Zur Biografie Ramses IV.

"Ich bin ein legitimer Herrscher,
kein Usurpator,
ich bin an der Stelle dessen,
der mich gezeugt hat, wie der Sohn der Isis....."

(Inschrift auf Gedenkstein aus Abydos, Ramses IV. - heute in Kairo JE 48831)

 

Ramses IV. -  Neues Reich (20. Dynastie)
1. Jahr (Thronname: "Reich an Maat, ein Re, Auserwählter des Amun")
           
Wsr-mAat - Ra stp.n - Jmn (User-maat-RE setep-en-Amun)

2. Jahr (Thronname:" Herrscher der Maat, ein Re")
            
HoA - mAat - Ra  (Heka-maat-Re)

Ein erhalten gebliebenes Gebet Ramses IV. an Osiris, überliefert auf einer Stele aus Abydos aus seinem 4. Regierungsjahr: "Schenke mir eine wohlbemessene Lebensfrist und lass mich ebenso lange regieren oder länger“ (wie mein Vorgänger), wurde nicht erhört. (vgl. Hayes 1990, 371)  Dem Pharao war nur eine Regierungszeit von sieben Jahren gegeben. Seine Mumie wurde 1898 im Königsdepot des Grabes Amenophis II. gefunden.

Ramses IV. ließ sich ebenso wie seine Vorgänger ein Grab im Tal der Könige anlegen. Es trägt heute die Nr. KV 2 (Kings Valley). Es liegt am Eingang der Nekropole unweit der älteren Hauptgruppe im östlichen Tal und weist feine, leuchtendbunte Wandmalereien auf. Auf den Wänden neben dem Grabeingang sind koptische Graffiti zu sehen.

Als erstes Grab für Ramses, zu einer Zeit als er noch ein Prinz war, wurde im Tal der Königinnen (QV 53 - Queens-Valley) angelegt. Später als er schon Thronfolger war, bekam er zusätzlich noch ein Grab in Tal der Könige, das heutige KV 3.

KV 2 stand schon während der Antike offen, was die vielen griechischen und römischen Inschriften beweisen, später wurde es auch von den Kopten genutzt. Der Jesuitenpater Claude Sicard, der das Tal der Könige im Jahre 1708 besuchte, lieferte uns die erste moderne Beschreibung. Die erste wissenschaftliche Beschreibung und einen Plan des Grabes Ramses IV. lieferte Richard Pococke, ein anglikanischer Geistlicher im Jahre 1738.

Die einzigen Funde aus dem Grabinneren sind die "Leichen", die im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts J. G. Wilkinson in den "Nischen" (Uschebti-Kammern) hinter der Grabkammer sah. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um Nachbestattungen aus der 3. Zwischenzeit. Auf seiner großen Ägyptenreise verweilte Champollion mit seinen Begleitern drei Monate lang im Tal der Könige, wo sich die Expedition im Grab Ramses IV. einrichtete. 1837 benutzte es dann Hermann Fürst Pückler-Moskau als Speisesaal.

Champollion ( in der Mitte) in orientalischer Kleidung während der franko-toskanischen Expedition. (Bildnis von Giuseppe Angeletti)

Im Rahmen der Expedition im Jahre 1905/06 von Th. M. Davis untersuchte E. R. Ayrton den Schutt vor dem Eingang des Grabes, wobei er einige Bild-Ostaka mit figürlichen Darstellungen und zahlreiche Uschebtis Ramses IV. aus Kalkstein, Calcit und Fayence fand.

Es dauerte ungewöhnlich lange, bis ein Platz für das Königsgrab gefunden war. Das kann verschiedene Ursachen gehabt haben. Hauptsächlich war der König damit beschäftigt, die Verschwörungen gegen seinen Vater und gegen ihn selbst als designierten Thronfolger vollends niederzuschlagen und die Schuldigen ihrer Bestrafung zuzuführen, sowie unsichere Beamte durch Loyale zu ersetzen. Die Planung kann  durch diese äußeren Gründe etwas verzögert gewesen sein, aber bedeutsamer war ein anderes Problem, das sich hier stellte. Man war bei der Entwicklung des Königsgrabes an einem Wendepunkt angelangt, d. h. die systematische Erweiterung der Anlage und der Dekoration hatte mit Ramses III. ein Ausmaß erreicht, das sich nicht mehr übertreffen ließ. Die Grenzen des Wachstums waren erreicht. Da Ramses IV. schon über 40 Jahre alt war, konnte er mit keiner sehr langen Regierungszeit mehr rechnen.

Ramses IV. ließ daher das Konzept des Königgrabes gründlich überdenken und das Ergebnis war revolutionär - zum erstenmal seit Ramses I. treffen wir ein Königsgrab, das weder Pfeiler und Treppen und kaum Nebenräume bis auf die obligatorischen Nischen und Uschebti-Kammern besitzt.

In der Dekoration des Grabes fehlen auch bis auf die Eingangsszene, die sonst üblichen Darstellungen des Königs vor den Göttern. Die von den Vorgängern verwendeten Korridormaße wurden dafür erweitert, so dass dem Gesetzt von der "Erweiterung des Bestehenden" Genüge geschieht und das Grab viel geräumiger als alle früheren ist - ein Grabpalast mit Korridoren, die über drei Meter breit und über vier Meter hoch sind. Auch führen die Korridore nicht mehr steil in die Tiefe, sondern verlaufen beinahe horizontal.

Beginn der Arbeiten am Grab

Da das planende Gremium wohl nicht gleich nach Regierungsbeginn zusammentreten konnte, war es nicht überraschend, dass mehr als ein volles Jahr und drei Monate nach dem Thronwechsel verstreichen,  bis eine königliche Kommission unter dem Bauleiter und Wesir Neferrenpet in Theben eintrifft und sich am folgenden Tag dem "18 Tag des II. Monats der Aht-Jahreszeit "in das Tal der Könige begibt, "um einen Platz zum "Aushauen  ( sD) des Königs-Grabes (hr) Usermaat-re-setepenamun ausfindig zu machen". In Begleitung des Wesirs, dem ja die Oberste Bauleitung oblag, befanden sich mehrere hohe Beamte: genannt werden in den Quellen die beiden königlichen "wd pw" Hori und Amenchau, von denen der erste auch von anderen thebanischen Denkmälern als Beamter von Ramses IV. bekannt ist. Am "19. Tag des I. Monats" der Aht-Zeit werden die Rationen für zwei Monate an die "Arbeiter der Mannschaft"verteilt. (Ostraka el-Medina De M 45), so dass alle Voraussetzungen für einen guten Beginn der Arbeiten gegeben waren und der Wesir beruhigt in die nördliche Residenz zurückkehren konnte, um dem König Bericht zu erstatten.

Gegen Ende des 3. Monats der Aht - Jahreszeit befindet der Wesir wiederum in Theben, dieses Mal außer den den drei hohen Beamten auch begleitet vom Schatzmeister Monthemtaui. Er verkündet persönlich eine wichtige Entscheidung, die besagt, dass die Sollstärke der Mannschaft von 60 auf 120 Mann erhöht wird, so dass das Aushauen der Grabräume noch rascher vonstatten gehen könne. (Papyrus Turin cat. 1891 rto. = KRI VI 76/77 ) Diese 120 Mann arbeiteten ca. 5 Jahre am Königsgrab.

Bereits ein Jahr zuvor, beim Übergang vom 1. Monat zum 11. Monat der Aht- Jahreszeit des Jahres I. Ramses IV. war die Zahl der wachhabenden Medjays Polizei von 19 auf 29 oder 30 erhöht worden. Die Polizeitruppe war zum Schutz der Nekropole da, während der Arbeiten am Grab wird dieses zusätzlich von zwei Türhütern bewacht deren Namen Kha'y und Penmennofer lauteten.

Auf der Stele des Vorarbeiters Ankirkaui (Inherchau) BM EA 588 wird berichtet, dass vier Tage nach dem Begräbnis von Ramses III., also am 28. oder 29. Tag des I. Monats der Aht- Jahreszeit  der hohe Würdenträger Hori zum großen Platz kam und einige Beförderungen innerhalb der Arbeiterschaft bestätigte. Er verteilte auch Belohnungen an den Vorarbeiter Anhirkaui, der feines Leinen, Öl, Honig, Sahne und einige Sonderzuteilungen an Grundnahrungsmittel bekam. Unter den Geschenken befanden sich auch Silbergefäße "aus Aschkelon" - wohl Palästina.

Bei Ramses IV. sind wir in der glücklichen Lage, sein Grab mit einem antiken Grabplan zu vergleichen, der sich heute im Ägyptischen Museum in Turin (Papyrus Turin 1885 KRI VI 38-60) befindet. Auf der Vorderseite des Papyrus befindet sich der Plan von KV 2 aufgezeichnet. Der Papyrus erhält im Begleittext die Namen jedes Raumes und beschreibt seinen Verwendungszweck. Auch die genauen Maße werden genannt. Das Blatt misst heute 86 x 24,5 cm, ursprünglich mal 45 cm in der Höhe. Obgleich der Königsname fehlt, steht außer Zweifel, dass es sich dabei um den Plan von KV 2 handelt. Wenn man der schematischen Darstellung auf dem Papyrus glauben darf, war der Sarkophag des Königs von mehreren (fünf?) vergoldeten Schreinen umgeben. Es gibt noch eine zweite Planskizze des Grabes. Es handelt sich um ein Kalksteinostrakon das Ayrton unter dem Schutt am Eingang des Grabes fand. Es zeigt ein Detail des äußeren Zugangsweges. Beide Pläne zeigen das Grab im Endzustand, wobei der Papyrus die vereinfachte Endform darstellt: auf beiden sind die Türen verschlossen und verriegelt. Aus diesen Belegen geht im Vergleich zu den von Kent West gemessenen Werten hervor, dass sich die damaligen Arbeiter genau an die vorgegebenen Maße für KV 2 gehalten haben. Deutliche Abweichungen finden sich erst im hinteren Teil des Grabes, vielleicht, weil Ramses IV. unerwartet starb und die Arbeiter sich beeilen mussten. 

Die Arbeiten am Grab waren eindeutig eingestellt, bevor das Grab fertig geworden war. Der letzte Raum im Grab, Raum I., wurde nie fertiggestellt. Gemäß dem Papyrus sollte er 10.0.0 Ellen lang sein, tatsächlich misst er nur 5.1.3 Ellen.

Im Grab Ramses IV. finden sich dank der Verdoppelung der Arbeiterschaft keine unfertigen Wände, die noch Meißelspuren aufweisen, wie in vielen anderen Königsgräbern. Die Wände und Decken sind bereits alle geglättet und zumeist mit einer dünnen, gipsartigen Putzschicht bedeckt. Sie ist an der Decke des ersten Korridors stark abgebröckelt. Die Dekoration der Wände ist bis zum Ende der Sargkammer durchgehend in versenktem Relief ausgeführt mit bunter Bemalung. In den Räumen hinter der Sargkammer wurde die Dekoration nur mehr auf die geglätteten Wände aufgemalt, und zwar im ersten Raum F noch recht sorgfältig, in der hinteren Kammer und in den Nischen aber ziemlich flüchtig.

Manche Gelehrte sind der Meinung, dass der ursprüngliche Grabplan aus Zeitnot vereinfacht wurde. Diese Abänderung brachte mit sich, dass eine abfallende Rampe sowie die Grabkammer im ursprünglich dem Brunnen und der ersten Säulenhalle zugedachten Bereich angelegt werden mussten. - F. Abitz führt dazu aus, die Sarkophaghalle ist nicht dem Plan entsprechend angelegt, sondern in einfacherer Form an den unvollendeten Bauzustand der Raumfolge angehängt worden, offenbar durch den vorzeitigen Tod des Königs verursacht.

Das im Grab vorhandene Gefälle von Mitte des dritten Korridors, den Vorraum beschneidend, bis in die Sarkophaghalle, beruht auf einer Planänderung. Der Bau dieser das Gefälle verursachenden Rampe wurde offensichtlich durch die außerordentliche Größe und Schwere des Sarkophages erforderlich. Aus dem noch sichtbaren ursprünglichen Raumniveau ist zu erkennen, dass für die Rampe E und Sarkophaghalle kein Gefälle vorgesehen war.

(Grundrisszeichnung von KV 2  nach: das Tal der Könige/Erik Hornung)

*       A:   1. Korridor
*       B:    2. Korridor
*       C:    3. Korridor
*       D:    Vorkammer
*       E:     Grabkammer mit Sarkophag
*       F:     Raum hinter der Sargkammer
*       G:     Kammer für Uschebtis
*       H:     Kammer für Uschebtis
*        I:      Anex (hintere Sargkammer)

Eingang

Zwei Meter vor dem originalen Grabeingang wurde  1974 ein moderner Eingang mit Eisentüren aufgemauert. Den alten Zugang von 3,66 Breite - also exakt 7 Ellen - bildeten 18 flache Stufen mit einer Rampe in der Mitte. Das Grab besitzt den in dieser Zeit üblichen dekorativen Eingang. Die Fassade misst 7,85 m = 15 Ellen in der Höhe und 4,97 m bis zum überstehenden Felsen. Die große Sonnenscheibe in der Mitte über dem Eingang enthält Skarabäus und widderköpfigen Gott als Morgen- und Nachtgestalt des Sonnengottes, von Isis und Nephthys angebetet. Vor den Göttinnen ist ihr Name beigeschrieben, zwischen ihnen und der Sonnenscheibe stehen die beiden Kartuschen des Königs. Das Himmelszeichen schließt die Szene nach oben hin ab, während nach unten und nach den Seiten das Wüstengebirge die Szene beendet.

1. Korridor

Der erste Korridor ist leicht abschüssig. Er misst 15,24/15,22 m in der Länge und hat eine Breite von 3,14/3,16 m, das sind 6 Ellen. Die Höhe liegt bei 4,22 m - knapp über 8 Ellen. Die beiden ersten Korridore sind mit dem Text und den Figuren der Sonnenlitanei ausgeschmückt. Am Ende der rechten und auf der linken Seite der Wand ist die Litanei durch den stereotypen Anfang ihrer 75 Zeilen gut zu erkennen. Schützend breiten Vögel ihre Flügel an der Decke aus, neben Geiern und Falken auch geflügelte Skarabäen.

2. Korridor

Der zweite Korridor ist mit 12,64 m plus 1,05 m des Türdurchgangs zum Dritten Korridor etwas kürzer als der erste. Seine Breite beträgt ebenfalls 3,14 m bei einer Höhe von 4,185 m. Die bereits in der 18. Dynastie belegten, von Sethos II. und Siptah vorübergehend aufgegebenen Nischen im vorderen Teil des zweiten Korridors sind wieder ausgeführt, wie bei Ramses III.. Ihre Länge beträgt 5 Ellen (2,63 m), die Höhe 2 Ellen (1,04 m). In der Tiefe messen sie rund eine Elle. (53-56 m) 

Auf beiden Seiten des zweiten Korridors befinden sich Nischen, die mit Figuren der Sonnenlitanei dekoriert sind. Die übrigen Figuren folgen auf den anschließenden Wänden. Ein weiterer Teil ist nur in diesem Grab auf die Decke gemalt. Weitere Texte aus der Sonnenlitanei stehen darunter. Die bisher hier üblichen Schlusstexte aus dem Amduat fehlen.

 

Blick in den Eingangskorridor B - 2. Segment - KV 2  
(Bild:
Nefershapiland)

        KV 2 - 4. Segment Vorkammer zur Grabkammer  
(Bild: Nefershapiland)

3. Korridor

Der dritte Korridor ist eben und besitzt eine gewölbte Decke. Er ist ebenfalls 3,14/3,16 m breit und durch die Wölbung der Decke 5,01 m hoch. Das sind 9 Ellen 4 handbreit. Die Gesamtlänge mit dem Durchgang zu Vorkammer (siehe Bild rechts) beträgt 13,26/13,19 m. Das sind 25 Ellen. Der Durchgang ist 1,09 m lang.

Im dritten Korridor tauchen erstmals Texte aus dem Buch der Höhlen auf. Hier ist das Amduat durch ein jüngeres Unterweltsbuch ersetzt, das Höhlenbuch, erster und zweiter Abschnitt.

Es sind viele Ovale in den Darstellungen, die Sarkophage meinen, in denen Götter oder selige Verstorbene liegen. Im untersten Register ist die Bestrafung der "Feinde" dargestellt, welche gefesselt und schon zum Teil geköpft sind. Die mit Sternen geschmückte Decke ist zuerst eben, dann gewölbt und mit einer ausführlichen Königstitulatur in der Mitte versehen.

Vorkammer:

Die schräg nach unten führende Rampe, die gegen die Mitte des Raumes beginnt und durch die Vorkammer bis zum Sarkophag hinunterführt, hat eine Länge von 20 Ellen und 5 Ellen, 1 Handbreit (2,69 m) Breite. Sie ist annähernd kubisch und ihre Länge beträgt 4,71 m bei einer Breite von 4,20 m. Die Höhe misst 4,405/4,185 m.

Sie ist mit Sprüchen aus dem Totenbuch dekoriert, zum größten Teil mit dem Spruch 125, der das Totengericht behandelt, und benachbarten Sprüchen. Besonders treten die vielen gelb bemalten Namens-Kartuschen des Königs hervor.

Die Grabkammer:

Rückwand des roten Sarkophages aus Granit 
von König Ramses IV.
 
(Bild:
Nefershapiland)

Blick in die Sargkammer des "Goldhauses"
Ramses
IV.

Die Sargkammer misst 7,30 m in der Länge und 8,33/34 m in der Breite bei einer Höhe von 5,22 m. Das Raumvolumen beträgt 317,23 m3.  (Quelle: Theben Mapping v. K. Weeks) Die Decke des Raumes ist eben. (Im Papyrus wird dieser Raum als "Haus des Goldes " bezeichnet.

Die Wände sind dekoriert mit Auszügen aus dem Amduat und dem Buch der Tore, aber ab diesem Grab ersetzen die Bücher des Himmels die früheren "astronomischen" Darstellungen auf der Gewölbedecke. An den Seiten erscheinen Dekanatslisten, welche die wie einen Baldachin über dem Königsbegräbnis ausgestreckten Zwillingsgestalten der Himmelsgöttin Nut einrahmen. 

Grabkammer Ramses IV. - hintere Wand  
- Bild: Nefershapiland -

An den Wänden sieht man die zweite bis vierte Nachtstunde aus dem Pfortenbuch. Der König kniet in einer Barke vor dem widderköpfigen Sonnengott und opfert ihm eine Figur der Göttin Maat. Die Farbe Gelb ist der vorherrschende Farbeindruck, trotz des weißen Hintergrundes bei den Texten: deshalb wird die Sargkammer als "Goldhaus" bezeichnet.

   Sargkammer - Wandansicht rückwärtige linke Wand - vom Eingang aus gesehen -  
(Bild: Nefershapiland)

Sargkammer Ramses IV.
Wandansicht links
 
(Bild Nefershapiland)

Die horizontale Decke, die nicht mehr gewölbt ist, ist völlig neu dekoriert und anstatt mit Sternenbildern und Dekanlisten mit zwei großen Figuren der Himmelsgöttin Nut bemalt. Diese beugt sich über die Erde und wird im linken Teil von dem Gott Schu gestützt.

Bis 1938 war der Boden der Sargkammer mit einer dicken Staub- und Schuttschicht bedeckt. Dazwischen lagen verstreut Kalksteinfragmente mit der Titulatur des Königs. Die Herkunft dieser ist fraglich. Mittlerweile ist der Boden gesäubert und lässt einen um 15-17cm vertieften Teil erkennen. Hier steht der Sarkophag; um den herum bleiben etwa 15 cm freier Raum bis zur Kante der Vertiefung.

Die Sarkophagkammer war nach den erhaltenen Postenlöchern in der ungefähren Höhe des Fußbodenniveaus des dritten Korridors und der "Bänke"  in der Vorkammer durch Holztüren verschlossen. Noch heute stehen der große Sarkophag und sein weitgehend unversehrter Deckel in der Sarkophagkammer. Der Sarkophag wurde in der Antike an einem Ende aufgebrochen und der Deckel wurde entfernt. Als Grundriss zeigt er die Form einer Kartusche wie der seines Vaters Ramses III., wie auch die unten ringsum laufende "Palastfassade" diesem Vorbild folgte. 

Nach den erhaltenen Farbspuren waren Figuren und Schriftzeichen grünlich ausgemalt. Die Linien, Kartuschen-Umrandungen, Perücken und Armbänder hingegen waren blau.

In der Antike zerbrach der Deckel des Sarkophages in zwei Hälften. Bei der kürzlichen Restaurierung wurde er wieder zusammengefügt. Er zeigt in der Mitte eine rundplastische Darstellung des Königs als Osiris mit dem ungegliederten Leib. Die gekreuzten Arme mit den Insignien und der Kopf sind zerstört. Sie lassen sich aber nach den gleichartig gestalteten Sarkophagen der Könige Siptah, Tauseret und Ramses III. ungefähr ergänzen. Die rundplastische Königsfigur wird von Darstellungen in erhabenen Relief eingerahmt. Auf der linken Seite sieht man die Göttin Isis, rechts Nephthys, die jeweils eine Hand auf den Leib des Königs legen. Beide Göttinnen stehen jeweils auf dem Zeichen für Gold. Eine hochaufgerichtete Schlange mit Menschenkopf, Perücke und anbetend erhobenen Händen befindet sich auf beiden Seiten zwischen ihnen und dem König. Am Kopfende weist der Sarkophag eine eckige Form auf und ist innen ohne jegliche Dekoration geblieben. Die Außendekorationen orientieren sich am Sarkophag von König Siptah. (Unterweltsbücher)

Der Sarkophag ist aus Rosengranit aus Assuan gefertigt. Gegenüber seinen Vorgängern erfuhr er eine deutliche Steigerung in der Größe, vor allem in der Breite und in der Höhe. Seine Länge beträgt 3,55 m bei einer Breite von 2,05 m, in der Höhe misst der mit Deckel 3,32m - ohne Deckel 2,54 m. Die Dicke der Wände betrug rund 40 cm. Von einem inneren Alabastersarkophag, wie man ihn bei Sethos I. bis zu Siptah kennt, fand sich bei Ramses IV. keine Spur.

Räume hinter der Grabkammer: F - G - H - I

Der Korridor hinter der Grabkammer ( F) wird an jeder Seite von einer Tür durchbrochen, die in je eine seitliche Uschebti-Kammer führen. Am hintern Ende des Korridors öffnet sich ein weiterer kleiner Raum.

Der Korridor hat eine Länge von 6,96 m und 2,58 m in der Breite, sowie 3,46 m in der Höhe. Die Wände des Korridors sind nicht mehr mit Reliefs ausgemalt, sondern mit Malereien und Texten aus dem ersten Abschnitt des Höhlenbuches, dazu erscheinen in Nischen Opfergaben und verschiedene Gottheiten in Schreinen.

Von diesem Raum gehen eine linke seitliche Kammer (Maße: Höhe 1,75 m x 1,6 m Breite x 3,66 m in der Länge) und eine rechte seitliche Kammer ab. (Maße: Höhe 2,09 m x Breite 2.25 m x 2,35 m in der Länge) Die beiden engen Kammern dienten zur Aufbewahrung der Totenfiguren. An den Wänden der Kammern waren diese Figuren abgebildet. Auch die hintere, kleine letzte Kammer ist mit Grabbeigaben wie Betten, Schreine, Kanopen-Krüge ausgemahlt. Eine Doppelsphinx über dem Eingang verkörpert die Unterwelt, durch welche die Fahrt der darüber sichtbaren Sonnenbarke geht. Dieser letzte Raum des Grabes misst nur 2,75/2,88 m in der Länge, 2,25 m in der Breite und 2,09 m/2,07 m in der Höhe.

Anex - hintere Sargkammer mit den Darstellungen der Uschebtis an den Wänden  
(Bild
Nefershapiland)

Blick in den Raum hinter der Sargkammer mit den eingelassenen Nischen für die Uschebti-Figuren  
(Bild
Nefershapiland)

Uschebtis und Grabbeilagen:

Von all den Grabbeigaben, die man in der Sargkammer des Königs angehäuft hatte, ist so gut wie nichts erhalten geblieben. Der Boden der Grabkammer von KV 2 wurde nie richtig untersucht und ist heute mit einem modernen Holzfußboden unzugänglich gemacht worden.

Zur Grabausstattung gehörte wohl ein Fragment einer Holzschachtel mit magischen Texten, welches Howard Carter vor dem Eingang des Königsgrabes fand. Eine Reihe von Totenfiguren des Königs wurden an verschiedenen Orten gefunden, und nicht alle stammten ursprünglich aus den beiden Räumen hinter der Sargkammer, die speziell für Uschebtis vorgesehen waren. Drei sind seit längerer Zeit bekannt und wurden in der Literatur immer wieder erwähnt. Nur ein Fragment in Kairo CG 24973 aus Alabaster, dem Kopf und Füße fehlen, scheint direkt im Grab gefunden zu sein.  Bei den Grabungen von Theodor Davis, die von Ayrton durchgeführt wurden, hat man etwa 20 sehr roh ausgeführte Uschebtis aus Alabaster, dazu noch zahlreiche Bruchstücke, im Schutz vor dem Königsgrab geborgen. 14 weitere Uschebtis fand man in der Nähe des Siptahgrabes.

Auch Howard Carter hat bei seinen Arbeiten 1920 im Schutt vor dem Grabeingang "eine große Zahl" von Uschebtifragmenten aus Alabaster und Fayence gefunden. John Romer fand im März 1979 nochmals 3 ganze Uschebtis Ramses IV., außerdem noch ein Fragment aus Alabaster im Grab von Ramses XI.

Der Schacht in diesem Königsgrab war offensichtlich als "Cachette" für königliche Beigaben benutzt worden. Anscheinend tragen alle bekannten Uschebtis Ramses IV. den jüngeren Thronnamen des Königs: "Hekamaat-Re". Das bedeutet, sie sind also nicht sofort nach Regierungsbeginn angefertigt worden. Nach H. D. Schneider muss man bei Ramses IV. mit ursprünglich 400 Uschebtis rechnen.  

Uschebti Ramses IV.:

 

Dieser bemalte Uschebti aus des Königs Ramses IV. hält in jeder Hand eine Hacke, damit er im Jenseits für den verstorbenen König das Feld bestellen kann.

Die königliche Mumie:

Die Mumie Ramses IV. wurde in Raum Jb im Grab von Amenophis II. in einem Sarg der ursprünglich einem Aha-aa (?) gehörte aufgefunden. Auf der Mumie fand sich ein Etikett vom Typ I. - heute im Museum von Kairo. Grabräuber hatten die Mumie auseinandergeschnitten. Während der Umbettung in das Versteck im Grabe Amenophis II. während der 21. Dynastie wurde sie recht unsorgfältig neu gewickelt (es gelangte ein Holstück vom Sarg (?) in die Bandagen) und in einen Sarg aus Sykomorenholz gelegt, der ursprünglich einem Beamten oder Priester der 20. Dynastie gehört hatte und jetzt durch die Aufschrift "Osiris König Hekamaat-Re, Sohn des Re und Herr der Diademe Ramses" (ohne Zusatz) für den König adaptiert wurde. Dieser Sarg befindet sich seit 1900 im Museum von Kairo. (CG 61041 = JH 34567)

Ein Graffito des Schreibers Penamun, des gleichen Mannes, der im Jahr 16 von (Smendes?) im 4. Monat der Peret-Jahreszeit, am Tage 11,  dokumentiert vielleicht das Entfernen der Königsmumie aus ihrem Grab, der ebenso auch die zweite Restaurierung der Mumie Amenophis I. vornahm.

Die Mumie Ramses IV. wurde zusammen mit den Mumien von Thutmoses IV., Amenophis III., Merenptah, Sethos II., Siptah, Ramses V. und Ramses VI., sowie einer nicht zu identifizierenden weiblichen Mumie in der zweiten Seitenkammer im Grab Amenophis II. gefunden.

Nach dem Befund der ersten Untersuchung 1905 durch G. E. Smith, später  auch durch J. E. Wente (X-Ray Atlas of the Royal Mumies) war Ramses IV. bei seinem Tode mindestens 50 Jahre alt. Der König war 1,60 m groß und fast kahlköpfig, jedoch mit gut erhaltenen Zähnen. Man fand ein Loch im Hinterkopf von unbekannter Herkunft und Bedeutung wie auch bei anderen Mumien aus Der el-Bahari. Die Köcher vorn am Hals entstanden durch ein Insekt.

Die Mumie war von den Balsamierern vollkommen mit der duftenden Flechte "Pseudevernia furfuracea" ausgefüllt worden. Der Schnitt in die Leiste durch den dies geschehen war wurde dann mit einem gedrehten Stoffstreifen grob zugenäht. In ihrem Brusthohlraum enthielt die Mumie außer Sägespäne auch noch Teile der Inneren Organe. Unter die Lider der Augenhöhlen schoben die Balsamierer ganz gewöhnliche Küchenzwiebeln um den Gesichtsausdruck zu verleihen. Die vorspringende Nase verrät die Verwandtschaft mit seinen Vorfahren. Die Arme der Mumie sind überkreuzt.

Der Todestag wird in das Jahr 7, wahrscheinlich am III. prt 29, sicher aber zwischen III. prt 24 und IV. prt 2 errechnet. Der Begräbnistag soll nach W. Helck das Jahr 1 (Ramses V.), II. smw (8 oder 9) sein.

  

( Co-Autor: J. H. Pirzer)

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