"Der Nil, 
der zu seinen Zeiten geht
und zu seinen Zeiten kommt;
der Speise und Nahrung bringt,
der im Jubel herbeikommt, süß geliebt,
der Herr des Wassers,
der das Grünende bringt,
Ihm dienen die Menschen und die Götter verehren ihn."

(altägypt. Hymnus über den Nil - übersetzt von Adolf Ehrmann - die Religion der Ägypter)

 

Das Niltal in pharaonischer Zeit

Ohne den Nil wäre eine Landwirtschaft in Ägypten unmöglich gewesen - wenn man mal von einem kleinen Landstrich an der Küste des Mittelmeeres absieht. Regenfälle sind hier unbedeutend; im Delta nicht mehr als etwa 100 bis 200 mm im Jahr. Im Inneren des Landes kommt es ganz selten zu einem Regenschauer. Während der letzten 2500 km des Flusses bis zum Mittelmeer ist die Niederschlagsmenge so gering, dass der Nil nicht einen einzigen Wasserzulauf mehr hat. 

In Ägypten hatte der Fluss seinen niedrigsten Pegel während der Monate April bis Juni. Im Juli stieg der Wasserspiegel an und Mitte August begann normalerweise die Flut, die bis Ende September im Altertum fast das gesamte Flußtal und das Delta bedeckte. 

Wichtig war vor allem die Anreicherung des Nilhochwassers mit mineralhaltigen Schlick, der aus den Hochebenen Äthiopiens ausgewaschen wurde. Auf natürliche Weise wurden die Felder gedüngt und neues Ackerland geschaffen. 

Die Feuchtigkeit drang tief in den Boden ein und ließ die Ernte wachsen. Fröhlichkeit und Jubel brach unter den Bauern aus, wenn eine hohe Nilschwemme eintraf, während eine niedrige Flut eine schlimme Hungersnot zur Folge hatte.

In altägyptischer Zeit gab es nur eine Ernte pro Jahr. Bei fallendem Wasserstand, während der Monate Oktober bis November, brachte man die wichtigsten Saatgüter in die Erde, die je nach Art zwischen Januar und April geerntet wurden. Getreide für Brot und Gerste für Bier waren die wichtigsten Anbaupflanzen. Dazu gab es Linsen und Kichererbsen, Gemüse wie Lattich, Zwiebeln und Knoblauch, Ölsamen wie Sesam und mehrere Arten von Futterpflanzen für die Tiere, dazu Früchte, insbesondere Datteln. Dattelnpalmen eigneten sich außerdem für die Gewinnung von Fasern, die später weiterverarbeitet wurden.

Flusslandschaften - nur ein schmaler Streifen links und rechts vom Fluss ist grün.

Das Leben der Bauern und Jäger war total vom Fluss und seinen Überschwemmungen abhängig. Heute wie damals überschwemmt das Wasser des Nils die schachbrettartigen Parzellen . In mühseliger Arbeit wurden die Furchen mit einem simplen Holzpflug gezogen, vor dem ein Ochse gespannt war. Noch heute benutzen viele ägyptische Fellachen (Bauern) die gleichen Geräte wie ihre Vorfahren unter den Pharaonen.

Die Ägypter konstruierten für die Trockenzeit einfache, aber wirkungsvolle Geräte, um das Wasser auf die höher gelegenen Äcker zu transportieren. Das Schaduf ist ein Hebel, mit einem Eimer und einem Gegengewicht aus Lehm, welches mittels menschlicher Arbeitskraft das Wasser aus dem Eimer auf die Felder verteilt.

Dieses einfache Gerät wurde im Neuen Reich eingeführt und hatte den Vorteil, dass jetzt auch Flächen bewässert werden konnten, die früher zu hoch für den Ackerbau lagen. Es war nun möglich, das Wasser drei Meter hoch zu heben und sogar noch höher, wenn zwei Schadufs hintereinander aufgebaut waren.

In späteren Jahren erweiterten die Ägypter allmählich die bewässerten Anbauflächen, teils durch  die verbesserte Technik (teilweise importiert) und durch Urbarmachung weiterer, niedrig liegender Landesteile, sowie durch Erschließung der Sümpfe für die Landwirtschaft.

In früheren Jahren waren die Sümpfe Jagdgebiet für die reiche Oberschicht, die hier das Großwild jagte. In diesem Gebiet wuchs auch das Papyrus, welches man für die Herstellung von Schreibmaterial, Booten und Matten benutzte.  

Grab des Sennedjem, (Zeit Sethos I.) - Sennedjem pflügt den Acker mit Hilfe eines Pfluges der von einem Paar gescheckter Rinder gezogen wird.

auch heute noch pflügen Fellachen den Acker mit einem einfachen Pflug und dem Rind, das davor gespannt ist.

 

Nilometer

Schon sehr früh begannen die Ägypter den Wasserstand des Nils zu beobachten. Sie gruben dafür besondere Brunnen, die sogenannten Nilometer. Auf einer Messsäule markierten sie jedes Jahr die Höhe der Nilüberflutungen.  So fingen sie an, Jahr für Jahr zu zählen und die guten und schlechten Jahre zu unterscheiden.

Umfassungsmauer des Karnak-Nilometers 

 Nilometer in Medinet Habu - Ramses II. 

Der Reichtum der Ländereien beruhte auf den Ertrag der Felder. Auch im Karnak-Tempel beobachteten die Priester den Wasserstand des Nils. Neben dem  heiligen See findet man noch heute auf einem zum Wasser führenden Gang die guterhaltenen Decksteine des früheren Nilometers.

Schon von der 1. Dynastie an wurde der Wasserstand des Nils gemessen. Im Laufe der Zeit errichtete man dazu besondere Anlagen. Meist bestanden sie aus einem Schacht und einem Röhrensystem, welches mit dem Fluss verbunden war. Wenn die Tempelanlagen zu weit vom Nil entfernt waren, grub man Brunnenschächte bis zum Grundwasserspiegel wie hier unten in Tanis.

    Nilometerbrunnenschacht von Tanis

                 Zugang zum Tanis-Nilometer

Der Zugang zum Nilometer führte wie hier bei den beiden von Philae, meist über eine Treppe hinab. Auf diese Art und Weise konnte das Steigen und Fallen des Wasserpegels während des ganzen Jahres über genau beobachtet werden. Ungefähr Mitte Juni setzte die Nilflut ein und im September erreichte sie ihren Höchststand. Abgelesen wurden die Daten an einer Skala in ägyptischen Ellen.

Nilometerzugang  in Philae

 Innere des Nilometers von Philae

  2. Nilometerzugang in Philae

16 Ellen galten als Idealhöhe und wurden als "große Überschwemmung ohne üble Folgengewertet. Meist glichen sich aber "schlechte" und "gute" Nilüberschwemmungen wie in dem Traum des Pharaos aus der Bibel von den sieben fetten Jahren und den 7 mageren Jahren wieder aus.

Es gab Nilometerinspektoren, die die Ergebnisse der Messungen an die zuständigen Behörden weiterleiteten. Diese leiteten dann die erforderlichen Maßnahmen ein, um Vorsorge für evtl. Hungerjahre zu treffen. Vorratshaltung im großen Stil  war daher unerlässlich und gehörte zu den wichtigsten Aufgaben im Staat der Pharaonen.

Aber es gab nicht nur im alten Ägypten der Pharaonen Nilometer, sondern diese intelligente Nilbeobachtung fand sich auch im Mittelalter unter arabischer Verwaltung.

Nilometer von Rhoda

Um 715 n. Chr. wurde auf der Nilinsel Rhoda zwischen Kairo und Gizah während der Regierungszeit des Kalifen Suleiman ein Nilometer gebaut, das nach den gleichen Regeln wie bei den Pharaonen funktionierte. In der Mitte des Schachtes befand sich eine Säule, die mit Wasserstandsmarken versehen war. Maßeinheit war die arabische Elle.

Während des Mittelalters wurde diese Anlage mehrmals wieder erneuert und im 20. Jahrhundert wieder in Stand gesetzt.

 



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