Bauten Tutanchamuns

Biografie Tutanchamuns

Grab Tutanchamun

Die Kolonnade von Luxor entstand zeitlich am Ende der Regierungszeit Amenophis III. und wurde vor dem eigentlichen Tempelhaus und dem Sonnenhof angesetzt. Der Bau der Halle war anscheinend unter der Regierung von Amenophis III.  vollendet, die Dekoration gelangte aber vermutlich nicht mehr zur Ausführung. Erst nach dem Ende der Amarna-Zeit wurden die Arbeiten von Tutanchamun, Eje und Haremhab vollendet. Tutanchamun und sein Nachfolger Eje haben vermutlich in den hinteren Räumen des Tempelhauses die Zerstörungen der Amarnazeit beseitigt, ohne dies aber mit Inschriften zu dokumentieren. 

Grundrisszeichnung der Großen Kolonnade
- bearbeitet nach Porter & Moss - 

Unter Tutanchamun begann man damit, die Innendekoration der Kolonnade auszuführen. Auf der linken und rechten Abschlusswand der großen Kolonnade befinden sich Darstellungen, die u. a. anhand der Gesichtszüge der Reliefs eindeutig König Tutanchamun zugeordnet werden können, obwohl  sämtliche Kartuschen mit dem Namen Tutanchamuns später von Haremhab usurpiert wurden - wie auf dem unteren Bild zu sehen ist.

Kolonnade - kurze Nordwand (P&M  76)

Auf der rechten Eingangswand der kurzen Nordseite bringt der König ein Weihrauchopfer dar, bevor die Kultbilder von Amun, Mut und Chons den Tempel von Karnak verlassen.

Obwohl sich in den Kartuschen die Namen Haremhabs befinden, handelt es sich ursprünglich um die Darstellung König Tutanchamuns. - Die Usurpation ist deutlich zu erkennen. 

(Bildausschnitt: Hanne Siegmeier)

(*** PM/P&M = Porter u. Moss)

Kurze Nordwand des rechten Eingangstores (P&M 76
(Bilder: Elvira Kronlob)

Die Arbeiten an der Innendekoration der Kolonnade wurden unter Tutanchamun bis zum Zeitpunkt seines Todes bis auf den südlichsten Teil der Kolonnadenhalle, welche nur aus Vorzeichnungen bestanden, fast vollendet. Die Reliefarbeiten wurden erst unter Sethos I. ausgeführt und erweitert. Man kann die Ergänzungen leicht von den älteren Arbeiten unterscheiden, weil das erhabene Relief höher ausfällt und die Figuren noch genauer ausgeführt wurden.

Große Kolonnade von Luxor

Die Kolonnade wird von 2 x 7 Säulen mit offenen Papyruskapitellen von fast 16 Meter Höhe gebildet, die in Gestalt, Anordnung und Format an das Mittelschiff des großen Säulensaals von Karnak erinnern und paarweise die auf einer Deckplatte ruhenden Architrave trugen. Die Höhe der Halle maß bis zum Dach 21 Meter. Der Raum zwischen den Außenwänden war schmal und betrug nur 10 Meter, während die gesamte Länge der Kolonnade fast 26 Meter maß. 

Die Wände reichten ursprünglich bis zum Dach und wie im großen Hypostyl vom Karnak-Tempel fiel das Licht auch hier durch Fensteröffnungen ein, die oben in den Wänden eingebaut waren.

(Bild:
Elvira Kronlob)

Heute sind sind die Wände nur noch wenige Meter hoch erhalten und man kann sich kaum noch vorstellen, wie eindrucksvoll dieser Raum ursprünglich gewirkt hatte.  Zwar blieben nur die untersten Register erhalten, doch konnten Hunderte weiterer Blöcke der Wände verstreut aufgefunden werden. Sie werden heute in der Nähe des Tempels gelagert. Es wird geplant, die Gesamtdarstellung der Wände zumindest auf dem Papier zu rekonstruieren.

Die Szenen an beiden Seitenwänden der Kolonnade zeigen die Prozession von Karnak nach Luxor und gehören zu den bedeutendsten Quellen zum Ablauf des Opetfestes, eine der wichtigsten religiösen Zeremonien des Neuen Reiches.

Die westliche Wand schildert in fünf Szenen die Prozession von Karnak nach Luxor und die ersten Rituale im Tempel von Luxor. Auf den fünf Szenen der östlichen Wand werden die weiteren Festlichkeiten in Luxor und die Rückreise nach Karnak geschildert. 

Luxorkolonnade
- Blick in Richtung Hof Ramses II. -
(Bild: Elvira Kronlob)

Luxorkolonnade
- Blick in Richtung offener Hof Amenophis III. -
(Bild: Elvira Kronlob)

Zwischen zwei Kolossalfiguren des Ramses II liegt der Durchgang zum imposanten Säulengang des Amenhotep III. 
Die Innendekoration auf den Seitenwänden der Kolonnade fand zwar weitgehend unter Tutanchamun statt, doch deuten die einheitliche Komposition und die sorgfältig aufeinander abgestimmte zeitliche Ordnung daraufhin, dass die Szenen noch vor Beginn der Arbeit als künstlerisches Gesamtprogramm entworfen wurde. Für dieses Dekorationskonzept sind evtl. Künstler aus der Zeit Amenophis III. wie
Hor und Suti, die "Aufseher der Arbeiten für Amun im südlichen Opet" waren, zusammen mit den Oberpriestern für das Opetfest  verantwortlich. Das dekorative Programm an den Innenwänden der Kolonnade scheint noch vor der Amarnazeit entworfen zu sein, aber wurde dann erst zwei Jahrzehnte nach den alten Traditionen  von Künstlern während der Nach-Amarna-Zeit ausgeführt und vollendet.

Zwischen zwei Kolossalfiguren des Ramses II. liegt der Durchgang zur großen Kolonnade.

(Bild: Elvira Kronlob)
Die linke Kolossal-Sitzstatue Ramses II.
Neben dem rechten Bein steht seine Gemahlin Nefertari.
(Bild: Hanne Siegmeier)

 

Das schöne Fest von Ipet/Opet:

Das "schöne Fest von Opet/Ipet" ( Hb-nfr n jpt)  wird seit der 18. Dynastie erwähnt - schon seit der Zeit von Königin Hatschepsut ist es als jährliche Feier bezeugt. Die Dauer der Feierlichkeiten sind aber für diese Zeit nicht überliefert.
Unter ihrem Nachfolger Thutmosis III. sind nachweislich elf Tage für dieses Fest belegt. Unter Ramses III. wurde das Fest auf 24 Tage verlängert - zum Ende seiner Amtszeit lt. Festkalender von Medinet Habu sogar auf 27 Tage. Damit war das Opetfest das längste Fest im thebanischen Kalender. Zuletzt gefeiert wurde das Fest wahrscheinlich in der 25. Dynastie unter dem kuschitischen König
Piye. 

Der traditionelle Beginn des Opet-Festes war der 2. Monat der Überschwemmungsjahreszeit (Achet-Zeit / Axt). Erstmals ist das Opet-Fest unter Hatschepsut für das Jahr 1462 v. Chr. für die Achet-Zeit belegt, da Hatschepsut die Szenen des Festaktes an den Wänden der Roten Kapelle anbringen ließ. Amun zog in einer prachtvollen Prozession, begleitet von Musik und Tanz, in seiner Barke von seinem Tempel in Karnak nach dem "südlichen Ipet"  (jpt rst) - dem Luxortempel, der extra für dieses Fest neu gebaut wurde. Seine Gattin, die löwenköpfige Göttin Mut und ihr gemeinsamer Sohn, der Mondgott Chons begleiteten ihn in eigenen Barken, wie uns aus den Reliefdarstellungen in der Kolonnade aus der Zeit des Tutanchamuns berichtet wird.

Uns sind für die Prozession zwei Routen überliefert. In der Zeit der Hatschepsut führte der Festzug von Karnak zum Luxortempel über Land durch eine 2,5km lange Sphingen-Allee, welche die Verbindung zwischen Karnak- und Luxortempel bildete. Einen Nachweis dafür liefern uns die am Prozessionsweg liegenden sechs Schreine der Königin, die für die Rast der Barke während ihrer langen Reise bestimmt waren. Es ist anzunehmen, dass unter der Regierung von Hatschepsut nur eine Barke den Zug begleitete. Auf den Darstellungen der Roten Kapelle in Karnak     - siehe hier       -  
und auf der Südseite der Ostwand der oberen Terrasse im Festhof des Tempels
Djeser djeseru (Deir el Bahari)  wird diese Prozession der Statue Amuns vom Karnak-Tempel zum Luxor-Tempel in abgekürzter Form gezeigt. Verschiedene Szenen zeigen den Landweg der Amun-Barke und die Reinigungsriten in den sechs von Hatschepsut errichteten Barkenstationen entlang der Prozessionsstraße zum "südlichen Ipet" (Luxortempel). Der Rückweg des Prozessionszuges erfolgte flussabwärts auf der Barke "Userhat".

Eine besser detaillierte Aufzeichnung dieser Prozession finden wir im Luxortempel. Leider ist diese teilweise sehr beschädigt. Verschiedentlich ist noch der Name von Tutanchamun, unter dem die Szenen angebracht wurden, erhalten geblieben, obwohl König Haremhab sie später für sich in Anspruch nahm und die Namen Tutanchamuns durch seine eigenen ersetzen ließ. Die Szenen vom "schönen Fest von Opet" wurden in zwölf Teile gegliedert. An der westlichen Wand wird in fünf Szenen die Prozession von Karnak nach Luxor und die ersten Rituale behandelt. An den zickzackförmigen Linien ist eindeutig zu erkennen, dass unter Tutanchamun, im Gegensatz zu der Prozession in der Zeit der Hatschepsut, diese Fahrt auf dem Wasserweg erfolgte. 

Von Karnak nach Luxor:
- Prozession an der westlichen Mauer der Kolonnade -

Szene 1:
Der König Tutanchamun (usurpiert von Haremhab) wird beim Verlassen des großen Karnak-Tempels gezeigt. Das Götterpaar Amun und Mut begrüßen den König. Amun spricht zu ihm:

„ [ … (Djeser]cheperu[re]- setepenre)|, dem Leben gegeben [ … ] alle Tapferkeit und Stärke, alle Gesundheit und alle Freude, wie Re an jedem Tag. Ich habe Dir gegeben sehr viele Jubiläen, wie Re. “

Die Göttin Mut spricht zu ihm:

„ [ … Herr]scher der Freude während Du die Flachländer regierst und die Bergländer für Dich arbeiten, feierst Du Jubiläen wie Re für immer und ewig. “

 

Der König vollzieht die Reinigungs- u. Opferriten
 vor den heiligen Barken im Tempel von Karnak

(Bildumzeichnung: Walther Wolf / Das schöne Fest von Opet / die Festzugsdarstellungen im Großen Säulengang von Luksor / 1931 Leipzig J. C. Hinrichts)

 

Tutanchamun opfert vor den Barken im Amuntempel von Karnak
- in etwa die gleiche Darstellung wie beim oberen Bild
- im oberen Register steht der König und vollzieht die üblichen Opferrituale, während im Register darunter die Barken der Götter noch in ihren Schreinen stehen.

Dieses Bild ist public domain, weil der Urheber alle Bilder 
                              auf seiner Seite copyright-free gestellt hat.                                                
 Thanks to Jon Bodsworth.

 

Nördliche rechte Querwand
- Porter & Moss Nr. 76.1

Die nördliche rechte Eingangswand (PM 76) an der Innenseite der Kolonnade zeigt die üblichen Reinigungszeremonien und das Vollziehen der Opferriten (weihräuchern) durch König Tutanchamun noch im Göttertempel von Karnak

 

 

(Bild: Elvira Kronlob - bearbeitet
          von Nefershapiland)

 

Der König beim Verlassen des Großen Karnak-Tempels.
Das Götterpaar Amun und Mut begrüßen ihn. (PM 76.2)
(Bild: Elvira Kronlob - bearbeitet  in s/w zwecks deutlicherer Darstellung v. Nefershapiland)

Kolonnade des Luxortempels - Westliche Innenwand.
Porter & Moss Bd. 77-81

(Bild: Elvira Kronlob)

Nach der Reinigungszeremonie und der Vollziehung der Opferriten durch König Tutanchamun im Göttertempel von Karnak an den Kultbildern Amuns, Muts und Chons in ihren heiligen Barken, werden diese und auch die Barke des Königs von den kahlköpfigen Priestern auf ihren Schultern durch den mit Fahnen beflaggten III. Pylon zur Anlegestelle an den Nil getragen. Hierbei wird ein Kultlied gesungen.

Auszug der Barken aus dem Karnak-Tempel
Kahlköpfige Priester tragen die Barken auf ihren Schultern zur Anlegestelle an den Nil.

(Bildumzeichnung: Walther Wolf / Das schöne Fest von Opet / die Festzugsdarstellungen im Großen Säulengang von Luksor / 1931 Leipzig J. C. Hinrichts)

 

Chons, (#nsw )
der "Durchwandler" des Himmels

- In der altägyptischen Mythologie war er der Sohn von Amun und der Göttin Mut und bildete in Theben eine Triade.  -
Die Göttin Mut war Gemahlin des Amun und Mutter des Gottes Chons

Dieses Bild ist public domain, weil der Urheber alle Bilder auf seiner Seite copyright-free gestellt hat. - Thanks to Jon Bodsworth.

 

Die Festflotte wurde von der Fluss-Barke der Königin begleitet, die sich vor der Fluss-Barke der Mut befindet. Besonders ins Auge fallen bei der Königinnen-Barke zwei ungewöhnliche Aufbauten am Bug und am Heck. Es scheinen zwei kleine Pavillons oder Kioske zu sein, wo das "Erschlagen der Feinde" durch den König dargestellt wird. Hinter ihm steht die Königin, welche ihre Hand schützend über ihn hält. 
(Bildumzeichnung: Walther Wolf / Das schöne Fest von Opet / die Festzugsdarstellungen im Großen Säulengang von Luksor / 1931 Leipzig J. C. Hinrichts - zusammengesetzt durch Nefershapiland)

Die Prozessionsbarken und die Barke des Königs werden auf große prächtige Nilschiffe aus Zedernholz verladen, die Segel gesetzt haben und außerdem gerudert werden. Zusätzlich wurden die Fluss-Schiffe von Land aus getreidelt. Das "Treideln" wurde vorwiegend stromaufwärts durchgeführt. Entsprechend fehlt das Treideln bei der Rückreise nach Karnak auf der gegenüberliegenden Wand. Auch werden auf der Rückreise keine Segeln gesetzt, das man sie ebenfalls nur stromaufwärts verwendet hatte.

Begleitet von einer Szenerie aus nubischen Trommlern, Tänzern mit Federschmuck und Priesterinnen, die Musikinstrumente tragen, die sich auf dem Landweg am Ufer entlang bewegten und Kultlieder sangen, bewegte sich der Prozessionszug stromaufwärts bis zur Kaianlage des "südlichen Ipets" (Luxortempel). 

Die Festflotte wurde auch vom Schiff der Königin, welche sich vor der Flussbarke der Mut befindet und einigen kleineren Begleitschiffen begleitet. Erstmals wird hier unter der Regierungszeit Tutanchamuns belegt, dass auch die Prozession ins "südliche Ipet" (Luxor) auf dem Wasser stattfand.

Treideln der Schiffe

Die großen Nilschiffe, welche die Prozessionsbarken der Götter tragen, werden zusätzlich von Land aus getreidelt.

Auf dem Bild ist oben die Wasserlinie zu sehen, darunter Männer, welche mittels starker Taue die Nilschiffe treideln. 

(Bildausschnitt: Elvira Kronlob)

Am Kai des Luxortempels angekommen werden die Barken abermals von den Priestern geschultert und bis in den Luxortempel getragen, wo die Prozession mit einem rauschenden Fest empfangen wird. 

Ähnlich wie bei den Darstellungen auf der Chapelle Rouge oder in Deir el-Bahari werden von libyschen Künstlern akrobatische Tänze durchgeführt, begleitet von Frauen mit Menit und Sistrum. Die Ankunft der Götterbilder im Luxortempel war mit reichen Opfergaben verbunden. Genannt werden neben anderen hochwertigen Gütern, Wasser, Wein, verschiedene Sorten Kuchen, Brot, Bier, Gänse, Tauben, Myrrhe, Lapislazuli, alle Sorten von Gemüse

Priester tragen die Götterstatuen
 in ihren Barken auf ihren Schultern vom Kai
 in den 1. Hof des Luxortempels.

Eine Gruppe von 12 Akrobatinnen führt die Prozession zum Luxortempel an. Rechts weiht ein Priester Opfergaben.
(Bild: Elvira Kronlob)

Auf einer Schlachtszene erkennt man den großen Bedarf an Opfern, dargestellt durch wohlgenährte und festlich geschmückten Rindern. Opferständer mit Rinderschenkeln, Geflügel, Brot und Getränken ("alle guten und reinen Dinge") säumen die Plätze rund um die Tempelmauern. 

Die Priester tragen die Götterstatuen in ihren heiligen Barken vom Kai in den ersten Hof. Hier werden die Kultbilder mit ihren Barken auf Barkenschreine gestellt. Auf der südlichen Querwand begrüßt der König Amun, Mut und Chons im Tempel von Luxor.

       Schlachtszenen

Im mittleren Bildstreifen der Darstellungen werden Schlachtungsszenen gezeigt. Männer tragen Rinderschenkel zu den Ständen.

(Bildausschnitt:  Elvira Kronlob)

Ein abschließendes Bild zeigt die im Tempel ruhenden Barken mit ihren Opfergaben.

Die im Tempel von Luxor aufgestellten Barken vor den Opfergaben.

(Bildumzeichnung: Walther Wolf / Das schöne Fest von Opet / die Festzugsdarstellungen im Großen Säulengang von Luksor / 1931 Leipzig J. C. Hinrichts )

Die Handlungen im Inneren des Luxortempels bleiben für das Publikum und auch für uns verborgen. Nur zwei Szenen werden dargestellt: - siehe Rückreise.

Götterbarken mit Blumenbouquet

 

Die Götterbarken werden nach ihrer Ankunft im Luxortempel in das Sanktuar getragen und mit reichen Opfergaben und Blumenbouquets dekoriert.

 

(Bildausschnitt: Elvira Kronlob)

 

Rückreise:
- von Luxor nach Karnak -

Auf der Ostwand der großen Luxorkolonnade wird die Rückkehr der Opet-Prozession nach Karnak dargestellt. 

Der König weiht den beiden thronenden Göttern ein Opfer und übergibt ihnen ein Blumenbouquet, während hinter dem König in zwei Reihen die Götterneunheit thront. Am Ende der Feierlichkeiten zu Ehren der Götter begeben sich Amun, Mut und Chons wieder in ihre heiligen Barken und werden vom König in einer rituellen Reinigungszeremonie beweihräuchert.
Dann verlassen die Barken, abermals von kahlköpfigen Priestern auf den Schultern getragen, ihre Schreine. 

Der König libiert und weihräuchert im Luxortempel
vor den Ständern mit Opfergaben

Die Prozessionsbarke der Mut wird auf die große Flussbarke gebracht., begleitet von einem Tross aus Musikanten, Trommlern und Standartenträgern

(Bilder: Ausschnitte aus Walther Wolf / Das schöne Fest von Opet / die Festzugsdarstellungen im Großen Säulengang                                            von Luksor / 1931 Leipzig J. C. Hinrichts )

 

Die Barke der Mut steht auf einem Sockel im Sanktuar 
des Luxortempels, während der König die letzten rituellen Reinigungszeremonien ausführt. 

(Bild: Elvira Kronlob)

Opferständer vor der Barke der Mut
Vor der Barke der Mut befinden sich Opferständer, 
beladen mit Rinderschenkeln und Brot

(Bild: Elvira Kronlob)

Die Priester tragen sie zur Anlegestelle des Luxortempels, wo sie von Priesterinnen mit Menit und Sistrum, Lautenspielern, Trommlern und Standartenträgern jubelnd erwartet werden. Auf den Bildern sind auch die Streitwagen des König zu sehen, welche die Schiffe ebenso begleiten wie auf der Hinreise. 

Begleitet wird die Prozession von Musikanten und Standartenträgern.
(Bild: Elvira Kronlob)

Die tragbare Prozessionsbarke des Amun wurde abermals auf ihre Flussbarke namens "Userhat" verladen, um dort ihre Reise zurück in den Karnak-Tempel fortzusetzen. Die königliche tragbare Prozessionsbarke (nicht zu verwechseln mit der königlichen Flussbarke) besitzt kein eigenes Flussschiff, sondern reist zusammen mit dem König auf der Prunkbarke des Amun "Userhat".  

Die Flussbarke des Chons
Aus verstreuten Mauerfragmenten, welche in der näheren Umgebung der Kolonnade gefunden wurden, konnten Teile des Bildprogramms wiederhergestellt und ergänzt werden.
(Bildausschnitt: Elvira Kronlob - zur besseren Sichtbarkeit bearbeitet von Nefer)

Sowohl auf der Hinfahrt nach Luxor, wie auch auf der hier geschilderten Rückfahrt nach Karnak steht auf jeder der heiligen Flussbarken ein Kultbild von Amenophis III. hinter dem Schrein, in dem die jeweilige Prozessionsbarke steht. Vermutlich zeigen die Darstellungen eine Statue des Königs, die bei dem Fest mitgeführt wurden. In diesem wie auch in anderen Fällen handelt es sich um die Vorfahren, auf den sich die Legitimation des jeweiligen Herrschers stützt, in dessen Regierungszeit das dargestellte Opetfest fällt. (Quelle: Untersuchungen zu Kult und Funktion des Luxortempels, Teil 1/Wolfgang Waikus)

Auf den Darstellungen in der Kolonnade wird die Fluss-Barke "Userhat" von einem Fahrzeug mit 37 Ruderern an jeder Seite geschleppt, was einer Gesamtlänge von ungefähr 50 Metern entspricht. Die ganze Seite des Rumpfes ist mit verschiedenen Szenen ausgeschmückt, in denen Amun vom König gefeiert und bedient wird. Am Bug und am Heck befinden sich Widderköpfe auf ihren Lotoskapitellen. Hinter dem Heiligtum auf den Barken steht in ungewöhnlicher Größe der König, teils Weihrauchopfer darbringend, teils das Götterschiff paddelnd.

Die Flussbarke des Amun mit Namen "Userhat"
Auf der Prunkbarke befindet sich die tragbare Kultbarke des Amun und ein Kultbild des Königs Tutanchamun. Der mächtige Rumpf ist verziert mit Darstellungen 
des Amun-Re und des Königs.

Bildausschnitt: Ausschnitte aus Walther Wolf / Das schöne Fest von Opet / die Festzugsdarstellungen im Großen Säulengang von Luksor / 1931 Leipzig J. C. Hinrichts )

Nachdem die Prozession am Kai von Karnak angekommen war, bewegt sich die Prozession - die Götterbarken wurden wiederum von kahlköpfigen Priestern geschultert - durch ein Spalier von Stabstraußträgern und blumengeschmückten Opfertieren in Richtung des III. Pylon. Nachdem wiederum Opferungen und kultische Handlungen vollbracht wurden, die man in umfangreichen Listen an den Wänden aufführte, brachten die Priester die Götterbarken nach einer letzten rituellen Reinigung in ihre Sanktuare. Der König verlässt den Tempel von Karnak in Gegenwart der Götter Amun-Re und Mut. Dieses Szenario ist die letzte Darstellung im Zyklus des Opetfestes.

Die Kultbarke des Amun ruht im Sanktuar von Luxor auf ihrem Barkenschrein.
Der König vollzieht die rituellen Handlungen vor der Kultbarke.

Bildausschnitt: Walther Wolf / Das schöne Fest von Opet / die Festzugsdarstellungen im Großen Säulengang von Luksor / 1931 Leipzig J. C. Hinrichts )

 

Linke hintere Abschlusswand
- Große Kolonnade P&M 88 -

Auf der linken hinteren Abschluss-Wand der großen Kolonnade im Luxortempel ist der König (Tutanchamun usurpiert von Haremhab) Blumen opfernd vor den Göttern Amun-Re und Mut dargestellt.

König Tutanchamun vor den thronenden Göttern
Amun und Amunet. Er opfert ihnen ein Blumenbouquet.
(Bildausschnitt: Elvira Kronlob)

Die "Götterneunheit" ist hinter dem König in drei Registern dargestellt. Hier sieht man von links nach rechts die beiden thronenden Göttinnen Thenent und, Inyt (davor thront Sobek - nicht im Bild).
(Bildausschnitt: Elvira Kronlob)

 

Linkes vorderes Eingangstor
- Große Kolonnade P&M 87 -

 

Innenseite des vorderen Eingangstor
 zur Großen Kolonnade mit 3 Registern - ein weiteres  Register ganz oben ist verloren  / PM 87
(Bild: Elvira Kronlob)

Register I.1: Der König opfert Salbe vor Amun.
Teile der Darstellungen sind zu einem unbekannten Zeitpunkt ausgeschlagen. 
                                 (Bild:
Elvira Kronlob)

 

    Eingangstor der Kolonnade

 rechts neben den oberen Bildern

Auf den 1. Register, 2. Bild 
steht der König zwischen 2 Göttern, von denen nur noch der untere Teil zu sehen ist. Auch hier ist die rechte Götterfigur zerstört.

(P&M 87, 1. Reg. 2. Bild)

(Bild: Elvira Kronlob)

 

Eingangstor - Innenseite PM 87
II. Register, 1. Bild
- der König opfert Blumen vor Amun -
(Bild: Elvira Kronlob)

Eingangstor - Innenseite PM 87
III. Register, 1. Bild
- der König weihräuchert und libiert vor Amun -
(Bild: Elvira Kronlob)

 

Statuen in der Kolonnade

Zu dem Ausstattungsprogramm dieser Kolonnade gehören auch  Statuen, die den König und die Götter  darstellen. Drei kolossale Statuen aus der späten  18. Dynastie., welche für Ramses II. wiederbeschriftet wurden, befinden sich hinter dem Nordeingang zur Kolonnaden-Halle. Auf der Westseite des Nordeinganges befindet sich eine große Doppel-Sitzstatue des Gottes Amun und seiner Gattin Mut. 

Doppelsitzstatue P&M 73:

 

Gleich hinter dem Eingang steht rechts eine Doppelsitzstatue, welche das Götterpaar Amun und Mut darstellt.
Obwohl sie den Namen Ramses II. trägt, werden sie stilistisch der späten 18. Dynastie zugeordnet. (P&M 73)
(Bild: Elvira Kronlob)

Die große Statuengruppe auf der Westseite war in zwei Haupt-Teile entlang der mittleren Sektion von Amun und Mut zerbrochen. Bei der ersten Restaurierung um das Jahr 1928 war das Gesicht von Mut nicht mehr vorhanden und hinter den Ohren abgebrochen, nur der Rücken ihres Kopfes war noch intakt. 1995 wurde das Gesicht der Göttin im Ägyptischen Nationalmuseum in Kairo entdeckt und mit der Statuengruppe im Januar 1997 wiedervereinigt. Der Körper der Göttin ist sinnlich mit einem vollen Busen und breiten Hüften. Die Größe ihres Kopfes wie auch der von Amun, erscheint etwas übergroß für den Körper und gibt ihnen beiden einen jugendlichen Aspekt.

Rückseite der Statuengruppe PM 74 - Amun und Mut
(Bilder: Elvira Kronlob)

Die Außenseiten der beiden Götterthrone waren verziert mit dem Motive des smA  tA.wy (Vereinigung der beiden Länder). Diese ursprünglichen Darstellungen wurden gelöscht und für Ramses II. mit seinen Kartuschen und Ephithetas wiederbeschriftet. Die Vorderseite der Throne, welche den Namen des ursprünglichen Stifters zeigen, wurden ebenfalls gelöscht und für Ramses II. beschriftet.

Das zwischen den zwei Thronen befindliche Textfeld in versenktem Relief besteht aus zwei vertikalen Zeilen. Sie zeigen die Namen von Amun und Mut.

Offensichtlich ist diese Inschrift noch original, denn sie unterscheidet sich von den ramessidischen Inschriften durch ihren feineren Stil.

(Quelle: The Facade, Portals, Upper Register Scenes, Columms, Marginalia and Statuary in the Colonnade Hall / oi.uchicao.edu)

(Bild: Elvira Kronlob)

Auf der den Thronseiten der großen Doppelstatue steht:

Linke Thronseite der großen Statue:

"Der König von Ober- u. Unterägypten, Herr der beiden Länder, Ramesses-Meramun, Sohn des Re, Herr der glänzenden Erscheinungen, Ramesses-Meramun, dem Lebem gegebem wird wie Re. geliebt von Amun-Re-Horakhty, Herr des Himmels".

 

Rechte Thronseite der großen Statue:

"Der König von Ober- u. Unterägypten, Herr der beiden Länder, Ramesses-Meramun, Sohn des Re, Herr der glänzenden Erscheinungen, Ramesses-Meramun, dem Leben gegeben ist wie Re. geliebt von Mut, der Herrin von  Ascheru."

 

Sitzstatue eines Königs P&M 75:

Die Kolossal-Statue des sitzenden König ist an der Taille gebrochen, zudem sind beide Arme nicht mehr vorhanden, ebenso die rechte Schulter. Der Kopf ist gebrochen auf einer Linie von der rechten Schulter bis zu dem linken Ohr.  Das Gesicht nicht mehr vorhanden. Der Hinterkopf und ein Teil des Rückenpfeilers blieben erhalten und zeigen noch Reste des Nemeskopftuches. Zwei Fragmente der Statuen fanden sich unter den verstreuten Blöcken im Luxortempel. Es handelt sich um die untere Partie des Gesichtes mit Kinn und den linken Unterarm.

Große Sitzstatue eines Königs in der Luxor-Kolonnade
- Höhe mit Sockel: 3,55m; Basishöhe: 0,87 cm; Höhe des Thrones: 1,31 m -
- Angaben lt. Nelson No. LC 50 -
(die Torso- und Kopf-Fragmente wurden bei der Restaurierung der Statue bei der Jahrhundertwende wieder eingefügt)
(Bilder Links: Elvira Kronlob )

 

Statuengruppe östlichen Seite des Nordeinganges
Links die Königsstatue PM 75, 
daneben die Doppelstatue des Amun und seiner Gattin Mut.








(Bild:
Elvira Kronlob)

                 Sockel der Königsstatue (P&M 75)
Basisinschrift: Süd-Seite: 
"Nekhbet, Herrin von Unterägypten, die Leben und Herrschaft gibt, geliebt von Re, der Herr der beiden Länder, Usermaatre-Setepenre, der Herr der Erscheinungen, Ramesses-Meramun, beschenkt mit Leben wie Re."
Nord-Seite:
Wadjet, Herrin von Oberägypten, die Leben und Herrschaft gibt.
Horus, mächtiger Stier, Geliebter von Re, der Herr der zwei Länder, der Herr der strahlenden Erscheinungen, Ramesses-Meramun, gegeben Leben wie Re."

(Bild: Elvira Kronlob)

Doppelstatue Amun und Mut - P&M 74:

Die kleine Doppelstatue auf der Ostseite der Luxorkolonnade zeigt links den Gott Amun und daneben rechts dessen Gemahlin Mut, deren Körper größtenteils weggebrochen ist. Ebenso fehlte der Kopf Amuns bei der Entdeckung der Doppelstatue. Er wurde 1958 bei Ausgrabungen im Norden des Ramessidischen Pylon vom Luxor-Tempel in den Fundamenten einer Byzantinischen Kirche wiedergefunden. 

Der Körper des Gottes erscheint in einem idealisierten Stil, wohl proportioniert aber nicht muskulös, mit einem kleinen Kopf auf den breiten Schultern und einer hohen Brust, einer schmalen Taille und einer kleiner Wanst, die an den Hüften beginnt; Eigenschaften, welche auf die Post-Amarna Periode zutrifft. Amun und Mut sitzen nebeneinander auf einem Thron mit hoher Rückenlehne.  Die beiden Gottheiten halten das Ankh in ihren linken Händen und Amuns rechter Arm liegt flach auf dem Oberschenkel. Amun trägt den Sndwt-Schurz mit einem breiten Gürtel, auf dem ein geometrisches Muster eingeritzt ist.

Die rechte Hand der Göttin liegt auf Amuns Schultern. Sie trägt ein knöchellanges, eng anliegendes Gewand, welches jede Linie ihres graziösen Körpers nachzeichnet.

Gruppenstatue des Amun und der Mut in der Kolonnade des Luxortempels
(Bilder: Elvira Kronlob)

Weitere Fragmente, die zu dieser Statuengruppe gehören, befinden sich im Ägyptischen Museum Kairo und sind im Museum Catalogue General mit den Nummern CG 919A und B. Unter diesen Teilen befindet sich auch ein Kopf der Mut, der evtl. zu dieser Doppelstatue gehört.

Ein Gegenstück dieser Dyade könnte sich heute im Luxormuseum in Luxor befinden, nur mit vertauschten Plätzen. Diese Doppelstatuengruppe wurde 18989 in der Statuen-Cachette  des Luxortempels im Vorhof Amenophis III. gefunden. Bei der Entdeckung dieser Dyade bestand die Gruppe aus einem großen Block und 89 Bruchstücken von 2 cm bis zu 96,5 cm Größe. Aller Wahrscheinlichkeit standen sich die beiden Gruppen ursprünglich an einem Durchgang des Tempels gegenüber.

                          Doppelstatue Amun und Mut
                        P&M 74, Nelson number LC 49: 
                      Höhe des Amun (incl. Basis) 1,75m; 
Auf dem Basisblock zwischen den beiden Figuren befindet sich eine rechteckige Vertiefung, in die evtl. eine Statuette des Königs oder eine Figur des Chons, des dritten Mitglieds der thebanischen Triade, eingelassen wurde.
                       (Bild: Elvira Kronlob)

   Rückansicht der Doppelstatue PM 74 Inschrift: 
"Lebender Horus, mächtiger Stier, König von Ober- u. Unterägypten, Usermaatre-Setepenre, Sohn des Re, Ramesses-Meramun, dem Leben gegeben ist wie Re, ewiglich."

(Bild: Elvira Kronlob)

Auf der Rückenplatte befinden sich vier Inschriftenkolumnen mit je einem Kartuschenpaar aus Thron- und Geburtsnamen, gefolgt von Epitheton "dem Leben gegeben wird wie Re, ewiglich."

            Thronsesselinschrift des Amun - rechte Seite
               - in versenktem Relief eingraviert -
"König von Ober- und Unterägypten, User-Maat-Re setep-en-Re, Sohn des Re, Ramses-merj-Amun, dem Leben gegeben ist wie Re, geliebt von Amun-Re, dem Herrn des Himmels, dem Herrscher von Theben."
                            (Bild: Elvira Kronlob)                           
        Thronsesselinschrift der Mut - linke Seite
                 - in versenktem Relief eingraviert -
"König von Ober- und Unterägypten
User-Maat-Re setep-en-Re, Sohn des Re, Ramses-merj-Amun, dem Leben gegeben ist ewiglich, geliebt von Mut, der Herrin von Ascheru."
                       
  (Bild: Elvira Kronlob)

 

  Rechte vordere Seite des Thronsessel - des Amun
"Der König von Ober- u. Unterägypten, Herr der beiden Länder, Ramesses-Meramun, geliebt von Amun-Re"

(Bild Elvira Kronlob)

     Linke vordere Seite des Thronsitzes - der Mut
"Der Sohn des Re, von seinem eigenen Leib, Herr der Erscheinungen, Ramesses-Meramun, geliebt von Amun-Re"
(Bilds:
Elvira Kronlob)

Alle vorhandenen Statuen in der Großen Kolonnade weisen den "post-Amarna-Stil der ausgehenden 18. Dynastie" auf, welcher typisch war für die Zeit unter der Regierung von Tutanchamun, der für den größten Teil der Dekoration des Kolonnaden-Saales verantwortlich war, ebenso König Eje, welcher die Fassade der großen Kolonnade nach dem Tod von Tutanchamun vollendete und dessen Nachfolger Haremhab, der systematisch fast alle der Denkmäler beider Könige usurpierte.

Weil die Statuen in der Kolonnade wiederverwendet und die ursprünglichen Inschriften gelöscht wurden kann eine einwandfreie Zuordnung dieser Statuen an einen König nicht erfolgen. 


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