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Die Hauptstadt des 14. unterägyptischen Gaus, Tanis (auf ägyptisch Zaanet) liegt an der östlichen Seite des Nildeltas. Sie ist ca. 130 k nordöstlich von Kairo und 50 km vom Mittelmeer entfernt. Das in biblischen Zeiten "Zoan" genannte Tanis existierte bereits am Ende der 20. Dynastie und wurde im Verlauf der 21. und 22. Dynastie von ihren Königen zur Hauptstadt Ägyptens erhoben. Hier im Osten des Niltales, auf einer riesigen sandigen Anhöhe errichtet, überragte sie das Ackerland und das weite Sumpfgebiet ringsum. Das Stadtgebiet, heute eine hügelige Ruinenlandschaft, die sich über die Salzsteppe erhebt, hatte eine Nord-Süd-Ausdehnung von 1,5 km. Durch den tanitischen Nilarm war sie mit dem nahegelegnen Mittelmeer verbunden. Dadurch war sie als Hafenstadt der Ausgangspunkt für die Schiffe, die mit den reichen Handelhäusern der Levante Handel trieben.
Der politische Schwerpunkt Ägyptens wurde schon von den Ramessiden nach Norden verlegt und Pi-Ramesse gegründet, deren Schönheit die Dichter besangen. Diese war zuerst ein Wirtschaftszentrum und das militärische Hauptquartier. Der Hafen der Stadt lag an einem Nilarm, die "Wasser des RE", durch die er mit dem Mittelmeer verbunden war.
Warum Pi-Ramesse von dem etwa 20 km nördlich davon gelegenen Tanis abgelöst wurde, lässt sich nicht sagen. Es ist möglich, dass es mit der Veränderung des Fluss-Systems zusammenhing. Der Nilarm verlagerte sich und hatte die Stadt von ihrem Zugang zum Meer abgeschnitten, vielleicht aber waren auch Unruhen für das Ende Pi-Ramesse verantwortlich.
Die Allgegenwart der Namen Ramses II., die oft auf den Denkmälern von Tanis zu finden sind, galt bis vor wenigen Jahrzehnten als Beweis für die Lokalisierung der Ramses-Stadt in Tanis. Aber in neuerer Zeit wurde das Rätsel zum Teil gelöst. Es gilt als nunmehr sicher, dass die aus früheren Epochen stammenden Steinblöcke und Teile der in der Ramses-Stadt aufgestellten Kolossalstatuen - die größte dieser Statue wog etwa 1000 Tonnen und war fast 30 Meter hoch - für Erweiterungsarbeiten der Stätte herbeigeschafft worden waren, wie es bei den früheren Könige Ägyptens durchaus üblich war.
Immerhin waren die Taniten in der Lage, Tanis, ihre neue Hauptstadt, zu einer repräsentativen Residenz auszubauen, wozu sie zwar ältere Residenzen, u. a. Pi-Ramesse, als billigen Steinbruch benutzten, doch mussten dabei gewaltige Steinmassen transportiert werden, von den Kolossen und Sphingen gar nicht zu sprechen.
Seit König Smendes wurde Tanis offenbar als eine "Kopie von Theben" angelegt. In diesem "nördlichen Theben", wie es in den ägyptischen Texten genannt wird, waren die Hauptgötter von Karnak: Amun, seine Gemahlin Mut und der Kindgott Chons-Neferhotep - oft als Mensch mit Falkenkopf und mit der Mondsichel als Kopfputz abgebildet - die wichtigsten Gottheiten.
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Statuengruppe und ein Koloss Ramses II. |
Über die Ruinen des großen Tempels in Tanis ragen die Fragmente der Sandsteinkolosse des Ramses II. |
Die Lage der Stadt wurde erstmals auf einer Karte des Paters Claude Sicard, die dieser 1722 anfertigen ließ, mit dem heutigen San el-Hagar identifiziert. Die erste Untersuchung des Ortes geht auf die napoleonische Expedition zurück. 1825 begann der Franzose Rifaud mit der ersten richtigen Grabung und fand zwei große Sphingen aus rosa Granit. (heute im Louvre, Paris) Seit damals werden die Ausgrabungen bis heute ununterbrochen fortgeführt. Im Rahmen dieser Ausgrabungen kamen vor allem Funde aus der 21. Dynastie bis hin zur ptolemäischen Epoche zutage.
Auguste Mariette
legte den großen Amun-Tempel zwischen den Jahren 1859 - 1864 frei. Diese
Ausgrabungen Mariettes waren Anlass zu der später wiederlegte Annahme, Tanis
sei die Heimatstadt Ramses II. (Pi-Ramesse), als die heute Avaris
identifiziert wird.
Flinders Petrie führte 1884 führte auf dem Gelände dann 5 Monate lang
Ausgrabungen durch. Im Jahre 1866 entdeckte der deutsche Ägyptologe Karl
Lepsius in Tanis einen Steinblock, der als "Dekret
von Konopus" bekannt
wurde. (Vergleichbar von seiner Bedeutung in etwa mit dem Stein von Rosetta)
Eine der beiden Seiten trägt eine Inschrift in Hieroglyphen und gleichzeitig
dazu die griechische Übersetzung, während die andere Seite dieselbe Inschrift
in demotischen Buchstaben trägt.
Piere Montet entdeckte im Jahr 1939 die erhaltene Königsnekropole der Dritten
Zwischenzeit, die von ihm bis ins Jahr 1946 erforscht wurde.
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Unterteil einer Statue Ramses II. in Tanis - ursprünglich wohl aus Pi-Ramesse |
Statuenreste Ramses II. in Tanis |
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König Psusennes I. ließ die große Ziegelumwandlung und die von ihr umschlossenen ersten Tempel errichten. Von oben blickt man auf die vier Ecken der Ringmauer von Psusennes I., die den Tempel einst umgaben. Die Ruinen des großen Amun-Tempels, der von einer rechteckigen Ziegelmauer umgeben ist, die 430 x 370 Meter misst, sind die Hauptattraktion von Tanis. Darin steht eine zweite, teils mit der ersten verbundenen Mauer, in deren Ziegel die Namen des Pharaos Psusennes I. aus der 21. Dynastie eingemeißelt sind. Der große Amun-Tempel erhob sich in der Mitte, von dem heute nur noch verstreute Granitblöcke zu sehen sind. Die Kolossalstatuen, die vor dem Tor des Königs Scheschonk (Tor des großen Amun-Tempels in Tanis) aufgestellt wurden, tragen zwar die Namen Ramses II., sind aber zum Teil in das Mittlere Reich zu datieren. Ursprünglich waren diese mehrfach umgesetzten Kolossalfiguren wohl in Heliopolis oder Bubastis aufgestellt. Bereits Ramses II. bediente sich älterer Statuen, die er mit seinem Namen versah, um seine Hauptstadt (Pi-Ramesse) prachtvoll auszuschmücken.
Von diesen Heiligtümern, deren Gründungsdepots ausgegraben werden könnten, sind nur kümmerliche Baureste erhalten, aus denen sich aber kolossale Dimensionen erschließen lassen; von der dazugehörigen Stadt ist heute nicht viel zum Vorschein gekommen. Paläste, Hafen, Wohnviertel liegen noch unter den Schlammassen, die über 10 Meter hoch aufragen.
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Fragmente eines liegenden Steinkolosses |
Fragmente von Obelisken, Säulen und Palmenkapitellen des großen Amun-Tempels in Tanis |
Die Aufeinanderfolge der Pylone und Obelisken sowie den Palmensäulenhof kann man ohne die Wände nur noch erahnen. Eine riesige liegende Kolossalstatue Ramses II. befindet sich zwischen den verstreuten Baufragmenten. Nicht weniger als 23 Obelisken sind im Amun-Tempel in Tanis gefunden worden. Sie tragen die Namen Ramses II. und erwecken damit den Eindruck, dieser Tempel sei unter dem großen Ramses erbaut worden - vielleicht eine politische Absicht der Könige der Dritten Zwischenzeit. (22. Dynastie - 9.Jahrh. v. Chr.)
Nördlich des Tempels befindet sich ein heiliger See. Als Nektanebos I. diesen sowie einen Tempel für Chons-Neferhotep anlegte, verwendete er Blöcke mit den Namen von Scheschonk V. (von der Sedfest-Kapelle) und Psammetich I. Außerhalb der Umfassungsmauer gab es eine Kapelle von Ptolemaios II. Philadelphos.
Osorkon III. (der sogenannte Osttempel) und Nektanebos II. sowie Ptolemaios II. Philadelphos (Tempel des Horus) gehören zu den Königen, die zwischen den beiden Umwallungen bauten. Außerhalb der äußeren Umfassungsmauer, nahe der Südwestecke, gab es einen heiligen Bezirk für Anta (Mut), der von Siamun und Apries errichtet wurde. (Erneuert von Ptolemaios IV. Philopator)

(Co-Autor: J. H. Pirzer)
Der französische Ägyptologe Pierre Montet nahm in der Überzeugung, dass San el-Hagar, wie die Araber heute das Areal des früheren Tanis nennen, der ursprüngliche und auch im Alten Testament erwähnte Sitz der Ramessiden war, hier im Jahre 1929 Ausgrabungen vor. Hauptsächlich ging es ihm um die Erforschung der Rolle dieser Stadt in der Zeit, die in der Bibel beschrieben ist. Montet entdeckte unter einem Haufen von Ziegelsteinruinen, unter denen man die Überreste irgendwelcher armseligen Kapellen und auch die Reste einer Bildhauerwerkstatt fand, vollkommen unterwartet die Gräber der Könige der 21. und 22. Dynastie. Ähnlich wie in Theben fielen in Tanis die meisten königlichen Grabstätten Räubern zum Opfer. Nur eine überdauerte unberührt bis in unsere Zeiten. Es ist das Grab des Psusennes, des dritten Herrschers der 21. Dynastie.
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unterirdische Nekropole mit intakten königlichen Gräbern |
Die Bedeutung dieser unterirdischen Nekropole mit den intakten königlichen Gräbern von Psusennes I., Osorkon II. und Scheschonk III. aus der 21. und 22. Dynastie mit ihren wertvollen Funden wie silberne Sarkophage, Goldmasken und Juwelen sind nur mit der des Grabes von Tutanchamun zu vergleichen.
Innerhalb der Umfassungsmauer von König Psusennes I. liegt die eigentliche Königsnekropole. Die Gräber in der 21. Dynastie liegen am Hang eines Hügels. In der 22. Dynastie wurde der Friedhof ausgebaut, bis Scheschonk III. das Gelände einebnen ließ und die Grabstätten innerhalb einer Erhebung aus ungebrannten Ziegeln zusammenschloss, auf der er sein eigenes Grab errichtete. Zu den einfachen unterirdischen Kammergräbern, aus wieder verwendeten Granitblöcken zusammengesetzt, gehörten vermutlich oberirdische Grabkapellen, von denen jedoch keine Spuren erhalten sind. Heute ist die Ausstattung der Gräber die 1939 vom Ägyptologen Pierre Montet an der Süd-West-Ecke der Innenmauer des Amun-Tempels entdeckt wurden im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt.
P. Montet war fest davon überzeugt, dass die Gräber keine Oberbauten gehabt hätten, da keine Spur davon gefunden wurde. (vielleicht auch deshalb nicht, weil gar nicht danach gesucht wurde?) Die Bauweise der Gräber widerspricht aber dieser Theorie. Hätte man die Gräber ohne Oberbauten geplant, wäre eine derart massive Bauweise und eine Überdachung der Grabkammern mit den mächtigen Deckbalken aus Granit kaum notwenig gewesen. Außerdem sieht man auf den Aufnahmen der Graboberflächen und besonders an den Schnitten, dass die Oberfläche der Grabbauten für eine Überbauung vorbereitet war. Nur die Fundamente späterer ptolemäischer Bebauung über den Gräbern wurde von Montet festgestellt. Daher ist es möglich, dass bei der Errichtung dieser Bauten die Reste der Ziegeloberbauten beseitigt wurden.
Die mühseligen Ausgrabungen und Analysen des ehemaligen Königssitzes beweisen, wie kompliziert die Geschichte der Erbauung und die Zerstörung der königlichen Nekropole in Tanis ist. Mehrmals hatte man den Sandboden des Areals, welches etwa 60 x 40 Meter misst, immer wieder aufgegraben, um neue unterirdische Grabkammern zu bauen, die schon bestehenden Gräber zu vergrößern und auszubessern, oder gegebenenfalls auch in einigen Fällen abzubauen. Mindestens von zwei Gräbern wurden die Zugangsschächte abgedeckt, um Platz für weitere Mumien zu schaffen.
Obwohl die Grabanlagen nacheinander und in großen zeitlichen Abständen gebaut sind, bilden die Gräber doch einen geschlossenen Komplex. Erhalten sind nur die in Stein ausgeführten unterirdischen Teile der Grabbauten.
De facto war das Grab des Psusennes eine kollektive Grabstätte, denn neben dem Pharao fanden dort auch einer seiner Generäle mit Namen Wendjebauendjed sowie der König Amenemope, der Nachfolger des Psusennes ihre letzte Ruhestätte.
Spätere Beisetzungen sind in Tanis mehrfach vorgekommen, was die Gräber von Tanis wiederum mit den Kapellen von Medinet Habu verbindet. Es bedeutet aber wahrscheinlich nicht, dass der später Beigesetzte zu arm oder zu unbedeutend gewesen war, als dass er sich ein eigenes Grab hätte leisten können. Vielleicht war häufig auch der Wunsch maßgeblich gewesen, zusammen mit einem besonders verehrten Vorgänger begraben zu sein. Dies möchte R. Stadelmann bei den nachträglichen Beisetzungen im Grab des Psusennes I. annehmen, denn man hat dabei niemals die eigentliche Gruft dies bedeutendsten Herrschers der 21. Dynastie angetastet, sondern nur die Nebenkammern, oder wie bei Scheschonk II., Siamun und Psusennes II. die Vorkammer dafür benutzt. Es ist daraus zu schließen, dass man genau gewusst hat, wer in diesem Grab bestattet war. (Das ging schließlich schon aus den Wanddekorationen hervor. ) Der Umstand ist nun, dass dieses aber eigentlich nur festzustellen war, wenn der dazugehörige Oberbau mit der Kultstätte des Königs noch gestanden hat!
Was mögen nun die Beweggründe gewesen sein, die die Tanitenkönige veranlasst hatten, die neue Form des Königsgräben zu wählen? Vielleicht ist gegen Ende der Ramessidenzeit die Einsicht gewachsen, dass die Königsgräber in der entfernten Nekropole in Theben auf die Dauer nicht geschützt werden konnten. Nur zu deutlich wird dieses in den Grabräuberprozessen unter den letzten Ramessiden. Dazu kam die zunehmende Verunsicherung durch herumziehende Banden und libysche Stammesgruppen.
Daher scheint es folgerichtig, dass der neue König Smendes, der vor seiner Thronbesteigung jedenfalls ein hoher Beamter oder Militär war, wahrscheinlich die Unsicherheit und Unhaltbarkeit der thebanischen Nekropole sehr viel deutlicher erkannte, als die Könige vor ihm, denen die thebanische Beamtenschaft - und nicht nur diese - wohl immer nur die halbe Wahrheit aufzutischen wagte, und mit der neuen Dynastie eine neue Nekropole in unmittelbarer Nähe der Residenz und in sicherer Lage innerhalb des abgeschlossenen Tempelbezirks gesucht hat.
Der neue Typus des Königsgrabes wurde dann mehr als 500 Jahre beibehalten, auch zu Zeiten größter wirtschaftlicher Blüte Ägyptens blieb er unverändert.
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