Biografie Chasechemui

König Chasechem(ui): - Frühzeit ( um 2740 v. Chr.) -
Horusname: xja - sxm / #a - sxm - hrw
             
Hor Cha-sechem (Erscheinung der Macht)
Grabanlage in Abydos:  V 

Bei der Grabanlage des Chasechemuis in Abydos, die heute den Buchstaben V trägt, handelt es sich um einen phantastischen Bau, der sich mit keinem der zeitgenössischen Gräber in Abydos oder in Saqqara vergleichen lässt. Dieses Großgrab weist eine deutlich veränderte Form auf und ist auch viel tiefer in den Boden gebaut als alle anderen königlichen Gräber hier in Abydos. Der in seinen Ausmaßen anfangs bescheidene Bau wurde in mehreren Bauetappen - es sind mindestens zwei nachgewiesen - zu einem langgestreckten Baukomplex mit unzähligen Magazinräumen auf 70 Meter Länge erweitert.

Das ca. 70 m lange Abydos-Grab König Chasechemui aus grob behauenen Kalksteinquadern mit unzähligen Magazinräumen.

Als Vorbild für die erste Baustufe des Grabes hat scheinbar der Grabbau des König Peribsen gedient, während für die zweite Erweiterungen durch zahlreiche Magazintrakte nach Norden und Süden erfolgte.

In der ersten Baustufe wurde eine zentrale Grabkammer mit einem südlichen Vorraum und einem nach Norden gelegenen hinteren Querraum zwischen Reihen aus fünf kleinen Magazinräumen auf jeder Seite, zu denen Korridore führten errichtet. Im Rahmen zweier oder dreier späteren Erweiterungen baute man im Süden und im Norden dreiundvierzig Kammern an (insgesamt besaß das Grab damit 56 Magazinräume). 

In der späteren Phase wurden dann Teile des ursprünglichen Baus abgetragen und vermutlich aus Sicherheitsgründen in 1,80 m Tiefe unter dem zentralen Raum eine mit Kalkstein ausgekleidete Grabkammer errichtet.

Grundriss Gesamtplan Grabanlage des Chasechemui ( Grab V) in Abydos.

Die Grundfläche der Grabkammer misst innen rund 5,25 / 5,26 m x 3,18 / 3,20 m ( 10 x 6 Ellen) und ihre Längsachse ist zur Achse der alten Kammer um etwa einen Meter nach Westen verschoben. 
Wände und Boden der Grabkammer bestehen erstmals vollständig aus grobbehauenen Kalksteinquadern, die aber sorgfältig in regelmäßigen Schichten verlegt wurden.

Kleine Kalksteinplatten, von denen einige lose im Inneren des Raumes gefunden wurden, dienten wahrscheinlich als Kammerdecke. Sie lagen wohl einst auf dem Dach eines in der Grabkammer befindlichen hölzernen Schreines auf und bildeten zugleich den Boden der höhergelegenen Vorratskammern. Nachdem man die steinerne Kammer nach der Bestattung verschlossen hatte, wurde ein Lehmfußboden  aufgebracht, der den Zugang unsichtbar machte. Alle übrigen Bauteile des Grabbaues bestehen aus Schlammziegeln.

Diese Grabkammer ist eines der ältesten Beispiele für einen regelmäßigen Steinbau in Ägypten und in der Welt überhaupt. Sie galt lange Zeit als das älteste erhaltene Beispiel der Steinmetzkunst. Ausgrabungen in Saqqara und Heluan haben aber gezeigt, dass schon unter der 1. Dynastie Stein als Baumaterial Verwendung fand. 

Aufgrund von Farbspuren und Abarbeitungen am Boden der Grabkammer ist davon auszugehen, dass sich hier ein 2,65m x 5,20m x 1,50m großer Holzschrein befand. Nahe der Königskammer entdeckten die Archäologen neben Bruchstücken von Einlagen aus Bein mit Nischendekor Fragmente von Fayence-Kacheln in Form des Djed-Pfeilers, wie sie in Nischendekor in ähnlicher Form auch aus den "Blauen Kammern" der Djoser-Pyramide bekannt sind. Nördlich der Grabkammer führt eine Tür zu drei Reihen von insgesamt 33 Vorratskammern für Opfergaben und Begräbnisgeräten.
Südlich der Grabkammer liegen weitere zehn Vorratskammern, je fünf an beiden Seiten eines Ganges angelegt.

Anscheinend sollte die Grabanlage noch weiter nach Süden ausgedehnt werden, was die erhebliche Ausdehnung der Grabgrube hier andeutet. Anscheinend wurde dieses aber durch den Tod des Königs verhindert. Zur Ausführung kamen wahrscheinlich nur noch die sich hier befindlichen vier schmalen Kammern.

In dieser Süderweiterung der Grabgrube, die wahrscheinlich für eine nochmalige Vergrößerung vorbereitet worden war, führte eine kleine Rampe in der Südwestecke bis auf das Geländeniveau nach oben.

Die Orientierung der Rampe scheint die Vorstellung von einem Ausfahrweg für den zu neuem Leben erwachten König auszudrücken, denn sie verläuft wie die Lücke zwischen den Nebengräberreihen der ersten Dynastie-Könige in Richtung des Wüstentales.

Aus der vergrößerten Anzahl der Magazine kann man schließen, dass in der Grabstätte eine riesige Menge Güter, vor allem Tausende Keramikgefäße mit Wein, Bier und Öl, Kupfer- und Steingefäße (einige mit Deckel aus Goldblech) Körbe und Kästen mit Brot sowie Fleisch, Obst und Gemüse eingelagert worden sein muss.

Als der französische Koptologe Edouard Amelineau im Jahre 1895 das Grab erstmals öffnete, berichtete er:

Zitat:
" Die Metallobjekte, die ich im ersten Teil des Monuments gefunden habe, sind zahlreich. Für diese ferne Zeit gibt es Bronzevasen in bedeutender Anzahl, Instrumente für Frieden wie für Krieg in beträchtlicher Anzahl und an einem einzeigen Tag habe ich 1200 kleinere Votivgaben aus Kupfer gefunden."

1900/01 untersuchte F. Petrie abermals das Grab, wobei er feststellte, dass die Grabausstattung mehr als 200 Steinvasen umfasste, von denen 6 Gefäße aus Dolomit und eines aus Karneol mit Goldfolienabdeckung versehen war. Diese Abdeckung besteht aus einem recht kräftigen Goldblatt, das sich den Rand des Gefäßes anpasst und unter dem Rand mit einem doppeltgedrehten Golddraht festgehalten wird, der mit einem Lehmklümpchen versiegelt war. Das Goldblatt ersetzte für den jenseitigen Gebrauch ein Stück Leinen, mit dem normalerweise die Salbentöpfe verschlossen werden und der Golddraht das einfache Band.

versiegelter Topf
aus Karneol und Gold
Höhe: 4,2cm - Dm: 6,5 cm
JE 34941 Kairo

versiegelter Topf
aus Dolomit und Gold
Höhe: 7,2 cm - Dm: 10,5 cm
JE 34942 Kairo

( Bildquelle: Offiz. Katalog: Das Ägyptische Museum Kairo, Philipp v. Zabern-Verlag Mainz 1986)

Fundort der beiden Töpfe: Abydos - Umn al-Qaab, Grabung von Petrie 1900-1901, Thinitenzeit.

Salbgefäß aus Brekzie /Dolomit 
mit Goldblechverschluss

Höhe 5,2 cm, Duchm. 9,5 cm
Brit. Museum London
Mit Goldblech verschlossen und mit Golddraht umwickelt und mit Tonsiegel

Es wurden ein Paar schlichte aus Goldblech getriebene innen hohle Armreifen gefunden. Weiterhin entdeckte man einen königlichen Würdenstab, vielleicht ein Zepter, das den Grabräubern entging. Es besteht aus Röhren von Sard, der schwarzen Variante des roten Karneols. Diese sind über einen kupfernen Stab gesteckt und nur mit goldenen Zwingen verbunden. Das eine erhaltene Ende ist mit einer Goldkappe verschlossen.

Des weiteren fanden sich Kupfergefäße, Feuersteine und Kupferwerkzeuge, Töpfereien und Korbgeflecht in den Magazinen. Im ganzen wurden über 2000 gesiegelte Verschlüsse von Tongefäßen und anderen Behältern im Grab gefunden. 

Auch die Fragmente eines königlichen Szepters, das den Räubern entgangen war, wurde entdeckt. Es besteht aus Röhren von Sard, der schwarzen Variante des roten Karneols, diese sind über einen kupfernen Stab gesteckt und mit goldenen Zwingen verbunden. Das eine erhaltene Ende ist mit einer Goldkappe verschlossen. Weiter fand sich ein von Grabräubern wohl völlig verdrückter goldener Gefäßdeckel und ein kleiner Randstreifen von einem mit Goldfäden durchwirktem Gewand. 

An Schmuck entdeckten man nur mehr ein Paar schlichte aus Goldblech getriebene Armreife, die innen hohl gearbeitet waren. Auf einer im Grab gefundenen Silbernadel fand sich überraschenderweise der Horusname des Hor Aha. Entweder handelt es sich dabei um ein 300 Jahre altes Erbstück oder die Nadel ist nur verworfen. 

Im Grab gefundene Silbernadel mit dem Horusnamen des Hor Aha.

In den Räumen östlich der Königskammer fanden sich die Reste zweier Skelette. Da es in der Anlage keine Nebengräber gibt, könnten diese Knochen eventuell aus dem ursprünglichen Begräbnis stammen.

Auf Siegelabrollungen im Grab Chasechemui wird das Lebensmittelmagazin pr.w  tSr  und der Weingarten von  grg.t  - nb.eti  genannt.

Siegelabrollungen aus dem Grab Chasechemui in Abydos

 

Zu einem möglichen Überbau des Grabes

Leider ist kein Rest des Überaus erhalten geblieben, doch anhand einiger Details lässt sich immerhin ein sehr großer Tumulus oder eine Mastaba oberhalb des Wüstenbodens rekonstruieren. 

Als Hinweis auf einen einst vorhandenen Oberbau dient der seltsame unregelmäßige und fehlerhaftwirkende Grundriss des Unterbaus. Während die nördlichen und die südlichen Kammern bis zu ihrer ursprünglichen Höhe von etwa 2,35m noch erhalten sind und keine Deformierung zeigen, weisen die Kammern im Mittelteil ein sehr unregelmäßiges Erscheinungsbild auf. Sie sind von etwa 2,30m Höhe auf 1,20m - 1,50m zusammengesunken. Ihre ursprüngliche Breite ist, wie die untersten Mauerwerkschichten anzeigen, teilweise bis auf das Doppelte angewachsen.

Sicherlich haben die Kammern dem enormen Druck auf das Dach nachgegeben und sich, wenn sie feucht waren, nach den Seiten hin verformt.

Der Grund für das "Auseinanderfließen" muss in einem zusätzlichen Druck auf den mittleren Kammern gesucht werden, der höchstwahrscheinlich von einer Anschüttung auf der bereits fünf Meter hohen Sandfüllung der Grabgrube verursacht wurde. Das Gewicht des Hügels mag vielleicht erst einige Zeit nach dem Bau der Grabstätte seine Wirkung getan haben, als - nach einem starken Regen - aufsteigende Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindrang. Welche Ausdehnung der Tumulus hatte, lässt sich anhand der beschriebenen Beobachtungen rekonstruieren. Man schätzt den Umfang des Bauwerks nach den Unterbau ab; er maß wohl etwa 68,97m in der Länge und zwischen 17,06m und 10,04m in der Breite.

Es ist anzunehmen, dass dieser Überbau nicht nur aus einer einfachen Sandschüttung mit Ziegelummantelung bestand, sondern vermutlich mit Kalksteinblöcken verkleidet war. Einige lose um den Grabbau aufgefundenen Kalksteinblöcke geben uns Hinweise darauf, dass sie auf die gleiche Art und Weise bearbeitet waren wie die Steinblöcke der Königskammer. Es ist sogar in einem Fall die gleichartige Steinmetzmarke erhalten. Es wurden auch Spuren von Gipsmörtel an ihnen gefunden, genau wie in der Königskammer. Es ist aber nicht glaubhaft, dass sie aufgrund der Stärke dieser Blöcke von 40cm zur Decke der Königskammer gehört haben.

Schnitt durch die Grabanlage Chasechemui mit vermutetem Oberbau

Das Grabmal wurde während des Mittleren Reiches restauriert.

Ab 1995 führte das DAIK unter G. Dreyer zusammen mit dem DFG eine Nachuntersuchung des Grabmals durch, die 2002 erfolgreich abgeschlossen wurde.

Dabei stieß man auf Gefäßverschlüsse mit Abrollungen von königlichen Siegeln König Djosers. Dies kann nur bedeuten das Djoser, Chasechemui bestattete.

Da nun feststeht, das das Grab Chasechemuis von Djoser beliefert und versiegelt wurde, ist  einwandfrei bewissen, dass Djoser der direkte Nachfolger von Chasechemui war und nicht 
Sanacht / Nebkare wie früher behauptet wurde. Daraus ergibt sich, dass der Übergang von Manethos 2. zu dessen 3. Dynastie ohne Bruch vor sich ging.

Djoser war demnach, falls er nicht der leibliche Sohn, so doch als Nachfolger der ideelle Sohn des Chasechemui.

Während der Vermessungsarbeiten des Gebiets von Araba el – Madfuna durch den Inspektor Rifat Farag im Februar 1977, wurden die Reste ramessidischer und koptischer Bauten untersucht, die ungefähr einen Kilometer südlich des Tempels Sethos I. liegen. Diese Bauten bestanden vorwiegend aus ungebrannten Lehmziegeln, es fanden sich aber auch eine große Anzahl von Spolien. Sie waren zum Teil in einem spätantiken Webereibetrieb verbaut , darunter befand sich auch die in zwei Stücke zerbrochene Granitstele des Königs Chasechemui, die nahezu sicher von seinem Grab in Umm el – Qaab stammen dürfte, beide Teile lagen Seite an Seite in einer Mauer verbaut.                                              
Die Stele besteht aus Rosengranit von Asswan und ist von professioneller Arbeit – Höhe 1,64m, Breite 0,53m, Dicke 34,5m.

Es hat den Anschein das diese zerbrochene Stele einmal als Gegengewicht einer Sakija diente, wegen der drei Löcher, die in sie gebohrt worden sind, drei in die Obere Hälfte und drei in die Untere Hälfte. Außerdem befand sich je ein Loch in der Seite.

In 2 Stücke zerfallene Stele aus Rosengranit von Asswan
- auffallend sind hier die drei Löcher -
- Vorder- und Rückseite -

Obwohl die Inschrift der Stele beschädigt ist, kann man doch noch lesen:

„ Hrw   Sth    #a - sxmwj   Htp  n  trwj   jm.f “.

Auf dem Serech sitzen Horus und Seth ( links Seth, rechts Horus) beide blicken  sich an. Vom Sethtier ist nur der Schwanz erhalten. Horus trägt die Doppelkrone als Symbol der Beiden Länder.

Diese Stele stand sicher ursprünglich am Grab des Königs in Umm el – Qaab. Es ist möglich, dass sie nahe des Eingangs im Norden stand. Traditionell müsste ein Gegenstück der Stele erwartet werden. Eine Verbindung dieser Stele mit dem sogenannten "Fort Shunet Ez – Zibib",  das Chasechemui zugeschrieben wird, ist eher unwahrscheinlich.

                                                          

zu den sogenannten Talbezirken

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