(Quellen und Literatur-Angaben am Ende dieser Seite - nummerierte Verweise im Text)
PM = Porter & Moss, Topographical Bibliography of Ancient Hieroglyphic Text, Reliefs and paintings 1927-1952
(Anmerkungen und Verweise in Klammern im Text - siehe unten bei Literatur und Quellen).
Bilder oben: Links: Jon Bodsworth/public domain - rechts: MET-Museum New York, Plaque of Amenemhat II, Lizenz: CC0, 1.0
Es ist nur wenig zur Bautätigkeit aus der Zeit von Amenemhet II. bekannt. Aus dem Annalenstein erfahren wir von seiner Bautätigkeit im Delta. Auf Stelen aus Abydos wird von einem Tempel berichtet, der aber ansonsten nicht mit Sicherheit lokalisiert werden kann. Amenemhet II. begann auch mit dem Bau des parallel zum Nil verlaufenden Bahr Yusur (dem Josefs-Kanal) und mit der Nutzungsmachung des Fayum als landwirtschaftliche Fläche. In Hermopolis errichtete er ein Tor vor dem dortigen Tempel. Für die bedeutenden Kultorte Theben/Karnak sind archäologisch keine königlichen Aktivitäten direkt belegbar. In Karnak(-Nord) wurde bislang lediglich ein Fragment einer Statue gefunden , das sehr wahrscheinlich den Namen von Amenemhet II. nennt.
Bei allen im Delta (Tanis, Tell el-Daba, Tell el-Jahudija) befundenen Objekten ist aber heute nicht mehr mit Sicherheit zu sagen, ob es sich bei den Fundorten um primäre oder sekundäre Standorte handelt (ob die Objekte hierher verschleppt wurden oder von hiesigen Bauten stammen), wobei mit Tanis, dessen Tempel eine Gründung der 21. Dynastie ist, der sekundäre Standort für die beiden Sphingen feststehen dürfte. Für den Tell el-Jahudija ist eine Nekropole des Mittleren Reiches nachgewiesen, für Tell el-Daba - genauer gesagt für Ezbet Ruschdi el-saghira - zumindest ein Tempel der 12. Dynastie, so dass die dort gefundenen Stücke durchaus primär von diesen Fundplätzen stammen könnten (Quelle: Andreas Hutterer, 2013, Historische Studien zu Amenemhet II. Bd. 1, Inaugural-Dissertation für den Doktorgrad der Philosophie, Ludwig-Maximilians-Universität München, S. 218).
Seine Pyramide errichtete er auf dem Gräberfeld von Dashur, die sogenannte Amenemhet II.-Pyramide (auch Weiße Pyramide genannt). Sie liegt in der Nähe der Roten Pyramide von König Snofru.
Tell Nabesha/Tell Farun/Tell Bedawi Tell Nabesha (auch bekannt als "Faraon" oder "Farun") ist der Standort der antiken Stadt "Imet" und befindet sich etwa 10 km südlich von Tanis im östlichen Nildelta. Tell Nabesha war die alte Hauptstadt des 19. Gaus von Unterägypten. Später dann in der assyrischen Zeit wurde es von Tanis abgelöst.
Hier befand sich ein Tempel der Göttin Buto und hier wurden Opfertafeln von König Amenemhet II. gefunden, die von dem Kanzler Bay, der unter König Siptah diente, usurpiert wurden.
Wiederverwendete Denkmäler aus dem Mittleren Reich wurden hier gefunden, wobei diese wahrscheinlich von einem anderen Ort hierher gebracht wurden.
Im Jahre 1886 grub Flinders Petrie im Auftrag des Egypt Exploration Fund hier als erster. Unter den Überresten eines alten Tempels fand er eine königliche Sphinx, die sich heute im Museum of Fine Arts in Boston befindet. Man geht davon aus, dass die Skulptur aus der Zeit von König Amenemhet III (oder früher) zu datieren ist.
| Gebiet von Tell el-Daba / Ezbet Ruschdi el-saghira |
| Tell el-Jahudije |
Zwar ist für Tell el-Jahudije eine Nekropole des Mittleren Reiches nachgewiesen, aber es gibt keine gesicherten Belege dafür, dass Amenemhet II. selbst in Tell el-Jahudja Bauten errichten ließ. Bei Ausgrabungen in Tell el-Jahudije wurden Objekte gefunden, die in die Regierungszeit von Amenemhet II. datiert werden können. Dazu gehören Teile von Statuen, die als "Mittelstück zweier Asiaten" sowie als Gesicht eines Semiten beschrieben werden und vermutlich aus der Zeit des Mittlere Reiches stammen.
Es wurde bei den Ausgrabungen von Daressy ein Mauerblock aus Kalkstein mit einer stark zerstörten Inschriftenzeile in Tell el-Jahudije gefunden, die wohl Reste eines Festtextes für König Amenemhet II. beinhalten und in etwa lauten: "„........ Fest im (Monat) Thot ........, zu dem Fest in der Länge der Ewigkeit ...... Nubkaure, der lebe ......". Die Inschrift ist stark zerstört und erwähnt ein Fest im Monat Thot. Der Block befindet sich heute im Museum Kairo.
| Memphis |
militärische Expeditionen in die Levante und nach Nubien.
Handelsbeziehungen mit Zypern und dem Libanon.
Religiöse Stiftungen (von Kultgerät und Opfergaben für verschiedene Kulte) und der Bau von Statuen für verschiedene Tempel.
Von den Anlagen des Alten Reiches und des Mittleren Reiches im Gebiet des Ptah-Tempels von Memphis (Hut-ka-Ptah) haben sich nur vereinzelte Blöcke - die verstreut gefunden wurden und meist in späteren Epochen als Baumaterial wiederverwendet wurden, erhalten. Auf diese Weise ist eine Bautätigkeit von Amenemhet I., Amenemhet II., Sesostris III. und Amenemhet III. belegbar.
| Heliopolis |
Bei den nun abgeschlossenen Grabungen eines ägyptisch-deutschen Grabungsteams im Nordosten von Kairo wurden neben Baufragmenten aus der 26. Dynastie und eine Inschrift aus früherer Zeit von König Pepi I. aus Rosengranit auch Statuenfragmente von Königen aus dem Mittleren Reich wie Amenemhet II., Sesostris II. und Amenemhet III (Statuenfragment einer Sphinx) gefunden. Bei den Statuenfragmenten handelt es sich zu einem Großteil um Sphingen, Fragmente von Götterschreinen und anderen Bauteilen aus verschiedenen Epochen Ägyptens. Dieses sind lt. den Erkenntnissen der ägyptisch-deutschen Grabungsmission unter der Leitung von Dr. Dietrich Raue und Ayman Ashmawy Belege für eine kontinuierliche Bautätigkeit der Könige Amenemhet II., Sesostris III., Amenemhat III. und Amenemhat IV des Mittleren Reiches, aber auch der Könige des Neuen Reiches wie Thutmosis III., Amenophis II., Amenenophis III, Haremhab und andere.
| Hermopolis Magna / "Chemenu" |
Das antike "Chemenu" (griech. Hermopolis Magna) liegt am Westufer des Nils und fungierte als Hauptstadt des 15. oberägyptischen Gau und ist eine bedeutende antike Metropole in Mittelägypten. Die Stadt war das religiöse Zentrum für Thot, dem Gott der Weisheit und der Schreibkunst und des Mondes. Der griechische Name "Hermopolis" leitet sich von der Gleichsetzung Thots mit dem griechischen Gott Hermes ab.
Obwohl heute nur noch Ruinen erhalten sind, zeugen bedeutende Funde von der einstigen Größe der Metropole. Die Funde aus dem Mittleren Reich sind aber im Vergleich zu den gewaltigen Überresten der griechisch-römischen Zeit weniger zahlreich, aber historisch gesehen äußerst aufschlussreich und belegen die frühe Bedeutung der Stadt als religiöses und administratives Zentrum.
Die Spuren von Amenemhet II. sind in Hermopolis Magna zwar nur fragmentarisch, aber von großer architektonischer Bedeutung, da sie zu den ältesten sichtbaren Strukturen des Tempelbezirks gehören. Historische Quellen und Inschriften legen nahe, dass Amenemhet II. einen verfallenen kleinen, ein-räumigen Tempel aus Lehmziegel, der dem Gott Thot geweiht war, wiederaufbauen oder sogar erweitern ließ. Er wird mit dem Bau eines sogenannten "Ersten Tempels" in Verbindung gebracht, dessen genaue Natur jedoch noch zu erforschen ist. Auf verschieden Steinblöcken im Grabungsareal wurden die Kartuschen des Königs identifiziert, was seine Bautätigkeit in der Stadt zweifelsfrei belegt.
Einer der wichtigsten Funde aus dem Mittleren Reich ist eine Toranlage aus Kalkstein (L. 6,50 x B. 2,50m), das südöstlich des späteren Amun-Tempel entdeckt wurde und oft als der ursprüngliche Eingang zum Thot-Tempel interpretiert wird. Diese Toranlage ist das einzige noch in situ stehende Gebäudeteil, das textlich eindeutig für Amenemhet II. zugewiesen werden kann. Das Tor steht im Bereich des Thot-Tempels von Hermopolis magna und erhalten sind nur Teile der Dekoration des südwestlichen und nordwestlichen Torpfostens. Die Südfront des südwestlichen Torpfostens zeigt im obersten Register den König beim Weinopfer vor einer widderköpfigen Gottheit, die hier als "Jm.j-#mnw" bezeichnet ist - im Register darunter sehen wir den König beim Brotopfer vor dem ibisköpfigen Gott Thot, dem Herrn von Hermopolis.
Unterhalb der Bilddarstellungen befindet sich eine Widmungsformel, nach der der bau dem Thot, dem Herrn von Hermopolis, geweiht war. Außerdem erwähnt die Inschrift, dass der Torbau errichtet wurde, nachdem er "verfallen vorgefunden wurde". Es handelt sich also hier wohl um eine Wiedererrichtung eines Vorgängerbaus (wobei Silke Grallert, 2001, S. 500, Anm. 2, schreibt "dass in der Inschrift nicht explizit von einer Wiedererrichtung des Tores die Rede sei, sondern lediglich von einem Bau des Tores, nachdem der Vorgängerbau verfallen vorgefunden worden sei). Diese Widmungsformel ist in leichter Abwandlung auch an der Nordfront des nordwestlichen Torpfostens angebracht (Quelle: Hutterer, Andreas, S. 201)
Ein
weiterer Block, auf dem der König im unteren Teil eines geteilten
Bildregisters Rücken an Rücken mit einer Gottheit dargestellt ist, könnte
ein Teil des nördlichen Architravs desselben Torbaus bilden (siehe Balcz/Bittel
1932, S. 33-34 mit Abb. 15 und Hirsch 2004, S. 300 als Anmerk. in Hutterer,
Andreas, Histor. Studien zu Amenemhet II., Bd. 1 als pdf, S. 202)Vor dem Tor befand sich
eine Rampe, an deren Seiten Reste von Baugruben gefunden wurden.
| Abydos |
Abydos (altägyptisch: Abedju) liegt in der Nähe von Sohag am westlichen Nilufer (160km nördlich von Luxor) und war in antiker Zeit eine der bedeutendsten Nekropolen des Landes. Im Mittlere Reich entwickelte sich Abydos zum Hauptkultort des Gottes Osiris und diente als Austragungsort für die jährlich stattfindenden Osiris-Mysterien. Seit dem Mittleren Reich war es der Wunsch von vielen hochgestellten Beamten der ägyptischen Oberschicht, entweder in Abydos begraben zu werden oder wenigstens mit einer Stele dort anwesend zu sein, was dazu führte, dass viele Beamte in Abydos eine Kapelle mit Stelen oder Statuen (oder auch nur einer Stele) für sich errichten ließen. Die Riten des Scheinbegräbnisses (dem sog. "Kenotaph) wurden so zum Mysterium des Osiris, der in "Abydos begraben wurde". Der Großteil der Stelen des Mittleren Reiches stammt aus Abydos, wo auch auf verschiedenen Stelen "Osiris-Mysterien" aufgeführt wurden. Neben den Stelen gibt es aber auch umfangreiche Friedhöfe aus dieser Zeit in Abydos.
In Umm el-Quaab (in Abydos) wird auf einem kleinen Stelenfragment mit dem Namen von Amenemhet II. von einem Tempel berichtet, der aber sonst nicht mit Sicherheit lokalisiert werden kann. Zwei Stelen (BM 576 und BM 256), die zu den Kammerherren "Senitef und "Snofru" gehören, erwähnen, dass sie den "ersten Tempel" für König Nub-kau-re (Amenemhet II.) gebaut haben (Quelle: The Past: Amenemhet II. - Golden sind die Seelen des Ra / Wolfram Grajetzki).
Es ist auch leider aus der dürftigen Beschreibung des damaligen Ausgräbers Emile Amelineaus (1850-1915) nicht ersichtlich, ob es sich hierbei um eine Privatstele mit Nennung des Königsnamens oder um ein königliches Dokument handelt. Bekannt ist auch eine Stele des Prophetenvorstehers von Abydos namens Upuautaa aus dem Jahr 13 von Amenemhet II.
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Stele des Beamten Senitel, Sohn von Rehutanch
aus Abydos |
Kalksteinstele des Beamten Amenemhet aus
Abydos |
| Umzeichnung einer Kalkstein-Stele des Beamten Senitel
mit Dienern, die Opfergaben zu einer königlichen Statue von Nubkaure
(Amenemhet II.) bringt. - |
Die Kalkstein-Stele des Beamten Amenemhet als Besitzer datiert lt. Inschrift in das 13. Jahr von König Nubkaure (Thronname von Amenemhet II.) und stammt höchstwahrscheinlich aus Abydos. Sie ist eine von nur zwei bekannten Stelen (neben der Stele Louvre C3), welche die vollständige Sequenz der sog. "Abydos-Formel" wiedergibt. Dieser Text enthält Gebete für das Jenseits, welche die Teilnahme des Verstorbenen an den Kultprozessionen des Gottes Osiris in Abydos sicherstellen sollten. |
| Umzeichnung: E. A. Wallis Budge (1867-1934) - public domain - |
Umzeichnung: E. A. Wallis Budge (1867-1934) - public domain - |
| Fayyum |
Der Bahr-Yussuf ("Josephs-Kanal / oder Fluss des Joseph) ist ein Seitenarm des Nils in Ägypten, der das Fayyum-Becken speist. Der Kanal entstand wohl unter König Amenemhet II., der den natürlichen Flusslauf dieses Nil-Seitenarms in ein komplexes Bewässerungssystem umwandelt, zu dem die Illahun-Talsperre und durch Schleusen regulierte Kanäle gehören, um eine kontinuierliche Wasserversorgung des oasenartigen Fayyum-Beckens, das rund 100 km südwestlich von Kairo liegt, und der Orte und Städte wie al-Fayyum, zu gewährleisten. Er mündet in den abflusslosen Qarun-See, der etwa 45 m unter dem Meeresspiegel liegt. Noch im Niltal zweigt vom Bahr-Yussuf bei El-Lahun, das am östlichen Eingang des zum Fayyum-Becken überleitenden Tals liegt, der parallel zum Nil nach Norden führende Giseh-Kanal ab.
Der sog. "Joseph-Kanal / Bahr Yussuf" erhielt seinen Namen im Mittelalter, da die damals koptische Bevölkerung seinen Ursprung der Tätigkeit des Patriachen Josef als Wesir des Königs zuschrieb.
| Karnak |
Wie bei vielen Herrschern des Mittleren Reiches wurden auch die Bauten von Amenemhet II. in späteren Epochen abgerissen und das Baumaterial wiederverwendet. Seine Steinblöcke dienten für neue Strukturen, wie etwa in den Pylonen des Neuen Reiches. In Karnak wurden Fragmente gefunden, die für ihn oder seiner Regierungszeit zugeordnet werden können, die aber oft von späteren Herrschern wie Haremhab usurpiert (mit neuem Namen überschrieben) wurden.
Sein Vorgänger Sesostris I. hatte kurz zuvor offenbar einen enormen Ausbau der Kultlandschaft (verg. Gundlach 2010) unternommen, wohingegen sein Sohn Amenemhet - abgesehen von einem kleinen Fragment aus schwarzem Granit, dessen ursprüngliches Aussehen und dessen Funktion nicht mehr zu erkennen sind - aus Karnak-Nord, nicht zeitgenössisch belegt. Das Fragment zeigt die Kartusche von Amenemhet II. und davor das Wort: "Hzz.t". Möglich ist die Übersetzung als „die, welche der Nub-kau-re lobt" oder „diejenige, die den Nub-kau-re lobt“. Das Stück aus schwarzem Granit wurde im Month–Bezirk gefunden, gehörte also wohl nicht zum Amuntempel (siehe Eileen Hirsch, Kultpolitik und Tempelbauprogramme der 12. Dynastie)
| Insel Sehel |
Auf der Insel Sehel, die sich im Nil südlich von Assuan befindet, ist König Amenemhet II. durch bedeutende Felsinschriften verewigt, die vom Deutschen Archäologischen Institut Kairo in den beiden Feldkampagnen (Herbst 2014 und Frühjahr 2015) entdeckte und kollationierte (und bisherige Lesungen verbesserte). Diese Felsinschriften belegen die Präsenz der Zentralmacht im Mittleren Reich am Ersten Katarakt, einer strategisch wichtigen Grenze und Handelsstation. Sie belegen, dass Amenemhet II. während seiner 35-jährigen Regierungszeit die Außenhandelsbeziehungen massiv ausweitete und unter seiner Regierung Expeditionen u. a. in das Goldland Punt stattfanden. Es gibt auch Vermutungen, dass Amenemhet II. auf der Nilinsel Sehel eine kleine Kapelle errichten ließ, von der aber heute keine Spuren mehr sichtbar sind.
| Weg von Assuan nach Philae |
Der stark formalisierte Stelentext mit Angabe des Datums (Regierungsjahr 13 unter der Majestät des Neb-kau-Re.....) enthält die offizielle Königstitulatur sowie eine Eulogie (Lobpreisung) auf den König, sowie die Erwähnung der Sicherung des Weges nach Nubien. Die Stele ist ein wichtiges Zeugnis für die Verwaltung und Kontrolle Oberägyptens sowie die frühen diplomatischen und militärischen Aktivitäten des Mittleren Reiches in Richtung Süden.
| Debod |
In Debot (Unternubien) wurde eine Inschrift entdeckt, die auf Amenemhet II. datiert wird und durch die Lepsiusexpedition ins Museum Berlin gebracht wurde. Sie gilt als eines der frühesten Zeugnisse ägyptischer Präsenz an diesem Ort und belegt das Vordringen und die Kontrolle der Könige des Mittleren Reiches in das nubische Gebiet.
Obwohl der Tempel von Debot, der heute in Madrid steht, primär aus der ptolemäischen und römischen Zeit stammt, gehört die Inschrift aus der Zeit von Amenemhet II. zu einer wesentlich älteren Bauphase der Nutzung dieses Ortes oder wurde dort als Spolie bzw. historisches Dokument gefunden.
| Der nubische Raum |
Auch in Nubien setzte König Amenemhet II. die bereits unter seinem Vater Sesostris I. begonnenen baulichen Aktivitäten fort, indem er in dem Fort und Handelsplatz Mirgisa (dem altägyptischen "Iken") auf dem Westufer des Nils an der Ausmündung des Wadi Matuka gelegen, eine neue Sperrfestung errichten ließ (Maße 100 x 175 m ), die von Sesostris II. (seinem Sohn) weiter ausgebaut wurde.
| Wadi el-Hudi |
Wadi el-Hudi liegt etwa 35 km südöstlich von Assuan. Hier sind bedeutende Spuren aus der Regierungszeit von Amenemnet II. sowie spätere Monumente aus dem Neuen Reich gefunden worden. Das Wadi el-Hudi erlebte während der 12. Dynastie eine Blütezeit als wichtigste Quelle für den Abbau von Amethyst in Ägypten. Amenemhet II. entsandte - ebenso wie seine Vorgänger und Nachfolger - einige größere Expeditionen mit bis zu 1.500 Arbeitern in die östliche Wüste, um hier Amethyst (einen Halbedelstein) für die königlichen Schmuckwerkstätten und als diplomatische Geschenke zu gewinnen.
Unter Amenemhet II. wurden lt. den archäologischen Untersuchungen (wie die Wadi-el-Hudi-Expedition unter Dr. Kate Liszka und Dr. Meredith Brand) komplexe Siedlungs- und Festungsstrukturen genutzt, um den Schutz und die Logistik des Amethyst-Abbaus zu gewährleisten. Zahlreiche Stelen und Felsinschriften belegen die Anwesenheit eines von vielen Soldaten und Beamten, welche im Namen des Königs den Abbau überwachten.
Für diese Arbeit in der unwirtlichen Region wurden erfahrene Beamte eingesetzt, da dieses logistisch sehr aufwendig war. Es wurden Hinweise auf einen B Beamten namens "Hor" gefunden, der auf der Felsinschrift Nr. 6 (heute im Museum Elephantine) genannt ist, die in das Jahr 16 von Amenemhet II. datiert ist, der diese Felsstele gestiftet hatte.
Eine weitere Felsstele mit der Nr. V (auch als Stele des Sa-Hathor bekannt), die zwar in Debot (25 km südlich von Assuan/Unter-Nubien) gefunden wurde (siehe oben unter Debod) gilt als zentrales Dokument für die Aktivitäten unter Amenemhet II. im Zusammenhang mit den Steinbrüchen von Wadi el-Hudi. Sie befindet sich heute im Ägyptischen Museum Berlin (ÄM 1203).
Der Beamte Sa-Hathor (auch Sahathor) war ein hochrangiger Beamter, der für die Überwachung von Steinbrucharbeiten und Expeditionen nach Nubien verantwortlich war. Sa-Hathor diente unter Amenemhet II. und rühmt sich in seinen Inschriften seiner Loyalität und seiner erfolgreichen Missionen, die er im Auftrag des Königs durchgeführt hatte. In seinen Inschriften bezeichnete er sich als "....den wahrhaft Geliebten seines Herrn Neb-kau-Re" (Thronname von Amenemhet II.) Er ist auch von einer rechteckigen Kalksteinstele bekannt, die in Kombination mit einem Schrein und einer Scheintür entworfen wurde und sich heute im Brit. Museum in London befindet (EA 569) und in Abydos gefunden wurde sowie einem Würfelhocker, ebenfalls aus Abydos (Brit. Museum EA 570).
Ihr Text bezieht sich inhaltlich auf die Expeditionen in die Amethyst-Minen von Wadi el-Hudi und wird auf das Jahr 28 der Regierung von Amenemhet II. datiert. Die Stele hat eine erhaltene Höhe von 54 + x cm und eine Breite von 35 + x cm. Der erhaltene Text lautet: "Ich (?) kam zum Amethyst(gebiet) seiner Majestät zusammen mit dem "sr"-Beamten......Der Große der 10 von Oberägypten (Name) der Herr der Versorgheit.......".
| Mirgissa |
Mirgissa (das altägyptische Iken) liegt 15 km südlich von Wadi Halfa und ca. 16 km (10 Meilen) südlich der Festung Buhen. Es handelt sich hierbei um eine Flussufer-Festung aus der Zeit von Amenemhet II. und Sesostris II. Die Festung ist auch bekannt für ihr beeindruckendes äußeres nördliches Tor.
Im Mittleren Reich
kontrollierte Ägypten den Zweiten Katarakt bis nach Semna. Dort baute man
Festungen. Die Festungen von Buhen und Kor (am linken Ufer des Nils
flussabwärts des Zweiten Katarakts wurden schon unter Sesostris I. erbaut.
Sein Sohn und Nachfolger Amenemhet II. ließ flussaufwärts von den Katarakten
die Festungen von Mirgissa und Kor erbauen und konnte somit die
Fluss-Schifffahrt, die von Süden kam, kontrollieren.
Die Festungen wurden in den
Jahren 1931-1932 von einem amerikanischen Ausgrabungsteam unter der Leitung
von Jean Vercouter teilweise untersucht. Die
Lage von Mirgissa war ideal, da der Ort einen natürlichen Hafen besaß, der
von einer Ebene begrenzt wurde. Die Festung von Dabenarti, die sich auf einer
gegenüberliegenden Insel befand, stammt aus der gleichen Zeit und gab dem
Komplex eine strategische Bedeutung.
| Sinai |
Insgesamt wird von Amenemhet II. im Sinai die Kulturpolitik seines Vaters fortsetzt. Daneben ließ er aber die Anlage des Göttertempels in Serabit el Chadim und den Königsschrein erweitern, der mit dem Tempel über eine neue Prozessionsstraße verbunden war. Dort verehrte er die Vorgängerkönige, deren Statue als Kultempfänger aufgestellt wurden. Das Heiligtum wurde damit um den Königskult erweitert. Wahrscheinlich sind auch Baumaßnahmen am Tempel selbst vorgenommen worden.
| Serabit el-Chadim |
Wahrscheinlich standen vor einem dieser beiden erhaltenen Fragmente des Götterschreins einst drei ungefähr gleich große Figuren mit Beischriften. Bei den Bildnissen handelte es sich um seinen Großvater und Dynastiegründers König Amenemhet I. (von dem wohl noch ein Fragment erhalten ist), westlich davon eine falkengestaltige Statue seines Vaters Sesostris I. und eine menschengestaltige Statue Sesostris I., die offenbar ihrerseits von zwei Frauenbildnisse flankiert war. Den Inschriften nach konnten diese als die Königsgemahlin und Mutter von Amenemhet II. "Neferu IV" (ir.it pa.t Hm.t nswt Nfr.w" (die Fürstin und Königsgemahlin Neferu) und eine Königstochter namens Sb3.t identifiziert werden.Vor der Königin steht die Inschrift: "Seine Schwester, Fürstin, Königsgemahlin Neferu, gerechtfertigt, die Versorgte" (Quelle: PM VII, 358; Valbelle/Bonnet, Sanctuaire d'Hathor, 83, 127ff. Fig. 150a; Eileen Hirsch, Kultpolitik und Tempelbauprogramme der 12. Dynastie, S. 307).
Unterhalb des Tempels der Hathor bei Serabit el-Chadim - wurde bei Grabungen einer französischen Mission (u. a. durch Pierre Tallet) zwei Sandstein-Felsstelen mit dem Namen von Amenemhet II., gefunden. Auf der ersten Stele (B. 0,38-43 m; T. 0,29 m / oben) waren ursprünglich vier Seiten beschriftet. Nur noch zwei Kolumnen auf der Vorderseite sind teilweise erhalten. Unter der königlichen Inschrift befand sich eine stehende Gestalt. (PM VII, 348; Valbelle/Bonnet, Sanctuaire d'Hathor, 75). Die zweite Stele - ebenfalls aus Sandstein - ist nur noch als Fragment erhalten und hat eine Höhe von 0,42m und eine Länge von 0,30m. Reste von zweier Inschriftenkolumnen und einer abschließenden Zeile sind erhalten "[Horus] Hekenemmaat, König von Ober- und Unterägypten Nub-kau-re, beschenkt mit Leben wie Re ewiglich" (E. Hirsch, Kultpolitik und Tempelbauprogramme der 12. Dynastie, S. 308),
Diese Funde
dokumentieren die königlichen Aktivitäten und Expeditionen zur Gewinnung von
Türkis in dieser Region. Einige der dort gefundenen Informationen
ergänzen die historischen Aufzeichnungen aus den berühmten "Annalen von
Amenemhet II.", die von militärischen Unternehmungen oder
Tributzahlungen, berichten.
Unter Amenemhet II. wurden offizielle Inschriften hinterlassen, welche den
Zweck der Mission (z. B. dem Abbau von Türkis und Kupfer) und die Namen der
leitenden Beamten nannten. Diese Stele dienten auch als religiöse Widmungen
an lokale Gottheiten, wie z. B. der Göttin Hathor, der "Herrin des
Türkises". Die Inschriften preisen sie für den Schutz der Arbeiter und
den Erfolg bei der Suche nach Edelsteinen. Eine der Inschriften datiert die Aktivitäten in das
Jahr 29 der Regierungszeit von Amenemhet II. und die Umgestaltung einer
"Kapelle des Geb", die evtl. mit dem Sed-Fest des Königs stand.
Die Inschriften des Anch-ib (eines bedeutenden Beamten und Expeditionsleiters unter Amenemhet II., der auch den Titel eines "Siegelbewahrer des Gottes / chetemty-netjer trug und für die Durchführung der Türkisgewinnung im Sinai verantwortlich war, geben Aufschluss über die staatliche Rohstoffgewinnung während der 12. Dynastie. Er wird auch in der Inschrift der "Chapelle des Rois" in einer rituellen Szene gezeigt, in der er dem König Opfergaben darbringt, was belegt, dass er auch eine religiöse Funktion bei der Aufrechterhaltung des königlichen Kults vor Ort hatte (Quelle: from Stelae to Rock Inscriptions: A Wide Range of Commemorative Devices for Mining Expeditions for South Sinai in the Middle Kingdom / Pierre Tallet 2023)
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Quellen und Literatur:
1. Wikipedia: Amenemhet II.
2. Andreas Hutterer, 2013, Historische Studien zu Amenemhet II., Bd. 1,
Universität München,
3. Silke Grallert: "Bauen-Stiften-Weihen"