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Biografie Amenophis I.

königliches Begräbnis

Dra 'Abu el-Naga
- Tempel des Königs und seiner Mutter -

Direkt am Fruchtlandrand in der Ebene vor dem heutigen Dorf Dra ´Abu el – Naga liegt bzw. lag ein Tempelbau, der im allgemeinen Amenophis I. und Ahmes – Nefertari (der Mutter des Königs) zugeschrieben wird. Diese Zuweisung ist allerdings unter den Ägyptologen umstritten. Wolfgang Helck bezweifelt die Gleichsetzung dieses Tempels mit der aus den Texten belegten Anlage Mn - jswt,
die er als Totentempel der  Ahmes – Nefertari bezeichnet und vermutet, dass dieser in der Nähe des 
„ Totentempels “ Amenophis I.  unter dem Vorhof des Tempels der Hatschepsut in Deir el–Bahari gelegen haben könnte.

Den Tempel in Dra ´Abu el–Naga bezeichnet Helck als „ Sedfestkapelle Amenophis I. “, da hier Relieffragmente mit Sedfest-Esszenen gefunden wurden. Erhart Graefe betrachtet  Mn-jswt  als den 
„Totentempel“ der Ahmes – Nefertari, der allerdings nicht auch gleichzeitig der
Tempel gewesen sei, in dem die „Heiligenverehrung“ der Gottesgemahlin stattgefunden hätte.

Der Tempel ist sicher bereits zu Beginn der 18. Dynastie entstanden und schon wegen seiner Größe als Gedächtnistempel des Herrschers und seiner Mutter zu verstehen. So (d. h. als „ Grabtempel “ 
Amenophis I.) hat ihn schon im Jahre 1896 sein Entdecker W. Spiegelberg interpretiert, ohne wirklich gegraben zu haben.
In dem Jahr 1898 erfolgten archäologischen Unternehmung von Northampton, Spiegelberg und Newbeery, die dem Areal unmittelbar nördlich des von Spiegelberg aufgefundenen
„Tempels Amenophis I." galt, wurden weitere Reste des Bauwerks entdeckt, das die Ausgräber aufgrund von Inschriften als einen Tempel „geweiht an Ahme –Nefertari   bezeichneten. Die beiden Anlagen werden auch heute noch gelegentlich als eine Art Doppeltempel behandelt, obschon Hosward Carter zu Beginn des 20. Jahrhunderts und kurze Zeit später H. E. Winlock darauf hingewiesen haben soll, dass es sich hier um zwei Teile eines Bauwerks handelt.

Das Gebiet dieses Tempelbaus wurde in den letzten Jahren als Abfallhalde den örtlichen Souvenirläden benutzt und wird derzeit durch eine Alabaster–Factory und ein Wohnhaus überbaut. Die schon vor einem Jahrhundert spärlichen Überreste werden in kürze vollkommen verschwunden sein.

Es wird sich deshalb wohl nicht mehr archäologisch klären lasse, wie der Grundriss des Tempels exakt aussah. C. S. Fischer hat während seiner Ausgrabungen in Dra ´Abu el–Naga in den Jahren 1922–24 einem Plan der Anlage gezeichnet, der bisher unpubliziert blieb.

Danach ist wohl die Tatsache, dass die Anlage seit dem Auffinden des „Tempels Amenophis I.“ durch Spiegelberg gelegentlich als Doppeltempel betrachtet wurde, darauf zurückzuführen, dass sich im Norden dieses Tempelbereiches und im Süden des „ Ahmes–Nefertari–Tempels “ eine große, kreisförmige Störung befand, die die Gesamtanlage als nicht zusammenhängend erscheinen ließ. (Es handelt sich hierbei wohl um eine ältere Störung, an der weder Bodenplatten noch Fundamentreste gefunden wurden.)

Der zerstörte Bereich lässt sich aber einigermaßen plausibel zum Mittelteil einer Tempelanlage ergänzen, welche aus etwa folgenden Bauteilen bestand: Über eine gepflasterte Rampe im Süden gelangte man in einen Säulensaal und anschließend in einen offenen, mit Säulen / Pfeilern umgebenen Hof, auf den ein Vorraum mit Vierpfeilerportikus folgt.

Durch diesen Vorraum erreicht man das Zweipfeilersanktuar, das von drei kleineren Sakristeien umgeben war. Der nördliche Teil der Anlage, also Vorraum, Sanktuar und Sakristeien, war mit einem Pfeilerumgang versehen. Es lässt sich lediglich aufgrund des Planes von C. S. Fischer natürlich nicht klären, ob alle auf dem Plan erkennbaren Bauteile zeitgleich sind bzw. ob der Tempel von Beginn an vollständig ausdekoriert war.

Die bei Spiegelberg abgebildeten Abklatsche der Dekoration des Tempels stammen sicher aus dem Begin der 18. Dynastie. Sicher ist aber auch, dass es in beiden Teilen der Anlage später ramessidische Dekoration gegeben hat. Bei der durch Stelen und Votivgaben aus dem Tempelgebiet belegten Dauer des Kultbetriebes an dieser Tempelanlage sind auch ramessidische Ergänzungen oder Erweiterungen des Baus durchaus wahrscheinlich.

Nun stellt sich die Frage, welcher oder welche der unterschiedliche, mit dem Namen Amenophis I. zusammengesetzten Tempelnamen sich auf diese Anlage am Fruchtlandrand südlich von Dra ´Abu el – Naga beziehen könnte.

Folgende Bezeichnungen kommen in Betracht:

  1. Mn - jst  /  Mn - jswt
  2. Hwt  Jmn - Htp
  3. Hmt  +sr - kA - Ra
  4. pr Jmn - Htp n  pA  kAmw

1. Mn - jst  bzw. Mn - jswt  ist schon seit der mittleren 18. Dynastie als Name des Tempels
    der Ahmes– Nefertari belegt. In den von Van Siclen zusammengetragenen Belegen wird deutlich,
    dass Mn - jswt  auch noch in der späten Ramessidenzeit der Tempel der Ahme –Nefertari war.
    Zur Zeit König Ramses IX. wird der Tempel noch unter diesem Namen aufgeführt. Dass dieser 
    Tempel aber in ganz engem Zusammenhang mit Amenophis I. steht, geht aus allen Belegen bis 
     in die späte Ramessidenzeit hervor.

2. und 3. Die Bezeichnungen Hwt  Jmn-Htp und Hmt  +sr-kA-Ra sind zumindest am Ende der 18. Dynastie
               identisch gewesen, und verweisen auf ein und dasselbe Bauwerk Amenophis I., bei der es sich
               um eine mit Hwt  bezeichneten Tempelanlage einen königlichen Gedächtnistempel handelt. 
               Alle anderen Bauwerke Amenophis I. auf der Westseite Thebens sind nur 
               als pr bezeichnet.

4.  Der  pr Jmn - Htp n  pA  kAmw wird nur ein einziges Mal in einem Papyrus der späten Ramessidenzeit
     erwähnt. Es erhebt sich jedoch die Frage, ob sich dahinter eine eigenständige Einrichtung verbirgt.
     In der betreffenden Passage des Papyrus Abbott geht es um eine offensichtlich notwendige, 
     möglichst zweifelsfreie Beschreibung der Position des Grabes Amenophis I. Eine nähere Qualifizierung
     der Tempelanlage, zu welcher das Grab in Beziehung steht, war schon deshalb notwendig, weil vier
     Zeilen weiter unten im Papyrus, in der groben Beschreibung der Lage der Grabanlage des 
     Königs Horus Wah–Anch Intef in el Tarif, eine weitere Anlage des Amenophis erwähnt wird, 
     nämlich pr (Jmn - Htp)| n  pA  wbA  Papyrus Abbott, Zeile 8.

     Ein pr genannter Bereich als auch ein Hwt  bezeichneter Bereich, kann sich auf dieselbe Einrichtung
     beziehen, wobei das pr vermutlich einen Teil des Hwt  darstellt. Im vorliegenden Fall waren 
     dann  sowohl pr (Jmn - Htp)| als auch pr (Jmn - Htp)| n  pA  kAmw Teile oder Bereiche
     (Kapellen ?) des Hwt (Jmn - Htp)| bzw. Hwt  (+sr - kA - Ra)|, welches wiederum der Tempel
     des Amenophis I. und der  Ahmes – Nefertari in Dra ´Abu el–Naga ist. Dies würde auch die
     Anwesenheit eines Priesters einer Anlage Amenophis I. während der Inspektion der Gräber erklären.

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass sich mehrere verschiedene Bezeichnungen auf den am Fruchtland gelegenen Tempel von Amenophis I. und Ahmes–Nefertari bezogen haben dürften. Dies spiegelt möglicherweise auch den Umstand wieder, dass die Tempelanlage nicht nur einem Amun–Kult, sondern auch der Verehrung zweier königlicher Personen diente, wozu jeweils eigene Einrichtungen und Personal notwendig waren.

Diese „ königliche Doppelnutzung “ mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen;
in
Betrachtung aber anderer Tempelanlagen in Theben–West aber häufiger anzutreffen ist – siehe den Tempel Sethos I., in welchen eine Kapelle für seinen Vater Ramses I. integriert ist.

 


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