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  Palästina-Feldzug Schoschenq I.

Chronologie

Baudenkmäler des Königs sind über das ganze Land verteilt, der Schwerpunkt der Bau-Aktivität Schoschenq I.  lag aber in Karnak.

Gebel el-Silsila:

In den Sandsteinbrüchen des Dschebel es–Silsila (Gebel Silsile / Gebel el – Silislah - West)  am Westufer des Nils gelegen fand sich eine Felsstele (Stele Nr. 100 - sie liegt etwa 100m südlich des Speos von Iwpwt I./Iupet)
Die Stele hat eine rechteckige Form einer Scheintür, und misst 2,93 x 2,52 m. Datiert ist sie in das 21. Jahr König Schoschenqs I. („Jahr 21. 2 Monat der Schemu“ – Januar 924 ? ).

                    Felsstele Nr. 100. Caminos, JEA 38

Ausschnitt aus der Stele von Gebel Silsile

Im oberen Bild sieht man, wie der König von der Göttin Mut von Ascheru vor Amun von Karnak, Re–Harachte , Atum und Ptah-Nun geführt wird. Hinter dem König sieht man den weihräuchernden Hohenpriester und Königssohn Iupet, der mit einem Panterfell bekleidet ist.  

Die Stele wird beiderseits von je zwei Textkolumnen eingerahmt, die innen zeigen die Titulatur des Königs. Unterhalb des Bildfeldes ist ein siebenzeiliger Text angebracht. Im Stelentext wird von einem Königsbefehl an den Sohn des Königs, den Hohenpriester des Amun Iupet I. berichtet, im Tempel des Amun zu Karnak einen großen Pylon und einen Hof,  
(
wsx.t  Hbj.t) der mit Statuen und Säulen umgeben werden sollte zu errichten.

Zeile 1-4 Rede des Königs, die am Schluss eine Bitte um lange Regierungsjahre enthält.
Ab Zeile 5 wiederholt sich der Text im Namen des Hohenpriesters.


zu der Stele siehe hier

Karnak:

 

Bubastiden-Portal:

Das Bauvorhaben war in einem gigantischen Stil geplant, doch war dem König durch seinen baldigen Tod nur wenig vergönnt von seinen hochfliegenden Plänen in die Tat umzusetzen. Durch das neue Bauprojekt wurde der gesamte Platz vor dem zweiten Pylon komplett umgestaltet. Vom damaligen Eingang der Tempelanlage, dem II. Pylon ausgehend, wurde eine Fläche von 80 x 100m abgesteckt und mit einer Mauer umgeben, die sich zur Mittelachse durch ein Portal öffnete. Dabei wurden die älteren Stationsheiligtümer von König Sethos I. und Ramses III. und die von Widdersphinxen gesäumte Prozessionsstraße perfekt in den neu geschaffenen Hof integriert. Anschließend wurde die nördliche und südliche Mauer dieses Festhofes mit einer Kolonnade aus Papyrusbündelsäulen versehen.

Komplett fertiggestellt werden konnte eventuell unter König Schoschenq I.  nur die sog. Bubastidenhalle / Portal zwischen dem 2. Pylon und dem kleinen querliegenden Tempel  Ramses III. 

Das Bubastidentor - vom Süden aus gesehen

(Bild: Elvira Kronlob)

Siegesrelief Schoschenq I. auf der westlichen Seite der Außenwand der Bubastidenhalle
(Bild: Thanks to Jon Bodsworth)

Auch der Reliefschmuck der Bubastidenhalle stammt nur teilweise noch von ihm, selbst das große Siegesrelief blieb unvollendet. Möglicherweise begann bereits Schoschenq I. mit dem Bau oder zumindest der Planung des großen 1. Pylons. Aus den Titeln, die der Bauleiters Horemsaf, Oberbaumeister am !wt  !D-xpr-Ra stp-n-Ra in Theben“ trug, hat Helck auf einen Totentempel für König Schoschenq I. auf thebanischen Gebiet geschlossen, der bereits im Bau oder wenigstens in Planung war.

Das riesige Siegesrelief Schoschenq I., das sich wohl auf den Palästinafeldzug des Königs bezieht, befindet sich auf der westlichen Seite der Außenwand des großen Säulensaal, links von der Qadeschinschrift Ramses II. Die Darstellung ist nicht komplett in Relief ausgeführt worden, die Gestalt Schoschenq I. war teilweise nur in Farbe aufgemalt; die oberägyptische Krone, der Arm, der die Feinde packt, sind noch zu erkennen – dem König folgt sein Ka. Der König wird beim Erschlagen eines Bündel Asiaten vor dem Reichsgott Amun, der ihm ein Sichelschwert reicht, gezeigt

Unter dem Gott Amun ist eine kleine Abbildung der Göttin des thebanischen Gaues Waset ("Siegreiches Theben") dargestellt. Amun und die Gaugöttin führen dem König besiegte Städte  an Stricken zu.



(Bildausschnitt: Elvira Kronlob)
Der Name der Städte ist von einer Festungsmauer umgeben, darüber ist der Oberkörper und Kopf der besiegten Feinde dargestellt. An den Gesichtern der Gefangenen lässt sich ihre unterschiedliche ethnische Abstammung erkennen

Bildausschnitt: Karnak Tempel 10.jpg
Autor:   Olaf Tausch
Lizenz:  Creativ Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unp,
Die Namen der eroberten Städte auf dem rechten Bild lauten von rechts nach links (lt. David Rohl):
Honim (?) - Aruna - Borim und Gat-Padalla.                                                                   

Im Museum Berlin unter der Nr. 2094 befindet sich ein Sandsteinblock (Höhe 52 cm, Breite 70 cm) mit Resten der Darstellung von vier bärtigen, langhaarigen Asiaten, er stammt aus dem Siegesrelief König Schoschenq I.  an der Bubastidenhalle. Die vier Asiaten (stehen jeweils für die unterworfenen Städte) gehören zu den 100 Städten aus dem Gebiet von Judäa; der linke Name bezeichnete wahrscheinlich die Stadt Arad in der judäischen Wüste. 

(Anmerkung: Das Bubastiden-Portal in seiner Gesamtheit wird später separat auf einer weiteren Seite behandelt.)

Sandsteinfragmente Schoschenq I. in Karnak:

 

Zwei zusammenpassende Blöcke mit den Kartuschen Schoschenqs I. befinden sich im Steinlager von Karnak – es handelt sich um den oberen Hohlkehlenabschluss einer Mauer-

 

 

(Bild: Mit frdl. Dank Hanne Siegmeier)  

Blöcke mit Resten des Namens König Schoschenq I. fanden sich in Karnak in der „Tribüne“ vor dem 1. Pylon verbaut. 
Die Identifizierung des Königs mit Schoschenq I. ergibt sich aus weiteren, unpublizierten Blöcken.

Sachmet-Statuen, usurpiert von Schoschenq I.

Im Tempelbezirk der Mut usurpierte Schoschenq I. etliche Statuen der Göttin Sachmet (ursprünglich von Amenophis III.), indem er links seinen Geburtsnamen und rechts den Thronnamen am Thronsitz anbringen ließ. 

Sachmet-Sitzstatue im Mutbezirk von Karnak
- usurpiert von Schoschenq I. -

 Auf dem Thronsessel (hier links) ließ Schoschenq I. seinen Thronnamen 
HD
xpr-Ra   
stp.n-Ra eingravieren.

Bild:       Karnak Mout 004.jpg
Autor      Neithsabes (aus Wikipedia)
Lizenz:   
Creative Commons-Lizenz Namensnenn.3.0
Bild:        Karnak Mout 005.jpg
Autor      Neithsabes (aus Wikipedia)
Lizenz:   
Creative Commons-Lizenz Namensnenn.3.0

Weitere von Schoschenq I. usurpierte Sachmet-Statuen:

Sachmetstatue aus Karnak, heute London BM 517, von Schoschenq I. usurpiert:
(
Inschriften der Spätzeit/Jansen-Winkeln, Bd. II. Harrassowitz-Verlag)

Sachmetstatue aus Karnak, heute in London BM 63, von Schoschenq I. usurpiert 
(Inschriften der Spätzeit/Jansen-Winkeln, Bd. II. Harrassowitz-Verlag)

Sachmetstatue aus Karnak, heute im Brüssel, von Schoschenq I. usurpiert – PM II, 268
(Inschriften der Spätzeit/Jansen-Winkeln, Bd. II. Harrassowitz-Verlag)

(Zu anderen von Schoschenq I. usurpierten Sachmet-Statuen siehe PM II.², 258; 2665; 267; 290; 334)

Beleg für ein "Haus der Millionen von Jahre" Schoschenq I.  im Amuntempel von Karnak (?) PM II.²,35 (124); Reliefs III. Taf. 4
- Textquelle nach "die Häuser der Millionen von Jahre" - M. Ullman -

Die (unfertige) Szene im Tempel des Amun-Re an der südlichen Außenwand, knapp westlich des II. Pylon, direkt östlich des Bubastidentores (siehe PM II, 35) zeigt Schoschenq I., gefolgt von seiner Ka-Standarte, beim Erschlagen asiatischer Feinde vor Amun und einer Personifikation des siegreichen Thebens.

Im beigeschriebenen Text wird in einer Rede Amuns an den König, in der er die Taten und Bauten des Königs lobt, in Zeile 16 der Terminus "Millionenjahrhaus" verwendet.

Zeile 10-17:
„Worte sprechen durch Amun–Re, Herrn der Throne der beiden Länder, Ersten in Karnak, Herrn des Himmels, Herrscher von Theben:  “ Mein Herz ist hocherfreut, wenn ich deine Stärke sehe (mein) geliebter Sohn (^Sno  mrj Jmn)|, du kannst hervor aus mir, um mein Beschützer zu sein. (Ich) sehe, dass deine Pläne erfolgreich sind, denn du hast [Nützliches] entstehen lassen für meinen Tempel. Du hast verschönert meine [Stadt] von Theben, den
großen Sitz, auf dem sich mein Herz befindet. Du hast begonnen, Denkmäler zu errichten im südlichen Heliopolis und nördlichen Heliopolis und jeder (anderen) Stadt ebenso für (jeden) Gott, der in seinem Gau ist. Du hast errichtet mein Gotteshaus der Millionen Jahre, [seine] Türen in ihm sind aus Elektron, für meine [Statue ?] darin. “

Die Zeichengruppe ist stark zerstört, als dass entschieden werden könnte, welches Wort hier Verwendung fand. Die nachfolgende Hieroglyphe des sitzenden Gottes, die auch ansonsten im Text für das Personalsuffix der 1. Person bezüglich Amun–Re steht und die Fortsetzung mit jm machen es aber sehr wahrscheinlich, dass hier einer der Begriffe für Statue/Abbild einzusetzen ist. Durch den Dekrettext (auf dem Sandsteinblock J – siehe unter "Millionenjahrhaus in Memphis") stellt sich nun aber die Frage, mit welchem Kultbau dieses hier erwähnte Millionenjahrhaus zu identifizieren ist. Die Ortsangabe in dem Dekret engt die Lokalisierung des Baus auf den Tempelbezirk des Amun von Karnak ein. 

Eine Bautätigkeit des Königs ist an mehreren Punkten im Tempel nachgewiesen:  

  1. im nördlichen Hof König Thutmosis III., hinter dem 6. Pylon Hof und dem Rest einer Stele, deren fragmentarische Inschrift von einer asiatischen Kampagne berichtet. 
      Stelenfragmente in Kairo 3/ 12 / 24 / 1, dazu PM 94 / Stelen -
  2. Weiter errichtete er die Säulenkolonnade vor dem 2. Pylon
     – PM II, 23f -
  3.  und das sog. Bubastidentor – PM II, 34ff.

Im Text der Stele von Gebel el–Sisile–West wird der Gottesvater Haremsaf (!rwmsA = f) auch als  jmjrA   kA.t   Hw.t  (!DhprRa  stp.nRa)| m WAs.t  also als „Leiter der Bauarbeiten des Hauses des (!DhprRa  stp.nRa)| in Theben bezeichnet. Helck ordnet diese Anlage unter die westthebanischen Totentempel ein. Breasted dagegen sieht darin den Namen des Karnaktempels unter Schoschenq I.  M. Ullmann möchte das Hw.t  (!DhprRa  stp.nRa)| m WAs.t im vorliegenden Kontext als eine Bezeichnung für die Erweiterungsbauten des Königs im westlichen Vorgelände des Amun-Tempels von Karnak verstehen. Dieser auch als Festhof betitelte Bau schloss sowohl den Tempel Ramses III. als auch das sog. Dreikapellenheiligtum Sethos II.  mit ein, wurde jedoch nie fertiggestellt. 

In einer Architravinschriften des Bubastidentores wird ebenfalls Bezug auf die Erweiterungsbauten Schoschenq I. genommen. Es heißt da bezüglich des Königs: „Weisung geben für den, der ihn schuf, zu erweitern sein Gotteshauses in der Ausdehnung von Millionen “. Die Frage ist nun, ob diese Bauten Schoschenq I. vor dem eigentlichen Amuntempel identisch sein können mit dem inschriftlich belegten Millionenjahrhaus

Es ergeben sich zwei Möglichkeiten:

1. Das Millionenjahrhaus ist gleichzusetzen mit den Erweiterungsbauten des Königs in Karnak.
2. Der Begriff des Millionenjahrhaus bezog sich auf den Amuntempel in seiner Gesamtheit und ist damit analog 
    zu der Situation bei Thutmosis IV. zu verstehen. 

Gegen die erste Möglichkeit spricht die ansonsten für ein Millionenjahrhaus nicht nachzuweisende Beschränkung auf eine Hofanlage ohne einen geschlossenen Raum.

(Text: nach Ullmann/die Häuser der Millionenjahre)

Stelenfragmente in Kairo 3/ 12 / 24 / 1

Die Fragmente stammen aus dem Amuntempel von Karnak. Die Stele hatte eine Höhe von 2,91m und war 0,92cm breit, ihre Stärke betrug 0,59cm. Das Bildfeld zeigt die Reste einer Opferszene – rechts der König, hinter ihm sein Sohn und Hoherpriester des Amun Iuput A vor Amun, links König und Hoherpriester vor Chons, darüber die Flügelsonne.

untere Zeile: „Hoherpriester des Amun–Re, König der Götter, Generalissimus, Iuput der Gerechtfertigte, der Sohn des Herrn der Beiden Länder, (Schoschenq)| “
-  Die Inschrift gibt (soweit erkennbar) einen Text  im Stil der „ Königsnovelle “ wieder  -
                        (K. Jansen-Winkeln: Inschriften der Spätzeit, Bd. II.)

 

Memphis:
- Belege für ein Millionenjahrhaus  in Memphis -

    Sandsteinfragment nördlich des 6. Pylon in Karnak
Im nördlichen Hof Thutmosis III., hinter dem 6. Pylon des Amun-Tempels, wurde ein Steinblock ( J ) gefunden, der aus dessen Südwand stammt,
dessen fragmentarische Inschrift (1)auf Bautätigkeiten Schoschenq I. sowohl in Karnak als auch in Memphis hinweist. Nach PM II, 94 (264) handelt es sich um einen von mehreren „(replachet)“ Blöcke aus der Zeit der 22. Dynastie. Auf ihnen befindet sich eine Inschrift aus der Regierungszeit König Schoschenq I. (11. vertikale Kolumnen) und  Osorkon II. (8. vertikale Kolumnen). 

(Bild: Mit frdl. Dank saamunra)
-
bearbeitet von Nefershapiland zwecks besserer Erkennbarkeit der Inschriften -

Später ließ König Taharqa teilweise über den Inschriften Reliefdarstellungen von sich anbringen. Bei unserem Block sind am unteren Rand Spuren einer späteren Bearbeitung sichtbar - siehe Aussparung am rechten unteren Ende des Blockes. Deutlich ist in der aus 11. vertikalen Kolumnen bestehenden Inschrift der Thron– und Geburtsname König Schoschenq  I. zu erkennen. Der Block trägt 11 senkrechte Zeilen, deren Anfang und Ende jeweils fehlen. Nach Vernus handelt es sich um ein königliches Dekret in Form eines Orakels an Amun–Re, die Gründung eines Millionenjahrhauses König Schoschenq I. in Memphis betreffend. Der Text auf dem Block besagt, dass das "memphitische Millionenjahrhaus" Schoschenqs I. so dauerhaft sein soll, wie das "Haus der Millionen Jahr(e), das sich in "Jp.t-s.wt" (Ipet-sut = Karnak) befindet.

Der Text beginnt mit einer (zerstörten) Datierung und der Titulatur des Königs. Ab Zeile 4 setzt er sich wie folgt fort:

Der Text beginnt mit einer (zerstörten) Datierung und der Titulatur des Königs. Ab Zeile 4 setzt er sich wie folgt fort:
„[Dieses Tag des Erscheinenlassens] dieses herrlichen [Gottes] Amun–Re, König der Götter, der große Gott, der Große, der als erster entstand, [Amun-Re, König der Götter], der große Gott, der Große, der als erster entstand,
[sagte]:  Ich werde veranlassen, dass das Haus [der Millionen Jahr(e) des Königs von Ober– und Unterägypten] (!DxprRa  stp.nRa)| Sohn des Re (^Sno  mrjJmn)|, das sich in Memphis befindet, dauert, so wie mein Haus der Million Jahr(e), das sich befindet in  Jp.ts.]wt. Amun–Re, König der Götter, der große Gott, der Große, der als erster entstand, sagte: [ …] Haus der Millionen Jahr(e) des Königs von Ober– und Unterägypten (!DxprRa  stp.n Ra)| Sohn des Re (^Sno  mrjJmn)|, das sich befindet [in Memphis ……. ] alle Menschen von jeder Art, die sind, die befehlen [ … ] er (?) für den Großen der Leiter der Handwerker und Sempriester ……(?) als ihr Gottesopfer, [ihre Felder (?) ……. ] aus allem Versiegelten, das sich darin befindet, um zu verhindern, dass geschädigt wird [ … ]. “
(Textquelle: Ullmann/König für die Ewigkeit - Die Häuser der Millionen von Jahre/Harrassowitz-Verlag 2002, S. 564)

(Inschriftentext: Inschriften der Spätzeit - Karl Jansen-Winkeln Bd. II.)

Kommentar durch M. Ullmann in "Die Häuser der Millionen von Jahre"
Im nördlichen Hof Thutmosis III., hinter dem 6. Pylon, liegen heute mehrere großformatige Steinblöcke, die aus dem östlichen Teil der Südwand des Hofes stammen. Die nur fragmentarisch erhaltene Inschrift 1 auf Block J enthält nach der Interpretation von Vernus, der sämtliche Texte auf diesen Blöcken behandelte, ein Dekret in Form eines Orakels an 
Amun–Re. Inhalt des Dekrets ist die Gründung eines Millionenjahrhaus von Schoschenq I. in Memphis. Der memphitische Bau wird vermutlich zweimal im Text erwähnt, ebenso wohl ein ähnlicher Bau im Bereich des Karnaktempels.   

Die Millionenjahrhaus–Ergänzung in Zeile 6 kann, ebenso wie die topographische Zuordnung „das sich in Memphis befindet"  (ntj  m  !w.tkAPtH) in den Zeilen 8 – 9, als gesichert gelten. Aus dem Text geht hervor, dass Schoschenq I. in Memphis ein Jahrmillionenjahrhaus auf seinen Namen erbauen ließ, dessen materieller Besitz und Angestellte vor Übergriffen anderer Institutionen geschützt werden sollten.

Der Hohepriester des Ptah-Tempels scheint in seiner Funktion als Sempriester mit ihm verbunden gewesen zu sein. Das in Memphis liegende Millionenjahrhaus Schoschenq I. ist nun aber eindeutig verbunden mit Amun–Re, König der Götter, in Karnak:  Er ist es, der das Orakel gibt und der Dekrettext ist im zentralen Teil des Amun-Tempels von Karnak aufgezeichnet. Vernus möchte deshalb in Amun den Hauptgott des memphitischen Millionenjahrhauses Schoschenq I. sehen und vermutet aufgrund der Parallelsetzung dieser Anlage zu einem Millionenjahrhaus in Karnak, dass die Gründung in Memphis wirtschaftlich anhängig war vom Haus (pr ) des Amun. Eine irgendwie geartete Bautätigkeit König Schoschenq I.  ist durch verstreute Blöcke, die seinen Namen tragen, nachgewiesen.

Ein weiterer Beleg für ein Millionenjahrhaus Schoschenq I.  in Memphis ist eine Stele aus dem Serapeum (Saqqara). Sie befindet sich heute im Magazin Nr. 4 Saqqara, Objekt Nr. 18417 im Registerbuch XII – die Stele kann eventuell in die Zeit Schoschenq V.  datiert werden. Der in ihrem Text genannte !rwMAa.t  wird als „Gottesvater des Ptah, Untervorsteher der Sempriester vom Tempel des Sokar, Gottesdiener des Hauses der Millionen Jahr(e) des (^SnqmrJmn)|, Diener der Versorgungsstelle des Königs“ bezeichnet – siehe weiteres zur Stele unter Raum Memphis. 

Das auf der Stele genannte Millionenjahrhaus ist mit Sicherheit identisch mit dem in Karnak genannten memphitischen Tempel König Schoschenq I. Bislang kann jedoch keine archäologischen Reste mit einem Millionenjahrhaus des Königs in Memphis in Verbindung gebracht werden. Deshalb ist ein Vorschlag zur genauen Lokalisierung des Baues innerhalb von Memphis nicht möglich. 

Raum Memphis:

Im Magazin Nr. 4 Saqqara, Objekt Nr. 18417 im Registerbuch XII befindet sich eine Stele, die ursprünglich aus dem Serapeum (Saqqara) stammt. Die Stele heute in drei Teile zerbrochene und stellenweise beschädigte Stele besteht aus Kalkstein. Sie zeigt im oberen Bildfeld einen stehenden Gott vor einem Opfertisch und Reste von stark beschädigten Textzeilen. Der Text darunter besteht aus zwölf waagrechten Zeilen. Unten auf der Stele ist eine hieratische Textzeile angefügt.

Der Stelenstifter war ein Leiter der Steinmetzarbeiten des Ptah-Tempels. Im Haupttext wird ein "Millionenjahrhaus" König Schoschenq I. im Rahmen eines Titels erwähnt.

"…… Gottesvater des Ptah, Untervorsteher der Sempriester vom Tempel des Sokar, Gottesdiener des Hauses der Millionen Jahr(e) des (Schoschenq  mrj – Jmn)|, Diener der Versorgungsstele des Königs !rw – [MAa.t] ……."

Zur Zeit König Schoschenq I. bekleidete das Amt des Hohenpriesters des Ptah ein Mann namens Sds(w)–Nfrtm/ Schedsunefertem. Von ihm fand sich eine Sitzstatue (Kairo, JdE 86758) und eine Sitzgruppe (Kairo CG 741) im Ptahtempel zu Memphis. Aus einem Orakeldekret (Schutzdekret) des Amun–Re, angebracht nördlich des 6. Pylons zu Karnak, erfahren wir von einem Totentempel (Jahrmillionenhaus) den der König in Memphis besaß. 

In Tempelbezirk des Ptah selbst fanden sich Blöcke mit dem Namen Schoschenqs I.: u. a. ein Gesimsfragment (PM III, 851) und zwei Fragmente einer Säulenbasis aus Mitrahina, PM III, 873.

Einen Kalksteinblock, der aus dem „Sitz des Apis“ in Memphis stammt, welcher 1878 von Emil Brugsch entdeckt wurde, hielt man allgemein für einen Einbalsamierungstisch für den Apis und er wurde deshalb seinem Begräbniskult zugerechnet. Der Block war aber wahrscheinlich eher Teil eines Gebäudes, das Schoschenq I. hier errichtete, und der später in einer Pflasterung wiederverwendet wurde. Als Balsamierungstisch diente er wohl mit Sicherheit  nicht. Auf dem Block sieht man den Hohenpriester des Ptah mit Namen  ^d.sw - Nfrtm  (Schedsunefertem) der mit dem Mundöffnungsgerät hantiert.

Die Inschrift dazu lautet:

„König Schoschenq ( I.) hat die Wabet für seinen Vater Osiris–Apis mit trefflicher Arbeit gebaut “. 

Wahrscheinlich ließ Schoschenq I. wohl auf einer älteren ramessidischen Anlage durch Schedsunefertem ( ^d.sw-Nfrtmein Balsamierungshauses für den Apis errichten. Dieser Schedsunefertem stammte aus der traditionsreichen Hohepriesterfamilie, welche vor ihm schon viele Hohepriester für Memphis gestellt hatte.

In Saqqara fand man einen Block aus einer Kapelle König Schoschenq I. mit Darstellungen personifizierter Gaue (15. und 16. oberägyptischer Gau).

Buto / Tell el-Farain

In Buto (Tell el–Fara `in [Pr-W3djt] fand sich ein Fragment eines großen Denkmals. Es enthält das Ende einer Genealogie „ [ .... ] wr  a3  n  M  *nt  [ .... ] “.  James meint das Fragment enthalte den Namen *nt[spH] , der Mutter König Schoschenq I. Demzufolge würde die Inschrift folgendermaßen zu ergänzen sein:

„[ S3s3no  s3   wr  a3   n   M  Nmrt M3a-xrw   mwt.f   s3tn]  wr   a3   n   M  *nt [spH].

Tanis:

In Tanis ließ der König am großen Tempel weiterbauen und usurpierte einige der hier aufgestellten Sphinxen – diese stammen ursprünglich aus dem Mittleren Reich und wurden von ihrem originalen Standort erst nach Pi–Ramesse verschleppt und von dort nach Tanis, wobei sie zwischenzeitlich mehrfach usurpiert worden waren.

Sphinx Paris Louvre A. 23  - gefunden in Tanis - mit Usurpationsvermerken König Schoschenq I. / PM IV, 15; 
Petrie Tanis  I.
( B. Fay, The Louvre Sphinx and Royal Sculpture from the Reign of Amenemhat II, Mainz)


siehe hier

Sphinx Kairo JdE 37478 + CG 639 - gefunden in Tanis - mit Usurpationsvermerken König Schoschenq I. / PM IV, 15;
Petrie Tanis I.

Kalksteinblöcke mit sehr schönen Reliefdarstellungen und dem Namen des Königs gehören offenbar zu den Resten eines monumentalen Tores und eventuell anderen Bauten. Im Tor König  Schoschenqs III. fanden sich wiederverwendete Blöcke mit dem Thronnamen Schoschenq I.  mit folgender Aufschrift:

Es gibt weitere unpublizierten Blöcken, die aus dem Amuntempel von Tanis stammen, sie sind zum Teil in einer Treppe verbaut – siehe Montet/Tanis.

Bubastis:

Bautätigkeit von Schoschenq I. in Bubastis sind nachgewiesen.

Saft el-Henna/Per-Sopdu:

Auf einem Block, der aus Saft el-Henna stammt (unpubliziert), befindet sich eine Nennung, die sich auf den  späteren König Osorkon I. als Prinzen beziehen könnte. Es werden Wünsche für einen  "HmnTr  n  Spdw  nb jAbt" genannt. " fils de Sheshanq et de Karoma

Pitom/Tjeku

Für Schoschenq I.  ist eine Bautätigkeit im Delta in Tell el–Maskhuta, (Pithom – altägyptisch Per–Atum) der Hauptstadt des 8. unterägyptischen Gaues belegt. Es fand sich ein Granitfragment, das aus dem hiesigen Tempel stammt, mit Resten von zwei Opferszenen – Naville, Pithom, 4; 15.

Tell Balala:

Bautätigkeit von Schoschenq I. in Tell Balala sind nachgewiesen.        

Tell Atrib / Athribis
 
= Hut–Her–ib  oder  Hut–Ta – Heri – ib

Kalksteinfragmente im Magazin von Benda. (Venus, Athribis, 58)

Heliopolis:

Aus Heliopolis stammte ein Architekturfragment, das sich heute in Alexandria Nr. 360 befindet – Daressy, ASAE 5, 1904. Jedoch ist weder die Herkunft noch die Zuordnung zu Schoschenq I. wirklich gesichert.
Außenseite, Zeile oben:  (Inschriften der Spätzeit/Jansen-Winkeln, Bd. II. Harrassowitz-Verlag)

In der Favissa des Sonnentempels von Heliopolis fand sich das Bruchstück einer Votiv-Elle aus Stein, die den Namen Schoschenq I. trägt. Das Stück befindet sich heute im Museum von Turin, Nr. Suppl. 2681. Innerhalb des Standardtextes wird der Königsname genannt

Votive-Elle Turin Nr. 2681, A. Schwab-Schlott, Die Ausmasse Ägyptens nach altägyptischen Texten, ÄUAT 3, 1981, 48-63; Taf. XI-XIV; ead., MDAIK 28, 1972, 110-2; Taf. 23; GM 192, 2003, 61-66;
innerhalb der Standardtexte der Königsname auf Seite D, Z.2;
(
Alle Bilder aus MDAIK 28, 1972)

Herakleopolis:

In Herakleopolis fand man einen Block, der sich heute im Museum Kairo JdE 39410 befindet (siehe Tresson Mel Maspero, I. 817-40), auf dem die Namen Schoschenq I. erwähnt werden.

 

El-Hibe:

In den Ruinen des alten Ankyronen Polis (altägyptisch Teudjoi), im 18. oberägyptischen Gau, ca. 150km südlich von Kairo, (die Stätte war seit der 21. Dynastie bewohnt) beim heutigen Dorf el-Hibe/El-Hiba liegt die Ruine eines kleinen, halbzerstörten Amun-Tempels, den Schoschenq I. und sein Sohn Osorkon I., erbauen ließen, der aber in seiner Ausschmückung nie vollendet wurde. Schoschenq I. ließ auch die hiesige Festung Teuzoi ausbauen.

Der Bau ist architekturgeschichtlich von Interesse, weil er das früheste Beispiel eines echten, an der Front geöffneten Pronaos besaß. Der Tempel wurde 1913 /14 von einer badischen Expedition ausgegraben (der Heidelberger Akademie der Wissenschaft und der Freiburger Wissenschaftlichen Gesellschaft) und  1934 / 35 fanden hier nochmals kurzfristige Grabungen statt. 

Der Tempel war den thebanischen Göttern geweiht, Amun, Mut und Chons, den Göttern Re, Thot, Isis u.a.m., besonders aber einer lokalen Form des Gottes „Amun des Lagers“ mit dem kriegerischen Beinamen „Amun–Re, groß an Siegesgeschrei“ ( a3   hm  Hmt)  oder auch  „Amun–Re, groß an Gebrüll, Herr von el–Hibe, der Große Gott, groß an Schrecken“, auch manchmal als „Bergstirn des Amun, groß an Siegesgeschrei“ bezeichnet.                      

Der Tempelbau dürfte auf Initiative des Hohenpriesters des Amun Iuput I. zurückzuführen sein, da ja El–Hibe sein Hauptquartier war. Eine Inschrift eines Pfeilers aus der Vorhalle bestätigt dies. Hier ist unter einer Darstellung König Schoschenqs I. vermerkt:

„Hoherpriester des Amunrasonter, Oberbefehlshaber Seiner Majestät, Königssohn von Ramses Ipu[tj] “.

In der Heidelberger Universitätssammlung (Heidelberger Ägyptologisches Institut) befinden sich einige Reliefblöcke aus diesem Tempelbau. wie z. B. die Reliefszene Inv. Nr. 1970, die ursprünglich an der Nordseite der Rückwand der Vorhalle gebracht war. Gezeigt wird hier König Schoschenq I. beim Erschlagen der Feinde (EdF-Szene).

          Amun-Tempel in El-Hibe
erhaltene Inschrift:
1. [ … ] .. a
2. [ … ] MnTw
3. [ nswtbjt  ( …] stpnRa)|
[zA Ra] (^SnomrjJmn)| dj  anx 
    d
d  wAs  m[j] Ra

hinter König:
!r TmAa  nb   jr[t]  jxt  - "Horus mit starkem Arm, Herr des Opfers“
sA  anx  Dd  wAs  HA.f  mj  Ra  -
„Schutz, Leben, Dauer und Glück seinen hinter ihm wie (bei) Re “

(Bild aus SAK – 9 / 1981)

Beschreibung der Szene:
Der König steht nach links gewandt, den linken Arm erhoben, den rechten vorgestreckt. Er holt mit der linken Hand zum Schlag aus und greift mit der Rechten ein am Boden kniendes, um Gnade flehendes Bündel Feinde, das heute weggebrochen ist. Ein heute nicht mehr vorhandener vor ihm stehender Gott hält dem König das Lebenszeichen an die Nase. Darunter steht der Segenswunsch "Millionen von Lebensjahre". Der König trägt die "Hemhemet-Krone" (Atefkrone) aus ausladenden, gedrehten Widderhörnern, von denen zwei Uräen mit Sonnenscheiben auf ihren Häuptern herabhängen, zwei weitere Uräen bäumen sich über den Hörnern an deren Enden auf.

Zwei Falken umspannen seinen Oberkörper mit ihren Schwingen. Der König nimmt also die seit vorgeschichtlicher Zeit geprägte Haltung des Herrschers ein, der seine vor ihm knienden und um Gnade flehenden Feinde am Schopf packt und mit einer Keule oder einem Sichelschwert ausholt, um sie zu erschlagen. Gern wird dieses Bild auf den Eingangspylonen von Tempeln dargestellt, um die Macht des Königs nach außen zu demonstrieren. Es kommt jedoch auch auf Wänden der Tempel in Zyklen von Kriegsdarstellungen vor.

Im Gegensatz zu den Darstellungen auf den Pylonen, die in der Regel eine reine  Machtdemonstration des Herrschers und die Erfüllung der Pflicht gegenüber dem Gott Amun wiederspiegeln, schildern die Kriegszüge auf den Wänden meist historische Ereignisse. Die Fragmente des Heidelberger Reliefs wurden bei der Nordwand im Inneren der Vorhalle des Tempels gefunden. Das Gesicht des erschlagenen Mannes trägt asiatische Züge, seine Arme waren im Rücken zusammengebunden. Es ist auch die Rede von Gefangenen Asiens.

Zwei weitere Fragmente fanden sich in der Nähe der Nordwand im Inneren der Tempelvorhalle. 

Fragment Inv. Nr. 1345 – links                     … gefangene Asiaten … “
Fragment Inv. Nr. 1346 - rechts                  „ … vernichten … “

Im Heidelberger Ägyptologisches Institut befinden sich zwei Teile eines Pfeilers, der aus der zweiten Pfeilerhalle des El-Hibistempel stammen. Die beiden Fragmente aus Kalkstein stellen Teile eines Pfeilers dar, die jeweils eine Darstellung des Königs vor einer Gottheit zeigen. Nur der Oberkörper der Figuren ab der Taille bis knapp über ihren Köpfen ist erhalten geblieben. 

Unter den Grabungsfotos von Hermann Ranke fand sich eine Aufnahme eines Blockfragments, das sich genau oben an Block Inv. Nr. 562 anfügt. Der Verbleib dieses Fragments ist leider nicht feststellbar, vielleicht verblieb es in el–Hibe ?

Über dem König schwebt die Geiergöttin Nechbet, die weiße von Elkab:
„ Nechbet, die weiße von Elkab .. .“
Davor befinden sich die beiden Kartuschennamen des Königs:
"nb Awj  (ssnq-mrjImn)| 
nb   xpS   (HD xpr - Ra    stp.n Ra)|"

Darunter der Segenswunsch:
"Dj  anx  wAs  mj  Ra  „ Beschenkt mit Leben und Herrschaft, wie Re "

(Umzeichnung aus SAK 6)

 

Der König vor dem Gott Schepses
- Zwei Teile eines Pfeilers in el-Hibe -
Inv.-Nr. 562 + 922 Museum Heidelberg.
Material: Kalkstein;
Porter & Moss III.², 124

Hinter dem Gott
 ist die Inschrift zu lesen:

"....Herr des Schreckens, groß an Wunder,"

Der König steht links vor dem Gott Schepses. Schoschenq I. trägt die blaue Krone mit einem Uräus, deren Leib zweieinhalb Windungen aufweist. In seiner rechten Hand hält er einen Wedel. Vor dem König steht der Gott Schepses mit kurzer Perücke, Götterbart und einem breiten Perlenkragen. Auf dem Haupt trägt er die Mondscheibe in der Sichel (siehe Faksimile (Umzeichnung) oben.

Diese Seite des Pfeilers wirkt im Vergleich zur unten beschriebenen Pfeilerseite unfertig, Oberkörper und Kragen zeigen keine Innenbearbeitung, Farbspuren weisen darauf hin, dass sie durch Bemalung vollendet war. 
Vor der Stirn des Königs sind die Querstriche seiner Kartusche zu erkennen, darunter steht der Wunsch:  "[Schoschenq] sei Leben gegeben wie Re."
Farbspuren: Rot an der Haut vom Gott und König und an den Hieroglyphen.    
                                                                                                                                   A 42            A 38

Weitere blaue Farbspuren sind an der Krone und am Kragen des Königs erkennbar und an den Haaren des Gottes, ebenso an den Zeilentrennern hinter dem Gott. Gelbe Farbspuren befinden sich an der Mondsichel und -scheibe. 
Nach Vorstellung der Ägypter bestand das Götterhaar aus Lapislazuli. Aus diesem Grund war das Götterhaar hier auch bei beiden Gottheiten blau gemalt.

 

  Teil eines Pfeilers aus Tempel El-Hibe
     Inv.-Nr. 562 Museum Heidelberg
Die Darstellung auf der 53,8cm hohen besser erhaltenen Pfeilerseite zeigt rechts den König mit der unterägyptischen Krone, an der sich der Uräus aufrichtet, mit Zeremonialbart und einer Kette aus linsenförmigen Perlen um den Hals, räuchernd vor der Göttin Isis. Die Göttin trägt die Geierhaube, deren Gefieder blaue Farbspuren zeigt. Über der Geierhaube erhebt sich ein Aufsatz, bestehend aus dem Kuhgehörn mit der Sonnenscheibe dazwischen. Zwei Uräen winden sich um die Sonnenscheibe, einer schaut nach rechts der andere nach links.
Unter der Geierhaube trägt die Göttin ein Perlennetz über dem einst blauen Haar, an dem unten sieben Uräen befestigt sind. Um den Hals trägt sie einen  großen Halskragen, die Ohren zierten Scheibenohrringe. Der rechte Arm der Göttin hängt an ihrer Seite herab, in der linken Hand hält sie einen Papyruswedel.

Der König steht der Göttin gegenüber, in der linken Hand hält er der Göttin ein Räuchergefäß aus dem eine Flamme züngelt, entgegen. Welche Art von Krone der König trug, ist unsicher (entweder handelte es sich um die Weiße oder um die Doppelkrone). Am Kinn trägt er den Zeremonialbart. Um den Hals trägt der König eine dreireihige Kette aus goldenen Linsenperlen. 

Ranke gibt an, über der Göttin habe gestanden:
 
dj.n(.j)  n.k  rn.k  mj  Ra  Dt
„Ich gebe dir deinen Namen wie Re, ewiglich

An Farbspuren sind erhalten: Rot an der Hand des Königs, am Geierbalg und an der Sonnenscheibe; Blau im Perlennetz-, kragen und dem Haar der Göttin und im Namensring des Königs.
                                                                                (Bilder aus SAK 6)

Zwischen König und Göttin steht:
"Räuchern vor seiner Mutter [Isis]."
Der Name der Göttin Isis kann ergänzt werden, da dieser lt. dem Grabungstagebuch von Hermann Ranke über dieser Darstellung gestanden hat.

Hinter dem König sind noch Reste des DdZeichens und anchZeichens zu erkennen für "Schutz und Leben".
Vor dem König Reste der Kartusche mit seinem Namen.

 

In der Nähe der Nordwand - im Inneren der Vorhalle des el-Hibe-Tempels fanden sich drei zusammenpassende Relief-Fragmente, in denen die Rede von asiatischen Gefangenen ist. Heute befinden sich diese 3 Fragmente im Heidelberger Ägyptologischen Institut.
(Foto: SAK 9)

(Inschriften aus: Jansen-Winkeln/Inschriften der Spätzeit Bd. II., Harrassowitz-Verlag)
Die rekonstruierte Inschrift lautet: 

weitere Fragmente aus der I. Pfeilerhalle: (lt. SAK 9, 114-5)
- vordere Pfeilerreihe, 2. Pfeiler von Norden, Südseite - 
Amun überreicht ein  anx–Zeichen an den König. Der König ist nach rechts gewendet. Er trägt eine Perücke und einen Schurz.  Mit seiner linken Hand fasst er die rechte Hand von Amun und streckt ihm den rechten Arm entgegen. 

Inschriften:

Über dem Gott Amun steht:
Dj.n.j   n.k   aHa   Ra  m  pt,  nswjt.k   nswj[ t .. nbw .. nxt   r   nHt  sTt   snD   n  Sfjt.k 
(„ ich gebe dir die Zeit des Re im Himmel, deine Königsherrschaft ist die Herrschaft …. Alle …. Stark gegen den Norden, Asien fürchtet sich wegen deiner Kraft “)

Zwischen König und Amun
Ssp.k  anx  Dd  wAs  [nb] rnpwt   aSwt   mj
.
“Du empfängst alles Leben, Dauer, Wohlergehen, viele Jahre wie ………"

Vordere Reihe, 2. Pfeiler von Norden, Ostseite:
Der König räuchernd vor widderköpfigen Gott mit Sonnenscheibe

Vordere Pfeilerreihe, 3. Pfeiler von Norden, Nordseite:
Widderköpfiger Gott überreicht dem König das Sichelschwert.

Vordere Pfeilerreihe, 3. Pfeiler von Norden, Ostseite
 Der König opfert Wein vor dem Sonnengott.

Vordere Pfeilerreihe, 4. Pfeiler von Norden:
Der König opfert vor einer stehenden löwenköpfigen Göttin.

Hintere Pfeilerreihe, 2. Pfeiler von Norden, Südseite.
Der  König bringt Horus Schmuck dar.

Hintere Pfeilerreihe, 2. Pfeiler von Norden, Ostseite
Der König räuchert vor Atum.

Rückwand links (Norden): - SAK 9, 116
 – es geht um den Asienfeldzug des Königs -
Der König  mit knienden Gefangenen vor dem sitzendem Gott. Darunter Reste einer Zeile:

…… n]  rx   Tnw   Xr   sorw   anx   r   aA  
„man kennt [nicht] die Zahl der Angehörigen der Feinde wegen (?) [ihrer] zahlenmäßigen Größe (?) “

Dazu Reste einer Reihe fremdländischer Gefangener mit geographischen Namen auf der Brust:

(Inschrift: Jansen-Winkeln/Inschriften der Spätzeit Bd. II.)

 

Abydos:

Aus Abydos (Ahnas el–Medineh) stammt eine Weihestele mir dem Namen Schoschenqs I. betreffend Tempelausstattung und Stiftungen.

Elephantine:

Im Stadtgebiet von Elephantine wurden Siegelabrollungen von Schoschenq I. gefunden. (?)

(Lt. Jansen-Winkeln in: Inschriften der Spätzeit Teil II. - Seite 477 /Harrassowitz-Verlag scheint die Identifizierung mit Schoschenq I. in MDAIK 44, 170 offenkundig falsch zu sein)


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(Co-Autor J. H. Pirzer)


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