Osorkon II.
- Außen- u. Innenpolitik und Baudenkmäler -

Die Herrschaft König Osorkons II. gehört zu der größten Blütezeit der lybischen Herrschaft über Ägypten. Die Außenpolitik von Osorkon II. war nach dem Vorbild Schoschenqs I. und Osorkon I. ausgerichtet. Sicher behielt Osorkon II. die politische Entwicklung in Palästina-Syrien im Auge und so entging ihm der unaufhaltsame Aufstieg des assyrischen Reiches nicht und die damit verbundene Bedrohung auch für Ägypten.

An der Seite einer westasiatischen Koalition, die gegen die Expansionspolitik Salmanassars III. (858 - 824 v. Chr.) gerichtet war,  unter Führung des Königreiches Hama und dem Königreich Damaskus, soll um das Jahr 853 v. Chr. nach nicht allgemein gesicherter Auffassung ein ägyptisches Kontingent von 1000 Mann in der Schlacht bei Qarqar/Karkar (einer Stadt, die zum aramäischen Königreich Hama gehörte) gestanden haben.  Dieser Bund umfasste zwölf Länder, angefangen vom Nordreich Israel bis hinauf nach Klilkien. Der Anführer des Bündnisheeres waren IM - idri (Biridir / Hadadeser) von Damaskus (im A.T. - Ben Hada II. genannt ), Irhuleni von Hama (Haamath) und Ahab von Israel. 

Diese Schlacht fand mit Sicherheit im Sommer 853 v. Chr. statt. Nach dem Bericht des Assyrerkönigs belief sich die Stärke des gegnerischen Heeres auf fast 4000 Streitwagen, 2000 Reiter und 6200 Fußsoldaten. Dazu kamen noch 1000 arabische Kamelreiter. Die Schlacht ging zwar unentschieden aus oder vielleicht unterlagen die Assyrer sogar (die Verluste der Gegner sollen je nach Version zwischen 14.000 und 29.000 Mann betragen haben), der Aufstieg Assyriens war aber damit nicht zu unterbinden, sondern wurde nur verzögert. Von assyrischer Seite wurde die Schlacht natürlich als ein Sieg dargestellt, doch ließ Salmarnassar III. volle drei Jahre verstreichen, bevor er wieder nach Syrien ging.

König Osorkon II. verlegte sich dann für den Rest seiner Regierung darauf, an den assyrischen Hof diplomatische Geschenke zu entsenden. 

Kurz nach der Schlacht von Qarqar im Jahre 853 feierte König Osorkon II: in seinem 22. Regierungsjahr ein
Sedfest. Aus Anlass dieses Festes erließ der König einen Erlass, gefunden im Tempelbezirk der Göttin Bastet zu Bubastis. Der Text ist in Form eines feierlichen Gebets an Amun abgefasst, in dem gesagt wird, dass Theben "seinem Herrn, Amun-Re überantwortet sei.
Außerdem wird verfügt, dass die Haremsdamen des Tempels des Amun-Re wie andere Tempel in seinen zwei Städten, von allen anderen Diensten befreit seien. Diese kurze, aber interessante Inschrift schließ mit den Worten:
        "
Siehe, seine Majestät sann auf eine große Wohltat für seinen Vater Amun-Re, als dieser das
          erste Sedfest für seinen Sohn ausrief, der seinen Thron einnahm, damit er für ihn erneuere
         zahlreiche Große in Theben, der Herrin der Neun Bogen. Gesprochen von dem König vor seinem
         Vater Amun. Ich habe Theben in seiner HÖhe und seiner Breite Befreiung erteilt, welche rein und 
         geschmückt ist für seinen Herrn, wo kein Eingriff zulässig ist durch die Aufseher des Hauses
         des Königs und dessen Leute befreit sind für alle Ewigkeit indem großen Namen des schönen Gottes."

Bei dem Hebsed-Fest trug der König ein langes, einfaches Gewand und in seinen Händen die Insignien des Osiris, die ihn mit dem Gott , der eine Personifikation der Wiedergeburt war, identifizierten. Der König bestieg nun abermals den Thron von Ober- und Unterägypten. Das wurde durch die Symbolik der von ihm getragenen Kopfbedeckung, im Wechsel die Weiße und Rote Krone, unterstrichen.

Relief von den Feierlichkeiten
 zum Sed-Fest in seiner
Jubiläumshalle in Bubastis.

(Bildquelle: Herr der Beiden Länder - K. My´sliwiec - Philipp v. Zabern Verlag)

Zum Problem der Aufteilung Ägyptens in verschiedene Machtbereiche nach dem Lybischen Herrschaftsprinzip:

In Oberägypten wurde von König Osorkon II. selbst oder vielleicht auch schon von Takelot I., ein Sohn des Hohenpriesters Schoschenq mit Namen Harsiese (vielleicht mit dem späteren König Schoschenq (II.) identisch) eingesetzt - oder hat sich als Nachfolger seines Vaters selbst hier etabliert (?). Dieser Harsiese führte eine königliche Titulatur und wurde allem Anschein nach von dem tanitischen König Osorkon II. als Herrscher über Theben anerkannt - somit erster König der Oberägyptischen Linie der 22. Dynastie.

Wohl nach dem Tode König Harsiese A oder I. konnte Osorkon II. seinen Sohn Namlit (2) - (nach Lexikon der Pharaonen etwa um 865 - 845 (?) v. Chr.) - in das Amt des Hohenpriesters (ohne königliche Befugnis - Namlit (B) etwa um 855 - 845 (?) nach Lexikon der Pharaonen) einsetzen.

Namlit (2) bekleidete vorher schon die Ämter eines Hoherpriester und Generals der Festung im Gebiet von Herakleopolis 
         
" Namlit, Sohn des Landesherrn Osorkon-meiamun-sbastet, dessen Mutter Djedmutesanch ist "- 
          " Hoherpriester des Haraphes von Herakleopolis, Herr v. Ober- u. Unterägypten und Kommandant -
             der Lagerfestung am Fajumeingang ( Großfürst von
sxm - xpr ) "
Diese Ämter behielt er auch weiterhin und vereinte so beide Positionen in einer Person.

Die Gemahlin Namlits (2) hieß nach der Harpasonstele Tn.t - sp ( die Süße"). Als Hoherpriester des Amun in Theben folgte ihm sein Sohn Takelot (2) oder Osorkon, Sohn des oberägyptischen Königs Takelot II. (was wohl wahrscheinlicher sein dürfte). Als Machthaber in Herakleopolis folgte ihm ein Sohn, bekannt von einer Schenkungsstele aus dem Jahr 16 Osorkons II. - namens Ptahndjaanchef / Djedphtahefanch. 
Damals war dieser noch Ptahpriester, Tempelschreiber und Schreiber des Rinderzählens der Ptahdomäne (in Memphis ?) - Stele des Djedptahefanch, Kairo JdE 45427, aus Miniet elo-Schurafa stammend.

Namlit (2) war der Vater einer Tochter namens Schebensepdet / Schebedsopdu, die mit einem Beamten namens Hor verheiratet war. Eine weitere Tochter Namlits (2) Karomat, wird die Gemahlin König Takelot II. aus der Oberägyptischen Linie der 22. Dynastie.

Zum Prinz Schoschenq D. - Hoherpriester des Ptah zu Memphis:

In das Amt des Hohenpriesters des Ptah zu Memphis setzte König Osorkon II. seinen Sohn namens Schoschenq D ein. Mit ihm begann eine neue Linie von Hohenpriestern, die sich bis zum Ende der 22. Dynastie fortsetzte. (Der als Nachfolger Schoschenq D bei Kitchen genannte Merenptah, bekannt von einem Block aus dem Serapeum, dürfte ein Zeitgenosse von König Takelot I. - und nicht König Takelot II. sein und somit ein Vorgänger von Scheschonq D)

Schoschenq D war der Sohn der Hauptfrau Osorkon II. (sie ist jedenfalls jene, die auf der Sedfest-Darstellung in Bubastis allein als Königin erscheint) und vermutlich auch der älteste Sohn seines Vaters. Ein Skarabäus aus der Sammlung W. Fl. Petrie, jetzt University College London, trägt seinen sowie den Namen seiner Mutter, der Königin Karama. Ein sich heute im Berliner Museum / Nr. 3463 im Jahre 1825 erworbener Becher aus Fayence, trägt auf seinem Innenrand folgende Inschrift:

     "Kronprinz Seiner Majestät, Schoschenq, dem Seligen, dem Sohn des Herrn der beiden Länder, dessen 
      Mutter 
      Karoma, die Selige ist."

Scheschonq D ist nach allgemeiner Auffassung auch ein "Kronprinz" seines Vaters Osorkon II. gewesen. Es existieren mehrere Denkmäler, die ihm zugeschrieben werden, so u. a. die
Naophor Budapest 51.2050,  Naophor Wien 5773 eines Hohenpriesters von Memphis (Name nicht erhalten, aber Schoschenq D zugerechnet, weil die Statue dem Budapester Naophor sehr ähnlich ist und die Titulatur mit irj - pat wr beginnt. Weiterhin die Grab(kammer) Kairo JE 88131 aus Mitrahina (Memphis) und die ungestörte Grabausstattung (mit meist unpublizierten oder in der Publikation nicht lesbaren Inschriften). Darunter ein Satz Kanopenkrüge (Kairo JE 86764)  u. a.

König Osorkon besetzte die wichtigsten Hohenpriesterstellen im ganzen Land mit seinen Söhnen, vielleicht um die Macht an seine Person zu binden. Prinz Schoschenq D trug zwar noch den Adelstitel der libyschen Fürsten "wr" oder ms aA n M" (Großfürsten der Meschwesch),  von ihm stammt aber die Nachkommenschaft ab, die diesen Titel trug und in Memphis durch drei Generationen lang als Hohepriester herrschten.

König Osorkon II. wünscht auf dem Stelophor, gefunden in Tanis, heute Kairo CG 1040, einer Art monumentalen Orakelvorlage, dass seine Nachkommen 

        "große [Herrscher] von Ägypten, Regenten, Prinzen, Hohepriester des Amun, Großfürsten der 
          M(schwesch), 
        [Großfürsten] der Ausländer (
Hastjw ) und Propheten des Herischef " 

werden sollten.  

Bemerkenswert ist, dass auf den meisten Belegen für Scheschonq/Schoschenq D der Titel des Hohenpriesters von Memphis nicht genannt wird. Dass lässt sich nicht etwa durch die Annahme begründen, er habe dieses Amt erst spät in seiner Laufbahn angetreten, denn es wird auch auf der Stele seines Enkels sowie in seinem Grab und auf der Grabausstattung nicht angeführt, obwohl die Wahl seiner Grabstätte im Ptah-Tempel zweifellos durch seine Funktion als Oberhaupt dieses Tempels bestimmt war.
Wie lange Prinz Schoschenq das Amt des Hohenpriesters von Memphis innehatte, ist nicht bekannt. Jedenfalls wurde er wohl nicht König, sondern starb vor seinem Vater Osorkon II. und wurde in einem Grab innerhalb des Tempelbezirks des Ptah beigesetzt. Sein Grab wurde im Frühjahr 1942 von dem ägyptischen Wissenschaftler Ahmad M. Badawi gefunden, an einem Ort der heute Kom el-Fakri /Fachry genannt wird, da. 250 m westlich des Kolosses Ramses II., dicht an der Mauer, die den Tempelbezirk umschloss, inmitten einer Gruppe Elitegräber, die alle aus der 22. Dynastie stammen (Kammergräber)

(Quellen: Göttinger Miszellen 207 (Jansen-Winkler: Der Prinz u. Hohepriester Schoschenk (D)), 

Baudenkmäler und Nennungen Osorkon II.:

Byblos:
Ebenso wie von Schoschenq I. und Osorkon I. fand sich auch von König Osorkon II. in Byblos eine Königsstatue, doch ist diese Tatsache mit den gleichen Vorbehalten zu werten, wie dies schon bei den vorgenannten Königen geschehen ist. (Statuenfragment einer Sitzstatue König Osorkons II. in Byblos gefunden, es trägt eine phönikische Inschrift des Lokalkönigs Elibaal: " Statue, welche gemacht hat Elibaal.........")

Samaria/Omridenreich:
Im Palast König Omri und Ahabs in Samaria (Harvard Expedition 1908 - 1910/Cambridge - es handelt sich hier um das israelische Nordreich, das sogenannte Omridenreich und deren Hauptstadt Samaria) wurde ein großes Alabastergefäß mit der Kartusche Osorkons II. gefunden. Dies könnte auf Beziehungen zwischen den beiden Staaten hindeuten, die wahrscheinlich in Verbindung mit der Abwehr des syrisch-palästinensischen Raumes gegen das assyrische Reich unter Assurnasirpal II. und Salmanasser III. stehen. 

Andalusien/Spanien:
Im Museum von Granada befindet sich ein weiteres Alabastergefäß (eine große Weinamphore), das den Namen Osorkon (II.?) trägt. wurde in der phönizischen Nekropole von Almunecar/Sezei in Südspanien (Andalusien) gefunden und diente in sekundärer Funktion als Aschenurne. Auf dem Gefäß wird in einer Inschrift die Göttin Hathor genannt, die man hier betrunken ehren sollte. Diese Amphore gelangte sicher als punische Handelsware hierher. 

Elephantine:
In Elephantine (Ägypten) wurde eine für die Regierungszeit von Osorkon II. wichtige Stele gefunden. (MDAIK 38/S. 329 ff.) Es ist anzunehmen, dass unter der Regierung von Osorkon II. eine Inspektionsreise nach Elephantine unternommen wurde. Hier war es offensichtlich zu Unregelmäßigkeiten in der Organisation des Tempelbesitzes gekommen. Es mussten nun neue Maßnahmen zur Neuordnung getroffen werden, um ihn vor Übergriffen anderer Verwaltungsbereiche zu schützen.

Auf dieser Stele findet man die Erwähnung eines Königssohnes von Kusch und Vorsteher der südlichen Fremdländer. Wahrscheinlich war sein Name Nemrut.  Zu den oben genannten Titeln trägt er außerdem den eines Priesters des Chnum und war darüber hinaus, wie auch frühere Vizekönige in der Ramessidenzeit, Wagenlenker des Königs. Er kam also aus dem Militär. 
Da bei ihm der Titel des Vizekönigs wie zuvor schon bei Neschon mit dem Priesteramt bei Chnum, verknüpft, scheint es, dass vergleichbar der Situation bei Herihor, über die Kombination vom Priester - militärischer und Verwaltungsämtern jetzt die nubischen Angelegenheiten geregelt werden. 

Bei der besagten Stele handelt es sich um einen Orakeltext vom
"Königssohn von Kusch N [mrt] " bezüglich Verwaltungsangelegenheiten betreffend den Chnum-Tempel, dem Gott Chnum von Elephantine vorgelegt. Später wurde die Stele als Abdeckplatte einer der Baumgrube im Vorhof des Chnum-Tempel verbaut - sie umschloss den Baumstamm - wo sie vor nicht allzu langer Zeit aufgefunden wurde. Im heutigen Zustand ist die einst rechteckige Platte , die aus braungelben Sandstein besteht, in drei Teile zerbrochen. 
Sie misst noch 121,5 x 74,5 cm bei einer Dicke von 13 cm.

Die Stele zeigte im heute schwer beschädigten Bildfeld den König von rechts opfernd oder anbetend vor der Triade von Elephantine. Links kann die Gestalt von Anukis komplettiert werden. Ob hinter dem König noch eine weitere Person, vielleicht der im Text die handelnde Rollte spielende "Königsohn von Kusch" gestanden hat, lässt sich nicht sagen. Darunter sind 18 Zeilen Text erhalten.

Text :                                   Bildfeld:
"[König von Ober- und Unterägypten] Herr der beiden Länder ( Wsr - mAat - Ra  stp - n - 'Imn )|  [Sohn des Re] Herr der Kronen ( den Amun liebt, Osorkon )| [Rede des Chnum] - Re, der Herr des Kataraktes. 
[Rede: Ich habe dir ] alles [Leben, Dauer und Herrschaft gegeben ] Rede der Satis, des Sonnenauges, der Gebieterin der Götter.
[Rede der Anu]kis, der Herrin des Himmels, der Gebieterin der Götter.

Diese Stele ist das südlichste Zeugnis aus der Regierung von König Osorkon II. Es dokumentiert, dass der Machtanspruch der 22. Dynastie auf ganz Oberägypten, zumindest noch zu jener Zeit durchaus mit realem Leben erfüllt war.

Darin darf wohl ein Resultat der jedenfalls für König Schoschenq I. bezeugten ausgreifenden Nubienpolitik der neuen Dynastie erblickt werden.

Sedfesttor im Tempelbezirk von Bubastis:
Wahrscheinlich anlässlich des Sedfestes (im 22. Regierungsjahr ?) ließ Osorkon II. im Tempelbezirk von Bubastis große Baumaßnahmen durchführen. Im Tempel der Göttin Bastet, den schon Osorkon I. begonnen hatte, wurde weitergebaut. Als Baumaterial wurde das vorhandene von König Ramses II. wiederverwendet. Auf der Rückwand des ersten Säulensaals Osorkons I. ließ Osorkon II. sein berühmt gewordenes Sedfesttor, welches aus rotem Granit besteht, errichten. Es war mit einem der ausführlichsten Heb-Sedfest-Zyklen dekoriert, die je gefunden wurden.

Dieses Tor ist damals von dem Ausgräber Edouard Naville in den Jahren 1887 - 1889 als zusammenhanglosen Trümmerhaufen vorgefunden worden. Er hat es damals tragischerweise versäumt, das Tor wiederherstellen. Der monumentale Bau war ein Tempeleingang von etwa 10 m Breite und 11,5 m Höhe. In Ost-Westliche Richtung angelegt, weist er geböschte Vorder- und Rückwände auf. Viele der Blöcke sind heute in aller Welt verstreut und die Reste vor Ort zerfallen langsam im salzigen Grundwasser von Tell Basta.

Block vom Tor - heute im Britischen Museum, EA 1077 - Material roter Granit - der König ist zusammen mit seiner Gemahlin Karomama abgebildet.

Block vom Tor - heute in Berlin, Nr. 10838 - Material roter Granit - Höhe 2,08m, Breite 1,23m. Das Relief zeigt den König beim Opfer vor der Kronengöttin von Oberägypten, Nechbet. Hinter dem König steht die Gemahlin Karomama.

Der Säulensaal ( die sogenannte Festhalle Osorkons II. ), der sich dahinter anschließt und wohl schon unter König Osorkon I. erbaut wurde, wie seine Kartuschen hier zeigen, war größtenteils noch undekoriert und wurde nun von Osorkon II. mit Darstellungen des Sedfestes dekoriert. Die feingeschnittenen Reliefs zeigen die klassischen Szenen und die großen Umzüge des Sedfestes. 2002/03 wurde vor dem Eingangspylon des Bastet-Tempels eine Monumentalstatue der Gemahlin König Osorkons II. Karomama entdeckt.
L. Habachi grub nördlich und im rechten Winkel zur Achse des Bastet-Tempels ein dem Löwengott Mahes /Mihos /Miysis, dem Sohn der Bastet geweihtes
Mammisi (Geburtshaus) aus. Auch in diesem Tempelbau wurden granitene Palm- und Papyrusbündelsäulen von 4,25m Höhe mit den Kartuschen Osorkons II. gefunden. Der Atum-Tempel im Osten des Tempelbezirkes wurde unter Osorkon II. neu ausgestattet.

Tanis - altägyptisch: Ddjanet:  (19. unterägyptischer Gau) - heute San el-Hagar
Osorkon II. erweiterte den dortigen Amun-Tempel um einen weiteren Hof (erster Hof). Auch der Kalksteinpylon davor (3. Pylon - Eingangspylon) stammt von ihm, ebenso der 1. Pylon, der offenbar aus Granit errichtet wurde und die Front des eigentlichen Tempelhauses bildet, ließ Osorkon II. errichten. 
Vor dem 1. Pylon an dessen linker und rechter Ecke entdeckte Montet Grundsteindepots, die zahlreiche kleine Fayencenbecher und Täfelchen mit der Kartusche Osorkon II. bargen. Zwischen der inneren und äußeren Umfassungsmauer erbaute er den großen Osttempel, welcher ebenfalls ein dem Gott Amun geweihtes Heiligtum war. Der Tempelbau bestand ganz aus Granit und besaß Palmstammsäulen. Diese stammten wahrscheinlich von einem Totentempel der 5./6. oder auch 12. Dynastie, waren aber schon von Ramses II. usurpiert worden, bevor sie Osorkon II. wiederverwendete. 

Hier entdeckte man auch eine eindrucksvolle lebensgroße Granitstatue des Königs, die ihn kniend mit vorgeschobenen rechten und weit zurückgestrecktem linken Knie zeigt. Der König hält mit vorgestreckten Armen eine Stele, die er einer Gottheit - mit Sicherheit wohl Amun - darbringt. Tragischerweise ist die Statue stark beschädigt, der Kopf ist abgebrochen und befindet sich heute im Museum der University of Pennsylvania in Philadelphia (Höhe des Kopfes 0,335 cm ) - der Körper im Museum von Kairo.

Tell el - Moqdam (ehem. Leontopolis)
In Leontopolis, der Hauptstadt des 11. unterägyptischen Gaus, rechts am Ufer des Damietete-Nilarmes gelegen, 10 km südöstlich von Mit Gamr (Mit Ghamr) - ließ Osorkon II. ein Heiligtum für den Gott Osiris sowie eine Kapelle für seine Gemahlin Karamama errichten, deren Grab wohl einmal hier lag.

Eine Sitzstatue, ursprünglich von König Sesostris III. angefertigt, ist von einem Beamten namens Hr-ms, der unter Osorkon II. wirkte, im Namen des Königs usurpiert worden (vorher schon von Ramses II. usurpiert) heute in London BM 1146.
Die Inschrift auf dieser Statue bestätigt die Errichtung des Osiris-Heiligtums, das den Namen des Königs selbst trug:

"Der Tempel von Millionen (an Jahren) des ( Wsr - mAa.t - Ra - stp - n - Jmn)| (Wsrkn - sA - Bast - mrj - Jmn)| "

Die Kapelle der Gemahlin des Königs heißt schlicht:

"Das Haus der Königsgemahlin  KA - rA - am - am "

Der in einem Grab aus der 22. Dynastie in Leontopolis gefundener Skarabäus trägt die Inschrift:

"Wsjr  Hmt - njswt KA - ma "

Osorkon ließ in Leontopolis den heute weitgehend zerstörten Tempel des löwengestaltigen Gotes Miysis /Mahes und der Baste erneuern. 

Im Tell Mit Jaisch wurde eine Stele von König Osorkon II., entdeckt, die sicher aus Tell Mokdam hierher verschleppt worden ist.

Tell el-Maskhuta (Delte - Pitom)
In der Hauptstadt des 8. unterägyptischen Gaues ist eine gewisse Bautätigkeit des Königs nachweisbar.

Memphis:
Spuren seiner Bautätigkeit fanden sich auch in Memphis. Bekannt ist ein Orakel des Ptah bezüglich Annahme einer Landstiftung. Stele aus Tell el-Miniah wa-esh-Shurafah, heute in Kairo  JdE 45327 Datum " Jahr 16 ", Osorkons II. 
Apisbestattung im Serapeum zu Memphis - Apis Nr. XXVII. Gruft 3 (?)

Abydos:
Aus Abydos stammt eine Vase mit dem Namen König Osorkons II.

Karnak:
Im Tempelbezirk von Karnak ließ Osorkon II. gleich neben dem Heiligen See eine kleine Hathorkapelle erbauen. Außerdem fand sich hier ein leider nur zerstört erhaltenes Dekret für den Amun-Tempel.

 

 (Co-Autor J. H. Pirzer)

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