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Amberger Kirchen

über Nefer

 

Kurze Einführung in die Geschichte:

Die erste Entstehung einer Siedlung an der Vils ist wahrscheinlich in der karolingischen Zeit zwischen 750 und 900 n. Chr. entstanden, wenngleich auch schriftliche Belege fehlen - und zwar dort, wo eine alte Handelsstraße, die von Westen des Reiches nach Prag führt, die Vils überquert. Funde der Jungsteinzeit am Eichenforstplatz, am Mariahilfberg und am Erzberg bezeugen ebenso wie hallstattzeitliche Gräber, welche in der Herrn- und Sechserstraße gefunden wurden, dass das heutige Stadtgebiet von Amberg bereits in der Vorgeschichte besiedelt war. 

Die älteste schriftliche Erwähnung Ambergs steht in einer Kaiserurkunde aus dem Jahre 1034. In dieser auf den 24. April d. J. datierten Urkunde schenkte Kaiser Konrad II. auf Bitten seiner Gemahlin Gisela und seines Sohnes Heinrich, dem Bamberger Bischof Eberhard I. und damit dem neu gegründeten Hochstift Bamberg,  alle Rechte, die der Kaiser und der bayerische Herzog in dem Ort "Ammenberg" besaßen.

Der Name "Ammenberg" kann wahrscheinlich auf den "Berg eines Ammo" zurückgeführt werden.

Schon im 12. Jahrhundert war Amberg bereits ein wichtiger Ort für die handelstreibenden Kaufleute. Die wohlhabenden Amberger Kaufleute bekommen von Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1163 n. Chr. die gleichen Rechte und Freiheiten, wie sie auch die Nürnberger schon im ganzen Reich besaßen. Dieses ist in zwei Urkunden schriftlich belegt. Dieser Handel wurde zum überwiegenden Teil auf dem Wasserweg vilsabwärts und später dann über die Naab zur Donau abgewickelt. Im Jahre 1166 erhielten die Amberger Kaufleute vom Passauer Bischof Rudbert ein Privileg, welches den Amberger Kaufleuten die gleichen Rechte zugestand, wie den Nürnbergern. Dieses Privileg brachte für dem Amberger Handel und dem Handwerk großen Reichtum in die Stadt. Dieses ist noch heute an einer ganzen Reihe von bedeutsamen Bauwerken zu erkennen.

Der Regensburger Zolltarif wirft im Jahre 1285 ein gutes Licht auf den Amberger Fernhandel und die hierbei gehandelten Waren. Aus der Region Amberg kamen vor allem Eisenerze und Eisenprodukte, nach Amberg wurde vor allem Salz und Getreide gebracht. Dieser Handel bewirkte eine stetige Entwicklung des Ortes. Ein befestigter Markt entstand, welcher in der Mitte des 12. Jahrhunderts im Klosterbuch des Klosters Ensdorf schriftlich erwähnt wurde. Aus diesem Marktplatz entwickelte sich dann die Stadt des 13. Jahrhunderts.

Im Jahre 1242 verpfändet Bischof Poppo von Bamberg die "civitas de Amberg" an Markgraf Berthold von Hohenburg. Anno 1269 kam Amberg als barmbergisches Lehen an die Wittelsbacher. Durch Herzog Rudolf I. wurde 1294 durch die erhaltene Kodifizierung für die Stadt Amberg, das Stadtrecht bestätigt, welches der Stadt bald nach dem Herrschaftsübergang von 1269 von dem Vater Herzog Rudolfs I., dem Herzog Ludwig II., verliehen wurde. Nun wurde durch das Stadtrechtsprivileg Rudolfs I. ein Stadtrat gegründet, der die Stadt Amberg rechtsverbindlich vertrat. D. h. die Stadterhebung Ambergs datiert zwischen 1269 und 1294.

Herzog Ludwig IV., seit 1314 König und seit 1328 Kaiser Ludwig der Bayer, ein Bruder von Rudolf I., wurde zum größten Förderer Ambergs. 

Er stiftete zu Ehren Gottes und zu seinen und seiner Vorfahren Seelenheil den Bürgern von Amberg ein Spital, gelegen vor dem Nahburger Tor. Er empfiehlt diese, seine Stiftung den Bürgern von Amberg, gleichzeitig aber auch seinem Viztum, Richter und seinen sonstigen Amtleuten.  Ferner soll binnen Jahresfrist verkauft werden, was das Spital an Hofstätten, Zinsen und Häusern bekomme und nicht brauchen könne. Alle dem Spital gemachten Stiftungen sollen "lehensfrei" und zusammen mit den Insassen "unvogtbar" sein. (Vergl. Amberg, Stadtarchiv - Urkunde 7, Kat.-Nr. 138) Stiftungsbrief König Ludwig des Bayern für das Spital, 1317 April 22, Regensburg. 

Bis heute erinnert an Ludwig den Bayern die Stiftung des Spitals im Jahre 1317, das er 1326 in die Hände des Amberger Rates legte:

"Das Spital stehet an dem Statgraben, jetzt wol in der Stat, ist aber vorzeiten vor der Stat nebendem Nabpurger thor zur linken handt gewesen, vnnd durch pfaltzgraf Ludwig, romischer Konnig, stefifft worden anno 1317. Hat ein feine cleine alte kirchen. Sonst ist es mit haus, städeln, multz- vnnd pachhaus, stallungen, pfrunntheuslein vnnd anderem weit umbfangen vnnd wol erbawet."

(Text aus der Stadt-Chronik des Amberger Chronist und Bürgermeisters Michael Schwaiger von 1564)

Aus diesem kleinen Text erfährt man schon relativ viel über das Amberger Spital, welches 1317 durch König Ludwig den Bayer gestiftet wurde. Wie auch in anderen Städten, wurde es außerhalb der Stadt gegründet. Die verkehrstechnisch gute Lage (unmittelbar am Kreuzungspunkt der von Bayreuth über Hahnbach kommenden Landstraße mit der nach Nürnberg führenden Straße) beweist, dass das Spital auch die Funktion des von Fremden besuchten Gasthauses erfüllte. Daneben war es aber auch Kranken- und Waisenhaus.  Die übrigen Funktionen entwickelten sich aus dem Spital heraus und verselbstständigten sich, so dass das Spital am Ende nur noch Altenheim war.

Die Spitalkirche in Amberg 


Die einschiffige Spitalkirche war Teil des Bürgerspitals und  wurde ab Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet und war dem heiligen Johannes gewidmet.

Foto: J. H. Pirzer

Durch die Großzügigkeit des Landesherrn und der Freigebigkeit der Amberger Bürger entstand eine Stiftung, die in der Lage war, 50 Leuten einen sorgenfreien Lebensabend zu gewähren und es kostete keinen Pfennig. Anzunehmen ist, dass der Landesherr für diese Stiftung besonderes Reichsgut gab. Wahrscheinlich steht das Bürgerspital an der Stelle des alten Königshofs Amberg. Das Spital wurde unmittelbar von einem Spitalmeister geleitet, der am Anfang ein Geistlicher war - die Verwaltung der Stiftung lag bei den vom Rat eingesetzten Spitalpflegern. Aber nur alleine durch die von König Ludwig I. eingesetzte Grundausstattung wäre das Spital nicht überlebensfähig gewesen, nur durch die zahlreichen weiteren Stiftungen wurde die wirtschaftliche Basis verbessert. Belegt ist als erste nachweisbare Schenkung zum Spital der große Grundbesitz des Priesters Albrecht dem Gebenden aus dem Jahre 1357. Nicht nur den großen Bauernhof gab er für das Spital, sondern dazu noch liturgisches Gerät wie zum Beispiel ein silbernes Rauchfass sowie seine gesamte Bibliothek. 

Gebäude des ehem. Bürgerspitals 
(Foto: J. H. Pirzer)

Rückwärtige Ansicht der Spitalkirche
- Bild: Nefershapiland -

Alle Schenkungen der verschiedenen Stifter, die diese für ihr eigenes Seelenheil dem Bürgerspital überließen, dienten dem Unterhalt der Spitalbewohner, welche dafür im Gegenzug verpflichtet waren, durch Gebete für die Stifter ihren Dank abzustatten. Bereits bei Michael Schwaiger werden die Bewohner des Spitals "Pfründner" genannt - das sich vom lateinischen Begriff "praebenda" = Pfründe herleitete.

Durch einen Vertrag wurde die Aufnahme ins Spital besiegelt, bei das Vermögen oder zumindest ein Teil davon dem Spital übertragen werden musste. Bei dem Tod des "Pfründers" fiel in der Regel die gesamte Hinterlassenschaft dem Spital zu.  Neben dieser "Einkaufspraxis" gab es aber auch eine unentgeltliche Aufnahme von Armen. Für die geistliche Betreuung der Spitalinsassen hatte bereits König Ludwig eine Messe in die spätere Spitalkirche gestiftet. 

In Laufe der Zeit ist vom alten Reichtum der Stiftung kaum mehr vorhanden, als von den alten Gebäuden. Die Auseinandersetzungen um den "rechten Glauben" im 16. und 17. Jahrhundert, die betrügerischen Machenschaften eines Verwalters in der Mitte des 18. Jahrhunderts und die Inflationen haben das Stiftungsvermögen sehr reduziert.

          Spitalbrunnen 

Der kleine Hof vor dem nördlichen Kirchenportal ist sehr stimmungsvoll gehalten. Den Raum zwischen der Spitalkirche St. Johann und dem modernen Altenheim schmückt der Heilig-Geist-Brunnen, eine Schöpfung des Amberger Hans Haimerl.

(Bild: J. H. Pirzer)

Als Zeuge der Vergangenheit ist die Spitalkirche geblieben. Ein heller und lichter Chor schließt sich an das von einem schweren Gewölbe geschlossenem Kirchenschiff an. Vom Figurenenschmuck des 14.Jahrhunderts haben nur zwei Schlusssteine im Gewölbe die Zeit überdauert. Die Spitalkirche wurde im Laufe der Geschichte dreimal vollkommen ausgeräumt; das erstemal durch die Calvinisten, dann 1867 als die barocke Einrichtung einer neugotischen weichen musste, und letztmalig 1965, als man dies wieder entfernte.

Der Chor der Spitalkirche von außen
(Bilder
Nefershapiland und Johann Pirzer)

Der Hochaltar der Spitalkirche ist ein sehr interessantes Stück, ein mächtiger, mit gotischen Arkaden geschmückter Stein. Er wurde 1965 in Stücke zerschlagen bei Grabungsarbeiten im Chor der Kirche gefunden. Kritzeleien mit der Jahreszahl 1569 zeigen an, dass er damals wohl den calvinistischen Bürgerstürmern zum Opfer fiel. 

Der helle und lichte Chor der Spitalkirche
(Bild: Nefershapiland)

Sehenswerte Grabsteine und  Denkmäler aus Rotmarmor am seitlichen Choranbau
(Bild: Nefershapiland)

Einige sehr sehenswerte Grabsteine am Chor der Kirche erinnern daran, dass diese Stiftung einst sogar einen eigenen kleinen Friedhof besaß. Besonders beachtenswert sind das Grabmal des Pfennigmeisters Steinhauser und das Denkmal der Baumgartner. Nur wenige der Grabmäler der Renaissance in Amberg sind erhalten.

Ein sehr schönes Grabmal
 aus der Renaissance Ambergs
von außen am Chor der Kirche angebracht
(Bild Nefershapiland)

Grabmal des Pfennigmeisters Steinhauser
- Eines der wenigen Grabmäler der Renaissance Ambergs -
(Bild: Nefershapiland)

 

drei weitere Darstellungen im typischen Oberpfälzer Rotmarmor
- eingelassen im Mauerwerk der Gebäude der Spitalkirche und des ehem. Hospitals -_
- Bilder Nefershapiland -

Im Jahre 1329 wird Amberg durch den Hausvertrag von Pavia geteilt und kam an die Söhne seines Bruder Rudolfs I. von Bayern und damit an die pfälzische Linie des Hauses Wittelsbach.  Damit wurde die Stadt Amberg zum zentralen Ort der pfälzischen Besitzungen in der "her-oberen Pfalz in Bayern". Hieraus leitete sich der Begriff "Oberpfalz" ab. Die Beziehungen zwischen den Ambergern und ihrem pfälzischen Landesherrn waren recht einvernehmlich. 

Die Städte Amberg und Sulzbach schließen die erste "Hammereinigung" ab. Die Oberpfalz wird Mittelpunkt der Eisenindustrie im Deutschen Reich. Seit 1357 führt die Stadt Amberg die Bayrischen Rauten und den Pfälzischen Löwen im Wappen. Nun entsteht auch der Wochenmarkt.

Erst 1453/54 kam es zu Spannungen bei dem sogen. "Amberger Aufruhr", da die Stadt Amberg die Herrschaft Kurfürst  Friedrich I. nicht anerkannte. Am 4. Februar 1454 ließ Kurfürst Friedrich I. drei Amberger Handwerker hinrichten, die als Rädelsführer beim Aufstand der Bürger gegen den Fürsten galten. 1440 war Kurfürst Ludwig IV. gestorben. Die Amberger huldigten zwar seinem erst 1 Jahr alten Sohn und gelobten ihm ewige Treue, doch Onkel und Vormund Friedrich adoptierte seinen Neffen Philipp und verlangte einen erneuten Treueeid der Amberger. Die Städter wollten nicht, mussten sich dann aber der Übermacht beugen. Eine in das Pflaster des Marktplatzes eingelassene Gedenktafel mit Jahreszahl, 3 Kreuzen und erklärenden Text erinnern an das Strafgericht.

Amberg wurde am Ende des Mittelalters im Febr. 1474 Schauplatz eines großen höfischen Festes, welches bis auf den heutigen Tag in Erinnerung blieb. Es war die sogenannte "Amberger Hochzeit" zwischen dem Pfalzgraf Philipp und Margarete, der Tochter Herzog Ludwig IX, des Reichen von Bayern-Landshut.

1538 schickte Martin Luther den ersten evangelischen Prediger, den in Salzburg geborenen Andreas Hügel, nach Amberg. Erst zwischen 1544 und 1548 setzte sich die Reformation endgültig durch und damit entstanden in der Folgezeit starke religiöse und politische Spannungen, aber auch eine Zeit regen geistigen und kulturellen Lebens. Die Kurfürsten Ottheinrich (1556) und Friedrich II. lassen aus den Amberger Kirchen Bilder, Statuen, Altäre u. a. entfernen. 

Nach der Niederlage Kurfürst Friedrichs V., des böhmischen " Winterkönigs" gegen seinen bayrischen Vetter, Herzog Maximilian I. in der Schlacht am Weißen Berg unweit von Prag kam die Oberpfalz als Kriegsentschädigung 1621 pfandweise an Kurfürst Maximilian I. , welcher unverzüglich daran ging, die Re-Katholisierung der Oberpfalz einzuleiten. Demzufolge musste sich die Bevölkerung Ambergs wieder zum "Alten Glauben" entscheiden. Viele vermögende Bürger der Stadt verließen Amberg um sich in den evangelischen Reichsstädten Regensburg und Nürnberg neu anzusiedeln. 

1621 besetzen bayrische Truppen Amberg. Mit den Soldaten kommen die Jesuiten in die Stadt, wo ihnen 1624 der Pfarrhof der St. Georgs-Kirche zugewiesen wurde. Die Stadt Amberg wurde - wie vor 1329 - ebenfalls wieder bayerisch. 1628 wurde die Oberpfalz katholisch. Bis zu dieser Zeit hat die Oberpfalz seit 1555 fünf Mal den Glauben gewechselt; evangelisch - kalvinisch - evangelisch - kalvinisch - katholisch. 1629 wurde St. Georg endgültig Kollegkirche, erst nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde St. Georg und das bisherige Kolleg dem ein Jahr vorher gegründeten bayrischen Malteser-Ritterorden zugeschlagen.

Die Pest suchte 1634 Amberg heim. In diesem Zusammenhang wurde die Wallfahrt auf dem Maria-Hilf-Berg gegründet. 1665 - 1690 entstand das mächtige Jesuitengebäude. Die Grundsteinlegung  für Kloster und Kirche auf dem " Amberg", dem Maria-Hilf-Berg geschah im Jahre 1697. 

Der dreißigjährige Krieg, der Niedergang des Erzbergbaus und des Eisenhandels, bringen gravierende wirtschaftliche Folgen mit sich. Im spanischen Erbfolgekrieg wird Amberg von den Österreichern beschossen und  nach mehrwöchiger Belagerung durch kaiserliche Truppen besetzt. 

Amberger Knödel

Der 30jährige Krieg war noch in angstvoller Erinnerung, da gerieten sich Ludwig XIV. und Kaiser Leopold I. von Österreich im spanischen Erbfolgekrieg "in die Haare". Während Ludwig XIV. seinen Enkel auf den spanischen Königsthron hieven wollte, machte Kaiser Leopold I. Erbansprüche für seinen Filius geltend. Den Ambergern kam dieses alles sehr "spanisch" vor und noch ehe sie sich versahen, mussten sie schon wieder einmal Feldbefestigungen anlegen. Reste davon sind noch auf der "Schwedenschanze" bei der Luitpoldhöhe zu sehen, die historisch eigentlich richtiger eigentlich "Spanierschanze" heißen müsste.  Bayern stand diesmal auf der anderen Seite und so kamen 1703 die Österreicher als Feind. Cham hatte kapituliert und so marschierten im Herbst 1703 die Österreicher nach Amberg. Der Heerführer der Österreicher Graf Herbeville forderte die Amberger zu Übergabe der Stadt auf. Der gegnerische Kommandant Graf San Bonifazio lehnte diese Aufforderung der Österreicher kategorisch ab und so quartierten sich die Österreicher in Kümmersbruck ein und man begann am 3. November mit der Beschießung von Amberg. 

Am 6. November wurde der Martinsturm in Brand geschossen und am 20. November bot sich dann folgendes Bild:
Der Feind hatte sich bis an die äußere Böschung des Stadtgrabens herangearbeitet. Beim Nabburger Tor war in der Stadtmauer eine Bresche geschossen und die feindlichen Batterien standen in hohen Schanzen und nahmen die Stadt unter Kreuzfeuer. 112 Häuser waren schon abgebrannt und die übrigen größtenteils zerlöchert. 

Bei dieser Schlacht wurde auch der "Amberger Knödel" kreiert. Die unten gezeigte Bronzeplastik auf dem ehemaligen Gelände der Ritter-von-Möhl Kaserne stellt die anschließend geschilderte Begebenheit plastisch dar.

Der Amberger Kommandant, Graf San Bonifazio wollten aber um die Stadt kämpfen, da die Amberger auf einen Krieg vorbereitet waren. Die Plastik zeigt den österreichischen Kommandanten, der sich zusammen mit seinen Offizieren zum Mittagessen in das Franziskanerkloster am Mariahilfberg zurückgezogen hatte, als ein bürgerlicher Amberger Constabler auf der Dockenhansl-Batterie (rechtes Bild) seine "dicke Berta" lud und das Refektorium des Klosters aufs Korn nahm. Mit lautem Getöse soll die Kugel das Dinner empfindlich gestört haben, da sie mitten in die Suppenschüssel, um welche sich die Herren gruppiert hatten, einschlug.

(nach der Churpfälzischen Chronik des Kaspar Wiltmaister)
                                                    (Fotoquelle: Nefershapiland)

Der große Pulverturm in der Fronfestgasse war zerschossen, sein Gewölbe aber widerstand. Nach langer, tapferer Verteidigung gelang es den feindlichen Truppen dennoch, beim Nabburger Tor durch die Stadtmauer einzudringen. In diese fast aussichtslosen Lage entschloss man sich zur Übergabe der Stadt. 

Der "Knödel" kann heute noch über dem Portal der Mariahilf-Kirche bewundert werden.

 

(Bildausschnitt: Nefershapiland)

 

Die bayrischen Oberpfälzer werden zuerst Österreicher und dann wieder für einige Jahre Pfälzer. Nach dem Ende des spanischen Erbfolgekrieges darf Amberg sich Garnisonsstadt nennen. 1796 siegen die Österreicher unter Erzherzog Karl von Österreich in der Schlacht bei Amberg über das französische Herr unter General Jourdan.

1803 werden vier Klöster säkularisiert. Die Malteser bleiben noch bis 1808. Die Franziskanerkirche wird Stadttheater. Die Regierung zieht nach Regensburg um. 1849 wird das Marienkrankenhaus gebaut und 1859 bekommt die Stadt Amberg einen Anschluss an die Bayerische Ostbahn. 1866 verläuft die Waffenstillstandsgrenze im Deutschen Krieg knapp westlich und nördlich von Amberg. 1883 arbeitet der erste Hochofen des Amberger Eisenwerks, das seit 12.03.1911 Luitpoldhütte heißt.

Die mittelalterliche Befestigungsanlage Ambergs mit ihren Türmen, Mauern und Gräben zeugt von einer fast 975 Jahre andauernden Wehrbereitschaft ihrer Bürger. Unter Maximilian II. Emanuel wurde vor fast 275 Jahren die Stadt Amberg durch die Aufstellung eines stehenden Heeres zu einer der ersten Garnisonsstädte Bayerns. Noch heute sind unübersehbare Erinnerungen an diese frühe Garnisonszeit in  der alten Infanterie- und Kavalleriekaserne im Dreieck Herrnstraße, Kasernenstraße, Spitalergraben, der alte Steinhof als Chevaulegers-Kaserne sowie der "Paradeplatz", das Exerzierfeld der Fußtruppen zu erkennen.

Erste Teile des Amberger "Hausregiments" (das königlich bayerische 6. Infanterie-Regiment "Kaiser Wilhelm, König von Preußen") zogen schon Mitte des 19. Jahrhunderts in Amberg ein. Das Regiment wurde im Jahre 1868 in der damals neuerbauten heutigen Kaiser-Wilhelm-Kaserne einquartiert. Später wurde kurz vor dem 1. Weltkrieg die Leopoldkaserne für die Artillerie fertiggestellt. 1934 errichtete man im Süden der Stadt, bei der St. Sebastian-Kirche, die "Ritter-von-Möhl-Kaserne".

Während des 1. Weltkrieges befand sich das 6. Infanterie-Regiment ständig an der Westfront. Unter der Führung von Oberst Möhls zog das Regiment gleich nach dem Mobilmachungsbefehl in die Schlacht von Lothringen. Nach erbitterten Kämpfen bei Thiaumont, Douaumont und an der Fosse-Schlucht und bei Fleury waren die Verluste so groß, dass man das 6. Infanterie-Regiment zur Auffrischung in die Andennen zurückverlegen musste. Nach der großen Flandernschlacht gelangte das Regiment erneut nach Verdun und hatte hier große Materialschlachten durchzustehen. Danach begann der Rückzug, welcher mit dem Einmarsch in die die alte Garnision Amberg endete. Hier wurde das "Amberger Hausregiment" demobilisiert und  am 1. Mai 1919 nach mehr als 195jährigem Bestehen aufgelöst. 

Auch die 1801 in Amberg entstandene Königlich-bayrische Gewehrfabrik Amberg, (1801–1919) die ihren Betrieb in der "alten Münze" hatte, dem späteren Kaufhaus Storg, und vorwiegend für die Bewaffnung der Bayerischen Armee arbeitete, hörte am 1.10.1920 auf zu existieren. 

In Amberg wurden nach dem 1. Weltkrieg keine Gewehre mehr für die Wehrmacht, geschweige denn für die Reichswehr gefertigt. Während der Reichswehrzeit war es nur der Fa. Simson in Suhl erlaubt, Gewehre und Karabiner zu fertigen. (Vorschrift des Friedensvertrages nach dem 1. Weltkrieg) So wurde auch die bayrische Gewehrfabrik in Amberg ein Opfer vom Ende des 1. Weltkrieges.

1933 übernehmen die Nationalsozialisten die Regierung im Amberger Rathaus. Am 9.4. 1945 werden die südöstlichen Außenbereiche von Amberg durch die Alliierten bombardiert, aber die Stadt selber bleibt im 2. Weltkrieg weitgehend von Zerstörungen verschont. Am 22. 4. 1945 wird Amberg kampflos an die Amerikaner übergeben. 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 gehörte Amberg zur amerikanischen Besatzungszone.  
Die amerikanische Armee nutzte die vorhandenen Kasernen; bis in die 1990er Jahre existierte 
auch der US-Stützpunkt Pond Barracks in der ehemaligen Ritter-von-Möhl-Kaserne (bis 1945 Wehrmachtskaserne).

Über dem Eingangstor der Ritter-von-Möhl-Kaserne prangte das Symbol des 3. Reiches. 
Das Hakenkreuz wurden von den Amerikanern dann ausgemerzt.
Die Stadt Amberg hat vor über 10 Jahren dieses Architrav als Mahnmal auf dem Gelände 
der ehemaligen Kaserne wieder aufstellen lassen.
                                                         (Bilder: Nefershapiland)

Die Stadt war jahrhundertlang eine wichtige Garnisonsstadt und beherbergt derzeit noch eine Bundeswehrkaserne (Leopoldkaserne), welche der Sitz der Panzerbrigade 12 ist. Eine weitere Kaserne, (Schweppermannkaserne) ist unmittelbar am Stadtrand in der Nachbargemeinde Kümmersbruck gelegen. Das Bundeswehrkrankenhaus wurde zum 31. März 2007 geschlossen. Die Gebäude der ehemaligen, 1994 aufgelösten Kaiser-Wilhelm-Kaserne werden seit 1995 von der Amberger Abteilung Technik der Fachhochschule Amberg-Weiden genutzt. Ebenfalls in Amberg befindet sich eine der 14 bundesdeutschen Außenstellen des  Militärischen Abschirmdienstes.      

In der Zeit von 1945-1950 wächst die Stadt durch den Flüchtlingszustrom um fast 12.000 Einwohner. 1975 beginnt man mit der Sanierung der Altstadt. 1994 findet die große Feier zum 700jähriges Stadtrechtsjubiläum statt.

1996 öffnet die Landesgartenschau ihre Pforten in Amberg. Im Jahre 2003 zählt Amberg zur Landesausstellung Friedrich V. "Der Winterkönig" 44.000 Einwohner. Zu dieser Ausstellung kamen 81.370 Besucher. 

Dieses Wappen führt die Stadt Amberg schon in der überlieferten Gestaltung seit dem 15. Jahrhundert.

Beschreibung des Wappens:
Das Wappenschild ist geteilt.
Im oberen Teil ist ein wachsender, rot gekrönter goldener Löwe zu sehen. Den unteren Teil stellt die bayrische Raute dar.

                                        ( Textstellen teilweise nach Wikipedia - freie Enzyklopädie)

Stadtbefestigungsanlage:

Die Amberger Altstadt ist umgeben von einer Ringmauer mit heute vier Toren. Der älteste Befestigungsring entstand schon vor der Mitte des 12. Jahrhunderts. Wahrscheinlich bestand er anfänglich eher mit einem Erdwall und einem Palisadenzaun als mit einer festen Wallanlage und sein Verlauf ist im heutigen Stadtbild noch gut zu erkennen: Im Norden von der Mühlgasse/Ecke Löffelgasse zur Kasernenstraße, den Spitalgraben entlang über die Bahnhofstraße in die Untere Nabburger Straße, danach in die heutige Zeughausstraße über die Vils in die Schiffbrückgasse, um sich dann nach Norden zu wenden, das Hafnergässchen entlang und mit der Franziskanergasse wieder zur Vils zurückzukehren. Es sind noch Spuren der alten Stadtgrenze in einem Haus in der Bahnhofstr. 34 im Fußboden zu erkennen (Quelle: Das Gelbe vom Ei -Amberger StadtverFührungen/Dr. Peter Morsbach-Verlag, Autor: Beate Wolters 2012).

Unter der Herrschaft von Kaiser Ludwig, dem Bayern, wurde mit der Vergrößerung der Stadt begonnen und man musste an den Bau einer neuen Stadtbefestigung denken. Sie nahm u. a. auch die Georgsvorstadt und das von König Ludwig IV. 1317 gestiftete Bürgerspital und die dazugehörige Spitalkirche in die Befestigung auf. Vor der Stadterweiterung des 14. Jahrhunderts stand nämlich dicht bei der Kirche das alte östliche Stadttor. Bei der Stiftung des Spitals wurde es außerhalb der Stadt errichtet. Keine hundert Jahre später wurden die Pfarrkirche St. Georg, die Georgsvorstadt und das Spital mit in den Mauerring mit aufgenommen. Hierbei entstand dann die unverwechselbare Amberger Ovalform, von den Bürgern liebevoll "Amberger Ei" genannt. 

Der Kaiser verlieh den Bürgern der Stadt den Berg- und Pflasterzoll zum "Bau der Stadt", d. h. zum Bau einer neuen Stadtmauer. Unbekannt ist der genaue Beginn der Arbeiten, sicher ist jedoch, dass der Stadtgraben als erstes in Angriff genommen wurde.  Es dauerte Jahre, bis der breite und gut 2500m lange Graben ausgehoben war, denn es war geplant, das Wasser aus der Vils um die Stadt zu leiten. Amberg sollte eine große Wasserburg werden und für die Osthälfte gelang es auch. Das ausgehobene Erdreich warf man zur Stadtseite hin auf und so entstand hinter dem Graben ein Wall als weiterer, behelfsmäßiger Schutz für die Stadt.

                     Spitalgraben mit den ältesten Befestigungen auf der linken Vilsseite
Sie dürften bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

                                                       (Foto: J. H. Pirzer)

Die Finanzierung erfolgte zum Teil auch durch die Verurteilung von Rechtsbrechern zum Bau bestimmter Mauerabschnitte. der angesehene Amberger Bürger Hans Klopfer hatte z. B. 1455 den Stadtrat beleidigt und musste zur Strafe einige Meter der Stadtmauer bezahlen. Andere Bürger zogen nachts lärmend durch die Stadt und wurden dazu verurteilt, Steine anfahren zu lassen zum "Stadtbau". Ähnliche Vergehen waren damals nicht selten und "halfen" so dem Stadtkämmerer bei der Finanzierung der Baumaßnahmen.

Im 15. und 16 Jahrhundert werden neue Handelsplätze wie der Roßmarkt und der Viehmarkt im Westen errichtet. Handwerker ziehen in die östlichen Teile der Stadt und im Süden entsteht das Kurfürstliche Schloss mit seinen Nebengebäuden. Der nördliche Teil der Stadt bleibt dagegen bis ins 20. Jahrhundert hinein spärlich besiedelt.

Eine feste Zwingmauer, ein breiter Zwinger, eine hohe Wehrmauer mit gedecktem Gang, fünf besonders geschützte Tore und fast 100 Türme machten die Stadt Amberg zur "festesten Fürstenstadt" wie der Chronist Schwaiger um die Mitte des 16. Jahrhunderts in seiner Chronik niederschrieb. Amberg wurde in keinem der Kriege des 14., 15. und 16. Jahrhunderts auch nur bedroht und sogar die Hussiten haben die Stadt unbelästigt gelassen. An den Mauern und Toren zeugen die Inschriften, dass man ständig an den Befestigungsanlagen weiterarbeitete. Bereits schon um 1550 begann man mit der Anlage von Außenwällen, um den Fortschritten im Geschützwesen Rechnung zu tragen.

 Ambergs Befestigungsanlage hat sich in vielen Jahrhunderten bewährt und ist zum größten Teil noch heute erhalten. 
                                                            (Bild:
M. Pirzer)

 

Wenn der Besucher um die "Allee" geht, entdeckt man noch viel von der alten Stadtbefestigung. 
An die 50 Türme und Turmreste sind noch vorhanden
(Bilder:
Margret Pirzer)

Ab dem 17. Jahrhundert entstehen große Veränderungen im Stadtbild. Durch den Wechsel der Regierungszugehörigkeit  von der Rheinpfalz zu den bayrischen Wittelsbachern im Jahre 1621 und dem damit verbundenen Religionswechsel der Bevölkerung entstanden im Amberger Stadtgebiet neue Ordensgemeinschaften. Die ersten waren ab 1623 die Jesuiten, deren Hauptaugenmerk auf die Erziehung der männlichen Jugend Ambergs lag und die sich im Laufe des Jahrhunderts im gesamten Westen der Stadt ausbreiteten (siehe Georgs-Kirche, das frühere Jesuitenkloster und heutige "Malteser" und der Maltesergarten. In den angrenzenden Häusern wohnten Lehrkräfte und Bedienstete der Jesuiten. Die Salesianerinnen, die für die Erziehung der Mädchen zuständig waren, siedelten sich am Schrannenplatz an. Die Paulaner, deren Augenmerk auf die Seelsorge für die Soldaten lag, zogen in den Süden der Stadt. Für die Errichtung der Klöster wurden viele Amberger Bürgerhäuser abgerissen.

Im 19. Jahrhundert verliert Amberg den Regierungssitz an Regensburg und die Bevölkerung besteht zum großen Teil aus der Arbeiterschaft, die in den großen Fabriken Luitpoldhütte, Baumann, Email und Debrag (Deutsche Preßluft AG)  in Arbeit und Lohn standen. Erst spät erfolgte der Anschluss an die Eisenbahnlinie. Bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand die Kernstadt Ambergs noch immer in seiner eiförmigen Gestalt - erst in der zweiten Hälfte wuchs die Stadt über die bereits im 14. Jahrhundert durch die große Stadtmauer festgelegten Stadtgrenzen.    

Nahburger Tor

Ziegeltor

Vilstor Wingershofer Tor

Wenn man um die "Allee" geht, fallen bei genauerer Betrachtung noch viele Details von der alten Stadtbefestigung ins Auge. Oft sieht man an den unverputzten Stellen der Mauern die alten, später vermauerten Öffnungen zwischen den Zinnen.  Als später die Feuerwaffen, Bögen und Armbrüste durch moderne Waffen verdrängt wurden, ersetzte man die alten Öffnungen zwischen den Zinnen durch Rechteckscharten. 

An die 50 Türme und Turmreste sind noch vorhanden und "Hinter der Mauer", zwischen Nahburger Tor und Bahnhof blieb sogar der Wehrgang erhalten. Zwar führt der alte Stadtgraben heute kein Wasser mehr, aber es wurden schöne Spazierwege angelegt, welche an den alten Mauern und Türmen vorbeiführen. 

Die heutige Stadtmauer Ambergs ist größtenteils noch erhalten, teils mit Wehr- und Zwingermauer sowie den vier Stadttoren. Amberg wird umschlossen von einem 3 km langen Stadtgraben, der heute aber kein Wasser mehr führt, sondern als Spazierweg ausgebaut wurde.
(Fotos:
Nefershapiland)

Die Türme der Stadtbefestigung dienten damals auch als Gefängnisse. Der wuchtige Turm an der Südostecke der Stadtbefestigung heißt heute im Volksmund "Doggenhansl" oder "Pfaffenhänsl". Dieser Turm erinnert an einen Rechtsbrecher, den man in diesen Turm sperrte. Sein Name blieb seit dieser Zeit dem Turm erhalten und noch heute heißt dieser massige Eckturm beim Nahburger Tor der "Dockenhansel".

Nahburger Tor mit Stadtmauer und Dockenhansl

Der Dockenhansl
- wuchtiger Turm an der Südostecke der Stadtbefestigung -
(Bild: Nefershapiland)

 

Die Amberger Bevölkerung wuchs im Laufe des letzten Jahrhunderts immer mehr an, so dass die Stadtverwaltung große Teile der ehemaligen Stadtmauer an die Bürger verkaufte. Für diese hatte das den Vorteil, dass dadurch schon eine Hauswand existierte. 
                                                         (Bilder: Margret Pirzer)

Diese Art von Wohnungsbau war aber erst am Ende des 18. Jahrhunderts möglich, da die Stadtmauer aufgrund der neuen Waffensysteme ihren Schutzstatus für die Stadt verloren hatte und Amberg als Festung aufgegeben wurde. Die weniger vermögenden Bürger Ambergs nahmen dieses Angebot der Stadtverwaltung gerne an - sparte man doch Material und Arbeit, da schon die Stadtmauer als eine Hauswand vorhanden war.

Im Stadtgraben - zwischen Vilstor und Ziegeltor befindet sich ein Biotop mit Seerosen, diversen Wasserpflanzen und Fischen.

(Bild: Margret Pirzer 2015)

 

 Von der mittelalterlichen Ursprünglichkeit sind hier nur noch wenige Teile der Stadtmauer erhalten. Diese Mauerstrecke am Stadtgraben ist häufig zu Wohnhäusern umgebaut worden, doch zeigen Schießscharten und Türme deutlich die ursprüngliche Wehrhaftigkeit. Der Biotop zwischen Vilstor und Ziegeltor dient als Oase der Ruhe.
(Foto: J. H. Pirzer)

 

Im Zuge der Vilsregulierung um das Jahr 1934/35 wurde das flussüberspannende Gebäude der S.A. am Stadtgraben errichtet. Nach dem Krieg nutzte man es als Jugendherberge. Heute liegt keine Nutzung vor.

(Bild: Margret Pirzer 2015)

 

Der ursprünglich vorgelagerte breite Stadtgraben vor der Mauer ist heute aufgeschüttet und lädt zum Spaziergang ein. Vorbei geht es an den beliebten Stadtmauerhäuschen, die im Laufe des 18. Jahrhunderts zu großen Teilen in die Stadtmauer hineingebaut wurden. 
(Bilder Margret Pirzer)

Die Tore, die bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts noch immer regelmäßig geschlossen wurden, blieben bis auf das Neutor erhalten. Die Mauer und der Graben wurden zwischen Neutor und Wingershofertor um 1900 entfernt, um eine moderne Ringstraße zu errichten. Die Tore, Mauern und Türme der Stadt sind heute der ganze Stolz der Amberger Bürger.

Stadtrundgang mit Bildern:

Wir betreten die Amberger Altstadt durch die Stadtbrille, einem Befestigungswerk aus dem 16. Jahrhundert, ein fünftes Tor über den Fluss Vils. Die "Stadtbrille" dürfte bereits kurz nach dem Bau einer Quadermauer, die - wie Grabungen des Jahres 1991 nachweisen - entlang des rechten Ufers der Vils verlief, im frühen 14. Jahrhundert in Angriff genommen worden sein.

Stadtbrille:

Amberger Stadtbrille
- rechts der weiße Pulverturm -
(Foto: Nefershapiland)

Das Wassertor überspannte mit drei Bögen die Vils und sollte durch ein Fallgitter ein Eindringen des Feindes in die Stadt Amberg verhindern. Das damalige Obergeschoss ist nicht  mehr vorhanden. Die heutige "Stadtbrille" ist zum größten Teil ein Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert. In dem heute erhaltenen Bau steht einer der Pfeiler im Wasser, so dass sich die zwei Bögen mit ihrer Spiegelung im Wasser zu zwei nebeneinander stehenden Kreisen ergänzen, was zu dem Namen "Stadtbrille" führte. 

Amberger Stadtbrille - Stadtseite
(Foto: Nefershapiland)

Lange Zeit war der dritte Bogen auf festen Grund vermauert und wurde erst kürzlich wieder geöffnet. Im Zuge einer Restaurierung fanden Archäologen 1990 den dritten "Brillenbogen" und konnten somit den Originalzustand wiederherstellen. Von vielen Ambergern wurde dieses jedoch als "Zerstörung" der typischen, zweibögigen "Brille" mit einiger Skepsis gesehen.

Neu entdeckter 3. Torbogen der Stadtbrille
- Bild: Margret Pirzer 2015 -

 

          Amberger Stadtbrille 

1454 als "Gang über die Vils" erstmals nachweisbar.

Neubau der dreibögigen Anlage zu Beginn des 16. Jahrhunderts, Aufstockung  und Umbau des 2. Jochs nach 1580, des ersten u. dritten im 17. Jahrhunderts.


(Fotos: Nefershapiland)

 

 

    Amberger Stadtbrille mit Schloß

     

 

        (Foto Nefershapiland 2015

 

Das ehemalige Wasserschutzwerk dient heute als Verbindung zwischen dem neuen Schloss von 1417 und dem bis 1994 renovierten kurfürstlichen Zeughaus. Unter König Ludwig dem Bayern wurde 1326 die Stadtbefestigung erweitert. 

Die "Stadtbrille", das ehem. Wasserschutzwerk verbindet das Amberger Schloss 
und das kurfürstliche ehemalige Zeughaus.
(Fotos:  M. Pirzer)

 

Wassersportaktivitäten auf der Vils bei der Stadtbrille
(Bild: Margret Pirzer 2015)

 

            Park vor der Amberger Stadtbrille
 mit Blumenrabatten im ehemaligen Stadtgraben




          (Bild: M. Pirzer)

            Venus von Amberg - Park vor der Stadtbrille
Diese Skulptur aus rosa Kalkstein wurde 2009 von Hand gehauen, gespitzt bis geschliffen und im Park vor der Stadtbrille aufgestellt. Der Sponsor war lt. Inschrift der Verein zur Kunstförderung der Stadt Amberg.

                                        (Bild: M. Pirzer)

 

Der Amberger Stadtgraben 
- Blumenrabatte im Park vor der Stadtbrille - 
(Foto: Margret Pirzer 2015)

 

Kurfürstliche Schloss und das Zeughaus:

Das Kurfürstliche Schloss in Amberg, das heute als Landratsamt des Landkreises Amberg-Sulzbach genutzt wird, wurde ab 1417 durch Kurfürst Ludwig III. ( gest. 1436) von der Pfalz erbaut. Dieses erste Schloss war nur von einer Gartenmauer umgeben und daher nicht sehr wehrhaft. Zwischen den Pfälzer Kurfürsten und den reichern (sehr selbstbewussten) Amberger Bürgern gab es größere Auseinandersetzungen. Die erste war der "Amberger Aufruhr" von 1452/54, der durch Familien- und erbrechtliche Fragen ausgelöst wurde. 

1339 starb der Kurfürst Ludwig IV. - Nachfolger seines Vaters Ludwig III. - und hinterließ als Erben den erst einjährigen Sohn Philipp, der jetzt Kürfürst war. Dessen Vormund bis zur Volljährigkeit wurde Pfalzgraf Friedrich, ein Bruder von Ludwig IV.  Obwohl dieser dem jungen Philipp das Nachfolgerecht als Kurfürst sicherte und ihn sogar als Mündel adoptierte und auf Erb- und Nachfolgerechte verzichtete, verweigerten ihm die Amberger die Huldigung. Friedrich I. besetzte im Februar 1454 mit einem großen Militäraufgebot die Stadt Amberg und ließ fünf Rädelsführer wegen Aufruhrs zum Tode verurteilen. Drei von ihnen wurden auf dem Marktplatz enthauptet. Eine Bodenplatte vor dem heutigen Rathaus erinnert an die öffentliche Hinrichtung

Friedrich I. - der Siegreiche
1.8.1425-12.12.1476
Kurfürst der Pfalz (1451-1476)
Gemälde von Albrecht Altdorfer
(Bild: Wikipedia - Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist 
abgelaufen ist)

Gedenktafel im Pflaster des Amberger Marktplatzes
an die Hinrichtung von drei Amberger Handwerker
am 4. Febr. 1454 beim "Amberger Aufruhr"




(Bild: Nefershapiland)

Nach dem blutig niedergeschlagenen "Amberger Aufstand" ließ Friedrich I. zu einer Zwingburg gegen die Stadt ausbauen. Der Kurfürst ließ anstelle der Stadtmauer im Süden einen wehrhaften Schloss- und Torbau (heutiges Landratsamt) schaffen. Von hier aus führte eine Zugbrücke über den Schlossgraben ins Freie. Nunmehr war der Landesherr nicht mehr auf die städtischen Tore der Stadt angewiesen.

Der Stadtgraben im Süden wurde mit Mauern eingefasst, vertieft und verbreitert. Zur Vils hin schloss eine weitere Mauer den Graben ab. Eine feste Mauer wurde auf der inneren Grabenmauer errichtet, die man mit Schießscharten in zwei Stockwerken sicherte. 

              der  Fuchssteiner Turm
Westlich des "Alten Schlosses" errichtete man im Norden einen festen Torbau mit einem Waffenhof und einem hohen Turm, den heutigen Fuchssteiner.

Er war seit 1454 Gefängnis für Verbrecher und Straftäter. Seinen Namen hatte der Turm nach seinem vornehmsten Gefangenen Dr. Johann von Fuchstein, der um 1523 als Kanzler für den Kurfürst Ludwig V. das Amberger Land bestellte. Doch dieser "verschacherte" die beiden Ämter Lauf und Hersbruck mit den Dörfern und mit Wiesen, Feldern und Wäldern für ein Säckchen voller Goldstücke als Verräterlohn an die Vertreter der Reichsstadt Nürnberg. Aus diesem Grund ließ ihn am Faschingsdienstag 1523 der Kurfürst in den Schlossturm zu Amberg sperren.
                            (Bild: J. H. Pirzer)

Seine adligen Freunde erreichten im folgenden Sommer zwar seine Freilassung, aber der Kurfürst ließ ausrichten, dass er ihn nicht mehr sehen wollte. Vier Tage später überbrachte ein Reiter aus Heidelberg einen Brief, dass die Burg Landstuhl des berüchtigten Ritters Franz von Sickingen, welcher der Kurpfalz erheblichen Schaden zugefügt hatte, erobert worden war. Unter seinen Papieren fand man Briefe des Kanzlers Fuchssteiner, welcher geheime Informationen an den feindlichen Ritter geliefert und diesen unterstützt hatte. Als der Kurfürst jetzt seinen geldgierigen und verräterischen Kanzler dafür zur Rechenschaft ziehen wollte, war dieser über alle Berge. 

Einzig seinen Namen hatte er den Ambergern hinterlassen, denn bis auf den heutigen Tag nennen die Amberger den Turm, in dem der vornehmste aller Gefangenen einst eingesperrt war, "Fuchssteiner". 

                     *

So wurde aus den alten Schloss-Areal eine große feste, kaum einzunehmende, Wasserburg. Die stärksten Befestigungsanlagen waren stadtwärts ausgerichtet und vom damals wesentlich höheren Tor zur Stadt konnte man den größten Teil der Stadt Amberg überwachen. Der Südtrakt wird durch den Wassertorbau (die Stadtbrille) mit dem am gegenüberliegenden Ufer der Vils liegendem Zeughaus verbunden.

Friedrichs Nachfolger, Kurfürst Philipp, der aufgrund seiner dort 1474 stattgefundenen prachtvollen Hochzeit mit der bayrischen Prinzessin Margarete von Landshut persönliche Beziehungen zu Amberg hatte, ließ 1481 den großen Festsaal (Dürnitz) einwölben und darin die Wappentafeln seiner und seiner Gattin Ahnen aufhängen ließ. 

                                                      Die Amberger Hochzeit von 1474
Die sog. "Amberger Hochzeit" des damals im 26jährigen Kur-Prinzen Philipp, Sohn des verstorbenen pfälzischen Kurfürsten Ludwig IV. und der 18jährigen Margarete, Tochter des Herzogs Ludwig IX. von Bayern-Landshut im Jahre 1474 war wohl in der tausendjährigen Geschichte der Stadt Amberg das größte und prächtigste Fest, das die Stadt und ihre Bürger je erlebt hatten.

Margarethe von Bayern-Landshut und Pfalzgraf Philipp

Im Rahmen der Feierlichkeiten fand ein festliches Zusammensein mit den Fürsten am Tisch statt. An einem runden Tisch saßen die bayerischen und sächsischen Grafen und Herren, an drei Schiebetischen die pfalzgräfischen Grafen und Herren und an einem anderen Tisch die Vertreter ihrer Herren und schließlich die Spielleute (rechtes Bild aus dem Amberger Stadtmuseum). Nach dem Essen war ein Turnier auf dem Marktplatz angekündigt und am Abend wurde zum Tanz aufgespielt.

(Quelle: Die "Amberger Hochzeit" von 1474 - Eine Hochzeit für Amberg/ Schrift von Franz Prechtl - ehem. Oberbürgermeister von Amberg 1970 - ISBN 3-928908)

                                                  (Bilder: Margret Pirzer aus dem Amberger Stadtmuseum)

Nach einem Brand im Jahre 1547 ist dieses Kurfürstenschloss bei Wiederaufbauarbeiten in den Wohnanlagen vergrößert worden; des weiteren wurden Grundstücke hinzugekauft, um einen partartigen "Hofgarten" anzulegen und Nebengebäude zu errichten.

             Plan der Schlossanlage von 1589 - nach Kannlpaldung
Heute ist nur noch ein Teil der ursprünglichen Schlossanlage erhalten - darum ist ein Blick auf den Plan des Zeichners Kannlpaldung aus dem 16. Jahrhundert interessant. Mancher Bauteil ist inzwischen verändert, einiges verloren.

Der links abzweigende Stadtgraben ist seit 1926 nicht mehr als Wasserstraße vorhanden - sondern heute die Zeughausstraße. Der rechts dem Schlossgebäude vorgelagerte wasserführende Schlossgraben verschwand im 18. Jahrhundert. Auf der linken Seite des Bildes ist das Zeughaus mit seinem Treppengiebel erkennbar - auf dem Bild von Kannlpaldung existierte der Südflügel noch nicht. Das Zeughaus besaß damals noch keine Verbindung mit der Brücke und dem Schloss. Die Stadtbrille besaß ein weiteres Geschoss und war im rechten Teil mit einem Turm geschmückt.

Das Türmchen am rechten Bildrand existierst heute noch - die Vorbauten sind heute verloren.

(Plan nach Kannlpaldung von 1589 - Fotographie aus dem Stadtmuseum(
- Bild: Margret Pirzer -

Der Südflügel, der sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts in einem schlechten Zustand befand, wurde unter dem Stadthalter Christian von Anhalt 1602-1604 nach den Plänen des Heidelberger Baumeisters Schoch zu seiner jetzigen Größe und Gestalt ausgebaut. Es erhielt ein zweites Obergeschoss und die Volutengiebel, die heute noch das barocke Bild des Gebäudes prägen.

Der fürstliche Renaissancebau von 1603 ist durch die neuen Umbauten und Erweiterungen mehr fürstlicher Prachtbau als Festung, sogar das Tor erhielt repräsentativen Charakter. Den nötigen Schutz übernahmen die Vorwerke.

Durch diese Ausbauten erhielt das Schloss sein heutiges Aussehen mit hohen Volutengiebeln und mächtigem Satteldach. Von der einst dreiflügeligen Anlage steht heute, nach mehreren Großbränden im 17. Jahrhundert, vom einstigen Schloss nur noch der hochaufragende Südtrakt in einem unübersehbaren Rosa. Bei einem schrecklichen Gewitter im Jahre 1644 schlug der Blitz ein und trotz aller Löschversuche brannten alle Gebäude restlos aus. Die Hitze war so groß, dass sich die Kanonen mit lautem Donner selbst entluden und die Bürger in der Stadt glaubten, der Feind stehe vor den Mauern. 

Der restaurierte Südtrakt des Schlosses wurde im 18. Jahrhundert als Statthalterwohnung eingerichtet, während die übrigen Bauten 1768 abgerissen wurden. Durch die Regentschaft eines Statthalters und die damit verbundene Hofhaltung erhielt die unter Kurfürst Friedrich I. burgartig ausgebaute Anlage den Rang einer Residenz. Der Statthalter Ludwig Graf von Holnstein (1723-1790), der ein unehelich geborener Sohn des bayrischen Kurfürsten Karl Albrecht, des späteren Kaisers Karl VII. und der Carlotta von Ingenheim war, setzte den schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts begonnenen Um- und Ausbau des Amberger Schlosses fort. Hier entstand im ersten Obergeschoss die Wohnung des Statthalters mit farbigen Tapeten an den Wänden, welche den verschiedenen Räumen ihre Namen gaben. So entstand das "blaue" und das "gelbe" Zimmer. Im Jahre 1766 ließ Holnstein eine Kapelle einbauen, die unmittelbar an sein Tafelzimmer angrenzte. Die bisherige Kapelle hatte man zu Beginn des 18. Jahrhunderts angefangen zu sanieren, nun verschwand diese 1768 bei der Erweiterung des Barock- Gartens, als Holnstein hierzu den Flügel des Schlosses ("die vordere Kamenate" - den ältesten Teil des Schlosses) abreißen ließ. Die neue Kapelle war der Jungfrau Maria geweiht. Das Altarbild zeigt Maria Verkündigung und die Gemälde an den Wänden zeigen Szenen aus dem Leben Jesu. Ludwig Graf von Holstein hatte die Statthalterei der Oberpfalz bis zu seinem Tod im Jahre 1780 inne, dann folgte ihm sein Sohn Maximilian im Amt.

An der Südostecke des Schlossgebäudes befindet sich links ein Turmrumpf, der bei dem Umbau in der Renaissance stehengelassen wurde. Das Dach des Turmrumpfes verdeckt die linke untere Volute des Ostgiebels des Schlosses.

 

 

 

                     (Bild: Margret Pirzer)

 

der Schloss-Hof mit seinem Treppenturm


(Bild: Margret Pirzer)

Der ursprünglich vorgelagerte Stadtgraben ist heute aufgeschüttet und dient heute als Spazier- und Gartenanlage für die Amberger Bürger. 
                      (Bild: Margret Pirzer)

Seit dem 19. Jahrhundert beherbergte das Schloss das Königlich Bayrische Bezirksamt und Rentamt. Später übernahm das Landratsamt Amberg bzw. ab 1972 der Landkreis Amberg-Sulzbach die Räumlichkeiten.

Der Südtrakt des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses mit dem in Gelb gehaltenem ehemaligen Torbau, den man im 18. Jahrhundert unter Verlust des Oberteils zu einer Art Altane mit Balusterterrasse umgebaut hatte. Auch die beiden Renaissance-Konsolen der einstigen Ecktürmchen zählen zu den besten Schöpfungen dieser Art.
(Bilder: Margret Pirzer)

 

Das linke, westliche Gebäude der Schloss-Anlage mit einem Rundturm, ist das jüngste und wurde 1903 als Neubau hinzugefügt. Am rechten Eck befindet sich die Ruine der alten Wingershofer Toranlage.
(Bild:
Margret Pirzer)

Das heutige Wingershofer Tor hatte einen Vorläufer am anderer Stelle, dessen Ruine sich noch erhalten hat. Nach der Niederwerfung des Amberger Aufruhrs von 1453/54 hatte Kurfürst Friedrich I. das alte Tor, das aus einem rechteckigen Turm bestand, beschlagnahmt und diesen in die Befestigung seines innerhalb der Mauern gelegenen Schlosses mit einbezogen, die er nun auch gegen die Stadt richtete. Die Reste des Tores stehen an der Südwestecke des Schlosses, unmittelbar neben der Straße (Schlossgraben). Es war aus Bruchsteinen gemauert und besaß spitzbogige Toröffnungen, von denen sich noch eine erhalten hat.

                                                          Torruine in der Befestigungsanlage des alten Wingershofer Tor
                                                                                   - Ansicht von außen und von innen -
                                                                                (Bild: M. Pirzer)

*

Direkt neben dem einstigen Kurfürstlichen Schloss befindet sich das ehemalige Zeughaus, mit dessen Bau man zum Ende des 15. Jahrhunderts begonnen hatte. Erweitert und endgültig fertiggestellt wurde das Amberger Zeughaus aber erst 1602-1607 und diente dann als Getreidekasten und Munitionslager. Auf dem sog. "Kannlpaldung-Plan" (benannt nach dem Zeichner Kannlpadung) aus dem Jahre 1589 ist sehr gut die einstige Anordnung der Gebäude im 16. Jahrhundert zu sehen. Darauf gut erkennbar ist auf der linken Seite des Vilsufers das Gebäude des Zeughauses mir seinem Treppengiebelturm. Da auf dem Plan der Südflügel des Kurfürstlichen Schlosses noch nicht vorhanden ist, hatte das Zeughaus also noch keine Verbindung mit der Brücke und damit zum Schloss. 

Heute gelangt man durch die Stadtbrille vom Schloss aus in den gotischen, zinnenbekrönten Pulverturm, der ca. 1350 erbaut worden ist und von dort aus anschließend in das kurfürstliche ehemalige Zeughaus. 

das Amberger Zeughaus vom gegenüberliegenden Vilsufer aus
- (Bild: Margret Pirzer)

Treppengiebelturm des ehem. Zeughauses
(Bild: Margret Pirzer)

 

das ehemalige Zeughaus 
- heute Erweiterungsbau des Landratsamtes Amberg-Sulzbach -
(Bild:
Margret Pirzer 2015)

 

                                                   das ehemalige Amberger Zeughaus
Es besteht die Möglichkeit (zu den Öffnungszeiten des Landratsamtes) durch den Treppenturm des Zeughauses bis ins erste Obergeschoss hochzusteigen, die Stadtbrille zu durchqueren und auf der gegenüberliegenden Seite das Schloss durch den polygonalen Treppenturm wieder zu verlassen. Interessant ist die hochgotische "Enfilade" - eine Abfolge von Durchgangstüren, in der Stadtbrille. Bitte dazu den Haupteingang des Landratsamtes im Zeughaus benutzen.
(Quelle: Das Gelbe vom Ei - Amberger Stadtverführungen, Dr. Peter MorsbachVerlag, Regensburg 2012)


              (Bilder:
Margret Pirzer)

 

Die Vils in Richtung Stadtbrille - links das ehem. Zeughaus
(Bild:
Margret Pirzer)

Der schmucke Bau diente ab 1778 abwechselnd als Salzlager, Teil der Gewehrfabrik, Kaserne, Wohnhaus, Finanzamt und jetzt als Erweiterungsbau des Landratsamtes. Der Gartenbauverein des Landkreises Amberg-Sulzbach pflanzte 1993 die schönen Rosenstöcke im Hof an, die an die "Amberger Hochzeit von 1474" erinnern.

*

Schiffgasse und Vils:

Unser Spaziergang durch Amberg führt uns nun weiter in Richtung Schiffgasse. Hier war einst die Anlegestelle für die Schiffe, welche auf dem Wasserwege flussabwärts die Erz- und Eisenerzeugnisse nach Regensburg transportierten. Im ausgehenden Mittelalter war die Stadt Amberg zusammen mit dem Gebiet von Sulzbach und Auerbach eine der bedeutendsten eisenschaffenden Zentren des Reiches. Als Rückfracht beförderten die Schiffe das aus den Alpen kommende Salz. Der Salzhandel ging von hier aus in die gesamte Oberpfalz und weiter bis nach Franken. Noch heute weisen viele Straßen und Plätze wie Salzstadelplatz, Salzgasse und Hallplatz  in Amberg auf die zentrale Bedeutung für den Salzhandel im nördlichen Bayern hin.

Vor rund 200 Jahren befanden sich oberhalb der Schiffbrücke in Richtung der Basilika St. Martin
14 Fischgruben mit Ziegeldach. In der damaligen Fischgasse konzentrierten sich die Fischgeschäfte. In riesigen Holzkästen schwammen die Karpfen, die immer frisch und bereit zum Verkauf waren. Damals muss die Vils noch sehr sauber gewesen sein. Diese Fischgruben verschwanden später wie der einst hier so begehrte Vilshecht.

Amberger Schiffsgasse,
die frühere "Fischgasse",
 in Blickrichtung auf die Martinskirche
(Foto: Nefershapiland)

die "alte Schiffsgasse"
- Blickrichtung auf die Stadtbrille
(Foto: Nefershapiland)

 

Oberhalb der Schiffbrücke in Richtung der Basilika St. Martin befanden sich vor 200 Jahren 14 Fischgruben mit Ziegeldach. Davon gehörten zwei den vier Bürgermeistern und sieben den vier bürgerlichen Fischerfamilien. Die Fischgruben verschwanden wie der einst hier so begehrte Vilshecht.
                                                                                     (Bilder: M. Pirzer)

Eine interessante Touristenattraktion ist eine Fahrt mit der "Plätte", die den klassischen Erzschiffen auf der Vils nachempfunden ist, auf der Vils, der früheren Lebensader Ambergs. Direkt vor der "Stadtbrille", Ambergs originellem Wahrzeichen, öffnet sich die Landschaft am Fluss und präsentiert mitten in der Stadt eine Parklandschaft zum Entspannen. Eine Fahrt mit einem "Vilskahn", dem sogenannten Plättenkahn (wie in früherer Zeit) führt durch das ehemalige Landesgartenschaugelände von 1997, das heute als Naturerholungsgebiet für alle Amberger und Besucher dient, war eigentlich nur für die Zeit der Landesgartenshow geplant, kam jedoch bei den Gästen und Einheimischen so gut an, dass sie seither aus dem Amberger Tourismus-Programm nicht mehr wegzudenken sind. Sie fahren im Sommer ab dem 1. Mai jeden Samstag und Sonntag bis einschließlich Oktober  in die Altstadt zu den vor Jahren zusätzlich geschaffenen Anlegestellen an der Schiffsbrücke.

Eine Plätte ist zwölf Meter lang und kann bis zu 20 Passagiere mitnehmen. Den Namen verdankt sie im übrigen ihrem "platten" Boden. Für die Erzfahrten von einst war ein möglichst hoher Auftrieb bei möglichst geringem Tiefgang nötig, was aber einen Verzicht auf einen stabilisierenden Kiel macht und damit die Plätte schwerer steuerbar.
(Fotos: M. Pirzer)

 

Das Pfalzgrafenschloss aus dem 14. Jahrhundert
- später auch "Klösterl" genannt - 
heute residiert hier das Luftmuseum

(Foto: Nefershapiland)

Die Vils fließt mitten durch die Stadt und war früher lebenswichtig für den Handel. Das Eichenforstgässchen und der Salzstadelplatz mit St. Martin verbindet der Martinssteg.

- (Bild: Nefershapiland)

Zwischen der Stadtbrille und der Basilika St. Martin überqueren zwei Brücken die Vils: die überdachte Schiffbrücke, von der man stadtseitig einen schönen Blick auf die Kirche hat und der Martinssteg oder Schulsteg am Rußwurmhaus.

Schiffbrückgasse:

Wir machen einen kurzen Abstecher über die gedeckte Schiffsbrücke, die seit über 250 Jahren über die Vils führt und zu den wenigen noch erhaltenen Holzbrücken dieser Art in Deutschland gehört. Von der Schiffbrücke aus haben wir einen herrlichen Blick auf das Neue Schloss und die Stadtbrille. Nach Überquerung der Brücke gelangen wir auf der anderen Seite in eine schmale Gasse mit dem Namen "Hinter der Veste" von der nach wenigen Schritten die Schiffbrückgasse abzweigt.

Die überdachte Schiffsbrücke von der man flussabwärts einen schönen Blick
auf die aus dem Wasser ragende St. Martinskirche hat.
(Fotos: Nefershapiland)

In der Schiffbrückgasse befinden sich einige sehenswerte Häuser. Bei den beiden Häusern Nr. 1 und 3 fallen die kräftig ausgebildeten Fachwerkobergeschosse auf, welche im Stadtbild nicht sehr häufig zu sehen sind.

Fachwerkhäuser in der Schiffbrückgasse 1 - 3
(Bild: Margret Pirzer)

Das spätgotische Haus in der Schiffbrückgasse 3 (gelbes Haus) stammt aus dem 15. Jahrhundert und hat im Erdgeschoss noch einen älteren Kern. Im Jahre 1598 kaufte die Stadt Amberg auf Befehl des Kurfürsten das verwahrloste Gebäude von dem Vorbesitzer. Es wird 1599 aufgestockt und zu einem kurfürstlichen Beamtenwohnsitz hergerichtet und macht durch sein Aussehen die Nähe zur Regierungskanzlei deutlich. Sogar das Quadermauerwerk dieses offiziellen Amtsbaus wurde am Wohnhaus des Beamten mit einfachen Mitteln imitiert. Im 17./18. Jahrhundert wechselt es mehrfach den Besitzer. Das Zeugmacherehepaar Thomas und Margarethe Helmuth erwerben 1797 das ehemalige kurfürstliche Gebäude und es bleibt im Familienbesitz bis 1907. Konrad Landgraf wird im Jahre1992 neuer Besitzer. Während der grundlegenden Restaurierung wird am Nachmittag des 8. Sept. 1992 im rückwärtigen Teil des Hauses unter einer Fundamentplatte ein Krug mit ca. 12-15 kg Silbermünzen entdeckt. Die 2328 Münzen befanden sich in einem Gefäß mit einem engen Hals welches wohl zu einer "Sparbüchse" umfunktioniert war. Der Krug wurde während seines Auffindens zerbrochen. Der Gesamtwert beträgt 930 Gulden und 52 Kreuzer. Dieser "Amberger Münzfund II. " befindet sich heute in Privatbesitz und ist leihweise im Stadtmuseum ausgestellt.

Fachwerkhäuser in der Schiffbrückgasse 1 - 3

- Bild: Margret Pirzer -

"Amberger Münzfund II."
Krug mit ca. 12-15 kg Silbermünzen
- Bild: Margret Pirzer -

In der Schiffbrückgasse 6 - Ecke Hinter der Veste - befindet sich das sog. "Sattlerhaus" - ein aus dem 19. Jahrhundert stammendes ehemaliges Unterrichter- und Bürgermeisterhaus. Ein zweigeschossiger und gegliederter Walmdachbau mit vorspringendem Mittelteil, einem Turm mit Kegeldach und profiliertem Traufgesims, dessen Kern aus dem 15. Jahrhundert stammt. Der ehemalige Hausbesitzer, der Wachszieher Diener legte den ehemaligen Schlossgarten 1859 trocken und schuf einen Garten. Das gepflegte Haus gehört heute der Familie Sattler.

Das "Sattlerhaus" Ecke Hinter der Veste/Schiffbrückgasse 
(Bild: Margret Pirzer)

Das "Sattlerhaus" - Ansicht von der Vilsseite aus -
(Bild: Margret Pirzer)

 

Eichenforstplatz

Zurück über die schmale Gasse gelangen wir nach ein paar Schritten auf den romantischen "Eichenforstplatz", dessen Mittelpunkt der "Bürgerbrunnen" ist, umrahmt von vier Rosskastanien. Dieser "Bürgerbrunnen" ist eine Bronzearbeit des Amberger Künstlers Manfred Raumberger aus dem Jahre 1991. Die beiden Gassen Marstall- und Eichenforstgasse münden in diesen Platz.

Gleich an der Vils liegt das "Rußwurmhaus", welches seinen Namen der Witwe Maria Rußwurm, der Witwe eines Kartonagenfabrikanten, verdankt.

Inmitten des Eichenforstplätzchen befindet sich unter schattigen Kastanienbäumen 
das Restaurant "Rußwurmhaus" (rechts der Biergarten). In der Mitte des Platzes die alte Lateinschule.
Über den Dächern thront der mächtige Turm von St. Martin (rechtes Bild).
(Bilder:
Nefershapiland)

Bis ins Jahr 1867 hinein existierte eine Furt, die den Verkehrsfluss zwischen dem heutigen Gasthaus Rußwurmhaus und dem Gebäude südlich davon, dem "Klösterl", hindurchleitete. 

Der Hausvertrag unter Ludwig dem Bayer, der 1329 erfolgte, besiegelte den Übergang Ambergs an die pfälzische Linie der Wittelsbacher. Die Pfalzgrafenfürsten wählten die Stadt zum Mittelpunkt ihrer Herrschaft in ihrem "Fürstentum der heroberen Pfalz in Bayern" (daher der Name "Oberpfalz") und verfügten hier von Anfang an über ein "festes Haus". Neben der "Alten Veste" - später als "Eichenforst" bezeichnet -  welche schon beim Herrschaftsübergang 1269 bestand, bauten die Kurfürsten ein "Steinhaus an der Vils". Seit dem Jahre 1839 ist dieser Bau als "Klösterl" bekannt.

Dieses am wohl schönsten Platz in Amberg gelegene Pfalzgrafenschloss, auch  "Klösterl" genannt, stammt aus dem 14. Jahrhundert und hatte den passenden Namen "Engelsburg". Es ist mit einem Treppengiebel und einem Kapellenerker geschmückt. Aufwendige archäologische Untersuchungen während der Renovierung dieses Hauses konnten belegen, dass man die erste Residenz auf dem Areal von zwei Häuser schuf, die aus der romanischen Zeit stammten. Dachbalken von 1364 und 1389/90 bezeugen das hohe Alter  der ersten Residenz der pfälzischen Statthalter. Am 5. Mai 1352 kam der Pfalzgraf Rupert III. dort zur Welt, der spätere Kurfürst und König. Das ehemalige Pfalzgrafenschloss prägt noch heute durch den gewaltigen Treppengiebel das Stadtbild entlang des rechten Vilsufers. Im Jahre 1417 begann Kurfürst Ludwig III. nach dem Ankauf von mehreren Bürgerhäusern mit dem Neubau eines Schlosses. Danach wurden die "Alte Feste" und das "Klösterl" für die Zwecke der Hofhaltung entbehrlich.

Heute residiert in dem "Klösterl" das "Luftmuseum", welches 2006 vom Künstler Wilhelm Koch in Amberg gegründet wurde. Gezeigt werden hier auf drei Stockwerke mit einer Ausstellungsfläche von 650qm Exponate, die technisch mit Luft arbeiten oder betrieben werden, und Kunstobjekte, die sich mit dem Thema Luft auseinandersetzen.

Ein schattiges Plätzchen 
- hinter den Kastanienbäumen befindet sich 
 das Restaurant "Rußwurmhaus" 
Hier lässt es sich gut speisen - 
(Foto: Nefershapiland)

Rechts neben dem "Rußwurmhaus"
befindet sich das "Klösterl". 
 - heute beherbergt es das Luftmuseum -

(Foto: Nefershapiland)

Lange Zeit galt der Eichenforstsplatz als Keimzelle Ambergs. Bei Grabungen im Jahre 1984/85 konnten auf dem Eichenforstplatz Reste von Holzgebäuden freigelegt werden, deren Errichtung anhand der Untersuchungen an den datierbaren Bauhölzern in die Jahre 1020/31 fällt.  Es waren einfache, langrechteckige Wohnhäuser, die unter einer Planierschicht aus Eisenschlacken gefunden wurde, die auch an anderen Orten in Amberg immer wieder bei Bauarbeiten zum Vorschein kamen, wie am Frauenplatz. Hier barg man aus den Schlackenhalden auch Keramik des 11. Jahrhunderts - was ein Beleg für die Eisenverhüttung in Amberg zu dieser Zeit ist. 

Der Bürgerbrunnen vor dem Rußwurmhaus auf dem Eichenforstplatz
- Bild: Margret Pirzer 2015 -

Dann stünde der Bürgerbrunnen ja genau richtig, ebenso das Standbild des "Winterkönigs". Das Standbild Friedrichs V. von der Pfalz, der glücklose "Winterkönig" vor dem Klösterl, ist ein Überbleibsel der Ausstellung im Stadtmuseum Amberg  in der Zeughausstraße 18, die am 8. Mai 2003 eröffnet wurde.

Vor dem Klösterl steht das Standbild  Friedrich V. von der Pfalz - dem sog. "Winterkönig".

                       (Bild Nefershapiland)

Repräsentationsgemälde Friedrich V.

(Gemälde von Gerrit van Honthorst, posthum 1634 vollendet, Kurpfälzisches Museum, Heidelberg)

Repräsentationsgemälde Friedrichs V.; dargestellt im Harnisch, Kurmantel sowie mit Wenzelskrone, Reichsapfel und Zepter in den Händen; Kurschwert und Kurhut neben ihm; als Zeichen der Verbundenheit mit dem englischen König trägt er die Ordenskette des Hosenbandordens (Gemälde von Geritt van Honthorst, dem Hofmaler Friedrichs V., posthum 1634 vollendet, Kurpfälzisches Museum, Heidelberg)

In dieser "Keimzelle" Ambergs, die vom Eichenforstgässchen bis zum Salzstadelplatz reicht, finden wir aber auch so schöne Treffpunkte wie das Restaurant und Gaststätte Rußwurmhaus am Eichenforstplatz, das Irish Pub Killy Willy am Salzstadelplatzt 3 und ebenfalls am Salzstadelplatz mit der Hausnummer 5 das Musikcafe Amadeus. 

Restaurant Rußwurmhaus im Herzen des Eichenforstplatzes
- Bilder:
Margret Pirzer

 

                                             Amberg - Eichenforstplatz
Blick auf den Eichenforstplatz in Richtung des großen Fachwerkhauses (links) in dem sich früher die "Alte Lateinschule" befand. Heute ist hier die Stadtbau Amberg zu finden.

Unterschiedliche Bau-Stile machen den Charme dieses Platzes im Herzen der Stadt Amberg aus.

  Bild: 2015 Margret Pirzer

Eines der Highlights auf dem Eichenforstplatz/Eichenforstgässchen war in den Jahren 2001 - 2013 das Musikcafe Jedemann - Anziehungspunkt für jung - aber auch für ein älteres Publikum. 

Musikcafe Jedemann auf dem Eichenforstplatz
- Bild: Margret Pirzer 2009 -

Klaus-Dieter Zinke vor seinem Musikcafe Jedemann
- Bild:
J. H. Pirzer -

 Jedemann-Wirt Klaus-Dieter Zinke

Die Menschen, die ihn kannten, werden ihn nicht vergessen.

 

        (Foto: Margret Pirzer)

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Im Zentrum Marstallgasse/Eichenforstgasse liegt der wohl älteste erhaltene Steinbau Ambergs, der gewaltige, hell verputzte Bau der "Alten Veste". Er kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Es ist allerdings unklar, ob seine Anfänge in bambergische Zeit zurückreichen. Es existierte aber bereits, als Amberg 1269 an den Wittelsbacher Herzog Ludwig II. von Bayern überging. In kurfürstlicher Zeit fungierte das Gebäude bis zur Fertigstellung des neuen Schlosses 1420 als Residenz sowie als Sitz des Viztums. Das in den Quellen des 15. bis 18. Jahrhunderts als Eichenforst bezeichnete Anwesen wurde, nachdem es für Herrschafts- und Verwaltungszwecke entbehrlich geworden war, als Ritterlehen ausgegeben.

              Die Alte Feste

Das Anwesen wurde nach 1794 zum adeligen Stadtpalais umgebaut, dokumentiert durch das Ehewappen über dem Eingangsportal. Bauherr war Freiherr Ludwig von Egcker, der mit einer Tochter des Statthalters Franz Ludwig Graf von Holnstein verheiratet war. Die "Alte Veste" war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in den Händen adeliger Bewohner. Erst nach einer umfassenden Sanierung wurde es 1985 von der Direktion der Stadtbau Amberg GmbH bezogen.

 

                    (Bild: Margret Pirzer)

 

Über dem Portal der Alten Veste befindet sich das Ehewappen Egcker-Holnstein. Dieses erinnert an die Privatisierung der alten Wittelsbacher Herzogsburg von 1784. Die Gräfin von Holnstein war eine illegitime Enkelin des Kürfürsten Karl-Theodor, der für das junge Paar das Gebäude so herrichten ließ, wie man es heute vor sich hat. 

Das Wappen der Holnstein entspricht dem der Wittelsbacher (Rauten und Löwen), nur der rote Sparren in der Mitte zeigt die illegitime Seitenlinie an.
                                                                                (Bilder: Margret Pirzer)

 

Eichenforstplatz - Ehemalige calvinistische Schule
mit dem Fachwerkgiebel und die Malerei in der Hausheiligennische.

(Bild: M. Pirzer )

                    Hausheiligen-Nische 
über der Eingangstür der Stadtbau AG mit Malerei.

            (Bild: Margret Pirzer 2015)

 

Salzstadelplatz und Waisenhausgässchen:

Unser Rundgang geht jetzt in Richtung zum Turm der Martinskirche und wir überqueren die Vils über den Martinssteg und erreichen nun den "Salzstadelplatz". Die von hier abzweigenden Straßen - oder Gassen, was es besser trifft - Salzgasse und Schiffgasse erinnern an die Schifffahrt auf der Vils und den hier florierenden Salzhandel (bis 1826). In den Häusern 1 und 3 sind die heute zu Wohnzwecken umgebauten früheren Amberger Salzstadel zu finden. Hier lagerte das "weiße Gold", welches die Schiffe von Regensburg über die Donau, Naab und die Vils hierher brachten, um es für den Verkauf zu lagern. 

   Martinssteg
Über den Martinssteg, vorbei am links liegenden Rußwurmhaus gelangt man zum Salzstadelplatz






 (Bild: J. H. Pirzer)

                             Ehemalige Salzstadel am Salzstadelplatz
Das Haus mit dem rotem Farbanstrich (sog. Korar-Haus mit der Nr. 1) war der ehemalige 1. Salzstadel (im Kern um 1650) und wurde 1860 umgebaut zu einem dreigeschossigen und giebelständigen Satteldachbau mit stichbogigen Öffnungen.

Der weiße, zweigeschossige und traufständige Satteldachbau (Nr. 3) mit Walm, Türmchen und Putzgliederungen stammt aus dem 18. Jahrhundert und war lt. Liste der Baudenkmäler in Amberg der 2. Salzstadel (umgebaut um 1870). Heute befindet sich hier der Irish Pub "Killy Willy". 

                                   (Bild: Margret Pirzer 2015)       

 

Der Salzstadelplatz in Amberg

- Bild:
Margret Pirzer

Salzstadelplatz 3 -
heute: Irish Pub Killy Willy
- Bild Margret Pirzer -

 

 Salzstadelplatz Nr. 5

Auch das Haus mit der Nummer 5 - ein ehemaliges Organistenwohnhaus - hat eine erwähnenswerte Vergangenheit. Das giebelständige Haus mit einem Krüppelwalm und am Südteil vorkragendem Dach sowie einem verputztem Fachwerk stammt im Kern aus dem 15./16. Jahrhundert und wurde 1981 zu einer Gaststätte umgebaut. Heute logiert dort das Musik-Cafe "Amadeus".      

 

                    (Bild: Margret Pirzer)

Das ehemalige Beamtenanwesen mit der Hausnummer 7 mit einer angrenzenden Landwirtschaft - ein zweigeschossiger und giebelständiger Satteldachbau mit Schweifgiebel und Putzgliederungen - stammt aus dem 18. Jahrhundert. Als letztes werfen wir einen Blick auf den Bau mit der Nummer 9 - ein dreigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit profiliertem Traufgesims, das aus dem 16./17. Jahrhundert stammt. 

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Vom Salzstadelplatz zweigt die winkelige Waisenhausgasse ab, deren Bebauung aus dem 16. Jahrhundert stammt und uns einen malerischen Blick in einen schönen Altstadtwinkel bietet. Die Bebauung aus dem 16. Jahrhundert findet in dem Komplex Waisenhausgasse 3-4 einen beeindruckenden Abschluss. Die Gebäude weisen durch die exakt behauenen Quadermauerwerke die Zucht und Ordnung auf, die in dem Inneren des seit 1737 als Waisenhaus genutztem Gebäude bei der Erziehung der Kinder auch "gelebt" wurde.

                 Amberg - Eselsbäck
Das ehemalige Bäckeranwesen (noch bis um 2000) im Eckhaus Waisenhausgasse 1 - ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau von 1550/53 - zeigt das spätgotische Steinbild eines stattlichen, männlichen Esels. Diese Bäckerei hieß seit über 300 Jahren "Eselsbäck". Dieser Name hat aber nichts mit einem Esel zu tun, sondern ist das Hauszeichen der Familie von Hans Koller - einem Glaser,  der wegen einer Rauferei vor dem Rat der Stadt Amberg zu erscheinen hatte und dabei als "Eselsbeck" bezeichnet wurde Quelle: Amberger Stadtarchiv)
                     (Bild:
J. H. Pirzer)Alks 

Als historische Wahrheit dürfte die Überlieferung anzusehen sein, dass das Anwesen den Hausnamen "Eselsbeck" seit 1570 führt, als es Philipp Schmidt von dem Glasermeister Eselsbeck gekauft hat. Der Familiennamen des früheren Besitzers wurde später zum Hausnamen.

 Gasthaus "Goldene Krone"

Gegenüber liegt in der Waisenhausgasse 2 das ehemalige Gasthaus "Goldene Krone" - heute befindet sich hier das Restaurant "Kate's Irish Pub - Hotel zur Goldenen Krone" - ein zweigeschossiger und giebelständiger Satteldachbau mit profilierten Öffnungen und Putzgliederungen aus dem 16. Jahrhundert. 

Die "Goldene Krone" ist unter dem Namen seit fast 400 Jahren eine angesehene Amberger Gaststätte.       
                     (Bild:
Margret Pirzer 2015)

Gleich darin schließt sich als Doppelanwesen ein stattlicher Renaissance-Quaderbau mit Satteldach an, in dem 1735-37 der Amberger Dechant Heinrich Werner aus eigenen Mitteln das erste katholische Waisenhaus der Oberpfalz einrichtete. Ein Vergleich des Quadermauerwerks mit dem der Regierungskanzlei in der Regierungsstraße macht deutlich, dass beide Gebäude um die Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden. Solche Fassaden mit den typischen spätgotischen Fenster- und Türprofilen findet man an vielen weiteren Stellen der Amberger Altstadt - wie z. B. in der Badstraße, der Georgenstraße 16 und 65 und am Paradeplatz 14 und 16. Eine Stiftungstafel weißt auf die Einrichtung als Waisenhaus im Jahre 1737 hin.

Salzgasse und Zeughausstraße:

Wir kehren zum Salzstadelplatz zurück und biegen nun auf der rechten Seite in die Salzgasse ein. Hier befinden sich zwei denkmalgeschützte Bauten. Im Haus mit der Nr. 5 befindet sich seit 1896 eine Synagoge - ein zweigeschossiger Walmdachbau mit Putzgliederungen und einem Portal mit Sprenggiebel aus dem 19. Jahrhundert. Die jüdische Kultusgemeine nutzte das Haus in der Salzgasse 5 bis in das Jahr 1938 - vermutlich am 10. November 1938 wurde die Synagoge demoliert und die Ritualien komplett zerstört und die Trümmer wurden auf die Straße gebracht und dort verbrannt. Aber einige wertvolle Kultgegenstände konnten in Sicherheit gebracht werden. Das Synagogengrundstück wurde von der Kommune übernommen. Die noch im Kreisgebiet wohnhaften Juden wurden verhaftet, die meisten Männer brachte man ins KZ Dachau. Erst ab 1945 gründete sich wieder eine Jüdische Kultusgemeinde in Amberg.

Ebenfalls denkmalgeschützt ist das Haus Salzgasse 6, ein ehemaliges Salzmeisterhaus mit einem dreigeschossigem Walmdach mit profilierten Öffnungen aus dem 18. Jahrhundert. 

Die Zeughausstrasse  - links das sog. "Raseliushaus"
- heute Stadtbibliothek und Volkshochschule,

Die Salzgasse mit Blick auf St. Martin
Rechts hinter der schattigen Kastanie, die Synagoge

Bild:      Zeughausstrasse Amberg - 2010.08.21
User:     Hermann Luyken - dt. Wikipedia
Lizenz:  CC BY-SA 3.0
                        Bild: Margret Pirzer

Die Straßenkreuzung am Ende der Salzgasse führt uns auf die Zeughausstrasse und wir stehen vor dem Haus mit der Nummer 1a - dem sogen. "Raseliushaus" - einer ehemaligen Gewerbeschule. Das Gebäude, in dem sich heute das Kulturreferat, die Volkshochschule und die Stadtbibliothek befinden, trägt den Namen des Komponisten Andreas Raselius. Das gesamte Anwesen besteht aus dem ehemaligen "Grießenbeck'schen Palais", welches nach seinem Erbauer genannt wurde und einem nördlich daran anschließenden Palais des Baron von Blumenthal. Das Grießenbeck'sche Anwesen wurde 1856 zum Schulhaus umfunktioniert - 1856 folgte auch das zweite hier genannte Palais, wo die Landwirtschafts- und Gewerbeschule (wurde 1877 als Realschule umfunktioniert) Aufnahme fand.

    Das neubarocke "Raseliushaus"

Das neubarocke Haus - ein zwei- bis dreigeschossiger und gegliederter Komplex mit Sattel- und Walmdächern, einem Treppenturm und Putzgliederungen wurde wohl Ende des 19. Jahrhunderts erbaut - rückseitig aber völlig erneuert.         

 

                    (Bild: Margret Pirzer)

 

    Ecke Zeughausstraße / Schiffgasse

Rechts vorne der Eingang zum jetzigen Landratsamt.

 

                    (Bild: Margret Pirzer)

In der Zeughausstraße 2 - 3 befindet sich die dreiflügelige Anlage des jetzigen Landratsamtes, ein Bau ursprünglich aus dem Jahr 1502 - das sog. "Neue Haus". ein zweigeschossiger und winkelförmiger Satteldachbau an dessen nördlichere Seite sich ein Treppengiebel und eine spitzbogige Tordurchfahrt befindet. Der Südflügel, ein gestelzter, zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit Volutengiebel, einem viergeschossigen Treppenturm, Gesimsteilungen und Putzgliederungen, der die Stadtmauer mit einbezieht wurde 1604 errichtet. Der Wachturm mit Zinnenkranz besteht aus Bruchstein mit Eckquadern und ist mit seiner Entstehungszeit Ende des 14. Jahrhunderts der älteste Teil der Anlage.

 das ehemalige Amberger kurfürstliche Zeughaus

Nach einer langen Bauzeit von 1490 - 1607 in verschiedenen Stilepochen mit  mehrmaligem Umbau diente das Bauwerk im barocken Stil bis 1778 als Magazin. Einst hatte die Stadt auch eigene Waffen, die hier gelagert wurden, später diente dieser Bau mit dem hohen Giebel als Baulager, da man das das Waffenarsenal nach Ingolstadt verlegte. Bis 1981 nutzten dieses Areal die Freiwillige Feuerwehr und das Rote Kreuz. Heute wird es als Verwaltungsgebäude des Landkreises Amberg-Sulzbach genutzt.
      (Ansicht Ecke Zeughausstr. / Schiffgasse)
                    (Bild: Margret Pirzer)

Ebenfalls unter Denkmalschutz stehen das Haus mit der Nr. 12 - ein ehemaliges Handwerkerhaus mit einem dreigeschossigem und traufständigem Satteldach mit Putzgliederungen, das im Kern spätgotisch ist und im 18. Jahrhundert aufgestockt wurde. Auch aus dem 18. Jahrhundert stammt die ehemalige Büttnerei in der Zeughausstr. 14 - ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit Zwerchhaus, geohrten Rahmungen und einer seitlichen Toreinfahrt. 

Stadtmuseum

Das Amberger Stadtmuseum in der Zeughausstraße 18 befindet sich in einem denkmalgeschützten Lagerhaus aus dem 15./16. Jahrhundert, dem früheren Baustadel - das sog. "Kolonnenhaus", ein dreigeschossiger und giebelständiger Satteldachbau mit Treppengiebel und profilierten Öffnungen das aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt - Umbauten erfolgten im 17. Jahrhundert. Die Proportionen des behäbigen Baus können durchaus mit den Stadeln aus der Renaissancezeit in Regensburg und Nürnberg verglichen werden. Im Innenhof präsentiert sich eindrucksvoll der viergeschossige Dachstuhl mit Schleppgauben.

Die Baugruppe "Baustadel" setzt sich zusammen aus drei Flügeln, die jeweils im rechten Winkel aneinanderstoßen. In der 1564 in Wittenberg erschienenen "Chronika oder kurzen Beschreibung der churfürstlichen Stadt Amberg" des Michael Schwaigers wird der "pawstadl" bereits erwähnt. Aufgrund der Bauformen muss man annehmen, dass der Nordflügel im ausgehenden 15. Jahrhundert entstanden ist. Als Fertigstellungsdatum des Südflügels muss man entsprechend der Jahreszahl am Außenbau 1544 annehmen. 

Der Baustadel war das Zeughaus der Stadt. Hier lagerte man Getreide, Baumaterial zum Ausbessern der städtischen Gebäude, der Bürgerhäuser sowie der Stadtmauer und Waffen zur Verteidigung der Stadt. Die Amberger Feuerwehr und das Rote Kreuz sowie die Städtische Freiband und teilweise auch Wohnungen wurden später im 20. Jahrhundert hier untergebracht. In den Jahren 1983 - 1988 wird der Gebäudekomplex von der Stadt Amberg unter besonderer Berücksichtigung denkmalpflegerischer Gesichtspunkte zum Stadtmuseum umgebaut. 

Hier findet man einen faszinierenden Überblick über die Geschichte, Kunst und Kultur der Stadt Amberg und der näheren Umgebung. Im Vordergrund stehen  stadtgeschichtliche Themen und sehr interessante Sammlungen der verschiedensten Epochen..

                   Stadtmuseum im Baustadel


Der Besucher findet in diesem nach außen hin fast unscheinbarem Museum "wundersame" Dinge, wie eine Bäckerei (Melberei und Bäckerei von Franz Josef Singer), deren Ladeneinrichtung aus der Zeit um 1900 stammt und die im Originalzustand und Größe wieder aufgebaut wurde. Auch eine original aufgebaute Zahnarztpraxis aus der gleichen Epoche mit furchteinflößendem Behandlungsstuhl und Fußtretbohrmaschine wird das Interesse des Besuchers wecken.
Natürlich gibt das Stadtmuseum auch Auskunft über die gute alte Tradition des Bierbrauens, welches im Amberger Stadtgebiet bis in das 15. Jahrhundert zurück reicht. Viele Raritäten werden hier gezeigt.

 

(Bild: J. H. Pirzer)    siehe hier   

 

        Ältere Ladeneinrichtung der alten Adler-Apotheke
      - Einrichtungsteile aus der oberen Apotheke ca. 1750 -
Das Stadtmuseum bekam 2008 ein bemerkenswertes Geschenk - die komplette Einrichtung der Adler-Apotheke (1875-1885) aus der Georgenstr. 16 und Teile der Offizin aus der Oberen Apotheke (von 1750) aus der Georgenstr. 20.

Die letzte Einrichtung der Adler-Apotheke ist in der Museumsabteilung im oberen Bereich so aufgestellt, wie sie den Kunden in Amberg vertraut war. Die Teile aus der Oberen Apotheke befinden sich im Foyer des Museums und sind aus Nadelholz und Eiche gefertigt und farbig gefasst. Schrankteile und Schubläden und der Rezepturtisch stammen aus der Zeit zwischen 1739 bis 1750, die Regalaufbauten wohl aus dem 19. Jahrhundert. Alle Schubläden trugen ursprünglich kunstvoll aufgemalte Inhaltsbezeichnungen. Die Standgefäße aus Glas und Porzellan, die Rezepturwaage und die Möser aus Messing stammen aus der Zeit um 1900. 
                                 (Bild: Margret Pirzer)

(Textquelle: Inschriftentafel am Objekt - Amberger Stadtmuseum)

                      Tante-Emma Laden
Nach dem 2. Weltkrieg eröffneten die Geschwister Emma und Thekla Rom in der Blumenstraße 71 in Schnaittenbach in den alten Räumen der Schuhmacherei Geschwister Rom einen Gemischwarenladen, in dem sie Artikel des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Drogerie-Artikel, Haushalts- und Kurzwaren aber auch Genussmittel anboten. Von der Butter über die Schuhcreme bis zur Seife war hier alles vorhanden.

Nach dem Tod von Emma Rom, im Jahre 1994 wurde der Laden aufgegeben. Die Erben überließen 1997 die alte Einrichtung dem Amberger Museum.







                             (Bild: Margret Pirzer)

(Textquelle: Inschriftentafel am Objekt - Amberger Stadtmuseum)

 

            Originale Einrichtung des Friseurladens
             Eduard Gäckle aus der Georgenstraße

Eduard Gäckle war Friseurmeister, Perückenmacher und Theaterfriseur.



(Bild: Margret Pirzer)
                         Schuhmacherei Tretter
Johann Tretter betrieb von
1925 bis zum Anfang des 2. Weltkrieges in der Bayreuther Str. 72 in Amberg eine Schuhmacher-Werkstatt. Hauptberuflich war er Metallarbeiter in der Luitpoldhütte. Er fällt im 2. Weltkrieg. Die Werkstatt wird von seinem Bruder Luipold Tretter im Nebenerwerb bis 1986 weitergeführt. Die Werkstatt ist hier im Museum in dem Zustand aufgebaut, wie sie 1991 vorgefunden wurde.

(Textquelle: Inschrift am Objekt im Amberger Stadt
                                 (Bild: Margret Pirzer)

 

               Eine Sammlung von Reservistenkrüge
Nahezu jeder Soldat hat sich in den letzten Tagen seiner Dienstzeit einen Reservistenkrug bestellt, der ihn ein Leben lang an seine Zeit beim Militär, sein Regiment und seine Kameraden erinnern sollte. Meistens sind die Reservistenkrüge mit dem Namen des Regiments, den Namen seines Besitzers und den Namen seiner Kameraden sowie die Dauer seiner Dienstzeit beschriftet. Die meisten Reservistenkrüge bestehen aus Porzellan und Steingut.

Die weißen Porzellankrüge wurden höchstwahrscheinlich in thüringischen und ober-fränkischen Porzellanmanufakturen hergestellt.
(Textquelle: Inschrift am Objekt im Stadtmuseum)

                            (Bild: Margret Pirzer)

Zwei Steinschloss-Pistolen von 1815-30


 

 

 

 

 

(Bild: Margret Pirzer)

 

Bayrischer Kürass 
- schussfestes Vorder- und Rückenstück aus Guss-Stahl mit Leinenfutter und Gürtelriemen, gefertigt in der Amberger Gewehrfabrik Amberg 1847-1876

Bayrischer Kürassier-Stahlhelm Modell 1845
mit Monogramm König Ludwig II. - eingeführt ab 1847, getragen bis 1879
Rosshaar, Raupe schwarz, Helmgefäß weiß.


(Bild: Margret Pirzer)

            Glasgefäße für die Tafel 15./16. Jahrhundert
Die Gefäße wurden bei den Stadtkerngrabungen in Amberg gefunden

Die meisten Gläser waren zum Trinken von Wein bestimmt. Besonders kleine Exemplare mögen wie die" Kottrolfe" für den Schnappskonsum vorgesehen gewesen sein. Bier wurde damals in der Regel nicht aus Gläsern getrunken. Hierfür wären nur sehr große Glasbecher geeignet gewesen.

                             (Bild: Margret Pirzer)

Der Amberger Liedertisch ist eine Schöpfung der Renaissance. Er besitzt reiche figürliche und ornamentale Dekorationen sowie eine strenge Symmetrie. Er wurde im Hochätzverfahren hergestellt. 

Die Rundtafel wurde 1591 dem Rat der Stadt Amberg von der Bürgerschaft verehrt und trägt eine Widmung:
"Dem Ehrnuesten fürsichtigen Erbarn vnd weisen Bürgermeistern vnd Rathe der Churfl. Statt Amberg, vnsern gebiettenden Geherrn, haben wir hie unde benante, dise
Rundtaffeln zu ehrn gemacht."
(Text: Entdeckungen - Landschaft, Kultur und Geschichte des Amberger Landes, 1991 / Texte Maaathias Conrad - Herausgeber Amberger Fremdenverkehrsverein e. V. Max Fischer)

    Amberger Liedertisch / oder Liedertafel

Der Amberger Liedertisch befindet sich heute im Museum der Stadt Amberg und gehört zu den Meisterwerken der Steinätzkunst, die von der Mitte des 15. bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts von Bedeutung war. 

Die kreisrunde Platte hat einen Durchmesser von 128 cm und ist streng konzentrisch gegliedert. Den Mittelpunkt bildet das Wappen der Stadt Amberg, der von einem Löwen gehalten und umgeben wird von der bereits oben zitierten Widmung.

        (Bild: Margret Pirzer - Stadtmuseum Amberg

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Zeughausstraße in Richtung Untere Nabburger Straße
- rechts im Bild befindet sich das Stadtmuseum -
(Bild: Margret Pirzer)

Wir setzten nun unseren Spaziergang durch Amberg längst der Zeughausstraße fort und erreichen eine Straßenkreuzung, deren Straßennamen auf ihre ehemalige Bedeutung verweisen. Auf der linken Seite der Kreuzung zweigt das "Untere Apothekergässchen" ab, die dann am Ende in die Rathausstraße mündet.  Auf der rechten Seite zweigt die Baustadelgasse von der Kreuzung ab. Hier befand in dem Eckhaus mit der Nr. 1, das bei Entstehung auch gleichzeitig am unteren Ende ein Teilstück der Stadtbefestigung war, das ehemalige Militärlazarett. Durch einen Schalen-Turm mit neuen Zinnen kann man durch eine neuere Brücke die Stadt durch die Zwingermauer verlassen. Heute beherbergt der zweiflügelige, neubarocke Mansardwalmdachbau mit Putzgliederungen und Werksteinportalen das Amberger Amtsgericht (Datierung 1916/17). 

               Ehemaliges Militärlazarett

Die ehemaligen Klostergebäude der Paulanerkirche auf der Ost- und Südseite der Kirche dienen heute als Amtsgericht und sind nicht öffentlich zugänglich.

Ansicht von der Paulanergasse aus -
links die Paulanerkirche

Datei:   2010.08.21.165736 ehem. Militärlazarett
User:    Hermann Luyken
Lizenz:  CC BY-SA 3.0

 

Paulanergasse:

Hinter der Kreuzung wird die Straße schmäler und geht in die Paulanergasse über, von der dann rechts der Paulanerplatz abzweigt. In der Paulanergasse befinden sich zwei denkmalgeschützte Häuser mit den Hausnummern 14 und 18. Eine ehemalige "Weißbäckerei" in einem zweigeschossigen und giebelständigem Kleinhaus mit Frackdach aus dem Jahre 1547 und ein Handwerkerhaus in einem zweigeschossigem Walmdachbau mit Putzgliederungen aus dem Jahr 1720, dessen Kern aber wohl älter ist. 

Die Paulanergasse - rechts das Bürgerhaus mit der Nr. 18
- links das ehemalige Militärhospital und heutige Amtsgericht - 
- Bild: Margret Pirzer - 

 

Paulanergasse Nr. 14

An einem Eck-Sandstein des zweigeschossigen und giebelständigen Kleinhauses mit einem Frackdach befindet sich die Jahreszahl 1547 - wahrscheinlich das Erbauungsdatum des Gebäudes. Früher wurde dieses Gebäude als ehemalige Weißbäckerei genutzt.



Bild:       Ehemalige Weißbäckerei
Autor:    Allexkoch
Lizenz    CC BY-SA-4.0

 

Seit 1998 befindet sich hier die Meistergoldschmiede des Sebastian Baron von der Recke

                                                  (Bild: Margret Pirzer 2015)

 

Paulanerplatz:

Der Paulanerplatz wird von der großen Evang.-Luth. Pfarrkirche - Hausnummer 2 - der ehemaligen Kirche der Paulaner beherrscht. Das dazugehörige Kloster wurde dann mit Beginn der Säkularisation aufgelöst und die Kirche diente noch bis 1812 als Garnisonskirche. Nach 1802 wurde das Kloster Militärlazarett. Nach 1812 dienten die Kirchenräume dem städtischen Salzamt als Magazin. Dazu teilte man den Raum mit einer auf 20 Eichensäulen ruhenden Zwischendecke in zwei Stockwerke. 1819 wurden die beiden 60 Jahre vorher errichteten Fassadentürme (rechts und links vom Eingang) abgetragen. Erst 1862 übergab man den Amberger Protestanten wieder die ganze Paulanerkirche für 12000 Gulden.

      Protestantische Paulanerkirche

         Haupteingang Paulanergasse

 

                      (Bild: J. H. Pirzer)

Die zum Kloster gehörige Kloster-Brauerei mit Sudhaus, Kühlhaus und Mälzerei gelangte 1803 mit der Klosterschenke in den Besitz eines Amberger Braumeisters.

      

        Evangelisch-Lutherische Pfarrkirche 
   - ehemalige Kirche der Paulaner -

Die ehemalige Kirche der Paulaner ist ein Wandpfeilerbau mit abgewalmtem Satteldach, Pilastergliederungen und einem Flankenturm mit "Welscher Haube" (1719 von Wolfgang Dientzenhofer erbaut). Der Turm stammt aus dem Jahr 1866

                  

Bild:   Evangelisch-Lutherische Pfarrkirche
Autor: Gunther Seibold
„Paulanerkirche Amberg“ von Gunther Seibold - www.kirchbau.de/ 
Lizenz: CC BY-SA-3.0 de

Das ehemalige Paulanerkloster mit der Hausnummer 4 gehört jetzt zum Komplex des Amtsgerichts und des Grundbuchamtes. Der Bau ist zweiflügelig und besteht aus einem dreigeschossigem Walmdachbau mit Rahmengliederungen (erbaut 1692- 1702 von Wolfgang Dientzenhofer  - Umbauten 1916-19). Zum Haus mit der Nr. 4 gehört ein Wachturm, der ein Teilstück der Stadtbefestigung ist (ein halbrund schließ0ender Walmdachbau mit Wandgliederungen, einer Zwingermauer - im Kern aus dem 14. Jh.)

       Handwerkerhaus - Paulanerplatz 7

Das Handwerkerhaus mit der Nummer 7 ist ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit profilierten Rahmungen aus dem 18. Jahrhundert.
Bild:   AmbergPaulanerPlatz7.JPG
Autor:
Allexkoch
Lizenz: CC BY-SA-4.0

Das Gebäude am Südende des Platzes mit der Hausnummer  8 war einst ein in die Stadtbefestigung einbezogener Getreidekasten. Der dreigeschossiger Walmdachbau ist Teil der Stadtbefestigung und stammt aus dem 14. Jahrhundert - die obere Mauersubstanz aus dem 16./17. Jh. und Umbau 1979/80. 

       
             Paulanerplatz Nr. 13 - 
              ehem. Küfneranwesen

Ein weiteres, denkmalgeschütztes Haus - das ehemalige Küfneranwesen - mit der Hausnummer 13 ist ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit profilierten Öffnungen und Figurennische (im Kern 1. Hälfte 16. Jahrhundert). 

Bild:   Ehemaliges Küfneranwesen
Autor:
Allexkoch
Lizenz: CC BY-SA-4.0

Der sogenannte "Paulanerstadl" - das ehemalige kurfürstliche Wagenhaus, später dann eine Brauerei - ist ein eingeschossiger und giebelständiger Steildachbau mit Zwerchhäusern und Gesimsteilung sowie Werksteingliederungen in Sandstein aus dem Jahr 1615. Die seitliche Toreinfahrt mit profiliertem Korbbogen stammt wohl aus dem 17. Jahrhundert.

Der Paulanerplatz ist eine der wenigen geplanten Anlagen im Zuge der Stadterweiterung von 1326. Das kurfürstliche Wagenhaus am Südosteck des Platzes mit der Hausnummer 17 dominiert mit seinem hohen Giebel, der mit Kugeln reich besetzt ist, die gesamte Anlage. 

Paulanerplatz mit einstigem kurfürstlichen Wagenhaus
(Renaissancebau um 1615)
- auf der linken Seite die Paulanerkirche -




(Bild: J. H. Pirzer)

        Ehemalige Wagenhaus - auch "Paulanerstadel"
Giebelbau mit Zwerchgiebel und einer seitlichen Toreinfahrt. Die Fassade weist kräftige Gesimse auf - der Giebel war einst sehr verschwenderisch mit Obelisken und Kugeln geschmückt. Auf dem Zwerchgiebel der Längsseite ist die Datierung 1615 zu finden. 

                            (Bild:
Nefershapiland)

                 Kurfürstliche Wagenhaus

Kurfürst Friedrich V. (1596-1632), der spätere "Winterkönig", ließ 1615 das Wagenhaus erbauen. Der Schriftzug an der Giebelseite nennt zwar nicht den ursprünglichen Zweck des Renaissance-Gebäudes, ist aber ein Hinweis auf die besondere Bautradition Ambergs. Die Bauinschrift nennt 1615 als Erbauungsjahr, das Datum ist von den Initialen "SW" begleitet. Es ist nicht sicher, ob das Gebäude tatsächlich als "Wagenhaus" und nicht primär als Speicher geplant war. Zu denken gibt der Umstand, dass es als Wagenhaus ziemlich weit weg vom Schloss gestanden hätte. Eine evtl. Speicherfunktion - welche der Bau unzweifelhaft angesichts des Riesendachs besaß - passt zu den fünf alle in einer Luftlinie eingereihten Lagerhäusern Ambergs: der Kastenbau/Schmalzkeller, Zehentstadel, städtisches Zeughaus, Getreidekasten und Wagenhaus.

 

                                  (Bild: Margret Pirzer)

Zuletzt wurde das Wagenhaus, welches auch unter dem Namen "Paulanerstadl" bekannt ist, von einer Brauerei genutzt. Im Jahre 1960 wurde renoviert und dabei hinterließ man neben anderen Problemen an der Giebelfassade rechts ein unpassendes rechteckiges Portal.

Seit einiger Zeit befindet sich der Renaissance-Bau im Besitz der Stadt und wird derzeit umfassend renoviert.

Untere Nabburgerstraße / Münzgässchen

Wir kehren auf die Paulanergasse zurück und bewegen uns in Richtung "Untere Nabburger Straße", an deren Ende sich das namensgebende "Nabburger Tor" befindet. 

Untere Nabburgerstraße 17/Ecke Münzgässch.
Bis 2012 befand sich in diesem Haus mit einem grau-weißem Anstrich die Traditions-Buchhandlung Lieret, die 2009 von der Bahnhofstraße in die Untere Nabburger Straße umgezogen ist. Dieser Umzug sollte ein "Neuanfang" nach 83 Jahren sein. Zwar lagen die neuen Geschäftsräume in einer etwas schlechteren Lage - dafür boten sie aber wesentlich mehr Platz für ein erweitertes Sortiment im Bereich Schreibwaren. Leider haben sich die Hoffungen auf ein Weiterbestehen zerschlagen und die 86jährige Geschichte der Buchhandlung Lieret endete mit dem Gang zum Insolvenzgericht.
                           (Foto: Margret Pirzer)

 

                  Untere Nabburgerstraße 23-25
Die Hosenzentrale (Nr. 21) und das Bekleidungsgeschäft Möller (Nr. 23) in der Unteren Nabburgerstraße
                                     - (Foto: Johnny Pirzer) -
                         Untere Nabburgerstraße 34
- Das Restaurant und Gaststätte "Winkler BräuWirt" -
Ein zweigeschossiger und giebelständiger Steildachbau mit profilierten Öffnungen aus dem 17. Jahrhundert
                               - (Foto: Johnny Pirzer) -

Das Haus Untere Nabburger Straße 34 (Winkler-BräuWirt) findet seine erstmalige Erwähnung im Jahre 1629 (Amberger Stadtarchiv). Der 1. Hausbesitzer war Christoph Grafft Peckh). Später war das Anwesen im Besitz von verschiedenen Weißbäckerfamilien - welche im Nebenerwerb auch eine Gastwirtschaft oder einen Bierhandel betrieben. Der Großvater des heutigen Brauereibesitzers, Josef Winkler, erwarb das Haus im Jahre 1913 vom Bäckermeister Wilhelm Schelling und gleichzeitig damit das Braurecht und die Geschäftsanteile an dem vom Winterkönig gegründeten Kommunenbrauhaus, das sich im Rückgebäude der Oberen Nabburger Straße 9 befindet. Der Bäckereibetrieb wurde von den Eheleuten Josef und Kunigunde Winkler eingestellt und dafür eröffneten sie eine Gastwirtschaft und die Brauerei, die von Sohn Josef mit seiner Ehefrau Mathilde bis 1961 fortgeführt wurde. Inzwischen wird die Privatbrauerei in der 3. Generation von einem Josef Winkler geführt.

Die Gaststätte in der Unteren Nabburger Straße wird heute nach Alt-Amberger Brautradition von den Eheleuten Wolfgang und Gaby Beringer betrieben. In den Sommermonaten gehört neben den Räumlichkeiten in der Gaststätte selber auch ein sehr idyllischer Biergarten dazu, wo man unter lauschigen Kastanienbäumen eine Brotzeit oder Biergartenspezialitäten und Oberpfälzer Schmankerln genießen kann.

      
         - Untere Nabburgerstraße 46 -

In der Ecklage - gleich neben dem Nabburger Tor  und der Pfandleihe befindet sich ein interessantes Haus mit einem Adlerwappen und einer alten Reklameschrift des Dentisten M. Willner.

Die Rückseite des Hauses gehört zur einstigen Stadtbefestigung. 


                           (Foto: Margret Pirzer)

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Wir kehren nun zurück zur Ecke Untere Nabburger Straße / Münzgässchen, die wir überqueren und in dem gewundenen Münzgässchen auf drei denkmalgeschützte Bauwerke stoßen: Das Handwerkerhaus in dem Münzgässchen 3 ist ein dreigeschossiger und traufständiger Flachdachbau mit Dachaltane, profilierten Öffnungen und Figurennische und stammt aus dem 18. Jahrhundert.  Auch das Haus mit der Nr. 4 - eine ehemalige Weißbäckerei - ein dreigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit geohrten Rahmungen, Figurennische und Putzgliederungen, das aus dem 19. Jahrhundert stammt, steht heute unter Denkmalschutz, ebenso wie das ehemalige Bürgerhaus mit der Nr. 6 - ein zweigeschossiger Walmdachbau mit Halbwalm, das aus dem 18. Jahrhundert stammt.

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Das Münzgässchen mündet in der "Oberen Nabburger Straße", die auf der rechten Seite zu dem schönsten Tor Ambergs führt, dem Nabburger Tor und auf der linken Seite in der Kreuzung "Bahnhofstraße/Ziegelgasse endet.

Obere Nabburger Straße:

In der Oberen Nabburger Straße befinden sich einige Restaurants - ein China-Restaurant, ein Grieche, eine Pizzeria und einige denkmalgeschützte Häuser, mehrere Bürgerhäuser wie z. B. das Haus mit der Nr. 15 - ein zweigeschossiger und giebelständiger Halbwalmdachbau, der im Kern spätmittelalterlich ist, um 1614 und um 1839 erneuert wurde mit Altane aus dem Jahr 1877. Im Kern aus den Jahren 1547/48 stammt das dreiteilige Anwesen úm den Innenhof und einem zweigeschossigem Vorderhaus mit Satteldächern - im Nordteil giebelständig und im Südteil traufständig mit Durchfahrt (datiert 1851). 

Ebenfalls denkmalgeschützt ist das ehemalige "Wirtshaus zur Sonne" (Nr. 34), ein eingeschossiger Steildachbau in Ecklage mit stichbogigem Portal, im Kern 16. Jahrhunderst.

Wir folgen der Oberen Nabburger Strasse einige Meter, vorbei am rechts liegenden Schanzlgäßchen, das aber keine besonderen Sehenswürdigkeiten zu bieten hat und gehen bis zur Straßenkreuzung Bahnhofstraße/Ziegelgasse.

Bahnhofstraße:

Auf der linken Seite der Bahnhofstraße - Richtung Hallplatz und Rathaus befinden sich einige interessante Bauten. Das sind auf der rechten Seite die Spitalkirche mit der Hausnummer 7 und der Spitalbrunnen (siehe Beschreibung oben) und mit den Hausnummern 10 und 12 der ehemalige "Palast Armknecht" - die "Alte Münze", ein stattlicher dreigeschossiger und traufständiger Dreiflügelbau mit Satteldach, Kniestock und architektonischen Gliederungen, der sich gegenüber der Spitalkirche befindet (Entstehungszeit um 1762). Die Fassade aus der Neurenaissance stammt aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, das Erdgeschoss wurde 1981 erneuert.

      Ehemalige "Alte Münze" - Bahnhofstr. 10-12.
Baron von Armknecht hat ihn an Stelle eines 1745 bei der Belagerung arg beschädigten Hauses errichten lassen. Im Jahre 1762 zog die Münze ein, damals die einzige Münzstätte in Nordbayern. Als diese im Zug bayrischer Zentralisierung aufgehoben wurde, brachte man in den Gebäuden von 1801 - 1874 die Gewehrfabrik unter, einen jener Betriebe, denen Amberg seinen Aufschwung zur Industriestadt verdankte.
Durch das herrschaftliche Doppelportal mit den prächtigen Torflügeln kommt man in den malerischen Innenhof,, der nicht nur gut renoviert, sondern auch modern genutzt ist. Besonders hübsch ist der Erker der ehemaligen Hauskapelle. Der gesamte Komplex wurde seit 1931 bis zur Schließung von den Kauhäusern Storg/Forum 2005 genutzt.
                     (Bild: Nefershapiland)

Auch in der Bahnhofstrasse befinden sich einige denkmalgeschützte Häuser, wie z. B. gleich in der Bahnhofstrasse 1 ein zweigeschossiger Walmdachbau mit Figurennische, das als Wohn- und Geschäftshaus (früher Traditionsbuchhandlung Lieret, heute Jack Wolfskin) genutzt wird, das ehemals aus vier eigenständigen Gebäuden zusammengeschlossen wurde und im Kern mittelalterlich ist (1543 und 1705 - umgebaut 1865 und um 1880, ebenso das Haus mit der Nummer 2 (ein Bürgerhaus) - ein dreigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit Putzgliederungen, das im Kern aus dem 18. Jahrhundert stammte, aber später mehrfach umgestaltet wurde. 

                Bahnhofstraße 1 - Ecke Hallplatz

Zweigeschossiger Walmdachbau das als Wohn- und Geschäftshaus genutzt wird. Bis 2013 logierte hier die Buchhandlung Lieret - heute werden die Räume von Jack Wolfskin genutzt.

 

(Bild: Margret Pirzer 2015)

Spuren der alten Stadtgrenze sind im Fußboden des Geschäftshauses in der Bahnhofstr. 3 (Bekleidungsgeschäft) sichtbar gemacht worden. Hier befindet sich auch eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Stelle des ersten (alten)  Nabburger Tores, das vor der Stadterweiterung des 14. Jahrhunderts hier errichtet wurde.

In der Bahnhofstr. 5 fällt dem Besucher ein Tondo (kreisrundes Bildwerk) aus Sandstein mit einer Hausmarke und Umschrift in Spiegelschrift ins Auge, das aus dem 16. Jahrhundert stammt mit einer Wappentafel, ebenfalls aus Sandstein (spätgotisch 1491). 

In der Bahnhofstrasse 6 - einem ehemaligen Gasthof - befindet sich ein dreigeschossiger Walmdachbau mit Putzgliederungen, im Kern aus dem 17. Jahrhundert und einem Dach um 1830 sowie Reste der ehemaligen Stadtmauer des 14. Jahrhunderts. Nicht zu vergessen ist hier die ehemalige Katholische Spitalkirche zum Heiligen Geist in der Bahnhofstr. 7 - ein Saalbau mit eingezogenem Chor und Dachreiter aus Anfang des 15. Jahrhundersts (Dachreiter von 1866/67 mit Ausstattung), die bereits weiter oben beschrieben wurde. Hier (Nummer 7a) befinden sich auch die Amberger Stadtwappen aus Sandstein von 1586 mit einer Gedenktafel zur Stiftung des Bürgerspitals durch Ludwig d. Bayern im Jahre 1317 (Sandstein, spätes 19. Jh.). 

Den Abschluss der denkmalgeschützten Bauten bildet die Apotheke mit der Hausnummer 8 - ein dreigeschossiger Walmdachbau mit Putzgliederungen aus dem 18. Jahrhundert.

Amberg - Bahnhofstr. 17 (HypoVereinsbank)
Blick in Richtung Bahnhof
Bild ist gemeinfrei

Bahnhofstrasse mit Blick auf St. Martin
rechts die Hypo-Vereinsbank
- Bild Nefershapiland -

                                                     Bahnhofstraße - Blick in Richtung Hallplatz
                               linkes Bild - linke Seite das alte Kaufhaus Storg/Forum - rechtes Bild: die Spitalkirche
                                

                                                                         - Bilder: Nefershapiland -

Nach dem Durchbruch der Stadtmauer im Jahre 1859 entstand auch die Bahnhofstraße. Vorher endete die Straße bei der Kreuzung, nach dem Abbruch einiger Häuser wurde sie bis zum Bahnhof weitergeführt. Die alten Häuser, welche der damaligen Zeit entsprachen, wurden inzwischen durch modernere Bauten ersetzt. 1962 wurde der neue Bahnhof errichtet, welcher die Bahnhofstraße begrenzt und der zusammen mit der Wallfahrtskirche auf dem Maria-Hilf-Berg den krönenden Abschluss dieser Straße bildet.

       Amberger Bahnhofstrasse
        
- Blick Richtung Bahnhof -


Auf der linken Seite das „Cigarren-Lager“ des Josef Forster. Später befand sich in diesem Gebäude neben einem Schreibwarenhandel ein von Kuni Eibl - die meisten älteren Amberger dürften den Namen "Eibl" noch kennen - geführter Zigarrenladen. Auf der rechten Seite befindet sich das spätere Kaufhaus "Stork/Forum".

        Bild: Stadtarchiv Amberg von ca. 1915/25

Bei unserem Amberger Stadtspaziergang folgen wir der Bahnhofstrasse nun einige Meter in Richtung Bahnhof um einen kurzen Blick darauf zu werfen. 

       Amberger Bahnhofstrasse
       - Blick vom Bahnhofsvorplatz
           Richtung Martinskirche - 

 

 

(Bild Margret Pirzer)
         

 

Bahnhof und Multifunktionsplatz:

Das heutige Bahnhofsgebäude hat gar nichts mehr gemeinsam mit seinem Aussehen von früher. Im Jahre 1859 begann in Amberg die Eisenbahn-Ära und der erste Zug fuhr am 18. Dez. 1859 in den Amberger Bahnhof ein. Amberg war damals eine Station der Eisenbahnlinie Nürnberg-Schwandorf-Regensburg-München. Die Stadt besaß damals ein ansehnliches Bahnhofsgebäude, dessen Architektur die Anfänge der Industrialisierung dokumentierte. Geplant wurde das Gebäude vom Direktionsarchitekt der Ostbahn, Heinrich von Hügel. In dem Gebäude vereinigten sich die Baustile verschiedener Kunstepochen. Heute bestehen Direktverbindungen nach Nürnberg und Schwandort sowie nach Regensburg. Im Jahre 1999 wurde der Amberger Busbahnhof ausgebaut und 2005 erweitert, so dass alle Stadt- und Überlandbusse die 20 Haltebuchten anfahren können.

der schöne alte Bahnhof in Amberg

Das Anfang der 60ziger Jahre errichtete neue Gebäude
- damals entsprach es dem architektonischen Stil seiner Zeit - (Bild: Nefershapiland)

Mancher Amberger wünscht sich heute den alten Bahnhof zurück und die Stadt wäre stolz auf solch ein schönes Gebäude. Doch Anfang der 60ziger Jahre wurde der alte Bahnhof abgerissen und ein neues Gebäude, dass damals dem Stil der neuen Zeit entsprach errichtet. Die Stadt schrieb vor, dass das neue Bahnhofsgebäude nur einstöckig sein sollte, damit der Blick auf die Bergkirche nicht verdeckt wurde.       

Amberg - der Multifunktionsplatz am Bahnhof
- mit dem Bahnhofshotel - 
(Bild: Margret Pirzer)

Durch die Straßen-Unterführung kehren wir zum Multifunktionsplatz vor dem Amberger Bahnhof zurück. Dort befindet sich seit dem 15. Juli 2012 die Bürgerskulptur - eine Kugel, in der 1300 Bronzetafeln eingelassen wurden.

        Die "Bürgerskulptur"
           am Multifunktionsplatz 
            am Amberger Bahnhof

Sie wurde am 15. 7. 2012 bei einer feierlichen "Kugel-Party" eingeweiht. 
Die 1300 Bronzetafeln wurden von Künstlern und Laien erstellt.


(Bilder: Margret Pirzer)

 

Batteriegasse und "Henkerbergl":

Zurück in die Bahnhofstraße befindet sich am nördlichen Rand der Altstadt eine kleine Gasse, die konstituierender Teil der denkmalsgeschützten Stadtbefestigung des alten Ambers aus dem 14. Jahrhundert ist. Die Batteriegasse zieht sich nordwestlich bis zu ihrer Einmündung in die Ziegelgasse hin.

Wir folgen der mittelalterlichen Batteriegasse bis sie schließlich auf die Kreuzung Ziegelgasse/Kasernenstraße stößt und folgen nun der Ziegelgasse bis sie am Ziegeltor endet. In der Batteriegasse war eine Geschützbatterie in Richtung Mariahilfberg aufgestellt. In dieser Gasse befindet sich das 3-Sterne-Hotel Brunner, eine kleine Schneiderei und einige kleine Wohnhäuser, wie zum Beispiel das denkmalgeschützte Wohnhaus mit der Nummer 10, ein dreigeschossiger und traufständiger Satteldachbau, der wohl aus dem 18. Jahrhundert stammt und ein Teilstück der Stadtbefestigung aus dem 14. Jh. ist. Die Hausnummern 12 und 22 sind ebenfalls zugehörige Teilstücke der Stadtbefestigung mit Stadtmauer, Zwingermauer und Schalentürmen. Das Haus mit der Nr. 22 - am Ende der Batteriegasse - ist ein ehemaliger Wachturm, der sog. "Lehmeierturm" oder "Henkerturm", ein Rundbau mit Kegeldach, der im Kern aus dem 14. Jh. stammt mit teilweise erneuerter Zwingermauer. Um 1629 soll hier der Amberger Scharfrichter (Henker) angeblich kurzfristig gewohnt haben, doch lt. Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger ist diese "schaurig-schöne Geschichte"  nicht richtig, denn der Vollstrecker habe in dem 1629 als "Scharfrichterhaus" bekannten Anwesen am Batteriesteig 2 sein Domizil gehabt haben.

Nach neueren Plänen soll der Turm restauriert und dann als Ferienwohnung ausgebaut werden.

Nicht weit vom "Henkerbergl" in der Batteriegasse 2 wohnte noch im vorigen Jahrhundert der Henker von Amberg. Er war ein "Verfemter", der abseits der Gesellschaft leben musste. Er durfte nur die Tochter eines anderen Henkers oder Angehörige einer anderen verfemten Berufsgruppe, wie zum Beispiel eine Hure, heiraten. Aber dass auch ein Henker ein gottgläubiger Mensch war, belegt ein Brief aus dem Jahre 1710. Seinen Verwandten schreibt der Henker Winzel Kornmann: "War dieses Jahr glücklich und sichtbar vom Herrn gesegnet. Hat mir Gott 66 Malifikanten geschickt, die ich mit seinem Beistand justifiziert habe." Kornmann legte eine ausgezeichnete Bilanz vor: 300 Justifizierte in drei Jahren. Allerdings machte er sich auch so seine Gedanken um seine künftige Auftragslage "Wird mir der liebe Vater im Himmel gnädiglich schon noch mehrere schicken, so werde ich täglich darum beten".

Die letzte Hinrichtung in Amberg fand 1937 statt. Der Verurteilte, ein Dreifachmörder, wurde mit dem Fallball gerichtet. Der Henker reiste dazu aus München an, denn in Amberg gab es längst keinen Henker mehr. 

(Bild: M. Pirzer)

 

Stadtmauerpartie am Henkerbergl

Oberer Teil der Batteriegasse

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wohnte der Amberger Henker im vorderen Teil der Batteriegasse
- Bild: M. Pirzer

Außerdem befand sich hier das Stockhaus für die abzustrafenden Soldaten samt Wohnung des "Profoß-Leutnants". Die originelle Verwendung von Turm und Stadtmauer zu Wohnzwecken lässt keine Erinnerung an so düstere Örtlichkeiten aufkommen.

Speziell anhand des doppelten Mauerrings und die enorme Höhe der Stadtmauer, die auf der äußeren Stadtseite der Batteriegasse im Stadtgraben zu erkennen ist, macht deutlich, warum Amberg im Mittelalter nie von seinen Feinden eingenommen wurde. Der doppelte Mauerring und die fast trutzig wirkende Höhe des Mauerwerks wirken auch heute noch auf den Besucher abweisend und wehrhaft.

Stadtmauerpartei vom Stadtgraben aus gesehen

- Bild: M. Pirzer

 

 

            Stadtmauerpartie mit Turm am "Henkerbergl"
         -  gesehen vom Amberger Stadtgraben aus -
die heutigen Wohnhäuser und der "Lehmeierturm" waren früher Teile der Stadtmauer.
         

                         (Bild: M. Pirzer)

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Ziegelgasse und Fronfestgasse:

Auch in der Ziegelgasse befinden sich wieder einige sehr schöne, denkmalgeschützte Häuser für die ein kleiner Abstecher lohnt. In der Ziegelgasse 7 befindet sich ein dreigeschossigen Backsteinbau mit Werksteingliederung aus Sandstein - hier befand sich früher die ehemalige städtische Wirtschafts- und Knabenschule. Der spätklassizistische Walmdachbau mit Frontispiz stammt aus dem Jahr 1878. Sowohl das Haus mit der Nummer 13 als auch das Haus mit der Nr. 30 beherbergte ehemals ein Metzgeranwesen und sind beide zweigeschossige und traufständige Satteldachbauten, die aus dem 16./17. Jahrhundert stammen. Das heutige Wohnhaus mit der Nr. 40, ein dreigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit Mittelrisalit aus dem Jahre 1898 wurde hier anstelle des ehemaligen Militärstockhaus errichtet. Bei den Hausnummern 40, 42 und 44 handelt es sich um die zugehörigen Teilstücke der Stadtbefestigung wie der Mauer mit dem Schalenturm (Nr. 40) und der Zwingermauer, im Kern aus dem 14. Jahrhundert. 

                              Die Rückfront (Stadtseite) des Ziegeltores mit Schalenturm
Den Abschluss der Ziegelstraße bildet mit der Nr. 46 das sog. "Ziegeltor", das nordöstliche Stadttor, ein dreigeschossiger rustizierster Walmdachbau, erbaut ungefähr um 1580 auf einem spitzbogigem gotischem Unterbau, der von zwei Batterietürmen mit Walmdach und einem kurzen Mauerstück mit Fußgängerpforten und einem Wehrgang flankiert wird.

                                                                       (Bilder: M. Pirzer)

An die am Ziegeltor endende Ziegelgasse schließt sich stadtmauerseitig die erst kürzlich sanierte und restaurierte Fronfestgasse an. Auch diese besitzt noch Teile des einstigen Wehrganges. Die wuchtigen Mauern der Außenseite verwandeln sich stadtseitig in eine idyllische Häuserzeile.

Häuserzeile in der Fronfestgasse Richtung Vilstor
(Bild: Margret Pirzer 2015)

 

                                          Kanalartige Flussführung der Vils
Beim Überschreiten der Vils in der Frontfestgasse fällt der kanalartige Verlauf der Flussführung auf. Tatsächlich wurde das Flussbett der Vils hier 1936 umgeleitet.
Die heutigen Häuser befinden sich auf dem einstigen Ackergelände der Stadt.

                                                    (Bilder: Margret Pirzer)

 

                             Restaurierte Stadtmauer und Häuschen in der Fronfestgasse
Interessanter Blick auf die wechselnde Nutzung der alten Stadtmauer. Sehr gut ist hier die spätere Miteinbeziehung der alten Stadtmauer für die stadtseitige Häuserzeile.
                                                    (Bild: Margret Pirzer)

Im weiteren Verlauf der Fronfestgasse sehen wir nun als Teil der Stadtmauer den trutzig herausragenden Bau der früheren Fronfeste, einem ehemaligen Gefängnis, das bis in das 20. Jahrhundert benutzt wurde. Die Fronfeste in Amberg ist ein Gebäude mit vielen Geheimnissen. Das trutzige Gebäude liegt direkt an der Stadtmauer und am Kopfende des Paradeplatzes. Hier befand sich das königlich bayerische Landgerichtsgefängnis ebenso wie ein Frauengefängnis.

Fronfestgasse 8 - "Gefängnishotel Fronfeste"

- Bild: Margret Pirzer -

die Fronfeste - Ehemaliges Untersuchungsgefängnis
- Blick vom Stadtgraben aus -
- Bild Margret Pirzer -

Der "Armesünderweg"

Das 18. Jahrhundert wird manchmal auch das Jahrhundert der großen Räuberbanden genannt. Noch heute sind Banditen, wie der "Schinderhannes" oder der bayrische "Hiasl" bekannt. In der Oberpfalz gab es zu dieser Zeit einen durchaus bekannten Räuber Franz Troglauer, der in Franken und in der nördlichen Oberpfalz sein Unwesen trieb (1754-1891). Dieser brachte es in einer fränkischen Bande zu einem der Rädelsführer. Als diese aufflog wurde er verhaftet, konnte aber aus Regensburg und Straubing aus der Haft fliehen und machte schließlich mit einer eigenen Räuberbande die Oberpfalz unsicher. Im Dezember 1800 konnte er dann endgültig gefangengenommen werden.

Die kurfürstliche Regierung ordnete an, dass schnellstens ein genügend befestigtes Gefängnis in der Fronfeste gebaut hergestellt werden sollte, damit diesem "berüchtigtem Menschen" nicht wieder die Flucht gelingen konnte. 

Ab dem 6. Mai 1801 soll hat der Verurteilte dann den sogenannten "Armesünderweg" in Amberg beschritten. Von dert Fronfeste durch das Ziegeltor trat er seinen letzten Gang auf dem "Armesünderweg" zur Hinrichtungsstätte auf dem Galgenberg an, wo er öffentlich gehenkt wurde.

(Text: Aus dem "Scharfrichter von Amberg" von August Klarmann in Oberpfälzer Heimat Bd. 11 / 1967 - Bildtafel im Durchgang zur Fronfeste) 

Die erste Nennung dieses Teils der Amberger Stadtbefestigung stammt aus dem Jahr 1608. Ein an der Stadtmauer gelegener Turm wird vom Magistrat der Stadt Amberg als "Getreidespeicher für das Reichsalmosen" genutzt. 1608 wird dieser Turm der kurfürstlichen Regierung zur Pulverlagerung zur Verfügung gestellt und wahrscheinlich erfolgen zu diesem Zeitpunkt die ersten baulichen Veränderungen.  1754 erfolgte die Sanierung des zum Stadtgraben hin eingestürzten Amtsgebäudes und eine Erweiterung hin zum Paradeplatz in Richtung Ziegeltor. Dazu sollte das neue Amtsgebäude mit gehauenen weißen Quadersteinen "sehr kostbar" ausgeführt werden.

Im Jahre 1857 erfolgte der Umbau der Fronfeste in ein Untersuchungsgefängnis mit Einzelzellen und eine Wohnung für den Landgerichtsdiener mit seiner Frau sowie weitere Räume (Verhörzimmer, Gehilfen- und Krankenzimmer)

Auch unter der NS-Regierung existierte die Fronfeste als Landgerichtsgefängnis neben dem Zuchthaus, der späteren JVA Amberg. Die damaligen dort inhaftierten Widerstandskämpfer bezeichneten die Fronfeste allerdings als "Gestapo-Gefängnis". Insbesondere wurden dort schon im Herbst 1933 mehrere Amberger Kommunisten inhaftiert. Neben den "politischen" Gefangenen befanden sich aber auch "normale" Inhaftierte dort.

1935 vollzieht der damalige Scharfrichter Johann Reichhart (1837-1972) in der NS-Zeit die letzte Hinrichtung in der Fronfeste. Laut Aufzeichnungen war dieses ein Dreifach-Mörder, der unter der Guillotine sein Leben verliert.

Am Ende des Krieges 1945 wurde die Fronfeste in ein Untersuchungsgefängnis für Männer und Frauen umgewandelt. Auch der Vollzug von Gefängnisstrafen bis zu sechs Monaten sowie der Wochenend- und Freizeitarrest von Jugendlichen fand hier statt.

Aufgrund der sehr schlechten hygienischen Zustände und der mangelnden Sicherheitseinrichtungen, was zu ständiger Fluchtgefahr führte, sowie neue Auflagen des Strafvollzugsgesetztes und die nun vorgeschriebene Geschlechtertrennung wurde es 1966 notwendig, einen umfassenden Umbau und eine vollständige Sanierung der alten Fronfeste ins Auge zu fassen.. Aber die dafür nötigen Kosten waren derart hoch, dass man das Gefängnis aufgab und anstelle dessen einen Erweiterungsgau bei der JVA errichtete.

Aus Kostengründen wurden auch Pläne des Freistaates Bayern von 1973, der mittlerweile Besitzer der Fronfeste war, hier das Staatsarchiv oder die Staatliche Provinzialbibliothek unterzubringen, nicht realisiert. Auch Pläne der Stadt Amberg, die Interesse für einen Ankauf des Gebäudes zeigte, dort eine Dienststelle der Stadtpolizei, das Stadtarchiv oder ein Museum einzurichten, scheiterten an den hohen Umbau- und Unterhaltskosten. 1974 wird das Gebäude an eine Elektrofirma verkauft, welche dort einige Sanierungsarbeiten durchführte und dann die Räume für gewerbliche Zwecke nutzte. Das Gebäude wird im Jahre 1994 zwangsversteigert und den Zuschlag erhält eine Privatperson, welche es als Wohnung und Lager nutzte. 

Bei der Übernahme des Gebäudes durch die private Firma Elektro Datz Ende der 60ziger Jahre waren Reste des Hinrichtungsmaterials noch vorhanden. Über die Dauer der Hinrichtungen gibt es unterschiedliche Auffassungen. Einige Quellen begrenzen die Hinrichtungen auf die Zeit bis 1939, andere bis 1943. Eine weitere Quelle spricht von Hinrichtungen mit dem Fallbeil im Hof der Fronfeste bis 1936; Teile des Fallbeiles befinden sich im Amberger Stadtmuseum. Die sog. "Todeszelle" wurde bei der damaligen Besichtigung in den 60ziger Jahren in fast noch originalem Zustand vorgefunden. Ohne natürliches und künstliches Licht, vollkommene Isolation. Abgeschlossen durch die übliche Zellentür und zusätzlich zwischen Zelle und Zellentür ein weiteres Gitter und dazu schmiedeeiserne Fußfesseln, an der einen Seite fest verankert.

(Quelle: "Spurensicherung" - Norbert Flach, Allraith-Verlag 1989)

2007 erwirbt eine Immobiliengesellschaft das Gebäude, dessen Westteil zu Wohnzwecken umgebaut wird. Der mittlere und nördliche Teil des Gefängnistraktes soll künftig als Hotel genutzt werden - unter der Bedingung, dass der Eigentümer des Hauses bei einem Umbau auf eine sorgfältigen Restaurierung im Sinne der Denkmalpflege achtet-

Am 15. April 2013 erfolgt die Eröffnung des "Hotels Fronfeste".

                          (Textquelle - nach Zeitsprung des "Landrichteramts Fronvöste" - siehe hier  )

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Bei der Wahl des weiteren Spazierwegs durch die Stadt Amberg hat der Besucher jetzt zwei Möglichkeiten. Zum ersten kann er der Fronfestgasse weiter folgen, die Vils überqueren und längst der Stadtmauer bis zum Vilstor zu gehen. Dort erwartet ihn ein weiterer sehr schöner Teil der ehemaligen Stadtbefestigung - der sog. "Jesuitenfahrt", an dessen Ende ihn der gewaltige Komplex des Maltesergebäudes  - des längsten Gebäudes in Amberg - und die Georgs-Kirche erwartet.

Fronfestgasse mit Resten des alten Wehrganges



(Bild: J. H. Pirzer)

Blick aufs Ziegeltor, 
welches von zwei kleinen
 Batterietürmchen flankiert wird
(Bild:
Amberg die alte Stadt 1934/35
Verl. Bayr. Ostmark GmbH. Bayreuth)

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Paradeplatz:

Wir wählen nun einen Weg, der uns wieder stadteinwärts führt. Zwischen Fronfestgasse und Ziegelgasse befindet sich ein weiterer Amberger Platz mit einer früheren militärischen Geschichte.  Auf dem "Paradeplatz" lernten die damaligen Infanteristen des 10. Amberger Regimentes der bayrischen Armee das Exerzieren. Eigentlich war der hier so "großspurig" genannte Paradeplatz gar kein Platz, sondern wurde in früheren Zeiten immer nur als die "praitten Gassen bey dem Ziegeltor" bezeichnet.  Für die Paraden war hier aber schon ab 1804 nicht mehr genug Platz und man verlegte den Übungsplatz vor die Stadtmauern. 

Links und rechts des rechteckigen Paradeplatzes befinden sich einige ansehnliche und denkmalgeschützte Bürgerhäuser, aus dem 16.-18. Jahrhundert, die den historischen Charakter des mittelalterlichen Zentrums von Amberg dokumentieren.

Paradeplatz in Richtung Herrnstraße
(Foto: Margret Pirzer)

Paradeplatz in Richtung Fronfeste
(Foto: Margret Pirzer)

Gleich mit der Hausnummer 1 präsentiert sich dem Besucher ein zweigeschossiger und traufständiger Bau mit Satteldach - eine ehemalige Fleischhackerei - mit einem profiliertem Rundbogenportal, das aus dem Jahr 1770 stammt. Auch das Wohnhaus mit der Nummer 2 - ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit Halbwalm, besitzt einen stichbogigen Torbogen aus dem 18. Jahrhundert, ebenso das ehemalige "Benefiziatenhaus" am Paradeplatz 12 - auch ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit stichbogiger Tür, aus dem Jahr 1595 (Umbau im 18. Jh.). 

Paradeplatz 14
-
ehemalige "Benefiziatenhaus"- 

Dieser zweigeschossige und traufständige Satteldachbau mit profilierter Türe war ein ehemaliges Benefiziatenhaus und wurde im späten 19. Jahrhundert umgebaut.

  Bild: Margret Pirzer  2015

Bild:     Ehemaliges Benefizatenhaus
Autor:  Allexkoch
Lizenz: CC BY-SA-4.0

 

Amberg Paradeplatz 16

Ebenso wie das Haus mit der Nr. 14 war auch die Nr. 16 ein ehemaliges Benefizatenhaus mit profilierten Öffnungen aus dem Jahr 1595 (mit den Bezeichnungen 1587 und 1632).

 

               (Bild: M. Pirzer)

 

Paradeplatz 15

In dem Haus mit der Hausnummer 15 befand sich früher eine gutgehende Produktionsstätte von Schnupftabakdosen. Im Jahre 1899 wurden hier von zehn Mitarbeitern 24.000 Schnupftabakdosen hergestellt. Heute sieht man dem Haus seine frühere Bestimmung nicht mehr an. Gutbürgerlich wird das Portal mit Pilastern und gesprengtem Segmentgiebel von der in Amberg an vielen Häusern üblichen Nische mit der Madonna betont.

 

        (Bild: Margret Pirzer 2015)

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Am Ende des Paradeplatzes beginnt eine schmale Gasse, die Entengasse, von der ein paar Meter weiter ein höchstens mannsbreiter Weg zwischen zwei Häusern mit dem ungewöhnlichen Namen "Walfischgasse" abzweigt. Der Sinn dieses ungewöhnlichen Straßennamens erschließt sich uns am Ende des Durchlasses in der Löffelgasse.

Löffelgasse und Walfischhaus:

Das Haus Nr. 2 in der Löffelgasse wurde von Samuel Balthasar Hetzendorfer, einem jüdischen Konvertiten, gebaute. Bei der Renovierung des Hauses im Jahre 1983 erhielt das Haus seine ursprüngliche, recht auffällige schwarze Bemalung zurück. 

      Walfisch- oder Jonashaus

Die Färbung des Hauses besteht aus einer Mischung von Holzruß, Firnis und Bienenwachs. Nur die Fenster, die Rahmen ihrer Brüstungen sowie die Pilasterkapitelle und -füße blieben weiß, was für das Haus eines "Schwarzfärbers" auch recht zweckmäßig erscheint, denn ein heller Anstrich hätte sicherlich oft erneuert werden müssen.

 

 

(Bild: Margret Pirzer 2015)

Der kunstsinnige Färbermeister und Amateurbaumeister bei St. Sebastian, hatte sich 1693 eine Galerie unter der Dachtraufe zum Trocknen der gefärbten Stoffe bauen lassen. Gestützt wird diese Vorrichtung durch zwei figürlich geschnitzte "Konsolen", welche zwei Szenen aus der alttestamentarischen Erzählung vom Propheten Jonas darstellen, der vor dem Auftrag Gottes fliehen wollte und durch den Fisch wieder zurückgebracht wurde. 
Nixe und Wassermann weisen die entsprechenden Schrifttafeln vor. Aus heutiger Sicht erscheinen auch die fast 300 Jahre alten und wohlgereimten Klagen eines Bürgers über Steuern, Diebe, Kriege und Teuerungen.

Wer sein Gut in diesen Jahren 
vor Dieben kann bewahren,
nichts darf geben den Soldaten,
Gerichtsschreibern und Advokaten,
lebet gesund und hat treu's Gesind,
ein freundliches Weib, gehorsames Kind.
ein eigenes Haus, dazu sein Brot,
der sei vergnügt und danke Gott!
                           Anno 1592 S.B.H.

Auffällig ist die Darstellung des Fisches. Zwar wurde Jonas von einem Walfisch verschlugen - da aber der Künstler wahrscheinlich in seinem Leben im nicht-maritimen Amberg noch nie einen Walfisch zu Gesicht bekommen hatte, stellte er diesen einfach als großen Karpfen dar. Von Jonas sind an der linken Darstellung nur noch die Beine zu sehen, den Rest des Propheten hat der Fisch schon verschluckt. Auf der rechten Darstellung spuckt der Fisch ihn mit ausgestreckten Armen wieder aus.

Der Walfisch verschlucke Jonas und speit ihn danach wieder aus
(Bild: Nefershapiland)

Zwei darunter befindliche seitliche Steintafeln, eine von einer nixenhaften Gestalt, halb Frau halb Fisch, die andere von einem behelmten Krieger flankiert, erläutern die biblische Geschichte.

Inschrift am Walfischhaus:

Jonas verschlingt ein Walfisch, in dessen Bauch er Gott lobt und anruft. Und wird danach vom Fisch auf das Land ausgespien."

 

Seitliche Figur einer Meerjungfrau.
(Bild: Nefershapiland)

Seitliche Figur eines Ritters
(Bild: Nefershapiland)

Der Bierbrauer und Schwarzfärber Samuel Balthasar Hetzendorfer stieg bald im Laufe der Zeit zum angesehenen Stadtrat auf und kam wohl zu Wohlstand. Das stattliche Walfischhaus wurde für 650 Gulden von Hetzendorfer 1685 erworben, später wurde es 1752 an den Schwarzfärber Josef Rössler aus Neumarkt und dessen zukünftiger Ehefrau Barbara Praun verkauft, so berichtet Hans Hummel, Stadtheimatpfleger der Stadt Amberg. Josef Rössler war der letzte Färber im sogenannten Walfischhaus. Mit ihm endete die Nutzung des Gebäudes als Färberhaus.

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In der Löffelgasse 3 befindet sich das ehemalige Metzgeranwesen "Hubmann" - ein Wohn- und Geschäftshaus mit einem zweigeschossigen und traufständigem Satteldach, das im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammt. Ein umfassender Umbau der Fassade und des Dachstuhls erfolgte 1825, sowie im Jahre 1909 der Einbau eines Metzgerladens und einer Gaststube mit Ausstattung. Mehrfach umgebaut wurde auch die Hofaltane als Verbindung zur Schreinergasse 3 (unterstützter balkonartiger Vorbau am oberen Geschoss eines Hauses).

In der Löffelgasse 4 befand sich die "Melberei und Bäckerei "von Franz Josef Singer. Mancher Amberger wird sich noch an die besten Semmeln und Spitzeln der Stadt aus dieser Bäckerei erinnern. Es handelt sich bei diesem Haus um ein dreigeschossiges und giebelständigen Halbwalmdachbau mit profilierten Öffnungen, dessen Substanz teilweise aus dem Jahre 1550 (dendro. dat.) stammt, unter Einbindung eines wohl mittelalterlichen Vorgängerbaus.

Nach dem Tod von Franz-Josef Singer hatte seine Tochter Gretl den Laden übernommen. Auch ihr Bruder Franz hat im Nebenerwerb in der Bäckerei mitgearbeitet. Nach dem Tod von Gretl Singer wurde der Laden in den 1990ziger Jahren aufgegeben. Die Originaleinrichtung wurde im Jahre 2005 nach dem Tod von Franz Singer dem Museum übergeben und mit der Einrichtung in Originalgröße wieder aufgebaut. 

Ehemalige Bäckerei Singer in der Löffelgasse 4
- Ansicht von 2010 -

Originaleinrichtung der Bäckerei Singer 
- heute im Stadtmuseum Amberg -

Datei:      Amberg Löffelgasse 4
User:       RobRoskopp
Lizenz:     CC BY-SA 3.0

Bild: Margret Pirzer

Das Haus Löffelgasse 4 nach dem Umbau
- heute 2015 -

 

 

 

 

 

Foto: Margret Pirzer 2015

 

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Auch die beiden Häuser mit den Hausnummern 6 und 7 stehen unter Denkmalschutz. Das Wohnhaus mit der Nr. 6 ist ein dreigeschossiger und giebelständiger Satteldachbau mit profilierten Öffnungen und einem Fachwerkgiebel und stammt aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhundert. Das ehemalige Handwerkerhaus mit der Nr. 7 (auf drei Seiten freistehend) besitzt stuckumrahmte Fenstern und ist datiert auf das Jahr 1533. Ein Umbau erfolgte im 18. und im 20. Jahrhundert.

    Ehemaliges Prädikaturhaus
            
- Löffelgasse 8 -

Dieses ehemalige Prediger-Haus mit der Nr. 8 - ein dreigeschossiger Barockbau mit einem hohen Standerker, geohrten Rahmungen und Putzgliederungen stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert - aufgestockt wurde es im 18. Jahrhundert. 1369 stiftete Fritz Alhard die Predigerpfründe.

        Foto: Margret Pirzer 2015

 

Ein schönen Gartenportal mit einem stichbogigen Sturz auf Pfeilern und geschnitzten Türflügeln (Rokoko) bildet den Eingang zum Grundstück.  (2. Hälfte des 18. Jahrhundert.

 

Bild: Margret Pirzer 2015

    

 

 

  Löffelgasse 12 - das sog. "Löw'sche Haus"

Das ehemalige, freistehende zweigeschossige Bürgerhaus mit Walmdach mit einem weiß-gelbem Anstrich wurde im 1. Viertel des 18. Jahrhunderts auf einem großen Gartengrundstück erbaut. Unsicher ist der erste Eigentümer - evtl. der kurfürstliche Baukommissar Anton von Löw (Quelle: Stadtarchiv Amberg - daher "Löw'sche" Haus), der 1741 im Besitz des Anwesens war als im Zuge des Österreichischen Erbfolgekriegs 1741 französische Truppen in die Stadt kamen, wobei das Gebäude großen Schaden nahm. 

Das spätbarocke Gebäude besitzt einen stuckierten Mittelrisalit und Putzgliederungen. 

Dieses Anwesen war der letzte Bauernhof der Altstadt. Bis in die70ziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde hier die Landwirtschaft betrieben. 

                                 Foto: Margret Pirzer 2015

     

Lederergasse:

Unser Stadtspaziergang führt uns nun von der Löffelgasse in die Lederergasse, von welcher rechts die Schreinergasse und das Kommandantengässchen abzweigen.  

Amberg - Blick in das enge Kommandantengässchen

 

     Amberg - Lederergasse 8 / Ecke Schreinergasse
Ehemalige Weißbäckerei und Gastwirtschaft - ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau in Ecklage mit Putzgliederungen aus dem 17. Jahrhundert

- Bild: Margret Pirzer 2015 -

Bild:    Ehem. Weißbäckerei und Gastwirtschaft    
Autor:  H. Helmlechner 2011
Lizenz: CC-BY-SA 4.0

 

         Amberg Lederergasse 4
                   Bild: Margret Pirzer)

Das Wohnhaus in der der Lederergasse 4 (mit einem gelben Anstrich) - ein dreigeschossiger und traufständiger Halbwalmdachbau in Ecklage fällt durch seinen schönen Eckerker auf. Der Bau stammt im Kern aus dem 16. Jahrhundert.

(Quelle: Liste der Baudenkmäler in Amberg)

In den Jahren 1404/1405 wird das Haus in der Ledererstraße 5 südlich an das ältere, spätromanische Haus Nr. 7 angebaut. Ursprünglich reichte es weiter nach Westen bis zur Vils (1949 abgerissen). Das Gebäude befindet sich im Urkern der Stadt. Aufgrund der Nähe zum Fluss siedelten sich in diesem Viertel bevorzugt das Färber- und Gerbergewerbe an. Im Jahre 1700 erfolgte eine Aufstockung, welche dem Haus sein heutiges Erscheinungsbild mit der Trocknungsaltane nach Süden gibt, und die es als "Färberhaus" kennzeichnet. Die Bewohner des Hauses sind seit dem 17. Jahrhundert fassbar. Das Haus ist von 1730 - 1880 im Besitz der Färberfamilie Ziegler, also auch in der Zeit, als der Münzschatz eingemauert wird (1812 oder kurz danach). Seit 1984 gehört das Gebäude der Amberger Stadtbau GmbH.

         Amberger Münzfund I.
Am Mittwoch den 24. Febr. 1992 entdecke der Maurerpolier Richard Österer und weitere Bauarbeiter beim Durchbruch eines Kellergewölbes im Haus Lederergasse 5 einen in der Wand eingemauerten Krug, der mit ungefähr 20 Kg Münzen gefüllt war. Die im Krug enthaltenen Nominale reichten vom Taler, der größten damals geprägten Silbermünze bis zum Groschen. Die älteste Münze stammt aus dem Jahre 1694 , die jüngste von 1812. Der Amberger Münzfund I. befindet sich heute im Besitz des Amberger Stadtmuseums.
(Text: Inschrift am Objekt - Stadtmuseum Amberg)  
                   Bild: Margret Pirzer)

 

Lederergasse 5

Ein ehemaliges Färberanwesen - heute noch zu erkennen durch die große Trocknungsaltane (datiert: 1404/05). Der verputzte Fachwerkgiebel besitzt ein Satteldach und an der seitlichen Straßenfront Aufzugsgauben. Umbauten erfolgten im 17. Jahrhundert.

 

   (Bild: Margret Pirzer 2015)

Die Häuser 5 und 7 wurden 1922 mit großem Aufwand restauriert. Das Haus mit der Nr. 7, ein ehemaliges Rotgerberanwesen mit einem zweigeschossigem und traufständigem Steildach mit Halbwalm, profilierten Öffnungen ist eines der ältesten, aus Stein gebauten Häuser in Amberg. Sichtbar wird dies hinter den Rokokoflügeln. Die mächtige Balkendecke des Hauses Nr. 7 stammt aus dem Jahr 1255 (Umbauten im 16. Jh.) - der Torflügel im Rokokostil datiert aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert. Dieser Gassenteil hieß früher bis zum Mühlhof "Bei der Farb" oder "Färbergasse", da sich hier die Zünfte der Färber und Lederer befanden. 

Lederergasse mit Blick auf die Martinskirche

(Bild: Margret Pirzer)

Lederergasse mit Blick auf die große Trocknungsaltane im Haus mit der Nr. 5
(Bild: Margret Pirzer)

In der Lederergasse befinden sich einige weitere denkmalgeschützte und sehenswerte Häuser, wie das ehemalige "Walkeranwesen" mit der Hausnummer 2, ein dreigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit "geohrten" Rahmungen, das im Kern aus dem 18. Jahrhundert stammt. Ein Umbau erfolgte um 1900. Das Wohnhaus mit der Nummer 4, ein dreigeschossiger und traufständiger Halbwalmdachbau in Ecklage, besitzt einen Eckerker und ist im Kern ein Bau aus dem 16. Jahrhundert. Aus dem 17. Jahrhundert stammt mit der Nr. 8 die ehemalige Weißbäckerei und Gastwirtschaft, ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit Putzgliederungen, der in Ecklage liegt. Das Haus in der Lederergasse 10 - ein zweigeschossiger und giebelständiger Halbwalmdachbau, stammt im Kern aus dem 17. Jahrhundert. 100 Jahre älter ist das ehemalige Rotgerber-Anwesen auf der anderen Straßenseite, ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau in Ecklage aus dem 18. Jh.

Als Abschluss der Lederergasse erhebt sich der mächtige Turm der Martinskirche, die im Süden den zentralen Markt-Platz vor dem Amberger Rathaus abschließt.

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Alternativ zur Route über die Löffelgasse und der Lederergasse kann der Besucher auch vom Paradeplatz den geraden Weg  über die Herrnstrasse und den Hallplatz weiter in die von dort abzweigende Rathausstrasse, welche direkt zum zentralen Marktplatz führt, wählen. Hier befinden sich einige sehenswerte sehr schöne Hausfassaden aus dem 18. Jahrhundert.

Herrnstraße und Hallplatz:

Die Herrnstraße beginnt gleich am Ende des Paradeplatzes. Auf der linken Straßenseite befinden sich mehrere barocke Prachtfassaden mit den Hausnummern 10 und 12. In der Herrnstraße standen im 18. Jahrhundert die Stadthäuser des Landadels. Von besonderer Vornehmheit ist das Haus der ehemaligen Bürgermeisterfamilie Peiml mit der Stuckmadonna im Rankenwerk.

                       Herrnstraße 10

Noch in den 30zigere Jahren waren die Stadthäuser mit aufwendigen Stuck als Fassadenzierde versehen. Vor allem die Fensterrahmungen und Türeinfassungen waren kunstvoll geschmückt.

Das spätbarocke, ehemalige Stadthaus der Barone Frank und Wildenau aus dem Jahre 1726 besitzt ein dreigeschossigen und traufständigen Satteldach mit rustiziertem Portal und Putzgliederungen.

            (Bild: Margret Pirzer 2015)

 

              Herrnstr. 12 -  spätbarockes Bürgerhaus des ehemaligen Bürgermeisters Peiml mit Stuckmadonna

Der dreigeschossige und traufständige Mansarddachbau besitzt in der Mitte einen schönen Ziergiebel mit Putz- und Stuckgliederungen - darüber befindet sich eine Stuckmadonna. Der spätbarocke Bau stammt aus dem Jahre 1747.

(Bilder Margre Pirzer)

Das spätgotische Anwesen mit der Nummer 16 besitzt zwar nur eine schlichte Vorderseite und eine aufwändige Dachgaube, besticht aber durch seinen schönen Hinterhof und die Tatsache, dass das Gebäude auf einer Pfahlgründung errichtet wurde.

Beachtenswert ist auch das Gebäude Herrnstraße 18 - es besitzt auf seiner Frontseite ein großes Sandsteinrelief , welches  auf eine große Tradition Ambergs aufmerksam macht, die im 18. Jahrhundert begann. Die dekorativen Rüstungsteile auf dem Sandsteinrelief machen auf die frühere Nutzung des Gebäudes als Infanteriekaserne in Amberg aufmerksam. Erst in der heutigen Zeit verlosch die Tradition, welche Amberg als Standort für Kasernen und Soldaten prägte. Ersichtlich ist dieses aus den alten Straßennamen in der Umgebung: die Kasernenstraße war um 1716 Sitz der ersten innerstädtischen Kaserne, in dem Kommandantengässchen befand sich die Amberger Kommandantur und an der Straße "An der Schwemm" wurden die Pferde getränkt. Auf dem Paradeplatz, der am Ende der Herrnstraße liegt, lernten die Infanteristen des 10. Regiments der bayrischen Armee das Exerzieren.

           Portal der alten Kaserne

 

Das im Jahre 1716 errichtete Portal der alten Kaserne, bildet optisch den Abschluss der Löffelgasse - befindet sich  aber bereits in der Herrnstraße - eine schöne städtebauliche Komposition. 

Noch heute erinnert das große Relief mit Waffen und Rüstungen an die einstige Zweckbestimmung. Das Gebäude diente bis ins Jahr 1919 als Militärbehörde, dann zog das Vermessungsamt ein.



                     (Bild:
Margret Pirzer)

 

                                                                  Das Steakhaus "Kupferpfandl" in der Herrnstr. 20
Das Gebäude in der Herrnstraße 20 - das heutige Gasthaus "Kupferpfandl" (ehem. Gasthaus zum Hirschen)- ein zweigeschossiger Satteldachbau - stammt im Kern aus dem 16. Jahrhundert, die Fassadengestaltung wurde 1753 erneuert. Im Hintergrund der alten Photografie ist nach der Gaststätte bzw. in der Bildmitte die ehemalige Infanterie-Kaserne aus der königlichen bayrischen  Garnisonszeit mit dem schönen Portal (siehe oben Portal der Kaserne) zu sehen. 
                        (Stadtarchiv Amberg, Stadtmuseum)

Bild: Margret Pirzer 2015)

 

           - Wohnhaus in der Herrnstraße 2 - 4

Neben dem repräsentativen Morawitzky-Palais an der Ecke Hallplatz befindet sich in der Herrnstraße 2-4 ein ebenfalls denkmalgeschützter zweigeschossiger Walmdachbau aus dem 18. Jahrhunderst. Der Bau besitzt neubarocke Putzgliederungen, die aus dem 19. Jahrhundert stammen und eine Madonna-Nische. 

Heute befindet sich hier das Trachten- und Ledergeschäft Pollinger.

 

               (Bild: Margret Pirzer 2015)

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Die Herrnstraße mündet hier nun in einem Platz, der heute nur noch eine Durchgangsstraße ist, früher ein respektabler Platz gewesen sein muss, wo man früher mit Holz gehandelt hatte. Den Namen "Hallplatz" trug das um 1800 errichtete Hallamt (Mauthaus), wo sich heute die Touristeninformationszentrale befindet. Das beeindruckendste Gebäude des Hallplatz ist ein Bau mit 32 Fensterstöcken, das sich an der Nord-Ost-Ecke des Platzes befindet - der Morawitzky-Palast am Hallplatz 4

Der Hallplatz in Amberg

                                (Bild: Margret Pirzer 2015)

 

Tourist-Information
- Hallplatz 2 -

Im ehemaligen Kurfürstlichen Mautgebäude befindet sich heute die Amberger Tourist-Information. Der dreigeschossige und traufständige Walmdachbau besitzt Putzgliederungen und eine Figurennische mit einer Hausmadonna. Das Haus wurde im 18. Jahrhundert erbaut und im 19. Jahrhundert ungebaut.

               (Bild: Margret Pirzer 2015)

 

               Morawitzky-Palast am Hallplatz 4
An den ehemaligen Vizestadthalter der Oberpfalz (seit 1746)  Joseph Klement Topor von Morawitzky (1711-1786) erinnert neben einem Grabstein in der St. Martinskirche, der nach Morawitzky benannte Palast neben dem ehemaligen Mautamtsgebäude auf dem Hallplatz Nr. 4. Schon in der 1783 gedruckten Chronik von Kaspar von Wiltmeisters
wird der herausragende Rang dieses Gebäudes, welches fast einer kleiner Residenz gleichkommt, gewürdigt. Das zweiflügelige Eck-Gebäude mit Walmdach hat in den 3 Gaden (in der Architektur wird mit " Gaden" ein einräumiges Haus oder einzelne Räumlichkeit bezeichnet) 32 große Fensterstöcke und mehrere Stockwerke mit großen und kleinen Zimmern. Als Besonderheit wird in der Chronik auf die Existenz des säulenflankierten Portals und einer kostbar eingerichteten Kapelle mit einem Oratorium, wo man die heilige Messe lesen kann, hingewiesen. Der "Stadtpalais" wo von Morawitzky standesgemäß residierte, verfügte dazu über einen großen Hofraum, Stallungen und einem Wagenhaus. 
                               (Bild:
M. Pirzer)

Nach den Sanierungsarbeiten erstrahlt heute das Morawitzky-Palais als eines der attraktivsten städtebaulichen Ensembles Ambergs in neuem Glanz.

  Joseph Klement Topor von Morawitzky (1711-1786)

Topor von Morawitzky starb am 19. Dezember 1787 in Amberg, wo er in der Laurentiuskapelle der St. Martinskirche seine letzte Ruhestätte fand. Nur 3 Monate nach ihm verschied seine Gemahlin Maria Elisabeth Felicitas, eine geborene Gräfin von Rechberg, die an der Seite ihres Gemahls beigesetzt wurde. Nach ihrem Tod schuf der Amberger Bildhauer Friedruch Wagner für beide Ehegatten ein Epitaph in der Laurentiuskapelle.  

 

         

                    (Bild:
Margret Pirzer)
Gemälde im Amberger Stadtmuseum (Öl / Leinwand)
1760-70 Leihgabe des Bayrischen Nationalmuseum
München

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Rathausstrasse:

Vom Hallplatz aus wenden wir uns nun nach rechts, vorbei an der Südseite des Rathauses mit der Rathausstrasse  in Richtung Amberg Marktplatz. 

Rathausstraße

     Rathausstraße - Ecke Hallplatz

 

(Bild: Margret Pirzer 2015)

 

      Amberg - Ehemaliges Hofkastenamtsgebäude - Untere Nabburgerstraße 2
Das stattliche zweigeschossige und traufständige Gebäude mit dem Satteldach in Ecklage befindet sich an der Ecke Rathausstraße und Untere Nabburgerstraße. Der schräggestellte Eckerker über drei Geschosse mit seinen Putzgliederungen besaß früher einen "Fuß" in der Erdgeschosspartie, der aber inzwischen wegrestauriert wurde - ebenso wie viele andere seiner "gleichgearteten Genossen" im Amberger Stadtbild. Der im Kern gotische Bau stammt wohl aus dem 18. Jahrhundert.
                                                      - Bild: Margret Pirzer -
   

In der Säulennische befindet sich eine Fassadenfigur der "Maria Immaculata" (spätbarock) - wohl aus dem 18. Jahrnundert.



             
- Bild: Margret Pirzer  2015 -

Auf der linken Seite der Rathausstraße - Richtung Marktplatz - befindet sich das ehemalige Stadtpalais der Familie von Blumenthal (heute das sog. Schlodererhaus). Im Erdgeschoss haben ein 

In der Rathausstraße 4 - dem ehemaligen Stadtpalais der Familie von Blumenthal - befindet sich heute im Hinterhaus  die Brauereigaststätte "Schlodererhof" - im Vorderhaus zur Straßenseite ein Optiker und ein Juwelier. 

    Amberger Rathausstrasse 4
            - sog. "Schlodererhaus" - 
                  
Der zweigeschossige Satteldachbau mit architektonischen Rahmungen und korbbogiger Durchfahrt mit der Fassadenfigur der "Maria Immaculata" wurde aus zwei gotischen Bürgerhäusern zusammengefasst, die aus dem Jahr 1720 stammen - die Fassade um 1875 und die Ausstattung aus dem 19. Jh.

         (Bild: Margret Pirzer 2015)

 

Die Rathausstraße Richtung Hallplatz

(Bild: Margret Pirzer 2015)

                  Figur der Maria Immaculata
über der korbbogigen Durchfahrt d. Schlodererhofes 
                                  (Bild
Margret Pirzer)

 

Amberger Rathausstrasse - Blick in Richtung Marktplatz mit der Basilika St. Martin
(Bilder: Margret Pirzer)

 

Amberger Rathausstrasse - Richtung Bahnhof
Die Arkaden an der Südseite des Rathauses haben ähnlich der mittelalterlichen Gepflogenheit Ladeneinbauten.
(Bilder: Margret Pirzer)

In der Rathausstraße 6 - gegenüber den heutigen Rathausarkaden befindet sich neben dem Pfarrhof die ehemalige Traditionswirtschaft "das Goldene Lamm", das 2005 in ein Studentenwohnheim umgebaut wurde. Die Fasse des dreigeschossigen und traufständigen Satteldachbaus mit Pilastergliederungen, Stuckaturen und Hausfigur des heiligen Florian stammt aus dem 3. Viertel des 18. Jahrhundersts, der Bau selber wohl aus dem 16. Jahrhundert.

Amberger Rathausstrasse - Gaststätte "Goldenes Lamm" (Nr. 6)
(Bilder: Margret Pirzer)

Das Haus mit der Nummer 8 - ein dreigeschossiger Bau mit Pilastergliederung und einem gebändertem Erdgeschoss aus dem Jahre 1717 (der rückwärtige Teil wurde um 1969 neu gebaut) beherbergt heute das Pfarramt der Basilika St. Martin.

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Marktplatz und Rathaus:

Die Rathausstraße mündet in dem zentralen Platz vor dem Rathaus. Der Marktplatz liegt zwischen dem gotischen Rathaus und der barocken Ratstrinkstube und ist zentraler Umschlagsplatz für Neuigkeiten. Von überall her kamen damals die Händler und ihre Zahl wurde so groß, dass Markt und die angrenzenden Straßen nicht mehr ausreichten. So schlugen sie ihre Stände hin- und wieder mitten auf dem Friedhof auf. Heute finden Mittwochs und Samstags auf dem Marktplatz die Wochenmärkte statt. Der Bauernmarkt bietet Freitags frische Ware aus dem Umland. 

Wochenmärkte auf dem Rathausplatz
(Bild: J. H. Pirzer)

Der zentrale Marktplatz ist der Beginn und auch das Ende von den großen Prozessionen des Altstadtfestes ebenso wie der Platz von Märkten, Messen und anderen Festlichkeiten. Den Platz für die Dult verlegte man 1865 vor das Ziegeltor, später 1892 zum Wingershofener Tor und ab 1996 zum Platz beim Siemens-Geräte-Werk auf das Messegelände.

Der im Jahre 2000 gestaltete "Hochzeitsbrunnen" vor dem Rathaus erinnert an die glanzvolle Hochzeit des Kurprinzen Philipp und seiner jungen Braut Margarete von Landshut.

                                            Der Amberger Hochzeitsbrunnen

In der tausendjährigen Geschichte der Stadt war die Amberger Hochzeit von 1474 das größte und glanzvollste Fest, das hier jemals abgehalten wurde. Fünf Tage dauerten die Feierlichkeiten zur Vermählung des pfälzischen Kurprinzen Philipp mit Margarete, Tochter des Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut.  
Mehr als 2000 edle Gäste, Fürsten, Bischöfe, Pfalzgrafen, Grafen, Herren und Ritter aus allen Teilen des Reiches mit Gefolge nahmen daran teil. 

Die vollplastische Gruppe umfasst vier Figuren. Das Brautpaar steht auf einem zylinderförmigen Sockel, der mit dem Amberger Stadt-Wappen geschmückt ist. Margarete zeigt stolz dem Betrachter ihren Hochzeitsring. 

Seit Jahrhunderten begrenzen stattliche Bürgerhäuser die Nordseite des Platzes in eindrucksvoller Geschlossenheit. Zwei Narren mit Drehleier und Trinkhorn, bekleidet mit Schellengewand und Eselsfell, umspielen das Hochzeitspaar. Der Amberger Hochzeitsbrunnen soll die Bürger und Besucher der Stadt an dieses wichtige Ereignis erinnern.

                         - Originalinschrift einer Gedenkplatte vor dem Brunnen in Amberg -
                                        (Foto: Andre Kottlewski und Nefershapiland)

Seit Jahrhunderten begrenzen stattliche Bürgerhäuser die Nordseite des Platzes in eindrucksvoller Geschlossenheit. Früher war der Marktplatz wesentlich kleiner, denn der Friedhof der Martinskirche reichte bis auf die nördliche Kirchenseite. 

Südseite des Marktplatzes
- die südliche Seite des Platzes wird von der mächtigen Martinskirche eingenommen.
(Bild: Margret Pirzer)

Nordseite des Marktplatzes
Auf der Nordseite wird der zentrale Marktplatz von einer Reihe großer Bürgerhäuser begrenzt.
(Bild: Margret Pirzer)

Früher besaßen die Montanunternehmer (die Besitzer der Erzgruben) des ausgehenden Mittelalters hier ihre Bürgerhäuser, wie das Haus mit der Nummer 9 mit dem Wappen der Familie Kastner, einer wohlhabenden Familie im 15. und 16. Jahrhundert. Im Obergeschoss befand sich eine ehemals offene Loggia - vergleichbar mit denen im benachbartem Regensburg - die aber schon bald im 16. Jahrhundert vermauert wurde, da eine längere Kaltwetter-Periode die Eigentümer zu solchen Maßnahmen zwang.

Patrizierhaus aus dem 16. Jahrhundert
 - Nordseite des Platzes Nr. 6

In diesem dreigeschossigen und giebelständigem Sattel-Dachbau mit profilierten Öffnungen, das aus dem Jahr 1579 stammt befindet sich im Erdgeschoss das "Cafe Zentral"

Ehem. Stadthaus der Hammerwerksfamilie Kastner

In diesem mittelalterlichem Haus am Marktplatz 9 - einem dreigeschossigem Walmdachbau mit zugesetztem Loggiabogen und einem Schwibbogen an der Ostseite mit Familienwappen - residierte ab 1543 die wohlhabende Familie Kastner.

Datei:   Amberg Marktplatz 6
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Datei:   Amberg Marktplatz 9
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Der Marktplatz ist Ausgangspunkt von Leben und Geschichte Ambergs. Kaiserempfänge, Huldigungen der Landesherren, fürstliche Hochzeiten, Turniere, pfalzgräfliche Tauffeierlichkeiten und glanzvolle Prozessionen hat dieser Platz im Herzen der Stadt schon gesehen. Aber auch an schlimmen Zeiten fehlte es natürlich nicht. Im Jahre 1453 verbluteten hier drei Rädelsführer des Amberger Aufstandes gegen Friedrich I. unter dem Schwert des Scharfrichters. 1743 befand sich hier der Galgen der französischen Garnison. Auf dem Pranger am Rathausplatz standen bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts Trinker, Spieler, streitsüchtige Frauen und Störenfriede der öffentlichen Ordnung ihre Strafe ab. Am Chor der Martinskirche befindet sich eine Breche, wo leichtfertige Burschen und Mädchen und ungetreue Ehepartner mit einer Kerze in der Hand ihre Vergehen gegen das 6. Gebot abbüßten. Vom Rathausbalkon herab wurde jedem Armensünder das Urteil gesprochen und der Stab gebrochen, bevor er zu seinem letzten Gang abgeführt wurde.

Amberger Marktplatz 2008

Datei:     Amberg Marktplatz
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Die Ostseite des Marktplatzes wird von dem im gotischen Stil erbauten Rathaus begrenzt, welches zuletzt zwischen 1981 - 1989 renoviert wurde. Der Platz vor dem Rathaus wird erstmals Mitte des 14. Jahrhunderts als Marktplatz erwähnt. Kurfürst Rupprecht der Ältere verlieh 1363 der Stadt das Recht, Jahrmärkte abzuhalten und zwar zu Pfingsten, zu St. Jakobi am 25. Juli und zur Kreuzerhebung am 14. September. 

Früher war allen Ambergern der Spruch: " Wer übern Marktplatz geht und spürt keinen Wind, wer durch die lange Gasse geht und sieht kein Kind, wer über die Krambrücke kommt ohne Hohn und Spott, der hat eine b'sondere Gnad vor Gott."
wohl bekannt.

In seinen ältesten Teilen reicht der Rathaus-Bau auf dem Marktplatz bis ins späte 13. Jahrhundert zurück. Diese ältesten Bauteile waren die Kaufmannsgewölbe, die durch die Erhöhung des Marktplatzes fast zu Kellerbauten wurden. Erstmals findet ein Amberger Rathaus 1348 schriftliche Erwähnung. Im späten 14. Jahrhundert kamen der als "Großer Saal" genannte Raum und die als "Gotisches Zimmer - oder als Zeugenzimmer" bezeichnete ehemalige Ratskapelle dazu. Der letztere Name erinnert an die Zweckbestimmung während der Schwurgerichtszeit des Rathauses. Besonders hervorzuheben sind die vielgliedrigen Säulen mit den schweren Kreuzrippen. Sie laufen in rätselhaften Schluss-Steinen zusammen.
Der eine Stein zeigt einen Löwen, der sein Löwen-Junges anhaucht. Vielleicht, um es wieder zum Leben zu erwecken? - Es zeigt vergleichbare Symbolik zur christlichen Auferstehung. In der Klosterkirche zu Seligenporten existiert ein ähnlicher Schluss-Stein, der nachweislich aus dem frühen 14. Jahrhundert stammt. Es besteht die Möglichkeit, dass dieser Raum früher einmal eine Kapelle war.

Über den Arkaden ragt der hochgotische Giebel mit seinen Blendnischen auf. Die Arkaden sind der Rest der 1552 gebauten zweistöckigen Anlage. Allerdings entstanden die großen Spitzbogenfenster und die Figuren erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bei der Umgestaltung des Baus im Sinne der Neugotik. 

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts fanden größere Erweiterungen des Rathaus-Baus statt, ebenso in der zweiten Hälfte des gleichen Jahrhunderts. Hier entstand der später als "kleine Saal" bekannte Raum, sowie das städtische "Archivgewölbe". Der 1572 geschaffene kleine Ratssaal ist ein idealer Raum für standesamtliche Trauungen. Unbekannte Künstler schufen die Wandverkleidungen mit schönen Halbsäulen.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gestaltete man die Westfassade gravierend um. Man ersetzte dabei das zweite Geschoss des Altans und auch den fünften, nördlichsten Bogen durch einen Wendelstein. Gleichzeitig schmückte man die Fassade mit zwei Statuen, welche Handel und Gewerbe und die Mildtätigkeit darstellen sollten. Diese Figuren von Wirtschaft und Mildtätigkeit sind Werke des Amberger Bildhauers J. Pongratz aus dem Jahre 1883.

Historisches Rathaus von Amberg

Rathaus im gotischen Stil mit Arkaden
mit gelben Vorbau aus dem 16. Jahrhundert

Bild: Margret Pirzer

Bild: Margret Pirzer

Die Rathaus-Monduhr aus dem Jahre 1920 hatte schon im frühen 18. Jahrhundert eine Vorgängerin, welche den präzisen "Mondstand" genau angab. Die neue Uhr stammt aus dem Jahr 1920 und wurde von dem Apotheker Karl Eberth gestiftet, dessen Konterfei die Skulptur eines arg beschädigten bartlosen Mannes ersetzte. 

Giebel des Amberger Rathaus mit "Monduhr"

Foto: Nefershapiland

Monduhr 
- gestiftet 1920 vom Apotheker Karl Eberth
Foto: Nefershapiland

Sein gegenwärtiges Aussehen erhielt der linke Teil des Rathauses erst 1924. Damals wurde der Renaissancevorbau in eine "Gefallenen-Gedächtnisstätte" umgewandelt.

Im Inneren sind besonders im großen Ratssaal, der im späten 14. Jahrhundert erbaut wurde, die verschiedenen Maßwerkmuster in den Spitzbogenfenstern der Südseite und die wuchtige Kassettendecke aus dem späten 16. Jahrhundert beachtenswert. Deutlich ist noch anhand der leicht gekrümmten Mittelbalken und an der Gliederung der Decke zu sehen, dass dieser Raum auf zwei ältere Gebäudeteile gesetzt wurde und sich der gegebenen Straßenflucht anpassen musste. Das Konterfei der bayrischen Könige Max I. und Max II., des Stifters des Maximilianeums schmücken die Wände des großen Ratssaals.  Im 19. Jahrhundert gestaltete man den Ratssaal zum Schwurgerichtssaal um und er diente bis 1911 diesem Zweck, ehe er dann wieder zum Saale der Bürgerschaft wurde. Zwischendurch diente er 1914 den Flüchtlingen aus dem Elsass als Durchgangslager.

          Ansicht des Marktplatzes mit dem Rathaus 
                       - um die Zeit vor 1880 - 
        Öl/Leinwand Franz Seraph Stigler, dat. 1901
Links im Hintergrund das Eckhaus an der Herrnstraße, in dem sich ab 1920 das Rathauscafe befand. Das Haus wurde 1956 für einen Neubau der Sparkasse abgebrochen. Rechts vom Rathaus sieht man das Schlodererhaus und davor die Mohrenapotheke. 
         - Bild Margret Pirzer/Amberger Stadtmuseum -

Amberger Rathaus - Gemälde
Mitte 19. Jahrhundert






(Bild
Margret Pirzer / Stadtmuseum Amberg)

 

                                                       Der östliche dreigeschossige Anbau von 1920-24 
                      - mit einem gegliedertem Walmdach und polygonalem Kopfbau und großformatigem Relief -
                                                                                 (Bilder: Margret Pirzer)

Gegenüber dem Rathaus befindet sich das ehemalige Gebäude der Ratstrinkstube. Diese wurde 1728 anstelle der alten "Geinzen" (die Bedeutung dieses Ausdruckes konnte bislang nicht genau geklärt werden) begonnen und 1764 vollendet. Die relativ lange Bauzeit ist wohl zurückzuführen auf die finanzielle Notlage der Stadt. In der Ratstrinkstube "durften sich die Ratsherren nach den anstrengenden Sitzungen erquicken" (lt. Beschreibung der Amberger Heimatpflegerin Wolters). Nach den unterschiedlichen Quellen zur Ratstrinkstube war diese in der Zeit von 13 Uhr bis abends gegen 21 Uhr geöffnet und man konnte für 21 Pfennig nach Herzenslust soviel Wein, Käse und Brot essen wie man wollte. (Quelle: Kennen Sie Amberg? - Herausgegeben von Karl Mayr-Verlag). Andere Quellen sagen dazu aber auch, dass nur die Ratsherrn selber dort preisgünstig essen und trinken durften. In der Ratstrinkstube wurde auf ein gesittetes Verhalten geachtet. Eine Tafel mit der Abbildung von Schwert und Sichel und einer Hand mahnte, dass Raufereien durch "Handabschlagen" geahndet wurde, es sei denn, man besaß das nötige "Lösegeld"! Auch für den Marktplatz galt sobald der Markt eröffnet war und die Marktfahne aushing diese Strafandrohung zum Schutze des Marktfriedens.

Der dreigeschossige Walmdachbau mit Ecklaube mit der Hausnummer 3 besteht aus großen Sandsteinquadern und ist durch profilierte Fensterumrahmungen und Pilaster schön gegliedert. Die Fassade wird marktplatzseitig von vier leichtbekleideten Gestalten geschmückt, welche die Symbolfiguren der vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde darstellen. Die beiden Obergeschosse prägen großen Pilaster, welche über zwei Stockwerke reichen und die mit ionischen Kapitellen gegliedert werden. Jeweils zwei Fensterachsen werden damit zusammengefasst. Leider hat das schöne Haus gegenüber dem Rathaus heute nur noch monotone Einscheibenfenster, die dafür sorgen, "dass das Haus keinen Blick mehr hat" (Zitat der Stadtheimatpflegerin) und irgendwie sein mittelalterliches Flair verloren hat. 

Die Zeit der Ratstrinkstube ist aber schon lange vorbei, seitdem gab es viele Nutzer, wie die ehemalige Kreissparkasse, ein Textilhaus, ein Bekleidungshaus und eine Buchhandlung (Hugendubel), seit 2014 ist mal wieder ein Bekleidungs-Geschäft eingezogen.

                           Ehemalige Ratstrinkstube (auf dem Marktplatz)

Schon im 15. Jahrhundert gab es die Ratstrinkstube. Das heutige Gebäude der ehem. Ratstrinkstube ist aus der Zeit von 1728-1764. Bis 2013 befand sich der Buchladen "Hugendubel" in der ehemaligen Ratstrinkstube, zur Zeit ist hier mal wieder ein Bekleidungsgeschäft zu finden.
                                                        (Foto: J. H. Pirzer)

 

Gegenüber dem Rathausgebäude  befindet die ehemaligen Ratstrinkstube.
Sehenswert ist die Fassade mit den Darstellungen der vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde.
(Bilder: Nefershapiland)

 

Amberger Altstadtfest 

Ein alljährliches Highlight der besonderen Art, ist das im Juni stattfindende Amberger Altstadtfest, das in diesem Jahr 2014 zum 40zigsten Mal gefeiert wurde - und erstmals am Samstag, den 19. 7. - Sonntag 20.7. 2014 stattfand (Terminverschiebung wegen der Fußball-WM). Zum ersten Mal wurde das Amberger Fest im Jahre 1974 unter Bürgermeister Franz Prechtl eröffnet, hieß damals aber noch "Bürgerfest". Wie immer wurde das Fest auf dem Amberger Marktplatz vom Oberbürgermeister - in diesem Jahr erstmalig vom neuen Oberbürgermeister Michael Cerny - in Begleitung der historischen Amberger Stadtwache, der Stadtpfeifer und der Böllerschützen eröffnet. 

Wie immer waren die Plätze auf dem Marktplatz sehr begehrt und kaum ein Plätzchen blieb unbesetzt. (Bild von 2012)
(Bild: M. Pirzer)

 

Mitglieder der Tanzgruppe der Amberger Stadtwache in ihren historischen Kostümen
 vor der Bühne auf dem Marktplatz - Infos      (Bilder von 2012)
             (Bilder: M. Pirzer)        

Für das leibliche Wohl und um alles bis in die Nacht durchzuhalten, hatte man die "Qual der Wahl" alles durchzuprobieren: Bratwürste mit Kraut, Radi, Pizza & Pasta, Schaschlik, Haxen, Hendl, Steckerfisch und, und....und. Dazu konnte man sich bei Wein, Prosecco, Bier und alkoholfreie Durstlöscher laben.  Auch an die jungen Besucher wurde gedacht. Für sie gab es eine Hüpfburg, das lustige Kinderschminken und Fotos in historischen Kostümen sowie einen Zauberer. Beim Amberger Altstadtfest erklingt innerhalb des historischen Stadtmauerrings an allen Orten Musik - von Jazz und Volksmusik bis hin zur Klassik.

               Eichenforstplatz 

Wie fast jedes Jahr spielten am Eichenforstplatz (dem Herzen von Amberg) die Desperados. Sie gehören zum Altstadtfest einfach dazu. Bei den Songs von Pink Floyd, Wolfgang Petry, den Schürzenjägern oder Beatles wird bei dieser Band jeder Ton noch selbst gemacht.

- Infos über diese Band - hier

                (Bild: Nefershapiland)

 

 

Georgenstraße:

Weiter geht der Spaziergang durch Amberg vom Marktplatz geradeaus in die Georgenstraße, der alten "Girgengaß". Sie war die alte Hauptstraße Ambergs bevor sie durch die Jesuiten mit ihrem Kolleg abgesperrt wurde. Erst mit dem Bahnhofsbau verlagerte sich das wirtschaftliche Gewicht in die östliche Stadthälfte. Neue Impulse für die Georgenstraße brachte die Errichtung der Fußgängerzone. 

Die lange Straße, die vom Marktplatz zur Georgs-Kirche führt, ist mit Bürgerhäusern des 16. bis ins 19. Jahrhundert hinein gesäumt. Einige Neubauten fügen sich in das Straßenbild ein, das sich durch stilistische Vielfalt auszeichnet. Die Gebäude wechseln in trauf- und giebelseitigem Stand ab und weisen zwei Geschosse auf. Übergroße Schaufenstereinbauten im Erdgeschoss in der Neuzeit rauben den historischen Gebäuden ihren mittelalterlichen Flair.

In der ehemaligen "Hauptstrasse", die von Ost nach West durch die westliche Seite der Stadt führte, befinden sich einige  erwähnenswerte und interessante, heute unter Denkmalschutz stehende Bürgerhäuser. Als Beispiele sollen hier die Häuserzeile mit den Nummern 1-3 - das sogenannte "Neue Haus der Stadt" - ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit profilierten Öffnungen und dem Stadtwappen aus dem Jahre 1577 genannt werden (heute Modetextilhaus Ruppert) 

Inneneinrichtung Friseurladen Göckle
- heute in Stadtmuseum Amberg - 

 

 

 

 

Bild: Margret Pirzer/Stadtmuseum Amberg

         Alte Fotografie - Amberg Georgenstraße 15
               (aus dem Stadtmuseum Amberg)
Bis zum 2. Weltkrieg befanden sich in dem Gebäude aus dem Jahre 1886 (einem zweigeschossigen Krüppelwalmdachabau in Ecklage, das im Kern barock war und Stuck- und Putzgliederungen besaß) der Friseurladen Eduard Göckle, daneben ein Tabakgeschäft und ein Bäckerladen. Heute sind in dem Eckhaus das Cafe "Cherubini" und eines der ältesten Geschäfte in Amberg der "Lotto-Tabak-Laden" Otto Fuchs.
                (Fotografie: M. Pirzer/Amberger Museum)

 

        Georgenstraße 16
- von Rummelsche Stadthaus -

 

Interessant ist auch das Patrizierhaus in der Georgenstraße 16 - das "von Rummelsche Stadthaus", ein dreigeschossiger und traufständiger Quaderbau mit Satteldach, geschnitzten Türflügeln und dem Wappen der "Steinhauser" aus dem Jahr 1538, renoviert 1894. 

 

                    (Bild: Margret Pirzer 2015)

 

 

 

In der Georgenstrasse 20 - einem dreigeschossigem Walmdachbau mit Frontispiz und Putzgliederungen aus dem Jahre 1737 - befand sich die ehemalige "Obere Adlerapotheke" (deren ältere Ausstattung sich im Museum befindet). Heute ist hier die Apollo-Optik zu finden. In der Georgenstraße 24 - einem ehemaligen Metzgeranwesen - befindet sich heute das Schnellrestaurant "Kochlöffel". Der dreigeschossige und traufständige Satteldachbau mit profilierten Öffnungen stammt aus dem 17. Jahrhundert. 

                  Neuere Ausstattung und Verkaufstisch der jüngeren Adlerapotheke
                                                - heute im Amberger Stadtmuseum -

                                            (Bild: Margret Pirzer)

 

Amberger Georgenstraße - Richtung Marktplatz/Nahe Ecke Regierungsstrasse
- Bild: Margret Pirzer -

 

                                                      Amberg Eckhaus Georgenstraße/Regierungsstraße 1
In dem dreigeschossigem Walmdachbau, das  in der Ecklage Georgenstraße/Regierungsstraße erbaut wurde, befand sich früher das Kaufhaus Weigl (bis 1965) und die Redaktion der Amberger Zeitung. Das Gebäude aus dem Jahre 1898 mit geschweiftem Giebel und Werksteingliederungen in Sandstein entstammt der Neurenaissance.

                               Amberg/Georgenstraße/Ecke Regierungsstrasse 1 - ehemaliges Kaufhaus Weigl 
                                                                     (Bild: Amberger Stadtarchiv)
          und Bild der Maria Weigl/Gattin des Kaufhausbesitzers Josef Weigl. (Foto: Margret Pirzer/Stadtmuseum)
                      Öl/Leinwand 1943 sign. und dat.: Marie Ankermüller 1943; Leihgabe Maria Loher (Weigl) Amberg

In den 1920er und 1930er Jahren befand sich in dem Gebäude in der Georgenstraße das bekannte Kaufhaus Weigl. Der Eingang in der Regierungsstraße führte damals direkt in die Redaktionsräume der Amberger Volkszeitung, ein Vorgänger der heutigen Amberger Zeitung, die sich inzwischen in der damals noch nicht existierenden Mühlgasse befindet.

Im Gebäude Georgenstrasse 13 - auf dem Bild links neben dem Kaufhaus - befand sich die Bäckerei von Hans Donhauser und die benachbarte Wein- und Bierrestauration, die 1931 noch von Georg Gräßle geführt wurde, aber bereits ab 1935 Johann Schwab gehörte.

Heute findet man hier das Modegeschäft Gerry Weber. Die oberen Stockwerke sind mit Wohnungen belegt.
                                                                    (Bilder: Margret Pirzer)

Das Eckhaus Georgenstraße 28/Ecke Weinstraße - ein dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit Satteldach, das über der flachen Ecke abgewalmt ist - stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde 1894 umgebaut. Heute befindet sich dort das "Reiseservice-Geschäft Strobl".

                   Eiscafe Firenze - Georgenstraße 23
In der Georgenstraße 23 befindet sich das Eiscafe "Firenze", von dem gesagt wird, hier gibt es das beste Eis in Amberg, aber auch Kaffee und Kuchen sind hier sehr zu empfehlen. Hier befand sich früher das Traditionsgeschäft "Eisenschmidt".


                        (Bild: Margret Pirzer)

               Rückwand der Eisdiele Firenze

Die Rückwand der Eisdiele ziert eine Reproduktion des Bildes "Frühling" (Original in den Uffizien/Florenz) von Sandro Botticelli.

                 (Bild: Margret Pirzer 2015)

 

Regierungsstraße:

Wir machen nun einen kurzen Abstecher in die rechts liegende Regierungsstraße 8 und wenden uns jetzt der ehemaligen kurfürstliche Regierungskanzlei zu, die 1544-1556) vom Kurfürsten Friedrich II. errichtet wurde und der in der Oberpfalz die Reformation einführte. Allerdings residierte er selbst nur selten in dem dreigeschossigen Renaissance-Giebelbau und setzte darum einen Statthalter ein. 

Besonders auffallend ist der prächtige Erker, erbaut vom Heidelberger Konrad Forster, der auf zwei Säulen über dem Hauptportal  ruht. In den Brüstungsfeldern des Erkers befinden sich - neben den Wappen der Kurpfalz und des Königreiches Dänemark - vier Medaillons mit den Brustbildern des Kurfürsten Friedrich II., dekoriert mit dem Orden vom Goldenen Vlies, erworben 1529 als Erzieher Karls V. und vor allem im Feldzug gegen Venedig, seiner jungen Gemahlin Dorothea, eine Tochter des vertriebenen Königs Christian II. von Dänemark, die als 15jährige aus dem rechten Medaillon schaut sowie der beiden Väter des fürstlichen Paares. Schon 1597 erfolgte der nördliche Anbau an der Regierungsstraße durch den Statthalter Fürst Christian von Anhalt.

Das ehemalige Regierungsgebäude - mit einem schönen Erker
Erbaut 1544 unter Kurfürst Friedrich II. Der Erker ruht auf zwei Säulen. In der Inschrift 
ist zu lesen: "Wer sein Haus wohl baut, der auf Gott vertraut."
Leider ist das Tor unter dem Erker 
meist geschlossen.

(Fotos: J. H. Pirzer)

Unter dem Münchner Hofbaumeister Leonhard Matthäus Gießl erfolgte 1768 - 1770 die barocke Erweiterung der Regierungskanzlei. Er verwendete dafür Steine vom dem durch Blitzschlag 1644 abgebrannten nördlichen  kurfürstlichen Schlosses Amberg. Ein prächtiges Sandsteinportal und eine geschnitzte Rokokotür schmücken den Erweiterungsbau. Die Fenster des 2. Stocks schließen nach oben in spätgotischem Maßwerk und auch der Giebel zeigt diese Übergangsform.

Die von einem unbekannten Künstler geschaffene Regierungskanzlei war einer der schönsten Renaissancebauten der Oberpfalz.

Die lorbeerumkränzten Reliefmedaillen zeigen Kurfürst Friedrich II. und seine junge Frau, die Kurfürstin Dorothea, Universalerbin Dänemarks.

 

(Bild: Nefershapiland)

 

Die Herren auf den beiden Außenseiten des Erkers dürften die Väter des Herrscherpaares sein.

 

(Bild: Nefershapiland)

 

          Erker mit Reliefmedaillen
des Fürstenpaares. Fast die gesamte Fläche des Erkers ist in vielgestaltiger, aber unaufdringlicher Weise mit Ornamenten verziert.
(Bild:
J. H. Pirzer)

Kurpfälzisches Wappen 
am Erker des heutigen Amtsgerichts.


(Bild: J. H. Pirzer)

An der nördlichen Wand ist ein in Zoll eingeteilter, aus Eisen gefertigter bayrischer Fuß in waagerechter Lage und oberhalb des gleichen wappengeschmückten Steins, die Darstellung eines mit Einteilung versehenen Quadratfußes angebracht. Auf der Tafel steht außerdem eine erklärende Inschrift aus dem Jahre 1761. Das Mustermaß war bis 1943 außen am Gebäude angebracht. Im übrigen war das Mustermaß eines Amberger Stadtschuhs genau  0,2999966 Meter lang. Der strenge Baustil der Renaissance passt zur heutigen Nutzung des Gebäudes als Landgericht.

1

Treppenturm der Regierungskanzlei
 von 1601. Heute wird dieser Bau vom Amberger Landgericht genutzt. 
(Bild: J. H. Pirzer)

Gleich neben dem Treppenturm auf dem Erkervorsprung ließ Friedrich die Hauptsünden seiner Zeit in Stein meißeln.
- Blindheit und Geiz, Völlerei, Grimm und Zorn und Abfall von Gott -
(
(Bild: J. H. Pirzer)

Der Kurfürst wusste gut Bescheid über die Hauptsünden seiner Zeit. Er ließ sie auf der westlichen Hofseite 1546 in Stein meißeln. Sie waren Blindheit und Geiz, Völlerei und "Frashed", Grimm und Zorn und Abfall von Gott.

Der nördlich davon stehende Treppenturm des Johann Baptist Ruef von 1601 zeigt eine gedrehte Profilierung im "gebogten Portal" und darüber die Wappen des Kurfürsten Friedrich IV. und seiner Gemahlin Louise Juliane von Oranien.

Gegenüber der Kanzlei befindet sich ein zweigeschossiger und giebelständiger Steildachbau in Ecklage, der wohl aus dem 17. Jahrhundert stammt. In dem Gebäude mit der Hausnummer 9 befand sich der ehemalige Gasthof "Zum Anker" und das Lichtspielhaus (Kino) "Anker". 

Die Taverne Syrtaki in der Regierungsstraße 9

Seit 1994 befindet sich hier das griechische Restaurant " Syrtaki" - die erste Taverne in Amberg - mit einem schönen Biergarten unter einem Kastanienbaum im Hof. Auch das "Ambiente" innen gefiel uns recht gut.
                                                                    (Bilder:
Margret Pirzer)

*

Kanzleigasse und Roßmarkt:

Kurz vor dem Landgericht verlassen wir die Regierungsstraße und biegen rechts in die Kanzleigasse ab, eine schmale Gasse, von der sich links ein weiterer historischer Platz der Stadt Amberg öffnet, auf dem sich die sog. "Frauenkirche" befindet. Siehe    .

Von der Kanzleigasse biegen wir zum zu dem nach der hier befindlichen Frauenkirche benannten Frauenplatz ab, wo sich zwei denkmalgeschützte Häuser befinden. Außer der ehemaligen Hofkapelle (der Frauenkirche) ist hier nur ein weiteres Gebäude zu erwähnen - das ehemalige Benefiziatenhaus mit der Hausnummer 6 - das Wohnhaus von Michael Wittmann. Der zweigeschossige und giebelständige Halbwalmdachbau stammt aus der Mitte des 18. Jahrhundert. 

In dem schön restaurierten Wohnhaus verbrachte der ehemalige Bischof von Regensburg, Michael Wittmann in den Jahren 1770-1778 seine Studentenzeit.  - Bild: M. Pirzer 2015 -

Im 14. Jahrhundert stand hier die Synagoge einer kleinen jüdischen Gemeinde, die um 1395 den damaligen Judenverfolgungen zum Opfer fiel. Um die Synagoge herum befanden sich die Häuser für die hier ansässigen jüdischen Familien, das jüdische Wohnviertel. Wahrscheinlich war damals die jüdische Gemeinde recht groß, denn man besaß neben dem Gotteshaus auch eine eigene Schule mit Lehrer. Nach der Vertreibung der jüdischen Bewohner im Jahre 1391 folgte der Abriss der Synagoge und man begann wohl sofort um 1400 mit der Errichtung einer Marienkapelle. Die Verwaltung dieser Kapelle, welche den Namen "Hofkapelle" und "Unserer Lieben Frau" führte, übernahm die Stadt. Man legte auch einen kleinen Friedhof an, der später dem Bau der kurfürstlichen Kanzlei weichen musste. Der dreischiffige Hallenbau mit einem abgewalmten Satteldach ist teilweise verputzt und mit Werksteingliederungen versehen. Die Dachreiter stammen von 1860.

Der Roßmarkt, der sich westlich der Frauenkirche befindet, liegt bereits außerhalb der älteren Stadtmauern der frühen Stadt. Auch der Roßmarkt war einst einer der historischen Handelsplätze der Stadt Amberg und gilt heute als Paradebeispiel für eine gelungene Altstadtsanierung. Auf der linken Straßenseite - Richtung DAIK-Apotheke - befindet sich ein Wasserspiel.

Roßmarkt - Wasserspiele
- Bild: Margret Pirzer 2015 -

Roßmarkt - mustergültige Altstadtrestaurierung
- Bild: Margret Pirzer 2015 -

Auf der rechten Seite des Roßmarkts - in Richtung Georgenstraße - befinden sich eine Reihe von ausgezeichnet restaurierten Bürgerhäusern. Als interessante Beispiele sollen hier die Häuser mit den Hausnummern 4, 8, 11, 12 und 13 genannt werden. 

                                                     Amberg Roßmarkt 8 - 6 und 4 
Das sog. "Jannerhaus" (benannt nach dem Juwelier Janner) fällt durch seine ungewöhnliche Ladenfront in Neu-Renaissanceform (aus 1906) aus Holz auf. Gleich daneben
der Friseur "Renner" mit seinem roten Hausanstrich und das Cafe "Rossi" (in grauer Farbe).
                                                     (Bild: Margret Pirzer 2015)

Das Haus mit der Nr. 4 - ein dreigeschossiger und giebelständiger Satteldachbau mit profilierten Öffnungen (heute: Cafe Rossi) stammt aus dem 17. Jahrhundert (ehemalige Bäckerei). Nachdem der Blumenladen "Gänseblümchen" 2011 in das sanierte "Janner-Haus" umgezogen war, wurde die ehemalige Pfarrbücherei in ein Wohn- und Geschäftshaus umgewandelt und seit 2011 befindet sich im Roßmarkt 4 die italienische Cafè-Bar "Rossi", gleich neben dem Frisörsalon Renner, Roßmarkt 6. Demnächst soll es aber wieder einen Wechsel beim Cafè Rossi geben, denn das Cafe in dem mustergültig renovierte Haus weitervermietet werden. Auch der Blumenladen "Gänseblümchen", der sich im Erdgeschoss des sanierten "Janner-Haus" befindet, wurde Ende Juni 2014 geschlossen; es soll aber wieder ein Blumenhändler einziehen.

                                         Geschichte des "Janner-Hauses" Roßmarkt 8

Als letztes Haus wurde das "Janner-Haus" - ein Wohn- und Geschäftshaus in der Straße Roßmarkt 8 saniert. Eigentlich sind das Janner-Haus, das in Amberg jeder kennt, zwei Häuser - ein immer wieder umgebautes und oft verändertes Vorderhaus und ein rückwärtiger Teil, der einst ein Pferdestall war und dann am Anfang des letzten Jahrhunderts zu einem Wohnhaus umgebaut wurde.  


          Das "Janner-Haus" am Roßmarkt 8 heute

 Heute befindet sich in dem Janner-Haus das 
 Floristik-Geschäft "Rosalie".

Der letzte gravierende Umbau datiert aus dem Jahr 1948 - zu dieser Zeit wurde unter dem Dach ein sog. "Flüchtlingszimmer" eingebaut. Aus dieser Zeit stammen auch das Bad und die Terrasse 

                     (Bild: Margret Pirzer 2015)

Das Vorderhaus, ein dreigeschossiger und giebelständiger Massivbau mit Satteldach und einer grünen Fassade aus Holz, die aber wie Gusseisen aussieht, stammt aus den Jahren 1732-48. Der Ostgiebel wurde später erneuert und begradigt. Die Ladenfront aus Holz in Neurenaissanceformen stammt von 1906. Hinten schließt sich ein Rückgebäude, ein massiver zweigeschossiger Winkelbau mit Satteldach an - ebenfalls aus den Jahren 1743-48, das Mitte des 19. Jh. umgebaut wurde.

Beim Neubau in den Jahren 1743 bis 1748 fand das bereits existierende Kellergewölbe aus einem Vorgängerbau von 1629 eine Wiederverwendung. Der Schlosser und Großuhrenmacher Balthasar Kölbig war damals Eigentümer des Hauses und des Grundstückes. Er verkaufte nach der Fertigstellung des Neubaues dieses 1848 an einen Zimmerermeister für 1350 Gulden, welcher es gründlich renovierte und dem Haus einen neuen Giebel, neue Türen und Fenster verpasste und das Rückgebäude erweiterte. Außerdem wurden die Fachwerkwände durch massive Ziegel ersetzt. Auch er verkaufte das Anwesen später und zwar an den Apotheker Martin Fleischmann. Um das Jahr 1905 wechselte das Haus abermals den Besitzer. Franz Janner, der Sohn und Erbe des Gürtlermeisters (Vergolder, Juwelier und Goldschmied) Andreas Janner aus der Georgenstraße 48 errichtete hier Werkstatt und Geschäft. Janner verlieh im Jahre 1906 dem Vordergebäude sein jetziges Aussehen und baute das Rückgebäude zu Wohnzwecken um, außerdem verlegte er den Eingang in die kleine Gasse. 1906 wurde ihm lt. päpstlichen Dekret das Recht verliehen, den Titel "Goldschmied seiner Heiligkeit des Papstes und des heiligen apostolischen Stuhles" zu führen. Außerdem wurde ihm das Recht verliehen, auf seinem Schild das päpstliche Wappen zu führen. Diese Auszeichnung, die dem Goldschmied und Fabrikant Franz Janner von Papst Piux X. verliehen wurde, war wohl in Deutschland die einzige dieser Art (Quelle: Amberger Stadtmuseum, Zeitungsausschnitt von 1906)


(Quelle: Oberpfalznetz.de von 24.3.2011 und 11.7.2014)

Andreas und Franz Janner
- Werkstatt für kirchliche Geräte - 
(Bild:
Margret Pirzer/Stadtmuseum Amberg)

Andreas und Franz Janner

- Bild:
M. Pirzer/Amberger Stadtmuseum -

 

                                                                     Amberg Roßmarkt 13 - Daig-Apotheke
                                                                           - Blick Richtung Steinhofgasse -

Nicht zu übersehen steht links - am Ende des Roßmarktes, dort wo sich dann die Steinhofgasse öffnet - die Daik-Apotheke, ein auffallend massiver Walmdachbau aus dem 18. Jh. mit dicken Mauern und mit einem östlichen niedrigerem Flachsatteldachbau (gegründet von dem Apotheker Eugen Daig)

Die Eckfigur St. Florian im ersten Stock dürfte kaum etwas mit der einstmaligen Nutzung des Gebäudes als eine der ersten Amberger Druckerein, der Firma Koch,  zu tun gehabt haben

                                                                            (Bild: Margret Pirzer)

 

Steinhofgasse und Badstraße

Am Ende des  Roßmarktes öffnete sich die Steinhofgasse, in die wir einen kurzen Blick werfen. Auf der linken Seite - in Richtung Roßmarkt - sehen wir die Straße Neustift, die am Ende auf den Malteserplatz führt.

Blick von der Steinhofgasse auf das Neustift
- In der Mitte des Neustifts das Haus der Kirchenmalers Weber an der Gabelung Neustift / Ballhausgas -
- Bild: Margret Pirzer 2015 -

Gegenüber der DAIK-Apotheke befand sich früher die Schmiede des Kunstschlossers Karl Ankermüller, die wiederum an eine alte Kavalleriekaserne, die Steinhofkaserne, angrenzt.  

     Amberg - Ehemalige Kavalleriekaserne
                in der Steinhofgasse 2

 

 

(Bild: Margret Pirzer)

Dieses Gebäude mit der Hausnummer Steinhofgasse 2 wurde 1859 von der Stadt Amberg für die Chevaulegers (Leichte Reiterei) an der Stelle eines alten, einst dem Kloster Kastl gehörigen Gutshofes erbaut, den ursprünglich die Steinhäuser besaßen, wodurch der Straßen-Name "Steinhof" verständlich wird (Quelle: Kennen Sie Amberg? Jungwirth, Schmidt und Karl Mayr). Die einstigen Stallungen dienen heute als Büroräume und Sitzungszimmer für das Bauverwaltungs- und Ordnungsamt.

Amberg - Steinhofgasse 4

Ehemalige Weißbäckerei mit der Hausnummer 4 aus dem Jahre 1554.

 

                (Bild: Margret Pirzer 2015)

Erwähnenswert sind in der Steinhofgasse zwei ehemalige Weißbäckereien mit den Hausnummern 4 und 11. Beide Häuser sind zweigeschossige und giebelständige Steildachbauten, die Nr. 4 datiert ins Jahr 1554 und die Nummer 11 stammt aus dem 17. Jahrhundert.

*

 

                                                                               Amberg - Badgasse

Wir kehren nun zum Roßmarkt zurück und biegen links in die in Richtung Neustift ansteigende Badgasse ab, von der man einen schönen Blick zurück über den Roßmarkt auf die Frauenkirche hat. Noch heute ist in der am Rande der Stadt befindlichen Badgasse oder auch Neustift das soziale Gefüge der früheren Bevölkerung Ambergs an den kleinen, eingeschossigen Handwerkerhäusern erkennbar.

Welch ein Unterschied zu den Häusern in der Georgenstraße oder Herrnstraße, die durch Breite und mehreren Wohngeschossen den vornehmen Stand der Bewohner ausdrückt.
                                                                       (Bilder Margret Pirzer)

 

Neustift und Ballhausgasse:

Dort wo die Badgasse, Neustift und Zehentgasse zusammentreffen und einen malerischen Platz bilden, steht der kurfürstliche "Schmalzkeller" - im Volksmund auch fälschlicherweise "Zehentstadel" genannt. Heute ist der Bau leider ziemlich vernachlässigt, vermittelt aber dennoch einen guten Eindruck der einst mächtigen Lagerhallen der frühen Neuzeit. Die Höhe des Stadels entspricht der Tiefe des Kellers, welcher eine gute und trockene Kühlung sicherte und von der Ostseite her zugänglich war. Hier wurde die Butter, welche besonders die Untertanen der östlichen Oberpfalz einzuliefern hatten, über Jahr und Tag aufbewahrt, bis man die "Schmalz"- oder "Butterfässer" weiter nach Heidelberg transportierten konnte. In manchen Jahren waren es 300 Zentner oberpfälzischer Butter, die so zum Heidelberger Hof gebracht wurden. Außer Butter hat man in diesem "Kühlhaus", dessen Temperatur nur zwischen 5 bis 8 Grad schwankt, auch Wein und Bier aufbewahrt. Diese niedrigen Temperaturen, die man für die Kühlung benötigte, war an den Ufern der Vils nicht gegeben, weshalb man für den kurfürstlichen "Stadel" auf diese höchste Stelle in der Altstadt auswich.

         Amberg - sog. "Schmalzstadl" 

Später erwies sich der "Schmalzstadel" auch als ideales Lager für Obst, Bier und Gemüse. Der Keller reicht 4,80 m in die Erde und dagegen 16 Meter mit seinen vier Schüttböden für Dienst-, Zehent- und Getreide, aber auch Heu und Stroh aus dem Boden.

                  (Bild: Margret Pirzer)

Während im ehemaligen Erdgeschoss einst Fahrzeuge der Kanzlei und der Hofhaltung unterkamen, wurden in den vier Aufschüttboden Heu, Stroh und Getreide gelagert. Heute befindet sich das massive historische Gebäude in Privatbesitz.

                            Badgasse/Ecke Neustift 
Dort, wo der Schatten im Bild zu sehen ist, befindet sich  rechterhand der alte "Schmalzkeller" .

 

 


                              (Bild: Stadtarchiv Amberg)

                Kurfürstlicher Schmalzstadel - Neustift 45
Auf dem höchsten Punkt des im Jahre 1526 noch innerhalb der Stadtmauern bebaubaren Grundes stand der kurfürstliche "Schmalzkeller" - auch im Volksmund "Zehentstadel genannt". Heute treffen hier Badgasse, Neustift und Zehntgasse zusammen. 

"Dieser Kasten und Keller ist gebaut worden Anno 1526." besagt eine Inschrift am Gebäude
                      (Bild: Margret Pirzer)

Etwas weiter westlich vom Schmalzkeller aus befindet sich bei Neustift 51 - hinter einem Torbogen, welcher den Hofraum abtrennt - der eigentliche "Zehentstadel", der lt. Inschrift auf dem großen kurpfälzischen Wappenstein 1563 unter Kurfürst Friedrich III. errichtet wurde und sich früher in Hilterdorf befand. Eine Steintafel über dem Tor zeigt in drei Schilden das Wappen der Pfalz, den pfälzischen Löwen, dann die Wittelsbacher Wecken und den Reichsapfel. Im Stadel wurde Zehentgetreide des Hofkastenamtes gedroschen und auf drei Schüttböden gelagert. Der Hofkastenamtsknecht, der auch das zugehörige Gefängnis zu betreuen hatte, wohne ab 1615 im Haus zwischen den beiden Speichern. Sein jetziges Aussehen erhielt der Stadel 1753. So entstand im 16. und 17. Jahrhundert hier ein Zentrum der obrigkeitlichen Verwaltung und Lagerhaltung.

Über die Zehentgasse gelangen wir nun in das leicht ansteigende obere Neustift, wo vorspringende Hausfronten, hübsche Figuren und Stuckfassaden diese Straße zu einer der malerischsten Gassen Ambergs machen. 

Sehenswert ist das Haus Neustift 19 des Kirchenmalers Weber, welches an der Gabelung Unteres Neustift/Ballhausgasse liegt - eine ehemalige Fleischhackerei, ein  zweigeschossiger Walmdachbau in Ecklage zur Ballhausgasse mit Aufzugserker und profilierten Öffnungen aus dem 16./17. Jahrhundert mit Hausfiguren der "Beweinung" und des heiligen Sebastian, die wohl aus dem 18. Jahrhundert stammen.

                                      Haus der Kirchenmalers Weber an der Gabelung Neustift / Ballhausgasse
Ein besonderes Schmuckstück ist das Eckhaus Neustift 19/Ecke Ballhausgasse, das einst dem Kirchenmaler Weber gehörte. Der zweigeschossige Walmdachbau in Ecklage besitzt einen Aufzugserker mit profilierten Öffnungen aus dem 16./17. Jahrhundert. An den Fassaden befinden sich Hausfiguren der "Beweinung" und des "heiligen Sebastians" - wohl aus dem 18. Jahrhundersts.
                                                                       - Bilder: J. H. Pirzer -

Diese Ballhausgasse führte einst zu einem großen Gebäude im Zwinger der Stadtbefestigung, zum "Ballhaus", in dem die Herren des Hofes sich mit Ballspielen vergnügten. Diese "Sporthalle" des Hofes wurde 1616 erbaut.

Die oder das Neustift - gemeint ist immer die gleiche Gasse, die man wegen ihrer Länge um 1900 in Unteres, Mittleres und Oberes Neustift unterteilte. Wo sich Mittleres und Oberes Neustift berühren - da ist auf dem höchsten Punkt der oben beschriebene "Schmalzkeller".

  1. Von den denkmalgeschützten Bürgerhäusern im Neustift sollen hier nur 3 genannt werden:
    Neustift 5:  das gleich am Anfang des Neustifts (Untere) befindliche zweigeschossige Gebäude mit einem Mansarddach mit geohrten Rahmungen, einer Rustika-Putzgliederung und einer Figurennische mit Hausmadonna stammt aus dem Jahre 1724.

  2. Neustift 30 - ein zweigeschossiger und giebelständiger Steildachbau mit Fachwerkgiebel und Putzgliederungen - im Kern aus dem 16. Jahrhundert - ein Umbau erfolgte im 18. Jahrhundert.

    Amberg - Neustift 30
    im Kern wohl aus dem 16. Jahrhundert

     

     

    Bild:     Wohnhaus
    Autor:   H. Helmlechner
    Lizenz:  CC BY-SA 4.0


  3. Neustift 57: oberes Neustift - ehem. Gasthaus / ein dreigeschossiger Mansardwalmdachbau in Ecklage mit Schieferdeckung und Putzgliederungen, Neurenaissance, Ende 19. Jahrhundert.

Malteserplatz:

 

Luftbild der Georgs-Kirche
- umgeben von den Gebäuden des mächtigen Malteserkomplexes -
(Bild:
käuflich erworbenen Postkarte)

Wir gehen nun über Neustift weiter hinauf zum Malteserplatz. Als die Stadt Amberg 1628 endgültig zu Bayern kam, waren es die Jesuiten, die mit großem Einfühlungsvermögen die Gegenreformation in Amberg und in der Oberen Pfalz durchsetzten. Sie errichteten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts das 165 Meter lange Gebäude ihres Kollegs, wo sich  auch das von ihnen gegründete Gymnasium befand. Besonders sehenswert ist der im Gebäude befindliche Kongregationssaal, welcher aber leider nur zu Gottesdiensten und kulturellen Veranstaltungen geöffnet ist. Der Kongregationssaal wurde 1674 geschaffen und bekam 1676 eine großteilige, strenge Kassettendecke nach einem Entwurf des Frater Hörmann. Eine weitere Schöpfung der Jesuiten ist der Bibliotheksaal, der heute Teil der Provinzialbibliothek ist und der von Stuckarbeiten, Gemälden und Schnitzwerk von hoher Qualität geziert wird.

Der Jesuitenorden wurde 1540 von Ignatius von Loyola, einem adeligen Offizier aus dem Baskenland gegründet. Seine Grundsätze wie absoluter Gehorsam, straffe Hierarchie wurden im wesentlichen für die Grundsätze des Ordens zugrunde gelegt - aber auch seine mystischen Erfahrungen. Diese Grundsätze machten die Ordensmitglieder unabhängig und flexibel, so das sie schließlich auch ihre Mission in weit entfernte Länder vorantrieben. Großen Wert legte der Orden auf die Bildung der Jugend in eigenen Schulen und Universitäten. Dabei wurden Glaubensinhalte in der Barockzeit durch prunkvolle Zeremonien, Musik und religiöse Theaterspiele vermittelt. Die eigentlichen Bauherrn, die Jesuiten,  kamen 1621 in die Stadt Amberg - im Gefolge des katholischen Herzogs Maximiliam von Bayern, dem neuen Herrscher über die Oberpfalz und über Amberg.

Amberg - Neutor

Der Orden erhielt 1624 den Pfarrhof der St. Georgs-Kirche zugewiesen, dazu einige Häuser in der Stadt, in denen man dann ein Gymnasium gründete.

Man riss das alte Georgentor ab, das bislang am westlichen Standrand stand und baute als Ersatz 1630 an der Stelle, wo heute die Straße beim ehem. Jesuitenkolleg in die Stadt führt (beim Malteserplatz) das "Neutor". 

Kopie eines Aquarells von 1802
sign. und dat.: Franz Seraph Stiegler 1901

- heute im Stadtmuseum Amberg -

     Photo: Margret Pirzer

Die neuen Gebäude des Jesuitenkollegs wurden ab 1665 durch den Baumeister Wolfgang Hirschstetter, Georg Hagn und Andreas Wels d. Ä. erbaut. Georg Dientzenhofer erbaute dann ab 1684 den Nordflügel, die Aufstockung des Westflügels erfolgte dann durch dessen Bruder Wolfgang Dientzenhofer ab 1689, der Bau eines Gymnasiumsgebäudes 1672-74 und der des südöstlichen Verlängerungstraktes 1674-78. Das Kolleg diente zugleich als Gymnasium und Klerikalseminar (Katholisches Priesterseminar). Der Orden der Jesuiten betreute das Kolleg St. Georg und die angegliederte Kirche bis zur Aufhebung des Jesuitenordens 1773 durch den Papst.

        Ansicht des Jesuitenkolleg 
            und der Georgenkirche
          - unbekannter Künstler - 

wahrscheinlich nach einer Zeichnung v. Fr. Johannes Hörmann S. J. Ende 17. Jh.

Das Gemälde gibt das Aussehen des gesamten Gebäudekomplexes mit Kolleg, Kirche und Gartenanlage nach der endgültigen Fertigstellung um 1692 wieder. 

 

 (Photo: Margret Pirzer/Museum Amberg)

Der Malteserorden nutzte das Jesuitenkolleg bis zur Säkularisation - wobei die Gebäude des Jesuitenkolleg bis auf den heutigen Tag immer noch als "Maltesergebäude" und auch der Platz davor als "Malteserplatz" bezeichnet wird. 1806 kam der Komplex in staatlichen Besitz und bis 1926 befand sich hier das heutige Erasmus-Gymnasium Amberg.

Amberg - Blick von der Georgenstraße auf den Malteserplatz

Die alte Hauptstraße Ambergs - die Georgenstraße - läuft genau auf das große Gebäude auf dem Malteserplatz zu und endet hier, weil die Jesuiten sie durch ihr Kolleg absperrten. Unmittelbar gegenüber dem Jesuitengymnasium (dem heutigen Pfarrzentrum) befindet sich das 1723 von der Stadt Amberg erbaute einstige Lyzeum. Die Jesuiten wirkten in Amberg als Lehrer. Diese gehobene Lehranstalt wurde 1863 durch königliche Anordnung aufgelöst. Das Anwesen Malteserplatz 3, ein zwei- bis dreigeschossiger, unregelmäßiger Walmdachbau aus dem frühen 18. Jahrhundert dienste einst als Vorgymnasium.
                                             (Bild: J. H. Pirzer)

 

Jesuitenkolleg - Malteserplatz 2
(Bilder: Margret Pirzer)

Das Gebäude (längste Gebäude Ambergs) ist eine nach Norden dreigeschossige Vierflügelanlage mit Satteldächern, Ziergiebeln, geohrten Rahmungen zum Innenhof hin und einem Südflügel mit Erdgeschoss-Arkaden. Das ehemalige Gymnasium befand sich im Nordflügel. Nach Süden hin ist das "Malteser" ein dreigeschossiger Satteldachbau mit Fensterverdachungen, Pilasterportalen und einem Eckbau mit Zwerch- und Ziergiebeln - Erbaut wurde es 1665-69 von Georg Dientzenhofer, mit Ausstattung.

Nach Süden hin schließt sich ein dreigeschossiger Satteldachbau mit Fensterverdachungen, Pilasterportalen und einem Eckbau mit Zwerch- und Volutengiebel an (1674-78, mit Ausstattung). Die Hofmauer mit korbbogiger Einfahrt datiert um 1680/90 - auf dem Maltesergelände befinden sich Teilabschnitte der ehemaligen Stadtmauer.

Malteserhaus mit Georgs-Kirche im Hintergrund


(Bild: Margret Pirzer)

Amberg - Malteserplatz 1
 / Ecke Georgenstraße 67

Das große, dreigeschossige Walmdachbau mit Pilasterportal an der östlichen Seite des Malteserplatzes / Ecke Georgenstraße entstand 1723 als Lyzeum der Jesuiten. In diesem Gebäude war also Ambergs erste "höhere Schule" untergebracht. Nach 1773 war die Schule kurfürstliches Gymnasium. 1921 zog die Schule um in das neue Gebäude auf dem Kugelbühl, dem jetzigen Erasmus-Gymnasium. Der alte Bau am Malteserplatz diente nun als Sitz für verschiedene Behörden wie später das Bergamt. 

 

                      (Bild: Margret Pirzer)

Ehemalige Malteserbrauerei

Dem Jesuiten-Kollegium wurde 1693 ein Brauhaus angegliedert. Nach Auflösung des Jesuiten-Ordens ging diese Brauerei im Jahre 1782  auf die bayrische Provinz des Malteserordens über und wurde von da an als "Malteser Brauerei" bezeichnet und nahm unter den Maltesern einen großen Aufschwung. Später wurde auch der Malteserorden aufgehoben und 1811 gelangte die Malteserbrauerei in den Besitz des bayrischen Staates.

- Bild dt. Wikipedia - gemeinfrei -

  Malteser Komplex vom Garten aus

Die Malteser-Gaststätte in Amberg ist eine sehr alte Gaststätte und wurde über die Jahre hinweg immer wieder von unterschiedlichen Pächtern betrieben. Das Ambiente war in bayrischer Tradition gehalten und das Innere der Gaststätte mit seinen alten hohen Kreuzgängen erinnert stark an vergangene Zeiten, als die Klosterbrüder noch die Hausherren waren.
Zur Gaststätte gehört ein Biergarten. Der ehemalige Klostergarten dient heute für unterschiedliche kulturelle Veranstaltung wie z. Konzerte und dient auch als Domizil für den griechischen Verein "Hellas-Amberg e.V." während des Altstadtfestes im Sommer.
Seit einigen Jahren logiert hier ein mexikanisches Restaurant (Chilli's Mexican Restaurant)    - Bild: Margret Pirzer 

*

noch mal Georgenstraße:

Unser Spaziergang führt uns noch einmal in die ehemalige Hauptstraße - die Georgenstraße, die wir bis zur links befindlichen Langen Gasse folgen. Rechts und links der Georgenstraße sind manche schöne Bürgerhäuser zu sehen. 

Georgenstraße vom Malteserplatz aus gesehen in Richtung Marktplatz
mit Blick auf St. Martin
(Bild: Nefershapiland)

An der Ecke Georgenstraße/Roßmarkt befinden sich zwei historisch interessante Gebäude (Hausnummer 31 und 33).

          Amberg Georgenstraße 31
                - Commerzbank -

An der Ecke Georgenstraße 31  / Roßmarkt befindet sich heute die Commerzbank Amberg. In den 1920ziger Jahren befand sich dort das Ladengeschäft des Anton Kaindl, der mit Uhren, Goldwaren und fotografische Artikel handelte. 


        (Bild: Margret Pirzer

Besonders sehenswert ist hier das aus dem Jahre 1772 stammende, zweigeschossige und giebelständige Eckhaus Georgenstraße 33/Ecke Rossmarkt mit dem Mansardendach und Schweifgiebel, das sog. "Fenzl-Haus". Es besitzt eine wunderschöne verzierte Fassade mit Stuckgliederungen sowie drei Nischenfiguren in Sandstein, die wohl aus dem Jahre 1910 stammen

Der Regierungsadvokat Johann Kasper Wolf erwarb 1772 das Anwesen von dem kurfürstlichen Kämmerer Franz Gustav Freiherr von Gobel auf Hofgiebing und ließ es im Stile des Rokoko neu aufbauen. Seinen heutigen Namen verdankt das Haus dem Buchhändler Josef Fenzl, in dessen Besitz es 1908 kam. 

                            Das Frenzl-Haus - Ecke Georgenstraße 33 /  Rossmarkt
Das Eckhaus fällt besonders durch die Stuckdekoration des ausgehenden 18. Jahrhundersts ins Auge. Durch die Ecklage ergeben sich drei faszinierende Ansichten: Die Giebelseite zeigt neben der bewegten Kontur des Schweifgiebels die Jahreszahl der Erbauung 1772 inmitten der üppigen Ornamente. Der sehenswerte Ecker ist über das Eck gestellt und fasziniert durch die gerundeten Linien und die geschwungenen profilierten Gesimse. 


(Bild: Margret Pirzer)

 

 Das sog. "Frenzl-Haus" in der Georgenstraße 33

Besonders sehenswert sind die wunderschönen Fassaden und Giebel des Fenzl-Hauses 
sowie der interessante Erker.
(Foto: J. H. Pirzer)

 

Das Frenzlhaus - Ansicht vom Roßmarkt aus
Bild Margret Pirzer)

 

Nischenfiguren im Frenzl-Haus 
Auffallend ist hier die linke Figur des bekleideten Sebastian. Die ab 1900 herrschenden strengeren Ansichten führten wohl zu einer "Ummantelung" des ansonsten immer nackt dargestellten Sebastiam-Figur.
(Bilder: Margret Pirzer)

 

Amberg Georgenstraße - Richtung Malteserplatz
- Bild: Margret Pirzer -

Amberg Georgenstraße - Richtung Marktplatz
- Bild: Margret Pirzer -

 

           Georgenstraße Nr. 44

Das rechte Eckhaus Nr. 44 - ebenfalls in Richtung Malteser - mit einem Krüppelwalmdach besitzt einen über Eck gestellten gestellten Erker mit Renaissance-Maßwerk und scheint aus dem 16. Jahrhundert zu stammen. Die beiden entstellenden Schaufenster im Erdgeschoss geben in ihrer jetzigen Erscheinung den Zustand wieder, der 1960 durch die aufgezwungene Travertin-Verkleidung geschaffen wurde.

 

Bild: Margret Pirzer

 

            Amberg - Georgenstraße 46 

Eine städtebauliche Besonderheit ist an der Ecke Georgenstraße/Viehmarktgasse zu sehen. Das linke Haus Nr. 46 zeigt einen Schwarz-Weiß-Anstrich, etwa von 1700 und war zu diesem Zeitpunkt als "Jesuitenrichterhaus" bekannt. Der Bau wurde damals aufgestockt, was erkennbar ist aus dem Übergang vom 2. ins 3. Geschoss. Außerdem wurde der frontal stehende Erker erhöht, welcher der einzige spätgotische Bauteil ist. Der Original-Bau des Hauses geht wahrscheinlich auf das Mittelalter zurück.

                   (Bild:
Margret Pirzer)

 

Zwei Erker 
in der Georgenstraße/Ecke Viehmarktgasse


Eine städtebauliche Besonderheit stellen die beiden Erker links und rechts dar - spätgotisch und Renaissance - 


                    (Bild: Nefershapiland)

Das in das 17. Jahrhundert zu datierende Haus in der Georgenstraße 51 mit flachem Volutengiebel und einer fünfachsigen Fassade gibt nach der Restaurierung wieder ein wertvolles Beispiel einer Schwarz-Weiß-Fassung. Besonders ins Auge fällt dabei eine Konsole mit einer barocken "Maria-mit-dem-Kind-Holzplastik" unter einem Blechbaldachin und die schönen sternförmigen Türflügel der darunter gelegenen Portaleinfahrt. Zwei Kolossalpilaster begrenzen die reich reliefierte Fassade. Dieses Haus wurde 1762 von Georg Andreas von Rickhauer, einem kurfürstlichen Kriegskommissar, der als Eigentümer genannt wird, erworben und scheint schon damals in seiner jetzigen Fassadengestalt gestanden zu haben.

Stadtansicht Amberg Georgenstraße 
- in Höhe der Hausnummer 51 -
- Bild: Margret Pirzer -

 

Georgenstraße 51
Dreigeschossiger Giebelbau mit Durchfahrt
Bau aus dem 17. Jahrhundert mit Zierformen und Sterntor - umgestaltet 1919

(Bild: J. H. Pirzer)

Konsole mit einer barocken "Maria-mit-dem-Kind Holzplastik" unter einem Blechbaldachin 

 

(Bild: Margret Pirzer

 

                      - Georgenstraße 57 -
Waffen-Christl In der Georgenstraße 57 befindet sich in einem Wohn- und Geschäftshaus seit über 40 Jahren das Familienunternehmen "Waffen-Christl". Der zweigeschossige und giebelständige Halbwalmdachbau mit Putzgliederungen stammt aus dem 18. Jahrhundert.
              

 

(Bild: Margret Pirzer 2015

                                Georgenstraße 59
           - Südtiroler Weinstube / Pizzeria Sandro -
Gleich nebenan - in dem Wohn- und Geschäftshaus mit der Nr.  59 ist die Südtiroler Weinstube und die Pizzeria Sandro zu finden. Das Gebäude ist ein dreigeschossiger und abgewalmter Satteldachbau in Ecklage mit einem Schweifgiebel und einem schönen Runderker - das Erdgeschoss besitzt schöne Bogengliederungen - später Jugendstil, 1907. 


              (Bild: Margret Pirzer 2015)

 

Georgenstraße 61

Auf der linken Seite der Georgenstrasse in Richtung Malteser Platz befindet sich als nächstes Haus neben der Südtiroler Weinstube ein weißer, zweigeschossiger Walmdachbau mit profilierten Öffnungen, Putzgliederungen und einem seitlichen Einfahrtstor. 

Das ehemalige Stadthaus des "Landsassen von Gobel" stammt aus dem Jahre 1738.

Bild:      Georgenstrasse 61
Autor:   Allexkoch
Lizenz:  CC-BY-SA 4.0

 

Seminargasse:

Wir biegen nun von der Georgenstraße in die Lange Gasse ein und folgen dieser bis zur Kreuzung Seminargasse. In dieser kleinen Gasse steht mit der Hausnummer 8 das kleinste Haus Ambergs, das sog. "Eh`-Häusl"

Das schmale Eh(e)häusl (Nr. 8)
für unvermögende Amberger Heiratswillige des 18.u.19.Jahrunderts.

(Foto: J. H. Pirzer)

Kupferne Haustür am Eh(e)häusl in Amberg, welches die Geschichte des Häusl. erzählt.


(Foto: J. H. Pirzer)

Wer in früheren Zeiten in Amberg heiraten wollte, musste den Besitz eines Hauses vorweisen. Diese Verordnung stammte aus dem Jahr 1724. Man wollte damals damit reduzierend Einfluss nehmen auf die Geburt von Kindern armer Leute, die, wie man damals meinte, nur der Stadt Kosten verursachen würde. 

Das schmalbrüstige, fähnchenschwenkende 56m² Häuslein mit der Nummer 8 i ist das sogenannte Eh(e)häusl. Um auch unvermögenden Paaren eine Heirat zu ermöglichen, kaufte der Sage nach ein findiger Amberger Bürger in der Seminargasse einen 2,5 Meter breiten Hofraum zwischen zwei Anwesen, errichtete Vorder- und Rückmauern und setzte ein Dach drauf. Danach verkaufte er dieses Häuslein heiratswilligen, aber unvermögenden Paaren auf Zeit. Damit hatte er die formalen Vorschriften Genüge getan und so manch heiratswilligen Besitzern dieses Häuschen geholfen.... Bis 1868 soll es ausschließlich diesem Zweck gedient haben. 

Bei der Altstadtsanierung Ende der 70. Jahre des letzten Jahrhunderts  wurde eines der beiden Nebengebäude abgerissen und das Eh(e)häusl stürzte komplett ein. Später baute man es originalgetreu wieder auf und seitdem wird es als Hotel betrieben. In der ersten Hälfte des Jahres 2008 wurde das Eh(e)häusl für rund 200.000 Euro generalsaniert.

An der Haustür steht in Kupfer geschlagen folgender Spruch:

" Wollte man ein Mägdlein frein, musst man Hausbesitzer sein. Drum erwarb man dieses Haus, hernach flog man wieder raus"

In dem oberen Teil des Kupferbildes sieht man wie der hartherzige Magistrat der Stadt mit dem Rathaus im Hintergrund die Ehebewilligung mangels Hausbesitzes verweigert. Im unteren Teil sieht man die Freude der jungen Leute, denn der Haustürschlüssel symbolisiert für 7 Gulden den Hausbesitz in der hinteren Viehmarktgasse. Nun durften sie als Ehepaar glücklich werden. Nach der Hochzeit wird das kleine Haus weiterverscherbelt an andere heiratswillige Kandidaten. So erhielt dieses Häuslein den Namen "Eh'-Häusle".

Heute wird es als kleinstes Hotel Europas genutzt, welches auf Frischvermählte ebenso wartet, wie auf Ehejubilare. Eine Übernachtung im winzigen Hotel kostet für zwei Personen ca. 200 Euro, inklusive Frühstück und Tiefgaragen-Platz.

In der Seminargasse 14 befindet sich ein ehemaliges Jesuitenseminar - ein dreigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit Kniestock und stichbogiger Toreinfahrt, das anno 1670 von den Jesuiten ursprünglich als Ausbildungsstätte für Jesuiten-Priester erbaut wurde und während der Jahre 1772-1803 als Theater diente. Nach einem Brand im Jahre 1878 wurde das Gebäude wiederhergestellt. (Quelle: Liste der Baudenkmäler in Amberg)

Viehmarkt:

Wenige Schritte weiter in Richtung Stadtmitte kommen wir zum Viehmarkt mit dem Schweinchenbrunnen.des Amberger Künstlers Manfred Raumberger. Diese von den Besuchern oft gestreichelte "Schweinchen-Skulptur" erinnert an den hier früher abgehaltenen Viehmarkt, wo einmal Rinder und Schafe gehandelt wurden. Amberg lag auf der Route der "Böhmischen Saustraße", wo man im späten Mittelalter Schweine von Böhmen bis zur Schlachtung in der großen fränkischen Metropole Nürnberg trieb.

Viehmarkt 4 - ehemaliges Metzgeranwesen
- gesehen vom Schrannenplatz aus -

Das zweigeschossige und giebelständige Haus mit einem Satteldach und Putzgliederungen am Viehmarkt 4 - ein ehem. Metzgeranwesen - stammt aus dem 18. Jahrhundert (im Kern wohl aus dem 16. Jh.) mit einer seitlichen Altane und Gusseisengittern sowie einer östlichen Erweiterung, die aus dem 19. Jh.

Datei:   Viehmarkt 4 Amberg
User:     Hermann Luyken -
Lizenz:   CC BY-SA 3.0

Das zweigeschossige Nebengebäude mit traufständigem Satteldach und einem Fachwerkgiebel stammt aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und besitzt eine Aufzugsgaube sowie einen zweigeschossigen Ladenvorbau mit stichbogigen Öffnungen (wohl 2. Hälfte des 19. Jh.)

Rechts vom historischen Viehmarkt beginnt die Viehmarktgasse. In der Viehmarktgasse 8 - gleich gegenüber dem "Schweinchenbrunnen" befindet sich ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit hofseitiger Altane (im Kern 16./17. Jahrhundert mit der Datierung 1576) - das ehemalige Wirtshaus "Zum Schwarzen Bären". Heute logiert hier die Gaststätte "Wild Vaitl". Im Rückgebäude befinden sich Reststücke der ersten Stadtmauer aus dem 12. Jh. (Quelle: Bayr. Denkmal-Liste für Amberg).

Schrannenplatz:

Unser Spaziergang durch die Altstadt Ambergs führt uns aber nicht in die Viehmarktgasse, sondern wir setzen unseren Weg fort zu einem anderen weitläufigen, historischen Platz - den Schrannenplatz, der gleich links um die Ecke vom Viehmarkt liegt. Dieser Platz wird dominiert von einer heute zum Stadt-Theater umgebauten Kirche.

Amberg - Schrannenplatz

Der "Schrannenplatz" verdankt seinen Namen dem örtlichen Getreidehandel (Getreide-Schranne/Markt) Hier wurden während der Zeit von 1817-1913 sehr einträgliche Geschäfte gemacht. Die Bezeichnung Schrannenplatz für den großen Platz stammt aus dem 19. Jahrhundert - vorher hieß er "Klosterplan" - (Plan = Wiese), weil er im Osten vom Kloster der Salesianerinnen und im Norden vom großen Klosterbau der Franziskaner begrenzt wurde. Der Schrannenplatz ist einer der kaum veränderten alten Plätze Ambergs - abgesehen vom Gewerkschaftshaus, dessen Bau einst als "Krone" der Bausanierung gefeiert wurde und fast zum Maßstab für die weitere Stadterneuerung geworden wäre. 
                                                 - Bild:
Margret Pirzer

 

                                 Amberg - heutige Stadttheater
An der Nordseite des Schrannenplatzes befindet sich die heute zum Stadt-Theater umgebaute Kirche des einstigen Franziskanerklosters. Der St. Bernhard-Konvent war jahrhundertlang ein wichtiger Bestandteil im Amberger Kulturleben. Das Franziskanerkloster bedeckte den Platz bis hin zur alten Vils und entstand 1452. Der Grundstein wurde am, 11. April 1455 gelegt und schon 1480 war die Kirche fertig. Das Gotteshaus wurde St. Bernadino von Siena geweiht. Das Gebäude hatte eine welsche Kuppel. 

Unmittelbar nach der Säkularisation 1803 wandelte man die Kirche des Franziskanerklosters in ein Theater um. Teile der klösterlichen Einrichtung wurden in der ganzen Oberpfalz verteilt. Eine fehlende Brandmauer beendigte 1953 den Theaterbetrieb bis man in den 1970ziger Jahren den Theaterraum um 180 Grad drehte und zwischen 1975 bis 1978 eines der schönsten Klein-Theater in ganz Deutschland schuf. -
                                                (siehe   Amberger Kirchen)
                                                       - Bild: Margret Pirzer -

 

                                 Scharlhaus - im Westen des Schrannenplatz
Im Westen des Platzes überlebten 2 Gebäude die Stadtsanierung. Das ehemalige Beamten-Haus mit der Nr. 6 - ein zweigeschossiger Walmdachbau mit Putzgliederungen, Aufzugsgaube und einem Tor mit Pilasterrahmung - war im 17. Jahrhundert mal eine Bäckerei, später dann beherbergte es Regierungsbeamte. 1762 wohnte darin ein Graf Anselm von Morawitzky, und im 19. Jh. wurde hier Bier ausgeschenkt - später ein Pizzaservice Imbiss u. a.
 Rechts daneben - getrennt durch eine kleine Gasse - das sog. "Duprellsche Haus".
                                          (Bild: Margret Pirzer)

 

                          Amberg - Schrannenplatz / Scharlhaus und Duprellsche Haus
Rechts neben dem Scharlhaus  - getrennt durch die Gasse "Paradiesplatz" befindet sich das sog. "Duprellsche Haus", mit der Hausnummer 7, das vor gut 200 Jahren sogar eine Hauskapelle besaß
                                                            (Bild:
Margret Pirzer 20154)

 

                                                  Das Duprellsche Haus
Der dreigeschossige Walmdachbau mit geohrten Rahmungen, einem Säulenportal und Erkervorbau im Hof (umgebaut im Jahre 1790) ist ein ehemaliges, von meist städtischen oder kurfürstlichen Beamten bewohntes Anwesen. 1732 wurde es vom Regierungsrat Orban und 1823 von Baron Grießenbeck bewohnt.
                                           - Bild:
Margret Pirzer 2015 -

Zu den bemerkenswertesten Häusern am Schrannenplatz/Ecke Weinstraße - gegenüber dem Stadt-Theater - gehört das Haus der Buchhandlung Carl Mayr, ein Familienbetrieb seit 1876. Aber schon seit 1780 wird das Mayr-Haus geschäftlich genutzt. Die erste Buchhandlung der Oberpfalz gründete 1795 Simon Wissinger, der nebenbei eine Leihbücherei führte und seit 1848 auch eine Buchdruckerei. Das sog. Mayr-Haus wurde 1872 von Carl Mayr erworben und befindet sich seit dieser Zeit im Familienbesitz.

Das Carl Mayr-Haus - Ansicht vom Schrannenplatz aus
Bild: Margret Pirzer

 

Das Carl-Mayr-Haus um 1933/34
(Bild: 
Amberg die alte Stadt 1934/35

Verl. Bayr. Ostmark GmbH. Bayreuth)

Buchhandlung Carl-Mayr heute

(Bild: Nefershapiland)

 

Amberg - Schrannenplatz - Blick auf Carl-Mayerhaus

- Foto:
Margret Pirzer 2015 -

 

Amberg - Schrannenplatz

An der Ecke Schrannenplatz/Weinstraße befindet sich die Alte Post - heute logiert hier im Erdgeschoss der Friseur Schaller.

- Bild: Margret Pirzer 2015 -

 

Amberg Schrannenplatz
- Blick auf Johanna-Decker-Schule -

Die Ostseite des Schrannenplatzes wird von der Schulkirche - deren Eingang aber nicht an der dem weiten Schrannenplatz zugewandten Westseite liegt, sondern an der Südseite der Kirche, an der eine kleine Gasse (Deutsche Schulgasse) vorbeiführt - und dem Institut der "Armen Schulschwestern" eingenommen, das für die Salesianerinnen geschaffen wurde. Etwas verdeckt im Hintergrund mit dem gelben Anstrich die Schulkirche.

- Bild: Margret Pirzer 2015 -

 

                                           Dr. Johanna Decker-Schulen in der Deutsche Schulgasse 2
Privates und staatlich anerkanntes Gymnasium und Realschule im Amberg. Gegründet wurde die Schule 1839 von den "Armen Schulschwestern von unserer lieben Frau" im ehemaligen Kloster Sankt Augustin der Salesianerinnen. Dabei handelte es sich um die erste Mädchenschule in der Oberpfalz. Auch heute sind beide Schulen noch reine Mädchenschulen und werden von knapp 1.300 Schülerinnen besucht.

Die Schule trägt heute den Namen ihrer ehemaligen Schülerin Johanna Decker (1918 - 1977), welche in Rhodesien (heute Simbabwe) als Missionsärztin tätig war und am 9. Aug. 1977 bei einem Überfall von schwer bewaffneten Terroristen getötet. Die Tat selbst konnte nie aufgeklärt werden, und die Täter wurden nie gefasst. Johanna Decker  wurde auf dem Friedhof von Bulawayo begraben. 

Eine weitere berühmte Schülerin der Johanna Decker-Schulen war Mildred Scheel (1932 - 1985), Ärztin und Gründerin der Deutschen Krebshilfe (1932–1985), Ärztin, Gründerin der Deutschen Krebshilfe und bekannt geworden als Frau des Bundespräsidenten der Bundesrepublik a. D., Walter Scheel. In Amberg machte sie 1950 ihr Abitur.

Bilder: Margret Pirzer

*

Weinstraße und Vilsstraße

Unser Weg führt uns nun vorbei an der Carl-Mayr-Buchhandlung bis zur Weinstraße. Hier befindet sich auf der rechten Seite die Volks- und Raiffeisenbank Amberg. An der Ecke Dt. Schulstrasse, Schrannenplatz und Weinstraße befindet sich in der Weinstrasse 4 ein sehr schönes ehemaliges Bürgerhaus, das vor einiger Zeit grundsaniert wurde. Evtl. gehörte dieser Komplex früher zum Konvent St. Bernhard, später logierte hier die Amberger Post und heute wird dieses Gebäude als Wohn- und Geschäftshaus ausgewiesen. Heute ist hier der Amberger Frisör Schaller zu finden.

Amberg Schrannenplatz
- Alte Post -

- Bild: Margret Pirzer 2015 -

 

Amberg - Weinstraße
im Hintergrund das Carl-Mayr-Haus und das Stadttheater am Schrannenplatz 
(Bild: Margret Pirzer)

 

Vilsstrasse:

Wir kehren jetzt zurück zum Schrannenplatz und biegen hinter dem Stadttheater in die Vilsstraße ein und folgen dieser bis zum Vilstor, dessen Torturm noch aus der Gotik stammt. In der Vilsstraße 1 - einem zweigeschossigen und traufständigem Satteldachbau mit Walm und Kniestock, das aus dem 18. Jahrhundert stammt (später erfolgten Veränderungen) - befindet sich heute die Vilstor-Apotheke. Gleich daneben befindet sich ein vorbildlich saniertes zweigeschossiges und traufständiger Satteldachbau mit stichbogiger Toreinfahrt aus dem 17. Jahrhundert. In der ehemaligen Melberei (Mehlhändler) logierte später viele Jahrzehnte lang die Traditionsmetzgerei Fried. Noch im Jahre 2002 war das ehemalige Geschäftshaus sehr heruntergekommen und teilweise einsturzgefährdet. Nach der Sanierung im Jahre 2006 ist das Gebäude mit dem markanten Aufzugserker dank der Städtebauförderung ein wunderschönes Altstadthaus geworden.

     Amberger Traditions-Apotheke in der Vilsstraße 1
- ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau mit Walm und Kniestock aus dem 18. Jahrhundert mit späteren Veränderungen -

          Vilsstraße 3 - Haus mit Aufzugserker
Ehemalige Melberei mit stichbogiger Toreinfahrt aus dem 17. Jahrhundert.

             Bild:  Margret Pirzer 2015                          Bild: J. H. Pirzer 

 

Vilstorstraße mit Blick auf das Vilstor
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Die Vilsstrasse beginnt am Schrannenplatz und endet am Vilstor -
- Bild: Margret Pirzer 2015 -

 

Vilsstraße 7
- ehemaliges Beamtenwohnhaus -

Auffällig ist in der Vilsstraße - Richtung Vilstor - ein ehemaliges Beamtenwohnhaus mit schönen Putzgliederungen über den Fenstern. Der zweigeschossige und giebelständige Satteldachbau mit Halbwalm (aus dem 18. Jahrhundert) ist von dem Nachbargebäude Nr. 5 (einer ehemaligen Hufschmiede aus dem 19. Jahrhundert) durch einen gewölbten Durchgang, der zu einem rückwärtigen Anbau führt getrennt.

Das Rückgebäude stammt aus dem 16/17. Jahrhundert.

                  (Bild: Margret Pirzer 2015)

 

                              Brauerei Bruckmüller in der Vilsstraße
Die Brauerei Bruckmüller ist aus der ehemaligen Franziskaner Brauerei "Prewhaus der Parfusser" hervorgegangen und steht seit 500 Jahren an ein und derselben Stelle. Gegründet wurde die Braustätte der Franziskaner 1490. Der Melber Thomas Bruckmüller und seine Ehefrau Magdalena erwarben den ehemaligen Klosterbesitz für 25.051 Gulden vom bayrischen Staat und legten besonderen Wert auf das Bräugerät. Aus dem Klosterbräustüberl wurde nun die Taverne "Zum bayrischen König". Der ehemalige Kreuzgang, der sich im Innenhof des Klostergebäudes befindet, umrundet auch heute noch den Biergarten und auch die Sudanlage steht noch innerhalb der alten Klostermauern.

Zwar schrieb man offiziell "Franziskanerbräu - doch unter der Hand hatte sich der Name "Bruckmüllerbrauerei" durchgesetzt. Inzwischen befindet sich das Brauwesen der Bruckmüllerbrauerei in der 7. Familiengeneration. Gebraut wird in der Brauerei neben dem klassischen Biersorten auch ein dunkles Bier, welches unter dem Namen "Knappentrunk" bekannt ist, welches zu den Amberger Bierspezialitäten zählt.

                                    (Bild: Margret Pirzer)

Vilsstraße in Richtung Schrannenplatz


(Bild: Nefershapiland)
















 

Paradiesgasse und Jesuitenpfad:

Auf der linken Seite vor der Vilstor-Apotheke öffnet sich die Paradiesgasse, der wir nun bis zur Stadtmauer folgen. Diese Gasse hat mit dem geheimnisumwitterten, sehr gepflegten und mit zumeist unbekannten Gewächsen versehenen Gärten der Jesuiten zu tun, einem "Paradies". Der moderne Brunnen findet heute nur noch die Beachtung der verwilderten Tauben.

In dieser schönen Gasse befinden sich einige schöne denkmalgeschützte Bauten. Gleich mit der Nummer 1 treffen wir auf einen zweigeschossiges und traufständigen Satteldachbau mit geohrten Rahmungen und einem Kapellenerker im Hof, das aus dem späten 18. Jahrhundert datiert. Das Haus mit der Nr. 6 (wohl ursprünglich ein Jesuitenhaus mit Figurennische) ist ein ehemaliges Metzgeranwesen aus dem Jahre 1620 mit einem zweigeschossigen und giebelständigem Steildach mit profilierten Öffnungen, Fassadenstuck und einer Hofmauer mit einem stichbogigen Tor (Rückgebäude aus Bruchsteinmauerwerk mit Satteldach - wohl auch von 1620).

Auch das Anwesen mit der Nr. 10 - ein zweigeschossiger und traufständiger Steildachbau mit profiliertem Gesims, ist ein ehemaliges Metzgeranwesen, das im 18. Jh zu einem Bürgerhaus umgebaut wurde. Aus dem 18. Jahrhundert stammt das Haus Paradiesgasse 13 - ein ehemaliges Maurermeisteranwesen, ein zweigeschossiger und traufständiger Satteldachbau.

 

(Quelle: Bayrisches Landesamt - Denkmalliste)

Amberg - Paradiesgasse 6 
 - ehemaliges Jesuitenhaus v. 1620 -
und späteres Maureranwesen

- Bild: Margret Pirzer -

Amberg Paradiesgasse
- Blick Richtung Stadtmauer -


- Bild: Margret Pirzer -


Das einstige "Seel-Haus" an der Ecke Paradiesgasse/Lange Gasse 34 steht unter Denkmalschutz und blieb von der Stadtsanierung zwischen 1975 und 1985 ausgenommen. Damals brach man auf einer 1,65 Hektar großen Fläche 34 Wohnhäuser ab. Auch eine Malzfabrik und ein Bauernhof verschwanden und machten 133 Wohn- und 14 Geschäftseinheiten Platz (Quelle: Amberg - Ein Stadtspaziergang/Hans Hummel 2003)

Paradiesplatz mit "modernem" Brunnen
- Bild Margret Pirzer -

 

       Amberg - Paradiesgasse/Ecke Lange Gasse

Blick vom ehemaligen "Seelhaus" (rechts in Ecklage/Eingang Lange Gasse 34) mit den Sandsteinquadern an den Ecken und der Jahreszahl 1933 durch die Paradiesgasse auf das ehemalige Lager der alten  Drogerie Krug - am Ende der Straße - das schmale, spitze Haus mit der Nr. 10 in der Bildmitte ist ein ehemaliges Metzgeranwesen, dass im 18. Jh. zu einem Wohnhaus umgebaut wurde -


                        (Bild: Margret Pirzer)

 

          Amberg - Blick auf einstiges "Seelhaus"
Um Jahrhunderte zurückgesetzt fühlt man sich bei diesem Blick durch die Amberger Stadtmauer, wo sich die Jesuitenfahrt bei der Einmündung der Paradiesgasse in die Lange Gasse platzartig erweitert.

Das weiße, hochgiebelige Eckhaus in der Mitte des Bildes war einst das "Seelhaus" und wurde 1532/35 erbaut. Hier konnten - nach der alten Seelhausstiftung - alte Frauen umsonst wohnen - mussten aber als Gegenleistung Krankenpflegedienste übernehmen. Sie wurden beim einstigen Stand der Medizin meist nur zu "Seelnonnen" welche die Kranken "auszuwarten" hatten, und folglich zu Leichenfrauen, die sich um die Toten bis zur Beerdigung kümmern mussten. 
                                 - Bild: Margret Pirzer -

*

Wir folgen der in ihrer mittelalterlichen Ursprünglichkeit fast noch erhaltenen Stadtmauer entlang der Jesuitenpfad in Richtung Vilstor und der Mühlgasse. An der Ecke Vilsstraße und Jesuitenfahrt befindet sich die ehemalige Alte Amberger Schmiede. Der zweigeschossige und traufständige Satteldachbau mit einem Fachwerkgiebel und Pferdeunterstand stammt aus dem 17./18. Jahrhundert wurde seit 2010 mit viel Liebe zum Detail in den  letzten Jahren restauriert. Zuletzt waren dort ein Asia-Laden und eine Fahrschule untergebracht, die dort nach der Restaurierung wieder eingezogen sind. Während der Restaurierungsarbeiten wurden auch einige für Amberg typische Decken-Balkenbohlen - wie sie aus dem Amberger Rathaussaal bekannt sind - entdeckt

Alte Schmiede - heute eine Fahrschule
(Bild: Margret Pirzer)

die Alte Amberger Schmiede in der Vilsstr. 13
(Bild: Margret Pirzer)

*

Am Ende der Paradiesgasse - wo diese Gasse und die Lange Gasse sich platzartig in die Jesuitenfahrt einmünden - stehen wir vor der Stadtmauer, wo zwei massige Wachtürme die Mauer überragen. Hier wurde die einstige Stadtbefestigung vorbildlich restauriert.

Gedeckter Wehrgang am Vilstor
Von der langen Gasse aus Richtung Stadtmauer
in den Jesuitenfahrt, wo ein Teil der Stadtbefestigung vorbildlich restauriert wurde.
(Bilder: Margret Pirzer)

 

Mauerturm und Wehrgang westlich vom Vilstor
Der Mauerturm trägt die Jahreszahl 1587 (?) 
- Die Straße heißt heute Jesuitenpfad, im 18. Jahrhundert hieß sie Stadtmauergasse -

Aquarell - Deckfarbe - Kohlestift
Sign: Adolf Kunst, Anfang 20. Jahrhundert
heute im Stadtmuseum Amberg

                (Bild: Nefershapiland)

Ein Teil der alten Stadtmauer am Vilstor
(stadtseitig)




(Foto: J. H. Pirzer)

Ehemalige Stadtmauergasse und Vilsbrücke 
- rechts das Vilstor (Blick von Osten nach Westen) -

Das Gemälde (um 1900) aus dem Amberger Stadtmuseum gibt die Situation vor der Vilsverlegung 1934-37 wieder.

(Foto: Margret Pirzer)

Eindrucksvoll ist der weitere Weg entlang der Stadtmauer am Jesuitenpfad bis zum Vilstor. Ursprünglich bestand dieses aus dem hohen, gotischen Turm, den der pfälzische Wappenlöwe schmückt. Erst 1574 verstärkte man den Zugang der Stadt durch den Waffenhof. Am äußeren Tor sind noch die Rollen für die Zugbrücke zu sehen. Die typische Rustikalverblendung  des 16. Jahrhunderts findet hier ebenso wie am Ziegeltor Verwendung.

Grünanlagen vor der Stadt
 
- Maxplatz und Englischer Garten und Kräuterwiesen -

Unser Spaziergang führt uns durch  das Vilstor - vorbei an dem kleinsten Cafe der Welt - zu einer Grünanlage vor den Toren der Stadt. Seit 1825 blickt König Maximilian I. Joseph von dort hinweg. Vor diesem Tor - und zu Füßen König Maximilian I. Joseph - der von zwei grimmig blickenden Löwen, die ihn bewachen - beenden wir unseren Stadtspaziergang.

                          Maximilian-Park - Grünanlage vor den Toren der Stadt
Links vor dem Vilstor befindet sich eine große baumbestandene Grünanlage, der Maxplatz, der früher Teil der großen Torbefestigung des 18. Jahrhunderts war. Um das Jahr 1790 ist auch er, wie alle Außenbefestigungen, eingeebnet und abgerüstet. Seitdem dient er als Erholungs- und Freizeiteinrichtung. 

                                                       (Bild: Margret Pirzer)

 

Das Max-Denkmal steht mitten in der großen Torbefestigung des 18. Jahrhunderts. Die Enthüllung erfolgte am 27. Mai 1827. Die beiden Löwen-Wächterstatuen  aus Sulzbach wohnten diesem Ereignis auch bei.
                                             - Bild: Margret Pirzere -

 

Zu den Grünflächen in Amberg gehört auch der Maximilian-Park. Vor dem Denkmal Maximilians befindet sich ein kleiner Springbrunnen, der im Sommer bei den Kleinen für Abkühlung sorgt.
                                                   (Bild Nefershapiland)

In dem Park befindet sich ein 1825 errichtetes Denkmal des bayrischen Kurfürsten Maximilian I. , der ab 1. Jan. 1806 König wurde und ab da Max I. Joseph hieß. Das Denkmal rühmt ihn als Urheber der bayrischen Verfassung von 1818.  Allerdings ist nicht bekannt, dass sich Max I. besondere Verdienste um die Stadt Amberg gemacht hätte, ganz im Gegenteil, da unter seiner Herrschaft, die Regierung der Oberpfalz nach Regensburg verlegt wurde, hätten die Amberger eigentlich keinen Grund gehabt, die Kosten für dieses Denkmal, das zum Gedächtnis des silbernen Regierungsjubiläums geschaffen wurde, zu tragen.

Der Kopf von "König Max" thront frisch renoviert für die "Ewigkeit" wieder auf seinem Sockel im "Maximilian-Park.
(Foto: J. H. Pirzer)

Als Maximilian IV. war er zunächst Herzog von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein und Kurfürst der Heiligen Römischen Nation und später dann König des Königreiches Bayern. Seine Untertanen nannten ihn "König Max". 

Zu den Grünflächen in Amberg gehört auch der Maximilian-Park
- Der vor kurzem restaurierte Kopf des bayr. Kurfürsten Maximilian IV.
neigt hier schon seit 1827 seinen Kopf in Richtung Volk.
(Bilder: Nefershapiland)

Bei der Grundsteinlegung des Denkmals am 16. Febr. 1824 pflanzten die Amberger zwei Eichen, die nach dem Herrscherpaar "Caroline und Maximilian" genannt wurden. Die Stadt Amberg kaufte 1821 vom Sulzbacher Ökonom Andreas Ehrensperger  für 20 Gulden zwei steinerne Löwen ab, die das Denkmal symbolisch bewachen sollten.

Zwei steinerne Löwen bewachen symbolisch das Denkmal
(Foto:
Nefershapiland)

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Gegenüber dem Maximilian-Park - auf der anderen Straßenseite der Mühlgasse - befindet sich der Englische Garten, der heute ohne Zweifel als ein Paradebeispiel der Amberger Stadtgärtnerei gelten darf - früher aber ein weiteres Bollwerk der Amberger Stadtbefestigung mit mehreren Wehrabschnitten war. Für die Auffüllung der tiefen Geländeabschnitte mussten hier große Erdmassen herangeschafft werden. 

                                         Der Englische Garten in Amberg  

Die Blumenpracht der Gartenanlage hat schon manch einen Preis für ihre Gestaltung als schönste Gartenanlage Ambergs gewonnen. Die schöne Parkanlage mit ihrem Musikpavillon dient im übrigen auch jedes Jahr während des Amberger Altstadtfestes als Lokalität für lauschige Musiknächte, wobei auch das Restaurant & Eiscafè Rossini als Veranstalter fungiert.
                                            (Bilder: Margret Pirzer 2015)

Jenseits der Ringstraße (Pfalzgrafenring) befindet sich links und rechts des Flusses Vils die sog. "Kräuterwiese", die früher als Ackerfläche diente und heute ebenso wie der Englische Garten mit ihren Spielplätzen und Ruhebänken heute von der Bevölkerung für Erholung und langen Spaziergängen genutzt werden. Am Beginn der Kräuterwiese - an der Sulzbacher Straße - befindet sich heute auch ein großes Parkdeck.

Die Amberger "Kräuterwiesen"
 - am linken Ufer der Vils - stadtauswärts
- Bild: Margret Pirzer - 

 

Spazierweg entlang der Vils an den Kräuterwiesen

- Bild: Margret Pirzer -

die Sulzbacher Straße stadtauswärts
- auf der rechten Seite befinden sich die Kräuterwiesen -
- Bild: Margret Pirzer -

 

Amberger Kirchen:



siehe Amberger Kirchen

Amberger Brücken:

die neue Krambrücke von 1987
- Von 1564 bis 1920 versperrten 
acht Kramläden die Sicht auf die Vils -
(Bild:
J. H. Pirzer) 

Martinssteg oder Schulsteg am Rußwurmhaus
- eine der vielen Vilsbrücken -

- Bild: J. H. Pirzer - 

 

                             Schiffsbrücke 
Unter dieser Brücke konnten einst die Amberger Salzschiffe bequem durchfahren.
                             (Bild: J. H. Pirzer)
                            Lederersteg


                    (Bild: Nefershapiland)

 

Die Stadttore 

 

Wingershofer Tor:

Das Wingershofer Tor ist das jüngste unter den vier Amberger Stadttoren und wurde 1579/80 errichtet. Das Tor wrude nach einem landesherrlichen Gutshof, der einst vor den Mauern der Stadt lag, längst aber in ihrer Bebauung aufgegangen ist. An seiner Stelle steht heute die Justizvollzugsanstalt. Durch das Tor führen zwei Straßen, die eine kam von Parsberg über Hohenburg, die andere von Schmidmühlen her. 

                                                                               Das Wingershofer Tor
                               Der Bau aus dem Jahre 1580  ist das kleinste der 4 noch erhaltenen Stadttore 
                                                                                 (Foto: Nefershapiland)

Über dem Portal befindet sich das Wappen der Stadt Amberg im Lorbeerkranz nut den Baudatum des Tores: 1579. Am Turm hat Ludwig VI. als landesherrliches Hoheitszeichen eine Steintafel mit dem kurpfälzischen Wappen anbringen lassen. Es zeigt den Pfälzer Löwen, die bayrischen Raupen, welche die Verwandtschaft mit den Wittelsbachern zum Ausdruck bringen, und den Reichsapfel. Über den drei Wappenschildern der obligatorische Helm mit dem Pfälzer Löwen als Helmzier. Die Buchstaben L. C. P auf dem Rahmen des Reliefsstehen für "Ludovicus Comes Palatinus (=Pfalzgraf Ludwig). 

Bilder: Margret Pirzer

Die Tordurchfahrt besitzt ein Kreuzgewölbe mit einem Tellerstein in der Mitte, der eine Rosette zeigt. Die beiden seitlichen Wandöffnungen sind erst späteren Datums. In der Laibung haben sich noch die Angeln für das schwere, zweiflügelige Tor erhalten.

Reste der Stadtmauer mit Wehrgang seitlich des Wingershofertor
(Foto: J. H. und M. Pirzer)

Das über die Stadtmauer vorgeschobene Tor besteht aus einem gedrungenen, viergeschossigen Turm von 17,5 m Höhe mit zwei kurzen , niedrigeren Seitenflügeln. Diese sind an ihrem Ende höhengleich durch Quermauern mit der dahinter liegenden Stadtmauer verbunden und bilden einen Waffenhof, eine sog. Barbakane, der eine mittlere Tiefe von rund 
11,50 m besitzt. Um den Torbau, dessen Mauerstärke im Untergeschoss 1,50 m beträgt, ein repräsentatives und zugleich wehrhaftes Aussehen zu verleihen, hat man seine Fassade mit Rustikaquadern aus Rhätsandstein verblendet. Sie verzahnen Turm und Seitenflügel optisch miteinander, so dass der Baukörper eine geschlossene Front zeigt.

Die Schießöffnungen mit ihren aus der Wand hervortretenden, nach außen gerundeten Einfassungen sind bis zur Höhe der Seitenflügel als querrechteckige Maulscharten ausgebildet. In den beiden oberen Turmgeschossen haben sie hingegen eine quadratische Form.

Waffenhof des Tores mit Wehrgang
- Zugang zum Kolpinghaus -
(Foto: J. H. Pirzer)

Waffenhof des Tores 
- mit Ausgang zum Wingershoferplatz   -
 (Bild: J. H. Pirzer)

Der gedeckte Wehrgang im Waffenhof, dessen hölzerne Tragekonstruktion wie beim Vils und beim Ziegeltor auf einen wulstartigen Gesims ruht, stößt auf beiden Seiten an den Turm. Seine Schwellbalken (Balken, die auf der Mauer aufliegen und in welche die Ständer gezapft sind) zierte ein Klötzchenfries, das auf der Westseite noch original erhalten ist. Das kleine, rundbogige Portal in der östlichen Seitenmauer des Waffenhofs führte einst in den Zwinger, in dem heute eine Toilettenanlage untergebracht ist; sein Gegenüber auf der Westseite hat man später vergrößert.

 

                       Das Mauertor
Die Toröffnung in der Stadtmauer besitzt ein gotisches Portal aus Doggersandstein mit einem profilierten Spitzbogen, während die Widerlager nur eine breite Fase zeigen. Die vier Maulscharten über dem Tor sind eine Zutat neuerer Zeit und entstanden offenbar erst 1894, wie die Jahreszahl auf der Wehrgangsseite ausweist. Zur Stadt hin sind in der Laibung des Mauertors noch Reste der ehemaligen Sperreinrichtungen zu erkennen, so rechts oben eine steinerne Pfanne für den im Zapfen laufenden Torflügel und links in ca. 1,20 m Höhe eine Hälfte des Laufkanals für den schweren Balkenriegel. Die andere Hälfte auf der gegenüberliegenden Seite ist heute vermauert.
                      (Bild: J. H. Pirzer)

Die Amberger waren gezwungen ein neues Wingershofer Tor zu bauen, da Kurfürst Friedrich I. das alte Tor - wie weiter oben bei der Schlossbeschreibung schon ausgeführt - das alte Tor mit dem rechteckigen Turm für seine Schlossbefestigung beschlagnahmte um diese in die Befestigung seines innerhalb der Mauern gelegenen Schlosses mit einbezog.

Zu diesem Zweck brachen die Amberger 40 m westlich eine einfache Toröffnung in die Stadtmauer. Dies geschah vermutlich bei einem Turm, der gemäß den mittelalterlichen Befestigungsregeln die Schwachstelle decken sollte. Zwei Gründe sprechen für einen solchen:

  1. Der Abstand zum alten Wingershofer Tor beträgt mit 40 m dem der übrigen Mauertürme (Dieser ergab sich aus der Wirkungsweite einer Armbrust).

  2. Zum anderen befand sich hier vor dem Bau des heutigen Tores in der Stadtmauer ein Höhenversatz von fast 2 m, der üblicherweise im Bereich eines Turms liegt.

Bis zum Jahr 1578 begnügte man sich mit diesem Provisorium, dann erst setzte man vor das Mauertor einen Waffenhof mit einem Frontturm, ein Bau, der die Züge der Renaissance trägt. Wie alte Abbildungen zeigen, besaß der Turm früher einen Dachreiter mit einer Laterne, dessen Gebälk zum Teil noch im bestehenden Dachstuhl steckt. 

Die Maßnahme fällt wie auch die Errichtung des Waffenhofs beim Vilstor in die Zeit von Kurfürst Ludwig VI. (1176-1583), unter dem die Amberger Stadtbefestigung modernisiert und verstärkt worden ist.

Wingershofer Tor
- Ansicht Stadtinnere -
(Bild: Nefershapiland)

Früher diente der Platz vor dem Wingershofer Tor als Bauplatz für die Vilsschiffe und auch als Dultplatz. Der Graben vor dem Tor wurde 1864 mit Sand aufgefüllt und 1867 ebenfalls das Grabenstück zwischen Tor und Schlossteich. Erst 1880 folgte der Bereich zwischen Malteserplatz und Wingershofer Tor und als letztes legte man 1897 dort ebenfalls die Stadtmauer nieder.

(Textquelle: Mathias Conrad /Heimatkundlicher Kreis Amberg/Sulzbach im Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg in "Amberg informiert" Herausgeber Amberger Fremdenverkehrsverein e. V. 2001-2003)

Ziegeltor:

Das aus dem Stadtgraben über 30 m hoch aufragende Ziegeltor vermittelt einen Eindruck von der einstigen Wehrhaftigkeit der Amberger Stadttore, denn anders als beim Vilstor und beim Wingershofer Tor ist hier der Graben nicht der späteren Verkehrsplanung zum Opfer gefallen. Seinen Namen hat das Tor von der städtischen Ziegelhütte, die einst jenseits der heutigen Bahnlinie lag.

Der gotische Tor-Turm des Ziegeltores
(Foto: Nefershapiland)

Ebenso wie das Vilstor, das alte Wingershofer Tor oder das im 17. Jahrhundert abgebrochene Georgentor, besteht auch das Ziegeltor aus einem Torturm. Es unterscheidet sich jedoch beim Standort von den anderen Toren, denn es steht nicht mittig in der Wehranlage, sondern ist ihr im Zwinger vorgelagert. Aus diesem Grund führt der Laufgang auch hinten am Turm vorbei, anstatt durch ihn hindurch, wie es sonst bei der Amberger Stadtbefestigung der Fall ist. Aufgrund seiner vorgeschobenen Lage ermöglichte das Ziegeltor eine Flankierung des Zwingers von erhöhter Warte aus. Seine charakteristischen halbrunden Seitentürme stehen dagegen in der Wehrmauer. Damit sind sie aber zu weit zurückgesetzt, um eine wirksame Flankierung des Tors zu gewährleisten.

Der mächtige, fünf- bzw. sechsgeschossige Torturm besitzt vom Zwinger bis zur Dachtraufe eine Höhe von 22 m, bis zur First sind es sogar 29 m. Im Grundriss querrechteckig, wendet er seine Breitseite dem Angreifer zu. Der Unterbau des Turms mit dem gefassten Spitzbogenportal und den beiden kleinen Öffnungen darüber, durch welche die Seile der Zugbrücke liefen, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Unter der Tordurchfahrt liegt ein gewölbter, heute noch zugänglicher Raum, der einst als Gefängnis diente. In ihm war 1529 die gesamte Amberger Schmiedezunft wegen Aufruhrs für zwei Tage arrestiert. Kurfürst Ludwig VI. ließ 1581 die oberen drei Geschosse des Ziegeltors neu aufmauern. Sie erhielten dabei eine Verblendung aus Rustikalquadern, genauer gesagt aus Polsterquadern, die zur Zeit der Renaissance in Mode kamen.

Als landesherrliches Hoheitszeichen ist an der Außenfassade des Torturms das Wappen der Kurpfalz angebracht, darunter "Der Statt Amberg Wappen".

Als man gegen Ende des 16. Jahrhunderts die Stadttore durch Vorbefestigungen verstärkte, war man beim Ziegeltor gezwungen, diese vor dem Graben anzulegen, da der Platz im Zwinger bereits durch den Torturm belegt war. Das Ziegeltor steht nicht in einer Flucht mit der Stadtmauer, sondern etwas schräg, was man deutlich auf seiner Rückseite sieht. Da man bei der Anlage der Tore Rücksicht auf die bereits damals vorhandene Straße nehmen musste (die alte Magdeburger Straße, die heutige Ziegelgasse, führte im spitzen Winkel auf die Stadtmauer zu) hat man das Tor zu ihr hin gedreht.

Die Rückfront des Ziegeltors ist auch in ihrem unteren Teil im Jahre 1581 umgestaltet worden, was sich schon in der Verwendung von Rhätsandstein zeigt, während in der Gotik fast ausnahmslos Kalk- und Doggersandstein and er Stadtbefestigung verbaut worden ist. Über der in einem Segmentbogen geschlossenen Toröffnung liegt der an der Rückseite des Turms vorbeiführende Laufgang. Seine aus der Umbauzeit noch original erhaltenen Tragbalken ruhen wie beim Wingershofer Tor auf einem wulstartigen Gesims. Die oberen Geschosse des ursprünglich nur über den Laufgang zugänglichen Torturms besitzen mittige Fensteröffnungen.

In der in einem Stichbogen gewölbten Tordurchfahrt finden sich Reste der ehemaligen Sperreinrichtungen. Stadtseitig die steinernen Pfannen mit der eisernen Führungshülse, in der sich einst der Zapften am oberen Ende der beiden Torflügel drehte. An der feldseitigen Toröffnungen haben sich linkerhand noch die Angeln für das zweiflügeligen Außentor erhalten.

                       Linker Torflankenturm


                           ( Bild: 
M. Pirzer )
             Der gotische Torturm des Ziegeltores
etwas dahinter der rechte Torflanken-Turm.

                         ( Bild: M. Pirzer )

Zu beiden Seiten des Tors stehen, verbunden durch kurze Zwischenmauern, zwei halbrunde Flankentürme aus dem späten 14. Jahrhundert, wie sie für den Ostteil der Amberger Stadtbefestigung bezeichnend sind. Am westlichen ist zur Stadtmauer hin noch die spitzbogige heute zugesetzte Durchgangsöffnung zu erkennen. Spätestens seit dem >Umbau von 1581 dienten die Türme als Treppentürme, da der Wehrgang der Stadtmauer tiefer lieft als der damals umgestaltete Laufgang an der Rückseite des Tors.

Im 18. Jahrhundert hat man die beiden Flankentürme als Batterietürme genutzt und sie um das Geschoss mit dem Kranz von Schießlöchern erhöht. Verbunden mit dem Tor sind die Türme durch zwei  kurze Zwischenmauern. Ihre heutige Höähe dürften diese erst beim Umbau von 1581 erhalten haben. Die beiden Fußgängerdurchlässe, die sich gut dem alten Baumbestand anpassen, sind erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingebrochen worden.

Bei der Verstärkung des Ziegeltors im Jahre 1581 wurde jenseits des Grabens ein Vorwerk mit einer Geschützplattform errichtet, das sich im Bereich des heutigen Torplatzes befand.

 Heute ist das Ziegeltor Sitz einer Jugendorganisation

Vilstor:

Die Vils floss bis zu ihrer Regulierung im Jahre 1934 unmittelbar neben dem Vilstor in die Stadt. Dabei entspricht das alte Flussbett dem Verlauf der heutigen Mühlgasse. Dabei diente der mächtige Torturm auch zur Sicherung dieser natürlichen Schwachstelle in der Amberger Stadtbefestigung. 

Ursprünglich war das Vilstor ein Flusssperrwerk,
- es stand früher bis 1935 unmittelbar westlich der Vils -
(Bildquelle:
Margret Pirzer)

Laut der im Jahre 1588 gedruckten Stadtansicht von Sebastian Münster überspannten Haupt- und Zwingermauer - ähnlich der Stadtbrille - in einem Bogen die Vils. Sie wurden auf der linken Seite vom sog. "hohen Pulverturm" flankiert. Von diesem ist heute außer einem Stumpf, der zum Teil als Unterbau für ein Sitzrondell dient, nichts mehr zu sehen.

Bei der Stadterweiterung im Jahre 1326 entstanden auch die Tore, zunächst wahrscheinlich jene im Westteil der Stadt, wie das heute nicht mehr vorhandene Georgentor, das Vilstor und vielleicht auch das alte Wingershofener Tor. Diese mächtigen Türme, welche die Stadtmauern hoch überragten, besaßen Durchfahrten im Erdgeschoss. 

Alle Tore besaßen eine feste Brücke über den Stadtgraben, welche erst bei der Verstärkung der Befestigung unter Kurfürst Philipp (1476-1506) im hinteren Teil abgebrochen und durch eine Schlag- und Zugbrücke ersetzt wurde. Die Tore wurden damals auch mit Fallgittern versehen. Der Kurfürst ließ als Hoheitszeichen an der Außenseite der Tore den nach rechts (heraldisch) gewendeten Pfälzer Löwen anbringen, der sich heute nur noch am Vilstor erhalten hat.

Hoch erhebt sich der Vilsturm über das später vorgelagerte Vorwerk. Das bullaugenförmige Schießloch wurde offenbar erst nach dem Aufkommen der Festungsartillerie eingefügt.
                  (Bild: J. H. Pirzer)

Hoheitszeichen des Kurfürsten Philipp am Torturm
- die Relieftafel mit dem Pfälzer Löwen - 


(Bild: J. H. Pirzer)

Ebenso wie das Wingershofer- und das Nabburger Tor erhielt auch das Vilstor in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einen vorgelagerten Waffenhof, der in der Art einer Barbakane gebaut wurde. Dem Wehrhof aufgesetzt, befindet sich auf drei Seiten ein Wehrgang mit hölzerner Brüstung, der auf einer profilierten gurtgesimsartigen Vorkragung lagert. 1871 spielte die Wehrhaftigkeit der Stadt schon lange keine Rolle mehr und man trug den neun Fuß hohe Wehrgang westlich des Vilstores auf einer Länge von 574 Fuß (ca. 170 m) ab. Ursprünglich besaß der Waffenhof nur die große Toröffnung in der Mitte. Die beiden seitlichen entstanden erst in den dreißiger Jahren, als die Bundesstraße 85 noch durch das Vilstor in die Stadt führte, als Durchlass für die Fußgänger sowie als Eingang zu einem Laden. Das Erscheinungsbild der Stadt wurde erst wesentlich verändert durch die Zuschüttung des einstigen Stadtgrabens.

Der gotische fünfgeschossige Torturm, durch den früher die Sulzbacher Straße führte, hat als einziger Torturm der Stadt seine gotische Gestalt unverändert erhalten. Er besitzt mit dem steilen Pyramidenhelm eine Höhe von fast 17 m. Während das Durchfahrtsgeschoss außen mit Glattquadern aus Doggersandstein verblendet ist, sind die darüber liegenden Stockwerke in Bruchstein mit Eckverquaderung aufgeführt.  

Der Turm war nur zugänglich über den Laufsteg auf der Stadtmauer. Während die spitzbogige Tür auf der Südseite immer noch als Einganggenutzt wird, ist ihr Pendant zum Anwesen Löhner hin heute vermauert. Ein heute nicht mehr zugängliches Gewölbe, das unter dem Tor liegt, diente einst als Gefängnis. 

Die beiden oberen Geschosse mit ihren rechteckigen Schießöffnungen dienten der Bestreichung des Umfeldes mit der Armbrust bzw. später mit Haken- oder Wallbüchsen. Darunter befindet sich ein bullaugenförmiges Schießloch, welches wahrscheinlich erst nach dem Aufkommen der Festungsartillerie eingebrochen wurde.

Der gotische Torturm zeigt als einzigen Bauschmuck - abgesehen von der erst später angebrachten Relieftafel mit dem Pfälzer Löwen - stadtseitig ein gekuppeltes Fenster mit nasenbesetzten spitzen Blendbögen, eine schöne Arbeit aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Die beiden Toröffnungen besitzen, wie in der Gotik allgemein üblich, einen Spitzbogen, während die Kanten abgeschrägt sind. An ihrem Fuß befinden sich Prellsteine, die ein Anschrammen von Fuhrwerken an der Laibungverhindern sollten. Die in einer Segmenttonne gewölbte Durchfahrt weist seitlich eine breite, flache Nische auf. Sie scheint einst dem Torwächter und den Wartenden als Sitzfläche gedient zu haben.

Amberger Vilstor - von der Stadtseite aus

(Bild: J. H. Pirzer)

Der gotische Torturm mit dem Vorwerk

(Bild: M. Pirzer)

Der gotische Torturm wurde im Jahre 1574 durch einen sogenannten "Waffenhof" - also ein Vorwerk, verstärkt. Höhengleich mit der heute im oberen Teil abgetragenen Hauptmauer sprang er bis zum Graben vor und ermöglichte so neben der Verteidigung des Vorfeldes auch eine Flankierung des Vilsdurchlasses sowie des Zwingers. Die dreiflügelige Anlage besitzt zu diesem Zweck im Innenhof einen gedeckten Wehrgang, dessen hölzerne Ständerkonstruktion auf einem wulstförmigen Gesims ruht. Man gelangte durch das vermauerte Portal in der nördlichen Seitenwand, welches ein Gegenstück auf der Zwingerseite hatte, zur Vils.

Im 16. Jahrhundert wurde die Fassade des Waffenhofs in Renaissancemanier mit Rustika-Quadern aus "Rhätsandstein" verblendet. Dieses sind Quadern mit breitem Randschlag, deren Ansichtsfläche aus der Mauerflucht hervorsteht und so der Wand eine wuchtige Massenwirkung verleiht. Das Traufgesims besteht aus einem kleinteiligen Klötzchenfries. Über der Tordurchfahrt steht in einem Lorbeerkranz "Der Statt Amberg Wappen". Auf dem Keilstein im Bogenwappen lesen wir neben dem Baudatum die Initialen des damaligen Stadtbaumeisters Georg Haßfurter.

Ebenso wie die mächtigen Angeln für das große, zweigeflügelte Tor haben sich Reste der ehemaligen Sperreinrichtungen  am Waffenhof erhalten. An der Außenseite des Tores befinden noch drei hölzerne Rollen, über die früher die Ketten der Zugbrücke liefen. Die Zugbrücke war in sich zweigeteilt, damit man beim Ein- und Auslassen von Personen nicht die ganze Brücke bewegen musste. Hierbei gehörte die höher gelegene Rolle zur kleinen Brücke.

Heute befindet sich im ehemaligen Waffenhof eines der kleinsten Cafe`s Europas. Außerdem bildet das Vilstor dem Verein Cantus-Ferrum, Verein für erlebte Geschichte e. V. ein passendes Ambiente. Der Verein hält sich hier seit 1996 auf und bemüht sich um dessen Sanierung. Die Mitglieder des Vereins haben bereits viele freiwillige Arbeitsstunden für die Wiederinstandsetzung investiert. Mit Hilfe der Stadt Amberg und unter Aufsicht der Vertretung des Landratsamtes für Denkmalpflege wurde der Boden im Parterre sowie die Wände und die Decke einer Etage restauriert. Der Verein Cantus-Ferrum ließ zudem im Turmeingang eine Holztür einsetzten, damit der Regen nicht länger den Innenraum des Turmes zerstören kann. Weitere Sanierungen sollen in naher Zukunft folgen,

                                                                          
                                                           Webseite des Vereins Cantus-Ferrum

Nabburgertor:

 

                                           Nabburger Tor
Als letztes Tor bleibt noch das doppeltürmige Nabburgertor auf der Südseite der Stadt zu beschreiben. Es gilt bis auf den heutigen Tag als weiteres Wahrzeichen von Amberg. Schon in der Stadtbefestigung des 13. Jahrhunderts gab es ein Georgen- und Nabburger Tor. Diese frühe Stadtbefestigung hatte nur ca. ein Drittel ihrer heutigen Größe und wurde durch eine von West nach Ost verlaufende Straßenachse in zwei Hälften geteilt. Es ist heute nicht mehr bekannt, wie dieses erste Nabburger Tor aussah, wir wissen aber, dass es in der Bahnhofstraße auf Höhe der ehemaligen Schreibwarenhandlung Eibl stand.  
                                                   (Bild:
Margret Pirzer)

Im 14. Jahrhundert wurde Ambergs Befestigungsanlage durch die Einbeziehung der Georgenvorstadt im Westen und der Spitalvorstadt im Osten erweitert und man errichtete um 1370/80 das Nabburger Tor als Doppelturmanlage an der jetzigen Stelle neu. Dieses frühe Torwerk besaß aber bei weitem noch nicht seine heutige Wehrhaftigkeit. Vieles spricht dafür, dass die beiden Türme anfangs nur dreigeschossig waren und noch keinen polygonalen Aufbau besaßen. Ungefähr zeitgleich mit dem Bau der Zwingermauer zwischen dem Vilstor und St. Georg, dürfte zunächst ein Geschoss aufgesetzt worden sein, das vorne von fünf Seiten eines Achtecks gebildet wird und hinten abgeflacht ist. Auch der Überbau über der Toröffnung war in der jetzigen Form noch nicht vorhanden. Es dürfte sich hier, ebenso wie bei der Stadtmauer, um eine mit Zinnen besetzte Brustwehr gehandelt haben, hinter der ein zunächst offener Wehrgang lief.

Nabburger Tor mit vorgelagertem Wachhäuschen
- Blick stadtseitig - 
(Bilds: M. Pirzer)

Erst 1587 ließ Pfalzgraf Johann Casimir, der Vormund des späteren Kurfürsten Friedrich IV., das Nabburger Tor entsprechend den Erfordernissen der gewandelten Befestigungstechnik verstärken und es erhielt dabei weitgehend sein heutiges Aussehen. Die beiden Türme wurden aufgestockt und der Mittelbau erhöht. Zusätzlich erhielt das Tor eine trapezförmige Barbakane (ein hofartig geschlossenes Vorwerk mit umlaufendem Wehrgang). Ebenso wie beim Vilstor war diese an ihrer Außenseite in Renaissancemanier mit Polsterquadern verblendet. Die Barbakane wurde beim Bau der Bogenbrücke über dem Stadtgraben im Jahre 1869 abgebrochen. 

Die beiden Türme des Nabburger Tores
(Bilder: Margret Pirzer)

 

Das Wappen der Stadt Amberg im Lorbeerkranz, das sich auf ihrer Stirnseite befand, hat man daraufhin an der Rückseite des Tors angebracht. 

 

 

 

             (Bild: Margret Pirzer)

 

Das Nabburgertor wurde 1587 erhöht und gilt als Wahrzeichen Ambergs.
(Bildquelle: Nefershapiland)

Die Doppelturmanlage des Nabburger Tors sieht vom Stadtgraben aus sehr trutzig aus und unterscheidet sich von den anderen Amberger Stadttoren (auch vom heute nicht mehr vorhandenen Georgentor), bei denen sich über der Tordurchfahrt ein hoher, rechteckiger Turm erhebt. Diese Doppelturmanlagen bestehen meist aus einem Mauertor, das zu beiden Seiten von Halbrundtürmen flankiert wird und den am meisten verbreiteten Tortyp des Mittelalters darstellen. Die Halbrundtürme springen feldseitig über die Mauerflucht vor und ermöglichten so eine seitliche Verteidigung der Toröffnungen.

Das Nabburger Tor besteht wie viele Bauten der Gotik aus Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung. Nur die Erhöhung des späten 16. Jahrhunderts ist in Quaderbauweise ausgeführt. Im Wesentlichen zeigt das Tor ein mittelalterliches Erscheinungsbild, insbesondere nach dem Abbruch der Barbakane in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 

Der Torbau

Der weite in der Laibungmitte liegende Torbogen läuft wie in der Gotik allgemein üblich, oben spitz zu. Er zeigt im Gegensatz zum Vilstor oder zum Ziegeltor beidseitig eine Profilierung aus Kehle und Stab. 

Am Bogenfuß haben sich noch die Prellsteine erhalten, die ein Anschrammen von Fuhrwerken an die Laibung verhindern sollten. Darüber erhebt sich ein zweigeschossiger Überbau aus dem späten 16. jahrhundert, auf dem als landesherrliches Hoheitszeichen das dreigliedrige Wappen der Kurpfalz prangt. 
                        (Bild: Margret Pirzer)

Auf seinem oberen Rahmen steht in einer lilienendigen Rechteckkartusche die Inschrift J. C. P. T. & A. Diese Inschrift heißt: "Johannes Comes Palainus Tutor et Administrator" - übersetzt: Pfalzgraf Johann Casimir, Vormund [Friedrich IV.] und Verwalter [der Kurpfalz]. Unter seiner Regentschaft hat der Tor sein heutiges Aussehen erhalten. 

Die Flankentürme haben eine Höhe von 23 Metern. Die hohen fünfgeschossigen Flankentürme besitzen einen halbkreisförmigen Unterbau, der eine mittlere Mauerdicke von 1,35 m aufweist. Über Treppen in den Türmen gelangte man zum Wehrgang bzw. später ins Durchgangsgeschoss des Mittelbaus, das höher liegt als der Laufgang der Stadtmauer. Die Untergeschosse der Türme, die erst zu Beginn des vorigen Jahrhunderts als Fußgängerdurchlässe geöffnet worden sind, dienten einst als Gefängnis. Im Durchgang des östlichen Turms ist noch die rechteckige Öffnung zu sehen, durch welche die Delinquenten in den tür- und fensterlosen Raum hinabgelassen wurden.

                   Vorgebautes Wachhäuschen
An den östlichen Torturm lehnt sich die ehemalige Wache an, ein malerisches Gebäude aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit profilierten Rundbogenarkaden auf der der Stadt zugewandten Seite, die im Bogenscheitel Voluten (schneckenförmig Verzierungen) zeigen.

Dahinter liegt der bis 1934 benutzte Kerker
                (Bild: Nefershapiland)

Bis 1934 wurde der Turm noch als Kerker benutzt - an der Decke sieht man im Durchgang  noch das Loch durch das die Gefangenen in das Verließ heruntergelassen wurden.





                (Bild: J. H. Pirzer)

Das Tor schließt stadtseitig in gerader Flucht ab, was einen Grund in der Materialersparnis gehabt haben dürfte. Die weit in die Mauerfläche herablaufende innere Eckquaderung der beiden Türme deutet darauf hin, dass der Wehrgang anfangs hinten offen, also nicht gedeckt war. Über dem obersten Fenster konnte man früher noch das Baudatum 1587 und die Initialen G. H. lesen. Wie beim Vilstor weisen diese auf Georg Haßfurter hin, der damals Stadtbaumeister war und unter dessen Regie der Mittelbau und die Türme des Nabburger Tors erhöht worden sind. 

Amberger Neutor (Abbruch um 1870)
-
nicht mehr vorhanden -

 

Amberger Neutor um 1802
1629:
Übergabe der St. Georgskirche mit angegliedertem Pfarrhof und weiterem Gebäude an die Jesuiten durch Kurfürst Maximilian von Bayern.
1630/31:
Abbruch von 12 Häusern, der Ulrichtskapelle sowie des Georgentores und Einrichtung des "Neuen Tors", dadurch Verlegung des Hauptdurchgangsverkehrs vom Maltesergebäude weg in Richtung Wingershofer Tor an die Stelle des heutigen Stadteingangs Malteser.

(Bild und Text: Foto Nefershapiland von der
Informationstafel Zugang
am Malteserplatz)

1635:
Kommission stellt bereits nach kurzer Zeit Baumängel am neuen Tor aufgrund der schlechten
Bauausführung fest.
1870:
Abbruch des Neutores und Erweiterung der Passage im Zusammenhang mit der Errichtung der Infanteriekaserne außerhalb der Stadtmauer und Zwingermauer endeten nun in etwa in der Fassadenflucht des Maltesergebäudes.

Auf der weiteren Strecke rund um Amberg erweckt der tiefe Graben und die hohe Stadtmauer den Anschein einer starken Wehrburg, obwohl die Mauer heute meist zu Wohnzwecken dient. Die Stadtmauer hat aber auch auf ihrer Rückseite noch sehenswerte Elemente. Zwischen Nabburgertor und Bahnhof ist weitgehend der Wehrgang noch erhalten. Auffallend ist hier der Unterschied zwischen Höhe der Mauer an der Innen- und an der Außenseite. Der Wall, der durch den Aushub des Grabens im 14. Jahrhundert hervorgerufen wurde und wo nun heute die Straße verläuft, ist vom Ziegeltor bis zum Vilstor hin, besonders gut zu erkennen. 

Diese malerische und faszinierende Anlage mit den mehr oder minder geschickt eingefügten Wohnhäusern und ausgedehnten Grünanlagen gehört heute zu den Anziehungspunkten der Besucher und wird sehr gern für einen ausgedehnten Spaziergang rund um die Stadt Amberg genutzt.

Anmerkung
Quellen für die denkmalgeschützten historischen Wohnbauten ist: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege/Regierungsbezirk Oberpfalz Baudenkmäler.

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