hammaburg gehandelt, ebenso Basalt-Mühlsteine aus der Eifel und Feinkeramik aus dem fränkischen Süden.

Spätsächsische Keramik 9-12. Jahrhundert
- gefunden bei den Ausgrabungen in der Hamburger Altstadt -

Diese Gefäße könnten als Handelsware oder als Transportgefäß für einen wertvollen Inhalt in die Hammaburg gekommen sein . oder auch aus einer evtl. Ansiedlung slawischer Töpfer-Handwerker stammen.

Von einer Tonlampe aus England (900-1050), die aus Muschelgrus-Keramik hergestellt wurde, hat sich nur noch der massive Fuß erhalten. Gefunden wurde das Stück in der Hamburger Altstadt/Schauenburgerstr.-Ecke Pelzerstraße. Solche Lampen waren auf dem Kontinent nicht bekannt und so dürfte das Hamburger Exemplar evtl. aus Südost-England importiert worden sein.

                      Keramik vom Badorfer Typ
  - linkes Gefäß:  aus Tiel/Niederlande
  - rechtes Gefäß: Hamburg-Altstadt

Die zumeist hellen Gefäße wurden auf der Drehscheibe hergestellt und oft mit Hilfe eines Rollstempels verziert. Diese Erzeugnisse rheinländischer Töpfereien wurden vor allem nach Nord- und Nordwesteuropa importiert.

 

 

 

 

Bild: Archäologisches  Museum Hamburg-Harburg, Ausstellung "Mythos Hammaburg". Fotograf: Margret Pirzer Bild: Archäologisches  Museum Hamburg-Harburg, Ausstellung "Mythos Hammaburg". Fotograf: Margret Pirzer

Unerwartet wurden bei den Ausgrabungen auf dem Domplatz nach und nach 15 Fragmente eines gotischen Grabmahls von Papst Benedikt V. (geboren in Rom - † 4. Juli 965 oder 966 in Hamburg) entdeckt., die nach Vergleichen mit einem Kupferstich aus dem Werk "Rerum Hamburgensium" des Historikers und Bibliothekars Peter Lambeck (1628-1680) aus dem Jahr 1661 eindeutig identifiziert werden konnten. Das Kenotaph wurde schon im 18. Jahrhundert zerstört und unter dem Bauschutt des Mariendoms vergraben - so ist nun die  Entdeckung der Kenotaph-Fragmente bei den neuen Ausgrabungen ein Glücksfall für die Archäologie. Auf der Frontplatte der gefundenen bemalten Fayence-Tafeln befindet sich eine idealisierte Darstellung von Papst Benedikt V. in Lebensgröße, umrahmt von Ritter- und Heiligendarstellungen. 

Benedikt war der Sohn des Römers Johannes aus der Regio Marcelli und war vom 22. Mai bis zum 23. Juni 964 Papst der katholischen Kirche. Benedikt galt als gelehrsamer Mann, was ihm den Beinamen Grammaticus einbrachte. Er wurde vom römischen Patriziat 964 nach dem Tod von Papst Johannes XII. zunächst zum Papst gewählt, aber schon Ende Juni 964 von Kaiser Otto I. nach der Eroberung Roms abgesetzt und von den Römern auf der Synode als Gefangener vorgeführt. Nach seiner Verbannung aus Rom wurde er zum Diakon degradiert und unter der Aufsicht des ebenfalls in Rom anwesenden Hamburger Erzbischofs Adaldag als dessen Gefangener nach Hamburg mitgenommen. Trotz der respektvollen Behandlung durch Adaldag fühlte sich Benedikt im kalten Norden nicht wohl und prophezeite, dass die Stadt Hamburg - solange seine Gebeine hier ruhen würden - zerstört und verwüstet werden würde und wilde Tiere in den Trümmern hausten. Schon kurze Zeit nach seiner Ankunft in der Hammaburg verstarb Benedikt (4. Juli 965 - nach anderen Angaben 966) und sein Leichnam wurde auf Anordnung Ottos III. nach Rom gebracht. Die Hamburger errichteten ihm ein Denkmal, welches sich mit dem leeren Grabmal (Kenotaph) noch bis 1805 im Hamburger Mariendom befand (Quelle: dt. Wikipedia / Benedikt V.)

 Fragmente eines gotischen Grabmahls von Papst Benedikt V.

          das Werk "Rerum Hamburgensium"
Bild: Archäologisches  Museum Hamburg-Harburg, Ausstellung "Mythos Hammaburg"/ Leihgabe Museum für Hamburgische Geschichte
Fotograf: Margret Pirzer
Bild: Archäologisches  Museum Hamburg-Harburg, Ausstellung "Mythos Hammaburg". Leihgabe Museum für Hamburgische Geschichte
Fotograf: Margret Pirzer

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Im späten 10. und auch im 11. Jahrhundert hat die Ansiedlung rund um die Hammaburg unter mehreren verheerenden Slawenüberfällen zu leiden, wie aus dem ausgeprägten Brandschichten in den Bodenlagen unterhalb der Hammaburg und rund um das einstige Hafenufer klar hervorgeht. Die Hammaburg war als Missionsstützpunkt und Erzbistumssitz natürlich besonders gefährdet. Als Reaktion auf diese Überfälle wird die Hammaburg III. gegen Ende des 10. Jahrhunderts massiv ausgebaut. Zwischen 1043 und 1101 führten die einflussreichen Erzbischöfe Adelbert und Liemar die Geschicke des Erzbistums Hamburg-Bremen und die Hammaburg war während dieser Zeit eng verbunden mit der Weltpolitik der Päpste, Kaiser und Könige und erreichte seine größte räumliche Ausdehnung, da Adelbert und Liemar ein sehr enges Verhältnis zu König Heinrich IV. hatte.

            Keramikfunde
- aus den Grabungen in der "Neuen Burg" -

1 + 2) Topf u. Scherben linke Seite: 11. Jh.
3 + 4) Topf u. Scherben rechte Seite: 13-14 Jh.
- Fundort 1+3) Hamburg-Neustadt, Neue Burg
- Fundort 2+4) Hamburg-Altstadt
Keine der Scherben ist älter als in das 11. Jh. zu datieren, womit eindeutig ist, das die Neue Burg nicht vor dem 11. Jh. errichtet wurde.

Bild: Archäologisches  Museum Hamburg-Harburg, Ausstellung "Mythos Hammaburg"

Fotograf: Margret Pirzer

 

        Das Hamburger Domgeläut
11. Jahrhundert - Domplatz/Altstadt

Bei den Ausgrabungen auf dem Domplatz wurden die Reste einer Glockengussgrube aus dem 11. Jh. gefunden. Der Befund war so gut erhalten, dass man zwei der Glocken in der Glockengießerei Rincker in Sinn (Hessen) originalgetreu restauriert und nachgegossen werden konnten. Die hier gezeigte kleinere Glocke hat ein Gewicht von 155 kg bei einem Durchmesser von 62,8 cm. Die Wandstärke der Glocke beträgt bis zu 16mm - ihr Schlagton hat die Höhe "d".

Bild: Archäologisches  Museum Hamburg-Harburg, Ausstellung "Mythos Hammaburg" Fotograf: Margret Pirzer

 

die sog. "Bischofsburg":

Im Jahre 1962 wurden - im Rahmen der Wiederaufbauarbeiten nach dem 2. Weltkrieg damit begonnen, das Eckgrundstück Kreuslerstr./Speersort vom Trümmerschutt zu befreien. Überraschenderweise stieß man dabei auf die Überreste eines gewaltigen Steinrings, der aus Findlingen mit einem äußeren Durchmesser von 19 m gebildet wurde. Im Westen schloss sich ein kleinerer Steinring an, der sich als gemauerter Brunnenschacht entpuppte und noch über 4 Meter in die Tiefe reichte. Die Reste des Fundamentes  sind heute für die Öffentlichkeit zugänglich (Außenstelle des Archäologischen Museums Hamburg - Eintritt frei, Mo-Fr. 7-19 Uhr und Sa. 7-18 Uhr - Ort: St. Petri-Hof, Domplatz, Ecke Speersort) 

Zuerst nahm man an, dass es sich bei hierbei um das "steinerne Haus" des Erzbischofs Bezelin-Alebrand aus dem 11. Jahrhundert handelte. Dieses Gebäude wurde in der von Adam von Bremen 1074 verfassten Hamburger Kirchengeschichte erwähnt. Die Ausgrabungen des Archäologischen Museums Hamburg und weitere Funde in unmittelbarer Nähe im Jahre 2008 widerlegten diese Annahme - auch die Datierung musste korrigiert werden und daher kamen die Forscher zu der Erkenntnis, dass es sich vermutlich um den Teil einer Befestigungsanlage handelt. 

Die Untersuchungen der Umgebung, die aufgrund eines weiteren Neubaus der St. Petrie-Gemeindezentrums, möglich wurden, ergaben, dass das Turmfundament zeitgleich mit einem westlich vorgelagerten Graben bestanden hat und sich unmittelbar hinter dem sog. Heidenwall, der ersten bekannten Stadtbefestigung Hamburgs, befand. Auch die Datierung wurde nun auf das 12. Jahrhundert korrigiert. Neuere Interpretationen der Funde sind, dass es sich bei diesem Fundament evtl. um den nördlichen Turm des ältesten Hamburger Stadttores handelt - dessen bildliche Darstellungen evtl. auf dem Hamburger Stadtwappen zu sehen ist.

(Quelle: dt. Wikipedia - Bischofsburg und Informationsseite des Archäologischen Museums Hamburg  - hier -   )

          Die sog. "Bischofsburg"
         
Modell: Maßstab 1 : 75
Das Modell zeigt eine Rekonstruktion des Steinfundaments der sog. "Bischofsburg". Zusammen mit einem gleichen Turm auf der anderen Seite der Steinstraße dürfte die vermeintliche Bischofsburg Teil des ältesten Hamburger Stadttors aus dem 12. Jahrh. gewesen sein. Das Fundament mit einem Durchmesser v. ca. 19 m ist der älteste erhaltene Bau Hamburgs und kann in der Außenstelle des Archäologischen Museums Hamburg besichtigt werden. (Eintritt frei)
       (Informationstext am Objekt)
Bild: Archäologisches  Museum Hamburg-Harburg, Ausstellung "Mythos Hammaburg" Fotograf: Margret Pirzer

Auf dem Hamburger Stadtwappen befindet sich die Darstellung eines solchen doppeltürmigen Tores und erscheint so bereits auf dem ältesten bekannten Stadtsiegel von 1304.

1) Erstes Hamburger Staatssiegel (Replik)
     - Archiv der Hansestadt Lübeck - 1241

2) Zweites Hamburger Staatssiegel (Replik)
     - Freie und Hansestadt Hamburg 
      Kulturbehörde, Archiv - 1253-55

 

Bild: Archäologisches  Museum Hamburg-Harburg, Ausstellung "Mythos Hammaburg" Fotograf: Margret Pirzer
Das 1. Hamburger Staatssiegel ist nur in einem einzigen Abdruck erhalten. Seine Tortürme sind weitgehend dem rekonstruierten Grabungsbefund der Bischofsburg nachempfunden - als Nordturm des ältesten Hamburger Stadttores. Das 2. Hamburger Staatssiegel fand wenige Jahre später ab 1253 Verwendung. und ist in mehreren Abdrücken erhalten.

 

Dritte Hamburger Staatssiegel 
mit Originalurkunde 1264

Das 3. Hamburger Staatssiegel wurde wurde ab 1264 verwendet. Sein Motiv unterscheidet sich nur geringfügig von seinem Vorgänger. Hier hängt es an einer Urkunde, mit der Vogt und Rath zu Hamburg den Kaufleuten von Hannover sicheres Geleit innerhalb des Gebietes der Stadt Hamburg zusichern. 

(Staatsarchiv Hannover) 
Textquelle: Informationstafel am Objekt

Bild: Archäologisches  Museum Hamburg-Harburg, Ausstellung "Mythos Hammaburg" Fotograf: Margret Pirzer

 

                   Viertes Hamburger Staatssiegel - vor 1304
Das 4. Hamburger Staatssiegel unterscheidet sich kaum von seinen Vorgängern. Von ihm ist aber der qualitätvoll gefertigte Siegelstempel erhalten geblieben, der noch bis 1810 verwendet wurde. Nach seiner Auslagerung im 2. Weltkrieg wurde das 4. Hamburger Staatssiegel 1945 entwendet und tauchte im Antiquitätenhandel wieder auf. Die Stadt Hamburg klagte erfolglos auf eine Herausgabe, erst 2012 konnte es dank einer Initiative der Handelskammer Hamburg und des Fördervereins für Hamburgerische Wirtschaftsgeschichte e. V. mit Unterstützung der Hubertus-Wald-Stiftung und weiterer Spender erworben und zurück nach Hamburg gebracht werden. 

(Förderverein für Hamburger Wirtschaftsgeschichte; Handelskammer Hamburg; Hubertus-Wald-Stiftung 
- Informationsquelle: Informationstafel Helms-Museum)

      Viertes Hamburger Staatssiegel - Replik - 1306

                 

                (Archiv der Hansestadt Lübeck)








Bild: Archäologisches  Museum Hamburg-Harburg, Ausstellung "Mythos Hammaburg"
Fotograf: Margret Pirzer
Bild: Archäologisches  Museum Hamburg-Harburg, Ausstellung "Mythos Hammaburg". 
Fotograf: Margret Pirzer

 

Hamburger Wallanlagen u. Stadttore:

Nach der erneuten Zerstörung der Hammaburg während der frühen Jahre des 11. Jahrhunderts bauten die Bewohner der Hammaburg III. die Befestigungsanlage nicht wieder auf, sondern errichteten auf dem Gelände einen hölzernen Dom. Erzbischof Unwan (1013-1059) und der Herzog Bernhard II. (1011-1059) errichteten ebenfalls zu dieser Zeit den sog. "Heidenwall", dem ein mächtiger Graben vorgelagert war. Dieser neue Schutzwall mit vorgelagertem Graben sollte künftig als Sicherung für die alte Schwachstelle, die offene östliche Flanke der Siedlung, dienen. Er riegelte ab dem 11. Jh. als Abschnittswall den Altstädter Geestsporn von der Alster im Norden bis zur Elbe im Süden ab und schützte die Siedlung Hamburg vor den heidnischen Angreifern aus dem Norden.

Der "Heidenwall" behielt seine Schutzfunktion bis zum Bau der steinernen Stadtmauer im Jahre 1260. Beim Bau des Hamburger Pressehauses im Jahre 1938 wurden Überreste vom Wall und dem Graben gefunden, außerdem bei den archäologischen Ausgrabungen der Bischofsburg (1962-1965) am Speerort. 

Am zentralen Haupteingang des sog. "Heidenwalls" wurde im 12. Jahrhundert ein Stadttor aus Stein errichtet. Auch die alte Hauptstraße, die zur Alsterfurt führte, wurde erstmals mit Steinen gepflastert und hieß nun "Steinstraße".

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Die ehemalige Stadtbefestigung Hamburgs, die Wallanlagen, wurden in den Jahren 1616 bis 1625 rund um die Stadt Hamburg errichtet. Erst während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde diese abgetragen und in eine Grünanlage umgewandelt (Planten un Blomen). Der Name ist  plattdeutsch und bedeutet „Pflanzen und Blumen“. 

Schon Ende des 15. Jahrhunderts wurde die im 13. Jahrhundert erbaute Stadtmauer ergänzt durch einen Wall. 
Der sogenannte "Neue Wall" der in der Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde, umgab die gesamte Stadt und verfügte über mehrere Rondelle. Diese Befestigungen beschränkten aber schon damals die Entwicklung und das Wachstum der Stadt Hamburg.

Notwendig wurden diese Befestigungsanlagen durch den fortwährenden Konflikt mit dem damals an Hamburg angrenzenden Königreich Dänemark. Der dänische König Christian IV. ließ 1616 in der Kremper Marsch einen befestigten Hafen errichten, den er hoffnungsvoll "Glücksstadt" nannte. Dieser Hafen sollte, so Christian IV., den Hamburger Hafen als Handelsplatz überflügeln. Um dem Nachdruck zu verleihen, eroberte er 1619 Stade und sperrte damit die Elbe von beiden Ufern. Alle vorbeifahrenden Schiffe wurden mit einem hohen Zoll belegt.

Zwar gehörte Hamburg aufgrund des Spruch des Reichskammergerichts von 1618 unmittelbar nur Kaiser und Reich, aber dieses nützte den Hamburgern nichts. Kaiser und Reich waren ohnmächtig, da Christian IV. den Rat Hamburgs bis zur Entscheidung in einem Revisionsprozess zwang, seine Landeshoheit anzuerkennen. Allerdings hatte dieses nicht zur Folge, dass Hamburg an seinen Kriegsunternehmungen teilnehmen musste. 

Hamburgs Politik basierte nun auf einer bewaffneten Neutralität. Der Rat beschloss, die stärkste Festung Deutschlands zu bauen und man holte dazu den  niederländischen Festungsbauer Johan van Valckenburgh. Er baute an Stelle der Stadtmauern gewaltige, sternförmig angeordnete Erdwälle, die das Stadtgebiet umgaben. In Hamburgs "Planten un Blomen" in den "Hamburger Wallanlagen" erinnert eine "Johan-van-Valckenburgh-Brücke" an diesen Baumeister.

Durch Einbeziehung des Kirchspiels St. Michaelis vergrößerte man das Gebiet um fast das Doppelte. Hier entstand später der jetzige Hamburger Stadtteil Neustadt. Um den Einsatz von Sturmleitern zur Erstürmung der Wälle zu verhindern wurden die Bastionen und Wälle mit Grassoden bedeckt und mit spitzen Holzpfählen versehen. 

Hamburger Wallanlagen um 1750

Um einen möglichst geschlossenen Ring aus Befestigungsanlagen um die Stadt zu errichten, wurde ein Wall aufgeschüttet, der die Alster  fortan in Außen- und Binnenalster trennte.

(Quelle: dt. Wikipedia - Wallanlagen)

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Durch diesen Wall wurde die Alster in Außen- und Binnenalster getrennt. Man intrigierte den Neuen Wall (im Osten der Stadt) in die Wallanlagen und baute ihn weiter aus, indem man mehrere Rondelle in Bastionen umwandelte. Auf den Wällen wurden insgesamt 21 Bastionen und 11 Ravelins (Außenwerke) errichtet und mit 263 Kanonen bestückt. Sie verfügten über einen fünfeckigen Grundriss.Alle Bastionen besaßen einen Namen. Um die Grabenabschnitte zwischen den Bastionen zu schützen, wurden 11 Ravelins (deutsch: Wallschild) mit dreieckigem Grundriss hinzugefügt. Die Bastionen an der Südecke zum Grasbrook und der Elbe hin wurden in einer kleineren Form ausgeführt, dagegen baute man die 15 Bastionen im Westen und Osten der Wallanlage in voller Größe. 

Eine vorgeschobene Befestigungsanlage, ein so genanntes Hornwerk, das westlich der Stadt am Elbufer errichtet wurde, sollte gegnerische Truppen auf Distanz von der eigentlichen Festungsanlage Hamburg halten. Die im Nordwesten der Stadt vorgeschobene sogenannte Sternschanze, die 1682 ergänzt und 1805 demoliert wurde, sollte den gleichen Zweck wie das Hornwerk erfüllen. Vervollständigt wurden die Wallanlagen durch ein Glacis, eine abfallende Erdaufschüttung rund um die Stadt, die mit Kanonen bestückt war.

Hornwerk

Ein Hornwerk ist eine in den Stadtgraben vorgeschobene bastionierte Front. Sie gehörte zu den Außenwerken einer frühneuzeitlichen Festung und bestand aus zwei mit einer Kurtine verbundenen Halbbastionen, die durch lange Flanken eingefasst wurden. Diese Elemente einer Stadtbefestigung kam im späten 16. Jahrhundert auf und man errichtete sie besonders an den gefährdeten Abschnitten vor einer Bastion oder einem Ravelin.

(Quelle: Wikipedia / Hornwerk vor dem Zittauer Webertor
- bearbeitet von Nefershapiland - 
- dieses Bild gilt als gemeinfrei, da die Schutzfrist abgelaufen ist -

Eine Bürgerwache wurde mobilisierst, in der jeder Bürger zwischen 18 und 60 Jahren dienstverpflichtet wurde. Jedem einzelnen wurde aufgetragen, welche Waffe er sich selbst zu besorgen hatte. Außerdem wurden 4000 Berufssoldaten angeheuert. Um dieses sehr teure Unternehmen zu finanzieren, wurde eine Sondersteuer (Grabengeld) erhoben und weitere Gelder brachte man durch großzügige Stiftungen auf. Die Bürger mussten Arbeitstage für den Festungsbau opfern. 
Alle Hospitäler, Ämter, Stiftungen, Hausväter und die Stadt selbst füllten sämtliche freistehenden Lagerhäuser mit Korn auf. Eine hohe Steuer wurde auf das "schändliche Brandweinbrennen" (25 Mark je Fass) belegt. Immerhin gab es bei Beginn des Krieges in Hamburg 72 Schänken mit Brandweinausschank. 

Die Arbeiten an der Festungsanlage, die ursprünglich zum Schutz Hamburgs gegen die Dänen gedacht war, dauerte von 1616  bis 1625, also neun Jahre. Sie wurde gerade rechtzeitig fertig, als König Christian IV. die Schlacht bei Lutter am Barenberge im Braunschweigischen verlor und und die Kaiserlichen unter Tilly und Wallenstein gegen Norden vorrückten und 1626 bei Buxtehude das Winterquartier bezogen. Die kaiserlichen Truppen wüteten in den Vierlanden und plünderten Altona und die Grafschaft Pinneberg. Im Kirchenbuch des Johannisklosters in Eppendorf ist zu lesen: "Soldaten beider Heere sind nach Eppendorf und Lokstedt eingedrungen und haben alles, was sie dort gefunden haben, überwältigt, die Leute niedergehauen, Vieh und Gefährt geraubt und weggeführt." Die Festung Hamburg selber konnten die Kaiserlichen allerdings nicht angreifen, da Tilly und Wallenstein zusammen nur 9000 Soldaten hatten, Graf Hatzfeld, der Hamburger Festungskommandant weit mehr. 

Da aber  die Stadt Hamburg sich ihren angrenzenden Dörfern gegenüber verpflichtet fühlte sie zu schützen, da sie immerhin seit dem 13. Jahrhundert zu Hamburg gehörten, zahlte Hamburg anstatt zu kämpfen, 5000 Taler an Tilly und dieser verzichtete daraufhin auf eine Einquartierung seiner Truppen in Bergedorf. Außerdem bekam er für die Verschonung des von ihm besetzten Landgebietes 20.000 Taler und weitere Zahlungen folgten. 

Aber der Preis dieser Zahlungen hatte sich wohl gelohnt, denn als die Kaiserlichen abzogen, war Hamburg unversehrt geblieben. Das nächste Ziel Tillys, die Stadt Magdeburg wurde am 10. Mai 1631 niedergebrannt und er gab seinen Soldaten die Stadt zum Plündern und Morden frei.

Im "Westfälischen Frieden im Jahre 1648" erhielt Schweden die Mündungsgebiete von Weser, Elbe und Oder. Die Niederlande und die Schweiz werden unabhängig vom Deutschen Reich und die deutschen Fürsten werden unabhängig vom Kaiser. Die Reichsstädte - unter ihnen auch Hamburg - bekommen Sitz und Stimme im Reichstag.

Hamburg
Stadtbefestigung um 1660

Die mit einem breiten Wassergraben umgebene Stadtbefestigung wurde nach niederländischem Vorbild aus Erde errichtet.

Die Hamburger Bevölkerung wurde zur Mithilfe am Bau des Wassergrabens verpflichtet.
(
zeitgenössische Darstellung - nicht maßstabgenau)

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Wallanlagen auf einer Karte um 1790

Wallanlagen: Aufgenommen in den Jahren 1789 bis 1796 unter der Direktion des Majors Gustav Adolf von Varendorf durch Offiziere des Schleswigschen Infanterieregiments

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Stadttore durchbrachen den Wall; an der Westseite waren dieses das Millerntor und das Dammtor. An der Ostseite der Stadtbefestigung kam das Steintor dazu und zur Elbe hin durchbrachen das Sandtor und das Brooktor die Wallanlage.
Später kamen dann das Hafentor, das Holstentor beim Sievekingplatz, das Klostertor und das Deichtor hinzu.

Die Hamburger Stadt-Tore: Steintor (um 1600) und Millerntor (um 1800)

Dies ist eine originalgetreue fotografische Reproduktion eines zweidimensionalen Kunstwerks. Das Kunstwerk an sich ist aus dem folgenden Grund gemeinfrei: Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. (Urheber: Christoffer and Peter Suhr, Digital restauriert und optimiert von Rainer Scheppelmann)

Das Hamburger "Dammthor" bestand bis ins späte 19. Jahrhundert in der Gegend des heutigen Bahnhofes Hamburg-Dammtor. Abgesehen vom heutigen S-Bahnhof "Dammtor" erinnern verschiedene Straßen an das ehemaligen Tor der Hamburger Wallanlagen.

Das äußere Dammtor im Jahre 1587
- Bild ist gemeinfrei (gezeichnet von Ch. Suhr ) -

Das Spitalertor im Jahre 1600
- dieses Bild ist gemeinfrei, da die Schutzfrist abgelaufen ist.
(gezeichnet von Chr. Suhr)

 

Binnenalter und Jungfernstieg:

Die Alster ist das Herzstück der Stadt Hamburg. Sie befindet sich mitten in der Innenstadt. Das ursprüngliche Becken des Alstersees entstand durch einen Mühlenstau im Verlauf des Reesendamms, der quer zum Jungfernstieg verläuft. Um ca. 1190 wurde die Alster künstlich aufgestaut, um eine Kornmühle zu betreiben. Ein zweiter Damm wurde 1235 für eine weitere Mühle gebaut, der die Alsterwiesen aufgrund eines Fehlers in der Berechnung zum Alstersee werden ließ. Der See wurde später durch die Kennedy- und die Lombardsbrücke getrennt und es entstanden Binnen- und Außenalster.  

  Binnen- u. Außenalster mit Lombardsbrücke 

Der kleinere, südlichere Teil der Alsterseen, ist die Binnenalster, die ca. 18 ha Fläche aufweist. Gespeist wird sie von der Außenalster im Nordosten. Sie fließt in der südlichen Ecke über das Fleet Kleine Alster - hier erfolgt jetzt an der Rathausschleuse auch die Stauung - Richtung Elbe ab.

Foto: Wolfgang Meinhart, Hamburg
Lizenz: GNU-Lizenz für freie Dokumentation
Die Originaldatei ist  hier   zu finden

 

Ein besonderes Highlight ist die seit 1987 in der Mitte der Binnenalster verankerte bis zu 60 Meter Höhe speiende Alsterfontaine. 
                       (Bild:
Nefershapiland)

Alsterflottenanleger am Jungfernstieg


(Bild: Nefershapiland)

Die Alster ist ein beliebtes Ziel für die Touristen, aber auch die Hamburger lieben es durch die schöne grüne Umgebung zu wandern, joggen oder mit dem Rad zu fahren. Zum Abend hin, wenn alles erleuchtet ist, sorgt die Binnenalster für romantische Gefühle. Auch eine Rundfahrt mit einem der bekannten Schiffe der weißen Alsterflotte ist zu empfehlen. Startpunkt ist täglich der Jungfernstieg und dann weiter über die Außen- und Binnenalster. Rings um die Alster gibt es viele schöne Restaurants und Cafes mit einem schönen Blick über den See.

Am Jungfernstieg - dem Südwestufer der Binnenalster liegt die Hauptanlegestelle für die "weiße Alsterflotte", die von hier aus sowohl die Alster mit ihren kleinen Kanälen als auch die Hamburger Fleete befahren und bis nach Bergedorf verkehren. In der Saison vom 1. April bis 10. Okt. fahren die Schiffe zu insgesamt 9 Anlegern.   Infos  -  hier  -
                                                                                   (Fotos: Nefershapiland)

Im Umkreis der Binnenalster liegen verschiedene Geschäftsgebäude, nur um einige zu nennen: der Firmensitz von Hapag-Lloyd AG, das Hotel Vier Jahreszeiten, das traditionsreiche Kaufhaus Alsterhaus. 

Hotels und Geschäftshäuser an den Ufern der Binnenalster
- Bilder: Nefershapiland -

Eine besondere Veranstaltung ist das jährlich an einem verlängerten Wochenende Ende August seit 1976 stattfindende, allseits beliebte Alstervergnügen. Einst wurde das Alstervergnügen zur Belebung der Hamburger Innenstadt geschaffen. Neben den Verkaufsständen und der Gastronomie werden hier mehrere Bühnen aufgebaut, auf denen meist lokale Künstler auftreten. Das Fest findet auf den unmittelbar angrenzenden Straßen rund um die Binnenalster statt. Zahlreiche Lautsprecherbrücken sorgen für Musik. Das besondere Highlight ist dabei seit 1994 das jeweils über drei Abende hin ausgetragene internationale Feuerwerkfestival, welches bis zu seinem Tod initiiert und moderiert wurde von Carlheinz Hollmann.

Anzumerken ist noch eine interessante Geschichte aus dem 2. Weltkrieg. Die Binnenalster erhielt eine Tarnabdeckung. Die fast völlig aus Holz angelegte Innenstadtkulisse sollte anfliegenden Bomberverbänden die Orientierung erschweren. Eine "falsche" Lombardsbrücke sowie eine Flakstellung befanden sich in der Außenalster.

Die berühmteste Straße Hamburgs nach der Reeperbahn ist der Jungfernstieg, welcher 1665 als Promenade zwischen Reesestraße und Gänsemarkt an der Binnenalster entworfen wurde. Die Geschichte des Jungfernstieges beginnt mit dem Damm, durch den im 13. Jahrhundert das Flüsschen Alster gestaut wurde.
Damals hieß er allerdings noch Reesedamm, benannt nach dem Müller, der im Jahre 1235 dort auf dem Damm eine Getreidemühle, die vom Alsterwasser angetrieben wurde, erbaute.
Um 1665 legten die Stadtväter auf dem Staudamm einen Spazierweg mit Bäumen an und dieser Promenadenweg erhielt - wegen der unverheirateten Töchter, die hier beim Familienbummel präsentiert wurden - den Namen Jungfernstieg. Große Hotels säumten schon im 19. Jahrhundert die Straße, wurden aber dann beim Großen Brand von 1842 zerstört oder um die Jahrhundertwende wegen der Umgestaltung der Innenstadt abgerissen.


Stahlstich mit Flaniermeile Jungfernstieg um 1830

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Bildquelle:  Wikepedia

 

Hamburger Jungfernstieg um 1905
(Bildquelle wikepedia)

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Kontorhäuser aus der Gründerzeit und moderne Stadthäuser, die nach dem 2. Weltkrieg gebaut wurden, dominieren heute das Straßenbild. Mehr als 80 verschiedene Läden, Lokale und Dienstleistungsgeschäfte haben sich rund um den Jungfernstieg angesiedelt. Juweliere, exklusive Modehäuser und Schuhgeschäfte bieten hier ihre Waren an. Schon im Jahre 1911/12 wurde das Warenhaus Alsterhaus (Nr. 15) vom Architektenbüro Cremer & Wolfenstein errichtet.. Noch älter ist das Gebäude der Dresdner Bank, welches schon 1896-99 entstand (Nr. 22). Unmittelbar gegenüber steht der rote Sandsteingau "Hamburger Hof" (Nr. 26), der 1881-83 als Hotel errichtet und in den Jahren 1976-79 erweitert wurde.

Die weitreichenden Terrassen- und Treppenanlagen an der Wasserseite des Jungfernstieges sind zum Anlegen der Alsterschiffe gedacht.

Der einzigartige Charme dieser Promenade ist immer erhalten geblieben, obwohl nicht jede bauliche Veränderung in der jüngeren Geschichte dem Jungfernstieg zu größerem Glanz verholfen hat und umstritten war. Die unmittelbare Nähe zur Binnenalter mit ihrer "weißen Flotte", den Alsterschiffen, und die exklusiven Einkaufsmöglichkeiten mit den Geschäften, eine Reihe von Einkaufspassagen und die abgehenden Einkaufsstraßen Große Bleichen und Neuer Wall laden hier zum gemütlichen Einkaufsbummel ein und machen die Promenadenstraße zu Hamburgs Flaniermeile schlechthin und zu einem Erlebnis für Jung und Alt.

Der Jungfernstieg erscheint durch eine Modernisierung noch glanzvoller. Eine raffinierte Lichtinstallation, der Alsterpavillon, Allen und eine neue Treppenanlage, die auch als Tribüne Verwendung findet, haben die bekannte Einkaufs- und Flaniermeile Hamburgs noch beliebter gemacht. 

Alles wäre so schön gewesen nach der Modernisierung, doch nachdem jahrelang mit Hochdruck gearbeitet wurde und die Hamburger ihren versprochenen  Prachtboulevard endlich genießen konnten, wurde die Flaniermeile nach rund 1,5 Jahren wieder zur Baustelle. Wegen der neuen U4-Linie in die Hafencity wird der neue Alsteranleger wieder aufgerissen und ein riesige Baustelle, künstliche Halbinseln, Spundwände und Zäune verschandeln die neue Flaniermeile. Ein Großteil der Baustelle wird deshalb auch auf eine künstliche Insel in die Binnenalster hinein verlagert. Die Hamburger werden ihren Alsteranleger erst 2010 wieder nutzen können."

Alsterarkaden :

Ein Stück Venedig am Alsterfleet - durch die Alsterarkaden gewinnt der Rathausmarkt erst seinen ganz eigenen Charme. Wie auf einer Perlenkette aufgereiht, stehen die weißen Häuser mit den historischen Putzfassaden und den vorgesetzten Bogengängen entlang der Kleinen Alster. Die Alsterarkaden liegen an der nördlichen Seite der kleinen Alster zwischen Schleusenbrücke und Jungfernstieg in der Nähe des Rathaus und sind heute ein prägendes Element des Hamburger Stadtbildes. Früher befand sich an dieser Stelle ein kleiner See.

Alster-Arkaden und Jungfernstieg um 1900
(Bildquelle: Wikepedia - Bild ist "gemeinfrei")

Nach der Zerstörung des Hamburger Rathauses durch den großen Brand von 1842 plante man einen Neubau. Bei der Neugestaltung des Rathausmarktes am Mündungsfleet der Alster, dem Alterfleet, entstand vor der Schleusenbrücke ein Bassin, die heutige kleine Alster. Der Architekt und Stadtplaner Alexis de Chateauneuf, der mit der Neugestaltung beauftragt wurde, entwarf für die Westseite einen Säulengang im venezianischen Stil und modellierte auch die dahinter liegenden Häuser, die Vorbild für die gesamte Architektur nach dem Brand in der Innenstadt wurden, die sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat.

Die von Alexis de Chateauneuf entworfenen Alsterarkaden
(Bild:
Andre Kottlewski, Aachen)

Die Alsterarkaden wurden 1949/50 in ihrer ursprünglichen Form wieder hergestellt, nachdem der Bogengang Ende des 19. Jahrhunderts stark verändert und durch den 2. Weltkrieg teilweise zerstört worden war.

Um den Jahreswechsel 1988/89 machten die Arkaden Schlagzeilen in der Hamburger Presse. Ein Feuer im Haus 11a hatte mehrere Häuser der Anlage schwer beschädigt. Die Gebäudezeile, darunter die aus dem Jahr 1846 stammenden Häuser 9 - 13 und die historische Mellinpassage mit den schönen Wandzeichnungen wurden daraufhin aufwendig restauriert. Die Mellinpassage ist die älteste Einkaufspassage der Stadt Hamburg und besticht durch ein paar Besonderheiten., wie  zum Beispiel Jugendstil-Bemalung an den Wänden und Decken und die traditionsreiche Bücherstube Felix, das "Saliba" mit exklusiver spanischer Küche sowie den Juwelier Jensen.

Ihren Namen erhielt sie von einem ehemals in der Passage ansässigen Geschäft. 

Ein Stück Venedig am Alsterfleet
mit den vorgesetzten Bogengängen
(Foto: Nefershapiland)

die Alsterarkaden an der Kleinen Alster
 - hier verbirgt sich eine edle Ladenpassage -
(Foto:
Nefershapiland)

 

bei einem Cappuccino unter den Arkaden  mit Blick auf das Rathaus fühlt man sich wie in Klein-Venedig.


(Foto: Nefershapiland)

Die "kleine Alster" in Hamburg vom Rathausmarkt aus.
Links die Alsterarkaden - in der Mitte die Reesendammbrücke und rechts die Uferpromenade am Reesendamm.
               (Foto:
Nefershapiland)

An dem Warenangebot dieses von Alexis de Chateauneuf im Jahre 1842/43 entworfenen Ensembles als vornehme Ladenpassage hat sich seit dieser Zeit nicht viel verändert. Hier gibt es kostbares Porzellan, köstliche Schokolade, wertvollen Schmuck und vornehme Mode zu erstehen.

Die Kleine Alster von den Arkaden aus gesehen mit Blick auf die Uferpromenade vom Reesendamm
und rechts die Hamburger Alsterarkaden.
               (Foto:
Nefershapiland Okt. 2012)

 

Rathaus:

Vermutlich ist das heutige Hamburger Rathaus das sechste der Stadtgeschichte. Wahrscheinlich standen die beiden ersten Bauten in der Neustadt am Hopfenmarkt und in der erzbischöflichen Altstadt am Alten Fischmarkt. Ein gemeinsames Rathaus entstand nach der Vereinigung beider Städte im Jahr 1216 an der Kleinen Johannisstraße - Ecke Dornbusch. Durch einen Brand wurden 1284 alle Häuser und vermutlich auch das Rathaus zerstört. Nur das Kellergewölbe blieb erhalten und diente dann als Ratsweinkeller und Weinlager. Auf das Kellergewölbe errichtete man später ein Gebäude, welches als einziges eine Ausschank-Konzession für "Einbecker Bier" besaß und demzufolge den Namen "Einbeck'sches Haus" trug. Beim "Großen Brand um 1842" stürzte der Ratsweinkeller fast zur Hälfte ein.

Ein größeres Ratshaus wurde 1290 an der Trostbrücke erbaut. Nach und nach vergrößerte man den Backsteinbau auf eine Fläche von 26 x 17 Metern mit einer zweigeschossigen Halle.  Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erweitere man den Bau durch einen Renaissance-Anbau. Mehrere Jahrhunderte lang bildete dieses Gebäude-Ensemble das politische und wirtschaftliche Zentrum der Stadt Hamburg. Beim großen "Hamburger Stadt-Brand" 1842 sprengte man das Rathaus vergeblich, um das Feuer einzudämmen. Dabei blieben einige der Standbilder von deutschen Kaisern, die seit 1640 an der Fassade des Rathauses eingefügt waren, erhalten und sind heute an der Außenfassade des Museums für Hamburgische Geschichte zu sehen.

Für den notwendigen Neubau des Rathauses, der vom Entwurf bis zur Fertigstellung 43 Jahre dauert, wurde eine Hamburger Architektengruppe unter der Leitung von Martin Haller beauftragt. Damit Handels- und Regierungsgeschäfte direkt zusammen getätigt werden konnten, sollte der Neubau neben der Hamburger Börse entstehen. Die beiden Gebäude sind deshalb durch zwei Flügel miteinander verbunden. 

                Das heutige Hamburger Rathaus wurde 1886-1897 von einem "Rathausbaumeisterbund" erbaut.
Es mussten 4000 Pfähle in den Marschboden gerammt werden, um ein sicheres Fundament zu schaffen für den gewaltigen, viergeschossigen , breit gelagerten Neu-Renaissancebau mit seinen steilen Satteldächern. Die Breite der Fassade misst 113 Meter mit einer Tiefe von 70 Meter sowie dem wahrhaft überragenden Turm mit einer Höhe von 112 Metern.  
Im Grundsteinkeller befindet sich der Rathausgrundstein mit der Inschrift: VI MAI MDCCCLXXXVI = 6. Mai 1886
                                                                    (Bilder: Nefershapiland)

Die Fassade besticht durch eine Kombination aus italienischen und norddeutschen Renaissance-Elementen und wirkt in der Gesamtheit sehr harmonisch. Zwischen den Fensternischen an der Rathausmarktseite stehen 20 Könige und Kaiser des alten deutschen Reiches von Karl den Großen bis Franz II. Die Herrscherfolge setzt sich links vom Turm bis zu Lothar III. von Sachsen (1125-1137) fort, während auf der rechten Seite ausgehend von Heinrich VI. deutliche Lücken bestehen. Den Abschluss der Herrscherfiguren bildet Franz II., welcher 1806 die römisch-deutsche Kaiserkrone niederlegte.

Eine ähnliche Kaisergalerie hatte sich bereits am alten Rathaus befunden. Am Mittelturm sind über den Monarchen die Darstellungen der bürgerlichen Tugenden, wie Weisheit, Tapferkeit, Eintracht und Frömmigkeit zu sehen. Die Stellung der bürgerlichen Tugenden über den Kaisern versinnbildlichte die Freiheit der Stadt Hamburg gegenüber der Krone. Hamburg war keine Kaiserstadt, sondern eine Hansestadt. Ein über dem Haupteingang befindliches Mosaik zeigt die hamburgische Nationalallegorie "Hammonia".

("Hammonia" ist die neulateinische Bezeichnung für die Stadt Hamburg. In den mittelalterlichen Chroniken war die lateinische Bezeichnung der Stadt noch "Hammaburgum". Die Herkunft des Namens ist unklar. in alten Chroniken wird der männliche sächsische Gott Hamm oder auch Hammon als Quelle vermutet.)

Die Inschrift über dem Rundbogen des Haupteinganges lautet:
"
Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas"
Die Freiheit, die die Vorfahren errungen haben, ist es wert, dass die Nachwelt sich darum bemühe, sie zu erhalten.“
Die Inschrift wird vom Großen Hamburger Staatswappen gekrönt.
(Foto: Nefershapiland)

Bronzeallegorien der Bürgertugenden rahmen die lateinische Inschrift. Auch im Rundbogen des Hauptportals befindet sich das Hamburger Wappen im schmiedeeisernen Gitter der Türfüllung.

Eine der Kaiserstatue der Vorderfront
- Kaiser Ludwig der Deutsche -



Über dem Portal des Haupteinganges prangt das künstlerisch geschmiedete Hamburger Staatswappen. Es zeigt eine Burg mit 3 Türmen: der mittlere Turm soll den mittelalterlichen Hamburger Dom, die Marienkirche, symbolisieren - die beiden Sterne auf den äußeren Türmen sind die sog. Mariensterne. Diese sind nach der heiligen Maria, der Schutzpatronen der Stadt Hamburg im Mittelalter benannt.

(Bild: Wikepedia - vom Urheber Horstbu
als gemeinfrei 
zur allgem. Benutzung freigegeben)


                                (Bild: Nefershapiland)

 

                                                Das Hamburger Rathaus mit seinem 112 m hohen Turm
Der 112 m hohe Turm tritt besonders aus der im Stil der deutschen Renaissance geschaffenen Fassade hervor.
Die Turm-Uhr besitzt drei Zifferblätter mit einer Seitenlänge von je 5 m. Jeder dieser Zeiger ist 2,20 m lang. Der kleine Zeiger ist 1,55 m lang. Zu jeder Minute rückt die Spitze des großen Zeigers um 23 cm vor. Besonders beeindruckend ist das strahlend-grüne Kupferdach.
                                         
(Bild: Nefershapiland und Andre Kottlewski)

In den letzten 100 Jahren hat sich viel Schmutz auf dem Turm und den Fassaden zum Rathausmarkt hin, abgelagert. Von Juni 1993 bis Mai 1997 wurden diese aufwendig gereinigt und renoviert.

    Phönix-Balkon Hamburger Rathaus

Die Hamburger Staatsflagge weht an besonderen Feiertagen vom Phönix-Balkon, darunter die Euroflagge. Auf dem Architrav über den Säulenpaaren sind vier kupferne Figuren zu sehen. Sie sollen allegorische Darstellungen der Bürgertugenden Kraft, Milde, Weisheit und Fortschrittlichkeit darstellen.

 

(Bild: Nefershapiland)


Der nahezu rechteckige Hamburger Rathausmarktplatz ist ein zentraler Platz vor dem Hamburger Rathaus und Versammlungsort für viele Großveranstaltungen. Das große Rathaus nimmt fast gänzlich die südwestliche Seite ein. Der Rathausmarktplatz endet nördlich am Reesendamm und der kleinen Alster mit den dahinter liegenden Alsterarkaden.

Der Rathausmarkt wurde nach dem "Großen Brand" von 1842 angelegt, nachdem auch das alte Rathaus an der Trostbrücke ebenso wie die alten Häuser, die sich hier in der Gegend um das heutige Rathaus befanden (Ausnahme: die Neue Hamburger Börse von 1839/41) dem Feuer zum Opfer fielen.

Der berühmte Markusplatz von Venedig, der sich ebenfalls zum Wasser hin öffnete, wurde hier als Vorbild genommen. Der Gesamtplan zur Gestaltung des neuen Rathausplatzes wurde im Jahre 1842 nach dem Großen Brand bis ins Detail durchdacht und konzipiert.

Noch bis Anfang 1970 hatte der an drei Seiten von Hauptstraßen umgebende mitten in der Innenstadt gelegene Rathausplatz noch zusätzlich eine große Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt. Hier verkehrte damals bis ins Jahr 1978 die Hamburger Straßenbahn. Erst nach deren Einstellung erfolgter 1982 ein Umbau zur Verkehrsberuhigung. Aufgrund der leicht rötlichen Granitplatten, mit denen man den Platz pflasterte, erhielt er manchmal scherzhaft den Namen "Roter Platz".

  Der Rathausplatz - auch Rathausmarkt genannt - ist der zentrale Platz vor dem Hamburger Rathaus.
(Bilder: Nefershapiland)

Mitten auf dem Rathausplatz stand bis zum Jahre 1930 eine große Reitergedenkstatue für Kaiser Wilhelm I.,  die unmittelbar nach dem Tode des Kaisers im Jahre 1897 in Auftrag gegeben wurde. 

In Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. wurde am 20. Juni 1903 das Reiterdenkmal für Wilhelm I. auf dem Hamburger Rathausmarkt enthüllt. Der Kaiser hoch zu Ross war damals ein beliebter Treffpunkt der Hamburger.

Das bronzene Reiterstandbild stand auf einem 8m hohem Sockel in der Mittelachse vor dem Rathaus. An der Vorderseite befand sich eine Freitreppe und auf beiden Seiten wurde je ein großer Flaggenmast errichtet, der heute noch dort steht. Den hinteren Abschluss bildeten halbovale Steinbrüstungen mit Bepflanzungen. Das Denkmal wurde dann 1930 an den Holstenwall versetzt im Park neben dem Ziviljustizgebäude.

Einer der reich verzierten Fahnenmasten, die einst zum Standbild 
des Kaiser-Wilhelm I. Reiter-Denkmal gehörten
(Foto: Nefershapiland)

 

Der 2. Fahnenmastsockel - auf der rechten Seite vor dem Rathaus
(Bild J. H. Pirzer)

Das neue Hamburger Rathaus ist ein dreiflügeliger Granit- und Sandsteinbau und eines der wenigen vollständig erhaltenen Beispiele des  Gründerzeitstils in Deutschland. Es besitzt eine 111 m breite Fassade mit einem 112 m hohen Mittelturm. Die Zifferblätter der großen Rathausuhr haben eine Seitenlänge von 5 Metern, jeder große Zeiger ist 2,20 Meter lang, die kleinen Zeiger 1,55 Meter. Der Bau hat damals 11 Millionen Goldmark gekostet, das sind umgerechnet etwa 80 Millionen Euro.

Das Dach ist mit Kupfer gedeckt. Das gesamte Bauwerk wurde auf ca. 4000 Holzpfählen errichtet, weil der Untergrund der Alstermarsch sehr morastig ist. Die Rückfront des Hamburger Rathauses wird durch niedrigere Flügelbauten mit dem Börsengebäude verbunden, damit vereinen sich hier das politische mit dem wirtschaftlichen Zentrum der Stadt.

Auf den Dächern und Türmchen der Hoffront sind wichtige Fürsten und Bischöfe des Mittelalters zu sehen.
(Bilder: Nefershapiland)

Statuen von wichtigen Fürsten und Bischöfen des Mittelalters, die mit der Stadt Hamburg verbunden waren, zeigt die Hoffront. Einer von ihnen war Heinrich der Löwe als Repräsentant des Herzogtums Sachsen, zu welchem Hamburg damals gehört. Eine weitere Statue zeigt Adolf III. als Gründer der ersten Kaufmannssiedlung westlich der Alster und Adolf IV., der als Förderer Hamburgs nach den Siegen über die Dänen im 12./13. Jahrhundert gilt. Auch die Statuen von Heiligen sind an diesem westlichen Gebäude angebracht. Meistens handelt es sich um die Patrone der Kirchspiele der Stadt oder einer der Vorstädte. Dabei erhielten z. B. Georg und Michael "wegen ihres imposanten Flügelschmuckes halber" hervorgehobene Stellen als Bekrönung des Giebels. Die Hauptpatronin der Stadt im Mittelalter, Maria, blieb merkwürdigerweise unberücksichtigt. Eigentlich sollte sie das Rathaus bekrönen, doch verwarf man schließlich diese Idee, da sich unter der Bevölkerung heftiger Widerstand dagegen regte.

Das Hamburger Rathaus hat zusammen mit der 1831 erbauten Börse einen schönen Innenhof. Dieser ist vom Alten Wall und der Großen-Johannis-Straße aus zugänglich. Der Innenhof ist mit seinen reich dekorierten Fassaden architektonisch gesehen einer der wohl anspruchsvollsten und  gelungensten Plätze der Stadt. Man erreicht den Rathaus-Innenhof über die Große Johannisstraße und durch die öffentlich zugängliche Rathausdiele. Der Hof wird in 12 Meter Höhe von sechs Nischenfiguren gesäumt, welche die Bischöfe darstellen, die für die Geschichte Hamburg von Bedeutung waren.

Innenhof des Hamburger Rathauses
Der prächtige Innenhof des Hamburger Rathauses ist vom Alten Wall und von der Großen-Johannis-Straße aus zugänglich.

(Bild: Nefershapiland)

Zentraler Mittelpunkt mit "Hygieia-Brunnen"
Die weibliche Bronzefigur tritt auf einen Drachen, der symbolisch für die Choleraepidemie von 1892 steht. In seinem Sockel befinden sich die Auslässe des Belüftungssystems des Rathauses.
(Bild:
Nefershapiland)

 

Innenhof des Hamburger Rathauses
mit Hygieia-Brunnen und Fassade der Börse
(Foto:
Nefershapiland)

Zentraler Mittelpunkt des Innenhofes ist der 1895/96 von Joseph Kramer modellierte und 1897 aufgestellte "Hygieia-Brunnen". (Hygieia = griechische Göttin der Gesundheit). Diese Hauptfigur des Brunnens steht auf einem Drachen, der hier das Sinnbild für die Choleraepidemie 1892 darstellt. Auch die Figur der weiblichen Allegorie der Gesundheit wurde im Andenken an die schwere Epidemie von 1802 gewählt. Die Figur der Göttin hält in ihrer rechten Hand eine Schale, aus der das reinigende Wasser herabströmt. Der Brunnen wird von sechs Figuren umrahm, die allesamt den Segen und Nutzen des Wassers betonen.

Der Brunnen ist technisch so angelegt, dass sich in seinem Sockel mehrere Öffnungen befinden, durch die Frischluft für einen begehbaren Kanal angesaugt wird, die dann ins Innere des Rathauses geleitet wird. 

Die griechische Göttin Hygieia 
steht auf einem Drachen

(Bild:
Nefershapiland)

Reichdekorierte Fassaden im Stil der italienischen und norddeutschen Renaissance schmücken den Innenhof des Rathauses.
(Bild: Nefershapiland)

Heute ist das Rathaus Sitz des Hamburger Senats (Landesregierung) und Tagungsstätte der Hamburger Bürgerschaft (Landesparlament). Das Zimmer des 1. Bürgermeisters befindet sich in der Nordecke des Gebäudes. Hier im Bürgermeisteramtszimmer vor einem gewaltigen Marmorkamin mit der Büste von Bürgermeister Carl Petersen empfängt der 1. Bürgermeister (z. Zt. Ole von Beust) die Gäste zum Gespräch. Der große Kronleuchter wurde im Rahmen der laufenden Restaurierung einem alten Vorbild nachgebaut

Kurzer Rundgang 
- im Hamburger Rathaus -

Im Hamburger Rathaus befinden sich insgesamt 647 Räume. Neben den Räumen für die Arbeit der Bürgerschaftsfraktionen und des Senates, der Haustechnik, Archiven und Bibliothek sind insbesondere die repräsentativen Säle des ersten Obergeschosses sehenswert. Die Bilder vom Künstler Hugo Vogel, die erst 1909 vollendet wurden, schmücken den großen Festsaal. An den Hamburger großen Brand von 1842 erinnert der Phönix-Saal. Im Turmsaal (oder auch Saal der Republiken) findet der öffentliche Neujahrsempfang des Bürgermeisters statt. Der Seefahrt und dem Handel gewidmet ist der Kaisersaal, welcher schon 1895 zur Einweihung des Nord-Ostsee-Kanals provisorisch fertiggestellt wurde. Das Waisenzimmer (Raum 219) wurde von 80 Knaben des Hamburger Waisenhauses geschmückt. Die schönen Kerbholzschnitzereien an den Wänden und Türen wurden auch von den Kindern gegen Bezahlung erstellt. Auch die Ausstattung der anderen Räume stammten aus zahlreichen Schenkungen von Hamburger Bürgern.

Einzelne Räume des Rathauses:

Durch das Hauptportal, welches von einer verzierten, schmiedeeisernen Gittertür verschlossen wird, gelangt man in die Eingangsdiele, die von 16 Sandsteinsäulen getragen wird, die mit 68 Porträts verdienter Hamburger Bürger und Bürgerinnen geschmückt ist. Das Treppenhaus wurde aus sardischem Marmor geschaffen und zeigt den menschlichen Lebensweg. Von der Diele aus führen zwei große Treppenhäuser jeweils zum Senats- (rechte Seite) oder zum Bürgerschaftsflügel (linke Seite) mit Sitz des Landesparlamentes. Im Mitteltrakt des Rathauses befinden sich die prächtigen Festsäle für die unterschiedlichsten Veranstaltungen. 

Die sehenswertesten Säle sind der große Festsaal aus Marmor und Bronze mit den schönen Bildern von Hugo Vogel zur Hamburger Geschichte, ebenso der Bürgersaal und der Kaisersaal. Das goldene Buch der Stadt wird im Bürgermeisteramtszimmer aufbewahrt.

'Eingangsbereich:

Die Diele ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Untergeschoss befindet sich der Ratsweinkeller mit einem empfehlenswerten Restaurant.

Die Rathausdiele des Hamburger Rathauses ist die große Eingangshalle. Hier finden  regelmäßig Ausstellungen statt. Von der "Diele" aus gelangt man über die beiden Haupttreppen in die Bürgerschaft (die Volksvertretung, die im linken Rathausflügel sitzt) mit dem Abgang in den Ratsweinkeller.

Die Treppe zur Bürgerschaft hat zwei Treppenflügel, da die Bürgerschaft in Regierung und Opposition gespalten ist, während der von Löwen flankierte Aufgang zum Senat (rechtes Bild) nur einläufig ist, da der Senat (die Regierung) nach außen hin immer einig ist.

Bild: Nefershapiland

Bild: Nefershapiland

 

Die Treppe von der Eingangshalle zum Senatsflügel hat nur einen Aufgang, da der Senat sich nach Außen hin immer einig ist. Der Treppenaufgang wird beidseitig von einer Löwenskulptur flankiert.

Bild: Nefershapiland Bild: Nefershapiland

 

Gewölbedecke der Rathausdiele  In der Rathausdiele befindet sich dieser schöne Brunnen mit einem wasserspeienden Kopf.
Bild: Nefershapiland Bild: Nefershapiland

 

Das Sterngewölbe der großen Rathausdiele wird von 16 Säulen getragen, welche alle je vier medaillonförmige Porträts von verdienten und berühmten Hamburgern tragen.

Von der großen Diele des Hamburger Rathauses aus führt eine Treppe abwärts in den Ratskeller, welcher heute als Restaurant und Cafe-Bar mit Namen "Parlament" geführt wird.

Wer vermutet, dass sich hier im Untergeschoss des Hamburger Rathauses noch Reste des alten mittelalterlichen Rathauses befindet, wird leider enttäuscht, da sich das jetzige Rathaus nicht auf dem Standort des alten abgebrannten Rathauses befindet.

Bild: Nefershapiland

Bild: Nefershapiland

 

'Senatstreppenhaus:

Der Weg führt vom Senats-Treppenhaus aus zum Senatsgehege, welches mit kunstvoll geschmiedeten Gittern und Toren von der Öffentlichkeit abgeschlossen werden kann. Die beiden Marmorfiguren "Gnade und Gerechtigkeit" wachen über den Eingang. Der Weg zum Sitzungssaal, der hier in Hamburg traditionsgemäß "Ratsstube" heißt, führt durch eine kunstvoll geschnitzte Tür, welche die am alten Rom orientierten Buchstaben "SPQH" = Senatur Popolusque Hamburgensis" trägt. Die Inschrift bedeutet: "Senat und Volk von Hamburg".
 Bei den Sitzungen ist diese Tür fest verschlossen und der Zugang erfolgt dann über die zwei Seiteneingänge und dieses auch nur für die Teilnehmer der Sitzungen.

Die Marmorstatuen 
"Gerechtigkeit" und "Gnade"
dekorieren den Eingang zum Senatsgehege.


(Foto: Andre Kottlewski)

Das Eingangsportal ist flankiert von den Allegorien der Gnade und Gerechtigkeit - Tugenden, die dem Senat bei seiner Arbeit als Vorbild dienen sollten -
Über dem Portal steht in großen Buchstaben:
"Gott mit uns"
(Bild: Andre Kottlewski)

 

'Die Ratsstube:

Jeden Dienstag sitzen 12 Senatoren und 12 Staatsräte sowie der Sprecher des Senats an einem hufeisenförmigen Tisch, wo die Entscheidungen und Beschlüsse beraten werden.  Die Senatoren sitzen links und rechts neben dem Bürgermeister, abgestuft nach Dienst- und Lebensalter.
Die Ratsstube hat keine Fenster, damit der Senat nicht abgelenkt wird. Durch ein Glasdach strömt das Licht in diesen Raum.

Die Ratsstube im Hamburger Ratshaus mit vertäfelten Wänden. Die Stühle der Senatoren sind mit dem Großen Staatswappen geschmückt.
(Bild: Andre Kottlewski)

 

'Saal der Bürgerschaft und Lobby:

Eher schlicht und einfach ist der Saal der Bürgerschaft gestaltet. Jeden zweiten Dienstag gegen 15.oo Uhr tagt das Parlament. Im angrenzenden Bürgersaal, dem Empfangssaal der Bürgerschaft sind Porträts der ehemaligen Bürgerschaftspräsidenten zu sehen.

Lobby oder Foyer der Bürgerschaft
Ein großes Wandgemälde zeigt den Hamburger Hafen zu Zeit der Jahrhundertwende.
(Bild: Nefershapiland)

Das Foyer der Bürgerschaft
Der Tisch im Vordergrund wurde aus einem Eichenstamm geschaffen, den man bei den Ausschachtungsarbeiten für das Rathaus gefunden hatte
(Foto: Andre Kottlewski)

Die Bürgerschaft, das Hamburger Landes- und Stadtparlament,  residiert im linken Flügel des Gebäudes. Hier amtiert auch die Präsidentin der Bürgerschaft. In Hamburg arbeiten Legislative und Exekutive, Bürgerschaft und Senat, gemeinsam unter einem Dach. Im rechten Flügel befindet sich der Senat (die Landesregierung) sowie der Bürgermeister. 

Über einen roten Teppich im prächtigen Bürgerschaftstreppenhaus betritt man oberhalb der Treppe die Lobby (Foyer der Bürgerschaft), die dann in weitere Räume der Bürgerschaft führt. Dieser Vorraum zum Plenarsaal wird für Gespräche zwischen Politikern, Bürgern und Vertretern verschiedener Organisationen genutzt.

Die Lobby oder das Foyer der Bürgerschaft wird von einem achteckigen Tisch dominiert. Der Legende nach soll er aus dem Holz der Schwelle des vormaligen Magdalenen-Klosters gefertigt worden sein. Im Mittelalter soll sich dieses Kloster an genau der Stelle befunden haben, wo heute das Hamburger Rathaus steht. Beim Erdaushub für das Fundament des Rathauses 1890 sollen Arbeiter diese Holzschwelle gefunden haben. An der Tischplatte ist folgender Spruch eingeschnitzt:

“Tief im Schlamme gebettet als Schwelle dient ich den Mauern, die der Alten Geschlecht einst sich errichtet zur Wehr. Wieder ans Licht gezogen nach langer Ruh in der Tiefe, diene zur Tafel gefügt heute friedlichem Zweck.“

Das Foyer der Bürgerschaft beeindruckt ebenfalls durch ein Wandgemälde, das den Hamburger Hafen zur Zeit der Jahrhundertwende zeigt. Durch eine Doppeltür betritt man dann den Sitzungssaal der Bürgerschaft.

Die Wandflächen über der Täfelung waren eigentlich in der Mooreiche des Sitzungssaals der Bürgerschaft bemalt. Bei Restaurierungsarbeiten wurde ein Dreieck mit der alten Bemalung freigelegt. In den Logen sitzen die Zuhörer.

Die Bürgerschaftssitzungen finden alle 14 Tage statt und sind öffentlich. Jeder, der Interesse hat, kann sie sich anhören. Allerdings muss man sich vorher bei der Bürgerschaftskanzlei anmelden und eine Karte beantragen, da die Plätze begrenzt sind

Sitzungssaal der Bürgerschaft
Der Sitzungssaal der Bürgerschaft mit 120 Plätzen,
 den Sitzen des Präsidiums und des Senats, sowie Logen für die Gäste und die Presse.
(Bild: Andre Kottlewski)

 

'Bürgermeisterzimmer:

Im Bürgermeisteramtszimmer ist der Erker mit schönen Glasmalereien geschmückt, die die Bürgermeister Lehmann, Versmann und Mönckeberg mit ihren Wappen und Wappensprüchen zeigen. Diese Glasfenster waren ursprünglich ein Geschenk des Vereins Hamburgischer Staatsbeamten. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Fenster zerstört und im Rahmen der grundlegenden Restaurierung des Rathauses nach alten Vorlagen neu erstellt. Ebenso baute man im Rahmen der laufenden Restaurierung den großen Kronleuchter nach einem alten Vorbild nach.

            Bürgermeisterzimmer

Das offizielle Bürgermeisterzimmer. Auf einem kleinen Schreibtisch liegt das Goldene Buch der Stadt. An den Wänden befinden sich Bilder mit Inschriften der ehemaligen Bürgermeister der Stadt von 1264 - 1918.  (soweit sie bekannt sind)

Diese Datei wurde unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation Version 1.2 veröffentlicht.
Urheber: J. Jirbes - Originalbild  -  hier  -
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An den Wänden des Bürgermeisteramtszimmers befinden sich Bronzetafeln mit den Namen und soweit sie bekannt sind, die Wappen der Hamburger Bürgermeister seit 1264 bis 1918. Kein Platz blieb aber für die danach demokratisch gewählten Bürgermeister auf den vom "Verein für Hamburgische Geschichte" gestiftetem Tafeln. U. a. verzeichnen diese Tafeln auch Simon von Utrecht, den späteren Kämmerer (Finanzsenator) und der dann Bürgermeister wurde,  welcher im Jahre 1400 den Seeräuber Claus Störtebeker besiegte. Auch das goldene Buch Hamburgs wird im Bürgermeisterzimmer aufbewahrt

Bürgermeisterzimmer
Auf dem Sims des gewaltigen Marmorkamins steht eine Büste von Bürgermeister Carl Petersen. Der Ecker ist mit schönen Glasmalereien geschmückt.

(Foto: Andre Kottlewski)

Als prächtige Türdekoration fällt dieses geschnitzte Hamburger Wappen ins Auge



(Foto: Andre Kottlewski)

 

'Turmsaal:
- Saal der Republiken -

Einen weiteren Saal, den sogenannten Turmsaal oder Saal der Republiken betritt man durch drei prachtvolle, schmiedeeiserne, vergoldete Gittertore. Das Tor wird durch acht rundherum massive Säulen aus Onyx umkleidet. Der Saal erinnert an das Selbstverständnis der alten Stadtrepublik. Zwischen den Säulen werden vier andere Stadtrepubliken dargestellt, wie Venedig, Athen, Rom und Amsterdam.

Der Turmsaal
- auch Saal der Republiken genannt -
- Bild: Andre Kottlewski -

Deckengemälde im Turmsaal
Bild: Andre Kottlewski -

Der Turmsaal liegt exakt in der Mitte des Hamburger Rathauses und verlängert den Rathausturm in das Gebäude hinein. Der Turmsaal besitzt einen Zugang zum Rathausbalkon - hier werden z. B. die Meisterfeiern der beiden hiesigen Fußballvereine der I. und II. Bundesliga gefeiert, des HSV und dem 1. FC. St. Pauli.

'Phönix-Saal:

Der repräsentative Phönix-Saal ist eine Schöpfung des Architekten Martin Haller. Dieser Raum soll an den Wiederaufstieg Hamburgs nach dem großen Brand von 1842 erinnern, der die Stadt fast völlig vernichtete. Auch die kaum 101 Jahre später stattfindenden Bombennächte im 2. Weltkrieg waren ein Trauma für die Stadt und hatten fast die gleichen Auswirkungen wie der große Brand.  Der Vogel Phönix steht dabei als Symbolfigur für die Wiederauferstehung aus der Asche.

"Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit
und neues Leben blüht aus den Ruinen."

Die Symbolfigur des Phönix, der sich oberhalb des Kamins (aus der Asche( erhebt, steht ebenso dafür, dass sich Hamburg immer wieder aus der Asche erhebt, wie das Bild der Schutzpatronin Hammonia, die sich auf einem großen Gemälde des Bremer Malers Arthur Fitger, mit einem Rosenzweig in der Hand, über die Trümmer schreitet. Ein Medaillon befindet sich ihr gegenüber, in welches das ursprüngliche Hamburg als Intarsie eingearbeitet ist - der rote Lack markiert die 1842 abgebrannten Stadtteile. Eine kleine bronzene Skulpturengruppe die zu Ehren des ehemaligen Bürgermeister Peterson gestiftet wurde, befindet sich ebenfalls im Phönixsaal.

Heute wird dieser Raum, der ungefähr 40 Personen fasst, meistens für Pressekonferenzen benutzt.

Prachtvoll verzierte Eingangstür vom Bürgermeistersaal, die flankiert wird von den Büsten zweier ehem. Bürgermeister.

(Bild: Andre Kottlewski)

Vom Turmzimmer aus ein Blick durch die lange Zimmerflucht vom Bürgermeistersaal, Phönixsaal, Kleines Zimmer, Empfangszimmer bis zum Bürgermeisteramtszimmer._
(Bild: Andre Kottlewski)

 

'Bürgermeistersaal:

Ein großes Gemälde von Hugo Vogel, das den Senat in seiner Amtstracht, dem Habit, beim Einzug in das neue Rathaus am 26. Oktober zeigt, dominiert den Bürgermeistersaal, der seinen Namen nach den hier aufgestellten Marmorbüsten Hamburger Bürgermeister aus dem 19. Jahrhundert trägt. Nur zu besonderen Ereignissen wurde diese Amtstracht angelegt. Ursprünglich stammte sie aus Burgund und kam dann über Spanien und die Niederlande nach Hamburg. Erst 1919 hat die Revolution sie abgeschafft

Der Bürgermeistersaal mit einem Gemälde, welches den Senat in seiner Amtstracht zeigt.

(Foto: Andre Kottlewski)

Ein prächtiger Kamin aus istrischem Marmor, der von den Büsten zweier Bürgermeister flankiert wird, befindet sich gegenüber dem Gemälde von Hugo Vogel im Bürgermeistersaal.
(Foto: Andre Kottlewski)

Im Rahmen des Empfangs werden im Bürgermeistersaal auch die Eintragungen in das "Goldene Buch" der Stadt vorgenommen.

'Bürgersaal:

 

Der Bürgersaal ähnelt der "kleinen guten Stube" in einem bürgerlichen Haushalt des 19. Jahrhunderts.
An den Bänken sieht man geschnitzte Köpfe, die Ironie, Neid, Missgunst und Schadensfreude darstellen. Sie sollen draußen bleiben, wenn das Parlament tagt.
(Bild: Andre Kottlewski)

Die geprägte und vergoldete Ledertapete im Bürgersaal ist perfekt restauriert worden, wie auch die anderen Ledertapeten im Rathaus.

(Bild: Andre Kottlewski)

Der kleinere Bürgersaal dient dem Präsidenten der Bürgerschaft für kleinere Empfänge, außerdem finden hier Gesprächsrunden dei Delegationsbesuchen statt. Der Ältestenrat der Bürgerschaft, eine Versammlung aus Vertretern der Fraktionen, benutzt diesen Raum für Beratungen des Präsidenten. Außerdem finden hier Fraktions- und Ausschutzsitzungen statt.

'Kaisersaal:

 

Der Kaisersaal, benannt nach Wilhelm II., der am 19.6. 1895 hier der Einweihungsfeier des Nord-Ostseekanals beiwohnt.
(Foto: Andre Kottlewski, Aachen)

Die Decke des Kaisersaals glänzt durch ein prächtiges Struckprogramm und beeindruckende Gemälde
 von A. Fitger
(Foto:
Andre Kottlewski, Aachen)s

In der Mitte des Gebäudes liegen die Repräsentations- und Festräume. Einer der schönsten Räume des Rathauses ist der sogenannte "Kaisersaal", benannt nach Kaiser Wilhelm II., der am 19. 6. 1895 im heutigen Kaisersaal die Einweihung des Nord-Ostseekanals im Beisein zahlreicher Persönlichkeiten feierte. Die Ausschmückung dieses Prunksaales bezieht sich darum auch ganz und gar dem Thema der Seefahrt. Im Deckengemälde wird der Triumph der Deutschen Flagge (Reichshandelsflagge) über die Meere in einem Gemälde von A. Fitger gezeigt. Weitere Werke von ihm sind zu sehen an der Turmlaube, im Senatstreppenhaus sowie die Hammonia-Darstell8ung im Phönix-Saal. Der Kaisersaal glänzt durch ein reiches Stuckprogramm an den Wänden und Decken, sowie Reliefs der stürmischen Nordsee und der ruhigen Ostsee. Im Raum sind außerdem die drei Büsten der Kaiserreichsgründer: Wilhelm I, Bismarck, Graf von Roon aufgestellt sowie an den Wänden die Porträts der Hamburger Bürgermeister. Die prächtige Ledertapete im Kaisersaal ist die größte in Deutschland aus dem 19. Jahrhundert. Eines der Gemälde zeigt den Bürgermeister Johann Georg Mönckeberg, nach dem die Mönckebergstraße benannt wurde. Er war mehrmals, zuletzt 1908 Erster Bürgermeister der Stadt.

Eine über der Tür des Kaisersaals hängende Bronzetafel erinnert an die Feiern zur Einweihung des Nord-Ostsee-Kanals, die in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II.  stattfand. Weibliche Figuren, welche die Nord- und Ostsee symbolisieren, umrahmen die Tafel und reichen sich die Hände.

In seiner Gestaltung erinnert der Kaisersaal an barocke Vorbilder und bildet sicherlich eine der gelungensten historischen Raumschöpfungen in ganz Hamburg überhaupt. 

'Festsaal:

 

Über den Bürgermeistersitzen dominiert das Wandgemälde von Hugo Vogel, welches den Hamburger Hafen zu Beginn 
des 20. Jahrhunderts zeigt.

(Foto: Andre Kottlewski)

Der Festsaal wird von 3 riesigen Kronleuchtern beleuchtet, von denen jeder 1m7 Tonnen wiegt.


(Foto: Andre Kottlewski, Aachen)

Die Ausstattung der Wandgemälde im Großen Festsaal stammt von Hugo Vogel und wurde erst im Juni 1909 abgeschlossen. Sie zeigen die einzelnen Stationen Urlandschaft, Besiedlung, Christianisierung, Mittelalter und Neuzeit. Vor dem marmornem Mittelportal mit den vergoldeten Kupferfiguren der Tugend ist das riesige Wandbild der "Christianisierung" zu sehen. Von dem Bild hat Hugo Vogel drei Versionen gemalt, denn auf den beiden vorherigen, wieder zerstörten Bildern, kniet ein Sachse vor dem segnenden Bischof. Als Anekdote ist überliefert, dass der Senat, als er dieses Bild sah, erklärte, es könne historisch nicht richtig sein, dass dieser kniende Heide ein früher Hamburger sei, denn ein Hamburger würde nicht knien, weder vor dem Bischof, noch vor dem Kaiser. Daraufhin musste der Maler den Knieenden übermalen, deswegen sieht man auf der letzten Ausführung des Bildes keinen knienden Heiden mehr und der Bischof segnet ins Leere.

Der Saal hat eine Länge von 46m und eine Fläche von 720 qm. Über dem Eingang befindet sich die Musikempore. Das große Wandbild dahinter zeigt die Urlandschaft noch ohne menschliche Besiedlung. Auf dem zweiten Wandgemälde, welches die "vorgeschichtliche Zeit" zeigt, sind frühe Bauern und Fischer an Elbe und Alster zu sehen. Alle Gemälde sind in einem hellen Blau und Grau gehalten und das Element Wasser zieht sich als Verbindung durch alle Bilder.

Der Prunksaal wird von drei riesigen Kronleuchtern erleuchtet. Jeder von ihnen hat 240 Glühbirnen und wiegt über 1,7 Tonnen. Mit einem Elektromotor auf dem Dachboden werden die Kronleuchter zum Reinigen und zum Auswechseln der Glühbirnen heruntergelassen.

Am 24. Februar jeden Jahres lädt der Bürgermeister traditionell 300 Ehrengäste zur Matthiae-Mahlzeit in den Festsaal.

Das Wandbild über dem marmornem Mittelportal mit den vergoldeten Kupferfiguren der Tugenden "Weisheit", "Gerechtigkeit" und "Stärke" ist das größte Wandgemälde im Rathaus zu sehen, die "Christianisierung".
(Foto: Andre Kottlewski)

Festsaal des Rathauses
Der Fries unter der kassettierten Decke im großen Festsaal trägt die Wappen der mit Hamburg verbundenen Hansestädte.

(Foto: Andre Kottlewski)

Man verlässt nun den Festsaal und geht über die Senatstreppe im 1.Stock zurück in die Eingangshalle.

Mönckebergstraße

Die verkehrsberuhigte Mönckebergstraße, welche von den Hamburgern "die Mö" genannt wird, ist wohl die bekannteste Einkaufsmeile in Hamburg und gilt gleichzeitig als Tor zur Innenstadt. Namensgeber für die Straße, in der es so gut wie keine Wohnnutzung gibt, ist der ehemalige Hamburger Bürgermeister Johann Georg  Mönckeberg, welcher um die Jahrhundertwende zwischen 19. und 20. Jahrhundert die Geschicke der Stadt leitete. Er übernahm 1997 den Vorsitz der Sanierungskommission, die sich um die Neugestaltung der Hamburger Alt- bzw. Innenstadt kümmerte. Während des 2. Weltkrieges wurden viele Häuser in der Mönckebergstraße zerstört. Beim Wiederaufbau und bei späteren Sanierungen sind manche Fassaden zeitgemäß umgestaltet worden. 

Die Mönckebergstraße verbindet den Hauptbahnhof mit dem Rathausplatz. Moderne Warenhäuser in traditionsreichen Kontorgebäuden bilden einen reizvollen Kontrast. Die großen Kaufhäuser der Stadt mit ihren Auslagen locken täglich viele Passanten an. Prachtvolle Kontorhäuser säumen die leicht S-förmig geschwungene Mönckebergstraße. Romantische Stadthäuschen, schnörkelige Barockgebäude sucht man hier in Hamburg zumeist vergeblich. Seit jeher ist und war Hamburg eine Kaufmannsstadt, deren Architektur Nützlichkeit uns unauffällige Schönheit miteinander verbindet.

Das charakteristische Bild Hamburgs wird durch vier wichtige Bautypen gebildet;

  1. die Kontorhäuser der Kaufleute, die "Pfeffersäcke" genannt werden,

  2. die roten Mietshäuser aus Backstein,

  3. die eleganten weißen Villen an der Außenalster

  4. und die modernen Geschäftsbauten aus Glas, Stahl und Backstein

Der Oberbaudirektor  in Hamburg von 1909-1933, Fritz Schumacher, der verantwortlich für die Gestaltung der Mönckebergstraße und des Stadtparks war, achtete stark auf die städtebauliche Einheitlichkeit. So entstanden auch die postmodernen Bauwerke in der Mönckebergstraße, die mit dem bereits bestehenden Stadtbild als auch mit den anderen Neubauten harmonieren mussten, wie auch die reizvollen Gegensätze der modernen Warenhäuser in traditionsreichen Kontorgebäuden.

Als drei exemplarische Beispiele sollen hier die Klinkerbauten von Johann Friedrich Höger (genannt: Fritz Höger 1877-1949 deutscher Architekt) genannt werden, der als einer der führenden Vertreter des norddeutschen Klinker-Expressionismus gilt. 

Das sog. "Klöpperhaus"
- heute Galeria Kaufhof" -

Bild-Lizenz: Originalbild Hamburg.Klöpperhaus.wmt.jpg
GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Foto: Wolfgang Meinhart,
Wikepedia: Original - hier

                          Mönckebergstraße 
      mit links Saturn und  "Klöpperhaus" - heute Kaufhof
      rechts Karstadt Sport u. Spielhaus

Dieses Bild basiert auf dem Bild Hamburg-Moenckebergstraße.jgp
aus der freien Enzyklopädie Wikepedia und steht unter der   GNU-Lizenz  für freie Dokumentation.
Quelle/Fotograf:
Staro1
Die Originaldatei in Wikepedia ist hier zu finden.

 

  1. Auf der linken Seite der Mönckebergstraße befindet sich das "Klöpperhaus" welches 1912/13 bereits in Klinkerbauweise für den Wollhändler Heinrich Adolf Klöpper errichtet wurde. Die Backsteinfassade ist durch Lisenen ( auch Mauerblende - in der Architektur eine schmale und leicht gebogene vertikale Verstärkung der Wand)  und nach außen gewölbte Fenstergruppen gegliedert. Am Hauptportal zur Straße Lange Mühren weisen Bronze-Schafe von August Gaul auf den Beruf des Bauherrn hin. Leider ist die ursprüngliche Innenausstattung, insbesondere die Eingangshalle durch die Auskernung für das Kaufhaus Galeria Kaufhof, das heute das Klöpperhaus benutzt, verloren gegangen.

  2. In der Mönckebergstraße 11 befindet sich das im Jahre 1912 erbaute "Rappolthaus", welches zwischen Jacobikirche und Mönckebergstraße gegenüber dem Mönckebergbrunnen steht. Das Gebäude besteht aus Haus I. und Haus II., welches zuletzt im Sommer 2005 renoviert wurde.
    Der Bauherr des Gebäudes war das 1897 gegründete Textilunternehmen Rappolt & Söhne, welches Bekleidung herstellte. Heute wird das Rappolthaus vom Schuhladen Elsner genutzt sowie von zahlreichem Büro- und Geschäftsräumen.
    Bemerkenswert ist der schöne Bauschmuck am Erker, den Portalen und dem Brunnen im Hof des Rappoldthauses I., der von Georg Wraba und von Richard Kuöhl geschaffen wurde.

  3. Das achtgeschossige "Grellhaus" (ein ehemaliges Predigerhaus) an der Ecke Bergstraße gegenüber der Petrikirche wurde schon 1911 ebenfalls von Fritz Höger erbaut. 

Erwähnenswert ist auch das im niederländischen Renaissancestil errichtete "Hulbe-Haus" (1911), welches zwischen den schlichten Kontorhäusern der Mönckebergstraße aus dem Rahmen fällt. Architektonisch  schafft dieses kleine Gebäude, welches der Leder-Kunsthandwerker Georg Hulbe sich in den Jahren zwischen 1910 und 1911 direkt neben der Petrie-Kirche von dem Architekten Henry Grell errichten ließ, eine Verbindung zum Rathausmarkt mit dem Rathaus. Georg Hulbe fertigte unter anderem die Leder-Ausstattung des Hamburger Rathauses und des Reichstags in Berlin an.

              Mönckebergstraße Nr. 21 - Hulbe-Haus
Heute steht das Haus unter Denkmalschutz und ging von einer Erbengemeinschaft in den Besitz des Wirtschaftsprüfers Prof. Dr. Otto Gellert über und wird von einem Geschäft für Mode und Skateboardausrüstung genutzt.
                            
(Bild: Nefershapiland)

Das Gebäude erinnert mit seinen reichen niederländischen Renaissanceformen an die Tradition nordischer Seestädte und weist zugleich auf seine ursprüngliche Bestimmung als Kunstgewerbehaus hin.

                 (Bild: Nefershapiland)

Das Haus ziert eine vergoldete Kogge, welches als Wahrzeichen des Hauses auf dem Dach aufgestellt ist. Die Kogge beinhaltete Dokumente aus dem Jahr des Baus. Die Kogge wurde zusammen mit anderen Teilen des Hauses nach einem schweren Sturm 1978 restauriert. Die Dokumente wurden anschließend an das Museum für Kunst und Gewerbe weitergeleitet.

Verschiedene Kaufhäuser und zahlreiche Filialen von verschiedenen Einzelhandelsketten  kennzeichnen heute das Straßenbild der Mönckebergstraße. Um nur die größten zu nennen:

  1. Das Galeria-Kaufhaus im Klöpperhaus

  2. das große Karstadt-Kaufhaus

  3. Karstadt Sport- und Spielhaus

  4. das technische Kaufhaus Saturn am Hauptbahnhof-

Dadurch, dass diese Baukomplexe sehr groß sind, gibt es lediglich 31 Hausnummern in der Mönckebergstraße. In die Bauten wurden zwei kleinere Einkaufspassagen, die Landesbankgalerie und die Galerie im Levantehaus, integriert, die weitere Verkaufsflächen für Einzelhandelsgeschäfte bieten.

Die Einmündung in die Spitalerstraße wurde nicht in voller Höhe bebaut. 1914 entstand als städtebaulicher Akzent ein kleiner Platz und darauf ein kleiner Bau mit dorischen Säulen, der sogenannte "Hamburg-Pavillion".
In dem tempelähnlichen Bau wurde die öffentliche Bücherhalle untergebracht (später zog hier bis 2009 "Burger King" ein) und davor eine kleine Denkmalanlage mit Brunnen, die zur Erinnerung an den ehemaligen Bürgermeister der Stadt Mönckeberg dient. 

Nach der Renovierung und dem Umbau im Jahre 2009 sind hier ein "Starbucks Cafè" und ein Kultur-Punkt der Kulturbehörde eingezogen. Der Mönckebergbrunnen mit "Burger-King"-Tempel 
                             im Jahre 2007
(Bild: Nefershapiland 2011) Bild-Lizenz:
Hamburg Mönckebergstraße,
Spitalerstraße.jpg
GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Version 1.2
Foto: Andreas Praefcke     2007
Wikepedia: Original - hier

 

Der Mönckebergbrunnen mit seinen wasserspeienden Skulpturen zählt zu den beliebtesten Denkmälern der Hamburger Innenstadt. Den Brunnen zieren zwei menschliche Bronzefiguren mit Seelöwen und eine von einem Löwen gekrönte Stele – ein Bezug auf den Spitznamen des hoch geschätzten Bürgermeisters Mönckeberg, der „Löwe“, in dessen Amtszeit sich die Zahl der Hamburger Bürger verdoppelte.
                                                     (Bilder: Nefershapiland 2011)

 

Chilehaus:

Das zehnstöckige Chilehaus erhebt sich schräg gegenüber vom Sprinkenhof und ist nach wie vor das wohl bekannteste Gebäude im Kontorhausviertel zwischen Steinstraße und Meßberg. Genau wie der Sprinkenhof wurde das Chilehaus von Fritz Höger konzipiert. Es wurde 1922 - 1924 für Henry Sloman, einem Kaufmann, der durch Salpeterhandel zu einem Vermögen gekommen war, erbaut. Es gilt als die bedeutendste Schöpfung des "Klinker-Expressionismus" und verdankt seinen Namen dem Land, in dem der Bauherr drei Jahrzehnte lang im Salpetergeschäft tätig war. Das zeitlose Bauwerk aus den 20er-Jahren des 20. Jahrhundert ist komplett aus 4,8 Millionen Backsteinen gebaut und überspannt an seiner breitesten Stelle eine Durchfahrtstrasse, die Fischertwiete.

Das 10stöckige Chilehaus
Berühmt geworden durch seine Spitze, die zu einem monumentalen Schiffsbug zusammenläuft.

(Foto: Andre Kottlewski, Aachen)

"Flaggschiff in Backstein"
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Dieses Bild basiert auf dem Bild:
"Chilehaus Hamburg 2. jpg"
 von Wikimedia Commons und steht unter der

  GNU-Lizenz
für freie Dokumentation

Photographed by User: SKopp    
Originaldatei: hier

Das Gebäude wurde durch seine Spitze berühmt, die spitz zu einem monumentalen Schiffsbug zusammenlaufen. Als "Flaggschiff" in Backstein sollte es den Aufschwung der hanseatischen Wirtschaft nach dem Ersten Weltkrieg zum Ausdruck bringen. Es verfügt europaweit über dem spitzesten Fassadenwinkel. Von Osten aus hat man den besten Blick. Lohnenswert ist ein Blick in die Eingangshalle und die seitlichen Treppenhäuser. Maßgeblich beteiligt am keramischen Wandschmuck der Fassade und der Treppenhäuser war der Bildhauer Richard Kuöhl. 

Da es in Hamburg üblich war, den Kontorhäusern Namen zu geben, entschloss sich Henry B. Sloman, seinem Haus als Erinnerung an seine langjährige Tätigkeit in Südamerika den Namen "Chilehaus" zu geben.

Das Chilehaus hat weltweit für Aufsehen gesorgt und über Jahrzehnte hinweg seinen Ruf als architektonisches Kunstwerk erhalten. Seit dem 27. September 1983 steht das Chilehaus unter Denkmalschutz und ist in der Zwischenzeit auf die Liste des Kulturerbes der Welt der UNESCO aufgenommen worden.

Historische Deichstraße:
- mit Nicolaifleet -

Die Deichstraße - ein architektonisches Juwel althamburgischer Bauweise, welche westlich des Nicolaifleets verläuft, ist das einzige Ensemble althamburgischer Kaufmannsbauweise welches aus aus dem 17. bis 1. Jahrhundert erhalten geblieben ist.

Beginn der historischen Deichstrasse


(Bild: Nefershapiland)

Nikolaifleet 
Die Häuser der Deichstrasse wurden zur Wasserseite bis an den Fluss gebaut
(Foto: Andre Kottlewski)

 

Die am Nikolaifleet entlang führende historische Deichstraße 
vermittelt noch einen romantischen Eindruck vom alten Hamburg.
- Das Restaurant "Zum Brandanfang" - Haus Nr. 25 - 
(Foto: Andre Kottlewski)

Urkundlich wird die Straße erstmals 1304 mit dem Namen "dikstrate" erwähnt. Dieser Ausdruck erinnert an die etwa um 1200 einsetzende Eindeichung des südlich des Stadtzentrums gelegenen Elbvorlandes durch Graf Adolf III. - ursprünglich wurde in der Deichstraße nur die Landseite mit Binnendeichhäusern bebaut.
Seit dem 15. Jahrhundert als sich die Brauer hier niederließen, errichte man am Fluss auch Gebäude am Außendeich. Die Häuser liegen auf der Deichkrone und wurden zur Wasserseite bis an den Fluss gebaut.  

Zwischen den beiden Häusern 39/41 und 43/45 gelangt man über die beiden Fleetgänge auf die Pontons im Nikolaifleet. Früher verfügten die Häuser noch nicht über Wasserleitungen, deshalb waren die Fleetgänge Zugang zum Wasser für die Bewohner, welche nicht direkt am Wasser wohnten.

Die Restaurants und Cafès in der Deichstraße besitzen zum Teil auf der Rückseite  Außenanlagen auf den Pontons im Nikolaifleet
(Foto Andre Kottlewski, Aachen)

Durch die Fleetzugänge zwischen den Häusern
gelangte man auf die Pontons

(Bild: Nefershapiland)

Die Häusergruppe der Deichstraße besteht aus mehreren Fachwerkhäusern, die zur Straße hin mit repräsentativen Fassaden ausgestatte sind, zur Seite des Nicolaifleets aber ihr Fachwerk behalten haben. Dort befinden sich Ladeluken, über welche die Schuten im Nikolaifleet mittels eines Flaschenzugs entladen und die Waren direkt in die als Speicher genutzten Räume des Hauses gebracht werden konnten. Der Wohnbereich der Häuser befand sich im vorderen Teil des Hauses, ebenso das Kontor und die für die damalige Zeit typisch repräsentative Diele. Da die Häuser im Laufe der Jahre stark verändert wurden, blieb diese Innenaufteilung kaum erhalten. Bei mehreren Häusern im Erdgeschoss wurden später Läden eingebaut. 

Deichstrasse 28
- historischer Bau mit einem großen Eingangsportal -
heute logiert hier eine Galerie


(Foto: Andre Kottlewski)

Deichstrasse 37
Das "Althamburger Bürgerhaus"
1680 für den Kaufmann Jacob Lange erbaut, bei den Renovierungsarbeiten 1974-80 ausgestattet mit Mobiliar aus dem 17. Jahrhundert
(Foto: Andre Kottlewski)

 

Häuser in der Deichstrasse

Haus 19 Gleich nach dem Großen Brand von 1842 von einem Vertreter der Bürgerschaft von Georg Luis errichtet. Das geht auch aus einer Inschrift im obersten Stock hervor. Der Architekt hat die schöne Fassade im Stil des romantischen Historismus gestaltet. 
Häuser 21-23 Wenngleich schlichter als Haus Nr. 19, haben auch diese Häuser Nr. 21-23 romantisch-historistische Fronten.
Haus 25 Vom Haus 25 griff das Feuer 1842 auf die Ostseite der Deichsstrasse über.
Haus 27 "Bardowicker Speicher" - Ältester Speicher Hamburgs. Das Haus mit den massiven Backsteinfassaden wurde um 1780 errichtet und diente den Gemüsehändlern aus dem niedersächs. Bardowick als Lagerhaus.
Haus  37 Das "Alt-Hamburger Bürgerhaus" mit der Nr. 37 wurde etwa um 1680 für den Kaufmann Jakob Lange gebaut. Bei den Renovierungsarbeiten 1974-80  wurden die Prunktreppe, die bemalte Balkendecke und  die Galerie erneuert. Ausgestattet wurden die Räume mit Mobiliar aus dem 17. Jahrhundert. Erhalten geblieben ist auf der Nikolai-Fleet Seite die "Utlucht" - ein Erkerbau, in dem sich die Aborte befinden. Heute befindet sich in dem Haus ein Restaurant.
Haus 42 Im Haus 42 brauch der sog. "Große Brand" aus.
Haus Nr. 47 Das Bürgerhaus Nr. 47 - erbaut im Jahre 1658 wurde im II. Weltkrieg schwer beschädigt - wiederhergestellt wurde der Volutengiebel aus dem 18. Jh. während der Restaurierungsarbeiten zwischen 1974-80. Das barocke Portal vom abgerissenen Haus Nr. 29 wurde in dieser Zeit in Haus 47 mit eingebaut. Erhalten blieben im Innen Reste einer barocken Diele sowie Stuck- u. Balkendecken.

Vom Haus Nr. 25 griff beim Stadtbrand 1842 das Feuer auf die Ostseite der Deichstrasse über. Der Name des heutigen Restaurants "Zum Brandanfang" (Haus Nr. 25) vermittelt dem Besucher zwar irreführend etwas anderes, aber von diesem Haus aus wurde der Große Brand in Richtung Norden ausgebreitet. Das 1659 erbaute Haus erhielt damals das barocke Portal. Bei der Restaurierung wurde es zugemauert, da es zu stark beschädigt war. Erst im Jahre 1974 bei den neuen Restaurierungsarbeiten legte man es wieder frei. Die Fachwerkfront der Ostseite konnte bewahrt werden und im Inneren sind die bemalten Balkendecken aus dem 17. Jahrhundert erhalten.

Hamburger Brand von 1842.
- The Illustrated London News. Vol. 1.
-

(Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist)
Urheber: unbekannt
Quelle: Wikipedia  hier

Hamburger Brand v. 1842 - Zollenbrücke -
- Colorierte Lith.  v. Peter Suhr 1788-1857 -

(Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist)
Quelle: Wikipedia hier

Im Haus Nr. 42 (schräg gegenüber der heutigen Kanzlei) brach am Morgen des 5. Mai 1842 gegen 1.00 Uhr aus unbekannten Gründen ein Feuer aus. Evtl. haben fahrlässige Dachdecker das Feuer bei Lötarbeiten entfacht. Schnell brennt das Feuer sich über die dicht aneinandergebauten Fachwerkhäuser aus.  Anhaltender Wind und die vorausgegangene Trockenheit ließen dann ein Großfeuer entstehen, welches sich seinen Weg in Richtung Norden und Osten durch die Stadt suchte. Schon drei Tage später am 8. Mai 1842 ist ein Großteil der Hamburger Altstadt weitgehend dem Feuer zum Opfer gefallen.
Nach dem morgendlichen Hauptgottesdienst stand bereits am Nachmittag um 16.00 Uhr der Turm der Nikolaikirche in Flammen.

Der große Brand 1842
- Rathaus und Börse -
Gemälde von Gebrüder Suhr  † 1842 und 1857.

Bildquelle: Wikimedia Commons - Originalbild:   hier
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Erst am Morgen des 8. Mai 1842 kamen die Flammen zum Stillstand. Auch die Sprengung des Alten Rathauses an der Trostbrücke konnte den Brand nicht stoppen. Man hatte gehofft, durch die bei der Sprengung geschaffene Schneise den Brand aufzuhalten. 

Der Große Grand von 1842 verwüstete mehr als ein Viertel des damaligen Hamburger Stadtgebietes. 
51 Menschen kamen dabei ums Leben, 20.000 Menschen wurden obdachlos. Die Zahl der zerstörten Häuser wurde auf etwa 1.700 in 41 Straßen geschätzt. Weiter wurden 102 Speicher zerstört, ebenso drei Kirchen, darunter die Hauptkirchen St. Nicolai und St. Petrie und das alte Rathaus, die Bank, das Archiv und das Commercium mit der alten Börse.

In ganz Europa wurde die Nachricht vom "Großen Hamburger Brand" Zeitungsschlagzeile und spontane Hilfssendungen erreichten Hamburg von überall her. Mit ihren erhalten gebliebenden Fachwerkhäusern ist die Deichstraße ein Symbol für das alte Hamburg geworden. Von den Häusern aus dem 17. Jahrhundert stehen heute noch fünf - die anderen Häuser wurden originalgetreu rekonstruierst.

         Deichstrasse 27 - Badowicker Speicher
Dieses Haus wurde um 1780 als Waren-Speicher errichtet. 
Der "Bardowicker Speicher" ist der älteste Speicher der Hansestadt.
                       
(Foto: Nefershapiland)

Barocke Portal von Haus 47




- Foto: Andre Kottlewski -

Haus Nr. 27 - Der "Bardowicker Speicher"

Bardowicker Gemüsemädchen, überwiegend Töchter und Mägde der Bardowicker Gemüsebauern, fuhren sehr früh morgens vom Sammelplatz Hohensande an dem Flüsschen Illmenau, um auf Milchkähnen flussabwärts nach Hamburg zu fahren, der Elbe entgegen. Die zu verkaufende Gemüsefracht fuhr auf Holz-Ewern hinterher um von den Gemüsemädchen gegen Mittag auf dem Hamburger Gemüsemarkt verkauft zu werden. Später lagerten und wohnten die Gemüsemädchen im sogenannten "Zippelhaus" oder "Zwiebelhaus", welches groß genug war, um die Waren zu lagern und dazu noch Platz genug bot, damit viele der Bardowicker Gemüsemädchen dort übernachten konnten, um auf diese Weise das mühsame Pendeln zu umgehen. Die Bardowicker Mädchen waren allein für den Verkauf der Waren, die auf dem Wasserweg angeliefert wurden und für die Erlöse hieraus verantwortlich.

Der Handel muss so gut gewesen sein, dass der Speicherplatz des  baufälligen "Zippelhauses"nahe der Katharinenkirche bald zu klein wurde und im späten 19. Jahrhundert ein neues Lagergebäude von den Badowickern in der Deichstraße 27 erworben wurde. Eine Gedenktafel an dem alten Lagerhaus Nr. 27 erinnert an seine Vergangenheit als Gemüsespeicher. Manchem Hamburger ist das Haus Nr. 27 in der Deichstraße heute noch als "Bardowicker Speichere" bekannt.

Dem Verein "Rettet die Deichstrasse" ist es zu verdanken, dass die alte Bausubstanz in den Jahren um 1970 erhalten wurde. Der Verein ermöglichte mit Spendengeldern und dem Verkauf von Andenken die Restaurierung verschiedener Gebäude.

Das Nikolaifleet an der Rückseite der Häuser ist der ursprüngliche Flusslauf der Alster. Das Fleet ist bei Ebbe oft trocken, was sehr gut zu beobachten ist, wenn man auf einem der Pontons der Restaurants sitzt.
(Foto: Andre Kottlewski)

Im Haus Nr. 45 befindet sich das "Cafe am Fleet"
          - die Fassade erscheint im Stil 
            der alten Kolonialwarenhäuser  -

                  (Foto: Andre Kottlewski, Aachen)

Das "Cafe am Fleet" im Haus Nr. 45 - Dieser "Kolonialwarenladen" oder "Kiosk" in der Deichstrasse gibt Einblick bzw. Rückblick in eine Zeit, wo es noch im Hafen keine Container gab, sondern die Waren noch mit Stückgutfrachtern angeliefert wurden. Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein. Im Laden findet man "kultige Gegenstände" aus früheren Zeiten und für den Besucher, der zum erstenmal den "Kolonialwarenladen" betritt, scheint es, als hätte er eine Zeitreise unternommen.

Häuser der Deichstraße am Nicolaifleet

(Bild: Nefershapiland)

Nicolaifleet 
mit Blick auf die Turmruine von St. Nicolai
(Bild: Andre Kottlewski, Aachen)

Das Nicolai-Fleet verläuft vom Binnenhafen zum Großen Burstah. Früher war eine Verbindung mit dem Mönkedamm-Fleet vorhanden - der Verlauf des Nicolaifleets entspricht ungefähr dem historischen Lauf der Alster.

Hier am Nicolai-Fleet begann im Jahre 1188 die Entwicklung des heutigen Hamburger Hafens. Zwischen Holzbrücke und Hoher Brücke liegt der letzte erhaltene Fleetabschnitt mit der typischen althamburgischen Bebauung. Die Häuser an der Deichstraße mit ihren schmalen, hohen Fleetfronten der Außendeichhäuser stehen denen von vier Speicherhäusern am "Cremon" schräg gegenüber. Auf diesem Wasserweg wurden die Waren bis ins 19. Jahrhundert in die Speicher transportiert.

St. Pauli / Reeperbahn
- mit Davidswache -

Der Hamburger Stadtteil St. Pauli, das ist für die meisten Touristen die Reeperbahn und die Große Freiheit- Durch das in St. Pauli gelegene Vergnügungsviertel entlang der Reeperbahn ist der Name "St. Pauli" weit über die Grenzen von Hamburg hinaus bekannt. Der Mythos der "sündigen Meile" mit seinen Sex-Clubs, in denen es bisweilen noch "sündiger" zugehen soll, wie in anderen Hafenstädten hat dafür gesorgt, dass die "Reeperbahn" als Anlaufstelle für "Seebären" und "leichte Mädchen" Weltruhm erlangte.

Doch hat der Hamburger Stadtteil St. Pauli auch noch eine andere Geschichte, die nichts mit der "sündigen Meile" zu tun hat. Zum erstenmal wurde dieses Gebiet im Bereich des heutigen Stadtteils St. Pauli von den Nonnen eines Zisterzienserinnen-Kloster besiedelt, das um 1247 n. Chr. in der Nähe des heutigen Fischmarkts an der Mündung des Baches Pepermölenbek lag, die in die Elbe floss. Im Jahre 1293 wurde das Kloster in das ruhigere Alstertal verlegt. Ebenfalls in diesem Jahrzehnt wurde das Gebiet westlich der Hamburger Kernstadt bis zum Pepermölenbek in das städtische Weltbild. Allerdings war das "Wohnen" in diesem Gebiet lt. einem Verbot des Hamburger Rates aus dem Jahre 1306 verboten. Nichtsdestotrotz bildete sich nach und nach eine Besiedlung, zu der ab etwa 1550 auch vereinzelte Landhäuser von Hamburger Bürgern gehörten.

Im Bereich der heutigen Annenstraüe wurde nach Ausbruch der Pestepidemie im Jahre 1604 - 1607 der sogenannte "Pesthof" errichtet, der bis zur Zerstörung der Vorstadt "Hamburger Berg" durch die napoleonischen Truppen im Winter 1813/14 bestand. Im Jahre 1797 wurde dieser "Pesthof" in "Krankenhof" geändert - wohl im Zuge des Vordringens eines aufklärerischen Gedankengutes. Das von der Kirche betriebene Krankenhaus für an epidemischen oder auch psychischen Krankheiten leidenden Kranke war für 700-900 Patienten eingerichtet. Dieses "Pesthaus" hatte einen so guten Ruf, dass auch (gut zahlende) Patienten von außerhalb kamen.

Man begann in Zuge der Neubefestigung der Stadt Hamburg ab Beginn des 17. Jahrhunderts (zwischen 1615-1625) damit, die zahlreichen Hügel der Vorstadt "Hamburger Berg" zu planieren, um Material für die Errichtung der sehr hohen Festungswälle zu erhalten und zugleich freies Schussfeld ("Glacis") vor den Mauern am damaligen Millerntor zu haben, wobei ein Teil der Hamburger Vorstadt in die Neustadt des Hamburger Stadtgebietes mit einbezogen wurde.

Der "Hamburger Berg" (heute: St. Pauli um 1800)

Der Hamburger Berg, so lautete der Name dieses Gebietes lange Jahre, stand zwar unter hamburgische Gerichtsbarkeit, lag aber vor der Stadtmauer (siehe Karte). 

Bild:     Hamburgerberg
Autor:  Ursprungsdatei: Ctsu, Auszug: Staro1,
dt. Wikipedia 
Lizenz: CC BY SA-2.0

Zunächst waren wegen dem "freien Schussfeld" Ansiedlungen in diesem Bereich verboten, doch schon bald ließen die Schaumburger Grafen auf dem altonaischen Teil des Gebiets religiöse Minderheiten siedeln. Seit dem 17. Jh. (um 1626) ließen auch die Hamburger Behörden Betriebe, die wegen Lärm, Geruchsentwicklung oder Wasserverschmutzung in der Stadt unerwünscht waren, in dem Vorort siedeln. Um 1626/1633 entstand im Bereich der heutigen Reeperbahn, Hamburger Berg, Simon-von-Utrecht-Straße und Kleiner Seilerstraße ein Handwerksgelände, auf dem die "Reepschläger (Seilmacher) den Reep, die Taue und Seile für die Segelschiffe fertigten - weil sie in den Stadtmauern nicht mehr den nötigen Platz für ihr Gewerbe fanden. Dieser Gewerbeplatz gab sehr viel später der heutigen "Reeperbahn" ihren Namen. 

Modell der historischen Reeperbahn im Museum für Hamburgische Geschichte. 
Bild:     MGH Reeperbahn
Autor:   Thomas Hermes- dt. Wikipedia
Lizenz   CC BY-2,5

Nördlich des Heiligengeistfeldes (dem Platz für das heutige Volksfest "Hamburger Dom") entstanden eine Ölmühle und eine Glashütte. Unmittelbar vor dem Millerntor etablierte sich schon um 1800 der Spielbudenplatz, der - wie sein Name schon aussagt - Bühne für allerlei Volks-Vergnügungen war, die damals innerhalb der hamburgerischen Stadtmauern nicht geduldet waren. Es entstand auf dem großen Platz zwischen einigen Krambuden, Gaststätten und Tanzdielen eine Art Jahrmarkt wo auch reisende Händler und Schausteller ansässig wurden. Ungefähr seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, den Hamburg unbeschadet überstand, dehnte sich auch die Bebauung des Hamburger Berges vom ersten Siedlungskern am Pepermölenbek nach Osten in Richtung der Reeperbahnen aus.

Spielbudenplatz um 1900 - Hamburger Reeperbahn
- (Bild ist gemeinfrei - dt. Wikipedia) -

Sein heutiges Aussehen verdankt St. Pauli dem Festungsbau unter der napoleonischen Besatzung Anfang des 19. Jahrhunderts. Um 1813 ließen die Franzosen den Hamburger Berg vollständig abreißen - wiederum, um vor der von ihnen besetzten Stadt Hamburg ein freies Schussfeld zu haben. Nach dem Abzug der Besatzungstruppen baute man den Vorort Hamburger Berg sehr schnell wieder auf - schon um 1820 war der frühere Zustand wiederhergestellt. 

Obwohl die "Vorstadt Hamburger Berg" immer noch vor den Stadtmauern lag und unter der "Torsperre" litt, wurde dieses Gebiet ab 1833 unter städtische Verwaltung gestellt. Erst 1894 wurde St. Pauli vollständig eingemeindet.

Heute erinnert nur noch eine Seitenstraße der Reeperbahn an den "Hamburger Berg". Von 1865-1838 hieß diese Straße Heinestraße - benannt nach dem Bankier Salomon Heine, der 1841 das am Ende dieser Straße gelegene israelitische Krankenhaus im Rahmen einer Stiftung zum Andenken an seine Frau Betty errichten ließ und in welchem ausdrücklich bedürftige Kranke aller Konfessionen behandelt werden sollten. Die Nationalsozialisten wollten durch die Umbenennung dieser Straße in eben "Hamburger Berg" die Erinnerung an den jüdischen Wohltäter tilgen. Seit einigen Jahren läuft eine Initiative um die Wiederherstellung des alten Straßennamens "Heinestraße" - bisher ohne Erfolg.

Durch den starken Bevölkerungsanstieg Ende des 19. Jahrhunderts nahm besonders das Vergnügungsgewerbe Aufschwung. Die Buden und Zelte auf dem Spielbudenplatz wurden durch feste Häuser für Theater, Zirkus und Trinkhallen ersetzt. Mit dem Aufkommen der Dampfschiff-Fahrt, die den Welthandel ankurbelte, gelangten viele Schiffe in die Hansestadt und St. Pauli wurde auch zum "Vergnügungsmekka" der Seeleute. Es bildeten sich Gemeinden von Zuwanderern, darunter auch viele Chinesen, was Anfang des 20. Jahrhundert in der Schmuckstraße zu einem kleinen "Chinatown" führte. 

In der so genannten Chinesenaktion der Hamburger Gestapo wurden am 13. Mai 1944 etwa 120 bis 130 chinesische Männer verhaftet und im Gestapogefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert und misshandelt. Eine Gruppe dieser chinesischen Männer wurde dann ohne Prozess und ohne Urteil in das Arbeitserziehungslager Langer Morgen im Hafengebiet eingewiesen. Bei Zwangsarbeit im Hafen und bei der Trümmerräumung sowie durch die Misshandlungen durch das Wachpersonal kamen mindestens 17 von ihnen ums Leben.

(Quelle: Zítat dt. Wikipedia Hamburg-St.Pauli)

Das Gebiet des Hamburger Berges und der Vorstadt St. Pauli war bis zum "Groß-Hamburg-Gesetz" im Jahre 1937 geteilt, wobei nur der östliche Teil zur Stadt Hamburg gehörte, während der westliche zur damals noch selbstständigen Stadt Altona gehörte (einschließlich der Straße Große Freiheit). Heute gehört St. Pauli zum Bezirk Hamburg-Mitte.

Weite Teile der Altstadt von St. Pauli wurden durch die Bombenangriffe auf Hamburg während des 2. Weltkrieges zerstört. Erst in den Jahren zwischen 1950 bis 1960 erlangte das Vergnügungsviertel St. Pauli seine alte Stellung zurück. Für das Viertel prägend waren vor allem die Kneipen, Stimmungslokale und die dazugehörigen "leichten Mädchen" - ab Mitte der 1960ziger Jahre entwickelte sich die berühmt-berüchtigte "Sexmeile". Zwar waren es jetzt nicht mehr die Seeleute, die hier "anlegten" und ihre Heuer daließen - die Liegezeiten der Schiffe hatte sich rapide verkürzt - dafür kamen die Touristen aus aller Welt, denen etwas geboten werden sollte.

In den 60. Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Vergnügungsviertel von St. Pauli zur ersten Adresse der Stadt, wenn es ums Tanzen und um Musikveranstaltungen ging. Eine besondere Rolle spielte dabei das Auftreten der englischen Musikgruppen, wie die Beatles - die im August 1960 hier im Kiez-Club Indra ihr erstes Konzert in Deutschland gaben, ab Oktober 1960 dann im Kaiserkeller, wo auch eine andere Band aus Liverpool spielte, Rory Storm & The Hurricanes, mit ihrem Schlagzeuger Ringo Starr, der 1962 zu den Beatles wechselte. Drei mal gastierten die Beatles später ab 1962 im berühmten "Star-Club" in Hamburg St. Pauli. Heute erinnert nur noch ein Gedenkstein an diesen legendären Club, der 1987 nach einem Brand abgerissen wurde.

              Star-Club-Gedenkstein
Die Adresse des Star-Club im Hamburger Stadtteil St. Pauli war die Gro0e Freiheit Nr. 39. 

Hier spielten so legendäre Bands wie:
The Searchers, The Liverbirds, Bill Haley, Chuck Berry, Little Richard, Jimi Hendrix, The Rivets, Gerry and the Pacemakers, Black Sabbath, Cream, Ray Charles, Fats Domino, The Everly Brothers, Brenda Lee, Lee Curtis & The All Stars and Jerry Lee Lewis u. a.

Der Tag der Schließung war der 31. 12. 1969

Bild:    Star Club Gedenkstein
User:   Elwedritsch
Lizenz: CC BY SA-3.0

 

   Der Beatles-Platz in Hamburg St. Pauli

Dieser kreisrunde öffentliche Platz im Verlauf der Reeperbahn und der Einmündung Große Freiheit mit einem schwarzen Bodenbelag, der optisch wie eine Vinyl-Schallplatte aussieht, soll an Bedeutung Hamburgs in der Geschichte der Beatles erinnern, wo der Grundstein zu ihrer Weltkarriere gelegt wurde. Am Rand des Platzes sind Silhouetten-Skulpturen der fünf Beatles-Musiker (einschl. Stuart Sutcliffe) aufgestellt worden.

Bild:     The Beatles
Autor:   Carmelo Bayarcal - dt. Wikipedia
Lizenz  
CC BY SA-3.0

Mit der "Sexwelle" in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre war mit der "Kiez-Romantik" endgültig Schluss - dafür entstanden nun die sogenannten Kontakthöfe, Eros-Center und Peepshows. Erst seit der 2. Hälfte der 1980ziger Jahre konnte man wieder einen Aufschwung im Stadtviertel St-Pauli spüren - Rockclubs kehrten auf den "Kiez" zurück, Theater wie das "Schmidts", Musical-Theater wie das Operettenhaus und Bars der gehobenen Klasse hielten Einzug und brachten eine bessere Atmosphäre auf die Reeperbahn.

Das Eros-Center auf der Reeperbahn in Hamburg-St.Pauli
Bild:     Hamburg-St. Pauli Eros-Center 01
Autor:   Frank Schwichtenberg - dt. Wikipedia
Lizenz   CC BY-3.0

 

St. Pauli - Reeperbahn:

Die Reeperbahn erstreckt sich auf etwa 930 Metern und verläuft vom Millerntor in Richtung Westen bis hin zum Nobistor in Hamburg-Altona, wo sie in die Königsstraße übergeht. Sie soll die "sündigste Meile der Welt" sein. Sexclubs und Sexkinos haben sich in den Seitenstraßen der Reeperbahn niedergelassen.

Zu den Anlaufstellen für die Touristen an der Reeperbahn zählen die vielen Nachtclubs und Diskotheken wie das legendäre "Cafe Keese", das früher mit seinem "Ball paradox" bundesweit Berühmtheit erlangte. Hier durfte sich die Dame den Herrn aussuchen - oder das Sternzeichen über die Partnerwahl entscheiden lassen. Aber die Zeiten des "Ball der einsamen Herzen" oder "Ladys Night" sind schon seit einiger Zeit vorbei und heute soll dort eine große Fischfoodkette einziehen. Anziehungspunkte auf der Reeperbahn sind auch die fensterlose Kneipe "Zur Ritze" mit einem eigenen Boxkeller und die verschiedenen Lokalitäten, die sich in den Seitenstraßen, welche von der Reeperbahn abzweigen, fortsetzen.

Die Straße "Reeperbahn" in Hamburg-St. Pauli

Tagsüber ist es eher ruhig auf der Reeperbahn - aber abends erwacht das Leben - Tausende Menschen jeden Alters sind dann unterwegs mit dem Ziel, sich zu amüsieren. 

Bild:     Reeperbahn 9.5.2012
Autor:   Christian Alexander Tietgen,  dt. Wikipedia Lizenz   CC BY SA-3.0

 

         Die Reeperbahn bei Nacht - 2006




                 die legendäre Diskothek "Grünspan,
Die Diskothek "Grünspan" wurde 1968 in einem ehemaligen Kino als Musikclub und Veranstaltungszentrum an der Großen Freiheit gegründet. Bekannt wurde die Diskothek durch Konzerte und Progressive Musik und fasst 800 Zuschauer.
Bild:     Reeperbahn 
Autor:  dannyone - dt. Wikipedia
Lizenz  CC BY-SA 3.0           
Bild:     Hh-gruenspan
Autor:   Staro 1 - dt. Wikipedia
Lizenz  
CC BY-SA 3.0 

 

                Die Große Freiheit
     - Seitenstrasse der Reeperbahn -

Über der Straße hängen Werbeschilder des Dollhauses, das heute anstelle des "Salambo" jetzt mit Tänzerinnen lockt, die sich zu angesagter Musik und gegen Dollhous-Dollars auf den Tischen "wiegen". 

Bild:     Große Freiheit Hamburg
Autor:   GeorgHH - dt. Wikipedia
Lizenz:   CC BY 2.0

 

St. Pauli - Davidwache:

Die Davidwache befindet sich in einer exponierten Lage an der Hamburger Vergnügungsmeile in St. Pauli und ist ein Gebäude des Hamburger Polizeikommissariats 15. Weit über Hamburg hinaus ist die Davidwache durch die Filme des Hamburger Regisseurs Jürgen Roland bekannt geworden. Das Reviergebiet ist mit nur 0,92 km² und etwa 14.000 Einwohnern das kleine in Europa. 

Die Ordnungshüter leisten schon seit Mitte des 19. Jh. unmittelbar auf dem Spielbudenplatz ihren Dienst. Im Jahre 1840 entstand die erste Polizeiwache für das damals noch vor den Toren der Stadt gelegene Landgebiet St. Pauli. Damals wurde eine erste Wachmannschaft eingestellt und im Oktober des gleichen Jahres bezogen die Beamten ein Häuschen an der Ecke Kastanienallee und Davidstraße. Aber schon 1867 wurde eine Verstärkung der Polizeikräfte und ein größeres Gebäude nötig. An der Ecke Davidstraße und Spielbudenplatz stand zufällig ein Gebäude des Hamburger Bürgermilitärs nach dessen Auflösung zur Verfügung, wo dann die neue Davidwache 1868 einzog und sich auch noch heute befindet. Ab 1871 wurde die Polizeiwache, die bislang einer bürgerlichen Deputation unterstand, der Hamburger Polizeibehörde zugeordnet (damals Polizeiwache 13).

Um die Jahrhundertwende - mit dem weiteren Aufschwung der Vergnügungsmeile auf St. Pauli schien es abermals nötig zu werden, ein größeres Gebäude zu beziehen, da Diensträume für Kriminal-, Sitten- und Ausländerpolizei unterzubringen waren. Man beauftragte den Stadtbaumeister Fritz Schumacher mit der Planung eines neuen Gebäudes, wobei es einige Zeit lang zu einem längeren Streit über den geeigneten Standort kam. Zwar forderten die Bewohner und Betreiber des Vergnügungsviertes eine Rückverlegung der Wache an ihren alten Standort in der Kastanienallee, weil sie sich durch die ständige Präsenz der Polizei direkt am Spielbudenplatz gestört fühlten, aber da der Bauplatz dort zu klein für ein größeres Gebäude war, wurde schließlich dem Wunsch der Polizeibehörde Folge geleistet, die sich für den Erhalt des Standorts aussprach. Nach einem weiteren Streit über die Finanzierung wurde der Klinkerbau mit dem hohen Giebel, der wie ein Hamburger Bürgerhaus wirkte, nach einer Bauzeit von 1913-1914, am 10. Dez. 1914 feierlich eröffnet. Die Uhr im Erker des Gebäudes soll an die Ordnung mahnen, die bisweilen auf der Reeperbahn leicht ins Wanken gerät.

Am 9. Oktober 1970 erhielt die im Volksmund schon seit weit über 100 Jahren so genannte Davidwache vom damaligen Innensenator Heinz Ruhnau das Recht, sich fortan auch ganz offiziell und im externen Rechtsverkehr so zu nennen (Quelle: dt. Wikipedia / Davidwache)

Am 10. Dezember 2014 feiert die Davidswache ihren 100. Geburtstag.

Die alte Davidwache im Jahre 1889 

die Davidwache - Spielbudenplatz 31 (St. Pauli)

                    - Bild: dt. Wikipedia / gemeinfrei - Bild:     Davidwache
Autor:   Pavel Krok - dt. Wikipedia
Lizenz   CC BY-SA-2.0-de

 

                              Hamburger Davidswache auf dem Spielbudenplatz in Hamburg-St. Pauli

                   Die Uhr im Erker des Gebäudes und der Fassadenschmuck an der seitlichen Fassade
                                                    wurden von Richard Kuöhl geschaffen.
Bild:     Davidwache Hamburg-St.-Pauli Uhr
Autor:  Ajepbah - dt. Wikipedia
Lizenz  CC BY-SA 3.0 
          
Bild:     Davidwache
Autor:  Wolfgang Meinhart Hamburg - dt. Wikipedia
Lizenz   GNU-FDL


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