Biografie Thutmosis IV.

Maiherperi war ein hoher Beamter in der 18. Dynastie und lebte zur Zeit der Könige Amenophis II. und Thutmosis IV. Er trug als einer der ersten den Titel eines "Fächerträgers" oder " Wedelträgers zur Rechten des Königs " und wird bezeichnet als "Kind der Kinderstühle" oder " Kind des kap" der königlichen Kinderanstalt. 

Der Titel eines Wedelträgers bezeichnet eine enge Beziehung der Person zu dem König, denn sein Inhaber hatte die Pflicht und das Vorrecht, bei öffentlichen Anlässen einen langen Federwedel an der Seite des Königs zu tragen. Als besonderen Gunstbeweis erhielt Maiherperi ein Grab im Tal der Könige
( KV 36).

Aber auch im militärischen Bereich war Maiherperi aktiv und wirkte auch außerhalb Ägyptens. Einer seiner Titel lautete: " Gefolgsmann des Königs bei seinen Reisen in den Süd- und Nordländern." 
Der Name Maiherperi bedeutete soviel wie " ein Löwe ist auf dem Schlachtfeld"

Sein Grab ( heutige Bezeichnung KV 36) wurde von Victor Loret im März 1899 im Tal der Könige entdeckt. Es liegt auf halben Weg zwischen KV 35 ( Amenophis II.) und KV 13 (Baja). Das Grab war bei seiner Auffindung weitgehend intakt. Leider hat es nie die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient hätte. Evtl. weil sich nie jemand gefunden hat, der es wissenschaftlich publizierte.

Maiherperis Mumie wurde am 22. mai 1901 untersucht und das Ergebnis dieser Autopsie ließ Maspero und Loret die Vermutung äußern, der Tote sei der Sohn eines Königs und einer "schwarzen Konkubine" gewesen. Dieses erscheint aber eher unwahrscheinlich. Es handelt sich vermutlich um einen am Hofe zusammen mit dem Prinzen Thutmosis erzogenen Spielgefährten und engen Vertrauten des späteren Königs. Der Schädel der Mumie war rasiert und mit einer kurzen Löckchenperücke bedeckt. Die Hautfarbe wird als "dunkel" angegeben, was aber nicht heißen muss, dass er "Schwarzafrikaner" oder Nubier sein musste.

Reginald Engelbach schreibt über ihn:

" .....auf dem im Grab gefunden Exemplar seines Totenpapyrus [....]  ist Maiherperi mit schwarzem anstatt wie üblich rotem Gesicht abgebildet und eine genauere Untersuchung der Mumie ergab nicht nur, dass er mit etwa 24 Jahren starb, sondern zeigt auch, dass er zwar negroid, aber kein wirklicher Neger war."

 

Totenpapyrus aus KV 36
Der Papyrus des Maiherperi umfasst insgesamt nur 26 Kapitel des aus ca. 200 Kapiteln bestehenden Totenbuchs.

Dieser schöne, einst ungeteilt gerollte Papyrus wurde von V. Loret 1899 während seiner Grabung für den Ägyptische Antikendienst im Tal der Könige, im Grab KV 36 entdeckt. Er befindet sich heute im Nationalmuseum von Kairo (CG 24095) und misst 11,75 m in der Länge und 35 cm in der Höhe. Der Papyrus wurde in fünf Stücke zerschnitten und auf Leinwand geklebt und unter Glas ausgestellt.

Die Texte zeichnen sich durch eine elegante, kursive Hieroglyphenschrift aus und stammen aus dem Totenbuch, einer Sammlung von Sprüchen, die der Sicherung der jenseitigen Existenz dienten. Dieser Teil des Papyri zeigt Maiherperi anbetend vor den sieben Kühen und einem schwarzen Stier. Seine Gesichtsfarbe ist schwarz und er hat tiefschwarzes, lockiges Haar. Diese Darstellung im Spruch 148 diente der Nahrungsversorgung im Jenseits und sollte den Verstorbenen vor jedem Schaden bewahren. Die Kühe sind dabei immer Garanten der Nahrung, der Stier der Bewahrung von Geschlechtskraft und Fruchtbarkeit.

Leinenes Einwickeltuch:

Ein leinenes Einwickeltuch aus dem Grab trägt die Kartusche Königin
Hatschepsuts, jedoch dürfte der Stil der Beigaben und  ihre Auffindung auf die Einordnung in eine spätere Zeit hindeuten, wahrscheinlich in die Regierungszeit von  Thutmosis IV.  

(heute in Kairo CG 24099)

 

Funde aus dem Grab KV 36:
ein kistenförmiger Sarg
drei anthropoide Särge
Kopfbedeckungen
Mumie
Geschmeide (Armbänder, Ohrringe, Schmuckperlen, Teile von Halsketten)
hölzerne Kanopentruhe
vier Kanopenkrüge
Osirisbett
Papyrus
Behälter mit Siel und Spielsteine
zwei Köcher
75 Pfeile
2 Armschutze zum Bogenschießen, CG 24073/CG 24074
2 Hundehalsbänder
vier kleine Siegel
zwei Gefäße aus Glas und Fritte
Fayenceschale
kleine Holztruhe mit Lendentüchern aus Gazellenleder 
zwei Steingefäße
39 Keramikgefäße
geflochtener Deckel
11 Fleischstücke
Brot
Pflanzenreste

 

Platzierung der Grabbeilagen in KV 36

 

Das Problem des Zusatzsarges:

Die Mumie Maiherperis lag in zwei anthropoiden Särgen und einem rechteckigen Außensarg. Ein dritter kleinerer anthropoider Sarg lag unbenutzt inmitten der Grabkammer. Wahrscheinlich sollte dieser Sarg als innerster Sarg dienen. In diesem hat man vermutlich die Mumie Maiherperis ins Grab transportiert.
Dann stellte man jedoch fest,  dass dieser Sarg nicht in den zweiten und dritten Sarg passte, die schon ineinandergeschachtelt im Grab standen. So ließ man ihn, nachdem man die Mumie Maiherperis in den zweiten Sarg gelegt hatte, leer in der Kammer stehen. Dies wäre die einfachste Erklärung. Um den zweiten und dritten Sarg wurde dann das große Holzgestell für den Begräbnisbaldachin errichtet.

Innensarg Maiherperi ( Kairo CG 24003-4)

 

Hölzerner Kanopenkasten auf Kufen
Kairo - CG 24005

Rechteckiger Außensarg
 Kairo - 24001

Der längliche hölzerne Sarkophag Maiherperis maß über 9 feet ( 1 feed = ca. 30,5 cm) in der Länge, war mit schwarzem Harz überzogen und mit Goldfolie dekoriert. Anubis und die vier Horussöhne säumen die Seite. Am Fußende erscheint Isis. Die Ausführung der  Dekoration des Sarkophages spiegelt den hohen Standard der Grabausstattung in dieser Periode wieder.

Die Goldauflagen auf dem Sarkophag zeugen von der hohen Stellung Maiherperis. Die meisten nichtköniglichen Kanopenkästen dieser Periode waren nur mit gelber Farbe bemalt.

Maiherperis Mumie und Plünderung des Grabes:

Als Victor Loret das Grab Maiherperis betrat, lag dessen Mumie noch immer in den  beiden Außensärgen, aber die verzapften Deckel waren schon in der Antike entfernt wurden und die Mumie Maiherperis durchsucht worden. An den Armen waren die Bandagen brutal mit einer Axt weggehackt worden. Der größte Teil des Bestattungsschmucks Maiherperis war so entfernt worden. Des weiterem nahmen die Eindringlinge sämtliche transportablen Metallobjekte sowie Stoffe und Kleider mit. Von den Krügen mit dem kostbaren ben–Öl waren die versiegelten Stoffverschlüsse abgerissen worden; aber dann hatte man sie stehen lassen. Das Öl war offensichtlich schon zu alt, um noch von Wert zu sein.

Trotz der Beraubung des Grabes fanden sich doch interessante Grabbeigaben, wie einer der ältesten Totenbuchpapyri, eine sehr seltene, kostbare "Nun-Schale", zwei bemerkenswerte Hundehalsbänder aus Leder sowie drei mumiengestaltige und ein kastenförmiger Sarg und anderes.

Das Grab war später wie das Grab von Juja und Tuja hastig wieder einigermaßen in Ordnung gebracht worden und erneut verschlossen. 

Mumie von Maiherperi
(Bildquelle:
Catalog du Musee du Cairo Royal Mummy by E. Smith)

Die Mumie von Maiherperi war bei der Auffindung noch eingewickelt. Nach Daressy gehörte die Mumie einem jungen Mann, der bei seinem Tode nicht viel älter als 20 Jahre alt gewesen war. Andere Meinungen gingen dahin, dass er wohl ein Alter von ca. 24 - 25 Jahren erreicht hatte.

Das sehr gut erhaltene Antlitz Maiherperis

Das Antlitz von Maiherperi ist gut erhalten, obwohl seine Mumie in der Antike gefleddert worden war. Sogar die vergoldete Totenmaske aus Pappmache befand sich noch an Ort und Stelle.

Begräbnismaske Maiherperis
- Kairo CG 24096 -
Foto: Catalogue General des Antiquites Egyptiennes du Musee du Caire:/ G.  Daressy, )

Kanope Maiherperis
- Kairo CG 42006 -
Foto: Catalogue General des Antiquites Egyptiennes du Musee du Caire:/ G.  Daressy, )

 

Einer der interessantesten Funde im Grab waren zwei Hundehalsbänder
Material: gefärbtes Leder, vergoldetes Kupfer
Maße: Durchmesser 15 cm, Höhe 7,2 cm, Dicke 0,60 cm

 

Das zweite Hundehalsband zeigt Jagdszenen
- CG 24075 Museum Kairo -
Bild:
Daressy, Fouilles, Taf. 11.CG 32075

 

Köcher, Pfeile Armschutz und zwei Hundehaltsbänder. Der Köcher ist reich mit Lederapplikationen und eingepressten Ornamenten, Lotosblumen und Papyrus zu Sträußen gebunden und mit Spiralmustern verziert.

 

CG 24008 Kairo - Henkelkrug aus Calzit.
Der Lederverschluss wurde von antiken Grabräubern aufgerissen,
 um zu sehen, was drin ist.
CG 24007 Kairo - Calzitamphore auf ringförmigem Untersatz

 

Eine Anzahl bemalter Keramikgefäße 
und Kanopenkrüge aus dem Grab KV 36

Die Inschrift auf der Kopfseite und unterhalb des Knaufes auf einer Lebensschale aus blauer Fayence (Kairo JdE 33823, CG 24058) nennt den „ Harimszögling Maiherperi “

Kornosiris CG 24061 / 24061
( Bildquelle: bearb. nach "
Catalogue General des Antiquites Egyptiennes du Musee du Caire:/ G.  Daressy, )

In die Oberseite des hölzernen Gestells wurden die Umrisse des Gottes Osiris vertieft eingeschnitten , und der Rest des Holzgestells mit schwarzem Harz überzogen. Die eingetiefte Figur des Osiris wurde dann mit Saatgut gefüllt, begossen und begann dann alsbald zu sprießen. Dann stellte man den fertigen Kornosiris ins Maiherperis Grab.

Diese Art eines Osirisbettes spiegelte die Kraft des Lebens und der Regeneration wieder. Ähnliche Betten wurden auch in den Gräbern von Yuya und Tuya, wie auch in KV 62 - Tutanchamun gefunden.

bemalter Holzkasten - heute in Bosten, MFA, 03.1036a - b 
Maße: Länge 19,7 cm, Höhe 13,5 cm
  Der Kasten enthielt ursprünglich zwei sorgfältig zurechtgeschnittene und perforierte Lendentücher aus Gazellenleder.


Der Engländer Howard Carter suchte im Febr. 1902 nach dem Grab des Thutmosis IV. und entdeckte dabei oberhalb von KV 36 eine kleine Vertiefung, in der eine gelb bemalte Holztruhe untergebracht war. Sie trug den Namen Maiherperi und enthielt zwei komplizierst geschnittene und perforierte Lendenschurze aus Gazellenleder. Zahlreiche Intarsienfragmente aus Buntglas und Goldfarbe, die wohl sicher ebenflls aus KV 46 stammten fanden sich in der Nähe des Fundortes.

Die Truhe und einer der Lendenschurze sind heute im Museum von Boston MFA ausgestellt. (Lendenschurz MFA 03.1035 und 03.1036 Truhe)

Der im Museum von Boston befindliche Lendenschurz ist kunstvoll aus einem einzigen Stück Leder geschnitten worden

Der aus dem Museum in Chicago entwendete zweite Lendenschurz Maiherperis

Dort ausgestellt soll er fälschlicherweise als frühes Beispiel eines Freimaurerschurzes beschrieben worden sein. Eine irrwitzige Vorstellung –  aber vielleicht stahl deswegen kurz darauf eventuell ein fanatischer Sammler solcher Insignien, diesen Lendenschurz. Bedauerlicherweise ist das Stück bislang nicht wieder aufgetaucht.

Die Inschrift auf der Kopfseite und unterhalb des Knaufes auf der Truhe nennt den "Harimszögling Maiherperi". In der Mitte des Deckels bezeichnet eine Kolumne eingetiefter und blau ausgelegter Hieroglyphen Maiherperi als "Wedelträger".

 

( Co-Autor: J. H. Pirzer)


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