Ca. 1,4km vom Königsgrab in Umm el-Qaab entfernt am Rande des Fruchtlandes befindet sich der sogen. Festhof, der heute den Buchstaben "F" trägt. Die Einheimischen nennen ihn " Shunet el(es) - Zebib" ( Schunet el-Zebil / Schunet ez-Zebib / Shunet el-Zebib), was soviel wie "Rosinenscheune" oder "Lagerhaus der Fliegen" (?) bedeutet.

Diese Anlage ist die östlichste der Talbezirke hier in Abydos so wieder am besten erhaltenste und der einzigste heute noch hier Sichtbare. Mit seinen 5000 Quadratmetern ist er auch der größte hier ( 1,07 Hektar)

Dieser Bau ist eines der ältesten, noch erhaltene Lehmziegelgebäude der Welt. Er wurde erstmals 1860 im Auftrag von Auguste Mariette erkundet. Der englische Archäologe E. R Ayrton datierte die Anlage im Jahre 103 in die Zeit König Chasechemuis. Die noch heute gut zwischen 7,5m bis 11m anstehenden und über 5,5om dicken Lehmziegelmauern (Hauptmauer) umspannten ein Rechteck von 125 x 65m, welches von einer dünneren, niedrigeren Blendmauer umschlossen war. Nur der Talbezirk des Chasechemui ist mit zwei Mauern umgeben.

Grundriss des inneren Gebäudes 

(Quelle: nach E. R. Ayrton)

Nischengegliederte Hauptmauer

Shunet el-Zebit

(Foto: Ausstellungskatalog Villa Hügel)

Im Südosten, Südwesten und Nordwesten ist die Hauptmauer durch eine fortlaufende Reihe einfacher Nischen gegliedert, nur an der zum Fruchtland weisenden Nordseite findet sich eine Abfolge von je drei einfachen, gefolgt von einer doppelt abgestuften Nische. Ohne Zweifel orientierte sich dieser Bau an dem Palast den er zu Lebzeiten benutzte.

Der massiv aus Lehmziegel erbaute Bezirk trug ursprünglich einen Kalküberzug, der bunt bemalt war, Er imitierte (wie die Mastabas in Saqqara ) Stellwände aus Holzrahmen und farbigen Schilfmatten .Der Effekt muss verblüffend gewesen sein, wenn ein kompliziertes Muster aus Licht und Schatten im Lauf des Tages von diesen strahlend in weiß und bunten Farben bemalten Nischenwänden reflektiert wurde.  

Die Anlage besaß zwei Haupteingänge (die beide Torkammern besaßen), einen am Südende der Ostmauer, den anderen am Ostende der Nordmauer, sowie zwei kleinere Tore im Westen und Osten. 

Professor David O´Connor vom Institut of Fine Art, New York erforscht den Bezirk seit vielen Jahren, es gelangen ihm dabei erstaunliche Entdeckungen. D. O´Connor konnte Spuren vom Fußboden des Chasechemui – Hofes retten. Es fanden sich auch ca. 200 Bier – und Weinamphoren aus der Zeit König Chasechemuis. Leider blieb innerhalb der Strukturen wenig erhalten, was helfen könnte, die Funktionsweise der Anlage genauer zu definieren, denn die temporären und vergänglichen Materialien sind alle längst vergangen. 1988 sah es so aus , als ließe sich im Westquadranten des Bezirks Spuren eines oberirdischen Hügels ausmachen, doch 2001 stellte es sich heraus, dass diese Überreste zu einem Becken gehörten, das während der Bauarbeiten am Talbezirk genutzt worden war.

Die erstaunlichste Entdeckung O ´Connors war, dass die Talbezirke möglicherweise abgerissen wurden – vielleicht als letzten Akt des Bestattungsrituals für den königlichen Inhaber oder während der Bauarbeiten am Talbezirk des nächsten Herrschers.

Der Talbezirk König Chasechemuis blieb allerdings vom Niederreißen verschont.

Wie beim Festhof des Peribsen stand auch im Bezirk des Chasechemui in unmittelbaren Nähe des Eingangs an der Südostecke schräg zum Eingang ein kleines Gebäude. Bei Chasechemui maß diese Kapelle 18,30m x 15,60m (290m2), und besaß elf oder mehr Räume, vielleicht befand sich hier eine  Statue des Königs oder Opfergaben für ihn.

Möglicherweise sollte der gesamte Komplex wie später der Pyramiden – Komplex des Djoser, den Rahmen abgeben für die Verpflichtung und Zeremonien, die die Stellung des Verstorbenen gemäß dem Wesen irdischen Königstums, in aller Ewigkeit nachzukommen hatte. Aber wie wohl der Bau im wesentlichen kultischen Zwecken gedient hat, kann er doch ein Bild vom Aussehen frühdynastischer Paläste mit ihren nischengegliederten Lehmziegelmauern geben. Die Rückfront zeigt auch hier eine Gliederung durch einfache Nischen, während die Vorderfront zwischen zwei Dreiergruppen einfacher Nischen eine gestufte Nische aufweist - eine Verbindung, die häufig vorkommt.

Im Wesentlichen besteht das Bauwerk im Inneren aus kleineren Kammern mit verschachtelten Zugängen, also eine für die zweite Dynastie und späteren Zeitebenen charakteristischen Anlage, die gleichfalls bei Grabkapellen wie auch bei Häusern vorkommt, etwa bei dem zum Grab der Chentkaus in Giseh gehörigen. Inmitten einer Gruppe von drei Kammern mündet der Eingangsweg, die ihrerseits offenkundig Nachbildungen von Häusern, einschließlich der Latrinen darstellen.

Mehrere Wissenschaftler sind der Meinung, König Chasechemui könnte sich nach der Reichseinigung für eine Grabstätte in Saqqara entschieden haben.

Unter dem sog. Westmassiv des Djoserbezirks (vielleicht handelte es sich hierbei um eine dreigeteilte langgestreckte Mastaba von beträchtlicher Länge, deren Mitteltrakt die Seitenteile mit einem flachgewölbten Dach überragte. Die nischengegliederte Ostseite wäre an der  Westseite des Hofes des Djoser – Bezirkes sichtbar. Die zugehörige Umwallung lag vielleicht direkt westlich) genauer gesagt unter dem mittlern Massiv wurde ein ca. 400 x 90m weites Galeriegrab nord–südlicher Ausdehnung entdeckt. Dieses Grab muss jedenfalls älter als die Djoser-Anlage sein, da die Terrassenaufschüttung Djosers nördlich seines Totentempels verdeckt war. Schon ihre Länge unterscheidet sie erheblich von den Magazingalerien des Djoserbezirks, in ihren ausgegrabenen unterirdischen Partien gleichen sie sehr den Königsgräbern der 2. Dynastie des Hetepsechemui und Ninetjer , welche nicht nur ein Begräbnis, sondern auch zahlreiche beschriftete Keramik enthielt, so dass es nahe liegt, hier das Grab eines Vorgängers - von der Größe her am ehesten das des Chasechemui - zu vermuten, an das sich der Grabbezirk des Djosers ursprünglich anlehnte.

Möglicherweise ist die Orientierung des gesamten Djoserbezirks unter Ausnutzung des schon bestehenden sog. Westmassivs erfolgt und dieser Bau später in die Djoseranlage integriert worden. Die unterirdischen Räume sind größtenteils noch kaum erforscht, und teilweise noch mit Beigaben gefüllt. Neben einem menschlichen Begräbnis fanden sich zahlreiche Tierknochen (Opfertiere !) und Scherben von Steingefäßen 

Bei Mariettes Grabung hier um 1860 fand er zwei identische Opfertische aus Alabaster.
(Kairo CG 1321 ;  Höhe 38cm, Länge 89cm, Breite 42cm)  Zwei parallel stehende Löwen   tragen eine gebogene Platte, die leicht nach hinten abfällt. Die Löwenschwänze rollen sich um ein tiefes Gefäß zum Auffangen der Flüssigkeit, in diesem Fall des Blutes, das durch eine Rinne hineinfloss.

Die beiden Tische wurden in einem unterirdischen Grabgang entdeckt, wo sie mit zwei Alabasterplatten neben einer Bank aus Kalkstein standen, worauf menschliche Knochen lagen.


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