Biografie Haremhab

Biografie Ramses I.

Ramses II.

Über die Grabanlage König Ramses I. sind die Gelehrten unterschiedlicher Meinung. Während die einen in der Grabanlage einen Notbehelf sehen, (wegen des frühen Todes des Königs wurde der 3. Korridor zur Sarkophaghalle erweitert - so F. Abitz) nehmen andere an  (Schlögel, Hornung, Kent Weeks), dass die Anlage in Anbetracht des fortgeschrittenen Alters des Königs von Anfang an so geplant war.

Entdeckt wurde KV 16 durch Arbeiter von Belzoni, der hier für Henry Salt grub, am 10. / 11. Oktober des Jahres 1817. Es liegt in einem kleinen, vom Haupttal senkrecht abzweigenden Seitental, in dem vorher noch kein Grab angelegt worden war. Das Grab wurde auch von James Burton und Edward William Lane besichtigt. Dieser fand Überreste von Putz, mit welchem der Durchgang von Gang C und der Grabkammer J verschlossen gewesen war.

Belzoni fand im Grab noch den königlichen Sarkophag sowie weitere Gegenstände der königlichen Grabausstattung vor. Darunter waren zwei lebensgroße, ehemals blattvergoldete Wächterstatuen, ähnlich denen aus dem Grab des Tutanchamun - Statuen, knapp zwei Meter hoch. Des weiteren fanden sich aus Holz geschnitzte Statuetten, die Unterweltgottheiten mit Tierköpfen zeigen.

Das Grab Ramses I. ist das kleinste im Tal der Könige, noch kleiner als das Grab von Tutanchamun.
Die kurze Dauer der Regierungszeit Ramses I. zwang die Handwerker von Deir el-Medina, die ewige Wohnstätte des Königs schnell Fertigzustellen und erklärt die ungewöhnlich kleinen Abmessungen des Korridors und der Grabkammer.
Deutlich ist zu erkennen, dass der Grundriss dem Grab von König Haremhab (KV 57) nachempfunden worden ist. Besonders der Stil der Ausmalung sowie der blaugraue Untergrund und die exzellent ausgeführten Malereien erinnern stark an die, im Grab von Haremhab. Vermutlich arbeiteten hier die gleichen Künstler wie im Grab des Vorgängers. Sie benutzen nicht nur die gleiche Hintergrundfarbe, sondern auch die gleiche Palette von satten, leuchtenden Farben.


(Eingangsschild KV 16 - Grab Ramses I.
 im Tal der Könige)
 - Bild:
Elvira Kronlob

 
Architektur:

Der Plan des Grabes ist recht einfach gehalten. Eine leicht gewundene Eingangstreppe, die aus sieben Stufen besteht, bildet den Zugang zum Grab. Der Zugangskorridor A besteht zum Teil aus einer ca. 40 ° steilen Treppe von ca. 29 Meter Länge und ist damit der kürzeste aller königlichen Korridore im Tal der Könige. Es folgt ein um 20 ° abfallender Korridor B. Dahinter schließt sich wiederum ein Treppenschacht C an, der eine Neigung von 35 ° hat. Die beiden trapezförmigen Seitennischen dieses Treppenkorridors blieben unvollendet.

(Grabzeichnung und Nummerierung nach Tal der Könige /A. Siliotti / Karl-Müller-Verlag 
und Luxor und das Tal der Könige/Kent Weeks)

Die Treppenschächte und die Korridore (A-B-C) sind gut gearbeitet und waren wahrscheinlich vollendet, noch bevor der König starb.  In den Wänden von Korridor B befinden sich zwei gegenüberliegende Löcher, die dazu dienten, einen Balken zu halten, der als Umlenkung benutzt wurde, damit der Sarkophag mit Hilfe von Seilen hinabgelassen werden konnte. Auf dem Treppenkorridor C folgt unmittelbar die Sargkammer J mit den drei Nebenräumen Ja - Jc. Die Grabkammer J wurde aus einem ursprünglich als weiteren Korridor geplanten Raum umgearbeitet. Die Größe des Sarkophages macht deutlich, dass die Grabkammer ursprünglich viel größer hätte werden sollen. Hoch oben in den Seitenwänden der Grabkammer befinden sich zwei Paar Nischen für die "Magischen Ziegel". Die Seitenkammer Jb mag als Raum für den nicht mehr vorhandenen Kanopenkasten gedient haben.

Die Gesamtlänge des Grabes beträgt 49,34 Meter bei einer Fläche von 147,94 m² und einem Volumen von 283,83m³ - bei einer Achse von 240° 24'.

Dekoration:

Als Dekoration der Grabkammer J und der Nebenkammer Ja dienten Szenen aus dem Pfortenbuch (es war aber nur Platz für zwei von den Nachtstunden und auch bei diesen mussten die oberen Register fortgelassen werden). In der Grabkammer J ist der König auch vor den Göttern zu sehen. Die Dekoration ist nur auf Putz aufgemalt, wegen der knappen Zeit musste auf Reliefs verzichtet werden. Der Untergrund ist wie im Grab des Haremhab Blaugrau gehalten, die Malereien sind exzellent  ausgeführt und erinnern stark an die im Grabe Haremhabs. Vermutlich arbeiteten hier die gleichen Künstler wie im Grab Haremhabs, es wurde nicht nur  die gleiche Hintergrundfarbe, sondern auch die gleiche Palette von satten, leuchtenden Farben benutzt. In der Dekoration der Sargkammer ist genau auf die wesentlichen königlichen Elemente geachtet worden, und das Bildprogramm der Götterszenen wurde sogar um neue Motive erweitert.

Nur die Grabkammer J und die kleine Nebenkammer Jb waren bemalt. Die Wände der Sarkophagkammer sind vollständig ausgemalt mit einem durchweg blauem Hintergrund. Auf eine Ausführung im Relief wurde verzichtet. Alle Wände tragen oben als Abschluss einen Chekerfries.

Das Amduat fehlt im Bildprogramm und ist, wie bei seinem Vorgänger Haremhab, durch einen Teil des Pfortenbuches ersetzt. Auf jeder Schmalseite des Raumes ist eine Nachtstunde aus diesem Buch angebracht, rechts die dritte Stunde, links die vierte, beide ohne das obere Register, da die niedrige Wand nicht genug Platz bot.

Auf jeder Seiten des Einganges in die Grabkammer empfängt die Göttin Maat den eintretenden König. Maat verkörpert Recht, Wahrheit und Ordnung, welche auch im Reich der Toten herrschen sollte. Hinter ihr steht der König mit den Göttern Ptah (vor einem großen Djed-Amulett) und Nefertem (mit einem Tit-Amulett), der eine Lotusblüte auf dem Kopf trägt. 

    Rechte Seite des Grabkammereinganges
Der König betritt den Raum und wird von der Göttin Maat empfangen. Ramses opfert und vor ihm stehenden Gott Nefertem zwei Gefäße mit Wein. Nefertem hält in der einen Hand das Anch-Zeichen und in der anderen das Was-Zepter.  

            Linke Seite des Grabkammereinganges
Auf der linken Seite des Einganges wird der König ebenfalls von der Göttin Maat empfangen. Hinter ihr steht der König vor dem Gott Ptah, der auf einem Sockel steht und ein Kompositionszepter aus Was- und Djet-Zeichen in der Hand hält. Hinter Ptah befindet sich ein großer Djet-Pfeiler.

(Bild: Saamunra)

Auf der rechts folgenden nördlichen Querwand der Sarkophaghalle wird im oberen Register in der dritten Stunde des Pfortenbuches die Sonnenbarke von rechts nach links von vier "Einwohnern des Duats (der Unterwelt)" zu einem langgestrecktes Gebilde gezogen. Die Sonnenbarke trägt einen kleinen Schrein, in dem der widderköpfige Sonnengott Re steht. 

                                      Die 1. Pforte 
Das erste Tor (rechts im Bild) wird dargestellt durch ein schmales gelbes Rechteck mit Inschrift, in dem sich die große Wächterschlange "Aqeby" befindet. 

Der widderköpfige Sonnengott Re steht in einem kleinen Schrein, beschützt von den Göttern Sia und Heka und der guten Schlange "Mehen".

                        Barke mit dem Sonnengott Ra
                               
- oberes Register -


1. Tor

(Bildquelle: wikipedia)
Dieses Bild  (links) gilt als gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist)


                "Die Barke der Erde"

Acht mumienförmige Gottheiten, die in Richtung Sonnenbarke stehen, tragen die langgestreckte "Erdbarke", auf dessen Stange (evtl. stellt die Stange auch einen Darm dar) sieben mumiengestaltige Götterfiguren - "Götter, die in der Erdbarke sind" - hocken. 

 

Das Zugseil der Sonnenbarke verschwindet im Maul eines Doppelstieres, durch den die Sonnenbarke offenbar hindurchgezogen wird - der Doppelstier ist nur schematisch durch zwei Stierköpfe und zwei vollständige Stierfiguren angedeutet. Die Erdbarke ist eine symbolische Verdichtdung der gesamten Fahrt durch die Erdtiefe.

Vier weitere "Unterweltliche" ziehen das Zugseil aus dem jenseitigen Stiermaul wieder heraus. Ihnen gegenüber stehen vier mumiengestaltige Gottheiten, die als "wtAw"  (die Gewickelten) bezeichnet werden und symbolisch die Erneuerung darstellen soll - wozu auch das leuchtend weiße Leinen der "Gewickelten" gehört.


 

             Rechte Wandseite der Grabkammer (J)
                     -  3. Stunde des Pfortenbuches -
Die Barke mit dem widderköpfigen Sonnengott Re wird von vier Einwohnern der "Unterwelt" in Richtung der "Erdbarke" gezogen.


(Bild: mit frdl. Genehmigung Saamunra)

               Der Gott Atum kämpft gegen Apophis
                    - unterhalb der Sonnenbarke -
Das  untere Register (unterhalb der Barkendarstellung) den Gott Atum, der sich auf einen langen Stab stützt. Vor ihm ringelt sich die riesige Apophis-Schlange, welche die Fahrt der Sonnenbarke bedroht.


Die Szene im unteren Register wird durch den Türdurchgang in die Nebenkammer Jc unterbrochen und zeigt in der Fortführung Atum in der gleichen Haltung. Vor ihm stehen neun Götter mit Anch-Zeichen und Was-Zepter in den Händen, "die Götter des Unterhalts" (siehe Hornung "Ägyptische Unterweltsbücher", S. 216)

 

Rückwand der Sargkammer:

Auf der rückwärtigen Wand der Sargkammer sind drei Szenen in einem einzelnen Register dargestellt (PM I-8).
Die zwei Hauptszenen befinden sich auf der gleichen Standlinie, während sich die dritte über dem Eingang zur sogenannten "Osiris-Nische" befindet. Im Zentrum der Rückwand thronen
Chepri (ein Gott in Menschengestalt mit dem Kopf eines Skarabäus) und Osiris Rücken an Rücken. Chepri ist die morgendliche, verjüngte Gestalt des Sonnengottes, während Osiris im Neuen Reich als seine nächtliche Erscheinungsform gilt. 

 

    Szene auf der rückwärtigen Wand der Sargkammer

Auf der rechten Seite wird Ramses von den Göttern Harsiese, Atum und Neith zum thronenden Osiris geführt. Auf dem Thronsockel steht eine mit einem Pantherfell bekleidete Figur des Iunmutef (der als idealer Sohn des Osiris gilt) mit erhobener rechter Hand, um den König zu empfangen.


Iunmutef

Die Götter Neith, Atum und Osiris-Sohn-der-Isis führen den verstorbenen König vor dem thronenden Osiris.

Auf der rechten Seite wird Ramses von den Göttern Harsiese, Atum und Neith zum thronenden Osiris geführt. Auf dem Thronsockel steht eine mit einem Pantherfell bekleidete Figur des Iunmutef (der als idealer Sohn des Osiris gilt) mit erhobener rechter Hand, um den König zu empfangen. Aus der Beischrift zum "Horus-Sohn-der-Isis" (Harsiese) geht hervor, dass der König zum "HwtaAt" - (dem großen Palast) geführt wird, welcher sich in der Unterwelt, inmitten des Landes von "Manu" befindet. 

Rede des Iunmutef:
„Zu rezitieren viermal, Iunmutef:  In Frieden! Mögest du ewiglich zufrieden sein, zweimal! “

Rede des Osiris:
„Zu rezitieren:  Ich bin gekommen und ich werde dein Schutz sein. Ich habe deinen Thron dauerhaft gemacht wie Re im Himmel, so dass du ewiglich erscheinst an allen gewünschten Plätzen, Osirsi, Erster des Westens, Wenen– nefer, König des Lebens “

Rede des Horus-Sohn-der-Isis:
Worte gesprochen von Horus, Sohn der Isis, "Kommen und geleiten ihn in den großen Palast, in den Gefilden der Unterwelt (Duat), in der der Mitte des Berglandes im Westen."

Inschrift oberhalb des Königs:
"Ich komme vor dich, Herr der Götter, Großer Gott, Herr des Himmels."

Inschrift über Atum:
Worte gesprochen von Atum, dem Herrn der beiden Länder und Heliopolis, großer Gott, Herr des Himmels, der sich in den beiden Ländern befindet:
Inschrift vor Atum
"Ich gebe dir das Auftreten des Re im Himmel, so dass du wirst wie er."

Inschrift vor Neith:
Worte gesprochen von Neith, der großen göttlichen Mutter, Herrin des Himmels, Herrin der Götter:
"Ich gebe dir den Thron des Osiris, so dass du in ihm ruhen mögest, ewiglich"

 

Nach links folgt eine antithetische Szene, in der der König vor dem thronenden Gott Atum-Re-Cheper opfert. Thron und Sockel sind identisch mit der rechten Darstellung. Der menschengestaltige Gott mit dem Kopf eines Skarabäus hält ein Was-Zepter und das Anch-Zeichen in den Händen. Der König überreicht dem Gott ein Gefäß mit Salbe und weiht ihm vier auf Schlitten aufgesetzte Meret-Kästen, in denen sich Stoffe oder Kleidung befinden.


(Szene der an der Rückwand der Sargkammer – Zeichnung: Lepsius/gemeinfrei)

 

Inschrift oberhalb des Gottes Cheper
"Atum-Re-Chepri, der die beiden Länder und die Unterwelt (Duat) erleuchtet, großer Gott, Herr der Maat."

Inschrift oberhalb des Königs:
"Osiris-König Men-Pechti-Re, Sohn des Sonnengottes, Ra-mes-su, gerechtfertigt vor dem Rat in Ewigkeit und für immer".

Inschrift vor den Opfern:
"Präsentieren der Medjat-Salbe
zusammen mit den vier Meret-Kästen, das getan wird für die Ewigkeit."


Über der Tür zur Osirisnische kniet der König in dem rituellen "Henu"-Gestus zwischen der falkenköpfigen Seele von "Nekhen" (Hierakonpolis) und einer schakalköpfigen Seele von "Pe" (Buto). Die heiligen Ba-"Seelen" der unterägyptischen Stadt Pe und der oberägyptischen Stadt Nechen symbolisieren als Ahnherren die prädynastischen Herrscher der beiden Regionen und galten als mächtige Geister oder Gottheiten, die dem verstorbenen König dienten und auch dem lebenden König halfen. Beide "Seelen" werden oft in der knienden "Henu"- oder "Jubel"-Stellung gezeigt, während sie die aufgehende Sonne begrüßen oder an anderen Festriten teilnehmen.
Die "Seelen" von Pe und Buto flankieren den König im Henu-Gestus und feiern die Verjüngung des königlichen Ba oder der Seele des Königs, da sie selbst Ba oder Seelen sind. Über ihnen ist die geschriebene Henu-Hieroglyphe in der Inschrift der Figuren der Götter sichtbar, welche tatsächlich einfach vergrößerte Hieroglyphen sind.
                                          (Bildausschnitt: mit frdl. Genehmigung
saamunra)

Auf der linken Schmalseite der Grabkammer, die sich an die oben beschriebene Szene anschließt, befinden sich zwei verschiedene Darstellungen:

  1. der König zwischen Horus-Sohn-der-Isis und dem schakalköpfigen Anubis 

  2. und eine Szene aus der vierten Stunde des Pfortenbuches.

Ebenso wie auf der gegenüberliegenden rechten Schmalseite der Grabkammer ist auch die linke Wand - unterbrochen von einer undekorierten Nische - mit Szenen aus der vierten Stunde des Pfortenbuches dekoriert, beide ohne das obere Register, da die niedrigen Wände nicht mehr Platz boten.
Die vierte Stunde des Pfortenbuches beginnt in der linken Ecke der Grabkammerwand mit der Darstellung eines weiteren Tores, das von der aufrecht stehenden Schlange "Djedby" bewacht wird. Die Sonnenbarke sowie deren Insassen sind identisch mit denen der dritten Stunde des Pfortenbuches auf der rechten Seite der Grabkammerwand. 

Der Text auf dem Tor besagt, dass Sia zur Wächterschlange Djedby spricht:

"Öffne dein Tor für Ra, tu auf deine Tür dem ACHTI! Er erhellt die Urfinsternis und bringt Licht in den Verborgenen Raum.  Dann wird diese Tür geschlossen, nachdem dieser große Gott eingetreten ist. Dann klagen die, die in ihrer Pforte sind, wenn sie das Zufallen dieses Türflügels hören."



4. Pforte

Die Sonnenbarke wird von vier "Unterweltlichen" zu einem neunfach geteilten Schrein gezogen, der oben von einer Hohlkehle bekrönt ist. Jedes der neun Fächer des Schreines, die im Text als "Löcher" bezeichnet werden, enthält eine liegende Mumie mit Götterbart. Die Mumien heißen im Pfortenbuch kollektiv "Götter des Osirisgefolges, die in ihren Löchern sind".

Diese Mumien sind Bewohner des Duat, die seligen Verstorbenen. Sie warten auf die Sonnenbarke, die sie wieder zum Leben erweckt, wenn sie vorbeifährt. Der Anruf des Sonnengottes erweckt sie aus ihrem Todesschlaf und versieht sie mit einem neuen Leib, der nicht mehr die Gestalt der Mumie hat. 

Die Verstorbenen werden nur selten als Mumien dargestellt, weil sie sich im Jenseits einen neuen, vollkommenen Körper erhoffen. Ihr erneutes Leben füllt eine Nachtstunde aus, bis der Sonnengott zur nächsten Stunde weiterzieht. 

 

Den Wechsel der Stunden gestaltet eine weitere Szene, die sich im unteren Register rechts neben der Seitenkammer Ja befindet. Auf zwei Dreckecken, die zur Hälfte mit Wellenlinien, zur anderen Hälfte schwarz bemalt sind, stehen sechs "Stundengöttinnen", die in dem "Duat" sind, stellen also insgesamt die personifizierten 12 Nachtstunden dar, welche die Sonne von ihrem Untergang bis zu ihrem Aufgang durchfährt. Die Göttinnen tragen keine Attribute.  Zwischen den beiden Dreiecken ist der Leib einer riesigen, vielfach gewundenen Schlange ausgebreitet. Die Schlange ist hier weiblichen Geschlechts und heißt "Die Entfernende", wobei wohl die Stunden gemeint sind. Über der Schlange steht eine Inschrift: 
"Zwölf, die ausgelöscht werden sollen, sind vor ihr geboren, hier ist es, dass die Stunden sie schlucken."

 

 

    Der König zwischen Horus und Anubis

Die zweite Szene auf der linken Schmalseite des Grabes - im Anschluss an die Nische Ja - scheint hinzugefügt worden zu sein, um einen leeren Raum zu füllen. Die Götter Horus und Anubis halten den König an den Armen. Anubis ist in seiner üblichen Erscheinung dargestellt, Horus-Sohn-der-Isis trägt die Doppelkrone.

Oberhalb des Königs und der Figur des Horus befindet sich eine Inschrift, die hinter dem Gott fortgeführt wird.

"Osiris-König Men-pechti-Ra, Sohn der Sonne, Ra-mes-su, gerechtfertigt vor Osiris."

Worte gesprochen von Horus-Sohn-der-Isis, Großer Gott, welcher im Land der Stille lebt: Er setzt seinen Sohn, den Herrn der beiden Länder auf den Thron (seines) Vaters Osiris."

Jeder der beiden Götter spricht zu dem König als Schützer und Helfer:

vor Horus:  "Ich komme zu dir, Herr der beiden Länder."
vor Anubis: "Ich komme zu dir".

(Bild: mit freundl. Genehmigung saamunra)

 

Nur die kleine an der südwestlichen Seite der Grabes gelegene Nische Jb (unterhalb der Szene des knienden Ramses an der Seite der "Seelen" von Pe und Nechen) ist dekoriert. In diesem kleinen Anbau wird eine Darstellung aus der 4. Stunde des Pfortenbuches gezeigt. Der mumiengestaltige Gott Osiris steht in seiner besonderen Form von "Chontamenti" - ( Ab dem Neuen Reich trug der Totengott Osiris auch den Beinamen "Chontamenti" - was in etwa "Vorderster der Westlichen" bedeutete) - in einem Schrein auf einer welligen Schlange. 

Vor ihm steht eine aufgebäumte Uräus-Schlange (die "Flammende") und hinter ihm der Gott Re oder in einer seltenen Erscheinung Anubis mit einem Widderkopf anstelle des Schakalkopfes, der beschützend seine Hände auf die Schultern Osiris legt. 

Diese Szene gehört eigentlich zur vierten Stunde des Pfortenbuches, in der es um den Schutz des Osiris geht. Die anderen Wände dieser Nische Jb sind nicht dekoriert.

 

Grabausstattung:

Der heute restaurierte rote Granit-Sarkophag mit seinem gerundeten Deckel, der von den Plünderern in der Antike zu einem nicht näher bekannten Datum (wohl gegen Ende des Neuen Reiches) mit Gewalt geöffnet und dabei beschädigt worden ist, befindet sich wieder an seinem ursprünglichen Platz in der Sargkammer. Der Sarkophag blieb ebenso wie das Grab unvollendet, denn die Inschriften auf dem aus rot bemalten aus Granit bestehenden Sarkophag waren nur mit gelber Farbe aufgemalt (mit schwarz ausgemalten Details), nicht mehr eingemeißelt – übrigens recht hastig, wenn man die Zahl der Textfehler bedenkt. 

        Sarkophag Ramses I.

An den Seiten sind die vier Horussöhne sowie Thot, Isis, Anubis und Nephthys dargestellt, auch diese erscheinen recht ungeschickt durchgeführt. Wie es Brauch war, ist Isis am Fuß und Nephtys an der Kopfseite des Sarkophages dargestellt.

 

(Bild: saamunra)

Der Entwurf des Sarkophages greift auf frühere Prototypen der 18. Dynastie zurück (vielleicht handelt es sich ja sogar um eine nicht benutzen Sarkophag aus einem Magazin?) und ist nur an der rechten Seite vollständig erhalten, aber die verlorenen gegangenen Teile haben glücklicherweise auf einer von Lepsius angefertigten Kopie überlebt.

                Fußseite des Sarkophags 
Die Göttin Isis sitzt auf der Hieroglyphe "nut" (Gold)
                                   (Zeichnung: Lepsius)
               Seitenwand der Sarkophagwanne
Thot trägt auf seinem Szepter die Himmelshieroglyphe 
                        (Zeichnung: Lepsius)

Es hat auch den Anschein als wären einige der kleinen Statuetten (?) die zur königlichen Grabausstattung gehörten gegen die Wände der Sarkophagkammer geworfen worden

Denn er fanden sich Spuren von Blattgold auf dem bemalten Stuck der Wände, die von der Vergoldung dieser Statuetten stammen könnten.

Wächterstatue aus dem Grab Ramses I.
   - die schlechter erhaltene Statue -
Brit. Museum BM EA 854
Wächterstatue aus dem Grab Ramses I.
       - die besser erhaltene Statue -
Brit. Museum BM 883

Außer dem königlichen Sarkophag fand Belzoni 1817 im Ramses I. Grab zwei lebensgroße blattvergoldete, knapp zwei Meter hohe Wächterstatuen, mit ursprünglich eingelegten Augen, die sich heute im Britischen Museum London befinden. Des weiteren fand Belzoni aus Holz geschnitzte Statuetten, die Unterweltsgottheiten mit Tierköpfen zeigen, so eine mit Nilschildkrötenkopf - heute im Museum Berlin EA 61416.

Lassen wir nun Belzoni selbst zu Worte kommen:

" Nach Passieren eines zweiunddreißig Fuß langen und acht Fuß breiten Durchgangs, stieg ich eine achtundzwanzig Fuß lange Treppe hinunter und erreichte einen einigermaßen großen und schön bemalten Raum [ ...] von siebzehn Fuß Breite.

Die Decke war gut erhalten, bot aber nicht den besten Stil dar. Wir fanden einen Granitsarkophag mit zwei Mumien, und in einer Ecke stand aufrecht eine sechs Fuß und sechs Zoll große, herrliche aus Mandelbeerholz geschnitzte Statue; bis auf die Nase ist sie fast vollständig. Desgleichen fanden wir Holzbildnisse von Symbolfiguren. Einige tragen einen Löwen- , andere einen Fuchs – und wieder andere einen Affenkopf. Eines hatte anstelle des Kopfes eine Landschildkröte. Wir fanden ein Kalb mit dem Kopf eines Nilpferdes. 

Zu jeder Seite der Kammer befand sich eine kleinere von acht Fuß Breite und sieben Fuß Länge;  und am Ende war eine weitere, zehn Fuß lange und sieben Fuß breite Kammer. In der Kammer zur Rechten entdeckten wir eine Statue, die der ersten glich, aber nicht vollständig erhalten war. Zweifellos hatten die Statuen zu beiden Seiten des Sarkophages gestanden und eine Lampe oder anderen Beigaben in den Händen gehalten, denn eine Hand war in der entsprechenden Pose ausgestreckt, und die andere hing herunter. Der Sarkophag war mit nur gemalten oder skizzierten Hieroglyphen bedeckt; er zeigt ost-südostwärts. “

 

Die Mumie:

Die beiden von Belzoni im königlichen Sarkophag gefundenen Mumien stammen aus einer späteren Zeit und sind nicht königlich. Im Jahr 6 des Herihor (Herihor bezeichnet sich hier zwar als Beamter, muss zu dieser Zeit aber bereits die Königswürde angenommen haben) wurde das Begräbnis Ramses I. „erneuert“, die Mumie aber im Grab belassen. Unter König Smendes/Pinudjem I. wurde die noch in seinem Sarkophag befindliche Mumie Ramses I. zusammen mit der Mumie Ramses II. in Ersatzsärgen liegend in das benachbarte Grab Sethos I. (KV 17) umgebettet, dann eventuell ins Grab der Königin Ahmose Inhapi (WNA ?), einer Gemahlin entweder von Seqenenre Taa (Ende 17. Dynastie) oder von Ahmose I. (18. Dynastie) abermals umgebettet. Im Jahre 10 König Siamuns wurden die Mumien abschließend in die königliche Cachette DB 320 gebracht (gemäß der Sargaufschrift – Sargetikett vom Typ 1 und eins vom Typ 2). Allerdings wurden 1886 vom Ersatzsarg Ramses I. in DB 320 nur noch zwei Fragmente aufgefunden. In ihnen lag die Mumie der sogenannten "unbekannten Frau B", bei der es sich vielleicht um Tetisheri (?) handeln könnte.

Die teilweise mehrfachen Umbettungsaktionen wurden auf Schildern (Dockets) oder direkt auf den Mumienbinden vermerkt. Auch überlieferte Papyri geben Auskunft über die Abläufe, so wie hier:

Jahr 6 Herihor ( 1075-1069 v. Chr. 
Erneuern der Begräbnisstätten Ramses I., Sethos I. und Ramses II. Sie wurden wieder bestattet - in ihren eigenen Gräbern.

Der Verbleib der Mumie Ramses I. ist bis heute nicht eindeutig ungeklärt. Es gab sogar eine Vermutung, dass die königliche Mumie von Grabräubern an zwei Damen verkauft worden sei, die sie dann „pietätvoll“ dem Nil übergeben haben sollen. 

Die vermeintliche Mumie Ramses I. machte später nach ihrer Auffindung in der Cachette DB 320 eine wahre Odyssee. Der Ägypter Abd el-Rassul (aus einer sehr bekannten Familie) verkaufte die Mumie an einen Amerikaner. Seit 1871 befand sie sich  in Canada im Niagara-Falls-Museum und blieb dort bis ins Jahr 1999. Danach verkaufte man sie an das Michael C. Carlos Museum in Atlanta/USA. Nach langen Verhandlungen wurde sie 2004 dem Ägyptischen Museum Kairo zurückgegeben. Zahi Hawass identifizierte sie als die Mumie König Ramses I., hauptsächlich aufgrund der Familienähnlichkeit mit der des Sethos I., seinem Sohn. 

In den Medien wird diese königliche Mumie nach umfassenden Untersuchungen allgemein als die von König Ramses I. bezeichnet. Diese Zuordnung wurde zuerst von Arne Eggebrecht vorgeschlagen, vorwiegend wegen der gekreuzten Armhaltung (die Rechte über der Linken), die typisch bei königlichen Mumien dieser Zeit ist. Trotzdem sind Zweifel an der Identität der Mumie angebracht. Vielleicht kann eine genauere Zuordnung der Mumie in naher Zukunft vorgenommen werden, wenn eine Genanalyse mit seinem Sohn Sethos I. möglich ist.

Sarkophage des Ramessu/Paramessu im Beamtengrab in Gurub

1920 wurde in Gurob im Faijum eine unter Wasser stehende Grabanlage entdeckt ( Nr. 5), in der sich ein Rosengranitsarg, dessen Sargwanne Kufen aufwies, gefunden. Die dortige Nekropole gehörte zu der königlichen Residenz von Gurob, die ein bevorzugter Aufenthaltsort der Königinnen und Königswitwen der 18. und 19. Dynastie war.

Den Titeln und Namen nach gehörte er dem hohen Offizier und Wesir Paramessu. (der wohl identisch ist mit dem späteren König Ramses I.) Der Sarg ist anthropoid, der Deckel zeigt Paramessu in der Tracht des Wesirs. Die im Sarkophag gefundenen Knochen stammen von einem buckligen Mann, von nicht einmal dreißig Jahren. Dabei handelt es sich zweifellos um eine Sekundärbestattung.

Sarg A 
aus Grab bei Gurob (Außensarg)
Deckel heute in Kairo JdE 30707 und
Wanne heute in
Kairo JE 46764
Material: Rosengranit

Maße: Länge 2,24 Meter
             Breite 0,92 Meter

 

1939 fand sich in einem Schacht außerhalb des Tempelbezirks von Medinet Habu ein weiterer anthropoider Sarkophag aus grauem Granit, der dieselben Titel und Namen trägt, wie der aus Gurob stammende. Auch er zeigt Paramessu in der Tracht des Wesirs auf dem Deckel. Eine Bestattung wurde in diesem Sarg nicht vorgefunden. 

Sarg B
aus Theben-West, Medinet Habu (Innensarg)
heute in Kairo JdE 72203
gefunden 1939 in einem Schachtgrab in der Nähe des Tempels von Medinet Habu

Material:  feiner grauer Granit
Maße: Länge  1,94 m
             Breite  0,54 m

 

Nach der Thronbesteigung Ramses I. wurde sein Beamtengrab Grab in der Gegend von Gurob nicht mehr gebraucht, offenbar wurde der Innere der Särge von Äußeren getrennt aus dem Grab entfernt und nach Theben gebracht (zur Wiederverwendung ?).
(Quelle: Brunton: The Inner Sarcophagus of Prince Ramessu from Medineth Habu - ASAE 43 [1943] - S.133 ff. & Taf. VII - XI.) 

Beide Särge die genau ineinander passen, wurden zu Lebzeiten Paramessus mit einer Reihe neuer Inschriften versehen. Durch diese Änderungen und Zusätze in den Inschriften der Särge lässt sich die Laufbahn des Wesirs, Thronfolgers und späteren König Ramses I. anschaulich belegt.

Vor der Thronbesteigung Haremhabs war Paramessu „nur“ Militär, zunächst Ts pDt dann Hrj  wpwt j  njswt, schließlich General. Erst während der Regierungszeit Haremhabs erhielt er dann auch hohe zivile Ämter, die mit Ausnahme des Wesirats auch Haremhab unter König Tutanchamun und Eje eingenommen hatten und die nun Paramessu wohl auch eine ähnliche Machtfülle sicherten, wie Haremhab zuvor. Das Amt des Wesirs wird Paramessu erst unter Haremhab erhalten haben, denn zur Regierungszeit Tutanchamuns sind wahrscheinlich noch zwei Wesire im Amt.

Mit Paramessu wird zum ersten Mal in Neuen Reich ein Militär zum Träger des höchsten zivilen Amtes eines Wesirs belehnt. Zu diesem Zeitpunkt ließ sich Paramessu die beiden Schreiberstatuen (gefunden im Tempel von Karnak) die Särge und wohl auch sein Grab in Gurob anfertigen. Das Grab in Gurob Nr. 5 scheint wohl wirklich von Paramessu ursprünglich angelegt worden zu sein. Darauf weist neben dem meist unbeachtet gebliebenen Fragment eines Alabastergefäßes, das deutlich Reste des Beinamens von Paramessu  nb wbn  zeigt. Auch eine Eintragung im Tagebuch der Grabung weist darauf hin, dort ist die Rede von einer weiteren Kammer, die im Plan der Publikation des Grabes nicht eingezeichnet und auch im Text nicht erwähnt ist. Diese Kammer enthielt eine offenbar ungestörte, recht aufwendige Frauenbestattung, deren  Art und Beigaben nach den Angaben des Grabungs-Tagebuchs eine Datierung in die frühe 19. Dynastie zulassen, wonach es sich dabei also durchaus um die Bestattung eine Familienmitgliedes von Paramessu handeln könnte.

Zu einem späteren Zeitpunkt – das zeigen die Ergänzungen auf den beiden Särgen – wird Paramessu zA  njswt und schreibt nun seine Namen invariabel in der Form Ra-ms-sw und fügt ihm den Beinamen nb  wbn  hinzu. Dieses Stadium in der Laufbahn des (Pa-) Ra–messu ist sicherlich vom nächsten, in dem er seinem Namen in Kartusche schreibt, zu trennen. Den Höhepunkt seiner Laufbahn erreichte (Pa-) Ramessu dann wohl gegen Ende der Regierungszeit des Haremhab. Er erhält das Privileg, seinen Namen in Kartusche schreiben zu dürfen. (Inwieweit dieses auf eine Koregentschaft mit Haremhab hinweist, ist zweifelhaft)

Murnare hält eine Koregentschaft grundsätzlich für möglich und verweist auf die Inschrift eines Miniatur-Obelisken (?), die den Beginn die Titulatur Ramses I. neben der von Haremhab zeigen) Damit wird vielleicht ein Brauch wiederbelebt, demzufolge in der ersten Hälfte der 18. Dynastie wirkliche Prinzen, die zu Thronfolgern bestimmt waren, ihren Namen in Kartusche schreiben konnten. (Pa-) Ramessu nimmt den Prinzennamen  Ra-ms-sw  mrj-Jmn (Ramessu-meriamun) an, dessen Bildung folgte wohl der des Namens seines Königs Haremhab, der für seinen zweiten Kartuschennamen ebenfalls seinen alten „privaten“ Namen wählte, und ihn als erster König des Neuen Reiches den Beinamen Mrj-Imn hinzufügte. Der Name R-ms-sw  mrj-Jmn, den (Pa-) Ramessu als Prinz trägt, unterscheidet sich nun einerseits von dem später vom König getragenen Namen (Ra-ms-sw / Ra-ms-s) und anderseits entspricht er dem Geburtsnamen seines Enkel Ramses II. Damit hat Sethos I. vielleicht seinen ältesten Sohn den Namen als Geburtsnamen gegeben, den sein Vater als Prinz getragen hatte.  

 Kopfseite des äußeren Sarges von Paramessu/Ramessu        Kopfseite innerer Sarg des Paramessu/Ramessu

(Co-Autor J. H. Pirzer)

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