Durch die Grabinschrift des bereits in der Biografie König Pepis erwähnten Hofbeamten Uni (Wnj) erfahren wir wichtige Details aus der Regierungszeit König Pepi I.

Das
Mastabagrab des Uni lag in Abydos am Prozessionsweg zum Osiris-Chontamentitempel. Vor dem Grab standen einst ein Obeliskenpaar. Auf ihnen befindet sich eine Inschrift, die den Beamten „ Gouverneur und wirklicher Vorsteher des Südens, Uni “ nennt.

Grabbiografie mit bildlicher 
Darstellung
Unis
 
 
heute
Kairo, CG 1435 -

Seine berühmte biographische Grabinschrift befindet sich heute in Kairo No. 1435. Urk. I. 98 ff.

Uni ein Mann niederer Herkunft, der seine Karriere seine Kariere unter König Teti begann, der ihn zum "Oberaufseher über die Lagerhäuser" ernannte, dann wurde er "Aufseher des Palastpersonals". Später "Leiter der Riten", weiter gelangte er in das Amt eines „ Ältesten im Palast “ unter König Pepi I. Der König machte ihn zum „ Einzigen Freund “ und "Obersten Priester der Pyramidenstadt des Pepi I." sowie zum "Gouverneur der Gaue von Hierakonpolis". Er diente sogar noch unter König Merenre, dabei muss er um die 45 bis 50 Jahre alt gewesen sein, als er in die Dienste des neuen König trat.

Doch lassen wir nun Uni selbst sprechen:
( Quelle: Die Inschrift des Uni - Urk. 1 98,I-110.2) aus der 6. Dynastie (Teti bis Merenre I.) aus Abydos)

Ich war ein Jüngling, dem das mdh – Band gebunden wurde unter der Majestät Tti  ............. ältester Vorlesepriester des Palastes unter der Majestät des Pepi .

Uni berichtet, dass er den Titel eines „ Freundes “ (Smr)  innehatte. Diese Würde war mit einem Priesteramt in der Pyramidenstadt verbunden. Er gewann das Vertrauen des Herrschers so rasch, dass er danach zum Richter ernannt wurde. In dieser Eigenschaft erging an ihn die Aufforderung, einen Fall von 
Hochverrat “(?) im königlichen „ Harem “ und in den „ sechs großen Häusern “ zu verhandeln.
Allerdings muss hierzu angemerkt werden, dass in der Literatur die sogenannte Haremsverschwörung, angezettelt durch eine Königin zum Zwecke, ihren eigenen Sohn auf den Thron zu bringen, größtenteils auf reine Spekulation beruht! Zudem besteht das Problem, dass sich der Bericht des Uni über den Prozess im Harim nach wie vor einer genaueren Datierung entzieht. Manchmal wird die Zeit um die "einundzwanzigste Zählung des Vieh" genannt, jedoch ohne jeglichen Beweis für diese Annahme - das einzigste, was man wohl mit ziemlicher Sicherheit sagen kann, ist das die Ereignisse im Zusammenhang mit der Befragung der anonym gebliebenen Königin wohl nicht zu Beginn der Regierung Pepi I. stattgefunden haben können. Der Bericht des Uni erschöpft sich bedauerlicherweise in der Angabe, dass eine namentlich nicht genannte  wr.t  Hts - Königin einer geheimen Befragung unterzogen wurde. Uni trug zu diesem Zeitpunkt des Prozesses den Titel:
 
im.i  rA  xnt.iw  S pr aA.

Weder der Gegenstand der Befragung noch ihre Aussage werden mit nur einem Wort erwähnt, so dass die Mutmaßung über eine Verurteilung der Königin und gar eines Sohnes von ihr, den sie mit unlauteren Mitteln auf den Thron zu bringen versuchte, reine Spekulation sind. Die jüngst belegte Existenz bis zu sieben weiteren Königinnen Pepis I. (wenn nicht sogar mehr) zeigt allerdings deutlich, dass es sich bei der wr.t  Hts der Uni-Biografie nicht unbedingt um die "erste" Gemahlin Pepi I. gehandelt haben muss, deren nach dem Prozess "frei" gewordene "Stelle" nacheinander von den beiden 
anh - n = s - Pipi / Mri - Ra.w - Schwestern eingenommen wurde.


(
Persönliche Meinung des Autors )

Weiter erfahren wir aus dem biografischen Text Unis:

" .....während ich (nun) ein Richter war, machte mich Seine Majestät zum einzigen Freund und Aufseher der Pächter des Palastes und ich setzte vier Aufseher des Palastes ab, die dort waren; und ich handelte zu Seiner Majestät Zufriedenheit beim Geleitgeben, beim Bereiten von des Königs Weg und beim Einnehmen von Ämtern bei Hof, ich tat alles so, dass Seine Majestät mich dafür über alle Maßen lobte.
Als eine geheime Anklage erhoben wurde im königlichen Harem gegen die wr.t  Hts ließ mich Seine Majestät allein (die Sache) anhören. Kein Oberaufseher, kein Wesir, kein Beamter war anwesend, nur ich allein, wegen meiner Vortrefflichkeit und weil ich festeingepflanzt war im Herzen Seiner Majestät und weil Seine Majestät Vertrauen zu mir hatte. Ich allein fasste (das Verhör) zusammen, allein mit einem einzigen Richter und Mund (?) der Stadt Nechen. Obwohl mein Rang nur der eines königlichen Aufsehers der Pächter des Palastes war. Niemals zuvor hatte einer wie ich eine Geheimsache aus dem Harem des Königs gehört, aber mich ließ Seine Majestät sie hören, weil ich vortrefflich war in dem Herzen Seiner Majestät über jeden Beamten hinaus, über jeden Adeligen hinaus, über jeden seiner Diener hinaus."

Mehr erfahren wir nicht, auch nicht welche Folgen das Ganze für die Betroffene hatte.

Uni wurde aber auch mit militärischen Aufgaben betraut. Unter der Regierung Pepi I. waren wahrscheinlich nomadische Gruppen hinter die wohl bereits damals bestehenden Sicherungsanlagen auf der Landenge von Suez eingesickert (erwähnt werden bei Uni die "nördliche Festung", das "Tor des Ij - m - Htp" und "Bezirk des Snofru").  Diese Gruppen verhinderten sogar eine ägyptische Expedition in den Sinai. Daraufhin wurde Uni von Pepi I. mit einer Armee fünfmal gegen sie entsandt.

Als Seine Majestät eine Strafe über die Asiaten und Sandbewohner verhängte, bildete Seine Majestät ein Heer von aus dem ganzen [Land] Oberägypten, von Elepantine im Süden bis Medjeneye (Name des 22. nördlichsten Gaus Oberägyptens) im Norden, aus Unterägypten, von den beiden Seiten des Hauses (offenbar eine Bezeichnung für die zwei Seiten des Deltas) in ihrer Gesamtheit aus Sedjer, aus Chen – sedjru, von Irtje – Nubiern, Medjer – Nubiern, Jam – Nubiern, Wawat – Nubiern, Kaau – Nubiern; und aus dem Lande der Tjemhu schickte mich Seine Majestät fort an der Spitze dieses Heeres. Da waren Grafen, Siegelträger des Königs, einzige Freunde des Palastes, Häuptlinge und Oberhäupter von Städten Ober – und Unterägyptens, Aufseher der Dolmetscher, Aufseher der Propheten Ober – und Unterägyptens und Aufseher der Tempelabhängigen an der spitze der Truppen von Ober – und Unterägypten und der Städte und Dörfer, über die sie herrschten, und der Nubier dieser Fremdländer.

Ich war es, der befehligte, obwohl mein Amt [nur] das eines Aufsehers der Pächter des Palastes war, weil ich gut geeignet dazu war, jemanden am streit mit seinem Genossen zu hindern, jeden von ihnen davon abzuhalten, einen Wanderer Brot oder Sandalen wegzunehmen, einen jeden von ihnen daran zu hindern, ein Lendentuch aus irgendeinem Dorf zu entwenden einen jeden von ihnen davon abzuhalten, irgend jemanden eine Ziege zu stehlen.

Ich schickte sie aber von der nördlichen Insel, „ Tor des Im – hotep “ und dem „ Bein des 
Hor – Nebmaat “, obwohl ich [nur] dieses Ranges war  ....................................................................Da wurde mir die Anzahl dieser Truppe enthüllt, obwohl sie niemals zuvor irgendeinem Diener enthüllt 
worden war “.

Auf weitere Einzelheiten dieses Feldzuges wird nicht weiter eingegangen. Ab hier wird die Inschrift aber auf einmal poetisch, ein einzigartiger Zug solcher Biographien:

„ Dieses Heer kehrt heim in Frieden,                                                                                        
 
es hatte das Land der Sandbewohner verheert,

Dieses Heer kehrt heim in Frieden,                                                                                             
es hatte das Land der Sandbewohner ausgetilgt,

Dieses Heer kehrt heim in Frieden,
es hat seine ummauerten Siedlungen niedergerissen,

Dieses Heer kehrt heim in Frieden,
es hatte seine Feigenbäume und Weinreben niedergehauen,

Dieses Heer kehrt heim in Frieden.
es hat Feuer geworfen in alle fürstlichen Häuser,

Dieses Heer kehrt heim in Frieden,
es hatte Truppen erschlagen in ihm, einige Zehntausende,

Dieses Heer kehrt heim in Frieden,
es hatte sehr viele Truppen weggeführt als Kriegsgefangene,
und Seine Majestät lobte mich deswegen über alle Maßen.“.

Unis Stellung  bei diesem Unternehmen scheint die eines Sonderbeauftragten gewesen zu sein, der für ein gutes Einvernehmen zwischen den einzelnen Heeresabteilungen zu sorgen hatte und gleichzeitig über Disziplin und Moral der Truppe wachen sollte.

Unis Bericht fährt dann in Prosa fort – er berichtet, dass der König "in fünfmal aussandte gegen die Asiaten". Beim fünften mal wendete er eine besonders kluge militärische Strategie an und schlug so an der „ Nase der Gazelle“, (vermutlich ist damit das Gebiet des heutigen Karmel in Palästina gemeint) einen Aufstand nieder. Es gibt allerdings Gelehrte, die der Meinung sind, dass mit der Bezeichnung "Nase der Gazelle", nicht der Karmel gemeint ist, wie oft vermutet wird, sondern eher der Mont Cassius auf der Landenge von Suez)

Uni schiffte einen Teil seiner Truppen ein und ließ sie der Mittelmeerküste entlang nach Norden transportieren, während das übrige Herr auf dem Landweg vorrückte. An der Rückseite des Karmels-Gebirge landete schließlich die ägyptischen Transportschiffe mit den Soldaten und nahmen so mit der Armee die Truppe der "Sandbewohner" in eine tödliche Zange. Alle Anführer der Aufständischen konnten durch diese List getötet oder gefangen genommen werden. Danach verzichteten die Asiaten offenbar auf weitere Feindseligkeiten, denn wir hören eine ganze Weile nicht mehr von Kämpfen in diesem Gebieten.

Das interessanteste an dieser Stelle des Berichts des Uni ist, dass hier das erstemal in der Geschichte von einer militärischen amphibischen Landeoperation berichtet wird. Wenn auch der Feind, gegen den Uni an den Küstengebieten des Roten Meeres und der Mittelmeerküste vorging, in der Regel mit dem Ausdruck
"aAm  hriw - Sa " oder " heriu- scha ( hrjw - Sa)" wörtlich: " die auf dem Sande sind " oder "Sandbewohner" bezeichnet wird, handelte es sich vorwiegend nicht um nomadisierende Stämme sondern um eine sesshafte Bevölkerungsschicht, die sich vom Ackerbau ernährte (siehe den Verweis auf Feigenbäume, Weinstöcke, ummauerte Siedlungen und Fürstensitze) und verschiedenen ethnischen Gruppen angehörten.

Unis Bericht zu den oben geschilderten Ereignissen:

„ Seine Majestät sandte mich mit dem Heer fünfmal aus, um das Land derer, die auf dem Sande wohnen zu vernichten, als ihre Truppen aufbegehrten. Ich handelte so, dass Seine Majestät mich dafür über alles lobte. Es wurde gemeldet, dass es in einer Angelegenheit, die unter jenen Fremden in der „ Nase der Gazelle “ aufgekommen war, Unruhestifter gab. Ich ordnete die Überfahrt der Truppe auf Hochseeschiffen an und ließ sie hinter den Bergzügen an Land gehen, im Norden des Landes derer, die auf dem Sande wohnen, während die ganze Hälfte des Heeres den Weg über Land genommen hatte. Nachdem ich sie überfallen und alle Rebellen getötet hatte, kehrte ich zurück “.

In diesem Zusammenhang gehören vielleicht die beiden Darstellungen der Eroberung einer asiatischen Festung in Gräbern dieser Zeit.

Unis Autobiografie geht dann zur Regierung Merenres, des Nachfolgers von Pepi I. über. Er schildert in seiner Biografie auch, wie er seinen Herrn Pepi I. mit der Bitte anging um einen Sarkophag aus Tura-Kalkstein für sein Grabmahl.
Diese Bitte wurde ihm gnädigst gewährt:

„ Ich bat Seine Majestät, meinen Herrn (Pepi I.), dass man für mich einen Block weißen Tura–Stein  für meinen Sarkophag bringe. Seine Majestät veranlasste, dass der Siegelbewahrer des Gottes (SDawti  ntr) hinüberfuhr über den Nil mit seinem Kommando, um mir diesen Sarkophag aus Tura zu holen. Er kehrte mit ihm zurück auf einem großen Lastschiff der Residenz nebst seinem Deckel, einer Scheintür und einer Platte für das Trankopfer. Niemals war dasselbe getan worden für irgendeinen Diener  ...."


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(Co-Autor: J. H. Pirzer )

(Textquellen: nach: In Pharaos Staat / Sabine Köthen-Welpot / Harrassowitz Verlag und der ägyptische König im Alten Reich / Elka Windus-Staginsky - Philippika Marburger altertumskundl. Abhandlungen 14 / Harrassowitz-Verlag )

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