Der Name des 4. Königs der 21. Dynastie lautete nach der manethonischen Überlieferung: Amenophtis/ Amenophthis. Ob dieser König wirklich ein Sohn Psusennes I. und dessen Gemahlin Mutnedjmet war, ist nicht gänzlich gesichert. Auch die von K.  A. Kitchen, Hornung, W. Helck und Beckerath angenommene Mitregentschaft mit Psusennes I. ist umstritten. Nach der Vermutung von Wolfgang Heck ist Amenemope im 48 oder 49 Jahr von Psusennes I. von diesem zum Co-Regenten erhoben worden. Diese Theorie wird allerdings von K. Jansen-Winkeln abgelehnt. Helck stützte sich bei seiner Vermutung auf eine fragmentarische Aufschrift auf einer Mumienbinde (nach Derassy), die heute verschollen ist. (Mumienbinden Kitchen, 3rd Interm. Period, § 387 Nr. 47

Grab- und Grabausstattung:

Amenemope ließ sich zunächst innerhalb des Tempelbezirks von Tanis ein kleines Einkammergrab (Gruft IV.) in unmittelbarer Nähe des Grabes Psusennes I. - an dessen Nordwestecke gelegen - anlegen. Diese Grabanlage war unvollendet geblieben. Trotz allem befand sich bei ihrer Auffindung durch P. Montet bereits ein schöner aus gelbem Quarzit bestehender Sarkophag mit einer Inschrift darin. In einer Inschrift wurde bereits der Königsname genannt. Der Block, aus dem der königliche Sarkophag hergestellt wurde, stammt aus dem Alten Reich, ebenso der granitene Sarkophagdeckel.

NRT - IV. 
Ursprüngliche Grabstätte

   Errichtet für König Amenemope vielleicht nie belegt.
Keine Wanddekoration.

Es kann nicht ermittelt werden, warum König Amenemope doch nicht in seinem Grab bestattet wurde. Entweder der König ist gar nicht erst in seinem eigenen Grab bestattet, weil die Anlage bei seinem Tode noch unvollendet war, oder die Beisetzung fand zwar hier statt, doch wurde der König zu einem unbestimmten späteren Zeitpunkt umgebettet. Vielleicht weil das Grab zu unsicher erschien oder es bereits einmal von Grabräubern heimgesucht wurde. Die Umbettung der Könige fand größtenteils unter König Siamun statt. 

Nach der Entdeckung der Grabanlage Psusennes I. durch P. Montet bemerkte man bei der Untersuchung der Vorkammer, dass sich südlich des Eingans zur Granitgrabkammer Psusennes I. ein weiterer Eingang zu einer anderen Granitkammer, hinter der noch unversehrten bemalten Putzschicht befand. König Faruk bestand darauf, dass dieser Eingang noch kurz vor Ende der laufenden Grabungskampagne geöffnet werden sollte.

Die Spannung war groß. In Anwesenheit von Faruk und seinem Gefolge, darunter Abbe Drioten, der Direktor der ägyptischen Altertümerverwaltung, sollte die Öffnung des Sarkophages erfolgen. Das untere Bildregister auf der Putzschicht stellte nämlich den König Amenemope vor den Göttern Isis und Osiris dar. Tatsächlich stellte man bei der Öffnung der Kammer am 16. April 1940 wie erwartet fest, dass es sich hier um das Begräbnis dieses Königs handelte.

Die Grabkammer war wohl ursprünglich für die Bestattung der Schwester und Gattin von Psusennes I., der Königin Mutnedjmet, die evtl. auch die Mutter von König Amenemope war (umstritten !), vorgesehen. Um Platz zu schaffen, wurde ihr innerer Sarg mitsamt ihrer Mumie entfernt. Ihr Verbleib ist ungewiss. Man ließ den Namen der Mutnedjmet auf den Wänden der Kammer und am Sarkophag ausmeißeln und durch die Kartuschen Amenemopes ersetzen. Jedoch sind die Auslöschungen und Ergänzungen der Inschriften äußerst flüchtig ausgeführt worden. Die Mumie König Amenemopes wurde mitsamt dem vergoldeten Holzsarkophag in den Steinsarkophag der Königin überführt und die Grabausstattung auf dem Boden der Kammer verteilt.

Der große rechteckige Steinsarkophag war seinerseits schon einem Adligen aus der 19. Dynastie für die Königin übernommen worden. Vor dem Sarkophag standen und lagen kostbare goldene und silberne Kult- und Vorratsgefäße, Gefäße aus Keramik sowie zahlreiche Uschebtis. Offenbar waren alle diese Dinge in großer Eile vor dem Sarkophag niedergelegt worden, bevor man die Grabkammer schloss und diese für fast 3000 Jahre unangetastet blieb.

Unter den Gegenständen vor dem Sarkophag befanden sich drei silberne Opferständer, ein Kessel, eine Kanne und Kanopengefäße. Viele dieser Dinge sind eindeutig als "wiederverwendet " zu erkennen. So u. a. ein großes Gefäß aus Kalzitalabaster in altertümlicher Form mit zerstörten Inschriften, welches wohl ursprünglich aus dem Grab von König Sethos I. stammte. Keinerlei Rückschlüsse auf die eventuelle ursprüngliche Grabausstattung des Königs erlauben ein paar Lanzenspitzen, die nahe beim Sarkophag lagen, denn in den anderen zum Teil ausgeraubten Gräbern der  tanitischen Könige der 22. Dynastie haben sich keinerlei Waffen befunden. 

Zur allgemeinen Enttäuschung kam bei der Öffnung des Granitsarkophags in Anwesenheit von König Faruk kein Silbersarg, wie bei Psusennes I. zutage, sondern nur ein einfacher Holzsarg. Wegen der hohen Feuchtigkeit im Grab war von dem Holz des Sarges so gut wie nichts mehr erhalten. Er war in sich zusammengesunken und nur das Kopfstück des Sarges war erhalten geblieben, da es mit dünnem Goldblech belegt war. Dies wirkt heute wie eine goldene Totenmaske (die in der Literatur auch meist so bezeichnet wird), die die Gesichtszüge Amenemopes bewahrt hat. (Mumienmaske: JE 86059 - Blattgold, farbige Steine, Höhe 30 cm)

 

 

Den Kopf und die Schulter der Mumie des Königs bedeckte wie bei Psusennes I. eine aus dünnem Goldblech geschnittene und getriebene Totenmaske, ´jedoch von bedeutend schlechterer Qualität und mit ziemlich ausdruckslosen Gesichtszügen, das dünne Goldblech zerknittert und zerbeult. Ebenso wie der Kopf waren auch die Hände, die einst die Herrschaftsinsignien hielten, mit Goldfolie überzogen. 

Die Maske besteht aus Goldblech, in das die idealisierten Züge des Königs modelliert wurden. Das runde Gesicht mit dem fast kindlichem Ausdruck wird umrahm von dem Nemes-Kopftuch, aus dem die Ohren herausragen. Diese stehen viel zu hoch im Vergleich den Augen. 

Ein vollendet ausgeführter Uräus, der sich auf der Stirn erhebt, ist der Blickfang der Maske. Der lange geschmeidige Körper der Schlange kriecht vom Kopfputz des Herrschers herab und rollt sich zusammen, bevor sie den Kopf erreicht. Die massive goldene Schlange gilt als die Beschützerin des Königs und kann in Perfektion ihrer feinen Ziselierung und Einlagen aus blauen, roten und türkisfarbenen Edelsteinen mit den Arbeiten der 12. Dynastie konkurrieren. Die Pupillen, die Brauen und die Augenkonturen bestehen aus Bronze, ebenso die Linien um die Wangen, die das Band für den Zeremonienbart darstellen.

Die Lippen sind kaum angedeutet, ihre Umrisse nicht betont. Während der Restaurierung wurde die Maske auf einen eigens aus Gips modellierten Kopf befestigt, der jetzt als ihre Stütze dient.

Obwohl die königliche Grabausstattung der von König Psusennes am nächsten kommt, ist sie aber von auffallender Ärmlichkeit. Finger und Zehenhülsen fehlen, ebenso wie das goldene Deckblatt, das bei Psusennes I. die Mumie bedeckte. Ein evtl. Grund dafür könnte sein, dass viel davon abhanden kam, bei der Überführung in das Grab Psusennes.

Auf der königlichen Mumie befanden sich zwei Halskragen, zwei Pektorale, zwei Skarabäen, Herzamulette aus Lapislazuli und Chalzedon, ein großer goldener Falke mit ausgebreiteten Flügeln in Einlegearbeit (Zellenschmelztechnik), sechs Armreifen sowie Ringe, außerdem noch mehrere Stöcke. Dazu kamen Gefäße aus Gold und Sihler sowie Alabaster und Keramik.

weiterer Grabschmuck:
(JE 86036)  Anhänger in Form eines Falken 
Gold und farbiger Glasfluss, Breite 37,5 cm.
Dieser Anhänger lag auf der Brust der Königsmumie. Der Anhänger zeigt
einen Falken mit ausgebreiteten Flügeln. Die Klauen sind aus massivem Gold
und halten jeweils einen
Sn-Ring, an denen zwei Platten mit den Ringnamen des Königs befestigt sind.

Auf der rechten Platte ist zu lesen: "
Usermaatre setepenamun) geliebt von Osiris von
                                                 Ro-Setau (Nekropolis von Memphis)".

auf der linken Platte steht:               "(Amenemope meramun)  - geliebt von Osiris,
                                                 dem Herrn von Abydos."
Kleine Ösen an den Flügelspitzen dienten zur Befestigung an einer Kette oder Ähnlichem.
Sechs Armreifen:
Zwei davon heben sich durch ihre bemerkenswerten Qualitäten ab. Beide Reifen sind identisch, sie tragen die Namen von Psusennes I., wurden also für den König angefertigt.
(JE 860270-86028) Gold, Lapislazuli, Karneol, grüner Feldspat - Höhe 7cm, gr. Durchmesser 8 cm.
Um den Hals des Königs lagen zwei Halskragen, ähnlich denen des Psusennes I., doch von geringerem Goldgewicht. Einer trägt wieder den Namen seines Vorgängers Psusennes I. Der zweite verdient Beachtung wegen seiner ungewöhnlichen winkelförmigen Gold- und Lapislazuli-Perlen und seiner Lotosblütenanhänger.
(Montet Katalog Nr. 644)
Zwei Pektorale, eines davon trug er an einer Kette um den Hals.
(Kairo JE 86038=SR 8738) Gold, Höhe 8,9 cm, Breite 8,8 cm, Tiefe 0,4 cm.
Das Pektoral ist aus zwei Goldblechplatten hergestellt, die man an den Borten verlötete, dass sie ein dünnes hohles Kästchen bildeten. Die Vorderseite ist in erhabenen Relief gearbeitet, während die Rückseite die gleiche Szene wie die Vorderseite zeigt, nur dass hier ziseliert ist. Die Szene zeigt den toten König, der Nemes-Kopftuch, breiten Kragen, Schurz und Stierschwanz trägt. Der König vollzieht ein Weihrauch- und Libationsopfer für den rechts auf den Thron sitzenden Osiris, den "Herrn der Ewigkeit". 

Die Inschrift zwischen ihnen spricht von einem "dreifachen" Weihrauch- und Libationsopfer für seinen "Vater Osiris". Über dem König ist die Sonnenscheibe mit zwei herabhängenden Uräen zu sehen. Davor die beiden Ringnamen des Königs, der als "geliebt von Osiris, dem Herrn von Abydos bezeichnet wird.
 

Das zweite Pektoral ist ebenfalls in Kapellenform , aber in durchbrochener Arbeit gefertigt worden.
(Montet-Kat. Nr. 645/JE 86037) Gold, Lapislazuli, Glaspaste, stark beschädigt, Höhe 9,8 cm, Breite 10,6cm. Im Inneren des Pektorals erscheint auf einem Podest die sitzenden Figuren der Isis (links) und der Nephthys (rechts). Der Podest trägt die Inschrift: " Der gute Gott (Amenemope, geliebt von Amun) geliebt von Osiris, dem Herrn von Abydos." Die handwerkliche Verarbeitung dieses Stückes ist mäßig. Wahrscheinlich hat man sich wenig Mühe gegeben, da es sich bei diesem Stück um Totenschmuck handelt. 

Pektoral des Königs Amenemope JE 86038 Kairo        Kairo JE 86037 Pektoral König Amenemope
 
Ein weiteres Kultobjekt war ein sogenannter "nemset"-Kessel, aus Silber und Bronze für Wasserriten. (Kairo JE 86099) Derartige Gefäße wurden bei kultischen Handlungen verwendet, insbesondere während des wichtigen Rituals der "Mundöffnung" der Toten. Der Schnabel ist mit drei Nieten befestigt. Unter der Ausguss-Tülle auf dem Gefäßkörper befindet sich eine Inschrift, bestehend aus drei senkrechten Kolumnen in einer rechteckigen Einfassung:
" Der vollkommene Gott, (Usermaatre Setepenre), der Herr der beiden Länder, (Amenemope Meriamun) geliebt von Osiris-Sokaris, Herr von Rosetau." 
Das Gefäß ist 12c cm hoch und hat einen Durchmesser von 11,5 cm.

(Kairo JE 85009) Ein goldenes Libationsgefäß - Hes-Vase, - Höhe  19,8 cm, Durchmesser 7,7 cm., Gold
Das Gefäß ist von klarer schlanker Form, besitzt einen breiten Rand und hat einen hohen, ausgestellten Fuß. Unter dem Ausguss-Schnabel ist als einziger Zierrat der Name des Königs zu lesen.
"Der vollkommene Gott  (Amenemope - geliebt von Amun) - geliebt von Osiris, dem Herrn von Abydos."
Solche Gefäße wurden für Wasserspenden verwendet, ein Parallelstück fand ich bei Psusennes I. All diese Gegenstände wurden am 3. Mai 1940 mitsamt der ganzen Grabausstattung ins Museum von Kairo gebracht.

 

Wassergefäß des Königs Amenemope JE  86098



16.04.1040 Öffnung der Sargkammer König Amenemope
17.04.1940 Öffnung des königlichen Sarkophags Amenemopes in Anwesenheit v. König Faruk
03.05.1040 Transport der Schätze des Amenemopes nach Kairo

 

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