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Kirchen und Klöster Amberger Land

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Pfarrkirche St. Martin:

Eines der Wahrzeichen Ambergs ist der 91,5 Meter hohe Turm der Basilika  St. Martin. Wegen ihrer Bedeutung für die Region erhielt St. Martin 1980 durch Papst Johannes Paul II. den Ehrentitel einer "Basilica minor". Die Kirche hat eine Länge von 72 m und eine Breite von 20,5 m und eine Firsthöhe von rund 40 m. Sie ist die größte Hallenkirche in Nordbayern. Im Siedlungszentrum am linken Ufer der Vils befand sich wahrscheinlich schon früh eine dem Heiligen Martin geweihte Kirche. 

Von fast überall aus der Stadt Amberg ist der Turm von St. Martin zu sehen
(Bilder: Nefershapiland)

Am Marktplatz konnte 1998 bei Baumaßnahmen die diese umgebende, fast parallel zum heutigen Basilika-Bau verlaufende Friedhofsmauer ergraben werden. Diese Anlage besaß mit seiner 1 Meter dicken, aus zwei Reihen behauenen Blöcken aus Sandsteinen bestehenden Mauer, den Charakter einer Wehrkirche.

Malerische Stadtansicht
- Die Basilika St. Martin liegt direkt an der Vils -
(Bild: Nefershapiland)

Die uns bekannten Baumeister sind Hans Zunter - der noch vor dem Jahre 1461 belegt ist. Marsilius Poltz kennen wir für die Zeit von 1460 - 1476, Hans Flurschütz von 1476 - 1496. Um 1500 war auch der Stadtbaumeister Eschbach am Bau beteiligt.

Schon vor dem Jahre 1364 lässt sich die Absicht eines Neubaus nachweisen. Aber erst 1421 begann man mit der Errichtung des Chores der jetzigen St. Martin-Kirche und erst 1442 erfolgte dann die Einwölbung.
Der vormalige Kirchenbau blieb vorerst erhalten. Erst 1456 brach man die alte Kirche ab. 

Blick auf die Basilika St. Martin 
vom der Stadtbrille aus gesehen

 

Als Wächter und Mahner erhebt sich der Martinsturm unmittelbar aus dem Wasser der Vils steigend in eine Höhe von fast 9 Metern. Die Vorgängerkirche hatte zwei oder sogar drei Türme

 

 

(Foto: Nefershapiland)

Im Ratsbuch der Stadt wird 1434 das Läuten der Feuerglocke vermerkt. 1438 wird während des Baus der neuen Kirche ein Mann namens Merz von Vilseck zum Türmer bestellt. Mit seinen beiden Gesellen musste er abwechselnd die halbe Nacht und den halben Tag lang wachen und die Schlagordnung nach Nürnberger Brauch einhalten. Wenn "reisige Leute" (Kriegsvolk) sich vor der Stadt sehen ließen, sollten sie diese "anblasen" (Signal geben). Merz und seine Gesellen erhielten dafür als Türmer einen Wochenlohn von 10 Groschen, Licht und Holz.

Ursprünglich wollte man 1458 noch zwei Türme errichten. Aber 1461 entschloss man sich wegen der schwierigen Gründung für nur einen Turm. Dieser wurde 1509 bis zum Absatz über der Glockenstube vollendet. 1534/35 wurde der Turmbau in achteckiger Form fortgesetzt und noch ein wenig erhöht. Für diesen erneuten Turmbau war ein gewisser Wolf Keul verantwortlich. Seine jetzige Form und Höhe bekam der Turm, der bei der Belagerung Ambergs 1703 durch die Österreicher in Brand geschossen wurde, in den Jahren 1723-1725. Der alte Turm musste 1723 bis zur Glockenstube abgebrochen werden.  Den Turmaufbau leitete Johann Kaspar Schubert und dann nach seinem Tode übernahmen die Gebrüder Michael und Josef Wolf diese Baumaßnahme.

Aus statischen Gründen wurde der Turm 1857 schließlich "verschlaudert", d. h. mit eisernen Spangen zusammengehalten. Nachdem 1999 Schäden an der südlichen Seite beseitigt wurden, ist der Turm heute begehbar. Einzelheiten sind bei der Touristeninformation zu erfragen.


Der Martinsturm dient auch für ein Turmfalkenpaar 
und für einigen Schwalben als Heimstatt.
(Fotos:
Nefershapiland)

Die dreischiffige Hallenkirche hat ein gemeinsames Dach und wurde ab 1421 ( Grundsteinlegung am 25. Mai ) bis 1522 durch die Amberger Bürger in der zur damaligen Zeit in Deutschland aktuellen Gotik errichtet. Ein Kranz mit 19 Kapellen, die durch eine gemeinsame Empore nach oben abgeschlossen wird, umgibt die Basilika. An der ringsum laufenden Empore finden sich Wappen reicher Geschlechter Ambergs und der Zünfte, wie die der Fischer und Schiffer, der Lederer und der Schuster.

St. Martin zeichnet sich durch eine sehr seltene Bauform aus: Die Strebepfeiler sind konsequent in den Kircheninnenraum verlegt. Auch die Anlage einer den gesamten Kirchenraum umgebenden Empore bedeutete ein Novum in Europa. Hier befinden sich die Wappen von reichen Familien Ambergs. Die Ausgestaltung des Innenraums mit 19 Kapellen, welche durch die gemeinsame Empore nach oben abgeschlossen wird, führt zu einer Gliederung des Innenraumes, wie sie sonst in gotischen Kirchen nicht anzutreffen war. Die dreischiffige Halle erscheint wegen der andersartigen Einwölbung zwischen den einspringenden Wandpfeilern als fünfschiffige Anlage, was ihre Einstufung unter den Bauten übernationaler Bedeutung rechtfertigt. Kenner schätzen die Basilika St. Martin als reifste, stolzeste und vornehmste Hallenkirche Süddeutschlands. 1980 wurde diese "vornehmste Hallenkirche Bayerns" zur Päpstlichen Basilika erhoben.

Der beeindruckende Sakralraum 
von St. Martin. An den Säulen befinden sich die Figuren von Bischof Rupert 
und St. Magdalena.
(Bilder: Nefershapiland)

Das graue Baumaterial stammte aus den Sandsteinbrüchen bei Neuricht und vom Amberg, dem heutigen Mariahilfberg. An der östlichen Außenwand des Kirchenchores weist eine Tafel auf den Baubeginn im Jahre 1421 hin. Etwa hundert Jahre lang wurde an der spätgotischen Hallenkirche gebaut. Mit der Fortsetzung des Turmbaues ließ man sich Zeit. Erst 1509 wurde der Turm bis zum Absatz über der Glockenstube vollendet.  

Im St. Martinsturm hängen 9 Glocken - davon 7 in der Glockenstube über dem Dachfirst. Über dem Raum mit der Uhr hängen 2 weitere Glocken. Aus der Vorgängerkirche fanden 3 Glocken aus den  Jahren 1318, 1399 und 1405 Verwendung auch in der neuen Kirche. 2 Glocken kamen in den Jahren 1515 und 1521 dazu, während die große Glocke, die Herrenglocke, erst 1537 vom Nürnberger Hans Glockengießer  gegossen wurde. Sie hat ein Gewicht von 59 bayrische Zentner und einen Durchmesser von 178 cm und kostete 810 fl.  Die Feuerglocke wurde 1529 gegossen. Zwei weitere Glocken hängen hinter den Schallfenstern über der Uhr, sind aber nicht mehr im Gebrauch.

 
Glocken von St. Martin

( Klangbeispiel von: www.glocken-online.de.vu  - Armin Reinsch)

Durch das Portal auf der Marktplatzseite gelangt man in den Kirchenraum. Abgüsse einer Verkündigungsgruppe der Bamberger Schule aus dem 13. Jahrhundert (die Originale stehen im Turmgewölbe) weisen heute noch auf jenen Zugang hin, der 1487 zugemauert wurde. Dieses wird durch eine Rötelinschrift an der Außenwand bestätigt. Die frühgotischen Figuren stammen noch von der Vorgängerkirche und dienten dann am Neubau in der 2. Hälfte des 15. Jahrh. als Portalschmuck.

Abguss einer frühgotische Verkündigungsstatue
links vom Hauptportal der Basilica .
(Foto: Nefershapiland)

Eingangsportal Markplatz Basilika St. Martin
(Bild: J. H. Pirzer)


Heiligenfiguren am Haupteingang der St. Martinskirche
(Bilder: Nefershapiland)

 

Hans Klopfer, Bürger von Amberg: 

Auf der südlichen Kirchenwand, links vom Hauptportal von St. Martin ist dem Mauerwerk eine auffallend schöne Steinplatte aus rotem Marmor in einem ungewöhnlichen Breitformat eingefügt. Die Bildfläche ist in Rundbogenarkaden gegliedert, wobei das mittlere Feld die doppelte Breite eines der übrigen vier Felder hat In der Mitte der Steinplatte ziert eine Kreuzigungsgruppe das Bild. Die Bischöfe St. Nikolaus und St. Wolfgang stehen in den rechts und links anschließenden Arkaden, während die äußeren Felder mit prächtig gestalteten Wappen gefüllt sind.

   Grabstein des Hans Klopfer 
                     + 1473
Nördliche Außenwand zu Str. Martin

Der Stein wird von einem breiten Band eingefasst, welches eine Inschrift enthält:
" der. Erberg (ehrbare) man. Hans. Klopffer. Purger (Bürger) tzu. (zu) amberg. am. suntag. Jubilate. starb".

Römische Zahlen nennen an der linken Randleiste das Sterbejahr 1473.

(Bild: Nefershapiland)

Wahrscheinlich hat dieser Stein nie das Grab von Hans Klopfer bedeckt. Er ist so gestaltet, dass er senkrecht an eine Wand anzubringen war, um so Rang, Reichtum und Frömmigkeit des Toten zu zeigen.

Der Bischof St. Nicolaus
- mit den 3 Goldkugeln -

Kreuzigungsgruppe
( Bilder Nefershapiland )

Der Bischof St. Wolfgang
- mit dem Beil -

Aus der Volksüberlieferung ist nichts über diesen Amberger Bürger bekannt, doch im Stadtarchiv findet man einiges über diesen Bürger, der vor mehr als 500 Jahren gelebt hatte. Hans Klopfer wurde 1410 in Weiden/Oberpfalz als Sohn eines Goldschmiedes geboren. Doch in Weiden herrschten damals bedingt durch wechselndes Kriegsglück und Verpfändungen der Stadt durch ihre Pfalzgrafen notvolle Jahre und wo Schwert und Morgenstern regierten, konnte ein Goldschmied wenig erhoffen. Aus diesem Grund ergriff der junge Hans Klopfer gar nicht erst den Beruf des Vaters und wurde deshalb Lehrer. Seine Einkünfte rechten durchaus für den Lebensunterhalt einer Familie. Der Schulmeister Klopfer heiratete eine Frau, deren Namen nicht überliefert ist, die ihm jedoch eine gute Mitgift in die Ehe einbrachte und über welche er nach ihrem Tod in den Besitz eines kleinen Vermögens von 700 Gulden kam. Wahrscheinlich wandte er sich in den nun folgenden Friedenszeiten schon in Weiden dem Eisenhandel zu.

Zu Reichtum kam er aber erst durch seine 2. Ehe mit der Witwe Elisabeth Markhart, deren Vater Hans Unrue sowohl Metzger als auch Ofensetzer war. Dieser starb im Jahre 1421 bei der Verteidigung Weidens und seine Tochter Elisabeth kam in jungen Jahren durch eine Heirat zu einem Vermögen.

Da die kurpfälzische Residenzstadt Amberg zu der Zeit bessere Vorraussetzungen für eine gewinnbringende Geldanlage bot, bewarben sich 1444 die Klopfers um das Amberger Bürgerrecht, worüber sich natürlich Bürgermeister und der Rat von Amberg freuten, da der Neubürger sein beträchtliches Vermögen von nun an in Amberg versteuern wollte. Da nur die Amberger Bürger den billigen Wasserweg auf der Vils, Naab und Donau zollfrei mit ihren Eisen- und Salzfrachten benutzen durften und er als Amberger Bürger ebenfalls sich auch im Bergbau betätigen durfte erhielt er sehr schnell großes Ansehen und sein Vermögen vermehrte sich schnell. 

Durch seine verschiedenen wohltätigen Handlungen und reichhaltigen Beiträgen erwarb er sich schnell den Anspruch auf eine eigen Kapelle in der Martinskirche. Zudem verwaltete er gemeinsam mit Hans Bachmann, dem Stifter des Franziskanerklosters, das umfangreiche Amberger Bürgerspital. Auch die Eroberung Ambergs und das anschließende Strafgericht Friedrichs I. hatten 1452 hatten für Hans Klopfer keine nennenswerten Nachteile. 

Wie auch die anderen angesehenen Bürger Ambergs hatte Hans Klöpfer zum Bau der St. Martins-Kirche das seine beigetragen. 1457 stiftete er noch eine "ewige Messe" zu Ehren des heiligen Wolfgangs, die auf dem Nikolausaltar in der Klopferkapelle zu lesen war. Klopfer stiftete der Amberger Stadtkammer 400 fl. auf ewige Zeit, dafür musste die Stadt dem Messkaplan jährlich 20 fl. geben. Ebenso wie die anderen wohlhabenden und angesehenen Familien Kastner, Reich, Alhard, Gießer, Baumgartner und Steinhauser besaßen nun auch die Klopfers in St. Martin ihre eigenen Kaplan, seine Messstiftung, seine Kapelle, seinen Begräbnisplatz und natürlich auch seine eigenen Wappen. In der Martinskirche gibt es kein anderes Wappen, das sich stolzer und selbstbewusster gibt als jenes der Eheleute Klopfer. Hans Klopfer war ein hochgeschätzter Amberger Bürger, der mehrmals Vormundschaften übernahm und das Vermögen gewissenhaft für seine Mündel verwaltete. Sogar Bürgschaften übernahm er und wurde dadurch Bürge für seinen Herrn, des Kurfürsten Friedrich, als er diesem ein Darlehen von 900 fl. gab.

Trotz dieses erfolgreichen und erfülltem Leben lag der Schatten der Kinderlosigkeit über den Eheleuten Klopfer, was damals ein bitteres Los war. Der Name Klopfer, der ein hohes Ansehen hatte, sollte mit ihnen vergehen - das große Vermögen in fremde Hände kommen. Deshalb richteten sie 1471 eine bemerkenswerte Stiftung ein, deren Verwalter die Stadt Amberg war und die an 4 Auflagen gebunden war, u. a. ein Studium an einer Universität für zwei Amberger Bürgerssöhne, deren Eltern unvermögend waren und die Aussteuer einer armen Bürgerstochter von 10 Gulden als Heiratsgut und Haussteuer.

Hans Klopfer starb zwei Jahre später, seine Witwe hatte ihn anscheinend noch um 10 Jahre überlebt. Beide fanden in St. Martin ihre letzte Ruhestätte. Heute erinnern nur noch die Wappen in St. Martin und die oben geschilderte Gedenkplatte an das Ehepaar Klopfer, die so "stolz" darauf waren, Amberger Burger zu sein.

Geschützmeister Martin Mertz:

Der Landesherr Kurfürst Friedrich der Siegreiche verdankte einen großen Teil seines Erfolges über seine Gegner einem Amberger, dem Geschützmeister Martin Merz. Dieser wurde vermutlich als Sohn des Türmers und Rechenmeisters Mertz in Vilseck geboren. Der alte Mertz übernahm 1438 die Türmerstelle auf dem Amberger St. Martinsturm. Diese hatte er bis 1458 inne. Sein Sohn Martin besuchte in Amberg die Lateinschule, denn er beherrschte später diese Sprache, während er seine Mathematikfähigkeiten wohl seinem Vater verdankte.

Seine Lehre absolvierte er bei einem Amberger Glocken- und Geschützgießer und machte dort auch seinen Meister. Später beschäftigte er sich mit dem praktischen Umgang von Feuerwaffen und wurde so Geschützmeister. Nachdem er Erfahrungen gewonnen hatte, trat er in die Dienste von Friedrich I.  Schon beim Feldzug gegen Mainz bewies er dann sein Können. Nach vielen Einsätzen wurde Merz 1469 zum Obersten Geschützmeister der Kurpfalz befördert. Die großen Burgen von Bocksberg und Schupf mussten dank seiner Schießkunst schon nach kurzer Zeit kapitulieren.  Im Feldzug 1370/72 schoss er Schiersheim, die Strahlenburg, Arnsheim, Stadt und die Schlösser Wachenheim, BHockenheim, Niederulm, Lambsheim,l Ruprechtseck und Dürckheim sturmreif.

Nach 1472 war Martin Merz nicht mehr im Kriegseinsatz. Er besaß in Amberg ein Haus und heiratete eine Einheimische. Er bildete Geschützmeister in der Schießlehre aus und beschäftige sich mit Geschosskonstruktion, Geschützlafetten, Schießlehre und Pulverherstellung. Aber 1486 berichtete die Chronik von einem abermaligen Einsatz des Amberger Geschützmeisters, als Kurfürst Philipp das Schloss Geroldseck, eine große ausgedehnte Burganlage mit Mauern von über 2 Meter Durchmesser, belagerte. Die von Merz eingesetzte Artillerie war beachtlich und die großen Geschütze hatten Namen wie "Ballauf", "Neidhart", "Baslerin", "Pfalz", "Löw" und "Narr". Nach 6 Wochen Beschuss waren die starken Mauern dann sturmreif und man kapitulierte.

Bis zu seinem Tode im Jahr 1501 beschäftigte er sich dann weiterhin in Amberg mit Schießlehre, schrieb ein Buch und wurde in St. Martin beerdigt. Wahrscheinlich ist sein kunstvoller Grabstein ein Denkmal, welches ihm sein Kurfürst setzen ließ.

Geschützmeister Martin Merz

 

Eine Grabplatte aus rotem Marmor befindet sich rechts vom Portal am Steg und ist dem kurfürstlichen Geschützmeister Martin Merz, der im Jahre 1501/03 gestorben ist, gewidmet. 

Er ist vermutlich 1425 in Vilseck geboren und war der berühmteste Büchsenmacher seiner Zeit. Er stand als oberster Büchsenmacher im Dienste des Kurfürsten Friedrich I. 
Seine Geschütze waren gefürchtet. Es heißt von Martin Merz:
"Er schoss mit seinen Geschützen , dass Kopf und Arm aufstuben und gen Himmel sich erhuben." Auf seiner Grabplatte wird er im reichen Bürgergewand gezeigt. Die Gebetskette und das Pflaster über dem rechten Auge lassen Fragen aufkommen. Sein Wappen ziert ein Fabeltier, das Basilisk, welches durch Blick und Atem todbringend gewesen sein sollte sowie ein Kanonenrohr auf der Lafette. 

(Bild:
J. H. Pirzer)

Die Inschrift lautet:
"Anno domini 1501 jar am tag vitalis ist verschieden der erber meyster martin mercz buchssenmeister in der kunst mathematica buchssenschiessen vor andern berumt der seynn hesrcz und wergh aleg zu aufnemen der pfalcz vor denern fürstenthum bis an sexn endt geseczt und getreulich gedymet desseöe gpt gmedog imd bar,jeruog sey."

Den ältesten Grabstein der Martinskirche hat man ins nördliche Turmgewände eingemauert. Dieser bedeckte einst das Grab des 1310 verstorbenen Cunrad Woltzhofer. Am südlichen Ausgang in der Portalhalle lehnt an der Wand der Grabstein der Elisabeth Nortweinerin, der viel Ähnlichkeit mit dem Woltzhoferstein hat.

Ein eiserner Höhenpunkt rechts unter der Grabtafel verrät, dass Amberg 374,21 Meter über dem Meer liegt. 

Der neugotische, goldglänzende Hochaltar von Michael Meier und Paul Weiß aus Landshut von 1871 bildet den zentralen Mittelpunkt der Kirche. Links und rechts des Tabernakels St. Martin und St. Crescentian als Kirchenpatrone sind die 12 Apostel stehend zwischen den Arkaden in Nischen verteilt. Eine Marienfigur schließt den Komplex im Mittelturm ab. 

Die beiden Figuren an den Säulen vor dem Hochaltar zeigen, wie sich das beginnende 16. Jahrhundert seine Heiligen vorstellte. Bischof Rupert steht selbstsicher und würdig mit dem Salzfass rechts, modisch gekleidet und graziös präsentiert sich am linken Pfeiler St. Magdalena

Marienstatue mit den Christuskind auf dem Arm, deren Schutz sich die Stadt Amberg empfohlen hat.
     (Bild: J. H. Pirzer)

An den Säulen vor dem Hochaltar befinden sich die Figuren
 von Bischof Rupert und St. Magdalena
(Bilder:
J. H. Pirzer)     

Michael Meier und Paul Weiß erschufen auch die Kanzel mit den Reliefs der vier Evangelisten, die sich ebenso wie der gute Hirte im turmartigen Kanzeldach befinden.

Das bronzene Taufbecken goss im Jahr 1417 für die Vorgängerkirche der Amberger Erasmus Kanlgießer. Den kunstvollen Deckel schuf 1728 der Amberger Schreiner Franz Xaver Schlott. Auf dem Becken sind die zwölf Apostel dargestellt.

Kapellen und Altäre

Die enge Bindung des kurfürstlichen Hauses Wittelsbach, der Ratsgeschlechter und der Amberger Zünfte an die Kirche St. Martin wird verdeutlicht durch die 19 Kapellen mit den zahlreichen Epitaphien (Grabplatten), ebenso die Epitaphien an der südlichen Außenmauer der Kirche, wo früher der Friedhof war. Mitte des 17. Jahrhunderts regte man die Errichtung eines der Kirche und der Zeit angemessenen Hochaltars an. Der Stadtrat plante ursprünglich ein eigenhändiges Werk von Rubens zu erwerben. Da ihm aber der Preis von 2000 brabantischen Gulden zu hoch erschien, begnügte man sich mit einem Bild des Rubensschülers Caspar de Crayer. Er erhielt für das etwa 30 qm große Bild, welches die Krönung Marias mit den Stadtheiligen darstellte 600 Taler. 

Man errichtete um dieses Bild einen prächtigen Barockaltar, der im Jahre 1703, im spanischen Erbfolgekrieg, durch die kaiserlichern Truppen bei der Beschießung Ambergs 112 Häuser in Brand geschossen wurde. Auch die Martinskirche wurde in Mitleidenschaft gezogen und erlitt Beschädigungen. In der folgenden Zeit bekam die Kirche eine kostbare Barockausstattung. Crayers Bild musste von dem Amberger Maler Loots unten angestückelt werden, da es für den riesigen barocken Hochaltar zu kurz ausgefallen war, was aber keinem auffiel.  1703/04 wurde das Altarbild weitgehend vom Amberger Maler Wilhelm repariert, weil es bei der Beschießung im spanischen Erbfolgekrieg von einer Kugel zerfetzt worden war. Dieses Riesenbild war ca. 35qm groß und stellte die Krönung Marias durch die hl. Dreifaltigkeit dar und zeigte die Heiligen, welche damals in Amberg besonders verehrt wurden.

Bei der Beschießung im Jahre 1703 wurden auch die ursprünglich bunten Glasfenster zerstört. Die heutigen Fenster stammen im wesentlichen vom Ende des 19. Jahrhunderts. In den 70ziger Jahren des 19. Jahrhundert wurde die St. Martin-Kirche erneut restauriert und man entfernte die barocke Einrichtung der Kirche und stattete sie mit einer dem damaligen  Zeitgeist angepassten neugotischen Ausstattung aus. Somit ist die St. Martin-Basilika heute eine spätgotische Hallenkirche mit neugotischer Ausstattung.

Das ehemalige Hochaltarbild von Caspar de Crayer wurde 1871 entfernt und ist heute im Stadtmuseum Amberg. Der neue Hochaltar, der goldglänzend den zentralen Punkt der weiten Halle bildet, wurde von Michael Meier und Paul Weiß aus Landshut im Jahre 1871 erschaffen. Er kam als 7000 Gulden teure Stiftung der Appelationsgerichtsrats-Witwe Franziska Bredauer von Landshut nach Amberg. Er ist in der Form einer Monstranz gebaut. Der Kirchenpatron St. Martin (mit Ganz) als Bischof steht auf der linken Seite und auf der rechten Seite steht der zweite Patron der Kirche, der Märtyrer St. Creszentianus (mit Schwert). Zu den Häuptern der zwölf Apostel krönt Maria, die Königin der Apostel, den Altar. Auf der Rückseite schließen die Figuren aus dem Alten Testament wie Melchisedeck, Abraham, Abel, Moses und Aaran den Kreis mit dem Neuen Kreis. Sie blicken in Richtung des Sakramentsaltar, der 1852 als erstes Stück der neugotischen Einrichtung erworben wurde.

Der neugotische Hochaltar im Chor
- Bild: Nefershapiland -

Rückseite des Hochaltars
befinden sich Statuen von Melchisedeck, dem König von Salem, Abraham, Abel, Moses und Aaron aus dem  Alten Testaments
(Bild: J. H. Pirzer)

Glasfenster: 

(Bilder Nefershapiland und J. H. Pirzer)

Im spanischen Erbfolgekrieg von 1703 wurden durch Beschuss die alten Glasfenster zerstört. Die heutigen Glasfenster sowie die neugotische Ausstattung stammt aus einer Restaurierung aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Im Jahre 2003 begann man mit einer umfassenden Renovierung besonders des Dachstuhls, die mittlerweile beendet ist.


 

Die einzelnen Kapellen waren zugleich Begräbnisstätten der Stifterfamilien. Ihre Wappen zieren noch heute Gewölbe und Wände. Als einstige Reichskirche galt St. Martin auch den kurpfälzischen Landesherrn viel. Mindestens 8 Wittelsbacher wurden hier bestattet. Pfalzgräfliche Trauungen und besonders Kindertaufen fanden immer wieder in St. Martin statt.

  1. Fatimakapelle oder Leonhardskapelle:

    Fatimakapelle oder Leonhardskapelle

    In dem nördlichen Seitenschiff beim Marktplatzeingang befindet sich die erste Kapelle, die jetzigen Fatimakapelle. In ihr befindet sich das Elisabeth-Fenster von 1894, eines der schönsten der Martinskirche.
    In der Kapelle steht heute eine Marienstatue in der Gestalt, wie Maria den Kindern von Fatima erschienen sein soll.

     

    (Bild: Nefershapiland)

     

  2. Helenenkapelle oder Laurentius-Kapelle
    Ein kleiner Rotmarmorstein erinnert an den Handelsherrn Lorenz Modler, gest. 1471, den Stifter der Laurentius-Messe. Er ist sehr klein kniend vor Gottesmutter dargestellt. Das Bild des barocken Laurentiusaltars, welches den Heiligen während seines Martyriums auf dem Roste zeigt, hängt an der Kapellenwand. (geschaffen 1731 vom Wiener Nikolaus Belau)

  3. Barbarakapelle
    In dieser Kapelle befindet sich eine Figur der heiligen Barbara, welche als Patronin des Bergbaus in Amberg besonders erehrt wurde. Das Bild in dieser Kapelle zeigt die Taufe St. Ottiliens durch St. Erhard.

  4. Marienkapelle oder Wolfgangskapelle
    Die künstlerisch bedeutenden Tafelbilder in der Marienkapelle stammen aus dem Jahre 1480. Sie stellen die Geburt Christus und die Anbetung der Könige dar. Der Flügelaltar mit der Madonna stammt aus dem 16. Jahrhundert. Im Altartisch ist der Leib des hl. Chreszentianus, des zweiten Patrons der Martinskirche verborgen.
    An den Wänden dieser Kapelle erblickt man zwei gute Renaissancetafeln (1562 und 1575) für zwei Kinder des Kurfürsten Ludwig. Besonders die Tafeln mit der Kreuztragung, den klassischen Karyatiden und den trauernden Putten mit Wappen und gesenkten Fackeln darf zu den besten Kunstwerken dieser Zeit gerechnet werden.
    Über dem Öffnungsbogen fallen die Wappen des Hans Klopfer (3 Berghämmer) und seiner Frau durch die kräftigen Profile auf.

    Marienaltar mit Tafelbildern

    Die Marienkapelle mit dem neugotischen Flügelaltar ist wohl die schönste der Kirche. Die anmutige, spätgotische Madonna aus dem frühen 16. Jahrhundert wurde im Rheinland erworben.

    Die etwas älteren Altarflügel waren schon 1810 im Besitz von St. Martin. Den neugotischen Schrein für diese wertvollen Stücke fertigte ein Amberger Schreiner an. 

     

    (Bild: Nefershapiland)

     

  5. Sebastianskapelle oder "Gießerkapelle"
    Erst im Jahre 1870 ist der Marienaltar in der Sebastianskapelle aus mehreren Figuren mit unterschiedlichem Alter zusammengestellt worden. Es ist eine Kombination von Arbeiten der Gotik und Neugotik. Drei Figuren aus der Zeit um 1500, eine sehr anmutige Madonna und die Aposteln Jakobus und Johannes, stehen im Mittelschrein. 
    die sehr plastischen Wappen über dem Öffnungsbogen mit dem Kreuz auf der Hand gehören den "Gießern", die zeitweise als Münzmeister in Amberg wirkten. Zwei Grabplatten erinnern an dieses Geschlecht, welches 1437 für diese Kapelle das Andreasbenefizium stifteten. 
    Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man von hier aus über dem Eingang zur Sakristei das ehemalige Hochaltarbild von Caspar de Crayer (1658). 

  6. Kapelle des hl. Nepomuk
    In dieser Kapelle befindet sich die kostbarste Bildtafel der Martinskirche. Dargestellt ist die Kreuzauffindung. Beachtenswert ist die großfigurige und kostbar gekleidete Personengruppe um St. Helena, die Mutter von Konstantin des Großen, die grabenden Arbeiter und die Szene mit der Verbrennung mehrerer Männer.

  7. Annakapelle mit dem Grabstein des Ehepaars Baumgartner
    Der Grabstein des Ehepaars Baumgartner aus dem späten 15. Jahrhundert liegt vor dem St. Annen-Altar. Beeindruckend ist auch die Vesper-Gruppe in dieser Kapelle. 

  8. Herz-Mariä-Kapelle
    Ein barockes Bild aus dem 18. Jahrhundert schmückt den Barbaraaltar und zeigt die hl. Barbara, die Patronin der "Tiefbauer" und der Bergleute vor einem Brunnen, in den sie ihr Richter zu stoßen droht. Wie das Laurentiusbild stammt es ebenfalls von dem Wiener Nikolaus Belau. Eine eindrucksvolle Arbeit ist aus die Vespergruppe in dieser Kapelle

  9. Kastnerkapelle mit dem neugotischen Nothelferaltar
    In der Vierzehn-Nothelfer-Kapelle mit dem neugotischen Notehelferaltar liegt das sehr aufwendige Grabmal für den 1494 verstorbenen Hans Kastner und seiner Frau. Das Ehepaar hatte die Kapelle mit einer gotischen Barbarafigur 1490 zu Ehren der hl. Barbara (Patronin desBergbaus) gestiftet. Nicht nur in dieser Kapelle ist das Wappen der Kastner mit dem roten Hirschgeweih zu finden, sondern auch anderorts in der Kirche. Das Kastnerwappen, nach dem von unten her ein Drache greift, wird von einer "wilden Frau" und einem "wilden Mann" gehalten.
    Außerdem befindet sich hier ein barockes Gemälde mit der Taufe St. Ottiliens durch Bischof Erhard.

  10. Sakramentskapelle

    Sakramentskapelle

    Diese Kapelle birgt einen neugotischen Altar. Vor der Kopie des Abendmahls von Leonardo da Vinci im Fenster, einer Liebhaberarbeit des schwedischen Gewehrfabrikinspektors de Rom, steht der reichgegliederte, neugotische Altar mit der Kreuzigungsgruppe und 2 Reliefs, die das Opfer Abrahams und Melchisedechs wiedergeben. Mit diesem Altar begann 1852 die Neugotik ihren Einzug in Amberg. 

    (Bild: J. H. Pirzer)

     

  11. Josefskapelle
    In dieser Kapelle steht ein Altar mit der heiligen Familie.

  12. Herz-Jesu-Kapelle
    In der Herz-Jesu-Kapelle steht an der Wand das klassizistische Grabmal für den 1787 verstorbenen Vizestatthalter von Morawetzky. Davor liegen im Pflaster zwei durch reiche Heraldik ausgezeichnete Grabplatten des späten 15. Jahrhunderts, die an das Geschlecht der Kämmerer von Talberg erinnern.

  13. Magdalenenkapelle
    In der Magdalenenkapelle steht ein reich gegliederter Dreifaltigkeitsaltar und ermöglich eine interessante Gegenüberstellung der Neugotik und der Gotik, wenn wir die vitale, gedrungene Gestalt des Hl. Nikolaus und den überidealisierten St. Benedikt der Neugotik vergleichend betrachten.

    Gleich daneben stellt das Glasfenster die Anbetung des Jesuskindes durch die Hirten da.

  14. Frühere Kapelle der Schuhmacherzunft mit Herz-Mariä-Altar 

    Schuhmacherkapelle:

    Die heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute und Kanoniere - mit dem hl. Dominikus und den hl. Alosius ziert den Herz-Mariä-Altar in  der früheren Kapelle der Schuhmacher-Zunft.

     

     

    (Bild: Nefershapiland)

  15. St. Anna-Kapelle oder Afrakapelle
    Die ehemalige St. Anna-Kapelle ist jetzt Zugang zur Sakristei. Dort hängt rechts von der Treppe ein weiteres Altar-Bild von Caspar de Crayers. Es zeigt die Verehrung Marias durch verschiedene Heilige zu sehen. Am linken unteren Bildrand ist der Maler selbst dargestellt.

  16. Kreuzkapelle
    Die vielen Jahrhunderte umfassende Kunstgeschichte der Kirche spiegelt sich ausgeprägt in der Ausstattung der Kreuzkapelle. Das bronzene Taufbecken vom Amberger Künstler Erasmus Kanlgießer wurde im Jahre 1417 gegossen. Auf dem Becken sind eine Kreuzigungsgruppe und die 12 Apostel dargestellt. 
    (beide Bilder:
    Nefershapiland)

    Den kunstvollen Deckel schuf 1728 der Amberger Schreiner Franz Xaver Schlott, der auch in den anderen Kirchen Ambergs viel gearbeitet hat. Dieses stand bereits in der Vorgängerkirche. Verschiedene Wappen weisen auf die Familien hin, welche einst dieser Kapelle besonders verbunden waren. Zwei Renaissance-Epitaphe für zwei Kinder des späteren Kurfürsten Ludwig, welche die Geburt Jesus und die Seligsprechung eines der Kinder zeigen, wurden 1568/69 geschaffen. 
    Um die Mitte des 18. Jahrhunderts erhielten die aus den Katakomben Roms stammenden, reich geschmückten Gebeine der heiligen Asterea ihren Platz im Altartisch. Der Altar selbst ist eine Arbeit der Neugotik.

  17. Xaveriuskapelle
    In dieser Kapelle zeigt ein Magdalenenbild rund um die Festtafel eine Fülle stilleberartiger Details. Magdalena niet vor Jesus, um ihm die Füße zu waschen.

  18. Johanniskapelle
    Ein Bild in der Johanniskapelle schildert die Taufe Christi durch den heiligen Johannes.

  19. Dreifaltigkeitskapelle
    In der letzten Kapelle, der Dreifaltigkeitskapelle sind nicht nur Spuren der ursprünglichen Bemalung erkennbar (z.B. im Gewölbe einige Engel und das Schweißtuch der Veronika, eine Petrusfigur am Gewände und die Himmelspforte), sondern auch die Schrammen des Zerstörungswerks von 1567, als die Gemälde abgeschabt werden mussten, ehe man sie übertünchte.

Das Grabmal Pfalzgraf Rupert Pipans:

Hinter dem Hochaltar ruht seit 1397 der älteste Sohn von König Rupert, der Pfalzgraf Rupert Pipan, in einer Tumba. Er war der erstgeborene Sohn von Kurfürst Ruprecht III. (1352-1410), welcher von 1400 bis 1410 die Krone des Deutschen Reiches trug, und dessen Gemahlin Elisabeth (1358-1411). Rupert, der den Beinamen Pipan trug, starb nicht nur in Amberg, sondern wurde auch hier am 20. Febr. 1375 geboren. Vermählt war mit Elisabeth von Sponheim (1365-1417), einer Angehörigen des pfälzischen Adels. Der junge Pfalzgraf war lt. Überlieferung auch am Zug gegen die Türken beteiligt, erlitt aber eine empfindliche Niederlage und erreichte mit nur wenigen seiner Getreuen die Heimatstadt. Bis zu seinem frühen Tod vertrat Rupert Pipan die Interessen der Kurpfalz in Amberg.

Seine letzte Ruhestätte fand der erst 22jährige Pfalzgraf, dem es aufgrund seiner wenigen Lebensjahre nicht vergönnt war, ein bedeutendes Bild als Fürst und Landesherr zu entwickeln, im Vorgängerbau der heutigen St. Martinskirche. Die Tumba, welche die sterblichen Überreste des jungen Fürsten enthält, wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in den Chor des jetzigen Kirchenbaues übertragen und befindet sich hinter dem Hochaltar.

Es ist die bedeutendste erhaltene gotische Bildhauerarbeit Ambergs. Er ruht fast vollplastisch auf der Deckplatte der in Sandstein gemeißelten Tumba, gekleidet in Harnisch mit Fürsten-Mantel und Hut. Mit der rechten Hand hält er das Banner mit den weiß-blauen Rauten, mit der linken das pfalzbayrische Wappen. Unter diesem springt ein kleiner Hund zu seinem Herrn empor. Ein Spruchband umrahmt die gesamte Deckplatte. Sie enthält folgende Inschrift:

"Anno  - d[omin]i - MCCCXCVII - obiit - illustr[is] - princ[eps] - dominus - Rupert Pipan comes - palatinus Reni - utr[jusque] - Baavarie - dux - in - die - conu[er]sinois - s[ancti] - Pauli."

Übersetzt lautet die Inschrift:
"Im Jahre des Herrn 1397 starb der berühmte Fürst, Herr Rupert Pipan, Pfalzgraf zu Rhein, Herzog beider Bayern (= Ober- u. Niederbayern), am Tag der Bekehrung des Heiligen Paulus (= 25. Januar)

(Quelle: Joh. Turmair's, genannt Aventinus, Bayr. Chronik, hg. v. Matthias Lexer 1888, VIII. Buch, Kap. 82, 528; KDB Stadt Amberg, 84-87)

Besonders interessant sind die Hochreliefs an den Seiten, wie Kreuzabnahme, Grablegung, Auferstehung  Christi und Tod Marias.  Noch nicht ganz verschwunden ist die Schwere der Romanik, das Filigrane der Gotik hat aber noch nicht eingesetzt. Die Tumba erscheint hier als Bindeglied zwischen romanischen Kirchenbau und der gotischen St. Martinskirche. 


siehe hier

Auf dem steinernen Hochgrabmal ist der Sohn von König Rupert plastisch mit Fürstenhut und Fürstenmantel dargestellt.
(Foto: Nefershapiland)

Tumba des Pfalzgrafen Rupert Pipan
hinter dem Hochaltar
(Foto: J. H. Pirzer)

Wenn man die Kirche durch den südlichen Ausgang verlässt, steht man auf dem Südteil des alten Martinsfriedhofes. Tausende von Ambergern hatten in diesem kleinen Erdenfleck ihre letzte Ruhestätte gefunden, ehe 1792 der Friedhof aufgelassen wurde.

Ölbergdarstellung

Ein sehr bedeutendes Werk aus dem späten 15. Jahrhundert, das glücklicherweise die kalvinischen Bilderstürmereien unzerstört überstanden hat, ist der Ölberg am einstigen Schulsteg, der zur längst verschwundenen Martinsschule führte.

 


(Bild: Nefershapiland)

 

St. Georgs-Kirche:

Die Georgs-Kirche hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie war, erbaut auf den Fundamenten zweier romanischer Vorgängerkirchen, die älteste Pfarrkirche Ambergs und als dreischiffige gotische Basilika ein Zeugnis mittelalterlicher Frömmigkeit. Das älteste Amberger Stadtsiegel zeigt den Drachentöter vor seiner romanischen Georgs-Kirche, die mehrere Türme besaß.

In der Chronik des Cosmas von Prag wird mitgeteilt, dass 1094 eine Pfarrkirche nahe Amberg existierte. Die Bischöfe von Prag und Olmütz berichten 1094, dass sie die große, weit außerhalb des Ortes gelegene Pfarrkirche von Amberg aufgesucht haben, wegen der vielen Leichen, die im Friedhof und in der Kirche lagen, jedoch rasch wieder weitergezogen sind. Pfarrkirche und Friedhof St. Georg und eine verheerende Seuche in Amberg sind so für 1094 archivarisch belegt.

Bei archäologischen Grabungen im Jahr 1977 wurden nicht nur Spuren einer älteren Georgs-Kirche gefunden, sondern man konnte erkennen, dass dieser ältere Bau zweimal erweitert worden ist. Es wurde dabei festgestellt, dass nach den damals vorübergehend freigelegten Grundmauern der Bau fast 20m lang war und eine ursprünglich halbkreisförmige Ostapsis, im Süden ein angebautes Seitenschiff und im Norden einen Turm und zwei Kapellen hatte. Wann diese in ihrer Längenerstreckung so bemerkenswerte Pfarrkirche errichtet wurde, konnte bis heute nicht genau ermittelt werden. Bekannt ist nur, dass die Georgs-Kirche im Jahre 1109 als Pfarrkirche dem Bamberger Stift St. Jakob übergeben wurde. Daraus geht hervor, dass sie zuvor unter der Obhut des Bamberger Bischofs stand.

Die St. Georgs Kirche, die zwei Vorgängerbauten besaß, ist in der Grundstruktur ein gotisches Bauwerk.
( Baubeginn 1349, Umbauten im 17. u. 18. Jahrhundert)

(Foto: Nefershapiland)

Die Kirche St. Georg blieb für viele Jahrhunderte die erste und einzige Pfarrkirche in Amberg.  Der heutige gotische Bau wurde 1359 begonnen und 1407 mit dem Langhaus vollendet, der Turm Anfang des 16. Jahrhunderts. Der Anlass für diesen totalen Neubau wird häufig in einem Brand gesehen, der evtl. über große Teile der Stadt wütete. Das neue Gotteshaus sollte symbolhaft die Bedeutung der umliegenden Hüttenwerksbesitzer festigen, unter deren Förderung der heutige Bau ebenso wie bei St. Martin als gotische Einturmkirche erfolgte. Jedoch ist die Baustruktur von St. Georg basilikal und keine Halle mit fast gleich hohen Schiffen, wie die jüngere Martinskirche. Die Abstufung des Langhauses verrät die Basilika, am Obergaden (obere Wandfläche des Mittelschiffs einer Basilika) sieht man heute anstelle der Spitzbogenfenster barocke Rundfenster.
Nachdem der große Chorraum vollendet war, konnte gegen 1390 die alte Kirche abgebrochen werden. Ein wohlhabender Hammerwerksbesitzer, Heinrich Hirssel beziehungsweise Hirschel, wird als "Baumeister" der Georgs-Kirche überliefert.
Eine Inschrift am Ostchor von St. Georg lautet:

Anno Domini MCCCLIX incoeptum est hoe asedificium in der S. Achotii Martyris = Im Jahre des Herrn 1359 wurde dieses Bauwerk begonnen am Tag des hl. Martyrers Achatius (22. Juni)

Erst im Jahre 1543 bekam St. Georg ein Ziegeldach, bis dahin hatte man sich mit Holzschindeln begnügt, die alle 10 Jahre erneuert werden mussten. 1544 setzte der Amberger Kupferschmied Fröhlich dem Turm statt des ursprünglichen Bleidachs die jetzige Kuppel auf. Im 16. Jahrhundert diente das erste Turmgeschoss als Gefängnis, hoch oben unter der Kuppel dagegen richtete man eine Türmerstube ein. 1553 wurde St. Georg nach dem Tod des letzten katholischen Stadtpfarrers Helbing evangelisch. 

Luftbild der Georgs-Kirche
- umgeben von den Gebäuden des mächtigen Malteserkomplexes -

Die Kirche wurde besonders hart von den Religionswirren getroffen. Sofort nach der Besetzung Ambergs 1621 durch die Truppen des bayrischen Herzogs Max übernahmen die Jesuiten die Georgs-Kirche, die von 1628 bis 1774 deren Kollegkirche war. Ab 1629 gingen die Pfarrkirchenrechte auf die benachbarte Bürgerkirche St. Martin über. Die Jesuiten gingen respektvoll mit dem Altbau um und renovierten vor allem das Inne in zwei Hauptphasen: 1652 wurde die Kirche ganz ausgeweißt  und in eine "elegante Form"  gekleidet. Verantwortlich für die erste Barockvisierung war Francesco Garbanini, für die zweite Johann Baptist Zimmermann und Johann Adam Müller. Die Außenrenovierung erfolgte 1656 und 1662 die Aufstellung einer Orgel für 345 Gulden. 1669 waren die beiden großen Seitenschiffaltäre St. Ignatius und St. Franz Xaver geweiht worden. Für den ca. 18m hohen Hochaltar lieferte der Jesuitenfrater Johannes Hörmann 1694 die Zeichnung und Johann Heiß aus Augsburg das Altarblatt, welches jedoch 1766 gegen das heutige, von Johann Nepomuk Schöpf bestellte Gemälde ausgetauscht wurde.

Allerdings kam es auch beim Umbau durch die Jesuiten zu manchem sinnlosen Zerstörungswerk. Da wurden schöne Grabplatten der Renaissance zu Altarstufen umgearbeitet und völlig beseitigt wurde das Maßwerk in den Fenstern. Bis zur Übernahme durch die Jesuiten stand vor der Kirche der hohe Turm des Georgentors, das die Jesuiten 1630 schließen und anschließend abreißen ließen und dafür das Neutor südöstlich des Kollegbaues eröffnet.

Mit der am am 21. Juli 1773 vom Papst Clemens  XIV. verfügten Aufhebung des Jesuitenordens begann ein neues Kapitel in der Geschichte der Georgs-Kirche. Im Jahre 1781 bestimmte Kurfürst Karl Theodor das gesamte Jesuitenvermögen für den Malteserorden. Am 2. Juli 1782 wurde die St. Georg-Kirche dem Ritterorden übergeben, was aber keine geistliche oder künstlerische Aktivität zu Folge hatte. Nach Auflösung des Malteserordens 1808 wurde St. Georg zur Garnisons- und Studienkirche bestimmt. Die Pfarrkirchenrechte hatten die Jesuiten ja schon 1629 an die Martinskirche abgegeben. Danach versank St. Georg im 19. Jahrhundert in einen "Dornröschenschlaf", aus dem sie nicht einmal der 1884 in ihr tagende 31. Deutsche Katholikentag so recht aufzuwecken vermochte. Dadurch blieb aber die einzigartige Barockausstattung erhalten. 1923 wurde die Georgs-Kirche wieder Pfarrkirche und es kehrte Leben zurück. 1935-54 erfolgte eine wegen der knappen Finanzlage oberflächlichen Außen- und Innenrenovierung. Erst 1977-1984 ließ Stadtpfarrer Hans Roidl eine weitere Gesamtrestaurierung durchführen.

Beschreibung von St. Georg:

Gotische Formen bestimmen das äußere Erscheinungsbild des Gotteshauses, Besonders ausgeprägt zeigt die aufstrebende Turmfront mit dem schlanken, hohen Treppentürmchen diesen Stil. Der Turm ist äußerst ungewöhnlich: Vom Rechteck geht er ins Quadrat und schließlich ins Achteck über.

Der Turm von St. Georg
(Bild: Nefershapiland) 
Haupteingang St. Georg
(Bild: Patrick Pirzer)

Vom ursprünglichen Schmuck des vornehmen Hauptportals überstanden nur die zierlichen Laubwerkkonsolen und Baldachine die Jahrhunderte bzw. die Bilderstürme. 

St. Georg ist ein Musterbeispiel für den Zusammenklang verschiedener Stilepochen. Ein gotischer Bau und eine barocke, teilweise auch dem Rokoko angehörenden Ausstattung vereinen sich hier zu einer feierlichen Harmonie, wie sie nur wenigen Kirchen eigen ist.

Beim Eintreten durch das Westportal bietet sich dem Besucher ein beeindruckender Blick durch das Langschiff auf den Hochaltar. Das Mittelschiff, die zwei niedrigen Seitenschiffe, der lange Chor als Fortsetzung des Mittelschiffes und die Kreuzgewölbe an den Decken sind typisch gotisch. Die Architektur der Gotik ist aber völlig von den Zierformen der Barockzeit umkleidet.

Blick vom Westportal auf den Mittelgang der Georgs-Kirche mit Hochaltar


Der Hochaltar von 1695 des Münchner Hofmalers Johann Nepomuk Schöpf.
(Bild: Nefershapiland)

Die Arbeiten des Asamschülers Adam Müller (1723) an den Deckengemälden des Mittelschiffs zeigen die Taten und das Martyrium des h. Georg. Besonders die beiden letzten Bilder im Chor (St. Georg am Rad und Enthauptung des Heiligen) sind eine gute Arbeit. 

Gewölbefresko von Johann Adam Müller 1710/22
- heiliger Georg auf dem Gewölbefresko - 

Blick in das Hochschiffgewölbe
Struck von Johann Baptist Zimmermann,
Fresken von Johann Adam Müller
(Bild: Nefershapiland)

Die Arbeiten des Asamschülers Adam Müller (1723) zeigen die Taten und das Martyrium des hl. Georg in den Deckengemälden des Mittelschiffes. Besonders die letzten beiden Bilder im Chor (St. Georg am Rad und Enthauptung des Heiligen) sind gute Arbeiten. Die Bilder zwischen den zwölf Aposteln zeigen dann, wie St. Georg Gebete erhört und hilft. 

Linke Hochschiffwand
"IN INCENDIO"
Aus Amberg Verstoßene, Kranke, von Seuchen Befallene finden hier außerhalb der Mauern 
Zuflucht bei St. Georg.

Südliche Hochschiffwand
"IN PUGNA NAVALI"
- die Seeschlacht von Lepanto (7.10.1571) -
Fresko von Johann Adam Müller

 

Aposteldarstellung mit Fresko
 auf der rechten Hochschiffwand
"IN OBSIDIONE"
- der hl. Georg steht Bedrängten bei der Belagerung der christlichen Bastion Wien durch das türkische Herr bei -

(Bild: Nefershapiland)

Aposteldarstellung mit Fresko
auf der nördlichen Hochschiffwand
Der Heilige steht Bedrängten  "in duello"
im Zweikampf einem christl. Ritter gegen einen offensichtlich "Andersgläubigen" bei.

(Bild: Nefershapiland)

Den logischen Abschluss der Darstellung vom Leiden und Wirken des Kirchenpatrons bringt das Hochaltarbild von Hofmaler Schöpf (1767) mit der Glorifikation des hl. Georg. Der imposante Aufbau des Hochaltars - wahrscheinlich ist er dem barocken Hochaltar von St. Martin nachgebildet worden - ist nach einem Entwurf des Jesuitenfraters Hörmann 1694 geschaffen worden.

Hochaltarbild

Der Münchner Hofmaler Johann Nepomuk Schöpf schuf 1755 dieses Hochaltarbild, das den Hl. Georg zeigt, über ihm die Darstellung der Heiligen Familie und als Abschluss das Bild des Heiligen Vaters. Das Bild präsentiert St. Georg als Nachfolger Christi, der dem Bereich des Irdischen ganz überwunden scheint. Georg ist dessen Gesetzen nicht mehr unterworfen und lässt auch seine Kriegswerkzeuge wie Lanze, Schwert und Schild los. Er sieht seiner Aufnahme in den Himmel entgegen, getragen und begleitet von Cheruben und Putten. Über allem verströmt ein immanentes Licht seinen Glanz, das Auge Gottes.
(Quelle: Pfarrei St. Georg)

(Bild: Nefershapiland)

 

Die barocke Pracht der St. Georgs-Kirche wurde von den Meistern der damaligen Zeit geschaffen.
 Johann Baptist Zimmermann erstellte prächtige Stuckaturen.
(Fotos:
Andre Kottlewski, Aachen)

Die ältesten, heute noch bestehenden Altäre der Georgs-Kirche sind die beiden großen Seitenaltäre am Ostabschluß der Seitenschiffe. Sie zeigen den Ordenspatron Ignatius von Loyala und Franz-Xaver. Am Ignatiusaltar, 1669 geweiht zeigt das  1671  angebrachte Altarblatt aus der Werkstadt Caspar de Crayers die Vision des hl. Ignatius. 

Das linke Altarbild zeigt (lt. Jesuitenchronik von Caspar de Crayer) Ignatius in der Kasel vor einem Kreuz. Mit der einen Hand auf Rüstung, Helm, Kanonenrohr und Kugel, Fahne und Trommel als Zeichen seiner militärischen Vergangenheit verweisend, stützt er sich mit der anderen auf eingeöffnetes Buch und wendet sich so der Welt des Geistes zu. Die Inschrift lautet: AD MAJOREM DEI GLORIAM - zur größeren Verherrlichung Gottes. In der Höhe zeigen ihm Engel in einer Vision die Buchstaben "IHS",  die daraufhin zum Wappenzeichen des Jesuitenordens wurden.

Linke Seitenaltar
Hl. Ignatius
- der Gründervater des Jesuitenordens -
(Bild: Nefershapiland)

Rechte Seitenaltar
Ordenspatron Franz Xaver
- Apostel der "östlichen Inder"! -
(Bild: Nefershapiland)

 

Altar des Hl. Franz-Xaver

Der rechte Seitenaltar wurde im Jahre 1668 errichtet (geweiht 1669) und ist dem Hl. Franz-Xaver, einem Angehörigen des Jesuitenordens geweiht. Das Altarbild, welches das Thema Taufe herausstellt,  stammt wahrscheinlich ebenfalls aus der Werkstatt von Caspar de Crayer. 
Die Aufschrift auf dem Franz-Xaver-Altar nennt diesen "den Apostel der östlichen Inder" - ORIENTALIUM INDIUARUM APOSTOLUS - in Gegensatz zu den westlichen Indern, d. h. den Indianern in Amerika.
        (Bild: Nefershapiland)

1868 wurde dieser Altar errichtet. Bei der Belagerung Ambergs 1703 wurde dieses Bild sehr beschädigt und musste teilweise ergänzt werden. Das kleine Bild unter dem Crayer-Gemälde stellt keine Frauengestalt dar, sondern den heiligen Mauritius, den Patron der Malteserritter. Es ist eines der ganz wenigen Andenken, welche diese Rittersleute sich in St. Georg geschaffen haben.

Über den Rundbögen, welche die Seitenschiffe vom Langhaus abgrenzen thronen 12 stuckierte Figuren der Apostel, auf jeder Seite 6
(Bild: Andre Kottlewski, Aachen)

Die Kanzel wurde zwischen nördlichen Seiten- und 
Mittelschiff aufgerichtet  
(Bild:
Andre Kottlewski, Aachen)

Selbst die große Barockkanzel fällt nicht besonders auf, weil der hohe Raum so harmonisch ausgestattet wurde. Kennzeichnend für Jesuiten-Kirchen ist der posaunende Engel auf dem Kanzeldeckel, Sinnbild für die weltweite Glaubensverkündigung durch den Orden Loyolas. Die Kanzel wurde im Jahre 1702 zwischen nördlichem Seiten- und Mittelschiff aufgerichtet. Ihr Schalldeckel trägt die Figur des hl. Michael auf der Weltkugel. Er hält in seiner rechten Hand eine Schriftrolle, die verkündet, dass Himmel und Erde vergehen, das Wort Gottes aber nie.

Innenansicht mit Blick zum Orgelprospekt

Die Kanzel der Georgs-Kirche
mit Posaunenengel, errichtet 1702 wahrsch.
nach Plänen von Fr. Johannes Hörmann SJ.
(Bild: Nefershapiland)

 

Überrascht ist man, wenn man vom Mittelschiff zurück zum Turm blickt. Unter dem gotischen Gewölbe, das barockes Zierwerk eingekleidet, steht aufgelöst und elegant das Rokokogehäuse der Orgel von 1767. 

Die Gebrüder Oberlinger bauten 1980/81 ein völlig neues Orgelwerk mit großem Geschick in das alte Gehäuse ein. Dieses Werk hat 3610 Pfeifen.


                            (Bild:
Nefershapiland)                          

Von den vier Seitenkapellen hat die Kreuzkapelle im nördlichen Seitenschiff den ältesten Altar, der durch die Aufschrift
"ALTARE PRIVILEGIATUM CONFR. AGONIA CHRISTI PRO IMPETRANDA BONA MORTE als Hauptaltar der Bruderschaft vom Todeskampf Christi zur Erlangung eines guten Todes ausgewiesen wird. In der nördlichen Kapelle zeigt das Altarbild eine von Casper de Crayer gemalte "Kreuzabnahme". Das meisterhafte Bild de Crayers der Kreuzabnahme "lässt den landgestreckten toten, gleichsam diagonal vom Kreuz herunterfließenden Christuskörper von allen umstehenden Personen aufgefangen werden". (siehe Lampl 1984, S. 15) Vom Kreuz strömt das Heil, alle empfangen es. Magdalena als unterste Zentralfigur stützt mit verweinten Augen hingebungsvoll die Füße Christi. Auf dem Gemälde von Casper de Crayer wird über dem Jesus-Haupt eine maßstäblich kleinere Gestalt mit grünem Rock, kurzem Haar und Portraitzügen sichtbar, wahrscheinlich der Meister selber.

Die Kreuzkapelle mit dem berühmten Altarbild "Kreuzabnahme" errichtet 1675
- aus dem Nachlass von Caspar de Crayer  (gestorben 1672)
(Bilder: Nefershapiland)


In der Mitte des südlichen Seitenschiffes - zum jetzigen Pfarrgarten hin -  liegt der Marienaltar, welcher das 1696/97 vom Münchner Hofmaler Johann Andreas Wolf gefertigte Altarbild der Immaculata und den Tabernakel mit dem kleinen, möglicherweise aus der Schule van Eycks stammenden Gnadenbild "Maria als der in den Flammen unversehrte Dornenbusch" enthält. Diesen merkwürdigen Beinamen erhielt das ikonenhafte Bild aus dem Kloster Kastl, nachdem es den Bildersturm sowie eine Verbrennungsabsicht weitgehend unversehrt überstanden hatte, abgesehen von Kratz- und Schnittverletzungen, die auch heute noch zu sehen sind. Das Altarbild "Maria Immaculata" bildet den Gegenpol zur Kreuzabnahme. Im umschriebenen Kreuzestod liegt der Verweis auf die Eucharistie.
Auffallend ist auch der tabernakelähnliche Aufbau aus vergoldetem Kupferblech, verziert mit silbernem Laubwerk und durch Säulchen aus blauem Glas gegliedert. Er umschließt ein kleines, spätgotisches Tafelbild, Maria mit dem Kind darstellend, die Arbeit eines Niederländers um 1450. Eine Steintafel berichtet über den Weg dieses kleinen
Gemäldes von einer Mönchzelle in Kastl. zum Scheiterhaufen, dann in ein Versteck und schließlich in die Georgs-Kirche. Das Kapellengewölbe ziert fröhliches Rokokogeranke. 

Das Altarbild von Wolff zeigt Maria als Lichtgestalt vor noch lichterem Wolkengrund, die eine Fußspitze auf die von der Schlange umzingelte Weltkugel gesetzt, mit der anderen die Mondsichel berührend; Engel mit Lorbeerkranz und Rauchgefäß gegen Geleit wie bei einer Himmelfahrt. Über Maria schwebt der Heilige Geist wie bei einer Verkündigung.

Marienkapelle
mit dem Altarbild 1695 "Maria Immaculata"
 von Andreas Wolff, München
(Bild: Nefershapiland)

Aloisiuskapelle, Rokoko 1754
Altarbild von Johann Georg Wolcker

(Bild: Nefershapiland)

Die Aloisiuskapelle wurde 1754/55 geschaffen. Dieser Heilige des Jesuitenordens galt als Patron der Studenten. Ein beschwingter Rokokoaufbau aus der Werkstatt der Pacher umrahmt das Altarbild, ein gutes Werk des Augsburger Malers Johann Georg Wolcker. Die Altarbilder zeigen in der südlichen Kapelle den hl. Aloisius, wie er vor dem Kruzifix kniet, unter sich abgelegte Kronen und Szepter, über sich das Bild Mariens und das Zeichen IHS, am rechten Bildrand als Proszeniumsfiguren zwei Putti mit der Lilie als Symbol der Keuschheit; in der nördlichen Kapelle einen heiligen Schutzengel, der ein Kind auf Stufen an einer feuerspeienden Natter vorbei himmelan zum bekrönten Kreuz  Christi führt. In dem ovalen Bildrahmen an der Predella sind Reliquien des Heiligen Aloisius geborgen bzw. am Schutzengelaltar das Bild von der Kommunionsspendung an den heiligen Stanislaus Kostka eingesetzt.

Zu der weiteren Ausstattung St. Georgs gehören der Taufstein mit Spitzbogenfries, der wohl um 15. Jh entstand, Chorgestühl und Langhausgestühl., um 1701 und 1702 nach Entwurf von Frater Johannes Hörmann aus Eichenholz, mit großer schnitzerischer Gestaltungskraft geschaffen und die Beichtstühle, zwischen 1700 und 1710, die frühesten an der Westwand mit Oberbildern, die zur Buße bezogen sind: Christus der Gute Hirt, die Aufnahme des verlorenen Sohnes, ein Engel mit den Gesetzestafeln, Adam nach der Paradiesvertreibung, Petrus nach dem Hahnenschrei, Magdalena in der Büßergrotte, König David mit der Harfe, St. Michael mit dem Flammenschwert zwischen dem Höllenschlund und der Krone des ewigen Lebens, Christus mit Petrus.

Der frühere Pfarrfriedhof, heute zwischen Kirche und Stadtmauer gelegen, ist ein stiller, besinnlicher Platz. Bis ins Jahr 1630 fanden hier die Angehörigen der ausgedehnten Pfarrei Ambergs ihre letzte Ruhestätte. Nur noch wenige der schönen Grabdenkmäler bleiben erhalten.

Der restaurierte Platz zwischen Kirche
 und Stadtmauer
(Bild: Nefershapiland)

Grabstein vom alten Georgsfriedhof
- die Auferstehung der Toten beim 
Jüngsten Gericht -
(Bild Nefershapiland)

 

Grabstein vom alten Friedhof
aus dem Oberpfälzer Rot-Sandstein 
mit der
Darstellung der Marter-Instrumente
(Bild: Nefershapiland)

Bruchstück eines Grabsteins aus Oberpfälzer Rot-Sandstein


(Bild: Nefershapiland

Am 23. April feiert die Kirche den Tag des heiligen Georg. In die Georgswoche fällt der Amberger "Krüglmarkt". Er findet am Ende der Georgenstraße am Malteserplatz statt und bietet nicht nur Keramik an. Den Krüglmarkt gibt es seit 1987.

Mariahilf-Bergkirche:

Der Mariahilfberg liegt hoch über der Stadt Amberg. Der Höhenrücken des Berges liegt 517 m über dem Meeresspiegel und ist mit seinen natürlichen, talähnlichen Senken, den vielen mittlerweile bewachsenen Steinbrücken und Steilabhängen sowie seinem üppigen Waldbestand ein abwechslungsreiches Wandergebiet.

Der Fußweg hinauf ist zwar anstrengend, lohnt sich aber, denn oben angekommen findet man nicht nur eine der schönsten Barockkirchen der Oberpfalz, sondern der Besucher kann auch von der Terrasse des kleinen Berg-Cafés aus einen beeindruckenden Blick von oben auf die Stadt Amberg und bei gutem Wetter auch auf die Umgebung werfen. 

Die rings um die Kirche verlaufenden Waldwege laden den Besucher zum Spaziergang ein. 

(Bild: Nefershapiland)

 

Von der nahen Bergwirtschaft, dem 1710 erbauten einstigen Mesnerhaus, kann man nicht nur die Altstadt, sondern bei guten Wetter auch die weite Landschaft bis zu den bewaldeten Albhöhen am Horizont in rund 25 km Entfernung überblicken. 

Bergkirche und angrenzendes ehem. Hospiz

(Bild: Nefershapiland)

Mariahilfsberg-Gaststätte
- ehemalige Mesnerhaus, erbaut 1710 -
- Von hier aus hat der Besucher bei guten Wetter eine schöne Aussicht auf die Stadt Amberg -

(Bild: Nefershapiland)

Die strenge Frontalansicht der Kirche zeigt deutlicher als ein Besuch vor Ort die Wuchtigkeit des Chorturms, der sich etwas hinter der Fassade bzw. dem Baublock versteckt. Auch das ansteigende Gelände verhindert den freien Blick auf den Turm.

Zwischen Hauptportal und ehem. Hospiz ist der etwas versteckte Turm mit der mächtigen achteckigen Zwiebelhaube mit "Laterne", welche den Turm bekrönen und einem oberen Zweitturm zu sehen. Die Fassade wird geschmückt von den Evangelisten 
und einigen Heiligen.
(Bilder: Nefershapiland)

 

Fassade der Bergkirche

An der gelben Sandsteinfassade befinden sich die Figuren des heiligen Antonius und Franziskus und in der Mitte die Gottesmutter.

 

(Bild: Nefershapiland)

Das angrenzende Franziskanerkloster wurde 1697 gegründet und stand nach der Säkularisation für fast 30 Jahre leer. 

Das Franziskanerkloster
 rechts neben der Bergkirche



(Bild: Nefershapiland)

Denkmal des hl. Franz von Assisi
- Der Heilige gilt vielen wegen legendärer Erzählungen von der "Vogelpredigt" oder vom von Gubbio als erster Tierschützer der Welt

(Foto: Nefershapiland)

Geschichte der Mariahilf-Bergkirche:
Während des 30jährigen Krieges 1633/34 suchte die Pest die Stadt Amberg heim und alle ärztlichen und organisatorischen Maßnahmen schlugen fehl. Als dann alle irdischen Mittel das Unheil nicht abwenden konnten, gelobte dann die Amberger Bürgerschaft und das in Amberg stationierte Militär, auf Anraten des Rektors des Jesuitenkollegs P. Kaspar Hell, auf dem sich über Amberg erhebenden Berg ein Marienheiligtum zu erbauen. Da es aber an Geld und Arbeitskräften mangelte, wurde in aller Eile der an Stelle der alten Burganlage verbliebene Wachtturm hergerichtet. Zwar hörte erst mit Beginn der kälteren Jahreszeit die Seuche endgültig auf, die Überlebenden waren aber überzeugt - und diese Überzeugung kam nicht von ungefähr - dass nur ein Wunder ihnen das Leben gerettet habe, nachdem gut ein Drittel der Amberger in den Pestgräbern lag und ganze Gassen ausgestorben waren.

Die Bergkirche "Mariahilf"
- Die Wallfahrtskirche ist ein einschiffiger Rechteckbau mit stark eingezogenem Chor. Zwischen den breiten Wandpfeilern haben je drei Seitenkapellen Platz, die mit Quertonnen gewölbt sind. Zu beiden Seiten des Altarraumes befinden sich Sakristeien mit Oratorien.
(Foto von einer käuflich erworbenen Postkarte)

 

                        Gnadenbild
Die noch heute als Gnadenbild verehrte Darstellung Marias mit dem Jesuskind ist eine frühe Kopie des Mariahilfbildes von Lukas Cranach, die die Jesuiten aus diesem Anlass  gestiftet haben. Am 3. September 1634 wurde das Bild in feierlicher Prozession auf den Berg getragen. In Erfüllung des Gelübtes wurde alsbald mit dem Bau einer Kapelle begonnen, die 1646 durch einen Brand bis auf das Mauerwerk zerstört wurde, wobei das Gnadenbild unversehrt blieb.
(Gnadenbild Mariahilf by Lucas Cranach d. Ä., Innsbruck Austria)
Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bereits 1649 wurde die Kapelle wiederhergestellt, doch wurde der Zustrom der Wallfahrer von Jahr zu Jahr größer und so entschloss man sich zum Bau einer größeren Wallfahrtskirche, mit dessen Errichtung 1697 begonnen wurde. Gleichzeitig wurde ein Hospiz auf dem Wallfahrtsberg gebaut. 1696 brach man die alte Rundkapelle ab und legte im nächsten Jahr die Fundamente der jetzigen Kirche.

Planung und Ausführung hatte der Amberger Maurermeister Georg Peimbl, der damals nur unter seinem Spitznamen "Dackel" bekannt war. 1702 waren die Bauarbeiten weitgehendabgeschlossen. Ursprünglich hatte die Kirche keinen Turm, sondern nur einen bleigedeckten Dachreiter über dem Chor. 

Über eine 1859 erschaffene imposante Treppenanlage gelangt man in die Kirche. Es ist ein einschiffiger, mächtiger Gewölbebau mit Emporen, welche zwischen den Wandpfeilern eingezogen sind. Im unteren Bereich entstanden je drei Seitenkapellen. 

Eine monumentale dreiseitige Treppenanlage aus 23 Granitstufen und einem Freialtar prägen den Vorplatz der Bergkirche. Die Kirche ist aus räumlichen Notwendigkeiten selbst nicht wie sonst üblich nach Osten gewandt, sondern nach Nordwesten ausgerichtet.

Das Hauptportal der Bergkirche
An der gelben Sandssteinfassade sind die Figuren der Evangelisten zu sehen.

 

 



(Foto: J. H. Pirzer)

Große Drangsale hatten die Patres der Bergkirche zu überstehen, als während des Koalitionskrieges französische Soldaten am 18. August 1796 den Berg erstürmten. Sie richteten nicht nur großen Sachschaden an, sondern misshandelten auch die Bewohner in so roher Weise, dass einer von ihnen, P. Apollonius Roßkopf, eine Woche später seinen schweren Verletzungen erlag. Nach Abzug der Franzosen konnten die Franziskaner am 27. August 1796 wieder ihr verwüstetes Hospiz beziehen.

Die Wallfahrtskirche Maria-Hilf wird von dem Franziskanerorden betreut. Von Anfang an ist dieser Orden mit dem Dienst der Wallfahrtsseelsorge auf dem Maria-Hilf-Berg betraut. Es ist die letzte Niederlassung des Ordens in der Stadt Amberg. Das frühere Franziskanerkloster wurde 1804 in der Säkularisation aufgehoben. Das Klostergebäude ersteigerte der Melber Thomas Bruckmüller, der hier einen Gasthof einrichtete, die Klosterkirche fand als Theater Verwendung. Das Hospiz auf dem Mariahilfberg wurde ebenfalls aufgehoben, da die Mönche dem Gehorsam des Guardians im Stadtkloster unterstellt waren. Für fast 30 Jahre stand das Franziskanerkloster beinahe leer. 1832 erneuerte Ludwig I. das Franziskanerhospiz auf dem Berg, das von zwei Patres, einem Laienbruder und einem weltlichen Koch bezogen wurde. Auf Drängen des Amberger Stadtmagistrats kam bereits 1833 ein weiterer Pater hinzu. Das Hospiz wurde am 9. August 1908 zum Konvent erhoben. 1914 wirkten in der Wallfahrtsseelsorge vier Patres, unterstützt von sieben Brüdern.

Die oberste Kapelle des Stationsweges
- von der Bergkirche aus gesehen -


(Bild Nefershapiland)
Einst begleiteten mehrer Kapellen 
den Stationsweg hinauf zum Bergrücken.
Diese Kapelle unterhalb der großen Kirche ist die letzte noch stehende.
(Bild: J. H. Pirzer)

Die Heilige Grabkapelle ist heute die 14. Station des Kreuzwegs auf den Mariahilfberg, der erst 1859 entstanden ist. Hans Hummel, ehemaliger Stadtheimatpfleger, fand herus, dass es einst insgesamt sieben baugleiche Kapellen gab, die den Stufenweg hoch bis zum Mariahilfberg reichten. Entstanden sind sie in den Jahren 1673 bis 1675 und waren den damals bekanntesten Marienwallfahrten gewidmet - von Altötting über Neukirchen Hl. Blut bis hin zu Ettal.

Übrig geblieben ist nur noch die oberste von ihnen, die Hl. Grabkapelle, die der Wallfahrt von Maria Loretto gewidmet war. Alle anderen fielen dem Erlass des bayrischen Ministers Maximillian Graf von Montgelas vom 16. April 1803 zum Opfer, wonach Feldkapellen entweder verkauft oder abgetragen werden mussten. Für die sechs Marienkapellen den Berg hoch erzielte die Stadt Amberg zwischen sechs und zwölf Gulden, die oberste blieb erhalten, weil in ihr die Messe incl. Kommunion gefeiert wurde und sie damit als "richtige" Kirche und nicht als Kapelle gegolten hat.
(Quelle: Amberger Lokalblatt (ass) )

Kreuzwegstation XIII.
- Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß Marias gelegt -
(Bild: Nefershapiland)

Kreuzwegstation XII.
- Jesus wird erhöhet und stirbt am Kreuze -

(Bild: Nefershapiland)

 

Kreuzwegstation XI.
Jesus wird ans Kreuz genagelt



(Bild: Nefershapiland)

Der Kreuzweg auf den Mariahilfberg
Beim Beginn des Stationsweg - er wurde 1859 geschaffen - zweigt der alte Stufenweg ab, der beschwerlicher ist, aber schneller hinauf zur letzen der einst sieben Kapellen führt.
(Bild: Nefershapiland)

 

Neben dem Stationsweg befindet sich der Grabstein eines gefallenen österreichischen Offiziers der im spanischen Erbfolgekrieg im Jahre 1703 (siehe "Amberger Knödel" auf der Ambergerseite ) gefallen war. 

 

 

 

(Foto: Nefershapiland)

Bis heute ist die Faszination der Wallfahrt auf dem Berg ungebrochen geblieben. Heute wie damals schmecken nach den geistlichen Verrichtungen während des alljährlichen Bergfestes um "Maria Heimsuchung" am 2. Juli Bier, Brezen und Bratwürste! 

Fünf polnische Franziskaner-Patres aus der Provinz "Mutter Gottes von den Engeln! (Krakau, Polen) betreiben seit dem 1. September 2007 das Kloster. Die Ursache für den Wechsel zu den polnischen Franziskanern war der Mangel an deutschen Priestern, da auch Bayern leider nicht davon verschont geblieben ist.

Die Ausmalung der fünf Deckenfresken in der Bergkirche stammen von Cosmas Damian Asam. Am 28. September 1716 schloss die Stadt Amberg mit ihm einen Vertrag über die Ausmalung der Bergkirche. Gleichzeitig legte dieser Vertrag das Programm der Bilder fest. Die fünf Hauptblätter, also die großen Fresken im Deckengewölbe, zeigen die Historien der Wallfahrt von 1634 bis 1715, wobei jedem Bild eine Beischrift mit Chronostichon zugesellt wurde. Für das erste Hauptblatt wähle man die Darstellung der Pest in Amberg. Die Motive der Fresken sind vom Chor aus in Richtung Eingang folgende:

  1. Die Pest in Amberg 1634

  2. Die Übertragung des Gnadenbildes in den Bergfried

  3. Die Rettung des Gnadenbildes während des Brandes 1646

  4. Die Weihe der Wallfahrtskirche Maria-Hilf

  5. Gläubige pilgern zum Mariahilfberg

Die  Pest von 1634 vor dem Amberger Rathaus
Das 1. Bild beginnt mit der Darstellung der Pest in einer Szene vor dem Amberger Rathaus.

(Bild: Nefershapiland)

           Die Weihe der Wallfahrtskirche Maria-Hilf
Gut zu erkennen ist auf dem Gemälde der Kircheneinweihung des prächtigen Gotteshauses mit Stuck

                      Bild: Nefershapiland)

 

Gott Vater im Giebelfeld des Hochaltars (d'Aglio 1702)

(Bild: Nefershapiland)


                Gläubige pilgern zum Mariahilfberg
Das Schlussbild bei der Orgel zeigt vornehme Wallfahrer, die hinauf zum Berg pilgern. Die lat. Inschrift lautet: "Durch neuen Glanz bereichert zieht das hehre Gotteshaus die Völker an." Das Chronogramm ergibt das Jahr 1717.
                                (Bild:
Nefershapiland)

Bei der Ausgestaltung der Kirche wirkten viele Amberger Handwerker mit. Ihre Arbeiten waren ebenbürtig neben denen der großen Künstler Asam und Carlone. Der Stukkateur Rothärmel schuf 1712/13 die Kanzel. Die Gestalt des Apostel Paulus steht auf dem Kanzeldeckel. Die Beichtstühle fertigte 1726 der Schreinermeister Gg. Wolfgang Pacher und der Bildhauer Franz Schlott an. Mathias Pesl malte die Bilder dazu. 

Der mächtige, einschiffige Gewölbebau wird durch Pfeiler und Emporen gegliedert. Bei aller Pracht wird dieser Innenraum feierlich und würdig.
(Bild: Nefershapiland)

Die Deckenfresken von Cosmas Damian Asam aus den Jahren 1717-1718 und die Orgel

(Bild.
J. H. Pirzer)

Den Innenraum haben bedeutende Meister geschaffen. Die Stukkaturen schufen Johann Baptist, Diego Carlone und 
Paul d`Aglio. Arbeiten dieser Italiener finden wir in Passau, Waldsassen und Schierbach, um nur einige Orte zu nennen. 

Im Altarraum ist die Notzeit der Pest von 1634 in düsteren Farben dargestellt, umgeben von Zeichen der Hoffnung. Besonders beachtenswert ist aber das Herzstück der Anlage, der 1703 entstandenen Hochaltar, der nur in den unteren Teilen aus echtem Marmor besteht und die großen Figuren der Verwandten des Herrn an den Pfeilern. 

die Kanzel der Bergkirche

- Bild: Nefershapiland -

der 1703 entstandenen Hochaltar
- nur in den unteren Teilen besteht er aus Marmor -
- Bild:
Nefershapiland -

Der Stukkateur Rothärmel schuf die beiden großen Seitenaltäre und der Maler Valentin Rauschel aus Waldmünchen malte 1711 für die Kirche auf dem Mariahilf-Berg zwei Altarblätter: "die heilige Familie" und "Maria Besuch bei Elisabeth". (Quelle: Neue Chronik der Stadt Amberg, Bd. 1 v. Johann Baptist Schenkl), Die Altarbilder malte 1886 der Wiener Kunstmaler Kastner, gute Arbeiten im Nazarenerstil.

Großer Seitenaltar "heilige Familie"
( Bild: Nefershapiland)

Großer Seitenaltar " Maria Heimsuchung"
(Bild: Nefershapiland)

Noch aus dem 1. Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts stammen die beiden nächsten Altäre. Das Altarbild "Marias Immakulata" malte Georg Asam, der Vater der beiden berühmten Künstlerbrüder Cosmas Damian Asam und Egid Quirin Asam. Die beiden weiteren vier Seitenaltäre wurden erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgestellt und lösten ältere Arbeiten ab. In den Seiten- und Kapellenaltären werden Szenen aus den Neuen Testament, u. a. das Leben der Gottesmutter  und Heiligenlegenden dargestellt. Den Nepomukaltar schuf der Amberger Bildhauer Lutz. Auch die Altargemälde St. Antonius und St. Nepomuk verdienen Beachtung. Sie sind das Werk des Amberger Kunstmalers Michael Wild und sind um 1750 entstanden.

Altarbild "Maria Immakulata"
(Bild: Nefershapiland)

Seitenaltar des hl. Franciscus
(Bild: Nefershapiland)

 

Die Verwandten Jesus
St. Anna und König David

- geformt von Diego Carleone - 
(Bild: Nefershapiland)

                       Die Verwandten Jesus
      König Salomon und Maria Magdalene
          - geformt von Diego Carleone -
                     (Bild Nefershapiland)

Zu guter Letzt muss natürlich noch die große Bergkrippe erwähnt werden mit ihren rund 300 Figuren, die auf eine Tradition seit dem Jahre 1721 basiert. Der Amberger Frater Vincenz Hafner hat die heutigen Figuren um 1850 geschaffen und eingekleidet. In über 30 Jahren hat er die Krippe aufgebaut.

St. Sebastianskirche

Im Zuge der Neuorganisierung erhielt die St.-Georg-Pfarrei mehrere Nebenkirchen. Das waren St. Katharina und 
St. Sebastian, im engeren Stadtgebiet Ambergs, sowie die Kirchen Atzlricht und bis 1972 die Kirche Gailoh. Dann wurde die Ortschaft nach St. Michael umgepfarrt.

Die Sebastianskirche ist ein Saalbau mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor. Am Chorhaupt erhebt sich der Turm mit gedrückter Zwiebelhaube und Laterne. Der Innenraum wird durch Toskanische Doppelpilaster gegliedert. Ihre Gebälkstücke leiten über zur korbbogigen Stichkappentonne, die von Rahmenstuck gefasst wird.

St.-Sebastians-Kirche
(Bild: J. H. Pirzer)

Der gotische Turm der St.-Sebastians-Kirche
(Bild: J. H. Pirzer)

Bereits im 14. Jahrhundert stand über der Anhöhe über dem Ammerbach eine Kapelle. Wahrscheinlich war sie St. Lucia geweiht worden. Im Jahre 1474 ersetzte man sie durch einen Neubau. Die heilige St. Lucia wurde durch St. Sebastian ersetzt, blieb aber Vizepatronin mit einem besonderen Nebenaltar. Ein weiterer Nebenaltar war St. Margareth geweiht. Der römische Offizier St. Sebastian, Helfer in Pestnotzeiten, erfreute sich im Mittelalter besonderer Beliebtheit. Die Stadt Bürgerswitwe Margaretha Spieß stiftete für die Sebastiankapelle vor der Stadt 1494 ein eigenes Benefizium. 
aber nachdem auch in St. Georg protestantischer Kultus eingezogen war, wurde die Sebastianskirche auf kurfürstlichen Befehl hin zunächst teilweise, schließlich 1566 ganz abgebrochen. 

Dank einer eigenartigen Fügung, die auf der Freundschaft des Sohnes des Amberger Schustermeisters Georg Haider während seiner Studienzeit in Rom mit einem Kurienkardinal beruhte, der ihm für die abgebrochene Sebastianskapelle vom Papst zwei vollkommene Ablässe erwirkte, konnte die Kirche nach anfänglicher Ablehnung durch die Pfarrgeistlichkeit und der Stadt und nach Bereitstellung eines größeren Geldbetrages durch den Schuster Georg Haider erneuert werden. Eine Steintafel über den Eingang berichtet, dass ein "preiswürdiger Magistrat" und eine "hochlöbliche Regierung" diese Kirche geschaffen haben. Der Schuster Georg Haider, ohne dessen Bemühungen um den Wiederaufbau, die Kirche St. Sebastian heute nicht vorhanden wäre, wurde so gründlich vergessen, dass niemand dessen Verdienste um die Kapelle kannte.

Einer der seitlichen Eingänge
(Bild:
J. H. Pirzer)
 Bankreihen in der Kirche
(Bild: J. H. Pirzer)

Die Grundsteinlegung der neuen St. Sebastian-Kirche erfolgte am 16. Mai 1711 auf den alten Grundmauern des gotischen Vorgängerbaus, jedoch unter Verlängerung nach Westen. Der Kirchenverwalter Samuel Hetzendorfer und der Baumeister Georg Peimbl, der uns schon vom Bau der Bergkirche bekannt ist, leiteten den Neubau.

Hochaltar und Seitenaltäre

Die Ausstattungsstücke der Kirche gehören großenteils der Erbauungszeit an. Den Hochaltar, der eine Stiftung des Kurfürsten war, gestaltete der Landshuter Stuckateur Bernhard Eham.

Das Hochaltarblatt wurde von Anton Richter gemalt.

(Bild: Nefershapiland)

In der Darstellung wird die heilige Irene gezeigt, die den gemarterten Sebastian vom Baum nimmt, im Auszugsbild die drei göttlichen Personen der Dreifaltigkeit. Dieses Bild ist eine exakte Kopie des von M. Zink 1713 geschaffenen Sebastianbildes in der Pfarrkirche Wemding.

Die zweisäuligen Seitenaltäre und das Gestühl schuf der Amberger Schreinermeister Eder im Jahre 1722. Johann Peter Hirsch schnitzte die Figur zum "Auferstandenen", ebenso fertigte er gemeinsam mit Schreinermeister Bacher 1740 die prunkvolle Kanzel. Vermutlich kamen die Schnitzfiguren des hl. Sebastian und hl. Florian aus der Martinskirche hierher. 

                   Der linke Seitenaltar 
Der zweisäulige linke Seitenaltar wurde 1722 vom Schreinermeister Eder angefertigt. Er enthält das Bild des zweiten Pestpatrons St. Rochus. Die beiden Auszugsbilder führen das Herz Jesu und das Herz Mariens vor Augen.

                       (Bild: Nefershapiland)

                      Der rechte Seitenaltar
Den einsäuligen rechten Seitenaltar fertigte ebenfalls der Schreinermeister Eder an.
Der Seitenaltar enthält das Altarblatt des Todes des heiligen Franz Xaver, da ja auch diese Kirche unter jesuitischer Oberleitungstand.

                  (Bild: Nefershapiland)

Der damals fast neunzigjährige Hetzendorfer ließ 1753 im mittleren Joch der nördlichen Langhauswand für eine damals sehr verehrte Statue des "Heilands in der Wies"eine halbrund schließende Seitenkapelle als "Wieskapelle" anbauen. Im Apsisrund ist Christus am Kreuz samt den beiden Assistenzfiguren Maria und Johannes in bewegten Barockschnitzwerken dargestellt, auf der Altarmensa steht in einem neuerworbenen Rokokoschrein eine ebenfalls bei der letzten Renovierung angekaufte Rokokofigur des Heilands an der Geißelsäule "Wiesheiland". Unter der ltarmensa ist eine Nische für Christus im Grab vorgesehen. Aus der ehemaligen Fensteröffnung wurde das Glas entfernt, eine Figur des Auferstandenen hineingestellt und mit Rocaillestuck umgeben. Da der dafür verwendete Stuck dem in den vier Seitenkapellen der St. Georgs Pfarrkirche gleicht, dürfte diese Arbeit ebenfalls von Franz Anton Landes ausgeführt worden sein.

1753 wurde im mittleren Joch der nördlichen Langhauswand eine halbrund schließende Seitenkapelle als "Wiesenkapelle" angebaut. Im Apsisrund ist Christus am Kreuz samt den beiden Assistenzfiguren Maria und Johannes in bewegten Barockschnitzwerken dargestellt, auf der Altarmensa steht in einem neuerworbenen Rokokoschrein eine ebenfalls bei der letzten Renovierung angekaufte Rokokofigur des Heilands an der Geißelsäule "Wiesheiland".
                                                                    (Bilder: Nefershapiland)

Der Verwalter Hilpert ließ 1878 die Kirche erneuern, wobei leider verschiedentlich die Bilder der Nebenaltäre und eine Reihe von Figuren auf den Boden gebracht wurden, um dann später in verschiedene Hände zu gelangen. 

1945 erhielt St. Sebastian die kleine Sakristei, ausgeführt nach den Plänen des damaligen Landbauamtsdirektors Bauschinger.  Zuvor war die Sakristei im Turm untergebracht. 

Eines der Kirchenfenster trägt die farbige Darstellung der Heiligen Familie


(Bild:
Nefershapiland)

                 Der auferstandene Christus
Die Schnitzfigur des "Auferstandenen" stammt aus der Hand von Johann Peter Hirsch

                (Bild: Nefershapiland)

 

              - Die Figur des hl. Sebastians -
                        (Bild: J. H. Pirzer)

                 Figur des hl. Florian
                   (Bild: Nefershapiland)               

Die Schnitzfiguren des Heiligen Sebastian und des Heiligen Florian wurden 1732 für die Martinskirche geschaffen, kamen um 1870 vermutlich im Zuge der Regotisierung der Pfarrkirche nach St. Sebastian.

 

                                       Kanzel der Sebastianskirche von Johann Peter Hirsch
Johann Peter Hirsch fertigte gemeinsam mit Schreinermeister Bacher 1740 die prunkvolle Kanzel. Der Schalldeckel trägt die Figur des Guten Hirten mit verlorenen Schaf. Am Kanzelkorb befinden sich die Flach-Reliefs der 99 getreuen Schäflein, welche als Symbol der Gläubigen zu verstehen sind.
                                                             (Bilder:
Nefershapiland)

 

Die ursprüngliche Orgel von St. Sebastian erbaute 1713 Johann Conrad Vogel, der 1690 Bürger von Amberg wurde. Diese wurde nach einer undatierten Zuschreibung von Johann Konrad Funtsch nach 1750 erweitert. Im Jahre 1945 wurde die Orgel umfassend renoviert.
                                            (Foto:
J. H. Pirzer)

Alljährlich wird als kleineres Pedant zum Bergfest das "Winterbergfest" als  Fest des hl. Sebastian feierlich mit Gottesdienst und Predigten begangen.

Die Sebastianskirche erstrahlt nach einer zweijährigen Innen- und Außensanierung nun im Oktober 2011 als Schmückstück Ambergs.

Augustiner oder "Schulkirche"

Die Ostseite des Schrannenplatzes nimmt die "Schulkirche" - ein dem Heiligen Augustinus geweihter Sakralbau - und das Institut der Armen Schulschwestern ein. Dieser Bau, der von den Amberger Bürgern heute nur kurz "Schulkirche" genannt wird, entstand in den Jahren 1697-1699 als barocke Klosterkirche der Salesianerinnen, die kurz vorher nach Amberg gekommen waren. Der Amberger Baumeister Wolfgang Dientzenhofer war für die Bauleitung verantwortlich, Johann Baptist Carlone und Paul d'Aglio schufen die Stuckarbeiten im Kloster und auch in der ursprünglichen Kirche, einem kleinen, damals üblichen Zentralbau. Außer dem in Amberg ansässigen Wolfgang Dientzenhofer war auch der Amberger "Statuarius" Martinez bei dieser ersten Klosterkirche tätig. Er schuf die Altäre, die heute in der Pfarrkirche zu Pressath stehen.

Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung des Schulwesens in Amberg war die Ankunft der Salesianerinnen. Die Mädchen wurden damals im Schulhaus der Klosterfrauen im Lesen und Schreiben und in religiösen Dingen unterrichtet. Rechnen stand damals noch nicht auf dem Stundenplan. Die Nonnen brachten den Töchtern aus adeligen oder angesehenen bürgerlichen Familien auch Nähen, Sticken und andere "Frauenzimmerarbeit" bei.

Der Dientzenhoferbau des Klosters bleib bis heute fast unverändert. In einigen Räumen ist noch der Stuck Carleones erhalten. Weitgehend umgestaltet und vergrößert wurde dagegen das "Rondell" der 1. Salesianerinnenkirche. 

Der Eingang der Kirche befindet sich nicht and der dem Schrannenplatz zugewandten Westseite, sondern an der Südseite der Kirche, an der eine bescheidene Gasse vorbeiführt. Die große Kirchenwand ist relativ schmucklos und einfach. Viel prächtiger dagegen wirkt das Portal, an dem Steinmetzarbeiten, Holzschnitzwerke und schmiedeeiserne Arbeiten an Gediegenheit wetteifern.

Der Eingang zur Schulkirche
(Bild Nefershapiland)

Inschriftenfeld über dem Eingang der Schulkirche
(Bild Nefershapiland)

Schon 1756 war man mit der kleinen Rundkirche nicht mehr zufrieden und erweiterte die Kirche in westlicher Richtung. Gleichzeitig schuf man einen völlig neuen Innenraum.

Gegenüber der Kirchentüre zeigt ein Altar im eleganten Akanthusrahmen das Bild der Ordensstifterin der Salesianerinnen, Anna Franziska von Chantal. Die Westwand schmücken drei ausgezeichnete Fresken des berühmten Bernhard Götz. Das Volk hatte hier im verborgenen Andachtsraum Gelegenheit, sich an die damals sehr beliebten Volksheiligen St. Florian, St. Walburg und Nikolaus von Tolentino zu wenden. Ein Eisengitter von prächtiger Gesamtwirkung trennt den Vorraum von der Hauptkirche. Im gesamten Innenraum der Kirche vereinigen sich kunstvolle Schnitzereien, prachtvolle Gemälde und eleganter Stuck zu einer lebendigen und doch geordneten Gesamtkomposition.

Ein sehr kunstvolles Eisengitter trennt den Vorraum 
von der Hauptkirche.

(Bild: J. H. Pirzer)

Anna Franziska von Chantal erhält den
 königlichen Schutzbrief
 Darstellung von Gottfried Bernhard Götz
(Bild:
J. H. Pirzer)

Eine einmalige Glanzleistung des Rokoko ist die Orgelempore nach dem Modell des Bildhauers Peter Hirsch. Auch der gediegene Bau der Kanzel, sowohl für die Gesamtkomposition als auch bei den Einzelheiten verdient Beachtung. Die Figuren der vier Evangelisten zieren den Kanzelkörper an den Ecken, in den Medaillons dazwischen sind die Kirchenlehrer dargestellt. Gekrönt wird alles von der heiteren, beschwingten Gruppe des hl. Augustinus mit einigen rechtausgelassenen Puten.

Der Bildhauer Franz Joachim Schlott und der Schreiner Johann Peter Pacher, die beide aus Amberg stammten, schufen dieses Kunstwerk. Auch das Orgelgehäuse stammt von den oben genannten Meistern, während das Orgelwerk der Amberger Orgelbauer Konrad Funtsch lieferte. 

Hochaltar der Schulkirche

Der Hochaltar - ein Meisterwerk von Johann Pacher und Meister Schlott - besitzt seitlich je zwei Säulen und ein schönes Tabernakel.

Die beiden Seitenaltäre wurden von den Bildhauern Peter Hirsch und dem Schreinermeister Johann Wolf Eder erstellt.

 

 

(Bild: Nefershapiland)

Bemerkenswert ist auch der großartige Hochaltar mit vier Säulen, seitlichen Streben und einem schönen Tabernakel, auch eine Meisterleistung von Johann Pacher und des Meisters Schlott. Die Fußarbeiten, die recht gekonnt Marmor und Metall vortäuschen stammen von Andreas Zeller aus Furth im Wald. Die beiden Seitenaltäre wurden von dem Bildhauer Peter Hirsch und vom Schreiner Johann Wolf Eder erstellt, während die Beichtstühle vom Schreiner Georg Stephan Pacher stammten und von Joachim Schlott verziert wurden. Die Stuhlwangen lieferte Peter Hirsch.

Besonders ausgezeichnet wird die Kirche aber durch die Bildwerke und Gemälde von Gottfried Bernhard Götz, dem kaiserlichen Hofmaler aus Augsburg. Das riesige Deckengemälde des Langhauses schildert Gründungsgeschichte und Wirken des Salesianerinnenordens. Franz von Sales verfasste die Ordensregeln, Anna Franziska von Chantal erhält den königlichen Schutzbrief, dem Orden wird die kirchliche Genehmigung zuteil. - Das sind nur einige der Szenen dieser figurenreichen Komposition. Die schönen Wandbehänge im Chor und die aufwendigen Wappenfront über dem Chorbogen, wobei die bayrischen Löwen allerdings sehr zahm wirken, schuf der Stukkateur Anton Landes.

1802 hob die aufgeklärte Obrigkeit die Niederlassung der Salesianerinnen in Amberg auf. Das Kloster wurde zur "Deutschen Schule", einige der Schwestern blieben daraufhin als weltliche Lehrkräfte in ihrem alten Institut. Bereits 1846 hatten die Armen Schulschwestern einen Teil des alten Klosters erworben. Sie unterrichteten hier Volksschulklassen und später gründeten sie hier eine "Höhere Töchterschule" und jetzt leiten sie eine Mädchenrealschule und ein Gymnasium, das nach der in Rhodesien ermordeten Missionsärztin Johanna Decker, einer Schülerin dieser Lehranstalt, benannt ist.

Die Schulkirche  hat drei Hauptfeste, nämlich das Fest des hl, Franz von Sales am 24.Januar, das Fest des hl. Augustinus am 28.August und das Patroziniumsfest des Heiligsten Herzens Jesu jeweils am Freitag nach der Fronleichnamsoktav.

Paulanerkirche:

In ihrer heutigen Gestalt ist die Amberger Paulanerkirche das Ergebnis einer wechselvollen Geschichte. Wolfgang Dieritzenhofer plante sie am Ende des 17. Jahrhunderts als Klosterkirche für den Paulaner-Orden. Aber erst im Jahre 1729 wurde sie mit zwei Fassaden-Türme, einer kleinen Orgelempore, dem sogenannten "Schwalbenest" und mit Deckengemälden, zum Leben des Heiligen Josef, dem Namenspatron der Kirche, fertiggestellt. Das Kloster wurde dann mit Beginn der Säkularisation aufgelöst und man brachte das Militärhospital 1814 in den Räumen des Klostergebäudes unter. Dabei stellte man fest, dass die dazugehörige Kirche nicht genutzt wird und man entfernte die gesamte Inneneinrichtung. Auch die Türme wurden abgerissen und aus der Kirche wurde ein Lagerhaus. Später zog dort das städtische Salzamt ein. 1851stellte man das obere Stockwerk der neu gegründeten Evang. Gemeinde zur Verfügung, die dann später das gesamte Gebäude erwarb.  

Nach dem Anbau des heutigen Turms erfolgte 1888 die Innenrenovierung.  Zwar waren die Fenster nun größer, da keine Nischen für Seitenaltäre mehr erforderlich waren und eine umlaufende Empore unter Einbeziehung einer großen Fläche für die neue Orgel eingezogen wurde, aber es war nun einiges vom neobarocken Stil der früheren Zeit zu erkennen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Deckenbilder vom abrutschenden Dachstuhl beschädigt, die seither unter dem Putz konserviert sind. Erst Mitte der 50ziger Jahre führten Restaurierungsmaßnahmen dazu, die Ausstattung des 19. Jahrhunderts zu entfernen. Eine umstrittene Bildgestaltung mit nahezu monumentalen Ausmaßen wurde in den Altarraum eingebracht. Erst 30 Jahre später fand zum 100jähritgen Jubiläum der evangelischen Kirche eine Abkehr von dieser Entscheidung statt und die Paulanerkirche bietet sich heute als lichter, schlicht ausgestatteter Raum.

Die evangelische Paulanerkirche als Ergebnis einer wechselvollen Geschichte
(Bild: J. H. Pirzer)

 

Franziskanerkloster:
-
heute Stadttheater -

Die im 15. Jahrhundert (Grundsteinlegung am 11. April 1455; Fertigstellung 1480) erbaute und 1803 säkularisierte 
( = Trennung von Religion und Staat) Franziskanerkirche steht an der Nordseite des Schrannenplatzes. Das Gotteshaus war St. Bernardino von Siena geweiht. Der Grundstein für den Chor der Bernhardskirche (St. Bernardino) wurde erst 1464, 
11 Jahre nach der Klosterstiftung, gelegt. Die Einweihung des Chorteils war dann 1478; bis dahin hatten die Amberger sich mit einer Behelfskirche begnügt, bis schließlich im Jahre 1480 das Langhaus im Mauerwerk vollendet war. Zwei Minoriten aus dem holländischen Leyen schufen im gleichen Jahr die großartige Kombination von Dachstuhl und Holztonne, die in Bayern einmalig ist. Leider wurde beim Bildersturm die gesamte gotische Ausstattung zerstört. Nur noch bescheidene Reste von Wandfresken, im Jahre 1975 freigelegt, blieben im Theaterfoyer, dem ehemaligen Chorgebäude, übrig.

Die ehemalige Franziskanerkirche
- heute dient das Gebäude als Stadttheater Amberg - 
(Foto: J. H. Pirzer)

Im 13. Jahrhundert war das Gebäude eine Kirche als Teil eines Franziskanerklosters. Im Dezember 1555 kam es zur ersten Säkularisation. Während der Reformation wurde die Klosteranlage bis 1624 als Pädagogium genutzt. 1626 kehrten die Franziskaner zurück und gestalteten die Kirche im Barockstil. Hier entstand damals die erste große Barockkirche der Oberpfalz als Eingang in den spätgotischen Rahmen der Franziskanerkirche. Die Altäre und Bilder, die 1802 nach der Auflösung des Konvents nach Ilschwang und Kümmersbruck verkauft wurden, zeugten von der gediegenen Ausstattung im Stile des 17./18. Jahrhunderts.

Nach der erneuten Säkularisierung um 1802 kaufte der Melber Thomas Bruckmüller das Kloster für 25.051 Gulden und das Almosen-Amt der Stadt erstand für 300 Gulden den leeren Kirchenkörper aus dem dann ein Theater wurde. Die Umbauzeit dauerte nur 6 Monate und am 12. Oktober 1803 wurde das Theater eröffnet. 1872 übernahm die Stadt das Theater und gestaltete das Haus neu. Nach einem erneuten Umbau in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, wo man wegen einer fehlenden Brandmauer den Theaterraum um 180 Grad umdrehte entstand zwischen 1975-1978 eines der schönsten Kleintheater Deutschlands.

An der imposanten Baugruppe um den alten Kreuzgarten, der jetzt einen hübschen Biergarten abgibt, haben sich noch einige Sonnenuhren und Aufzugsgauben erhalten. Sehenswert ist besonders der spätgotische Erker der einstigen Krankenkapelle mit drei interessanten Reliefs aus dem Jahr 1482. Der Franziskaner mit Schwert und Geißel könnte Capistrano sein.

Frauenkirche:

Westlich der Regierungskanzlei  befindet sich die "Frauenkirche", die ehemalige Hofkapelle. Gegen Ende des 
15. Jahrhunderts ( erste Nennungen stammen aus den Jahren 1401 u. 1409) wurde nach der Vertreibung der jüdischen Gemeinde an Stelle der Synagoge, wie in vielen anderen Städten auch, eine dreischiffige Hallenkirche mit kapitellosen Rundpfeilern. Dieses ist bemerkenswert, da bei kleineren Bauten dieser Grundriss recht selten ist. Trotz der relativ bescheidenen Größe und des akut restaurierungsbedürftigen Zustands, kommt der architektonisch beachtliche Kirchenraum dank überwiegender Blankverglasung voll zur Geltung.

Die Verwaltung dieser Kirche "Unserer lieben Frau" übernahm die Stadt. 4 Benefizien wurden für diese Kirche gestiftet. Dazu gehörte auch ein kleiner Friedhof. Als die kurfürstliche Kanzlei gebaut wurde, musste er aufgelassen werden. Nur ein Grabstein im Autoabstellplatz des Landgerichts erinnert an diesen innerstädtischen Gottesacker.

Die Frauenkirche trägt seit dem Ende des 16. Jahrhunderts den Namen "Hofkapelle", weil der kurfürstliche Hof sie in seinen Gebrauch nahm. Schon 1550 wünschte Statthalter Pfalzgraf Wolfgang sie als Privatkapelle - welches die schon damals sehr selbstbewusste Stadt aber nur unter Vorbehalt der städtischen Zuständigkeit erlaubte. Jegliche Änderung wurde untersagt. Aber gegen Ende des 16. Jahrhunderts hatte der Landesherr aber dann doch seine Ansprüche durchgesetzt und in der Zeit des Absolutismus wurde der Titel "Hofkapelle" allgemein.

Der Turm der Frauenkirche
(Bild: Nefershapiland)

Die Frauenkirche von der Frauenschanzl 
aus gesehen.
(Bild: J. H. Pirzer)

Die ursprüngliche Ausstattung ist nicht erhalten, denn während der kalvinischen Zeit wurde die alte gotische Einrichtung zerstört. Nur drei neogotische Altäre stehen hier noch für die ursprüngliche Ausstattung. Auch das kompakte Äußere der Frauenkirche ist sehr attraktiv. Der Bau zeigt mit Ausnahme der verputzten, nicht sonderlich repräsentativen Westfassade ein sauberes Haussteinmauerwerk. Am westlichen Joch der Südseite springt die stiftförmige Spindeltreppe hervor. Die Stufen sind unüblicherweise aus Holz. Der Dachreiter im Westen datiert erst von 1876-77 und ersetzt einen Vorläufer.

Nachdem Amberg 1629 wieder katholisch  geworden war, wurde die Hofkapelle 1630 zur Kirche der Kongregation "Maria unter dem Kreuze". Diese sorgte für die Ausschmückung und schuf im 17. und 18. Jahrhundert eine zeitgemäße, sehr wertvolle Ausstattung. Das Innere der dreischiffigen Kirche wird von der Neugotik beherrscht, nur die eleganten Stuhlwangen blieben von der Ausstattung des 18. Jahrhunderts. Bei näherer Betrachtung der Säulen und Gewölbe fällt eine auffallende Ähnlichkeit mit St. Martin auf. Die zwei großen Seitenaltäre (St. Johann und Karl Borromäus geweiht) kamen 1974 aus der Martinskirche hierher. Sie waren als Ersatz für die 1864 errichteten Altäre zu Ehren von St. Josephs und der Schutzengel bestimmt. Die barocke Ausstattung wurde um 1865 nach Weihern verkauft und ist dort noch zu sehen. 

Der Architekt Schmidt von Würzburg entwarf die heutige Ausstattung ebenso der königliche Baubeamte Hepp von Amberg. Die Frauenkirche wurde als 1. Kirche Ambergs ab 1864 neugotisch umgestaltet. Eine sehr schöne Arbeit ist der Hochaltar; Maria unterm Kreuz bildet die Mitte der Anlage. Die gotische Verkündigungsgruppe lässt ahnen, wie stilvoll und gediegen die Ausstattung dieser Kirche einst war. Die beiden Figuren sind allerdings Kopien, denn die Originale hat man in St. Martin aufgestellt, wo sie vor Umwelteinflüssen besser geschützt sind.

Frauenkirche

Zur Zeit wird der Baukörper außen von Balken an der oberen Umfassungsmauer und innen von einer entsprechenden Eisenverankerung zusammengehalten. Wenn dieses Juwel gerettet werden soll, ist eine gründliche Restaurierung ein dringendes Muss!

 

(Bild: J. H. Pirzer)

 

 

Andere Religionsgebäude:

In Amberg selbst gibt es außerdem eine jüdische Gemeinde, die eine kleine Synagoge in der Nähe des Marktplatzes besitzt. Ferner existiert eine kleine, ebenfalls in der Altstadt gelegene Moschee.

Blick durch die Salzgasse
- An der linken Ecke steht die Synagoge - 
(Bild: Nefershapiland)

In der Salzgasse steht die Synagoge, 
ein Bau des späten 19. Jahrhunderts.
(Foto:
Nefershapiland)

 


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