Biografie Sesostris 1

Bauten Amenemhet II.

Beamte Amenemhet II:

(Quellen und Literatur-Angaben am Ende dieser Seite - nummerierte Verweise im Text)
PM = Porter & Moss, Topographical Bibliography of Ancient Hieroglyphic Text, Reliefs and paintings 1927-1952

(Anmerkungen und Verweise in Klammern im Text - siehe unten bei Literatur und Quellen).

Bilder oben: Links: Amenemhet II.Statue, Juan R. Lazaro, Wikipedia, CC BY 2.0;
  rechts: Sphinx dedicated to Ita AO13075, Wikipedia 25.5.16 Rama CC-BY-SA 2.0

Amenemhet II. Nubkaure war der dritte König der 12. Dynastie und folgte seinem Vater Sesostris I. auf dem Thron Ägyptens. Obwohl er mindestens 35 Jahre regierte, ist über seine Regierungszeit und seine familiären Verhältnisse nur wenig bekannt. Allgemein wurde früher angenommen, dass Amenemhet II. zeitweise mit seinem mutmaßlichen Vater und Vorgänger Sesostris I. in Mitregentschaft regierte, wie auch Amenemhet II. am Ende seiner Lebenszeit selbst, als er seinen Sohn Sesostris II. im 32. oder 33. Regierungsjahr für ca. 3 Jahre als Mitregent ernannte (bis zu seinem Tod im 35. Regierungsjahr).

Die Hypothese der Mitregentschaft zwischen Sesostris I. und Amenemhet II. stützte sich lt. William Murname (1977 / Ancient Egyptian coregencies = Studies in Ancient Oriental Civilization, no. 40, Chicago. The Oriental Institute of the University of Chicago. ISBN 0-918986-03-6 - online-Version, p. 5-6) auf die doppelt datierte Stele eines Beamten mit Namen "Wepwawet-aa", welche das 44. Regierungsjahr Sesostris I. und das 2. Regierungsjahr von Amenemhet II. trägt. Diese Hypothese ist heute unter den Ägyptologen umstritten, denn die doppelte Datierung der Stele wird als Zeitraum interpretiert, in dem Wepwawet-aa/oder Upuautaa) die Regierungsgeschäfte führte, vom 44. Regierungsjahr Sesostris I. bis zum 2. Regierungsjahr Amenemhets II. (3). Andere Ägyptologen sehen ihre Hypothese einer Ko-Regentschaft von Sesostris I. und Amenemhet I. durch die Stele "Leiden V.) des Wepwawet-aa aber bestätigt, durch welche sich angeblich die Gleichung "Jahr 44 Sesostris I. = Jahr 2 Amenemhet II." ergibt. Das Ende der vermuteten Ko-Regentschaft und damit der Beginn der Alleinherrschaft wird von den Befürwortern einer Ko-Regentschaft für das Jahr 3 von Amenemhet II. (= Jahr 45 von Sesostris I.) angenommen. (Dazu siehe: Robert D. Delia / 1979 A new look at some old dates: a re-examination of 12th Dynastie double dated inscriptions / Bulletin of the Egyptological Seminar of New York 1: 15-28 and Harco Williams 2010: "The first Intermediate Period and the Middle Kingdom, p. 92-93)

Stele des Gaufürsten Wepwawet-aa (oder Upuautaa)
- heute im Staatl. Museum Ägyptischer Kunst GI WAF 35
- Kalkstein - 

Die rundbogige Stele des Wepwawet-aa enthält eine große Inschrift, die eine Autobiografie des Wepwawet-aa darstellt, in welcher er über sein Leben und seine Taten berichtet. Der Gaufürst wird hier als hoher Beamter dargestellt und zeigt Darstellungen und Hieroglyphentexte, die sich u. a. auf die Götter Osiris und Upuaut (den "Wegeöffner") beziehen. Die Stele datiert aus dem Jahr +3 von Amenemhet II.

Die Stele ist im Zuge der Zusammenführung der ägyptischen Sammlungen in München nach dem II. Weltkrieg von der Glyptothek in die Staatl. Sammlung Ägyptischer Kunst überführt worden - sie behält aber ihre Inventarnummer bei, die sie nach dem Ende des Königsreichs der Familie Wittelsbach in Bayern bekommen hat.

Fundort: Niltal südlich von Assiut bis zum 1. Katarakt / Abydos
- Aus der Sammlung von Ferdinand Michel, Hauptmann à la suite. Aus Abydos wegen stilistischer und inhaltlicher Gründe (Simpson, ANOC 20.2)

Bild: Stele Wepwawetaa Munich.JPG
Autor:  Khruner, Wikipedia 3. 10. 2015
Lizenz: CC BY-SA 4.0

Zwar geht die Ägyptologie heute allgemein davon aus, dass Amenemhet II. ein Sohn seines Vorgängers Sesostris I. war, aber archäologisch belegt ist der Name seines Vaters nicht. Der Name seiner Mutter war "Neferu III.", die eine Schwestergemahlin von Sesostris I. war (eines der vier bekannten Kinder von Amenemhet I.). Sie besaß eine Pyramide im Pyramidenbezirk ihres Mannes und ihre Titel waren : Königstochter, Königsgemahlin und Königsmutter.

Ein früher Beleg für die königliche Abstammung von Amenemhet II. könnte aus dem Grab des gleichnamigen Nomarchen Amenemhet in Beni Hassan stammen. Dieser Nomarch (Gaufürst). der unter Sesostris I. lebte, begleitete den "Königssohn Ameny" auf einem Feldzug nach Nubien und es wird allgemein in der Ägyptologie vermutet, dass es sich bei diesem Prinzen Ameny um niemand anderen als den jungen Amenemhet II. handelte (Wolfram Grajetzki, 2006, The Middle Kingdom of Ancient Egypt, History, archaeology and Society, Duckworth, London, ISBN 0-7156-3435-6, p. 36).

Nach Peter Janosi ist für König Amenemhet II. vorerst keine Gemahlin mit Sicherheit namentlich zuzuordnen. Die allgemein immer als Gemahlin Amenemhets II. bezeichnete Königin namens Keminub / Keninub (Kmi–nbw) wird heute in die späte 13. Dynastie datiert und war demzufolge keine Zeitgenossin des Königs (siehe dazu: Joyce Tyldesley: Die Königinnen des Alten Ägyptens). Die drei "Königstöchter" Ita, Itaweret und Chenmet könnten evtl. Töchter von Amenemhet II. und einer unbekannten Gemahlin gewesen sein, obwohl ein endgültiger Beweis dafür noch fehlt. Einige Ägyptologen datieren aber Ita und Chnumet/Chenmet, die beide bei seiner Pyramide bestattet wurden, möglicherweise unter Amenemhet III, so dass offen bleiben muss, ob sie die Töchter von Amenemhet II. waren (siehe Dorothea Arnold: The Fragmented Head of a Queen Wearing the Vulture Headdress. In Ernst Czerny, Irmgard Hein, Herman Hunger u. a. in: Timelines. Studies in honour of Manfred Bietak (= Orientalia Lovaniensia Analecta, Band 149, Band 1, Peeters u. a., Leuven u. a.  2006, S. 47, Fußnote 3). Als sein Sohn und Nachfolger ist Sesostris II. belegt.

In letzter Zeit wird aber von einigen Ägyptologen als seine Gemahlin eine Königin mit dem Namen "Senet" vorgeschlagen, die von zwei Statuen bekannt ist und ansonsten keinem anderen Herrscher zugeordnet werden kann.

Namen Amenemhet II. und seiner Pyramide

Eigenname

Amenemhet (Amun ist an der Spitze) Jmn-m-HAt
Thronname Nebu-kau-Re (Golden an Ka-Kräften des Re Nbw-kAw-Ra
Horusname Heken-em-maat (Der sich an der Maat erfreut)

@kn-m-mAat

Goldhorusname 1. (Bik-nebu)-maat-cheru (Mit befriedigter Maat)
2. (Bik-nebu)-maat-cheru-neb-taui (Herr d. beiden Länder (mit) befriedigter Maat
1. (Bjk-nbw)-mAat-xrw
2.(Bjk-nbw)-mAat-xrw-m-nb-tA.w(j)
Nebti-Name Heken-em-maat (Der sich an der Maat erfreut) @kn-m-mAat
Pyramidenname Ba-Amenemhet (Gestaltfähig ist Amenemhet) BA-Jmn m-HA.t

 

Familien- und Regierungs-Daten Amenemhet II.

Regierungszeit:

1877/76 - 1843/42 v. Chr.
1914-1879/76 v, Chr.
1932 - 1893 v. Chr.   (Helck)
Lexikon d. Pharaonen/Schneider;
Jürgen von Beckerath;
Turiner Papyrus (TP. T. 5e.21)
Vorgänger: Sesostris I.   
Mutter: Neferu

Vater: Sesostris I.  
Ehefrauen unbekannt (evtl. Senet?) und evtl. Keminub (umstritten) Peter Janosi (5)
Geschwister  Itakayt und Sebat Dieter Arnold: Pyramid complex of Sesnwosret I.
Kinder:  Nofret und Chenemetneferhedjet, evtl. Chenmet, Ita, Itaweret (als evtl., Töchter - obwohl noch schlüssige Beweise fehlen);
Sesosris II.; Amenemhat-anch (entweder sein Sohn oder Bruder), 
nach Dodson Hilton, "Complete Families"

 

Familie

Es wurde eine große Anzahl von Personen im Pyramidenkomplex von Amenemhet II. in Dashur begraben, deren Gräber 1894 oder 1895 von Jacques Morgan wiederentdeckt wurden. Aber bei vielen ist die Zugehörigkeit zur Familie von Amenemhet II. fraglich. De Morgan konzentrierte sich dabei hauptsächlich auf die umliegenden königlichen Gräber, während andere Bereich nicht erforscht wurden. Eine umfassende Untersuchung des gesamten Komplexes wurde noch nicht durchgeführt.

Auch müssen die Daten und die Zugehörigkeit dieser Gräber zur Familie von Amenemhet II. hinterfragt werden, die sie alle nicht eindeutig sind und von einigen Ägyptologen in eine spätere Zeit der 12. Dynastie datiert werden. Gefunden wurden die Gräber von einem Prinz Amenemhat-anch und den Prinzessinnen Ita, Chnumet, Itaweret und Sit-Hathor-meret. Aus diesen Gräbern wurden eine Vielzahl von Grabmöbeln geborgen, darunter hölzerne Särge, Alabster-Parfümgläser und Kanopentruhen. In den Gräbern von Ita und Chnumet gab es auch eine große Menge wunderschönen Schmucks. Das Begräbnis der drei genannten Prinzessinnen Ita, Itaweret und Chnumet wurden unberührt gefunden - ebenso wie die Gräber der Dame Sat-Hathor-merit, des Schatzmeisters Amenhotep und der Königin Keminub; im Gegensatz zu den anderen wurden die beiden letztgenannten in der Antike geplündert und auf die anschließende 13. Dynastie datiert (siehe Grajetzki 2006)

Neferu III. (die "Schöne")
- Mutter von Amenemhet II. -
Titel:
sAt-nsw / Königstochter
sAt-nsw.t n[t] Xt=f / Königstochter von seinem Leib
Hmt-nsw / "Frau des Königs"
mwt-nswt / Königsmutter
jrj.t-pat / Mitglied der Elite
wrt-Hsw.t / die Gelobte
Grabmal: kleine Pyramide im Bezirk ihres Gemahls Sesostris I (el-Lisht)
Quellen und Literatur:
1) Titel nach Dodson/Hilton, Complete Royal families;
2)"Neferu III., a literary celebrity" - Engl. version of the 1st part of the text published in Hapi, Revista da Associaacáo Cultural de Amizade Portugal-Egipto, nol 7, Lisboa, Maio de 2019/2020 - online version

Neferu (III.) war eine Tochter von König Amenemhet I. aus der 12. Dynastie und die "Schwester-Gemahlin" von Sesostris I. sowie die Mutter seines Nachfolgers Amenemhet II. Neferu III. ist eine der vier namentlich bekannten Kinder von Amenemhet I. Sie wurde mit ihrem Bruder Sesostris I. vermählt (wie es damals im antiken Ägypten üblich war) und seine einzige bekannte Gemahlin. Erwähnt wird sie ausdrücklich in der "Geschichte des Sinuhe", verbunden mit ihrem Vater Amenemhet I., ihrem Ehemann Sesostris I. und Sinuhe. Außerdem erscheint ihr Name auf einem Steinfragment aus der Pyramide ihres Vaters in el-Lischt und in der Kapelle ihres Sohnes Amenemhet II. in Serabit el-Chadim, die er als ein Denkmal für seinen Vater Sesostris I. erbauen ließ. Neferu II. ist in einer kleinen Pyramide innerhalb des Pyramidenbezirks ihres Gemahls Sesostris I. in el-Lischt bestattet worden. Zu ihrem Leben ist sonst nichts weiter bekannt (Quelle: Silke Roth: Die Königsmütter des Alten Ägyptens von der Frühzeit bis zum Ende der 12. Dynastie, Harrassowitz-Verlag, Wiesbaden 2001, S. 224-228). lt. Aidan Dodson, Dyan Hilton (in Complete Royal families, S. 97) scheint das Begräbnis von Neferu III. nicht in der kleinen Pyramide in el-Lischt stattgefunden zu haben, sondern in Dashur - nahe ihres Sohnes Amenemhet II.

Senet 
- evtl. Gemahlin von Amenemhet II. -
Titel:
Hmt-nsw / Frau des Königs
mwt-nswt / Königsmutter
(Quelle: engl. Wikipedia: Senet)

Senet war die Ehefrau eines Königs und die Mutter des Königs. Sie ist auf drei Statuen (Sitzstatue Senet, Museum Kairo CG 424, H. 1,65m, dunkler Granit - Fundort Tanis - entdeckt von Auguste Mariette 1863; der Oberkörper fehlt und die Statue ist stark fragmentiert; die Inschriften auf dem Thronsockel identifizieren sie jedoch eindeutig als Senet), die alle aus dem Mittleren Reich stammen (möglicherweise aus der 12. Dynastie) belegt. Ihr Gemahl und auch ihr königlicher Sohn sind nicht mit Sicherheit bekannt. Die Statuen zeigen die Königin sitzend auf einem Thron - bei zwei der Statuen fehlt der obere Teil. Eine dritte Statue bewahrt den oberen Teil, aber das Gesicht ist stark beschädigt. Gae Callender (in V. G. Callender: Rezension von Silke Roth: die Königsmütter des Alten Ägyptens, Harrassowitz-Verlag, Wiesbaden 2001, ISBN 3-447-04468-7 in: Journal of Egyptian Archaeology Bd. 91, 2005, S. 212) schlug König Amenemhet II. als ihren Gemahl vor, da eine Ehefrau für ihn noch nicht sicher belegt ist, während bei den meisten anderen Königen der 12. Dynastie eine Gemahlin bekannt ist.

Beschreibung nach: Statuen und Statuetten von Königen und Privatleuten im Museum von Kairo/Ludwig Borchardt/Teil 2
Statue 1

Sitzstatue einer Königin, dunkler Granit, Höhe 1,65m - gefunden in Tanis 1863 - 1870 ins Museum Kairo gebracht
Die Königin blickt geradeaus - ihre Handflächen liegen auf ihren Knien und ihre Füße stehen nebeneinander. Sie sitzt auf einem Thron mit niedriger Lehne, mit einem schmalen Rückenpfeiler. Keine Farbspuren mehr. An den Gelenken der Füße befinden sich schwache Zeichnungen von Fußbändern. Die Augen waren eingesetzt mit reliefierten Schminkstreifen. An der Vorderseite des Sitzes und auf dem Fußbrett rechts und links neben den Beinen befinden sich Inschriften in vertieften Hieroglyphen. Die Nase, der rechte Unterarm und der rechte Fuß waren abgeschlagen und der Oberkörper beim Auffinden war lose.

Statue 2:
Oberkörper der Statue einer sitzenden Königin, dunkler Granit, Höhe 0,70m - Fundort Tanis (Notiz von Borchardt: Stück des unteren Teiles / Oberschenkel, Knie und obere Sitzfläche von Herrn Barsanti 1904 aus Tanis ins Museum Kairo gebracht / Journal Nr. 37487).
Die Königin blickt geradeaus - der 1. Unterarm liegt unter der Brust am Körper an, die Hand berührt den rechten Oberarm mit den Fingerspitzen. Der rechte Unterarm lag auf dem Schoß. Die Statue wird von einem schmalen Rückenpfeiler bis zu den Schulterblättern gehalten.

Die Königin trägt eine große, gescheitelte Perücke, welche die Ohren freilässt und die in zwei mehrfach gebundenen, dicken, nach unten zugespitzten Zöpfen aus welligem Haar auf die Brust fällt. Die Enden der Zöpfe drehen sich um je eine runde Scheibe. Die Perücke fällt hinten gerade in Strähnen bis auf den Rückenpfeiler. Auf dem Scheitel befindet sich eine Uräusschlange mit mehrfach geschlängeltem Schwanz. An den Schläfen ist ein kleiner Teil eigenes Haar zu sehen. Die Augen haben kurze Schminkstreifen. Gekleidet ist die Königin in einem langen, engen Frauengewand mit zwei Tragebändern. Der Brustschmuck mit dem Namen Cheper-ka-Re (in Kartusche), Thronname von Sesostris II. (ihrem vermutlichen Sohn)., ist erhalten. Kunsthandwerklich ist die Statue eine sehr gute Arbeit: Der linke Oberarm und Nase fehlt; die linke Wange wurde beim Ausbrechen der Augen durch Grabräuber verletzt. Der Daumen der linken Hand ist angestoßen, ebenso der Uräus.

Sesostris (Chai-cheper-Re)
- Sohn von Amenemhet II. -
- der spätere König Sesostris II.
Ko-Regent für ca. 5 Jahre und späterer Nachfolger seines Vaters
- Thronname: Chai-cheper-Re (#aj-xpr-Ra) = Mit erschienener Gestalt, ein Re -

 

Amenemhet-anch (imn-m-hA.t-anx)
- Sohn von Amenemhet II. -
- aber auch evtl. ein Bruder von Amenemhet II. -
sA-nsw/ (sa–nesu) "Königssohn"
Benannt auf einer Scheintür - wohl aus seinem Grab - verstreut gefunden im Grab der Chenemet in Dashur (Grab L.LV) heute im Museum Kairo JE 30955 - einer Quarzit-Statue aus Saqqara (Kairo JE 37464/CG 430) mit der Ernennung eines Priesters Teti-em-saf; einer Würfelhocker-Statue des "Horemsaf (B) aus Saqqara; Statuensockel aus dem Mut-Bezirk im Karnak-Tempel (heute in Kairo).
Quellen:
Dodson & Hilton (2004): The Complete Royal Families, London, Thames & Hudson;
Histor. Studien zu Amenemhet II., Bd. 1, Andreas Hutterer, München 2013

Amenemhet-anch wird in der Ägyptologie allgemein als Sohn von König Amenemhet II. angesehen, der aber nicht den Thron bestieg. Diese Zuordnung ist allerdings umstritten - einige Ägyptologen (B. Fay 1996) halten ihn auch für einen Bruder von Amenemhet II. Der Name Amenemhet-anch ist auf insgesamt 6 Denkmälern belegt, wobei aber umstritten ist, ob sich alle auf dieselbe Person beziehen (siehe Andreas Hutterer: Historische Studien zu Amenemhet II., Bd. 1, München 2013, S. 113).

Amenemhet-anch, trug auf einer in Dashur gefundenen Scheintür (heute im Museum Kairo / JE 30955 am Tahirplatz -  im Kontext mit den Mastaben von den Prinzessinnen Chnumet/Ita (evtl. seine Schwestern ?) gefunden - den Titel eines "Königssohn (Sa-nesu) "und bekleidete neben seinem königlichen Status als Prinz auch religiöse Ämter und war vermutlich in den Totenkult seiner Familie eingebunden. Er war vermutlich ein Bruder der Prinzessin "Chenemit", "Ita" und "Itaweret", deren Gräber sich ebenfalls im Umfeld der Pyramide ihres Vaters in Dashur befinden. In der Grabanlage seiner mutmaßlichen Schwestern Chenemet (Chnumet)/Ita (beide teilten sich eine Grabstätte) in Dashur sind auf der dort von Jacques de Morgan bei seinen Ausgrabungen am Ende des 19. Jahrhunderts gefundenen Scheintür, die wohl ursprünglich aus seiner eigenen Grabanlage stammte, seine Titel und sein Name verzeichnet, die auf seinen hohen sozialen Status hindeuten. 

Die Scheintür ist aus hochwertigem Kalkstein gefertigt und folgt dem typischen Aufbau mit mehreren Rücksprüngen (Pfosten und Sturzbalken). Im oberen Bereich befindet sich das bekannte Opfertisch-Paneel. Es zeigt den Verstorbenen vor dem Opfertisch sitzend mit den rituellen Gaben (Brot, Fleisch, Bier). Auf den vertikalen Pfosten sind seine Titel "Königssohn und Erbprinz" in tief eingeschnittenen Hieroglyphen eingraviert. Auf dem Architrav und dem Türsturz befindet sich die typische Opferformel (hetep-di-nesu), welche ein Opfer des Königs und der Götter für den Verstorbenen erbittet. Auf den vertikalen Bändern des Türpfosten stehen die Namen und Titel des Amenemhet-anch. Er wird dort als "Erbprinz", "Siegelbewahrer des Königs" oder "Einzigartiger Freund" bezeichnet (Quellen: de Morgan, Jacquaes "Fouilles á Dahchour, mars-juin 1894" und Borchardt, Ludwig "Statuen und Statuetten von Königen und Privatleuten im Museum Kairo (bzw. Denkmäler des Alten Reiches).

Des weiteren wurde er auf der Basis einer zerbrochenen Statue, die ihm zugeschrieben wird und die in Saqqara gefunden wurde, und die sich heute im Ägyptischen Museum Kairo (JE 37464/CG 430) befindet, genannt. Auf dieser ist seine Ernennung eines Priesters namens "Teti-em-saf" verzeichnet, wobei explizit in den Inschriften festgehalten wird, dass Amenemhet-anch diesene "Teti-em-saf" in sein Amt eingesetzt hat. Die Inschrift auf dem Rückenpfeiler und der Basis nenen seine Titel, darunter "Siegelbewahrer des Königs" und Priesterämter im Kult des Sobek und des Ptah-Sokar.

Solche "Ernennungsstatuen" sind selten und dienten dazu, die Rechtmäßigkeit der Amtsnachfolge (oft vom Vater auf den Sohn) vor den Göttern und für die Ewigkeit zu legitimieren. Bei dem Fragment handelt es sich um das Unterteil einer Stand- oder Sitzfigur aus Hartgestein, auf dem seine Namen und Titel eingraviert wurden und die ihn eindeutig identifizieren. Die enge Bindung zum Königshaus wird durch die basilophore Nennung des Namens (seine Eingenname/Geburtsname enthält den Namen des Königs Amenemhet) hervorgehoben, was hier die enge Bindung zum Königshaus unterstreicht. Anhand des Fundortes Saqqara ist zu vermuten, dass Amenemhet-anch hier vermutlich ein hohes Verwaltungs- oder Priesteramt innehatte.

Amenemhet-anchs Name erscheint außerdem auf einer Würfelhocker-Statue des "Horemsaf (B) ), der u. a. den Titel eines "Schreibers der Opfertische des Amun" trug, aus Saqqara, einenStatuensockel aus dem Mut-Bezirk im Karnak-Tempel (heute in Kairo) sowie in den Grabinschriften des Wesirs "Chnumhotep" (Grab Nr. 2. in Dashur) (Quelle: engl. Wikipedia: Amenemhatankh / Dodson & Hilton 2004; The Complete Royal Families of Ancient Egypt, Thames & Hudson, London)

Chnumet/Khenmet ($nmw.t)
-
evt. Tochter von Amenemhet II. -
sA.t-nsw/ (sat–nesu) "Königstochter"
Xbnt-nfr-hDt (khnemet-nefer-hedjet) = vereinigt mit der Weißen Krone
- Galeriegrab neben der Pyramide von Amenemhet II. zusammen mit ihrer Schwester Ita in Dashur -
(Quelle: Dodson & Hilten, Complete Royal families, p. 42 Thames & Hudson. 2004;
(Quelle: Dodson & Hilten, Complete Royal families, p. 42 Thames & Hudson. 2004);
Dorothea Arnold: The Fragmented Head of a Queen Qearing the Vultue Headdress: in E. Czerny: Timelines, Studies in Honour of Manfred Bietak, Leuven/Paris 2006
Jacques de Morgan et al: Fouilles a Dahchour1894-1895, Bd. 2, Holzhausen, Wien 1903.
Grajetzki, Wolfram: Tomb Treasures of the Late Middle Kingdom: The Archaeology of Female Burials, Mainz 1996, Univers. of Pennsylvania Press)

Es ist heute umstritten, ob die Prinzessin Chnumet eine Tochter von König Amenemhet II. oder evtl. auch Amenemhet III. war. Jacques des Morgan fand ihre unberaubte Bestattung 1895 in Dahschur in einem Galeriegrab neben der Pyramide von Amenemhet II. Wegen des Fundortes ihres Grabes wurde bislang meist angenommen, dass die Prinzessin die Tochter von Amenemhet II. war. Einige Ägyptologen sind aber aufgrund neuerer Untersuchungen, dass ihr Grab evtl. wohl erst unter Amenemhet III. zu datieren ist (siehe Dorothea Arnold: The Fragmented Head of a Queen Wearing the Vulture Headdress. In E. Czerny, I. Hein u. a.: Timelines, Studies in Honour of Manfred Bietak, Dudley, Leuven/Paris 2006, S. 47, Fußnote 3). Die Prinzessin Chnumet/Khenmet ist nur durch ihr Grab neben der "Weißen Pyramide" in Dashur bekannt.

Das Grab der Chnumet fand man in einem Galeriegrab neben der Pyramide von Amenemhet II. Die Grabanlage bestand aus einem unterirdischen Gang, von dem zwei Kammern abgingen, in denen jeweils eine Prinzessin bestattet worden ist. Es fanden sich bei der Pyramide drei dieser Galeriegräber mit insgesamt sechs Bestattungen. Vier Bestattungen, darunter die von Chnumet, waren unberaubt. Prinzessin Chenmet wurde neben ihrer Schwester Prinzessin Ita beigesetzt.

Querschnittansicht des Grabes
von Khenemet und Ita

Der blockierte Korridor zum Sarkophag, der Sarkophag selbst und die Opferkammer.

 

Zeichnung: Jacques de Morgan: Ausgrabungen in Dashur 1894-1895, Hand II. 1903, Holzhausen, Wien
- gemeinfrei -

Das Grab der Prinzessin Chnumet (das südlichere des Doppelgrabes) wurde von Jacques de Morgen 1895 unversehrt vorgefunden. Das Doppelgrab liegt westlich der Königspyramide in einer großen rechteckigen, in Nord-Süd-Richtung ausgerichteten Grube mit einer südlichen, unterirdischen Erweiterung. Die gesamte Anlage wurde in den weichen Sandstein des Plateaus gehauen. Der nördlich gelegene Eingang des Grabes maß 1,19m in der Breite und 1,10m in der Höhe. Er war mit einer gewaltigen Kalksteinplatte bedeckt und durch einen Steinblock, der den gesamten Eingang ausfüllte, verschlossen. Das Grab war mit Platten abgedeckt, welche sowohl die Grabkammer als auch den langen, abfallenden Korridor (mit denselben Abmessungen wie der Eingang) bedeckten. Dieser Korridor war mit gewaltigen Steinblöcken gefüllt. 

Plan der Oberseite des Grabes von Chumet und Ita

Zeichnung: Jacques des Morgan: Ausgrabungen in Dashur 1894-1895, Bd. II., 1903, Holzhausen, Wien
- Gemeinfrei -

Die beiden Grabkammern befanden sich westlich des Korridor. Über jeder Kammer befand sich eine Falltür, welche die gesamte Decke der Kammer bildete. Die Sandsteinsarkophage füllten den gesamten Raum der Grabkammern aus und lagen somit unterhalb des Korridors. Westlich von jedem dieser Sarkophage, unterhalb des Korridors, befand sich ein kleiner Raum mit Grabbeigaben.

Nachdem die Sarkophage an ihre Plätze platziert waren (also während des Baus des Grabmals selbst) waren diese kleinen Räume nicht mehr zugänglich. Darum wurden Öffnungen (eine pro Kammer) vom darüberliegenden Korridor aus geschaffen, um die Grabbeigaben dort deponieren zu können (Quelle: de Morgan 1903, S. 40-45). 

Chnumet wurde in drei Bestattungssärgen beigesetzt, darunter befand sich ein äußerer, einfacher und schmuckloser Sarkophag, gefolgt von einem Holzsarg, der außen mit Blattgold und innen mit Hieroglyphen verziert war. Die Ostseite der Sarkophages wurde von zwei bemalten und vergoldeten Udjet-Augen verziert. Auf den Innenseiten standen die Namen und die Titeln der Prinzessin sowie Gebete. Schließlich gab es noch einen inneren, menschenähnlichen Sarg, der nur schlecht erhalten war. Die Mumie der Prinzessin war mit einer einst bemalten Bitumenschicht bedeckt. Die vergoldete Maske war mit blauen und goldenen Mustern und zwei silbermontierten Augen verziert. Rechts neben der Mumie lag ein doppelter flacher Stab, links davon, unter einem länglichen Bündel bitumenbeschichteter Materialien, Zepter und Keule. Der Kopf ruhte auf einer Scheibe aus gestampfter Erde. Um den Hals trug die Prinzessin eine Halskette aus Djed- und Anch-Symbolen in Gold, verziert mit Edelsteinen, Goldperlen, Karneol, Smaragd und Lapislazuli. Neben der Mumie fand man viele Waffen (typisch für königliche Bestattungen des Mittleren Reiches). (Jacques de Morgan et. al: Fouilles a Dahchour 1894-1895, Bd. 2, Holzhausen, Wien 1903, S. 55-68). 

Zwischen dem Sarkophag und der Südwand wurden ein vergoldeter Dolch und ein kurzer Stab entdeckt. Am linken Arm befanden sich zwei Armbänder, eines aus massivem Gold und ohne weitere Einlagen, das andere aus Goldperlen, Lapislazuli, Smaragd und Karneol (de Morgan 1903 in der franz. Wikipedia: Khenemet)

In einer kleinen Kammer neben dem Sarkophag wurden weitere persönliche Schmuckstücke gefunden. Darunter befanden sich zwei Kronen und Teile einer goldenen Halskette. Letztere scheint wohl kein ägyptisches Kunstwerk gewesen zu sein, sondern wurde möglicherweise auf Kreta angefertigt. Des weiteren lagen in der Opferkammer zahlreiche Gegenstände wie Terrakottavasen, gefüllt mit den Überresten der Opfergaben, die die Pflastersteine des Bodens bedeckten, einen Haufen Ochsen- und Gänseknochen, eine Parfümdose mit neun Vasen, deren Deckel jeweils den Namen des enthaltenen Inhalts eingraviert hatten, ein kleines quadratisches Brett, ein Weihrauchgefäß aus Bronze und eine Kanopenkiste, die neben Stoffen auch mehrer Schmuckstücke (Halsketten, Spangen, Kronen, goldene Reifen) enthielt. Es müssen auch Stoffe vorhanden gewesen sein, von denen bei der Entdeckung des Grabes nichts mehr erhalten war (Quelle: de Morgan 1903, S. 56).

Halskette der Chnumet
Museum Kairo, JE 31116
- Gold, Karneol, Türkis u. Lapislazuli -

Diese exquisite Halskette gehörte der Prinzessin Chnumet und wurde in ihrem unversehrten Grab in Dashur gefunden.

Das Grab der Prinzessin wurde 1895 vom franz. Ägyptologen Jacques de Morgan in Dashur gefunden. Diese Schmuckstücke verdeutlichen die außergewöhnliche Kunstfertigkeit der Goldschmiede des Mittleren Reiches.

 

Foto: Circe Subara, Wikipedia 30. 1. 2017
- dieses Werk wurde vom Autor auf Flickr als public domain freigegeben, wo der Autor es als "gemeinfreies Werk" deklariert -

 

Diadem der Chnumet
Museum Kairo

 

Attribution: Zeinab Mohamed
Wikipedia 24. 12. 2015
Lizenz: CC BY-SA-2.0

 

Das Grab der Chnumet gilt als einer der wichtigsten Funde zum Verständnis der Schmuckherstellung im Mittleren Reich. Die Zartheit der Stücke, insbesondere der Krone, lässt vermuten, dass sie diese zu Lebzeiten nie getragen hatte und dieser Schmuck eigens für die Bestattung angefertigt wurde, da er für den täglichen Gebrauch zu zerbrechlich erscheint.

Ita
sA.t-nsw/ (sat–nesu) "Königstochter"
Xbnt-nfr-hDt (khnemet-nefer-hedjet) = vereinigt mit der Weißen Krone
jr.t-p.t (Mitglied der Elite)
- Galeriegrab neben der Pyramide von Amenemhet II -
1) Jacques de Morgan et al: Fouilles a Dahchour1894-1895, Bd. 2, Holzhausen,  Wien 1903;
2) Dodson & Hilton, Complete Royal families,2004 London

Prinzessin "Ita" wird aufgrund der stilistischen Datierung ihrer Artefakte und der Nähe ihrer Grabstätte (die sie zusammen mit ihrer Schwester Chenmet) im Pyramidenkomplex von Amenemhet II. besaß, als seine Tochter, wobei eine direkte Abstammung aber nicht belegt ist. Die Identität ihrer Mutter ist unbekannt. Die Inschriften auf einer Sphinx - Königstochter von seinem Leib und Erbprinzessin, die leibliche Königstochter, von ihm geliebt, Ita, die Verehrte" (auf dem Sockel) - die sich heute im Pariser Louvre (Inv.-Nr. AO 13075 - L. 163 x H. 58 x B. 26 x T. 16cm)  - befindet, weisen sie als leibliche Tochter von König Amenemhet II. aus (wenn diese mit der oben genannten Prinzessin identisch ist). 

Sphinx der Prinzessin Ita, Louvre Paris
- heute im Louvre, Paris (AO 13075) - Sandstein

Die Sphinx-Statue wurde nicht im Grab der Prinzessin gefunden, sondern Ende der 1920er Jahre von Robert du Mesnil du Buisson bei Ausgrabungen in der antiken Stadt Qatna (dem heutigen Tell Mishrife in Syrien) entdeckt. Es ist unsicher, ob alle Fundstücke mit dem Namen der Prinzessin Ita zu der gleichen Person gehöre. Auf der Sphinx trägt sie die Titel: "Mitglied der Elite und Königstochter von seinem Leib"  - auf dem Sarg aus der Mastaba trägt sie nur den Titel "Königstochter".

Die Sphinxstatue wurde im Tempel der Göttin "Nin-Egal" gefunden und 1929 dem Louvre geschenkt, wo sie unter der Inventarnummer AO 13075 geführt wird. Die Figur stellt eine Sphinx in der klassischen ägyptischen Form dar, mit dem Körper eines Löwen und dem Kopf einer Frau, vermutlich Prinzessin Ita selbst. Die Figur war bei ihrer Auffindung unvollständig und wurde restauriert. 

Die Statue diente wahrscheinlich als diplomatisches Geschenk des ägyptischen Hofes an die Herrscher von Qatna und zeigt die frühen Verbindungen zwischen Ägyptens und der Levante im Mittleren Reich. Sie belegen die Außenpolitik unter der Regierung von Amenemhet II. und sollte wohl die Förderung der Beziehungen durch kulturelle und prestigeträchtige Objekte dienen.

Bild: Sphinx dedicated to Ita daughter of Amenemhet II. Louvre AO 13075
User: Rama, Wikipedia 25. Mai 2016
Lizenz: CC-SA 20 fr.

Das Grab der Prinzessin Ita befindet sich in Dashur, etwa 30km südlich von Memphis am Westufer des Nils und grenzt direkt an den Pyramidenkomplex von König Amenemhet II. an. Das intakte Doppelmastaba-Grab der Prinzessin Ita, das sie zusammen mit ihrer Schwester Chnumet teilte, lässt auf eine enge familiäre Bindung zu König Amenemhet II. schließen. Der damalige Direktor des Ägyptischen Antikendienstes, Jacques de Morgan entdeckte das Grab am 12. Febr. 1895 bei seinen Ausgrabungen in Dashur und war Teil von umfassenden Ausgrabungen der französischen Mission in den Jahren 1894 und 1895. Die Mastaba wurde von de Morgan als intakte Grabstätte eines nicht-königlichen Begräbnisses in dieser Region identifiziert. Er dokumentierte die Ausgrabungsdetails ausführlich in seiner Publikation "Fouilles á Dahchour" (1895), die er gemeinsam mit Georges Legrain und Gustave Jéquier verfasste.

Das Grab wurde über einen vertikalen Schacht betreten, der zu einem versiegelten unterirdischen Raum führte. Die Grabstätte ist keine freistehende Pyramide, sondern eine unterirdische Anlage innerhalb der sog. "Weißen Pyramide". Das Grab besteht im wesentlichen aus zwei unterirdischen Räumen:

  1. Grabkammer: Dieser Raum war fast vollständig durch den massiven Steinsarkophag ausgefüllt

  2. Nebenkammer: Hier wurden die Grabbeigaben sowie die Kanopen (Gefäße für die Organe) deponiert.

Der Zugang zur Grabkammer wurde durch schwere Granitplatten (sog. Fallsperren) blockiert, um Grabräuber abzuhalten. Die Decke der Kammer war mit massiven Kalksteinbalken verstärkt, um den enormen Druck des darüberliegenden Bodens standzuhalten. 

Prinzessin Itas Mumie befand sich in drei ineinander verschachtelten Sarkophagen

  1. ein äußerer, rechteckiger Sarkophag aus Sandstein, der fest im Boden der Grabkammer eingelassen war

  2. einem mittleren Sarkophag aus Holz, der mit Goldkanten verziert und mit religiösen Hieroglyphen-Inschriften sowie einem Udjat-Augen-Paar als Schutzsymbol beschriftet war.

  3. und zum Schluss einem inneren, menschenförmigen Sarkophag, der jedoch aufgrund seines Alters nur noch sehr schlecht erhalten war.

 

Zeremonial-Dolch der Prinzessin Ita 
Museum Kairo JE31069

Der kunstvoll gearbeitete Zeremonial-Dolch der Prinzessin Ita symbolisiert ihren hohen Stand und wurde unter den Grabbeigaben im Sarg der Prinzessin gefunden. Der Griff des Dolches bestand aus einem getriebenen Goldrohr, verziert mit Einlegearbeiten aus Lapislazuli, grünem Feldspat (Amazonit) und Karneol, die Muster aus diagonalen Kreuzen und geschw2ungenen Quadraten aufweisen. Der Knauf war in Form einer Mondsichel aus Lapislazuli gearbeitet. Die Bronzeklinge zeigt eine phönizische Form mit möglichen Einflüssen aus Byblos oder Kreta. Die Muster am Griff waren auf Kreta üblich. Die elegante Bronzeklinge ist in der massiven goldenen "Schulter" montiert und wurde durch drei Goldnieten beseitigt. Die Zunge des Bronzeblatts und der Schultergurt passen genau in den Griff.

Bild: CDHNwam - Wikipedia 18. April 2023 - public domain

 

Itaweret 
sA.t-nsw (sat–nesu) "Königstochter"
XnmtnfrhDt (khnemet–nefer–hedjet) „Die mit der Weißen Krone vereint ist“  
- Galeriegrab neben der Pyramide von Amenemhet II -
1) Jacques de Morgan et al: Fouilles a Dahchour1894-1895, Bd. 2, Holzhausen,  Wien 1903;
2) Dodson & Hilton, Complete Royal families,2004 London

Die Prinzessin Itaweret ist nur durch ihr unversehrt gefundenes Grab bekannt. Die Lage des Grabes neben der Pyramide von König Amenemhet II. könnte darauf hindeuten, dass sie eine Tochter von von ihm war  - ein endgültiger Beweis fehlt jedoch. Das unversehrte Grabmal befand sich etwas westlich der Grabanlage der Königin Chnumet. Es war ein Doppelgrab, welches in einer in den Fels gehauenen, offenen Höhle errichtet worden war und in dem auf der einen Seite die Prinzessin Sathathormerit und auf der anderen Itaweret bestattet waren. 

Plan des Doppelgrabes von Itaweret und Sathathormerit in Dashur

Zeichnung: Jacques de Morgan - public domain 1903

Ein langer, abfallender Ziegelkorridor mit steinernem Boden führte zum Eingang der Grabkammern. Daran schloss sich ein horizontaler, über seine gesamte Länge vermauerter Korridor an. Das Grab enthielt einen Sarkophag aus rotem Granit (Wolfram Grajetzki: Tomb Treasurees of the Late Middle kingdom: The Archaeology of Female Burials, S. 61) und einem inneren Holzsarg, der außen mit Goldfolie und einem Udjat-Auge und innen mit gemalten Inschriften verzierten war und einen Kanopenkasten mit längeren religiösen Texten, die auch ihren Namen enthielten. Die beiden Sarkophage befanden sich rechts vom Korridor - unterhalb des Pflasters. Die Platten, welche die Sarkophage bedeckten waren dünn, passgenau und ohne Mörtel verlegt. Bemerkenswert dabei ist, dass diese Platten noch die Nummern trugen, welche ihnen die Erbauer vor ihrer Verlegung gegeben hatten (de Morgan 1904, Abb. 118 und 120, S. 69, 71-72). 

In der Bestattung wurden außerdem einige persönliche Schmuckstücke der Prinzessin gefunden (siehe Jacques de Morgan (6) ). Bemerkenswert ist die hölzerne Schwanenstatue, die in einem ihrer Grabappartements gefunden wurde (6). 

Die Prinzessin Itaweret lag auf dem Rücken, die Hände waren über den Oberschenkeln verschränkt. Mehrere Armbänder aus Gold- und Edelsteinen schmückten ihre Handgelenke und Knöchel. Um ihren Hals trug sie eine breite Halskette aus Perlen und Goldornamenten, die von von zwei goldenen Spangen gehalten wurde (6). Die Funde aus der Grabanlage befinden sich heute im Museum Kairo und wurden größtenteils im Block registriert. Die Nummern im Bereich JE 31111 bis JE 31120 decken die Hauptstücke (Goldketten und Anhänger) der Prinzessin Itawerert ab.

Links von der Mumie lagen Spazierstöcke, Zepter, eine Keule, ein Bogen, ein Dreschflegel, eine Hacke und mehrere andere, mit Blattgold verzierte Holzwerkzeuge. Der Serdab enthielt den Kanopenkasten, dessen Innenseite mit religiösen Texten ausgekleidet war. Außerdem fand man irdene Gefäße, die noch mit den Überresten der darin befindlichen Speiseopfer gefüllt waren, einen lebensgroßen Holzschwan, kleine runde oder rechteckige Tische, eine Truhe mit Parfums in Alabastergefäßen, die mit ihren Inhalt beschriftet waren, ein Paar vergoldete Holzsandalen und ein kleines Brett, auf dem ein Spiegel, ein Perlendiadem und vier goldene Klingen mit Griffen lagen. Dieses Brett, von Wurmlöchern durchzogen, zerfiel zu Staub, sobald die Ausgräber um Jacques de Morgen es berührten (de Morgan 1904).

Es wird oft gemutmaßt, dass die Prinzessin Itaweret eine Nebenfrau von Sesostris II. gewesen sein könnte, was aber primär nicht belegt werden kann,  jedoch ist sie durch ihr unberaubtes Grab im Pyramidenbezirk von Amenemhet II. in Dashur bekannt, das 189d5 von Jacques de Morgan freigelegt wurde. Die Hauptgemahlinnen von Sesostris II. waren Chenmet-nefer-hedjet I. und Nofret II.

Schmuckhalskragen 
der Prinzessin Itaweret - 
gefunden in ihrem Grab in Dashur

Der breite Schmuckhalskragen aus Perlen und Gold-Ornamenten, die von zwei goldenen Spangen gehalten wurde, lagen um den Hals der Prinzessin Itawrert. 

 

 

 

Sat-Hathor-merit (%A.t-@w.t-@r-Mry.t)
-
"Tochter der Hathor, die Geliebte" -
- wahrscheinlich Tochter von Amenemhet II. -
- wahrscheinlich Schwester von Itaweret, Chnumet und Ita -
- Galeriegrab neben der Pyramide von Amenemhet II -
1) Jacques de Morgan et al: Fouilles a Dahchour1894-1895, Bd. 2, Holzhausen,  Wien 1903;
2) Dodson & Hilton, Complete Royal families,2004 London

Die Prinzessin Sat-Hathor-merit (in der Literatur auch oft als: Sathathor-Merit geführt) teilte sich mit ihrer Schwester Itaweret einen Galeriekomplex. Ihre Fundstücke sind teilweise unter kollektiven Nummern oder ähnlichen Registern geführt.

Im Gegensatz zu den nahezu unberührten Grabanlagen ihrer (mutmaßlichen) Schwestern Chnumet oder Ita war das Grab von Sathathor-merit stärker beraubt. Dadurch waren die erhaltenen Stücke aus ihrer Bestattung weniger zahlreich. In der Forschung werden ihre Stücke kollektiv als Teil der "Dashur-Schätze" des Mittleren Reiches behandelt. Die meisten ihrer Fundstücke befinden sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo. Die meisten Stücke aus den Prinzessinnen-Gräber aus Dashur (Zeit Amenemhet II.) gehören ihren Schwestern und liegen primär im Bereich der Nummern: JE 31110-311120.

Im Grab der Prinzessin Sathathor-merit wurden Skarabäen und Siegel gefunden und liegen im JE-Bereich 31110ff), welche ihren Namen und den Titel "Königstochter" tragen. Diese dienten als primärer Identitätsnachweis für ihre Bestattung.

Der Schwan der Sithathor/Sathathor-merit wurde aus hellem naturbelassenem Holz geschnitzt; am rötlichen Oberschnabel weist er einen kleinen Höcker auf und darf daher als "Cygnus olor" gelten. Auch die Biegung des Halses, ebenfalls die horizontal angehobenen Flügel, die für das Imponierverhalten dieser Art bezeichnend sind, sprechen dafür und lassen vermuten, dass der Künstler einst ein lebendes Tier als Modell zur Verfügung stand. Die Schwanenstatue gilt heute als verschwunden und wahrscheinlich wurde die Figur nie fotografiert. Am 23. März 1987 war er in Galerie 27 im Museum - wo er einst stand - nicht mehr vorzufinden. Stattdessen waren in der Vitrine mehrere Alabaster-Kanopen aufgestellt, daneben stand nur noch der Schwan der Prinzessin Ita-Quret/Ita-Weret auf seinem ursprünglichen Platz. Auch die beiden Namensschilder, die bis 1986 noch vorhanden waren, sind entfernt worden (Quelle: Annemarie Schramm, Schwäne (Cygninae) in Ägypten - in Beziehung zum historischen Geschehen, Teil  1 - online-Version, Hannover 1988)

Außerdem fand man Amulette und Perlen: Fragmente von Halsketten und Armbändern aus Gold, Karneol, Lapislazuli und Türkis. Ein bekanntes Motiv in dieser Sammlung ist der Schwalben-Anhänger. Des weiteren wurden Salbgefäße (JE 31120ff), Reste von Alabastergefäßen und Vasen aus Stein, welche für die heiligen Öle im Jenseits gebraucht wurden, gefunden. Fragmente vom Kanopenkasten gehörten zu den gefundenen Resten ihrer Bestattung, die sie lt. Inschrift als Tochter von Amenemhet II. auswiesen.

Chenemet-nefer-hedjet I. (Weret) ($nm(w).t-nfr-HD.t)
-
wahrscheinlich Tochter von Amenemhet II. -
- Ehefrau von Sesostris II. und Mutter von Sesostris III. -
- wahrscheinlich Schwester von Itaweret, Chnumet und Ita -
Titel:
sA.t-nsw.t-nt-Ht.f (sat–nesut-net-het=f) "Königstochter von seinem Leib
Xbnt-nfr-hDt (khnemet-nefer-hedjet) = vereinigt mit der Weißen Krone
Hmt-nsw =
"Mutter des Königs"
Hmt-nsw / "Frau des Königs"
Grab: evtl. Pyramidenkomplex von Sesostris II. in El-Lahun oder Pyramiden-Komplex Sesostris III. in Dashur. Artefakte mit ihrem Namen wurden in beiden Komplexen gefunden.
1) Jacques de Morgan et al: Fouilles a Dahchour1894-1895, Bd. 2, Holzhausen,  Wien 1903;
2) Dodson & Hilton, Complete Royal families,2004 London

Die Prinzessin und spätere Königsmutter "Chenemet-nefer-hedjet I." mit dem Beinamen "Weret" (die Große/die Älteste) trägt die Titel "Mutter des Königs", "Gemahlin des Königs", "Herrin der beiden Länder" sowie - falls das Rollsiegel in New York tatsächlich derselben Person gehört (was allgemein angenommen wird) - "Tochter des Königs von seinem Leib" (siehe Dodson & Hilton, 2004, Families, S. 96). Diese Titulierung würde sie dann zu einer Tochter von Amenemhet II. machen. Außerdem trug sie den damals gebräuchlichen Königinnentitel: "Die mit der weißen Krone Vereinigte".

Ihr Beiname "Weret" bedeutete "die Große oder die Ältere" und diente wahrscheinlich dazu, sie von anderen Trägerinnen dieses Namens zu unterscheiden, insbesondere von Chenemet-nefer-hedjet II., welche den Beinamen "Chered" trug, was "die Kleine" oder die "Jüngere" bedeutete. Dieses hatte unter den Forschern zu Verwirrungen geführt, denn das Vorhandensein eines Titels (Chenemet-nefer-hedjet) und eines Beinamens (Weret) führte zu der Hypothese, dass Chenemet-nefer-hedjet lediglich ein Titel und Weret der Eigenname der Königin war. Allerdings beweisen die im Kenotaph von Dashur entdeckten Basreliefs, dass Chenemet-nefer-hedjet tatsächlich ihr Name war, da diese Bezeichnung dort manchmal die einzige ist, die verwendet wird, und daher muss "Weret" als Beiname und nicht als Hauptname verstanden werden (Quelle: franz. Wikipedia Khenemet-nefer-hedjet I.).

Chenemet-nefer-hedjet ist wahrscheinlich mit der Prinzessin gleichen Namens identisch, die als Tochter von Amenemhet II. (bei Dodson Families Khenemet-nefer-hedjet (A) ) auf einem Siegel (heute in New York) erwähnt wird. Das würde bedeuten, dass sie die Schwester ihres Mannes Sesostris II. war. Sie und die Königin Nofret II. wurden eindeutig als zwei der Königinnen von Sesostris II. identifiziert, zwei weitere Ehefrauen waren evtl. die beiden Töchter Amenemhet II. mit Namen Chenemet und Itaweret. Alle waren eindeutig die Schwestern von Sesostris II.

Es wurden mehrere Belege mit dem Namen Chenemet-nefer-hedjet entdeckt:

  1. ein Rollsiegel, das im Metropolitan Museum of Art aufbewahrt wird und auf dem der Name Amenemhet II. und ihr Eigenname eingraviert sind, wo sie als "Tochter des Königs seines Leibes" beschrieben wird (nach Dodson & Hilton 2004, S. 96).

  2. eine in Ugarit entdeckte Statuette, auf der sie wiederum als "Tochter von Amenemhet II." beschrieben wird (Pieree Tallet, Sesostris and the End of the 12th Dynastie, Paris 2015)

  3. ein Siegel, das in El-Lahoun entdeckt wurde und sich jetzt in Tonbridge befindet

  4. ein Papyri, das ebenfalls aus El-Lahoun stammt und sich heute in Berlin befindet (P 10095, 10349, 10416 und 10003 nach Dodson), wo sie mit dem Namenszusatz "weret" zusammen mit Chenemet-nefer-hedjet II. Chered (die Kleine) und den Königen Sesostris II. und Sesostris III. auf dem Papyrus 10003 erwähnt wird, was eindeutig beweist, dass tatsächlich zwei Königinnen mit dem gleichen Namen über einen kurzen Zeitraum existierten (siehe Tallet 2015, S. 26 - Sesostris III. and the End of the 12th Dynastie)

  5. eine Statue, die sich heute im Britischen Museum befindet

  6. eine Statue, die sich heute im Louvre Museum in Paris befindet (E 32564)

  7. drei Statuengruppen von Sesostris III. (ihrem Sohn), eine aus Medamud und die beiden anderen aus Leontopolis, auf der Sesostris III. sitzend dargestellt ist und von zwei stehenden Frauen mit den gleichen Namen (Chenemet-nefer-hedjet) umgeben ist, welche sich wahrscheinlich auf die genannten Chenemet-nefer-hedjet I. und II. beziehen (Quelle:Tallet 2015, S. 16)

  8. im Grab Nr. 7 (Königinnenpyramide im Pyramidenbezirk von Sesostris II. in El-Lahoun, das evtl. für sie bestimmt war, ist der Name der Königin auf einem Block und einem Statuettensockel in der Nähe von Grab 7 belegt (Tallet 2015, S. 18). 

Im Pyramidenkomplex von Sesostris III. in Dashur sind auf Reliefs in der Königinnenpyramide P8 der Name "Königsmutter" und "Königsgemahlin" Chenemet-nefer-hedjet Weret in den nördlichen und östlichen Kapellen verzeichnet. In den unterirdischen Kammern der Königinnenpyramide P9 wurden u. a. eine Tafel und ein Kanopenkrug mit dem Namen der "Königsmutter" Chenemet-nefer-hedjet Weret gefunden (obwohl die Ausgrabungen darauf hindeuten, dass es sich hier um das Grab von Chenemet-nefer-hedjet II. handelte), die anderenorts als "Chered" (die Kleine/die Jüngere) bezeichnet wird. Pierre Tallet sieht P9 aber eher als das Begräbnis von Chenemet-nefer-hedjet I. an, wobei die Pyramide P 8 damals als ihre Kenotaph galt. Es ist zu erwähnen, dass in diesen unterirdischen Kammern zwei Skarabäen mit dem Namen Amenemhet II. entdeckt wurden - was die Identifizierung in Richtung Chenemet-nefer-hedjet I. beeinflußt.

Unter den Forschern ist es heute umstritten, ob die Königin im Pyramidenkomplex ihres Gattens Sesostris II.. in El-Lahoun oder im Pyramidenkomplex von Sesostris III. (ihres Sohnes) in Dashur beigesetzt wurde. Einige Ägyptologen sind der Meinung, dass die Pyramide P8 von Dashur damals als ein Kenotaph und die P9-Pyramide das Grab von Chenemet-nefer-hedjet II. war (Quelle: Dodson & Hilten, Families, S. 96).

An der Nordseite der Pyramide von Sesostris III. befinden sich noch zwei anonyme Pyramiden (P1, die westlichste und P4, die östlichste). In diesem Bereich des Komplexes wurden vier Skarabäen mit dem Namen "einer Königin Chenemet-nefer-hedjet" entdeckt (Tallet 2015, S. 18-19 u. 230-231), wobei lt. den Forschern dann Chenemet-nefer-hedjet I. letztendlich in der Pyramide P9 in Dashur beigesetzt wurde und die Pyramide P8 als rituelle Pyramide der Königin zu gelten hat.

Die Pyramide P9 war vollständig geplündert worden - die Mumie der Königin war bis auf den letzten Schmuck ausgeraubt und stark beschädigt worden. Die Analyse der Mumie ergab, dass die Königin einen spitzen Nasenflügel besaß, was auf einen kaukasischen Typ hindeutete. Insgesamt zeigen die Überreste ihres Körpers, dass sie wohl ein Leben frei von körperlicher Arbeit geführt hatte und dass sie ein Alter von 70 Jahren erreichte und im Stil einer Königin bestattet wurde (Bob Brier u. Michael Zimmermann: "The remains of Queen Weret", Chungara (Arica), 2000, S. 23-26)

Statue der Chenemet-nefer-hedjet Weret 
- Louvre Museum Paris, Diorite
Inv.-Nr.:  E 32564 -
L. 52,3 x H. 77 x B. 23,5 - T. 52,3cm

 

Bild:   F0833 Louvre Reine Quret E32564 rwk
Autor: Mbzt - Wikipedia 6.4. 2017
Lizenz: CC BY-SA 4.0

Innenpolitik

Die Annalen von Amenemhet II:
Die wichtigsten Aufzeichnungen aus der frühen Regierungszeit von König Amenemhet II. befinden sich in den Fragmenten der sog. "Annalen Amenemhets II.", die in Memphis ausgegraben wurden (und später während der 19. Dynastie wiederverwendet wurden). Dieser Ausschnitt aus den Annalen stellt eine außerordentlich wichtige Quelle für die politische Geschichte Ägyptens in der Regierungszeit von Amenemhet II. dar und ist von großer Bedeutung für die Kenntnis der religiösen Kulte, der wirtschaftlichen Grundlagen Ägyptens und der politischen Zielsetzungen unter König Amenemhet II. am Beginn seiner Regierung. Die Annalen enthalten Berichte über Tempelspenden und manchmal auch über politische Ereignisse. 

In den Annalen werden aber vor allem Stiftungen für die Götter wie Hapi, Sobek, Month, Amun und Igai genannt, sowie für den Totenkult König Sesostris I.  Ein Vogelfang (von ritueller Bedeutung) wird durchgeführt, Priester für Götter des 19. oberägyptischen Gaus werden eingesetzt und kultische Einrichtungen erbaut.

Das erste Fragment dieser Annalen wurde 1908 in Memphis bei Ausgrabungen unter Flinders Petrie gefunden und 1909 veröffentlich (Flinders Petrie mit einem Kapitel von J. H. Walker: Memphis I., London 1909, Tafel V. und Hartwig Altenmüller: Zwei Annalenfragmente aus dem frühen Mittleren Reich, Hamburg 2015).
Ein zweites, wesentlich größeres Fragment wurde von Gerhard Haeny entdeckt und 1974 von Sami Farag, dem damaligen Direktor der Ägyptischen Altertümer in Memphis und Saqqara, geborgen. Das Fragment (188cm hoch,  259cm breit und etwa 48cm dick lt. Altenmüller) befand sich unter dem Sockel einer Kolossalstatue von König Ramses II. und diente dort als Stützstein. Dieses Fragment enthielt die Überreste von 41 Kolumnen aus der Regierungszeit von König Amenemhet II. Ein Großteil dieser dort beschriebenen Ereignisse sind Berichte über Opfergaben an verschiedene Gottheiten und Tempeln im ganzen Land. Zu diesem Block gehört ein weiterer Stein von 1,25m Höhe und 1,37m Breite, dessen noch teilweise erhaltene Inschrift schon unter Flinders Petrie veröffentlich wurde.,

Zwar sind im Text keine Jahreszahlen enthalten, aber aufgrund der Inschriften lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit der Inhalt auf die ersten Jahre seiner 35jährigen Regierung datieren und zwar genau an das Ende einer evtl. Ko-Regentschaft von Sesostris I. und seines Sohnes Amenemhet II. In Zeile 28 wird vermutlich das erste Regierungsjahr der Alleinherrschaft von Amenemhet II. - nach einer Serie von fast  4 Jahren der Ko-Regentschaft - benannt (obwohl einige Forscher solch eine Ko-Regentschaft, die sich nur auf die doppelt datierte Stele eines Beamten namens "Wepwawet-aa (Leiden, V4)", die das 44. Regierungsjahr von Sesostris I. und das 2. Regierungsjahr von Amenemhet II. trägt, ablehnen (siehe oben).

Stele des Wepwawet-aa
Museum Leiden V4, 160 x 105 x 26 cm)

Heute wird über eine gemeinsame Regierungszeit von Amenemhet II. mit seinem Vorgänger Sesostris I. kontrovers diskutiert. Diese Hypothese stützte sich auf die doppelt datierte Stele eines Beamten namens Wepwawet-aa (Leiden, V4), die das 44. Regierungsjahr Sesostris I. und das 23. Regierungsjahr Amenemhets II. trägt (Murmane, William J. 1977, Ancient Egyptian Coretences, Studies in Ancient Oriental Civilisation. The Oriental Institute).

Die Existenz einer solchen gemeinsamen Regierungszeit gilt heute als unwahrscheinlich . Die doppelt Datierung auf der Stele wird als Zeitraum interpretiert, in dem Wepwawet die Regierungsgeschäfte führte, vom 44. Jahr Sesostris I. bis zum 2. Jahr Amenemhets II. (Williams, Harco 23. 4. 2010 - The first Intermediate Period and the Middle Kingdom - A Companion to Ancient Egypt: 81-100).

Bild: Stele Wepwawetaa (RMO Leiden, Egypt)
Autor: Rob Koopmann aus Leiderdorp, Niederlande, Wikipedia
           5. Aug. 2009
Lizenz: CC BY-SA 2.0

Wenn man aber die These einer Ko-Regentschaft bejaht, muss der linke Abschnitt der Annalen aufgrund der vollständigen Königstitulatur von Amenemhet II. dann in die Zeit seiner Alleinherrschaft datiert werden - entgegen dem Text des rechten Abschnitts, wo mehrfach Bezüge auf seinen Vater Sesostris I. zu finden sind, für den Felder- und Opferstiftungen erlasse werden und dessen Totenkultanlage mit Statuen und Kultgeräten ausgestattet werden.

In den Annalen werden aber auch Berichte über militärische Unternehmungen in Spalte 7 aufgeführt, wo die Entsendung einer Mission in die Libanonregion erwähnt wird, ebenso ein Bericht über eine weitere Mission nach Asien "zur Zerstörung von Iuaa". In Spalte 12 wird die Ankunft der "Herrscherkinder" aus Asien erwähnt, die Tribute nach Ägypten brachten. Mit "Herrscherkinder" sind nicht unbedingt die tatsächlichen Kinder des jeweiligen Herrschers gemeint, sondern im weiteren Sinne wird hier evtl. der Begriff für "das Volk" eines Herrschers benutzt. In einer weiteren Spalte (Nr. 18) wird über die Zerstörung der asiatischen Städte Iuai und Iasy sowie der Verschleppung von 1554 Gefangenen nach Ägypten (siehe Altenmüller: Die Inschriften Amenemhets II. aus dem Ptah-Tempel von Memphis, ein Vorbericht", Studien zur Altägyptischen Kultur 18 / 1991, 1-48). Es ist nicht bekannt, wo diese Annalen ursprünglich aufbewahrt wurden, möglicherweise befanden sie sich einst an den Wänden im Totentempel von Amenemhet II. in Dashu (Altenmüller, Zwei Annalenfragmente, 282-83).

*

Amenemhet II. änderte nichts an dem innenpolitischen Gleichgewicht im Lande. Er bestätigte weiterhin die Erblichkeit im Amt der Großen Gauoberhäupter, wobei zu diesem Thema die große Grabbiographie des Großen Oberhaupts des 16. oberägyptischen Gaues (Gazellengau) Chnumhotep II. in seinem schönen Grab in Beni Hassan (Grab Nr. 3) interessant ist. Er wurde von König Amenemhet II. in seinem Amt eingesetzt und übte dieses bis unter König Sesostris II. aus. Chnumhotep spricht in seiner Grabbiographie über "Unruhen und Wirren, die zu Beginn der Regierungszeit Amenemhet I. bereinigt werden mussten". 

"Als seine Majestät (Amenemhet I.) kam, damit er das Unrecht beseitigte, erschienen wie Atum selbst, damit er restauriere, was er verfallen gefunden hatte, was eine Stadt von ihrer Nachbarin genommen hatte, damit eine Stadt ihr Gebiet von der anderen unterscheide.
Ihre Grenzstelen wurden wie der Himmel vortrefflich gemacht, ihr Wasser wurde gekannt nach den schriftlichen Überlieferungen, revidiert nach dem alten Zustand, weil er die M3a.t so sehr liebte".

Der Annalenstein berichtet auch (Spalte 23), dass der König im Fayum war, um Vögel zu fangen. Dieses ist fast das einzige Mal, dass der König im Text des Annalensteins als Hauptfigur auftritt. Das Fangen von Vögeln hat höchstwahrscheinlich eine rituelle Funktion (8). 

Amenemhet II. soll den Bau des parallel zum Nil verlaufenden Bar Jussuf (Josef-Kanal) begonnen haben und auch mit der Kultivierung des Fayum zur Nutzung landwirtschaftlicher Flächen begonnen  haben. 

Außenpolitik und Expeditionen

Auch über die Beziehungen Amenemhet II. ins Ausland liefern uns die Aufzeichnungen auf den Annalenstein-Fragmenten wichtige Zeugnisse, die auf Verbindungen mit der Levante hinweisen. Die Fragmente des Annalensteins von Memphis erwähnen eine Militärexpedition nach Asien, wobei die Zerstörung von zwei Städten - Iuai und Iasy, deren Standort noch unbekannt ist - und die Ankunft von Tributträgern aus Asien und Kusch beschrieben wird. In Spalte 7 des Annalensteins wird die Entsendung einer Mission in die Region Libanon erwähnt (7).

In Spalte  25 des Annalensteins wird erwähnt, dass die Gefangenen aus den Städten Iuai und Iasy in die Pyramidenstadt Sechem-Amenemhet (vielleicht der Name der Pyramidenstadt von Amenemhet II) untergebracht wurden - höchstwahrscheinlich als Sklaven zum Bau der Weißen Pyramide.

Eine Inschrift aus "Gnawi Shema (nahe Amada)" erwähnt eine Expedition nach Nubien und einen Feldzug nach Südpalästina in dessen Verlauf zwei Städte zerstört wurden. Nachweisbar sind Handelsbeziehungen mit Kreta und dem Libanon sowie im 28. Jahr eine Expedition nach Punt.

In Spalte 9/10 des Annalensteins erscheint ein Bericht über die "Ankunft von Menschen aus Kush (Nubien) und Ubatsepet" - ein Ort, der ansonsten nur selten belegt ist und der evtl. südlich von Nubien liegt. Die Menschen brachten Tribute wie Pflanzen, Weihrauch, Gold, Waffen, aber auch Kopfstützen und sogar Perücken (8). 

Unter Amenemhet II. sind mehrere Bergbauexpeditionen überliefert: (8)

  1. mindestens drei im Sinai (Spalte 13/14 des Annalensteins) - Türkis-Expeditionen evtl. im Jahr 29 von Amenemhet II.

  2. eine im Wadi Gasus im Jahr 28, die über eine Expedition nach Punt berichtet,

  3. und eine nach Amethysten im Wadi el-Hudi

 

Der Schatz von el-Tód

Ein bedeutender archäologischer Fund aus dem alten Ägypten, der eng mit dem König Amenemhet II. verbunden ist, ist "der Schatz von el-Tód". Er wurde 1936 von französischen Archäologen um Fernand Bisson de la Roque unter dem Fundament des Month-Tempels in el-Tód (etwa 20 km südwestlich von Luxor) entdeckt.

Der Schatz besteht aus vier Kupfer- oder Bronzekästen, die in den Fundamenten der Südostecke des Tempels vergraben waren. Auf den Kösten befand sich die Kartusche von Amenemhet II., was eine Datierung in seine Regierungszeit bestätigt. Die Kästen waren mit einer großen Menge an Edelmetallgegenständen gefüllt und enthielten:

  1. Silber: über 150 Silbergefäße, darunter viele Fragmente, teilweise im minoischen oder anatolischen Stil (Gewicht: 8,87kg)

  2. Gold-Baren und Schmuckstücke (insgesamt 6,98 kg Gold)

  3. Amulette und Perlen aus Lapislazuli (blaue Halbedelsteine), die aus Afghanistan stammten.


Es handelte sich dabei wahrscheinlich um ausländische Gegenstände, die als diplomatische Geschenke oder Tribut an den Hof des Königs gelangt sind. Die Schätze stammen aus verschiedenen Regionen, darunter Kreta, Anatolien und dem Vorderen Orient (Mesopotamien), was auf weitverzweigte Handelsbeziehungen oder Tributzahlungen des Mittleren Reiches hindeutet. Die Funde wurden geteilt und befinden sich heute hauptsächlich im Pariser Louvre und im Ägyptischen Museum Kairo (Quelle: engl. Wikipedia: el-Tód)

Schatz von el-Tód
Louvre - E 15128 a E 15318

Die durch die Beschriftung erfolgte Zuordnung zu Amenemhet II. führt u. a. lt. Felix Höflmayer (Wien 2012) zur Annahme einer möglichen Verbindung zu einer Tempelstiftung, die in der in Memphis gefundenen Rahina-Inschrift erwähnt ist. In ihr ist u. a. von einer Handelsexpedition die Rede, die mit 1765,5 dbn Silber (22,79 kg) aus "xnty-S" (dem Libanon) zurückkehrte, das an diverse Tempel Ägyptens gestiftet wurde.

Der Befund von el-Tód fügt sich damit gut in die historische Überlieferung ein, auch wenn eine direkte Zuordnung des Tempelfundes von el-Tód zur Expedition in die Levante nicht bewiesen werden kann.

Bild: Neithsabes - public domain

Bei dem "Schatz" kamen über 250 Einzelteile, meist aus Silber und Lapislazuli (Reines Silber kommt in Ägypten selbst nicht vor, daher war dieses Edelmetall bis zum Neuen Reich sehr selten und wurde zuweilen wertvoller erachtet als Gold), aber auch vereinzelt auch aus Gold, Elektron und Halbedelsteinen zutage. Aus Silber waren: 13 Silberbarren, 4 Bänder, 23 Ketten, 125 Schalen, 1 Napf mit Griff, 1 Schale mit einem Henkel, 5 Tassen, 1 Gefäß mit breitem Henkel, 1 Armband mit Lapislazuli-Einlage, 1 Figur eines kauernden Löwen, 
1 mit Bienen verzierter Anhänger, 1 Anhänger in Form einer Kuh, 2 Ringe, eine sternförmige Perle, 1 zylinderförmiges Stück, 1 ovale Scheibe (Spiegel ?) - das Gesamtgewicht der Silbergegenstände beträgt 8,86kg.

Das Auffallende dieser Sammlung ist, dass die Stücke – bis auf wenige Ausnahmen – nicht aus Ägypten stammen.


Nachdem der Neubau des Monthtempels in el-Tód / Armant (dem griechischen Hermopolis) unter seinem Vater Sesostris I., abgeschlossen war, beschränkte sich sein Sohn Amenemhet II. auf Weihungen als kultfördernde Maßnahmen. Dazu gehörten auch die vier massiven bronzenen Truhen oder Kästen (manchmal werden sie auch als aus Bronze oder manchmal auch aus Kupfer gefertigt bezeichnet), die Ferdinand Bisson de la Roque zusammen mit seinem französischen Ausgrabungsteam im Tempelareal von el-Tód 1936 entdeckte. Am 8. Febr. 1936 um 16 Uhr machten die französischen Ausgräber in der Südostecke des Tempels einen sensationellen Fund. Hierbei handelte es sich um besagte vier Kisten, die sorgfältig unter drei Kalksteinanlagen des Tempelfundamentes in einer Grube lagen. Am gleichen Tag war man kurz zuvor genau über dem späteren Fundort der Kästen auf ein Depot von bronzenen Osirisfiguren aus der Spätzeit gestoßen. Und genau darunter fand man in einer Vertiefung auf einer Sandschicht gebettet und mit Sand bedeckt, die Schatztruhen. Hierbei handelte es sich wohl nicht um ein Grundsteindepot, weil sich das Depot nicht unter einer Tempelecke befand und es ist anzunehmen, dass sich bei einem Depot auch noch andere Stücke in der Grube befunden hätten. So gingen die Ausgräber davon aus, dass es sich hier um eine Cachette handelt.

Die Überraschung war groß, als Bisson de la Roque noch am gleichen Abend eine der Kisten öffnen ließ, denn die Kiste war bis zum Rand mit Silbergefäßen, Ketten aus Edelsteinen und anderen Schmuckstücken angefüllt. Es befanden sich aber auch Lapislazuli in verarbeiteter Form als Perlen und Rollsiegel, wie auch Gold- und Silberbarren in den Kisten. Lapislazuli kam in der Antike als begehrte Handelsware aus Afghanistan und Vorderasien nach Ägypten. Die vier Kisten waren mit den Kartuschen von König Amenemhet II. als "den Erwählten des Month in el Tód" beschriftet. Aber lt. den Forschern gab es für Amenemhet II. keine ersichtlichen Gründe für ein "rituelles Vergraben" der Truhen" (da man ja eine Verwendung als Gründungsgaben ausgeschlossen hatte) - da er ja diese "als göttlicher Herrscher" gestiftet hatte und diese eigentlich zur weiteren Verwendung in einem Tempel vorgesehen sein sollten. Einige Ägyptologen vermuten daher, dass der Schatz aus späterer Zeit stammt und aus bestimmten Gründen in die alten Kisten aus der  12. Dynastie (wiederverwendet) eingefüllt und dann im Tempelareal von el-Tód vergraben wurde, da auch der Stil der Schalen und Becker Zweifel aufkommen ließen, ob der Schatz von el-Tód tatsächlich aus dem Mittleren Reich stammt oder nicht doch später zu datieren sein.

Mitregentschaft von seinem Sohn

Amenemhet II. und sein Nachfolger Sesostris II. teilten sich eine kurze gemeinsame Regierungszeit, die einzige unbestrittene im gesamten Mittleren Reich. Anders als die meisten doppeldatierten Denkmäler belegt die Stele des Hapu aus Konosso ausdrücklich, dass diese beiden Könige eine Zeit lang gemeinsam regierten (siehe: Harco Willems 2010 "die 1. Zwischenzeit und das Mittlere Reich" in Lloyd, Alen B.: Begleitband zum Alten Ägypten, Bd. 1. Wiley-Blackwell, S. 92-03),. und dass das 3. Regierungsjahr Sesostris II. dem 35. Regierungsjahr Amenemhets II. entspricht. Das 35. Regierungsjahr Amenemhets auf der Stele des Hapu ist zugleich das höchste bekannte Datum seiner Regierungszeit (Murmune 1977, S. 7).

Königliche Bildnisse

Bis 2011 stand im Ehrenhof vor dem Pergamonmuseum in Berlin eine kolossale Sitzstatue von König Amenemhet II. Die Zuweisung für diese Statue an König Amnenemhet II. erfolgte nach stilistischen Merkmalen in Anlehnung an die Sphinx A 23 im Louvre. Sie wurde 1837 von König Friedrich Wilhelm III., aus der Sammlung Drovetti für das Ägyptische Museum der Königlichen Museen zu Berlin erworben und wurde zunächst im Gartensaal des Schlosses Monbijou aufgestellt, im dem sich die erste ägyptische Sammlung befand. 1850 zog die Statue dann in den Ägyptischen Hof des Neuen Museums. Dort stand sie dann zusammen mit einer - ebenfalls von Drovetti erworbenen Statue, die in ihrer Haltung und Größe identisch war (allerdings zu 50 % ergänzt), Sitzstatue von König Sesostris I. - im Eingang zum Hypostyl. 

"Aus Schutt und Asche des Neuen Museums schaut ein
alter Pharao heraus - Aufnahme 17.11. 1949"

Die Ägypten-Expedition von Karl Richard Lepsius von 1842-1845 brachte viele Sammlerstücke nach Berlin, darunter auch diese Statue von Amenemhet II. Das Museum erlitt 1943 schwere Schäden und zahlreiche Ausstellungsstücke verbrannten. 

Teile der Sammlung wurden an verschiedenen Orten verlagert. Der Hauptteil befand sich in Ost-Berlin und wurde ab 1958 im Bodemuseum wieder ausgestellt. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden beide Sammlungen wieder zusammengeführt.

Bild:    Bundesarchiv Bild 183-S89884, Berlin, Neues Museum Ruine
Autor:  Bundesarchiv - Wikipedia 183-S89884
Lizenz: CC BY-SA 3.0

Nach Lepsius wies die Sitzstatue Amenemhets II.  beim Ankauf Beschädigungen auf, die auf  Anweisung von R. Lepsius durch Gips ergänzt wurden, so die rechte Hand, die Fingerspitzen der linken Hand, das linke Auge, die Nase, der Mund, Kinn und Bart sowie die rechte Ecke der Basisplatte.

1933 wurde sie dann auf die Freifläche vor dem Gebäude am Kupfergraben gebracht, um sie zu restaurieren. Dabei wurden die Ergänzungen aus Gips - soweit sie nicht bereits durch Kriegseinwirkungen abgefallen waren, vollständig entfernt bis sie dann 1996 in den Ehrenhof umzog. Im Jahre 2011 wurde sie dann an das Metropolitan-Museum New York bis zum Jahre 2026 ausgeliehen.

Kolossale Statue von Amenemhet II.
die nacheinander dann von Ramses II. und Merenptah - 
usurpiert wurde - Granit - bis 2011 im Pergamon-Museum Berlin -
Muse Nr. 7264
heute in New York, Metropolitan Museum
 als Leihgabe (L.2011.42) - Herkunft evtl. Tanis
H. 3,20 x B. 1,10 x D. 2,09m

Die Statue wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in Tanis im Nildelte gefunden - zusammen mit vielen anderen bedeutenden Skulpturen des Mittleren Reiches, die vermutlich in der Antike von Fundstätten in der Nähe des heutigen Kairos dorthin "verschleppt" wurden. Sie wurde aus einem einzelnen Steinblock geschnitten. Die 1837 erworbene Statue verblieb im II. Weltkrieg im Berliner Museum, geschützt durch Sandsäcke und überstand so auch die Zerstörung des Neuen Museums im Krieg. Seit 1996 steht sie im Hof des Pergamon-Museums in Berlin - umgeben von einem schützenden Holzrahmen. 

Seit 2011 befindet sich die Statue in New York im Metropolit. Museum als Leihgabe bis der Bau der Berliner Museumsinsel abgeschlossen ist und der Koloss einen endgültigen Platz bekommt. Dieses ist für 2026 geplant - in New York wurde sie auch einer Restaurierung unterzogen.

Die Kolossal-Statue wurde während der 19. Dynastie von Ramses II. und anschließend von seinem Nachfolger Merenptah usurpiert - einige Gesichtszüge wurden verändert, um sie für Ramses II. anzugleichen, der sie wohl auch nach Piramesse bringen ließ. 200 Jahre später wurde sie nach Tanis verschleppt.

Bild:    Amenemhet II.
Autor: Juan R. Lazaro, Wikipedia 9. Mai 2012
Lizenz: CC BY-2.0



Obwohl die große Sphinx-Statue von Tanis (heute im Louvre A 23) oft mit Amenemhet II. in Verbindung gebracht wird, ist ihre genaue Datierung unter den Ägyptologen heute umstritten. Von vielen Experten wird sie aufgrund stilistischer Merkmale dem Mittleren Reich zugeordnet, während andere Forscher sie gar in das Alte Reich datieren (aufgrund der Gesichtszüge). Die Sphinx trägt Kartuschen von mehreren Königen, welche das Monument für sich beansprucht haben. Dazu gehören Amenemhet II., Merenptah und Sheshonq I.

Das Louvre Museum erwarb die Sphinx 1826 als Teil der zweiten ägyptischen Sammlung von Henry Salt, deren Ankauf im Auftrag des französischen Staates von Jean-Francois Champollion geleitet wurde. Angeblich wurde sie 1825 in den Ruinen des Amun-Tempels in Tanis entdeckt. Ursprünglich war geplant, sie im Freien, im Zentrum des Cour Carée aufzustellen (Quelle: Wikipedia, Große Sphinx von Tanis),  doch diese Pläne wurden nicht umgesetzt. Stattdessen wurde die Sphinx von 1828 bis 1848 im Innenhof des Museums, dem sog. "Cour du Sphinx" ausgestellt, bevor sie in die Galerie Henri IV. verlegt wurde, die noch heute der Hauptsaal für monumentale Skulpturen der Ägyptischen Abteilung des Louvre ist. Mitte der 1930er Jahre wurde die Sphinx an ihren heutigen Standort in der sog. "Krypta der Sphinx" am Eingang zu Abteilung für Ägyptische Altertümer im Pariser Louvr gebracht, die der Louvre-Architekt Albert Ferran schuf. 

Große Sphinx aus Tanis
- rosa Granit, L. 380 x H. 183 x B. 154 cm; Inv.-Nr. N 23/ A 23 -

Die Sphinx trägt das Nemes-Kopftuch, den Uräus und den Königsbart und sie trägt die Kartuschen von mindestens drei Königen: Amenemhet II., Merenpath und Sheshonq I. 

Es gibt Hypothesen, wonach die Sphinx noch älter sein könnte - evtl. Altes Reich. Die älteste - noch erhaltene und lesbare Inschrift erwähnt die Regierungszeit von König Amenemhet II. aus der  12. Dynastie. Spätere Herrscher nutzten die Gelegenheit, ihre Kartuschen und Inschriften an der Sphinx anzubringen, darunter auch Aaqenenre Apophis der 15. Dynastie (wobei die Erwähnung unsicher sit), Merenptah aus der 19. Dynastie und Sheshonq I. aus der 22. Dynastie (Quellke: online-Catalogue des Louvre

Bild: Great Sphinx of Tanis 
Courtesy to Shonagon (14.3. 2024) for Public domain


Die Inschriften von Amenemhet II. gelten als die ältesten noch sichtbaren auf der Statue und sind ein Grund dafür, dass die Figur oft in das Mittlere Reich datiert wird. Auch Merenptah ließ seine Kartuschen auf der Statue anbringen und ebenfalls Sheshonq I. (22. Dynastie). Sein Name erscheint auf der linken Schulter.

Kartusche von Merenptah auf der rechten Schulter

Bild: Courtesy to Neithsabes for public domain
- Wikipedia 12. 12. 2006 -

Entdeckt wurden die beiden Statuetten aus bemalter Zeder mit Gesso (links: JE 44951 Museum Kairo) in einem Privatgrab nahe der Pyramide des Sesostris I. in el-Lisht bei einer Grabung des Metropolitan-Museums of Art. Die Ausgrabung der südlichen Lehmziegelmauer, welche die Mastaba eines Beamten aus der 12. Dynastie mit Namen Imhotep umgab, brachte einen weiteren Fund zutage. Die Grabbeigabe enthielt eine zweite, nahezu identische Figur mit der Roten Krone Unterägyptens, die sich heute im Metropolitan Museum in New York befindet. Die beiden Figuren wurden vermutlich im Rahmen einer prunkvollen Bestattungszeremonie verwendet und anschließend rituell beigesetzt. Der König trägt links die Weiße Krone von Oberägypten, einen weißen Götterschurz und hält das Heka-Zepter als Symbol der Königswürde. 

Wächterfiguren des Mittleren Reiches
aus stuckbemaltem Zedernholz mit Gesso

rechts: Metropolitan Museum of Art, New York - 14.3.17
links: Museum Kairo JE 44951. 

Die Figuren wurden hinter einem Schrein entdeckt, der ein dem Gott Anubis geweihtes Objekt, den sog. "Imiut" enthielt. Die beiden Figuren könnten als Wächter des Imiut fungiert haben. Das Ensemble wurde 1914 in der Nähe der Pyramide des Sestostris I. in el-Lisht-Süd entdeckt, während das Metropolitan Museum eine Lehmziegelumfriedung um die Mastaba des Beamten Imhotep aus der 12. Dynastie, ausgrub. In den südlichen Teil der Umfriedungsmauer war eine Kammer eingelassen, in der die Statuetten und der Schrein verborgen waren, zweifellos nachdem sie Teil einer Bestattungszeremonie gewesen waren.

Bild: Courtesy to the MET and Tobeytravels - Wikipedia provided under CC BY-SA 4.0 (tobeytravels) 
and Metropol. Museum of Art and public domain licence (rechter Teil des zusammengefügten Bildes)
- keine Änderungen -

 

 

Quellen und Literatur:
1. engl. und deutsche Wikipedia: Amenemhet II.
2. Dodson, Aidan, Hilten, Dyan (2004). The Complete Royal Families of Ancient Egypt, Thames & Hudson, ISBN 0-500-05128-3
3. Delia, Robert D. 1979: "A new look at some old dates: a reexamination of 12. Dynastie double dated inscrptions" Bulletin of the Egyptological
    Seminar of New York 1, 15-28.
4.
Wolfram Grajetzki, 2006, The Middle Kingdom of Ancient Egypt, History, archaeology and Society, Duckworth, London, ISBN 0-7156-3435-6, p. 36
5. Peter Janosi 1994, Keminub - eine Gemahlin Amenemhets II.? In: Zwischen den beiden Ewigkeiten, Festschrift Gertrud Thausing, Bietak,
    Manfred (Hrsg.), p. 94-101
6. Jacques de Morgan et.al.: Fouilles á Dahchour 1894-1895, Band II. Holzhausen, Wien 1903
7. englische Wikipedia: Annalen von Amenemhat II.
8. Altenmüller: Zwei Annalenfragmente, S. 34-45 

 


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