Vorgänger Haremhab

Grab Ramses I. (KV 16)

Nachfolger Sethos I.

Regierungs- u. Familiendaten

Regierungsdaten: 1296/1292  - 1294/1290 v. Chr.
1292           - 1290          v. Chr.
(nach Beckerath)
Lexikon der Pharaonen
Dynastie: 19. Dynastie (Neues Reich)  
Vorgänger: Haremhab  
Vater: Suti / Setoy / Sutaja / Seti (evtl. Stele aus Chicago)
Mutter: unbekannt  
Geschwister: unbekannt  
Kinder: Sethos, Tia /Tuia u. Hentmire  
Ehefrauen: 1. Tia /Tuia evt. ident. mit Satra (nach Bietak)

Als Begründer der 19. Dynastie wird heute im allgemeinen ein Mann akzeptiert, der aus der Nordostseite des Deltas stammt. Sein Name lautete wohl ursprünglich Paramesse / Pa-ra-mes-su (PA-Ra-ms-sw). Spätestens bei seiner Thronbesteigung ließ er den bestimmten Artikel - P - (a) am Anfang seines Namens weg und ist wohl als König Ramses I. (Ramessu/Rameses) in die Geschichte eingegangen.

Über seine Identität, verwandtschaftliche Beziehungen und Werdegang ist in der Fachwelt viel diskutiert worden. Die wahrscheinlichste Interpretation der vermutlichen Denkmäler die Paramessu /Ramses vor seiner Thronbesteigung nennen, lassen folgende Schlüsse zu: 

Die Familie Paramessus war wahrscheinlich in der Nordostecke des Deltas beheimatet  – wegen seines Beamtengrabes bei Gurob im Fayum wurde von einigen Gelehrten diese Gegend als Heimat der Familie Paramessus vorgeschlagen  -  weshalb zu vermuten ist, dass sie vielleicht nicht ganz rein ägyptischer Herkunft war. Sie könnte zu der Gruppe jener Semiten gehört haben, die bereits vor dem Eindringen der Hyksos im Ostdelta Fuß gefasst hatten. 

Dafür würde einmal der in der Familie beliebte Name Seti/StXj, der „zu Seth gehörige“ passen, womit auf den Gebietsgott des Ostdeltas angespielt wird; außerdem hatte PA-Ra-ms-sw als evtl. Wesir zusammen mit seinem Sohn Sethi /Sethos StXj feierlich das 400–Jahr–Jubiläum (siehe sog. 400–Jahr Stele) der Einführung des Seth–Kultes vor Ort gefeiert; dieser Seth aber war, wie Darstellungen zeigen, der semitischer "Baal". Die Dynastie war sich also ihrer Herkunft wohl bewusst. (Anmerkung von Nefershapiland: Die Nennung im Zusammenhang mit der 400 – Jahr – Stele ist in wissenschaftlichen Kreisen jedoch umstritten).- Der Vater Paramessus namens Suti / Setoy / Sutaja / Seti = griechisch Sethos (nach einer Stele in Chicago - umstritten, denn der Name Ramses I. erscheint hier lt. Schneider (Lexikon der Pharaonen) mit zusätzlichem Artikel als Pareamessu) hatte es bis zum gehobenen mittleren Rang eines Hauptmanns der Truppe gebracht. 

 

Paramessu als Beamter:

Der vermutlich um 1360 (zur Zeit König Amenophis III.) geborene Paramessu schlug ebenfalls die militärische Laufbahn ein. Wie sein Vater war er zunächst Hauptmann der Bogenschützen, dann unter Haremhab - als dieser noch Generalissimus war - stieg er über die Stellung eines Festungskommandanten von Sile/ Tjel (Sile war die wichtigste Stadt und Grenzfestung der Nordostgrenze des Deltas), Oberaufseher der Flussmündungen, Befehlshaber des Heeres des Herrn der beiden Länder sowie Gesandter des Königs auf.  

Schließlich  erlangte er unter König Haremhab eine Spitzenstellung in der Militärhierarchie mit dem Amt eines „Vorstehers der Pferde“, also Vorsteher der Streitwagentruppe.

Paramessu bekleidete unter der Regierung von Haremhab auch hohe zivile Ämter, sowie zahlreiche Priesterämter.

  1. Er war Wesir von Ober– und Unterägypten, 

  2. Wedelträger zur Rechten des Königs, 

  3. und wird schließlich von Haremhab zum designierten Thronfolger „Stellvertreter seiner Majestät in Ober– und Unterägypten“,

  4.  „Erbprinz" ( Iripat / rp.at )

  5. und „Königsohn“ ernannt.

Diese Entscheidung König Haremhabs, kann nur damit begründet werden, dass der König offenbar keinen eigenen lebenden Sohn hatte, der die Nachfolge hätte antreten können. Deshalb, aber wohl erst in den letzten Jahren seiner Herrschaft, wählte Haremhab seinen alten verdienten Kameraden seiner militärischen Laufbahn, Paramessu zu seinem Nachfolger aus. Es verwundert nicht, dass Haremhab den wichtigsten Vertrauten aus dem Soldatenstand auswählte, aus dem er ja selbst hervorgegangen war. Paramessu war damals zwar auch schon betagt, aber er hatte - und das war vielleicht ausschlaggebend für die Entscheidung Haremhab - einen äußerst tatkräftigen Sohn namens Sethos.

Gegen Ende der Herrschaft Haremhabs schrieb Paramessu / Ramses seinen Namen als Erbprinz bereits in eine Kartusche (siehe Miniaturobelisk Nationalmuseum Kopenhagen mit den Titulaturen von Haremhab und Ramses gemeinsam). Möglicherweise war also Ramses zu diesem Zeitpunkt Mitregent Haremhabs, dies ist aber in der Wissenschaft umstritten (dagegen Beckerath in HÄB 39). 

Als König Haremhab starb, waren die Verhältnisse des Reiches geordnet und Ramses I. übernahm ein wohlgeordnetes und nach außen starkes Ägypten.

Militär- und Beamtentitel Paramessu`s

zA-nswt Königssohn
mr-msa General
rpat m tA-r-Dr.f Erbprinz des ganzen Landes
§3tj Wesir 
  Stellvertreter Seiner Majestät im Süden und im Norden 
  Vorsteher aller Fremdländer
Sš-nsw Königlicher Schreiber
  Oberster aller Bogentruppen
  Herr der Wagenkämpfer
  Herr der Festung
  Reiter des Königs
  Herr der Nilmündung
  Herr des Flussvolkes in beiden Ländern, 
  Beauftragter zur Rekrutierung von Bogenschützen
§3.y-xw-Hr-wnm.j-nsw Wedelträger zur Rechten des Königs
  Herr der Propheten aller Götter,
  Leutnant von Ober– und Unterägypten
  Aufseher der Schatzkammer
  Richter und Herr der Richter
  Herr des königlichen Haushalts
  Prophet der Maat 

 

Statuen des Paramessu:

Zwei nahezu identische Schreiberstatuen des Paramessu wurden zusammen mit zwei Schreiberfiguren des Amenophis, Sohn des Hapu vor dem 10. Pylon in Karnak gefunden.  

     Schreiberstatue des Paramessu

Als Wesir unter König Haremhab trägt  Paramessu das charakteristische bis zu den Achseln hochgezogene Gewand, das von zwei kurzen Trägern gehalten wird, die im Nacken einen Verschluss haben. Die Beine sind vollständig in das Gewand eingehüllt, eine Darstellungsweise, die für Schreiberfiguren schon aus dem Mittleren Reich bekannt ist.

Als Wesir unter König Haremhab trägt  Paramessu das charakteristische bis zu den Achseln hochgezogene Gewand, das von zwei kurzen Trägern gehalten wird, die im Nacken einen Verschluss haben. Die Beine sind vollständig in das Gewand eingehüllt, eine Darstellungsweise, die für Schreiberfiguren schon aus dem Mittleren Reich bekannt ist.

Bild:        Paramessu - Museum Kairo
Urheber:
John Campana
Lizenz:     CC BY NC 2.0

Als Wesir unter König Haremhab trägt  Paramessu das charakteristische bis zu den Achseln hochgezogene Gewand, das von zwei kurzen Trägern gehalten wird, die im Nacken einen Verschluss haben. Die Beine sind vollständig in das Gewand eingehüllt, eine Darstellungsweise, die für Schreiberfiguren schon aus dem Mittleren Reich bekannt ist.

Mit der linken Hand fasst er das Schreibgerät, in der weggebrochenen rechten Hand hielt er eine Binse. Auf der rechten Schulter ist die Kartusche seines Königs Haremhab eingraviert. Die Inschrift auf dem Sockel richtet sich an die Tempelbesucher, bitten diese um Opfergaben für den "Ka" des Verstorbenen und sichern ihnen dafür dessen Fürsprache bei Amun zu.

In der besonderen Gestalt der zweiteiligen Perücke zeigt sich ein deutlicher Rückgriff auf die Zeit König Amenophis III., der auch in der stilistischen Ausprägung des Gesichts unverkennbar ist; dennoch steht das Bildnis in der Tradition von Amarna (nach Propyläen Kunstgeschichte – Band 15).

Zwei Statuen des Paramessu, als Schreiber (links)
aus dem Tempelbezirk zu Karnak, 

Kairo JdE 44863 und 44864
-
grauer Granit - Höhe 1,20m -

(Bild:
LEGRAIN Georges (Remarques sur les statues de Paramessou Fils de Sethi, ASAE)

Statue des Paramessu als Schreiber
- heute in Kairo JdE 44863 -


(Bild PKG 15)

 

Der Stiftungsvermerk (Gunstvermerk), dass der König die Statuen für den Tempel stiftete, befindet sich auf der rechten Schulter:   
"Dj.w m Hs.wt jn.t xr nswt"

Beide Statuen fungierten am südlichen Tempeltor als Mittler zwischen Menschen und Göttern. Auf einer der Figuren berichtet der Beamte Paramessu in seiner Biographie auch über seine Mitwirkung an den königlichen Bauprojekten, ohne allerdings konkret zu werden. Er folgte seinem König nicht nur in die Fremdländer, sondern ist für die Überwachung der Bauarbeiten im Karnak–Tempel zuständig. 

Pr/18D/Bio 015: 
„ ……… PN, indem er sprach: [ … ] ich war in seinem Gefolge in [den Fremdländern] (und) beim Herbeileiten die Denkmäler, die er gemacht hatte, zum pr seines Vaters Amun

 

Text der beiden Statuen des PARamccw nach Helck Urk. IV, 2175 – 2176
Statue A.
2175  "Gegeben als
Gunstbeweis beim König für den Obersten, Vorsteher der Pferde, Vorsteher der Festungen und Vorsteher der Mündungen, Fahrer Seiner Majestät, Gesandter des Königs in allen Fremdländern, königlicher Schreiber und Abteilungskommandant, General des Herrn der beiden Länder, Vorsteher der Propheten aller Götter, Stellvertreter Seiner Majestät in Ober– und Unterägypten; Oberrichter, Mund von Hierakonpolis, Prophet der Wahrheit, Regent, Stadtvorsteher und Wesir, Vorsteher der großen Häuser Pa–Ra–me – su; er sagt:
[ ………………………… ] dein [ ………..............………. ], als ich ihn in den Fremdländern begleitete und Monumente leitete, die er für den Amuntempel errichtet hat."

Auf dem Sockel:
2176  „Er sagt:  Ihr Propheten des Amuntempels, ihr Beamte des Königshauses und alle, die kommen, um den Herrn von Theben zu begleiten und seinem Ka Verehrung zu zollen, sagt doch mir das Opfergebet und streckt mir eure Hand aus und spendet mir Wasser auf den Boden. Dann soll man euch das Gleiche tun nach dem Alter! Für den Ka des Regenten im ganzen Lande, Stadtvorstehers und Wesirs PARamccw, des Gerechtfertigten, gezeugt vom Herrn Obersten %tXj, dem Gerechtfertigten."

Statue B:  
Auf dem Papyrus:
„Gegeben als ein Gunstbeweis beim König [für den Obersten und Vorsteher der Pf]erde, Vorsteher der Festungen [und Vorsteher der Mündungen, Fahrer Seiner Majesät,] Bote [des Königs] in allen Fremdländern [ …….....

Auf dem Sockel:
„Er sagt:  Du heiliger Gott, Herr von Karn[ak, ……………….………. , König] der Götter [ ……………….. ] bei seinem Schutz, [veranlasse], dass er atme den Hauch, den er gibt, für den [Ka] des rpa.t  Hat ja , [Mundes, der das] ganze [Land zufrieden stellt, ………….…. ], Wedelträger zur Rechten des Königs, Stadtvorsteher und Wesir PARamccw. “

Im Museum of Fine Art in Boston befindet sich der Porträtkopf, wahrscheinlich von einer Schreiberstatue des Wesirs Paramessu.

Museum of Fine Art in Boston 2003. 1. 5 
– Geschenk von Mrs. R. Saltonstall
-

 

 

 

 

Bild:    StatueHeadOfRaramessu-RamssesIMFABost.
Autor   Keith Schengili-Roberts
Lizenz:
CC BY-SA 2

….

Ramses I. / Paramessu als König  

 

Zum Königsnamen nach Dautzenberg ( GM 156 ):

Die Parallele von , dem Thronnamen Ramses I. zum Thronnamen Ahmoses I. ist so deutlich, dass die Aussage, es solle das Land praktisch von Grund auf neu gegründet und ein bedeutender Einschnitt in der Geschichte des Landes begonnen werden, auf der Hand liegt.

Zum Königsnamen nach Lexikon der Pharaonen:

Der Bezug auf König Ahmose, den Begründer des Neuen Reiches, im Thron und Horusnamen Ramses I. bezeugt das Bewußtsein, am Beginn einer neuen Epoche zu stehen.

 

Namen von Ramses I.

Thronname

Mn-pHtj-Re
( Men-pehti- Re)
"Mit bleibender Kraft, ein Re"
"Ewig ist die Kraft, des Re"
Horusname kn wAD-nsyt "Mit gedeihlichem Königstum"
Goldhorus
name
smn-MAat-xt-tAwj "Der die Macht in den beiden Ländern befestigt."
Nebtiname xaj m-nsw-mj-Jtm "Der als König erscheint wie Atum"
Eigenname

Privatname:

Ra-mjs-sw

PA-Re-ms-sw

Ramessu /Ramesse/Ramses

Paramessu / Paramses

 

 

Innen- und Außenpolitik

Als König ließ Pa–ra–mes-su das Pa in seinem Namen weg, und nannte sich nun mehr Ra-mes–su (auf griechisch Rammesse, woraus im Deutschen „Ramses“ wurde) und nahm, gewiss mit absichtlichen Anklang an den Begründer der 18. Dynastie, den Thronnamen Men–pehti–re an.

Nach seiner Thronbesteigung übernahm sein Sohn Sethos das Amt des Wesirs und alle sonstigen Ämter, die sein Vater vorher innehatte. Da der neue König bereits ziemlich alt war - vermutlich bereits Mitte sechzig - dürfte die Last der Staatsgeschäfte wohl schon damals hauptsächlich auf den Schultern seines Sohnes. des zukünftigen Sethos I. geruht haben. Dieser muß zu diesem Zeitpunkt jedoch auch schon in den vierziger gewesen sein.

Ramses I. war eine Regierungszeit von nicht einmal 2 Jahren beschieden – nach Manetho 1 Jahr und 4 Monate.
Wegen seiner äußerst kurzen Herrschaftsdauer besitzen wir nur sehr wenige Denkmäler, die seinen Namen tragen.
Auf einer aus Buhen stammenden Stele (heute Louvre  C. 75) nennt das Datum „20 Tag, 2 Monat der projet (Winterzeit), Jahr 2“. Dieses ist zugleich das höchste belegte Datum für Ramses I.

Die Stele verewigt eine Opferstiftung, die der König für den Tempel von Buhen (Nordtempel) aus der Beute eines Feldzuges, wohl in den südpalästinischen Raum, machte, welchen der Kronprinz Sethos im Namen seines Vaters geführt hatte. Der Namen Sethos als König wurde dann nachträglich dieser Inschrift hinzugefügt. Eine zweite, ursprünglich wohl daneben aufgestellte Stele zeigt als Datum „30 Tag, 4 Monat der Schomu (Sommerzeit), Jahr 1 “König Sethos I. (heute im Britischen Museum, 574 (1189).  Der Text dieser Stele beschreibt die gleiche Stiftung wie die Erste, jedoch diesmal unter dem Namen des neuen Königs Sethos I., der den Feldzug noch als Kronprinz durchgeführt hatte, nun aber König ist. Offensichtlich starb Ramses I. in der Zeit zwischen den beiden Datumsangaben der Stelen, dies würde ausgezeichnet mit der Angabe bei Manetho über die Regierungslänge Ramses I. übereinstimmen.

In Nubien war es zur Zeit Ramses I. ruhig, möglicherweise amtierte hier noch der von König Haremhab eingesetzte Beamte Pesiur als „Vizekönig von Kusch“.

Wie groß das Territorium in Palästina und Syrien war, das unter Ramses I. von Ägypten beherrscht wurde, ist nicht genau bekannt. Zwar ist in Betschan, nicht weit vom See Genezareth, eine Grundsteinbeigabe aus Fayence mit der Kartusche Ramses I. gefunden worden, doch kann diese auch erst nach der Rückeroberung des Ortes durch Sethos I. dorthin gebracht worden sein.

Die Präsenz auf dem Sinai ist durch zwei Stelen in Serabit el–Chadim bezeugt.  

In der Stele Ramses I. (heute Brüssel E. 2171) wird allgemein von der „Neugründung der beiden Ufer“ und der Erneuerung von Verfallenem gesprochen. Damit könnte die neuerliche Entsendung von Steinbruchexpeditionen in den Sinai gemeint sein, die nach Amenophis III. zumindest nicht mehr durch datierte königliche Inschriften dokumentiert sind.

„ …. (4) (König), … der die Denkmäler erneuert, die verfallen waren, der den Namen (5) seiner Mutter Hathor, Herrin des Türkises, erleuchtete, der einen Weg zu ihr machte, ohne dass er (früher) in den Herzen war … “

Die Bedeutung König Ramses I. liegt nicht in den Taten seiner ja nur kurzen Regierungszeit, sondern in der Tatsache, dass mit ihm eine neue Dynastie zur Macht gelangte, die kräftige Anstrengungen machte, das von ihren Vorfahren gegründete Reich wieder herzustellen und es vor Angriffen von außen zu bewahren. In Theben–West und in Deir el– Medina finden sich Belege für eine Verehrung Ramses I. als Ahnherrn unter der 19. und 20.Dynastie.

In Abydos blickt die Gedenkinschrift seines Sohnes Sethos I. aus der Ramses I. geweihten Kapelle zurück – Schilderung als Neubeginn und dem „Übel“ der Amarnazeit.

Chronologie:  

Das Datum des Regierungsantritts Ramses I. ist unbekannt, doch muss es nach Jürgen v. Beckerath jedenfalls vor dem 20. Tag des 2. Monats der projet gelegen haben. Da dieser um 1300 v. Chr. in den Dezember fiel, haben wir für Ramses I. zwei julianische Jahre zu verrechnen.

errechnet auf den 28. 6. 1296 bis 28. 12.1292. 

Thronbesteigung I. / II. prt (?)

Belegte Jahresangabe: Jahr 1 - 2
Gefäßaufschriften aus Deir el-Medine Jahr 1 und Jahr 2.

Belegt:                       10. Tag, I. smw, Jahr 1
Höchstes Datum:      20. II. peret. Jahr 2

nach Manetho:

Josephus:                                 1 Jahr 4 Monate

Africanus:                                1 Jahr
_________________________________________________________________

Bei Eusebius fehlt er ganz.


Josephus.

" Sein Sohn Ramesses, 1 Jahr, 4 Monate.
Africanus: " Ramesses, 1 Jahr."

Eine Mitregentschaft mit König Haremhab ist nach Beckerath sehr unwahrscheinlich, wegen der äußerst kurzen Regierungszeit Ramses I.

Familie:

Im Text der sog. 400–Jahrstele Ramses II. wird die Mutter König Sethos I. als Tiu / Tia / Tuia bezeichnet. Aus anderen Quellen wissen wir aber, dass die Gemahlin Ramses I. den Namen Satra / Sitra / zAt-Ra / Sat–Ra  hieß. Prof. Manfred Bietak (Prof. der Ägyptologie Uni Wien) hat jedoch zuerst darauf hingewiesen, dass Tui /Tia der Eigenname der Königsmutter und Satra der protokollarische Name dieser Dame gewesen sein könnte. (Anmerkung von Nefershapiland: Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass es sich um zwei Personen gehandelt hat, dies ist jedoch unserer Meinung nach eher unwahrscheinlich)

Tuia /Tia bzw. Satre war die Tochter eines hohen Offiziers und schenkte Paramessu / Ramses einen Sohn und zwei Töchter. Die beiden Mädchen trugen die Namen Tia / Tuia und Hentmire, der Sohn erhielt wie üblich den Namen seines Großvaters Sethos. Ramses I. nahm den Brauch wieder auf, seine Gemahlin in den Stand einer „Gottesgemahlin des Amun“ zu erheben. Ansonsten trug sie nur den einfachen Titel einer „ Sängerin des Amun “. Königin Satra wurde in QV 38 beigesetzt. Dieses Grab war eines der ersten Gräber hier im Tal der Königinnen. Das Grab blieb unvollendet und es zeigt nur in der ersten Kammer spärliche Wandmalereien. 

Sety (A) / Seti / Suti 
-
griech. Sethos -

 - Vater von König Ramses I. 
 
Titel:     "Truppenkommandant"
Grab:    unbekannt
Vater:     unbekannt
Mutter:   unbekannt
Kinder:    Paramessu
Belege und Funde:
(nach einer Stele in Chicago - umstritten)
Quellen:  Complete Royal Families / Lexikon der Pharaonen

 

Sitre (A) / Satre

 - Gemahlin von Ramses I. -
 - Mutter von König Sethos I. - 
 
Titel:   Hmt nTr n Imn („Gottesgemahlin des Amun“)
           
Hmtnsw wrt (“Große Königsgemahlin")
           
nbt Awy („Herrin der Beiden Länder")
            mwtnsw („Königsmutter“)
           
Hnwt  ^maw &AmHw („Herrin von Ober– und
         Unterägypten") 
Grab:    QV 38 unvollendet  /  Hauptwadi, Südhang
Vater:    unbekannt
Mutter:  unbekannt
Kinder:   Sethos I. 
Belege und Funde - Anmerkungen
E. Thomas ist der Meinung, dass Königin Satra, die im Tal der Königinnen in QV 38 bestattet war,  wohl nicht die Gemahlin Ramses I. war, sondern eher nach dem Stil der Dekoration ihres Grabes eine Königin Ramses III. gewesen sei.
Quellen:  Complete Royal Families

Sethi / Sethos

 - Sohn von Ramses I. -
    (späterer König Sethos I.)
"Seti, geliebt von Ptah"
Thronname: Mn-m3’t-R’ (Men-maat-Re)
Titel:   Hohepriester des Seth
            Oberkommandierender des Heeres
Grab:    KV 17 (Tal der Könige)
Vater:    Ramses I.
Mutter:  Sitre
Ehefrau: Tuja
Kinder:   Nebchasetnebet (lt. Schneider), Ramses II., Tia
Belege und Funde - Anmerkungen
Stele in Buhen und Briefe aus Abdchibas  und Rib-Addis
Quellen:  Complete Royal Families, Lexik. der Pharaonen

 

Bauten: 

In Ägypten ist eine Bau- und Kultpolitik des Königs bezeugt in Karnak, Memphis und Heliopolis (Blöcke, sowie vielleicht Sile. Für die Präsenz auf dem Sinai zeugen zwei Stelen aus Serabit el-Chadim. Der Kronprinz Sethos (spätere Sethos I.) unternimmt eine Razzia in den südpalästinischen Raum; Kriegsgefangene gehören zu den Stiftungsgütern des Tempels in Buhen.

Sile / Ostdelta:

Vielleicht stammt eine Schenkungsstele Ramses I. von hier.

Raum Memphis und Heliopolis :

Blöcke mit seinem Namen; inschriftlich ist ein Gut und ein Kanal bezeugt, die von  König Ramses I. angelegt wurden.

Im Museum von Kopenhagen befindet sich ein interessantes Architekturteil, das die Namen von König Ramses I. und Ramses IX. zeigt, es handelt sich um das Bruchstück eines Obelisken.  

Stele Kopenhagen

Objekt:    Bruchstück eines kl. Obelisken
Material: grauer Granit
Maße:      die Höhe des gesamten Obelisken dürfte nur
                  wenige Meter betragen haben.
heute in:    Nationalmuseum Kopenhagen

Es handelt um das Bruchstück eines kleinen Obelisken den König Ramses I. wahrscheinlich in einem Tempel in Heliopolis aufstellen ließ. 

Auf drei Seiten haben sich Hieroglypheninschriften (oder zumindest Reste davon bewahrt). Es handelt sich jeweils um drei senkrechte Textkolumnen, von denen aber nur die mittlere original von Ramses I. stammt. 

 

         (Bilder: mit frdl. Genehmigung Saamunra)

Seite A:
Alle drei Textkolumnen beginnen jeweils mit dem Horusnamen der Könige.
Links und rechts der von König Ramses IX.   (kn  xa j-m-W3st  / Cha `emwese ) ,
in der Mitte den von Ramses I.  (kn wADnsyt)

Darunter folgt jeweils der Titel „König von Ober– und Unterägypten, Herr der beiden Länder “.
Unter dem Königstitel folgt jeweils der Thronname, links und rechts der von Ramses IX. -  (Nfr-k3- stp-nRa)|  -  in der Mitte der von Ramses I. – (HqApHtjRa)|.

Auf den Thronnamen folgt dann jeweils der Titel „Sohn des Re“. In der linken und rechten Kolumne (Ramses IX.) folgt auf „Sohn des Re“ jeweils der Titel „Herr der Kronen“.

In der mittleren Kolumne bei Ramses I. folgt auf den Titel „Sohn des Re“ eine kurze Textpassage. Die ganze Kolumne für Ramses I. lautete wohl:

„ [Horus, starker Stier], mit gedeihlichem Königtum ; König von Ober - und Unterägypten,
Herr der beiden Länder (Menpehtyre)|, Sohn des Re, befindlich auf seinem Thron. Der Versorger dessen „Der in Heliopolis ist“, machend Denk[mäler ……………..……. ] “

In der rechten  wie in der linken Kolumne folgt auf den Titel „Herr der Kronen" der Geburtsname Ramses IX.  - 
(
Ra-msj-sw ha j-(m)-W3st mrrJmn)|, dann folgen die Hieroglyphenzeichen für „Die beiden Herrinnen“, der Rest ist verloren. 

Die ganze Kolumne lautete wohl: 

„ [Horus, starker Stier], Cha `emwese, König von Ober– und Unterägypten, der Herr der beiden Länder (Neferkare  setpenre)|, der Sohn des Re, der Herr der Kronen (Ra–mes–su  Cha–em– weset  merer–amun)|, die beiden Herrinnen [ ………………….………….. ] “
Seite B:   (gegenüberliegend von Seite A)
Wie Seite A zeigt auch Seite B drei senkrechte Inschriftenkolumnen. Auch sie beginnen mit dem Horusnamen der Könige. Die linke und rechte Kolumne lautet:

„ [Horus, starker Stier], Cha `emwese, König von Ober– und Unterägypten, (Neferkare  setpenre)|, der Sohn des Re, von seinem eigen Körper, der Herr der Kronen, Ra–mes–su  Cha– em–weset  merer–amun)|, die beiden Herrinnen [ …………………….……….. ] “

Die mittlere Kolumne nennt wieder Ramses I. Sie lautet:

„ [Horus, starker Stier], mit gedeihlichem Königtum ; König von Ober- und Unterägypten, (Menpehtyre–Herrscher der Maat)|, der wahre Herrscher, dessen Vater Amun in eingesetzt hat, mit Namen „mit gedeihlichem Königtum“ im Großen Haus (Tempel) innerhalb von  [Heliopolis] [ ………

Der Obelisk wurde wohl von Ramses I. in einen Tempel von Heliopolis gestiftet. Später ließ dann Ramses IX. die beiden seitlichen Kolumnen anbringen. Dieses Objekt ist äußerst interessant, da die Namen von zwei Königen darauf erscheinen, von denen nur wenige ihrer Bautätigkeit erhalten ist. Interessant wäre auch zu wissen welchen Beweggründe Ramses IX. dazu bewog, seinen Namen auf einem Denkmal Ramses I. zu verewigen. Eventuell vielleicht, weil Ramses I. als Dynastiegründer angesehen wurde. (Anmerkung der Autoren von Nefershapiland: Eher unwahrscheinlich erscheint uns, dass Ramses IX. dieses Denkmal zum Andenken an Ramses I. anfertigen ließ.)

Nach KRI VII, 6 / 12 befindet sich im Museum von Avignon ebenfalls ein Bruchstück eines (wohl kleinen) Obelisken, der eventuell auch aus Heliopolis stammen könnte (Gegenstück zu dem Kopenhagen ?). Dieser Obelisk wurde laut Kitchen von Ramses IV. usurpiert.

Der Obelisk trug auf allen vier Seiten Inschriften

A.  [ …………………………………………….. geliebt von den Göttern, 
      Herr der Kronen (Ramses)| ewig lebend"
B.  "[
………………………………………...……] König von Ober– und
      Unterägypten, geliebt vom Herrn von On
C.  "[ ……………………………………………..] ……………..  (Ramses)| 
      beschenkt mit Leben ewiglich“
D.  "[……………………………………………………………. ] (Ra[……])| 

Abydos:

Die Kapelle, welche Sethos I. für seinen Vater Ramses I. erbaute, wurde 1910 während Bauarbeiten nordöstlich des Sethos-Tempels entdeckt.

Da sich die neu entdeckte Kapelle zur Zeit ihrer Entdeckung auf privatem Land befand, wurde sie vom ägyptischen Gesetzgeber als Privateigentum anerkannt und man erlaubte es den Findern, ihre Entdeckung zu verkaufen. Das meiste davon wurde 1911 von J. Pierpont Morgan erworben und dem Metropolitan Museum of Art in New York zum Geschenk gemacht (Gift of Pierpont Morgan 11.155.3b).

Drei weitere Blöcke wurden dem Museum im Jahre 1912 durch Dikran Kelekian übergeben. Drei weitere Blöcke, die noch im Jahre 1910 registriert waren, sind heute nicht mehr auffindbar. Der Egyptian Antiquities Service erwarb das Gelände der Kapelle während des 1. Weltkrieges. Da die meisten Reliefs sich zu diesem Zeitpunkt im Metropolitan-Museum befanden, wurde das Museum auch mit den Ausgrabungen beauftragt.

Im Winter 1927 machten sich einige Mitglieder der "Metropolitan Museum's Egyptian Expedition", welche damals gerade in Luxor Ausgrabungen vornahmen, auf dem Weg nilabwärts nach Abydos. Unter den Mitgliedern der Expedition waren auch der englische Fotograf Harry Burton und der durch seine Reliefkopien bekannt gewordene Norman de Garis Davies. 

1927 wurde der Plan der Kapelle durch die Grabung ermittelt. Weitere aufgefunden Inschriften-Blöcke, die sich zumeist in sehr schlechtem Zustand befanden, wurden restauriert und in situ belassen. H. E. Winlock publizierte diese Anlage im Jahre 1921 in: Basreliefs from the temple of Ramesses I. at Abydos, MMAP 1,1 New York und ergänzte und verbesserte seine Ausführungen zu dem Tempel von Ramses I. mit der Publikation:; H. E. Winlock, The temple of Ramesses I. at Abydos, MMAG 5, New York 1937. Später beschäftigte sich noch J. J. Clère in: RdE 11, 1957, 1ff mit dem Tempel und S. Schott in: Der Denkstein Sethos I.  für die Kapelle Ramses I. in Abydos, Göttingen 1964

                                                                                               *

Der Tempel liegt in der Nordostecke des Tempelbezirks Sethos I. und war wirtschaftlich und personell an diesen angeschlossen. Der Tempelbereich ist von Osten her zugänglich und reiht sich in die Folge der königlichen Totentempel in Abydos ein, die sich am Fruchtlandrand nach Süden hinzieht. Die Kultkapelle wird auf beiden Seiten des Eingangs als "Millionenjahrhaus" bezeichnet. In seinen Inschriften wird der Tempel als  Hw.t n kA=k ("Haus für deinen [= Ramses I.] Ka") und als Hw.t n(,t) mAa-xrw ("Haus der Rechtfertigung") benannt. Im Text auf einer Widmungsstele von Sethos I., welche im Hof der Anlage gefunden wurde, wurden folgende Bezeichnungen verwendet: Hw.t Hw.t-nTr Hw.t=f n.t nHH ("sein [= Ramses I.] Haus der Ewigkeit") und xn.t  n  kA=f ("Ruheplatz für seinen [= Ramses] Ka"). Diese Inschriften aus dem Kulttempel Ramses I. belegen dadurch eine Verbindung zwischen der Bezeichnung "Haus der Millionen an Jahren" und den Ka-Häusern (Quelle: "Millionenjahrhäuser/Ullmann")

Sethos I. ließ diese kleine Kapelle aus Kalkstein nordwestlich seines eigenen Totentempels in Abydos für seinen Vater Ramses I. errichten, die durch eine Ziegelmauer mit einem Kalksteintor im Osten umschlossen wurde. Ramses I. war es aufgrund seiner kurzen Regierungszeit nicht möglich, ein eigenes "Millionenjahrhaus" zu errichten. 

Der Wissenschaft liegen keine Hinweise auf ein Erbauungsdatum des kleinen Tempels für Ramses I. vor und auch die Datierung auf der Widmungsstele von Sethos I. ist nicht erhalten, daher kann nur vermutet werden, dass dieser von Sethos I. wohl bald nach der eigenen Thronbesteigung neben der Errichtung seines eigenen Millionenjahrhauses in Abydos, den Kulttempel für seinen Vater Ramses I. erbauen ließ.

Architektur und Dekoration:

Die Kalksteinkapelle für Ramses I. mit ihren schönen und qualitätsvollen Reliefs lag in einem eigenen kleinen Tempelbezirk, der durch eine Ziegelumfassungsmauer mit einem ebenfalls aus Kalkstein bestehenden Tor im Osten abgeschlossen wurde. Der rechte Torpfosten ( PM 1 ) dieses Tores zeigt Reste einer Darstellung, in welcher ein König einem vor ihn stehenden Gott Blumen darreicht. Die Inschrift dazu enthält den Namen des Tores, der vermutlich folgendermaßen zu rekonstruieren ist: sbA aA (Mn[ph.tj]Ra)| [aSA] http.t m pr Wsjr. (Nach ""Millionenjahrhäuser/Ullmann")

Nach S. Grallert in „ Bauen, Stiften, Weihen  “ zu den Inschriften des Zugangstores:

S1 / Tv001
„[Tor] (namens) K[N], mit zahlreichen Opferspeisen in pr des Osiris“

S1 / Tv002
„Großes Tor (namens) KN, mit gedeihenden Opfergaben im pr des Osiris“

 

             Kapelle Ramses I. in Abydos
         - erbaut von Sethos I. für seinen Vater -
                    nach Porter und Moss
1.       Tor:  Türpfosten mit Resten von Szenen
          Der König vor einem Gott, mit Tornamen, darunter hinzugefügte
          Kartuschen Merenptahs
2. - 3.
Tempelfassade: 
    
Links, Sethos I. im Grußgestus, rechts, Ramses I. im Grußgestus,
     Darunter jeweils fünf Textzeilen an jeder Seite;
4. - 5. Türdurchgang:
           Türpfosten mit drei Kolumnen Weihetext von Sethos I.
           Darunter jeweils die Kartuschen von Merenptah.
6.        Oberes Register mit zerstörter Szene:
           König vor einem Gott;
           Unteres Register:
            Zwei Frauen mit Blumensträußen;
7.        Oberes Register:
           Ramses I. mit vier Kälbern (Rest der Szene zerstört)
           Unteres Register:
           Ramses I. und eine Königin (Name verloren), gefolgt von sechs
           Personen mit Blumensträußen und Sistren, präsentieren Opfer-
           gaben vor Statuen des Osiris, Isis und Hathor (heute im MMA) 
 
              - Plan nach PM - bearbeitet von Nefershapiland -
8.   Oberes Register mit zerstörter Szene:
      König vor Min
      Unteres Register:
      der KA mit Titeln von Sethos I.
9.   Sethos I. mit Text, Opferlisten u. Ritualszenen, vor Ramses I. mit Nilgöttern, die das
sma–Symbol  unter
      seinem Sitz binden (heute MMA)
10. Oberes Register: - drei Blöcke mit Resten einer Doppelszene:
      Sethos I. opfert Blumen und Nahrung vor der Statue des Osiris und Harsiese. Ramses I. opfert Statuen 
      von Osiris und Isis. Im Zentrum befindet sich ein
djed–Pfeiler.
      Unteres Register mit Doppelszene:
      Sethos I. opfert Myrrhe vor Horus mit Osiris-Emblem
      Ramses I. opfert Nahrung vor Isis mit Osiris-Emblem.
      (heute im Metropolitan Museum New York)
     

Der Tempel wurde also zum pr (Haus) des Osiris gehörig begriffen.. Unterhalb der Inschrift – und ebenso unter den Millionenjahrhaus–Texten auf der Tür zur Kultkapelle, ließ König Merenptah in einer späteren Epoche seinen Namen anbringen, was beweist, dass der kleine Tempel für Ramses I. mindestens bis zum Ende der 19. Dynastie Bestand hatte.

In einer Entfernung von 8,60 m direkt westlich des Tores in der Umfassungsmauer ( 1 ) fanden sich die Reste der Kultkapelle, bestehend aus dem Fußboden, Wandblöcken und den unteren Teilen der Fassade. Zu beiden Seiten der Vorderfront schlossen Ziegelmauern an, die höchstwahrscheinlich zu Seitenräumen gehörten. Diese sowie der weitere Verlauf der Umfassungsmauer wurde jedoch nicht freigelegt.

Im Hof vor der Kapelle fand sich eine große Stele Sethos I., auf der dieser von der Erbauung und Ausstattung des Tempels berichtet, sowie die Tugenden seines Vaters Ramses I. verherrlicht.  

Martina Ullmann berichtet in "Millionenjahrhaus" dass lt Aussage einer der Inschriften an der Fassade auch ein heiliger See zu der Ausstattung des kleinen Tempelbezirks gehörte, der wohl in diesem Fall aus einem einem kleinformatigen Wasserbecken bestanden haben dürfte.

                Darstellungen und Bauinschrift am Eingang ins Tempelinnere - links und rechts.
Tempelfassade des Eingangs: Porter & Moss ( PM 2-3 ):
Türpfosten mit drei Kolumnen Weihetext von Sethos I. an jedem, mit Kartuschen von Merenptah darunter.

Die Vorderfront der Kapelle ist links neben dem Türpfosten ( PM 2 ) mit der Millionenjahrhaus–Inschrift mit einer Darstellung Sethos I. dekoriert. Der König trägt die Atefkrone und hält ein anx–Zeichen in der Hand. Der andere Arm ist im Grußgestus/Redegestus  in Richtung seiner Vaters, der auf der rechten Seite Fassadenseite ( PM 3 ) dargestellt ist. Auch er trägt ein anx Zeichen in der Hand. Der obere Teil einer Figur ist zerstört. 

Vor jedem König sind zwei senkrechte Textkolumnen angebracht. Der Text besteht aus einer Rede Sethos I. an seinen Vater bzw. dessen Antwort. Unter den Figuren der Könige setzt er sich jeweils in fünf waagerechten Zeilen fort.

Die Rede Sethos I. lautet:
"Willkommen in Frieden, vollkommener Gott. Mögest du dich mit der Stätte vereinigen, die ich dir eingerichtet habe. Mögest du dein Haus der Rechtfertigung neben Wnnnfr sehen.
Ich habe für dich Opfer und Libationen festgesetzt in seinem Inneren als tägliche Opfer. [König von Ober– und Unterägypten (MnpH.t jRa)|. Ich bin dein Sohn (MnpH.t jRa)|!

Ich habe Nützliches für dich getan:  Ich baute für dich ein Haus, für deinen Ka [im Norden von meinem] großen [Haus]; ich grub einen See, bepflanzt mit Bäumen und mit Blumen geschmückt. Ich lasse dein sSm.w–Kultbild in ihm ruhen, damit [es] versorgt ist[mit] jedwedem Opfer, das dauerhaft und somit täglich gegeben werden wird, wie (das) aller Götter. Ich bin dein Sohn, wahrlich nach deinem Herzen. Ich habe veranlasst, [dass du geschaffen wurdest, gemäß dem, [was mir befohlen] ward, gleichwie du mich erschaffen hast. Ich erhöhte deinen Namen zum Himmel; Ich trage deine Krone [wie Re]. Ich [lasse] deinen Namen auf Erden [leben], so wie Horus es für seinen Vater Osiris tat. “
Unterhalb dieser Inschriften ließ später Merenptah seinen Namen anbringen.

(Übersetzung:  ÄAT 51 Millionenjahrhaus / Martina Ullmann)

Die größtenteils zerstörte Antwort Ramses I. setzt folgendermaßen ein:

„[ … ] die Neunheit insgesamt; ich habe ihren Anspruch gehört, die dir den Thron  des Atum überweisen und die Jahre des Horus [ … ] als Schützer, die dir dieses Land als Besitz übergeben und die dir die Neunbogenvölker niederzwingt. “ 

Von den fünf Zeilen Text unterhalb der Figur des Königs Ramses I. sind nur mehr Reste erhalten. Ramses I. lobt seinen Sohn Sethos I. für seine guten Taten zu seinen Gunsten und verspricht den Lohn der Götter dafür in Form von vielen Jahren auf Erden und von Sedfesten. 


Bauinschrift am Eingang ins Tempelinnere links:                

Bauinschrift am Eingang ins Tempelinnere PM 4

Bauinschrift am Eingang ins Tempelinnere links:   Drei senkrechte Zeilen: (PM 4)
Horus, starker Stier, der in Theben erscheint, der die beiden Länder belebt, König von Ober– und Unterägypten, Herr der beiden Länder (MnmAa.tRa)|, geliebt von Osiris, dem Herrn von Abydos, dem Leben gegeben sei; Goldhorus, der die Erscheinungen wiederholt, Stark an Truppen in allen Ländern, der Sohn des Re, Herr der Erscheinungen (%tXj  mrj.nPtH)|, geliebt von Isis, der Großen, der Gottesmutter, wie Re; er machte (es) als ein Denkmal für seinen Vater, den König von Ober– und Unterägypten (MnpH.t jRa)|, den Sohn des Re (Ramsjsw)|, nämlich das Errichten für ihn eines Hauses der Millionen an Jahren zur Seite der Herren der Ewigkeit. “
                                 
(Textübersetzung:
ÄAT 51 Millionenjahrhaus / Martina Ullmann)
Inschrift am Eingang ins Tempelinnere rechts:  PM 5
Drei senkrechte Zeilen:
„Horus, [starker] Stier, [Der in Theben erscheint], Der die beiden Länder belebt, König von Ober– und Unterägypten, Herr der beiden Länder (MnmAa.tRa)|, [geliebt von Horus, Starker Stier, Der in Theben erscheint, Der die beiden Länder belebt, König von Ober– und Unterägypten, Herr der beiden Länder (MnmAa.tRa)|, geliebt von] Wn[n nfr ], dem Leben gegeben sei; die beiden Herrinnen, Der die Geburt wiederholt, Mächtig an Arm, der die Neunbogenvölker vertreibt, der Sohn des Re, Herr der Erscheinungen (%tXj   mrj.nPtH)|, [geliebt von] Horus [Sohn der Isis], wie [Re]; er [machte] (es) als sein [Denkmal] für seinen Vater, den König von Ober– und Unterägypten (MnpH.t jRa)|, den Sohn des Re (Ramsjsw)|, nämlich das Errichten für ihn eines Hauses der Millionen an Jahren zur Seite der Herren des Heiligen Landes.
                                 
(Textübersetzung: ÄAT 51 Millionenjahrhaus / Martina Ullmann)

Dekoration im Innenraum der Kapelle:

Von der Dekoration im innen der Kapelle ist glücklicherweise einiges erhalten geblieben.

Rechter Teil der Eingangswand:
Rechts vom Eingang ( PM 8, unteres Register ) am nördlichen Teil der Eingangswand (Ostwand), ist der Ka Sethos I. dargestellt, mit dem Horusnamen des Königs im Serech zwischen den Ka– Armen auf dem Kopf und einer Beischrift:
 „lebender Ka des Königs“.

Der einzeilige Text vor ihm lautet: „Es möge existieren der König, Herr der beiden Länder (MnMaa.tRa)|, indem er erscheint auf dem Thron] des Horus der lebenden“. Das obere Register ist weitgehend zerstört. Den Rest nach zu urteilen, stand der König vor dem Gott Min.

Die Nordwand:  ( PM 9 )

Die Nordwand der Kapelle ist die einzige, die nicht in zwei Register unterteilt wurde. Auf der gesamten Fläche ist das Opfermahl vor Ramses I. dargestellt. 

Nordwand:
Der König sitzt am westlichen Ende der Wand vor einem Speisetisch sowie zahlreichen weiteren Opfergaben und Opferlisten.
Unterhalb des Königsthrons vollziehen Nilgötter die Vereinigung der Beiden Länder. Die lange Liste der dargebrachten Opfer links vor dem König, hat sich nur mehr fragmentarisch erhalten. Vor dem thronenden König und den Opferspeisen waren in zwei Reihen in kleinerem Format, die wichtigsten Stufen des Opferrituals unter der Leitung des Sem-Priesters darstellt. Die anderen mit ihren spezifischen Handlungen vertretenen Priester sind mittels Beischriften gekennzeichnet als XrjHAb.t, HmnT r und wt. Das Opferritual mündet in die Rezitation der Verklärungssprüche und endet mit dem „Verwischen der Fußspuren“.

Oberhalb dieser kurz gefassten szenischen Wiedergabe des für den Ka Ramses I. durchgeführten täglichen Rituale, ist ein langer Text niedergeschrieben, in dem das Ziel der Opferhandlungen, die Verklärung des toten Königs, thematisiert ist.

Die gesamte Szene wurde am östlichen Rand vermutlich durch eine großformatige Darstellung Sethos I. abgeschlossen. 
          (Zeichnung: aus MDAIK 49 - Winlock MMA Papers 5, pl. 4 -  Drawn by Linsley F. Hall)
                      (Text nach
ÄAT 51 Millionenjahrhaus / Martina Ullmann)

 

                                                         Nordwand der Kapelle
An der Nordwand der Kapelle befindet sich ein Relief, das den König Ramses I. vor einem Opfertisch sitzend darstellt. Darüber und daneben befinden mehrere Opferlisten.

                                     (Reliefblöcke heute im Metropolitan-Museum in New York)

Bild:   The Chapel of Ramesses I. Abydos North Wall
Autor: Peter Roan
Lizenz: CC BY 2.0

Oberhalb dieser kurz gefassten szenischen Wiedergabe des für den Ka Ramses I. durchgeführten täglichen Rituale, ist ein langer Text niedergeschrieben, in dem das Ziel der Opferhandlungen, die Verklärung des toten Königs, thematisiert ist. Die gesamte Szene wurde am östlichen Rand vermutlich durch eine großformatige Darstellung Sethos I. abgeschlossen, als dem für die Gesamtheit

Details des Reliefs am unteren Rand der Nordwand:
- Decken und Reinigung des Altars -
(Beschreibung nach Herbert Winlock: Bas-Reliefs from the Tempel of Ramses I. at Abydos - New York MMA 1921)

Bild:   The Chapel of Ramesses I. Abydos North Wall gesamt
Autor: Peter Roan
Lizenz: CC BY 2.0

Die Szene am unteren Rand der Nordwand (von links nach rechts) beginnt mit der Vorbereitung des Altars für das Opfer. Ein knieender Priester scheint einen rechteckigen Tisch mit einem Tuch zu decken (?). In der Zeile vor dem Tisch befindet sich eine Liste mit Opfergaben: Braten und Rippen im Topf, Wein usw.; Bratenstücke (joints ?) Bier und verschiedenen Früchten. Hinter ihm steht ein Vorlesepriester mit einer Papyrusrolle in der Hand und rezitiert aus ihr die "Zauberformeln" um diese wirksam zu machen.

Danach folgt das Ausgießen von Wasser in ein Gefäß für die Reinigung der Hände ("the washing hands" als Vorbereitung für das Mahl)  und für den Tisch vom dem der imaginäre Gast zu essen beabsichtigt. 

Bild:   The Chapel of Ramesses I. Abydos North Wall details 7
Autor: Peter Roan
Lizenz: CC BY 2.0

Nach der obigen "Washing-hands-Szene" ist  hier in der Mitte der Darstellung eine weitere Reinigungsszene zu sehen. Ein stehender Priester gießt Natron-Wasser aus einem Libations-Gefäß auf einen Tisch, während ein Totenpriester vor dem Tisch kniet und den Tisch mit beiden Händen reinigt. Nun folgt ein Sem-Priester in einem Leopardenfall, der "weihräuchert".

Auf dem rechten Bild setzt sich die Szene mit einer weiteren "Libations-Szene" fort. Auch hier gießt ein Sem-Priester "gereinigtes Wasser" in ein Gefäß, das von einem Totenpriester gehalten wird. Hinter ihm folgt ein weiterer Vorlesepriester.  

Bild:   The Chapel of Ramesses I. Abydos North Wall details
Autor: Peter Roan
Lizenz: CC BY 2.0
Bild:   The Chapel of Ramesses I. Abydos North Wall details
Autor: Peter Roan
Lizenz: CC BY 2.0

Der Vorleserpriester in der Mitte der Szene erfüllt eine wichtige Rolle in der Zeremonie. Mit dem Buch (Papyrusrolle) in der Hand ist er der Zeremonienmeister. Er ist mit ihrem Ablauf vertraut und liest die einzelnen Kapitel der Litanei vor, nach dem die gesamte Handlung Akt für Akt vorgenommen wird. Die Gottespriester vollführen die Libation, verbrennen reinigenden Weihrauch und geben dadurch Leben. Der Totenpriester (in der Literatur auch als "Embalmer" oder "Undertaker" bezeichnet) hat mehrere Aufgaben, da er hier stellvertretend für den Gott Anubis Handlungen vornimmt für die Einbalsamierung zum Osiris.

Der Totenpriester wird hier mehrmals knieend vor einem Opfertisch dargestellt, den er reinigt und über den er seine Arme ausbreitet oder er wird beim Halten eines Gefäßes gezeigt, in das das "reinigende Wasser" ausgegossen wird.

Auf den rezitierende Sem-Priester und dem hinter ihm knieendem Totenpriester folgt eine weitere Person, die in der Beischrift (lt. H. Winlock) "Prince" (Ir-pat) genannt wird. Evtl. erscheint dieser "Prince"-Titel in Kombination mit einem Priestertitel wie "Prince of the festival-place oder Prince of the Gate of Geb" (siehe Winlock, Bas-Reliefs from the Tempel of Ramses I. at Abydos - New York MMA 1921)S. 41, Anmerkung 4). Dieser Titel belegt, dass diese Person ein wichtiges Priesteramt innehatte.

Der "Prince" vollführt in schreitender Haltung eine rituelle Handlung und eröffnet damit den Beginn der Durchführung des "Offering-which-the-king-gives"-Festes. Er wird begleitetet von einem weiteren Sem-Priester.

Bild:   The Chapel of Ramesses I. Abydos North Wall details
Autor: Peter Roan
Lizenz: CC BY 2.0
Bild:   The Chapel of Ramesses I. Abydos North Wall details
Autor: Peter Roan
Lizenz: CC BY 2.0

Dem "Prince" und dem  Sem-Priester-Begleiter folgt ein weiterer Vorlesepriester, der aus einer Papyrusrolle zitiert. Dahinter folgen eine Reihe von priesterlichen Helfern, die jene Beschwörungsformeln wiederholen, die in einem langen Text oben erscheinen. Es handelt sich um einen Chor von Sängern, die auf dem Boden sitzen - den linken Arm nach oben gestreckt und mit der rechten Faust auf die Brust schlagend. Als letzte Person folgt ein Vorlesepriester, der Schlussbeschwörungsformeln rezitiert. In seinen Händen hält er einen Besen mit dem er den Boden von allen "Fußabdrücken reinigt um dann die Tür zu dem nun kultisch reinen heiligen Raum zu schließen.
Bild:   The Chapel of Ramesses I. Abydos North Wall details
Autor: Peter Roan
Lizenz: CC BY 2.0
Bild:   The Chapel of Ramesses I. Abydos North Wall details
Autor: Peter Roan
Lizenz: CC BY 2.0

Westwand: (PM 10 )
(Texte und Übersetzungen nach: ÄAT 51 Millionenjahrhaus / Martina Ullmann u. H. E. Winlock/
The Bas – Reliefs From The Temple Of Ramses I. At Abydos!)

Oberes Register:
Die Dekoration der Westwand (Rückwand) ist in beiden Registern symmetrisch aufgebaut: 
Im oberen Register rechts (siehe Zeichnung oben) bringt  Ramses I. (dessen Figur fast völlig zerstört ist – bis auf eine Hand) Opfergaben und Blumen vor Osiris der als „Osiris, den großen Gott“ bezeichnet wird und Isis dar.
Links opfert Sethos I. vor „Osiris, den Herrscher der D.t–Ewigkeit, Herrn der nHH–Ewigkeit“ und „Horus, Sohn des Osiris“. Im oberen teilweise zerstörten Register steht mittig der anthropomorph gestaltete Djed-Pfeiler. 

Die Relieffragmente IV. und V. aus dem oberen Register befinden sich lt. Winlock im Besitz von dem Antiquitätenhändler Dikran Kelekian in Kairo (1921) (heute nicht mehr auffindbar - es existieren nur noch zwei Fotografien aus Paris des Jahres 1919).

Diese Fotos verwendete dann 1921 Herbert Winlock in seiner Arbeit „The Bas–Reliefs From The Temple Of Ramses I. At Abydos ”. Der weitere Verbleib dieser drei Blöcke ist leider unbekannt.

     Zeichnung der Westwand
             - obere Register Plate IV. + V. - 
Der König Sethos I. opfert vor den Göttern "Osiris, den Herrscher der D.t–Ewigkeit, Herrn der nHH–Ewigkeit“ und „Horus, Sohn des Osiris“ für seinen Vater Ramses I. Rechts opfert Ramses I. (zerstört - nur noch die Hand ist erhalten. In der Mitte
der anthropomorph gestaltete Djed-Pfeiler. 
(Zeichnung: Winlock MMA Papers 5, pl. 4
   aus MDAIK 49 -  Drawn by Linsley F. Hall)

Unteres Register:
Im unteren Wandteil findet die kultische Opferhandlung vor der äußerst elaboriert dargestellten Prozessionsstandarte von Abydos (Kopfreliquiar) statt, die auf einem Schlitten befestigt ist, der wiederum auf einem Sockel ruht. Hinter der Standarte steht auf der rechten Seite „Isis, die Große, die Gottesmutter, die Herrin des Himmels, die Gebieterin der beiden Länder“ und auf der linken Seite Harendotes (bezeichnet als „Horus, der ihn schützt, damit ihm Leben gegeben sei".  Die Beischrift zur rechten Standarte lautet: „Worte sprechen durch Wennefer: (Ich) gebe dir Opfer und Speisen, (ich) gebe dir alle schönen und reinen Dinge, (ich) gebe dir Leben und Wohlergehen “.

 

Zeichnung der Westwand
            -  untere Register  -
Links opfert Sethos I.  ein Salbgefäß vor dem Gott" Harendotes" (Sohn von Horus), der hinter einer Prozessionsstandarte von Abydos steht und rechts opfert Ramses I. Blumen, Geflügel, Brot, Gemüse und andere Dinge der Göttin Isis, die ebenfalls  hinter der Standarte von Abydos steht.
(Winlock MMA Papers 5, pl. 4
   aus MDAIK 49 - Drawn by Linsley F. Hall)

Rechts von der Wennefer-Standarte kniet Ramses I. Er ist als "der Denkmäler errichtet in &Awr für den Herrn der Ewigkeit, der das Herz des Wennefer befriedigt mit dem was er liebt “ bezeichnet.

Links steht bei der Standarte: "Worte sprechen durch Osiris, den ersten der Westlichen:  Mein geliebter leiblicher Sohn, Herr der beiden Länder (MnMaa.t Ra)|, mein Herz ist froh und zufrieden über das, was du getan hast. Du bist mein Sohn, der Beschützer. Solange Re besteht, soll dein Name existieren, solange der Himmel besteht, soll das existieren, was du tust“

Metropolitan Museum New York
Westwand der Kapelle, welche Sethos I. für seinen Vater Ramses I. in Abydos erbaut hat.

Bild:       The Chapel of Ramsesses I. at Abydos, West Wall
Autor:    Peter Roan 
Lizenz:  CC BY 2.0

 

Sethos I. opfert eine Statue, die ein Salbgefäß in den Händen hält vor dem Gott Harandotes (Sohn des Horus)

Bild:     Chapel for Ramesses I. at Abydos - Sethi I.
Autor:  Wally Gobetz - Flickr-Album
Lizenz: 
CC BY-NC-ND 2.0

Bild:     Chapel for Ramesses I. at Abydos
Autor:   Wally Gobetz  Flickr-Album
Lizenz:   CC BY-NC-ND 2.0

 

Metropolitan Museum New York - Detailausschnitt
Westwand der Kapelle, welche Sethos I. für seinen Vater Ramses I. in Abydos erbaut hat.
Links kniet Sethos I. vor Harendotes,

Bild:     Flickr-Album
Autor:   Andrei Deev
Lizenz:  mit freundlicher Genehmigung - thanks to Andrei Deev

 

Details der Westwand der Kapelle: Links die Götter Harendotes und Isis
 - rechts
der kniende Ramses I.
vor Wennefer und der Göttin Isis -

Bild: mit freundl. Genehmigung John Campana - Flick-Album

 

                Westwand
Die Beischrift zur rechten Standarte lautet: „Worte sprechen durch Wennefer:  (Ich) gebe dir Opfer und Speisen, (ich) gebe dir alle schönen und reinen Dinge, (ich) gebe dir Leben und Wohlergehen“.

Der vor Wennefer und der Göttin Isis  kniende Ramses I. (rechtes Foto) ist bezeichnet als
„der Denkmäler errichtet in &Awr für den Herrn der Ewigkeit, der das Herz des Wennefer befriedigt mit dem was er liebt “. 
(Übersetzung: nach Millionenjahrhäuser/M. Ullmann)

Bild:     Flickr-Album
Autor:   Andrei Deev
Lizenz:  mit freundlicher Genehmigung - thanks to Andrei Deev

 

Evt. Statue Ramses I. vor der obigen Wanddekoration an der Westwand:

Vor dieser Szene befand sich eine niedrige Plattform, die 1,40 m tief in den Raum hineinragte, und damit genau vor der Abbildung der Opfertische an den Seitenwänden endete. Analog zu den Wanddekorationen kann damit angenommen werden, dass auf dieser Plattform eine Statue  Ramses I. stand, die als Rezipient der an der Nordwand dargestellten Ritualhandlungen diente.

Die Ägyptologin Silke Grallert hält es für möglich, dass eine überlebensgroße mumienförmige Granitstatue, die aus dem Handel stammen soll und auf der Rückseite eine Weiheinschrift besitzt (lt. dieser Inschrift hat Sethos I. die Statue für den Ka seines Vaters in Abydos anfertigen lassen) als mögliche Kultstatue Ramses I. auf der Plattform vor der Westwand der Kultkapelle Ramses I. gestanden hatte (siehe dazu Silke Grallert in "Bauen-Stiften-Weihen").

Königsstatue S1/Wf 003

Aufbewahrungsort:             Kairo, JdE 89525 / PM VI, 33
Weiheformel auf dem Rückenpfeiler der Statue:
„(Werk des) [K]N, der für ihn seinen Namen belebte im thinitischen Gau, indem er veranlasste, dass er sich mit dem Platz vereinigte in seinem maHa.t, die er als sein Denkmal für seinen Vater, den Sohn des Re (Ramses)|, gerechtfertigt, gemacht hat [ … ] aus dem Wunsch heraus, dass der Name seines Vaters dauern und fest sei im Gau von Abydos bis zur nHH und D.t–Ewigkeit. Seine Majestät tat dies nun für seinen Vater (Menpehtire)|, gerechtfertigt,[ …] Vorfahren. Da war er nun König (von Ober – und Unterägypten), <Herr> beider Länder,sein Lohn waren Millionen an Jahren ewiglich und immerwährend, Sedfeste (und) seine Herzensfreude auf dem Thron des Horus wie Re täg[lich]“
Textquelle: Silke Grallert in Bauen - Stiften - Weihen" Achet-Verlag Berlin 2001

Diese Vermutung von Grallert bezüglich einer evtl. Identifizierung dieses Kultbildes mit einer Statue aus schwarzem Granit, die Ramses I. osirisgestaltig zeigt und die zuerst 1931 bei einem Antikenhändler in Baliana gesehen wurde (heute Kairo JdE 89525), erscheint der Ägyptologin Martina Ullmann (siehe Millionenjahrhaus "Könige für die Ewigkeit" ÄAT 51) "eher als unwahrscheinlich". Sie argumentierst, dass "Material und Größe der Plastik (Höhe 1,40 m oder 1,75 m ohne den fehlenden Partien an Füßen und Hals wie auch Kopf dagegen sprechen". Die Größenangaben schwanken hier beträchtlich: Gauthier gibt 1,75 m als Größe des Rumpfes an, wogegen Clere ca. 1,40 m vermerkt (siehe Ullmann: Millionenjahrhaus). 

M. Ullmann ist der Meinung, dass wahrscheinlich nur eine einzige Kultstatue des Königs, die ihn vermutlich sitzend zeigte und eher ein kleines Format hatte in der kleinen Totenkultkapelle für Ramses I. stand. Auch war sie wohl nicht aus Stein sondern aus Holz mit Edelmetallauflage gearbeitet. 

Lt. Ullmann sind großformatige Statuen dieser Art normalerweise regelmäßig im Hofbereich der königlichen Anlagen zu finden. Laut der Inschrift auf dem Rückenpfeiler dieser Statue stiftete Sethos I. sie für seinen Vater, um dessen Namen in Abydos am Leben zu halten. M. Ullmann spricht sich dafür aus, dass sowohl die Inschrift wie auch das Auftauchen dieser Statue ganz in der Nähe von Abydos "damit eindeutig für ihre Herkunft aus dem Tempel spricht, den Sethos I. für seinen Vater errichten ließ. Entweder stand diese Statue in einem der Seitenräume oder - was M. Ullmann für wahrscheinlicher hält - sie flankierte zusammen mit einem Parallelstück im Hof den Zugang zu der Kultkapelle.

Südwand ( PM 7 )

Oberes Register:

Vom oberen Register ist nur mehr der östlichste Teil erhalten. Ramses I. ist hier beim Treiben der vier Kälber vor Osiris–Wennefer darstellt.

       Südwand - oberes Register
  - im Besitz von Dikran Kelekian, Kairo -

Diese Platten befanden sich im Besitz des Antiquitätenhändlers Dikran Kelekian aus Kairo, die sich 1919 zwecks Restaurierung in Paris befanden. Mr. Kelekian erlaubte großzügigerweise diese Platten in Paris zu fotografieren um sie in den Artikel von Winlock (The Ba-Reliefs from the Temple of Ramses I. at Abydos) einzufügen.

Was aus diesen Reliefplatten später geworden ist oder wo sie sich heute befinden, ist  unbekannt. 

Bild: The Ba–Reliefs From The Temple of Ramses I. at Abydos” von Herbert E. Winlock.  

Untere Register:

Das untere Register der Südwand zeigt Ramses I. als kultvollziehender König opfernd (er räuchert und libiert) vor den in einem Schrein stehenden Göttern „Osiris, Herr der Ewigkeit, der große Gott, der sich in &Awr befindet“, Isis und Hathor „der Gebieterin des Westen“. Zwischen dem König und den Göttern befindet sich ein reich beladener Opfertisch.

Hinter Ramses I. steht, zwei Sistren in den Händen haltend, die Königin, gefolgt von sechs (?), weiteren Personen, (auf den Fotos sind heute (?) nur mehr fünf Personen zu sehen) drei weibliche und zwei männlich, die jeweils einen Stabstrauß tragen. In allen Fällen sind leider die Beischriften zerstört. Aller Wahrscheinlich nach handelt es sich um Familienmitglieder des Königs.

  Südwand - unteres Register

Umzeichnung aus „The Bas– Reliefs From The Temple of Ramses I. at Abydos ” von Herbert E. Winlock  -
Drawn by Linsley F. Hall)

  Südwand - unteres Register

Auf dem südlichen Teil der Ostwand setzt sich dieser Zug mit zwei weiteren weiblichen Personen fort. In allen Fällen sind die Beischriften zerstört. Aller Wahrscheinlich nach handelt es sich um Familienmitglieder des Königs.

Das Relief ist heute verschollen.

Bild: The Bas– Reliefs From The Temple of Ramses I. at Abydos” von Herbert E. Winlock.  

 

Südwand der Kapelle - heute im Metropolitan-Museum, New York

Der König steht opfernd (er räuchert und libiert) vor den in einem Schrein stehenden Göttern (rechte Seite) „Osiris, Herr der Ewigkeit, der große Gott, der sich in &Awr befindet“, Isis und „Hathor, der Gebieterin des Westen“. Hinter ihm steht die Königin. Sie hält zwei Sistren in den Händen.

Bild:      Chapel for Ramesses I. at Abydos - West Wall 2
Autor:   Wally Gobetz - Flickr-Album
Lizenz:   CC BY-NC-ND 2.0

 

Hinter Ramses I. steht, zwei Sistren in den Händen haltend, die Königin (linkes Bild) gefolgt von sechs, teils männlichen, teils weiblichen Personen (hier nicht im Bild), die jeweils einen Stabstrauß tragen. Das rechte Bild zeigt die in einem Schrein stehenden Götter Osiris, Isis und Hathor.

Bild: mit freundl. Genehmigung John Campana - Flick-Album

Bild: mit freundl. Genehmigung John Campana - Flick-Album

Ostwand: ( PM 6 )  (leider ohne Bildmaterial)

Auf dem südlichen Teil der Ostwand (PM 6, unteres Register) setzt sich der Zug des unteren Registers der Südwand mit zwei weiteren weiblichen Personen fort. In allen Fällen sind leider die Beischriften zerstört. Aller Wahrscheinlich nach handelt es sich um Familienmitglieder des Königs.

Rechts vom Eingang, im nördlichen Teil der Ostwand ( PM 8 ), ist der Ka Sethos I. dargestellt, mit dem Horusnamen des Königs im Serech zwischen den Ka–Armen auf dem Kopf und der Beischrift „lebender Ka des Königs“. Der obere Teil der Wand ist weitgehend zerstört, die Reste lassen noch  erkennen, dass der König vor einem mumiengestaltigen Gott, wohl Min, stand (Quelle: The Bas– Reliefs From The Temple of Ramses I. at Abydos” von Herbert E. Winlock)

Im oberen Register steht der König in einer zerstören Szene vor einem mumiengestaltigen Gott (Porter u. Moss schreibt dazu: "König vor Min".

Stele Sethos I. aus dem Vorhof der Kapelle:

- Textquelle: Millionenjahrhaus - Könige für die Ewigkeit / M. Ullmann - 

Im Hof vor der Kapelle fanden sich Fragmente eine große Widmungsstele-Stele Sethos I. aus Kalkstein auf der dieser von der Erbauung und Ausstattung des Tempels berichtet, sowie die Tugenden seines Vaters Ramses I. verherrlicht. 

Das obere Bildfeld der Szene fehlt komplett, außerdem ungefähr ein Drittel bis zur Hälfte des darunter befindlichen Textes sind weggebrochen. Leider sind auch die noch vorhandenen 25 waagerechten Textzeilen beschädigt und demzufolge hat sich leider auch die Datierung auf der Stele nicht erhalten. Da auch sonst keinerlei Hinweise auf das Erbauungsdatum dieser Widmungsstele gegeben wird, ist lt. Martina Ullmann zu vermuten, dass Sethos I. wohl bald nach seiner eigenen Thronbesteigung diesen kleinen Kulttempel für seinen Vater Sethos I. analog zur Errichtung seines eigenen Millionenjahrhauses in Abydos erbauen ließ.

Sethos I. berichtet im noch erhalten gebliebenen Text sehr ausführlich von der Erbauung und der Ausstattung des Heiligtums und von dessen Integration in das Kultgeschehen der abydenischen Nekropole. Außerdem ist zu vermuten, dass im Inneren des Tempels - neben der Kultstatue des Königs - auch kleinere Statuen der Familienangehörigen standen. Sethos I. sagt in seiner Weihe-Inschrift dazu:

„ Ich baute ihm einen Ruheort für seinen Ka ...................... Seine Mutter ist neben ihm, und die, die ihm vorangegangen sind, sind nicht von ihm getrennt, sondern vor ihm versammelt. Der geliebte Königsbruder ist ihm gegenüber. ......Alle seine Geschwister sind an ihren gebräuchlichen Plätzen."
(Quelle: Millionenjahrhaus/Ullmann)

Wäre uns der Tempel mit seiner gesamten Ausstattung erhalten, wüssten wir über die Familiengeschichte aus der Frühzeit der 19. Dynastie um einiges mehr.

„........... Ich ließ eine Statue darin ruhen, versorgt wie die (anderer) Könige. Wenn die Majestät des heiligen Gottes Wennofer kam, um, dort sich niederzulassen, begrüßte er meinen Vater wie die Vorfahren. “
(Weihetext aus der Sethos I.-Stele auf dem Hof)

 

       Stelentext mit königlichem Selbstlob von Sethos I. aus dem Vorhof:          
Die relevanten Ausschnitte sind deshalb hier aus: ÄAT 51 Millionenjahrhaus / Martina Ullmann) zitiert

„So begann mein Vater das Königtum des Re, indem er sich niederließ auf dem Thronpodium wie er und seiner Reinigungen im prwr vollzogen wurden. Er setzte [die Kronen] auf [ … ]…Er ging zum Himmel. Ich [stehe] nun auf seinem Platz. Ich bin es, der seinen Namen leben lässt. Ich bin wie Re am Morgen, seit ich den Ornat meines Vaters empfing. Siehe ich bin als König auf den Platz, den er ausgeweitet hat, auf dem Thronsessel, auf dem er sich niedergelassen hatte. Dieses Land ist in meiner Hand, so wie (es in der) meines Vaters war. Ich habe sein Haus in vortrefflicher Arbeit erbaut, in der Nachbarschaft meines Hauses [der Million] an Jahre, die [danach] vergehen werden [ … ].…
Mein Herz führt mich bei den Arbeiten. Sein Haus ist am Platz der Ewigkeit errichtet, richtig und vollkommen, während sein Andenken bei 8mir und] seiner Familie ist. Die Vollkommenheit seines Charakters ist es, die mein Herz erfreut. Ich spreche mit meinem Mund:  „Ich will sein Haus der Ewigkeit erbauen, damit ich seine Gestalt verehren kann, die sich im Gotteshaus befindet. Ich machte ihm einen Ruheplatz für seinen Ka, bemalt mit Bildern, mit dem Meißel graviert, mit Bildern dessen, der [mich] erschuf [ … ] gemacht nach seiner Gestalt. Seine Mutter ist an seiner Seite, ohne zu weichen. Die, welche vor ihm davongingen, sind vor ihm versammelt. Der geliebte Bruder des Königs ist ihm gegenüber. Ich, sein Sohn bin es, der seinen Namen belebt. Die Gottesmutter, die Arme sind um ihn, wie (die der) Isis, nachdem sie sich mit ihrem Vater vereinigte. Alle seine Geschwister sind an ihren gebräuchlichen Plätzen. Dass er jubelt ist, indem ihn seinen Leute umgeben …Ich richtete ihm die Fest(lieferung/en?) ein, fällig zu ihrer Zeit. Ich opferte ihm frisches Wasser zu seiner rechten Jahreszeit. Alle frischen Blumen sind vor seinem Angesichts. Seine Kultkammer ist überflutet (mit Opfergaben) zu jeder Jahreszeit. Ich lasse die Majestät des Wennefer erscheinen, um sein Haus ewiglich zu betreten. Ich machte es zum ersten der Häuser der Könige, die seit den Tagen des Re errichtet wurden. (Ich) stimme das Herz der Herren von &Awr gnädig. Sie ruhen in seinem herrlichen Haus,    (als) Versammlung derer, die seit langem davongegangen sind. Sie ehren meinen Vater wegen seiner Vortrefflichkeit. Ich veranlasste (meine) Mutter sich mit dem zu vereinigen, der mich geboren hat, so wie Isis neben dem, der heil erwachte. Ich kümmerte mich um das Preisen des Wennefer. Er ist der Herrscher, der Herr der Nekropole. Ihm ist mein Haus anbefohlen, für seinen Ka und das meines Vaters ebenso, so wie ich ihm auch die Länder gegeben habe, den Süden und den Norden zusammen, ohne dass der Westen und der Osten der Erde fehlen. Jedermann ist Untertan seines Tempels. Möge er veranlassen, dass mein Name ewiglich dauert auf diesem Berg, dessen Kultbilder verborgen sind. Möge er mir eine Ewigkeit geben an Königstum des Re, möge er meine Jahre dauern lassen zum Millionen, ohne dass er mein Schicksal zählt und ohne dass er sich meinem Königtum nähert, gleich seinen Annalen. Möge er mich auf [seinen] früheren Thron auf Erden geben, (als) einer, der nicht wiederholt werden wird ewiglich. Möge er das Haus meines [wahr]en Vater lieben und möge er ihn ehren am Or[t des Schweig]ens [ … ]. “

Martina Ullmann beschreibt die eigentliche Kapelle bestehend aus nur einem Raum, der 3,70 m x 2.65 m breit war - evtl. noch mit zwei Seitenräumen - und einem Hof mit einem Wasserbecken als heiligen See. Die Außenfassade des Kultbaus für Ramses I. war 4,10 m breit x ca. 3,60 m hoch und war leicht geböscht. Sie war mit Rundstab und Hohlkehle abgeschlossen und bildete architektonisch gesehen ein eigenes kleines Tempelhaus. Die einflügelige Tür in der Mitte war nur 0, 99 m breit. Die inneren Seitenwände waren bis zu einer Höhe von ca. 3 m dekoriert. Evtl. war das Dach gewölbt; dieses bleibt aber eine Vermutung.

Die Architektur der Kultkapelle Ramses I. lässt sich aus Inschriften und bildlicher Dekoration sowie aus den ausführlichen Angaben im Text der Widmungsstele Sethos I. recht genau eruieren. Kultempfänger war eine auf einem erhöhten Podest vor der Rückwand des Kultraumes stehende Statue Ramses I., die als dessen sSmw–Kultbild bezeichnet wird. 

Die Anbindung an das Prozessionsgeschehen innerhalb des abydenischen Kultbezirkes ist von großer Bedeutung für die Rekonstruktion des Kultgeschehens innerhalb des abydenischen Kultareals und der daraus zu folgernden religiösen Überlegung. Martina Ullmann geht in ihrem Werk "Millionenjahrhaus" davon aus, dass der Gott Osiris-Wennefer das Heiligtum des Ramses I. anlässlich des alljährlichen großen Osiris-Festes des Monats Chioiak besuchte und dann nach einem kurzen Aufenthalt unter Mitnahme eines Kultbildes von Ramses I. in das "Haus" des Gottes in der Nekropole weiterzog.

Sicherlich war der Ausgangspunkt für das Prozessionsgeschehen, welches im obigen Stelentext kurz angesprochen war der bis in die frühesten Zeiten zurückreichende Osiristempel im Norden von Abydos. Man zog von diesem Tempel aus mit der Prozessionsstatue bzw. -standarten des Osiris-Wennefer zu den Kultkapellen der Könige im Vorfeld der abydenischen Nekropole. Dann zog die Prozession mit dem Kultbild des jeweiligen Königs weiter in die eigentliche Nekropole von Umm el-Qaab, wo sie schließlich in der dortigen Osiris-Kultanlage endete.

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Im Januar 1922 wurde in der Nähe von El–eslah el Kobra, etwa 8 km östlich von Abydos gelegen, eine Opfertafel gefunden, die Sethos I. für den Totentempel seines Vaters gestiftet hatte: Die in 3,50 Tiefe gefundene Opfertafel bestand aus schwarzem Granit und war 83 cm lang, 43 cm breit und 34 cm hoch. Die Dekoration im Zentrum der Opfertafel ist in Bas-Relief ausgeführt und zeigt verschiedene Opfergaben um die eine Inschriftenzeile läuft.  Die Seiten der Opfertafel weist zwei Inschriften Zeilen übereinander auf. 

Die Opfertafel befindet sich heute "wohl" im Lager der Antikenverwaltung von Abydos. 

Umzeichnung der Opfertafel aus El–eslah el Kobra
- gestiftet von Sethos I. für den Kulttempel seines Vater Ramses I. in Abydos -
(Umzeichnung aus GM Heft 133 aus 1993 von Ahmed El-Khatib, Abydos)

 

Karnak:

Während Ramses kurzer, nur etwas mehr als ein Jahr währender Herrschaft, vervollständigte er die Dekoration am zweiten Pylon des Tempels von Karnak und der großen Hypostylen Halle (großer Säulensaal). Einige Reliefs mit seinem Namen finden sich am oder dicht beim 2. Pylon: Eine Stiftung für den Tempel des Osiris "Herr der Ewigkeit" aus seinem Jahr 1.

Deir el-Medineh

In Deir el-Medineh wurde ein Statuensockel aus Diorit gefunden, der sich heute in Paris im Louvre (E 10783) befindet. Er ist 10 cm hoch, 38 cm lang und 17,3 cm breit. Rings um den Statuensockel verläuft ein Inschriftenband. 

Nubien - Amada:

Amada liegt ca. 200km südlich von Assuan, auf dem Westufer des Nils. Im Hypostyl des hiesigen Tempels fand sich ein Stelenfragment,  das sich heute im Wiener Kunsthistorischen Museum (ÄS 8953) befindet. Darauf befindet sich das Datum: „Jahr 1, 4 Monat prt, Tag 1". 

Der Text ist unvollständig, enthält aber Titulatur und Name Ramses I. sowie die Nennung eines SA  njswt  n  KAS dessen Name nicht erhalten ist, vermutlich handelt es sich um Paser I.

Nubien - Festung Buhen / Nordtempel:

 

Festung Buhen - Nordtempel

Eine aus dem Jahr 2 stammende Stele (sie war den zentralen Kultweg flankierend in den westlichen Wandnischen des Hofes aufgestellt (PM 4), also auf der Rückseite der Fassade) aus dem Nordtempel von Buhen berichtet über die Weihung eines Tempels für Amun– Min von Buhen.
„Regierungsjahr 2, II. Peret, Tag 20. Lebender Horus, Mächtiger Stier, gedeihend an Königtum, beliebter bei den Beiden Göttinnen, Erschienen als König, gleich …  [Goldhorus]: …………..  in den Beiden Ländern. Der König von Ober- und Unterägypten (Menpehtire)|, der Sohn des Re (Ramses)|, geliebt von Amun, dem Herrn von Theben und Min – si – ese, Erschienen auf dem Horusthron der lebenden, gleich seinem Vater, Re, jeden Tag.

Seine Majestät befand sich in der Stadt !´t ka PtH (Memphis) um die Zeremonien für seinen Vater, Amun – Re, Ptah südlich seiner Mauer, Herr des „Lebens der Beiden Länder “ und alle Götter Ägyptens (&a mry) zu vollziehen, damit sie ihm geben Macht und Sieg über alle Länder,  zusammen mit einem Herz preisend seinen Ka. Alle Länder, alle Gebiete, die Neun Bogen sind unterworfen ……………..……………..  Seine Majestät der König von Ober- und Unterägypten (Menpehtire)|, gegeben Leben, setzte Gottesopfer fest für Seinen Vater, Min–Amun, residierend in B[uhen, der erste der] Gesellschaft  in seinem Tempel: 12 pr ´t t s Brotleibe, 100 bya´t Brotleibe, 4 Bierkrüge, 10 Bund Gemüse.  

Gleichfalls wurde der Tempel gefüllt mit Priestern, Ritualpriestern 8 und Wabpriester, seine Lagerräume wurden angefüllt mit männlichen und weiblichen Sklaven, von den Gefangenen Seiner Majestät, der König von Ober- und Unterägypten (Menpehtire)|, gegeben Leben, gleich Re, in Ewigkeit.

Da suchte Seine Majestät, wobei [sein Herz] wachsam und ohne Ermüdung war, ein Denk[mal] / Dauerhaftes [für seinen Vater]  Min – Amun, befindlich in Buhen, beim Machen für [ihn] eine Hw.tnTr wie den Himmelshorizont, [in der] Re [aufgeht] … “

Zu den Stiftungsgütern dieses Tempels gehören also auch Kriegsgefangene, die wohl aus dem südpalästinischen Raum stammten.

Die Stele stand im Nordtempel in einer Nische auf der linken Seite der Tür des Tempelpylons. Sie  ist datiert „Jahr 2, 2 Monat der Winterzeit, Tag 20“. Der Text berichtet von der Erbauung eines Tempels und der Einrichtung neuer Opferstiftungen für Min–amun von Buhen, darunter auch männliche und weibliche Sklaven, dazu heißt es im Text „die Seine Majestät gefangen genommen hat“.

Es scheint so als wäre diese Stele erst von seinem Sohn und Nachfolger Sethos I. aufgestellt worden, denn ihr Text ist praktisch identisch mit einer weiteren Stele die gegenüber auf der rechten Seite der Tür des Pylons in einer Nische stand. Diese Stele trägt als Datum „Jahr 1, 4. Monat der Sommerzeit, 30 Tag“ der Regierung Sethos I.  Es hat daher den Anschein, dass beide Stelen etwa gleichzeitig errichtet wurden, so dass also diese beiden Daten dicht beieinander lagen, höchstwahrscheinlich innerhalb desselben Kalenderjahres. Somit starb König Ramses I. in seinem 2. Regierungsjahr. 

Buhen: - nach I. Hein in "Die Ramessidische Bautätigkeit in Nubien:
Buhen lag ca. 340 km südlich von Assuan auf dem Ostufer des Nils, gegenüber von Akscha. Die Stele Louvre C 75 wurde im Nordtempel in einer Nische nördlichvom Eingang gefunden. Der Text berichtet vom Wiedereinrichten der Kultur für Amun-Min. Die Stele trägt als Datum das "Jahr 2, 2. Monat prt–Jahreszeit, Tag 20 “.

Der Text bestand ursprünglich aus drei 13 Zeilen. Die letzten fünf davon sind durch nachträgliche eingefügte Zeilen von Sethos I. ersetzt. 

Fünf Bruchstücke von Stelen, die im Pflaster des Südtempels gefunden wurden, konnten zu zwei Einheiten zusammengefügt werden; sie stammen vielleicht von einem einzigen Stück. Der Text ist sehr schlecht erhalten, daher sind keine Aussagen über den Inhalt möglich.

Auf einem der Bruchstücke ist die Kartusche Ramses I. erhalten geblieben. 

 

Nubien - Dorginarti:

Die Insel Dorginarti (altägyptisch #sf MDAw) befindet sich ca. 9 km südlich von Wadi Halfa und ca. 6 km von Mirgissa, entfernt. Hier fand sich ein Säulenbasenfragment aus Sandstein verbaut im Bereich der Festung. Darauf  wurde der Rest einer Kartusche des Thronnamens Ramses I. entdeckt.

Nubien - Mirgissa:

Mirgissa (altägyptisch Ipn) befindet sich ca. 15 km südlich von Wadi Halfa auf dem Westufer des Nils im Bereich des 2. Katarakts. Es fanden sich drei Fragmente eines Sandsteinblockes aus dem Bereich der Westmauer der Festung. In einer Inschrift wird Ramses I. zusammen mit Amun–Re genannt. 

Sinai - Serabit el-Chadim:

Auf einer von Ramses I. stammenden Stele (Brüssel E. 2171) spricht der König allgemein von der „Neugründung der beiden Ufer“ und der "Erneuerung von Verfallenem". Damit könnte eine Entsendung von Steinbruchexpeditionen in den Sinai gemeint sein.  

R1/Wv 001:   Stele 
Silke Grallert / Bauen-Stiften-Weihen
 

„KN …… , der die Denkmäler erneuerte, die verfallen waren, der Name seiner Mutter Hathor, Herrin des Türkises, erleuchtete, der einen Weg zu ihr machte, ohne dass er (früher) in den Herzen war ……….“   

(KN = Königsname, R1 = Ramses 1  Wv = Widmungsvermerk)   

 ( Co - Autor: J. H. Pirzer )

 


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