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Eingang zu der Grabanlage von Ramses VI.
(Bild: Nefershapiland)
Ramses VI. - Neues Reich (20. Dynastie)
Thronname: "Herr der Maat, ein Re, geliebt von Amun." (nach Schneider)
" Gott (Herr) der Gerechtigkeit ist Re, Geliebter des Amun" (n. Clayton)
Nb - mAat - Ra mrj - Jmn ( Neb-maat-re Meriamun )Bestattet wurde Ramses VI. im Grab KV 9 im Tal der Könige. Bereits unter seinem Vorgänger, Ramses V., war mit den Arbeiten an diesem Grab begonnen worden. Der Name von Ramses V. steht auf dem Türpfosten bis Raum E (Brunnenraum). Beim Tode von Ramses V. war das Grab noch nicht vollendet worden und wurde von seinem Nachfolger übernommen. Dadurch ersparte sich der neue Herrscher einen erheblichen Arbeitsaufwand. Trotzdem blieb das Grab auch beim Tode von Ramses VI. unvollendet.
Das Grab steht seit der Antike offen ist schon seit damaliger Zeit durch seine farbige Dekoration ein Magnet für die Besucher. Hiervon zeugen fast eintausend Graffiti, die zum Teil noch aus griechischer und römischer Zeit stammen. Damals wurde es "Grab des Memnon" genannt, wie aus dem Graffiti in Griechisch und Latein hervorgeht. Bei den Gelehrten der französischen Expedition war es unter dem Namen "La Tombe de la Metempsychose" als " Grab der Seelenwanderung" bekannt.
1888 legte Georges Daressy im Auftrag des Service des Antiquities de l'Egypte das Grab fast vollständig frei. Das Grab wurde während der Koptischen Zeit teilweise ausgeräumt und im 19. Jahrhundert von Pococke kartographierot. Einzig die Grube im Sarkophagkammerboden wurde erst 1985 durch Erwin Brock ausgeräumt. Dabei entdeckte man Fragmente von Bestattungsmaterial wie Uschebtis und die Trümmer des königlichen Sarkophages.
KV 9 ist das erste Königsgrab im Tal der Könige, welches vollständig fotografisch wiedergegeben wurde, einschließlich aller Übersetzungen der Texte im Jahre 1954 von Piankhoff/ Rambotat. Das Königsgrab KV 9 entspricht in der Architektur seinen zeitlichen Vorgängern und ist, da man nicht bei Null anfangen musste, das letzte Königsgrab, welches noch die traditionelle Bauform mit Ablauf von Korridoren, Räumen und Hallen aufweist.
Gemessen am Volumen des ausgehauenen Gesteins ist KV 9 eine der größten Anlagen im Tal der Könige. Der Eingang liegt unmittelbar über dem Grab von Tutanchamun.
Fritz Abitz konnte im März 1987 feststellen, dass Ramses VI. fast die gesamte schon ausgeführte Dekoration seines Vorgängers abschlagen und nach einer völlig neuen Konzeption die frisch verputzen Wände neu dekorieren ließ. Die Dekorationen wurden üblicherweise in eine dicke Putzschicht eingeschnitten, diese wurde dann abgeschlagen und eine neue aufgetragen. Dieser Vorgang muss wegen der damit verbundenen Unterbrechung der Steinarbeiten im Grab erhebliche Zeit in Anspruch genommen haben. Anscheinend war dem König das Dekorationsprogramm, welches den oberen Teil des Grabes zu einer geschlossenen Einheit zusammenfasste, derart wichtig, dass er dafür einen erheblichen Mehraufwand in Kauf nahm, statt die bereits ausgeführten Dekorationen einfach zu übernehmen. Einzig das Eingangsbild des Königs vor dem Sonnengott adaptierte er durch kleine Korrekturen.
Der vordere Teil des Grabes von Raum E (Brunnenschacht) war für Ramses V. beschriftet worden. Die einzigen bekannten Begräbnisobjekte, welche Ramses V. zugeordnet werden können, sind ein Fragment eines Holzkastens und möglicherweise ein hölzerner Sargnagel aus der Grabung von Th. Davis.
Das Datum (allerdings nicht den Ort) der Beisetzung von Ramses V. im 2. Jahr seines Nachfolgers bezeugt ein Ostrakon (1.II. AHt) Wohl im zweiten Jahr seiner Regierung entschloss sich Ramses VI. zu einer erheblichen Vergrößerung der Grabanlage, wie aus einem Papyrus in Turin hervorgeht. (Papyrus Turin 1923,verso) Es wird nach den Textfragmenten vermutet, dass der unter Ramses V. begonnene Vortrieb bis zum zweiten Korridor unterhalb der ersten Pfeilerhalle reichte.
Aus Auszügen des Nekropolentagebuches der Arbeitermannschaft von Deir el-Medine geht hervor, dass im "III. Monat der smw-Jahreszeit, Jahr 2" die von Ramses IV. auf 120 Mann verdoppelte "Mannschaft des Königs" wieder auf 60 Mann reduziert wurde. Diese Verringerung der Arbeiter erfolgte aber erst nach der Beerdigung von Ramses V. im 2. Jahr von Ramses VI. Die reduzierte Arbeitermannschaft wurde wohl für ausreichend gehalten, das bereits angefangene Grab zeitgemäß vollends beenden zu können. Es arbeiteten also ca. 60 Mann während der gesamten Regierungszeit, wenn man von einem halben Jahr Planungszeit absieht. Für das 2. und 4. Regierungsjahr ist die Arbeit an KV 9 schriftlich verbürgt. (Jahr 2 auf einem Papyrusfragment in Turin, Jahr 4 - Ostraka Kairo CG 25269)
Sichtbare Änderungen, die von Ramses VI. am Grab KV 9 und dessen Dekoration vornehmen ließ, sind nach den Untersuchungen von Fritz Abitz:
Außenfassade:
Sturz und Türpfosten: Änderung der Königsnamen von Ramses V. in Ramses VI. Korridor I:
Eingangslaibung: Änderung der Königsnamen.
Eingangsbild links: Der König vor Re-Harachte und Osiris
Änderung der Königsfigur: die Figur des Königs ist überarbeitet. Das Gesicht des
Königs wurde voller und jünger gestaltet; die Krone
bestehend aus Schlangen und Federn wurde geändert
in die rote Krone des Nordens, die Position der Hand
des rechten Armes wurde etwas geändert.Eingangsbild rechts: Ebenfalls mit dem König vor Re-Harachte und Osiris zeigt
keinerlei Überarbeitung.Durchgang zum 2. Korridor: Änderung der Königsnamen, Spuren von Text
unter dem neuen PutzKorridor II. Durchgang zum 3. Korridor: Änderung der Königsnamen Korridor III: Durchgang zum Schachtraum: Änderung der Königsnamen
Schachtraum - Raum E: Änderungen des Königsnamen. Unter dem Putz Teile alter Reliefs erkennbar. 1. Pfeilersaal: Namensänderungen (festgestellt von A. Piankoff) Fritz Abitz konnte keine Spuren einer
Namensänderung feststellen. Der neue Putz, der die Dekorationen Ramses VI. trägt, ist homogen und jeweils ohne sichtbaren Absatz gearbeitet. Ausbesserungen einer vorhandenen Dekoration sind nicht erkennbar. Bei allen oben genannten Stellen ist der neue Putz durch Beschädigungen von Wandteilen herabgefallen und gibt den Blick auf Spuren der früheren Dekoration frei.In der Grabdekoration von Ramses VI. ist ein fast vollständiger Bruch mit der langen Tradition der Ausgestaltung der Königsgräber festzustellen, der gemessen an der bewahrenden ägyptischen Lebensform fast revolutionär genannt werden kann. Die fast vollständige Änderung des Bildprogramms wirft viele Fragen auf. Warum zum Beispiel ist das ganze Höhlenbuch mit seinen 6 Abschnitten sowie das Buch vom Tage und von der Nacht erstmals für die Dekoration eines Königsgrabes verwendet worden? Die gleiche Frage stellt sich bei dem Buch von der Erde, welches die Wände der Sarkophaghalle bedeckt. Es gibt dafür bis heute keine weitere Vorlage als die, welche im Grab Ramses VI. vorgefunden wurde. Auch die Ausgestaltung aller Decken des Grabes mit sogenannten astronomischen Darstellungen, von denen einige offensichtlich in Bild und Ton eigens geschaffen wurden, ist neu. Die Raumdurchgänge wurden nunmehr auch einheitlich mit auf den König bezogenen Texten versehen.
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Bauausführung und Dekoration
Achse: 290°20'
Volumen: 17e50,42 Kubikmetet
(Grabgrundriss nach Alberto Siliotti/Tal der Könige, K. Müller-Verlag)
Die königliche Grabanlage besteht in ihrer traditionellen Bauform seit der Zeit von König Thutmoses IV. und kann als abgeschlossen angesehen werden. Seit dieser Zeit besteht die königliche Grabanlage aus einem oberen Grabbereich mit drei Korridoren, dem Schachtraum und dem ersten Pfeilersaal, zwei weiteren Korridoren, dem Vorraum und der Sarkophaghalle mit ihren angegliederten Nebenräumen (Anbauten)
(nach Kent Weeks /F. Abitz / Reeves u. a.)Grabzugang und Fassade: - A -
Der offene Einschnitt ist im Fels geglättet und die Fassade des Grabeingangs in Relief ausgeführt. Die Eingangsrampe besitzt keine Stufen, sondern führt in leichtem Gefälle zum Eingangstor.Der Grabeingang war mit Sicherheit nicht zugeschüttet, denn sonst wäre die dekorative Grabfassade sinnlos gewesen. Sicherheitstechnisch ist der Verschluss der Gräber nur mit versiegelten Holztüren nicht so abwegig, wenn die im Laufe der Zeit im Tal eingetretenen Veränderungen berücksichtigt werden. Der Verschluss des Grabes ist lt. E. Thomas nur an vier Stellen nachweisbar. Sie nimmt deshalb an, dass für den oberen Grabbereich ein ständiger Zugang gegeben war. Der Eingang war nach der Laibung vom 1. Korridor, aus mit einer Doppeltür verschlossen, wie die runden Ausnehmungen an der Decke, jeweils nahe der Seitenwand, für die Türzapfen belegen.
Nach mehr als 200 Jahren Gräberbau im Tal mussten zunehmend große Massen des aus den Gräbern geschafften Steinanhiebs den Talboden als Schutthalden bedecken. Da nach Papyrus Mayer B die Grabräuber 4 Tage brauchten, um das Grab aufzubrechen, wird ihr Zutritt nicht durch den regulären Eingang erfolgt sein. Wahrscheinlich drangen sie heimlich über die vermauerte Kollisionsstelle über KV 12 in das Königsgrab ein. Ohne eine äußere Beschädigung des Grabes konnten sie in aller Ruhe den riesigen Sarkophag aufbrechen und das Grab plündern. Bei offenen Grabeingängen beschränkten sich die Kontrollen der im Tal patrouillierenden Wachen nur auf die sichtbaren Türen und ihre Siegel.
| Dekoration: |
Auf der Fläche über den Eingang ist die Göttin Isis, die Gottesmutter (links) und Nephtys, die Gebieterin des Westens (rechts) zu sehen, wie sie die Sonnenscheibe anbeten, in welcher Chepre (links) und der widderköpfige Sonnengott (rechts) dargestellt sind. Dieses Bild steht noch ganz in der Tradition der vorangegangenen Zeit.
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1. - 3. Korridor: B - C - D
An den ersten drei Korridoren ist nur eine geringfügige Neigung festzustellen. Am Anfang des zweiten Korridors befinden sich in den Wänden unter der Decke links und rechts je eine lange rechteckige horizontale Nische. Ebenso ist am Ende des dritten Korridors je links und rechts eine vertikale Vertiefung dicht über dem Boden eingehauen. Die Wände sind alle im Relief dekoriert.
Korridorbreite: 3,15 m - 3,19 m
Korridorhöhe : 3,60 m - 4,05 m
Breite der Tordurchgänge: 2,61 m - 2,80 m
Dekoration: Der Sturz über dem Durchgang zu Korridor B wird von einer Sonnenscheibe dekoriert mit einem Skarabäus und einem widderköpfigen Mann darin, der flankiert wird von der knienden Isis und Nephtys
(Quelle: Theben Mapping Project)
Im ersten, zweiten und dritten Korridor stammen die Dekorationen aus dem Pforten- (linke Wand) und dem Höhlenbuch. (rechte Wand)Alle Raumdecken tragen, außer im Raum nach der Sarkophaghalle, (wurde nicht fertiggestellt) sogenannte astronomische Darstellungen, wie hier aus dem Buch vom Tag und Buch der Nacht.
Der Sturz zum Durchgang zu Korridor C trägt die Namen von Ramses VI. an den Pfosten und Laibungen, welche wiederum mit einer Geierdarstellung verziert sind.
Der 2. Korridor (C) ist mit Darstellungen aus dem Buch der Pforten an der linken Wand und aus dem Buch der Höhlen an der rechten Wand dekoriert, während an der Decke Ausschnitte aus dem Buch der Nacht zu sehen sind.
Im 3. Korridor (D) sind Dekorationen aus dem Buch der Pforten und dem Buch der Kuh an der linken Wand dargestellt. Die recht Wand ziert das Buch der Höhlen, während die Decke Malereien aus dem Buch vom Tage und dem Buch von der Nacht darstellt.
Schachtraum oder Ritualbrunnen:Der 3. Korridor mündet in den sogenannten Schachtraum (E) oder dem Ritualbrunnen. Ein Schacht ist in KV 9 nicht vorhanden. Ob der mangelnde Fertigungsgrad das Aushauen eines Schachtes verhindert hat oder ob hierfür andere Gründe vorliegen ist noch unklar.
| Dekoration: |
Der Schachtraum (Raum E) wird verziert durch Darstellungen aus dem Pfortenbuch an der linken Seite und an der rechten vom Höhlenbuch und vom Buch vom Tag und Buch der Nacht an der Decke.
1. Pfeilersaal: F
Eine steile Rampe führt durch den 4-Pfeiler-Saal (F) in den unteren Grabbereich. Wie sonst üblich gibt es hier keinen Nebenraum zum 1. Pfeilersaal.
| Dekoration: |
An der linken Wand befinden sich Darstellungen aus dem Buch der Pforten, während auf der rechten Seite die letzten Teile aus dem Buch der Höhlen zu sehen sind. Auch hier ist der erhöhte Einfluss des Gottes Re erkennbar, denn durch Hinzufügen einer Sonnenscheibe und eines Sonnenpektorals wird Osiris mit dem Sonnengott identifiziert. Ramses VI. vor Osiris (Osiris-Schrein); Ramses VI mit Göttern an den Pfeilern. Durchgehend vom Brunnenschacht setzt sich die astronomische Decke mit Sternenbildern fort (Buch vom Tage und Buch der Nacht), Dekanen-Listen an den Seiten.
Abgang in den 4. Korridor:
Für den Abgang aus dem 4-Pfeilersaal (F) war hier ein steiler Neigungswinkel von 17° geplant. Hier sind die die Göttin Mertseger und Nechbet dargestellt.
4. und 5. Korridor: G und H
Der 4. Korridor ist eben, auch der 5. Korridor sollte ohne Neigungswinkel weiterführen. Aber durch die unplanmäßige Kollision mit KV 12 waren die Grabarchitekten gezwungen, einen steilen Winkel von 11° zu wählen. Bei den Arbeiten an der Decke des 5. Korridor brachen die Arbeiter versehentlich durch den Boden eines der hinteren Räume von KV 12 (Privatgrab). Die Datierung für dieses Grab ist unbekannt. Dadurch war man gezwungen, die Decke und den Boden von Korridor 5 tiefer zu legen, um unter KV 12 durchstoßen zu können.
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| Grabzugang Ramses VI - Raum F, Zugang zu G | Blick von der oberen Pfeilerhalle (F) auf 4. Korridor |
| Dekoration: |
In den unteren Korridoren zeigen die Decken Passagen aus den Büchern des Himmels (Barken des Re) sowie kryptographische Texte, während auf den Wänden Auszüge aus dem Amduat zusehen sind - Korridor G -.
Auf den Wänden von des 5. Korridors (H) sind wiederum Auszüge aus dem Amduat dargestellt. Die Decke ist geschmückt mit kryptographischen Texten; auf dem Sturz über dem Durchgang zu Kammer I. (Vorraum) ein Berg zusehen ist, der einen Himmel mit einer Sonnenscheibe trägt. Die Namen von Ramses VI. sieht man an den Pfosten und Laibungen, ebenso Geierdarstellungen.
Vorraum (Vestibül) - Kammer I.
Der Vorraum entspricht in Form und Lage denen seiner Vorgänger.
| Dekoration: |
Die linke Wandseite zitiert das "Negative Schuldenbekenntnis", zusätzlich sind hier Teile des Totenbuches 124,126,127,129 und eine Hymne an die Göttin Maat aufgeführt. An der Decke ist die Auferstehung des Osiris mit kryptographischen Texten zu sehen.
Sarkophaghalle und Anbau: J u. K
Die Grabkammer war als Querschiff mit acht Pfeilern geplant, wurde aber nicht fertiggestellt. Es sind keine Nebenräume vorhanden. Es bleibt offen, ob dieses durch den mangelnden Baufortschritt verursacht worden ist. Ein unvollendeter Ansatz für einen folgenden Korridor in der Grabachse liegend, ist erkennbar und wird wegen seiner gesonderten Dekoration als Raum (K) bezeichnet.
Ursprünglich war der Anfang des Raumes als Teil der nicht fertiggestellten Kolonnade geplant und nur ein kleiner Teil führte dann als Korridor weiter. Nach dem Tode des Königs verputzte man in aller Eile diesen Raum und versah ihn mit einer Dekoration.
Fertigstellungsgrad:
Der rechte Pfeiler C ist bei der vorderen Kolonnade vollständig aus dem Fels gelöst. Der an dem Pfeiler D noch anstehende Fels hätte mit sehr geringem Zeitaufwand ebenfalls herausgelöst werden können und mit einem Arbeitsaufwand von ca. 2 Tagen die rechte vordere Kolonnade für den Putz und für die Dekoration verfügbar gemacht. Der Anstoß der Wand zur Decke der Kolonnade ist bereits als "saubere Kante" herausgearbeitet, während zwischen den Pfeilern A und der Wand der linken Kolonnade noch große Felsteile zu sehen sind. Auch die hintere Kolonnade wurde im Anfangsstadium des Aushauens belassen. Nur die Frontseiten der Pfeiler E,F,G,H sind durch Vertiefungen der Zwischenräume markiert.Die Sarkophaghalle in ihrem vorgefundenen Zustand sieht so aus, als hätten die Handwerker für die Steinbearbeitung plötzlich den Meißel aus der Hand gelegt.
Der Boden der Grabkammer ist zwischen den 8 Pfeilern nur teilweise und unregelmäßig auf die erforderliche Tiefe herausgehauen. Die Glättung der Felswände ist unsauber gearbeitet worden; an manchen Stellen so mangelhaft, dass ein ordnungsgemäßer Putzauftrag nicht durchgeführt werden konnte. Dies gilt insbesondere für diejenigen Teile der Seitenwände, die unmittelbar an den Kolonnaden anstoßen und die Rücksprünge der hinteren Kolonnade.
Gut zu erkennen ist anhand des Grundrisses, dass von der inneren Fläche der Sarkophaghalle nur der Boden zwischen den mittleren Pfeilern vertieft worden ist. Eigentlich hätte die gesamte Bodenfläche zwischen den Pfeilern vertieft werden müssen. Dieses ist auf die Einstellung der Steinarbeiten zurückzuführen. Die angefangene Vertiefung hat man dann nach oben schräg erweitert, um Platz für den Boden des Sarkophags zu schaffen.
| Dekoration: |
Auf den Wänden taucht zum ersten Mal das Buch
der Erde auf. Die Texte und Illustrationen
haben die Schöpfungsgeschichte zum Inhalt. Dieses Buch gehört zu den großen
Anthologien religiöser und magischen Texte, die u. a. die Reise des
Sonnengottes Re in die jenseitige Welt und seinen Weg zum Licht zum Inhalt
hat.
(Zitat: Tal der Könige: Alberto Siliotti /Karl Müller Verlag)
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Deckengewölbe der Grabkammer |
astronomische Decke und östliche Wand |
Die astronomische Decke dieser Kammer vereinigt Bilder aus den Büchern des Himmels mit den ausgestreckten Tages- und Nachtgestalten der Göttin Nut. Die Göttin verschluckt die Sonne am Abend und lässt sie am Morgen wieder auferstehen. Hier wird der Prozess der Wiedergeburt des verstorbenen Königs verdeutlicht. Er wird mit Re gleichgesetzt und genau wie er wiedergeboren.
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Östliche Wand der Grabkammer. Die Göttin Nut hebt die Sonnenscheibe mit ihren Armen aus den Tiefen der Unterwelt. (rechts auf dem Bild) |
Blick auf die dekorierten Pfeiler und in die Grabkammer |
Auf den Pfeilern ist der König vor den Göttern zu sehen.
Im Sarkophagraum sind sehr schöne Malereien des Buches von der Erde erhalten, wie eine Abbildung der Barke des widderköpfigen Sonnengottes Re und Chepre, die Personifikation der Morgensonne. Von diese Darstellungen aus dem Buch von der Erde sind sonst nur in einzelnen Szenen in den Dekorationen anderer Königsgräber wie Merenptah und Ramses IX oder Osorkon II. aufgenommen worden.
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Grabkammer Ramses VI. - linke Seite: die "Verdammten" werden von schwarzen Henkern geköpft und werden mit den Beinen nach oben dargestellt. |
Auf diesem Ausschnitt der Wanddekoration in der Grabkammer wird die Sonnengottheit Re auf ihrer Himmelsreise von Osiris und der Gottheit, die die Stunden personifiziert, begleitet. |
Am Türstock des Durchgangs zu Kammer K befinden sich Texte von Ramses VI.
Im der Kammer K sind Dekorationen aus dem Buch der Pforten zu sehen, Dekanen-Listen, sowie Nut mit der Barke des Re und Ramses VI. mit den Göttern. Eine Deckengestaltung konnte hier allerdings nicht festgestellt werden.
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Dekoration 1. und 2. Korridor:
( B und C) Nischen: 3. Korridor: Schachtraum: 1. Pfeilersaal Abgang in den 4. Korridor: 4. und 5. Korridor: Vorraum: Sarkophaghalle: . Pfeiler: Der König vor Göttern. Sehr schöne Malereien des Buches von der Erde (Bild der Sonnenbarke) von dem sonst nur einzelnen Szenen in die Dekoration anderer Königsgräber (Merenptah bis Ramses IX. dazu Osorkon II.) aufgenommen sind. Deckengestaltung: Alle Raumdecken tragen sogenannte astronomische Darstellungen, außer der Raum nach der Sarkophaghalle (nicht fertiggestellt) Das gesamte Bildprogramm bezieht sich auf die Fahrt des Re durch die Dat und den unter weltlichen Himmel. Der Bruch mit der Tradition innerhalb der königlichen Grabdekoration erfolgte erst mit Ramses VI., jedoch ist eine Tendenz zu entsprechenden Veränderungen bereits in der Regierungszeit König Merenptahs festzustellen. Deutlich ist im Grab Ramses VI. eine Hinwendung zu Re sichtbar, bei gleichzeitigem zurücktreten des Gottes Osiris. Die vorgenommenen Neuorientierung der Königstheologie im Grab Ramses VI. ist zwar nicht unmittelbar aus den Quellen seiner Regierungszeit zu belegen, entspricht jedoch offensichtlich der Bekannten religiösen und politischen Entwicklung Ägyptens. |
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| Sarkophag: |
Die Sarkophagwanne aus schwarzem (rotem?) Granit wurde im Gegensatz zu manchen Erklärungen zum geänderten Konzept in KV 1 (Ramses VII.) nicht umgekehrt über die Grube gelegt, um deren Deckel zu bilden, sondern der Sarkophag stand mit der Öffnung nach oben darüber, um den Mumiensarg des Königs aufzunehmen.
Größere Mengen einer harzigen Flüssigkeit - Rückstände rituellen Salböls - wurden über den anthropoiden Sarg des Königs gegossen, flossen außen herab über Deckel und Wanne und sammelten sich auf dem Boden des Granitaußensarkophags. Hätte die Wanne umgekehrt über der Grube gelegen, wäre dies nicht möglich gewesen und am Boden der Grube wurden auch keine Spuren einer harzigen Substanz gefunden.
Als Erwin Brock 1985 den Boden der Grabkammer freilegte, waren noch Trümmer von dem gewaltigen schwarzen Granitsarkophag vorhanden, der in der Antike durch rohe Gewalt zertrümmert worden war. Die Ausmaße des Sarkophages waren gewaltig: Länge 3,60 m , Breite 2,11 m und Höhe 1,72 m. Allein die Dicke des Bodens beträgt einen Meter. Die Seiten des Sarkophages waren schwach graviert und mit Figuren und Texten aus dem Buch von der Erde.
Im Jahre 2001 begann die Restaurierung des stark zerstörten Sarkophags Ramses VI. direkt vor Ort. Ausgeführt wurde die Arbeit durch das ARCE (American Research Center in Egypt) und finanziert von USAID.
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Grabkammer Ramses VI.
An der hinteren Wand befindet sich der von Grabräubern zerstörte äußere Sarkophag vor der Restaurierung..
(Bild Antike Ägypten: G.Agnese u. Maurizio Re)
restaurierter äußerer Sarkophag aus Rosengranit, von dem nur die Sargwanne restauriert werden konnte. Heute ist dieser ebenfalls in der Sarkophaghalle des Königsgrabes aufgestellt.
(Bild wurde freundl. von saamunra zur Verfügung gestellt)
In dem äußeren Sarkophag aus Rosengranit, von dem nur die Sargwanne restauriert werden konnte, befand sich ein zweiter, anthropoider Sarg, der in viele kleine Fragmente zerbrochen war. Über 250 Bruchstücke konnten gesammelt werden, bei weitem nicht alle, was die Restaurierung erheblich erschwerte. Es gelang jedoch einen großen Teil des Sarkophags zu rekonstruieren, so dass seine ursprüngliche Form und Größe wieder erkennbar wurde.
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Deckel des unvollendet gebliebenen inneren
anthropoiden Sarkophags |
Bild aus dem Grab Ramses VI. (Dezember 2000) | |||
Dieses Bild ist lizensiert
unter einer Creative
Commons Attribution-Share Alike 2,5
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Bruchstücke des unvollendeten, inneren anthropoiden Sarges aus grünem Konglomerat wurden schon im
19. Jahrhundert in der Grube der Sarkophaghalle des Grabes entdeckt. Das am besten erhaltenste Stück des anthropoiden Sarkophages, die Gesichtsmaske, wurde ins Britische Museum (EA 140 - Deckel, Höhe 0,83 cm) gebracht. Bei der Restaurierung dieses inneren Sarkophages wurde eine Kopie dieses Stückes mit dem restlichen noch vorhandenen Bruchstückes dieses Sarges wiedervereint.
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| Britischen Museum. (EA 140 - Gesichtsmaske) |
Es ist durchaus möglich, dass der König noch einen anthropoiden innersten Calcitsarkophag besaß, aber die von Brock entdeckten Fragmente sind unbeschriftet und könnten von Nachbestattungen stammen. Auch im Eingangsbereich des Grabes König Amenmeses (KV 10) fanden sich ebenfalls Sarkophagfragmente von Ramses VI.
Spuren eines Sarkophages für Ramses V. sind nicht bekannt. Falls es je welche gegeben haben sollte, wurden sie möglicherweise von seinem Nachfolger usurpiert. Zu Brocks weiteren Funden gehörten Tonwaren, Fragmente von Holz- und Calcit-Uschebtis und eine Münze des römischen Kaisers Maximian.
Vier Alabaster-Uschebtis Ramses VI. fanden sich 1901 bei El-Bersche, wohl eine Weihegabe in einem hiesigen Tempel. Heute befinden sie sich im Museum Kairo. (JE. 35167)
Ein weiterer Uschebti des Königs befindet sich im Museum zu Kairo (JE 96857 = CG 48415). Er misst 26 cm und besteht aus bemaltem Holz. Der genaue Fundort ist unbekannt. Der König trägt das Nemes-Kopftuch und den Zeremonialbart. In beiden Händen hält er Hacken für die Feldarbeit. Im unteren Bereich weist der Uschebti Zerstörungen auf. Als Text trägt er das 6. Kapitel des Totenbuches.
Kürzlich wurde im Grab Ramses VI. hinter einer Wandunebenheit eine Statue des Königs entdeckt.
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| Mumie Ramses VI.: |
1898 wurde die Mumie von Ramses VI. von Victor Loret in KV 35 (Amenophis II.) in einer Seitenkammer des Grabes zusammen mit der von Ramses V., Thutmoses IV., Merenptah, Sethos II., Siptah, Ramses IV. und einer nicht identifizierten weiblichen Mumie (vielleicht Tausret oder Hatschepsut) gefunden. Die Mumie von Ramses V. lag im Unterteil eines weiß bemalten Holzsarges, die von Ramses VI. in einem ursprünglich einem Hohenpriester des Re namens Mencheperre gehörenden Ersatzsarges.
Es sind allerdings bei isolierter Betrachtung der antiken Markierungen zu der Mumie Ramses VI. Zweifel über die Identität der aufgefundenen Mumie entstanden. Die Identifizierung beruht auf folgenden Angaben von Victor Loret.
Zitat:
" Wanne und Deckel des Sarges sind aus Holz. Darauf befindet sich in schwarzer Farbe gemalt der Name des ersten Propheten des Amun und des ersten Propheten von Thutmoses III., Ra. Auf dem Deckel ist der zerkratzte Thronname Ramses VI. eingeritzt. Die Mumie selber trägt keinen Namen."Eine sichere Identifizierung für Ramses VI. ist nur dann gegeben, wenn seine ohne Markierung gelassene Mumie tatsächlich in dem, mit seinem Namen versehenen Sarg gelegen hat. Jedoch geben die Fundumstände so deutliche Hinweise, dass Zweifel weitgehend ausgeräumt werden können. Auch ist die Mumifizierung des Körpers lt. G. E. Smith, der sie 1905 untersuchte, eindeutig der 20. Dynastie zuzuordnen.
Zustand der Mumie bei ihrer Auffindung:
Die Mumie Ramses VI. befand sich bei ihrer Auffindung in einem sehr zerstörtem Zustand. Kopf und Oberkörper waren buchstäblich in Stücke zerhackt. Dies geht wohl auf das Konto der Grabräuber, die so schneller an die Schmuckstücke gelangten. Die Priester benutzten später für die Restaurierung der Mumie ein grobes Brett des Sarges, auf dem sie Fragmente des Körpers festgebunden wurden, um ihr wieder die Form einer Mumie zu geben. Sehr wahrscheinlich ist die Ansicht von Fritz Abitz, das dieses im ursprünglichen Grab geschah, richtig, denn das Sargbrett, auf der die Mumie festgebunden war, ähnelt in der Verzierung sehr der Sargwanne Ramses III. und dürfte somit wirklich Teil der königlichen Grabausstattung gewesen sein.
Bei der anatomischen Untersuchung der Mumie Ramses VI. durch G. E. Smith stellte man fest, dass Ramses VI. ungefähr 1,71 m groß war. Kurzgeschorene Haare auf der Oberlippe, dem Kinn und teilweise am Kopf (Haare auf dem Kopf nur 1 mm lang) wurden festgestellt.
Die Zähne waren nur wenig abgenutzt, daher schätzte man sein Alter auf etwa vierzig bis fünfzig Jahre. Die Zerstörung der Mumie erlaubt keine weiteren detaillierten Angaben, doch ist die Kreuzhaltung der Arme gesichert. Der zerhackte Körper des Königs wurde sehr nachlässig unter Verwendung neuer Binden auf dem Sargbrett fixierst, um den Körper zusammenzuhalten.
Nach der Befreiung der Mumie von diversen Umhüllungen fand G. E. Smith folgendes vor:
| der Schädel war durch Axthiebe gespalten, der Kiefer ohne Verbindung mit dem Schädel, | |
| der Hals vom Körper getrennt, | |
| die Gesichtsknochen zerbrochen, | |
| das rechte Schulterblatt und der obere Teil der Schulter waren zerschmettert (nicht zerhackt!) | |
| der linke Oberarm war an der Schulter abgerissen, der Rest des Armes war am Ellenbogen abgehackt, | |
| die linke Hand, Finger und Handgelenk zeigen die Spuren von Axthieben. | |
| Alle Rippen und der linke Hüftknochen waren zerbrochen, die vorderen Teile der Rippen fehlen. |
Auffallend war auch, dass die Körperteile nicht entsprechend ihrer natürlichen Position neu eingebunden worden. So lagen am Hals der linke Hüftknochen und der Rest des Beckens; der rechte Ellenbogen und ein Teil der Schulter fanden sich am rechten Schenkel, während ein Rippenstück zu den Fußknöcheln gelegt worden war.
Teile von anderen Mumien wurden offensichtlich mit in die Mumie von Ramses VI. mit eingebunden, wie eine weibliche rechte Hand und von einem männlichen Körper ein verstümmelter Unterarm und die rechte Hand. Wahrscheinlich sollten die fremden Mumienteile die fehlenden Teile vom Körper Ramses VI. ersetzen (?). Es ist vielleicht sogar zweifelhaft, ob die Priester dies bei ihrer Nachlässigkeit der Arbeit überhaupt wahrgenommen haben.
Nicolas Reeves - Tal der Könige -
schreibt hierzu:
Zitat: " Die Mumie war offenkundig
zur selben Zeit behandelt worden, wie jene Sethos II., denn der rechte Unterarm
und die rechte Hand dieses Königs waren versehentlich zusammen mit dem
schwerbeschädigten Leichnam Ramses VI. verpackt worden."
G. E. Smith gibt Ramses VI. ein mittleres Lebensalter, wahrscheinlich älter als Ramses V., aber jünger als Ramses IV. Anhand von Röntgenbildern stellte W. M. Krogmann und M. H. Bear ein Sterbealter von 30 - 35 Jahren fest.
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Im leider nur fragmentarisch erhaltenen Papyrus Mayer B (Liverpool) wird vom Diebstahl von Metallgegenständen und Tuch aus einem Königsgrab (?) zu einem unbekannten Zeitpunkt berichtet. Dieser einzigartige Bericht bezieht sich wohl auf das Grab Ramses VI.
Eventuell kann man davon ausgehen, dass aus diesem Grund eine Inspektion des Grabes durchgeführt wurde, von der ein Graffito in der Sarkophaghalle Ramses VI. zeugt.
Cyril Aldret datiert diesen Grabraub vor das Jahr 9 Ramses IX.
Die Metallgegenstände, die die Diebe aus dem Grab entwendeten, bestanden aus Bronze und Kupfer, sie werden detailliert aufgelistet, wobei festgehalten wurde, dass die fünf Diebe knapp 50 kg Metall unter sich aufgeteilten.
(Co.-Autor J. H. Pirzer)

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