Biografie Djedefres

Pyramide Djedefres

Totentempel:

Das Institut Francaise d'Archeologie Orientale (IFAO) stellte bei seinen Untersuchungen fest, dass ein Innenhof ca. 6 Meter nördlich von der Pyramidenbasis existiert hatte, der sich nach Osten erweiterte um den Totentempel aufzunehmen. Es sieht so aus, dass der Totentempel sehr hastig erbaut worden war. Dieser besitzt ziemlich dicke Mauern aus Feldsteinen, die mit Lehmziegeln verkleidet und rund um einen offenen Hof östlich der Pyramide Abteilungen und Kammern bilden.

Vergleichbar sind diese aber eher den Werkstätten von Giza. Wohnquartiere und Werkstätten nahmen auch die nordöstliche Ecke des Innenhofes ein. Ganze Lager von Steinsplittern zeugen unmittelbar neben der Nordostecke der Pyramide von einem großen Platz, auf dem Pyramidenblöcke zugehauen wurden.

Vom nordöstlichen Eingang der Umfriedung des Totentempels führte ein überdachter Korridor zum Ende des Aufweges in der Umfassungsmauer des Pyramidenbezirks. Evtl. war es geplant, den Totentempel ursprünglich zum größten Teil aus Granit zu errichten. Die Reste einer Granitpflasterung ist noch erhalten. Des weiteren fand man Fragmente von Granitsäulen. Weitere Säulen aus Granit, die aus dem Tempel stammten, fanden sich wiederverwendet im koptischen Kloster el-Deir. 

Der Tempel selber wurde jedoch nur im unteren Bereich mit Granitblöcken hochgezogen, der Rest bestand aus Nilschlammziegeln.

Beschreibung des Totentempels nach M. Vollaggia
(Institut Francaise d'Archeologie Orientale (IFAO) ):

In der Nordseite der inneren Umfassungsmauer (Trockenmauer) in der Nähe der Nordostecke befindet sich ein Zugang zu einem Bereich, der wohl einst Werkstätten und Unterkünfte umgab. Hier deuten Magazine für Vorräte sowie Lichtschutzdächer auf eine Bäckerei und Brauerei hin.

Südlich davon lag ein offener Platz, der auf drei Seiten von Gebäuden umgeben war. Welchen Zweck die Bauten diente, ist noch nicht geklärt. An der Westseite des Hofes stand eine für die nahen Verwandten des Königs bestimmte Kapelle. Daneben befand sich ein weiteres Gebäude mit einer Bootsgrube im Untergeschoss.

Nach der in den Fels gemeißelten Form ist deutlich zu erkennen, dass das Boot, welches hier einst lag in der alten Tradition der Ägypter, die sich noch an der Nilquelle orientierten, mit dem Bug nach Süden lag.

Westlich davon stand in der Nähe die Totenkapelle des Königs, in der sich der Abdruck eines Tonsiegels fand. Das Siegel gehörte einem Beamten, der mit dem königlichen Totenkult zu tun hatte. Auf diesem wird die Formel: " Der Aufseher des Firmaments des Djedefres " erwähnt.

Nördlich der Totenkapelle und wie diese direkt an die Pyramidenbasis angrenzend, lag ein Hof (Innenhof) des Totentempels, von dem man durch Durchgänge zu den anderen Teilen des Tempelbezirks im Osten gelangen konnte.

Von der Mitte der Pyramiden-Ostwand aus ist der Tempel deutlich nach Norden hin erweitert. Der offene, granitgepflasterte Hof könnte evtl. wie bei Cheops gegen die Pyramide hin einen Portikus besessen haben, jedoch ohne Säulen. In der Mitte ist eine große Bresche im Mauerwerk der Pyramide zu erkennen. Die wurde bisher immer als Anhaltspunkt für die Rekonstruktion einer Totenopferstelle mit Scheintür herangezogen. Die Form und die Größe der Granit- und Kalksteinblöcke an dieser Stelle deuten auf eine mit dem Massiv verbundenen Einrichtung hin. Wie diese jedoch gestaltet war und ob es sich tatsächlich um einen Kultraum mit Scheintür handelte, ist nicht nachgewiesen. dass in der heute sichtbaren Vertiefung eine Scheintür saß, ist auch insofern zweifelhaft, da diese im Kernmauerwerk des Pyramidenmassivs gestanden hätte. ( Scheintüren waren zur damaligen Zeit in königlichen Grabanlagen auch nicht gebräuchlich!)

Die südlich des Totentempels liegende nordsüdlich orientierte, heute offene Bootsgrube (sie war ursprünglich mit monolithischen Steinblöcken abgedeckt), besitzt beachtliche Ausmaße. Sie misst in der Länge 35 Meter bei einer Breite von 3,8 Meter. Ihre Tiefe liegt bei 9,5 Meter. In ihr wurden jedoch keinerlei Reste eines Bootes gefunden.

Chassinat fand in ihr bei seinen Grabungen 1901 eine große Anzahl von Statuenfragmenten, zum Teil aus rötlichem Quarzit (dieses Material stammt von Gebel el-Ahmar bei Heliopolis gelegen). Zusammengesetzt ergeben sie mindestens 21 Statuen und Statuengruppen, die in der Regel den Herrscher auf dem Thron sitzend darstellen. Darunter waren auch drei Königsköpfe, von denen sich heute zwei im Louvre ( E 12626 und E 11167) und einer in Kairo ( JdE 35138) befinden.


Insgesamt wurden Statuenfragmente von drei Söhnen und zwei Töchtern des Königs gefunden sowie eine Kalksteinsphinx.

In der Sammlung des Museums ägyptischer Kunst in München befinden sich einige Statuenfragmente aus Abu Roasch.
 ( München ÄS 5244; 5243; 5234 - 33; 5241; 5249; 5237 )

Allgemein lässt sich anhand der Grabungen des IFAO sagen, dass Djedefre die komplette Vollendung seines Grabkomplexes nicht mehr erlebt haben dürfte, denn Magazine, Kapellen und andere Tempelteile wurden eilig in Ziegelbauweise fertiggestellt, um den Kultbetrieb zu gewährleisten.

Die jüngsten Grabungsergebnisse bestätigen allerdings, dass Djedefres Pyramidenanlage funktionstüchtig war und der König einen Totenkult empfing. Das Andenken Djedefres wurde nicht wie früher behauptet, verfolgt. Ganz im Gegenteil; es gibt einige Zeugnisse für die Aufrechterhaltung das des Totenkultes bis ans Ende des Alten Reiches gepflegt wurde und dann erst erlosch.

Unmittelbar außerhalb des Zugangskorridors zum Totentempel im Pyramidenhof wurde kürzlich ein Depot mit Votiv-Keramik entdeckt. Ähnliche Depots sind nahe den Eingängen zu Snofrus Pyramide in Meidum und Dashur, der Mastaba el Faroun und der Ra-Neferef-Pyramide gefunden worden. Es handelt sich dabei um unzählige aus Ton gefertigte kleine Opfergefäße. Diese Krüge, Teller und Vasen, deren Größe nicht mehr als 3 cm betragen, sind Opfergaben der ärmeren Bevölkerungsschichten. Nach den Opferriten der Priester wurden die Tongefäße an der Nordseite des Opfertempels geworfen.

Ob für die offenbar systematische Zerschlagung der vielen Statuen, die im Totentempel aufgestellt waren, koptische Mönche verantwortlich zumachen sind, kann nicht mehr festgestellt werden. Eine Zerstörung dieser Statuen bereits in der späten 4.Dynastie kann ausgeschlossen werden. Da sich die Zerstörungen auf Hartgestein-Statuen beschränkt, scheint sie eher die der Gewinnung von wertvollem Material als der Verfolgung des Dargestellten bezweckt zu haben.

Prof. Michel Valloggia gibt noch eine andere Erklärung für die Zerstörung der Statuen. Sie geht auf die Römerzeit zurück. Im zweiten Jahrhundert wurde diese Stätte nämlich erobert. Im östlichen Teil von Abu Roasch stieß man auch tatsächlich auf Überreste, die von einer langen römischen Besatzungszeit zeugen. Dies erklärt sich aus der strategisch günstigen Lage des Ortes, der zum einen den Blick auf eine Wegkreuzung und zum anderen die Wiedergewinnung von Baumaterial gestattete.

Nebenpyramide:

Im April 2002 wurden im Abstand von über 5 m von der Südostecke der Königspyramide entfernt die Reste einer kleinen Nebenpyramide entdeckt. Sie besaß eine Seitenlänge von ca. 10,5 Meter = 20 Ellen. Genau ein Zehntel der Basislänge der Königspyramide. In ihrem südlichen Bereich erreicht ihr Mauerwerk mit fünf Steinlagen noch eine Höhe von ca. 2,10 m. Verkleidungsmaterial hat sich nicht angefunden.

Ihr Bauvolumen beträgt ca. 343m³ bei einem steilen Winkel von 60° erreichte sie eine Höhe von ca. 11,80m. Sie war nach den vier Himmelsrichtungen und nach der Achse des Totentempels ausgerichtet.

Die neu entdeckte Pyramide wurde offensichtlich entlang einer Nord-Süd-Linie auf die kleine Totenopferkapelle an der Ostseite der Hauptpyramide ausgerichtet.

Ihre Position an der Süd-Ost-Ecke des Königsgrabes korrespondiert in etwa mit der Lage der Kultpyramide des Cheops, die erst 1992 entdeckt wurde. Deshalb hält es Valloggia für möglich, dass die Nebenpyramide ursprünglich als Kultpyramide konzipiert wurde, die dann aber offenbar noch vor Ausarbeitung des Kammersystems zu einer Begräbnisstätte für eine Königin umfunktioniert wurde. Die Änderung in der Zuweisung erfolgte wahrscheinlich während der Gestaltung rund um die königliche Pyramide. Die Existenz eines zentralen Schachtes und eine geplünderte Grabkammer, die noch einen Kalksteinsarkophag enthielt, sprechen deutlich für eine Königinnenpyramide. Vor dem Sarkophag befand sich eine Nische für die Kanopen-Krüge.

Der Eingang der neu entdeckten Pyramide liegt in der Mitte der Nordseite. Der im Fels anstehende Unterbau der Königinnenpyramide besitzt eine Grabkammer und drei Nebenräume. Der zerschlagene Kalksteinsarkophag mit der für die 4. Dynastie typischen Reste einer Grabausstattung deutet auf die Bestattung einer Königin hin.

Außer dem Sarkophag fand sich in der Grabkammer eine große in mehrere Teile zerbrochene Alabasterschale, die auf ihrer Innenseite den Horusnamen und Geburtsnamen des Cheops trägt, einen Kanopenkrug mit dazugehörigen Deckel, zwei weitere Deckel, die vermutlich ebenfalls zu Kanopen-Krügen gehörten, sowie ein Gewicht, Brotformen und zahlreiche Keramikgefäße. Die Gesamtheit der Funde ähnelt typologisch jener Ausrüstung, die im Grab der Königin Hetepheres I. entdeckt wurde.

Bislang wurde im Umfeld der Pyramide kein Hinweis gefunden, der unmittelbar auf die Grabinhaberin schließen lässt. Valloggia hat die Vermutung geäußert, dass hier möglicherweise Hetepheres II. oder Chentetenka bestattet wurde.

Während man meist davon ausgeht, dass Djedefres erste Gemahlin Hetepheres II. eine Grabanlage auf dem Gize-Plateau besessen hat, fehlt bislang eine konkrete Spur für die Grabanlage der Chentetenka, Djedefres zweiter Frau. Sie ist in Abu Roasch durch ein Statuenfragment bezeugt und könnte durchaus die Grabherrin der neu entdeckten Pyramide gewesen sein.

Bleibt die Frage offen, ob auch eine Kultpyramide für Djedefre in seinem Pyramidenbezirk existierte?

Mitte des 19. Jahrhunderts hat Karl Richard Lepsius auf seinem Plan des Pyramidenbezirks Djedefre die Überreste einer weiteren Nebenpyramide "L 3" nahe der Südwestecke der Königspyramide eingezeichnet. Die Untersuchungen an dieser Stelle durch das IFAO ergaben jedoch nur den offenen Beginn einer Ausschachtung im lokalen Kalkstein. So muss die Frage nach einer Kultpyramide unbeantwortet bleiben.

(Co-Autor: J. H. Pirzer)


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