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| Große Stele Amenophis
II. nahe der großen Sphinx: - in einer kleinen Kapelle dem Harmachis geweiht - |
Die gewaltige Stele aus Kalkstein wurde am 10. Oktober 1936 von Selim Hassan nordöstlich der Großen Sphinx ausgegraben, sie bildete einst die Rückwand einer Kultkammer eines aus Ziegeln errichteten Heiligtums, dessen Türpfosten und –stürze aus feinem Kalkstein bestand, der auch als Verblendung der Ziegelmauern diente. Das Heiligtum war einst in der Achse auf das Gesicht der Sphinx ausgerichtet. Dieses Heiligtum war, wie die Inschriften an den Türen belegen, dem Gott Harmachis geweiht.
Die große Stele, die wegen
ihres Fundorts und inhaltlicher Bezugspunkte in der Wissenschaft unter dem
Namen „Sphinx–Stele“ bekannt ist, befindet sich heute wieder in situ an
der Rückwand der teilweise rekonstruierten Kapelle. Neben der großen Stele fand Selim Hassan eine
zweite, jedoch viel kleinere die teilweise eine Dublette von ihr war.
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Große Stele Amenophis II.
aus Giza |
Im halbrunden, überwölbten Bildfeld der Stele ist in
zwei symmetrischen Szenen Amenophis
II. beim Weinopfer vor dem auf einem hohen Sockel liegende
Sphinx gezeigt – drunter lesen wir:
„ die Anfänge des Prinzen “.
Der Text besteht aus 27 vertieften Textzeilen. Die
Stele trägt zwar keine Datierung, ist aber wahrscheinlich an den Anfang der
Regierungszeit Amenophis II.. zu setzen.
Die ersten
elf Zeilen enthalten ein traditionelles Weihegebet des neuen Königs. Es
folgen verschiedene sportliche Betätigungen, denen sich der damals achtzehnjährige
Prinz rühmte:
Wettlauf
Rudern
Bogenschießen
Pferdedressur
Wagenrennen
Der Schluss der Lobrede liefert den Schlüssel zum gesamten Text.
Mit seinen Pferden aus dem Stall von Memphis begab sich Prinz Amenophis ohne Wissen der anderen nach Giza, betrachtete den Sphinx und die Pyramiden des Cheops und des Chephren und verspürte den Wunsch, „deren Namen wiederzubeleben“, wie es die Pflicht eines Sohnes seines Vater oder generell seinen Ahnen gegenüber ist. Diesen Wunsch hält er jedoch geheim und verwirklicht ihn erst nach seiner Thronbesteigung.
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Text der
Sphinxstele nach "Pharao u. Sport von W. Decker |
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„ Es lebe Horus, der
Starke Stier: groß an Kraft. Er bespannte 300 starke
Bögen beim Vergleichen der Arbeit ihrer Hersteller, um den
Unwissenden vom Wissenden zu unterscheiden. Dann kam er und tat das,
von dem ich euch hiermit berichte:
Er betrat seinen nördlichen Schießplatz und fand, dass man
ihm vier Zielscheiben aus asiatischem Kupfer von einer Handbreit in
ihrer Dicke aufgestellt hatte, 20 Ellen ( = 10,46m) von einem Pfahl
zum nächsten. Erscheinen Seiner Majestät auf den Gespann wie Month
in seiner Stärke, indem er seinen Bogen gepackt hat und viele Pfeile
auf einmal ergriffen hat. Dann fuhr er los und schoss auf sie (die
Zielscheiben) wie Month in seinem Schmuck. Seine Pfeile kamen auf der
Rückseite heraus, als er sich dem nächsten Pfahl widmete. Das war
eine Tat, die noch niemals getan worden war, von der man noch in
keiner Erzählung gehört hat: Ein
Pfeil wurde auf eine andere Zielscheibe aus Kupfer geschossen, indem
er daraus hervorkam und auf die Erde fiel – außer von (diesem) König,
reich an Pracht, den [Amun] stark gemacht hat, dem König von Ober –
und Unterägypten, (Aa – cheperu – Re)|, heldenhaft wie Month. (18) Als er Kronprinz
war, liebet er seine Pferde und freute sich über sie. Er war
ausdauernd in ihrer Durcharbeitung, indem er ihr Exterieur erkannte
(d.h. richtig einzuschätzen wusste), in ihrer Führung erfahren war
(und) in ihre Verhaltensweise eingedrungen war. Man hörte (davon) im
Königshaus seitens seines Vaters, Horus, Starker Stier, erschienen in
Theben. Das Herz Seiner Majestät
war froh, als er das hörte, indem er über das jubelte, was man über
seinen älteren Sohn sagte. Er sprach in seinem Herzen: „ Er ist es,
der Herr des ganzen Landes sein wird, dessen Feind es nicht gibt, der
das Herz in Tapferkeit aussenden wird und der
jubeln wird im Sieg. Er ist ein schöner, beliebter Junge, doch noch
ohne Weisheit. Noch ist er Da sagte seine Majestät
zu denen, die an seiner Seite waren:
„ Veranlasst, dass man ihm besonders schöne Pferde aus dem
Stall Meiner Majestät gibt, der sich in Memphis befindet. Sagt zu ihm: Bildet sie
aus, mache sie gehorsam, lass sie traben (und) behandle sie (sachgemäß),
wenn sie sich dir wiedersetzen.“ Danach wurde der Königssohn damit
beauftragt, nach den Pferden des Stalles des Königs zu sehen. Da tat
er das, was ihm aufgetragen war. Reschef und Astarte freute sich über
ihn, als er alles tat, was sein Herz wünschte. Er trainierte Pferde,
deren gleichen es nicht gab. Sie ermüdeten nicht, wenn er die Zügel
ergriff, und sie troffen nicht vor Schweiß beim schnellen Galopp. Er schirrte in Memphis
mit d Das Abbild des Re ( = König)
blieb an seiner Stelle. Das Land war wie in seinem früheren Zustand
in Zufriedenheit unter seinem Herrn (Aa-cheperu–Re)|. Er
beherrschte die beiden Länder, alle Fremdländer waren unter seinen
Sohlen vereinigt. Seine Majestät erinnert sich des Ortes, an dem er
sich in der Nähe der Pyramide und des Harmachis vergnügt hatte. Man
befahl, dort einen Ruheplatz anzulegen und darin eine Stele aus
Kalkstein aufzustellen, in die der große Name eingeschnitten war des
(Aa – cheperu – Re, geliebt von Harmachis), begabt mit Leben
ewiglich. “ |
| Kleine Sphinxstele
Amenophis II. in Giza - neben der Großen Sphinxstele Amenophis II.: |
Die Darstellung im Giebelfeld ist ungewöhnlich. Die obligatorische Flügelsonne im oberen Halbrund ist hier mit Armen ausgestattet, die die Kartusche mit dem Namen des Königs umschließen.
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Kleine Sphinxstele in Giza |
Unter dem oberen Halbrund der Stele ist eine weitere bildliche
Darstellung und der eigentliche
14zeilige Stelentext von einer Art Rahmen umschlossen. Links und Rechts des
Rahmens läuft eine Inschriftenzeile mit einer Widmung an Harmachis und der
Titulatur des Königs. Über der Steleninschrift ist eine spiegelbildliche
Darstellung zu sehen, wie der König unter der geflügelten Sonne vor der
Sphinx die auf einem hohen Sockel ruht, opfert.
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