Die Grabpyramide des Cheops ist wohl das berühmteste Bauwerk der altägyptischen Hochkultur. Schon in der klassischen Antike wurde dieses Monument von Gelehrten und Reisenden aus Griechenland und Rom besucht und bewundert. Die architektonische Präzision sowie die technische Ausführung der großen Pyramide lassen sich heute nur noch ansatzweise rekonstruieren. Umso erstaunlicher ist es, dass uns der Name des Baumeisters, der für die Errichtung dieser Königspyramide verantwortlich war, überliefert ist. Für die Errichtung des gigantischen Bauunternehmens "Pyramidenbezirk des Cheops" war eine hochrangige Person namens Hem-Iunu verantwortlich. Oft wird Prinz Hem-Iunu als "Architekt der Großen Pyramide" bezeichnet - aber was wissen wir wirklich von diesem Mann, der etwas 2400 Jahre v. Chr. lebte?
Unter den Gelehrten ist die Abstammung Hem-iunus umstritten. Darstellungen von Hem-Iunu finden sich in der Grab-Mastaba M 16 seines Vaters Nefer-maat in Meidum. Berühmt ist diese Grabstätte Nefer-maats durch ihre in "Tempera-Technik" auf hellem Stuck gemalten "Gänse von Meidum" (Kairo JE 34571). Der Vater von Hemiunu trug den Titel: "Ältester Königssohn" (sA nsw smsw) und seine Grabanlage M 16 befindet sich in der königlichen Nekropole des Pyramidenbezirks von Meidum, welche nach heutigem Erkenntnisstand allein König Snofru zugewiesen wird. Es ist also naheliegend, dass die Wissenschaftler heute allgemein Nefer-maat als einen Sohn von König Snofru betrachten. Die Titelübereinstimmung mit Nefer-maat, die passende zeitliche Nähe der Belege zueinander sowie die extreme Seltenheit des Namens von Hem-Iunu (er kommt in den rund 500 Jahren des Alten Reiches nur in fünf Fällen vor: drei mal bei Personen in der 6. Dynastie (siehe Hassan, Giza VII. S. 127, Tf. 58; Wandrelief Kairo CG 1418; Junker, Giza V. S. 43, Abb. 7) und bei dem in M 16 genannten Sohn des Nefer-maats sowie beim "Hildesheimer Hem-iunu") erlauben es, die beiden Männer namens Hem-Iunu in Meidum und in Giza für ein und dieselbe Person zu erklären.
Damit wäre Hem-Iunu ein Enkel von Snofru, obwohl es auch Wissenschaftler gibt, die König Huni, den Vorgänger von Snofru, als Vater von Nefer-maat in Betracht ziehen. Es ist nicht bekannt, ob Hem-Iunu selber eine Familie gegründet hatte.
Hem-Iunu im Grab Nefer-maats Hem-Iunu hatte elf Brüder sowie drei Schwestern, die aber wohl nicht alle das Erwachsenenalter erreichten, da die Kindersterblichkeit damals in Ägypten groß war. Alle Geschwister von Hem-Iunu sind nur aus Inschriften und Kinderdarstellungen aus dem Gemeinschaftsgrab von Nefer-maat und dessen Ehefrau Itet in Meidum bekannt.
Bilder: nach Petrie, Medum, Tf. 17 u. 23
bearbeitet von Nefershapiland
Der Eigenname Hem-Iunus "Hm-jwnw" kann wörtlich "Diener (des Gottes) von (der Stadt) Junu" übersetzt werden. Das Wort "Hm" hat zwei Bedeutungen: "Diener" und "Priester" und die Stadt "jwnw" (oder Iunu = Heliopolis) war das theologische Zentrum des Sonnenkultes. Wörtlich bedeutet "Junu" Stadt des Pfeilers. Die Eltern Hem-Iunus hatten den für ihren Sohn gewählten Namen im Hinblick auf den religiösen Umbruch der damaligen Zeit bewusst gewählt. Besonders der Sonnengott Ra gewann während der 4. Dynastie an Bedeutung, welcher dann in der Regierungszeit Cheops seinen Höhepunkt erreichte.
Nefer-maat, der wohl leiblicher Sohn des amtierenden Königs Snofru war, verfügte sicherlich über besondere Fähigkeiten und wurde deshalb von seinem Vater mit wichtigen Ämtern betraut. Diese gingen nach seinem Tod auf seinen ältesten Sohn über. Hem-Iunu begleitete wahrscheinlich schon als Heranwachsender seinen Vater Nefer-maat bei seinen zahlreichen Besuchen auf den königlichen Bauvorhaben, die dieser für seinen Vater Snofru überwachte. Mit zunehmenden Alter unterstützte er Nefer-maat bei seiner Arbeit, kontrollierte Berechnungen, überprüfte Baupläne und überwachte die Handwerker. So konnte er in seinen Lehrjahren wichtige Erfahrungen sammeln und sein Talent für Verwaltung, Kunst und Architektur weiter ausbauen. Auf diese Art und Weise bildete der Vater den Sohn aus.
Nach dem Tod des Nefer-maat oder evtl. schon etwas früher übertrug der König alle Ämter Nefer-maats auf seinen Sohn Hem-Iunu. Die Titel, die Hem-Iunu in den wenigen erhaltenen Inschriften und Relieffragmenten seines Grabes sowie auf seiner Statue trägt, weisen ihn als "Wesir" (tAjtj zAb TATj), als obersten Beamten des Staates aus, d. h. faktisch der staatliche Stellvertreter des Regenten, sowie "Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten, d. h. oberster Leiter der Versorgung des königlichen Haushaltes. Außerdem trug er die Titel: "Leiter aller göttlichen Ämter" und "Vorsteher aller Bauarbeiten des Königs", d. h. Hem-Iunu führte während seiner Amtszeit die Oberaufsicht über alle Bauarbeiten an der Nekropole des Königs. Als Mitglied des Königshauses führte er stets den höchsten zu vergebenden Hoftitel: "Iri-pat" (jrj-pat) was wörtlich "Mund/Anführer der Pat (=Menschen) bedeutet. Übersetzt wird dieser Begriff am besten mit "Fürst oder Erbfürst".
Die in seiner Grabanlage verewigten Titel zeigen, dass Hem-Iunu die höchsten Rangtitel trug und unter Cheops der einflussreichste Beamte im Staat war. Interessanterweise fällt in seiner Titulatur noch eine Besonderheit auf: Obwohl er keinen regierenden König als Vater hatte, durfte er den Titel "Leiblicher Königssohn" (sA njswt n Xt=f) tragen. Die Erklärung dafür lag wahrscheinlich in der Bedeutung des Wesirsamtes. Hem-Iunu war der erste Wesir, der nicht mehr von Geburt ein Königssohn war wie vor ihm z. B. sein Vater Nefer-maat. Bis dahin hatte der König dieses Amt immer mit einem seiner Söhne, die ihm verständlicherweise in Rang und Vertrauen am nächsten standen besetzt. Das Amt des Wesirs und der Rang eines gebürtigen Königsohnes gingen dabei eine so enge Bindung ein, dass "Leiblicher Königssohn", der zum Amt gehörige notwendige Rang und Machtindikator wurde. In der Folgezeit bis zum Ende der 4. Dynastie besaßen alle Wesire automatisch den Rang eines Königssohnes - unabhängig davon, ob oder in welchem verwandtschaftlichen Verhältnis sie zum König standen. (siehe: Schmitz Königssohn)
Obwohl Hem-Iunu dem Herrscher, dem er diente, als Neffe verwandtschaftlich sehr nahe stand, erhielt er kein Grab auf dem sogenannten "Familienfriedhof" im Osten der Cheopspyramide zugewiesen. Er erhielt aber vom König die Erlaubnis, seine imposante Mastaba, die heute als G 4000 bezeichnet wird, innerhalb der königlichen Nekropole auf dem sog. "Westfriedhof" von Giza zu errichten. Die monumentale Grabanlage Hem-Iunus entspricht in ihrer Größe und Lage seiner Stellung an der Spitze von Cheops Beamtelite. Es scheint, als ob Hem-Iunu noch im Tode die Oberaufsicht über sie hätte.
Mastaba G 4000 von Hem-Iunu: Die Mastaba G 4000, das "Haus der Ewigkeit" des Hem-Iunus befindet sich nur rund 270 m von der Westkante der großen Cheops-Pyramide entfernt, innerhalb des sogenannten Westfriedhofes von Giseh. Junker (Giza I. S. 132) meinte drei Bauphasen unterscheiden zu können, während Peter Janòsi (Giza I. S 183 f.) aufgrund neuerer Untersuchungen zwei Bauphasen vermutet.
Die ursprüngliche Anlage besaß im Kernmassiv eine Grundfläche von 47 x 21,5 m ( in ägyptischen Ellen 90 x 31) und wurde ohne Innenräume und Scheintüren aus kleinen, gut behauenen Kalksteinblöcken aufgebaut. Die Seitenkanten der strengen geometrischen Grundform sind leicht geböscht und sollen die stilisierte architektonische Fassade einer altägyptischen Hausanlage wiedergeben. Die Kultanlage des ersten Baus ist nicht erhalten, da sie im Zuge der Erweiterung überbaut oder vorher abgetragen wurde. Während der zweiten Bauphase wurde die Mastaba deutlich vergrößert. Nach Junker bestand die Erweiterung der ursprünglichen Mastaba aus Hinzufügungen, die mit veränderten Totenkult- und Bestattungssitten begründet werden können, über die wir aber lt. Junker im einzelnen mangels zeitgenössischer Dokumente nichts Konkretes wüssten. Es ist aber auch gut möglich, dass der Umbau mit der Beförderung Hem-Iunus zum Wesir zusammenhängt.
In der zweiten Bauphase wurde das Grabmal deutlich vergrößert, um Platz für weitere Kulträume zu schaffen. Man erweiterte das Massiv im Osten durch einen breiten Streifen, was die Grundfläche nun auf 53,20 x 26,77 m vergrößerte
(101 x 51 ägyptische Ellen). Man sparte in diesen breiten Streifen sparte man eine sehr schmale Kultkammer aus, deren Eingang im Süden liegt. Ihm gegenüber errichtete man in der Westwand der Kultkammer eine Scheintür als Kultstelle, dahinter eine Statuenkammer. In der südlichen Hälfte der Mastaba begann man mit den Ausschachtungen für eine zweite Bestattungsanlage, die einige Wissenschaftler möglicherweise einer nicht bekannten Ehefrau des Hem-Iunu zuordnen.Anschließend baute man in das erweiterte Massiv einen Totenopferraum in Form eines schmalen, langgestreckten Korridors mit den Maßen: 36,90 x 1,56 m, der im Süden und Norden der Westwand zwei Scheintüren auf wies und dessen Zugang sich am Südende der Ostwand befand. Entgegengesetzt der sonst üblichen Positionierung derartiger Opferplätze lag die größere Scheintür und damit die Hauptkultstelle nicht im südlichen, sondern im nördlichen Bereich der Ostfassade. Der Grund dafür war die Bestattung des Grabbesitzers aufgrund des unfertigen Zustandes der südlichen Schachtanlage in der nördlichen Grabkammer. Es war ab der 5. Dynastie durchaus üblich, zwei Kammern in einer Mastaba anzulegen - eine für den Grabherrn und eine für seine Gemahlin. Es ist nicht bekannt, ob diese Doppelbestattung schon während der Zeit Cheops vorgenommen wurden. Allerdings haben wir keine Belege für eine Ehefrau von Hem-Iunu - ungewöhnlich ist auch, dass die südliche Kammer eigentlich dem Grabherrn selbst und die nördliche der Ehefrau vorbehalten ist. Dem archäologischen Befund nach wurde Hem-Iunu aber in der nördlichen Kammer bestattet.
Nach Junker und Janosi (Janosi, Giza I. S. 124, 205) war die Mastaba G 4000 aber von Anfang an allein für eine Person angelegt, das gilt auch für die meisten anderen Grabanlagen aus der Cheops-Zeit auf diesem Abschnitt des Friedhofes. Sie verfügen über nur einen Grabschacht und eine Opferstelle. Wenn im Baubefund eine zweite Grab- oder Opferstelle nachgewiesen wurde, dann handelt es sich immer wie hier bei Hem-Iunu um eine sekundäre Anlage, die aus einem Umbau der ursprünglichen Mastaba resultiert. (siehe Janosi, Giza I, S. 204 ff.)
Durch das Massiv trieb man einen neuen Grabschacht 20 m tief bis in den Felsen hinab mit einer Sargkammer (5,30m lang und 4,50 m breit), welche die größte bisher entdeckte auf dem gesamten Westfeld ist. Die eigentliche Grabkammer ist über einen kurzen, schräg abfallenden Gang zu erreichen und komplett mit fein verfugten Kalksteinplatten verkleidet. Der Eingang zur Grabkammer ist nur 1,40 hoch und 1,25 m breit und wurde ursprünglich von einer mächtigen Kalksteinplatte mit den Maßen 3.00 m x 1,80 m verschlossen. Bei Plünderungen wurde der obere Teil der Verschlussplatte zertrümmert und der Rest der Tür wurde von den Plünderern gegen die Nordwand des Schachtes gelehnt.
Von der Ausstattung der Grabkammer war 1912 nicht mehr viel erhalten geblieben, doch aus den Resten kann man in etwa erkennen, wie sie ursprünglich beschaffen war. In der nördlichen Sargkammer wurde ein Sarkophag aus Kalkstein gefunden, dessen Trümmer Junker noch im Schutt auf dem Boden verstreut vorfand. Vergleichsobjekte weisen eine schliche Kastenform auf mit einem flachen Deckel, der an den beiden Schmalseiten halbrunde Griffansätze besitzt. An der Südwand der Sargkammer befand sich eine Vertiefung für die vier Kanopen. Von ihnen wurde aber nur ein Deckel aus Kalzit-Alabaster gefunden. Zur Grabausstattung gehörten einige große, formschöne Schalen und ein Napf aus Kalzit-Alabaster, sowie verschiedene Miniaturgefäße aus dem gleichen Material, das als wertvoll und prestigeträchtig galt. Es zeigt, dass in dem Grab des Hem-Iunu - wie in den Gräbern dieser Zeit üblich - auch hier kostbarste Grabbeigaben wie Geschirr sowie alle rituell notwendigen Gefäßarten (z. B. Salben, Wein- und Spendengefäße, Schalen und Näpfe als Miniatur-Scheinbeigaben zur Ausstattung des Toten gehörten. Auch Keramikgefäße und Messer aus Feuerstein wurden von Junker im Schutt des Schachtes und der geplünderten Sargkammer gefunden.
Zur letzten Bauphase gehört auch der kleine, aus zwei Kammern bestehende Vorbau (8,70 x 2,55m) aus Ziegelmauerwerk, der vor dem Eingang zur Kultkammer gebaut wurde. Diese kleine Kapelle an der Ostseite von G 4000 war zum Teil mit einer Verkleidung aus Steinplatten ausgestattet, sonst schlicht verputzt und weiß getüncht, wogegen die Kultkammer wenigstens partiell mit Reliefs versehen gewesen war. Nur der große Eckblock vom Kammereingang ist vor Ort erhalten geblieben (Pelizaeus-Museum Inv. Nr. 2146)
Bei der Freilegung und wissenschaftlichen Untersuchung der Mastaba im November 1912 entdeckte das Grabungsteam von H. Junker am 19. März 1912 im nördlichen Bereich der Ostfassade einen sogenannten "Serdab" (unterirdisches Gewölbe), einen unzugänglichen Kultkammerraum mit der altägyptischen Bezeichnung "pr-twt" (Statuenhaus). In dieser Statuenkammer fanden die Ausgräber eine fast lebensgroße Sitzstatue, die den Grabbesitzer Hem-Iunu zeigt. Diese 1,55 m hohe und 61,5 breite Sitzstatue zeugt von einer hohen Steinmetzkunst der Handwerker jener Zeit. Der Serdab hinter der Nordscheintür, in dem die Statue gefunden wurde, misst nur 2,10 x 1,03 x 1,57 m und war weitgehend von der Statue ausgefüllt. Der Raum war innen an allen Seiten sorgfältig mit Kalksteinblöcken verkleidet.
Statue des Hem-Iunu: Die Statue des Wesirs Hem-Iunu zeigt einen sehr beleibten Mann mittleren Alters, dessen Körper lediglich mit einem dünnen kurzen, bis zu den Knien reichenden Leinenschurz bekleidet ist, der unterhalb des Nabelbereiches durch einen Knoten gehalten wird. Bauch- Brust und Schulterpartie sind unbedeckt. Die Statue war bei ihrer Auffindung schwer beschädigt. Heute fehlt daher eine Ecke des Sockels. Die rechte Hand konnte aus Fragmenten rekonstruiert werden. Die Ausgräber fanden die Trümmer der rechten Schulter im Schutt. Den stark beschädigten Kopf fanden die Ausgräber im Schutt der Kammer.
Hem-Iunu Sitzstatue in Hildesheim Der Kopf war im Augenbereich zerstört; allen Anschein nach hatten es die Plünderer auf die Goldeinfassung der eingelegten Augen aus Bergkristalls abgesehen und deshalb die Gesichtspartie um die Augen herum vollkommen zertrümmert. Dabei wurden die Nase und die umliegenden Partien über und unter den Augen schwer beschädigt. Die rechte untere Armpartie war abgeschlagen und der Kopf vom Rumpf gewaltsam getrennt. Von der gesamten Augenpartie gingen erhebliche Teile der Wangen und des oberen Nasenbereiches verloren.
(Bild: Nefershapiland 2009)Die Beine sind parallel zueinander und vom Kniebereich abwärts exakt im rechten Winkel angeordnet. Die linke Hand liegt flach auf dem Oberschenkel, während die rechte Hand zu einer Faust geballt ist.
Maßgeblich wird das Erscheinungsbild Hem-Iunus geprägt durch die Züge, welche insgesamt von einem stark ausgeprägten Selbstbewusstsein, überzeugender Autorität und einem wachsenden Intellekt zeugen. Von dem Rundbild gehen anziehende Präsenz und Ruhe aus.
Die Statue des Hem-Iunu in Hildesheim, Pelizaeus-Museum
Die Statue war ursprünglich komplett bemalt; das versenkte Relief der Inschrift ist mit Farbpasten eingelegt. Als Datierung für die Statue wird die Zeit des Cheops angenommen, da Hem-Iunu unter diesem König im Amt war. Sein Grab wurde jedoch erst unter Chephren vollendet, so dass eine Entstehungszeit für Statue und Relief nach Cheops nicht ausgeschlossen werden kann.
(Bilder: Nefershapiland)Die Statue wurde von H. Junker während der ersten Grabungsmission am 19. März 1912 in Giseh entdeckt und gelangte am 2. April 1912 durch Fundteilung in Kairo und zusätzlicher Zahlung eines Betrages von 15.000 Kronen in den Besitz von Wilhelm Pelizaeus. Diese große Summe sollte der nächsten gemeinschaftlichen Grabung zur Verfügung gestellt werden. Wilhelm Pelizaeus war der Finanzier der Grabung und fungierte neben der Akademie der Wissenschaften als gleichberechtigter Auftraggeber. Die Grabungskonzession war auf seinen Namen ausgestellt. Als Leiter der Grabungs-Mission fungierte Hermann Junker, der auch das Grabungstagebuch führte. Dieser war aber bei der Entdeckung der Hem-Iunu-Statue gar nicht am Grabungsort, denn die ersten Eintragungen zum Fund der Statue des Hem-Iunu am Dienstag den 19. März 1912 stammten von einer Schwester Maria Junker. Ihr Bruder war zu diesem Zeitpunkt mit einer Probegrabung in Mittelägypten bei El Hibeh und El Faschn beschäftigt, kehrte aber am 25. März 1912 wieder aus Mittelägypten zurück.
Wilhelm Pelizaeus ließ die Statue mit anderen Funden nach Hildesheim übersenden, wo sie sich seit Mai 1912 befindet.
Die einzelnen Zehen an den Füßen sind sorgfältig voneinander getrennt und einschließlich der Nagelhaut wiedergegeben. Auch bei den Fingern wurden sogar die Fältchen an den einzelnen Fingergelenken markiert.
Die Statue des Hem-Iunu in Hildesheim, Pelizaeus-Museum
Die Inschrift verläuft auf der Basisoberseite zweispaltig neben dem linken Fuß, sowie einzeilig vor den beiden Füßen Alle Inschriften verlaufen parallel zu den Basisseitenkanten.
(Bild: Nefershapiland)Basisplatte der Statue Eine Hieroglypheninschrift auf der Basisplatte der Statue rahmt die Füße der Plastik ein. Die einzelnen Zeichen sind vertieft in den Stein eingraviert und anschließend mit einer Farbpaste verfüllt worden. Der Text führt neben dem Namen auch alle wichtigen Titel und Ämter des Hem-Iunus auf.
Details der Basisplatte der Hem-Iunu Statue
Vordere Inschrift an der Basisplatte (Tafel XXIII aus Hermann Junker: Gisa I.
- Die Mastaba der V. Dynastie auf dem Westfriedhof, 1929)Die Inschrift von rechts nach links:
Vorsteher der Schreiber des Königs - Leiter der Sängerinnen von Ober- u. Unterägypten - Vorstehesr aller (Bau-) Arbeiten des Königs - leiblicher Königssohn Hem-IunuSowohl damals als auch heute entspricht das Erscheinungsbild des Hem-Iunu nicht unbedingt dem erstrebenswerten Aussehen, das man sich von einem schlanken, muskulösen und jugendlichen Äußeren vorstellt. Doch in der Antike wurde Körperfülle generell mit Reichtum , Wohlstand und Ansehen gleichgesetzt - dem Privileg der Oberschicht, die selber keine körperlich schwere Arbeit verrichten musste.
Die Sitzstatue des Hem-Iunu aus Kalkstein wird heute im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim aufbewahrt. Museumsrestauratoren in Hildesheim ergänzten die zerstörten Bereiche so, dass Original und Rekonstruktion für den Betrachter eindeutig zu unterscheiden sind. Erhaltene Bruchstücke der Nasenlinie konnten bei der Modellierung verwendet werden.