Biografie Amenemhet II.


Bauten Amenemhet II.


Beamte Amenemhet II.

(Quellen und Literatur-Angaben am Ende dieser Seite - nummerierte Verweise im Text)
PM = Porter & Moss, Topographical Bibliography of Ancient Hieroglyphic Text, Reliefs and paintings 1927-1952

(Anmerkungen und Verweise in Klammern im Text - siehe unten bei Literatur und Quellen).

Bilder oben: Links:  - rechts

Allgemein

Als Standort für seinen Pyramidenkomplex wählte König Amenemhet II. einen Platz in der Mitte des "Dashur"-Plateaus - einem Platz etwas östlich der sog. "Roten Pyramide" von Snofru, am Rand der Wüste (ca. 1.2 km südöstlich der Roten Pyramide). Später ließen dort andere Könige der 12. Dynastie wie Sesostris III. (ca. 1,5 km nördlich davon) und Amenemhet III. (etwas südlicher davon) ihre Grabbezirke bauen. Die Reste der Kalksteine gaben ihr den heutigen Namen "Weiße Pyramide". Ihr antiker Name war möglicherweise "Ba-Amenemhet" (Gestaltfähig ist Amenemhet). Die Pyramidenstadt hieß "Sechem-Amenemhet"/Amenemhet ist stark (Quelle: H. Altenmüller: Die Pyramidennamen der frühen 12. Dynastie, 1992/online-Version). Die Stadt wurde später unter dem gleichen Namen von Amenemhet III., dem Urenkel von Amenemhet II. in seine Pyramidenanlage mit einbezogen (Hartwig Altenmüller: Die Pyramidennamen der frühen 12. Dynastie 1992, S. 47-38, S. 41). 

Wegen des Steinraubs und unsachgemäßen Grabungstätigkeiten (infolge der frühen Ausgrabungen) im Pyramidenbezirk ist dieser heute großteils ziemlich zerstört. Die Pyramide selber ist heute nur noch ein "Schutthaufen", der bisher erst sehr schlecht erforscht ist. Lediglich ein Teil des Zugangskorridors, dessen Eingang sich im Norden befand, sowie die unterirdischen Kammern sind noch sichtbar. Die Umfassungsmauer und der Totentempel weisen einige Spuren auf, der Taltempel selber wurde jedoch nie gefunden.

Jacques de Morgan grub in den Jahren 1894/95 im Pyramidenbezirk. Er konzentrierte sich allerdings hauptsächlich auf die Gräber der Prinzessinnen Ita und Chnumit, wo er den bemerkenswerten Schmuck (heute im Museum Kairo) fand. In Januar 1995 entdeckte man hinter einer Wand im Grab der Königin noch weitere 96 Schmuckstücke. Der restliche Bezirk wurde gar nicht oder nur oberflächlich untersucht. Eine umfassende Erforschung des kompletten Pyramidenbezirks steht noch immer aus. Trotz seiner Erfolge gelten die Ausgrabungsmethoden von Jacques de Morgan heute als "zu sehr auf die Suche nach Artefakten ausgerichtet, zum Nachteil der Gebäude und Strukturen sowie der stratigraphischen Schichten, die er dabei zerstörte und die er ohne Rücksicht auf den ursprünglichen Untergrund ausgraben ließ, wodurch die protohistorischen Schichten für immer verloren gingen" (fr. wikipedia/acques de Morgan).

Leider blieb die Publikation der ursprünglichen Konstruktion aufgrund der unzureichenden Dokumentation unklar. Auch die genauen Abmessungen sind heute nicht mehr präzise zu bestimmen. Der amerikanische Ägyptologe Mark Lehner (Lehner 1997, S. 174) schätzt die Höhe der Basis auf etwa 50m - und nach Franck Monnier (Monier 2021, S. 263) war die Basishöhe ca. 84m. Von der Pyramide ist heute lediglich ein Schutthaufen erhalten, in dessen Mitte sich eine von den Arbeitern von Jacques de Morgan angelegte Ausgrabung befindet, welche die Entdeckung der Grabkammer ermöglichte.

Der Pyramidenkomplex

Der Pyramidenkomplex von Amenemhet II. war ein "Hybridkomplex" - ein merkwürdiger rechteckiger und langgezogener Bezirk - ähnlich wie die in der 3. Dynastie - und westlich ausgerichtet mit einer Länge von 225 Metern und einer Breite von 100 Metern. Der deutsche Ägyptologe Dieter Arnold vermutete, dass es wahrscheinlich eine Stufenanlage war. Die Allee, welche den Totentempel mit dem Taltempel verband, war über 20m breit, und führte auf der Seite des Totentempels zu einem von zwei Pylonen eingefassten Eingang. Die Lage des Taltempels ist bislang unbekannt und vom Totentempel sind nur noch Ruinen erhalten, sodass sich kein Plan davon rekonstruieren lässt (Lehner 1997, S. 174).

Westlich der Pyramide - innerhalb des umfriedeten Bereichs - befinden sich drei Doppelgräber:

  1. Die ersten beiden werden oft für Töchter von Amenemhet II. zugeschrieben - könnten aber auch aus dem dem Ende der 12. Dynastie stammen.
    Das erste Grab im Norden ist das der Prinzessinnen Ita und Khenemet - das zweite (das westlichere der beiden im Süden) ist das der Prinzessinnen Itaweret und Sathathor-Merit.

  2. Das letzte (das östlichere der beiden südlichen Gräber) wird auf die 13. Dynastie datiert und gehörte der Königin Keminub und einem Beamten mit Namen "Amenhotep". Es besteht die Möglichkeit, dass dieses Grab wiederverwendet wurde, da seine identische Architektur mit der von den beiden Prinzessinnen Itawerert und Sathathor-Merit auf ein gleiches Baujahr hindeutet (de Morgen 1903)

Die Nekropole hochrangiger Beamter am Hofe von Amenemhet II. liegt südlich des Komplexes am Rande des Tals. Die zahlreichen Gräber, welche sich um die Anlagen herum befinden, stammen nicht aus der Regierungszeit von König Amenemhet II., sondern aus der 3. und 4. Dynastie des Alten Reiches.

Plan des Pyramdenbezirks Amenemhet II. in Dashur

Zeichnung: Complexe-amenemhat II.jpg
Urheber: Franck Monnier, 10. 12. 2006 - Wikipedia
Lizenz: CC BY-SA 3.0 - Zusatz des Autors: das Werk kann im Originalzustand des Autors reproduziert werden.

Eine große Umfassungsmauer zieht sich um den Pyramidenkomplex und den Totentempel von Amenemhet II., die zwei Eingangspylone aufweist. Die Ausrichtung erfolgte in ost-westlicher Richtung. Zwischen den beiden Eingangspylonen endete der Aufweg zum Bezirk.

Die Pyramide

Die Pyramide ist heute stark erodiert und gleicht einem Trümmerfeld, da man sie als Steinbruch benutzte. Die Reste der Kalksteine gaben ihr ihren heutigen Namen "Weiße Pyramide". Das Bauwerk selbst befindet sich zentral im Bezirk und besteht aus einem Skelett aus Stützsteinen, die mit Kalksteinen errichtet waren. Die Zwischenräume wurden einfach mit Sand verfüllt. Verkleidungssteine (lt. Dr. Rainer Stadelmann stammen die Verblendsteine der Pyramide von Amenemhet II. von der Pyramide des Snofru) wurden nicht mehr gefunden, daher ist der Winkel und die einstige Höhe der Pyramide heute nicht mehr zu ermitteln. 

De Morgan entdeckte sorgfältig gefügte Kalksteinblöcke, die auf eine kleine Pyramide mit einer Basis von ca. 50 m hindeuteten. Die Mauersteine waren lt. de Morgan zwischen 1 und 1,4 m lang und hatten einen Durchmesser von 0,85-1m. Von der Ummantelung oder der Putzschicht der Pyramide wurden keine Überreste mehr gefunden. Es ist belegt, dass die Amenemhet-II.-Pyramide einen 8-strahligen, sternenförmigen Grundriss aus Stein besitzt und mit Sand in den "Zwickeln" aufgefüllt wurde.

Der Eingang zu Pyramide, der wahrscheinlich auf Bodenniveau lag, befindet sich in der Mitte der Nordseite und wird wohl durch die Nordkapelle verborgen. Allerdings ist der Eingangskorridor im oberen Abschnitt völlig zerstört. Deshalb kann man die Frage nach der Art seiner Ausmündung und diejenige einer möglichen Nordkapelle nicht eindeutig beantworten.

Ein vor der Grabkammer mit zwei Fallsperren gesicherter absteigender Gang führt hinab zur Grabkammer im Zentrum, die in zwei symmetrische Hälften geteilt ist und in deren westliche Hälfte der Sarkophag stand. In einer Nische in der Südwand hat wahrscheinlich der (heute verlorene) Kanopenkasten gestanden. In den weiteren 3 tiefen Wandnischen (in der Ost- und Westwand) haben vielleicht Statuen gestanden. Über einen schmalen Korridor, der in das untere Korridorende führte, wurde evtl, (lt. Arnold) ein weiterer Holzsarg oder ein Schrein (?) hinabgezogen. Die Decke der Grabkammer war flach und wurde durch 12 Kalksteinbalken entlastet. 

In der Hauptkammer (2,17 m hoch x 2,93 m breit) befand sich der Sandstein-Sarkophag sowie Magazine. Im Bericht von de Morgen befinden sich lt. späteren Untersuchungen Fehler und Unstimmigkeiten. Auch weichen de Morgan's Zeichnungen und Messungen erheblich von den späteren fotografischen Beweisen der Nachgrabungen (2018) ab (siehe: The White Pyramid of Amenemhet II. by Keith Hamilton). De Morgen hatte als Höhenangabe 1,33 m für die Passage angegeben - tatsächlich ist diese aber nur 1,02 m hoch. Des weiteren gibt er unklare Maße für die Wandstärken und Portcullises an.

Der aus Sandsteinplatten gefertigte Sarkophag war im Boden eingelassen. Von der Südseite der Grabkammer führt ein ca. 2 Meter tiefer Schacht zu einem weiteren kurzen Gang, der nach Norden führt und dann zu einer tiefergelegenen Kammer. Über einer flachen Decke in der Grabkammer befand sich ein Giebeldach, das aus Kalksteinplatten gefertigt war. Diese waren gegeneinander gelehnt, um den von oben auf dem Korridor einwirkenden Druck zu reduzieren.

Die Decke dieser Kammer bildet zugleich den Boden des letzten Gangabschnitts; diese Decke wird auf Höhe der Fallgitter von teilweise in die Wände eingelassenen Diorit-Konsolen getragen. Am Ende dieser Kammer befindet sich eine quadratische Öffnung, die vermutlich für Kanopenkrüge vorgesehen war (siehe de Morgan 1903, S. 34-35 und Lehner 1997, S. 174). Das unterhalb der Grabkammer verborgene "Versteck" diente höchstwahrscheinlich als Kanopenkiste.

Die gesamte Länge des absteigenden Ganges - vom Eingang bis zur Grabkammer - einschließlich des horizontalen Stückes, beträgt 39,38 m. 

. (Text nach " The White Pyramid of Amenemhet II. - A Layman's Guide / by Keith Hamilton / übersetzt ins Deutsche von Nefershapiland)

Eingangspassage und Grabkammer

Basierend auf den von de Morgans veröffentlichten Zeichnungen hat Frank Monnier den Unterbau der Pyramide gezeichnet. Der Überrest des nördlichen absteigenden Gangs führte zu einem kurzen horizontalen Korridor, in dem sich zwei Fallgitter befinden. 

Das erste war ein vertikal abgesenktes Fallgitter, das zweite ein horizontales Fallgitter. Dahinter öffnet sich der Durchgang zur Hauptkammer, im Westen. An der Seite der Kammer war ein aus Sandsteinblöcken gefertigter Sarkophag eingelassen. In der Mitte des Kammerbodens ist ein Graben zu sehen, welcher den Zugang zu einem absteigenden Gang, der zu einer ebenen Bodenfläche führte, in deren Boden sich eine Grube befindet. Dieser untere Gang entsprach in seiner breite dem oberen Gang

Zeichnung: AmenemhetII-internet.jpg
Autor: Frank Monnier, Wikipedia, 10.12.2006
Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Grube für den Sarkophag ist ungefähr quadratisch: 0,89 cm breit - ähnlich wie die Breite des Sarkophages (0,89 cm) und wurde vermutlich aus einzelnen Mauersteinen erbaut. Die Maße der Grube ergeben eine Breite von 127 cm. Der Sarkophag besteht aus Sandsteinplatten und ist von Tura-Kalkstein umgeben. Er hat eine Länge von 236 cm - eine Breite von 89 cm und einen Durchmesser von 109 cm. Der Sarkophag, der eigentlich kein typischer ägyptischer Sarkophag war, sondern eine steinerne Grube (!) liegt im westlichen Boden der Kammer und wird von den Magazinen auf der Nord- Süd- und Ostseite umgeben. Die Magazine - die stark zerstört sind - sind etwa 184 cm tief, mit Höhen zwischen 147 und 150 cm sowie einer Breite von 104-105 cm. 

Die Struktur der Kammerdecke besteht aus 90 cm dicken Platten, die von den Pfeilern unterstützt werden, wobei die Unterstützung auf der Nordseite unklar ist. Das Dach, welches durch einen Bruch beschädigt ist,  besteht aus großen Pfeilern, die durch kleine Steine und Putz verbunden sind. 

Totentempel

Der Totentempel wurde durch de Morgen offenbar nicht ausgegraben. Er erwähnt nur den Fund "verschiedener Architekturteile", wie Fragmente von Sternendecken und Hohlkehlen (?), sowie Granitfragmente, die vermutlich von Türrahmen stammen (siehe Arnold, Dieter: Tod und Beisetzung der Könige des Mittleren Reiches: Opfer der Steinräuber in Sokar 33, 2016). Der Totentempel trug evtl. den Namen: "Erleuchtet ist die Stätte von Amenemhets Vergnügen" (nach Arnold).

Aufweg undTaltempel

Wie bei allen ägyptischen Pyramidenanlagen gehörte zum Pyramidenbezirk von Amenemhet II. offenbar auch ein offener Aufweg, der eine ungefähre Länge von 800m und eine Breite von 20 m hatte und wohl von Ziegelmauern eingefasst wurde. Nach Amenemhet war dieser Typus fortan bei allen späteren königlichen Grabanlagen üblich. Der Aufweg führte am Wüstenrand steil vom Fruchtland bis zum Pyramidenbezirk hoch. Leider wurde nach diesem Aufweg bislang noch nicht gesucht und der Taltempel wurde noch nicht einmal lokalisiert.

Literatur und Quellen:
1. englische und deutsche Wikipedia
2.
" The White Pyramid of Amenemhet II. - A Layman's Guide / by Keith Hamilton - online-Version'
3. Mark Lehner: Geheimnis der Pyramide, 1997, ECON-Verlag Düsseldorf
4. Rainer Stadelmann: die ägyptische Pyramide - Philipp v. Zabern-Verlag, 1991
5. Jacques de Morgan: Fouilles a Dahchour 1894-1895, Holzhausen, Wien - Online-Version.
6. Peter Janosi: Die Pyramidenanlagen der Königinnen, Denkschriften der Gesamtakademie, Bd. 13, Wien 1996.

 


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