Prinzengräber


Biografie Ramses III.

Wie bereits anderenorts erwähnt, liefen bereits Ende des 29. Regierungsjahres Ramses III. die Vorbereitungen für das im 30. Jahr geplante Erneuerungsfest des Königs. Der König war nun etwa sechzig Jahre alt und die innenpolitische Lage Ägyptens trieb offensichtlich auf einen bedrohlichen Konflikt zu. Im Palast wurden höchstwahrscheinlich Intrigen gesponnen, um einen bestimmten Prinzen die Thronfolge zu sicher.

Betrachten wir nun kurz die Umstände, nach dem heutigen Stand der Erkenntnisse, die eine solche Verschwörung erst ermöglichte.

Ramses III. scheint während seiner langen Regierungszeit keine seiner Frauen zur "Großen königlichen Gemahlin" gemacht zu haben, wo immer in Reliefs eine Königin auftaucht, bleibt ihre Namenskartusche leer. 

Die Wandreliefs der von ihm errichteten Tempel sind, obgleich königliche Gemahlinnen und Prinzen dargestellt wurden, ohne die Angaben ihrer Namen geblieben. Wenngleich es hierfür andere Gründe gegeben haben mag, ist nicht auszuschließen, dass der König ein eigenwilliges Verhältnis zu seinen Familienmitgliedern gehabt hatte. Dadurch gibt es auch so gut wie keine Erkenntnisse, wer die Mütter der Söhne Ramses III. waren, noch steht die Anzahl, die Geburt- und Rangfolge seiner Söhne fest.

Eine Hauptgemahlin Ramses III. könnte die Mutter (?) Ramses IV. namens Isis gewesen sein, deren Mutter den Namen Habasjit ( !bnrDt oder !mDrt ) trägt, stammte wohl aus Vorderasien. Es gab anscheinend bis kurz vor seinem Tod auch keinen designierten Nachfolger. Damit war der Weg frei für Auseinandersetzungen der verschiedenen Königsfrauen, die jede für ihren Sohn das Nachfolgerecht durchsetzen wollte.
Deutlich sichtbar wird das Zaudern des alternden Königs, eine Entscheidung in der Nachfolge zu treffen, in den Reliefs (Prinzenprozession) seines Totentempels in Medinet Habu. Nach dem spätesten Datum zu urteilen, wurde der Tempel im 12. Jahr Ramses III. vollendet. Links und rechts vom Eingang an der Rückseite des zweiten Hofes ließ Ramses III. jeweils 13 Söhne darstellen, weitere 6 an der rechten Seite des Portikus.


siehe Prinzenprozession
- Medinet Habu -

Gegenteilig zum Vorbild der Prinzenprozession im Ramesseum von Ramses II. waren die Prinzen anonym geblieben, so wie auch die Kartuschen der Königin im Totentempel nicht ausgefüllt wurden. Dies ist eigenartig, wie sehr Ramses III. seine Nachfolge in der Schwebe ließ, da auch feststeht, dass der Sohn, der dann Ramses III. auf dem Thron folgte, damals schon gelegt haben muss. Namen und Titel wurden erst nach dem Tode Ramses III. bei den ersten 10 Prinzen der Prinzenprozession in Medinet Habu beigefügt. 

Ramses IV. trug sich mit seinem Prinzentitel in die Liste bei der Nr. 1 ein, obwohl er weder der Älteste der Söhne Ramses III., noch der erste in der Reihe der Thronfolger war. Ramses IV. ließ auch die große waagerechte Inschriftenzeile unter die Prozession der Prinzen setzen. Die restlichen Namen ließ Ramses VI. den Figuren beischreiben (abgesehen von den Namensringen bei Nr. 4, die später von Ramses %tX-Hr-xps.f beigeschrieben wurden). Ramses VI. ließ der Nummer 2 und 3 seinen Namen beifügen und den restlichen Titel und Namen soweit der Platz reichte.

1. ( Ra - msj - sw )| Ramses IV.
2. ( Jmn - Hr - xps.f )| Ramses VI.
3. ( Jmn - Hr - xps.f )| Ramses VI.
4. ( %tX - hr - xps.f ) (..........)| später König Ramses VIII.
5. ( PA - Ra - Hr - wnw.f  
6. ..........  
7. Mry - Jmn  
8. #a j - m - WAst  
9. Jmn - Hps.f  
10. ..........  

Sicher ist, dass Ramses IV. nicht von vornherein für die Thronfolge ausersehen war. Vor ihm kamen anscheinend 

  • Jmn - (Hr) - xps.f        (Grab QV 55) - Amunherchepeschef - mit dem Titel jrj - pa - t  Hrj - tp  tAwj,
  • PA - RA - Hr - wnmj.dt  (Grab  QV 42)  - Paraherwenemef - 
  • #a - m - wAst               ( Grab QV 44)  - Chaemwese -

beide mit dem Titel sA - nswt  tpy  ( " ältester Königssohn" ) - ob sie das wirklich waren, läßt sich nicht erweisen. Vielleicht jeweils nur zu einem bestimmten Zeitpunkt (?) - wie zuletzt

  • %tX - Hr - xps.f           ( Grab QV 43 ) -  Sethherchepeschef - mit dem Titel " sA - nswt  smsw " als designierter Thronfolger.

Jedoch starben einige davon noch unter der Regierung Ramses III. Neben diesen Prinzen erhielt auch Prinz Ramses (der spätere Ramses IV.) ein Grab im Tal der Königinnen - QV 53 - wo nur er und sein Bruder Amunherchepeschef - QV 55 - , der spätere Ramses VI. als "geboren von der großen Königlichen Gemahlin" hervorgehoben werden. Allerdings ist in beiden Fällen ihr Name nicht genannt, aber die meisten Autoren vermuten in ihr die Königin Isis, die als Tochter einer gewissen Habasillatu (Habadjilat) " Standlilie", eine Frau nichtköniglichen Geblüts, eine halbe Asiatin ist.

Erst gegen Ende seiner Regierung ringt sich der alternde König, wohl bedrängt zu Maßnahmen durch, welche die Erbfolge – vielleicht immer noch provisorisch – festlegen sollte. Für die bevorzugten, ranghöchsten Prinzen werden im Tal der Königinnen dekorierte Gräber angelegt, die sich in ihrem Bildprogramm teils an früheren Königinnengräber, teils auch an Details des königlichen Grabes Ramses III. orientieren. Durch ihre Dekoration, in der die Gestalt des Königs dominiert, dienen auch diese Prinzengräber in erster Linie dem jenseitigen Fortleben Ramses III., und der jeweilige Prinz spielt nur eine sekundäre Rolle.

Dabei erschein in der Sargkammer nur der König, der als Osiris bereits der göttlichen Sphäre angehört, nicht aber die Prinzen!  Aus der Sargkammer des Königsgrabes KV 11 wird das Motiv der Wächtergottheiten in die Prinzengräber übernommen.

In den späteren Jahren Ramses III. tritt uns dann Prinz Ramses (IV.) als der ranghöchste Königsohn entgegen, was sich vor allem im Titel eines „ Generallissimus “ (mr - ms   wr) Amenemope, datiert in das 27. Regierungsjahr Ramses III.  Noch auf einer Reihe weiterer Denkmäler erscheint Ramses mit diesem Titel, den kein anderer Prinz unter Ramses III. trägt.

Man kann sich gut vorstellen, saß diese plötzliche (?) und eindeutige Erhöhung Prinz Ramses, der bereits etwa 40 Jahre alt war, Reaktionen ausgelöst hat, die letztlich zur berühmten Harimsverschwörung führten. Allerdings gibt es darüber unterschiedliche Ansichten bei den verschiedenen Wissenschaftlern!

Es ist zwar nicht nachgewiesen, dass Ramses III. wirklich einem Mordanschlag zum Opfer fiel, doch beziehen sich mehrere Papyri auf einen Anschlag, der gegen ihn verübt wurde. (Juristischer Papyrus Turin, Papyrus Rollin und Papyrus Lee)                            
Obwohl keiner dieser Papyri datiert ist und auch der Zeitpunkt des Attentates nicht erwähnt wird, nimmt man allgemein an, dass sie wie auch der Papyrus Harris I., von Ramses IV. verfasst wurden, und dass der Anschlag im letzten Regierungsjahr Ramses III. (Jahr 32) erfolgte.

( Anmerkung des Verfassers: Bei genauerer Betrachtung, ist das Datum des Anschlags rein spekulativ – wie leider so vieles in der ägyptischen Geschichte ! Es besteht kein zwingender Grund, die Verschwörung gegen das Ende der Regierung Ramses III. anzusetzen, sie kann auch viel früher stattgefunden haben. Da die Akten undatiert sind, was bei Gerichtsakten allerdings recht merkwürdig anmutet, gibt es in den Dokumenten keinerlei Hinweis darauf, dass das Attentat überhaupt am Ende der Regierung Ramses III. verübt wurde. Daraus folgt weiter, dass der Prozess zu Lebzeiten Ramses III. stattgefunden hat.) 

Ramses IV. hat den Prozess nachträglich (?) wohl schriftlich rekonstruieren lassen, um zu zeigen, dass Ramses III. sich bei der Verurteilung der Verschwörer keiner Fehlentscheidung schuldig gemacht habe.

Der wichtigste der Prozesspapyri ist der in Turin befindliche Papyri (Papyrus judiciare), er ist in großen hieratischen Buchstaben geschrieben, wie es bei einem so hochwichtigen Staatsdokument üblich war. Vermutlich stammt er aus der Tempelbibliothek von Medinet Habu, er wurde 1799 durch Drovetti erworben oder gefunden ?

Insgesamt berichten folgende Papyri über die Ereignisse:
1. Papyrus Judiciare de Turin 1875  ( KRI /Ram. Inscr. V.  350 – 360) 
2. p Lee  ( KRI / Ram. Inscr. V.  361 – 363) 
3. p Rollin  (KRI / Ram. Inscr. V.  360 – 362)
4. pp Rifand  A, B, C , E  ( KRI / Ram. Inscr.  363 – 366)

5.

p Varzy   (?)

Anscheinend plante eine der Königsfrauen namens Tiji (Teje / &y) ihren Sohn mit Namen Penta – wert (PentawerP3 - n - t3 - wrt / Pn - t3 - wrt) mit Hilfe von anderen Harimsfrauen und Harimsbeamten sowie anderer hoher Beamter auf den Thron zu bringen. Beteiligt waren 28 (29?) männliche Personen und eine größere Anzahl von Frauen ( über 40 Hofleute waren in den Fall verwickelt) Ihre Bedeutendste war eine zum Harem gehörende Frau aus adeliger einflussreicher Familie, deren Bruder der Militärkommandant von Kusch war (Hauptmann der nubischen Bogenschützen), weiter Militärbeamte, darunter sogar ein hochrangiger Truppenführer namens Paiis (mr - ms a)  Ein Polizeihauptmann namens Nanai sicherte das Unternehmen ab.

J. Breasted vermutete in Tijji die Stiefmutter Ramses III. d. h. eine Nebenfrau König Seth – nachte, wobei Pen – ta – weret ein Halbbruder Ramses III. gewesen wäre.

Harris / Wente (X – Ray Atlas) meint Tijji könnte mit der Mutter Tijji – meri – en – Iset identisch sein und Pen – ta – weret somit Ramses III. jüngerer Bruder gewesen sein – dies ist meiner Meinung nach äußerst unwahrscheinlich.

Goedicke vertritt mit J. Breasted die Ansicht, dass Ramses III. bei dem Anschlag schwer verletzt wurde und 21 Tage nach dem Attentat starb.

Liste der Hauptverschwörer

Der Kammerherr Pekkamen
Die Kammerdiener  1) Medsedsure/Mesudre (" von Re gehasst "- "Re hasst ihn")     
                                      (sein richtiger Name war wohl Mery-re)
                                  2) Weren
                                  3) Peluka
                                  4) Yenini ( ein Libyer )
Pendua , der Schreiber des Harims
Die Harimsaufseher 1) Pejnok
                                   2) Petennamen
                                   3) Kerpes
                                   4) Chamopet
                                   5) Chammale                   
Pere / Pariri, - der Aufseher des "Weißen Hauses" Schatzmeister,
Binemmese, ein Hauptmann der nubischen Bogenschützen
6 Ehefrauen von Wächtern am Harimstor

Unter den "großen Verbrechern" befand sich auch der Sachmet-Priester Iri, der uns gut bekannt ist dank dem erhaltenen Tor aus Kalkstein, das den Eingang zu seinem Anwesen in der königlichen Residenz im Ostdelta bildete. Er stammt ursprünglich aus Bubastis und führte auf seinem Eingangstor auch die Titel eines "Staatssekretärs " ( zs - nswt ) und "Obersten Ritualisten ( Hrj - Hb  Hrj - tp ),bekleidete also einen recht hohen Rang. Als hächster Priester ( mr  wabw ) der Göttin Sachmet war er eng mit der Sphäre von Magie und Medizin verbunden, die bei dem geplanten Königsmord (?) eine besondere Rolle spielte. Der Papyrus Rollin berichtet von der Anbetung von Götter und Menschenfiguren aus Wachs zum magischen Gebrauch.

Auf seinem Kalksteintor richtet Iri noch Gebete an den König und äußert den Wunsch, ein- und auszugehen im Palast "beladen mit seiner Gunst", aber wenig später hilft er dabei mit, seinem König gerade aus dem "Lebenshaus" einen vorzeitigen Tod zu bringen.

Auch fast alle Beamten des Frauenhauses waren als Helfer an der Verschwörung beteiligt oder zumindest schweigende Mitwisser, woraus man schließen kann, für wie aussichtsreich sie die Verschwörung hielten.

Kopf der Verschwörer und sehr wichtig für die Pläne der Königsfrau Teje war die Beteiligung des höchsten Harimsbeamten / Kammerherr des Großen des Hauses Pi – bekek – amen “      ( a3  n  at  /  Pekkamen  /  Paibakamen), was soviel wie „ blinder Diener “ bedeutet und auf den Namen Palakenamun, „ Diener des Amun “ zurückgeht. Er vermittelte vor allem Schreiben und erteilte wohl innenpolitische Ratschläge. 

Der Papyrus judiciare Turin 1875  berichtet über ihn:

„ Der Erzfeind Pabbakamen, der Oberster Kammerherr war, wurde vorgeführt, weil er mit Teje [einer Nebenfrau Ramses III.] konspirierte sowie den Frauen des Harems und sich mit ihnen verbündete und sich anschickte, ihre Worte hinauszutragen [aus dem Harim] zu ihren Müttern und Brüdern, um ihnen aufzutragen: Schart Leute um euch, schürt Feindseligkeit, um den Aufstand gegen den Herrn zu beginnen. Also wurde er vor die hohen Beamten des Ortes der Untersuchung gebracht. Sie untersuchten seine Verbrechen und stellten fest, dass er sie tatsächlich begangen hatte. Seine Missetaten fielen auf ihn zurück, und die Beamten, die ihn ausgeforscht hatten, sorgten dafür, dass er seine Strafe erhielt “.

Aus der höchsten Ministerialbürokratie konnte man den Schatzmeister Pairi gewinnen, ebenso den Oberaufseher des Großviehs (" Vorsteher der Rinder " - im.i - ra iH.w ) P3 - n.i - hwy - bin ( p Lee 1,2). ) P3 - n.i - hwy - bin ( p Lee 1,2). Dieser stahl aus der Bibliothek des Palastes eine Papyrusrolle mit magischen Sprüchen und stellte danach nach Anweisungen des oben erwähnten Sachmetpriesters " Iri " Wachspuppen her auf die Namen geschrieben wurden – vermutlich die treuen Anhänger des Königs und des Königs selbst (?) – und vollzogen magische Praktiken an ihnen.

Weiter waren fünf Richter und mindestens ein Truchsess an der Verschwörung beteiligt, also besaß  sie eine ansehnliche Basis.

Wahrscheinlich sollte die Verschwörung während des Aufenthalts des Königs beim Talfest im Palast von Medinet Habu durchgeführt werden, gleichzeitig sollte eine Heeresabteilung aus Kusch in Oberägypten einmarschieren und den Putsch unterstützen. Doch aus uns unbekannten Gründen scheiterte der Versuch oder die Verschwörung flog vorzeitig auf. Ob der König wirklich dabei getötet wurde (vielleicht auch nur verwundet?) bleibt ungeklärt.

Dies alles geschah wahrscheinlich, bevor Ramses III. eine Wiederholung seines Sedfestes, das alle drei Jahre nach seinem Ersten fällig gewesen wäre, durchführen konnte. Gleich nach den Ereignissen wurde aus 14 besonders vertrauenswürdigen Beamten ein Sondergericht gebildet, dem volle Freiheit gelassen wurde.

Es setzte sich zusammen aus

  • 7 königlichen Kammerdienern
  • 2 Schatzmeistern
  • 2 Standartenträgern des Heeres
  • 2 Schreiber
  • 1 Herold.

Interessanterweise verraten einige ihrer Namen eine ausländische Herkunft.

Zwei verschiedene Gruppen hielten Sitzungen: die eine, die sechs Mitglieder umfasste, die Großen Fürsten des Untersuchungsgerichtes “, entschieden über die Beamten niederen Ranges, die an der Verschwörung beteiligt waren. Anscheinend wurden alle zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die andere Gruppe der vier Personen angehörten, alles Truchsesse, richtete die Beschuldigten hoher Abstammung. Auch sie verhängten nur Todesurteile, allerdings durften die Schuldigen Selbstmord begehen.

In den Prozessprotokollen wird über die Vorgängen selbst nichts berichtet; man beschränkte sich auf Anspielungen, auch von der Anstifterin der ganzen Verschwörung und ihrem Sohn sind nur die Namen genannt (sonst werden sie nirgends erwähnt).

Auch bleiben viele der anderen Angeklagten bloße Namen für uns, die auch noch absichtlich verfremdet wurden, offensichtlich weil bei ihrer Bildung ein glückverheißendes Wort Verwendung gefunden hatte.

So wird ein  Truchsess sicher nicht " Mesedure " geheißen haben, der ihm hier beigegeben wird, denn "mesed" bedeutet „ hassen “; und so hieße er „ Re hasst ihn “; sein richtiger Name wird wohl Mersure gelautet haben also „ Re liebt ihn “. Genauso ist es wohl bei Paibekkamen der sicher auch nicht „ der blinde Diener “ hieß. Ein hoher Offizier trägt den Namen Bin – em – wese, dies würde bedeuten „ Schlecht in Theben “, gewiss lautete sein richtiger Name Nefer – em – wese Gut in Theben “.

  Nun zum Papyrus judiciare Turin  1875.

Wir übergehen zunächst die lange nur bruchstückhaft erhaltene Einleitung, die dem eigentlichen Bericht vorangestellt ist und beginnen mit dem ersten Abschnitt:

"..............................................................................................................................................

Nun werde ich euch der Wahrheit gemäß berichten, wie sich alles zugetragen hat und wer diese Verbrechen begangen hat. Ich tue das, damit das Verbrechen, dessen sie schuldig sind, über ihre Häupter kommen möge. Was mich betrifft, so bin ich behütet und beschützt für ewig, denn ich gehöre zu den rechtmäßigen Königen, die vor Amun – Re dem König der Götter, und Osiris, dem Herrn der Ewigkeit, stehen.  ..........................................................

Der große Feind Paibekkamen, der Haushofmeister gewesen war. Er wurde gebracht, weil er sich der Tiji und den Frauen des Harim angeschlossen hatte. Er machte gemeinsame Sache  mit ihnen und ging dazu über, ihre Worte nach draußen zu bringen zu ihren Müttern und ihren Brüdern und Schwestern, welche da waren, indem er sagte: „ Sammelt (reizt ?) die Leute und schürt die Feindschaft, um einen Aufruhr gegen ihren Herrn zu machen.

Und sie stellten ihn vor die hohen Beamten des Ortes der Untersuchung, und sie nutersuchten sein verbrechen und fanden, daß er sie begangen hatte. Und seine Verbrechen ergriffen Besitz von ihm, und die Beamten die ihn verhört hatten, ließen seine Strafe an ihm haften bleiben “.

Achtundzwanzig der in fünf Gruppen eingeteilten Verbrecher erfuhren eine ähnliche Behandlung, abgesehen von sechs Frauen, die nicht namentlich aufgeführt sind. 
Der Harim in dem das Komplott geschmiedet worden war, trug die Bezeichnung „ der Harim in der Begleitung".  Vermutlich befand er sich nicht ständig an ein und demselben Ort, wie der von Memphis oder der in Miwer im Fajum, sondern begleitete den König auf seinen Reisen.

Weiter im Protokoll:

„ Der große Verbrecher Mesedsu – Re, der Truchsess gewesen war. Er wurde herbeigebracht, weil er sich angeschlossen (?) hatte dem Pibekekamuen, der „ Großer des Hauses “ gewesen war, und auch den Frauen, um die Bösen aufzureizen, dass sie feindlich gegen ihren Herrn handelten. Man stellte ihn vor die großen Fürsten des Untersuchungshofes. Sie untersuchten seine Verbrechen, sie fanden ihn schuldig, sie ließen seine Strafe an ihn vollziehen “.

Jedoch nicht nur hochrangige Beamte wurden verurteilt: 

  ......................  zu den Frauen der Leute vor dem Tor des Harims, (sechs Frauen der Wachleute also) die sich bei der Verschwörung mit den Männern vereinigt hatten, vor die Fürsten des Untersuchungshofes wurden sie gestellt; sie fanden sie schuldig und ließen ihre Strafe an ihnen vollziehen:  6 Frauen “.

Auch der Sohn der Königsfrau Tiji, dessen Thronerhebung ja das Ziel der Verschwörung gewesen war wurde abgeurteilt:

Pentwere, der vordem auch jenen anderen Namen getragen hat. Er wurde herbeigebracht, weil er sich mit seiner Mutter Tiji verbündet hatte, als sie mit den Frauen des Harims sprach, indem er so handelte, erwies er sich als Feind seines Herrn. Man führte ihn vor die Truchsesse, die ihn verhörten. Sie befanden ihn für schuldig. Sie ließen (überließen ?) ihn sich selbst (?) (an seinem Platz ?), er nahm sich das Leben “.

Ehe die Untersuchung abgeschlossen war, ereignete sich ein Zwischenfall, der erschreckend deutlich zeigt, wie zerrüttet die Verhältnisse damals am ägyptischen Hofe waren. Von den  zehn (vierzehn ?) Vertrauten des Königs, die die erste Kommission bildeten, mussten zwei verhaftet werden, sie hatten den Reizen einiger der angeklagten Harimsdamen nicht wiederstehen können. Um sich abzulenken, hatten sie mit den Damen zusammen mit einem der Hauptverbrechern, dem General Paies, sowie einem Polizeibeamten und zwei Komparsen (wahrscheinlich Wächter der gefangenen Damen) eine geheime Lustpartie organisiert, „ ein Haus des Biers “, d.h. ein Gelage wie die Ägypter sagten, veranstaltet.

Dieses war ein unerhörter Vertrauensbruch und sie hatten dadurch „ die guten Zeugnisse verlassen, die ihnen vom König gesagt worden waren “, als er sie zu Richtern einsetzte. Aber die Sache wurde entdeckt und „ ihre Verbrechen packten sie und es wurde an ihnen die Strafe vollzogen durch Abschneiden ihrer Nasen und ihrer Ohren “. Nur einer, ein Standartenträger kam mit einem strengen Verweis davon. 

Bleibt nun nur noch etwas über den Zweck dieser Papyri zu sagen:

Ein erster Erfolg bei ihrer Deutung war Breasted beschiede, er bemerkte, dass an einer Stelle Ramses III. mit dem Epitheton „ der große Gott “ angeredet wird, das normalerweise dem verstorbenen König vorbehalten ist. Er schloss daraus, dass er starb, noch ehe die Verbrecher vor Gericht gestellt werden konnten.

Damals konnte die sehr beschädigte Einleitung des Turiner Prozesspapyrus noch nicht richtig übersetzt werden. De Bruck kommt das Verdienst zu, erkannt zu haben, dass an jener Stelle nicht der König im Präsens einen Befehl erteilte, sondern dass es sich vielmehr bei dem gesamten Text um einen Bericht über Ereignisse aus vergangener Zeit handelt, der dem verstorbenen König in den Mund gelegt wurde.

Der Text macht so wie er sich uns heute darbietet, den Eindruck, als sei er auf Weisung Ramses III. zustande gekommen. Dass Ramses III. selbst das Gerichtsverfahren angeordnet hatte, lässt sich nicht bezweifeln, doch die Worte der Selbstrechtfertigung, die ihm hier in den Mund gelegt werden, sind wohl seinem Nachfolger zuzuschreiben.

„ Die Worte, die die Leute geredet haben, kenne ich nicht. Geht und untersucht sie. Und ihr werdet gehen und sie verhören, und ihr werdet sterben lassen, die ihr durch ihre eigene Hand           sterben lassen müsst, ohne dass ich davon weiß. Und ihr werdet auch die Strafe an den anderen vollziehen, ohne dass ich davon weiß “.

Der König will offenbar mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun haben, so kann er vor den Totenrichter bedenkenlos sagen „ ich habe nicht getötet".

Ramses III könnte also unter Umständen in seinem 32. Regierungsjahr einer Harimsverschwörung zum Opfer gefallen sein als er sich anlässlich des Opetfestes in Theben aufhielt (?). 

Es währe gut möglich, dass die Verschwörer den Aufenthalt des Königs in Theben aus Anlass des wichtigen „Talfestes “ im II. und III. Monats der smw – Jahreszeit dazu benutzen wollten, die Nachfolge in ihrem Sinne zu regeln; beim „ Talfest “ durfte man mit der Anwesenheit des Königs rechnen und die Prozession des Götterbildes ließ sich dazu benutzen, die Thronfolge auch religiös abzusichern, indem man eine Orakelentscheidung des Gottes herbeiführte.

König Ramses müsste am „ 14 / 15 Tag des III. Monats der smw – Jahreszeit “ verstorben sein, denn nach Ostraka Deir el Medinet Nr. 39 (Ostraka De M 39) wurde der Tod des Königs den Nekropolenarbeitern durch den Polizeihauptmann Monthmes am 15. Tag des Monats gemeldet; da am 15. Tag des III. smw – Monats nach Ostraka Deir el Medinet Nr. 44 (o De M 44) der Thronbesteigungstag von Ramses IV. gefeiert wird, muss Ramses III. spätestens an diesem Tag gestorben sein.


( Co-Autor: J. H. Pirzer)

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