Luxor-Tempel II.

Karnak-Tempel

Tal der Könige



Der Luxor-Tempel liegt nicht weit entfernt von der Phönix-Anlegestelle am nördlichen Ende der Stadt Luxor. Mit der Kalesche - dem Pferdefiaker - fuhren wir am nächsten Morgen, gleich nach dem Frühstück zum sogenannten "Südlichen Harem des Reichsgottes Amun-Re", dem Luxor-Tempel.

Sphingen mit Menschenköpfen
hier den ihres Stifters, König Nektanebos I.

Droschkenplatz beim Luxortempel

Eine von widderköpfigen Sphingen gesäumte Allee verband den Karnak-Tempel einst mit dem von Luxor, von welchem hier die Fassade zu sehen ist. Der Pharao Nektanebos I. ließ sie durch Sphingen mit Menschenköpfen ersetzen.  Dieser, der thebanischen Triade (Amun-Re, Mut und Chons) geweihte Tempel, umfasst einen Pylon, vor dem mehrere Kolossalstatuen von Ramses II. stehen, sowie einen Obelisken, der ebenfalls von Ramses stammt. 

Des weiteren einen Säulenhof mit doppelter Kolonnade und das eigentliche Tempelhaus mit Vorhalle, die von Amenophis III. stammen. Einen weiteren Säulenhof und eine dreiräumige Barkenkapelle vor der Innenfassade des westlichen Torraums ließ ebenfalls Ramses II. errichten.

Den alten Haupteingang bildet der ca. 65 m breite Pylon aus der Zeit Ramses II. Vor ihm standen einst 6 Kolossalstatuen des Pharaos, zwei sitzende und vier stehende. Geschmückt ist dieser mit den üblichen Szenen aus der Schlacht von Kadesch -  Ramses in seinem Streitwagen inmitten seiner Feinde, die er vernichtet oder in die Flucht schlägt  
Ein Prachtboulevard mit Gärten und Statuen des Pharaos verband den Luxortempel mit dem 2,5 km nördlich gelegenen Karnak-Tempel.

der Haupteingang mit dem Obelisken Ramses`II.

 Luftansicht des Luxor-Tempels

Eine Prozession führte vom Karnak-Tempel zum Luxor-Tempel. Dieser Tempel war von Anfang an dem Gott Amun-Re geweiht. Der Pharao Amenophis III., ein König des Neuen Reiches (18.Dynastie) erbaute ihn vermutlich dort, wo schon früher eine heilige Stätte existierte. Der Luxor-Tempel wurde vom zentralen Heiligtum im Süden über die große Kolonnade bis hin zum 1. Hof Ramses II. von Amenophis III. in drei Bauphasen errichtet. Vermutlich konnte er den Tempel aber weder fertigstellen noch abschließend dekorieren lassen. Dieses erfolgte wahrscheinlich erst während der späteren Restauration nach der Amarna-Zeit unter den Königen Tutanchamun bis hin zu Sethos I.

Der relativ schmale Tempel von Luxor war in nördlicher Richtung durch eine große Kolonnade erweitert worden. Diese Arbeiten stammten hauptsächlich von den Pharaonen Amenophis III., Tutanchamun und Haremhab.  Nochmals erweitert wurde der Tempel von Ramses II., dessen Baumeister einen großen Hof mit seitlichen Kolonnaden und einen neuen Eingang in Form eines majestätischen Pylons planten. Um den neuen Eingang an die Allee von Karnak nach Luxor anzuschließen, musste die Achse des Tempels gedreht werden. Eine Inschrift besagt, das diese Arbeiten im 3. Regierungsjahr des Pharaos vollendet wurden. Ramses II. hatte es sich zum Ziel gesetzt, diesem Bau von Amenophis III., den er offensichtlich in vieler Hinsicht gewissermaßen als Vorbild empfunden hatte, eine neue Struktur und ein neues Aussehen zu geben.

Eingangspylon mit dem östlichem Obelisken und Standfiguren Ramses II.

Haupteingang des Luxor-Tempels
 mit Sphingenallee zu beiden Seiten. 

Unser Rundgang durch den Luxor-Tempel begann vor dem großen Pylon, der unter Ramses II. fertiggestellt wurde. Noch immer bot die Fassade dieses Pylons einen überwältigenden Anblick. Die beiden sitzenden Kolossal-Figuren des Pharaos sowie der noch stehende, 25 Meter hohe Obelisk beeindruckten uns am meisten. Unser Reiseführer machte uns auf den Sockel des  Obelisken aufmerksam, der mit Pavianen dekoriert war, die ihre Pfoten erhoben haben und bei Tagesanbruch die Sonne anbeten.  Drei der einst sechs Kolossal-Statuen sind heute noch weitgehend erhalten. 

Interessant war auch die kleine Anekdote, die er uns über den fehlenden westlichen "Zwillings-Obelisken" erzählte: Der Obelisk wurde  Mitte des 19. Jahrhunderts ein Opfer der guten Beziehungen zu Frankreich.  Pasha Mohammed Ali (1805-1849) machte ihn dem französischen König Louis Philippe zum Geschenk.  Die Franzosen nahmen das Geschenk der Ägypter gern an, denn seit der Napoleonischen Expedition im Jahre 1798 war das Interesse am alten Ägypten sehr groß. Seit der Entzifferung der Hieroglyphen durch Champollion gab es viele, die den Namen auf dem Obelisk lesen konnten und einiges über den Initiator wussten. Am 23. Dez. 1836 wurde dieses Monument in Paris auf dem Place de Concorde eingeweiht. 

Im Gegenzug erhielt Mohammed Ali eine Standuhr, die im Uhrenturm, welcher noch heute auf der Zitadelle in Kairo zu bewundern ist, aufgestellt wurde. Diese Standuhr machte ihrem Namen alle Ehre, sie "stand"
nämlich und ließ sich auch nicht mehr reparieren, während der Obelisk Ramses II. noch immer auf dem Place de la Concorde in Paris steht.

Link zur Zitadelle
und Alabaster-Moschee

Die  Ägypter nannten diesen Tempel Apet-Amun resjet. Hauptsächlich diente der Tempel von Luxor dem Opet-Fest. Dieses Fest fand alljährlich im zweiten Monat der Überschwemmungszeit des Nils statt, und seine Bedeutung war so groß, dass es sogar für den Namen des Festmonats diente. Im koptischen Kalender hat dieser Name bis heute überlebt: Pa-ophi.

Auf der Chapelle Rouge (Rote Kapelle) der Pharaonin Hatschepsut im benachbarten Karnak-Tempel findet man die ältesten Beschreibungen und Darstellungen dieses Festes. Den Hinweisen folgend, begann das Fest im zweiten Monat der Überschwemmungszeit des Nils und dauerte elf Tage. Bis zum Ende der Regentschaft Ramses III. wurde es auf 21 Tage verlängert. Man nimmt an, dass die Ägypter dieses Fest bis in die römische Zeit hinein feierten.

In der späten 18. Dynastie wurde die Prozessionsroute vom Land auf den Fluss verlegt. Die Götterbilder traten nun eine Reise auf dem Nil an, eskortiert vom König und einem großen Festzug. Zur Prozession gehörten auch die Streitwagen des Pharaos und die Priester mit Weihrauchgefäßen, Soldaten, Fächerträger, Staatsbeamte und Musikanten, die tanzten und Litaneien sangen. Man betonte die große Bedeutung des Opetfestes noch dadurch, dass die drei Götter (thebanische Triade - Amun, Mut und Chons) in verschiedenen Barken und in Begleitung mehrerer Boote auf dem Nil unterwegs waren. 

Diese propagandistische Bedeutung des Festes wusste sich auch Pharao Haremhab (18. Dynastie), einer der Nachfolger Tutanchamuns, zunutze zu machen, denn er ließ sich während eines Opetfestes in Theben krönen und fungierte nach seiner Thronbesteigung sogleich als Festleiter. (Quelle: Kitchen 1987, Seite 69 u. Donadoni: Theben 2000, Hirmer-Verlag)

in den Hof Ramses II. integrierte Moschee 
des Abu'l-Haggag

   Am linken Bildrand sieht man die Barkenkapelle an der Innenwand des westlichen Pylonturms

In der nordöstlichen Ecke des Tempels erhebt sich die kleine Grabmoschee des Abu'l-Haggag, die in den Tempel hineingebaut wurde. Sie wurde über einer frühchristlichen Kirche erbaut. Man erkennt auf dem Bild oben links, wie hoch der Luxortempel einst unter dem Sand verschüttet war. Die Tür zu der Moschee lag damals ebenerdig. Vermutlich befinden sich unter dem Bauwerk noch weitere Reste des antiken Tempels.
Die Ägyptologen versuchten vergebens, den muslimischen Heiligen in die eigens für ihn erbaute neue Moschee umzubetten. Aber  gelang es nicht, seine sterblichen Überreste hochzuheben und zu bergen. (Legrain 1914) Noch heute wird  bei einem Fest zu Ehren des Abu'l-Haggag in einer großen Prozession eine Barke von Karnak zu seinem Grab im Luxor-Tempel gebracht.

Vor der Innenfassade des westlichen Torturms errichtete Ramses II. eine dreiräumige Barken-Kapelle mit eleganten Papyrussäulen, die allerdings ein Überbleibsel aus der Regierungszeit der Königin Hatschepsut und deren Nachfolger Thutmosis`III. waren.

Hinter dem großen Pylon öffnet sich ein weiter Hof, ebenfalls erbaut unter Ramses II., der ein Viereck mit den Seitenmaßen von ca. 50 mal 52 Metern hat und gesäumt wird von einer zweireihigen Kolonnade. An der Südwand des ramessidischen Hofes findet man die Darstellung des Eingangspylons mit beiden noch stehenden Obelisken und den sechs Kolossalstatuen des Ramses vor der Fassade. Das Besondere daran ist, dass hier aufgrund der pharaonischen Darstellungsprinzipien die Statuen nicht frontal, sondern in der Seitenansicht gezeigt werden.

An der Rückseite einer Kolossalstatue Ramses II. befindet sich eine zerbrochene Säule, auf der man in sogenannten Kartuschen den Namen des Pharaos erkennt. (Kartusche im oberen Bereich  links). Oben beginnt die Kartusche mit dem Zeichen für den Sonnengott Re, die sich weiter unten wiederholt. Darunter ist - rechts neben einer Darstellung der Maat, der Göttin der Wahrheit, der Kopf eines Schakals auf einem Stab zu sehen. Das ist die Hieroglyphe für das Wort "mächtig".
Unter dem Hirtenstab ist eine Axt dargestellt, welche das 3-Konsonanten-Zeichen für das Wort "auserwählt" ist. Abgeschlossen wird die Kartusche von  "Wasserlinie", die für  das Einkonsonantenzeichen - n - oder für das Wort von/für steht. 

Übersetzt bedeutet der Name: "Mächtig ist die Ordnung/Wahrheit des Re, auserwählt von Re" oder "der eine, der stark in Maat (Wahrheit, Recht u. Ordnung) ist, ist Re" und als Zusatz: "der eine, der von Re auserwählt ist."
(Quelle: J. v. Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen u. Thomas G. H. James: Ramses II.)

Der in der oberen Kartusche eingefasste Thronname  des Pharaos lautet also: Usermaatre-Setpenre

Drei königliche Kolossalstatuen stehen im 1. Hof zwischen den Säulen mit Papyrusknospenkapitellen. Auf den Säulen sieht man Darstellungen von Ramses II., welcher Amun-Re - der als Kamutef dargestellt wird - Blumen opfert. Eine weitere Kolossalstatue ist für Ramses II. beschriftet. Die Ägyptologen mutmaßen aber, dass sie wahrscheinlich für einen früheren König angefertigt und von Ramses II. später übernommen wurde. Nach rechts gewendet, stehen im 1. Hof weitere Kolossalstatuen des Pharaos, die den Raum zwischen den Säulen einnehmen.  Insgesamt 74 Papyrussäulen,  mit Szenen des Königs,  umgeben den Hof Ramses II. hinter dem Pylon. Ein grandioser Anblick!

Gewaltig wie sein Gott: Statuen von Ramses II.
 zwischen den Kolonnaden des ramessidischen Hofes

 



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der "Hapi-Führer" zeigt euch
den weiteren Teil des Tempels