Cheops-Pyramide

Pyramiden-Allgemein

Mykerinos-Pyramide


Erbauer:  CHEFREN  
  ca. um 2570 / 2530 v.Chr.  (n. Schneider)

 

Namen des Königs nach Lexikon der Pharaonen (Schneider=

Geburtsname  (xaj = f - Ra )   Chefren "Er erscheint (nämlich)
Horusname Wsr - jb     
Nebtiname  Wsr - m - Nbtj      
Goldname  NTr - nbw sxm      
weitere Namen                                           Chafre, Khafre, Suphis II. , Rekhaf
Familie:



Vater:       Cheops 
Mutter:     unbekannt


Geschwister: Brüder
Djedefrea, KaAwaa
Djedefmin,
Chaafmin
Ba
Afre,
Djedefhor
DuAenhor
Schwestern:
Chaamerer-nebi
Hetepheres II
Hetepheres II
Kinder: Mykerinos ,   SechemkaArea ,DuArea
Niuserrea, aAnchemrea,ScherpsesetkaAu
Rechet-Rea, Chaamerernebti II., Hemetrea I.
Vorgänger: Djedefre    

 

Ein Meisterwerk der sogenannten Rundplastik ist diese außergewöhnliche Statue aus Diorit des König Chephren. Sie hat eine Höhe von 168 cm, eine Breite von 57 cm und ist 96 cm lang. Die Statue  wurde 1860 von den Arbeitern Mariettes im sogenannten Brunnenschacht im Taltempel des Chephren gefunden. 

Chephren, der Sohn des Cheops und der Erbauer der zweitgrößten Pyramide in Giseh, dem evtl. auch der Bau der großen Sphinx zugeschrieben wird, sitzt hier auf seinem Löwenthron mit hoher Rückenlehne, die eine Hand liegt flach auf dem Knie liegend, während die andere ein gerolltes Tüchlein  hält, das sich unter der Faust fortsetzt. Er trägt das königliche nemes-Kopftuch mit plissierten Streifen über den Schultern und über der Stirn ist die leicht erhobene Uräus-Schlange zu sehen. Der königliche Zeremonienbart ist unter dem Kinn befestigt. Chephren trägt den königlichen, kurzen plissierten Schurz, der altägyptisch schendit heißt. 

Auf jeder Seite des Thronsessels ist das Motiv der Vereinigung der beiden Länder, sema-taui, angebracht.Hinter dem Kopfschmuck des Königs sieht man den Horusfalken, dessen Schwingen schützend das Haupt des Königs umschließen. Von vorn ist der Horusfalke unsichtbar, obwohl der Kopf des Falken leicht den der Statue überragt. Dieses stellt die Beziehung zwischen Gott und König dar, dieser ist der irdische, sichtbare Vertreter, das Bild Gottes, der sich in der Person des Königs manifestiert, in ihm einwohnt als dem "lebenden Horus"

Diorit-Statue Chephren
Museum Kairo JE 1006=CG 14

Höhe:     168 cm
Breite:      57 cm
Länge:      96 cm

Der Inhaber der mittleren Pyramide von Giseh hieß ursprünglich Chafchufu. (Quelle: Stadelmann) Er ließ sich die große Doppelmastaba G 7130-40 auf dem Ostfriedhof von Giseh bauen. Durch den frühen Tod seiner Halbbrüder Kauab und Djedefre kam Chafchufu an die Macht und änderte seinen Namen in Chafre (griech.: Chephren).

Manetho setzt Chafre (Chephren) mit Suphis II. gleich und gewährt ihm eine Amtszeit von 66 Jahren. Allerdings dürfte dies kaum den Tatsachen entsprechen. Der Turiner Papyrus beziffert seine Regierungszeit auf 20 Jahre + x Jahre (zerstörte Angabe). Daraus wurde von den Ägyptologen wie etwa Jürgen v. Beckerath und W. Helck eine effektive Regierungslänge von 26 Jahren errechnet. Vermutlich ist aber angesichts des Bauvolumens der Chephren-Pyramide eine längere Zeit anzusetzen, in etwa so wie bei Snofru und Cheops.

Abgesehen von seiner Pyramide existieren nur wenige Bauten und Denkmäler des Chephren, die belegt sind. Im Wadi Hammamat wurde ein Graffito gefunden, in Memphis eine Alabastastatue, Blöcke aus Bubastis und Tanis und ein Siegel aus el-Ragágna und Sakkara.

Chephren kehrte mit seinem Pyramidenbezirk im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der sein eigenes Grabmal etwa 8 Kilometer nördlich von Giseh auf einer strategischen Höhe von Abu Roasch baute, wieder nach Giseh zurück.

Nach seinem Tod wird lt. Manetho ein König mit Namen Bicheris (vermutlich BaAkaA) für eine kurze Zeit König über Ägypten, bevor Chephrens Sohn Mykerinos an die Macht kam.

"Groß ist die Pyramide des Chefren"

Aus der Ferne gesehen erscheint die Chephren-Pyramide durch ihren höher gelegenen Standort größer als die Pyramide des Cheops zu sein, zumal die keine Spitze mehr hat. Die Ursache dafür ist der Standort auf einem höher gelegenen Teil des Giseh-Plateau und die etwas steilere Böschung der Wände sowie der besser erhaltene Gipfel, was den Eindruck ihrer Größe verstärkt. Sie ist 3 Meter kleiner als die Cheops-Pyramide.

Manche Ägyptologen sind der Meinung, dass mit der Pyramide des Cheops der Höhepunkt der Riesenbauten erreicht wurde, die man weder in Höhe noch in Perfektion übertreffen konnte. Dieses sieht man im Wandel der Namensformen gegenüber dem Vorgängerbau. Die mittlere Pyramide heißt einfach nur  - Wj-xaj-f-Raw -
"Groß ist die Pyramide des Chephren".

Der Pyramidenbezirk des Chefren
- aus der Vogelperspektive -

Chephren-Pyramide
 mit Resten der Originalverkleidung aus Tura-Gestein an der Spitze

Die Geschichte der Erforschung der Chephren-Pyramide ist ähnlich wie bei dem Cheops-Monument. In antiker Zeit hielt man diese Pyramide allgemein für einen unzugänglichen massiven Steinklotz ohne Innenräume. Der Umstand, dass es an der Nordwand keinen entsprechenden Eingangsschacht gab, täuschte darüber hinweg, dass auf derselben Seite zwei waren: einen an der Unterkante, der im Steinboden eingelassen war und der andere befand sich in der äußeren Verschalung, rund 13 Meter über der Grundfläche und ein wenig weiter westlich in der Mitte.

In der modernen Zeit war es der berühmte italienische Archäologe Giovanni Belzoni, der als erster am 2. März 1818 den abschüssigen oberen Eingang zur Pyramide entdeckte, nachdem sie bereits in der Antike und im 13. Jh. n. Chr. betreten worden war. Vor ihm hatte schon 1817 Caviglia vergeblich versucht, in den Monumentalbau einzudringen. Ein Jahr später gelang es Belzoni, den sogenannten oberen Eingang zu entdecken und er untersuchte auch den unterirdischen Pyramidenteil. Aber erst 1837 kam es zur ersten wirklich sorgfältigen Untersuchung der Chephren-Pyramide durch den Engländer Perring. In den letzten Jahren haben Mark Lehner und Dr. Zahi Hawass den Grabkomplex im Rahmen des amerikanischen Giseh Plateau Mapping Projekt erforscht.

Die Pyramide in Zahlen:

Name in der Antike: "Groß ist die Pyramide des Chephren".
Höhe: 143,50 m
heutige Höhe: 136,40 m
Basislänge: 215,25 m ²
Neigungswinkel: 53° 10*
Volumen der Steinblöcke: 1.659.200 Kubikmeter (nach Schneider)
Innere Kammern: 2
Passagen: 2 absteigende
Nebenpyramide 1  (GH-a)


An der Nordseite der Pyramide erkennt man außer den Stollen der Grabräuber, die zwei Eingänge zu Pyramide. Der erste liegt auf Bodenniveau und führt in den unteren Gang, der zweite bildet den Zugang zum oberen Gang, in den der von Belzoni geöffnete Durchgang mündete.

Wie schon bei der Cheops-Pyramide nutze man den Felsvorsprung dazu, die Stabilität des Kerns zu erhöhen. In diesem Fall sogar in einem derartigen Ausmaß, dass man die untersten Stufen der Südwestecke direkt aus dem Felskern gehauen hatte, allerdings wurde der Kern der Chephren-Pyramide weniger sorgfältig als bei der Großen Pyramide des Cheops errichtet.

Am oberen Eingang hat der englische Oberst  Fitzclarence eine Inschrift anbringen lassen, die an die Öffnung der Pyramide durch Giovanni Battista Belzoni erinnern soll.

Eingänge in die Chephren-Pyramide

Pyramidenplateau - in der Mitte die Chephren-Pyramide.

 

Der Pyramiden-Komplex

Die Ausstattung der Grabanlage von König Chephren mit Taltempel, Aufweg und Totentempel sowie mit Nebenpyramide und der eigentlichen Pyramide sollte für die übrigen Gräber des Alten Reiches stilbildend werden.

Die endgültige Lage der Chephren-Pyramide scheint aber nicht mit der ursprünglich vorgesehenen Lage Übereinzustimmen, die vielleicht weiter nördlich lag.  Dadurch könnte evtl. die Existenz von zwei Eingängen und die asymmetrische Lage der unvollendet gebliebenen Felsenkammer erklärt werden. (Quelle: P. Jánosi/ die Pyramiden u. Ägyptische Pyramiden/ Al Siliotti)

Die Pyramide von Chephren wurde auf allen vier Seiten von einem etwa 10,10 Meter breiten, geöffneten Hof umgeben, der nur durch eine Pforte vom Totentempel aus zu betreten war.  Der Hof  war mit Kalksteinplatten von unregelmäßiger Form gepflastert. 

Unter anderem war der Pyramidenkomplex auch als Hafen für die Reise in die Unterwelt gedacht. Die breite Terrasse östlich der Chephren-Pyramide besteht aus massiven, bis zu mehrere hundert Tonnen schweren Kalksteinblöcken. Aus den Nordost- und Südwestecken der Terrasse ragen riesige Piers, die wie gigantische Docks aussehen hervor. Zwischen den beiden Piers und dem Totentempel sind fünf in den Naturfels gehauene enge schiffsförmige Gruben gefunden worden. (Quelle: Mark Lehner)

Der Pyramidenbezirk des Chephren ist aufgrund religiöser Vorstellungen durch einen festen Bauplan für die Grabanlagen gekennzeichnet, der von König Chephren genauso eingehalten wurde, wie von seinen Vorgängern.  Der Eingang zur Pyramide liegt wie bei allen Pyramiden des Alten Reiches im Norden. Ein Gang führt von dort zur eigentlichen Sargkammer, die in westlicher Richtung gebaut wurde, weil in der altägyptischen Vorstellung das Totenreich in Verbindung mit der untergehenden Sonne im Westen gesehen werden musste.  Die Ostrichtung der Grabkammer ist eine symbolische Verbindung zum Opfertempel, der an der Ostseite der Pyramide gelegen ist. Hier empfing der Verstorbene durch eine Scheintür die Opfergaben der Priester.  Durch einen überdachten Aufweg war der Totentempel mit dem im Fruchtland liegenden Taltempel verbunden.  An der Südseite, in der Pyramidenachse, liegt eine kleine, fast zerstörte Pyramide (GII-a). Einst hatte sie eine eigene Umfassungsmauer umgeben. Stadelmann äußerte die Vermutung, dass es sich hierbei um eine Kultpyramide handelt, wie bei dem Fund an der Südostseite der großen Cheopspyramide.  Wie bei den meisten Grabanlagen scheint auch bei der Chephren-Pyramide ein sogenanntes Südgrab in Form einer kleineren Kultpyramide vorhanden gewesen zu sein.

Nördlich von der Umfassungsmauer, die den Hof umgab, verlief eine zweite, mächtige megalithische Mauer, die den Pyramidenbezirk im Norden, Westen und Süden in größerem Abstand umschloss. Westlich davon, aber außerhalb lagen Magazine und Arbeiterkasernen mit über 500 langen, schmalen Räumen, die für mehr als 5500 Arbeiter Platz hatten. Noch deutlich zu erkenne sind nahe der Nordwestecke der Pyramide Spuren eines Tagesteinbruches.

Totentempel

Der Totentempel des Chephren gilt als echter architektonischer Fortschritt im Vergleich zu denen seiner Vorgänger.

Im Chephren-Totentempel treten erstmals fünf spätere Standardmerkmale auf:

Eingangshalle
Breiter Säulenhof
Fünf Nischen für Königsstatuen
Fünf Magazinkammern
Allerheiligstes - Stelenpaar oder Scheintür oder beides

Es könnte sein, dass die fünf Nischen auf die vollendete, fünffache Titulatur des Königs verweisen. Die Abusir-Papyri lassen vermuten, dass in der 5. Dynastie Statuen des Königs als Herrscher über Süd- und Nordägypten und als Osiris in den drei Nischen standen.

Der Totentempel des Chephren wurde an der Ostseite der Pyramide in einem Abstand von 13 m zu Pyramide errichtet. Er war durch einen Flügel des Pyramidenhofs von der Ostwand getrennt und nimmt ein Rechteck von 56 m Breite und 111 m Länge ein. Sein Kernmauerwerk bestand aus riesigen Blöcken von bis zu 200-400 t. Gewicht. Lediglich die großen Blöcke des Kernmauerwerks wurden von den Steinräubern stehengelassen. 1910 wurde der Totentempel, der deutlich größer als der des Cheops ist, durch die Ernst-von Sieglin-Expedition unter der Leitung von U.  Hölscher ausgegraben. Dadurch, dass er über die Jahrhunderte hinweg als Steinbruch benutzt wurde, sind von diesem großartigen Tempel nur noch Überreste ohne Säulen und Granitverkleidung erhalten. An den Seiten befinden sich vier große Bootsgruben (eine fünfte liegt an der Südseite - parallel zur Umfassungsmauer). Alle Gruben waren bei ihrer Entdeckung leer und sind zum größten Teil noch mit den Original-Kalksteinblöcken abgedeckt.

Der Tempel besteht aus einem Vorderteil mit einem Eingang zum Haupthof und einem Rückteil. Unter Chephren wurde zum erstenmal ein neuer Mauerwerktyp eingeführt, der im Vorderteil aus Kalkstein-Megalithen bestand, die den Wandkern bildeten und mit Stein feinerer Qualität verkleidet waren. Das Innere des Tempels war fast völlig mit Rosen-Granit und Kalkstein ausgekleidet, während der Fußboden mit Alabasterplatten abgedeckt war.

Wenn man diesen Opfertempel mit dem einfach wirkenden Tempel des Cheops mit seinem Pfeilerhof und Kultraum vergleicht, ist festzustellen, dass sich die Anzahl der Räume im Chephren-Tempel vervielfacht und der Tempelbau insgesamt entsprechend vergrößert. Der gesamte Bau mit seinen Kulträumen, Magazinen und Hallen wirkte wie ein undurchdringbarer massiver Block.

(Daten nach Stadelmann und H. Ricke)

  1. Pyramidenhof

  2. Opfermagazine und Totenopferraum, Scheintür

  3. Statuenkapellen

  4. Offener Hof mit Säulenumgang

  5. Tiefe Halle

  6. Breite Halle

  7. Aufweg

  8. Vestibül

Zum Totentempel, der sich über eine Länge von 111m erstreckt, gehörten mehrere Hallen. Man betrat die Eingangshalle von Osten her durch eine kleine Vorkammer (8), in der sich ein Paar monolithische Pfeiler aus Rosengranit befanden; zwölf ähnliche Paare waren auch in der breiten Halle vorhanden. 
Unmittelbar links vom Vestibül befanden sich zwei Granitkammern. Eine quer zum Eingang liegende Eingangshalle (6), die in der Längsachse ungefähr die Form eines umgedrehten T. hatte, wurde gestützt durch 14  Säulen. Von jedem Ende der Halle zweigte eine lange schmale Kammer ab.  Es gibt Vermutungen, dass hier einst riesige Königsstatuen standen.

Es folgte eine rechteckige von Säulen an der Nord- sowie der Südseite gesäumte tiefe Halle (5), die in einem großen offenen Hof mit Säulenumgang (4) mündete. Die granitumhüllten Säulen waren so breit, dass sie wie Brückenpfeiler um den Hof standen. Im weißen Alabastaboden standen 12 Statuen in Gruben oder Halterungen. Der amerikanische Ägyptologe Mark Lehner nimmt an, das die Innenwände des Hofs vielleicht ab einer gewissen Höhe mit Reliefs verziert waren. In der Mitte des Hofs stand offensichtlich ein Altar, wie die hier gefundenen Überreste eines kleinen Entwässerungskanals vermuten lassen.

Nach Westen hin öffneten sich fünf Durchgänge zu einem querliegenden Korridor und den fünf Statuenkapellen (3). Diesen fünf Kapellen scheinen die fünf Magazine westlich davon zugehören. Hinter diesen liegt ein Querraum, in dessen Mitte eine breite Nische den Ort der Scheintür (2) markiert. Durch die Scheintür kann der tote König aus seinem Grab in den Tempel gelangen und an den Opfern teilhaben.  In der Nordostecke führt eine Treppenrampe zum Dach. Unter Umgehung des Verehrungshofes und des westlichen Tempelteiles führt ein leicht ansteigender Korridor auf die Nordseite des Tempels und mündet direkt in den Pyramidenumgang (1).

Aufweg und Taltempel

Der 494,6  m lange Aufweg, der anfänglich im Osten auf dem Felsabbruch, der die Grenze des Cheops-Steinbruches bildete, verläuft,  verbindet den Totentempel mit dem im Fruchtland liegenden Taltempel. Genauso wie der Aufweg zum Cheops-Opfertempel ist auch dieser gedeckt. Der Aufweg hatte einen Höhenunterschied von etwa 46 Metern zu überwinden. Von ihm sind nur noch Reste vorhanden. Es wird vermutet, dass es sich dabei um einen gedeckten Korridor aus Kalkstein gehandelt hatte, der innen vielleicht reliefverziert und außen mit Rosengranitblöcken verkleidet war. Es ist an den noch teilweise erhaltenen Seitenwänden am östlichen Ende keine Dekoration festgestellt worden. Allerdings enthielt schon nach Herodots Bericht der Aufweg des Cheops Darstellungen - es ist daher anzunehmen, dass dies auch auf den des Chephren zutrifft. In der Mitte des Aufweges ist dieser untertunnelt, um den Handwerkern und Priestern der Nekropole den Verkehr zwischen der nördlichen und südlichen Hälfte zu ermöglichen.

Der Weg verläuft nicht genau auf der Ostwestachse der Pyramide und des Totentempels, sondern ist nach Südosten verschoben, weil der Taltempel selbst mit Rücksicht auf die Große Sphinx und den Tempel leicht versetzt errichtet wurde. Ein Korridor, der direkt in den Fels getrieben wurde, trennte ihn von den übrigen Bauwerken.

Der Taltempel des Chephren, der im Jahre 1852 von Auguste Mariette, dem späteren Direktor des Ägyptischen Nationalmuseums Kairo erforscht wurde, wird fälschlicherweise auch "Tempel der Sphinx" genannt. Er ist der einzige wirklich gut erhaltene Taltempel. 

Der Mauerkern des Taltempels war aus großen Blöcken gebaut. Die Masse dieser Blöcke erreichte in einigen Fällen fast bis zu hundertfünfzig Tonnen Gewicht. Den Belag bildeten Platten aus Rosengranit. Vor der Ostfassade fand man eine ausgedehnte, mit Kalksteinplatten gepflasterte Terrasse, die durch zwei Zugangswege zum Nilkanal führten. In der Mitte der Terrasse wurden Überreste eines kleinen, einfachen Holz-Matten-Baus entdeckt. Einige Forscher gehen davon aus, dass hier die Statue des Königs stand.

Der Grundriss ist fast quadratisch (Seitenlänge: 44,60 m und 13 m Höhe) mit zwei Eingängen, vor denen sich ursprünglich vier Sphingen befanden, die heute nur noch in Bruchstücken erhalten sind. Vor der Mitte der Fassade stand eine Art Pavillon oder ein Kiosk, der entweder eine Statue des Königs barg oder das Reinigungszelt, welches nach Darstellungen in Privatgräbern im Alten Reich ein leichter Rahmenbau, verkleidet mit Matten war. Das Nordtor in der Ostfassade des Taltempels war der Göttin Bastet geweiht, während das südliche Tor Bezug nahm auf Hathor. Durch die beiden 6 m hohen Eingänge, die mit riesigen, einblättrigen Türen, vermutlich aus Zedernholz, verschlossen waren, gelangte man in das Vestibül (Vorhalle), in der ein, in späterer Zeit angelegter Schacht gefunden wurde. Hier fand man die berühmte und gut erhaltene Sitzfigur des Chephren mit dem Horusfalken im Nacken.

Die Wände des Vestibüls waren aus einfachen, ursprünglich hochpolierten Rosengranit erbaut, während der Fußboden mit weißem Alabaster gepflastert war. Die beiden Torräume sind fast 9 m hoch.

Die T-förmige Pfeilerhalle nahm den größten Teil des Tempels ein und war ebenso mit poliertem Rosengranit und weißem Alabaster ausgekleidet. Ihr Grundriss hat wieder die Form eines umgedrehten T. Das Dach ruhte auf 16 Rosen-Granitpfeilern, die aus Kupferverbänden in Form eines Schwalbenschwanzes miteinander verbunden waren, von denen viele heute noch vorhanden sind. Die Wände der Pfeilerhalle waren blankpoliert und völlig schmucklos. Die fehlende Decke besaß schmale Dachöffnungen, die spärliches Licht ins Tempelinnere hereinließen.  Mit ein wenig Phantasie kann man sich den optischen Kontras zwischen den 23 überlebensgroßen dunklen Chephren-Statuen, die an den Seitenwänden standen und dem weißen Alabasterfußboden gut vorstellen. Sie bestanden aus Diorit, Schiefer und Alabaster und sind später vor Ort in der Pfeilerhalle zerstört worden.

Von der Süd- und Nordseite der Querhalle steigt je ein Korridor ab, der an der Südseite zu 6 schmalen, doppelstöckigen Magazinkammern aus Rosengranit führte. Ein Korridor an der nordwestlichen Ecke ging zu dem Aufweg über, der ähnlich wie die Pfeilerhalle mit Alabaster gepflastert war. Von hier aus  führte ein Zugang einerseits zu einem kleinen, dunklen Raum, der von einigen Ägyptologen nicht sehr überzeugend für einen Wächterraum gehalten wird, andererseits  führt er zu zu einem Treppenaufgang, über den man die Dachterrasse ereichte. An der Südseite des Daches befand sich ein kleiner Hof. Er lag unmittelbar über den 6 Vorratskammern, von denen auf 2 Ebenen je 3 ins Kernmauerwerk der T-Halle eingelassen waren. Vom offenen Hof auf dem Tempeldach führen symbolische Röhren, die mit Alabaster ausgekleidet sind (Alabaster galt als spezielles Reinigungssymbol), in die tiefen, dunklen Kammern hinab.

Dieser Tempel ist nicht nur ein Meisterwerk der ägyptischen Baukunst, sondern ferner der besterhaltene seiner Art im Alten Reich. Das Areal wurde gerade deshalb von Sand befreit und 1869 bildete der Tempel zusammen mit andern Monumenten der Pyramidennekropole von Giseh die feierliche Kulisse zur Eröffnung des Suezkanals.

Die Pyramide von Außen

Die Pyramide ruht auf einer Terrasse, die im Nordwesten etwa 10m in die Felsgrundoberfläche eingehauen und in der Südostecke mit gewaltigem Mauerwerk hochgebaut wurde. Durch diesen Umstand glich man die 3-6gradige natürliche Neigung des Mokattamgebirges aus. Der Kern der Chephren-Pyramide wurde weniger sorgfältig als der bei der Cheops-Pyramide errichtet, d. h. die Schichten verlaufen nicht immer genau waagerecht. Auch die Fugen unterscheiden sich zu denen der großen Pyramide. Sie sind häufig recht breit, und zwischen den Fugen fehlt oftmals Mörtel.

Die unterste Verkleidungsschicht bestand aus Rosengranit, alle weitere Lagen wurden mit Tura-Kalkstein umhüllt. Nur das obere Viertel der Verkleidung ist noch erhalten - offenbar ein Hinweis auf das Vorgehen der Steinräuber, die zuerst Ecken und Basis abräumten und sich dann später nach oben vorarbeiteten. Auffällig ist, dass die Verkleidungssteine an der Spitze mit rund 50 cm Dicke viel kleiner sind, als die Überbleibsel am Fuß der Pyramide des Cheops und seiner Königinnen. Das Pyramidion und zum Teil auch der Gipfel der Pyramide existieren heute nicht mehr.

Die doppelte Eingangspassage lässt auf eine Verkleinerung des ursprünglichen Basismaßes schließen. Am Anfang des unteren und oberen Horizontalkorridors befanden sich Fallsperrsysteme. Generell ist zu beobachten, dass Grabbauten öfters kleiner begonnen und anschließend, nach Vollendung der Grabkammer und wenn der Kern eine gewisse Höhe hatte, erweitert wurden. Für eine anfänglich kleinere Pyramide spricht der Bau des unteren Korridors, der mit einem Neigungswinkel von 21° 40' in den anstehenden Felskern eintritt. Die Maße des Korridors (1,05 m Breite und 1,19 m Höhe) sind die in der 4. Dynastie gebräuchlichsten.  Allerdings spricht gegen die Annahme einer anfänglich kleineren Pyramide, dass der ansteigende Korridor entweder ebenerdig, oder außerhalb der Pyramide geendet hatte. Dieses ist für die Grabbauten der 4. Dynastie ungewöhnlich.
(Quelle: Stadelmann/die ägyptischen Pyramiden)

Die Pyramide von Innen

 

  1. oberer Eingang
  2. unterer Eingang
  3. Obere absteigende Passage
  4. untere absteigende Passage
  5. Nebenkammer
  6. Fallsteinvorrichtung
  7. Aufsteigender Gang
  8. Grabkammer

 

Die Chephren-Pyramide enthält zwei absteigende Passagen (1 + 2). Die eine beginnt auf Bodenhöhe von der Mitte der nördlichen Frontseite aus, die andere beginnt im Mauerwerkskörper etwa 11,54 m über der Grundfläche. Am Anfang des unteren und oberen Horizontalkorridors befanden sich Fallsperrsysteme.

Der untere Eingangsschacht (4) führt schräg abwärts zu einem 1,7 m hohen Horizontalgang, der sich in eine, in den Felsen gehauenen Nebenkammer mit Giebeldach auftut (5). Der Zweck ist unklar. Vielleicht war es eine serdab-Kammer - in etwa vergleichbar mit der fälschlicherweise als "Königinnenkammer" bekannten Kammer in der Cheops-Pyramide. Es ist aber auch möglich, dass sie nur als eine einfache Opfergabenkammer gedient hatte. Die Maße der Nebenkammer sind: 10,41m x 3,12m, H. 2,61m. Im Gang vor der Kammer wurde zur Sicherung der Grabanlage eine Fallsteinkammer errichtet.  Vom Ende des Horizontalganges aus führt eine Passage nach oben und kreuzt sich mit der anderen, die ihrerseits von hoch oben in der Pyramide zum Felsboden hinabgeht. Bei dieser nachträglichen Verbindung der beiden Korridore ist offensichtlich ein Fehler passiert. Da wohl oben und unten gleichzeitig gegraben wurde, hat man sich durch einen Messfehler wahrscheinlich verpaßt. Das fehlerhafte Verbindungsstück ist später wieder ausgemauert worden.

Der obere Gang verläuft zunächst absteigend  32m lang mit einem Neigungswinkel von 25°55' und ist mit Blöcken aus Rosengranit verkleidet. Nach Erreichen der Pyramidengrundfläche verläuft er horizontal. An dieser Stelle wurde ebenfalls eine Versperrung durch einen Fallstein vorgesehen.  Die Maße des oberen Korridors sind gleich dem des unteren, also: 1,05m Breite und 1,19m Höhe. (Quelle: Stadelmann) Ein waagerechter Gang von 1,78m Höhe, der nach 8,61m den vermauerten Abstieg zur unteren Galerie überquert, erreicht nach insgesamt ca. 56 m die eigentliche Sargkammer. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gelang es Grabräubern, einen Tunnel zu graben, mit dessen Hilfe sie den gesondert befestigten Korridorteil umgingen.

Die Grabkammer des Chephren wurde 1818 von
Giovanni Battista Belzoni entdeckt. Er hinterließ auf der Südwand der Grabkammer die folgende Inschrift:

"Entdeckt von G. Belzoni - 2. März 1818".
Nach Herodot hatte diese Pyramide keine unterirdischen Kammern. 
Belzoni fand aber an der Westseite der Grabkammer eine Inschrift, die bezeugte, dass  der Grabbau bereits in moslemischer Zeit, möglicherweise am Ende des 7. Jahrh.,  betreten worden war.

Die eigentliche ost-westlich ausgerichtete rechteckige Grabkammer hat einen Grundriss von 4,99m x 14,15m und 6,83m Höhe. Beachtenswert ist, dass die Decke der Grabkammer im Unterschied zur Cheops-Pyramide in Form eines Giebeldaches gebaut wurde. Dieser Baustil, der auch bei der oberen Entlastungskammer der großen Pyramide zu beobachten ist, bewirkt eine Verringerung der Last des darrüberliegenden Pyramidenkerns auf die Kammer. Ab diesem Zeitpunkt wurde sie in allen nachfolgenden Pyramiden angewandt.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Wände der Grabkammer ursprünglich mit Rosengranit verkleidet gewesen waren. Der westliche Teil der Kammer hat ein Kalkstein- und Granitpflaster, der östliche ist roh belassen. Lt. Stadelmann kann daraus eine Teilung der Kammer durch eine Holzgerüstwand geschlossen werden, deren Pfostenspuren noch erkennbar sind. Eine Grube im Fußboden ( 0,72m x 0,76m )  - es ist die erste ihrer Art, die in einer Pyramide gefunden wurde - könnte wahrscheinlich die Kanopentruhe enthalten haben, deren Deckel dann eine der Bodenfliesen gebildet hätte. Wie in den oberen Kammern der Cheops-Pyramide waren Luftkanäle vorgesehen, die jedoch nicht ausgeführt wurden.

Nahe der Westwand steht der leicht in den Fußboden versenkte Sarkophag aus Rosengranit. Ursprünglich war er mit einem Schiebedeckel versehen, der aber von Belzoni schon zerbrochen vorgefunden wurde. Der Sarkophag, der 2,62m in der Länge und 1,06m in der Breite misst, ist schmucklos und ohne Inschriften. Von den sterblichen Überresten des Chephren oder seiner Grabausstattung sind keinerlei Spuren gefunden worden.


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