Regierungs- u. Familiendaten

Regierungsdaten: 1296/1292  - 1294/1290 v. Chr.
1292           - 1290          v. Chr.
(nach Beckerath)
Lexikon der Pharaonen
Dynastie: 19. Dynastie (Neues Reich)  
Vorgänger: Haremhab  
Vater: Suti / Setoy / Sutaja / Seti  
Mutter: unbekannt  
Geschwister: unbekannt  
Kinder: Sethos, Tia /Tuia u. Hentmire  
Ehefrauen: 1. Tia /Tuia evt. ident. mit Satra (nach Bietak)

Chronologie:

Beckerath:

Das Datum des Regierungsantritts Ramses I. ist unbekannt, doch muss es jedenfalls vor dem 20. Tag des 2. Monats der projet gelegen haben. Da dieser um 1300 v. Chr. in den Dezember fiel, haben wir für Ramses I. zwei julianische Jahre zu verrechnen.

errechnet auf den 28. 6. 1296 bis 28. 12.1292. 

Thronbesteigung I. / II. prt (?) 

Belegte Jahresangabe: Jahr 1 - 2
Gefäßaufschriften aus Deir el-Medine Jahr 1 und Jahr 2.

Belegt:                       10. Tag, I. smw, Jahr 1
Höchstes Datum:      20. II. peret. Jahr 2

Eine Mitregentschaft mit König Haremhab ist nach Beckerath sehr unwahrscheinlich, wegen der äußerst kurzen Regierungszeit Ramses I.

nach Manetho:

Josephus:                                 1 Jahr 4 Monate

Africanus:                                1 Jahr
______________________________________________________

Bei Eusebius fehlt er ganz.


Josephus.

" Sein Sohn Ramesses, 1 Jahr, 4 Monate.
Africanus: " Ramesses, 1 Jahr."

 

Namen von Ramses I.

Thronname

Mn - pHtj - Re
( Men-pehti - Re)
"Mit bleibender Kraft, ein Re"
"Ewig ist die Kraft, des Re"
Horusname kn wAD - nsyt "Mit gedeihlichem Königstum"
Goldhorus
name
smn - MAat - xt
 - tAwj
"Der die Macht in den beiden Ländern befestigt."
Nebtiname xaj m - nsw - mj - Jtm "Der als König erscheint wie Atum"
Eigenname

Privatname:

Ra - mjs - sw

PA - Re -ms - sw

Ramessu /Ramesse/Ramses

Paramessu / Paramses

 

 

Zum Königsnamen nach Dautzenberg ( GM 156 ):

Die Parallele von , dem Thronnamen Ramses I. zum Thronnamen Ahmoses I. ist so deutlich, dass die Aussage, es solle das Land praktisch von Grund auf neu gegründet und ein bedeutender Einschnitt in der Geschichte des Landes begonnen werden, auf der Hand liegt.

Zum Königsnamen nach Lexikon der Pharaonen:

Der Bezug auf König Ahmose, den Begründer des Neuen Reiches, im Thron und Horusnamen Ramses I. bezeugt das Bewußtsein, am Beginn einer neuen Epoche zu stehen.

Als Begründer der 19. Dynastie wird heute im allgemeinen ein Mann akzeptiert, der aus der Nordostseite des Deltas stammt. Sein Name lautete wohl ursprünglich Paramsse / Paramses / Pe - ra - mes - su ( PA - Ra - ms - sw). Spätestens bei seiner Thronbesteigung ließ er den bestimmten Artikel - P - (a) am Anfang seines Namens weg und ist  so als König Ramses I. (Ramesse) in die Geschichte eingegangen.

Über seine Identität, verwandtschaftliche Beziehungen und Werdegang ist in der Fachwelt viel diskutiert worden. Die wahrscheinlichste Interpret6ation der vermutlichen Denkmäler die Paramessu / Ramses vor seiner Thronbesteigung nennen, lassen folgende Schlüsse zu:

Die Familie Paramessus war wahrscheinlich in der Nordostecke des Deltas beheimatet - wegen seines Beamtengrabes bei Gurob im Fayum wurde von einigen Gelehrten diese Gegend als Heimat der Familie vorgeschlagen - weshalb zu vermuten ist, dass sie vielleicht nicht ganz rein ägyptischer Herkunft war. Sie könnte zu der Gruppe jener Semiten gehört haben, die bereits vor dem Eindringen der Hyksos im Ostdelta Fuß gefasst hatten. Dafür würde einmal der in der Familie beliebte Name  stXj  , der " zu Seth gehörige ", womit auf den Gebietsgott des Ostdeltas angespielt wird. Außerdem hatte PA - Ra - ms - sw als Wesir (?) zusammen mit seinem Sohn stXj feierlich das 400-Jahr-Jubiläum (siehe die sogen. 400-Jahr Stele) der Einführung des Seth-Kultes gefiert. Dieser Seth aber war, wie Darstellungen zeigen, ein semitischer Baal. Die Dynastie war sich also ihrer Herkunft wohl bewusst. (Jedoch ist im Zusammenhang mit der 400-Jahr-Stele die Nennung Paramessus in wissenschaftlichen Kreisen umstritten)

Der Vater Paramessus namens Suti / Setoy / Sutaja / Seti - griechisch: Sethos -  ( nach einer Stele in Chicago) hatte es bis zum gehobenen mittleren Rang eines Hauptmannes der Truppe gebracht. Der vermutlich um 1360 zurzeit von König  Amenophis III. geborene Paramessu schlug ebenfalls die militärische Laufbahn ein. Wie sein vater, war er zunächst "Hauptmann der Bogenschützen". Dann stieg er unter Haremhab, als dieser noch Generalissimus war, über die Stellung eines Festungskommandanten von Sile /Tjel (Sile war die wichtigste Stadt und Grenzfestung der Nordostgrenze des Deltas), zum Oberaufseher der Flussmündungen, Befehlshaber des Heeres des Herrn der beiden Länder sowie Gesandter des Königs auf. Schließlich erlangte er unter König Haremhab eine Spitzenstellung in der Militärhierarchie mit dem Amt eines "Vorstehers der Pferde", also Vorsteher der Streitwagentruppe. Paramessu bekleidete dann unter Haremhab auch hohe zivile Ämter, sowie zahlreiche Priesterämter.

Er ist:

Wesir von Ober- und Unterägypten,

Wedelträger zur Rechten des Königs

und schließlich unter Haremhab designierter Thronfolger, d. h. "Stellvertreter seiner Majestät in Ober- und Unterägypten"

"Erbprinz des ganzen Landes ( rp.at  m tA - r - Dr.f )

"Königssohn" ( SA - nswt )

"Oberster der Bogentruppen

"Herr der Wagenkämpfer"

"Herr der Festung"

"Reiter des Königs"

"Herr der Nilmündung"

"Vorsteher aller Fremdländer"

"Königlicher Schreiber"

"damit beauftragt, Bogenschützen zu rekrutieren",

"Herr des Flussvolkes in beiden Ländern"

"Herr der Propheten aller Götter"

"Leutnant von Ober- u. Unterägypten"

"Herr der Richter"

"Herr des königlichen Haushaltes"

"General" ( mr - msa)

Diese Entscheidung König Haremhabs kann nur damit begründet werden, dass der König offenbar keinen eigenen lebenden Sohn hatte, der die Nachfolge hätte antreten können. Deshalb, aber wohl erst in den letzten  Jahren seiner Herrschaft, wählte Haremhab seinen alten, verdienten Kameraden seiner militärischen Laufbahn, Paramessu, zu seinem Nachfolger aus.

Es verwundert nicht, dass Haremhab den wichtigsten Vertrauten aus dem Soldatenstand auswählte, aus dem er ja selbst hervorgegangen war. Paramessu war damals zwar auch schon betagt, aber er hatte, und das war vielleicht ausschlaggebend für die Entscheidung Haremhabs, einen äußerst tatkräftigen Sohn namens Sethos.

Gegen Ende der Herrschaft Haremhabs schrieb Paramessu / Ramses seinen Namen als Erbprinz bereits in eine Kartusche (siehe Miniaturobelisk mit der Titulatur von Haremhab und Ramses gemeinsam). Möglicherweise war also Ramses zu diesem Zeitpunkt Mitregent von Haremhab. Dies ist aber in der Wissenschaft umstritten ( dagegen Beckerath in HÄB 39).

Als König Haremhab starb, waren die Verhältnisse des Reiches geordnet und Ramses I. übernahm ein wohlgeordnetes und nach außen starkes Ägypten.

Als König ließ Pa-ra-mes-su das Pa in seinem Namen weg und nannte sich nur noch Ra-mes-su (auf griechisch: Rammesse, woraus dann im Deutschen "Ramses" wurde ) und nahm gewiss mit absichtlichen Anklang an den Begründer der 18. Dynastie den Thronnamen Men-pehti-re an. 

Nach seiner Thronbesteigung übernahm sein Sohn Sethos das Amt des Wesirs und alle sonstigen Ämter, die sein Vater vorher innehatte. Da der neue König bereits ziemlich alt war, dürfte die Last der Staatsgeschäfte wohl schon damals hauptsächlich auf den Schultern seines Sohnes, des zukünftigen Königs Sethos I. geruht haben.

Ramses I. war eine Regierungszeit von nicht einmal 2 Jahren beschieden - nach Manetho: 1 Jahr und 4 Monate. Wegen seiner äußerst kurzen Herrschaftsdauer besitzen wir nur sehr wenige Denkmäler, die seinen Namen tragen.

Auf einer aus Buhen stammenden Stele (heute Louvre C.57 ) nennt das Datum "20. Tag, 2 Monat der projet (Winterzeit), Jahr 2". Dies ist zugleich das höchste belegte Datum für Ramses I.

Die Stele verewigt eine Opferstiftung, die der König für den Tempel von Buhen (Nordtempel) aus der Beute eines Feldzuges, wohl in den Südpalästinischen Raum machte, den der Kronprinz Sethos im Namen seines Vaters geführt hatte. Der Name Sethos als König wurde dann nachträglich dieser Inschrift hinzugefügt. Eine zweite, ursprünglich wohl daneben aufgestellte Stele zeigt als Datum: "30. Tag, 4. Monat der Schomu (Sommerzeit), Jahr 1" , König Sethos." ( heute im Britischen Museum, 574 (1189) . Der Text dieser Stele beschreibt die gleiche Stiftung wie die Erste, jedoch diesmal unter dem Namen des neuen Königs Sethos I., der den Feldzug noch als Kronprinz durchgeführt hatte, nun aber König ist.

In Nubien war es zur Zeit Ramses I. ruhig, möglicherweise amtierte hier noch der von König Haremhab eingesetzte Pesiur als „ Vizekönig von Kusch “.

Wie groß das Territorium in Palästina und Syrien war, das unter Ramses I. von Ägypten beherrscht wurde, ist nicht genau bekannt. Zwar ist in Betschan, nicht weit vom See Genezareth, eine Grundsteinbeigabe aus Fayence mit der Kartusche Ramses I. gefunden worden, doch kann die auch erst nach der Rückeroberung des Ortes durch Sethos I. dorthin gebracht worden sein.

Die Präsenz auf dem Sinai ist durch zwei Stelen in Serabit el – Chadim bezeugt.  

In der Stele Ramses I. (heute Brüssel E. 2171) wird allgemein von der „ Neugründung der beiden Ufer “ und der Erneuerung von Verfallenem gesprochen. Damit könnte die neuerliche Entsendung von Steinbruchexpeditionen in den Sinai gemeint sein, die nach Amenophis III. zumindest nicht mehr durch datierte königliche Inschriften dokumentiert sind.
„ …. (4) (König), … der die Denkmäler erneuert, die verfallen waren, der den Namen (5)
seiner Mutter Hathor, Herrin des Türkises, erleuchtete, der einen Weg zu ihr machte, ohne dass er (früher) in den Herzen war … “

Die Bedeutung König Ramses I. liegt nicht in den Taten seiner ja nur kurzen Regierungszeit, sondern in der Tatsache, dass mit ihm eine neue Dynastie zur Macht gelangte, die kräftige Anstrengungen machte, das von ihren Vorfahren gegründete Reich wieder herzustellen und es vor Angriffen von außen zu bewahren.

  In Theben – West und in Deir el – Medina finden sich Belege für eine Verehrung Ramses I. als Ahnherrn unter der 19. und 20.Dynastie.

In Abydos blickt die Gedenkinschrift seines Sohnes Sethos I. aus der Ramses I. geweihten Kapelle zurück – Schilderung als Neubeginn und dem „ Übel “ der Amarna-Zeit.

Offensichtlich starb Ramses I. in der Zeit zwischen den beiden Datumsangaben der Stele. Dies würde ausgezeichnet mit der Angabe Manethos über die Regierungslänge Ramses I. übereinstimmen.

Baupolitik Ramses I.:

Für Ramses I. ist aus Ägypten eine gewisse Bau – und Kultpolitik bezeugt. 

Sile / Ostdelta:

Vielleicht stammt eine Schenkungsstele Ramses I. von hier.

Raum Memphis und Heliopolis:

Blöcke mit seinem Namen; Inschriftlich ist ein Gut und ein Kanal, die König Ramses I. anlegen ließ, bezeugt.

Abydos:

Bau eines kleinen Totentempels mit feinem Reliefschmuck – heute zum Teil im Metropolitan Museum New York.

Karnak:

Fortsetzung des Aufbaus des 2. Pylons und der großen hypostylen Halle (großer Säulensaal). Einige Reliefs mit seinem Namen finden sich am oder dicht beim 2. Pylon.

Eine Stiftung für den Tempel des Osiris Herrn – der Ewigkeit aus seinem Jahr 1.

Karnak 
Privatstatuen nach
ADAIK Band 18 / 1

Am 10. Pylon in Karnak fanden sich zwei Statuen des PA Ra.w msj sw in situ, die ihn als königlichen Schreiber im typischen Schreibersitz darstellen. Der halb aufgerollte Papyrus auf seinen Knien zählt all seine hohen Ämter auf. 

Beide Privatstatuen tragen den djw - m - Hs.wt - Vermerk königlichen Gnadenbeweis, sind also ein Geschenk des Herrschers. Beide Statuen fungieren am südlichen Tempeltor als Mittler zwischen Menschen und Göttern. Auf einer der Figuren berichtet PA Ra.w msj sw in seiner Biographie auch über seine Mitwirkung an den königlichen Bauprojekten ohne allerdings konkret zu werden. Er folgte seinem König nicht nur in die Fremdländer, sondern ist für die Überwachung der Bauarbeiten in Karnak – Tempel zuständig, denn dort war die Statue ja aufgestellt. 
…. (Name), indem er sprach: „ [ … ] ich war in seinem Gefolge in [den Fremdländern] (und) beim Herbeileiten die Denkmäler, die er gemacht hatte, zum pr seines Vaters Amun........ “

 

Wadi Halfa / Buhen-Nordtempel:

Nochmals zu den bereits oben erwähnten Stelen: Eine aus dem Jahr 2 stammende Stele (sie war den zentralen Kultweg flankierend in den westlichen Wandnischen des Hofes aufgestellt, also auf der Rückseite der Fassade) aus dem Nordtempel von Buhen berichtet über die Weihung eines Tempels für Anum – Min von Buhen.

„ Regierungsjahr 2, II. Peret, Tag 20 … Da suchte Seine Majestät, wobei [sein Herz] wachsam und ohne Ermüdung war, ein Denk[mal] / Dauerhaftes [für seinen Vater] Min – Amun, befindlich in Buhen, beim Machen für [ihn] eine Hw.t nTr wie den Himmelshorizont, [in der] Re [aufgeht] … “

Zu den Stiftungsgütern dieses Tempels gehören Kriegsgefangene die wohl aus dem südpalästinischen Raum stammen. Die Stele stand dort in einer Nische auf der linken Seite der Tür des Pylons des Tempels.
„ Jahr 2, 2 Monat der Winterzeit, Tag 20 “.

Der Text berichtet von der Erbauung eines Tempels und der Einrichtung neuer Opferstiftungen für Min–Amun von Buhen, darunter auch männliche und weibliche Sklaven, dazu heißt es im Text „ die Seine Majestät gefangen genommen hat “.

Es scheint so als wäre diese Stele erst von seinem Sohn und Nachfolger Sethos I. aufgestellt worden, denn ihr Text ist praktisch identisch mit einer weiteren Stele die gegenüber auf der rechten Seite der Tür des Pylons in einer Nische stand.

Diese Stele trägt als Datum „ Jahr 1, 4. Monat der Sommerzeit, 30 Tag “ der Regierung Sethos I.  Es hat daher den Anschein, dass beide Stelen etwa gleichzeitig errichtet wurden, dass also diese beiden Daten dicht beieinander lagen, höchstwahrscheinlich innerhalb des selben Kalenderjahres.

Somit starb König Ramses I. in seinem 2. Regierungsjahr. 

Königliche Familie Ramses I.:

Im Text der sogenannten 400Jahr-Stele Ramses II. wird die Mutter König Sethos I. als Tiu / Tia / Tuia bezeichnet. Aus anderen Quellen wissen wir aber, dass die Gemahlin Ramses I. den Namen Satra / Sitra / 
zAt - Ra / Sat - Ra hieß. Bietak hat jedoch zuerst darauf hingewiesen, dass Tui /Tia der Eigenname der Königsmutter und Satra der protokollarische Name dieser Dame gewesen sein könnte.
(Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass es sich um zwei Personen gehandelt hab. Dies ist jedoch meiner Meinung nach eher unwahrscheinlich.)

Tuia / Tia bzw. Sat-re war die Tochter eines hohen Offiziers. Sie schenkte Paramessu / Ramses einen  Sohn und zwei Töchter. Die beiden Mädchen trugen den Namen Tia / Tuia und Hentmire. Der Sohn erhielt wie üblich den Namen seines Großvaters: Sethos.

Ramses I. nahm den Brauch wieder auf, seine Gemahlin in den Stand einer "Gottesgemahlin des Amun" zu erheben. Ansonsten trug sie nur den einfachen Titel einer "Sängerin des Amun". Königin Satra wurde in QV 38 beigesetzt. Dieses Grab war eines der ersten Gräber hier im Tal der Königinnen. Das Grab blieb unvollendet. Es zeigt nur in der ersten Kammer spärliche Wandmalereien.

( Co - Autor: J. H. Pirzer )

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